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Splish Splash Teil 1 bis 5

Kapitel 1

„Was soll das heißen, du hast keine Ahnung?“

Vanya zuckte mit den Schultern. Er war sich keiner Schuld bewusst.

„Das ist jetzt schon der zweite Brief in zwei Monaten!!!! Bei Poseidon, streng dich doch endlich mal an! Du bist der Erbe des Atar -Klans! Zeig etwas mehr Ehrgeiz!“

Dieser blöde Brief! Sein Klassenvorstand hatte doch tatsächlich seinem Vater geschrieben, dass Vanya im Unterricht nie aufpasse! Dabei stimmte das gar nicht, Vanya langweilte sich nur total. Er hatte schon mit 5 Privatunterricht bekommen und nun sollte er alles noch einmal lernen! Da würde jedem langweilig werden!

Vanya unterdrückte ein Gähnen.

„…redet immerzu mit seinem Nachbarn, wirft mit Muscheln im Klassenzimmer herum…’“

Vanya hörte nur mit einem Ohr zu, als sein Vater aus dem Schreiben vorlas. Der Inhalt war nicht neu für ihn, schließlich hatte er schon vor 5 Wochen einen solchen Brief bekommen. Vanya beschlich das Gefühl, dass sein Lehrer ihn nicht besonders mochte. Am Anfang hatte jeder Vorurteile gegen ihn, da er wegen seiner roten Haare sich so sehr vom übrigen Meeresvolk abhob, dass er ständig Blicke auf sich zog. Vanya hingegen liebte sein Haar, es war von so lebhafter Farbe, dass er es nie schneiden ließ, höchstens die Spitzen. Er sah auch keinem anderen Meeresbewohner ähnlich. Er war viel zu zierlich und zerbrechlich, ein Grund, warum er nicht so schnell schwimmen konnte wie seine Freunde. Oder sein Freund. Während der Standpauke seines Vaters wanderten die Gedanken des jungen Meerjungens zu seinem Geliebten. Hoffentlich kam er bald hier los und konnte ihn besuchen!

„Vanya!!“ Vanya zuckte zusammen und blickte auf zu seinem Vater, der sich vor ihm aufbaute.

„Solltest du noch einmal einen solchen Brief mit nach Hause bringen, werde ich dich auf die Militärakademie schicken!“

„Was?“ Vanya war geschockt. Graf Atar war noch nie mit solchen Geschützen aufgefahren, um Vanya zu drohen.

„Und glaub ja nicht, dass ich bluffe! Ich meine es ernst, Vanya! Benimm dich! Du bist schon so eine große Bürde mit deiner Abartigkeit!“

Vanya hasste es, wenn sein Vater so von ihm sprach. Er war nicht abartig. Er konnte doch nichts dafür, dass er sich alle 28 Tage für 24 Stunden in einen Menschen verwandelte. Das hatte er sich doch nicht selbst ausgesucht!!

Beleidigt sprang der Meeresjunge vom Stuhl und stürmte aus dem Zimmer.

„Vanya!“ brüllte sein Vater hin ihm her, dass die zwei Zimmermädchen auf dem Gang erschrocken zusammenfuhren.

Doch Vanya interessierte es nicht mehr. Er wollte nur noch zu Earon!

So schnell erkonnte, schwamm er zu der kleinen, heruntergekommenen Hütte, in der sein Freund wohnte und fand diesen, wie erwartet, fleißig im Lager seines Vaters arbeitend. Vanya beobachtete Earon einen Moment lang, da er sich an dessen Muskeln, die beim Säcke schleppen besonders gut zum Vorschein kamen, einfach nicht satt sehen konnte. Dazu noch die silbernen Augen und die kurzen blauen Haare...

Mühsam riss sich Vanya von diesem Anblick weg und näherte sich seinem Geliebten. Er brauchte jetzt unbedingt Ablenkung und da konnte dieser ihm sicher am meisten helfen!

„Hallo, mein Schatz! Wieder einmal fleißig beim Arbeiten?“ begrüßte er ihn.
Erschrocken ließ Earon den Sack fallen, den er sich gerade auf die Schultern gehievt hatte und drehte sich dann um: “Vanya...“
Doch komischerweise erhellt kein Lächeln wie sonst Earons Gesicht, als er seinen kleinen Freund erkannte, sondern es verzog es kurz zu einer schmerzerfüllten Grimasse.

Doch schnell hatte er sich wieder gefangen und kam auf Vanya zu, um ihm den üblichen Begrüßungskuss auf die Lippen zu hauchen.
Dennoch merkte Vanja sofort, dass irgendetwas nicht in Ordnung war. Normalerweise fiel Earon ihm regelrecht um den Hals, wenn er ihn mal besuchen kam und nun wirkte es fast so, als wäre es ihm unangenehm, Vanya zu sehen.

Doch da Earon es anscheinend nicht für notwendig befand, ihm mitzuteilen, was los war, versuchte er das eigenartige Verhalten seines Freundes zu ignorieren. Er würde es ihm schon sagen, wenn er bereit dazu war.
So schlang Vanya seine Arme um Earons Nacken und küsste ihn verlangen: „Hab’ dich vermisst, mein Schatz...“



Unzufrieden bemerkte Vanya die Zurückhaltung seines Liebhabers. Irgendwas stimmte nicht. Earon war zwar sonst auch nicht stürmisch in der Öffentlichkeit, aber auch nie so abweisend wie heute.

„Vanya, ich muss dann kurz mit dir reden! Aber zuerst muss ich die Säcke mit Korallendünger in den Lagerschuppen bringen.“ Schmunzelnd sah er, wie Vanya sich abmühte, einen der Säcke auf die Schulter zu laden. „Komm her, Schussel, ich helfe dir…“ Mühelos lud er sich drei Säcke auf und schwamm mit Vanya zum Schuppen.

Dieser schmollte etwas, neben seinem muskulösen Freund sah er immer aus wie ein Krixerl.

Während Earon noch weitere Säcke schleppte, machte es sich Vanya gemütlich auf einem Felsenvorsprung.

„Um Himmelswillen, Vanya, runter da, sofort!!“ Earons Vater kam mit fuchtelnden Armen auf ihn zugeschwommen. Wie vom Steinfisch gestochen sprang Vanya auf und guckte den aufgeregten Korallenzüchter fragend an. Der kümmerte sich gar nicht um den Grafensohn, sondern besah sich den Felsen.

Erst jetzt bemerkte Vanya winzige Korallengebilde dort.

Doch bevor Earons Vater Vanya eine Standpauke über Sorgfalt gegenüber Korallen (seiner Meinung nach waren Korallen beseelte Lebewesen, denen – seiner Meinung nach – viele zu wenig Beachtung schenkten, weswegen er sich auch bei Demonstrationen für mehr Korallenschutz beteiligte ) halten konnte, tauchte Earon auf und warf seinem Vater einen vieldeutigen Blick zu.

Dieser verstummte, sah Earon ernst an und nickte. Dann drehte er sich um und wandte den beiden den Rücken zu.

Vanya war irritiert, spann denn heute jeder? Oder lag es an ihm? Hatte er was im Gesicht? Beunruhigt ließ sich der Grafensohn in die baufällige Hütte Earons ziehen.


Kapitel 2

"Kannst du mir jetzt bitte mal erklären, was hier los ist?!" stellte Vanya Earon zur Rede, als sie die kleine Küche erreicht hatte.
Sauer ließ er sich auf den einzigen Stuhl fallen, verschränkte die Arme vor der Brust und blickte seinen Freund abwartend an.
"Nun ja... Es ist so, dass Vater will... Also er will... Magst du vielleicht vorher noch etwas trinken? Oder hast du Hunger?" versuchte Earon abzulenken.
"Nein! Ich habe weder Durst noch Hunger! Ich will nur wissen, warum du dich heute so komisch benimmst und dein Vater sich das erste Mal nicht aufgeregt hat, als ich mich auf seine geliebten Korallen gesetzt habe! Was ist denn heute mit euch allen los?!!!" wütend funkelte Vanya Earon an, der unter dem harten Ton merklich kleiner wurde.
"Also...", begann Earon zu erklären. "Du weißt ja, wie schlecht es um unsere Finanzen steht. Das Geld wird immer weniger, obwohl wir eigentlich immer nur arbeiten! Aber die Korallen auf dem einen Stein sind unsere letzten... Und nun will Vater, dass ich..." wieder brach Earon ab und drehte Vanya seinen Rücken zu, da er es nicht mehr ertragen konnte, diesem ins Gesicht zu blicken.

"Er will, dass du was???" wollte Vanya wissen.
"Kennst du die große Korallenfarm am Westkrater?" kam es von Earon leise.
"Der Besitzer hat eine Tochter... Und Vater will nun, dass ich sie heirate... Und wenn ich mich weigere, will er meine kleine Schwester als Maitresse an den Könighof verkaufen... Er sieht keinen anderen Ausweg mehr..."
Verzweifelt war Earon auf den Boden gesunken und hatte sein Gesicht in seinen Armen versteckt.

Vanya stand da wie erstarrt. Sein Geliebter sollte eine komische Tussi von so einem Plantagenheini heiraten? Aber sicher nicht!!! Earon gehörte zu ihm!! Aber Earons kleine Schwester… nein, der Gedanke war viel zu abscheulich, sie war erst 16 und wenn Vanya nur daran dachte, dass sich ihr König oder einer seiner Berater an ihr… nein, das durfte nicht passieren. Vanya wusste nicht, wie er Earon trösten konnte, er war selbst viel zu wütend. Am wenigsten aber ertrug er, dass Earon ihn nicht ansehen konnte.

Der Grafensohn schlang die Arme um den ihm zugewandten Rücken. „Pst, Earon, wir finden schon einen Ausweg…“ Aber welcher das sein sollte, wusste selbst Vanya nicht.

Aber er würde heute Nacht genug Zeit zum Nachdenken finden, heute war wieder einmal 28 Tage seit seiner letzten „Verwandlung“ verstrichen.



„Ich werde heute nachdenken und ich werde eine Lösung finden!“

Earon nickte kaum merklich, solche Zuversicht konnte auch nur Vanya an den Tag legen.

Er drehte sich um und beugte sich zu dem Kleineren hinunter, um seine Lippen mit seinen zu streifen. Gierig stellte sich Vanya auf die Flossenspitze, um den Kuss zu intensivieren, kam aber nur 5 Zentimeter höher und gab einen unwilligen Laut von sich. Earon lächelte und gab nach. Vanyas Hand grub sich in sein blaues Haar und zog ihn zu sich. Willig gab sich der Größere der Dominanz Vanyas hin.



„Chmmmm !“ Erschrocken fuhren die beiden Turteltäubchen auseinander.

Earons Vater stand mit Händen an den Hüften da und schimpfte: „Ich weiß, Earon, dass du dich lieber mit deinem Vanya beschäftigen würdest, aber da draußen liegen noch 30 Säcke Korallendünger, die in den Lagerschuppen getragen werden müssen! Also, keine falsche Müdigkeit vorschützen!“

Seufzend löste sich Earon von seinem Geliebten und flüsterte: „Heute ist der 28. Tag, nicht wahr?“

Vanya nickte düster. „Dann sehen wir uns wohl erst morgen Nacht wieder… Ich werde das Fenster für dich offen lassen!“

Vanya nickte dankbar, küsste seinen Liebhaber noch ein letztes Mal und schwamm dann missmutig zum Anwesen seines Vaters zurück. Heute war echt ein Scheißtag!!


"Da bist du ja endlich, du Rotzlöffel!" empfing ihn sein Vater. "Was fällt dir eigentlich mitten in unserem Gespräch einfach abzuhauen??!!!"

"Gespräch nennst du das?!" versuchte sich Vanya zu verteidigen. "Du hast mich als abartig beschimpft und so was muss ich mir auch von dir, obwohl du mein Vater bist, nicht sagen lassen!!!"
"Ich habe nichts gesagt, was nicht der Wahrheit entspricht!" meinte sein Vater nur trocken zu den vorgebrachten Vorwürfen und befahl ihm dann mit einem eisigen Blick, sich gefälligst fertig zu machen, da die Zeit knapp würde.
Sauer schwamm Vanya in sein Zimmer, um das Nötigste in seine Tasche zu packen und sich noch seinen Umhang um die Schultern zu werfen, da er wusste, wie kalt es immer nachts auf der Insel wurde.
Außerdem schwamm er noch zu einem großen Käfig, der in einer Ecke seines Zimmers stand und verabschiedete sich von seinem Seepferdchen: "Tschüß, meine Süße! Ich werde erst in einem Tag wieder da sein... Nur das du dir keine Sorgen machst..." Vorsichtig strich er dem kleinen Wesen über den Kopf und steckte ihm dann noch ein Leckerli zu, bevor er sich wieder auf den Weg zu seinem Vater machte, der schon angespannt in der Kutsche wartete: "Da bist du ja endlich!!! Kannst du dich nicht mal etwas schneller bewegen, oder ist das bei jemandem wie dir zu viel erwartet?!"

‚Seine’ Insel war die Spitze eines vulkanischen Gesteins, das sich bis zur Oberfläche aufgetürmt hatte und nur ein paar Quadratmeter Fläche aufwies. Die Oberfläche war mit Sand bedeckt, ein Minibaum stand in der Mitte, der allerdings kaum Blätter hatte. Nur in der Mitte blieben dann noch etwa 10 Quadratmeter übrig. Tiere gab es keine hier, dafür war zu wenig Platz. Um Mitternacht würden Vanyas Kiemen verschwinden und nur noch die Lunge zum Atmen übrig bleiben. Im Normalfall konnten Meermenschen beides benutzen, nur Vanya war eben anders. Warum, wusste er selbst nicht, denn immer, wenn er mit seinem Vater darüber sprechen wollte, blockte dieser komplett ab.

Seine Schwanzflosse würde sich in zwei Beine teilen, die spitzen Ohren zu runden Menschenohren werden. Vanya seufzte. Dann wäre er auf dieser Insel für die nächsten 24 Stunden eingesperrt, wie in einem Käfig ohne Türe, ohne Essen und ohne Trinkwasser. Rund um die Insel war nur Meer, Meer und nochmals Meer zu sehen. An das Ufer schwimmen konnte Vanya nicht, jedenfalls nicht als Mensch. Sein Vater hatte persönlich die Insel ausgesucht, weit weg vom Königreich, damit keiner die Schmach sehen musste, dass Graf Atar eine Missgeburt als Sohn hatte, einen HALBMENSCHEN!! Er blieb immer, bis sich Vanya verwandelt hatte, um sicher zu gehen, dass dieser nicht mehr von der Insel wegkam, blieb aber nie, um seinem Sohn in den schweren Stunden Gesellschaft zu leisten.

Vanya spürte, wie sich seine Flosse teilte und sich die Schuppen glätteten und fleischfarben wurden. Er warf seinem Vater einen verzweifelten Blick zu, ihn nicht hier zu lassen, doch dieser sah ihn nur verächtlich an. Graf Atar hasste Menschen, die den Ozean verschmutzten, mit riesigen Fangnetzen alles leer fischten, keinen Blick hatten für die Schönheit und Farbenpracht des Meeres. Graf Atar tauchte ohne Abschiedsworte unter und ließ seinen Sohn allein.

Verzweifelt warf sich Vanya in den Sand und zog die Decke um sich. Doch das nütze nicht viel, schließlich war sie tropfnass und musste erst am Baum zum Trockenen aufgehängt werden. Doch dort hing zum Glück die Decke, die er schon beim letzten Mal benutzt hatte. Vanya wickelte sich bis zu den Ohren ein und versuchte, im Sand Schlaf zu finden. Dass ihn schon seit seiner Ankunft jemand beobachtete, war sowohl ihm als auch seinem Vater entgangen….


Kapitel 3

Ein Fischer, der gerade an Reling seines kleinen Bootes lehnt und seine, nach einem harten Tag, wohlverdiente Zigarette raucht, hatte aus einiger Entfernung beobachtet, wie sich zwei Wesen mit Flossen auf den Strand der kleinen Insel robbten.
"Diese blöden Seehunde!!! Jetzt kommen sie sogar schon hier her! Die fressen mir nur die ganzen Fische weg, diese blöden Viecher!" Ärgerlich warf er den Zigarettenstummel ins Meer und wollte schon in seine Kajüte stapfen um sein Gewehr zu holen und die Tiere mit ein paar ordentlichen Warnschüssen zu verjagen, als ihm etwas an den Wesen auffiel.
Durch den Mond, der in diesem Moment hinter einer Wolke hervortrat, konnte er erkennen, dass die zwei Wesen kein Fell besaßen. Bei näherer Betrachtung konnte er sogar noch Arme und einen menschlichen Kopf erkennen.
"Um Himmels Willen, WAS ist das?" Gespannt starrte der Fischer auf die Insel.
Er sah, wie sich eines der Wesen wieder in die Fluten warf, während das andere auf der Insel liegen blieb. Doch plötzlich stand das Wesen auf und der Fischer bemerkte mit Staunen, dass es anscheinend irgendwie seine Flosse verloren haben musste, denn nun besaß es Beine wie ein Mensch.
Verwundert kratzte sich der Fischer am Kopf.

Er sah langes, feuerrotes Haar und schöne, glatte, langgliedrige Arme und Beine. Das Gesicht konnte er auf die Entfernung nicht erkennen.

Der Seemann beobachtete, wie sich das Wesen schlafen legte, mit nur einer Decke am nackten Leib.

Er wartete ca. 30 Minuten, um sicher zu gehen, dass das Geschöpf eingeschlafen war und machte dann Kurs auf die Insel. Ganz dran konnte er nicht, da überall knapp unter der Wasseroberfläche Felsen in die Höhe ragten. Doch das Gesicht konnte er nun erkennen, feine Züge, eine gerade Nase und kein einziges Barthaar. Und die roten Haare waren natürlich ein Blickfang.

Im Kopf des Fischers begann es zu arbeiten. Wenn er ein Meeresgeschöpf fing, dann hätte er ausgesorgt bis ans Ende seiner Tage! Allerdings war er sich ja nicht sicher, ob sich der Junge, der vor ihm im Sand so arglos schlief, wieder in einen Meerjungen verwandelte. Der Fischer beschloss, rund um die Insel Netze auszuwerfen, sodass, wenn der Junge sich wieder verwandelte und ins Meer zurückwollte, sich unweigerlich darin verfangen würde. Wenn er allerdings immer noch ein Mensch sein würde, würde der Fischer seine Netze wieder einholen und fahren, zu verlieren hatte er nichts bei diesem Plan. Und so machte er sich daran, die Netze zu verteilen.

Rund um die Insel war das Wasser nun gesäumt mit großen Fangnetzen, die dicht unter der Wasseroberfläche trieben, für das bloße Auge nicht sichtbar.



Der Fischer hing für den Notfall noch eine Glocke an die Netze, sollte wer stark an ihnen zerren, dann würde sie läuten und der Seemann wüsste, dass er das schöne Geschöpf gefangen hatte.

Was er für einen Haufen Geld dafür kriegen würde!!

Zufrieden mit seiner Arbeit legte sich der Mann nieder….

Den nächsten Tag verbrachte Vanya auf einem Felsen sitzend und nachdenkend.
Er überlegte, wie er es verhindern könnte, dass sein Earon heiraten müsste.
Doch ihm wollte einfach nichts Brauchbares einfallen. Seinen Vater konnte er unmöglich um Geld bitten. Dann müsste er ihm nämlich erklären, für was er es brauche und er bezweifelte sehr stark, dass sein Vater beigeistert darauf reagieren würde, wenn er erfuhr, dass er das Geld brauche, um seinen Geliebten vor der Ehe zu retten. Damit würde er seinen Vater nur noch einen Grund liefern, ihn als Abartig zu beschimpfen...
Seufzend erhob er sich, als die Sonne langsam immer tiefer sank und der Meeresoberfläche immer näher kam. Langsam stapfte er bis zu den Knien in das Wasser und wartete auf seinen Rückverwandlung.
Doch nicht nur er wartete, sondern auch ein Fischer, der sich in einiger Entfernung auf die Lauer gelegt hatte.
Plötzlich fühlte Vanya das gewohnte Ziehen in seinen Beinen und spürte, wie sich die zwei Gliedmaßen wieder zu einer vereinigten und sich die Haut mit Schuppen überzog.
"Doch ein Meerjunge!" freute sich der Seemann indessen. Denn es war selten, eines dieser Exemplare zu Gesicht zu bekommen und er wusste, wie viel Geld man mit dem Verkauf eines solchen an einen der beliebten Wasserparks machen konnte. Und Geld konnte man ja nie genug besitzen. So beglückwünschte er sich zu seiner Idee die Netze auszulegen und wartete darauf, dass sich sein Opfer in diesem verfing.
Und genau das geschah: Als Vanya sich in die Fluten werfen wollte, verhedderte er sich plötzlich in einem Netz und konnte sich auch unter größter Anstrengung nicht aus diesem befreien. Verzweifelt versuchte er, sein langes Haar aus den Schlaufen des Netzes zu befreien, doch es war schon zu spät: Der Fischer war schon längst auf Grund des Läutens des Glöckchens aufgesprungen und machte sich an die Arbeit, das Netz wieder einzuholen.

Vanya fluchte in jeder erdenklichen Sprache, die ihm einfiel. Netze! Sein Vater hatte ihn einst davor gewarnt, es seien Menschendinge, die nur den Tod brächten, für jedes Meereslebewesen! Deshalb war es Vanya auch immer verboten gewesen, an die Oberfläche zu schwimmen. Aber wieso sollten HIER, irgendwo im nirgendwo Netze ausgeworfen werden? Vielleicht hatten sie sich bei einem Sturm von einem Dampfer losgerissen und trieben nun lose im Ozean. Vanya fluchte. Sein Haar hatte sich verknotet!! Seine schönen Haare! Vanya war so in sein Haarproblem vertieft, dass er gar nicht bemerkte, wie sich hinter ihm das Netz hob und ihn somit einschloss. Erst als es sich zusammenzog und Vanya nach oben hievte merkte es der Meerjunge – zu spät!

Vanya zappelte im Netz wie ein Fisch auf dem Trockenen, was dem Ganzen ja ziemlich ähnlich kam.

Schon war er an der Oberfläche angekommen und wurde zu einem mittelgroßen Dampfer gezogen. Verzweifelt versuchte er, in die Gegenrichtung zu schwimmen, vergeblich…

Was ihm noch mehr Angst machte, war der Mensch, der dort über die Reling gebeugt, auf die Netze wartete!

Ein Mensch! Hilfe! Er würde als Filet auf dem Tisch eines reichen Schnösels landen! Vanya bebte als er gegen die Bootswand stieß und aus dem Wasser gehoben wurde. Der Kran schwenkte und senkte das Netz auf das Deck. Vanya lag auf den Boden und sah vor sich zwei schwarze Stiefel. Verängstigt hob er den Kopf…

"Na, was haben wird denn da?" kam es von einem stämmigen Seemann, der ihn genau musterte. "Ein Meerjunge, ohne Zweifel! Und ein sehr schöner noch dazu!" Grob griff er nach Vanyas Kinn und hob es an um auch seine Augenfarbe zu erkennen. "Sehr schön" murmelte er. Grüne Augen und rote Haare - das war ungewöhnlich und versprach eine große Menge Geld. Der Fischer kniete sich neben Vanya nieder und löste dessen Haare vorsichtig aus dem Netz.
> Hilfe! < das war Vanyas einziger Gedanke, als er die bedrohliche, tiefe Stimme hörte. Als ihm auch noch brutal nach seinem Gesicht gegriffen wurde, begann er zu zittern. Was wollte dieser Mensch von ihm? Dass ihn der Mann als schön bezeichnete, half nicht gerade seine Angst zu verringern.
Als sich der Fischer dann auch noch an seinen Haaren zu ziehen begann, wurde es Vanya zu viel und er versuchte zur Reling zu robben um wieder ins Wasser zu gelangen. Doch weit kam er nicht! "Hier geblieben!" fuhr in der Seemann an. "Wenn du nicht schön hier bleibst, muss ich dich fesseln, was ich eigentlich vermeiden will, da dass vielleicht Abdrücke auf deiner Haut hinterlassen könnte. Also halt still!"


Kapitel 4

Vanya wurde ins Schiffsinnere getragen, wobei er zappelte, was das Zeug hielt.

„Halt still, verdammt!“ Der Seemann trug ihn in den ‚Lagerraum’, eine kleine Kabine mit vier Kühltruhen und einem Käfig, wohl für Seehunde, welche ab und zu auch ins Netz gingen und durch Zufall noch am Leben waren. Mit einem kräftigen Stoß beförderte der Mann Vanya in den Käfig, zog die Kette zusammen und hängte ein schweres Schloss daran. Dann griff er durch die Gitterstäbe nach Vanya, der sich in die hinterste Ecke des Käfigs verzogen hatte und streichelte mit rauen Fingern über sein Gesicht: „Rotes Haar, so was ist einzigartig! Du wirst mir einen Batzen Geld bescheren, Junge!“

Lachend verließ er die Lagenkabine und schloss ab, was eigentlich überflüssig war, denn erstens konnte Vanya ja nicht gehen und hätte es von hier wohl kaum aufs Deck geschafft, zweites konnte nur eine riesige Eisenzange dieses Schloss knacken aber sicher nicht Vanya, der nicht einmal einen Sack Korallendünger heben konnte!

Der Meerjunge rollte sich zusammen. Wie sollte er nur von hier weg kommen? Ob er schon vermisst wurde? Von seinem Vater sicher nicht, der würde sicher erleichtert sein, seine Missgeburt von einem Sohn los zu sein… aber Earon! Earon würde ihn vermissen!

Vanya fing an zu schluchzen. Was, wenn er Earon nie wieder sah? Nein, daran durfte er nicht denken, hatte er doch gerade dieses Optimistenbuch gelesen, dass ihm Earon zu ihren Jahrestag geschenkt hatte… nein, er würde es schaffen, zu entkommen, er war sich sicher! Irgendwie…



Als Vanya das nächste Mal die Augen öffnete hörte er wildes Stimmengewirr um sich. Müde rieb er sich die Augen - anscheinend war er tatsächlich eingeschlafen, obwohl er doch so krampfhaft versucht hatte, wach zu bleiben, um jede Möglichkeit zur Flucht nutzen zu können.
Neugierig erhob er sich vom Boden des Käfigs, auf dem er sich zusammengerollt hatte und blickte vorsichtig durch die Gitterstäbe.
"Er ist wach!" hörte er mehrere schrille Stimmen rufen und plötzlich wurde ihm mit irgendeinem Ding mitten ins Gesicht geblitzt. Erschrocken kroch er bis ins hintere Eck des Käfigs.
"Nun sehen Sie auch noch die ungewöhnliche Augenfarbe! Und nun wird Ihnen auch auffallen, das mein geforderter Preis sehr tief angesiedelt ist!" hörte er die Stimme des Seemanns brummen.
"Die Augenfarbe ist wirklich erstaunlich... genau wie die Haarfarbe... Ja, ich werde ihn nehmen!" hörte er nun eine weitere Stimme antworten, die zu einem älteren Mann in einem Anzug gehört, so weit Vanja durch die Gitterstäbe erkennen konnte.

"Ich darf Ihnen nun unsere neue Attraktion vorstellen: ein Wassermensch! Er wird nach einer kurzen Eingewöhnungsphase ab nächster Woche in unserem Wasserpark zu bewundern sein!"
Nun begannen wieder viele Stimmen wie wild durcheinander zu reden und wieder wurde er von allen Seiten von Blitzen geblendet.
Verstört schloss er die Arme und versuchte sich so klein wie möglich zu machen. Er wollte nur noch nach Hause und sich in Earons starke Arme flüchten...



Ein guter Kauf. Herr Menoir war sehr zufrieden. Noch einmal ließ er seinen Blick über das schöne Wesen gleiten, das ganz verloren im Käfig hockte.

Meereswesen sah Herr Menoir nicht als Menschen oder Ebenbürtige an, sondern als Lebewesen, die man leicht versklaven und mit denen man alles tun konnte, was man wollte. Es gab Gesetze gegen Walfang, gegen Überfischerei, gegen Robbenjagd, aber es gab kein einziges Gesetz, das die Behandlung von Meeresmenschen vorschrieb.

Das lag vor allem daran, dass es immer noch generelle Meinung war, Meeresmenschen gäbe es nicht. Nur die ganz Reichen bekamen von den großen Wasserparks Schreiben über ihre „besonderen Attraktionen“ und Meeresmenschen hatten, sofern Herr Menoir wusste, nur noch zwei andere Wasserparks, einer in Florida und einer in Malaga. Nun gab es auch einen in Marseille. Herr Menoir glättete seinen Schnurrbart und wies seinen Angestellten an, den Jungen in den Wagen zu verfrachten.

Vanya kreischte auf, als er das Muskelpaket von einem Mann den ganzen Käfig samt Vanya auf einmal aufheben sah. Unsanft wurde er in den Lieferwagen gestellt, ihm gegenüber saß der Mann, der ihn ‚gekauft’ hatte. Allein das Wort ‚gekauft’! Er war doch keine Ware!! Aber Vanya war ein viel zu großer Angsthase und die Vorstellung, als Mahlzeit zu enden ließ ihn schweigen.

Plötzlich bewegte sich der Mann mit dem dünnen Schnurrbart, kam dem Käfig näher und langte durch die Gitterstäbe. Er packte Vanyas Kinn und zwang ihn, ihn anzusehen.

„Verstehst du, was ich sage?“ fragte der Mann.

So eine blöde Frage, natürlich verstand Vanya die Menschensprache, er konnte sie fließend. Irgendetwas mussten die ganzen Privatunterrichtsstunden doch gebracht haben!

„Ja.“ flüsterte er.

„Sehr schön. Dann kann ich mit dir ja reden wie mit einem Menschen. Wie du sicher bemerkt hast, habe ich dich gekauft. Doch täusche dich nicht, ich bin kein Wohltäter, habe das nicht zu deinem Besten getan. Du wirst mir das Geld, das ich für dich bezahlt habe, abarbeiten und noch viel mehr einbringen! Gewöhne dich lieber schnell an die neue Situation. Ungehorsam dulde ich nicht. Ich habe Mittel und Wege, sie dir auszutreiben, solltest du nicht spuren! Näheres wird dir dein Trainer dann mitteilen!“ Mit diesen Worten ließ er einen total verängstigten Vanya allein im hinteren Teil des Lieferwagens und kletterte auf den Vordersitz.

Das konnte ja heiter werden….



Nach einer schier ewigen Zeit, in der Vanya in seinem Käfig durchgerüttelt wurde, blieb der LKW stehen und die Ladeklappe wurde wieder geöffnet.

Auch dieses Mal kletterten ein paar muskulöse Männer auf die Ladefläche, hoben mit vereinten Kräften den Käfig auf und folgten Monsieur Menoir.
Entsetzt blickte Vanya aus seinem Käfig, als eine riesiges Gebäude vor ihm erschien, auf dem in großen Buchstaben "Wasserpark Marseille - Entdecken Sie die Geheimnisse der Meere" prangte. Außerdem konnte er mehrere Plakate mit Delfinen und Walen sehen, die durch brennende Reifen sprangen.
Die Männer schleppten ihn eine zeitlang durch nur schwach beleuchtete Gänge, die von großen Aquarien umgeben waren, aus denen Vanya die stumpfen Blicke von Delfinen, Walen, Fischen und anderes Meeresgetier aller Art anblickten.
Plötzlich ließen die Männer den Käfig unsanft fallen und Vanya hörte den Besitzer des Parks reden: "So, Tom! Hier hast du dein neues Baby! Pass gut auf ihn auf und sorge dafür, dass er gefügig ist! Ich will keine Probleme haben, wenn wir ihn nächste Woche im großen Außenbecken dem Publikum vorführen! Verstanden!"
Traurig senkte Vanya den Kopf. Er hatte anscheinend wirklich keine Chance mehr das Meer und Earon wieder zusehen. Doch eine sanfte, angenehm tiefe Stimme ließ ihn aus seinen trüben Gedanken aufschrecken. "Ay, Ay Sir! Werd' mein bestes tun!"


Kapitel 5

Misstrauisch beäugte Vanya seinen neuen ‚Trainer’. Der Typ sah aber eher aus, als wäre er aus der „Fashion for Fish“ entstiegen. Die knautschengen Hose schmiegte sich an seine muskulösen Oberschenkel und das schwarze Seidenhemd war nur an den letzten drei Knöpfen zusammengeknöpft. Doch trotz seines unpassenden Erscheinungsbildes war er durchaus sympathisch. Tiefliegende, braune Augen schimmerten freundlich und die vollen Lippen schienen stets zum Lachen aufgelegt.

Vanya musste ihn wohl etwas zu offensichtlich angestarrt haben, denn der Typ lachte auf und fragte: „ Na, hab ich die Überprüfung bestanden?“

Vanya nickte kaum merklich und seine Nervosität legte sich langsam.

„Hat dir der Chef schon gesagt, was alles von dir erwartet wird?“

Vanya schnaubte verächtlich. Ja, hatte er, mehr als ausdrücklich!!

„Ich nehme dein Schnauben mal als ja. Hmmm, ich muss dein Programm zusammenstellen, aber dafür muss ich erst mal wissen, was du schwimmerisch so alles draufhast. Keine Sorge, du musst nicht wie Delphine durch brennende Reifen oder so springen… hoffe ich zumindest. Allein dein Erscheinungsbild wird den meisten Gästen schon reichen… Lass dich von den reichen Säcken ja nicht unterkriegen, die können ab und zu ganz schön biestig und aufdringlich werden!! Hast du noch irgendwelche Fragen, bevor wir anfangen?“

„Wann kann ich nach Hause?“

Der Trainer lachte trocken auf, doch eine Spur Mitleid war auch darunter gemischt.

„Mein Kleiner, das hier IST jetzt dein Zuhause!“

Vanya schüttelte energisch seinen Kopf. „Nein, nein, nein!!! Hier will ich nicht bleiben! Ich will sofort nach Hause!!“

Der Wächter bückte sich und zog Vanyas Gesicht sanft zu seinem empor. Leise flüsterte er: „Ich bin auch nicht glücklich mit dem, was hier abläuft, aber wenn du nicht spurst, wird der Chef dich als Haifutter wiederverwerten oder einem reichen Schnösel als Spielzeug verkaufen, glaub mir, das würde dir auch nicht gefallen!“

Vanya schluckte. Wieso waren hier alle so bösartig zu ihm. Mit funkelnden Augen sah er seinen Trainer an und fauchte: „Dann habe ich keine weiteren Fragen!“ Mit diesen Worten drehte er dem Typen den Rücken zu und ignorierte ihn. Basta.

Tom, so der Name des Trainers, seufzte. Das konnte ja was werden, wenn das so weiter ging….



Seufzend öffnete Tom die Käfigtür und hob Vanya auf den Arm: "Komm Kleiner, ich zeig dir mal deine neues Heim..."
Entgeistert blickte Vanya auf, als er so plötzlich hochgehoben wurde, war aber recht dankbar dafür, da er so nicht über den kalten Betonboden robben musste. Von dieser Dankbarkeit ließ er sich aber nichts anmerken, noch immer war er sauer. Er wollte heim! Und zwar jetzt! Was bildeten die sich eigentlich ein, diese Menschen? Wussten sie nicht, wen sie da vor sich hatten?! Schließlich war er der Sohn von Atar!!!
Tom indessen trug Vanya zu einer dicken Stahltür, die sich öffnet, als dieser eine Karte in das Schloss steckte.
Nun doch neugierig, hob Vanya den Kopf. Jetzt war er mal gespannt, was sich die Menschen für ihn ausgedacht hatten...
Als Tom ihn jedoch weiter trug und Vanya sein neues "Zuhause" erblickte, spiegelte sich blankes Entsetzen in seinem Gesicht.
Sicher, dass Becken war im Vergleich zu den anderen, die er schon gesehen hatte, groß, aber immer noch zu klein für Vanyas Verhältnisse, der ein offenes Meer gewohnt war.
Doch was Vanya Schauer des Ekels über den Rücken laufen ließ, war nicht das zu klein geratene Becken, sondern eine riesige rosa Insel, die sich aus dem Becken erhob. Auf dieser stand ein schlechtes Palmenimitat aus Kunststoff, auf der ein riesiger, breit grinsender Papagei platziert war.
Entsetzt wandte Vanya den Blick ab und fixierte Tom mit zusammengekniffenen Augen, die bedrohlich funkelten: "Das ist jetzt nicht dein Ernst..."



„Was denn, ich finde, es sieht niedlich aus…“ meinte Tom, der die Insel mit kritischen Blicken betrachtete und Vanya absetzte.

„Für wen, für eine Dreijährige?!?!“ Tom hob grinsend und abwehrend die Arme. „Hey, hey, beruhige dich! War ja nur Spaß! Hast du eigentlich Hunger?“

Vanya überlegte, aber sein Bauch meldete sich schon, schließlich hatte er seit fast 48 Stunden nichts mehr gegessen!

„Wie heißt du eigentlich?“

„…“

„Ok, du willst es mir nicht sagen. Dann werde ich dich wohl ‚Fischjunge’ nennen müssen…. Ich bin übrigens Tom, bin hier normalerweise nur der Wächter, der schaut, dass alles nach Plan läuft, aber unser Trainer ist krank geworden, drum habe ich diese Aufgabe derweilen übernommen.“

Vanya antwortete nicht, sondern starrte den anderen nur wieder an.

„Was gibt’s da eigentlich immer zu glotzen? Sehe ich so gut aus, dass du deine Augen nicht von mir lösen kannst?“ spöttelte Tom.

Vanya prustete und fragte dann scheinheilig: „Sag mal, laufen hier alle so abgeschleckt herum? Die Hose hast du wohl von deiner Schwester geklaut, so eng ist die!“

Tom klappte der Mund auf, aber es schien ihm nichts Gescheites darauf einzufallen, darum klappte er ihn wieder zu, drehte sich um und ging beleidigt in die Küche. „Rotzlöffel…“

15 Minuten später kam Tom wieder mit Essen für Vanya.

Interessiert beugte sich Vanya über den Teller. Goldbraune, längliche Quader lagen darauf. Zögerlich nahm der Meerjunge einen in die Hand und biss ab. Lecker!!! Genüsslich mampfend schob er gleich den zweiten nach und fragte so nebenbei: „Das ist lecker, das Zeug, was ist das?“

Tom sah von seiner Arbeit auf. Er war gerade dabei, ein Kostüm für Vanya auszusuchen und antwortete: „Fischstäbchen!“

Vanya blieb das Essen im Hals stecken und mit einem Würgen spuckte er alles wieder aus!

„Mörder!!“

Tom sah ihn erstaunt an. Dann fiel bei ihm der Groschen. „Oh Shit, sorry, daran hab ich gar nicht gedacht, ihr seid ja Vegetarier, soviel ich gehört hab’….“

Schnell hob er den Teller auf und brachte ihn zurück in die Küche.

Vanya war entsetzt! Alle die schrecklichen Geschichten über die Menschen, die sein Vater ihm erzählt hatte, schienen wahr zu sein!!

Was würden sie dann mit ihm machen, wenn sie ihn mal Leid waren???

 

Fortsetzung folgt