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Wenn Elfen helfen

Original/ Reale Welt/ Weihnachten [NC-14] [abgeschlossen]

[yune][lime]

Einteiler

Inhalt:
Seit drei Jahren ist Zacharias schon heimlich in seinen Nachbarn Torben verliebt. Aber weil er zu schüchtern ist, hat er ihn noch nie gesprochen. Es ist Adalberts Aufgabe, das zu ändern …

 


 

Wenn Elfen helfen

So lange Zacharias denken konnte, so lange hatte er schon immer ein Herz für schwächere gehabt. Kranke Igel, halb verhungerte Katzen. Er hatte seinen Eltern alles angeschleppt was Hilfe gebraucht hatte.

Heute war Zach 20 Jahre, aber dazu gelernt hatte er auch nicht. Er war noch mit einer Bekannten was trinken gewesen und auf dem Weg nach Hause, war er über etwas gestolpert, was ihm leid getan hatte. Und nun lag der Junge auf seiner Couch, hatte ein Pflaster auf der Stirn und schlief.

„Oh Zach“, murmelte er leise, als er auf dem Weg von seinem Bett in die Küche war. Es war Weihnachtsmorgen und es würde das blödeste Weihnachten werden, was er seit langem erlebt hatte.

Seine Eltern hatten es vorgezogen, dieses Jahr über die Feiertage in die Karibik zu fliegen. Papas Rheuma würde das besser bekommen, hatte Mama gesagt. Nun ja, er gönnte es seinen Eltern ja auch. Sie hatten ihr Leben lang geschufftet, jetzt sollten sie ihr sauer verdientes Geld auch genießen. Nur dass er eben dieses Jahr über die Feiertage alleine war.

Einen Freund hatte er nicht, eine Freundin kam für ihn sowieso nicht infrage weil er von Frauen in einer Beziehung einfach nichts hielt. Außerdem war er viel zu schüchtern, um auf jemanden zuzugehen. Er war der Typ Mensch, der die Flucht ergriff, sobald jemand auf ihn zukam. Es war zum Heulen, zum Weglaufen, zum Haare raufen. Aber er konnte da einfach nicht aus seiner Haut.

Seit drei Jahren wohnte er jetzt in diesem Hochhaus. Vielleicht gerade deswegen, weil hier alles so anonym war, weil keiner ihm morgens Fragen stellt oder etwas von ihm wissen wollte. Er mochte es nicht wirklich, auf Fremde zuzugehen, weil er immer Angst hatte, sie würden ihn meiden ob seiner Neigung, sobald sie wussten was los war. Nein, es war wirklich besser, man bleib für sich. Er genügte sich wirklich selber.

„Ja wohl, mal wieder die schönste Feiertagsdepression abgefangen, hm?“, fragte er sich selber, während er sich dabei zusah, wie er Kaffeewasser aufsetzte und Wasser für ein paar Frühstückseier. Der Kleine auf seiner Couch hatte sicher Hunger!

Was machte ein Junge, sicher keine 13 Jahre, in einem lächerlichen Elfenkostüm morgens um eins auf einer Straße? Dazu noch ohnmächtig? Er hatte den Kleinen da nicht liegen lassen können. Das hatte Zach einfach nicht übers Herz gebracht. Er hatte so verloren und so hilflos ausgesehen. Wie die roten Haare ihm ins schmutzige Gesicht gehangen hatten.

Ein Klappern, wie von einem Schlüssel in einem Schloss, ließ Zacharias aufhorchen und er ließ alles stehen und liegen. Sein Weg führte schnurstracks zur Tür und sein Blick fiel auf den Spion. Ja, da war er … Torben Niemeyer, der Typ, der seiner Wohnung genau gegenüber wohnte. Ein Bild von einem Mann, groß, schwarze Haare, ausdrucksstarke Augen und maskuline Züge, dazu Muskeln, dass man neidisch werden konnte und groß genug, dass man nichts kaputt machen konnte, wenn man sich im Bett mal richtig gehen ließ. Ein Mann, gänzlich nach Zacharias' Geschmack.

Dumm nur, dass er ihn nur von weitem anhimmeln konnte. Er war viel zu feige, mal auf Torben zuzugehen. Er wusste nichts über diesen Mann, außer das er verdammt gut aussah und dass er grundsätzlich nur Männerbesuch hatte. Er ging nur in Shirt und Jogginghose zum Fahrstuhl, sicher holte er die Morgenzeitung. Musste Torben heute gar nicht arbeiten? Sonst war er doch um diese Uhrzeit meistens schon weg.

„Was machst du da?“, wollte plötzlich eine zarte Stimme neben Zacharias wissen und der schreckte zusammen. Neben ihm stand der Junge, immer noch in seinem Kostüm aus kurzer Hose, Jacke, lange Ringelsocken und einer Zipfelmütze. „Verdammt, Kleiner, schleich dich nicht so an.“ Zach griff sich in die Herzgegend, um seinen Puls wieder etwas zu drosseln. Der Kleine hatte ihn schon wieder aus einem Tagtraum gerissen. Ja, in seinen Träumen, da konnte er Torben ansprechen, da verfiel ihm dieser Mann, da war er glücklich mit ihm. Aber in der Realität, da sah es leider ganz anders aus.

„Geht’s dir besser? Ich hab dich heute morgen auf der Straße aufgesammelt und dich erst mal mitgenommen. Willst du deine Eltern anrufen?“, versucht er den Jungen, der zwischen ihm und dem Spion hin und her sah, abzulenken. Doch seine Finger zitterten, denn er wusste, dass Torben gleich wieder nach oben kommen würde und dann konnte er noch einmal einen Blick auf den breiten Rücken in dem dünnen Shirt erhaschen. Wehe der Kleine ersaute ihm diese Chance.

„Nein danke, nicht notwendig. Meine Eltern wissen, dass ich bei dir bin, die warten nicht auf mich“, erklärte der Kleine und richtete sich die Flügel seine Kostüms. Zach hatte heute Morgen schon geschaut, wie die wohl an der Jacke festgemacht worden waren, doch er hatte nicht viel gesehen. Jetzt allerdings war er ob der Worte des Jungen so verwirrt, dass er seine Chance auf Torbens Rücken verpasste und zusammenzuckte, als die Tür wieder ins Schloss fiel.

Zacharias knurrte leise, denn er hasste es, diese kleine Highlights seiner tristen Tage zu verpassen. Er hatte sogar schon damit begonnen, seinen Tagesablauf darauf abzustimmen, dass er Torben so oft wie möglich sehen konnte, wenn auch nur durch den Spion, alles andere war viel zu gefährlich, dass er keine Luft mehr bekam und umfiel.

„Sag mal, bist du ein Spanner oder ein Stalker?“

Also Zach blieb ja die Luft weg, als er in die frechen, grünen Augen guckte. Gestern noch ohnmächtig im Dreck gelegen und jetzt die große Klappe? Und was hatte der Kleine gesagt, seine Eltern wüssten, dass er beim ihm wäre? „Hast du mir nichts zu sagen? Was soll der Mist, deine Eltern wüssten wo du bist?“, platzte es aus ihm heraus. Torben war wieder in seiner Wohnung und Zach hatte nicht mal was davon gehabt.

„Okay, ich erklär's dir mal, Zacharias Steiniger. Ich bin Adalbert, ich bin eine Weihnachtselfe in Ausbildung, ich will mal eine große Weihnachtselfe werden …“

„Sag mal, bist du auf den Kopf gefallen?“ Zach kam sich gerade ein ganz kleines bisschen verscheißert vor.

„Ja, und weh tat das. Ich bin dir nach geflogen und da war dann dieses doofe Verkehrsschild, und als ich mich umgesehen habe, wo du bist, da bin ich voll dagegen gerauscht. Das hat vielleicht gescheppert, sag ich dir. Ich …“

„Hey, du Scherzkeks, das sollte ironisch gemeint sein.“

Adalbert guckte sich etwas verwirrt um. Na da hatte ihm sein Vater aber einen Typen aufs Auge gebunden. Warum bekam er immer die griesgrämigen? „Aber wenn ich mir doch wirklich den Kopf gestoßen habe. Na wie auch immer, ich bin jetzt hier und mache dir das schönste Weihnachten, dass du dir nur vorstellen kannst“, erklärte der Kleine mit strahlendem Gesicht und Zacharias war gerade kurz davor sich vor den Kopf zu schlagen.

Am besten gab er den Kleinen bei der Polizei ab, wer wusste schon, wo der kleine Spinner entlaufen war. Eine blühende Fantasie hatte er ja. Elfen! Also wirklich. Einem Informatiker was von Elfen erzählen wollen – eine Elf waren zwei Einsen – mehr nicht!

„Schon klar, dass du dir den Kopf angehauen hast, das bezweifel ich wirklich nicht“, knurrte er nur und ging zurück in die Küche. Das Wasser kochte und er hatte beschlossen, ein Tee war jetzt vielleicht doch die bessere Wahl. „Aber wenn’s dir wieder besser geht, dann kannst du auch zu deinen Eltern zurück.“

„Du hast mir nicht zugehört, Zacharias Steiniger, kann das sein? Ich kann nicht weg, ich habe den Job, dir ein schönes Weihnachten zu bereiten und dich glücklich zu machen.“ Adalbert schüttelte vehement den Kopf. Dieser Mensch war echt nicht sein Geschmack, wirklich nicht. So zynisch und mürrisch! Und den sollte er glücklich machen? Aber er hatte da schon eine Idee.

„Okay, du glaubst mir nicht, hm? Geh mal zur Tür und guck durch, du alter Spanner … na los, geh schon.“ Seine Hände landeten auf Zachs Rücken und schoben den langsam wütend werdenden Mann zur Tür. Kaum dass Zach den Spion in Augenschein genommen hatte, da glaubte er seinen Augen nicht zu trauen. Die Tür von Torbens Wohnung ging auf und der Mann stand da – nass, nur ein Handtuch um die Hüften und blickte vor die Tür, als würde er etwas suchen. Als hätte jemand geklingelt und wäre dann einfach weggelaufen. Zachs Herz schlug so schnell, dass er es im Hals spüren konnte, es raste, es hämmerte. Die braune Haut, die feuchten Rinnsale, wie sie unter dem Handtuch verschwanden. Verdammt sah der Kerl gut aus! Haarlos, Muskeln an Stellen, wo andere nicht mal Stellen hatten, so wie man sie sich wünschte, nicht zu viel, nicht zu wenig. Man musste wirklich keine Angst haben, dass man diesen Kerl im Bett kaputt machte.

„Sabber nicht, Zacharias. Glaubst du mir jetzt, dass ich eine Elfe bin? Ich kann so was, ich muss nur schnipsen. Soll ich?“

Kaum dass Torben die Tür kopfschüttelnd wieder geschlossen hatte, riss er sie wieder auf. Zacharias wusste gar nicht, wie ihm geschah. Seine Hände lagen auf den Türblatt und Adalbert hatte wohl seine helle Freude. „Zacharias, du sabberst. Schluss für jetzt.“

Torben warf die Tür wütend zu, nicht ohne Zachs Tür noch einen Blick zuzuwerfen und dem Informatiker mit den braunen Haaren rutschte das Herz in die Hose. Diese schwarzen Augen waren ja wohl einfach nur der Wahnsinn.

„Und? Glaubst du mir jetzt?“ Aufgeregt hüpfte Adalbert um den großen Mann herum und der schüttelte nur den Kopf. „Was soll ich dir glauben? Das du das gewesen wärst?“ Der Kleine hatte doch echt einen an der Klatsche, so was für sich verbuchen zu wollen. Das war ein Zufall, weiter nichts!

„Soll ich noch mal?“, maulte der Kleine und hatte schon die Finger bereit zu schnipsen. Doch Zach hielt ihn mit weit aufgerissenen Augen auf. Nein, so was würde sein Hormonhaushalt nicht noch mal verkraften. Und erst jetzt wurde ihm klar, dass er Adalbert wohl wirklich glaubte. „Lass ihn in Ruhe.“

Der Elf zuckte nur die Schultern und lümmelte sich wieder auf die Couch. Irritiert sah ihm Zach hinterher. „Was soll das? Du kannst gehen.“

Stöhnend fiel der Kleine hintenüber. „Er hat’s noch nicht begriffen.“ So verging die nächste Viertelstunde, in der Zach duschte und Adalbert schon mal um den gedeckten Tisch hüpfte, hier kostete, da naschte und schon fast satt war, als Zach sich frisch gemacht und den Hormonschub verdaut hatte.

„Okay, klären wir die Sache ein für allemal! Du bist ein Elf.“

Adalbert nickte.

„Du hast auf mich gelauert, um mich glücklich so machen? Klar soweit?“

Adalbert nickte wieder. So blöde schien Zach doch nicht.

„Und du gehst erst, wenn ich glücklich bin?“

Das Nicken wurde wilder. Er war stolz auch Zach!

„Und wenn ich dir sage, ich bin am glücklichsten wenn du gehst?“

„Dann glaube ich dir das nicht.“

Zach ließ den Kopf hängen. Das würde wohl etwas länger dauern. Aber na ja, wenn er ehrlich war, war ihm ein kleiner nerviger Kerl noch lieber, als einsame Weihnachten. Insofern hatte der Junge wohl schon recht, egal wie er wirklich hieß.

Zach griff sich ein Brötchen von gestern und schmierte sich dick Schokocreme drauf. Er brauchte jetzt Zucker, um das zu überstehen.

„Na dann, schieß mal los, du Elf du.“ Doch Adalbert knurrte. „Sag dass nicht so abfällig. Wir Elfen sind ein ehrbarer Berufsstand, nicht so wie die Trolle und die Gnome und die Wald …“

„Ist okay, Adalbert, ich hab’s begriffen.“ Der Kleine blieb aber auch felsenfest davon überzeugt!

„Na dann erzähl mir lieber, wie du es anstellen willst, mich glücklich zu machen.“ Zwar knurrte Adalbert noch etwas, aber immerhin war er jetzt wieder in seinem Element. Ein Grinsen schob sich auf seine Züge und er fing an mit den Flügeln zu schlagen. Das passierte ihm immer, wenn er aufgeregt war und Zach traute seine Augen nicht. Cooler Trick, das musste man dem kleinen Spinner schon lassen.

„Also, ich sorge dafür, dass dieser Torben in nicht mal drei Stunden auf dir liegt und dich küsst. Wäre das was?“ Dann musste der kleine Rotschopf in Deckung gehen, denn der überraschte Informatiker spuckte Tee quer über den Tisch. „Was soll der Mist. Wer sagt, dass ich das will“, wehrte er sich gleich dagegen. So eine freche Ratte.

„Dein Körper sagt es mir, Zacharias Steiniger! Wirst ja ganz heiß, wenn du ihm nachspannst. Du sabberst und dein …“ Dezent deutete Adalbert auf Zachs tiefere Regionen und ließ den Satz offen, sie hatten sich auch so verstanden.

„Freche Kröte.“

Doch der Elf zuckte nur die Schultern und griff sich einen Würfelzucker, knabberte daran herum und stützte einen Ellenbogen auf, um den Kopf auf die Hand zu stützen. „Das kann ich für dich tun, wenn du es möchtest“, erklärte der Kleine mit Nachdruck und auf einmal fing Zacharias an zu lachen. Der Kleine war echt gut. Er versuchte seit drei Jahren seine Angst zu überwinden, um Torben mal anzuquatschen und der Kleine glaubte, das ginge in 3 Stunden. So ein Depp, auf diesen Deal ließ er sich gern ein.

„Und wenn du dein Ziel nicht packst? Bekomm ich dann was?“

Adalbert blickte ihn schief an. Was sollte das? Elfen schafften immer alles! Es gab kein „oder“, keine Alternative! Frechheit. „Idiot“, knurrte er nur und griff sich noch ein Stück Zucker. „Ich schaff das schon.“

Zach zuckte die Schultern. Wie auch immer. Im sollte es gleich sein. Sollte der Kleinen glauben was er wollte, er selbst wußte was er wusste. An Torben war für ihn kein Rankommen. Das würde auch der kleine Verrückte einsehen.

„Sag mir, wenn du so weit bist, dann fange ich an.“ Und noch ein Stück Würfelzucker verschwand in seinem Mund.

„Fang an“, lachte Zach noch ohne zu überlegen und schon klingelte es an der Tür? Wer konnte das denn sein. So erhob er sich und eilte zur Tür, riss sie auf und blickte in die schönsten braunen Augen die er kannte.

Torben, immer noch mit feuchten Haaren, stand vor der Tür mit einem Messbecher in der hand und einem schiefen, leicht verlegenen Grinsen. „Tut mir leid wenn ich störe, Herr Steiniger, aber kann ich etwas Zucker schlauchen? Meiner ist alle und ich wollte noch ein paar Kekse backen für die Feiertage“, erklärte eine atemberaubend tiefe Stimme und sie kroch in Zacharias wie süßer, schwerer Wein, sickerte in jede Zelle und Zachs Mund wurde trocken. Adalbert schaltete etwas schneller und schob den steifen Kerl zur Seite. „Komm rein, ich such was.“

Erst als Torbens Arm leicht Zachs streifte und ein Stromstoß durch den Informatiker ging, erwachte er aus seiner Starre. Doch da folgte Torben, der an einer Hand gezogen wurde und Zach so nur ein entschuldigendes, gewinnendes Lächeln zuwerfen konnte, Adalbert in die Küche.

Zacharias wusste gar nicht wie ihm geschah. Torben war in seiner Küche! Der Torben! In seiner Küche. Das konnte doch nur ein Traum sein, bitte bitte nicht aufwachen. Doch dann kam ihm wieder Adalbert in den Sinn, und das der Junge, woher auch immer, viel zu viel wusste und da ein fragwürdiges Ziel verfolgte. So beeilte er sich, zu den beiden Anderen in die kleine Küche zu kommen.

Als er um die Ecke bog, warteten schon ein paar brauner Augen auf ihn, sahen ihm entgegen und Zacharias stockte der Atem. Er konnte es immer noch nicht glauben. Was er auch nicht glauben konnte war, dass der Kleine auf dem Küchenschrank balancierte, um an den Hängeschrank mit dem Zucker zu kommen. „Hey, warte mal“, rief Zach und Adalbert, der sich zu ihm umsah, verlor das Gleichgewicht. Die beiden Männer griffen beide zu und Zachs Hände prickelten, als er Torbens Finger auf ihnen spürte. Der Wahnsinn. Der pure Wahnsinn. Torben nahm sie auch nicht weg, blickte Zach nur etwas verlegen an und Adalbert grinste als wollte er sagen: Besser als spannen, oder?

„Entschuldige“, fing Torben an, „ich wollte keine Verwirrung stiften.“ Doch Adalbert wiegelte gleich ab und überließ es Zacharias nun selbst, sich um Torben zu kümmern. Wenn sich Zach nicht allzu blöd anstellte, dann musste das was werden. Da lag was in der Luft, ein Elf spürte so was! Er ging ins Wohnzimmer, um die Beiden nicht zu stören und guckte nicht schlecht, als gleich nach ihm Torben mit Zucker und gesenktem Kopf an ihm vorbei zur Tür ging.

Hä?

Was sollte das denn jetzt? Zach der Idiot!

„Warum geht er?“, wollte Adalbert wissen, als er zu Zach in die Küche stürmte. Wozu gab er sich Mühe, wenn der Trottel alles verbockte?

„Er hat seinen Zucker genommen – ich sagte bitte – er danke. Und dann war er weg“, erklärte Zach in Informatiker-Manier die Tatsachen und Ereignisse in logischer Reihenfolge und Adalbert seufzte. Das würde wohl doch schwieriger werden als gedacht.

„Und auf die Idee, ihn auf einen Tee einzuladen, kommst du natürlich nicht“, ätzte der Kleine. Da gab er sich Mühe, ließ Torbens Zucker verschwinden, was auf diese Distanz wirklich nicht leicht war, und Zach?

„Ach halt doch die Klappe, ich hatte damit nicht gerechnet.“

„Hab ich dich gefragt ob du bereit bist oder nicht?“ Adalbert brauchte unbedingt Zucker! Und Zacharias knurrte nur. Da hatte er die Chance der Chancen und er wusste sie mal wieder nicht zu nutzen! Das Leben war echt scheiße. „So, jetzt bin ich richtig glücklich, du Zwölf!“

„Ich bin ein Elf, kein Zwölf! Kann ja keiner ahnen, dass du dich so breitbeinig … aua. Der unterste war meiner.“ Da latschte ihm der Kerl doch wirklich auf seinen Fuß und machte Knicke in die gebogenen Elfen-Schuhe! „Du bekommst noch eine Chance, wirst du sie dieses mal nutzen?“ Adalbert wollte seinem Vater ja beweisen, dass er durchaus eine schwierige Aufgabe lösen konnte. Also konnte er nicht beim kleinen Rückschlag gleich die Flügel einziehen!

„Mir doch egal!“ Zach war immer noch angepisst und zwar so richtig. Da kam Torben in seine Wohnung und er war nicht mal in der Lage, ihn etwas hier zu behalten. Wie armselig!

Grinsend strich sich Adalbert eine Strähne hinter das Ohr und die grünen Augen funkelten verschmitzt. „Okay, räum die Küche auf, du wirst Platz brauchen und sag mir dieses Mal, wenn du wirklich bereit bist.“

Während Adalbert auf der kleinen Sitzbank in der Küche hockte und zuguckte, gehorchte Zacharias. Er wusste selber nicht warum. Vielleicht hätte er wohl jedem geglaubt, der ihm eingeredet hätte, er könnte machen, dass Torben zu ihm kam.

Er spülte das Frühstücksgeschirr und wischte den Tisch, räumte alles weg und nach einer halben Stunde funkelte die Küche wie lange nicht. Tief durchatmend wandte er sich zu Adalbert um. „Okay, kleine Zwölf“, er grinste und der Elf knurrte, „dann bring ihn wieder hier her, ich werde versuchen, nicht wieder Mist zu bauen.“ Zach schob die Hände in die Hosentaschen der Jeans und atmete noch mal tief durch. Kurz schloss der Kleine die Augen, dann klingelte es wieder. Zach hatte zwar damit gerechnet, aber jetzt, wo er wusste, dass es Torben sein musste, war er aufgeregt, dass er sich fast nicht bewegen konnte.

„Zach“, zischte Adalbert leise. Der Depp versaute schon wieder alles. So sprang er auf und schubste Zach an die Tür, öffnete sie wieder und verschwand ungesehen.

„Tut mir leid, dass ich schon wieder störe, Herr Steiniger, aber ich …“

„Zacharias, nennen sie mich Zacharias“, bot er an und wusste gar nicht woher der Spruch kam. Manipulierte ihn etwa der kleine Bastard? Aber wenn er es tat, so war Zach wirklich froh darüber. Denn Torbens Gesicht erhellte sich und er reichte eine freie Hand, auf der anderen balancierte er ungebackene Kekse. „Torben. Ich bin Torben und heute ist es wie verhext. Erst der Zucker – jetzt der Herd. Er heizt nicht mehr hoch und den Hausmeister erreiche ich nicht. Könnte ich wohl die Kekse … bei dir backen?“

„Ja klar.“ Zach klang entschieden unbeschwerter als er sich fühlte. Seine Kehle war fast zu und sein Magen flimmerte nervös. Was sollt er mit Torben denn anfangen? Sie hatten jetzt bestimmt 40 Minuten, die es zu überbrücken galt! Panik wollte in Zacharias aufsteigen. Doch anstatt zu stottern, hörte er sich sagen: „Komm rein, weißt ja wo die Küche ist. Magst du einen Kaffee?“

Wow, wo auch immer das her kam, davon durfte gern noch mehr kommen. Denn Torben lächelte wieder so unwiderstehlich. „Gern“, erklärte er, „für die nächste Tasse haben wir dann hoffentlich auch schon Kekse.“

Für die Nächste? Zach schluckte. Torben hoffte auf eine Nächste? Das war doch zu schön um wahr zu sein.

Adalbert hockte nur auf der Couch um nicht im weg zu sein und grinste vor sich hin. Hoffentlich baute Zach jetzt keinen Mist mehr! Aber noch würde er sich nicht einmischen. Er sah einfach zu, wie Zach mit hochrotem Kopf Torben in die Küche folgte.

Zachs Herz schlug wie wild. Dieser breite Rücken! Und Torben trug wieder nur ein dünnes Shirt! Das war doch Folter. Verdammt sah der Kerl gut aus, jedes mal wenn Zach ihn betrachtete noch mehr! „Wo hin?“, wandte sich Torben plötzlich um und Zacharias in seinem Tran lief in den anderen hinein. Brust an Brust – Bauch an Bauch und es kostete Zacharias jede Menge Beherrschung nicht zu seufzen und sich Torben um den Hals zu werfen. Die Hitze, die Muskeln.

„Stell ...da ...Tisch … einfach drauf … oben hin.“

Adalbert schlug die Hände vor das Gesicht. Weg war der selbstbewusste Zacharias und die Penntüte von vorhin war wieder da. Da half wohl wirklich nur noch ein Wunder. Ein Fingerschnipp und Torben, der langsam rückwärts lief, kam ins Straucheln, riss im Fallen die Augen auf und klammerte sich mehr instinktiv an Zacharias fest, der so auch den Halt verlor. Denn Torben war größer und kräftiger als er selber. Die ungebackenen Kekse verteilten sich in der Küche, doch das störte Zacharias nicht. Er hatte damit zu kämpfen, dass er diesen Traum von Mann der Länge lang unter sich spüren konnte und wusste, dass er das nicht mehr lange ertragen würde, ohne das was schrecklich peinliches passierte.

Was tat Torben da? Schlang der etwas seine Arme...? Senkte der etwa seine Lippen …?

Zacharias war wie vor den kopf geschlagen, total baff ließ er es geschehen. Erst als die weiche Zunge an seinen Lippen neckte und er begriff was passierte, ließ er den Fremden ein. Das war wohl das Signal, das Torben gebraucht hatte. Die Arme schlossen sich fester und mit einer leichten Bewegung brachte er Zacharias unter sich, grinste ihm frech an und kostete die fremden Lippen wieder.

Zacharias’ Kopf drehte sich. Er wusste gar nicht, was er denken sollte, alles was er langsam begriff war, dass es tatsächlich Torben war der ihn küsste, der auf ihm lag und ihn küsste, wie Adalbert es gesagt hatte. Seine Finger wanderten in das schwarze Haar und hielten Torbens Gesicht etwas auf Abstand, um jede Einzelheit zu ergründen. „Endlich“, murmelte er nur leise und auch Torben nickte nur.

Zacharias schreckte auf, als etwas gegen seine Nase schnickte. Beide Männer sahen auf und blickten den hockenden Elf an. „Und, Zach? Hab ich dir zu viel versprochen?“ Der Informatiker schüttelte nur den Kopf. Noch ehe er etwas sagen konnte, hatte Adalbert das Fenster geöffnet und hockte auf dem Sims. Er breitete die Flügel ganz aus und lächelte. „Fröhliche Weihnachten euch beiden“, dann entschwand er in den schneeschweren Himmel.

Torben stutzte, doch Zach zog ihn einfach wieder zu einem weiteren sanften Kuss.



Ja, so ist das, wenn Elfen helfen …