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Die Geschichte vom Müllschwein Uwe

Original/ Reale Welt [PG] [abgeschlossen]

[yune]

Einteiler

Inhalt:
Uwe, Student der Juristerei, wurde von seinem Freund verlassen und vergräbt sich nicht nur in Selbstmitleid, sondern auch in dem Chaos, was früher mal seine Wohnung war.
Seine fürsorgliche kleine Schwester Jana hat die Schnauze gestrichen voll, genau wie seine Eltern, die ihm drohen den Geldhahn zu schließen - es bleiben nur zwei Möglichkeiten: zurück zu den Eltern oder das leere Zimmer vermieten - aber an wen?

Verschenkt:
Diese Geschichte habe ich für Maike zum Geburtstag geschrieben - sie gehört also ihr. Häbbie börsdee, Maus - und danke für deine unermüdliche Beta-Arbeit ...

 


 

 

Die Geschichte vom Müllschwein Uwe – ein Drama in 6 Akten

 
Akt I – Wie man ein Müllschwein erkennt

Wieder kroch Uwe unter seine Decke. Wer hatte denn die Unverfrorenheit, morgens um – ein Blick auf die Uhr ließ ihn seine Gedanken korrigieren – nachmittags um zwei zu klingeln als wäre es wichtig? Nichts war mehr wichtig – gar nichts. Nur seine Ruhe, seine kleine Welt.

Wer wagte es, ihn in seiner Pein und seiner Seelenqual zu stören? Was sollte das denn? Konnte man sich in diesem Sauladen nicht mal in Ruhe selbst bemitleiden, ohne dass einem gleich wieder jemand auf die Nerven ging?

„Haut alle ab!“, knurrte er, doch wer sollte ihn schon hören? Er lag unter einer Decke hinter einer geschlossenen Tür. Außerdem hatte es ihn fast zwei Monate gekostet, sein aufgeräumtes Zimmer in das zu verwandeln, was er jetzt seine Herberge nannte.

Die Schränke waren so gut wie leer, dafür türmten sich die dreckigen Klamotten auf dem Boden. Auf dem Tisch stapelte sich Geschirr. Es hatte ihn eine Menge an konzentrierter Arbeit gekostet, dieses nahezu perfekte Chaos anzurichten. Jetzt wollte er es auch genießen – und zwar gründlich und allein!

Uwe hoffte, hinter seinem Schutzwall aus Gerümpel wäre er so gut verborgen, dass ihn nichts mehr erreichen konnte. Gar nichts mehr – keine Freunde, keine verkappten Seelenklempner, die glaubten, nach zwei Semestern Sozial-Pädagogik zu wissen, was mit ihm los war und am wenigsten konnte ihn Frank erreichen …

Frank – Frank – immer wieder Frank!

Dieser Bastard hatte es doch wirklich gewagt, ihn, Uwe Weidner, zu verlassen! Einfach so ausgezogen – bei Nacht und Nebel und wohnte nun bei seinem neuen Freund. Oh ja, Uwe konnte es spüren, die nächste Selbstmitleidswelle rollte über ihn hinweg und spülte auch nur die kleinste Anwandlung hinfort, sich zu erheben und denjenigen, der da gerade seinen Finger im Dauernerv-Modus auf seiner Klingel geparkt hatte, den Hals umzudrehen. Langsam und mit sadistischem Genuss. Zusehen, wie der Betreffende erst rot und dann blau anlief, röchelte, die Augen verdrehte. Doch nicht mal die Aussicht auf solch einen Spaß konnte Uwe wirklich unter seiner Decke hervorlocken.

Schnell lag auch noch sein Kissen auf seinem Kopf. Er wollte nichts und niemanden sehen! Nicht mal zum Würgen. Nicht nur, dass er letzte Woche seine Prüfung verhauen hatte, weil er keine Nacht mehr schlief, nein, seit mindestens drei Tagen ging ihm seine Schwester auf die Nerven!

Was mischte sich diese Frau in sein Leben ein? Hatte die kein eigenes, das sie durcheinander bringen konnte? Nur weil sie die perfekte Tochter war und bei einer Bank arbeitete – zufälligerweise die, bei der Uwe sein Konto hatte, was langsam rote Zahlen schrieb – musste sie sich ja noch lange nicht in sein Leben einmischen. Wer war denn hier der große Bruder?

Uwe zuckte zusammen, als plötzlich zum Klingeln der Tür auch noch das Telefon anfing zu klingeln, ein widerlicher Ton, der mit dem Türgong kein bisschen harmonierte. Was sollte der Mist?

Er wollte leiden, er wollte sich bemitleiden! Dazu musste man sich auch ab und an konzentrieren, begriffen das die Penntüten nicht? Oder glaubten die etwa, leiden ginge einfach so? Hinlegen und losleiden und gut? Leiden war eine hohe Kunst und verlangte viel Konzentration und Fingerspitzengefühl.

Ja was sollte das denn jetzt?

Hämmerte da auch noch jemand gegen die Tür? Arme Tür, die hatte doch nun echt keinem was getan, machte doch nur ihren Job.

„Uwe, mach die Tür auf oder ich brech sie auf. Wir müssen reden.“

Jana!

Bitte nicht!

Uwe hielt sich die Ohren zu und kugelte sich unter seiner Decke zusammen. Nicht mal richtig leiden ließ sie ihn! Kam ständig stören und meckern! Er wusste doch, was sie wieder von sich geben wollte!

„Uwe, du Müllschwein, räum endlich mal deine Bude auf, man braucht ja Tetanus- und Hepatitisimpfung, wenn man sich hier bewegen will“, imitierte er seine Schwester, die perfekte Tochter, und hielt sich einfach die Ohren zu. Er hatte sie schließlich nicht darum gebeten, sich hier zu bewegen, er hatte sie nicht eingeladen! Also sollte sie ihre Impfungen gefälligst auch alleine bezahlen.

Schließlich war das hier kein Katastrophenschutzgebiet und sie kein Ersthelfer, auch wenn Jana genau das Gegenteil behauptete. Okay, vielleicht sah es bei ihm ja ein bisschen aus wie nach einem Tornado Stufe 3 – schließlich waren die in Deutschland nicht so selten, wie man allgemein hin gern glaubte. Und dass sein Zimmer in der gerissenen Verwüstungsschneise lag war ja nun auch nicht Uwes Schuld!

„La, la, la, ich hör nichts – gar nichts – überhaupt nichts“, sang er wieder vor sich hin und versuchte abermals in seinen melancholischen Zustand zu verfallen. Aber dafür hätte er Ruhe gebraucht. Schnell zog er sich einen von Franks Briefen heran, um sich ein bisschen in seinem Elend zu suhlen. Sie waren so voller Liebe, so voller Gefühl und Uwe musste feststellen, dass er unter seiner Bettdecke nicht gerade viel sah. Vielleicht sollte er sich Licht legen lassen, falls er vorhatte hier länger zu verweilen? Und das hatte er! Definitiv.

„Uwe, mach mich nicht wütend“, hörte man es wieder vor der Tür. Vielleicht wäre es nicht schlecht aufzustehen, sich durch seinen Berg Dreckwäsche zu wühlen, irgendwo in seinem Chaos die Tür zu finden und seine tobende, wütende Schwester hereinzulassen, ehe besorgte Anwohner sie abholen und einliefern ließen.

Doch halt – warum eigentlich nicht? Dann war sie weg und in Verwahrung, würde nie wieder nerven kommen. Schöner Gedanke, das. Also zog Uwe seinen Fuß, den er doch allen ernstes aus dem Bett gesteckt hatte, schnell wieder zu sich und knurrte.

„Geh weg, geh weg, geh weg!“ Und am besten kommst du nie wieder wieder!, fügte er in Gedanken noch an und zog die Decke rings herum schön fest.

Doch dann – er konnte es kaum glauben – es herrschte Ruhe. Das Telefon schwieg, die Klingel schwieg, Jana schwieg. Es war wie die Ruhe vor dem Sturm, als wäre er im Auge des Hurrikans, genau des Hurrikans, der sein Zimmer so grausam verwüstet hatte. Und was lernte man über das Auge des Hurrikans? Nicht heraus kommen – unter der Bettdecke warten, bis alles vorbei war.

Und das machte Uwe auch, er zog seine Decke ringsherum schön fest und harrte der Dinge, die noch kommen würden, in Form einer nächsten Salve von Nervattacken seiner kleinen Schwester. Nichts gegen Verwandte, gegen entfernte Verwandte, blöd nur, wenn es verboten war, sie selbst zu entfernen! Das sollte er als angehender Jurist ja wenigstens wissen.

Doch dann verging schon die zweite Minute ohne Jana und Uwe fühlte sich viel zu sicher, streckte leichtsinnig den Kopf aus seinem Kokon heraus, um zu sehen, was passiert war. Er hätte seine Schwester besser kennen sollen. Sie hatte noch nie klein beigegeben. Immer hatte sie ihren großen Bruder genötigt, mit ihr zu spielen – Teeküche oder Prinzessinengeburtstag. Vielleicht waren diese ganzen Attacken seiner kleinen Schwester der Grund, warum er der Damenwelt abgeschworen hatte? Nie wieder Prinzessinenteepartys! Nie wieder!

„Du bist eine alte Sau, Uwe!“, hörte er es plötzlich viel zu dicht neben sich und kaum dass er reagierte und den Kopf wieder wegziehen wollte, bekam ihn eine kleine aber kräftige Hand in den verfilzten Haaren zu packen.

„Uwe, du bist ja eklig.“ Und dann wurde auch noch seine schützende Decke von ihm gezerrt und seinen einzigen Schutz gegen tödliche Sonnenstrahlen und widerliche frische Luft war er los. Verzweifelt versuchte er sein Shirt so über sich zu ziehen, damit er so viel wie nur möglich von sich verbarg. Aber das war gar nicht so leicht, wenn eine wütende kleine Schwester ihre langen künstlichen Nägel in die eigene Kopfhaut kratzte.

„Stell dich nicht so an, du Schwein. Ich will nicht wissen, wann du das letzte Mal gebadet hast! Du stinkst schlimmer als das Geschirr, was sich in der Küche einquartiert hat und von innen die Tür zuhält. Was züchtest du denn da? B- und C-Waffen? Weiß der UN-Sicherheitsrat davon? Warte nur bis Bush das rauskommt und seinen dritten Golf-Krieg in deiner Küche führt.“ Jana war außer sich. Was tat ihr Bruder nur mit sich selbst? War für ihn wirklich die Welt stehen geblieben, als Frank ausgezogen war?

Zumindest roch er so, als wäre er seit dem nicht mehr duschen gewesen und so gut wie tot! Die Haare sahen aus wie das Haupt einer Gorgone – breite Strähnen, die ein Eigenleben zu haben schienen und langsam ihren Arm hoch krochen, dass Jana lieber losließ und rückwärts ging, noch immer die Decke in der anderen Hand.

„Hau ab, Jana, ich will niemanden sehen – ich will hier liegen und leiden!“, knurrte er nur und nahm in Ermangelung seiner Decke einfach das Laken an einem losen Zipfel, drehte sich selbst einmal um seine Achse und schon war er wieder rundherum geschützt. Wie clever!

„Uwe, es reicht – ich hab die Schnauze gestrichen voll, du Jammerlappen.“ Mit einem Tritt beförderte sie ihren Bruder aus dem Bett, doch der Aufschlag blieb aus. Ein Berg Schmutzwäsche eilte seinem Besitzer zu Hilfe, streckte Ärmel und Hosenbeine nach ihm aus und zog ihn tief in eine innige Umarmung.

Schmutzwäsche war eben doch das beste Haustier der Welt, treu, ergeben, hörte zu, redete nur selten und vor allem konnte man sich immer auf sie verlassen. Und nach drei Wochen ging sie sogar bei Fuß! Welche Katze konnte das von sich sagen? Welcher Kanarienvogel?

„Uwe, du kotzt mich an – du stinkst, du verwahrlost. Wenn das so weiter geht, lässt der Vermieter deine Wohnung räumen!“ Wie konnte ein Kerl von fast zwei Metern, der noch vor zwei Monaten der Schwarm seines Semesterjahrganges war, so abrutschen?

„Jana, besorg dir ein eigenes Leben, in dem du nerven kannst, lass mich einfach nur in Ruhe.“ Nun hatte Uwe die Nase voll. Was machte seine Schwester denn da? Das schöne Chaos! Die räumte doch wirklich allen ernstes die Schmutzwäsche auf einen Haufen, bis der arme Teppich wieder zu sehen war.

Hatte sie den Teppich überhaupt gefragt, ob er gesehen werden will? Vielleicht war das genau die artgerechte Haltung, die ein Teppich wollte, sich verstecken, nicht gesehen werden. Bis jetzt hatte er sich jedenfalls nicht beschwert. Okay, er hatte Uwe bis jetzt auch noch nicht verraten, dass er früher mal orange gewesen war. Kurz guckte er aus seinem Laken, um zu verfolgen, was seine Nerv-Zange schon wieder anstellte.

Nein! „Nicht das Fenster, lass das Fenster zu!“

Nicht nur dass Jana die Vorhänge aufzog und so ihren armen Bruder mit dieser grellen Sonne das Augenlicht nahm und er schmerzerfüllt aufschrie, nein diese Verrückte riss auch noch das Fenster auf.

Frischluftalarm!

„Uwe, du altes Müllschwein, das riecht als wärst du schon tot!“, knurrte sie, „hier stinkt es nicht nur wie in einem Saustall, es sieht auch so aus und …“ Noch einmal kickte sie ihrem faulen Bruder in den Hintern, weil er gerade so schön vor ihr lag und sich doch wirklich unter einem Berg Schmutzwäsche zu verbergen suchte, „und jetzt steh auf, wir müssen reden.“

Jana ließ keinen Zweifel mehr daran, sie hatte die Nase gestrichen voll. „Weißt du eigentlich, dass Vater dir ab nächste Woche den Geldhahn zudreht, wenn das so weiter geht? Dann wirst du deine Wohnung hier räumen dürfen und wieder daheim einziehen, unter Mamas und Papas Fuchtel. Na wie klingt das, Brüderchen?“ Sie genoss es, wie sich ihr Müllschwein langsam aus dem Berg Wäsche wühlte und sie mit kleinen, verkniffenen Augen anfunkelte.

Prima. Konnte es die perfekte Petze-Schwester mal wieder nicht lassen, ihrem Vater brühwarm zu erzählen, dass er gerade eine winzig kleine Lebenskrise hatte. Verdammt, so was hatte doch jeder mal! Er war doch nicht der einzige, der seine große Liebe verloren hatte und sich deswegen tief in ein großes Nichts gezogen fühlte. Hätte man da von einer Schwester nicht etwas mehr Feingefühl erwarten können? Aber nicht von einer, die sensibel war wie ein Backstein. „Tut mit leid, sprach der Eisberg zur Titanic, bevor sie sank“, knurrte er und setzte sich in seinem Nest auf.

„Kann ich jetzt mit dir reden oder…“

Doch Uwe ließ seine kleine Schwester gar nicht ausreden. Er funkelte sie aus blauen Augen an und schob sich die strähnigen blonden Haare aus dem Gesicht, um sie besser sehen zu können. Man sollte den Feind ja bekanntlich nie aus dem Auge lassen! Uwe, sei wachsam! „Verräter“, knurrte er wieder und zog beleidigt sein Laken um sich fester. Er sah nun wirklich nicht mehr aus, als wäre er zweiundzwanzig Jahre alt. Mehr wirkte er als wäre er sechs und hätte mal wieder ins Bett gemacht.

Hey, nicht dass hier Gerüchte aufkamen: er war sauber, er war trocken, er wusste, wie man ein Bad benutzte und wenn er sich erst mal mit einem Schneeschieber in seinem Zimmer Bahnen gemacht hatte, dann fand er es auch! Irgendwo auf dem Flur musste eine Tür sein, er hatte schon davon gehört und er war auch schon da gewesen.

„Hä?“, machte er plötzlich, als er solch abartige Worte wie aufstehen und aufräumen im Unterbewusstsein wahrnahm. Gab es überhaupt Wörter, die mit ‚auf’ anfingen und etwas gutes bedeuteten? Uwe bezweifelte das stark.

„Ich hab Papa gesagt, ich kläre das – also kläre ich das. Du hast jetzt drei Optionen, mein Lieber. Du ziehst in ein Internat neben der Uni. Viel Spaß dabei. Oder du gehst zurück zu unseren Eltern, denn er wird dir auf jeden Fall die Kohle kürzen, bis du dich wieder im Griff hast. Er sagt, er würde sein Geld zu sauer verdienen, als dass er dein Lotterleben finanzieren würde.

Wo wir dann auch schon bei Option drei sind: wenn du deine Bude behalten willst, wirst du entweder deinen Internetkonsum und dein Essen einschränken, nicht mehr weggehen und alles Geld für die Miete und die Nebenkosten sparen oder du nimmst dir für das Wohnzimmer drüben einen Untermieter. Mit Vermieter Krause habe ich bereits gesprochen, als er mir eben aufgeschlossen hat. So lange es ein anständiger Kerl oder ein anständiges Mädel ist, hat er ...“

„Wie bitte?“

Wie ein Springteufelchen aus seiner Kiste fuhr Uwe aus seinem weichen Berg Wäsche hoch, überragte seine kleine Schwester um fast zwei Köpfe und blickte so auf sie hinab. „Geht es dir noch gut, junge Dame? Ich soll hier irgendeinen mit in meine Bude nehmen? Spinnst du total?“

Doch Jana grinste nur. „Nein, du kannst auch ausziehen und ins Wohnheim, wo ist das Problem?“

„Das ist Erpressung!“ Na so was hatte Uwe ja gerne, Sich in sein Leben einmischen, ihn aus seiner Tristesse holen, seine melancholischen Kreise stören und die trübsinnigen Sphären verscheuchen – und dann hier stehen und grinsen! „Blöde Kuh.“

Jana zuckte nur die Schultern, sie kannte ihr Müllschwein doch viel zu gut, um zu wissen, dass er das nicht ernst meinte. „Komm schon, Rudi Rüssel.“

„Jana, ich dreh dir den Hals um und lasse deine Leiche hier unter einem Wäscheberg verschwinden. Dich findet niemals einer!“, knurrte ihr Bruder. Also, er ließ sich ja viel bieten, aber Beleidigungen zählten da nicht dazu.

„Ja“, hörte er es nur von Jana und die lachte, „so wie das hier stinkt, wird nicht mal jemandem der Verwesungsgeruch auffallen. Hattest du nicht mal eine Katze? Es riecht, als wäre die auch schon tot.“

„Ha, ha“, machte Uwe nur. Wozu Haustiere? Er hatte Schmutzwäsche, den besten Freund des Menschen!

„Raff dich endlich auf, Uwe. Frank kommt nicht zurück, egal wie du dich gehen lässt. Andere Mütter haben auch schöne Söhne, also reiß dich zusammen, dusche, geh zum Friseur und vor allem, räum hier auf! Ich kümmere mich um die Anzeige und häng sie in der Uni auf. Was du eigentlich auch machen könntest, denn dort solltest du dich mal wieder blicken lassen.“

„Bla, bla, bla“, ätzte Uwe nur. Wenn er auf eines echt null Böcke und noch viel weniger Lust hatte, dann auf Standpauken von kleinen Schwestern, die glaubten, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.

„Ich kann dir auch Papa vorbeischicken, dann bist du morgen hier raus und wieder daheim. Ade du freie Welt.“ Da kannte sie ja gar nichts und leider wusste auch Uwe, dass seine Schwester da nichts kannte – die zog das durch. Die hatte schon als kleine Kröte ihren Spaß daran gehabt, ihn zu verpetzen!

Sicherheitshalber würde Jana aber ihre eigene Handynummer als Kontakt angeben, um dafür zu sorgen, dass nichts mehr schief ging. Während ihr Bruder schon plante, wie man einen lästigen Mitbewohner – vielleicht sogar noch eine nervige Mitbewohnerin – loswerden konnte. Vielleicht sollte er seine Schimmelpilzzucht noch etwas ausweiten und sich auf ein paar Fleisch fressende Spezies spezialisieren.



Akt II – Wie man einen geeigneten Müllschweinbändiger erkennt

„Es tut mir leid, Herr Seifert, aber die Zimmer in den Wohnheimen sind leider schon alle belegt. Ich kann ihnen also nichts anbieten.“ Steffen ließ den Kopf hängen. Da hatte er sich nun so auf sein erstes Semester gefreut, weg von daheim, weg von seiner aufdringlichen Mutter, die ihm nun – seit sie wusste, dass er schwul war – alle möglichen Mädels andrehen wollte, um ihn noch zu bekehren… und dann so was?

„Ist denn gar nichts mehr zu machen? Es muss auch nicht groß sein, Frau Lemke, ich bin wirklich mit wenig zufrieden. Ich will nur daheim endlich raus und vor allem müsste ich ja jeden Tage fahren und …“ Steffen wollte noch nicht aufgeben. Er hatte schon wieder das Bild im Kopf, wie er heim kam und seine Mutter samt Nachbarin und deren nymphomanische Tochter hockten am Tisch und tranken Tee. Nein, da wollte er nicht zurück! „Bitte“, machte er noch und die großen runden Augen flehten geradezu.

„Ach Herr Seifert, sie machen es mir wirklich schwer. Wenn sie so gucken, würde ich sie am liebsten gleich mit zu mir nehmen – aber ich habe auch kein Zimmer frei.“ Die ältere Frau lächelte. Es tat ihr immer weh, jemanden wegschicken zu müssen. Aber die Wohnheime waren nun einmal vorrangig für die Unterbringung der Studenten gedacht, die von weit her kamen und nicht die nicht die Möglichkeit hatten, in der Nähe zu wohnen oder unterzukommen.

„Und wenn sie es in einer WG einmal versuchen?“ Sie deutete auf eine Pinnwand gleich neben der Tür, die über und über mit Zetteln beklebt, behängt und beschichtet war. „Meistens ist das auch die preiswertere Lösung.“ Das Büro für alle Belange des Studentischen Wohnens war mittlerweile zu einer Art Umschlagsplatz für freie Zimmer geworden – auf einer Seite hingen die Gesuche für Nachmieter, auf der anderen Gesuche derer, die ein Zimmer suchten. Schlussendlich fanden sie hier zueinander.

„Ja, vielleicht ist das gar nicht so eine schlechte Idee.“ Steffen wollte noch nicht klein beigeben, er würde alles versuchen, so lange er nicht wieder heim musste. Auf Katja, besagte Nymphomanin, hatte er noch immer keine gesteigerte Lust. Alles war besser als das!

„Sehen sie sich ruhig um. Wenn sie etwas kopiert brauchen oder so, nehmen sie es einfach von der Wand, ich ziehe es ihnen ab. Aber die meisten haben ja schon kleine Zettelchen zum Abreißen vorbereitet.“ Frau Lemke deutete auf die Wand und Steffen nickte nur. Na mal sehen.

„Nachmieter für möbliertes Zimmer …“, las er, doch da fehlten schon fast alle Schnipsel und die Anzeige hing auch schon etwas länger. Er musste etwas Neueres finden, für das sich noch nicht so viele interessierten. Und nun ging seine Suche los.

Aber immer störte ihn etwas. Mal waren es Haustiere, die er leider nicht vertrug, so lange sie Fell hatten oder Federn oder es gab kein Internet, er brauchte sein Internet, es ging einfach nicht ohne! So in die Anzeigen vertieft bemerkte er nicht, wie die Tür aufging und eine blonde junge Frau in einem Nadelstreifenanzug hereinkam.

„Guten Morgen“, wünschte sie und fragte kurz, ob es möglich war, eine Anzeige für ein freies Zimmer anzuschlagen.

„Nur zu, junge Frau, vielleicht finden wir ja was für Herrn Seifert, er sucht noch ganz intensiv“, lächelte Frau Lemke und deutet auf Steffen.

Jana sah sich kurz um und ihr Blick blieb auf einem jungen Mann liegen – er war der einzige im Raum, folglich musste er Herr Seifert sein. Er war vielleicht einen halben Kopf größer als sie selbst, die schwarzen Haare waren ordentlich frisiert und als er sich umwandte und sie mit großen blauen Augen anguckte grinste sie nur und nickte. Er sah ordentlich aus, und vor allem viel zu jung für ihren Bruder und zu klein. Ganz entschieden nicht seine Kragenweite – zum Glück! So bestand keine Gefahr, dass er sich in den nächsten Kerl verguckte und wieder unter seinem Berg Dreckwäsche verschwand.

„Wir werden sehen“, lächelte sie und hängte die Anzeige direkt vor Steffens Nase. Der war kurz irritiert und blickte dann auf den hellblauen Zettel. „Ein Zimmer, Altbau, erstes Obergeschoß, keine Tiere, DSL-flate, moderne Küche, saniertes Bad, Zentralheizung. Heißler-Ring 23.“ Das war doch gleich um die Ecke. Das war in Uni-Nähe und vor allem klang die Ausstattung für den Anfang doch gar nicht übel. „Und kostet“, murmelte er leise und suchte weiter.

„180 im Monat, mit allen Nebenkosten.“

Steffen zuckte zurück. Er hatte gar nicht bemerkt, dass jemand neben ihm stand. „Ist die Bude von meinem Bruder, die Kosten wachsen ihm etwas über den Kopf, deswegen sucht er einen Mitbewohner. Meld dich bei mir, wenn du Interesse hast.“

Steffen sah ihr nach, als sie sich verabschiedete und zur Tür ging. 180 im Monat? Seine Eltern wollten ihn monatlich mit 400 unterstützen, das war okay. Billiger waren die Zimmer im Wohnheim auch nicht. Mit einer Hand voll Zetteln wünschte auch er einen schönen Tag und folgte der jungen Frau auf die Straße. „Entschuldigen sie“, rief er Jana hinterher und die blieb stehen.

„Kann ich mir die Wohnung mal angucken?“, wollte Steffen wissen und Jana überlegte. Sie konnte nur hoffen, dass ihre Drohung gefruchtet hatte und Uwe wirklich gerade dabei war die Bude zu entmüllen und vor allem wieder in Schuss zu bringen. Nichts war peinlicher, als diese Müllhalde einem Untermieter zu präsentieren. Doch sie nickte. „Klar, warum nicht. Passt es morgen?“ So blieb ihr und ihrem faulen Bruder noch eine Nacht, das Gröbste zu schaffen.

„Klar, gerne, um drei?“ Steffens Augen leuchteten. Sie strahlten wie Sterne, selbst Jana musste schlucken. Ob der Kleine da doch nicht so eine gute Idee war?



Akt III – Wie man ein Müllschwein aus seinem Bau lockt

Kaum dass er seine nervige Schwester wieder losgeworden war, hatte Uwe nichts Besseres zu tun gewusst, als auf seinen Schock erst einmal wieder ins Bett zu krabbeln. Aber die heimelige Ruhe, die noch vor Janas Attacke geherrscht hatte, war verschwunden. Und so sehr sich Uwe auch unter seiner Decke drehte und wendete, er fand weder sein Selbstmitleid wieder noch seine Ruhe.

Wie auch, mit dem Gedanken im Hinterkopf entweder wieder bei seiner überfürsorglichen Mutter zu landen oder einen Mitbewohner aufs Auge gedrückt zu bekommen, den seine Schwester Jana aussuchte! Und man sollte nicht vergessen, dass wir hier von Jana sprachen!

Jana, die ihn als Kind immer zu Prinzessinenspielen genötigt hatte!

Genau diese Jana!

Die hatte doch keine Skrupel und hetzte ihm eine putz- und streitsüchtige Öko-Tante oder einen total verqueren Soz-Päd auf den Hals. Ja, so eine war Jana.

Knurrend warf sich Uwe wieder auf die andere Seite und nun stellte sich auch noch seine Decke quer, als sie plötzlich, ohne Vorwarnung, zu Boden ging und den armen Haufen Schmutzwäsche fast erschlug.

Natürlich hatte sich Uwe noch die Zeit genommen, den entblößen Teppich mit einem liebevoll wieder verteilten Haufen Schmutzwäsche seine Würde zurückzugeben und ihn wieder zu verbergen. Auch die Vorhänge bekamen ihren Job zurück. Nur die Ruhe und die trübsinnige Atmosphäre wollten sich nicht mehr einstellen.

Nicht mal, als er unter dem Bett nachguckte, ob sie sich da vielleicht vor seiner hyperaktiven Schwester versteckt hatte. Aber nichts. Bis auf eine riesengroße Kolonie Staubmäuse, die ihn gleich anfallen und knuddeln wollten, war da nichts zu finden. Nicht mal, als er sich todesmutig noch tiefer unter sein Bett schob. Es war gar nicht so einfach, dabei auf dem Bett kniend, das Gleichgewicht zu halten.

Es wurde noch viel schwieriger, als er plötzlich die Stimme der Nerv-Zange hörte und schlagartig bereute, ihr den Schlüssel für die Tür ausgehändigt zu haben, denn er verlor das Gleichgewicht, plumpste nach vorne und damit direkt auf den Kopf, was seine liebevolle Schmutzwäsche aber abfederte und ihm einmal mehr wieder das Leben und seinen Geist rettete.

„Ich glaub, ich spinne!“ Jana war noch nicht mal richtig in Uwes Zimmer drinnen – wie auch, sein Haustier versperrte ja den Weg! „Uwe, ich würg dich. Da vertue ich meinen Urlaubstag, um dir aus der Scheiße zu helfen und du …“

„Jana, halt die Klappe. Es hat dich keiner darum gebeten“, knurrte er und wurde fast von einer Socke erwürgt. Okay, zugegeben – dieser Stoff hatte schon bessere und vor allem frischere Tage gesehen. Aber er hatte ihm eben das Leben gerettet, es war nur fair, ihn nett zu behandeln.

„Wah, was tust du?“, kreischte Uwe plötzlich. Kickte seine Schwester nicht gerade seine Schmutzwäsche? Ging man denn so mit Freunden um? Und warum griff sie schon wieder nach dem Vorhang?

„Uwe, es reicht – morgen um drei kommt der erste Kandidat und guckt sich die Wohnung an, also komm in die Gänge oder morgen früh steht Papa vor der Tür und sammelt dich ein. Du hast die Qual der Wahl.“ Ohne ein weiteres Wort verschwand sie, zog sich erst mal die Klamotten aus und schlüpfte in was Bequemes. Das dürfte etwas länger dauern.

Kaum hatte sie sich den Weg zur Küche gebahnt, kam auch schon ihr Bruder hinterher gepoltert und fuhr sie an. „Wie bitte? Du machst über meinen Kopf hinweg Termine? Ich bin alt genug, das alleine zu entscheiden.“

Klar, dass sich der Herr wieder aufblies wie ein Pfau, nur sah er dabei aus wie ein Straßenköter und roch wie ein Iltis nach der Paarung, von seiner augenscheinlichen sexuellen Frustration mal ganz abgesehen.

„Geh duschen, dann können wir reden“, erklärte sie und suchte sich als erstes Mal die Spüle. Die musste hier irgendwo sein, beim Einzug war noch eine da gewesen, das wusste sie genau. Links neben der Tür – das war die grobe Richtung die sie anstrebte. Ob das lebende Geschirr sie schon auf ebay verkloppt und sich davon Dünger gekauft hatte? Ach da – unter dem Berg Pizzakartons lugte etwas Silbernes hervor und tatsächlich – die Spüle. Lange verschollen und doch wieder gefunden.

„Jana, was soll das heißen, der erste Kandidat – sieht er gut aus?“ Was fragte er denn da? Er trauerte seiner großen verflossenen Liebe nach, da hatte es ihn nicht zu interessieren, wie einer aussah, der sich hier einnisten und seine Ruhe und Trauer stören wollte!

„Nein, nicht besonders. So ein kleiner dürrer, sicher Informatiker. Mit Brille und Zahnspange, aber sehr nett.“ Jana würde den Teufel tun und ihrem verlotterten Bruder auch noch erzählen, dass der Kleine richtig süß war. Uwe sollte leiden, sollte sich grämen und sich ärgern.

Wenigstens eine Nacht lang!

Das hatte das kleine Schweinchen einfach verdient. „Und jetzt dusch dich, nimm das antibakterielle Spülmittel mit und am besten nimmst du deine Klamotten gleich auch noch mit, die haben es bitter nötig.“

Maulend verzog sich Uwe ins Bad. Na prima. Jetzt machte Jana also ernst, stellte die Bude auf den Kopf, quälte seine wertvollen Schimmelpilzkulturen und seine Schmutzwäsche und zu allem übel wollte sie ihm noch eine Vogelscheuche auf die Bude jagen!

Aber so nicht, er würde diesen Typen vergraulen! Und seine neuen Freunde und die Staubmausfamilie unter seinem Bett würden ihm sicher helfen. Sie mussten zusammenhalten, wenn sie überleben wollten!

„Und benutz Seife“, brüllte Jana noch hinterher, aber Uwe knallte nur entrüstet die Tür zu. Wenn er allerdings glaubte, er fände hier seine Ruhe und seine Privatsphäre, so musste sich Uwe eines besseren belehren lassen. Kaum dass er sich bückte, um sich die Shorts von den Beinen zu streifen, weil sie von alleine nicht loslassen wollte, sprang die Tür wieder auf und Jana kam mit Schwung in das kleine Bad, versetzte ihrem Bruder noch einen Schubs und er schlug sich zu allem Übel auch noch den Kopf an der Duschkabine.

„Sorry“, lachte sie nur und griff sich die beiden Waschkörbe und die Eimer.

Uwe wurde misstrauisch. Was hatte die denn jetzt vor? So ging er nackt seiner kleinen Schwester hinterher, keine Zeit für Peinlichkeiten. Da fing seine verrückte Schwester doch allen ernstes an, seine Klamotten einzusammeln! „Jana, nein. Lass meine neuen Freunde in Ruhe!“ Natürlich entriss Uwe ihr wieder das Shirt, das sich weigerte und wehrte, sich am Bett festhielt, nur um dem Wäschekorb zu entkommen. Es schien schon zu ahnen, was ihm blühen würde. Weißer Riese und frische Luft.

„Uwe, reiß dich zusammen, ehe ich mich gänzlich vergesse und ausraste. Treib es nicht zu weit. Geh duschen, dann wird die Küche aufgeräumt und das Geschirr abgewaschen. Ich weiche es jetzt ein. Dann machst du weiter.“

Na das konnte ja noch was werden. Wenn das schon so losging.



Akt IV – Wie ein Müllschwein sein Habitat verteidigt

Jana war schlimmer als jeder General, als jede Mutter, als jede der biblischen Plagen. Sie hatte ihren Bruder, dank der Erpressbarkeit seitens des Heimzuges in die treu sorgenden Arme eine liebenden Mutter und eines mürrischen Vaters, wunderbar im Griff.

Er murrte nicht, als er die Wäsche auf dem Boden des alten Hauses aufhängen musste, weigerte sich nicht, die – sage und schreibe – 62 Pizzakartons im Container auf dem Hof zu entsorgen, wo sich Jana wirklich fragte, wo ihr Bruder diese Kalorienbomben hin gefressen hatte.

Zehrte Trauer und Verzweiflung so an seinen Nerven, dass die Kalorien – die ärmsten, bedauernswerten – nicht mal den Hauch einer Chance gehabt hatten, ihre Freunde in den Fettpölsterchen um die Hüften zu besuchen, sondern gleich gnadenlos im Hirn verheizt wurden?

Das konnte nicht sein. So wie Uwe sich aufführte, schien er zu geistiger Arbeit oberhalb des Merkens einer fünfstelligen Telefonnummer des Lieferservices nicht wirklich fähig. Zumindest nicht im Augenblick.

Nicht dass Gerüchte aufkamen: Uwe war wirklich ein schlauer Kerl, schon in der Schule waren ihm die guten Noten nur so zugeflogen, ohne dass er sich viel darum bemüht hätte. Er hatte Dinge gelesen und begriffen, wo andere stundenlang für pauken mussten.

Deswegen war es ihm auch klar gewesen zu studieren – was er vielleicht gelassen hätte, denn da hatte er Frank – einen der Dozenten – kennen gelernt und seit dem war Uwes Leben ein Trümmerhaufen.

Er hatte sein Leben nur noch nach Frank ausgerichtet, irgendwann war der Typ sogar hier mit eingezogen. Jana hatte schon beim ersten Treffen mit diesem aalglatten Kerl kein gutes Gefühl gehabt. Aber Uwe war zu verliebt, um es zu sehen. Umso tiefer war dann der Absturz gekommen, dessen Scherben Jana nun mit tatkräftiger Unterstützung des Müllschweinchens beseitigte.

Sechs Trommeln Wäsche und zwölf Gänge zum Müllcontainer später war Uwes Zimmer wieder zu betreten, ohne dass man von lebenden Unterhosen, Staubmäusen und Riesenspinnen angefallen wurde. Freilich war es ein erbitterter Kampf gewesen, Uwe davon zu überzeugen, sich von gewissen Dingen einfach trennen zu müssen.

Es war doch krank, eine stinkende Socke mit Loch als seinen besten Freund zu bezeichnen und sich hinterher bei einem Shirt mit Kakaofleck zu entschuldigen, dass er seine Gefühle nicht verletzen wollte.

Das war der Punkt in der Zeitschiene gewesen, an dem Jana alle Fenster der Wohnung aufgerissen hatte, denn Uwe litt eindeutig unter Sauerstoffmangel, sein Hirn war mit dem lebenswichtigen Gas eindeutig unterversorgt – kein Wunder, bei dem Mief, der in seiner Bude hing und sich weigerte wieder zu gehen. Ihre letzte Waffe war Raumspray mit Fichtenadelduft. Mal sehen, wie dieses sich gegen den aggressiven Müllschweinmief durchsetzte.

Es war kurz vor Mitternacht, als sie ihren durchgeschwitzten, hechelnden Bruder noch mal unter die Dusche jagte und selbst das Bett frisch bezog. Die Wohnung war wieder vorzeigbar.

Aber zu welchem Preis?

Sie selbst war fix und alle und alles was sie noch wollte war heim und ins Bett. Weswegen sie sich auch Uwes Fahrrad lieh, um schneller heim zu kommen. Doch sie ging nicht, ohne Uwe noch einmal das Bild zu zeichnen, wie er mit Mama und Papa am Frühstückstisch saß und sich anhören musste, dass es doch nicht normal war, mit einem Kerl zu verkehren und wie nett doch die Tochter von Meiers wäre, und ob er sich die nicht als Freundin aussuchen möchte. Wenn morgen auch nur eine Ecke wieder dreckig war, hätte Uwe schneller Meiers Anneliese am Hals als er gucken konnte.

„Pf“, machte Uwe nur und stand nun wieder alleine in seinem Flur – endlich. Okay, er musste zugeben, dass es gar nicht so übel war, wieder eine Tür zu öffnen ohne damit zu rechnen, von etwas Selbsterschaffenen angegriffen zu werden. Es war cool, den Kühlschrank zu öffnen, ohne Angst zu haben, dass der Yoghurt „Tür zu“ brüllte.

Aber dass morgen – oder besser heute – jemand kam, der sich in diese schwer erarbeitete Ordnung einnisten wollte, nein! Uwe hatte genug Zeit gehabt, sich ein paar Dinge auszudenken und das wollte morgen noch in die Tat umgesetzt werden.

Denn den Keller hatte Jana noch nicht in Angriff genommen und so hatte seine Kiste voller Scherzartikel noch nicht das Zeitliche in einer Mülltonne gesegnet und sein Lieblingsgummierbrochenes konnte endlich mal wieder zum Einsatz kommen. Sollte Jana ihm mit den Eltern drohen, er würde schon dafür sorgen, dass sie nichts davon mitbekam. Er war ja auch nicht blöd. Obwohl er ja heute Mittag böse auf den Kopf gefallen war.

Zufrieden schlüpfte Uwe in sein Bett, ohne auf Socken auszugleiten, ohne von Hosen angefallen zu werden. Es war ungewohnt, so ungehindert in sein Bett kriechen zu können. Und das fühlte sich auch so sauber an, so kein bisschen heimelig und kuschelig, roch nicht mal nach ihm, sondern wie alles andere in diesem Zimmer auch wie ein Fichtenwald, fehlte nur noch das ein Hirsch aus dem Schrank guckte und röhrte oder ein Wildschwein sich unter dem Schreibtisch suhlte. Dann wäre das Bild des intakten Hochwaldes fast perfekt.

Aber Uwe war zu müde, um sich darüber noch Gedanken zu machen, das ging auch morgen noch.



***



Uwe war schon vor dem Wecker wach, der ihm um zehn auf die Nerven gehen wollte und ersäufte ihn einfach mal vorsorglich, nicht dass er doch noch auf die Idee kam zu lärmen. Noch in Schlafshorts und Shirt fegte er blitzschnell in den Keller, noch bevor er richtig wach war und kam mit einem zufriedenen Grinsen und einer großen Kiste langsam die Treppen wieder hoch. Da waren sie, all seine Schätze aus längst vergangener Zeit.

Eilig hastete Uwe mit seiner Kiste in die frisch gesäuberte Küche, holte sich aus dem Kühlschrank eine Flasche Saft und wünschte wie jeden Morgen einen guten selbigen, ohne dass eine Antwort kam. Es war Gewohnheit, doch nun war der verschimmelte Yoghurt weg, der einzige, der ihm morgens einen guten Morgen gewünscht hatte.

Er hatte gestern – wenn er sich mal so umsah – eine Menge gute Freunde verloren! Lange hatte sich Uwe nicht so einsam gefühlt. Aber er hatte ja noch seine Kiste. Ein Griff und schon drückte er eine tote Ratte an seine Brust. Das Fell war aus Polyester, die Pfoten aus Gummi. Aber sie sah so echt aus und er platzierte sie gleich mal im Kühlschrank, mal sehen, was der Neue dazu sagte.

Uwes Leidenschaft war geweckt und er kramte tiefer in seiner Kiste. Die abgehakte Hand vom Fasching? Wohin damit? Okay, er musste umdisponieren. Also Ratte wieder raus aus dem Kühlschrank, Hand schön mittig rein gepackt, damit man sie auch nicht übersehen konnte, selbst wenn man sich Mühe gab und dann landete die tote Ratte, die übrigens schon seit Jahr und Tag Fritzi hieß und seiner Schwester schon mehr als einen Schreikrampf entlockt hatte, auf den weißen Fliesen im Bad, gleich neben dem Duschvorleger. Herrlich, wie das Blut und das graue Fell mit den weißen Fliesen harmonierten, er war ein Künstler!

Ein Künstler mit ziemlich wenig Zeit, also flitzte er zurück in die Küche und zerrte als nächstes … ein Furzkissen raus. Nee, zu albern! Aber hey, es ging darum, sein Reich zu verteidigen, da durfte kein Scherz zu billig und keine Inszenierung zu langweilig sein!

Schnell war es aktiviert und unter einem der Kissen der Küchenstühle platziert. Und weiter ging das wilde Graben. Und da war sie – Judy! Seine Lieblingsvoodoo-Puppe. Gleich wurde sie auf dem Spiegeltisch im Flur aufgestellt, ein paar Kerzen dazu und etwas von dem Kunstblut und fertig war der Altar. Der Neue sollte sich fragen, was er sich da eintreten wollte. Er sollte gar nicht erst auf die Idee kommen, sich hier wohl zu fühlen!

So präparierte Uwe auch noch den Rest seiner Wohnung, hob sich sein Lieblingsgummierbrochenes für das leere Wohnzimmer auf, das seit Franks Auszug leer war und verteilte noch ein paar Mausefallen hier und da. In der einen oder anderen lag auch noch eine tote Maus aus Plüsch und Gummi, aber täuschend echt und so kroch Uwe extrem zufrieden wieder in sein Bett.

Erst hatte er sich überlegt, noch etwas vom Gestank aus der Dose zu verteilen, konnte sich zwischen Knoblauch, Müllkippe und Schweiß aber nicht entscheiden und hatte die Dosen wieder in die Kiste fallen lassen, die nun, wie ein Schatz gehütet, unter seinem Bett stand und Uwe wirkte mehr als zufrieden. Sollte der Brillenheini kommen, der Informatiker, der … was auch immer, er würde nicht lange genug hier sein, um sich vorstellen zu können.

„Let the music play – and the sun will shine“, summte er vor sich hin, entschied dann aber, doch lieber Schnappi das kleine Krokodil zu sein und am Nil zu leben.



Akt V – Wie Müllschweine auf Müllschweinbändiger reagieren

Eine Stunde der Ruhe war Uwe noch vergönnt gewesen, bis er Stimmen vor der Tür hörte. So, so, Jana hatte den unschuldigen, ahnungslosen Trottel also in Uwes Falle gelotst und der freute sich nun diebisch auf die Show, die sich noch ergeben würde. Im Bett sitzend rieb er sich die Hände und sein Blick fiel auf die nächsten Utensilien.

Salatöl für die Haare, die sahen eindeutig zu ordentlich aus. Fettige Strähnen mussten her. Und ein durchlöchertes T-Shirt, das Jana gestern eigentlich aussortiert hatte, weil es nur noch aus Flecken und Löchern bestand und sich wohl in der Waschmaschine das Leben genommen hätte und eine Hose, die er noch im Schrank gefunden hatte. Die Rote-Bete-Flecke sahen täuschend echt aus, er hätte fast wie ein Schlächter wirken können.

Zufrieden ignorierte Uwe die Türklingel und präparierte sich erst einmal ausgiebig. Schnell war das Shirt noch etwas mehr zerrissen, die Hose hing nur an ihm und das Öl aus den Haaren tropfte ihm auf die Schultern. Dazu noch ein paar Strähnen ins Gesicht geschoben und ein Blick, der mehr für Wahnsinn sprach, als für einen erfreuten Mitbewohner und so zufrieden mit sich und der Welt ging er langsam über den Flur.

Die Kerzen am kunstblutverschmierten Altar der kleinen Voodoo-Puppe, die mal spontan den Namen Frank und eine Nadel in den Schritt geschoben bekommen hatte und ein Blick in den großen Spiegel im Flur ließ selbst Uwe zurückschrecken. Wow, da hatte aber jemand ganze Arbeit geleistet.

In die Hand noch eine leere Flasche Bier und sein Bild war perfekt, auch wenn er vor der Tür schon Jana fluchen hörte und wie sie auf den anderen einredete, er solle sich dabei noch nichts denken. Uwe wäre eben ein Langschläfer, der selbst neben der Avus in Berlin kein Problem hatte zu ratzen und ganze Bäume abzusägen.

Uwe knurrte. Was bildete sich Jana ein? Was zeichnete sie denn für ein Bild von ihm? Egal ob dieser Brillenheini jetzt rückwärts wieder raus ging, aber so sollte doch keiner über Uwe denken.

Kurz stutzte Uwe, als der andere erklärte, es wäre schon okay, er sei von seiner Mutter doch einiges gewohnt und vor allem von seinem kleinen Bruder. Er wäre anpassungsfähig und ein Raubtierbändiger, hätte noch keine Schlacht am Büfett verloren und wüsste, wie man auch große Tiere zur Strecke brachte.

Uwe knurrte, na der Typ war ja sehr von sich überzeugt. Aber er musste zugeben: der Fremde hatte eine ungemein angenehme Stimme. Uwe nutzte die Chance, ihn noch etwas sprechen zu hören, während Jana weiter klopfte und schimpfte und darüber fluchte, gestern den Schlüssel wieder abgegeben zu haben.

In Uwes Kopf passte das Bild von einer Brillenschlange nicht zu dieser ungemein angenehmen Stimme. Gerade ging da einiges durcheinander und warum genau er jetzt schon die Tür öffnete, wusste Uwe im Endeffekt auch nicht – aber im Nachhinein wünschte er sich, er hätte es nicht getan.

Von wegen Brillenschlange!

Der Kerl, der da stand und ihn aus großen blauen Augen anguckte, war richtig süß! Etwas klein, aber gut aussehend! Uwe taumelte zurück. Warum hatte Jana ihn belogen? Und warum grinste seine bescheuerte Schwester so selbstzufrieden? Er machte sich hier mit seinem schäbigen Outfit gerade zum Affen und die blöde Kuh, die zufällig seine Gene hatte, lachte auch noch?

„Äh ... also … ich …“, fing Uwe an zu stottern und warf die Tür wieder zu, doch Jana war schneller und stellte den Fuß dazwischen, während Uwe fluchtartig den Flur entlang galoppierte und nach einem erschrockenen Schrei und einem dumpfen Aufschlag die Badtür hinter sich schwungvoll ins Schloss warf.

Ohne zu sehen wohin, war er auf Fritzi, die tote Ratte, getreten und mit ihr in Richtung Dusche entglitten. Nun hielt sich Uwe den Hintern, auf dem er schmerzlich gelandet war und fluchte. Warum hatte Jana nicht gesagt, dass der Kerl süß war? Dass er solche atemberaubenden Augen hatte? Uwe hätte sich eine Menge Arbeit ... Scheiße!

Wenn der Fremde die ganzen Gimmicks sah, wollte der doch nie hier bleiben! Schnell riss er die Tür wieder auf – übrigens auf allen Vieren – und so mussten Jana und der Fremde ihren Blick etwas nach unten korrigieren. „Stehen bleiben – nicht bewegen - alles Tretmienen, bin gleich da!“

Peng – war die Tür wieder zu und Uwes Herz raste wie verrückt. Doch Jana schüttelte nur den Kopf. „Nimm es nicht so, er ist nicht ganz Herr seiner Sinne, seit … er verlassen wurde.“

Steffen nickte nur. Ob das so eine gute Idee war, sich hier nieder zu lassen? Vielleicht waren die Kaffeekränzchen mit Mama und der Nachbarin immer noch besser als die Bude mit einem verwahrlosten... sein Blick fiel auf den Altar und Steffen schüttelte sich. „Schon okay“, murmelte er nur und folgte Jana in die Küche.

„Nimm Platz, ich mach einen Kaffee.“ Jana schob Steffen auf einen Stuhl und der lief rot an, als er sich fallen ließ und ein imitierter Darmwind durch das Kissen rauschte.



Akt VI – warum ein Müllschwein kein Müllschwein mehr sein will

„Oh Mann, Uwe!“, knurrte Jana nur und nahm Steffen etwas die Scheu. Der Kerl hatte doch nicht wirklich die Bude frisiert, nur um den angeblichen Brillenheini wieder rauszuekeln? Auf die Idee hätte sie aber auch selber kommen können! Sie kannte doch Uwe schon viel zu lange.

Er hatte sich sogar als Kind Masern angemalt, nur damit ihn Oma nicht mehr in die Wange kniff! „Nimm's nicht so. Ich übersetze mal sein Gestammel von der Tür. Guten Tag, ich bin Uwe Weidner und studiere Jura. Freut mich, dich kennen zu lernen.“

Steffen grinste nur schief. „Na da hat er aber eine effektive Art zu sprechen gefunden, wenn er so viele Informationen in so wenige Worte packen kann. Nur mit dem Verständigen hapert's noch, oder?“, murmelte er. Irgendwie war es plötzlich gar keine gute Idee mehr gewesen.

Kurz erhob er sich und nahm das Furzkissen unter dem Kissen vor, ehe er es auf den Tisch legte und die Schultern zuckte. „Und dazu scheint er noch ein ziemlicher Spaßvogel zu sein, hm? Da drüben auf der Spüle liegt eine Mausefalle mit einer ...“ Doch noch ehe Steffen zu ende gesprochen hatte, hatte Jana die tote Maus gesehen und kreischte wie am Spieß und Steffen war sich von Sekunde zu Sekunde sicherer, dass Anneliese auch nicht gerade die schlechteste Wahl war, wenn man überleben wollte, ohne wahnsinnig zu werden.

Doch als die Badtür aufflog und ein frisch geduschter Uwe nur in Shorts in die Küche gehetzt kam, die Bauchmuskeln vor Anspannung vibrierend, die langen Beine so verlockend haarlos, die Brust einladender als jedes Kissen, um mit der Wange darüber zu streichen – da ließ Steffen Anneliese Anneliese sein.

„Was ist passiert, Jana?“ Alarmiert strich sich Uwe eine der feuchten halblangen Strähnen aus der Stirn und sah nur aus dem Augenwinkel, wie der Fremde ihn mit offenem Mund anstarrte. So war Jana total vergessen und Uwe grinste selbstzufrieden.

Mit dem Rücken am Rahmen der Küchentür lehnend hörte er schon gar nicht mehr zu, als Jana sich über die bescheuerten Gimmicks in seiner Wohnung beschwerte, was der Mist solle und was er sich dabei gedacht hätte, sich dann aber selbst korrigierte und feststellte, dass er ja gar nicht denken würde, weil er das nicht konnte.

Doch Uwe brachte nichts mehr aus der Ruhe. Der eben noch als Feind Gesehene, schien von ihm und seinem Körper doch entschieden angetaner zu sein als Jana lieb war, denn die guckte schon etwas angesäuert.

„Uwe, zieh dir was an, du hast einen Gast“, knurrte sie leise, doch Uwe schüttelte nur den Kopf.

„Ich finde, es ist wichtig, dass er gleich mal sieht, auf was er sich hier einlässt, wenn er hier einzieht. Ich bin übrigens Uwe, hast du auch einen Namen?“ Langsam kam er auf den Fremden und reichte ihm die Hand, die Steffen nur langsam ergriff.

„Steffen“, stellte er sich vor, „Steffen Seifert.“ Doch seine Augen wanderten nicht zum Gesicht seines Gegenübers, sondern lag noch immer auf dem flachen Bauch. „Ich würde gern hier einziehen.“

„Du hast ja noch nicht mal die Zimmer gesehen.“ Aber Jana war abgemeldet. Sie konnte spüren, hier lag etwas in der Luft, was sie eindeutig nicht beabsichtigt hatte. Zum einen hätte sie nicht erwartet, dass Uwe sich für kleine Männer interessierte, die auch noch jünger waren und zum anderen war wohl nicht geplant, dass Steffen von ihrem Bruder so angetan war und kaum ein Wort herausbekam. So war das wirklich nicht geplant gewesen!

„Jana, du störst. Ich würde gern mit Steffen die Wohnung ansehen und die Formalitäten durchgehen“, erklärte Uwe, immer noch nur in Shorts, aber mittlerweile mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Was für ein wunderbarer Tag!

Immer wieder wanderte sein Blick zu Steffen, der verschämt zu ihm hinauf blickte und ihm dann grinsend das Furzkissen zuwarf. „Was erwartet mich noch?“, wollte er leise wissen, grinste aber und Uwe zuckte die Schultern. Steffen schien es mit Humor zu nehmen und so fing er an aufzuzählen, wo er seine Schätze versteckt hatte, holte die Hand aus dem Kühlschrank, die Ratte aus dem Bad und das Lieblingsgummierbrochene aus Steffens zukünftigem Zimmer.

„Na du hast dir ja richtig Mühe gegeben, mich los zu werden“, knurrte Steffen, aber Uwes strahlende Augen und dieser umwerfende Körper, gepaart mit dem augenscheinlichen Interesse an seiner eigenen Person, ließ ihn dann doch etwas Milde walten.

„Hätte Jana nicht gelogen und behauptet, ein kurzsichtiger Informatiker mit Brille zieht hier ein, hätte ich mich auch nicht so ins Zeug geworfen. Weißt du, wie eklig Salatöl im Haar ist?“ Was wollte der Kleine? Er hatte weder die Ratte im Bad gesehen, auf der Uwe ausgerutscht war, noch die Hand, die auf der halben Melone lag, die Jana gestern mitgebracht hatte.

„Ach so. Also bin ich gerade unversehrt durch die Gesichtskontrolle gekommen oder was?“ Steffen wusste nicht, was er davon halten sollte, aber er nahm es mal als Kompliment, dass er nicht ohne Vorwarnung auf die Gimmicks losgelassen wurde.

„Moment“, erklärte Uwe nur und schob seine störende Schwester einfach vor die Tür, die wurde hier wirklich nicht mehr gebraucht. Den Rest konnte er auch gut und gerne alleine regeln. „Danke, Schwesterchen, ab hier mach ich alleine weiter“, erklärte er mit einem lasziven Grinsen und schloss die Tür. „Ich zieh mir was an, dann zeig ich dir die ganze Bude“, rief er über den Flur und löschte die Kerzen auf Voodoo-Franks Altar.

„Ach lass mal, nicht nötig. Zum einen sehe ich immer gern ungeschminkt, auf was ich mich einlasse und zum anderen musst du ja auch ein bisschen was bieten, wenn du mich hier haben willst.“

Uwe grinste nur. „Wer sagt denn, dass ich dich hier haben will, Kleiner?“ Das versprach eine nette Bekanntschaft zu werden. Wer konnte solch großen blauen Augen schon widerstehen?