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Die sieben Tods?nden Tr?gheit

Sünde I: Trägheit

Es ist Samstagmorgen. In einem großen, mit schwarzer Satinwäsche überzogenen Futonbett liegt ein dunkelblonder junger Mann und schläft den Schlaf der Gerechten, als rücksichtslos die Tür zum Schlafzimmer aufgerissen wird und ein sichtlich angepisster schwarzhaariger Junge mit roten Strähnen hineingestürmt kommt.

Missmutig funkelt er das sich nun regende Objekt auf dem Bett an und stemmt die Hände in die Hüfte. Seine schwarze Trainingshose rutscht dadurch ein kleines Stück weiter nach unten und sein ärmelloses rotes Shirt zieht sich enger um seinen Leib.

"Daniel!", schreit er verärgert und greift nach der Bettdecke, um sie dem nun murrenden Jungen wegzuziehen.

Soweit kommt es noch, dass er allein dafür Sorge zu tragen hat, dass ihr gemeinsames Haus sauber bleibt.

"Wasn?", murmelt Daniel schläfrig und gähnt einmal herzhaft. Hat er was verpasst, oder warum sieht sein Schatz so aus wie eine kurz vor dem explodieren stehende Furie?

"Es ist halb zehn durch. Schwing gefälligst deinen faulen Arsch aus dem Bett und hilf mir mal lieber beim Saubermachen", ruft der schwarzhaarige Junge mürrisch aus und dreht sich auf dem Absatz um.

"Michi", ruft Daniel dem Jungen nach, aber dieser ist bereits wieder aus ihrem gemeinsamen Schlafzimmer verschwunden und poltert die Treppe hinunter.

Daniel streckt sich einmal kurz und richtet sich angeschlagen auf. Das kann doch wohl nur ein schlechter Scherz sein, dass Michael allen Ernstes von ihm verlangt, dass er ihm beim Putzen helfen soll!

"Sklaventreiber", nuschelt Daniel und schwingt die Beine über die Bettkante. Nein, natürlich ist es noch nicht schlimm genug, dass er von montags bis freitags arbeiten gehen kann, jetzt darf er auch noch an seinem wohlverdienten Wochenende das Haus putzen, na herzlichen Dank auch.

Taumelnd richtet er sich auf und schlüpft in seine Hausschuhe die ein bisschen weiter abseits vom Bett in einer Ecke liegen.

Gähnend und sich den Schlaf aus den Augen reibend, tapst Daniel die Treppe hinunter und der Geruch von Kaffee dringt augenblicklich an seine Nase.

Schlurfend durchquert er den kleinen Flur und steckt vorsichtig den Kopf durch die halb offene Küchentür.

Michael ist gerade dabei das Geschirr zu spülen, als er sich erstaunt umblickt. Ein wenig verdutzt starrt er auf das verschlafende Objekt im Türrahmen und ein sachtes Grinsen schleicht sich auf sein Gesicht.

Oh Wunder, der Inbegriff der Faulheit hat sich tatsächlich aus dem Bett erhoben. Vielleicht sollte er diesen Tag rot im Kalender markieren, man weiß ja nie, wann sein Schatz das nächste Mal freiwillig aufsteht.

Mit einem genuschelten 'Morgen' geht Daniel zu einem der Stühle hinüber und lässt sich schlaff darauf nieder plumpsen.

Seine kurzen Haare stehen in allen Richtungen von seinem Kopf ab und leichte Augenringe zieren sein Gesicht. Tja, selbst Schuld, was muss er auch die halbe Nacht wach bleiben um einen dieser Mord- und Todschlagfilme zu sehen?

"Wie kann man in dem Alter schon so träge sein?", fragt Michael stöhnend und schenk Daniel eine Tasse Kaffee ein. Der beäugt die schwarze Brühe misstrauisch und hebt die Tasse vorsichtig an.

"Mit Zwanzig ist das Leben vorbei", seufzt er leise und nippt an seinem Kaffee. Michael schüttelt nur verständnislos den Kopf und wendet sich wieder seinen Tellern und Gläsern zu. Also wirklich, wie kann ein junger Mann von 23 Jahren nur so ein faules, verschlafendes Subjekt sein?

"Wenn das Leben für dich vorbei ist, dann macht es dir bestimmt auch nichts mehr aus das Geschirr abzutrocknen, oder?", flötet Michael süßlich und dreht sich zu Daniel um, der es tatsächlich wagt, so zu tun, als wenn er das jetzt nicht gehört hat.

"Wo ist die Zeitung?" Mit seiner Kaffeetasse in der Hand erhebt er sich wieder von dem Stuhl und begibt sich in Richtung Wohnzimmer.

Mit halb offenen Mund steht Michael mit Schwamm und Teller in der Hand da und kann vor lauter Entrüstung nichts mehr erwidern.

Ja hat der Mensch noch Töne? Das kann doch wohl nicht wahr sein! >So einfach kommst du mir nicht davon<, denkt Michael frustriert und widmet sich wieder seinem Abwasch, bevor er sich ins Wohnzimmer begibt und einem gewissen Jemand mal ordentlich zusammenscheißt.

Daniel hat es sich währenddessen auf dem Sofa bequem gemacht und blättert ein wenig gelangweilt die Tageszeitung durch. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was für einen Müll die ständig verzapfen.

Mit der rechten Hand angelt er nach der Fernbedienung und kurz darauf geht der Bildschirm an. Gähnend legt er die Zeitung beiseite, legt sich der Länge nach auf dem Sofa hin und zapped durch die Kanäle. Irgendwo muss doch was Gescheites laufen.

Ein lautes Klingelgeräusch an der Haustür erweckt seine Aufmerksamkeit und er dreht seinen Kopf in Richtung Wohnzimmertür.

"Michi! Mach mal auf!", schreit er einmal quer durch die ganze Wohnung, und kurz darauf ist verärgertes Schimpfen zu hören, ebenso wie das Klirren von Geschirr. Oh ha, da scheint aber jemand gewaltig angepisst zu sein, aber kein Wunder, wer putzt schon gerne? Man sieht ja, was man davon hat. Die Laune landet im Keller.

Daniel hört wie die Haustür wieder geschlossen wird und wenig später laute Schritte auf dem Flur. Kurz darauf betritt Michael das Wohnzimmer mit einem Stapel Post in den Armen.

Mordlustig starrt er Daniel an, der sich allerdings keiner Schuld bewusst zu sein scheint. Rücksichtslos lässt Michael die Post auf den Tisch fallen, greift nach einem Kissen und zieht es seinem Freund, der erschrocken versucht sich wegzudrehen, über den Kopf.

"Was denkst du eigentlich wer ich bin? Dein Dienstmädchen?!", ruft Michael wütend aus und zieht Daniel das Kissen nochmals über den Schädel, bevor er fluchend das Wohnzimmer verlässt und wieder in der Küche verschwindet.

Verdutzt starrt Daniel dem Schwarzhaarigen nach, und kratzt sich irritiert am Hinterkopf. Was hat er denn nun schon wieder falsch gemacht? Ist es denn zuviel verlangt, dass Michael mal an die Haustür geht und die Post reinholt?

Kopfschüttelnd wendet Daniel seine Aufmerksamkeit der Post zu und richtet sich stöhnend auf. Vielleicht ist ja mal etwas Brauchbares unter dem ganzen Papierkram. Aber bei seinem Glück besteht der Großteil der Post mal wieder aus Werbung und Rechnungen.

>Och ne<, denkt Daniel gefrustet und schiebt den Stapel von sich weg. Nein, das soll mal besser Michael erledigen. Schließlich macht er das ja sonst auch immer.

Daniel fährt sich mit der Hand durch die Haare und zerzaust sie dadurch noch mehr. Ein kurzer Blick auf die Wanduhr verrät ihm, dass es gerade mal zehn Uhr durch ist. Na herrlich, was bitte schön soll er denn jetzt machen? Da hätte er ja gleich noch ein paar Stunden länger liegen bleiben können.

"Gehst du bitte mal die Wäsche aufhängen?", vernimmt er plötzlich Michaels Stimme und allem Anschein nach, hat sich sein Freund wieder beruhigt... aber er und Wäsche aufhängen? Wozu haben sie denn einen Trockner?

"Muss das sein?", ruft er mürrisch und erhebt sich schleppend von dem großen Sofa.

"Wenn du Montag ein sauberes Hemd willst, dann ja!", schreit Michael genervt zurück.

Grummelnd verlässt Daniel das Wohnzimmer und wirft einen kurzen Blick in die Wäschekammer, wo ihm zwei randvolle Wäschekörbe auffordernd anlachen. Was denn, soviel Wäsche für einen Zwei-Mann-Haushalt?!

Ts, das ist ja mal wieder typisch. Nur weil Michael jeden Tag eine neue Hose und ein neues Shirt anziehen muss, haben sie ständig solche Wäscheberge herumliegen, klasse. Und wer soll jetzt die Wäsche aufhängen? Er!

"Das ist doch unnormal", murmelt Daniel und greift in einen der Wäschekörbe. Wenig später zieht er ein dünnes, schwarzes Stoffstück hervor und entfaltet es. >Was denn, seit wann trägt Michael solche Unterwäsche?<

Neugierig betrachtet er diesen Hauch von Nichts in seinen Händen, als ihm plötzlich jemand auf die Schulter tippt. Erschrocken dreht er sich um und sieht direkt in Michaels smaragdgrünes Augenpaar, das ihn vorwurfsvoll anfunkelt.

"Was machst du wieder?"
 
"Äh... nichts... ich hab nur...", druckst Daniel herum und versucht zu lächeln. Meine Herrn, muss sein Schatz sich immer so an ihn heran schleichen? Irgendwann kippt er vor Schreck noch einmal um.

"Das sehe ich, dass du 'nichts' tust... Gib her, ich mach das jetzt", meint Michael seufzend und schlängelt sich an Daniel vorbei, wobei er ihm geschickt den schwarzen Stofffetzen entwendet.

"Glaubst du, du schaffst es das Bett neu zu beziehen?", fragt Michael schließlich und zwängt sich mit einem der Körbe an Daniel vorbei.

"Was soll denn das für eine Anspielung sein?", fragt Daniel und blickt seinem Freund ein wenig bedeppert nach, als dieser daraufhin nicht antwortet. Super, nicht nur, dass man ihm seinen wohlverdienten Schlaf nicht gönnt, nein, nun wird man auch noch aufgezogen.

Missmutig geht Daniel die Treppe hinauf und gelangt wieder ins Schlafzimmer. Die Vorhänge sind noch zugezogen und tauchen den Raum daher in ein schwummriges Licht. Sein Blick bleibt an der schwarzen Bettwäsche hängen, die für ihn von Sekunde zu Sekunde immer verführerischer aussieht.

Sollte er vielleicht kurz...?

>Nur ein paar Minuten<, denkt er bei sich, nimmt Anlauf und schmeißt sich in voller Länge auf die weiche Bettdecke. Zufrieden lächelnd kuschelt er sich in sein Kissen und atmet einmal tief durch.

Eine Schande, diesen Ort der Glückseeligkeit einfach in so früher Morgenstunde verlassen zu müssen. Daniel gähnt einmal herzhaft und liegt nun bäuchlings auf der weichen, glatten Decke, das Kissen in seinen Armen haltend und mit geschlossenen Augen.

Irgendwie scheint er trotz dem Versuch wach zu bleiben, eingenickt zu sein, denn das nächste was er wahr nimmt, ist das plötzliche Gewicht auf seinem Rücken und das leicht schmerzliche Pochen an seinem Gesäß.

"Du fauler Bastard" flüstert Michael ihm ins Ohr und zerrt Daniels Shorts noch ein Stück weiter hinunter, sodass er diesem abermals einen kräftigen Klaps auf den Hintern verpassen kann.

Daniel quietscht überrascht auf und versucht sich umzudrehen, was nicht so einfach ist, da sein Freund noch immer besitzergreifend auf seinem Rücken sitzt und in regelmäßigen Abständen seine flache Hand auf das Gesäß seines Freundes niedersausen lässt.

"Gnade", bringt Daniel lachend hervor und windet sich unter dem kleineren Körper.

"Eines sage ich dir... nächste Woche machst du es alleine", sagt Michael grinsend und erhebt sich von Daniels Rücken, der nun nach seiner Shorts greift und sie wieder hoch zieht.

Gerade will er das Bett verlassen, als Daniel nach seinem Handgelenk greift und ihn so zurück hält.

"Hilfst du mir beim Bett machen?", fragt er unschuldig und zieht den ein wenig verdutzten Michael zu sich hinunter, um ihn in einen Zungenkuss zu verwickeln.

Michael lächelt sacht gegen Daniels Lippen, bevor sie sich wieder voneinander lösen. "Du bist wirklich das faulste Subjekt was mir je unter gekommen ist."

"Und trotzdem liebst du mich", entgegnet Daniel wissend und zieht seinen Freund näher zu sich heran um seine Lippen abermals in Besitz zu nehmen.

Manchmal ist es vielleicht gar nicht so schlecht faul zu sein...