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Endlich wieder vereint

Original/ Reale Welt [NC-14] [abgeschlossen]

[yune][death]

Einteiler

Inhalt:
Tilo kommt mit dem Tod seines Geliebten einfach nicht klar …

 


 


Endlich wieder vereint

Wieder habe ich mich durch eine Woche gequält. Ich kann es nicht anders sagen, wie jedes Mal seit sieben endlos langen, unerträglich düsteren Monaten. Es ist eine Qual jeden Morgen die Augen zu öffnen und feststellen zu müssen, dass du nicht da bist und dass ich keine andere Chance habe, als aufzustehen und mich dem Leben einen weiteren grausamen Tag zu stellen, nur um hoffend wieder abends in die Kissen zu sinken.

Wie Lichtblicke in diesem Dunkel erscheinen mir die Stunden, an denen ich zu dir komme. Du verstehst mich, nicht wahr, Sylvio?

Die Kränze von deinem Grab sind weg, deine Eltern halten es wirklich tadellos in Schuss. Es würde dir auch gefallen, wenn du es nur sehen könntest. Wunderschön und schlicht – so wie du.

Warum kannst du es nicht?

Sylvio warum?

Warum bist du einfach gegangen, hast mich allein und gebrochen zurückgelassen, warum? Das war nicht fair, weißt du das? Du hättest mich mitnehmen können. Die Ärzte sagten, die Dosis die du genommen hast, hätte für drei gereicht und die Überlebenschance wäre trotzdem gleich Null gewesen. Du wolltest wohl wirklich sicher gehen, hm?

Und mich lässt du allein hier zurück. Hast mir nicht mal was gesagt.

Ich fühle mich so leer ohne dich … so endlos leer … und ich hasse Weihnachten – mehr denn je. Diese heile-Familie-Scheiße. Jeder behandelt mich wie ein rohes Ei! Zum kotzen!

Hast du es bemerkt?

Seit Tagen schneit es, als wollte es gar nicht mehr aufhören. Große dicke Flocken. Ich weiß Schatz, du hasst Schnee, weil du bei dem Wetter deine Maschine in der Garage lassen musstest …

Die Wege zu deinem Grab waren nicht einmal geräumt und ich bin fast knietief eingesunken. Aber du weißt doch, Liebster, nichts kann mich aufhalten zu dir zu kommen, Sylvio. Meine Eltern denken mittlerweile darüber nach, mich in eine Therapie zu stecken. Leider bin ich noch nicht volljährig und sie haben das Recht über mich zu bestimmen.

Ich war für ein paar Tage in der Klinik, nur weil ich versucht habe dir zu folgen. Leider hat mich mein Vater gefunden und gleich einliefern lassen und nun sitze ich wieder hier vor deinem Grab, anstatt an deiner Seite zu sein.

Sie halten mich für manisch depressiv und schieben es darauf, dass ich zu wenig unter Leute gehe. Jetzt wollen sie mich allen erstes bei diversen Hochschulkursen anmelden. Sylvio, ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich dich vermisse. Du warst der einzige, der mich verstanden hat, trotz deiner gerade mal fünfzehn Jahre.

Langsam gehe ich vor deinem Grab in die Knie und lege meine Hand auf den kühlen Stein. Ich spüre wie die Kälte durch meine Hand zu mir kriecht, den Arm hinauf zum Rücken und ins Herz.

Doch dort kommt keine Kälte an, nur unbeschreibliche Hitze, als ich dich deutlich vor mir sehe und schlucke. Ich wage meinen verlogenen Augen nicht zutrauen, doch du kommst auf mich zu und sagst mir, ich solle nicht weinen.

„Wer weint denn hier“, sage ich tapfer und du wischst mir die Tränen weg, hältst sie mir wie ein Beweis vor die Augen, ehe du sie von deinem Finger leckst und mich dann liebevoll in deine Arme nimmst.

Ich kann mein Glück kaum fassen, nicht in Worte fassen. Du bist nicht tot! Ich habe es gewusst! Ganz tief in meinem Herzen habe ich es gewusst! Die letzten sieben Monate ohne dich waren nur ein kranker Alptraum, aus dem ich gerade erwache. Das sehe ich jetzt ganz deutlich. Mein Herz rast wie wild vor Aufregung. Du bist immer noch so schön wie früher, vielleicht sogar noch schöner.

Deine weichen Lippen auf meinen, deine Hände auf meinem Gesicht. Sie sind so warm, so sanft, so vertraut, dass es mir leicht fällt, mich dir anzuvertrauen. Wie ich sie vermisst habe! „Komm, Tilo, bleib bei mir“, flüsterst du mir ins Ohr, ehe wir eng umschlungen in den Schnee sinken.

Endlich …

Endlich wieder vereint …



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>… die Kämpfe der US Truppen um die Rebellenhochburg halten wohl auch über die Feiertage weiter an. Das Pentagon gibt sich bedeckt.

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