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Bittersweet feelings Teil 17 bis 18

Kapitel 17

Stumm saßen sie sich gegenüber, taxierten einander mit Blicken, versuchten, die Reaktion des Anderen abzuschätzen. Gelegentlich ein Schluck aus der Tasse in ihren Händen nehmend, doch niemals den Gegner aus den Augen lassend.
Gut, das war maßlos übertrieben, denn vielmehr versuchte Ken seit mehreren Minuten erfolglos herauszufinden, was in Crawfords Kopf vor sich ging. Frustrierend, denn der Mann schien fast keine Mimik zu besitzen. Eigentlich war er wie Aya, wenn man es genau betrachtete, zumindest ein bisschen, a., aAber Ken kannte sein derzeitiges Gegenüber bei weitem nicht lang genug, um die kleinsten Zeichen in dessen Gesicht zu deuten, wie er es oftmals bei dem Rotschopf konnte. So etwas fiel einem eben erst nach einiger Zeit des Beobachtens auf.

Eine andere Möglichkeit wäre natürlich...
„Nun frag schon.“ Die kühle, distanzierte Stimme holte Ken aus seinen Überlegungen in die Wirklichkeit zurück.„Hä?“ Nicht besonders intelligent, aber durchaus zweckmäßig. Innerlich schlug sich der Braunhaarige ob der Eloquenz, die er heute mal wieder an den Tag legte, vor die Stirn. Dummheit!Crawfords schwarze Augenbrauen hoben sich ein wenig. „Du starrst mich an, seit wir uns vor zwei Stunden getroffen haben und seit Tagen liegt dir eine Frage auf der Zunge, also stell sie endlich.“Ken ballte die Fäuste unter der Tischplatte, konnte aber nicht verhindern, dass ihm die Hitze in die Wangen stieg. War klar, war ja so klar, dass es dem Anderen hatte auffallen müssen, ging ja nicht anders!Oh, wie er es hasste! Wie er diesen herablassenden, zynischen Tonfall verabscheute, den Crawford immer in der Stimme hatte, wenn er mit einem von ihnen redete. Ob er mit seinem eigenen Team auch so umsprang? Vermutlich. Der Drecksack von einem Ami wusste doch gar nicht, wie man nett war. Oder doch?

Die braunen Augen des Jungen verdunkelten sich etwas und für einen Moment zog er in Erwägung, die Behauptung des Leaders abzustreiten, doch da hob sich auch schon die Augenbraue noch ein Stückchen weiter, als wüsste dieser genau, was Ken vorhatte. Dummer Gedanke, schalt er sich selbst, natürlich wusste Crawford Bescheid, zu waswozu war der Herr denn ein Orakel?
Natürlich hatte der Schwarz vollkommen recht, wenn er behauptete, dass er ihn die ganze Zeit beobachtete hatte, den ganzen verdammten Einkauf lang, aber musste er das so drastisch formulieren? Keine Spur von Diplomatie! Aber wozu brauchte der die schon, er war ja schließlich das Orakel, vor dem alle zitterten, wenn er den Raum betrat.
Ken verzog den Mund etwas, seufzte dann aber und nahm noch einen Schluck aus seiner Tasse. Leugnen war zwecklos, warum dann also noch länger um den heißen Brei herum reden? Eigentlich hatte er ja die ganze Zeit nur nach einer passenden Gelegenheit gesucht, um das Thema auf den Tisch zu bringen. Obwohl es ihm unangenehm war, so durchschaubar zu sein, gab er schließlich nach.

„Warum hast du das gemacht....am Abend der Mission...“, setzte er nach einigem Zögern noch nach. Crawford hatte ihm geholfen, nicht angenehm, aber er hatte es. Vorsichtig trank er einen Schluck und ließ die Nacht der Mission noch einmal Revue passieren, obwohl allein schon beim Gedanken an die Geschehnisse wieder dieser taube, allumfassende Schmerz der Trauer in ihm hoch kroch, den er aber schnell wieder verdrängte. Nur nicht darüber nachdenken.

++++++++FLASHBACK+++++++++

Ihm war kalt, so furchtbar kalt, doch es war eine Kälte, die unmöglich von außen kommen konnte. Sie erfüllte ihn, ließ ihn zu Eis erstarren. Und auf irgendeine Art begrüßte er die Leere, die Kälte, das Nichts. Er zitterte, ohne etwas dagegen tun zu können. Warum? Er wusste es nicht mehr, aber es tat weh.
Sein Geist wehrte sich gegen die Erinnerung, gegen das Auftauchen in eine Wirklichkeit, in die er nicht zurück wollte, nicht zurück konnte.
Er spürte etwas, das sich gegen seine Schulter drückte, leicht, warm, angenehm. Er wusste nicht, was es war, aber er war dankbar dafür. Es minderte die Kälte, gab ihm Halt. Vielleicht sollte er herausfinden, was es war, um mehr davon zu bekommen? Aber er konnte sich nicht bewegen, die Kälte.... die Kälte...
Ein dumpfens Rauschen drang an seine Ohren, an- und abschwellend in unregelmäßigem Rhythmus, dann wieder gleichmäßig. Es beruhigte ihn auf eine Art, die er noch nie gefühlt hatte, e., eEs vermittelte ihm Sicherheit, bewirkte, dass er sich nicht einfach völlig in die Taubheit zurückzog, in die er sich so gerne fallen gelassen hätte. Warum durfte er nicht? Es hielt ihn, es ließ ihn nicht gehen, es....

Seine Lider hoben sich, langsam, flatternd, als müsste er sich erinnern, wie diese winzig kleine Muskelbewegung funktionierte. Um ihn herum waren Farben, Umrisse, nichts Wichtiges. ‚Keine Gefahr’, signalisierte ein kleiner Teil seines Gehirns, der immer noch zu arbeiten schien, nicht erfroren war. Zugleich hatte er das dringende Gefühl, sofort auf und davon zu müssen. Paradox.„Siberian!“ Was war das? Sein Körper reagierte sofort, ohne erst das Zutun seines Kopfes zu brauchen. Er setzte sich gerade und seine Muskeln spannten sich, wie die einer Katze vor dem Absprung.

„Hidaka!“ Das war etwas anderes. Meinte es ihn? Schien wohl so, denn das Geräusch wiederholte sich einige Male. Und plötzlich war das bisschen Wärme von seinem Arm verschwunden, weg, einfach so. Seine Augen weiteten sich verwirrt und er versuchte, dem Etwas nachzukommen, konnte sich aber nicht vernünftig bewegen. Ein Gewicht ruhte in seinen Armen und sein Körper schien sich nicht entscheiden zu können, was er nun tun sollte: loslassen und nach der Wärmequelle suchen, oder das Etwas weiter festhalten. Irgendwie schien es wichtig zu sein, was ihn da behinderte, also klammerte er sich lieber weiter daran.Das Geräusch war wieder verstummt und er war gerade bereit, sich wieder in die kühle Taubheit zurückfallen zu lassen, als ein scharfer Schmerz in seiner linken Gesichtshälfte explodierte. Der Grauschleier, der um ihn herum geherrscht hatte, hob sich und auf einmal sah er wieder klar. Seine Gedanken arbeiteten wieder, langsam zwar, aber sie arbeiteten.
Verständnislos blickte er in die dunkelgrauen Augen hinter spiegelnden Brillengläsern, in denen sich das Mondlicht brach. Crawford. Warum war der Kerl hier? Nein, besser, warum war er in seiner Nähe und noch viel wichtiger, warum hatte er ihn ganz offensichtlich geohrfeigt, wenn er das Pochen in seiner Wange richtig deutete, wovon er gerne ausging.
Was war hier eigentlich los? Und warum zum Henker stand Aya im Hintergrund und rührte keinen Finger, um ihm zu helfen, sondern sah nur zu? Neue Masche?

Sein Mund klappte auf, um etwas zu sagen, doch heraus kam nur ein heiseres Krächzen. Also schloss er ihnm wieder und runzelte missmutig die Stirn. Na schön, dann eben von vorne. Sie hatten diesen Auftrag gehabt, waren ohne größere Schwierigkeiten in das Gebäude eingedrungen, hatten das Ziel aber aus irgendwelchen Gründen nicht gefunden, bis Aya auf diese Geheimtür gestoßen war und dann dieser Gang, die Holztür und dann....
Er keuchte leise, als die Erinnerung mit einem Mal wieder über ihn hereinbrach.
Kenshi. Er hatte Kenshi unter den Kinder gefunden, er hatte gesehen, wie eines ihrer Ziele auf ihn anlegte, er hatte gewusst, dass er sterben würde und dann war da plötzlich Crawford gewesen.... das war doch Crawford, oder?
Er ging jetzt einfach mal davon aus, auch wenn er sich beim besten Willen nicht erklären konnte, warum Schwarz auf einmal aufgetaucht war und warum sie ihnen geholfen hatten, es war.... egal.

Er wandte sich von dem durchdringenden Blick des Amerikaners ab und sah nach unten, auf den kleinen, ausgekühlten Körper, den er noch immer in den Armen hielt, der langsam immer noch kälter wurde.
Tränen schossen ihm in die Augen., Tränen, die er die ganze Zeit nicht hatte weinen können, weil der Schock zu tief saß und schon spürte er, wie ihm das warme Nass über die Wangen lief. So lebendig... Er sah stumm zu, wie die Tränen das Kindergesicht, dessen Augen inzwischen geschlossen waren, benetzten, wie sich der kalte Schein des Mondes silbrig in ihnen widerspiegelte, den toten Zügen etwas Entrücktes verlieh.

„Du hättest es nicht verhindern können, auch nicht, wenn du früher gekommen wärst...“ Seine Augen lösten sich von dem faszinierenden Schauspiel von Licht und Schatten auf der weißen Haut, blickten wieder in die des Schwarzhaarigen.„Warum hast du es nicht verhindert?“ Er erschrak beinahe über den Klang seiner eigenen Stimme. Kratzig, hohl, leer, kein Leben in ihr, als wäre er selbst tot.„Weil ich es nicht konnte.“ Die Worte des Schwarz prallten an ihm ab, wie an einer unsichtbaren Mauer. Scheinbar. Äußerlich hielt seine Fassade noch, aber innerlich krümmte sich gerade etwas zusammen, wie ein getretener Wurm. Er wollte solche Worte nicht hören, doch er konnte nichts dagegen tun.Also saß er nur da wie eine Puppe, spürte das kalte, schwere Gewicht des toten Körpers wie tausend Nadelstiche in seinem ganzen Körper und blickte mit stoischer Ruhe vor sich hin. So wie man ihn nicht kannte, nie kennengelernt hatte.
Sollte er dieser lächerlichen Phrase etwa glauben? Das Orakel hatte nichts dagegen tun können?
Er lachte bitter auf. Der große, mächtige, allwissende, überlegene Crawford sollte nicht den Tod eines einzelnen Kindes verhindert haben können?

Sein ganzer Körper schüttelte sich in kaltem Lachen, das unversehens in leises Schluchzen überging. Mehr Tränen rannen über seine Wangen, als er begann, sich und Kenshi vor und zurück zu wiegen.
„Was bist du für in Orakel? Gar keins! Du kannst noch nicht mal ein Kind beschützen! Weißt du, was du bist? GAR NICHTS!“, brach es aus ihm heraus. All der angestaute Schmerz, der Hass, die Wut, die Trauer suchten sich ein Ventil und trafen auf die erst beste Zielscheibe.Etwas in ihm schrie in ihm im gleichen Moment auf, dass er im Uunrecht war, dass auch Crawford nur ein Mensch war, wenn auch ein außerordentlich begabter, aber dennoch nicht Gott. Nur ein Mensch, nur... wie er...
Die grauen Augen wurden noch dunkler. Hatte er einen Nerv getroffen? Gut so! Er setzte dazu an, dem Schwarz noch mehr entgegen zu schleudern, als sich plötzlich ein roter Haarschopf in sein Gesichtsfeld schob.

„Es ist gut, Ken, es reicht...“ Eine schmale Hand legte sich auf seine Schulter und die erstaunlich weiche Berührung, die er von der Seite seines Anführers niemals erwartet hätte, brachte ihn erstaunlicher weise wieder zur Besinnung.Noch immer liefen die Tränen und seine Lippen pressten sich hart aufeinander, damit ihm kein weiteres Schluchzen entkam, aber die Luft war vorerst raus. In ihm war nur noch Trauer und Schmerz, a. aAber der unsägliche Hass auf Schwarz, auf alles und jeden in seiner Umgebung war verpufft.
Er fühlte sich schuldig, sein schlechtes Gewissen nagte an ihm ob der Worte, die er Crawford wohl ungerechtfertigt ins Gesicht geschleudert hatte. Übelkeit kroch wieder in ihm hoch, doch auch diesmal war er entschlossen, dem Gefühl nicht nachzugeben, sondern konzentrierte sich ganz auf den Moment.

„Ich... ich wollte nicht.... ich...“, stotterte er etwas verlegen und sichtlich verwirrt. Sicher, sein Hitzkopf brach öfter durch, als es gut für ihn war, aber das war es nicht wirklich, was ihn störte. Es war die Tatsache, dass es ihn berührte, einen Schwarz verletzt zu haben, die ihn dermaßen aus der Bahn warf.Weiß war gut, Schwarz war böse, so war es immer gewesen und im Moment wurde sein ganzes Weltbild noch mehr gekippt als in den letzten Tagen ohnehin schon. Wenn er ehrlich war, er wusste im Augenblick einfach nicht mehr weiter, auch wenn die Wut vorerst durch den tiefen Schmerz und den Verlust seines Schützlings überlagert wurde, d. D, durch das Gefühl absoluter Hilflosigkeit, dass ihm in alle Glieder schlich und ihn zu lähmen schien, es unmöglich machte, wie ein Killer, wie ein Profi zu denken, der er doch eigentlich war.

„Doch, du wolltest. Lass stecken, Weiß“, unterbrach ihn Crawfords tiefe, eisige Stimme. Gab es überhaupt etwas, dass diesen Mann aus der Bahn warf? Irgend etwas, dass ihn dazu brachte, die Beherrschung zu verlieren, diese Arroganz und unsägliche Überheblichkeit abzulegen, sei es nun aus Wut oder Betroffenheit?Doch seltsamer weise gaben ihm die kalten Worte genau dass, was Mitleid nie erreicht hätte: die Kraft, die Kontrolle und die Beherrschung, die er jetzt dringend benötigte. Sein Stolz rebellierte heftig dagegen, sich vor diesem Arschloch eine Blöße zu geben, schon gar nicht, nachdem Weiß bei den Gegnern so tief in der Schuld stand. Er hatte ja versucht, sich für seinen Ausbruch zu entschuldigen, aber bitte, wenn der Herr es nicht wünschte, dann sollte es eben so sein.

Mühsam kam er wieder auf die Beine, er würde vor keinem Schwarz im Staub sitzen und winseln, niemals! Den Schmerz, der immer noch in seinem Innern wütete, drängte er mit eiserner Macht zurück. Nicht jetzt, flüsterte eine leise Stimme, nachher... nachher...
Es war ein harter Kampf mit sich selbst, den er aber schließlich gewann und darüber entging ihm ganz der zufriedene Funke, der in Brads Augen aufglomm.
Nur ein weiteres, aufmerksames Augenpaar nahm Kenntnis davon, auch wenn der Kopf dahinter den neuen Eindruck noch nicht so recht einzuordnen wusste. Doch er stellte keine Fragen.
Aya zog sich wieder zurück, nachdem er sicher war, dass es zu keinem weiteren Ausbruch kommen würde. Erst jetzt bemerkte der Fußballer den dunklen Schopf, der an der Seite des Amerikaners vergraben war und unter dem ihn große, mitternachtsblaue Augen verwirrt und erschrocken ansahen.
Der jüngste Schwarz schluckte deutlich, löste sich dann ein wenig von seinem Anführer, der beinahe.... beschützend seinen Arm um die schmale Gestalt gelegt hatte, trat zögerlich auf ihn zu.

„Ken.... Crawford hat es wirklich nicht verhindern können...“ Nagi schluckte wieder. Er war sich dessen zwar ganz und gar nicht sicher, aber er vertraute seinem Anführer absolut und es tat ihm weh, dass Ken solche Sachen zu seinem Ziehvater sagte.Der dunkelhaarige Junge rang sichtbar um Fassung, um sein übliches, gleichgültiges Selbst und die warme, schwere Hand, die ihm kurz über den Schopf fuhr, bestätigte ihm seine momentane Sicherheit, gab ihm die nötige Kraft, um wenigstens etwas Beherrschung zu wahren und nicht wieder in Tränen auszubrechen, obwohl er beim Anblick von Kens Gesicht wirklich alle Lust dazu gehabt hätte. Nicht jetzt, jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, später... später wenn er allein in seinem Zimmer war, oder heute nNacht, wenn er zu Brad unter die Decke kriechen konnte, dann, nicht jetzt.

Ken versuchte krampfhaft, sich ein Lächeln abzuringen, doch es misslang und wurde zu einem mehr oder weniger verunglückten Grinsen, das eher einer Grimasse als einer wohlgemeinten Geste gleichkam.
„Es ist schon gut und selbst wenn... ich könnte ja doch nichts dran ändern...“ Ken wusste, wie hart seine Worte klingen mussten und er versuchte sie, mit einem weiteren, diesmal etwas besseren Lächeln abzumildern, aber er sah die Verletztheit in Nagis Augen und bereute sogleich, was er eben von sich gegeben hatte.Schweigen breitete sich aus. Der kleine Hacker hatte sich wieder zu seinem Leader geflüchtet, stand aber jetzt nur an seiner Seite, als wolle er sich vor Ken und Abyssinian ebenfalls keine Schwäche mehr erlauben. Die Maske des Jungen saß wieder fast perfekt, nur in seinen dunklen Augen hatte die Gleichgültigkeit und Distanz noch keinen Einzug gehalten.

Der Fußssballer biss sich auf die Unterlippe und wollte gerade noch etwas hinzufügen, als Abyssinian sich wieder einschaltete und er vorsichtshalber den Mund hielt, bevor noch mehr dummes Zeug über seine Lippen kam, das die Sache nur noch schlimmer machte. Talent für so etwas hatte er ja ganz eindeutig.
„Gehen wir.“ Der Rothaarige klang wie immer. Kühl und distanziert. Als hätte es das Szenario in dem Kellergewölbe niemals gegeben, als hätte er nicht noch bis vor zehn Minuten Kinderleichen an die Oberfläche befördert. Ken bewunderte ihn manchmal dafür.Schweren Herzens und mit einem letzten, wehmütigen Blick auf das zarte Gesichtchen gab er Kenshi endlich frei, legte ihn vorsichtig auf den kalten Boden neben dieien anderen, sauber aufgereihten Körpern. Tapfer drängte er die Tränen zurück, die ihm erneut den Hals zuschnürten. Nicht der richtige Ort. Nicht die richtige Zeit.
Langsam schloss er sich seinem Anführer und den beiden Schatten von Schwarz an, bemerkte am Rande, wie Yohji und Mastermind zu ihnen stießen. Sie holten Omi ab, wobei er sich im Stillen darüber wunderte, dass der blonde Junge nicht von dem Schwarz-Irren bedrängt oder auch nur belästigt wurde.

Heute schien mehr als die Mission nicht zu laufen, wie sie eigentlich sollte. Warum fiel ihm das eigentlich erst jetzt auf? Sein bester Freund war die ganze Zeit nicht da gewesen und er hatte es noch nicht mal gemerkt! Weil du nur mit dir selbst beschäftigt warst, flüsterte die böse Stimme wieder. Für einen Moment dachte er, es wäre Mastermind, doch der klang anders, ganz anders, irgendwie... anders eben.
Wenn das weißhaarige Monster Omi nun was angetan hätte? Schuldgefühl nagte in ihm, schleichend, beißend, ständig präsent.
Sie zogen sich zurück, ohne Schwarz diesmal, verschmolzen mit den Bäumen und Ken warf keinen Blick zurück. Es hätte nichts gebracht. Und selbst wenn, ihm wäre nicht aufgefallen, dass ihnen mehr als nur ein Augenpaar folgte.
Nur einer bemerkte es.
Sie erreichten ihre Fahrzeuge wenige Minuten später und eine dumpfe Explosion hallte bis zu ihnen wieder. Die Druckwelle war selbst hier noch spürbar und ein plötzlich aufkommender Wind bauschte ihre Kleidung.
Es war alles gesagt, die Fronten waren geklärt. Die Mission war erfüllt, aber es war nicht ihr Verdienst.
Sie machten sich schweigend auf den Heimweg.

++++++++++FLASHBACK ENDE++++++

„Weil es notwendig war.“Na toll, konnte sich der Amerikaner nicht wenigstens ein Mal, nur ein einziges, winziges Mal NICHT kryptisch ausdrücken.Ken schnaubte leise, ohne es wirklich zu bemerken, was für einen Augenblick ein belustigtes Funkeln in Brads Augen erscheinen ließ, bevor sich der Schwarzhaarige wieder in der Gewalt hatte. Er sah nicht ein, warum er dem hitzköpfigen Jungen mehr Auskunft geben sollte, e. E, er gab präzise Antworten auf präzise Fragen, obwohl er die nächste schon voraussehen konnte und das OHNE seine Gabe zu benutzen.
„Und WARUM war es notwendig?“ Oh, da war aber jemand etwas frustriert, wie es schien. Diesmal musste der Schwarz doch wirklich ein kleines Grinsen unterdrücken. Die Reaktionen seines persönlichen Einkaufstrainers amüsierten ihn von Mal zu mal mehr, jetzt, wo er deutlich mehr darauf achtete.Für einen Moment überlegte er, die Antwort einfach zu verweigern, doch der Junge brachte es fertig und ging entweder lautstark an die Decke oder, was wesentlich schlimmer gewesen wäre, weigerte sich, ihn nächste Woche wieder zu treffen. So sehr fühlte er sich dem Phänomen Supermarkt dann doch noch nicht gewachsen, dass er dieses Risiko einging.

„Du bist wichtig für die Zukunft beider Teams, w. W, warum, weiß ich nicht, aber wenn du dich an diesem Aabend nicht zusammengerissen hättest, wärst du so schnell nicht mehr auf die Beine gekommen...“ So, das musste nun aber wirklich reichen. Brad hasste es, so viele Informationen an Leute herausgeben zu müssen, denen er nicht das Kleinste bisschen vertraute, denn er hatte keine Zweifel, dass Ken alles, was hier besprochen wurde, brühwarm an sein Team weitergab.Nicht etwa, dass er ähnlich gehandelt hätte, s. S, seine Leute bekamen die Informationen, die sie benötigten und Punkt, aber er machte sich keinerlei Illusionen, dass das in der gegnerischen Gruppe ähnlich gehandhabt wurde.
Andererseits würde er von seinen Untergebenen auch erwarten, dass sie ihm aufschlussreiche Details aus Feindesbegegnungen lieferten, das konnte er nicht leugnen.

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Nachdenklich lieferte Ken die Einkäufe bei Aya ab, verschwand dann im Wohnzimmer, wo Omi auf der Couch hockte, die Beine eng an den Körper gezogen. Der Blick des Jüngeren war auf die flimmernde Mattscheibe gerichtet, doch er schien die Quizshow, die dort lief, nicht wirklich wahrzunehmen.
Der Fußssballer ließ sich neben seinen besten Freund sinken, seufzte leise und legte den Kopf zurück auf die Lehne des Sofas, während er die Augen einen Moment schloss. Fast sofort fühlte er den Blick des Blonden auf sich.
„Alles in Ordnung, Ken-kun?“, fragte die angenehm sanfte Stimme neben ihm, warm, weich, ohne den unterkühlten Ton, der dem schwarzhaarigen Amerikaner so eigen war.Ken schüttelte leicht den Kopf.

„Ist schon gut, Omi, es war nur... anstrengend...“, murmelte er leise und etwas resigniert. Anstrengend war vielleicht nicht das richtige Wort, aber er fand einfach kein Ppassenderes für die vielen Widersprüche, die in seinem Inneren tobten.Auf der einen Seite war da Oracle, der keinerlei Gewissen kannte, dem Gefühle völlig fremd waren, immer arrogant, immer überheblich, dem Mitleid ein Fremdwort war und der sich gnadenlos gegenüber seinen Feinden verhielt. Auf der anderen Seite gab es da allerdings auch Crawford, der Nagi im Arm hielt und ihn tröstete, der sogar einen Pakt mit dem Feind einging, um den kleinen Hacker zu schützen, d. D, den Crawford, der sich im Supermarkt verlief, der nicht wusste, wie man Einkäufe heil nach Hause brachte und der noch nicht einmal merkte, dass die Kellnerin ihm schöne Augen machte. Wie konnten sich nur so viele Gegensätze in einer einzigen Person vereinen? Und noch wichtiger: wie sollte er um Himmels willen damit umgehen?

Er war verwirrt, zutiefst verwirrt, denn das Bild, dass er immer von Schwarz, von DEM Feind schlechthin gehabt hatte, wasr in der letzten Woche gründlich aus seinem Rahmen gerissen worden und er wusste beim bBesten Wwillen nicht, wo er es nun wieder einsetzen sollte.
Ken spürte eine kleine Hand, die sich warm auf seinen Unterarm legte und öffnete die Augen wieder. Sein Blick kreuzte sich mit Omis, der mehr als besorgt wirkte.
„Ist alles klar mit... na ja, Oracle und so?“ Man hörte dem Kleinen an, wie dumm er eigentlich seine eigene Frage fand, so dass Ken trotz allem lächeln musste.„Ja sicher, es ist nicht leicht..… und mir hängt die Mission noch wirklich nach, aber das wird schon wieder... ich bin im Moment einfach... verwirrt...“ Er seufzte wieder und vergrub das Gesicht kurz in den Händen, rieb sich über die müden Augen. Er genoß das sanfte Streicheln seines Teamkollegen, der ihm mit einer freundschaftlichen Geste über die Haare und den Rücken fuhr.Omi biss sich leicht auf die Unterlippe. Der Andere tat ihm wirklich leid und er hätte ihm zu gerne geholfen, aber er wusste nicht wie. Nachdenklich zog er seine Hand weg, lehnte sich ein wenig an die kräftige Schulter des Brünetten und ließ die Wärme, die von dem Größeren ausging ein paar Augenblicke zu. Er fühlte, wie sich ein muskulöser Arm um seine Schultern legte und kuschelte sich noch etwas näher.

Seit dieser verdammten Mission verbrachte er jede Nacht in Kens Bett, doch der äußerte sich nie dazu, ließ ihn nur jedes Mal wieder hinein. Der Junge merkte, dass der Ältere nicht besonders viel schlief, ihm selbst ging es ja nicht anders. Immer wieder und wieder hatte er das selbe Bild vor Augen, die kleinen Körper, das viele Blut... Hastig kniff er die Lider zusammen, als könne er so die Szenen verbannen, die sich ihm ins Hirn gebrannt hatten.
Wenn das ja wenigstens alles gewesen wäre, aber wenn er mal schlief, dann tauchte in seinen Träumen immer wieder ein weißer Haarschopf auf, gepaart mit einem goldenen Auge und einem irren Lachen. Der blonde Junge wusste ganz genau, wen er da immer wieder sah, nicht zuletzt, weil sich immer wieder das Szenario von Oukas Tod bot, jede Nacht, immer und immer wieder, seit diesem verfluchten Gespräch nach dieser verfluchten Mission. Als wolle sich sein Gewissen dafür rächen, dass er für ein paar Minuten vergessen hatte, mit wem er redete, dass es ihnm interessiert hatte, wie Berserker dachte, dass er es hinterfragt hatte, warum sich der Weißhaarige selbst verletzte.

Sicher, es hatte ihm auch die wichtige Information gebracht, dass der Irre keinen Schmerz empfand, was natürlich viel von seinem Verhalten erklärte und das hatte Omi auch gleich an sein Team weitergegeben, aber es erklärte keineswegs die innere Unruhe, die ihn immer befiel, wenn er an das goldene Auge dachte.
Es änderte nichts an der Tatsache, dass sein Standpunkt, der in Bezug auf Schwarz, insbesondere den Mörder seiner Schwester, bis jetzt unverrückbar festgestanden hatte und der hübsche Spiegel dieser Vorstellung(;) jetzt einen gewaltigen Sprung besaßen.

Omi vergrub seinen Kopf ein wenig an Kens Brust und ließ sich umarmen, hieß die warme Nähe seines besten Freundes willkommen, das Gefühl, nicht allein zu sein.
Eine ganze Weile saßen sie so eng aneinander gekuschelt auf dem Sofa, während im Fernsehen der Quizmaster immer neue Fragen an die Teilnehmer stellte, eine dümmer als die andere, ohne, dass die beiden Killer wirklich etwas davon mitbekamen. Der Schlafmangel und die Angespanntheit der letzten Tage machten sich bemerkbar, zusammen mit der ständigen Verwirrung und den Schuldgefühlen, die beide mit sich herumtrugen. Das Gefühl, etwas fFalsches getan zu haben, auf die ein oder andere Weise, lastete schwer auf ihnen.

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Yohji fegte den Laden fertig aus und schloss die Tür ab, nachdem er die Blumenkübel von draußen reingeholt hatte. Seufzend lehnte er sich einen Augenblick gegen das harte Holz des Türrahmens, ließ zu, dass seine Lider nach unten klappten und sein Körper sich für einen Moment entspannte.
Was hatte er sich nur dabei gedacht? Was hatte er sich dabei gedacht, sich von dem Feind küssen zu lassen und ihn am nächsten Abend dafür nicht einfach aufzuhängen, sondern ihn auch noch zu versorgen? Sicher, Schwarz hatte ihnen das Lleben gerettet, aber versorgen hätte sich der dumme, orangehaarige Deutsche ja wohl auch selber! Oder einen von seinen Kollegen fragen....
Nein, er hatte sich ja wieder einmischen müssen, war ja so klar gewesen! Kudou konnte mal wieder die Füße nicht stillhalten.

Nun gut, eigentlich lag es ihm weniger auf der Seele, dass er den Anderen verbunden hatte, sondern vielmehr das überdeutliche Kribbeln in seinen Fingerspitzen, als er dessen weiche Haut berührt hatte, das Flattern in seinem Magen, wenn er an die festen Muskeln darunter dachte, an.... stopp!
Stöhnend schlug er seinen Hinterkopf an das Holz, nur um feststellen zu müssen, dass der Türrahmen wesentlich härter war als sein Schädel. Für einen Moment tanzten bunte Punkte vor seinen Augen, die er nur mit einiger Mühe wieder wegblinzeln konnte. Das durfte doch nicht wahr sein! Da versuchte er schon, sich jeden Abend das Gehirn wegzusaufen und was machten die verbliebenen Zellen? Beschrieben ihm noch mal in allen Einzelheiten das Bild von Schu, als er in der Disco...

Noch einmal hämmerte er seinen Kopf gegen den Türrahmen, fester diesmal, doch das anziehende Bild des Deutschen in den engen Hosen wollte und wollte einfach nicht weichen. Er war verdammt nochmal NICHT SCHWUL! Er war hetero, kein warmer Bruder, vom anderen Ufer oder sonstwie geartet. Sicher, er hatte nichts dagegen, wenn jemand auf das eigene Geschlecht stand, aber das machte ihn doch selbst nicht zu einem Homo, oder? ODER? Nein, sicher nicht.
Und besser, er dachte irgendwann anders darüber nach, warum er deutsche, MÄNNLICHE Landplagen auf einmal attraktiv fand, denn sonst würde es mindestens eine davon mitbekommen, weil die nämlich gerade auf der anderen Seite der Glasscheibe stand und Yohji durchs Schaufenster hindurch anstarrte.
Mit einem erschrockenen Schrei taumelte der Blonde einen Schritt rückwärts. Hatte er inzwischen so viele Gehirnzellen weggesoffen, dass er schon derart halluzinierte? Ok, er hatte den Alkoholkonsum in den letzten Tagen deutlich übertrieben, aber SO sehr? Das konnte doch nicht sein!

//Ich glaube, ich sollte jetzt beleidigt sein, oder? Es sei denn, du hältst mich für eine Wunschvorstellung, dann könnten wir nochmal drüber reden...//, tönte auch schon die arrogante sStimme in seinem Kopf. Nein, keine Wahnvorstellung konnte derart real sein, nie im Leben.
Aber das würde bedeuten, dass der Schwarz da wirklich stand und ihn ganz dreist angrinste. Und das wäre noch viel schlimmer, weil... weil... weil eben!
Yohji fing sich wieder und knurrte wütend, denn er war sich sicher, dass der Andere es trotz geschlossener Tür verstehen würde und außerdem tat es gut, obwohl er genau wusste, wie lächerlich er vermutlich gerade wirkte. Außerdem hatte er immer noch die blöde Schürze um und einen Besen in der Hand, verdammt aber auch, er sollte...

//Aber, aber, für mich brauchst du dich nicht hübsch zu machen, ich nehm‘ dich auch mit der niedlichen Schürze, keine Sorge! Wenn du allerdings darauf bestehst, dich auszuzieh(e)n ist das auch kein Problem!// Da schon wieder! Konnte der nicht in seinem eigenen Schädel bleiben?//Raus aus meinem Kopf, du Arsch!//, schnarrte ein überaus wütender Yohji zurück. Soweit kam’s ja noch, dass er seine Gedanken teilte. War ja so klar, dass der Schwarz sich ausgerechnet jetzt, wo er eh so durch den Wind war, einmischen musste. Hatte er eigentlich irgendwann mal Ruhe?!//Wenn du Ruhe hast, säufst du nur wieder...// Yohji hatte sich schon abgewandt und wollte einfach in den Wohnbereich verschwinden, allein schon, um Schuldig zu entkommen, als ihn die auf einmal sehr ernste Stimme zurückhielt.

//Was geht’s dich an, Schwarz? Kümmere dich um deinen Kram und verpiss dich!// Der hatte nicht Recht, nein, hatte er ganz bestimmt nicht! Er trank nicht immer, wenn er Ruhe hatte, nur manchmal... ok, die letzten Abende immer, aber er hatte einfach nur ein bisschen schlafen wollen. Auf Ausgehen hatte er keine Lust, da kamen nur wieder die Bilder aus der Disco hoch und Frauen wollte er im Moment auch keine um sich haben. Er wollte einfach nur schlafen und vergessen... er wollte sich nicht erinnern, nicht an die Mission, nicht an seine Pflichten und schon gar nicht an denr verdammten Abend in der Disco.Ihm war schon klar, dass er sich wie ein kleines Kind benahm, dass einfach die Augen vor allem verschloss, aber das nützte ihm in dieser Situation auch reichlich wenig bis gar nichts.
//Würde ich ja gerne, aber ich soll dem Oberkätzchen eine Nachricht vom Boss bringen...// Aha, von wegen ernst, jetzt klang die mentale Stimme wie immer: spöttisch, herablassend, gemein. Also hatte er sich das eben wirklich nur eingebildet. Er sollte nicht mehr so viel trinken!

//Und warum sagst du ihm dass dann nicht einfach so?// Warum stand der blöde Telepath dann bitte vor ihrer Tür und wollte rein? Kaffeekränzchen? Der konnte froh sein, wenn Aya ihn nicht gleich mit seinem riesigen Küchenmesser zu Mittagessen verarbeitete. Oh, welche herrliche Vorstellung, ein verhackstückter Mastermind... aber einer musste dann auch wieder putzen und wie er sein Glück kannte, blieb der Scheiß dann wieder an ihm hängen. Dann lieber doch nicht.
Eine ganze Weile herrschte Schweigen, während sich Schuldig und Yohji nur mit Blicken maßen. Dem Deutschen ging es gewaltig gegen den Strich, vor dem widerborstigen, unfreundlichen Kätzchen sein kleines Geheimnis lüften zu müssen. Es blieb ihm aber wohl nichts anderes übrig, wenn er rein wollte, ohne das Schloss zu knacken, wofür die da drin ihn garantiert umbringen würden. Verdammt er hatte Hunger und wollte nach Hause, Farf hatte sein Lieblingsessen gekocht und das wollte er nicht verpassen!

Innerlich fluchend biss er die Zähne zusammen und antwortete schließlich deutlich widerstrebend. //Ich kann Abyssinian nicht lesen oder mit ihm reden... er kann mich komplett blocken,(,) wenn er will und im Moment will er...//, gestand er ruhig ein, ohne den gewöhnlichen, überheblichen Tonfall, den konnte er sich in seiner Position wohl sowieso weniger leisten.
Verblüffung schlug ihm aus dem Geist des Playboys entgegen, so stark, dass er hastig seine Schilde hochfahren musste, um nicht überrannt zu werden. Du liebe Güte, der war aber schnell aus der Fassung zu bringen! Hatte der etwas gedacht, er, Schuldig, wäre so was wie allmächtig? Anscheinend wusste der nicht, dass es auch für starke Telepathen so was wie Grenzen gab. Schade eigentlich, er hätte ihn gerne in dem Glauben gelassen.

„Er kann was?“ In der mentalen Aart der Kommunikation ungeübt griff Yohji lieber auf die übliche Methode zurück, dass erschien ihm im Moment sicherer. So etwas hätte er wirklich nie erwartet. Aber Moment mal, wenn Aya Schuldig blocken konnte, warum hatte er ihnen dann nicht was davon erzählt? Warum hatte er mirt dieser wichtigen Information immer hinterm Berg gehalten und seine drei Kollegen so den mentalen Attacken des Telepathen ausgesetzt? Fragen, auf die er schnellstmöglich eine Antwort haben wollte, aber zuerst musste er mal das vordergründige Problem lösen, das, das gerade vor ihrer Ladentür stand und beleidigt das Gesicht verzog.//Na danke, ich bin also ein Problem?//, meldete sich die Stimme wieder im Kopf des Blonden. Dass der Kerl auch wirklich nichts unkommentiert lassen konnte. Wie hielt es dessen Leader nur auf Dauer mit ihm aus? Der drehte doch bestimmt regelmäßig ab! Aber auf der einen Seite war es das Orakel, über den er hier gerade nachdachte und das drehte garantiertbestimmt nie ab und auf der anderen Seite Seite, geschah es dem Eisblock doch gerade recht, wenn der nervige Deutsche ihn in den Wahnsinn trieb.

Zufrieden mit dem Ergebnis seiner Überlegungen zog er schließlich den Schlüsselbund hervor und schloss die Ladentür wieder auf um den Schwarz hineinzulassen. Aya würde ihn köpfen.
Ohne auf das Gemoser und Gemeckere seines Feindes zu achten, stellte er den Besen an seinen pPlatz, hängte seine Schürze auf und ging wortlos zur Tür, die in den Wohnbereich führte. Mastermind würde ihm schon folgen, immerhin wollte er ja eine Nachricht überbringen.
Er prallte zurück, als sich die hochgewachsene Gestalt des Deutschen urplötzlich vor ihm materialisierte. Mit einem erschrockenen Schrei taumelte er zurück, sein Herz raste wie verrückt.

„Willst du mich umbringen, du Freak! Was soll der Scheiß! Wie hast du das gemacht?!“ Sicher, er wusste wie schnell der Orangehaarige war, schließlich hatten sie schon oft genug gegeneinander gekämpft, aber kein Mensch konnte sich so einfach aus dem Nichts entstehen lassen!Schuldig betrachtete gleichgültig seine Fingernägel. „Ach das... Hatte ich vergessen zu erwähnen, dass ich ein Teleporter bin? Ich hab dich doch nicht etwas erschreckt, oder?“ Das dämliche Grinsen wurde, wenn es denn ging, noch breiter.Yohji knurrte wütend. „Du Arsch, warum musste ich dann eigentlich erst aufschließen? Du hättest dich doch auch gleich in die Küche... teledingsen können!“ Er hatte keinen Plan, was denn ein... Teleporter genau war, aber bei dem Freak wunrderte ihn eigentlich gar nichts mehr. Wer sich ungefragt und ungewollt in anderen Köpfen rum treiben konnte, beherrschte sicher auch solche Tricks ohne Probleme.Der Deutsche enthielt sich jeden Kommentars, obwohl er die Gedanken des Blonden genau verfolgt hatte. Freak... na ja, wenn er meinte...
Er zuckte die Schultern und war froh, dass sein gGrinsen wie immer hielt. „So war es lustiger...“

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Aya schnitt mit ruhigen, bedächtigen Bewegungen das Gemüse klein, verteilte es in die entsprechenden Schalen, schön fein säuberlich nach Sorte und Zeitpunkt der Verwendung sortiert. Er war ganz in sein Tun vertieft, hing dabei seinen Gedanken nach, während seine Hände automatisch jeden Griff präzise und zielgerichtet ausführten.
Wie leicht hätte er sich mit dem überaus scharfen Messer schneiden können, wie leicht... aber er passte auf, schnitt nur das Essen, nicht seine Haut. Das würde ihm jetzt gerade noch fehlen, so unkonzentriert wie er den ganzen Tag schon war. Nach außen hin sah man es ihm nicht an, aber innerlich war er mehr als aufgewühlt. Er fühlte sich unruhig, beinahe rastlos, ohne dass er einen triftigen Grund dafür fand und das machte ihn nervös.
Sein Team war auf seine Ruhe und Führung angewiesen, er konnte es sich nicht leisten, Fehler zu machen, aber wenn er sich nicht bald zusammenriss, würden die Anderen etwas merken und dann war ihre Stabilität gefährdet. Sie verließen sich alle auf ihn, er war ihr Halt.

Mit einem kaum hörbaren Seufzen legte er das Messer einen Moment weg und stützte sich auf der Arbeitsplatte auf, rieb ich über die müden Augen. Er hatte nicht viel geschlafen in den letzten Tagen, genauso wie seine Kollegen. Er/(Aya),, war viel bei seiner Schwester gewesen, hatte stumm an ihrem Bett gesessen und auf das totenbleiche Gesicht hinab gesehen. Der Anblick hatte ihm die Kraft gegeben, weiterzumachen, seine Prinzipien und nicht zuletzt seinen Schwur, diejenigen zu beseitigen, die für Aya-chans Zustand verantwortlich waren, zu brechen.
Er sah, wie sehr die Situation an den drei anderen Killern zerrte, wie Yohji seine Ängste und Zweifel immer mehr im Alkohol ertränkte, wie sich Ken und Omi immer enger zusammenschlossen, Trost beieinander suchten, ihn aber nur bedingt fanden. Sie alle hatten Bedenken, doch die hatten sie, beinahe ohne zu zögern, für ihn, ihren Anführer über Bord geworfen, als er sie darum gebeten hatte. Ihr Zustand ging also auf sein Konto. Eine Sünde mehr.

Da half es auch nicht, sich immer wieder vorzusagen, dass es auch für sie Vorteile hatte, dass Schwarz nun keine Gefahr mehr für sie war, dass sie Nutzen daraus zogen, unter dem ‚Schutz‘ der anderen Killertruppe zu stehen. Aber was zum Teufel nützte dass, wenn sie nach und nach daran zerbrachen?! So konnte das nicht weitergehen, aber egal, wie lange er darüber nachdachte, egal, wie viele Nächte er sich in dem sinnlosen vVersuch, eine Lösung für das Dilemma zu finden, um die Ohren schlug, es brachte rein gar nichts, er kam zu keinem brauchbaren Ergebnis. Sein sonst so scharfer Verstand ließ ihn diesmal im Stich, nichts, was er konzipierte war irgendwie umsetzbar.Sein Team kam mit der Zusammenarbeit mit Schwarz nicht klar, so einfach war das und es gab absolut nichts, was er, Aya, dagegen tun könnte.

Auf der anderen Seite war da noch das Problem, dass er selbst mit Crawford und Co. hatte. Er konnte sich nicht damit abfinden, mit den Leuten zusammenarbeiten zu müssen, die seine Schwester praktisch ins Koma geschickt hatten, da konnte er sich noch so oft vorsagen, dass es nur ein Job für die Aanderen gewesen war. Es brachte nichts, aber auch gar nichts, sein Verstand hatte die Tatsache schon längst akzeptiert, aber sein Herz rebellierte hasserfüllt immer wieder dagegen und beförderte ihn in eine Zerrissenheit, die er noch nie so stark erlebt hatte.
Wie konnte er sein Team durch diese Krise führen, wo er doch selbst so unsicher war, ob er das Richtige tat? Er setzte sie einenm unglaublichen Risiko aus, denn wenn Kritiker davon Wind bekam, was sie hier taten, waren sie so gut wie tot und zudem kam der enorme psychische Stress. Vorhin hatte er Ken und Omi zusammengekuschelt auf der Couch gesehen und es hatte ihm die Kehle zusammengeschnürt, die beiden Jungen so hilflos und verwirrt zu sehen, aber er konnte ihnen keinen Trost geben, ihnen nicht gut zusprechen, dazu war er nicht mehr fähig. Er konnte nur versuchen, sie alle hier wieder heil rauszubringen.

So sehr er seine Kollegen auch mochte und so sehr er sich für sie verantwortlich fühlte, er hatte seiner Schwester gegenüber eine Verpflichtung zu erfüllen und dafür würde er alles tun, was nötig war. Er hätte es auch akzeptiert, wenn die aAnderen ihm nicht in diesen Pakt gefolgt wären -, er hatte es eigentlich auch gar nicht erwartet, wenn er ehrlich war. Er hatte nicht erwartet, dass sie so sehr zu ihm stehen würden. Aber er war froh darüber.
Umso schwerer lag die Verantwortung auf seinen Schultern, für ihr Wohlergehen zu sorgen und umso hilfloser fühlte er sich, da er mit ansehen musste, wie die dunklen Ringe unter ihren Augen von Tag zu Tag dunkler wurden, wie Yohji jeden Tag mehr nach Alkohol und Zigaretten stank, Omi Mitteilungen aus der Schule heimbrachte, dass er im Unterricht eingeschlafen war und Ken seit der Mission kein einziges Mal mehr das Haus zum Fußballspielen verlassen hatte. Seine Schuld.
Er nahm das Messer wieder auf. Das Mittagessen musste pünktlich fertig sein, sonst würden die drei sich wundern, weil er von seinen stoischen Gewohnheiten abwich. Die Welt konnte untergehen, aber Mittagessen gab es immer pünktlich.
Er war gerade da bei, das Gemüse im Wok zu garen, als er Schritte auf dem Gang hörte. Yohji... und Begleitung? Ken und Omi saßen noch immer im Wohnzimmer, das konnte er sehen, also wer war dann da? Manx oder Birman nicht, die kamen um diese Uhrzeit durch den Wohnungseingang oder machten sich wenigstens lautstark bemerkbar.

Er spitzte die Ohren, drehte sich aber nicht um, sondern tat, als wäre er ganz und gar in seine Arbeit vertieft. Noch konnte er den Inhaber des zweiten Paar Füße nicht ausmachen, aber es konnte sich nur noch um Sekunden handeln, bis...
„Aya, Besuch für dich...“ Oh, Yohji klang ganz und gar nicht begeistert, dann war es was uUnangenhehmes und sicher keine Frau, dann hätte er nicht so patzig geklungen.Betont langsam drehte sich der Rotschopf um, das große Küchenmesser in der einen, den Kochlöffel in der anderen Hand und erstarrte mitten in der Bewegung. Mastermind.
Was wollte der Kerl in seiner Küche, in seinen heiligen Hallen?! Was bildete sich dieser impertinente Arsch eigentlich ein, auch nur einen Fuß in seine Wohnung zu setzen, noch schlimmer, in seine KÜCHE!

Der Oorangehaarige schien genauso überrascht zu sein, Aya am Herd vorzufinden. Er hatte ja nun wirklich alles erwartet, aber DAS nicht. Ein kochender Abyssinian? Das war ja fast zuso absurd wie ihr irrer Küchenchef. Ein Kichern bahnte sich den Weg in seiner Kehle nach oben, doch er unterdrückte es gewaltsam. Der Rothaarige sah ihn mit seinen violetten Augen so vernichtend an, dass er gewiss zu Asche verbrannt wäre, wenn Blicke töten könnten und würde wohl nicht zögern, mit dem gefährlich aussehenden Messer auf ihn loszugehen, sollte er ihn provozieren. Also doch der Versuchung widerstehen.
„Crawford schickt mich mit einer Nachricht...“, meinte er deshalb ruhig und platzierte nur sein übliches Grinsen anstatt des erstaunten Ausdrucks auf seinem Gesicht. So war es doch gleich viel besser und er fühlte sich wieder sicherer. Der Schlagabtausch mit dem kleinen, hilflosen Playboy hatte ihm Spaß gemacht, aber der rothaarige Leader war ein ganz anderes Kaliber.Diesen Mann wollte er nicht übermäßig reizen, zumal er hier allein gegen vier stand, wenn es hart auf hart kam und er würde nicht mal beschwören, dass er gegen den Katanaschwinger allein bestehen würde. Also lieber kein Risiko eingehen, Farfies Essen war etwas Beherrschung wert.

Aya zögerte kurz aber sichtbar, legte dann das Messer weg, rührte das Essen noch einmal um und zog den Wok dann von der Herdplatte, damit nichts anbrannte.
„Keller“, gab er unwirsch Auskunft und Yohji einen Wink, den Weg freizumachen. Der Blonde schien überhaupt nicht davon erbaut, seinen Anführer mit dem Feind alleine zu lassen, protestierte aber nicht und gab den Weg zur Tür frei, den er automatisch verstellt hatte, um Schuldig im Notfall den Fluchtweg abschneiden zu können.Inzwischen waren auch Ken und Omi auf den ungewöhnlichen Besuch aufmerksam geworden und betraten zögerlich die Küche. Sie wussten nicht, was sie von der Situation und dem ungebetenen Gast halten sollten, doch ein Blick in Ayas steinernes Gesicht genügte, um ihnen jede Frage im Hals stecken zu lassen.

Schuldig nickte nur und folgte dem Weiß eine Etage tiefer in den Missionsraum. Beinahe erwartete er, in einen Folterkeller gebracht zu werden, so richtig mit Ketten an der Wand und so, doch die ‚Guten‘ schienen so etwas nicht zu besitzen. Gut für seine Person, denn obwohl er Aya nicht lesen konnte, ging von der Person des Rothaarigen so viel unterdrückter Hass aus, dass es selbst durch die festen Schilde drang.Laut fiel die Tür hinter ihm ins Schloss und der Deutsche konnte nur mit etwas Mühe ein Zusammenzucken verhindern. Noch immer sprach der Japaner kein Wort, sah seinen Feind nur abwartenden an und lehnte sich angespannt an seinen Stammplatz an der Wand.
Der Orangehaarige durchquerte den Raum, brachte etwas Aabstand zwischen sie. Wer wusste schon, wie Abyssinian reagieren würde und da war es besser, er hatte für den Notfall ein wenig Spielraum und Zeit, seine Waffe zu ziehen. Auch wenn er das Katana nirgendwo sah, in dem dürren Körper des Rotschopfes steckte jede Menge Kraft und er war auch mit bloßen Händen ein ernstzunehmender Gegener.
„Rede.“ Schuldig sah ruhig auf, geradewegs in die umwölkten Amethyste seines Gegenübers. Er holte noch einmal tief Luft und begann.

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In der Küche hatten sich die Zzurückgebliebenen an den Küchentisch gesetzt und sahen sich nun besorgt an.
„Glaubt ihr, die bringen sich um?“, ergriff Omi schließlich als eErster das Wort und sprach somit aus, was wohl alle dachten. Von Ken erntete er allerdings nur einen sehnsüchtigen Blick auf das halbfertige Essen. Natürlich traute sich keiner von ihnen, einfach weiterzukochen, denn Aya würde sie mit Sicherheit teeren und federn, wenn er herausfand, dass sie seine Töpfe auch nur angefasst hatten. Verständlich nach dem Aussehen der Küche, als Yohji das letzte Mal zur Bratpfanne gegriffen hatte.Der Blonde schüttelte leicht den Kopf und gab ihrem Fußballer einen Klaps hinter die Ohren, was der mit leisem Maulen und Gezeter quittierte.

„Ich glaub nicht, dann würde man Schu schreien hören...“ Damit hatte der Playboy sofort die Aufmerksamkeit seiner Kollegen.Omi runzelte nachdenklich die Stirn. „Du denkst wirklich, Aya wäre ihm überlegen?“ So ganz schien der Junge nicht davon überzeugt zu sein, denn was sollte man schon gegen einen Telepathen ausrichten, der ohne Mühe die Kontrolle über die Körper seiner Opfer übernehmen, oder ganz einfach ihre Gehirne ausknipsen konnte?Ken dagegen verfolgte ganz andere Gedankengänge. „Du nennst ihn SCHU?“, fragte er mittelschwer entsetzt. Schu... das klang so.... komisch!Yohji zuckte nur die Schultern und lehnte sich etwas zurück. „Er kann nicht in Ayas Geist eindringen und ja, ich nenne ihn Schu, weil ich seinen vollen Namen nicht aussprechen kann und er mich im Gegenzug nicht mehr mit diesem komischen, deutschen Wort ruft. Kettschn oder so...“ Er wusste, was das Wort bedeutete, aber aussprechen konnte er es deswegen noch lange nicht.

"Außerdem nennst du doch Oracle auch Cloffordo und den Kleinen Nagi, oder?“, setzte er noch etwas trotzig patzig dazu.Der Brünette grummelte etwas Unverständliches vor sich hin. „Na und? Das sind ja auch normale Namen... aber Schu... Schu klingt wie ein Kosename!“ Und das ging ihm ganz gewaltig gegen den Strich. Das war ja, als würde er Crawford auf einmal Cloffie oder so nennen. Grausam! Ihm entging darüber völlig der Rest von Yohjis Worten.Omis Augen waren groß und rund geworden. „Was meinst du damit, er kann nicht in Ayas Geist eindringen? So gar nicht? Aber warum? Und wieso hat uns Aya nie was davon erzählt? Ich meine, wenn wir das auch könnten...“ Seine Gedanken und Worte überschlugen sich gleichzeitig und er verhaspelte sich völlig.Yohji hob beschwichtigend die Hände. „Ma, ma, Kleiner, ich hab keine Ahnung, warum und wieso und weshalb, das kann uns wohl nur Aaya selber erklären, aber dazu müssen wir warten, bis der mit unserem Gast wieder aus dem Keller kommt, oder? Und deswegen bringt es auch gar nichts, jetzt Panik zu schieben, ok?“ Er sah, dass er wohl einmal im Leben die richtigen Worte gefunden hatte, denn die Atmung des Jüngsten beruhigte sich wieder etwas und die Farbe kehrte in die blassen Wangen zurück.Ken legte seinem besten Freund sanft eine Hand auf die Schulter. „wWir fragen ihn ja dann...“ Aber er persönlich bezweifelte, dass sie eine Antwort von ihrem Leader bekommen würden.

Kapitel 18

Er zögerte kurz, gab sich dann aber einen kaum sichtbaren Ruck und begann.
„Crawford will, dass Nagi bei euch einzieht... nur für einige Zeit, bis Takatori aus dem Weg geräumt ist... es wird bei uns zu gefährlich für den Kleinen...“ Jetzt war die Katze aus dem Sack und die Bombe damit geplatzt.Schuldig spannte sich leicht an, sollte der Rotschopf auf die Idee kommen, ebenfalls ebenfalls zu explodieren und auf ihn loszugehen. Doch nichts passierte, gar nichts. Aya stand nur wie erstarrt da, kein Muskel rührte sich in dem puppenhaften, blassen Gesicht. Der Deutsche runzelte leicht die Stirn. Er hätte ja wirklich alles erwartet, aber diese Regungslosigkeit war so... untypisch für den Weiß. Dessen impulsives Temperament hätte eigentlich im gleichen Moment losbrechen müssen, so wie es bei den Kämpfen immer zu Tage trat, sobald Schwarz auftauchte oder der Name Takatori fiel oder sonst irgendwas passierte, was den Weiß emotional berührte.

Der Orangehaarige grinste wenn möglich noch etwas breiter. Die Kollegen des roten Kätzchens dachten, der Kerl hätte keine Gefühle, das konnte er in ihren Köpfen lesen. Wie dumm sie doch waren. Aya hatte Gefühle und wie viele! Aber er verschloss sie tief in sich, so tief, dass nicht einmal ein starker Telepath wie Schuldig in der Lage war, den Schutzwall um die Gedanken zu sprengen. Er konnte den Rotschopf nicht lesen, egal wie oft und wie sehr er es versuchte. Nur in denm Momenten der höchsten Aufgewühltheit, wenn Aya die Beherrschung verlor, gelang es dem Deutschen, ein paar wenige Gedankenfetzen oder Gefühle aufzuschnappen, was mehr als unbefriedigend für seine unstillbare Neugierde war.
Crawford sagte immer, seine Wissbegier würde ihn eines Tages noch umbringen. Vielleicht hatte der blöde Amerikaner damit sogar Rrecht, aber was sollte es? Sterben mussten sie alle und eines Tages würde auch Schuldig seinen Meister finden. Er erwartete allerdings nicht, dass das in nächster Zukunft geschah.

Aufmerksam blickte er in die eisigen Amethyste, die keinen Rückschluss auf das zuließen, was hinter der Stirn ihres Besitzers vor sich ging. Wie gerne würde er jetzt in diesem Moment wissen, was der Andere dachte, was in ihm vorging und wie sehr frustrierte es ihn, dass er es nicht konnte. Für einen Moment erwog Schuldig die Möglichkeit, das stumme Kätzchen noch etwas zu provozieren und so vielleicht eine Reaktion zu erzwingen, aber der Weiß brachte es fertig und erwürgte ihn mit bloßen Händen, wenn er ihn zu sehr reizte, also ließ er es lieber sein und wartete ungeduldig.
Aya presste die Lippen zu einem schmalen, sehr unschönen Strich zusammen. Was sollte er darauf schon sagen? Sich weigern? Die Wut, die in ihm hochkochte, der Hass auf die elende Grinsekatze, der Drang, dem Deutschen die Grimasse aus dem Gesicht zu prügeln, wurden für einen Moment beinahe übermächtig. Nein, er würde sich nicht die Blöße geben! Er würde sich beherrschen.

Der Rothaarige biss die Zähne so heftig aufeinander, dass seine Kiefer einen heißen Schmerzimpuls durch seinen Kopf sandten und er glaubte, die Knochen knirschen zu hören. Er zwang sich, tief durchzuatmen und Schuldig nicht sofort ins Gesicht zu springen. In diesem Moment war er dankbar wie nie, dass er in der Lage war, den Telepathen zu blocken. Warum er das konnte, wusste er nicht, er hatte irgendwann nach dem Tod seiner Eltern angefangen, eine Mauer zu bauen, die seine Gefühle tief in sich verschloss, vielleicht hielt diese auch den Orangehaarigen draußen.
Er musste mehrere Minuten warten, bis er sich so weit wieder gesammelt hatte, dass er seiner Stimme über den Weg traute. Er wollte nicht, dass irgendjemand etwas von seinem Schmerz und seiner Wut mitbekam, schon gar nicht der feindliche Killer.

„Warum?“Schuldig hatte angefangen, gelangweilt seine Fingernägel zu betrachten, nachdem seine Augen alles Interessante im Raum abgeklappert hatten. Aya würde ihn nicht angreifen, so viel hatte er dann auch begriffen, aber ihm war langweilig! Hier gab es nichts zu spielen und so viel Ablenkung, dass er sich in einen der Köpfe eine Etage höher einklinkte, wollte er sich dann doch nicht gönnen. Wer wusste schon, auf was für Ideen der rothaarige Irre vor ihm noch kam, nicht, dass er ihm plötzlich doch noch unvermittelt und grundlos an die Kehle ging!Jetzt aber sah er erstaunt auf. Er hatte sich schon beinahe damit abgefunden, hier unten verhungern zu müssen, weil der Weiß-Leader nicht in die Pötte kam und ihn weiter stumm wie ein Fisch anstarrte. Nicht, dass er es nicht gewöhnt war über einen längeren Zeitraum hinweg angesehen zu werden, aber in diesem Fall empfand er es als unangenehm. Rot war nicht seine Farbe, bordeauxrot schon gar nicht, das biss sich ganz furchtbar mit seinen Haaren. Er beeilte sich, zu antworten, umso schneller kam er hier wieder raus.

„Du weißt, dass Takatori ein... reges Interesse an dem Jungen hat....“ Der Deutsche verzog das Gesicht angeekelt, damit auch ja deutlich wurde, welche Art von Interesse gemeint war. Allein der Gedanke an den alten, notgeilen Sack jagte ihm einen eisigen Schauer über den Rücken. Er lag Crawford ja schon länger in den Ohren, sich von dem widerlichen, machtgierigen Größenwahnsinnigen zu trennen, aber solange der Wichser genug zahlte, hatte sein großmächtiger Leader ja nichts davon wissen wollen. Erst jetzt, als es ihnen an die Substanz ging und das Team reell bedroht wurde, gingen dem Schwarzhaarigen wahre Kronleuchter auf. Arschloch! Konnte der denn nicht EINMAL auf ihn hören? Nein, er war ja nur der dumme Deutsche von nebenan. Dass er rein zufällig über die abartigen Gedanken ihres Geldgebers informiert war, interessierte hier wohl keinen. Also fuhr er etwas bissiger fort.

„Der Boden wird für den Kleinen zu heiß... das Orakel hat wohl gesehen, dass ihm was passieren wird, wenn er bei uns bleibt, genau kann ich dir das nicht sagen... er hat mich nur mit dieser Botschaft zu dir geschickt, mehr nicht... ah ja, und ich soll dir sagen, falls du dem Jungen auch nur ein einziges Haar krümmst, wandert dein geliebtes Schwesterlein endgültig ins Nirwana... auf nimmer Wiedersehn...“ Ein gemeines Grinsen unterstrich die Worte. So hatte Crawford das zwar nicht formuliert, aber keiner hatte Schuldig verboten, die Botschaft etwas zu... modifizieren.Befriedigt beobachtete er, wie sich die Hand des Rothaarigen zur Faust ballte. Na komm, komm, greif mich an... gib mir einen Grund, flüsterten seine Gedanken verführerisch, doch zu seiner Enttäuschung blieb Aya stehen, nickte ganz leicht. Nur in den ungewöhnlichen Augen leuchtete der blanke Hass.

„Verstanden... er kommt ins Gästezimmer und solange er sich an die Regeln des Hauses hält, wird ihm nichts geschehen. Sonst noch etwas?“ Die Stimme des Weiß klang gepresst, er hatte jetzt wirklich Mühe, die Kontrolle über seinen Zorn nicht zu verlieren und sich einfach auf den Schwarz zu stürzen. Er hasste Schuldig, er hasste ihn genauso sehr wie das arrogante, amerikanische Arschloch und den sadistischen Irren. Ob er den Kleinen hasste, wusste er noch nicht so genau, immerhin war der noch fast ein Kind. Aber ein Kind von Schwarz.Schuldig zuckte die Schulter. „Es wird wohl keine Probleme geben, sonst hätte Crawford es gesehen... sieh zu, dass er in die Schule geht und anständig seine Hausaufgaben macht... solltet ihr einen Hit haben, bleibt er selbstverständlich zu Hause und er wird auch von euch in keine Missionsvorbereitungen eingebunden... als Ausgleich garantieren wir, dass er hier nirgends rumschnüffelt, zumindest nicht auf unseren Wunsch hin...“ Seiner Meinung nach war das ein mehr als faires Angebot. Sie hätten wesentlich mehr fordern können.Der Deutsche wusste nur zu gut, dass sie jede Information einfacher haben konnten, da mussten sie nicht ihr Chibi bei den Kätzchen einschleusen. Aya wusste es auch. Und Aya wusste, dass Schuldig es wusste.

Der Rotschopf nickte wieder leicht, drehte sich um und verließ ohne ein weiteres Wort das Zimmer. Wie sollte er DAS seinem Team erklären? Sie hatten sich gerade erst damit abgefunden, mit Schwarz mehr oder weniger zusammenzuarbeiten, aber den Feind ins Haus zu lassen war doch noch etwas ganz anderes. Und wie um Himmels willen sollten sie den Kleinen vor Manx verstecken? Er hoffte einfach mal, dass Crawford sie rechtzeitig warnen würde, wenn Persias Sekretärin anrückte.
Hinter sich hörte er Schuldig die Treppe hinaufsteigen. Die Schritte des Telepathen waren ebenso lautlos wie seine eigenen, aber das Rascheln seiner Kleidung verriet ihn. Aya unterdrückte den unbändigen Drang, sich umzudrehen, damit er den Schwarz nicht mehr im Rücken hatte, doch er ignorierte das Gefühl und marschierte stoisch weiter in die Küche. Der Deutsche würde den Ausgang schon finden.

Schuldig dagegen sah sich jetzt neugierig um. Beim Hereinkommen hatte er dazu ja keine Gelegenheit gehabt. Viel gab es ja nicht zu sehen, einige Bilder an der Wand, die Weiß in privaten Situationen zeigten, Szenen aus dem Blumenladen, Aya beim Putzen (der Kerl trug doch da nicht wirklich eine Schürze, oder?) mit Staubwedel in der Hand, Ken mit dümmlichem Gesichtsausdruck in einem Haufen Blumenerde, Omi umringt von Mädchen, die scheinbar darauf aus waren, ihn zu zerquetschen, Yohji mit der obligatorischen Sonnenbrille auf der Nase in einem Liegestuhl auf der Terrasse und Ken im Hintergrund, wie er sich mit einem Eimer Wasser anschlich.
Der Deutsche grinste leicht. Dass das große, blonde Kätzchen auf dem Bild nur eine Badehose trug, tat dem Motiv wirklich keinen Abbruch, ganz im Gegenteil. Doch ehe er sich dazu hinreißen lassen konnte, das Foto noch ein bisschen ausführlicher zu betrachten, hörte er hinter sich ein leises Räuspern. Er drehte sich um und sah Omi vor sich. Fragend hob er eine Augenbraue.

Der Junge wirkte etwas nervös aber nicht unbedingt ängstlich. „Aya hat gesagt, ich soll dich rausbringen...“Der Orangehaarige nickte nur stumm, auch wenn das Grinsen sich wieder verbreiterte. Wäre doch gelacht wenn... jetzt brauchte er ein bisschen Abwechslung. Er schlüpfte unbemerkt in die Gedanken des Kleineren und begann, sich umzusehen. Eijei, herrschte hier ein Chaos, das war ja kaum auszuhalten! Nicht etwa, dass Schuldig ein besonderer Ordnungsfanatiker gewesen wäre, aber durcheinandergeworfene Gedanken machten es unglaublich viel schwerer, die Person zu lesen. Ein wirrer Kopf war fast genauso wirkungsvoll wie Ayas harte Mauer. Stirnrunzelnd folgte er Omi und begann, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, nicht so viel, dass es auffiel, aber genug, um ein bisschen was zu erfahren.Seine Augenbrauen schossen steil nach oben, bevor er sich wieder in der Gewalt hatte. Er war nur froh, dass der Kleine ihm den Rücken zudrehte, sonst wäre der wahrscheinlich misstrauisch ob seiner Mimik geworden.

Das war ja hochinteressant, was er hier gefunden hatte. Klein-Omittchi machte sich also Gedanken um ihren Lieblingsirren? Hatte ein schlechtes Gewissen wegen seiner Schwester-Cousine, was auch immer. Das war das Problem an den ‚Guten‘! Sie gaben sich immer sofort für alles die Schuld. Scheiß Gewissen.Die Frage war nur, was er jetzt mit dieser Information anfing. Sein Grinsen wurde deutlich gemeiner. Möglichkeiten hatte er genug und jetzt, wo er wusste, nach was er zu suchen hatte, viel es ihm leichter, auch die Träume aus Omis Unterbewusstsein herauszufiltern, die der Kleine versucht hatte, zu verdrängen. Mehr schlecht als recht, das musste man schon mal zu Protokoll geben... da war ja Ken mit seiner Schwäche für einen gewissen.... naja wie auch immer, selbst der Fußballer war darin besser und bei dessen Intellekt wollte das ja was heißen. Vielleicht sollte Schuldig ja mal seinem Leader was stecken? Neiiin, das wäre zu einfach, lieber weiter beobachten, das war lustiger. Außerdem würde Braddy ihm den Kopf abhacken, weil er wohl davon ausging, dass Kens... Faible auf dem Mist des Deutschen gewachsen war. Als ob er sowas tun würde! Also bitte, er doch nicht. Aber amüsant war es schon, wie der Braunhaarige immer wieder versuchte, Crawfords Gestalt aus seinen Gedanken zu verbannen und dabei selbst nicht bemerkte, dass er sich dadurch nur noch mehr aus auf das Bild des Schwarz-Leaders konzentrierte. Sollte er es ihm sagen? Aber dann wäre Schuldig wohl nicht Schuldig. Also würde er den Sportler Sportler sein lassen und sich da mit Zuschauen begnügen.

Der kleine Bombay aber... Genüsslich wühlte der Orangehaarige noch ein wenig im Verstand des Jungen bis er alles zusammen hatte, was er brauchte. Mal sehen, wenn ihm heute aAbend langweilig war...
Er blinzelte leicht, als er bemerkte, dass sie bereits vor der Ladentür standen und Omi ihn etwas ungeduldig und zugleich misstrauisch anblickte. Ups, da war er wohl etwas abwesend gewesen. So ein Pech aber auch, der Kleine würde doch nichts gemerkt haben? Aber selbst wenn... Schuldig zuckte die Achseln und verließ den Blumenladen mit einem letzten, spöttischen Nicken in Richtung des Blonden.
Brad hatte ihm verboten, die Kätzchen zu quälen, aber er hatte ihm nicht verboten, zu spielen.

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Innerlich seufzend sah er an der Glasfassade des protzigen Neubaus hoch. Für Takatori nur das Beste. Die neuesten Autos, die hübscheste Geliebte, die intelligentesten Kinder, die teuersten Anzüge, das modernste Gebäude und nicht zuletzt die effektivste Killertruppe Japans. Was nicht mehr auf dem neuesten Stand war, wurde weggeworfen oder abgestoßen.
Brad wechselte einen kurzen Blick mit Farfarello bevor dessen Blick apathisch wurde und sie aus dem schwarzen Mercedes stiegen.
Gehorsam trottete der Irre in seiner Zwangsjacke hinter dem großen Amerikaner her. Wie als Zeichen der Unterwerfung trug ein weißes Lederhalsband, das ein wenig zu eng auf seiner Haut saß und sich unangenehm anfühlte. Farf hasste dieses Ding, aber er hatte keine andere Wahl. Von der silbernen Schnalle des Halsbandes ging eine Kette zu den überkreuzten Riemen seiner Jacke, so dass er leicht gebeugt gehen musste. Sehr unbequem.
Er konnte nur hoffen, dass Crawford bald fertig war, damit er aus dem Ding wieder rauskam. Außerdem war das Mittagessen noch nicht fertig. Warum hatte sein Leader Schuldig ausgerechnet heute zu Weiß schicken müssen? Wäre der Deutsche da gewesen, hätte er jetzt mitgehen müssen. Nagi würde inzwischen auch schon wieder aus der Schule zurück sein und den Zettel auf dem Küchentisch finden.

Zielstrebig betrat der Amerikaner die riesige Lobby des Komplexes, steuerte sofort auf den Fahrstuhl Aufzug zu, ohne sich um die Blicke des Rezeptionisten zu kümmern. Er kannte sich hier aus und wenn ihn sein Boss rief, hatte er alle Befugnisse. Der Schwarzhaarige knirschte übelgelaunt mit den Zähnen. Immer mehr kam er sich wie ein Laufbursche, nicht wie einer der bestbezahltesten Attentäter der Welt vor. Wer war er denn, dass er sprang, sobald der größenwahnsinnige Japaner pfiff? Das dDumme war nur, dass Eszett hinter Takatori stand und die Macht des Politikers inzwischen so groß war, dass er das Risiko, diesen zu verärgern im Moment einfach nicht eingehen konnte. Es war noch zu früh.

Eine gewisse Unruhe breitete sich in seiner Magengegend aus, wie jedes Mal, wenn er sich auf dem Weg zu seinem Auftraggeber befand, was nicht zuletzt daran lag, dass ihn seine Visionen immer öfter im Stich ließen. Seine Sorge war also begründet, denn seitdem er damit begonnen hatte, seine Gabe zu perfektionieren, so dass er sie nun größtenteils beherrschte, gab es nur eine einzige Unbekannte, die er nicht einkalkulieren konnte und mit der alles stieg und fiel: die Berechenbarkeit der beteiligten Personen. Und Irre waren nunmal nicht berechenbar. So wie er selten Visionen bekam, in denen Farfarello eine tragende Rolle spielte, so ließen auch die Voraussagen Takatori betreffend immer mehr nach und das lag ihm seit längerer Zeit wie ein Stein im Magen.

Der einzige Grund für die Zusammenarbeit mit Weiß war seine wohl begründete Sorge um die Sicherheit seines Teams. Er war sich im Grunde sicher, dass sie alle diese Krise überstehen würden, sie hatten schon ganz andere mitgemacht, aber eine gewisse Unsicherheit blieb dennoch, die ausreichte, um ihn ständig unter Spannung stehen zu lassen, ihn dazu brachte, Visionen zu erzwingen und ihn körperlich viel zu nah an seine Grenzen trieb.
Eines wusste er allerdings mit Sicherheit: Nagi war gefährdet. Er wusste um das perverse Interesse ihres Auftraggebers an seinem Ziehsohn, doch so weit würde er es nicht kommen lassen. Er hatte Aya nicht alles erzählt, es bei der offiziellen Variante belassen, die auch der Junge zu hören bekommen würde, dass Takatori irgendwelche Versuche mit Psi-Talenten anstellte und deswegen den Telekinten wollte. Die Wahrheit lag auf einer anderen Ebene. Schuldig wusste natürlich Bescheid, der trieb sich oft genug in fremden Köpfen herum und Crawford war sich sicher, dass auch Farfarello über die richtigen Gründe im Bilde war, obwohl er sich nie dazu äußern würde, wenn es nicht unbedingt notwendig war.
Deswegen hatte er gerade heute den Telepathen zu den Kätzchen geschickt. In der Nacht hatte er eine präzisere Vision bekommen und diesmal war er durchaus geneigt, ihr vollsten Glauben zu schenken.

Nagi wurde ausquartiert, das war sicherer für den Kleinen. Ob dieser es verstehen würde, stand noch in den Sternen, aber zumindest sah er keine riesengroßen Probleme auf sich zukommen, wie etwa ein in Schutt und Asche gelegtes Haus oder zertrümmerte Einrichtungsgegenstände. Wieder einmal war er froh, dass der Junge schon so erwachsen für sein Alter war, Nagi würde sicher einsichtig sein. Hoffte er.
Auch Brad war klar, dass dies eine entscheidende Phase im Leben des jungen Telekineten war. Seine Gabe nahm täglich an Macht zu, die es zu kontrollieren galt und auch wenn sich Nagi aufgrund seiner Vergangenheit sicher nicht wie alle anderen Teenager benahm, wesentlich nachgiebiger und gehorsamer war als seine Altersgenossen, so würde er trotzdem irgendwann anfangen, sich von Schwarz und von Crawford im Besonderem zu lösen.

Es passte dem Leader überhaupt nicht, auch wenn er das nie zugeben würde, aber sein Kleiner wurde langsam erwachsen. In nicht mehr ganz drei Jahren war er volljährig, würde Autofahren dürfen und vielleicht sogar ganz eigene Wege gehen.
Missmutig schüttelte der Schwarz-Leader den Kopf, was ihm einen kurzen, fast fragenden Seitenblick von Farfarello eintrug. Solche Gedanken gehörten ganz sicher nicht zu dieser Zeit an diesen Ort, schon gar nicht, wenn wohl ein neuer Auftrag anstand. Er sollte sich darauf konzentrieren, die Lage so gut wie möglich zu meistern, sonst würde er sich keine Sorgen mehr über einen autofahrenden Nagi machen müssen, denn sonst würde der Junge gar keine achtzehn werden.
Keine Emotion zeichnete sich ein den gleichgültigen Zügen ab, die grauen Augen hinter der Brille blickten kalt in den Gang, der nun sichtbar wurde, als sich die Aufzugtüren mit einem leisen ‚pling‘ öffneten. Hatte er instinktiv auf den richtigen Knopf gedrückt? Er konnte sich nicht erinnern, die Schalttafel bedient, ja nicht einmal, den Fahrstuhl betreten zu haben. War er so sehr in seinen Gedanken versunken? Das passierte ihm wirklich nicht oft und hier konnte es unter Umständen lebensgefährlich sein. Ein falsches Wort, ein Blick, ein Zeichen von Schwäche, nichts dergleichen konnte man sich in diesen Räumen leisten oder man fand sich schneller in ihren Kellern wieder, als einem lieb war.Crawford schnaubte ganz leise und folgte dem kahlen Gang mit forschen Schritten bis zu seinem Ende. Welcher Architekt ließ sich nur so ein scheußliches Hellgelb für die Wände einfallen? Kein Wunder, dass Takatori verrückt wurde, wenn er hier jeden Morgen und Abend durch musste. Eine solche Farbe konnte nur krank machen.

Er vergewisserte sich mit einem letzten Blick, dass Farfarello auch wie ein braver Irrer aussah, man wollte den Boss ja nicht unnötig misstrauisch machen und klopfte an das dunkle Holz der Tür, die sie mittlerweile erreicht hatten. Die Sache schnell hinter sich bringen, Kontakt mit Schuldig aufnehmen, nach Hause fahren.
Sein Verstand arbeitete mit der gewohnten Schärfe, auch wenn er aufpassen musste, dass seine Augenlider nicht versehentlich nach unten sanken. Dank der Vision der letzten Nacht hatte er wieder so gut wie nicht geschlafen. Langsam wurde das schon zur Gewohnheit. Aber im Moment war es unmöglich, auf Schlaftabletten zurückzugreifen und so seine Gabe zumindest zum Teil zu unterdrücken, um seinen Körper die dringend benötigte Ruhe zu verschaffen. Es war zu wichtig, dass er über alle möglichen Veränderungen auf dem Laufenden gehalten wurde, vor allem, wenn es um Takatori ging.

Die gutgelaunte Stimme seines Auftraggebers forderte ihn auf, einzutreten. Er öffnete die Tür und gab Farfarello ein Zeichen. „Du wartest draußen.“ Ein scharfer, kaltern Blick in das verschleierte Auge des Iren. Das alte Spiel. Ein feines, kaum sichtbares Lächeln auf den Mundwinkeln des Weißhaarigen.Brad trat ein und schloss die Tür hinter sich, verneigte sich höflich. „Sie wollten mich sprechen, Mr. Takatori?“ Er achtete darauf, dass seine Stimme jenen kleinen, kaum wahrnehmbaren amerikanischen Akzent bekam, der von ihm erwartet wurde, obwohl er das Japanische im Normalfall und Hausgebrauch beherrschte, als wäre es seine Muttersprache. Er war zu perfektionistisch veranlagt um etwas anderes zuzulassen. Aber hier wurde verlangt, dass man ihm sein Anders-sSein auch anhörte, nicht nur, dass er rein äußerlich niemals als Japaner gegolten hätte. Warum, wusste er nicht, aber das war das Erste, was Eszett ihm zum Umgang mit Takatori eingeschärft hatte. Der Mann war eben einfach nicht normal.Umso mehr erstaunte es ihn, dass der Ältere nicht wie üblich an seinem Schreibtisch saß, ihm entgegenstierte und dabei versuchte, möglichst undurchschaubar auszusehen, sich damit aber einfach nur lächerlich machte. Lächerlich deshalb, weil es fast immer unmöglich war, einem Psi-Talent wirklich etwas vorzumachen, vor allem, wenn es sich um telepathische, empathische oder präkognitive Fähigkeiten handelte. Aber das würde der Spinner sowieso nie begreifen. Sollte er sich doch weiter zum Affen machen, Crawford störte das nicht weiter, solange es dabei blieb. Er ließ Takatori einfach in seinem Glauben und damit war der Fall erledigt.
Doch heute war es anders. Kein Versuch, die eingebildete Überlegenheit zu demonstrieren, keine billige Zurschaustellung der nicht vorhandenen Dominanz.

Takatori goß seine Blumen.
Der Amerikaner blinzelte leicht. Hatte er schon Halluzinationen vor Übermüdung? Das Bild blieb jedoch das Sselbe. Sein Auftraggeber stand an einem der riesigen Panoramafenster, die einen Blick über weite Teile der Stadt erlaubten und wässerte das Grünzeug, dass dort haufenweise zu finden war.
Crawford räusperte sich leicht, denn offensichtlich hatte der Japaner ihn trotz seiner Begrüßung noch nicht wahrgenommen. Aber er hatte ihn doch gerade eben hereingebeten, oder?
Reiji wandte sich um, schien überrascht, nicht mehr alleine zu sein, doch dann hellten sich seine Züge ein wenig auf, als er seinen Lieblingskiller erkannte.

„Ah, Crawford-san, wie schön, dass sSie den Weg zu mir gefunden haben... bitte, nehmen sSie doch Platz, ich bin sofort bei iIhnen... ich denke, Kito hier braucht noch einen Moment Zuspruch...“ Er deutete auf etwas undefinierbares, gGrünes zu seiner Linken.Der Schwarz-Leader war in diesem Moment mehr als dankbar für seine jahrelang antrainierte, eiserne Disziplin. Ohne eine Miene zu verziehen nickte er leicht und setzte sich dann gelassen auf einen der Stühle vor dem Schreibtisch. Niemand hätte ihm seine innere Anspannung angesehen, den Knoten, der sich in seinem Magen gebildet hatte oder die Gedanken, die sich in seinem Kopf überschlugen. Er zwang sich zur Ruhe und atmete lautlos einmal tief durch. Nichts, was er nicht in den Griff bekommen konnte.
War das der endgültige Beweis? Der letzte, der garantierte, dass Takatori wirklich verrückt wurde? Ok, viele Menschen redeten mit Dingen, die nicht antworten konnten, manche mit Blumen, manche mit ihren Haustieren, Schuldig redete ja sogar mit seinen Opfern, aber das hier war doch nicht mehr normal! Man sprach nicht mit Grünzeug, wenn sich einer der gefährlichsten Männer Japans im gleichen Zimmer aufhielt.

War sich der Ältere seiner Sache so sicher? Nie zuvor war Crawford so etwas passiert. Er war es gewöhnt, dass seine Gesprächspartner ihm vollste Aufmerksamkeit schenkten, das gehörte sich bei Dingen wie Mord und Attentaten einfach!
Was allerdings noch viel schwerer wog, war die Tatsache, dass er es nicht vorausgesehen hatte. Er hätte es im gleichen Moment, als er an die verfluchte Tür geklopft hatte, sehen müssen. Nichts war passiert. Gar nichts.
Hinter seiner Stirn begann es noch heftiger zu arbeiten. Er war dankbar für die kurze Pause, die ihm eingeräumt worden war, weil sich der Japaner immer noch im Gespräch mit demn Blättergewächs befand. So hatte er Zeit, zumindest das Gröbste zu ordnen und dafür zu sorgen, dass man ihm nichts von dem Tumult in seinem Inneren ansah.
Als sich Takatori wieder umwandte, deutete auf einmal nichts mehr darauf hin, dass etwas anders war als sonst. Der Japaner ließ sich in seinen hochlehnigen Bürostuhl hinter dem massiven Schreibtisch fallen, stützte die Ellenbogen auf der polierten Tischplatte auf und legte die Fingerspitzen zusammen. Eine Geste, die ebenso unnütz wie überflüssig und lächerlich wirkte. Doch sie beruhigte Crawford.

Auf einmal benahm sich der Mann wieder wie immer, versuchte, den Amerikaner dazu zu bringen, den Blick zu senken, indem er ihn mit gespielter Ruhe anstarrte. Brad entging jedoch das nervöse Flackern in den dunklen, mandelförmigen Augen nicht, dass der Aandere kaum verbergen konnte.
Viel hätte nicht gefehlt und Crawford hätte gelächelt. Vielleicht war es nur ein kurzer Ausrutscher gewesen, vielleicht gönnte ihnen das Schicksal noch eine weitere Verschnaufpause, vielleicht hatte er ihm noch etwas Zeit abtrotzen können.
Brad machte sich selbst nichts vor. Er war kein Übermensch. Sicher, er konnte die Zukunft zu einem gewissen Teil voraussehen, wenn er es geschickt anstellte unter Umständen sogar manipulieren, was ihm natürlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber den meisten Menschen einbrachte. Aber er war nicht allmächtig. Es gab Dinge, die unausweichlich waren und dass sie sich in absehbarer Zeit auf die eine oder andere Weise von Takatori trennen würden, war eines davon. Die Frage war nur, wann.

Der Killer schwieg höflich, wartete, dass der Politiker sein Anliegen vortrug. Das alte Spiel.
Irgendwann gab Takatori es auf, Crawford mit Blick niederringen zu wollen und raschelte geschäftig mit irgendwelchen nichtssagenden Papieren herum, etwas, was nur zu deutlich seine Unterlegenheit bewies. Allein der Umstand, dass er sein Wegsehen rechtfertigen zu müssen schien, machte ihn schwach.
Brad versagte sich eine spöttische Grimasse, das wäre im Moment ein großer Fehler und rückte sich etwas zurecht. Kam der heute nochmal zum Thema? Takatori hatte ihn ja schließlich herbestellt, was einen Grund haben MUSSTE.
Der ältere Mann schien nun ernsthaft etwas zu suchen, wühlte in einer unaufgeräumten Schreibtischschublade und zog schließlich eine Akte hervor.

„Meinen Informationen zufolge befindet sich in iIhrem Team ein Mann namens Farfarello, ist das korrekt?“Crawford nickte etwas abgehackt. Was sollte denn diese dumme Frage? Takatori hatte doch alle nötigen Informationen über seine Killertruppe, mal ganz abgesehen davon, dass der Ire seine TOCHTER erschossen hatte. Das war doch wohl keine ernstgemeinte Frage?! Aber er wartete geduldig ab, was noch kam. Schon der Anfang ihres Gespräches gefiel ihm ganz und gar nicht.„Sehr schön... nun dieser Mann ist... geistig gestört, nicht wahr? Schwer zu kontrollieren, sagte man mir... äußerst blutrünstig und sadistisch veranlagt...“, fuhr Takatori fort. Seine sStimme hatte nun den fröhlichen Klang von vorhin komplett verloren, sie war ruhig, professionell und gelassen. Das war wieder der Mann, den der Schwarz-Leader kennengelernt hatte. Berechnend, kalkulierend und skrupellos. Er sprach über Dinge wie Mord oder Verrat, als würde er über das Wetter diskutieren. Das war, bevor er begonnen hatte, seinen Verstand im Größenwahn einzubüßen. Er hatte den Älteren damals sehr geschätzt.Wieder nickte Crawford. Wenn er nur wüsste, worauf dieses Gespräch hinauslief... er zog einen Teil seiner Konzentration ab und versuchte, eine Vision zu empfangen und wäre sie auch noch so schwach, irgendwas, dass ihm wenigstens eine Richtung... ein heißer Blitz durchzuckte seine Gedanken. Er konnte nicht verhindern, dass seine Hände sich kurz zu Fäusten ballten, bevor er in der Lage war, sie wieder zu entspannen. Zum Glück konnte sein Gegenüber das von seinem Standpunkt aus nicht sehen.

Er hatte es gewusst. Er hatte gewusst, dass es passieren würde, schon länger. Aber warum ausgerechnet JETZT?! Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt!
Himmel, wenn der Kerl DAS wirklich vorhatte... war ihm denn nicht klar, dass er damit sein Todesurteil unterzeichnete? Selbst wenn es ihm um Rache ging... Und was war mit Eszett? Brad konnte nicht glauben, dass diese einfach so einen ihrer besten Männer... aber langsam, eines nach dem anderen. Erst das hier erledigen, dann weiterdenken.
Es gab wohl letztendlich nur eine Antwort auf alle Fragen: Reiji Takatori war nun vollends übergeschnappt.
Es reizte Brad, den Japaner einfach zu unterbrechen und das Gespräch somit entscheidend abzukürzen, aber er unterließ es. Er demonstrierte niemals seine Überlegenheit gegenüber seinem Auftraggeber, indem er diesem seine Fähigkeiten auf die Nase band. Es genügte ihm, dass der Aandere über sein Wissen im Bilde war und ihm trotzdem nichts weiter übrig blieb, als die Befehle auszusprechen, da der Leader sich nicht äußerte.

„Sehr schön... nun, sSie wissen sicher, dass meine... Institutionen auch einen Forschungsteil beinhalten, nicht wahr? Wir sind gerade dabei, eine neue Methode zu testen, die Gefahr, die Irre nun einmal durch ihre Unkontrollierbarkeit darstellen... abzuschwächen. Irre wie ihr Farfarello. Ihre Organisation hat mir zugetragen, dass es zunehmend schwerer wird, ihn zu kontrollieren... mir kam zu Ohren, dass es da einen Vorfall gegeben hat, der...“

Crawford ließ ihn weiterreden. Irgendwann würde er dem Mann mal sagen, wie bescheiden seine Eloquenz war. Diese dauernden Wiederholungen zerrten an seinen Nerven. Früher wäre das dem Politiker niemals passiert. Immer hatte dieser darauf geachtet, was er wie sagte, niemals war ein Wort falsch gewählt gewesen, die Betonung immer auf die Situation und den Gesprächspartner abgestimmt. Ein höhnisches Grinsen machte sich in Brad breit, ohne dass es an die Oberfläche gedrungen wäre. Was war nur aus dem Genie Takatori geworden, aus dem kalten, intriganten, hochintelligenten Mann? Ein armer, größenwahnsinniger Irrer, mit dem man vielleicht Mitleid haben könnte, wäre er nicht so gefährlich.Ein Gedanke durchzuckte Brads Kopf. Wann hatte die Veränderung eingesetzt? Wann hatte Takatori begonnen, nicht mehr rational zu denken und zu Hhandeln. Eine Erinnerung stieg in ihm auf, Bombay, wie er ein blutendes Mädchen in den Armen hielt, Schuldig, der mehr über die Türschwelle der Villa gekrochen war, als wirklich zu laufen. Der Deutsche hatte ihm damals das Bild übermittelt, bevor er bewusstlos geworden war. Der Leader hatte nicht gefragt. Er hatte einen Blick mit Farfarello gewechselt, der nicht viel besser aussah als der Orangehaarige, aber mit dem entscheidenden Unterschied, dass es ihm nichts ausmachte. Ein paar Narben mehr oder weniger, was machte das schon?

Ein dummer Zufall, dass es gerade die Tochter ihres Auftraggebers gewesen war? Nein, Crawford hatte gelernt, nicht mehr an Zufälle zu glauben und da war etwas im Blick des Iren, das ihn Sschaudern ließ, etwas wie ein verborgenes, unheimliches Wissen, dass nur Farfarello selbst besaß. Es war dem Amerikaner damals noch nicht klar gewesen, aber ebensowenig wie der Vorfall mit Takatoris Tochter ein Zufall sein konnte, war es auch der jetzige Zustand des Politikers und dieser irrwitzige Befehl.
Schnell rief er sich zur Ordnung und lauschte weiter dem sinnlosen Geplapper des Japaners. Warum musste der jetzt ausführlich die Situation beschreiben, über die Brad viel besser Bescheid wusste? Immerhin war er dabei gewesen!
Dass das ganze Spielchen mit dem Blut und den Leichenteilen eigentlich nur als Alibi für Farfarello gedient hatte, musste ja keiner wissen. Eszett hatte vor einiger Zeit geplant, den Irren einem anderen Team zuzuordnen, weil dieser scheinbar ruhiger geworden war. Also hatte Schwarz bei einem Auftrag ein kleines Blutbad inszeniert und behauptet, dass nur Schuldig in der Lage gewesen wäre, Farf wieder unter Kontrolle zu bringen. Einfach, aber wirkungsvoll und die Opfer waren eh schon tot gewesen, die hatte das auch nicht mehr interessiert, ob sie nun am Stück blieben, oder nicht. Dass der Irre sich dabei noch etwas hatte austoben können und zugegebenermaßen auch vorher noch etwas spielen durfte, war eigentlich eher nebensächlich. Nun schien es aber, dass der Schuss ein wenig nach hinten losgegangen war. Ein wenig zu viel.

„... ein Risiko, dem Ihre Organisation und ich Sie nicht länger aussetzen wollen“, schloss Takatori seinen Monolog und sah den Amerikaner erwartungsvoll an, als würde er Dank oder dergleichen erwarten.Der Schwarz-Leader richtete sich ein wenig auf. „Seien Sie versichert, Mr. Takatori, dass Mastermind durchaus in der Lage ist, Berserker zu kontrollieren, wenn es notwendig ist... er ist mit dem Geist des Irren vertraut und bestens für so etwas ausgebildet...“ Auch dass Schuldig sich niemals in Farfarellos Geist begab, musste hier keiner wissen. Details am Rande, die keinen etwas angingen. Und Crawford log Takatori und jedem anderen eiskalt ins Gesicht, wenn es notwendig war.„Ich bitte Sie, Crawford-san, was soll denn werden, wenn Mastermind einmal ausfällt? Sie haben einen gefährlichen Job, da kann es immer zu Verletzungen kommen und was soll dann werden? Es wird mir eine Freude sein, sie von diesem Problem zu befreien, ich greife meinen Mitarbeitern doch immer gerne unter die Arme.“ Seine Worte täuschten aufgrund des Tonfalls, in dem sie gesprochen wurden nicht über ihre eigentliche Bedeutung hinweg. Es war nichts anderes als ein klarer Befehl, der keinen Widerspruch duldete.Der Amerikaner neigte leicht den Kopf.

„Dafür sind wir iIhnen natürlich sehr dankbar, Mr. Takatori“, antwortete er schlicht. Seine Gabe hatte ihm gezeigt, was bei einer Weigerung geschehen würde und so hatten sie zumindest noch etwas Zeit. Hätte er jetzt abgelehnt, würde der Japaner Farfarello sofort hier behalten, wenn nötig mit der Waffengewalt seiner rund hundert Sicherheitsleute, die überall im Haus postiert waren. Eine Übermacht, der sich Brad unter keinen Umständen alleine stellen konnte, nicht einmal, wenn Farfarello ihm half.Takatori lächelte seinen Bodyguard fröhlich an. "Nun, deann wäre ja alles geklärt, heute in einer Woche benötige ich meinen Irren... bitte sorgen Sie dafür, dass er transportfähig ist, ja?"
Das war’s dann wohl, sowas wie ein mehr oder weniger höflicher Rausschmiss. Und auch dieses widerliche, entrückte Lächeln war wieder auf den Zügen des Japaners, der ihm durch seine Brille fröhlich zuzwinkerte. Ekelhaft.
Äußerlich unbewegt stand Crawford auf und wandte sich zum Gehen. Er hatte noch eine Woche Zeit. Sieben Tage. 168 Stunden. 10080 Minuten. Vielleicht fiel ihm ja noch etwas ein, wie er sie aus diesem Schlamassel wieder herausbefördern konnte, es MUSSTE ihm einfach etwas einfallen. Was auch immer es war, es musste verflucht schnell gehen. „Soll ich ihn wieder herbringen?“Sein Boss hatte sich inzwischen ebenfalls erhoben und war wieder zu seinen Blumen geschlendert. Betrachtete man sein Profil, bemerkte man, dass der Mann deutlich zugenommen hatte, etwas, was einem durch den raffinierten Schnitt des Anzugs vorher nie aufgefallen wäre. Auch das war früher nicht der Fall gewesen.Brad runzelte leicht die Stirn. Wie viel war ihm in letzter Zeit entgangen? War er etwa unaufmerksam geworden? Unverantwortlich in ihrem Job und er musste zudem noch für seine drei Kollegen sorgen.

"Ach, machen sSie sich keine Umstände, Crawford-san, ich lasse einen meiner Männer kommen, der holt es dann bei Ihnen ab..."
Schon alleine, dass der Kerl die Frechheit besaß, Farfarello als 'es' zu bezeichnen, brachte Brads Wut fast zum Überkochen. Doch eines wusste er genau: wenn er Takatori jetzt angriff, würde niemand von ihnen das Gebäude lebendig verlassen. Er musste sich gedulden, so schwer es auch fiel.
Wieder nickte er nur höflich, dachte aber gar nicht daran, sich zu verabschieden, genausowenig, wie er eine Begrüßung beim Eintreten von sich gab. Er ging einfach, öffnete die Tür und warf noch einmal einen Blick über die Schulter. Takatori hatte wieder die Gießkanne zur Hand genommen und wässerte das Grünzeug. Arglos hatte er dem Schwarz den Rücken zugedreht, etwas, dass man besser nicht tat. Es wäre so einfach.

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Brads Gesicht war unbewegt wie immer und Nagi zog es vor, es ihm gleichzutun. Bei Farfarello wusste man ohnehin selten, was gerade in seinem wirren Kopf vorging, nur Schuldig rutschte unruhig auf der Couch herum. Obwohl er Brad nicht lesen konnte, spürte er dessen Unruhe, ein deutliches Zeichen, wie ernst die Lage war, denn wenn er mal von seinem Leader IRGENDETWAS empfing, was nicht von ihm gewollt war, dann war das schon ein besonderes Ereignis. Und bei diesem Gefühl war er sich zu hundert Prozent sicher, dass der Aandere es nach außen hin unterdrückt hätte, wenn es ihm denn möglich gewesen wäre.
Im Stillen bewunderte er die perfekte Beherrschung, die sein Anführer an den Tag legte, denn sein Gesicht verriet nichts von seinen Gefühlen, nur seine Augen zuckten ein paar mal zu oft und unruhig über die Gesichter seiner Teamkollegen, was allerdings nur einem wirklich aufmerksamen Beobachter auffallen würde.

Er selbst wurde immer ungeduldiger und platzte fast schon, weil Brad immer noch nicht das Wort ergriff.
Wäre Schuldig etwas weniger eingenommen vom seltsamen Verhalten seines Leaders gewesen, so hätte er sicher bemerkt, dass Farfarello ebenfalls unruhig wurde, je länger ihr Leader schwieg. So aber beeilte er sich nur, dem Irren das alberne Halsband und die Zwangsjacke abzunehmen, die dieser immer noch trug, weil er mit Crawford unterwegs gewesen war, während Schuldig bei den Kätzchen weilte.
Im Prinzip wusste der Deutsche ja, worum es ging, aber das Verhalten seines Leaders war so seltsam, dass sich eine Anspannung in ihm ausbreitete, die er sich nur schwer erklären konnte. Eigentlich hatte er ja erwartet, nach Hause zu kommen, die Reste des Mittagessens zu vertilgen und sich dann etwas für das kleine Bombay-Kätzchen auszudenken. Stattdessen hatte Crawford eine Besprechung angekündigt. Es wunderte den Orangehaarigen doch sehr, dass der Amerikaner ihren Jüngsten nicht einfach beiseite genommen und ihm die Sache erklärt hatte. Nein, hier ging es um mehr, sehr viel mehr als er selbst vermutet hatte.

Brad trat zunächst mit auf dem Rücken verschränkten Händen an eines der Panoramafenster, die in der Südwand eingelassen waren. Er musste sich erst selbst etwas sammeln, bevor er seinem Team die Hiobsbotschaft überbringen konnte.
Noch einmal atmete er tief durch, schloss die Augen für einen Moment, was aber niemand sehen konnte, öffnete sie dann wieder und drehte sich um. „Er will Farfarello.“ Nur ein Satz, mehr nicht, aber er schlug ein, wie eine Bombe.Schuldig hatte gerade angesetzt, etwas zu sagen, ungeduldig zu drängeln, erstarrte jetzt aber mit aufgeklapptem Mund, brauchte eine ganze Weile, bis er das Gesagte verarbeitet hatte. "Der will was? Wieso denn?" Er konnte sich vorläufig noch nicht entscheiden, ob er lieber verwirrt oder entsetzt war. Vordergründig eher erstaunt , weil er sich beim besten Willen nicht vorstellen konnte, was Takatori mirt dem Irren anfangen wollte, so pervers der auch war, er war sicher nicht lebensmüde und in seinem Verständnis war der Weißhaarige noch immer fast unkontrollierbar, dafür hatten sie ja gesorgt. Und was war mit Nagi? Wollte er jetzt beide oder wie?

Nagi saß stocksteif und kreidebleich auf dem Sofa. Sein Gehirn arbeitete schneller und er wusste aus seinen Recherchen, was ihr Auftraggeber in seinem Keller so trieb, dass er dort mehr als nur eine Leiche versteckt hatte. Viel mehr. Und er konnte sich an einer Hand abzählen, wie lange Farfarello dort unten überleben würde, wobei sicher mehr als ein Finger übrig bleiben würde. Trotz seiner Schmerzunempfindlichkeit war er nicht unsterblich, er konnte genauso verletzt werden, wie jeder andere Mensch, er war eben nur etwas zäher als die meisten.
"Er will an ihm eine neue Methode testen um... Irre ruhigzustellen.... seine bisherigen Versuchsobjekte sind alle während des Eingriffs gestorben, weil sie die Schmerzen nicht ertrugen... die Operation muss bei vollem Bewusstsein durchgeführt werden, weil sonst lebensnotwendige Teile des Gehirns beschädigt werden können....", erklärte der Schwarz-Leader derweil.
Menschen, die ihn so gut kannten wie sein Team, bemerkten das Stocken in seiner Stimme, das Flackern des kühlen, sonst so ruhigen Blickes, die angespannten Muskeln seiner Oberarme unter dem teuren Stoff des Anzugs, das Zurechtrücken seiner Brille.

Für einen weiteren Moment herrschte Totenstille, als nun auch Schuldig begriff, was das hieß. Sie würden Farfarello verlieren, nur weil ein Irrer meinte, Irre ruhig stellen zu müssen. "DER will WAS?" Seine Stimme bebte vor Wut. Er hatte sich bei weitem nicht so gut unter Kontrolle wie Brad oder Nagi, wollte es auch gar nicht.
Nicht nur seine eigenen Gedanken und Emotionen kochten in diesem Moment über, von seinem jüngeren Kollegen schwappte eine Welle des Unverständnisses und der Verzweiflung herüber, die er erstmal blocken musste, so heftig war sie. Selbst in Farfarellos unerschütterlichem Geist, den er nie hatte lesen können, regte sich etwas, was am ehesten Erstaunen gleichkam, von seinem Anführer einmal ganz zu schweigen, der immer noch wesentlich aufgewühlter war, als er zugeben wollte.
Brad ignorierte Schuldig für den Moment und sah Farf ruhig an. "Du weißt, was das bedeutet?"
Der Ire nickte. "Ich werde sterben..." Denn nichts anderes war es im Prinzip, auch wenn sein Körper weiterhin existierte. Er konnte sich gut vorstellen, wie dieses ‚Ruhigstellen‘ aussah. Sein Körper lebte, aber sein Geist war nicht mehr fähig, ihn zu kontrollieren. Lebendig begraben im eigenen Leib.Angst hatte er eigentlich nicht wirklich, Schmerzen würde er dabei ja ohnehin nicht empfinden. Aber er wollte nicht weg von Schwarz. Wer würde denn kochen, wer auf Nagi aufpassen, wenn der Kleine aus der Schule kam? Wer würde das Frühstück machen, dafür sorgen, dass Brad regelmäßig aß und sich nicht nur von Kaffee ernährte oder dass Schuldig nicht völlig verlotterte, weil ihm niemand seine Sachen wusch oder ihn zum Aufräumen zwang?

Crawford ließ den Blick durch den Raum gleiten. Innerlich war er fast am Verzweifeln. Der Deutsche machte die Sache nicht gerade besser, indem er immer wieder vor dem Kamin auf und ab tigerte, sinnlose Wörter vor sich hinmurmelte, die keiner so genau verstehen wollte.
Nagi saß immer noch da und hatte sich seit seinem hHinsetzen keinen Zentimeter gerührt. Er stand wie unter Schock. Sie wollten ihm Farfarello wegnehmen! Das war der einzige Gedanke, der seinen Geist beherrschte, nachdem er die Nachricht richtig eingeordnet hatte. Sie wollten ihm Farfie wegnehmen und irgendwelche Experimente an ihm machen!
Die Luft um ihn herum fing an, zu vibrieren, die Fensterscheiben klirrten, seine Augen begannen zu leuchten. Brad brach den stummen Blickwechsel mit Farfarello, fuhr herum, alle Aufmerksamkeit der Anwesenden richtete sich alleine auf ihr jüngstes Teammitglied.

Ein leises, einzelnes Wort verließ seinen Mund, streifte seine Lippen kaum, war nur als Hauchen zu hören. "Nein!"
Brad sah es kommen, bevor Nagi sich darüber klar wurde, was er tun würde. "SCHULDIG!" DEer Schwarzhaarige sprang vor, riss den Jungen von der Couch und drückte ihn zu Boden. Sofort war Schuldig heran, legte seine Hände an die Schläfen des Kleineren, der nun begann, sich wie wild zu wehren. Obwohl Brad wesentlich größer und kräftiger war, musste er alle Energie dafür aufwenden, seinen Ziehsohn am Boden zu halten, dessen telekinetischen Kräften war er nicht gewachsen.
Schuldig konzentrierte sich derweil fest auf Nagis Geist, tauchte vorsichtig hinein. Er stolperte mitten in ein heilloses Chaos von Bild- und Wortfetzen von Gedanken, Erinnerungen, Geräuschen, Gefühlen und solch tiefer Verzweiflung, dass er kämpfen mussten, um sich nicht selbst darin zu verlieren.

Wie von weit her hörte er Brads Stimme, doch sie sprach nicht mit ihm, sie versuchte jemand anderen zu beruhigen, zu trösten... war das real? Waren es die Erinnerungen des Jungen? Er konnte es nicht sagen. Suchend sah er sich nach der Quelle von Nagis Bewusstsein um. Er musste schnell machen, lange würde sein Anführer den tobenden Telekineten nicht mehr in Schach halten können, dafür war der Junge zu stark.
Er stocherte weiter, bis er auf ein hell leuchtendes Zentrum stieß. Schnell griff er zu, nicht allzu fest, aber anscheinend fest genug. Das Leuchten wurde schwächer, zu einem milden Glimmen und das rauschende Toben um ihn herum verstummte fast vollständig.
Er beeilte sich, aus dem fremden Geist zurück in seinen eigenen Körper zu kommen, lehnte sich wenige Sekunden später schwer atmend und leichenblass gegen das Sofa, wischte sich den Schweiß von der Stirn und schloss erschöpft die Augen.
"Er wird stärker...", murmelte er leise nach ein paar Minuten und sah Brad schließlich an. Der sah nicht besser aus, als er selbst, der Anzug verrutscht und zerknittert, Schweiß auf der Stirn und zitterte ebenfalls leicht vor Anstrengung. Auf seinem rechten Jochbein begann sich eine Schwellung auszubreiten und blau zu färben. Offensichtlich hatte ihn Nagi in seinem Bestreben, loszukommen, getroffen.

Der Schwarzhaarige nickte und wandte den Blick zur Seite. Erst jetzt bemerkte auch der Deutsche, dass sie nicht mehr allein vor der Couch saßen. Wann war Farf zu ihnen gekommen? Er konnte es nicht sagen, sah nur, dass der Irre den kleinen Telekineten in den Armen hielt und ihm beruhigend über die Wangen und die Stirn streichelte.
Sein goldenes Augen ruhte mit eindeutig besorgtem Blick auf dem Gesicht des Kleinen, dass weiß wie die Wand war. Dieser Anfall war heftiger gewesen als alle, die sie bisher erlebten hatten und sie konnten von Glück sagen, dass Brad es noch rechtzeitig bemerkt hatte.
"Ich weiß nicht, ob ich das nochmal schaffe..." Schuldig war kurz davor, einfach zusammenzuklappen, er fühlte sich ausgelaugt und sein Atem flog noch immer wie nach einem Marathonlauf. Er versuchte krampfhaft, weiterhin aufrecht zu sitzen, schaffte es aber nicht mehr und kippte schließlich nach vorne, direkt in die Arme seines Anführers, der ihn auffing und so davor bewahrte, mit dem Gesicht voran auf dem Teppich aufzuschlagen.
Der orangehaarige Telepath schlief bereits, merkte noch nicht einmal, wie er von zitternden Armen hochgehoben und auf das Sofa gelegt, anschließend zugedeckt wurde. Brad richtete sich auf. Gerne hätte er seinen Kollegen in dessen Zimmer gebracht, damit er sich richtig ausschlafen konnte, aber ihm fehlte einfach die Kraft. Er war schon froh, wenn er selbst die Treppe hochkam.

Er sah auf Farfarello hinunter, der noch immer Nagi in den Armen hielt, ihn an seine Brust drückte, sah die unausgesprochene Frage im goldenen Auge des Weißhaarigen. "Eine Woche...", meinte er leise und hockte sich noch einmal hin, um dem Irren eine Hand auf die Schulter zu legen.
"Wir werden einen Weg finden, ganz bestimmt... wir werden nicht zulassen, dass er dich holt..." Gleichzeitig fragte er sich, wen er wohl damit beruhigen wollte, den Aanderen oder sich selbst.
Der Irre nickte nur, man sah ihm nicht an, wie schwer es ihm fiel, an die schönen Worte zu glauben. Vielleicht bestand eine Chance, solange er noch hier zu Hause war, wenn ihn ihr Auftraggeber erst einmal in den Fängen hatte, war er verloren. Er wusste besser als jeder andere, dass man Takatoris Keller nur mit dessen Willen, oder als Leiche verließ.
Brad erwiderte den Blick aus dem goldenen Augen nun deutlich ruhiger. Die Stärke des Iren gab auch ihm die Kraft, die er jetzt gerade dringend benötigte. Er war völlig übermüdet, erschöpfte von dem Kampf mit Nagi, wollte eigentlich nur schlafen, doch der intensive, ruhige Blick hielt ihn aufrecht. Er musste jetzt stark sein, er war der Anführer. Die anderen zählten auf ihn, ob ihm das jetzt gefiel oder nicht.

Erst heute war ihm wieder so richtig bewusst geworden, was der Kleine ihm eigentlich bedeutete, dass er mehr war, als eine bloße Schwäche, die er sich erlaubte, weil er es sich leisten konnte, sie zu besitzen. Er liebte den Jüngeren wirklich wie ein eigenes Kind, auch wenn er es niemals wirklich sein könnte. Und er wusste, dass es Nagi wohl ähnlich ging, alleine wie der Junge versuchte, sein Verhalten zu imitieren, ihm nachzueifern, es ihm recht zu machen.
Er würde das Vertrauen, dass seine drei Teammitglieder in ihn setzten nicht enttäuschen. Und wenn er dafür den Pakt mit dem Teufel eingehen musste, dann war es eben so.