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Nachtgeburt Teil 5

Knochenwald


Schweigend trotten Matthias und Andreas neben Loki und Raven her. Die Sonne ist bereits vollständig aufgegangen und wirft ein angenehmes warmes Licht auf den dichten Wald. Ein lauer Wind fegt über die dichten Baumkronen hinweg und leises Rascheln hallt von den Bäumen herab.

"Warum heißt dieser Wald Knochenwald?", fragt Matthias neugierig, dem bei diesem Namen ein wenig unwohl wird. Immerhin wird dieser Name ja schon einen Grund haben, und er hofft, dass es nicht der ist, den er sich denkt.

"Wegen den Bäumen. Fällt dir an ihnen nichts auf?", entgegnet Loki grinsend und dreht sich zu dem brünetten Jungen um.

Matthias lässt seinen Blick umherwandern und bleibt an einem der Stämme kleben. "Weil hier alle Baumstämme weiß sind?", schlussfolgert er nach kurzer Zeit. Dass ihm das nicht schon gleich aufgefallen ist, er sollte sich die Umgebung wirklich mal genauer ansehen. Erst jetzt wird ihm richtig bewusst, dass alle Bäume hier weiß sind, beinahe wie Birken, nur ohne schwarze Unebenheiten.

"Genau", lacht Loki und wendet sich Raven zu, der nur genervt die Augen verdreht. Für ihn ist dieses ganze unnötige Gequatsche einfach nur nervig. Was muss dieser Mensch nur so neugierig sein, das ist ja nicht zum aushalten. Immerhin sind sie nicht unterwegs um die beiden über diverse Gebietsnamen aufzuklären.

"Früher hat man Tote hier beerdigt", fügt Raven auf einmal hinzu und wirft Matthias einen durchdringenden Blick zu. Der sieht ihn ein wenig unsicher an, während Andreas misstrauisch den Erdboden beäugt.

"Das macht man schon seit langem nicht mehr", erwidert Loki schnell und wirft Raven einen bösen Blick zu. Der grinst schelmisch in sich hinein und geht weiter.

"Aber die Bäume sind so weiß, weil sie aus den Knochen der Verstorbenen gewachsen sind", fügt Raven mit belegter Stimme hinzu und scharrt mit dem bloßen Fuß in der Erde herum.

Angewidert weicht Andreas von einem Baum zurück, den er vor kurzem noch anfassen wollte. Was ist das denn wieder für eine Schauergeschichte? Langsam hat er das Gefühl, als wenn der Kobold sich einen Spaß daraus macht sie zu verängstigen.

"Stimmt das?", fragt Matthias Loki, der sich leise räuspert und sich unruhig am Ohr kratzt.

"Alte Geschichten besagen es zumindest", sagt er daraufhin und seufzt resigniert. Der Gedanke selbst beunruhigt ihn auch etwas, aber wirklich daran geglaubt hat er bis jetzt nicht. Nur wenn Raven wieder anfängt in dieser Stimmlage zu sprechen, kommen ihm schon wieder Zweifel. >Ekel<, denkt Loki frustriert und geht weiter.

"Ich hab noch nie gehört, dass aus Knochen Bäume wachsen können", meint Andreas zu Matthias, der nur mit den Schultern zuckt.

"Wer weiß, hier überrascht mich nichts mehr", entgegnet er leise und betrachtet die Bäume etwas genauer. Man könnte wirklich meinen, dass ihre Stämme und Äste aus Knochen bestehen, da sie so weiß und glatt sind. Eine leichte Gänsehaut bildet sich auf seinen Armen, wenn er daran denkt, dass unter der Erde tausende von Toten liegen.

"Wie lange dauert es eigentlich bis wir da sind?", fragt der Blondschopf, um sich von dem Thema abzulenken. Das ist wirklich makaber, alleine schon die Vorstellung.

"Nun, wenn wir gut voran kommen, zwei bis drei Tagesmärsche." Mit diesen Worten bleibt Loki stehen und blickt gen Himmel. Er kann nur hoffen, dass das Wetter soweit mitspielt, da es in letzter Zeit immer häufiger gestürmt hat.

"Rechne mal lieber mit vier bis fünf Tagen. So lahmarschig wie die beiden sind, halten die uns doch nur auf", grummelt Raven und zieht seine Landkarte aus seiner Tasche. Er und Loki würden es locker in zwei Tagen schaffen, aber mit den beiden Menschen im Schlepptau können sie bestimmte Wege nicht gehen und die zwei die ganze Strecke zu tragen sieht er überhaupt nicht ein.

"So lange?!", ruft Andreas entsetzt aus, der eigentlich damit gerechnet hat, dass sie die Hauptstadt heute noch erreichen. Aber das heißt ja, dass sie noch länger mit diesen beiden zusammen sein werden.

>Ob wir hier überhaupt wieder wegkommen?<, geht es ihm durch den Kopf und er stöhnt leise auf. Er sollte aufhören darüber nachzudenken, sonst bekommt er nur wieder Kopfschmerzen. Das alles wäre nicht passiert, wenn Matthias ihn nicht in seiner Unachtsamkeit beinahe mit deinem Bike umgefahren hätte. Wenn er diesem Freak nicht begegnet wäre, dann würde er jetzt bestimmt nicht hier festsitzen.

"Und wo übernachten wir dann?", kommt es von Matthias, der sich bei dem Gedanken im Freien zu kampieren nicht gerade sehr wohl in seiner Haut fühlt. Wer weiß, was hier des Nachts herumläuft.

"Entweder auf einer Lichtung oder auf einem Baum", gibt Raven genervt zurück, dem diese Fragerei schon wieder auf den Zeiger geht. Es ist doch erst früh am Morgen, was wollen die beiden denn jetzt wissen, wo sie heute Nacht schlafen werden?

>Menschen<, denkt er mürrisch und reibt sich den Bauch. Langsam aber sicher kriegt er Hunger, aber wen wundert es, schließlich hat er seit gestern nichts mehr gegessen.

"Wir finden schon einen geeigneten Platz", sagt Loki zuversichtlich und steigt über einen umgestürzten Baum, der wahrscheinlich von einem der Stürme umgeknickt worden ist.

"Wenn ich nicht gleich etwas zu essen kriege, dann werde ich sauer", schreit Raven sichtlich angepisst, woraufhin der Rest der Gruppe erschrocken zusammenzuckt.

"Herr Gott, kleiner Zwerg und große Klappe. Ich krieg hier noch einen Herzkasper", flucht Andreas wütend, dessen Herzschlag aufgrund des plötzlichen Ausrufes des Koboldes nun doppelt so hoch ist wie vorher.

Ravens rechtes Augenlied zuckt verräterisch und er dreht sich knurrend zu Andreas um. "Zwerg...", zischt er leise, woraufhin bei Loki augenblicklich die Alarmglocken losgehen.

"Du elendes Stück Dreck! Wen nennst du hier Zwerg?!", schreit Raven wutentbrannt auf und will sich gerade auf den Blondschopf stürzen, als Loki ihn am Handgelenk packt und ihm den Arm auf den Rücken dreht.

"Nun dreh nicht wieder durch", herrscht er ihn an und versucht den randalieren Kobold festzuhalten, dessen Gesicht mittlerweile rot unterlaufen ist vor Wut. Andreas ist aufgrund der Reaktion leicht erschrocken zurückgewichen und steht nun halbwegs hinter Matthias, der Raven verängstigt anstarrt.

"Wenn du noch einmal Zwerg zu mir sagst, dann drehe ich dir den Hals um!", brüllt der Stachelkopf und versucht weiterhin sich aus Lokis Griff zu befreien. Zu seinem Leidwesen aber, ist der Wolfsjunge gute 25 Zentimeter größer als er, was ihm doch einen gewissen Vorteil verschafft.

"Er hat das bestimmt nicht so gemeint", redet Loki auf den Kobold ein. Er weiß genau, wenn er Raven jetzt loslässt, dann war es dass für Andreas. Raven mag zwar klein wirken, aber seine Kraft ist erschreckend und wenn er auch noch in Rage ist, dann sollte man ihm wirklich nicht über den Weg laufen.

"Was mischt du dich ständig ein! Lass los", bringt der Kobold gepresst hervor, dem es gewaltig stinkt, dass Loki ihm mal wieder überlegen ist.

"Erst wenn du dich beruhigt hast", gibt Loki mir ruhiger Stimme zurück, drückt Raven gen Boden und umklammert nun beide Arme.
 
"Beruhigen! Wie soll ich mich beruhigen, wenn du mich mit dem Gesicht in den Dreck drückst du elender Verräter!", faucht er den Wolfsjungen an, der nun gebieterisch auf seinem Rücken sitzt und seine Arme brutal gegen den Rücken drückt.

"Er hat es wirklich nicht so gemeint... das... das ist nur... eine Redensart bei uns", lügt Matthias und stößt Andreas seinen Ellbogen in die Seite.

Der nickt vorsichtig und schluckt hart. "Nur eine Redensart", murmelt er unruhig und blickt zu Raven hinunter, der ihn aus goldgelben Augen anfunkelt. Dunkle Schatten liegen über seinem Gesicht, die ihn wirklich ziemlich gefährlich wirken lassen.

"Da hörst du es. Und nun reiß dich bitte zusammen, deine Launen halten uns nur unnötig auf", fügt Loki verzweifelt hinzu, dem langsam die Hände weh tun, da es eine ziemliche Anstrengung ist, Ravens Arme festzuhalten, da dieser immer wieder versucht sich zu befreien.

"Ist ja gut!", flucht er säuerlich und nach einigen Sekunden lässt Loki ihn vorsichtig los und steht von dem Rücken des Koboldes auf. Mit einem Ruck richtet Raven sich auf und wirft einen mörderischen Blick auf Andreas. Sein Atem geht schwer und er hört sein Blut in den Ohren rauschen.

"Macht doch was ihr wollt", zischt er wütend, dreht sich um und ist mit einem Satz in den Baumkronen verschwunden. Anfangs hört man leises Knacken im Geäst, aber nach kurzer Zeit ist es wieder still.

"Oh man", stöhnt Loki genervt und wendet sich wieder den beiden Jungen zu, die nun ein wenig eingeschüchtert hinter ihm stehen. Seine Augen bleiben an Andreas hängen, der sich ziemlich unwohl in seiner Haut fühlt.

"Wenn du am Leben hängst, dann rate ich dir ihn nie wieder als Zwerg zu bezeichnen. Zwerge und Kobolde leben seit Jahren im Krieg und es ist eine ziemliche Beleidigung, wenn du ihn so nennst", ermahnt er den Blondschopf, der nur knapp mit dem Kopf nickt.

Es war ja nicht das erste Mal, dass der Kobold ausgetickt ist, nur beim letzten Mal ist er nicht so wütend geworden wie jetzt. >Erst denken, dann reden<, schallt Andreas sich selbst in Gedanken, da er weiß, dass sein Mund immer schneller ist als sein Kopf.

"Kommt er wieder?", fragt Matthias besorgt und sieht Loki ehrfürchtig an. So freundlich sein Gegenüber auch mit ihnen umgegangen ist, eben hat man gesehen, wie viel Kraft er aufbringen kann, weshalb er jetzt doch ziemlichen Respekt vor dem Wolfsjungen hat.

"Ich denke schon. Er reagiert sich nur erstmal ab", meint Loki seufzend und kaut auf seiner Unterlippe herum. Raven muss einfach zurückkommen, schließlich ist er im Besitz der Karte und ohne diese werden sie ziemliche Probleme haben auf dem richtigen Weg zu bleiben.

"Gehen wir weiter, oder warten wir hier?", kommt es schließlich von Andreas, dem dieses Schweigen gewaltig nervös macht. Wenn alle auf einmal still werden, achtet man mehr auf die Geräusche um einen herum, und das leise Rascheln rings um im Gebüsch ist nicht gerade sehr beruhigend.

"Wir gehen weiter. Erstmal müssen wir sowieso geradeaus...", erwidert Loki nachdenklich und setzt sich wieder in Bewegung, wobei sein langer Schwanz nervös hin und her schwingt. Er kann nur hoffen, dass er den Weg noch richtig im Gedächtnis hat, sonst haben sie wirklich ein Problem.

*~*~*~*~*

Keuchend schleppt Matthias sich eine Anhöhe hinauf. Sie sind jetzt mindestens drei Stunden unterwegs und in dieser Zeit hat Raven sich nicht wieder blicken lassen. Langsam beginnt er daran zu zweifeln, dass der Kobold noch zurückkommen wird. Die Sonne brennt erbarmungslos auf ihn ein und Schweißperlen stehen ihm auf der Stirn.

Vollkommen erledigt bleibt Matthias stehen und blickt Loki und Andreas nach, die mit dem Aufstieg nicht so viele Probleme haben wie er. Vielleicht sollte er es auch mal in Erwägung ziehen einem Sportverein beizutreten, da seine Ausdauer wirklich miserabel ist. Erschöpft setzt er sich auf einen kleinen Steinbrocken und fährt sich durch seine Haare, die ihm bereits im Nacken kleben.

Sein Hals ist ausgetrocknet und sein Magen knurrt leise. Seit sie hier sind, haben weder er noch Andreas etwas gegessen und getrunken haben sie das letzte Mal gestern Nacht etwas. >Ich kann nicht mehr.< Seufzend starrt er auf seine Füße die ihm auch schon etwas weh tun.

Ein Dreistündiger Dauermarsch durch einen unebenen Wald, wo man ständig aufpassen muss nicht über irgendwelche Wurzeln oder sonstiges zu stolpern, ist einfach zuviel für ihn. Das zeigt mal wieder, dass es nicht gut gewesen ist, damals immer den Sportunterricht zu schwänzen.

Ein warmer Wind fährt ihm durchs Haar und er schließt für einige Momente die Augen. Vielleicht kommt er wieder besser voran, wenn er sich kurz ausruht. In seinem Kopf hört er wieder so ein unangenehmes Pochen, das sich schmerzhaft über seine Schädeldecke zieht. Krampfhaft umklammert er seinen Kopf und atmet tief durch. Seit er hier ist, werden diese Schmerzen immer schlimmer und das Dumme an dieser ganzen Sache ist immer noch, dass er keine Schmerztabletten dabei hat.

Matthias versucht seinen Kopf frei zu machen, alle Gedanken vorübergehend beiseite zu schieben und sich auf nichts weiter zu konzentrieren als auf die Geräusche um sich herum. Leises Vogelgezwitscher ist über ihm zu hören und hin und wieder vernimmt er leises Rascheln im Gebüsch.

~ ...sch... dummer Mensch...~

Erschrocken reißt er seine Augen auf und dreht sich um. Nichts... überall nur Bäume und Gestrüpp. Nervös wischt Matthias sich den Schweiß von der Stirn. Fängt er jetzt schon an zu fantasieren?

"Das ist doch lächerlich", murmelt er leise und kneift die Augen zusammen. Nahe an seinem Ohr hört er lautes Flügelschlagen und er sieht sich panisch um. Wieder nichts zu sehen außer Baumstämmen und Büschen.

Sein Puls beginnt zu Rasen und er hört regelrecht seinen Herzschlag in seinem Kopf widerhallen.

~ ... Mensch... dummer Mensch... ahnungslose Kreatur...~

Wieder hört er diese Stimme, die sich wie ein Flüstern im Wind verliert. Schwer atmend steht Matthias auf und blickt sich suchend um. Von irgendwoher muss dieses Flüstern doch kommen, oder er verliert allmählich wirklich den Verstand.

Ein unheimliches Rauschen geht durch die Luft und er fühlt einen kalten Windzug in seinem Nacken. Hastig dreht er sich um, nimmt aber nichts anderes wahr als ein immer lauter werdendes Flügelschlagen.

"Lass mich in Ruhe", sagt er mit zitternder Stimme und ballt seine Hände zu Fäusten. Panik breitet sich in ihm aus, der Drang jetzt einfach schreiend loszulaufen erfasst ihn und er versucht verzweifelt sein immer schneller schlagendes Herz zu beruhigen.

~... ahnungsloser... Mensch...~

"Verschwinde!", schreit Matthias verängstigt, dreht sich hastig um und erblickt eine riesige Krähe vor sich, die ihn aus ihren kalten roten Augen anstarrt.

Mit einem lauten Schrei macht Matthias einen Satz nach hinten, stolpert über den Steinbrocken und fällt rücklings auf den Boden. Ein schmerzhaftes Keuchen entweicht seiner Kehle und um ihn herum beginnt sich alles zu drehen. Das grelle Sonnenlicht blendet ihn und in seinem Kopf hört er gleichmäßiges Flügelschlagen widerhallen.

"Hey!", hört er eine Stimme über sich und kurz darauf spürt er, wie jemand ihn nicht gerade sanft gegen die Wange schlägt. Stöhnend kneift er die Augen zusammen und blinzelt vorsichtig. Das erste was er erblickt ist ein goldgelbes Augenpaar das ihn ernst anblickt.

"Du...?", wispert Matthias verwirrt und reibt sich den Hinterkopf. Mit schmerzverzerrtem Gesicht richtet er sich auf und dreht sich unruhig um. Die Krähe ist nirgends zu sehen. Man könnte meinen, dass sie nie da gewesen wäre, als hätte der Erdboden sie verschluckt.

"Herr Gott, was tust du hier alleine?", fährt Raven ihn aufgebracht an und blickt die Anhöhe hinauf, die Loki und Andreas gerade hastig hinunterlaufen, da sie das Verschwinden des brünetten Jungen erst bemerkt haben, als dieser lauthals geschrieen hat, dass einem das Blut in den Adern gefriert.

"Was hast du mit ihm gemacht?", hört Matthias Andreas schreien, bevor er Raven ohne nachzudenken am Kragen packt, von ihm wegzerrt und mit einem Stoß auf den Boden schmeißt.

Vollkommen überrumpelt starrt Raven den blonden Jungen an, der ihn schwer atmend anfunkelt. Loki, der soeben auch unten angekommen ist wirft einen unruhigen Blick auf die Beiden, bevor er sich an Andreas vorbeidrängt und sich neben Matthias hockt. Der ist leichenblass im Gesicht und sein Blick wandert noch immer verängstigt umher.

"Was ist passiert?", fragt Loki vorsichtig und legt seine Hand auf Matthias' Schulter. Der sieht ihn mit einem glasigen Blick an und atmet kurz darauf resigniert aus.

"Nichts... ich hab mich nur erschrocken", murmelt er leise und quält sich vom Boden hoch. Sein Rücken tut weh, da er nicht gerade sanft auf dem Boden gelandet ist, weshalb er sich auch wimmernd auf die Unterlippe beißt.
 
"Du hast geschrieen, als wenn du Angst hättest du sterben", gibt Andreas empört zurück, der nicht nachvollziehen kann, wie jemand derartig Schreien kann, nur weil er sich angeblich erschrocken hat.

"Du bist sicher, dass nichts ist?", hakt Loki weiter nach, der dieser Aussage nicht wirklich Glauben schenken kann. Matthias nickt nur sacht und wirft einen kurzen Blick auf Raven, der sich nun vom Boden aufgerappelt hat und sich den Schmutz von den Kleidern klopft.

Der Wolfsjunge folgt seinem Blick und mustert Raven kritisch. "Wo kommst du überhaupt so plötzlich her?", wendet Loki sich nun dem Kobold zu, der ihn sichtlich frustriert anblickt.

"Ich habe nur für Proviant gesorgt", gibt Raven säuerlich zurück und deutet auf sein Seil, dass ein paar Meter weiter auf dem Boden liegt und an dem mehrere Fische hängen. "Und für seinen Zustand kann ich nichts", fügt er laut hinzu, da er es nicht auf sich sitzen lässt, für etwas verurteilt zu werden, wofür er ausnahmsweise nichts kann.

Andreas betrachtet den Kobold zweifelnd und wirft nun einen Blick auf Matthias, der sich langsam wieder zu beruhigen scheint.

"Er hat wirklich nichts gemacht", verteidigt er Raven, der ihn daraufhin sogar ein wenig dankbar ansieht.

"Ok, belassen wir es dabei. Wenn du sagst, dass alles in Ordnung ist, dann müssen wir das so glauben", meint Loki schließlich und stöhnt leise. Man kann schließlich niemanden zwingen etwas zu sagen, was er nicht will.

"Wie wäre es, wenn du dich mal nützlich machst und mit deinem komischen Feuerteil mal ein paar Äste in Brand setzt?", wendet Raven sich Andreas zu, der mit hochgezogener Augenbraue sein Feuerzeug aus der Tasche holt.

"Ich glaube auch, wir sollten erstmal was essen." Mit diesen Worten geht Loki auf die Fische zu und hebt das Seil hoch. Auch wenn ihm das Ganze ein wenig seltsam vorkommt, dass Raven angeblich geschlagene drei Stunden damit zugebracht hat, für Proviant zu sorgen, da es schließlich überall kleine Bäche gibt, in denen man Fische fangen kann.

"Und die Dinger sind nicht giftig oder so?", fragt Andreas zweifelnd, der nun ein paar Äste übereinander stapelt und die darunter liegenden Blätter entzündet. Raven traut er nicht so wirklich über den Weg. Erst verschwindet er wutentbrannt und das nächste Mal wo man ihn wieder sieht kniet er über Matthias, der kurz vorher den halben Wald zusammen geschrieen hat.

>Irgendetwas stimmt mit diesem Kerl nicht<, denkt der blonde Junge bei sich und pustet zwischen die Äste, die langsam anfangen zu entflammen. Aber da sein Hunger momentan größer ist als seine Bedenken, schiebt er seine Zweifel erst einmal beiseite.

Raven holt einen kleinen Dolch aus seiner Tasche und beginnt damit die Fische zu zerkleinern. Matthias blickt angeekelt zur Seite, als er sieht, wie die blutbeschmierten Finger des Koboldes die Innereien aus den toten Fischen herausholen.

>Was wohl passiert wäre, wenn er nicht aufgetaucht wäre<, schießt es Matthias durch den Kopf, der das unheimliche Flüstern nicht aus seinen Gedanken vertreiben kann. Hat er sich diese Krähe nur eingebildet, oder hat er wirklich ihre Stimme in seinem Kopf gehört? 

Fortsetzung folgt