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World's unbroken Prolog

Prolog

Knatternde Motorgeräusche, ein lautes Hupen und eine quietschende Bremse hallten über einen Hof, ehe jemand von einem Moped runter sprang und den Helm abnahm. Sein Blick schweifte über das alte Bauernhaus, ehe er zur Haustür ging und Sekunden später ein lautes Scheppern über den Hof hallte. Verdutzt sah sich der Fahrer um und sah zu seinem Moped, dass auf dem Boden lag.
„Nicht schon wieder…“Er ließ Moped Moped sein und drückte den Klingelknopf neben der Haustür, die mal schneeweiß war. Er wartete einen Augenblick, nichts tat sich. Verwundert runzelte er die Stirn und lugte durch die kleinen Türfenster, doch erkennen konnte er nichts bei der Zentimeter hohen Staubschicht.Ein paar schritte zurück tretend, sah er hoch zu einem runden Dachfenster, doch einen kleinen Jungen würde er nicht entdecken. Aber der Junge wäre eh nun so groß wie er selber.
Er fuhr sich kurz durchs schwarze, zottelige Haar, ehe er einmal um das Haus ging und auf den Stall zu steuerte, in dem einmal Schafe gelebt hatten. Die Stalltür knirschte und knackte an allen Ecken und Kanten, ehe er den dämmrigen Stall betrat. Das Holz der Dielen knarrte unter seinen Füßen, während er Spinnweben auswich und die Nase kräuselte. Es roch nach Tierkadaver und Heu, eine seltsame Mischung, die der Nase nicht wirklich gut tat.
„Ist ja widerlich.“Schnell verließ er den Stall wieder mit einer Gänsehaut und aufgestellten Nackenhaaren. Irgendetwas stimmte hier doch nicht! Warum war dieser Hof wie ausgestorben und so leer? Gut, er war seit knapp 7 Jahren nicht mehr hier, da er umgezogen ist in eine weit entfernte Stadt, aber eigentlich hatte er gedacht, dass sich Jemand über seinen überraschenden Besuch freuen würde.Doch derjenige war nicht mehr da…„Junger Mann, was haben sie hier zu suchen?“Verwundert wand der Schwarzhaarige sich um und sah zu einer kleinen, alten Frau, die ein buntes Kopftuch um ihre weißen Haare geschlungen hatte und einen Bastkorb an sich drückte. Sie hatte keineswegs Angst, mehr schien sie ihren Bastkorb gegen alles benutzen zu wollen.„Verschwinden sie von hier! Das ist Privatgelände!“Sie schien nicht nur ihren Bastkorb gegen alles zu benutzen wollen, sie tat es auch und dieser traf den Schwarzhaarigen genau mitten ins Gesicht. Er taumelte etwas benommen, während die Frau weiter schimpfte.„Elendes Gesindel! Feiert irgendwo anders eure Partys! Verschwinde von hier und wage es nicht, diesen Hof noch einmal zu betreten!“

Die Oma war wirklich schlagfertig, dass musste er ihr schon lassen. Ein bisschen zu schlagfertig. Irgendwie erinnerte sie ihn an Jemanden und je mehr er sich diese Person zurück ins Gedächtnis rief umso mehr grinste er.„Aber Oma Mia, man wirft nicht auf 17-Järhige mit Bastkörben.“Verwundert hielt die alte Frau in ihrer Schimpftirade inne, ehe sie freudig in die Hände klatschte und zu dem Schwarzhaarigen eilte.„Oh ich glaub es nicht! Roman, Junge bist du groß geworden! Ich hab dich gar nicht wieder erkannt! Wie geht es dir?“Er schmunzelte leicht über die Art der alten Frau. Selbst nach 7 Jahren hatte sie sich nicht verändert. Manches blieb eben doch so wie es war. Aber dies war eben sehr selten, viel zu selten. Mit der Zeit kamen halt die Veränderungen.„Mir geht’s gut, Mia. Sag mal…“

“Du wolltest sicher zu Juri.“

“Genau, wo ist er?“

Sie seufzte betrübt und bedeutete ihm ihr zu folgen. Verwundert hob er schnell den Korb auf und folgte Mia, die das Gelände langsam verließ und zu ihrem eigenen kleinen Häuschen lief. Schafe blökten, Kühe muhten und Pferde wieherten. Wie früher…Er betrat das niedrige Haus und zog den Kopf ein. Die Decke war für ihn viel zu niedrig, denn er war ein Riese mit seinen 1.85. Er stellte den Bastkorb ab und sah zu einigen blubbernden Töpfen. Draußen trocknete die Wäsche und flatterte im Wind. Alles wirkte so heimisch.„Setz dich. Was ich dir erzählen werde ist wahrlich keine leichte Kost!“Verwundert sah er zu Mia, die sich zu ihm setzte und dann ernst drein schaute.„Es war knapp nachdem du umgezogen bist mit deinem Vater. Ich bin wie jeden Morgen zu den Neumanns gegangen um frische Eier zu holen. Du weißt ja, Karl liebte diese Eier einfach. Leider hat er mich vor zwei Jahren verlassen… hat mich einfach allein gelassen, dieser alte Idiot.“

Sie seufzte kurz und Roman nahm ihre Hand, lächelte aufmunternd. Er selber hatte Karl auch gekannt. Ein alter, weiser Mann, der wirklich gerne Eier gegessen hatte und nur die von den Neumanns.„Nun ja, ich wollte die Eier halt holen, doch als ich den Hof betrat, waren die Tiere ganz aufgedreht. Die Hühner rannten kreuz und quer über den Hof, die Schafe blökten aufgeregt, die Kühe stampften aufgeregt mit ihren Hufen und brachten den Stall zum erzittern. Ich klingelte, wie jeden Morgen, doch niemand öffnete. Verwundert ging ich um das Haus und öffnete die Küchentür, die ja immer offen stand.“Sie begann zu zittern und Roman wartete ruhig ab. Er schien die Ruhe selbst zu sein, doch eigentlich herrschte in ihm ein Sturm von Gedanken und Gefühlen. Er wusste nicht was er denken, noch was er davon halten sollte. Angst breitete sich in ihm aus. Eigentlich hatte er gehofft seinen alten besten Freund wieder zu treffen und nun wurde er mit einer kleinen Horrorgeschichte konfrontiert.„Sie hätten die Türe nie offen lassen sollen. Ich hab es immer gesagt! Aber Maja wollte ja nie auf mich hören! Ich betrat die Küche und rief nach ihnen, doch nichts war zu hören. Es war beängstigend. Ich suchte ihm ganzen Haus nach ihnen, nur ein Zimmer betrat ich nicht, das Schlafzimmer. Ich konnte da ja nicht einfach hinein gehen! Also hab ich erst nach Chris gesucht.“Sie seufzte leise und erhob sich, ging in der kleinen Küche auf und ab. Roman folgte ihrem tun mit seinen Augen. Horrorgeschichte traf es also wirklich, warum sonst war Mia so aufgewühlt? So langsam fand er seine ehemalige Heimat alles andere als idyllisch, viel mehr beängstigend.„Nun, ich fand ihn, bewusstlos mit einer Platzwunde auf dem Dachboden. Ich weiß nicht was er dort oben gemacht hatte, ich wusste nur, dass jemand seinen Schädel mit einem Stein zertrümmert hatte, denn dieser lag blutverschmiert neben ihm. Ich hab geschrieen, fast einen Herzinfarkt erlitten, als ich den Jungen entdeckt hatte. Ich rief den Krankenwagen an, die Polizei, die dann nach Maja und Jonas suchten und fanden – tot.“„Tot, aber… was…?“

Roman stotterte, jegliches Blut war ihm aus dem Gesicht gewichen. Er schluckte hart und ihm war speiübel.„Ja, man weiß nicht warum man sie umgebracht hatte, sie trugen keine inneren oder äußeren Verletzungen. Aber man wusste, dass es kein natürlicher Tod war. Doch der Fall wurde zu den Akten gelegt.“Er hatte keinen Schimmer wie er darauf reagieren sollte. Es war als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Warum brachte man zwei wunderbare Menschen um? Warum zertrümmerte man einem Jungen den Schädel? Er verstand das alles nicht. Was hatten die Neumanns verbrochen, dass sie so endeten?Sie hatten sich immer so um Roman gekümmert, wenn sein Vater Arbeiten war. Maja konnte die besten Pfannkuchen aus dem Dorf machen und mit Juri hatte er so manchen Unfug angestellt. Bei Oma Mia hatten sie im Sommer die Kirschen geklaut und sie sofort verdrückt. Man, war ihnen immer schlecht danach gewesen.
Und nun das! Roman konnte es gar nicht wirklich glauben…„Maja und Jonas wurden auf dem Friedhof beerdigt. Das ganze Dorf war geschockt, keiner betritt freiwillig heute noch den Bauernhof, außer diese vertrottelte Jugend, die dort ihr Gesöff in sich reinkippt.“Sie nahm zornig einen Topf vom Herd, ehe sie sich müde auf einen Stuhl sinken ließ. In diesem Moment war sie wirklich so alt, wie ihr Alter es ihr sagte.„Was ist aus Juri geworden. Hat er überlebt?“

Sie nickte leicht und sah traurig zu Roman, der kaum wagte zu atmen. Es kam ihm vor als wäre er in einem Albtraum gelandet, aus dem er nicht mehr aufwachen würde. Der totale Horror…„Ja, er hatte Glück im Unglück. Die Ärzte haben stundenlang operiert um zu retten was zu retten war. Leider hat Juri sein Gedächtnis verloren und weiß nichts mehr aus seinem früheren Leben auf dem Bauernhof. Er weiß nicht wer seine wirklichen Eltern sind, er wird dich nicht wieder erkennen, er weiß noch nicht mal, dass er mal auf einen Bauernhof lebte. Und an das grausame Szenario erinnert er sich auch nicht mehr.“Fragend sah Roman zu Mia, die ihre Hände auf den Tisch zusammen gefaltet hatte, als schien sie beten zu wollen, doch ihre weisen und alten Augen fixierten den Schwarzhaarigen.„Er kann auf einem Auge nicht mehr sehen, das andere konnten die Ärzte noch gerade eben retten, dass andere nicht. Er wurde von einem freundlichen, jungen Mann aufgenommen, der selber Arzt ist. Sie leben in der Stadt, ich besuche sie manchmal. Juri sieht mich nur als eine alte Frau, die von seinem ‚Vater’ untersucht wird.“

“Er weiß nicht, wer du bist?“

“Und er wird es auch nie erfahren.“

Fortsetzung folgt