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Das K?nigreich des Nordens

Original/ Fantasy [PG] [abgeschlossen] 

[vielleicht etwas Zucker, ansonsten nicht erwähnenswertes]

Einteiler

Kommentar:
Ich habe ausnahmsweise keinen Betaleser gehabt, deshalb könnte es sein dass mir ein paar Fehler entkommen sind, ich sage schon im voraus Entschuldigung dafür. Zuletzt bleibt zu sagen, dass die Story vielleicht Fragen aufwirft die ich nicht beantwortet habe, aber die Challenge in deren Zuge diese Story entstanden ist verbot mehr als 25 Seiten *g*. Die Übersetzungen sind alle am Ende des Textes, weil ich sie nicht mitten im Text haben wollte.
Hoffentlich habt ihr beim lesen so viel Spaß, wie ich beim schreiben.

Inhalt:
Ein untergegangenes Volk, ein Letzter seines Volkes, ein feindlicher General, und eine verbotene Stadt

 


 

Das Königreich des Nordens

Vor langer, langer Zeit hatten sich die Völker Riachnens zusammengeschlossen und die vier Königreiche der Himmelsrichtungen gegründet. Während Norden und Süden von einem Patriarchat geführt wurden, standen an der Spitze des Ostens und Westens jeweils ein Matriarchat. Dies Alles sollte das Gleichgewicht zwischen männlicher und weiblicher Energie halten.

Und das Patriarchat des Nordens wurde von der Gilde der Seefahrer gehalten, mit deren Oberhaupt als ihrem Herrscher.

Die Gilde der Seefahrer wurde hauptsächlich von einem Volk gestellt, den nahezu unsterblichen Debuai.

Groß von Gestalt, mit Haut in den Farben des Meeres und Haaren aus Metall welches jedoch an Seidigkeit seinesgleichen suchte, befahlen sie dem Element des Wassers, herrschten über das Meer und wurden von niemandem beherrscht.

So ging es Jahrhunderte, bis die drei anderen Königreiche anfingen den Debuai ihre Macht zu missgönnen und sich verbündeten.

Über Nacht wurde das Wort ‚Debuai’ zu einem Schimpfwort, und jeder ihrer Art verfolgt und getötet, während das Königreich des Nordens in den Fluten versank

Die anderen Königreiche wurden wieder vereint und das Großkaiserreich Riachnen gegründet. Jahrzehnte später war aus den Debuai den Wasserbeherrschern Legende geworden, verwendet um Kinder abends ins Bett zu scheuchen.

Und während all dieser Zeit glitt Fayn Erlson, ehemals Kapitän der nordischen Flotte und Erbe des Patriarchats des Königreichs des Nordens durch die Schatten, versteckte sich und suchte. Suchte den heiligen Schmiedegott.

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Sich mit einer Größe von 1,98m unauffällig durch ein volle Straße zu bewegen, war schwer. Das Fayn Erlson es trotzdem schaffte, lag einzig und allein daran dass auch jeder andere Besucher der Wüstenstadt Terim versuchte, unauffällig zu bleiben. Die Stadt beherbergte mehr Verbrecher auf der Flucht, als das örtliche Abwassersystem Ratten.

Nun war Fayn Erlson zwar auf der Flucht, aber kein Verbrecher und der einzige Grund wieso er sich hier befand war, dass er etwas suchte. Und anscheinend lebte hier ein Mann der für den passenden Preis alles fand. Ob das ganze stimmte, war hingegen sehr fraglich. Seufzend versuchte Fayn durch das Gitter der schwarzen Burka die er trug ein klareres Bild seiner Umgebung zu bekommen während er in Gedanken die Anweisung des Mannes am Stall noch einmal durchging.

’Ihr müßt die große Einkaufsstraße -die ihr da vorne seht- nach links runter entlanggehen. Irgendwann muß dann auf der rechten Seite ein roter Ziegeleingang erscheinen, mit einer großen schwarzen Holztür. Dort geht ihr einfach rein. Dort findet ihr Glisè’

>Ziemlich geschmacklos, sich nach einem der besten Komponisten der alten Zeit zu nennen. Andererseits, ich sollte mich nicht aufregen. Meine Eltern haben mich nach einem Schiff benannt. Manchmal frage ich mich wirklich ob Eltern sich überlegen was sie ihren Kindern bei der Namensgebung antun. Ich meine, damit läuft man meistens sein ganzes restliches Leben durch die Gegend. Verdammt, jetzt wäre ich fast an dem dämlichen Ziegeleingang vorbeigelaufen.<

Unwirsch bog Fayn scharf nach rechst und öffnete die schwere Holztür.



Der Gestank der ihm entgegenkam war wiederlich. Das Aussehen des Raumes war schrecklich. Und der Anblick des Mannes der ihm entgegen kam, konnte warscheinlich zur Erblindung führen.

Alles in allem hätte Fayn am liebsten wieder kehrt gemacht.

>Nix da, min Jung[1], schön stehen geblieben. Es ist ja nicht seine Schuld, dass er so häßlich ist. Vielleicht ist er ganz nett.<

“Was ist?” knurrte der große, bullige Mann, der jedoch außnemend gut gekleidet war.

>Okay, höflich ist er auch nicht. Ist aber auch egal, bin schließlich nicht mit ihm verheiratet. In zwei Minuten bin ich wieder draussen.<

“Guten Tag. Ich suche einen.... Reisefürer, und ihr wurdet mir wärmstens als jemand empfohlen der mir einen besorgen kann, Glisè.”



Der Mann musterte ihn einmal von oben bis unten, ehe er nach einem Buch griff und anfing zu blättern: “Wieviel wollte ihr ausgeben, und was braucht ihr genau?”

Unbehaglich steckte Fayn seine Hände in die Taschen.

“Geld spielt nicht wirklich ein Rolle. Wichtig ist einzig die Verlässlichkeit meines Führers und sein Wissen.”

„Und wohin soll es gehen?“

„In die verbotene Schmiedestadt Mjölnis.“

Einige Sekunden lang hatte Fayn das zweifelhafte Vergnügen, in Glisés Mund sehen zu können, ehe der Mann sich wieder fing.

„Nach Mjölnis? Junge, der Name sagt es schon, VERBOTEN. Die einzigen die dort Zutritt haben sind die kaiserlichen Magier und die Armee.“

„Das mag schon sein, trotzdem wurde mir gesagt dass ihr mir einen Führer finden könntet.“

Glisè seufzte tief und erwiderte: “Ist ja schon gut, ich hab’ jemanden der den Weg kennt. Aber das Ziel eurer Reise treibt den Preis nach oben, ich hoffe das ist euch klar.”

“Ich sagte es bereits, Geld spielt keine Rolle.”

Mit diesem Worten griff Fayn in die Tasche und zog ein feingearbeitetes Amulett heraus, besetzt mit dunklem Lapislazuli.

Die Augen seines Gegenübers weiteten sich.

“Das dürfte die Kosten in etwa abdecken. Ich übernachte in der Taverne ‘Die Vier Himmelsrichtungen’. Sagt eurem Führer, er solle nach Skom[2] fragen. Und nur damit wir uns verstehen,” langsam beugte Fayn sich nach unten bis sich seine Augen auf Höhe Glisè’s befanden.

“Sollte er nicht auftauchen, dann werdet ihr herausfinden was unter dieser Kutte steckt. Und glaubt mir, es würde euch nicht gefallen.”

Mit diesen Worten drehte Fayn sich um und glitt wieder hinaus in die heißen Straßen Terims.

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Erschöpft versperrte Fayn die Tür hinter sich, glitt zum einzigen Fenster des Zimmers, verschloss auch dieses fest und zog die Vorhänge vor, ehe er sich zum Bett begab und erleichtert das Bodenlange schwarze, alles vom Körper verdeckende Gewand abstreifte welches er die letzten hundert Jahre fast täglich getragen hatte.

Es war stickig, es war unförmig und es war häßlich, aber es erfüllte seinen Zweck. Es beschützt seinen Träger.

Und wenn man der Letzte einer verfolgten Rasse war, mit einem Preis auf seinem Kopf der ein Königreich sanieren konnte, tat man gut daran jeden Schutz zu nützen den man finden konnte.

Was aber nicht hieß dass es Fayn gefallen musste.

>Und schon wieder fängst du an zu jammern. Lass es endlich, jammern hat noch nie etwas gebracht.<

Die düsteren Gedanken verjagend schlüpfte Fayn aus seiner restlichen Kleidung und löste dann seinen wadenlangen silbernen Zopf, bis die feinen Metallfäden seine große, nackte Gestalt umspielten..

>Ah, endlich. Ein kleines Stück Freiheit. Alles was jetzt zu meinem Glück noch fehlen würde ist Wasser. Riesige Mengen von Wasser.<

Wenn er sich ganz fest anstrengte, konnte Fayn beinahe die Gischt an den Füßen spüren und das Salzwasser riechen.

So lange. Es war schon so lange her.

Weitere Gedanken wurden durch ein lautes Klopfen und eine noch lautere Stimme unterbrochen.

“Skom, he Skom. Ich hörte ihr erwartet mich.”

>Oh, bei den Göttern, ausgerechnet jetzt!<

Panisch blickte Fayn an sich herunter.

>Die Burka, nur die Buka ist wichtig. Durch die sieht man sowieso nicht durch.<

Das schwere schwarze Tuch überstülpend, versuchte Fayn gleichzeitig in seine Stiefel und Handschuhe zu schlüpfen, was dazu führte dass er schwankte und erst gegen das Bett und dann gegen das kleine Nachtkästchen stieß. Schließlich hatte er es aber zur Tür geschafft und öffnetete diese keuchend.

Sein Gegenüber musterte ihn mißtrauisch, ehe er sich an Fayn vorbeidrängte und ins Zimmer trat.

“Ich hab mich ja halb gefragt ob ihr hier drinnen irgendetwas zu verbergen habt bei dem Lärm den ihr gerade gemacht habt, aber bei dem was ihr anhabt wundert es mich kein bißchen dass ihr über sämtliche Möbelstücke geflogen seit. Mehr Vermummung war wohl nicht möglich, oder?

Aber wie auch immer, ICH bin General Liir Bionde, euer Führer zur Schmiedestadt und nur damit wir uns verstehen, wenn ich Glisé nicht einen Gefallen schuldig wäre würde ich euch für den Wunsch die Verbotene Stadt zu besuchen verhaften, und nicht hinbringen.”

Obwohl Fayns Herz bei den Worten General anfing schneller zu schlagen, konnte er nicht umhin sein Gegenüber atemlos zu mustern.

Liir Bionde war gutaussehend, auf eine männliche Art sogar schön, und seine ganze Körperhaltung zeigte dass er es wusste.

Schulterlange, goldbraune Haare umspielten das Gesicht mit den klassischen Zügen wie eine Löwenmähne und unterstrichen die ohnehin schon eindrucksvollen emeraldgrünen Augen.

Und dann der Körper.

Die Debuai waren ein Volk gewesen, welches Schönheit in jedweder Form zu schätzten gewusst hatte und General Bionde wäre von den Künstlern für immer in Marmor verewigt worden.

Er war groß, wenn auch nicht so groß wie Fayn, dafür aber um einiges kräftiger gebaut. Die Muskeln zeigten an dass er ein Schwertkämpfer war denn sie befanden sich gleichmäßig verteilt am ganzen Körper.

Gekleidet war er in gängiger Terim Kluft, lange sandfarbene Hosen, kniehohe Lederstiefel und eine kurze, ärmellose Tunika die in grün gehalten und reichlich bestickt war.

Es war alleridngs nichts davon zu sehen, dass er zur kaiserlichen Armee gehörte.

“Ihr seht nicht aus wie ein General. Keinerlei Rangabzeichen, kein Schwert…”

“Na, es ist ja nicht so als wäre unser kleines Treffen hier legal!”, zischte Liir.

“Abgesehen davon, ihr haltet euch auch ziemlich bedeckt. Von oben bis unten, um genau zu sein. Sagt, wird es euch nicht heiß in diesem Aufzug?”

Mit diesen Worten trat er bis auf wenige Millimeter an Fayn heran. So nah, dass dieser seinen warmen Atem durch den Stoff hindurch spüren konnte.

Einen Moment lang war er wie erstarrt, dann aber rüttelte er sich auf und trat einen Schritt zurück.

“Ich wäre euch dankbar, wenn ihr euren Abstand halten könntet. Und ob mir heiß ist oder nicht ist nicht eure Sache. Euch hat nur zu interessieren mich zur Schmiedestadt zu führen!”

General Bionde trat zurück und verzog den Mund.

“Keine Sorge, euch zu nahe zukommen ist nicht meine höchste Priorität. Um genau zu sein ist es auf meiner Prioritätenliste noch nicht einmal drauf.

Nun aber zum Geschäftlichen.”

Elegant ließ der Mann sich auf den einzigen Stuhl im Zimmer nieder, was Fayn mit dem Bett als einzige Sitzmöglichkeit ließ.

“Ich bin lediglich der Führer was heißt, ich erwarte dass ihr für unsere Ausgaben aufkommt. Glisé ließ mich wissen Geld sei kein Problem?”

Der letzte Satz war eindeutig eine Frage, und so nickte Fayn zustimmend mit den Kopf.

“Wunderbar. Wir werden ungefähr eine Woche unterwegs sein. Zu Fuß. Pferde würden uns nur hindern, weil wir wenig Wasser antreffen werden. Dass heißt allerdings auch, dass wir selbst genug davon mitnehmen müssen. Dazu kommt Proviant, Decken, etc, etc.

Wenn ihr wollt kann ich all dies besorgen oder ihr macht es selbst. Wie es euch lieber ist.”

Einen Moment lang überlegte Fayn, ehe er antwortete: “Besorgt ihr alles, ihr wisst besser als ich was nötig ist. Ich werde euch einen angemessenen Betrag mitgeben der ausreichen sollte. Den Rest verlange ich selbstverständlich zurück.”

“Selbstverständlich.”

Etwas das verdächtig nach Verachtung aussah, blitzte in den grünen Augen des Generals auf.

“Und wann soll es losgehen Skom?”

Fayn erhob sich, trat zum Fenster und öffnete es.

Sein Zimmer lag hoch genug, um ihm einen Blick über die Dächer Terims zu erlauben. Viel gab es allerings nicht zu sehen. Sand, Sand und nochmals Sand. Und irgendwo nach diesem Sand, in was auch immer danach kam die verbotene Schmiedestadt, von der sich Fayn soviel erhoffte.

“Jetzt, sofort. Gestern.”, murmelte er.

“Was war das?”

“Ich sagte: Morgen früh.”

Der Debuai drehte sich um und blickte durch das schwarze Netz auf sein Gegenüber.

“Morgen früh, bei Sonnenaufgang vor ‘Die Vier Himmelsrichtungen’. Schafft ihr es bis dahin alles beisammen zuhaben?”

Lirr Bionde nickte und erhob sich.

“Morgen bei Sonnenaufgang, verstanden. Ich werde da sein. Das Geld?”

Wie schon einige Stunden zuvor bei Glisé griff Fayn in seine Tasche und holte erneut ein Amulett hervor, dass dem ersten aufs Haar glich.

Einzig Liirs Reaktion glich der vorigen in keinster Weise.

Nein, der General griff nicht nach dem Schmuckstück sondern packte fest Fayns Handgelenk, was diesen erkennen ließ dass der kleinere Mann eindeutig der kräftigere von ihnen beiden war.

“Dass hier ist ein Debuaischmuckstück, Skom. Woher habt ihr es?!”

Der Ton klang unfreundlich, lauernd und fragend gleichzeitig. Was Fayn allerdings mehr überraschte war, dass Lirr Bionde wusste was er da in der Hand hielt.

“Ihr überrascht mich General. In der Tat, es ist ein Schmuckstück der Debuai. Ehrlich gefunden, eingesteckt und nun an euch weitergegeben. Habt ihr ein Problem damit?”

Es kostete Fayn alle Willenskraft die er hatte, um das Zittern aus seiner Stimme herauszuhalten. Das letzte was er brauchen konnte war, dass ein General der kaiserlichen Armee erkannte was er war.

“Nein, kein Problem. Ich hatte lediglich angenommen, dass mittlerweile alles was die Debuai betraf verschwunden oder in kaiserlichen Besitz gelangt ist.”

“Nun, dass dürfte ein und dasselbe sein. Wie dem auch sei, ich hatte mit meinem Fund großes Glück. Aber nun brauch ich das Geld, und nachdem ich an den Schmuckstücken nicht besonders hänge…”

Den Satz ausklingen lassend zuckte Fayn mit den Schultern.

“Ich verstehe. Nun gut, es geht mich nichts ans. Also dann, wir sehen uns morgen.”

Mit diesen Worten ließ Liir Bionde Fayns Handgelenk los, ergriff das Amulett und verschwand durch die Tür.

Ihm hinterherblickend rieb Fayn über die Stelle an der er immer noch die Finger des Mannes spüren konnte.

Sein Schlaf in dieser Nacht war unruhig.

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Fayn war alles, nur kein Morgenmensch. Vorallem nicht in einer Stadt wie Terim.

Niemand konnte gute Laune haben, wenn neben einem die Nachttöpfe aus den Fenstern geleert wurden.

>Ekelerregend. Selbst vor hundert Jahren hatten wir eine Toilette mit fließendem Wasser!<

Fairerweise musste Fayn allerings zugeben, dass dies wohl viel damit zu tun hatte, dass das Wasser den Debuai zu willen war.

Der dumpfe Aufschlag etwas Schwerem ließ Fayn aus seinen Gedanken hochschrecken und auf den Boden vor seine Füßen blicken. Dort lag ein großer schwarzer Beutel.

“Das ist eurer.”

Fayns Blick wandeterte zu dem Sprecher und erblickte General Liir Bionde, diesmal in Wüstenkleidung.

Sandfarben umspielte das weite Tuch seine Gestalt, während das turbanartige Tuch um den Kopf die Haare verbarg.

“Da ist alles drinnen was ihr braucht. Und hier,” damit reichte er Fayn eine kleine lederne Börse, ”ist euer Restgeld. Kann es losgehen?”

Wortlos steckte Fayn die Börse ein, ehe er den überraschend schweren Beutel schulterte.

“Es kann losgehen.”, bestätigte Fayn, und das tat es dann auch.

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Es dauerte gut eine halbe Stunde, ehe die beiden die Stadt vollkommen hinter sich gelassen hatten und sich in der Wüste befanden.

Danach folgte Stunde um Stunde mühsamer Fußmarsch duch Sand. Die einzige Rast wurde unternommen als die Mittagshitze zu stark wurde.

Und in der ganzen Zeit sprachen die Beiden kein einziges Wort mitteinander.

Schweigen hatte Fayn nie besonders viel ausgemacht, war allerings auch nicht besonders oft ein Theman gewesen.

Die Debuai lebten praktisch im Wasser, und dieses hörte nie auf zu flüstern. Und wenn einmal absolute Stille herrschte dann war es eine komfortable gewesen, erfüllt von Gefühlen wie Zuneigung und Liebe.

Die Stille zwischen Fayn Erlson und Liir Bionde hätte man hingegen mit einem Messer schneiden können.

Selten hatte Fayn sich so unwohl gefühlt.

Als es schließlich Nacht wurde und die beiden Männer das Lager aufschlugen, hielt der Debuai es nicht mehr aus.

Während Liir dabei war ein Feuer zu entzünden, beschäftigte Fayn sich damit, etwas von seinem Proviant aus der Tasche zu holen, während er ohne aufzuschauen fragte: “Ihr mögt mich nicht, nicht wahr?”

Die Geräusche der aufeinanderschlagenden Feuersteine verstummten für einen Augenblick, ehe sie wieder begannen.

Liirs Antwort lies länger aus sich warten.

Schließlich, nachdem das Knistern erster Flammen ertönte und Fayn schon jede Hoffnung aufgegeben hatte, erwiderte der Mann: “Ich mag keine Rätsel, und ihr Skom seid ein Wandelndes auf zwei Beinen. Jemand der sich so kleidet wie ihr verbirgt etwas. Zudem sucht ihr eine verbotene Stadt und tragt Schmuck eines niedergemetzelten Volkes mit euch herum. Ich frage mich ernsthaft auf was ich mich hier eingelassen habe.”

Das schwarze Tuch machte es Fayn schwer, in der Dunkelheit -trotz des Feuers- Liirs Gesichtszüge zu erkennen. Trotzdem wagte er die Frage: “Niedergemetzeltes Volk? Ich verstehe nicht, die Debuai waren eine Gefahr für unseren Frieden. Es war nötig dass…”

Mit einem unterdrückten Wutschrei sprang General Bionde auf.

“Gefahr für unseren Frieden, pah. Sie standen im Weg für unser heutiges Kaiserreich. Der einzige Fehler der Debuai war ihr Anderssein. Wir Menschen haben schon immer gefürchtet was anders ist. Dass wird sich auch nicht ändern. Und unseren Herrschern waren sie zu mächtig. Die Götter verhindern dass sie das Wasser gegen uns einsetzen.”

Der letzte Satz klang eindeutig sakrastisch.

Fayn konnte den ganzen Ausbruch nur mit vor Wunder geweiteten Augen beobachten, ehe er sich wieder audf seine Rolle besann.

“General, ihr seit Mitglied der kaiserlichen Armee, noch dazu ein Hochrangiges. Solch Gerede könnte euch nicht nur euren Titel, sondern auch euren Kopf kosten.”

Der Mann lachte höhnisch auf, ehe er sich Fayn voll und ganz zuwandte: “Wer außer euch hört uns? Und ihr werdet nichts erzählen Skom, denn das würde Fragen aufwerfen, deren Antwort EUCH euren Kopf kosten könnte. Und jetzt schlaft, wir haben Morgen einen weiteren langen Fußmarsch vor uns. Ich werde die erste Wache halten.”

Sprachlos beobachtete Fayn, wie der Mann sich in der Nähe des Feuers niederließ, ehe er selbst sich niederlegte und in die dicke Decke kuschelte.

>Er hat uns verteidigt. Zum ersten mal seit Jahren wurden wir nicht angeprangert.<

>>Aber ist General der Kaiserlichen Armee, vielleicht ist dies ein Falle.<<, meldete sich eine kleine Stimme in Fayns Innerem.

>Was sollte er davon haben mir eine Falle zu stellen? Viel wichtiger ist, er hat uns VERTEIDIGT. Heute Nacht sind mir die Gründe dafür egal.”

Die Lippen in ein leichtes Lächeln verzogen entspannte Fayn sich und ließ sich in einen leichten Schlummer fallen.

“Fayn, du musst das tun. Din Faader[3] ist zu schwer verletzt, und du bist der Erbe. Niemandem außer dir wird das Wasser in dieser Form gehorchen.”

Fassungslos sah Fayns zu, wie Tränen über das Gesicht seiner Mutter liefen während er ihre Worte und deren Bedeutung verdaute .

“Mar Mooter, ik…[4]”

Er musste schlucken.

“Mutter, was du verlangst… ich werde nicht folgen können.”

Ein trauriges Lächeln bildete sich auf dem zarten Gesicht der einzigen Frau die er liebte und die nun Unmögliches von ihm verlangte.

“Nein, das wirst du nicht. Aber für den Erben ist es ein kleiner Preis zu zahlen, wenn er dafür sein gesamtes Volk retten kann.”

Dann richtete sie sich zu ihrer vollen Größe auf, und auf einmal war sie nicht mehr Mutter sondern Frau des Clansführers.

“Kaptein Fayn Erlson en erve oer aartsfader oer keninkryk oer Noarden. Hat es din plichte![5]”

Was blieb ihm anderes übrig als zu nicken und sich seinem Schicksal zu ergeben.

“Jaa, masteresse![6]”

Und ganz plötzlich war sie wieder Mutter und drückte ihn fest an sich.

“Wenn alles vorbei ist, suche den Schmiedegott, Fayn. Suche den Schmiedegott.”

“Wacht auf, hey wacht auf!”

Die Hand auf seiner Schulter bewirkte, was Jahre der Flucht ihm eingetrichtert hatten. Er sprang auf und lief los während ihm die Worte seiner Mutter in den Ohren hallten: SuchedenSchmiedegottSuchedenSchmiedegottSuchedenSchmiedegott.

Weit kam er allerdings nicht, denn plötzlich traf ihn von hinten etwas Hartes, warf ihn nieder und presste sich dann schwer auf seinen Rücken.

In seiner Panik dauerte es einige Sekunden, ehe er bemerkte dass das Etwas Liir Bionde war.

“Immer mit der Ruhe, Freund. Tief ein und aus atmen. Ein…und Aus.”

Während Fayn der Anweisung Folge leistete, registrierte er gleichzeitig dass Liirs Atem das Tuch nahe seinem Ohr feucht werden ließ, was einen Schauer über seinen Rücken jagte.

>Oh Götter, was passiert mit mir?<

“Ich wollte euch lediglich zu eurer Wachzeit wecken. Es war nicht meine Absicht euch zu erschrecken.”

Während sich Fayns Atem langsam wieder beruhigte, versuchte er gleichzeitig das schwere Gewicht des Anderen auf seinem Rücken zu vergessen was nicht gerade einfach war, vorallem weil es sich so gut anfühlte.

“Macht euch nichts draus. Es war nicht eure Schuld.”

“Nein, war es nicht. Aber ganz offensichtlich die eines Anderen.”

Die Stille, die diesmal folgte war alles andere als unangenehem und Fayn fragte sich, ob Liir vielleicht eingeschlafen war.

“General Liir? Seid ihr noch wach?”

Ein kleines Lachen tönte an an seinem Ohr, und der Mann erhob sich.

“Nicht mehr lange. Deshalb werde ich mich jetzt auch schlafen legen, und ihr dürft Wache halten. Weckt mich, falls etwas sein sollte.”

Beide Männer begaben sich wieder zurück zum Feuer, doch diesmal waren ihre Positionen vertauscht.

Und während Liir Bionde mit sanften, gleichmäßigen Atemzügen ins Reich der Träume glitt konnte Fayn nicht umhin, den Schein des Feuers auf seinem Gesicht und seinen Haaren zu bewundern.

>Liuw[7]. Wie sehr du einem ähnelst.<

Diese verträumten Gedanken abschüttelnd, wandte Fayn seine Aufmerksamkeit den gerade passierten Ereignissen zu.

>Ich habe schon ewig nicht mehr von Mutter geträumt. Es muss daran liegen, dass ich endlich am Ende meiner Suche bin. Aber was war mit Liirs Verhalten? Vor wenigen Stunden hat er noch erklärt er könne mich nicht ausstehen, und jetzt war auf einmal nichts davon zu bemerken. Ich verstehe ihn nicht. Warum dieser plötzliche Sinneswandel? Und überhaupt, wie kann er die Debuai verteidigen wenn er doch der kaiserlichen Armee angehört?<

Fayns Gedanken liefen bis zum Sonnenaufgang weiter im Kreis und als er Liir schließlich weckte und die beiden ihre Sachen zusammenpackten, hatte er immer noch keine Antworten auf seine Fragen gefunden

General Liir Bionde war und blieb auch weiterhin ein Rätsel. Eigenartig, wo er doch ein Mann war der sie selbst nicht ausstehen konnte

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Die Sonne war dabei unterzugehen, als Fayn plötzlich begann sich schwindlig zu fühlen.

Sie hatten heute eine riesige Strecke zurückgelegt und sogar hin und wieder miteinander geredet. Ein großer Unterschied zu gestern, auch wenn es nur unwichtige Bemerkungen gewesen waren.

Zuerst wollte Fayn das Schwindelgefühl auf die Hitze und sein schwarzes Gewand schieben, dann alleridngs bekam er eine dunkle Ahnung.

“Skom, ich muß euch etwas zeigen. Nicht viele wissen davon. Ich bin extra einen Umweg gegangen.”

>Umweg? Was für ein Umweg? Und wohin?<

Von seinem Erstarren scheinbar ungeduldig geworden packte Liir Fayn bei der Hand und zerrte ihn eine weitere Düne hoch.

Oben angekommen erblickte er mit schreckgeweiteten Augen einen riesigen Wüstensee.

Im gleichen Augenblick begann die Stimme des Wassers in seinen Verstand zu dringen.

Debuai, Wasserbeherrscher, KÖNIG. ZurückgekommenZurückgekommenZurückgekommen.

Es war zuviel auf einmal. Nachdem Fayn sich seit dem Untergang seiner Rasse aus Angst vor Entdeckung von jedweder größeren Wassermenge ferngehalten hatte, konnte er sich jetzt nur noch der Schwärze die von seine Augen trat, ergeben.

Liirs Worte waren das Letzte was er wahrnahm, ehe er zu Boden sank.

“Ja, genau das habe ich mir gedacht.”

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Das erste was Fany wahrnahm als er wieder zu sich kam war, dass er nasse Füße hatte. Das zweite, dass die Wasserstimmen in seinem Kopf zu einem sanften Plätschern abgeklungen waren.

“Tut mir leid wegen der nassen Füße, aber das Wasser hat einfach nicht locker gelassen. Er ist auf unserer Seite immer weiter gestiegen bis es euch berührt hat. Da habe ich dann schließlich einfach nachgegeben und euch zum Ufer hinunter getragen.”

Immer noch benommen richtete Fayn sich langsam auf und bemerkte geistesabwesend, dass sein Kopf in Liirs Schoß gebettet gewesen war.

Dann erkannte er etwas weiteres.

Er trug die Burka nicht mehr, sondern lediglich seine dünne Hose und eine noch dünnere Weste.

>Götter, ich bin verloren!<

Schwach, aber willens um sein Leben zu kämpfen versuchte Fayn auf die Beine zu kommen, hatte aber keine Chance weil Liir ihn am Unterarm packte und ihn zurück in seine Arme zog.

Der Debuai versuchte sich herauszuwinden, und began wild mit Armen und Beinen um sich zu schlagen, hatte aber keine Chance.

“Schhh, beruhigt euch. Das Wasser beginnt Wellen zu werfen. Ich will euch nichts böses. Wollte ich euch tot sehen, wärt ihr es schon.”

Dem konnte Fayn nichts entgegensetzen.

“Und weshalb bin ich es dann noch nicht? Oder wollt ihr mich zum Kaiser persönlich bringen. ‘General Liir Bionde, der Bezwinger des letzten Debuai’. Ist es dass was ihr wollt?”

Erschöpft und geschlagen ließ Fayn den Kopf zur Seite sinken, während er versuchte Tränen der Frustration hinunterzuschlucken.

So nah. Er war der Schmiedestadt so nahe gewesen…

Plötzlich senkte sich ein Mund zu seinem Ohr hinunter und eine rauhe Stimme begann in sein Ohr zu flüstern.

“Vor etwas über hundert Jahren, kurz bevor die Debuai fielen, lebten meine Familie und ich in Sölris, einer Hafenstadt im nördlichen Königreich. Wir gehörten der Seefahrergilde an. Eine der wenigen Familien, die nicht Debuai waren.”

Fayns stockte der Atem, während er anfing gebandt zu lauschen.

“Ich war damals nur ein kleiner Junge, aber ich erinnere mich noch, als mein Vater der so selten zu Hause war, mich eines Tages mit auf das Schiff nahm auf dem er als zweiter Offizier diente.

Und an diesem Tag sah ich zum erstenmal seinen Kapitän.

Riesengroß wie ein Berg schien er mir gleichermaßen schlank und biegsam wie eine Weide. Er hatte blaugrüne Haut und glänzende schware Augen. Und dann erst die Haare. Hüftlang glichen sie einem wunderschönen Wasserfall aus Mondlicht.”

Einen Moment verstummte Liir, ehe er noch leiser fortfuhr: “Eure Haare sind gewachsen, Kapitän Fayn Erlson, aber ihr seit immer noch so wunderschön wie in meiner Erinnerung.”

Und ihn diesem Moment, obwohl Fayn eigentlich keinen Grund dazu hatte, begann er hemmungslos zu schluchzen.

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”Wie lange hast du es gewusst?”

Fayn stellte die Frage, ohne zu Liir zu blicken. Statt dessen beschäftigte er sich damit, mit dem Finger Figuren in den Sand zu zeichnen.

“Seit gestern Nacht!”, antwortete Liir.

“Du hast im Traum geredet, und zwar auf debuanisch. Niemand spricht die Sprache heute mehr, und selbst wenn: Nur die Debuai vermögen es, debuanisch wie einen plätschernden Bach klingen zu lassen. Also habe ich beschlossen, dich zu dieser Oase zu bringen. Hätte ich recht, perfekt. Und wenn ich falsch gelegen wäre, hätte es auch nichts gemacht.”

Beide waren dazu übergegangen sich zu dutzen.

Verunsichert schielte Fayn durch dicke Wimpern zu Liir.

“Aber ich verstehe nicht. Wie kannst du dann ein General der kaiserlichen Armee sein? Wenn du so dagegen bist, was sie getan hat.”

Liir ließ sich zurücksinken und blickte in den mittlerweile vom Vollmond erhellten Nachthimmel.

“Als die Debuai vernichtet wurden ging das Gerücht um, dass der Sohn des Patriarchen überlebt hätte, und sich verbergen würde. Und während ich älter wurde, kam das Gerücht immer wieder auf. Aber nie wurde verlautet, dass er gefasst worden war. Also beschloss ich, der Armee beizutreten. In einer hochrangigen Position hätte ich die besten Chancen etwas zu erfahren, sollte etwas passieren.

Und schließlich habe ich rechtbehalten. Glisé war mir noch etwas schuldig und wusste von meinem Interesse an den Debuai. Als er von dir das Amulett erhalten hat, hat er mich sofort kontaktiert. Dass ich allerings gerade in Terim war, war nichts als Glück. Oder Schicksal, wie man es sieht.”

Liir lächelte Fayn an.

“Und was passiert jetzt, Liir?”

“Nun ja, ich werde dich nach Mjölnis führen, wie abgemacht. Und ich werde bei dir bleiben, bis du erledigt hast, weswegen du dort hinwillst. Bei all den Magiern die dort arbeiten – von den Soldaten ganz abgesehen- brauchst du jede Hilfe die du kriegen kannst.”

“Aber…”

“Nichts aber. Sag Fayn, möchtest du nicht ins Wasser gehen? Ich könnte mir vorstellen, es ist eine Ewigkeit her, seit du das ohne Angst tun konntest.”

Verlangend blickte Fayn auf das glitzernde Wasser hinunter, dass immer noch seine Füße umspielte.

"Ich war nicht mehr schwimmen seitdem wir angegriffen wurden.”

“WAS?”

Liir sah eindeutig schockiert aus.

“Bei allen Göttern, das ist um die Hundert Jahre her!”

Fayns Mundwinkel zogen sich abwärts.

“Ich konnte es einfach nicht riskieren. Du hast erlebt wie dass Wasser zu mir kam. In kleinen Mengen, wie zum Beispiel zum Trinken oder zum Waschen, hat es keine Stimme. Aber ein See, oder das Meer… es hätte mich sofort enttarnt.”

“Na, dann hast du einiges nachzuholen.”

Scheinbar von neuer Energie erfüllt sprang Liir auf, und begann sich auszuziehen.

“Was machst du?”

Schockiert beobachtete der Debuai, wie der General ein Stück gebräunter Haut nach der anderen freilegte.

>Nicht die Hose, nicht die… Nicht hinsehen Fayn, nicht hinsehen.<

“Ich gehe schwimmen. Genau wie du auch. Los, ausziehen Kapitän.”

Unsicher wich Fayn zurück, als der Mann auf ihn zutrat.

“Ich bin mir nicht sicher, ich meine…”

Immer näher kam ihm Liir, bis sie sich fast berührten.

>Soviel kleiner ist er gar nicht. Lediglich ein paar Zentimeter.<

“Wir sind beide Männer, Fayn. Es gibt nicht, was wir nicht schon gesehen haben. Außer, Debuai sind unter der Gürtellinie anders ausgestattet?”

Beinahe panisch trat Fayn einen weiteren Schritt zurück, während er versuchte die Reaktionen seines Körpers zu Liirs Nähe zu unterdrücken.

>Nicht jetzt, bitte nicht jetzt.<

“Natürlich sind wir gleichgebaut. Ich weiß nur nicht ob das Ganze eine gute Idee…”

Fayns heisere Stimme verklang, als Liir ihm die Hände auf die Hüften legte.

“Findest du mich etwa attraktiv, Fayn? Reagierst du auf meine Nähe? Reagiert dein Körper auf meine Nähe?”

Eine Frage nach der anderen, und alle trafen sie ins Ziel.

Wie ein eingekesseltes Tier, die Wangen vor Scham dunkelrot, handelte der Debuai ohne zu überlegen. Er rammte sein Knie in Liirs Weichteile.

Liirs Augen quollen hevor, er krümmte sich zusammen, sein Mund öffnete sich… und ein Schrei ertönte, der die Toten zum Leben erwecken konnte.

“Das wollt ich nicht, ich schwöre, das wollt ich nicht.”

Von sich selbst schockiert sank Fayn neben ihm zu Boden.

“Liir, es tut mir leid, ich schwöre, ich wollte das nicht.”

Durch tränengetrübte Augen sah der Mann zu Fayn auf und brachte ein zittriges Lächeln zusammen.

“Dass du das nicht wolltest…hab ich gemerkt. Du hättest… auch einfach…nein sagen können. Bist schließlich keine Jungfrau…mehr.”

Als Fayn darauf nichts erwiderte, blinzelte Liir, ehe er seufzte: “Oh, verdammt. Das war so klar. Bei dem Glück dass ich in letzer Zeit habe, war es ja gar nicht anders möglich.”

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Das Wasser schwabte Fayn um den Hals während er langsam im Wasser auf und abtrat und gleichzeitig Liir beobachtete, der neben ihm im Wasser trieb.

Es hatte gut eine Stunde gedauert, bis der Mann sich soweit erholt hatte dass er sich wenigstens wieder bewegen konnte.

Innerlich zuckte Fayn immer noch vor seiner Handlung zurück. Er wusste selbst wie weh das tat, schließlich hatte seine Cousine ihm vor vielen Jahren selbst so einen Tritt verpasst. Und es dann selbst zu tun… unendschuldbar.

“Okay, Käpt’n Erlson. Dann erklär mir mal, wie man im Alter von 500 irgendwas immer noch Jungfrau sein kann.”

“586 um genau zu sein. Naja, die letzten 100 Jahre war es kein Thema und davor… Wir Debuai leben fast ewig, Liir. Manche von uns mögen es zwar ungebunden mit anderen zu schlafen, aber das ist nicht die Regel. Normalerweise binden wir uns für ein Leben lang.”

Liir schwamm vor Fayn und began dann ebenfalls Wasser zu treteten.

“Das heißt ihr habt erst in der Ehe Sex?”

“Im Allgemeinen, ja.”

“Muß aber nicht sein, hast du gerade gesagt. Was also spricht dagegen, dass wir beide etwas Spaß haben? Oder liegt es dran, das ich ein Mann bin.”

Wild schüttelte Fayn den Kopf.

“Nein, nein das ist es nicht. Aber Liir, mit dir wäre es nicht nur Sex. Mit dir wäre es für mich…mehr.”, erwiderte er, nur um gleich danach verschämt unterzutauchen.

Lange blieb er allerings nicht unter Wasser, denn eine kräftige Hand packte ihn und zog ihn wieder nach oben.

“Du kannst doch nicht sowas sagen und dann einfach abtauchen. Komm mit!”

Mit diesen Worten begann Liir ans Ufer zu schwimmen.

Als beide Männer schließlich wieder an ihrem Lagefeuer saßen, fuhr er fort: “Du sagst, zwischen uns könnte mehr sein. Es gibt nichts was ich mehr will. Himmel, ich liebe dich seit ich ein kleiner Junge war.”

“Du liebst nicht mich, sondern das Bild dass du von mir hast. Du kennst mich nicht.”

Auf allen Vieren kroch Liir auf Fayn zu und flüsterte: “Das kann ich ändern.”, und legte seine Lippen sanft auf Fayns.

Der Druck seiner Lippen war sanft, der seiner Hände noch sanfter als sie Fayn langsam nach hinten stießen.

Und während Fayn sich den zarten Berührungen der kräftigen Hände ergab konnte er nicht umhin zu denken: >Es ist vielleicht nicht Liebe, aber es ist verdammt nah dran.<

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Obwohl Fayn eigentlich vorgehabt hatte, so schnell wie möglich weiter zureisen gab es zwei Gründe, die dagegensprachen und ihn letztendlich überzeugten.

Der erste war Liir, der darauf bestand den Tag zu nützen um sich besser kennenzulernen. Zitat: “Fayn, wir sind hier an einer romantischen Oase. Welcher Ort könnte besser passen?”

Der zweite, weitaus überzeugendere Grund war der Schmerz in Fayns Hinterteil.

>Memo an mich, ZUVIEL Öl gibt es nicht.<

So fand sich am Nachmittag Liir an einen Stein gelehnt mit Fayn vor sich an seine Brust gekuschelt, wieder.

“Also Fayn, sag mir: Wieso müssen wir nach Mjölnis?”

Einen Moment zögerte Fayn, ehe er sich aufraffte und nach einer passenden Antwort suchte. Liir hatte ihn bis jetzt nicht verraten. Er würde ihm auch weiterhin vertrauen.

“Was ich dir jetzt erzähle Liir, darfst du unter keinen Umständen weitererzählen, verstanden?”

Ernsthaft presste Liir einen Kuß auf Fayns Mundwinkel, ehe er antwortete: “Ich würde nie etwas tun, das dich in Gefahr bringen würde.”

Ein letztes mal holte Fayn tief Luft, dann äußerte er einen Satz, der das gesamte Kaiserreich erschüttern konnte.

“Die Debuai wurden nie ausgerottet Liir. Ja,viele wurden getötet, aber es gibt uns immer noch.”

Für einen Moment herrschte gespannte Stille, dann purzelten die Fragen aus Liir nur so heraus.

“Was? Aber das ist nicht möglich. Die Berichte der Armee, der Untergang des nördlichen Königreiches. Ich habe gesehen wie ihr getötet worden seid. Alle außer dir sind verwunden.”

Aufgeregt und verwirrt drehte Liir Fayn zu sich um und blickte zu ihm auf.

“Fayn, ich verstehe nicht.”

“Mein Vater hatte als Partiarch die größte Macht über das Wasser, wurde aber in einem der Kämpfe die viele von uns das Leben gekostet haben, schwer verwundet. Er war nicht in der Lage zu tun, was getan werden musste. Wie meine Mutter mir gesagt hatte, ‘Hat es din plichte’ ‘Es ist deine Pflicht.’ Als Erbe lag es nun an mir zu tun, was nötig war. Dem Volk zu dienen ist die wichtigste Aufgabe eines Clanführers.”

“Und was war das?”, fragte Liir leise.

“Das nördliche Königreich ist buchstäblich untergegangen, Liir. Ich habe es im Wasser versinken lassen, in dem ich es in eine schützende Wasserhülle gebannt habe. Es liegt jetzt mehrere Meilen unter der Meeresoberfläche.”

Fayn fiel zurück in den Sand, als Liir plötzlich aufsprang.

“Aber wenn das stimmt Fayn, wieso bist du dann hier und nicht dort?”

Sich aufrappelnd wandte Fayn den Kopf zur Seite und blickte wieder aufs Wsser.

“Das Land konnte lediglich von außen versenkt werden. Es musste schließlich so aussehen als würde es wirklich untergehen. Und nachdem ich die Wasserblase darum gebildet hatte, musste sie auch ständig gehalten werden. Ich kann nicht genug Kraft erübrigen, um mir einen Weg nach unten zu bahnen. Meine einzige Chance nach Hause zu kommen ist der heilige Schmied, ein Gott unseres Volkes der in Mjölnis zu finden sein soll. Ob das stimmt weiß ich allerdings nicht. Ich habe allein hundert Jahre gebraucht, nur um seinen Aufenthaltsort heraus zufinden. Ihm muß ich meine Haar opfern, dann wird mir ein Wunsch gewährt.”

“Und dein Wunsch ist es nach Hause zu kommen. Wann hattest du vor mir zu sagen, dass du mich verlassen wirst?”

Liirs Stimme klang tonlos.

“Genau dass ist der Grund wieso ich nicht mit dir schlafen wollte, Liir. Die Zukunft ist zu ungewiß. Wer weiß ob der Schmied mir den Wunsch überhaupt erfüllen wird. Können wir nicht einfach im Hier und Jetzt leben?”

“Etwas anderes wir mir ja wohl nicht übrig belieben,” erwiderte der Mann bitter.

“Liir bitte…”

Abwährend hob der General eine Hand.

“Nicht Fayn. Nicht jetzt. Ich glaube es wird Zeit, dass wir zusammenpacken und uns auf den Weg machen.”

Bedrückt nickte Fayn, und folgte Liirs Beispiel.

Wie hatten ein paar Minuten Konversation etwas so Schönes so schnell zerstören können?

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Unsicher blickte Fayn zu Liir hinüber.

Sie waren vor vier Stunden aufgebrochen, und der Mann hatte ihn die ganze Zeit über stoisch ignoriert und es war kein Ende in Sicht

Nach einer weiteren Stunde wurde es Fayn zu bunt.

Unwirsch packte er Liir an der Schulter und drehte den Mann zu sich um.

“Was willst du, dass ich tue Liir? Ich wandle seit hundert Jahren in einer schwarzen Kutte durch die Gegend, ständig in der Angst, dass mich jemand entdeckt oder sieht. Und jetzt habe ich endlich die Chance nach Hause zu kommen, und du erwartest dass ich das für jemand aufgebe, den ich seit wenigen Tage kenne und der STERBLICH ist? Wenn ich mich entscheiden würde bei dir zu bleiben, dann was? Es wäre eine ewige Versteckspielerei. Mit dir als General, wie oft hättest du Zeit für mich? Hier und da eine Stunde, um schnell mal mit mir zu schlafen? Und wenn ich das akzeptieren würde, wie lange hätten wir,bevor du stirbst und ich wieder alleine wäre? Wir Debuai binden uns für ewig! Bedeute ich dir sowenig, dass du das für mich willst?”

Liir hatte den Anstand beschämt zur Seite zu schauen.

“Fayn, es ist nur… Ich…”

Tief luftholend blickte Liir dem Debaui in die Augen und sprach: “Fayn, bei dem Krieg ist meine gesamte Familie ums Leben gekommen. Ich habe hier niemanden. Und nach gestern… Ich dachte ich hätte endlich meine andere Hälfte gefunden. Und ich denke immer noch dass ich das habe. Aber du must verstehen, wenn du gehst dann werde ich wieder alleine sein.”

Der General stieß ein tonloses Lachen aus.

“Merkwürdig, nicht? Soviele meinesgleichen um mich, und doch alleine.”

Seltsam taub musterte Fayn den Mann, ehe er fragte: “Liir, liebst du mich?”

Das Lachen, das jetzt folgte, war eindeutig verlegen.

“Bei den Göttern Fayn, Was sag ich denn die ganze Zeit? Ich liebe dich seit dem ersten Tag, an dem ich dich sah.”



In diesem Moment kam eine Windbriese und löste das Tuch von Liiers Kopf. Und als das Licht der untergehenden Sonne auf sein Haar strahlte und es golden aufleuchten ließ und seine Züge in etwas überirdisches verwandelte, erkannte Fayn mit plötzlicher Klarheit alles was war und was sein würde.

“Ah, min goudener Liuw![8]”, flüsterte er zärtlich

>Mein goldener Löwe, das sollst du sein.<

Er trat auf Liir zu und hob eine behandschuhte Hand, um die Wange des anderen zu berühren.

“Wenn es irgendwie möglich ist Liir, willst du mit mir gehen?”

Sprachlos blickte Liir zu Fayn auf.

“WAS? Aber… Aber Fayn, ich wäre immer noch sterblich. Das wäre dir gegenüber nicht fair. Du hast doch gerade selbst gesagt…”

Der Debuai schüttelte den Kopf.

“Vergiß, was ich gesagt habe. Sag einfach, dass du mit mir kommen wirst. Wir werden in meinen Hallen den Bund eingehen und du wirst an meiner Seite sein.”

“Und was dann. Was wenn ich sterbe. Als Debeuai wirst du keinen weiteren Bund eingehen können. Du wirst den Rest deines unsterblichen Lebens an mich gebunden bleiben. Willst du das wirklich? Du liebst mich noch nicht mal.”

Einen Moment verbrauchte Fayn dafür zu reflektieren, dass es ziemlich komsich war, dass der Mann, der ihn gestern so aggressiv genommen hatte, heute so unsicher war.

“Jetzt vielleicht noch nicht aber glaub mir, ich weiß was sein wird Liir.”

Langsam streckte Liir die Hände aus, und schob den Stoff der schwarzen Burka solange zurück, bis Fayns Gesicht frei lag.

Eigenartig, dass diese kleine Geste Fayn das Gefühl gab, eine Braut zu sein.

“Und was wird sein Fayn? Was siehst du für uns beide?”

Der General schien keine Antwort zu erwarten, denn er zog Fayns Kopf zu sich hinunter und küsste ihn, bis erst der Drang nach Luft die beiden wieder trennte.

“Ich sehe meine silberne Halle Noardenhaar[9] und in ihr hunderte Debuai die sich vor einem goldenen Löwen verbeugen. Und ich werde derjenige sein, der sich am tiefsten verbeugt. Denn so wie ich über das Volk herrschen werde, so wird der goldene Löwe mein Herz regieren und sich somit uns alle Untertan machen.”

Es war gut, dass sie vor ihrem Gespräch fünf Stunden gewandert waren, denn nach Fayns Erklärung war an laufen nicht mehr zu denken.

Statt dessen verwendete Liir seine gesamte Energie darauf Fayn zu zeigen, was er ihm bedeutete.

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“Dort unten ist es!”, murmelte Liir Fayn zu.

Die beiden standen auf einer Anhöhe, versteckt hinter mehreren verdorten Bäumen und blickten durch Liirs Fernglas hinunter zu der Ebene, auf der die verbotene Stadt Mjölnis erbaut worden war.

”Dafür, dass sie verboten ist, ist dort unten aber ganz schön viel los.”, murmelte Fayn zurück.

Und in der Tat. Überall standen Zelte herum, und Menschen in Kutten eilten hin und her – die kaiserlichen Magier wie Fayn wusste- während Soldaten der Armee vereinzelt postiert waren um eventuelle Eindringlinge aufzuhalten.

“Sag mal Fayn, weißt du eigentlich wo wir hinmüssen?”

“Nun ja, ich war noch nie in Mjölnis. In den Schriftrollen die ich gefunden habe stand lediglich, dass ich in die unteren Hallen Mjölnis und dort den Altar aus Onyx suchen muß. Dort rufe ich dann den Schmiedegott an und opfere ihm meine Haare, woraufhin er mir einen Wunsch erfüllt.”

Fassungslos musterte Liir den Debuai, ehe es aus ihm herausplatze: “Das ist ein Scherz, oder? Fayn, da unten befinden sich über hundert Magier, die uns mit allen erdenklichen Zaubersprüchen bewerfen werden wenn sie uns entdecken, von den Soldaten ganz zu schweigen, und du weißt noch nicht mal wo wir HIN MÜSSEN?”

“Na entschuldige bitte, dass ich mich hier nicht auskenne. Ich sehe nicht, dass du mehr weißt.”

“Wessen Gott suchen wir denn? Deinen oder meinen?”

Fayn setzte zu einer bissigen Erwiderung an, verkniff sie sich aber um sich auf das eigentliche Problem zu besinnen.

“Lass uns das Ganze logisch angehen. Warum sind die königlichen Magier hier, Liir?”

Der General überlegte.

“Ich kann es dir nicht genau sagen, weil ich hier nur kurze Zeit als Soldat gedient habe. Nach meiner Beförderung wurde ich versetzt. Aber wenn ich mich richtig erinnere hieß es, dass es hier Zeichnungen der Wasserdrachen gibt die während des großen Krieges auf Seiten der Debuai gekämpft haben.

Man versucht immer noch herauszufinden woher sie aufeinmal kamen und ob man sie nicht auf Seiten des Kaisers bringen könnte.”

“Darauf können die Menschen lange warten.”

Auf Liirs fragenden Blick hin winkte Fayn nur ab und meinte: “Das heißt also, sie haben von dem Altar keine Ahnung?”

Der Mann zuckte mit den Schultern.

“Nehme ich an, aber wie gesagt, es ist Jahre her, dass ich hier war. Vieles kann sich geändert haben. Aber selbst wenn sie vom Altar wissen, unser Problem bleibt dass WIR nicht wissen wo er ist.”

Fayn wollte etwas erwidern, aber in diesem Moment kam ein Windstoß von Mjölnis zu ihnen herauf und trug den Ruf eines Magiers mit sich.

“Bringt die Fackeln in die untere Kammer. Wir wollen uns diesen Altar genauer ansehen!”

Ungläubig blickten sich die beiden Männer an.

“Das ist ein Scherz, oder?”, fragte Fayn schließlich.

“Naja, geheuer ist es mir nicht.”, erwiderte Liir.

“Das muss eine Falle sein.”

“Fayn, bei dem Pech das dein Volk hatte, würde ich sagen wir akzeptieren es einfach als unverschämtes Glück.”

Das gesagt, blickte Liir wieder durch sein Fernsglas und notierte sich in Gedanken das Gebäude, in welches gerade die verlangten Fackeln getragen wurden.

“So, jetzt wissen wir wo es ist, aber wie kommen wir rein?”, wollte Fayn wissen.

Ein angsteinflössendes Grinsen zog über Liirs Grinsen.

“Du vergisst wer ich bin, Leafje[10].”

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Von seinem Posten zwei Schritte hinter Liir, hatte Fayn einen ziemlich guten Blick auf die zwanzig Soldaten, die das Paar innerhalb von wenigen Sekunden umringten.

“Halt, im Namen des Kaisers. Dieser Ort ist für Zivilisten verboten. Dreht um oder rechnet mit den Konsequenzen!”

Als Liir die Soldaten angrinste, konnte Fayn nicht umhin zu denken, dass ein Hai nichts gegen seinen Geliebten war.

“Ah, ich weiß pflichtbewusste Soldaten zu schätzen.”

Das Grinsen verschwand schlagartig, als sich die Augen des Mannes verengten.

“Aber ich kann Idioten nicht ausstehen. Ihr werdet Respekt zeigen vor einem Heerführer des Kaisers.”

Mit diesen Worten ließ der General die Wüstenkleidung von seinen Schultern gleiten, was seine rot-schwarze Uniform zum Vorschein brachte.

Während die Soldaten noch sprachlos und mit offenen Mündern auf seine Abzeichen starrten, bahnte sich von weiter hinten ein älterer Mann in einer Magierkutte einen Weg durch die Menge und scheuchte die Soldaten von dannen.

“General Bionde, welch eine Ehre. Aber was führt euch zu uns?”

Ein kleines Lächeln zog über Liirs Gesicht, als er den alten Mann kurz umarmte.

“Ah, Meister Fernsul. Eine Freude euch wiederzusehen. Und was den Grund meines hierseins betrifft, nun, der wäre meine Hochzeitsreise.”

Das stahl dem alten Mann erst einmal den Atem, ehe er in ein breites Lächeln ausbrach.

“Hochzeitsreise, General?”

Liir nickte.

“Erlaubt mir, euch meine Gattin vorzustellen. Emra Bionde.”

Mit diesen Worten griff Liir zurück, nahm Fayns Hand in seine und presste einen kurzen Kuß auf das schwarze Leder des Handschuhs, ehe er den Debuai nah an seine Seite zog.

Der Magier mussterte Fayn vom oben bis unten, ehe er sich lächelnd verbeugte während Fayn in einen Knicks versank.

“Ah, eine Frau des südlichen Wüstenvolkes. Wenn auch eine außergewöhnliche Größe für diese Stämme. Es ist mir eine Ehre, Herrin!”

“Ihr müsst sie entschuldigen, aber sie ist äußerst schüchtern. Ihr wisst, die Frauen dieser Stämme werden seit Jahrhunderten unterdrückt. Im Moment arbeiten wir gerade daran, sie aus dieser unmöglichen Burka herauszubekommen.”

Der Magier lachte und wandte Liir wieder seine ganze Aufmerksamkeit zu.

“Und nun macht ihr eure Hochzeitsreise mitten in der Wüste, General? Man möchte meinen, ihr möchtet eure Frau verwöhnen.”

“Oh, aber das tue ich. Aber wir haben beschlossen, durch die Wüste zu reisen, und uns mehrere Orte anzusehen. Und als wir hier vorbeikamen, dachte ich: ‘Mal sehen ob wir für heute Nacht vielleicht ein Bett bekommen können.’”

Lächelnd nickte der alte Mann, und bedeutete den beiden ihm zu folgen.

“Ich denke, ein Bett können wir arrangieren, General. Und weil ihre es seid, bestimmt auch etwas zu essen.”

Liir lachte.

“Das wäre in der Tat sehr willkommen.”

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Es war mitten in der Nacht, als Liir und seine ‘Frau’ endlich allein gelassen wurden. Davor hatten sich Gratulanten die Klinke in die Hand gegeben.

Erschöpft sank Fayn aufs Bett.

“Himmel Liir, ich hatte keine Ahnung dass du bei den Soldaten und Magiern so bekannt und beliebt bist.”

Ein selbstzufriedenes Lächeln zog über das Geischt des Generals.

“Tja, wer mich kennt, der schätzt mich. So, ich denke noch eine Stunde, dann können wir versuchen die Halle zu betreten.”

Fayn seufzte.

“Ich hoffe nur, dass alles gut geht. Bei dem Haufen Magier der sich hier befindet…”

Liir lächelte.

“Ach, weißt du, in meiner Familie hieß es immer: ‘Tu es, oder stirb dabei es zu versuchen.’ Wenigstens muß ich mich nicht schämen, wenn ich den Göttern in der Großen Halle gegenübertreten muß. Immer angenommen, die Götterbotinnen zeichnen mich, wenn ich falle.”

Fayn blickte ihn ernst an.

“Ich kann dir nicht versprechen dass wir es schaffen, Liuw. Aber ich kann dir versprechen, keine Götterbotin wird dich zeichnen. Du gehörst zu mir. Unseren letzten Gang werden lediglich die Drachen geleiten.”

Verwirrt blinzelte Liir.

“Was meinst du?”

Fayn winkte ab.

“Denk nicht drüber nach. So die Götter wollen, werden wir diese Diskussion nicht haben.”

Liir schluckte.

“Aber Fayn, wenn nicht heute, dann später. Im Gegensatz zu den Debuai bin ich immer noch sterblich.”

Fayn grinste verwegen.

“Ah, ja. Darüber wollte ich sowieso noch mit dir sprechen. Ich habe nämlich einen Plan.”

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“Ich kann mir nicht helfen, aber irgendwie geht mir das alles zu einfach.”

Unsicher blickte Fayn nach links und rechts, während er und Liir die Treppe hinunter zum Altar gingen.

Liir konnte nur nickend zustimmen.

Es war aber auch eigenartig.

Als er und der Debuai sich aus ihrem Zimmer geschlichen hatten, waren sie an schlafenden Wachen vorbeigekommen. Und auf ihrem Weg durch die halbe Stadt war ihnen kein einziges mal jemand über den Weg gelaufen. Keine Wache, kein Magier, nichts.

“Vielleicht haben wir immer noch Glück?”, fragte er zaghaft.

Vernichtend blickte Fayn zu dem Mann zurück.

“Bitte, mach dich nicht lächerlich. Glück sind richtige Würfelzahlen. Dass hier ist schon beinahe lächerlich.”

Liir lachte leise.

“Mag schon sein, aber weißt du was meine Vater immer gesagt hat? ‘Einem geschenktem Gaul, schaut man nicht ins Maul’.”

“Das ist schon richtig. Trotzdem fühle ich mich, als würde eine Axt über mir schweben.”

Liir wollte etwas erwidern, schluckte es aber hinunter als er sah dass sie angekommen waren.

Die beiden Männer standen am Eingang zu einer großen Halle aus grauem Stein, deren Wände mit Zeichnungen von Drachen verziert waren. Einziger Gegenstand war ein riesiger Altar aus glattgeschliffenem Onyx.

“Das ist es?”, fragte Liir flüsternd.

Es war eigenartig wie eine leere Halle ein Gefühl von Ehrfurcht vermitteln konnte.

Fayn nickte.

“Na dann, Fayn, auf geht’s, bevor unser Glück zu Ende geht..”

“Keine Sorge, dass ist mehr als unwahrscheinlich.”

Erschrocken fuhren beide Männer zusammen und blickten dann erstarrt zu dem Altar, hinter dem auf einmal ein schwarzhäutiger, kräftiggebauter Mann stand, dessen Haare in allen möglichen Metallfarben leuchteten.

Ehrfüchrtig starrte Fayn auf den Fremden, ehe er zu Boden sank und mit der Stirn den Boden berührte.

“Fayn? Fayn, was ist los? Wer ist das?”

“Still. Das ist Izer[11], der Schmiedegott!”

Unsicher, ob er auch zu Boden sinken sollte, blickte Liir zu dem Gott, welcher jedoch nur abwinkte.

“Oh bitte, sparen wir uns das alles. Wenn wir zur Opferung vorranschreiten könnten? Wir,” an der Stelle erschienen neben ihm unzählige andere Gestalten – Männer und Frauen- in unterschiedlichsten Haut- und Haarfarben, “warten nämlich seit einem Jahrhundert darauf, dass der Erbe sich endlich hier einfindet.”

Selbst ein Idiot hätte von Fayns Reaktion auf das Erscheinen der anderen Gestalten erkannt, dass auch sie Götter waren. Langsam jedoch fasste der Debuai sich und trat mit Liir an seiner Seite vor den Altar.

“Ich verstehe nicht, Izer.”

Der Gott seufzte auf.

“Junge, biiiitte. Du und dein ‘Freund’”, an der Stelle wackelte er mit beiden Augenbrauen, “hattet heute nur soviel Glück weil eine Unzahl an Göttern und Göttinen euch geholfen hat. Und sie haben euch nur geholfen, damit du heute endlich deine Opferung machen kannst und wir hier endlich abhauen und uns ebenfalls ins gesunkene Königreich begegebn können.”

Fayn blinzelte.

“Ihr habt auf mich gewartet? Aber wieso?”

Izer schmiß die Hände in die Luft.

“Wieso? Wegen dir. Du bist der letzte Debuai auf dieser Welt. Solange auch nur ein Debuai hier verweilt sind wir an diese Welt gebunden.”

“Und wenn ich gehe, geht ihr auch? Aber was ist dann mit den anderen Leuten hier? Sind sie dann Götterlos?”

Izer beugte sich über den Altar, stütze sich mit kräftige Armen auf der Onyxoberfläche ab, und blickte dem Debuai ernst in die Augen.

“Fayn Erlson, wir sind Götter. Aber wir sind nicht die Götter der Menschen.”

Geistesabwesend bemerkte Liir, dass Altar und Haut die gleiche Farbe hatten, während er versuchte den Gedanken zu verarbeiten, dass es wohl mehr Götter gab als sich irgendjemand vorstellen konnte.

“Und wenn wir dann jetzt endlich die Opferung vornehmen könnten…”

Der Ton des Schmiedegottes war eindeutig ungeduldig, ebenso wie die Mienen der restlichen Götter.

“Äh, ja. Sicher.”

Etwas verlegen schälte Fayn sich aus der Burka, zog ein Messer aus dem Stiefel und schnitt sich mit einem Ruck den wadenlangen silbernen Zopf im Nacken ab.

Es war ein eigenartiges Gefühl. ‘Leicht’, war das erste Wort welches Fayn in den Sinn kam. Dann kam Trauer. Haare, die seit Jahrhunderten wuchsen und die der ganze Stolze eines Debuai waren und nie geschnitten worden waren, hingen auf einmal schwer in seiner Hand.

Ein Zopf gleich silbernem Mondlicht, in dem mehr Erinnerungen steckten als in irgendetwas anderem.

Liirs Hand auf seiner Schulter riß Fayn aus seinen trüben Gedanken.

“Ah, Leafje. Sie werden wieder wachsen.”

Einen plötzlichen Kloß runterschluckend, nickte Fayn, und legte den dicken Zopf auf den Altar nieder, ehe er an Izer gewandt bekannte: “Ich weiß nicht, was ich tun soll.”

Der Gott lächelte mild und meinte: “Nicht wichtig. Ich habe noch nie Wert auf Zeremoniell gelegt. Sag mir einfach, was du für den Zopf willst.”

“Ich will… Ich will etwas, dass an meiner statt die Luftblase unter Wasser aufrecht erhällt.”

Überlegend tippte der schwarzhäutige Gott sich mit dem Finger gegen die Lippen.

“Hm, lass mich überlegen. Wir könnten deine Kraft versiegeln, aber dann hättest du das gleiche Problem wie jetzt, sprich dir würde nichts übrig bleiben. Andererseits… Loft[12]!”

Eine beinahe durchsichtige Göttin trat neben Izer.

“Ja?”

“Wäre er möglich die Blase permanent zu machen?”

Die Göttin runzelte die Stirn.

“Ich könnte die Luft am Rand der Blase ‘stabiler` werden lassen, aber zur Vorsicht sollten Iis[13] und Wetter[14] zusammenarbeiten und dass Wasser neben der Blase etwas erhärten.”

Fragend blickte sie zu zwei eisblau- und dunkelblauhäutigen Göttern, die daraufhin zustimmend nickten.

“Und, es wäre eventuell geschickt, wenn du ein hauchdünnens Metallgitter dazwischen einziehen würdest, sozusagen als Stütze. Das ganze würde dann eine solide Mauer ergeben.”

Izer nickte.

“Perfekt, so werden wir es machen. Also dann, damit wäre ja alles geklärt und wir…”

“Ähem!”

Irritiert blickte der Schmiedegott zu Liir.

“Was?!”

Hüstelnd zog Liir eine silberne Haarsträhne aus dem Ärmel.

“Ich hätte auch noch was zu opfern.”

“Das ist ein Scherz, oder? Du bist kein Debuai.”

Liir grinste.

“Nein, bin ich nicht, aber ich habe die Haare.”

Entrüstet blickte Izer zu Fayn.

“Ihr schummelt!”

Ein verlegenes Lächeln war seine einzige Antwort.

“Ach verdammt, okay. Also, lass mich raten. Ich bekomme die Haarsträhne und du willst Unsterblichkeit.”

Verblüfft blickten Fayn und Liir sich an, ehe beide den Gott anstarrten. Dieser zuckte lediglich mit den Schultern.

“Ich bin nicht blind. Ihr beide seid verliebt. Da war es wohl klar dass ihr beide gleichlang leben wollt, oder?”

Er nahm Liir die Haarsträhne ab und flüsterte ihm ins Ohr: “Ich hätte dich auch so unsterblich gemacht. Wenn man verliebt ist will man alle anderen schließlich auch glücklich sehen.”

Er deutete mit dem Kinn auf einen riesigen feuerroten Gott, der lässig an der Wand gelehnt stand.

Und laut: “So, während ich und die restlichen Anwesenden sich um eure Wünsche kümmern, wird Flean[15] – meine Schwester- euch zum Meer bringen, damit die Geschichte endlich zu einem Ende kommt, und wir endlich alle nachhause können. Brân[16] und ich warten seit einem Jahrhundert auf ein Bett.”

Vereinzelt ertönte Gekicher und der feuerrote Gott stieß sich von der Wand ab um Izer einen Kuß auf den Mund zu drücken.

Eine braunhäutige Göttin trat neben Fayn und Liir.

“Ich bin Flean. Das hier wird noch länger dauern, also machen wir uns am besten auf den Weg.”

Bevor Fayn und Liir etwas erwidern konnten war es, als würden sie von einem Wirbelsturm gepackt. Verzweifelt klammerten sich die beiden Männer aneinander und kniffen die Augen zusammen. Als es wieder ruhig wurde und auch das letzte Lüftchen sich gelegt hatte, drang auf einmal das Geräusch brechender Wellen an ihr Ohr.

Unsicher öffnete Fayn erst ein Auge und dann das andere, nur um zu entdecken dass Liir und er alleine auf einer Klippe hoch über dem Meeresspiegel standen.

Unsicher neigte Liir den Kopf zu Seite.

“Meinst du, unsere Wünsche wurden erfüllt?”

Fayn nickte.

“Ja, ich bin mir sich!”

Dann trat er an Liir heran und küsste ihn sacht.

“Jetzt kommt der letzte Teil, Liuw. Wenn das getan ist, werden wir uns in mein Zimmer einsperren und wochenlang nicht herauskommen. Also, bereit?”

Er hielt Liir die ausgestreckte Hand entgegen.

“Bereit!”

Zwei Hände trafen sich.

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Langsam trat Fayn an den Rand der Klippe, konzentrierte sich und beobachtete wie sich eine Treppe aus Wasser bildete, die nach unten führte.

Plötzlich begann das Wasser an den Rändern der Treppe zu tosen.

Liir legte Fayn in einer beschützerischen Geste die Hand auf die Schulter und schrie über das Rauschen hinweg: „Fayn, was geschieht?“

„Was du jetzt sehen wirst Liir, ist das größte Geheimnis meines Volkes.“

Unsicher blickte Liir seinen Geliebten an, ehe er sich wieder dem Meer zuwandte.

Dann geschah etwas, das er nie wieder vergessen sollte.

Aus dem weißen Meerschaum erhoben sich links und rechts der Treppe riesige Drachenköpfe immer weiter in die Höhe, bis die Hälse einige Meter herausragte. Es waren Hunderte.

Und jeder einzelne neigte sein Haupt als Fayn begann, mit Liir an seiner Seite die Treppe hinab zuschreiten.

Stolz zog über das Gesicht des Debuai.

„Fayn, was…? Ich verstehe nicht?“

Seine Finger mit Liirs verschränkend, antwortete Fayn: „Sie erweisen mir die Ehre eines Patriarchen.“

„Aber wieso?“

„Liir, wir Debuai sind die Wasserbeherrscher. Aber nicht, weil wir uns das Wasser untertan machen. Wir sind ein Teil davon. Stirbt unser Körper, kehren wir in unsere ursprünglich Gestalt zurück.“

Liirs ungläubiger Blick schweifte zu den Drachen.

„Fayn?“

Fayn nickte.

„Aber Fayn, wie konntet ihr dann so vernichtend geschlagen werden?“

„Wir waren damals zu wenige Liir. Und vielleicht sind wir das immer noch.“

Ein harter Zug legte sich um Fayn Mund.

„Aber das wird sich ändern. Wir werden unsere Zeit abwarten, denn sie ist auf unserer Seite. Und wir werden uns erheben und herrschen.“

Das Paar war an der Wasserwand angekommen, die das Königreich umschloss. Verschwommen konnte man grüne Wiesen erkennen und Sonnenschein.

Die Härte war aus Fayn Gesicht verschwunden, statt dessen zeigte es nun Unsicherheit.

„Liir, die Ewigkeit kann eine lange Zeit sein. Bist du dir sicher…“

Lächelnd legte der Mann ihm einen Finger auf die Lippen: „Fayn, dass hier,“ er legte Fayns Hand über sein Herz, „gehört nicht mehr mir, und doch brauche ich es zum Atmen. Wie kann ich dir nicht folgen? Noch dazu, wo auch ich auf dem nördlichen Königreich zur Welt gekommen bin. Also vergiss deine Zweifel, und lass uns endlich nach Hause gehen. Vielleicht kommen wir dann endlich mal zu einem Bett.“

Einen Moment musterte Fayn ihn sprachlos, ehe er sich lachend an Liirs Hals warf, was dazu führte, dass beide nach hinten durch die Wasserwand taumelten, in der sich für kurze Zeit ein Loch gebildet hatte.

Die Drachen hoben ihre Köpfe und stießen ein mächtiges Gebrüll aus, ehe sie samt der Treppe in den Fluten verschwanden. Der Erbe war endlich heimgekehrt.



~Ein~[17]

 



[1] min Jung - mein Junge

[2] Skom - Gischt

[3] Din Faader - Dein Vater

[5] Mar Mooter, ik… - Aber Mutter, ich...

[6] Kaptein Fayn Erlson en erve oer aartsfader oer keninkryk oer Noarden. Hat es din plichte! - Fayn Erlson, Kapitän der nordischen Flotte und Erbe des Patriarchats des Königreichs des Nordens. Es ist deine Pflicht!

[6] Jaa, masteresse! - Ja, Herrin!

[7] Liuw - Löwe

[8] min goudener Liuw - mein goldener Löwe

[9] Noardenhaar - Nordhalle

[10] Leafje - Liebe/Geliebter

[11] Izer - Eisen

[12] Loft - Luft

[13] Iis - Eis

[14] Wetter - Wasser

[15] Flean - Flug

[16] Brân - Feuer

[17] Ein - Ende