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Katzenaugen 8 - Fantasma Negro - Teil 21-22

21 

„Mach die Nase auf und lass dich lenken, kleiner Vampir. Sag du mir, wo du hin möchtest. Giftige Tiere und Pflanzen werden wir überall finden, dazu müssen wir nicht an einen bestimmten Ort“, erklärte Alvarez und saß auf. Summer schien etwas gedöst zu haben, denn sie blickte erschrocken auf, als sie Alvarez spüren konnte. „Mädchen, du wirst nachlässig“, lachte er leise und tätschelte ihr den Hals.

„Sie weiß, dass ihr mit dir nichts schlimmes geschehen kann, genauso wie ich.“ Connor lenkte Juan neben Summer und drehte schnuppernd den Kopf. Seit er mit Ferran gearbeitet hatte, hatte sich sein Geruchssinn sehr verbessert. Sofort stieg ihm Alvarez' Geruch in die Nase und er musste grinsen. „Meine Nase führt mich direkt zu dir.“

„Nicht, dass ich das Kompliment nicht zu würdigen wüsste, kleiner unersättlicher Vampir, aber das war nicht das Klassenziel für heute“, grinste der Kater, zog seinen Freund aber vorsichtig zu einem Kuss etwas dichter, ohne ihn dabei vom Pferd zu werfen. „Aber jetzt versuch mich mal zu ignorieren, auch wenn das bei einem einnehmenden Wesen wie meinem schwer sein dürfte, und schnupper mal, was es sonst noch gibt.“

„Hmm“, machte Connor und leckte sich über die Lippen, aber er machte, was sein Freund vorschlug. Es war nicht ganz einfach, den verlockenden Duft zu ignorieren, aber nach ein paar Augenblicken klappte es. Schnuppernd drehte er den Kopf. Er wurde fast erschlagen von der Fülle der verschiedenen Gerüche um ihn herum. „Wow“, murmelte er leise und drehte den Kopf nach rechts. Dort hatte er etwas erschnuppert, was ihn neugierig machte. „Keine Ahnung, ob Tier oder Pflanze, aber irgendetwas dort hinten, riecht sehr gut.“

„Also gut riechen meistens eher Pflanzen, Tiere weniger“, erklärte Alvarez, folgte seinen Freund aber. Er ließ Connor etwas voraus reiten, um ihn nicht zu beeinflussen und ließ sich dann einfach überraschen, was seinem Freund da so verlockend in die Nase gestiegen war. Er wusste, dass dort hinten Orchideen wuchsen, doch die hatten keinen ausgeprägten Geruch.

Connor ließ sich von dem Geruch leiten und lenkte Juan näher zu dem köstlichen Duft. Immer wieder blieb er stehen, um sich zu orientieren. Er war vollkommen darin vertieft, die Aufgabe zu lösen, dass er kaum mitbekam, wie sie immer tiefer in den Dschungel vordrangen. Er verließ sich darauf, dass Alvarez es nicht zulassen würde, dass er sie in Gefahr brachte. „Wir kommen näher. Hier ist der Geruch schon viel intensiver.“ Connor hatte das Gefühl, ihn zu kennen. „Ich würde sagen, es ist eine Frucht, aber ich weiß nicht, welche.“

„Dann schnüffel dich mal noch etwas dichter, vielleicht bekommst du es ja alleine heraus“, motivierte ihn Alvarez, der vorhatte Connor so viel wie nur möglich beizubringen, wenn er wirklich vorhatte, hier zu bleiben. Dann war es wichtig, dass er sich allein im Wald zurecht fand, je schneller desto besser.

„Das werde ich.“ Jetzt war Connors Ehrgeiz geweckt. „Ich muss sie mögen, denn mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen“, lachte er und ließ Juan wieder loslaufen. Sie konnten nicht mehr weit sein und nach ein paar Minuten entdeckte er, was er gerochen hatte und musste grinsen. „Ananas“, rief er Alvarez zu und strahlte. „Die esse ich sehr gerne, darum fand ich den Geruch wohl so verlockend.“

„Du wirst also hier schon einmal nicht verhungern, auch wenn es dich zu einem unserer Felder getrieben hat“, lachte Alvarez und winkte den Bauern zu, die die reifen Früchte ernteten und gerade neue Setzlinge in den Boden brachten. „Vielleicht fällte ja eine Frucht für uns ab, komm. Fragen wir sie.“ Der Kater ritt den Weg hinab zum Wagen, in dem die Früchte gesammelt worden waren. „Eure leckere Ernte hat Connor hier her gelockt“, erklärte er ihr Hier sein.

„Sie riechen köstlich.“ Connor nickte den Männern grüßend zu. Die Früchte wurden von Hand geerntet, was in der Hitze bestimmt kein leichter Job war. Die Bauern grinsten, als Connor sich über die Lippen leckte und warfen ihm eine Ananas zu. „Sie schmecken auch köstlich. Probier sie, dann willst du keine anderen mehr essen.“ Connor bedankte sich und lachte. „Dann werde ich wohl öfter vorbeikommen, solange ich hier bin und mir eine erbetteln.“

„Tu das, ich glaube schon, dass für dich immer mal was abfallen wird.“ Der ältere Mann reichte noch ein Messer, damit er sich die Frucht gleich schälen und sie genießen konnte, während Alvarez dem ganzen amüsiert zusah. Es war erfrischend wie Connor anfing alles zu entdecken. Fast wie eine junge Katze, nur sexyer und aufregender und leckerer und … „Auch was?“ Der Kater blickte auf. „Was?“

„Möchtest du auch was ab haben?“, wiederholte Connor seine Frage noch einmal und hielt Alvarez ein Stück Ananas hin. Er selber hatte schon ein Stück im Mund, darum nuschelte er ein wenig. Die Frucht war herrlich erfrischend bei der Hitze und sehr saftig. „Sehr lecker, die kann ich dir nur empfehlen. Ich komme bestimmt ab und zu vorbei.“

„Mach das, den Weg kannst du dir ja erschnüffeln.“ Alvarez ließ sich etwas von der Frucht in den Mund stecken und ignorierte die fragenden Blicke der Feldarbeiter. Es würde sich früher oder später sowieso herum sprechen, wer Connor war und wie Alvarez zu ihm stand. Er nickte anerkennend, denn die Früchte waren wie erwartet gut. „Wir haben auch noch ein paar Bananenstauden – Interesse?“

„Unbedingt. Wenn sie auch so gut sind wie die Ananas, dann muss ich sie probieren.“ So ließ sich Connor ihren Ausflug gefallen. Aufregend, lehrreich und lecker. Er teilte die Frucht mit Alvarez und war hinterher ganz klebrig. „Kann ich mir hier irgendwo die Hände waschen?“

„Sicher, da drüben am Feldrand ist eine Zisterne mit Wasser. Wir speichern Regenwasser, falls es einmal trockener ist und wir doch bewässern müssen. Es passiert selten, es ist also schon etwas abgestanden. Trinken solltest du es nicht, aber zum Händewaschen reicht es.“ Alvarez deutete auf einen grünen Hügel. Dabei handelte es sich um ein Becken aus Beton, das mit reichlich grün verkleidet war, damit es nicht so aus der Landschaft heraus stach.

„Perfekt.“ Connor lief zu der Zisterne und wusch sich den Saft von den Fingern und aus dem Gesicht und machte auch das Messer wieder sauber. Er gab es dem Arbeiter zurück und bedankte sich noch einmal. „Dann bis in ein paar Tagen“, rief er noch, als er wieder im Sattel saß und drehte sich zu Alvarez. „Gib die Richtung vor und ich werde versuchen die Bananen zu erschnüffeln.“

Alvarez lachte und schüttelte den Kopf, wirklich wie ein kleines Kätzchen, das erste Mal im Dschungel. Er hob also die Hand und deutete nach links. Das war die Richtung, in die sie mussten. Aber da die Bananen gerade erst reiften, war es wohl nicht ganz so leicht wie die frisch angeschnittenen Ananas zu wittern. Doch Connor hatte Spaß und das allein zählte. Und wenn sie die kleine Plantage nicht fanden, konnte Alvarez immer noch die Richtung vorgeben.

Connor ließ Juan auch gleich loslaufen, denn das Pferd wurde ungeduldig. Es wollte sich bewegen, darum ließ Connor ihm seinen Willen. Immer wieder schnupperte er, konnte aber noch keine Bananen riechen. Darum sah er sich zu Alvarez um und winkte ihn zu sich. Jetzt hatte er Zeit sich umzusehen und immer wieder entdeckte er eine Pflanze oder ein Tier, auf die er seinen Freund aufmerksam machte, auch wenn dieser alles, was Connor ihm zeigte, wohl schon früher entdeckt hatte. Doch der ließ es ihn nicht merken und spielte mit, erklärte Connor, um was es sich handelte und auch ein paar der giftigen Tiere und Pflanzen hatte Connor so selber entdeckt.

„Komm, lass uns da rüber reiten. Der Wind steht günstig, da solltest du den Geruch der Plantage in die Nase bekommen können.“

Connor war sofort Feuer und Flamme und lenkte Juan in die Richtung, die Alvarez ihm gezeigt hatte. Mittlerweile hatte er es ziemlich gut raus einer bestimmten Duftspur zu folgen, wenn er sie dann gefunden hatte. Bei den Bananen dauerte es etwas länger, aber schließlich hatte er den vertrauten Geruch in der Nase. „Ich hab's“, rief er begeistert und übernahm jetzt wieder die Führung. Alvarez folgte ihm zufrieden und beobachtete Connor einfach dabei, wie er sich freute. Er hatte so viele Fassetten, dass Alvarez klar war, dass es lange dauern würde, bis er alles an Connor kannte, doch das war okay. Sie hatten Zeit.

„Hey, nicht schlecht“, lachte er, als sie vor ein paar Stauden standen. Sie waren noch nicht ganz reif, deswegen waren auch keine Arbeiter hier, um zu ernten. Die Bananen wurden erst nächste Woche geerntet.

Connor reckte jubelnd die Arme nach oben und stieg dann ab. Er lief zu einer Bananenpflanze und freute sich unwahrscheinlich, dass er die Aufgabe gemeistert hatte. „Komm her, Alvarez, ich muss dich jetzt küssen, sonst werde ich noch verrückt.“

„Ach, ich bin also nur dein Blitzableiter. Ich fasse es nicht“, sagte Alvarez gespielt pikiert und saß ab. Doch er ließ sich nicht lange bitten und kam zu Connor herüber. Er sah kurz auf die Pflanzen, sie standen gut. „Und jetzt?“, wollte er von Connor wissen und grinste dreckig, machte sich besonders groß, damit es dem Vampir schwerer fiel ihn einfach zu küssen.

„Jetzt genieße ich meinen Lieblingsduft.“ Connor streckte sich nicht, um Alvarez zu küssen, sondern schlang die Arme um ihn und vergrub seine Nase an dessen Hals. Er atmete tief ein und leckte sanft über die weiche Haut. „Danke für diesen tollen Tag“, murmelte er und streckte sich dann doch, damit er seinen Freund küssen konnte. Alvarez ließ es geschehen und ließ sich ausnahmsweise Mal dominieren. Connor hatte reichlich Energie, die er loswerden musste und ließ Alvarez grinsen. Nur langsam lösten sie sich wieder voneinander. „Ist das schon dein Lieblingsduft? Ich dachte, der wäre angereichert mit Hormonen, Adrenalin und einer Menge Sex.“

„Es ist immer dein Duft und den liebe ich in allen Variationen.“ Connor legte Alvarez die Arme um den Hals und lächelte. „Das war wirklich ein schöner Ausflug und als Dank dafür, werde ich dich heute Abend verwöhnen, wenn wir alleine und in deinem Bett sind, oder in deinem Wohnzimmer oder deiner Küche oder deinem Bad.“ Er grinste anzüglich und küsste Alvarez noch einmal ausgehungert.

„Und wenn du mich ermüdet und geschwächt hast, wirst du dich an mir laben – sei doch ehrlich. Du hast doch Hintergedanken“, knurrte Alvarez gespielt, lachte dann aber. Connor hatte seine Erlaubnis immer von ihm zu trinken, wenn er das wollte, es waren keine Bedingungen daran geknüpft.

„Erwischt.“ Connor senkte gespielt schuldbewusst den Kopf, hielt das aber nicht lange aus und musste lachen. „Selbst schuld, wenn du so lecker schmeckst, aber wenn ich zu gierig war, darfst du gerne bei mir naschen.“ Das war für ihn selbstverständlich. Er wollte nicht nur nehmen, sondern Alvarez auch etwas zurück geben.

„Na, da habe ich aber noch mal Glück gehabt, dass du mich nicht völlig vertrocknet herum liegen lassen willst“, entgegnete Alvarez und suchte eine Bananenstaude, aus der sie sich eine Frucht stibitzen konnten. Und er wurde schnell fündig. Vorsichtig löste er eine der Früchte, um die übrigen nicht zu beschädigten. Sie lebten nicht nur selbst von der Ernte, sie verkauften auch einen Teil und finanzierten sich darüber.

„Ah, die leckeren Bananen.“ Connor sah zu, wie Alvarez die Frucht schälte und leckte sich schon über die Lippen in Erwartung auf den leckeren Snack. „Was baut ihr denn noch an? Damit ich weiß, worauf ich mich noch freuen und naschen kann.“

„Hauptsächlich bauen wir an, was wir benötigen oder womit wir die Tiere füttern, die wir halten. Unsere Felder sind im weniger sensiblen Teil des Reservates verteilt, damit sie keine großen Narben in den Wald reißen. Nach zwei bis drei Jahren lassen wir sie wieder zu wuchern, um den Boden nicht auszulaugen und roden ein neues Stück Wald, was dann nach drei Jahren wieder zu wuchert. Schau am besten mal mit meiner Mutter zusammen, was aktuell auf den Feldern ist. Ich weiß es nicht, ich kümmere mich nicht darum“, erklärte Alvarez und steckte Connor ein Stück Banane in den Mund.

Darum nickte Connor nur, dass er verstanden hatte. Er wollte sowieso zu Conzuela, weil er sich ja noch Johnny ansehen wollte. Er war bisher noch nicht dazu gekommen, den kleinen Tapir anzusehen. Er schluckte und öffnete gleich wieder den Mund, damit er noch etwas bekam. „Lecker.“

Und so fütterte Alvarez Connor wie einen kleinen Babyvogel, der immer wieder den Schnabel aufsperrte. Sie sahen sich noch etwas in der Nähe um, doch dann brachen sie langsam auf und machten sich auf den Heimweg. Das Obst machte Alvarez nicht satt, es machte eher Hunger auf mehr und so wollte er etwas kochen, denn er bekam Hunger.

„Ich brauche gleich eine Dusche, ich bin vollkommen durchgeschwitzt.“ Connor schnupperte an sich und verzog das Gesicht. Er war die Wärme nicht so gewohnt und das merkte er langsam. Er war richtig froh, als sie wieder bei den Häusern ankamen, aber noch konnte er nicht relaxen. „Lass uns die Pferde versorgen, sie haben sich das verdient und dann will ich unter das warme Wasser.“

Alvarez nickte und führte die Tiere in den Stall, wo sie endlich die Sättel loswurden und trocken gerieben wurden, während sie sich Wasser und Futter gönnen konnten. Das rascheln im Stroh ließ Alvarez aufblicken, und da robbten gerade zwei wildfarbene junge Jaguare auf Connor zu – zwei Drittel der Teufelsbande. Alarmiert blickte sich der schwarze Kater um, war die kleine Pest auch schon wieder auf seine Beute aus? Doch es schien Entwarnung zu geben, Jorgez war nicht zu sehen.

Er gab Connor ein Zeichen, damit dieser sich nicht erschreckte und die Pferde scheu machte. Connor grinste und nickte leicht. Emilia und Aurelia, wie er mittlerweile wusste, waren ebensolche kleinen Wildfänge wie ihr Bruder, aber etwas leichter zu händeln, da sie nicht so stur waren. „Hilfe“, rief er gespielt, als die beiden Katzen ihn ansprangen und ließ sich in das Stroh fallen, damit die Kätzchen ihn erobern konnten. Und natürlich wurde diese Einladung auch gleich schamlos ausgenutzt. Man platzierte sich günstig auf Connor und fing an, ihn ab zu schlabbern. Alvarez musste grinsen, weil er genau wusste, wie wenig Connor das mochte. So setzte er sich auf eine Querstange im Stall und beobachtete das bunte Treiben im Stroh.

Connor quietschte und versuchte den feuchten Zungen auszuweichen, aber gegen zwei hatte er keine Chance. Sicher hätte er die zwei von sich heben können, aber das wollte er nicht. So konnte er sie streicheln und sie beschmusen. „Hilfe mir“, rief er zu Alvarez und lachte, weil eins der Mädchen ihren Onkel an knurrte, als Warnung, sich ja nicht einzumischen.

Und weil die beiden Mädchen, im Gegensatz zu ihrem Bruder, eigentlich ganz brav waren, tat er ihnen den Gefallen und wandte sich gespielt ängstlich ab, tat als würde er sich vor der tot bringenden Bestie verstecken wollen. „Ich trau mich nicht, Connor, da musst du alleine durch“, erklärte er seinem Freund, griff aber blitzschnell nach einem der wild peitschenden Schwänze, um eine der beiden abzulenken und Connor einen Vorteil zu verschaffen.

Den nutzte Connor auch gleich und setzte sich auf. Dabei klemmte er sich die beiden Kätzchen unter die Arme, damit er sie besser festhalten konnte. „Na ihr Süßen, kann ich mich mit einem Eis freikaufen?“ Er wusste das Alvarez das in seinem Gefrierschrank hatte. Doch die Kleinen waren eben auch Teil der Teufelsbande und somit nicht so einfach käuflich. Sie knurrten, fauchten, versuchten sich zu befreien und wieder zum Angriff überzugehen.

„Das heißt wohl nein“, lachte Alvarez und strich Aurelia über den Rücken, weil er sie gerade erreichen konnte und so fauchte die junge Dame noch etwas lauter.

„Womit kann ich die beiden denn locken? Du kennst sie ja schon länger.“ Connor hatte ziemlich Mühe die beiden Katzen zu halten, was ihn aber nicht daran hinderte, immer mal wieder mit der Nase durch das weiche Fell zu streichen. „Ich hätte mir überlegen sollen, ob ich mich in einem Jaguarclan niederlassen sollte.“

„Ja, das hättest du dir früher überlegen müssen, kleiner Vampir. Wir sind nicht so leicht zu handhaben wie Vampire. Wir sind vielschichtiger“ – dabei wuchsen die beiden kleinen Jaguare einige Zentimeter – „edler und erhabener“ – und noch ein paar Zentimeter – „und viel zickiger.“ Lachend ließ sich Alvarez ins Stroh fallen, weil er ahnte, was jetzt passierte. Aurelia befreite sich von Connor, schob sich nach hinten unter dem Arm hervor und warf sich auf ihren Onkel. So was musste gesühnt werden.

Connor ließ sich neben Alvarez fallen und so hatten die beiden jungen Damen wieder zwei Opfer. So waren in den nächsten Minuten auch nur Lachen und Knurren zu hören. Aber dann lagen alle vier ziemlich aus der Puste im Stroh und Connor strich den beiden Katzen träge durch das Fell. „Ich bin fertig. Wer trägt mich ins Haus?“

Da sprangen die beiden auf und gaben Fersengeld und Alvarez sah ihnen nach. „Die beiden wohl schon mal nicht“, erklärte er das Offensichtliche und drehte den Kopf zu Connor. „Und ich auch nicht, ich bin auch tödlich verletzt worden von den wilden Bestien. Sei ein starker Vampir und schaff mich heim“, schlug er vor und grinste dreckig.

Connor lachte und beugte sich so über Alvarez, dass er ihn küssen konnte. „Ich glaube, das bin ich dir schuldig, schließlich hast du mich vor den wilden Raubtieren gerettet.“ Noch einmal verband er ihre Lippen, dann stand er auf und hielt Alvarez eine Hand hin. „Komm, ich helf dir hoch und dann stütze ich dich für den langen Weg nach Hause. Wenn du dafür zu schwach bist, werde ich dich sogar tragen.“

„Ich würde es gern drauf ankommen lassen, aber wenn sich der Clanchef mitten im Dorf derart schwach zeigt, dann kann es gut passieren, dass ich nachts hinterrücks entsorgt werde, weil ich nicht mehr tragbar bin für den Clan und sie schnell einen neuen, besseren Clanchef benötigen. Ich würde das gern umgehen und werde mich jetzt selbst heim schleppen.“ Sprach's und ließ sich auf die Füße helfen, ehe sie gemeinsam den Stall verließen.


22 

Connor ließ sich erleichtert gegen die Haustür sinken, als sie endlich in Alvarez' Haus waren. Hier war es angenehm kühl. Da sie alleine waren, fing er schon an der Tür an sich auszuziehen. „Ich glaube, du hast auch ein wenig Wasser nötig“, lockte er Alvarez, als er an ihm vorbei ging und wackelte ein wenig mit seinem Hintern.

„Fällt dir zu der Kombination aus Katze und Wasser etwas ein?“, wollte Alvarez wissen, doch da war er auch schon dabei, die Kleider von sich zu streifen und Connor zu folgen. „Also sieh zu, dass du mich sauber bekommst, ohne mich nass zu machen. Einem Vampir sollte das ja möglich sein.“

„Ich werde mein bestes versuchen“, lachte Connor und sah über seine Schulter, ob der Kater auch folgte. Er war sich sicher, dass Alvarez ziemlich nass werden würde, aber er nahm sich vor, ihn dafür gebührend zu entschädigen.

Ihr Intermezzo im Bad war kurz aber erfüllend und so saßen sie eine halbe Stunde später in der Küche bei einem kühlen Bier, während Alvarez anfing, etwas fürs Abendessen zu zaubern. „Hast du schon was von deinem Clan gehört? Hast du Kontakt zu ihnen? Wenn der Handyempfang hier nicht besonders ist, nimm das Festnetz im Wohnzimmer.“

„Nein, bisher habe ich noch nichts gehört. Sie wollten sich bei mir melden. Ferran meinte aber auch, dass es ein paar Tage dauern würde, bis ich was höre.“ Connor griff sich ein Messer und schnitt Gemüse. Er war zwar kein großer Koch, aber für Zuarbeiten war er gut zu gebrauchen. „Ich kann es immer noch nicht so richtig glauben, dass sich jemand freiwillig für mich in Gefahr bringt. Und dann auch noch einer dieser legendären Nagas, die bisher kaum jemand gesehen hat.“

Alvarez legte den Kopf schief. Erst jetzt fiel ihm wirklich auf, dass er noch gar nicht richtig hinterfragt hatte, warum Connor so eilig und kurzfristig und unangemeldet hier her gekommen war. „Was genau haben sie vor und was hat das mit dem Naga auf sich. Ich glaube, du hattest schon etwas erzählt, aber ich gebe zu, dass das Testosteron im Blut meine Ohren selektiv taub gemacht hat.“ Er trank einen Schluck und prostete Connor frech zu.

Connor ließ sein Glas gegen das seines Freundes klingen und grinste zurück. „Nettes Kompliment für mich“, lachte er. „Wie du ja weißt, haben Nagas unglaublich mentale Fähigkeiten. Wie Ferran erklärt hat, gibt sich ein Naga für mich aus und lockt Ortega auf seine Spur. Sie hoffen, dass Ortega einen Fehler macht und mich angreift, damit sie ihn dabei überraschen können und dann wollen Assai und Aset sich um ihn kümmern. Mehr haben sie mir bisher auch nicht verraten.“

„Das sind mal engagierte Chefs, würde ich sagen“, entgegnete Alvarez und grinste. Von einem Aset Khonshu hatte er wohl auch eigentlich nichts anderes erwartet. Er räumte hinter sich auf und sorgte dafür, dass die, die für ihn arbeiteten, auch in Ruhe arbeiten konnten, auch wenn Connor nicht direkt zu seinem Clan gehörte. Er hatte sich also bei ihrem ersten Zusammentreffen in Cathleens Haus nicht getäuscht. Es war Ortegas letzter Fehler gewesen, Connor aus dem Weg räumen zu wollen.

„Ich gehe mal davon aus, dass Ortega über kurz oder lang Geschichte sein wird, egal wie mächtig er zu sein glaubt. Man legt sich nicht mit den zwei ältesten Vampiren an.“ Er war ein wenig zwiegespalten, denn er war gegen Selbstjustiz, aber er sah ein, dass das Justizsystem hier keine Chance hatte. Connor lehnte sich bei Alvarez an. „Wenn das nicht mehr über mir schwebt, werde ich mein Leben neu ordnen.“

„Ich glaube immer noch, dass es gut war, sich einem Clan anzuschließen. Sie können dir alles das beibringen, was du brauchst, um zu überleben und sie sind da, wenn du in der Falle sitzt. Dieser Mistkerl hat schon zweimal zu oft versucht, dir ans Leben zu gehen und ich glaube, ich wäre nicht so erbaut darüber, wenn seine dämlichen Handlanger Erfolg gehabt hätten.“ Er strich seinem Freund durch die Haare und zog den Arm um ihn fester. Seine Nase verirrte sich im noch feuchten Haar. „Nur dass du einfach meinen Heiratsantrag abgelehnt hast, das werde ich dir so schnell nicht verzeihen“, konnte er sich einen blöden Witz dann doch nicht verkneifen.

Connor knuffte ihm schnaubend gegen den Arm, musste aber lachen. Alvarez zeigte ihm immer wieder, dass er Gefühle für ihn hatte, auch wenn er die nicht in Worte fasste. Das musste er auch gar nicht, denn der Vampir war zufrieden, so wie es war. „Ich weiß, das war unverzeihlich von mir, aber ich kannte dich doch noch gar nicht und meine Eltern haben mir eingebläut bei schönen Männern vorsichtig zu sein und du bist sehr schön.“ Er hauchte Alvarez einen Kuss auf die Lippen. „Frag mich irgendwann noch einmal, wenn du das Trauma überwunden hast und es noch willst, dann werde ich dir eine andere Antwort geben.“

Alvarez schmunzelte und legte den Kopf in den Nacken. „Jetzt werde ich auch schon dafür bestraft, dass ich so umwerfend schön bin. Nur weil ich bin, wie ich bin, muss man doch nicht über vorsichtig mit mir sein. Wir hatten uns doch schon zehn Minuten unterhalten. Du kanntest mich also schon eine Weile. Das muss doch reichen“, alberte er, griff sich aber sein Glas noch einmal, um es zu leeren, ehe es warm wurde, denn die Klimaanlage lief nur auf geringer Stufe, gerade so, dass sie es im Haus ertragen konnten.

„Was hat es mir genutzt vorsichtig zu sein?“, lachte Connor. „Ich bin hier bei dir und das obwohl ich dich schon länger als zehn Minuten kenne.“ Er zwinkerte Alvarez zu und schlang die Arme um ihn. „Und ich kann mich an dem schönen Mann an meiner Seite erfreuen.“ Er ließ sich halten und war einfach zufrieden.

„Du weißt, das meine umwerfende Schönheit nicht alles ist, an dem man sich erfreuen kann“, grinste Alvarez dreckig und drückte Connor rücklings gegen einen der Küchenschränke, schaltete aber noch mit einer Hand den Herd aus, sonst standen sie nachher ohne Essen da.

„Und du nennst mich unersättlich?“ Entgegen seiner Worte ließ er sich gegen den Schrank drücken und genoss ihre Nähe, er konnte aber nicht verhindern, dass er auf das Essen schielte und sein Magen knurrte. Er hatte Hunger, auch wenn ihm das peinlich war. So brachte er Alvarez unweigerlich zum Lachen. „So viel zum Thema unersättlich, hm?“ Er strich seinem Freund über den leeren Bauch und zog ihn zurück zum Herd. Schnell waren die Pfannen wieder heiß und ein paar Gewürze über die Zutaten geworfen. Der typische Duft der brasilianischen Küche zog durch die Luft.

Connor schnupperte und bei dem köstlichen Duft des Essens, knurrte sein Magen noch einmal. „Schön, ein Meister in der Liebe, und talentiert in der Küche. Ich bin so zu beneiden, einen Mann wie dich an meiner Seite zu haben.“ Er grinste den Kater an und fing an den Tisch zu decken. Aber nicht ohne dem talentierten Koch noch einen lauten Schmatzer aufzudrücken. „Heiraten wolltest du mich trotzdem nicht“, wurde Alvarez nicht müde, immer wieder den Punkt zu erwähnen, der ihn damals doch etwas getroffen hatte. Doch dann machte er sich daran, das Essen fertigzustellen. „Drüben bei meiner Mom kochen sie auch mit Fleisch, wenn du also ab und zu Lust darauf verspürst, kannst du dich jederzeit dort einladen. Das ist okay“, erklärte er seinem Freund damit der nicht glaubte, dass er auch gezwungen war, sich fleischlos zu ernähren, nur weil Alvarez es tat.

„Okay, danke, werde ich bestimmt ab und zu machen. Ferran meinte zwar, dass ich, wenn ich regelmäßig Blut trinke, nicht unbedingt Fleisch brauche, aber ich muss zu geben, dass ich es wirklich gern esse. Ich muss es aber nicht jeden Tag haben. Wir könnten doch bestimmt mal mit allen zusammen grillen, da ist dann für jeden was dabei.“ Er schlenderte zu Alvarez rüber und umarmte ihn von hinten. Er knabberte ihm etwas im Nacken und ließ seine Fänge wachsen.„Wenn du nicht bald aufhörst mir immer wieder ein schlechtes Gewissen zu machen, werde ich gleich morgen zum für uns zuständigen Standesamt gehen und das Aufgebot für uns bestellen.“ Er wusste zwar nicht, ob so was möglich war, aber dann fand er eine andere Möglichkeit zu heiraten.

Alvarez lachte kehlig auf und sah über seine Schulter Connor ins Gesicht. „Ich habe dir doch schon einmal gesagt, dass ich es einfach so lange ausnutze, mich in deinem schlechten Gewissen zu suhlen, wie es funktioniert.“ Dann küsste er Connor auf die Lippen und stellte den Herd endgültig aus. Eigentlich war er nicht der Typ für die Ehe und er kannte Connor noch nicht sehr lange, doch er hatte das Gefühl, dass sich mit diesem Mann alles ändern könnte, wenn er es nur zulassen würde.

„Dann ist das jetzt ein für alle mal vorbei, denn ich werde kein schlechtes Gewissen mehr haben und einfach zum Gegenangriff übergehen.“ Connor lachte vergnügt und setzte sich an den Tisch. „Lass uns essen und nachher möchte ich endlich Johnny besuchen. Haben wir noch etwas, was er gerne frisst und wir ihm mitbringen können?“

„Das werden wir noch sehen, ob dein schlechtes Gewissen nicht mehr funktioniert, kleiner Vampir“, lachte Alvarez, als er die Pfannen auf den Tisch stellte. „Aber Johnny mag alles, was süß ist. Du hättest ihm eine von den Ananas mitbringen können. Aber Mom hat sicherlich noch etwas da, das ihn dazu bringt dich zu mögen. So schlimm bist du ja nicht, an dich gewöhnt man sich schnell“, lachte er und machte einen weiten Schritt nach hinten, man wusste ja nie, ob Connor nicht zuhaute.

„Du bist echt unmöglich. Du hast Glück, dass ich dir schon vollkommen verfallen bin, sonst würde ich dich jetzt verhauen.“ Connor schüttelte lachend den Kopf und verteilte das Essen auf ihren Tellern. „Als wenn man mich nicht sofort ins Herz schließen würde. Du musst das ja wissen, schließlich hast du mir schon nach 10 Minuten einen Antrag gemacht.“ Er grinste frech. Diese Blödeleien machten ihm viel Spaß

„Ja, und das werde ich nie wieder tun. Schließlich hast du mich nicht zu schätzen gewusst“, schoss Alvarez zurück und grinste, als er an diesen Abend dachte. Er war wütend gewesen, aber eigentlich war damit erst alles ins Rollen gekommen. Es hatte den Weg vorgezeichnet, der sie beide hier her gebracht hatte. „Aber du hast Recht, man muss dich einfach ins Herz schließen. Wie ein kleines Kätzchen.“

„Miau“, machte Connor und zog Alvarez am Shirtkragen zu sich, um ihn zu küssen. „Ich werte das jetzt einfach mal als Kompliment, denn Kätzchen sind die besten Herzensbrecher, die ich kenne.“

Dem konnte und wollte Alvarez nicht widersprechen – so war es ja auch, wenn sie nicht gerade kleine schwarze Teufel waren, die keine Grenzen kannten. Der Kater ließ sich küssen und lachte leise. Doch dann ließ er sich auch auf einen der Stühle fallen. Er hatte Hunger.

Sie ließen sich das Essen schmecken und unterhielten sich dabei. Das Essen wurde auch ausreichend von Connor gelobt, denn es war wirklich lecker. Wie immer hatte Connor viele Fragen, aber er quälte Alvarez damit nicht zu sehr, schließlich brauchte er auch mal eine Pause vor seinem wissbegierigen Vampir.

Nach einer Weile sah Alvarez Connor nur an und grinste dann. „Merkst du dir das alles eigentlich auch, was du erfragst? So groß sieht dein Kopf gar nicht aus“, konnte er sich dann doch nicht verkneifen und schob sich etwas vom Tisch, nicht dass er gleich eine angeleckte Gabel im Arm stecken hatte.

„Natürlich.“ Connor schnaubte aufgebracht, verzichtete aber darauf, nach Alvarez zu stechen oder zu schlagen, sondern streckte ihm die Zunge raus. „Wenn man neugierig ist wie ich, dann trainiert man sein Gehirn schon von klein auf. Wenn ich mir das, was ich frage, nicht merken würde, müsste ich immer die gleichen Fragen stellen und hätte keine Zeit für neue.“

„Ja, da hätte ich selber drauf kommen können, dass du dir alles merken musst, damit du mehr Neues fragen kannst.“ Alvarez gab sich geschlagen und erhob sich. Er suchte seine Espressokanne und bereitete sie vor, sah aber immer mal wieder zurück zu Connor. „Du bist wirklich nie um eine Ausrede verlegen.“

„Man tut, was man kann.“ Connor war zufrieden. „Konnte ich bei meinem Job auch gut gebrauchen, weil man im Gerichtssaal oft improvisieren muss.“ Er stellte ihre leeren Teller zusammen und brachte sie zur Spüle. „Aber brems mich ruhig, wenn ich kein Ende finde.“

„Das will ich gern glauben, dass man im Gerichtssaal auch mal improvisieren muss. Willst du auch einen Kaffee?“ Er deutete auf seine kleine Kanne, die auf dem Herd heiß wurde und Druck aufbaute. Da Connor nickte, suchte er sich zwei kleine Tassen und den Zucker. „Ich gebe dich dann bei Mom ab, ihr könnt Johnny bespaßen. Ich muss noch mal ins Büro rüber.

„Okay.“ Connor hatte nichts dagegen, schließlich hatte Alvarez den ganzen Tag mit ihm verbracht und da war alle Arbeit liegen geblieben. „Ich werde mich schon beschäftigen, bis du fertig bist. Dein Vater meinte ja auch, ich sollte mir von deiner Mutter die Felder zeigen lassen.“

„Macht das bitte morgen, es wird jetzt bald dunkel und das Dorf hat keinen schützenden Zaun. Wir Jaguare können uns gut verteidigen. Du musst noch ein bisschen üben. Seid also bitte vorsichtig.“ Der Kaffee war durch und Alvarez teilte ihn auf zwei Tassen auf, schüttete für sich Zucker dazu und stellte den Zucker dann auf den Tisch, falls Connor auch welchen brauchte.

„Daran hab ich gar nicht gedacht. Ich komme zwar aus New York und dort sollte man bei Dunkelheit auch vorsichtig sein, aber da kenn ich mich aus, hier im Dschungel nicht.“ Connor küsste Alvarez kurz und lächelte. Es war schön, dass sein Freund sich Sorgen um ihn machte. “Dann werde ich wohl lernen müssen zu kämpfen.“

„Ja, das kann im Allgemeinen nicht schaden. Egal ob du im Dschungel bist oder in einer Großstadt“, sagte Alvarez und strich sich durch die Haare, drückte den Rücken durch. Eigentlich hatte er keine Lust jetzt noch ins Büro zu gehen und den PC anzuschalten, doch es nutzte nichts. Er wartete noch auf ein paar Antworten und musste selber noch ein paar Informationen verteilen, die er ein paar Interessenten zugesagt hatte.

„Ich kann ja jeden Tag mit der kleinen Pest raufen, ich lerne zu kämpfen und Jorgez ist abends zu müde, um noch Mist anzustellen.“ Connor meinte das nicht ernst, aber es hatte schon etwas, sich das vorzustellen, wie der kleine Kater sich todmüde ins Bett schleppte. Er nahm einen Schluck von seinem Kaffee und verzog das Gesicht. „Mehr Zucker“, murmelte er und süßte nach. Der Kaffee war ziemlich stark.

„Dann bekommt die kleine Plage ja doch noch ihren Willen und hat einen Vampir als Beute. Ich weiß nicht, ob ich das gut heißen soll. Aber lass dir von Mom drüben einen richtigen Kaffee geben, sie leistet sich den Luxus einer Kaffeemaschine und wird deswegen von jedem im Dorf gern und oft besucht.“ Alvarez hatte seine Tasse geleert und erhob sich. Er hatte immer noch keine Lust aufs Büro, schon gar nicht, wenn er Connor hier hatte und es langsam dunkel wurde.

Connor lachte, denn es war irgendwie süß, dass Alvarez ihn nicht teilen wollte. „Er hätte dann nicht nur irgendeinen Vampir, sondern den, den sein Onkel für sich beansprucht und der ja eigentlich ihm gehört.“ Er zog den Kater zu sich und legte ihm den Kopf auf die Schulter. „Dein Kaffee schmeckt gut, er brauchte nur etwas mehr Zucker.“

„Meins“, murmelte der Kater und grinste schief, als ihm bewusst wurde, was er da sagte. Doch er bereute es nicht, denn es war nun einmal so. Er hatte Connor gern um sich und die Vorstellung, dass sich jemand anderes mit ihm vergnügte, und wenn es nur ein kleiner raufender Kater war, schmeckte ihm nicht. „Aber jetzt muss ich wirklich los. Kommst du mit rüber oder willst du noch hier bleiben?“

„Ja, ganz allein deins.“ Connor löste sich von Alvarez und leerte seinen Kaffee. „Ich komme mit.“ Sie schlenderten rüber zum Haupthaus und verabschiedeten sich vor der Haustür. „Hol mich ab, wenn du fertig bist, oder sollte ich dich besser in zwei Stunden loseisen, weil du kein Ende findest?“

„Wenn ich dich in zwei Stunden nicht eingesammelt habe, dann kannst du ja mal gucken, wo ich mich gerade festgebissen habe“, sagte Alvarez, streifte Connors Lippen noch einmal mit seinen, dann verschwand er in seinem Büro, während Connor ins Haupthaus ging.

Dort stand er etwas verloren in der Eingangshalle. Er wollte nicht einfach durch das für ihn fremde Haus laufen. „Hallo“, rief er darum. „Conzuela, bist du Zuhause?“

„Küche“, kam es von irgendwo her. „Folge einfach meiner Stimme, ich habe gerade die Hände voll und kann nicht weg“, erklärte sie über das Klappern des Schneebesens in der Sahneschüssel. Doch da waren schon drei junge Katzen da, um ihn zu erspähen, zu umkreisen, ihn zu stellen und anschließend zur Oma zu bringen.

„Okay“, rief er und ließ sich von den Katzen in die Küche bringen. „Was machst du denn gerade und kann ich dir helfen?“, fragte er und steckte den Kopf neugierig in die Küche. Sie gefiel ihm auf Anhieb, denn sie war groß aber sehr gemütlich. Sie war bestimmt schon seit mehreren Generationen in Benutzung und das Holz der Möbel hatte mit den Jahren eine schöne Patina bekommen. Doch sie schien liebevoll gepflegt.

„Ich schlag ein bisschen Sahne für den Pudding“, erklärte Conzuela und lachte, weil die Teufelsbande schnurrte und gurrte, dass es nur so eine Freude war. Es war also schnell klar, wer darauf hoffte, den größten Anteil zu bekommen. „Danach aber Zähne putzen und ins Bett“, erklärte sie den kleinen Katzen und die taten so, als hätten sie nichts gehört.

„Pudding?“ Connors Augen leuchteten und er kam näher, was sofort die Teufelsbande auf den Plan brachte. Das war ihrer und sie teilten nicht. Darum umkreisten sie Connor wieder, aber diesmal so, dass er stehen bleiben musste und nicht zum Küchentisch kam. „Weiß Alvarez davon? Ihm steht als Clanchef die größte Portion zu. Ich werd ihn gleich mal holen“, konnte er sich nicht verkneifen, die Kinder zu ärgern. Und er hatte umgehend Erfolg. Die Mädchen knurrten und Jorgez plusterte sich auf, ließ die Brust schwellen und machte sich so groß wie er nur konnte. Doch sie wichen nicht beiseite und brachten Connor immer wieder davon ab, sich dem Tisch und der großen Schüssel Schokopudding zu nähern.

„Kinder, so geht man mit Gästen nicht um. Entweder ihr teilt oder ihr bekommt gar nichts“, erklärte Conzuela ungerührt und das Knurren wurde lauter.

Jorgez zeigte sich unbeeindruckt, aber die Mädchen wirkten unsicher. Sie wollten auf keinen Fall riskieren, keinen Pudding zu bekommen. Darum lief eine zur Oma und rieb sich schnurrend an ihrem Bein. „Gerissene, kleine Bande“, lachte Connor und sprang einfach über die beiden restlichen Katzen drüber und stand dann genau vor der Puddingschüssel.

„Ich warne dich!“, rief Conzuela, als sie sah, wie Jorgez ansetzte, um Connor kurzerhand ins Bein zu beißen, doch da ging auch schon die Tür auf. „Jorgez, es reicht. Noch so eine Aktion und du gehst ohne Pudding ins Bett“, erklärte sein Vater, der den Tumult durch das Fenster gehört hatte. Die beiden Mädchen verschwanden vorsorglich lieber mal unter dem Tisch.

Und diese Drohung schien zu Jorgez durchgedrungen zu sein, denn er ging geduckt zwei Schritte rückwärts. Er liebte seinen Vater und wenn er böse auf ihn war, wusste er, dass er etwas sehr falsch gemacht hatte. Carlos ging zu ihm und hockte sich vor ihn. „Hier wird niemand gebissen oder in irgendeiner anderen Art und Weise verletzt und schon gar nicht Gäste.“ Er hatte sich mit Alvarez unterhalten und war wie er der Meinung, dass Jorgez Grenzen gezeigt werden mussten. Noch war er klein, aber wenn er größer wurde konnte er jemanden schwer verletzen. „Du wirst dich bei Connor entschuldigen. Jetzt sofort.“

Connor stand etwas verloren in der Szene und wusste nicht genau, was er jetzt tun sollte. Doch er hatte den kleinen schwarzen Kater im Auge. Nur aus dem Augenwinkel sah er, dass auch Alvarez lautlos im Schatten des dunklen Flures stand und die Szene ebenfalls beobachtete. Er lächelte ein wenig, er war stolz auf seinen Schwager, dass er es endlich einmal wagte, den Liebling des Rudels zu rügen. Jorgez derweil knurrte, duckte sich mit angelegten Ohren fest gegen den Boden.

„Ich warte, Jorgez“, erklärte Carlos und verschränkte die Arme.

Man sah dem jungen Kater an, dass er nicht wusste, was er tun sollte. Bisher hatte noch niemand, außer seinem Onkel Alvarez verlangt, dass er sich entschuldigte. Er sah sich um, ob er entwischen konnte und knurrte leise dabei, aber da hatte ihn Carlos schon im Nacken gepackt. „Das war es, junger Mann. Kein Pudding und du gehst jetzt sofort ins Bett.“ Er hob seinen Sohn hoch, der wie ein nasser Sack in seinem Griff hing und ging mit ihm zur Tür. „Da mein Sohn es nicht tut, entschuldige ich mich für ihn. Tut mir leid Connor, dass er dich beißen wollte.“

Connor war noch ein wenig überfahren, aber er nickte. „Danke, Carlos.“

„Nicht dafür, Connor. Es kann nicht sein, dass er jemanden beißen will. Alles andere kann man ihm vielleicht noch durchgehen lassen, aber seine Besessenheit dich dominieren zu wollen, ist ungesund.“ Carlos kam in den Flur und spürte nur, dass Alvarez hier war. Er zeigte sich nicht, um Jorgez nicht noch wütender zu machen, als er sowieso schon war. Er wusste, dass das kontraproduktiv wäre. Er zeigte Carlos nur beide Daumen nach oben. Er wusste, sein Schwager würde es sehen.

Immer noch etwas verstört hockten die Mädchen unter dem Tisch, unsicher ob Jorgez‘ Verbannung automatisch auch für sie galt.