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K?hles Wasser Teil 7 bis 12

7. Erwachen

Nur langsam kämpfte sich Jamal aus dem Schlaf, er fühlte sich erschlagen, als hätte er nicht geschlafen sondern wäre unermüdlich gewandert, hätte größte Anstrengungen durchlebt. Er öffnete die Augen und stellte fest, dass das Zimmer dunkel war – die Kerzen niedergebrannt und die Sonne noch nicht aufgegangen.

Und dann spürte er, was ihn geweckt hatte, die Krämpfe in seinem Magen, die ihm verdeutlichten, dass sein Körper sich nicht wohl fühlte. Er blickte sich um und erkannte das weiße Haar, das sich wie flüssiges Silber über das Kissen neben ihm ergoss.

/Ayame!/

Warum lag sein Key hier?

Halt!

Warum lag er in Ayames Bett?

Er hatte sich auf dem Boden zur Nacht gebettet, weit weg von diesem Mann. Das wusste er ganz genau!

Nur langsam erhob sich Jamal, um den Anderen nicht zu wecken. Das beklemmende Gefühl nahm ab, je weiter er sich von seinem Key entfernte. Und wieder musste er feststellen, dass er nichts so sehr hasste, wie von einem Fremden angefasst zu werden.

Warum hatte sein Traum ihm dann vorgegaukelt, dass es bei diesem Mann anders wäre, wenn er ihn erst einmal gefunden hätte?

Jamal schüttelte den Kopf und versuchte klar zu denken. Langsam glitt er über das glatte Laken zur Bettkante und zog gedankenverloren die Decke mit sich. Er hüllte sich ein und wollte sich auf den Weg zur Veranda machen, als sein Blick noch einmal Ayame streifte, der nun entblößt auf dem Rücken lag und schlief.

Und Jamal konnte nicht bestreiten, dass dieser Anblick ihm ein warmes Gefühl im Unterleib bescherte, dass er sich von diesem Mann gleichzeitig angezogen und abgestoßen fühlte. Mit glühendem Gesicht wickelte er sich wieder aus der Decke und streifte sie über den braungebrannten Leib, der sich vom hellen Laken abhob als würde ein Lichtschein ihn umgeben.

Sich auf den Weg nach draußen ein Kissen greifend, ging der Kleinere durch die immer noch offenen Flügel der Verandatür. Der Mond war weit über den Himmel gewandert, erhellte nun nicht mehr die Terrasse, spiegelte sich aber noch ansatzweise im jetzt tiefschwarzen Becken.

Sein Blick schweifte zur Seite, wo er, ihm bis jetzt verborgen, eine geflochtene Couch ausmachen konnte. Sie war kniehoch und lud zum sitzen ein, ein Schenkel stand direkt an der Hauswand, der zweite im rechten Winkel dazu, dass man wenn man darauf lag das Wasser beobachten konnte.

Lächelnd legte sich Jamal nieder, bewunderte wie der Mond auf den sanften Wellen zu tanzen begann und war Augenblicke später wieder eingeschlafen.



Die Sonne lachte dem Key ins Gesicht, der streckte sich genüsslich und rekelte sich einmal hin und her. Dann schlug er die Augen auf und sprang aus dem Bett. Seit gestern hatte er einen neuen Herrn und er wusste, dass er niemals länger schlafen durfte als dieser.

Da er aber selbst erwacht und nicht geweckt worden war, ging er davon aus, dass sein Herr ... Ayame stutzte.

Da wo er gestern den weinenden jungen Mann niedergelegt hatte, war das Bett leer, die Stelle, wo er gelegen haben musste, war kalt.

//Nein! Er wollte nicht berührt werden, ich habe es doch getan und er ist gegangen!//, durchfuhr es Ayame, und auch wenn er es sich selbst nicht gern eingestand: Angst stieg in ihm auf, Angst, dass sein Herr nicht zufrieden war, Angst, dass der Nächste ihn dafür würde strafen, Angst, dass ... ja, Angst, dass der Kleine einfach so weg war. Er war niedlich auf seine Weise, kein Herr mehr, ein ... Ayame verbot sich den Gedanken zu Ende zu denken. Ein Sklave – und wäre er noch so edel – hat keine Freunde.

//Jamal ...// Ob sein Herr wirklich gegangen war, weil Ayame ihm nicht gehorcht hatte?

Der große Mann durchschritt eilig das Zimmer und verschwand im Bad. Ihm ging sein junger Herr nicht aus dem Kopf. Er war in vielem so anders als seine Vorgänger, schien von seinem Key nichts zu erwarten, wollte einfach nur Gesellschaft und Unterschlupf.

Mit gesenktem Kopf machte er sich auf zur Veranda, um sein morgendliches Training zu absolvieren. Er streckte sich ausgiebig und ließ sich dann wie ein Fisch in die Fluten gleiten, genoss es sichtlich das feuchte, kühle Element auf seiner Haut zu spüren. Es war das einzige, was ihm Trost spenden konnte, wo er all seine Gedanken weit hinter sich lassen konnte. Es genügte meistens schon, sich nur auf die Oberfläche zu legen und sich treiben zu lassen. Und so tat er das auch, legte sich rücklings auf die Wasseroberfläche und strampelte wild mit den Beinen, Wasser spritzte weit über die Terrasse.

Ein erschrockenes Quietschen ließ ihn innehalten, mit zwei kraftvollen Schwimmzügen war er am Rand und schaute sich um.

Auf der Couch unter dem großen grünen Kissen bewegte sich etwas.

„Hey, du kleiner Wüstenfuchs. Sonst kommst du doch immer erst zum Frühstück.“, begrüßte er das kleine Tier, dass sich ab und an auf seine Terrasse verirrte.

Doch ein verwuschelter blonder Schopf lugte ängstlich, mit geweiteten Augen hervor, flehte um Gnade und bat um Verzeihung, weil er nicht stören wollte.

Ayame konnte nicht leugnen, dass sein Herz schneller schlug.

Er war nicht gegangen, sein kleiner Herr war bei ihm geblieben!

Am liebsten hätte er den Blonden vor Freude an sich gerissen, besann sich aber professionell eines besseren und stützte sich mit dem Händen auf den Rand des Beckens, streckte die Arme durch und balancierte so sein Gewicht aus. Mit dem Kopf deutete er eine Verbeugung an, als er seinen Herrn angemessen zum Morgen begrüßte, sich nach Befinden und Hunger erkundigte.

Jamal hatte sich aufgesetzt, die Knie dicht an die Brust gezogen schlang er die Arme darum und legte das Kinn auf die Knie. „Ayame – wie bin ich in dein Bett gekommen?“, wollte er unsicher wissen. „Ich hoffe, ich bin nicht einfach so zu dir gekrochen, wenn ja so entschuldige ich mich auch dafür!“

Langsam hatte sich der Key daran gewöhnt, dass sein Herr nicht nur unsicher, sondern auch wohl erzogen war. So ließ er es bleiben, ihn erneut darauf hinzuweisen, dass dies nicht Ayames, sondern sein eigenes Bett wäre und er alle Rechte dieses Welt hätte, es zu betreten oder zu meiden wie immer es ihm beliebte. Er berichtete nur von Jamals Alptraum und wie er sich dazu entschlossen hatte, seinen Herrn dort nicht liegen zu lassen, und wie Jamal sich dann an ihn geklammert hätte. Das erzählte er allerdings mit einem leichten Lächeln auf den edel geschwungenen Lippen.

Erst jetzt bemerkte Jamal die Wundmale auf Ayames rechtem Oberarm und erblasste. Vorsichtig setzte er sich auf und erhob sich dann, ging mit geweiteten Augen auf den immer noch nackt im Wasser sitzenden Key zu. „Es tut mir leid Ayame.“, flüsterte er heiser, als seine Hand über die Vertiefungen fuhren, die seine Nägel gegraben hatten.

„Macht Euch keine Sorgen, Herr.“, versuchte Ayame abzuwiegeln. „Ich sagte Euch doch: ich gehöre Euch und werde ertragen, was immer Ihr mir zugedacht habt!“

„Schwachsinn!“, erboste sich nun Jamal, sichtlich aufgebracht, schob er Ayame etwas von sich, sodass der zurück ins Wasser glitt. „Nur weil einer Geld hat, heißt das noch lange nicht, dass er einem Anderen weh tun darf!“ Außer sich über Ayames gleichgültige Bemerkung sprang er auf und blickte seinen Key finster an. „Keiner hat das Recht einen Anderen zu verletzen, keiner, hörst du? Ich hab nie begriffen, warum einer seine Wut an einem Schwächeren auslassen muss, nur weil er mit sich selbst nicht zurecht kommt! Niemals werde ich dir wehtun, nur weil ich es darf! Das ist Schwachsinn!“ Schluchzend sank Jamal in sich zusammen, gleich einem kleinen, von Schluckauf gequälten Ball.

Ayame schluckte sichtlich. Im ersten Moment wusste er nicht, was er sagen sollte. //Dieser Junge ist selber Sklave – da bin ich mir sicher.//

„Herr verzeiht. Ich wollte Euch nicht beleidigen und Euch erst recht nicht zum weinen bringen. Vergebt mir, bitte. Meine Worte waren unbedacht gewählt.“ Geschmeidig glitt er aus dem Wasser und schlang sich ein großes Handtuch um die Hüften, ehe er neben seinem Herrn auf die Knie fiel. „Herr, bitte, beruhigt Euch.“ Es fiel ihm sichtlich schwer, die kräftigen Hände nicht schutz- und trostbietend auf die schmalen blassen Schultern zu legen.

„Schon gut.“, hörte er den Blonden schluchzen. „Nichts passiert.“

Tapfer versuchte Jamal zu lächeln und sah die Erleichterung, die das Gesicht seines Keys erstrahlen ließ.

„Sag so was nie wieder Ayame, nicht mal im Scherz, hörst du?“

Der Weißhaarige nickte und ließ Jamal wieder das Farbspiel genießen, als die Sonne auf seine Haare schien. Der Blonde konnte einfach nicht genug davon bekommen.

„Ich werde Ilecz nach dem Frühstück schicken und Euch waschen, wenn Ihr das wünscht.“

Der Blonde schüttelte den Kopf. „Lass mal Ayame, das kann ich alleine. Absolviere du dein Training, ich kümmere mich um Ilecz.“

„Herr.“, brauste Ayame auf, doch eine Handbewegung seines Herrn brachte ihn zum schweigen.

Aber Jamal orderte das Frühstück nicht gleich. Er genoss es viel mehr, den makellosen Körper durch das Wasser gleiten zu sehen, wie er durch die Fluten tauchte ... /Wie ein Fisch, selbst sein Haar glänzt wie das Schuppenkleid einer Forelle./

Anmutig glitt die große Gestalt durch das feuchte Element, Jamal genoss das Muskelspiel unter der sonnenverwöhnten Haut. Er verfluchte es, dass das Becken so klein war, die Kraft, die in Ayame schlummerte, so bremste. An den Rahmen der Verandatür gelehnt ließ er die Sonne sein Gesicht wärmen, als er die Augen schloss.

/Wäre es nicht wunderschön, für immer hier zu bleiben? Bei ihm?/

Doch er schüttelte den Gedanken von sich. Ayame hatte ihm gestern deutlich gemacht, dass in ihrem Leben für Nähe kein Platz wäre, dass er tun würde, was von ihm erwartet wurde. Und plötzlich bereitete Jamal der Anblick des Anderen Schmerz, sodass er es vorzog, sich abzuwenden und Ilecz um das Frühstück zu bitten.

Dann setzte er sich wieder mit seinem Buch auf seinen Lieblingsstein und war schon bald wieder in die faszinierende Welt der Sagen und Mythen getaucht, hatte sein Umfeld aus seiner Welt ausgesperrt.



Neugierig hob Ayame den Kopf, als er Schritte hörte, die sich entfernten. Er gab es nicht gern zu, aber er und auch sein Ego hatten es genossen, die verhohlenen Blicke seines Herrn auf sich zu wissen, das aufflammende Begehren für möglich zu halten.

Eilig zog er sich das Handtuch um die Hüften und eilte durch das Zimmer um Ilecz zu öffnen.

Er hatte seinen Herrn gerufen, doch in sein Buch vertieft hatte der nicht reagiert. So zog es der Key vor, sich erst einmal ansehnlich herzurichten, ehe er seinem Herrn erneut unter die schönen blauen Augen treten würde. //Pass auf was du von ihm denkst, Ayame. Er wird wieder gehen, wenn er es leid ist.//, erinnerte er sich daran, dass es das schlimmste ist, was man als Key tun konnte. Sich in einen seiner ständig wechselnden Herrn zu verlieben. Aber der Kleine machte es ihm auch leicht, so angenehme Gesellschaft hatte er noch nie gehabt.

Auch als Ayame bekleidet und mit gerichteten Haaren wieder im Wohnraum erschien, saß Jamal noch immer mit seinem Buch auf den Knien und blätterte gerade mit leuchtenden Augen um. So setzte er sich auf die Truhe vor dem Bett und beobachtete den Jungen, der immer wieder verirrte Strähnen hinter das Ohr klemmte, sich vor Spannung auf die Unterlippe biss und die vorsichtig zwischen den Zahnreihen rieb.

Leicht amüsiert erinnerte Ayame sich daran, dass es seine früheren Herren immer erheitert hatte, wenn er ein paar seiner Kunststücke vorgeführt hatte. So begann er sich zu konzentrieren, seine Augen wurden blass und mehrere kleine Tropfen lösten sich aus dem Teich. Ayame formte aus ihnen kleine Bälle und ließ sie dann auf Jamal fallen, der entsetzt aufschrie und sich wie ein getroffenes Tier in seine Kissenecke flüchtete, panisch um sich sah und zu zittern begann.

„Herr verzeiht, ich wollte Euch nicht ... ich wollte nur ...“ Ayame war sichtlich geschockt von dieser Reaktion. Er schluckte, als er nach dem Tablett mit dem Frühstück griff und es vor Jamal auf den niedrigen Tisch stellte. Der schien sich langsam zu beruhigen und blickte Ayame in die Augen, erkannte, dass sie entscheiden heller waren als sonst.

Schnell versuchte der Key sich zu erklären. „Sie werden heller wenn ich meine Künste anwende – ich kann das Wasser beherrschen.“ Er verbeugte sich tief und zollte seinem Herrn den gebührenden Respekt, wartete, bis der zu essen begann. Dann richtete er sich wieder auf und setzte sich auf eines der Kissen.

„Meine Reaktion eben war etwas albern, oder?!“, versuchte Jamal die Stille im Raum zu brechen. Das leise Plätschern machte ihn im Moment schier wahnsinnig.

„Nein Herr, ich hätte Euch nicht überfallen dürfen.“ Er weitete verblüfft die Augen, als Jamal lächelte.

„So bist du wirklich, hab ich recht? Nicht so gezwungen und zurückhaltend sondern frech und immer Scherze im Kopf. Das mag ich Ayame, und da ich jetzt weiß, was mir blühen kann, wird mich das nicht mehr wirklich überraschen. Bleib so, ja?“ Er blickte in die sich langsam wieder verdunkelnden Augen und nahm mit Erleichterung das Nicken des Anderen wahr. „Ayame, hör auf die Finger zu verbiegen und frage, was du wissen möchtest.“, setzte Jamal nach, als er bemerkte, dass seinem Key etwas unter den Nägel zu brennen schien.

„Verzeiht Herr wenn ich zu aufdringlich werde und weist mich in meine Schranken. Aber wer seid Ihr? Ich sehe Euch an, dass ihr Angst habt und werde das Gefühl nicht los, dass ich – ob ich es nun beeinflussen kann oder nicht – Teil dieser Angst bin. Warum, Herr?“ Er blickte Jamal tief in die Augen und der wandte sich ab. //Typisch für einen Sklaven.//

Jamal seufzte und schob die Schüssel mit der Früchtemischung bei Seite. „Du hat wohl ein Recht. Machen wir es kurz. Mit acht hat man mich entführt, an ein Freudenhaus verkauft. Der Besitzer hat Gefallen an mir gefunden und mich vier Monate zum Liebessklaven ausbilden lassen, ich konnte fliehen, hab von einer Freundin das Amulett hier“, er wies auf den Schlüssel um seinen Hals „bekommen und angefangen von dir zu träumen, ich wollte dich finden und durchquerte die Wüste. Mein Führer wollte mich an den Palast verkaufen und Lathyrus hat den Schlüssel erkannt. Und nun bin ich hier.“ Er zuckte die Schultern, das war´s auch schon alles.

Ayame blickte ihn skeptisch an. „Man hat Euch nur vier Monate ausgebildet? Hat Euch also nur das Empfangen gelehrt?“, erkundigte er sich und war sich dessen durchaus bewusst, dass er mit dieser Frage seinen Herrn beleidigte. Doch der nickte nur. „Dass ein Holder im Besitz des Schlüssels von mit räumt, das höre ich zum ersten mal.“, gestand er leicht errötet und bemerkte amüsiert, dass auch sein Herr leichte Schatten unter den Augen bekam.

„Was gedenkt Ihr heute zu tun?“, lenkte Ayame ab, um die Situation zu retten.

„Ich dachte, ich setze mich etwas in die Sonne und lese. Was wirst du tun?“

Ayame verdrehte kaum merklich die Augen. „Was immer Ihr für mich vorgesehen habt, Herr.“

„Okay – dann wirst schwimmen gehen und ich werde lesen, ist das in Ordnung?“ Leicht verwirrt bemerkte Jamal, dass Ayame sich das Lachen verkneifen musste.

„Ja sicher Herr, das ist okay.“

Und das taten sie dann auch.

Jamal saß mit einer leichten Hose bekleidet in der Sonne auf der Veranda und beobachtete den großgewachsenen Körper, wie er das Wasser durchstieß, mit dem kühlen Nass verschmolz, eins zu werden schien.

Und Ayame genoss es sichtlich, so beobachtet zur werden. Er drosselte das Tempo, in dem er durch das Wasser glitt, und legte mehr Kraft in die Bewegung, ließ die Muskeln deutlich hervortreten und nahm die Röte als Triumphgeschenk in sich auf, als sein Herr sich beim Schauen erwischt fühlte.

Jamals knurrender Magen erinnerte ihn, dass wohl Mittagszeit sein könnte. Er befahl Ayame im Wasser zu bleiben und eilte Ilecz zu rufen.

Ayame lachte leise auf, nein – einmal Sklave – immer Sklave. Jamal würde wohl nie aus seiner Haut können. Er legte die Unterarme auf den rauen Beckenrand und platzierte ein Wange darauf, beobachtete mit schief gelegtem Kopf, wie Jamal nervös an der Tür stand und auf das Klopfen wartete, anstatt einfach vor die Tür zu treten und Ilecz entgegenzugehen. //Niedlicher kleiner Kerl.//



So verbrachten sie die nächsten Tage. Jamal ließ Ayame jede Freiheit, die er brauchte. Ayame versuchte im Gegenzug dafür ihn nicht mehr wie einen Herrn zu behandeln. Und es wurde mit jedem Tag leichter, Jamal mehr und mehr als Freund zu sehen.

Der saß den ganzen Tag auf der Terrasse und hatte schon sichtlich Farbe bekommen, während er Ayame beim Training beobachtete. Irgendwann hatte der ihn auch mal zum mitmachen animieren können, aber Jamal war zusammengezuckt, als große Hände ihn griffen um ihm die Grundübungen des Tai Chi zu erklären. Entschuldigend hatte Jamal den Key angeblickt, und Ayame hatte schnell aufgeben. Denn noch immer war der Blonde sein Herr und gebot über sein Leben, auch wenn der Kleine das wieder und wieder von sich wies.

Mit Erleichterung hatte Ayame feststellen dürfen, dass Jamal nicht noch einmal versuchte, sich in dem Haufen Kissen zur Ruhe zu legen. Und er war auch noch da, als er am nächsten Morgen erwachte. Jamal hatte sich zwar nicht wieder an ihn gekuschelt, aber er hatte auch nicht die Nacht auf er Veranda verbracht, was Ayame schon als Fortschritt für sich wertete.

Nun wollte er, dass Jamal anfing ihm zu vertrauen, dass er dem Blonden zeigen konnte, dass nicht jede Hand nur Schmerz brachte, die sich seiner Haut nähern wollte.


8. Todesangst

Jamal hatte sich aus der Bibliothek ein Buch besorgt, das sich mit der Kultivierung künstlicher Gewässer befasste. Er hatte gar nicht gewusst, dass es so etwas gab – Gewässer in Räumen. Und nun fand er mit Ileczs Hilfe sogar ganze Buchreihen darüber.

Er hatte sich von Ayame eine zerschlissene Hose reichen lassen, der diesem Wunsch nur widerwillig nachkam, wusste er doch beim besten Willen nicht, warum sein Herr eine alte Hose tragen wollte. Aber er hatte gelernt, dass es keinen Sinn hatte, dem Kleinen zu widersprechen – auf seine liebenswerte Art konnte Ayame ihm sowieso nichts abschlagen.

Und nun hockte der Blonde seit geraumer Zeit im Gras vor dem Teich, blätterte in verschiedenen Büchern und begutachtete dann die Bepflanzung. Ayame hatte es sich auf dem Bett gemütlich gemacht um zu meditieren, aber seine Konzentration ließ sehr zu wünschen übrig. So hatte der Key es schnell aufgegeben und beobachtete nun seinen Herrn, wie er Blüten untersuchte, unter Blätter guckte, hier und dort wild wuchernde Pflanzen ausrupfte oder verschnitt. Und der Kleine war mit Feuereifer bei der Sache. Unbewusst bot er Ayame die Möglichkeit, ihn genau zu beobachten: wie die schlanken Beine vom weichen Stoff der Hose umhüllt wurden, ab und an durch ein paar Löcher blasse Haut schien, wie die sich langsam bildenden Muskeln unter der weichen Haut sich spannten, wenn er zugriff oder etwas zur Seite legte. Leise seufzte der Key, als er sich ein Kissen vor das Gesicht schob.

Jamal beobachtete, wie sich das Wasser kräuselte, die Wellen des Wasserfalls die Lotosblätter sanft wiegten. Er bemerkte sein Spiegelbild im Wasser und stutzte. Sein Gegenüber war nicht blond, sondern das Haar schimmerte wie Ayames in allen Farben, wirbelte offen um den Kopf, während Jamal seines streng zurückgebunden hatte. Auch waren seine Augen im Wasser grau.

„Ayame?“

Er blickte sich zu seinem Key um, der sich gerade über das breite Bett rollte. Bei den Worten seines Herrn blickte er auf.

„Gibt es Tiere in diesem Teich?“, wollte der wissen. Sein Key verneinte und erklärte, dass er es nicht für gut halten würde, Tiere auf so engem Raum zu halten, dass früher mal Fische in den Teich eingesetzt werden sollten, er aber dagegen gewesen war. „Warum fragt Ihr, Jamal?“

„Nur so, mir war als hätte ich ein seltsames Gesicht gesehen und ein Schuppenkleid, das schimmerte.“

Ayame fing an zu lachen, auch wenn er es mit hochrotem Kopf sichtlich zu unterdrücken suchte. „Mein Herr blickt ins Wasser und sieht ein seltsames Gesicht – wem das wohl gehören möchte?“, neckte er und rettete sich hinter einem Kissen, als Jamal lachend ein paar abgeschnittene, verblühte Blütenköpfe warf.

Sich wieder in Sicherheit wissend legte sich Ayame grinsend auf den Bauch und begann sich zu konzentrieren, zwei kleine Bälle Wasser stiegen aus dem Teich empor und schwebten auf Jamal zu, der die Gefahr aber kommen sah und quietschend durch den Raum flüchtete.

„Untersteh dich – ich tauch dich in den Pool!“, drohte er seinem Key sehr unglaubwürdig und versuchte sich auf die Veranda zu retten. Die kleinen Bälle folgten ihm und ehe er sich versah, verlor er den Halt und stürzte kopfüber in den Pool.

Panisch begann er zu strampeln und zu rudern, schluckte Wasser, und dann waren da Hände, die nach ihm griffen, die ihn unter das Wasser zogen. Langsam verschwamm der Blick auf Wolken und schattenspendende Bäume, wurde dunkler. Nackte Angst machte sich in Jamal breit. Er begann zu strampeln, zu treten, wollte sich wehren, an die Oberfläche gelangen. Seine Lungen begannen zu brennen, als er Wasser atmete.

Sein Gegenüber packte ihn fest an den Oberarmen und blickte ihm tief in die Augen. Der Fremde hatte Ähnlichkeit mit Ayame – das lange schillernde Haar. Aber die Augen waren kälter, nicht dieses warme Violett das er so liebte, sondern grau, kaltes nichts sagendes Grau.

Mit all seiner Kraft wehrte er sich gegen den umklammernden Griff des Anderen, der seine Beine um ihn geschlungen hatte, der seine Arme fest an seinen Körper drückte. Die kraftvollen Unterarme, die sich über Jamals Brust gelegt hatten, pressten schmerzlich die Luft aus den brennenden Lungen.

Jamal konnte nicht denken, sein Ende vor Augen versuchte er sich ein letztes Mal zu befreien, erreichte die Oberfläche zum Atem schöpfen, schrie verzweifelt aus Leibeskräften nach Ayame, der bereits auf die Veranda getreten war und sich nun kopfüber in die Fluten stürzte. Dann wurde er wieder hinabgezogen. Panik lähmte Jamals Bewegungen.

Als hätte der Fremde nicht gefunden, was er gesucht hatte, ließ er Jamals Körper aus seiner Gewalt. Der spürte, dass die Hände ihn hatten gehen lassen, er war frei und trieb wieder der Oberfläche entgegen, sah wieder Himmel und konnte ihn erreichen. Tränen liefen aus den geschlossenen Augenwinkeln und vereinten sich mit den Wassern des Pools.

Mit wenigen Schwimmzügen war Ayame bei seinem Herrn und hatte ihn an sich gedrückt. Eilig verließ er mit ihm das Wasser, hielt den zitternden, hustenden jungen Mann fest an sich gedrückt. Er konnte das Herz des Anderen rasen hören, wie es wildes Stakkato gegen die schmalen Rippen hämmerte, wie es schneller schlug als gesund war. Hustenkrämpfe schüttelten ihn.

„Jamal, keine Angst, ich bin bei Euch.“, versuchte er den Blonden zu beruhigen.

Ayame trug den weinenden, sich panisch an ihn klammernden, Jamal ins Bad und setzte ihn auf einen der Stühle, als er sich auf die beigefarbenen Fliesen kniete. Der Blonde hatte seine Arme um den braungebrannten Nacken geschlungen und wollte, oder konnte, sich einfach nicht lösen. Die Tränen liefen noch immer über das blasse Gesicht, aus dem alles Blut gewichen schien. Leise wimmerte er, wurde lauter, als Ayame versuchte, die Arme um seinen Hals zu lösen um ein Handtuch zu holen.

„Ist in Ordnung Jamal, ich werde nicht weggehen.“, versicherte er, als er den Jungen um die Taille griff, sein Becken zwischen die langen Beine schob und zuließ, dass der Andere sich an ihn klammerte. Mit seiner süßen Last erhob sich Ayame wieder.

//Nun fütter ich ihn seit Tagen und er ist immer noch so leicht.//, stellte der Key fest, als er mit Jamal in seinen Armen zum Regal wanderte, Handtücher einsammelte und dann wieder zum Sessel ging. Er setzte den Blonden wieder ab, der sich nur langsam beruhigen konnte. Immer wieder hörte Ayame ihn murmeln, aber er verstand ihn nicht. So begann er die tropfnassen Haare trocken zu rubbeln.

Etwas umständlich, da sich der Blonde immer noch an ihn drückte, öffnete er Jamals Oberteil und streifte den nassen Stoff über die Schultern, konnte ihm das Hemd aber nicht ausziehen, da sein Herr sich noch immer verzweifelt an ihn klammerte. So sah er keine andere Chance als das Hemd an den Nähten zu zerreißen. Jamal ließ es ohne eine Regung geschehen. Er hatte sein Gesicht in Ayames Halsbeuge vergraben und schluchzte nur noch leise. Die beruhigenden Berührungen des Handtuches auf seinem Rücken genießend versiegten langsam die Tränen und es gelang Jamal sich von seinem Key zu lösen.

„´tschuldigung.“, nuschelte er noch etwas unbeholfen, als er sich die nassen Haare aus dem Gesicht strich.

Sein Blick streifte das kaputte Hemd auf dem Boden und er blickte Ayame fragend an. Der hob entschuldigend die Hände. „Ihr habt mich nicht losgelassen Jamal, und die nassen Kleider mussten runter.“

Erst jetzt bemerkte der Kleinere, dass seine Beine noch immer Ayames Taille fesselten und löste sich errötend.

„Na seht Ihr Jamal, schon ist die Gesichtsfarbe wieder gesünder! Was ist nur passiert?“

Wie selbstverständlich trocknete er Jamal weiter ab und der ließ es sich, erstaunlich auch für sich selbst, gefallen, ohne sich unbehaglich zu fühlen. Er wartete jede Sekunde darauf, dass sich sein Magen verkrampfen würde. Doch dies blieb aus, im Gegenteil – eine wohlige Wärme durchströmte seinen ausgelaugten Körper.

„Du hast mich vorhin ausgelacht, als ich sagte, da war was im Teich.“, versuchte der Blonde vorwurfsvoll zu klingen. Doch die ihn frottierenden und beruhigenden Hände ließen das nicht zu. „Im Pool hat mich etwas angegriffen. Es hat nach mir gepackt, mich an sich gedrückt, seine Beine ... ich weiß nicht, ob es Beine waren.“ Jamal schloss die Augen und atmete tief durch. „Seine Beine umschlangen mich und pressten mich eng an den muskulösen Körper. Ein bisschen war es wie Schuppen, dann wieder auch nicht, sondern weiche Haut. Ganz seltsam.“

Ayame blinzelte. „Ihr meint, in Eurem Pool schwimmt ein Monster?“

„Ich weiß selbst, wie bekloppt das klingt.“, versuchte Jamal sich kleinlaut zu verteidigen, konnte es ja selbst nicht glauben.

Doch sein Key schüttelte den Kopf. „Ich hab dort zwar niemanden gesehen, aber es muss ja einen Grund haben, dass ihr untergegangen seid.“

„Ayame – ich weiß nicht warum, aber der Kerl sah aus wie du.“ Schüchtern griff er in das feuchte, lange Haar, das im Licht der durch das Fenster brechenden Abendsonne schimmerte wie Gold, ließ eine Strähne durch die immer noch zitternden Finger gleiten. „Sein Haar war wie deines – so lang, so schillernd. Aber seine Augen waren kalt – kaltes, unfreundliches Grau.“ Seine Hand glitt über Ayames rechte Wange, weiter zum Ohr. „Die Ringe trug er nicht, aber dafür zwei Stecker mit blauen Steinen.“

Der Key hob die dunklen Brauen. „Das habt Ihr alles erkannt?“

Jamal zuckte die Schultern, ließ die Hand wieder sinken, sie schien zu glühen, prickelte und kribbelte ganz furchtbar. „Mir ist, als hätte sich sein Gesicht in mein Bewusstsein gebrannt.“, flüsterte er und schloss die Augen.

„Und alles ist meine Schuld.“, entgegnete Ayame genau so leise und zog Jamal wieder etwas an sich, erfreut zu spüren, dass der Blonde sich nicht wehrte, nicht panisch schrie oder ihn von sich drängte. „Ich hätte euch nicht ärgern dürfen Herr, ich bin ein ungehorsamer Sklave.“

„Halt die Klappe Ayame, bin jetzt nicht zum streiten aufgelegt.“ Jamal lächelte seinen Key müde an, legte seinen Kopf aber dankend auf die ihm gebotene Schulter.

„Ein Bad täte Euch gut, Jamal.“, versuchte der Key abzulenken, doch sein Herr schüttelte nur den Kopf. „Vergiss es Ayame, so schnell kriegt mich keiner mehr ins Wasser.“, wehrte Jamal müde ab, ehe er sich erhob, Ayames Arme über die Schultern abwärts glitten und dessen große Hände auf der Lendenwirbelsäule liegen blieben. Den Kopf hatte der Andere gegen Jamals Bauch gelehnt, nur kurz, nur vorsichtig. Wimpernschläge nur zu lange um Zufall zu sein, sodass sich Jamal nicht sicher sein konnte, ob er sich die weichen Haare auf seinem nackten Bauch nur eingebildet hatte, oder es ihm wirklich vergönnt war sie zu spüren.

/Darüber will ich jetzt nicht nachdenken, ich habe ihn sowieso schon zu dicht an mich rangelassen./, rief er sich zur Räson und löste Ayames Arme um sich. Der Key gehorchte wortlos und erhob sich, ermöglichte es seinem Herrn, das Bad zu verlassen.

//Er will trotz aller Angst meine Nähe nicht.//, musste Ayame erkennen und sammelte die feuchten Handtücher zusammen. Wortlos ging er zur Tür, klingelte nach Ilecz und ging dann wieder zurück in das Bad, um auch das feuchte Hemd in den Packen Handtücher zu wickeln.

Als er abermals das Wohnzimmer betrat, stand Jamal zitternd im Raum und sah sich hilflos um. So war es an Ayame, die Verandatür zu schließen, eine trockne Hose aus der Truhe zu nehmen und sie dem Blonden zu reichen.

„Zieht Euch etwas trockenes an Jamal, sonst werdet Ihr Euch erkälten.“

Der nickte und nahm den leichten Stoff dankend entgegen.

„Reicht mir einfach die nasse Hose, ich habe nach Ilecz geklingelt, er wird sich um die nassen Sachen kümmern.“ Ayame war versucht sich des Anstandes wegen abzuwenden, als Jamal die Schnüren der Hose öffnete. Doch die mittlerweile leicht gebräunte Haut lockte ihn. Er konnte den Blick nicht abwenden, und so ließ er seine Blicke über Jamal wandern, der die Hose zu Boden gleiten ließ, sich bückte um sie aufzuheben.

Mit hochrotem Kopf griff sich Ayame den nassen Stoff und war dankbar, dass er den Weg zur Tür einschlagen konnte, als es klopfte. Schnell hatte er Ilecz die Kleider und eine Order gegeben, da ging er auch schon zu Jamal zurück, der auf dem Bett saß und mit den Beinen baumelte.

„Ilecz wird gleich etwas zu essen bringen, dann legt Euch hin und schlaft, Jamal.“

Der blickte seinem Key entgegen und lächelte ihn an.

„Das ist lieb, danke. Magst nicht schwimmen gehen oder Tai Chi?“, erkundigte sich der Blonde, doch Ayame schüttelte den Kopf, als er sich vor dem Bett auf ein Kissen sinken ließ.

„Es ist an mir für Euer Wohl zu sorgen. Und ich glaube, ich sollte Euch jetzt nicht allein lassen, Jamal.“

Er erhob sich und zündete die ersten Kerzen an, die rund um das Bett in schweren Haltrungen darauf warteten, ihr warmes Licht zu spenden, nur um selbst zu vergehen.

„Legt Euch hin.“, bot Ayame an, während er die Kerzenständer dichter an Jamals Seite des Bettes schob. Der leicht fragende Blick amüsierte ihn. „Ihr sollt doch sehen, was Ihr esst.“

Jamal nickte und ließ sich von seinem Key unter die Decke schieben. Er richtete sich ein Kissen im Rücken zurecht und hörte es klopfen. Instinktiv wollte er aufspringen, doch Ayame war schneller und bremste ihn. „Hinlegen – ausruhen.“, fast klang es wie ein Befehl und ließ Jamal gehorchen.

Sie aßen schweigend, warfen sich immer wieder beobachtende Blicke zu. Ayame hatte es vorgezogen, sich auf dem Boden mit seinen Schüsseln auszubreiten und blickte immer wieder auf, violette Augen trafen blaue.

Er konnte nicht mit Worten beschreiben, was dieser schüchterne Blick aus wasserblauen Augen unter viel zu langen Ponyfransen in ihm auslöste. Wärme pulsierte durch seinen Körper, und er musste den Drang förmlich unterdrücken, sich zu ihm auf das Bett zu legen und den schmalen, zerbrechlichen Körper dicht zu sich zu ziehen. So zog Ayame es vor, den Blicken auszuweichen und konzentrierte sich auf sein Essen.

Und so entging ihm, dass sein Herr enttäuscht in seine Schüssel blickte und sich tapfer die Tränen verbiss.

Irgendwann hatte der seine Schüsseln leise zurück auf das Tablett gestellt und sich unter die Decke verzogen. Ein Kissen auf dem Gesicht dämpfte das Schluchzen. So dauerte es auch eine Weile, bis Ayame bemerkte, dass sein Herr bereits zu schlafen schien. Leise räumte er das Tablett vom Bett und machte sich dann auf zur Veranda, öffnete einen Flügel der Tür und ging auf den Pool zu. Was immer Jamal dort gesehen haben wollte, es konnte nicht dort raus.

Noch mit der Hose bekleidet tauchte er in die dunklen Fluten und untersuchte jeden Winkel. Doch er fand nichts. Nachdenklich setzte er sich auf den Rand, als sein Blick wieder ins Zimmer fiel. Er erhob sich lächelnd, entledigte sich seiner Hose und trocknete sich ab. Dann krabbelte er mit einem wohligen Gefühl unter die Decke und legte sich auf die Seite, sodass er Jamal beobachten konnte, der unter seinem Kissen wieder hervorgekrochen war und nun leise atmend schlief.

Mit klopfendem Herzen wagte Ayame es näher zu rücken und durfte mit einem Lächeln feststellen, dass auch Jamal näher rutschte, die Wärme des anderen Körpers zu suchen schien. Er kuschelte sich gegen einen verblüfften Ayame, der mit geweiteten Augen und hochgezogenen Brauen beobachtete, wie sein Herr sich gegen seine nackte Brust drückte, die schmalen Hände sich auf die noch leicht feuchte Haut pressten und der warme Atem des Blonden eine Gänsehaut über den großen, braungebrannten Leib jagte.

Langsam und vorsichtig, immer auf Jamals Reaktion wartend, schob er einen Arm um die Taille seines Herrn und grub die Nase in das noch feuchte Haar. Durch den leichten Chlorgeruch des Poolwassers konnte er noch immer den Flieder richten. //Ihr seid einfach wunderbar Herr, ich kann nicht anders.// Er hasste sich dafür, dass er zugelassen hatte, dass dieser kleine Kerl hier in seinen Armen einen entscheidenden Teil in seinem Leben hatte einnehmen können. //Verlasst mich nicht Jamal, ich bitte Euch – verlasst mich nicht.//

Sein Herz schmerzte, als auch er endlich einschlief.


9. Der Herr des Wassers

Nur langsam glitt Jamals Bewusstsein aus den erholsamen Schleiern des Schlafes hinauf an die Oberfläche. Er hatte lange nicht so gut geschlafen, so ohne Angst, so behütet. Viel zu faul war er um die Augen zu öffnen, genoss es viel zu sehr sich treiben zu lassen, sich dem Duft der Lilien hinzugeben. Genüsslich versuchte er sich zu strecken, stemmte die Hände in die weiche Matratze unter sich und erntete ein leises Murren.

Die Hitze genießend, die ausgehend von den Fingerspitzen durch seine Hände seinen Körper durchflutete, öffnete er träge ein Auge und erstarrte fürs erste. Seine Hände ruhten nicht auf der weichen Matratze sondern auf Ayames breiter Brust, wie der Rest von ihm auch.

Sein erster Gedanke war Flucht!

Weg!

Viel Platz zwischen sich und diesen begehrenswerten Körper bringen. Aber eine Hand auf seiner Lendenwirbelsäule und ein Bein, das sich besitzergreifend um seine Oberschenkel geschlungen hatte, machten dies unmöglich. Jamals Herz begann zu rasen, viel zu gut roch der Andere, viel zu betörend war der Anblick des schlafenden Keys, auch wenn Jamal ob seines schiefgelegten Kopfes nicht wirklich viel von dem entspannten, sicher noch schlafenden Gesicht sehen konnte.

Aber er konnte die gleichmäßigen Atemzüge spüren, im Haar, als Ayames Atem es streifte, unter sich auf der Brust, die sich hob und senkte, Jamal langsam wieder in die Arme des Schlafes drängen wollte. Und nur zu gern wollte er diesem weichen, betörenden Körper folgen.

Verträumt strich seine linke Hand über Ayames rechten Oberarm. Vorsichtig, mit einem Finger, streichelte er über die weiche Haut, warm und trocken fühlte sie sich an, strotzte vor Kraft. Dann nahm er zwei Finger und ließ sie darüber gleiten, nahm auch die kleinste Unebenheit der Muskeln in sich auf, freute sich über das wohlige Schnurren, dass er seinem Key entlockte. Langsam krochen die Finger von Ayames Handgelenk hinauf, der Daumen gesellte sich dazu. Zögerlich glitt Jamal weiter über den Oberarm, streichelte die Schulter, verharrte unschlüssig.

Sanft ließ er seine Wange über die Brust unter sich streichen, drehte den Kopf weiter, verbrannte sich an der sonnenverwöhnten Haut die Lippen.

Jamal schloss die Augen, konnte nicht anders als leichte Küsse auf die sich regelmäßig hebende und senkende Brust zu pressen. Wie von selbst glitten seine Arme weiter unter seinen eigenen Körper, dann wanderten die suchenden Hände Ayames Seiten hinab, hauchzart streichelten sie langsam den Schlaf aus dem großen Körper und Augenblicke später hörte er ein leises „Guten Morgen, Jamal.“, das ihn zusammenschrecken ließ. Doch es blieb ihm nicht die Zeit, sich herauszureden oder panisch aufzuspringen, denn ein lautes Hämmern gegen die Tür riss beide aus dem Zauber des Momentes.

Noch ehe Jamal reagieren konnte, hatten ihn große Hände sanft auf die Matratze zurückgelegt. Ayame griff sich im vorbeigehen eine Hose aus der Truhe und öffnete, nachdem er sich angezogen hatte, die Tür.

Es wurde nur leise gesprochen, Worte und Bedeutung konnte Jamal nicht ausmachen, so sehr er sich auch anstrengte. Aber er erkannte Lathyrus´ Stimme.

Es schien wichtig, denn der Diener des Palastes klang aufgeregt, normalerweise war es ihm untersagt, die Herren der Keys aufzusuchen – also musste es sehr wichtig sein, schlussfolgerte Jamal. So zog er es vor, sich schnell zu duschen, dieser Besuch konnte nichts gutes bedeuten.

Jamal hatte gerade das Wasser abgedreht und sich ein Handtuch um die Hüften geschlungen, als Ayame das Bad betrat.

„Jamal, der Meister des Palastes wünscht Euch umgehend zu sprechen. Sein Diener sagte, es wäre wichtig, würde Euch und mich betreffen, Ihr solltet in einer Vorwurfsache Klärung schaffen.“

Jamal blickte sich zu seinem Key um und löste gerade die Bänder, mit denen er sich die langen Haare hochgebunden hatte, um sie nicht unter der Dusche zu benetzen. „War das alles? Ist aber eine spärliche Auskunft.“, murmelte Jamal und Ayame nickte.

„Jamal, es ist mir leider untersagt, Fragen an den Diener des Meisters zu richten. Es obliegt ihm nicht, Fragen zu beantworten, deren Antwort einen Key nichts angeht.“ Ayame hatte ebenfalls die Kleider abgelegt und wanderte nun seinerseits unter die Dusche, während Jamal sich die Haare richtete und die Zähne putzte.

„Was dich nichts angeht! Hast du nicht eben gesagt, es ginge auch um Dich?“

„Jamal, nur weil es um mich geht, heißt das innerhalb dieser Mauern noch lange nicht, dass es mich auch etwas angeht.“

Der Blonde schüttelte nur die lange Mähne und fasste sie streng zu einem Zopf. „Ich werde die Gepflogenheiten wohl nie verstehen lernen. Egal, lass dir etwas zu Essen kommen und fang das Poolmonster.“ Der Kleinere zwinkerte Ayame zu, der frech mit den Augenbrauen wackelte, ging dann sich anzuziehen und verließ das Zimmer.

Vor der Tür wartete noch immer der Diener des Palastes und begrüßte Jamal mit einer tiefen Verbeugung. „Verzeiht die Störung, Herr Jamal. Aber der Palastmeister möchte Euch sprechen.“

Auch der Blonde deutete eine Verbeugung an und folgte dann stumm dem Dunkelhaarigen, der wieder in einer hochgeschlossenen Uniform vor ihm herging.

„Worum genau geht es denn?“, wollte er dann doch wissen, als die Stille ihm zu tröge wurde.

„Verzeiht Herr Jamal, aber ich bin nicht befugt, Ihnen Auskunft zu geben. Mein Herr hat es mir streng untersagt. Er allein möchte es Euch erklären. Ich bitte Euch noch um ein paar Augenblicke Geduld, wir haben seine Gemächer gleich erreicht.“

Seufzend musste sich der Blonde mit diesen Worten zu Frieden geben, wissend, dass Lathyrus seinem Herrn treu ergeben war und er keine weiteren Informationen erhalten würde. Sie durchquerten die prächtige Vorhalle mit dem detailreichen Bodenmosaik.

Sich immer nochfragend was wohl geschehen sein konnte, das er klären könnte, bemerkte Jamal, dass der Inder vor einer kunstvoll geschnitzten Tür Halt machte. Er gab dem Blonden nicht die Gelegenheit, sich das Meisterwerk schnitztechnischer Kunstfertigkeit zu betrachten sondern klopfte und öffnete, als eine entsprechende Aufforderung von innen erfolgte. Lathyrus öffnete und ließ Jamal eintreten, er selbst schloss hinter ihm die Tür von außen wieder.

„Ich begrüße Euch, Herr des Schwertlilienkeys.“, vernahm Jamal eine weiche, sehr angenehme Stimme. Er verbeugte sich in Richtung des Schreibtisches und versuchte mehr unauffällig das Zimmer um sich zu erkunden. Es war über und über bewachsen. Überall wuchsen Wicken, hüllten jedes Regal ein, bildeten fast undurchsichtige Trennwände, die in hellen Tönen wunderschöne Blüten trugen. Er hörte das Plätschern von Wasser und erkannte in zwei Ecken des Raumes kleine Zimmerbrunnen. Einer bestach durch seinen Bewuchs – etwas was Jamal selbst in seinen Büchern noch nie gesehen hatte: blauer Lotos.

Der andere bezauberte durch seine Wasserspiele, die sich aus ausgehöhlten Steinen in ein kunstvoll arrangiertes Becken ergossen.

„Nehmt Platz Herr Jamal.“

Erst jetzt nahm sich der Blonde die Zeit, sich den eindeutig jungen Mann hinter dem wickenumwucherten Schreibtisch anzusehen. Kurzes schwarzes Haar, blasse ebenmäßige Haut und stechende Augen – eisblau. Es fröstelte Jamal, als er den Mann ansah, so zog er es vor, weiter über die Blütenpacht in diesem Zimmer zu staunen. Überall leuchteten Blütenköpfe. Er erkannte weder Töpfe noch Beete noch Erde. Die Blumen schienen aus dem Parkett zu sprießen.

„Sicher fragt Ihr Euch, warum ich Euch rufen ließ.“

„Warum Ihr mich wecken ließet, ja, das frage ich mich allerdings.“, entgegnete Jamal etwas patzig, entschuldigte sich aber mit einem Blick dafür. Der Andere schien es nicht einmal registriert zu haben, redete er doch unermüdlich weiter.

„Nun Herr, seid Ihr mit Eurem Key zufrieden - gehorcht er?“

Jamal nickte und erkundigte sich, dass das ja sicher nicht der Grund sei, warum man ihn rufen ließ.

„Bei weitem nicht.“, vernahm Jamal ein tiefe raue Stimme die hinter einer der Wickenwände hervor kam.

„Wenn ihr schon das Gespräch mit einem meiner Gäste unterbrecht, so tretet vor und nehmt auch Platz.“, forderte der Palastmeister und richtete seinen Blick auf eine andere Ecke des Zimmers, wo nur Wimpernschläge später Schritte zu hören waren.

Neugierig wandte Jamal sich um – und erstarrte. Das erste was ihm auffiel waren die Haare. Hüftlang und glatt waren sie weiß, schillerten aber in den Farben des Regeenbogens, als das Licht auf sie fiel. Dem Blonden stockte der Atem und er starrte den Mann an.

„Hast du einen wie mich schon einmal gesehen Jamal?“, begehrte der Fremde zu wissen und der Angesprochene nickte automatisch. /Wie Ayame in zwanzig Jahren!/, durchfuhr es den Jungen, als er die warmen, violetten, jetzt sich langsam verdunkelnden, Augen erblickte, sogar die Ringe trug der Fremde im Ohr. Eines nur unterschied ihn von Ayame: Der Fremde schien eine Vorliebe für kräftige Farben zu haben, das kunstvoll drapierte Gewand strahlte in königsblau und Silber.

„Wo hast du ihn gesehen?“

Jamal riss sich los und antwortete gepresst: „Mein Key, Herr, er ähnelt Euch bis aufs Haar.“

„Da habt Ihr´s!“, richtete sich der Fremde an den Palastmeister, der die Hände gefaltet und die Ellenbogen aufgestützt das Gesicht auf die Handrücken gelegt hatte, und die beiden Anderen amüsiert beobachtete.

„Das, mein Herr, sagt noch gar nichts. Gut, einer meiner Keys ähnelt Euch. Was soll das schon sagen?“

Sich der Unhöflichkeit durchaus bewusst erhob sich Jamal und forderte zu wissen, worum es eigentlich ging und was er hier sollte.

Mit einem kalten Lächeln hob der Palastmeister an zu erklären. „Dieser Herr ist der König der Meere, Herr über das Wasser. So behauptet er zu mindest.“ Das protestierende Schnaufen des älteren Weißhaarigen ignorierend fuhr er fort: „Er behauptet, wir hätten seinen Sohn entführt und ihn zum bleiben gezwungen. Wir pflegen nicht zu entführen.“

„Dann erklärt mir, wie mein Späher gestern in einem der Zimmer meinen Sohn hat erkennen können?“

Nun war der Palastmeister doch etwas irritiert. „Einer Ihrer Späher? Ein Fremder hat den Palast betreten?“ Die kalten Augen funkelten noch etwas heller.

„Ichtianos, tritt ein.“ Eine tiefe, raue Stimme.

Augenblicke später öffnete sich eine weitere Tür und Jamal schrie auf. Panisch erhob er sich aus seinem Stuhl und presste sich gegen die Wand.

Es war der Herr des Wassers, der sich verwirrt erkundigte, warum der junge Mann auf den Anblick seines Spähers so reagierte. Jamal schluckte hart, ehe er ansetzte.

„Dieser Mann hat mich gestern Abend im Pool angegriffen, mich unter Wasser gezogen und wollte mich töten!“, schrie er aufgebracht und wies mit dem Finger auf den ebenfalls Weißhaarigen, der das Zimmer soeben betreten hatte. „Hätte Ayame mich nicht gerettet, wäre ich jetzt tot.“ Seine Stimme war tränenerstickt und überschlug sich fast bei der Erinnerung an den letzten Abend, an die Ängste, die Panik, das Ende vor Augen.

„Wer ist dieser Ayame?“, erkundigte sich der Herr des Wassers und ignorierte die Einwände des Palastmeisters. „Ayame ist mein Key. Der, dem das Zimmer gehört.“, stotterte Jamal und presste sich noch immer in die Wand, weitete die Augen in Unglauben, als der Späher eine tiefe Verbeugung andeutete, sich entschuldigte und die Verwechslung eingestand.

„Dann ist dieser Key – dieser Ayame – wirklich der Prinz?“, hakte der König der Meere ungläubig nach.

„Ja Herr, es besteht kein Zweifel. Er ist nicht nur einer von uns – er trägt auch die königlichen Ringe, die den Thronfolger auszeichnen.“

„Ringe – Thronfolger? Klärt mich jetzt mal einer auf?“ Sichtlich außer sich begann Jamal durch den Raum zu wandern. Diese Männer, die Ayame so ähnlich sahen, die so seltsame Dinge über SEINEN Key sagten, machten ihm Angst, Angst, dass sie ihm nehmen würden, was er so brauchte.

„Ich bin der Herr des Wassers und ...wie nennt ihr ihn, Ayame? Er ist mein Sohn. Nur die königlichen Blutes sind, haben die violetten Augen. Und gleich nach der Geburt hat man ihm die zwei Ringe der Macht in das rechte Ohr gestochen, das Zeichen, dass er die Thronfolge anzutreten hat.“, erklärte der Blaugekleidete ruhig dem aufgelösten jungen Mann. Und an den Palastmeister gewandt „Ich fordere die Herhausgabe des Thronfolgers. Ihr habt ihn unrechtmäßig erworben!“

Doch der lächelte nur, lehnte den Kopf etwas schief und zog die Augenbrauen enger. „Tja, das widerspricht den Regeln des Palastes. Keys dürfen dieses Gebäude nicht verlassen.“

„Ich will zu ihm!“ Der König war aufgesprungen und funkelte den Palastmeister an. Jamal konnte sehen, wie sich die Augen erhellten, wie das Violett immer blasser wurde und er wusste was das bedeutete. „Herr des Wassers, ich bitte Euch. Setzt diese Fähigkeit nicht ein. Das nützt keinem – am wenigsten Ihrem Sohn!“, versuchte er den großengewachsenen Mann daran zu hindern, eine Dummheit zu begehen, die Ayame schaden könnte. Der blickte den Blonden an. „Du weißt was passiert, nicht wahr?“

Jamal nickte. „Ayame beherrscht dies auch.“

„Ichtyos. Sein Name ist Ichtyos.“

Wutentbrannt richtete sich der Herr des Wassers an den immer noch lächelnden Palastmeister. „Ich will Ihn sehen!“

„Sie können weder zu ihm – noch kann Ayame hier her kommen.“ Es schien ihm Freude zu bereiten, den Ichtyos von ihm auferlegten Namen zu benutzen und den Fremden tief zu kränken. „Er hat sein Zimmer nicht zu verlassen, allein der Herr darf es betreten. Tut mir leid.“ Das feine Lächeln war genauso falsch wie die sanfte Stimme, und Jamal kostete es sehr viel Beherrschung, nicht über den Tisch zu springen und das Grinsen aus dem fahlen Gesicht zu kratzen.

Es war der König, der sich wieder zu Wort meldete. „Ich ersuche Euch noch einmal, gebt meinen Sohn heraus. Ihr scheint noch immer nicht begriffen zu haben, mit wem Ihr Euch anlegt.“

Und augenblicklich wurde es still im Raum. Jamal versuchte zu ergründen, was diese Stille heraufbeschwor, und dann fiel es ihm auf. Die Springbrunnen waren versiegt. Ungläubig stand er ruhig und ging dann zum Teich. Langsam sank der Wasserspiegel und die Fische begannen wild zu zappeln.

„Palastmeister, ich bin der Herr über das Wasser. Das was ich Eurem Brunnen antun kann, kann ich Eurer ganzen Oase antun. Seid Ihr bereit, das zu opfern, nur um einen Eurer Keys zu behalten?“ Der König setzte sich bequemer, ließ den sichtlich wütenden Schwarzhaarigen nicht aus den Augen. Jamal war immer noch damit beschäftigt zu ergründen, warum das Wasser versiegt war.

„Sicher hat er damals auf Eurer Treppe gesessen um auszuruhen. Er war grade sieben Jahre und hatte das erste Mal meinen Palast verlassen. Er kehrte nie zurück. Wie haben ihn überall gesucht und nach all den Jahren endlich hier gefunden.“ Verächtlich deutete der Ältere mit einer flüchtigen Handbewegung in den Raum.

„Es kostet vor allem unerfahrene Aquaianer viel Kraft, sich in flüssiges Wasser zu verwandeln und mit dem Strom zu fließen. Er wird sich ausgeruht haben und ihr habt ihn an Euch genommen. Habe ich recht?“ Der Herr des Wassers lächelte bitter. „Und so wie Ihr meinen Sohn an Euch genommen habt, werde ich mir diese Oase nehmen, sie langsam und qualvoll austrocknen lassen. Es wäre schade um dieses schöne Stück Erde. Aber es obliegt Euch, werter Palastmeister, mir zu geben was ich verlange.“

Er erhob sich und durchmaß das Zimmer, während die Brunnen wieder zu plätschern begannen und Jamal erleichtert mit ansah, wie die zappelnden Fische wieder zu schwimmen anfingen.

„Jamal?“

Der wandte sich um, als die raue Stimme des Königs seinen Namen nannte. „Ich bitte Euch. Redet mit Ichtyos. Ich werde morgen wiederkommen und ihn mitnehmen.“

Jamal nickte wie betäubt.

/Mitnehmen?/

Seine Augen begannen feucht zu glänzen.

/MEINEN Ayame einfach mitnehmen?/

Er schluckte hart. „Ich werde ihm alles sagen, was ich hier gehört habe. Es liegt an ihm, wofür er sich entscheidet. Ich empfehle mich.“, flüsterte er heiser, als er auch schon das Zimmer verlassen hatte.

Langsam ging er über den Gang, versuchte zu verstehen was geschehen war, dass der Mann von gestern keine Einbildung war, dass der König der Meere seinen Sohn wiederhaben wollte, dass Ayame ein Prinz war, dass er ihn verlassen würde.

Und plötzlich drängte all die aufgestaute Energie nach draußen, schreiend schlug Jamal den Weg zum Garten ein und lief, lief was seine Beine hergaben, lief ohne Ziel bis er vor Erschöpfung im Gras zusammensank und weinend liegen blieb.

/Nein – das ist nicht fair – NEIN./

Nur langsam löste er sich aus seiner verspannten Haltung und legte sich auf den Rücken. Die Sonne schien auf das verweinte Gesicht und konnte doch die Tränen nicht trocknen. Jamal konnte von hier aus Ayames Teerasse sehen, ein kleiner Wasserball schwebte über dem Pool. Also schien der Weißhaarige zu schwimmen.

/Ich muss es ihm sagen. Aber wie?/

Jamal setzte sich auf, zupfte ein paar Grashalme ab und kaute auf einem herum. /Wie sagt man einem Key, dass er morgen frei sein wird und eigentlich Thronfolger eines Reiches ist?/ Er sank noch einmal auf den Rücken.

/Ich WEIß es nicht!/

Dann erhob er sich und ging zurück in sein Zimmer, wo er Ayame gerade beim späten Mittagessen überraschte.

Der lächelte ihn an und machte Platz auf dem Bett, reichte Jamal eine Schüssel Huhn mit Reis und blickte ihn erwartungsvoll an. „Und Herr? Was war so wichtig, dass ich aufhören musste Euch im Arm zu halten?“, neckte er und beugte sich nach vorn, um in Jamals gesenktes Gesicht blicken zu können, als auch der sich auf das Bett setzte. Die Tränen auf den rosigen Wangen gefielen ihm gar nicht. „Jamal?“

„Morgen werden sich unsere Wege trennen, Ayame.“

Panisch aufgerissene Augen blickten Jamal an.

„Ihr geht?“, schrie der Key aufgebracht, die Schüssel mit Reis kippte um, als Ayame sich näher zu Jamal beugte. „Ihr verlasst mich einfach so, Herr?“

Jamal schüttelte nur weinend den Kopf. „IHR werdet gehen, Hoheit. IHR werdet mich verlassen.“, schluchzte er leise, und dann begann er stockend zu erzählen.


10. Abschied

Jamal stand über das Geländer der Veranda gebeugt und blickte hinaus in den Garten, versuchte die Stelle im Gras wiederzufinden, an der er vorhin gelegen und geweint hatte. Ob Ayame ihn wohl gesehen hatte?

„Jamal, sagt selbst: Das klingt doch etwas sehr fantastisch als dass es wahr sein könnte – der Herr des Wassers ist mein Vater. So ein Blödsinn! Setzt mich auf den Palaststufen aus und will mich jetzt wieder – genau so schwachsinnig!“

Blaue Augen streichelten das bronzene Gesicht mit ihren Blicken, bewunderten immer wieder, wie die dunklen Brauen Akzente setzten, wie die warmen Augen der untergehenden Sonne entgegenleuchteten, das lange Haar im Schein reflektierte. /Und all das werde ich heute Nacht das letzte Mal sehen. Warum nur?/

„Ayame, er hat dich nicht ausgesetzt. Du bist aus dem Palast ausgerückt.“ Er lächelte als er Ayames Wangen sich färben sah.

„Glaub ich nicht.“

„Du warst schon immer ungehorsam, hab ich recht?“, neckte Jamal obwohl ihm nicht nach scherzen zu Mute war.

„Ich bleibe hier.“

Jamal blickte sich verwirrt zu seinem Key um. Die Augen weit aufgerissen begegnete er Ayames violettem Blick. „Spinnst du jetzt eigentlich total?“ Der Blonde vergaß jegliche Etikette und Ayame hatte in den letzten Tagen gelernt, dass dies nur geschah, wenn der Junge wirklich außer sich war.

„Jamal, was soll ich dort? Sagt es mir? Eltern, die ich nicht kenne, ein Reich, das ich nicht kenne ...“

„Du Spinner kommst hier raus! Begreifst du denn nicht, was das bedeutet?“ Er schrie seinen Key an.

„Ist denn das hier...“ Jamal wandte sich um und deutete hastig und mit einer ausladenden Handbewegung auf den Pool, „...alles was du haben möchtest?“

Die andere Hand wanderte ungehindert zu Ayames Wange. „Da draußen gibt es Weiten – unendliche Weiten von Wasser. In diesem kleinen Zimmer verkümmerst du doch. Deine ungebändigte, hier so eingeschränkte Kraft sollte entfesselt werden, du sollst schwimmen können bis dir die Luft ausgeht und nicht bis harter Stein dich bremst, Ayame!“

„Ich bin zufrieden mit dem was ich hier habe, so lange Ihr bei mir bleibt.“, kam es mehr gleichgültig und ungerührt von dem Ausbruch seines Herrn von dem Größeren.

Jamal schluckte. Das hatte der Key jetzt nicht ernst gemeint!

Das konnten nicht seine Worte gewesen sein!

Verwirrt wandte er sich ab. „Nimm einmal an ich gehe in einer Woche. Dann sitzt du hier fest. Kannst nicht mehr weg!“

„Das würdet Ihr mir nicht antun, Jamal. Das weiß ich.“, erklärte Ayame schlicht und sein Blick verriet, dass er es ernst meinte.

„Ayame – noch bin ich dein Herr, und du hast zu folgen. Nimm diesen Befehl von mir, morgen früh wirst du dieses Zimmer verlassen ohne dich umzusehen! Und du wirst deinem Vater in dein Reich folgen, ist das klar?“ Tränenschwanger zitterte Jamals Stimme.

Warum tat er das?

Warum war er nicht wenigstens einmal in seinem Leben egoistisch und behielt, was das Schicksal ihm geschenkt hatte?

Warum war er drauf und dran den Mann, der ihm so viel bedeutete, aus seinem Leben zu jagen, wenn es notwendig war sogar unter Schlägen?

Warum?

„Jamal – ich bin zwar Euer Key, aber gebt es zu: Gehorsam war ich doch noch nie!“

Jamal seufzte, warum machte Ayame es ihm denn nur so schwer? Langsam glitten die salzigen Perlen über das schmale Gesicht, er wollte stark sein – wollte sich einmal als Herr durchsetzen. Aber er konnte es nicht.

„Ayame, wenn ich es dir nicht befehlen kann, dann bitte ich dich. Geh!“

Der Größere stand noch immer regungslos über die Verandabrüstung gelehnt. „Jamal, sagt mir eines: bedeute ich Euch so wenig, dass Ihr mich einfach so gehen lassen könnt?“

Der Blonde schloss die von Tränen getrübten Augen, doch dann riss er sie wieder auf, er riss den überraschen Key zu sich herum, seine kleinen Fäuste trommelten gegen die nackte breite Brust vor ihm, als er zu schreien begann. „Einfach so? Bist du total bescheuert? Einfach so? Einfach so?!“ Schluchzer machten ihm das Sprechen schwer.

„Du Idiot – es bricht mir das Herz dich gehen lassen zu müssen, genau so wie es mir einen Stich versetzt hat, eine Persönlichkeit wie dich in diesem kleinen Zimmer eingesperrt zu sehen, sehen zu müssen, wie du kraftvoll durch die Fluten gleitest und von diesem scheiß Pool daran gehindert wirst, frei zu sein, alles auszuleben!“

Noch immer schlugen die kleinen Fäuste verzweifelt auf die sonnenverwöhnte Haut, doch der Weißhaarige regte sich nicht.

„Verdammt Ayame! Ich mag dich sehr – und das ist der Grund warum ich dich gehen sehen will – gehen sehen muss!“ Er stockte und versuchte unter Schluchzern Atem zu schöpfen. „Ayame, bitte! Mach es mir doch nicht noch schwerer!“ Kraftlos sank er gegen den Größeren und weinte nun ungehalten. Starke Arme schlossen sich um ihn, streichelten beruhigend seinen Rücken.

„Das .... also ... ich wusste nicht, dass solche Emotionen tief in Euch schlummern, Jamal.“, gestand der Key sichtlich ergriffen. „Wenn es Euer Wunsch ist, so werde ich morgen früh gehen.“

„Ja es ist mein Wunsch!“, flüsterte Jamal heiser und strich mit der kleinen Nase über die Brustmuskeln des Anderen. „Versprich mir, dass du gehen wirst ohne zu diskutieren – nur einmal meinem Befehl folgen wirst. Versprich es, Ayame!“ Die zarte Stimme war kaum noch zu hören, aber Ayame spürte den Hauch der Worte auf seiner tränenfeuchten Haut.

„Bitte Ayame, versprich es.“

„Wie Ihr wünscht, Herr.“ Verzweifelt presste er den schmalen Körper gegen sich. Doch der begann sich zu winden, kleine Hände stemmten sich gegen seine Brust.

„Lass mich los Ayame.“, kam es schroff von Jamal, der seinem Key nicht mehr in die Augen sehen wollte. Noch immer schwang Trauer mit in den Worten, machte sie weniger schneidend, weniger herrisch. Machte sie weich und schutzbedürftig. Doch Ayame gehorchte und löste die Arme um Jamals Rücken.

„Du hast morgen eine lange Reise vor dir. Geh schlafen.“ Jamal wandte sich wieder der Weite des Garten zu, die Sonne war schon längst hinter dem dichten Wald verschwunden, hüllte nur noch die höchsten Wipfel in ein feuerrotes Band. /Wie Blut – Herzensblut./ Der aufkommende Nachtwind versuchte die Tränen zu trocknen, scheiterte.

„Jamal, kommt Ihr dann auch gleich?“

Der schüttelte nur den Kopf. „Nein, du wirst diese Veranda jetzt verlassen und nicht mehr betreten. Verschwinde!“ Der Blonde scheiterte kläglich, als er versuchte, seiner Stimme Bestimmtheit zu geben, Ayame glauben zu machen, dass es ihm egal war, was war – ist – sein wird.

„Schlaf und lass mich allein.“, konnte er gerade noch zwischen den Zähnen hervorpressen, fast war es schon ein Zischen, ehe ihn wieder die Tränen übermannten, Schluchzer ihn erschütterten und er hilflos die Arme um sich selbst schlang, am Geländer zusammensank. Langsam ließ er sich auf die Seite fallen und blieb bitterlich weinend liegen.

Ayame rührte sich nicht.

Schmerz erfüllte ihn. Schmerz über die Worte, die sein Herr nicht so meinte wie er sie sprach aber dennoch sprach, Schmerz über den nahenden Verlust ohne dem jungen Mann je gesagt zu haben, was er empfand und vor allem Schmerz über den Anblick, den sein Herr nun bot. Sichtlich aufgelöst und bitterlich weinend lag der auf dem hellen Holz des Verandabodens und schluchzte. Er sah ihn dort liegen – schutzbedürfend – trostsuchend. Und doch wusste der Key, dass sein Herr es ihm nie gestatten würde ihn zu trösten.

Langsam ließ er sich am Rahmen der Tür hinabgleiten, zog die Beine an die Brust und schlang die braungebrannten Arme darum. Morgen schon würde es vorbei sein. Morgen würde er seinen geliebten Herrn verlassen und ihn nie wieder sehen dürfen. Sollte er es jetzt noch schwerer machen, indem er dem Jungen beichtete, was in ihm loderte, was in ihm wuchs, an die Oberfläche zu brechen drohte?

Wer hasste ihn so sehr, dass es jetzt – ausgerechnet jetzt wo der Junge anfing sich zu öffnen – vorbei sein sollte?

War das denn fair?

Was nutzte ihm denn ein Reich voll Fremder, wenn er den, den er brauchte, nicht um sich hatte?

Warum sollte er mit diesem Fremden, der sich Vater nannte, mitgehen?

Aber Jamal hatte es ihm befohlen. Nein! Er hatte Ayame gebeten zu gehen. Und so würde er dem, den er liebte, diesen letzten Wunsch erfüllen.

Das Mondlicht erhellte die Veranda nur schwach, und noch immer lag der Blonde von Schluchzern erschüttert auf dem Boden, ebenso wie Ayame hatte er sich keinen Zentimeter bewegt. Nur das leise Weinen erfüllte noch immer die Stille der Abendluft. Selbst die Vögel, die um diese Zeit ihr Lied anstimmten, schwiegen betroffen.

Nur zögernd erhob sich der Key und ging zurück in das Zimmer. Es fiel ihm unsagbar schwer den Blonden dort liegen zu lassen. Aber es war sein Wusch gewesen und Ayame versuchte sich einzureden, dass es vielleicht auch besser so war.

Als er aus dem Bad wiederkam und noch einmal einen Blick auf die Veranda warf, war die Stelle, an der Jamal gelegen hatte, leer. Ayame hob die Augenbrauen und ging näher.

Auch wenn es ihm untersagt war, so betrat er die Veranda und sah instinktiv nach rechts.

Und tatsächlich.

Sichtlich erschöpft und müde hatte sich Jamal auf der breiten, geflochtenen Korbcouch niedergelegt, wimmerte nur noch leise. Die Augen waren geschlossen, doch das fahle Mondlicht zeigte jede einzelne Salzperle auf, die das schmale Gesicht entlang glitt.

Ohne zu überlegen setzte sich Ayame neben ihn, dann legte er sich dazu, musste dicht an Jamal rutschen, dass er nicht von der Couch glitt.

„Bitte nicht.“, flüsterte der Blonde, die Augen noch immer geschlossen, als er Hände spürte, die ihn hielten, die auf seinem Rücken lagen und Schutz zu bieten versuchten.

„Euer ungehorsamer Sklave kann nicht anders Herr. Ich muss Euch noch sagen, was ich empfinde, ehe es mich schier zerfrisst.“ Er grub die Nase in das blonde Haar und atmete den vertrauten Duft nach Flieder ein.

„Nein Ayame. Ich habe mich zurückgehalten – da wirst auch du es tun! Mach es uns doch nicht noch schwerer!“

Der Weißhaarige zuckte etwas zusammen.

Konnte es sein, dass der Junge fühlte wie er?

Dass er wusste was in Ayame vorging?

„Jamal, ich wollte Euch nur sagen, dass ich Euch ...“

Finger legten sich auf seine Lippen und ließen ihn verstummen. „Nein Ayame, sag es nicht.“

Langsam öffnete Jamal die Augen und empfing den Blick aus warmen Amethysten. „Bitte Ayame, sprich es nicht aus. Lass mich in dem Glauben, dass ich nur dein Herr und du nur mein Key bist, ich bitte dich.“ Die blauen Augen flehten ihn an, und Ayame schloss gepeinigt die seinen. Dieser Blick und die kratzige, verweinte Stimme brachen ihm fast das Herz.

„Wie Ihr wünscht Herr. Aber gestattet mir eines.“, hauchte er, als er sich Jamals Gesicht weiter näherte, der die Augen immer noch geschlossen den heißen Atem auf seinen Wangen spüren konnte.

Jamal wusste, dass er es nicht zulassen sollte, aber auch er war nur ein Mensch, auch er begehrte, und diesen Mann begehrte er unendlich, unsagbar, unstillbar. In leiser Erwartung von Ayames Lippen öffnete er die seinen und schien fast erleichtert, als er das andere Paar spürte, wie es vorsichtig und schüchtern zu fragen schien.

Er spürte den sanften Druck, die weichen Bewegungen als Ayame begann, Jamals Unterlippe zu umspielen, wie die Zähne knabberten, die Zunge streichelte. Mit der gleichen Aufmerksamkeit bedachte der Größere die Oberlippe. Erst dann presste er seinen Mund auf Jamals und schob langsam, tastend seine Zunge ein paar Millimeter durch die leicht geöffneten Lippen, kostete dieses neue Terrain und gestattete es sich, tiefer zu dringen, mehr zu kosten, Jamals kleine Zunge zu suchen und zu streicheln.

Nur unsicher erwiderte der Blonde die Liebkosung, wurde mutiger, als Ayame, immer noch wie Jamal auf der Seite liegend, ein Bein zwischen Jamals Knie schob, das linke Bein des Jungen auf seine Hüfte zog und den fließenden Stoff der weiten Satinhose zu raffen begann. Er schob den Stoff weit hinauf und begann dann hauchzart über die weiche Haut zu streicheln. Ob der viel geringeren Größe des Blonden konnte er bis zur Wade hinunterreichen, streichelte über das Knie, griff einmal fest in die Kniekehle und rückte Jamal bequemer zurecht. Dann glitten die Finger die Haut kaum berührend höher. Jeden Zentimeter Haut erkundete Ayame mit Neugier, küsste mit den Fingerspitzen. Dann schob er den Stoff des weiten Hosenbeines noch höher, liebkoste die Hüfte, genoss es mit einem leisen Stöhnen, dass Jamal seinen Kuss auf das intensivste erwiderte.

Schon längst hatte der Junge die Hände in Ayames Nacken gefaltet. Die Fingerspitzen tasteten schüchtern über Haut, dann begannen sie zu kosen, zu erwidern, streichelten den Hals hinab über die Brust und die Seite, die sie erreichen konnten, hinunter.

Erschrocken gruben sich Nägel in Ayames Seite, als der seine rechte Hand weiter über Jamals Hüfte geschoben hatte, unter den Stoff geglitten war und die Leiste des Jungen zu verwöhnen suchte. Sein Daumen hatte Jamals Männlichkeit gefunden und leicht umspielt, doch er Junge hatte sich sichtlich verspannt.

„Bitte nicht Ayame.“, flüsterte der, als er sich von seinem Key löste. „Schenk mir nicht, wonach ich mich morgen schon sehnend verzehren werde!“ Einen flüchtigen Kuss hauchte er auf das markante Kinn des Anderen. „Gib mir keine so schmerzlich süßen Erinnerungen, ich bitte dich.“

Ayame nickte verstehend, auch wenn er es schmerzlich bedauerte, diesen Körper nicht spüren zu dürfen; auch wenn er ihn noch so begehrte, wollte er Jamal nicht noch mehr quälen.

Nickend und verstehend brummend küsste er sich über Hals und Schulter des Jungen.

„Bitte hör auf, Ayame.“ Tränen stiegen wieder in die blauen Augen. „Wir sollten das nicht tun.“

//Zwei Liebessklaven die sich die Liebe versagen – wenn das nicht Ironie ist!//, dachte Ayame betrübt bei sich. „Es fällt mir unsagbar schwer, Euch gehen zu lassen, Jamal, ich kann meine Finger nicht von Euch nehmen. Das geht nicht!“, flüsterte er heiser über die feuchte Haut, sandte so Schauer durch den schmalen Leib seines Herrn.

„Bitte Ayame, mach es uns doch nicht noch schwerer!“, flehte ihn der Junge tränenerstickt an.

Der Key folgte, auch wenn es ihm sichtlich schwer fiel. Langsam streifte er Jamals Hose wieder über das schlanke Bein, strich dann aber noch einmal über den Stoff hinauf zur Hüfte. Er drehte den Blonden in seinen Händen, dass der auf dem Rücken lag und kuschelte dann seinen weichen Schopf auf die Brust des Anderen.

Jamal konnte die heißen Tränen auf seiner Haut spüren und konnte Ayame doch nicht trösten; wie auch? Hatte er doch mit den eigenen zu kämpfen.

„Begleite mich morgen.“, hauchte der Größere auf die Haut unter sich, während er leichte Küsse platzierte.

„Ayame, du weißt wie ich, dass das unmöglich ist!“, seufzte Jamal. „Wie stellst du dir das vor? Du bist der Erbe eines Reiches – dein Vater wird das nicht zulassen. Zum anderen bin ich für das Wasser nicht geboren.“

Ein gequältes Seufzen bestätigte dem Blonden, dass auch der Andere die Ausweglosigkeit ihrer Lage erkannt hatte.

„So schlaft eine letzte Nacht in meinen Armen, Jamal, lasst das unseren Abschied sein.“

Wie zur Bestätigung glitten Hände durch Ayames Haar, „Ja, lass das unseren Abschied sein ...“


11. Heimwärts

Die Sonne schien bereits aufgegangen zu sein, denn sie warf die langen Schatten der Bäume in das noch taufeuchte Gras im Garten vor der Veranda.

Ayame öffnete vorsichtig ein Auge um zu sehen, was sich so herrlich weich und warm unter seiner rechten Hand anfühlte. Er lächelte willkürlich, als sein Blick auf Jamals grünes Hemd fiel, das sein Holder im Schlaf wohl etwas höher gestreift hatte. Die Augen wieder schließend und sich dem Zauber des letzten Augenblickes hingebend, ließ er seine Finger sanft unter das geschnürte Hemd gleiten, streichelte nur hauchzart über die weiche Haut, verharrte mit der Hand über Jamals Herz, das stark und gleichmäßig unter seinen Finger schlug, Ayame so an dessen Herzschlag, an dessen Lebensrhythmus teilhaben ließ.

//Ich kann euch nicht gehen lassen, Jamal – ich kann es einfach nicht!//

Er seufzte leise, als seine Finger wieder abwärts glitten, über die Hüfte, der Daumen verhakte sich im Saum, zog ihn nur eine Spur weiter hinab.

Er hörte Jamal leise atmen, er schien noch ruhig und fest zu schlafen. So wagte es Ayame, sich leicht aufzurichten und seinen Kopf zu heben. Er blickte sich nach dem schlafenden Jungen um und konnte nicht widerstehen seine Lippen auf den schlanken Hals zu pressen. Er küsste sich langsam zum Schlüsselbein, ließ den Stoff aus und küsste dann wieder den Bauch. Seine rechte Hand liebkoste noch immer die schmale Hüfte, er spürte die vielen feinen Narben unter den Fingerspitzen und verbot sich jeden Gedanken daran, wie sie entstanden sein konnten, wer sie in das zarte Fleisch gerissen haben mochte.

Ein leises Seufzen ließ ihn innehalten, gefolgt von einem Schluchzer. Besorgt blickte der Key auf und sah in das blasse Gesicht, Tränen liefen aus den Augenwinkeln, die Lippen waren wie im Schmerz verzerrt, zusammengepresst, als wollte sich der Junge etwas verbieten.

Ayame legte seine Hand auf die feuchte Wange und strich mit dem Daumen die Tränen fort. „Jamal?“, fragte er heiser, doch der Blonde antwortete nicht, wollte sich abwenden, aber die große, warme Hand auf seiner Wange hinderte ihn. So blieb er einfach nur still liegen.

Natürlich schlief Jamal nicht! Wie auch? Wie hätte er die letzte Nacht mit Ayame verschlafen können, kostbare Zeit mit unnützem Schlaf verschwenden? Er würde sowieso bald ewig schlafen!

Er spürte die leichten Berührungen fremder und doch so geliebter Finger, die sanft seine Haut kosten, ihn fast um den Verstand streichelten, ihn fast seine teuer erkämpfte Selbstbeherrschung hätten aufgeben lassen. Tapfer biss er die Zähne zusammen, kein Laut sollte Ayame zeigen, dass er wach war, oder es gar genoss, so berührt zu werden, sich nichts anderes ersehnt hatte, als solcherart Berührung.

Er wollte schlafen, so lange bis sie Ayame holen und ihn ihm entreißen würden, schlafen, dass er die Trauer in Ayames Augen nicht würde sehen müssen, nicht den Schmerz spüren, als würde ihm das Herz rausgerissen. Genauso wenig wollte er es für Ayame noch schlimmer machen, er wusste wie der Key leiden würde, wenn er auch Jamals Tränen sähe.

Er wollte stark sein – stark für sich und Ayame. Doch er konnte es nicht. Wie jedes Mal hatte er auch hier versagt, sich seiner Tränenflut ergeben, die zarten Berührungen genossen. Und nun wusste Ayame, dass er nicht mehr schlief.

/Nein, ich werde die Augen nicht aufmachen – NEIN!/

Er spürte heißen Atem, der leicht über sein feuchtes Gesicht wehte, der Sicherheit und Geborgenheit versprach, Gefühle, nach denen sich Jamal so sehnte. Und dann kosteten Lippen seine Wangen, die Augenlider. Sanft glitten sie über sein Gesicht, verbrannten die Haut, schürten Feuer zu lodernden Flammen, die Jamal lieber erstickt gewusst hätte. Er konnte nicht anders, wie von selbst schoben sich seine schlanken Finger in das weiche Haar des Anderen, pressten den Kopf näher, die Lippen dichter, drängte sie bedacht, aber unaufhaltsam, zu den seinen.

Wie eine Befreiung spürte er Ayames Zunge an seinen Lippen, ließ sie gierig in sich gleiten, kostete den Anderen. Und zugleich war es wie Verrat, Verrat an sich selbst und dem, was er Ayame hatte versprechen lassen.

Besitzergreifend legte er ein Bein um Ayames Hüften, spürte das feine Lächeln auf den Lippen seines Keys. Zugleich glitten seine Hände auf Ayames Wangen hinab, streichelten und dirigierten.

Ein lautes Klopfen schreckte beide auf.

Ayame blickte auf seinen Herrn hinab, der mit geröteten Wangen unter ihm lag und schneller atmete.

„Wir sollten das nicht tun!“, flüsterte Jamal, als er sich ebenfalls aufsetzte. Ayame konnte nur nicken und erhob sich, ging dann zurück in das Zimmer um dem, der da fast die Tür aus den Angeln hob, zu öffnen.

Jamal blieb allein auf der Couch zurück, die Knie an die Brust gezogen schlang er die Arme um sie, wie immer, wenn er versuchte, die Welt auszusperren, sie daran zu hindern ihn zu verletzen. Doch hatte er es auch nur ein einziges Mal geschafft? Nein! Und auch dieses Mal würde es nicht helfen.

„Jamal – Lathyrus wartet vor der Tür, er wird mich zu meinem Vater bringen. Es ist wohl Zeit `Lebe wohl` zu sagen?“ Der große Mann stand in der Verandatür und wirkte doch total verloren, wie er die Hände rang, den Kopf gesenkt hielt.

„Dann Ayame, mach´s gut.“

Der Weißhaarige blickte auf. „Mach´s gut?“ Seine Augen verfinsterten sich.

„Ist das alles? Kein `Auf wiedersehen`?“

Jamal lächelte sanft, als würde er ein unvernünftiges Kind belehren. „Was sollen wir uns belügen Ayame. Wir werden uns doch nicht wiedersehen!“ Traurig blickte er über das Geländer der Veranda, wie die Schatten kürzer wurden, weil die Sonne höher stieg. Noch ein letztes Mal gestattete er sich einen Blick auf das schillernde, lange Haar, die dunklen Brauen, die weich eingerahmten, violetten Augen.

/Du bist so schön – warum habe ich nicht früher gemerkt, dass du nur ein Prinz sein kannst?/

„Geh Ayame, sie werden auf dich warten.“, flüsterte er heiser, als er den Blick wieder abwandte. Er konnte das Gefühl in sich nicht beschreiben.

/Ob es sich so anfühlt, wenn einem bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen wird?/, fragte er sich und es fühlte sich wirklich so an, als hätte er etwas Lebenswichtiges verloren.

Ayame stand mit offenem Mund in der Tür, schien fassungslos, die Worte nicht glauben zu können. „Kein Kuss – kein Händedruck? Nichts?!“

Das wollte der Key dann doch nicht einsehen, eilig schritt er auf den verwirrten Jamal zu und riss ihn aus seiner sitzenden Position hoch, presste seine Lippen harsch, fast schmerzlich, auf Jamals, dass der gar nicht anders konnte als die Trauer und den Schmerz in dieser verzweifelten Geste zu erkennen. Noch einmal gewährte er seinem Key Einlass, noch einmal ließ er die fremde Zunge streicheln, Male brennen die Narben hinterlassen würden, Narben, die ihn an nichts anderes erinnern würden als an diesen wunderbaren Mann.

Dann riss der Blonde sich los, die starken Arme weigerten sich ihn gehen zu lassen. Doch Jamal entwandt sich ihnen.

„Verschwinde endlich!“, schrie der Junge außer sich. Seine Fäuste trommelten auf die Oberarme des Weißhaarigen, schoben ihn so immer weiter in das Zimmer zur Tür. „Verschwinde doch endlich! RAUS!“ Tränen mischten sich mit Wut. Verzweiflung ist ein schlechter Ratgeber. Immer wieder schrie er den Anderen an, der nur stumm dastand und mit geschlossenen, tränenschweren Augen alles über sich ergehen ließ.

Wieder klopfte es an der Tür. Und Jamal und Ayame blickten sich um.

„Geh endlich!“

Langsam wandte sich der Blonde wieder der Veranda zu. „Verschwinde von hier! Ich will dich nicht mehr sehen!“ Und er hasste sich dafür, dass seine Stimme zitterte, ihn selbst lügen strafte.

„Hast du nicht gehört?“ Tränen ließen sich nicht mehr verbergen, als Jamal sich ein letztes Mal umwandte, Ayame groß anschaute. „Raus!“

„Wie Ihr wünscht, Herr.“, verbeugte sich Ayame und ging zur Tür.

„Eines solltet Ihr wissen, ob Ihr es hören wollt oder nicht, Jamal. Ich liebe Euch!“

Und dann ging er, schloss die Tür hinter sich, folgte Jamals Wunsch und ließ ihn endlich allein.

Der sank entkräftet an der Verandatür zusammen, weinte bitterlich. „Du Idiot!“ Er schluchzte heiser. „Du blöder Idiot! Denkst du denn, das habe ich nicht gewusst, denkst du denn, mir geht es anders, Geliebter?“

Er ließ sich auf den Boden fallen und ließ alle Emotionen raus, alles was sich die letzten Stunden angestaut hatte.

/Ayame – komm zurück, bitte!/



Er wusste nicht, wie lange er dort gelegen hatte, aber ein Klopfen weckte ihn aus seinem traumartigen Zustand. Ayame musste schon lange weg sein, zusammen mit seinem Vater den Palast verlassen haben, und er gab sich auch nicht der Illusion hin, dass er wiederkommen würde. Wenn das Leben ihm eines beigebracht hatte, dann war es, dass Träume tückisch waren, sie machen trunken, machen glücklich und verletzen hinterrücks.

Seine Hand hielt noch immer das Amulett um seinen Hals umklammert, als er sich schwerfällig aufraffte und zur Tür ging.

Ilecz blickte ihn mitleidig an. „Herr, der Palastmeister schickt mich. Da Ihr nun keinen Key mehr habt, seid Ihr nicht länger Gast des Palastes. Er lässt Euch ausrichten, dass Ihr den Palast der Blüten sofort zu verlassen habt, ich soll Euch hinaus geleiten.“

Wie gelähmt nickte der Blonde und trat vor die Tür, was sollte er schon mitnehmen?

Erinnerungsstücke?

Dinge die ihn an Ayame erinnern würden, die ihm Schmerz bereiten würden und Narben auf seine Seele fressen würden? Nein ... Ayame war weg, kam nicht wieder und diese Erinnerungen an ihn sollten so schnell wie möglich verblassen. Und doch wusste Jamal eines: auch wenn Ayame der einzige Mann war, der ihm nahe kam und keine Narben auf seiner Haut gerissen hatte, so war doch er der Einzige, der tief genug ging, um sein Herz zu brechen.

Schweigend ging er hinter Ilecz her, hatte kein Auge für die Schönheit des Palastes, über die er so oft gestaunt hatte, als er durch diese Flure gewandert war. Alles, aber auch ausnahmslos alles, erinnerte ihn an Ayame – der Weg in die Bibliothek, wo er Bücher für Ayames Teich gesucht hatte, das große Mosaik in der Vorhalle ...

Ohne einen Blick nach rechts oder links schritt Jamal über den Kies, die beiden Knaben in ihren kurzen, blauen Westen eilten ihnen entgegen und geleiteten die beiden jungen Männer zum Tor.

Ileczs Stimme riss Jamal aus seinen leeren Gedanken.

„Herr, dies ist Haschiram, ein Händler aus dem Osten, der diese Oase aufgesucht hat. Er hat sich bereiterklärt, Euch mit seiner Karawane reisen zu lassen. Sie sind auf dem Weg zum Meer.“

Jamal nickte nur taub, verbeugte sich vor dem Fremden und blickte ihn nicht einmal an.

Er ließ es geschehen, dass der Fremde ihn vor sich auf das Pferd hob und sich Arme um ihn schlangen. „Keine Angst, Kleiner.“, die fremde Stimme war weich, warm, ein fremdländischer Akzent. Doch das alles interessierte Jamal nicht mehr. Sein Entschluss stand fest!

Und wenn es die Wüste nicht tat, so würde es die See tun.



***



Haschiram und seine Männer hatten ihren Weg nach M´kali fortgesetzt.

Nach sieben langen Tagen und sechs kalten, einsamen Nächten hatten sie die Hafenstadt erreicht. Dort trennten sich ihre Wege. Während die Händler den Basar aufsuchten und sich ein Quartier suchten, schlug Jamal ausgehungert und erschöpft den Weg zum Hafen ein. Die grüne Seidenhose war zerschlissen, das Hemd – Ayames Hemd, in das er sich die ersten Nächte gekuschelt hatte – hatte er verloren.

Doch bei jedem Schiff, auf dem er anheuern wollte, hörte er das Selbe: zu klein, zu schwach, keine Erfahrung.

So setzte er sich verzweifelt auf die Kaimauer – aufgeschüttete Feldsteine, wie es schien – , die das Hafenbecken vor den tosenden Naturgewalten schützen sollte und blickte der untergehenden Sonne entgegen, als sich eine Hand auf seine Schulter legte.

Er schrie erschrocken auf und sprang einen Schritt zurück, verlor das Gleichgewicht. Doch eine raue, wettergezeichnete Hand packte ihn schmerzlich am Arm und riss ihn zurück.

„Hey Kleiner, vorsichtig.“, hörte er die knarrende Stimme des Mannes, der in bunte, aber zerschlissene Kleider gehüllt vor ihm stand. Alkoholschwangerer Atem schlug ihm ins Gesicht, aber sonst sah man dem Anderen nicht an, dass er getrunken hatte.

„Wo willst du hin? Keiner wollte dich mitnehmen, hm?“, wollte der Mann in einem Ton wissen, der Jamal neugierig machte. Es klang nett, mehr aus Interesse als aus Bosheit oder Spott gefragt.

So nickte er und erklärte, dass er Nordafrika verlassen und nach Europa wollte. Wohin sei ihm egal, aber er habe weder Geld um zu bezahlen noch könne er segeln.

Der Andere lachte nur. „Wenn es dir nichts ausmacht, an Deck zu schlafen, dann haben wir noch ein Plätzchen. Darfst der Mannschaft nur nicht im Weg rumstehen.“

Jamal blickte den Mann misstrauisch an, seine blauen Augen musterten ihn aufmerksam – das lange graue Haar, das von der Sonne verbrannte und ausgetrocknete Gesicht, die von der Seeluft gezeichnete, faltige Haut. Sich auf einem Boot diesem da auszuliefern war dumm!

Aber andererseits.

Er hatte ja nicht wirklich vor, das andere Ufer je zu erreichen.

„Entscheide dich schnell, in einer halben Stunde laufen wir mit er Flut aus.“

„Ich komme mit.“, sagte Jamal mit fester Stimme und folgte dem Fremden auf ein Schiff, das sich schon von weitem von den übrigen abhob. Es war kleiner – viel kleiner – als die anderen Schiffe am Kai.

/Ein Seelenverkäufer./, dachte Jamal bei sich, als er über die schmale, fleckige Planke an Bord ging. Die Farbe blätterte, die Rehling war teilweise ausgebrochen. Aber es schwamm, so schien es zumindest.

„Wie heißt du, Kleiner?“

Jamal blickte sich um, als ein netter Matrose hinter ihm stand und ihn anlächelte.

„Jamal.“, gab er zu und suchte sich in einem Haufen Taue am Heck des Schiffes ein Plätzchen und rollte sich erschöpft zusammen.



Dass sie Anker lichteten und Kurs auf Sizilien nahmen, bekam Jamal schon gar nicht mehr mit.

Ein Fluchen weckte ihn und ließ den Jungen aufschrecken. Einer der Männer der Nachtwache musste im Dunkel der Nacht wohl über etwas gestolpert sein.

Jamal wanderte über das Deck und genoss die kühlen Winde, die die Nacht mit sich brachte, sie ließen das Schiff pfeilschnell durch das Wasser gleiten. Er setzte sich an die Rehling und ließ eine Hand bis ins Wasser gleiten. Das Schiff war nicht hoch und einem Seesturm sicher nicht gewachsen, überlegte Jamal bei sich. Doch dann spürte er das Nass an seinen Händen und Bilder holten ihn wieder ein. Wasserbälle die Ayame nach ihm warf, der Fremde der ihn fast ertränkt hätte. Seufzend legte er den Kopf auf das Geländer.

„Ayame – kleiner Wasserprinz – wenn du doch nur bei mir wärst.“

„Wie Ihr wünscht, Herr.“, hörte er es leise gekichert neben sich. Ungläubig wandte Jamal den Kopf zur Seite und kniff die Augen zusammen. Als er sie wieder öffnete, bot sich ihm noch immer das gleiche Bild: Ayame – sein Ayame – hing mit den Unterarmen auf der Rehling neben ihm abgestützt, der Unterleib hing im Wasser, und er grinste den Blonden breit an. Der Mond tauchte das lange weiße Haar in helles Silber, ließ es fast leuchten.

„Ayame?“, fragte er unsicher.

„Live und in Farbe.“, grinste der noch immer, überglücklich, Jamal endlich gefunden zu haben.

„W-Was machst du hier?“, wollte der Blonde ungläubig wissen, als er sich auch schon neben Ayame niederkniete und das geliebte Gesicht in die Hände schloss.

Und wirklich!

Es war kein Traum, er konnte ihn sehen, ihn anfassen, ihn ... Schnell senkte er seine Lippen auf Ayames, musste sich endlich ganz sicher sein. Und er spürte, dass der Andere keine Einbildung war. Jamal lächelte zufrieden, als er sich von seinem Key – halt, vom Prinzen der Meere – wieder löste.

„Ich musste mal was prüfen.“, fing der lachend an zu reden. „Da kamen zwei Haie auf mich zu und erzählten, ein Fremder würde das salzige Wasser noch salziger machen. Das musste ich doch unterbinden.“ Er wackelte wieder mit den Augenbrauen und Jamal lachte leise. „Spinner.“

„Wie hast du mich gefunden?“, hakte er ungläubig nach. Noch immer kraulten seine zitternden Finger das weiche, nasse Haar, seine Augen hatten sich schon längst wieder in dem warmen Violett verloren.

„Ich bin dir gefolgt. Leider kann ich nur dort sein, wo auch Wasser ist. An einer Oase habt ihr genächtigt. Dort habe ich von den Händlern gehört, wohin ihr wolltet.“ Schüchtern strich eine seiner Hände über Jamals Gesicht. „Du hast schon geschlafen, unruhig und zusammengekrümmt. Es hat mir schier das Herz zerrissen, als der Mond mir die Tränen auf deinen Wangen aufzeigte und du immer wieder meinen Namen gemurmelt hast.“ Er strich mit seiner Hand über Jamals Wange, spürte dass sie sich vor Scham rötete und zu glühen begann.

„Ich hab im Hafen gewartet und bin Euch gefolgt, aber du hast ja gleich geschlafen!“, es klang fast etwas vorwurfsvoll.

„Und jetzt, mein Prinz?“, wollte der Blonde lächelnd wissen, seine Lippen streiften Ayames Wange.

„Jetzt nehm ich dich mit. Ja glaubst du, ich suche dich noch einmal in einer Wüste? Vergiss es Jamal, einmal reicht.“, bestimmte er und legte beide Arme um Jamal, darauf bedacht, die Ellenbogen nicht von der Rehling zu lassen.

„Wohin? Ich kann unter Wasser nicht leben.“, versuchte Jamal einzulenken.

„Wer sagt denn was von unter Wasser?“ Als würde er den, der das behauptet hatte, suchen, blickte Ayame sich um. „Also, vertraust du mir und kommst mit?“

„Mir ist so egal, wo du mich hinbringst, Hauptsache ich bin bei dir und du bei mir. Und wenn ich in deinen Armen sterben sollte, so ist das auch okay.“ Noch einmal küsste er Ayame hungrig, spürte wie er langsam über die Rehling glitt.

„Als ob ich das je zulassen würde.“

Ayames Arme hielten ihn sicher, der erneute Kuss raubte Jamal die Sinne und so glitt er langsam weg. Ihm war als könnte er Ayame überall auf seiner Haut spüren – auf jedem Zentimeter gleichzeitig. Das anfänglich kalte Wasser um ihn herum wurde wärmer, schmiegte sich eng an seine Haut, als würde es ihn streicheln. Er schmunzelte ob dieser Gedanken.

/Kühles Wasser ist Balsam für die Seele./

Und dann schloss sich die Wasseroberfläche über ihm, verblasste der silberne Mond, als Finsternis ihm die Augen schloss.


Epilog

Jamal wurde davon wach, dass angenehme Kühle seine Füße umspülte. Er konnte weichen Sand unter seinem Rücken spüren und öffnete neugierig die Augen. Über sich erblickte er die letzten Schleier der Nacht, in leichtem Grau schimmerten die Wolken, die Ränder gesäumt in bestechendem Rotgold.

Er seufzte leise und schloss die Augen wieder, ließ Sand durch seine Hand rieseln. Er war feucht, klumpte ein bisschen. So drückte er die Hand zu, formte den noch nassen Sand.

„Bin ich tot und im Himmel?“, fragte er sich leise, zog die Beine an und ließ sich auf die Seite fallen. Seine Knie stieß gegen etwas weiches. Neugierig öffnete er erneut die Augen.

Neben ihm lag Ayame auf dem Rücken im Sand, die Augen geschlossen war er völlig nackt.

Jamal schluckte trocken, kroch näher, betrachtete den Anderen, als hätte er ihn noch nie gesehen. Sanft strich eine Hand durch das lange, im Sand fast vergrabene Haar, wickelte verträumt eine Strähne um den Zeigefinger. Die andere Hand glitt über die Wange.

„Ayame?“, fragte er vorsichtig, wollte den Mann nicht wirklich wecken.

Langsam ließ er seine Hand tiefer sinken. Die schmalen Finger streichelten den Hals, fuhren die Konturen des linken Schlüsselbeins nach. Der Zeigefinger glitt über die Vertiefung zwischen den Brustmuskeln, umrundete den Bauchnagel und wanderte langsam tiefer.

Eine große Hand bremste ihn, als sie Jamals linkes Handgelenk packte. Ein gemurmeltes „Bring mich nicht auf dumme Gedanken!“, folgte und Jamal wandte den Kopf Ayames Gesicht zu. Der grinste ihn frech an. „Guten Morgen, Herr.“

Der Kleinere schmollte. „Hör auf mich so zu nennen.“

Doch da griffen Hände seine Taille und drapierten Jamal auf dem braungebrannten Leib. Arme legten sich stützend um ihn, hinderten den Jungen daran, an einer Seite wieder hinabzugleiten.

„Hey, Jamal. Nicht böse sein, guck: die Sonne geht gerade auf.“, sanft setzte er sich auf um Jamals Lippen zu erreichen, berührte sie erst vorsichtig, fragend, spürte das Einverständnis und eroberte sie schließlich, rieb sie, koste sie. Er konnte spüren, wie sie sich nur für ihn öffneten, nahm das Gebotene ehrfürchtig an. Es war herrlich, nichts anderes hatte er gewollt, als Jamal nur noch für sich zu haben, ihn küssen zu dürfen ohne Verlustängste, Ihn halten zu dürfen, ohne dass der Andere sich wand und von ihm abwendete. In Gegenteil. Er spürte Jamals schlanke Finger sein Gesicht liebkosen, wie sie die Wangen streichelten, hinter den Ohren kraulten ... und stutzten.

Verwirrt löste sich Jamal von Ayame.

Und auch der öffnete die Augen, als er den verführenden Druck von Jamals Lippen nicht mehr spüren konnte.

„Was?“

„Deine Ohrringe – die Ringe sind weg.“, stellte der Blonde überrascht fest.

Ayame ließ seine Hände verspielt über denn nackten Rücken des Jungen wandern, griff sich ein paar lange Strähnen und rieb sie zwischen den Fingern.

„Ayame – sie haben dich aber nicht aus dem Palast geworfen oder so?“, fragte Jamal etwas ängstlich.

Der große Mann schüttelte nur den Kopf und wieder verlor sich Jamal im Spiel der Farben in den langen Haaren, als die Morgensonne dem Meer entstieg, den Strand erglühen ließ, das Wasser färbte und Ayames langes Haar in die schönsten Farben tauchte.

„Nein Kleiner, keine Sorge. Ich bin von allein gegangen.“, versicherte der Weißhaarige schnell ob des verängstigten Gesichtsausdruckes seiner kleinen Liebe.

„Dein Vater macht so einen Aufstand, um dich wiederzuholen und lässt dich dann einfach so gehen?“

Ayame lachte. „Wie sagtest du letztens so schön zu mir? Warte ... ach ja.“ Er räusperte sich und versuchte Jamals etwas höhere Tonlage zu treffen. „Einfach so? Bist du total bescheuert? Einfach so? Einfach so?!“

Und Jamal grinste. Ja, so hatte er Ayame angefahren, als dieser ihn fragte, ob Jamal ihn einfach so würde gehen lassen können. Er kicherte leise und schnuffelte die Nase an Ayames Halsbeuge, knabberte ein bisschen und entlockte dem Anderen wohlig zufriedene Laute. „Dann erzähl mal, was du alles hast auf dich nehmen müssen, Prinz.“, nuschelte er gegen die Haut und schloss die Augen.

„Also, anfangs dachte ich, ich müsste sterben. Mein Vater zerrte mich zum Teich in der Oase des Palastes und tauchte mit mich unter. Die Lungen füllten sich mit Wasser, dass ich dachte, ich mach das Letzte!“ Er lachte leise bei der Erinnerung, wie er strampelnd unter Wasser gedrückt wurde und ließ seine Finger wieder abwärts über Jamals Rücken wandern, spielte nun etwas selbstvergessen mit dem Bund von Jamals Hose, oder dem, was früher sich mal eine Hose gewesen war und jetzt eigentlich nur noch lose Bänder, gehalten von Hosenbund und dem verstärkten Saum der Hosenbeine.

„Na ja, es dauerte eine Weile, und mein Körper erinnerte sich an alles. Auch daran, wie man sich verflüssigt.“ Er spürte den kalten Windzug, als Jamal erschrocken die Luft einzog. Augenblicke später richtete der sich etwas auf und blickte Ayame in die violetten Augen.

„Verflüssigen?“, fragte er ungläubig.

„Jamal, wie glaubst du sind wir hierher gekommen? Auf eine Insel 300 Seemeilen ab der Schifffahrtswege – in nur einer Nacht?“

Leicht errötend schluckte Jamal, darüber hatte er sich keine Gedanken gemacht.

„Und dass du schon eine kleine Ewigkeit auf mir liegst und noch deine Hose anhast, wundert dich auch nicht?“, lachte Ayame weiter und genoss die zarte Röte, die Jamal ins Gesicht stieg.

„Es kostet Unmengen Energie, sich zu verflüssigen, und der Körper braucht eine lange Ruhephase um zu regenerieren.“ Er schüttelte den Kopf und platzierte beide Hände auf Jamals nur noch dürftig bedecktem Hintern. „Gib mir noch bis Mittag, dann gibt es allerdings kein halten mehr.“ Er lachte kehlig auf und spürte das Lächeln auf den Lippen des Blonden, als der leichte Küsse auf Ayames Brust hauchte.

„Ach Jamal, du hast mich völlig aus dem Konzept gebracht. Was wollte ich erzählen?“ Gedankenverloren schoben seine Hände Jamals Becken dichter an das seine, und der Kleinere stöhnte leise auf, schloss die Augen und genoss Ayames Schoss an dem seinen, nur durch eine paar dünne Streifen Stoff getrennt, wie die Hitze langsam von ihm Besitz ergriff.

„Warum du die Ringe nicht mehr trägst.“, erinnerte Jamal heiser an Ayames begonnene Ausführungen.

„Ach ja – machen wir es kurz. Ich hab die Thronfolge an meinen jüngeren Bruder abgegeben. Es war ein lange Diskussion mit Vater, ich hatte drei gute Argumente – zumindest zwei davon hat er dann auch akzeptiert.“ Ayame blickte an sich hinab und genoss das Bild von Jamal, der sich auf seiner Brust zusammenrollte und gespannt lauschte. Als der die Stille bemerkte, blickte er auch gleich auf. „Und welche?“

„Als erstes erklärte ich ihm, dass ich von Reich und Volk nicht viel weiß, innen- und außenpolitisch keine Erfahrung habe und Ichtyander bereits die Ausbildung zum Thronfolger durchlaufen hatte. Das war ein Argument, was Vater gelten lassen konnte, aber es genügte nicht.“

Seine Hände wanderten wieder auf Jamals Rücken und streichelten die Seiten entlang, so wie es auch Jamals schlanke Finger seit geraumer Zeit schon bei Ayame taten.

„Dann hab ich ihn höflich aber mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass ich mir keine Frau suchen werde sondern dich. Sein Gesicht hättest du sehen müssen. Als ich sagte, dass du mir ersoffen währest, noch ehe du den Palast erreicht hättest, wollte er das als Argument für den Verzicht auf den Thron nicht gelten lassen.“ Er spürte Jamals missbilligenden Blick und richtete sein Augenmerk vom durch die Morgensonne zum Erglühen gebrachten Himmel auf Jamals blaue Augen. „Tut mir leid, Kleiner.“

Er küsste ihn kurz um Verzeihung haschend und Jamal nickte. „Und dein drittes und wohl entscheidendes Argument?“, wollte er wissen.

„Tja, ich hab meinen Vater drauf hingewiesen, dass mit mir als Regent die Blutlinie ausstirbt, weil ich mir sicher bin, dass du mir keinen Sohn gebären wirst.“

Jamal fing an zu husten und piekste Ayame in die Seite.

Der lachte nur und drückte den Jungen noch fester gegen sich, drehte sich mit ihm und brachte ihn so unter sich. „Oder würdest du?“, erkundigte er sich frech, ehe er Jamal tief zu küssen begann, atemberaubend, leidenschaftlich.

Er intensivierte den Kuss, als er kleine Finger spürte, die sich in seinen Hintern gruben, langsam zu massieren begannen.

Ein Knurren ließ sie auseinanderfahren. Ayame setzte sich auf, platzierte sich auf Jamals Schoss, immer drauf bedacht, sein Gewicht mit den eigenen Beinen abzustützen um den zierlichen Jungen nicht zu verletzen.

„Hunger?“

Es klang eindeutig amüsiert und Jamal schlug die Hände vor das glühende Gesicht, nickte aber.

Schon im nächsten Augenblick spürte er sich auf starke Arme genommen und dann verschwamm alles, weil Ayame sich mit seiner süßen Last flink im Kreis drehte, immer wieder „Meins, meins, meins!“, quietschte und zu lachen begann.

„Also, dann zeige ich dir mal dein neues Heim. Es ist nur ein kleines Haus. Außer zwei Köchen gibt es keine Bediensteten.“

„Stört mich nicht.“, fiel Jamal ihm ins Wort und entschuldigte sich dafür.

„Es hat dafür vier Bäder, eine Küche, einen Essraum, einen Konferenzraum, extra für meinen Bücherwurm eine Bibliothek, und vier separate Wohnräume, von denen ich aber nur einem zum Schlafzimmer habe herrichten lassen. Stört´s dich?“ Er blickte Jamal in die Augen und der grinste breit.

„Wenn du kein notorischer Deckenklauer bist, nicht.“ Er kuschelte das immer noch feuchte Haar gegen die nackte Brust seines Geliebten und genoss die Wärme, die seinen Körper durchströmte, Ayames Wärme. Er konzentrierte sich ganz auf den Herzschlag, den er unter seinem Ohr vernahm.

„ ... vom Festland, was sonst gebraucht wird ...“

Ayame blickte an sich herab. „Na prima, ich rede und rede und der Herr hört gar nicht zu!“, stellte er amüsiert fest, merkte aber auch, dass Jamal bei dem Wort `Herr´ zusammenzuckte und ihn missbilligend anblickte.

„Im großen Pool hinterm Haus kannst du schwimmen gehen.“

„Kann gar nicht schwimmen.“, nuschelte Jamal an Ayames Halsbeuge und küsste sich zum Nacken.

Doch der Großgewachsene stoppte. „Du kannst nicht schwimmen? Du springst vom Schiff und kannst nicht schwimmen?“ Er spürte wie Tränen in ihm aufstiegen. So sehr hatte Jamal ihm also vertaut gestern nacht?

Jamal, der mit seiner linken Hand eine weiche Wange streichelte, spürte die feuchten Perlen und blickte Ayame ins Gesicht. „Ich kann es lernen – kein Problem.“, versicherte er eilig, als er die Tränen wegstrich.

„Spinner. Ich bin einfach nur glücklich, du hast mir wirklich vertraut. Weißt du, was mir das bedeutet?“

Der Blonde konnte nur schief grinsen. Doch dann knurrte sein Magen wieder, und Ayame beschleunigte den Schritt.



Eine Stunde später saß Jamal im Pool auf der obersten Stufe, während Ayame ein paar Bahnen zog, entschieden langsamer als sonst, immer wieder kleine Wasserbälle nach seinem Geliebten warf, der träge in der Sonne saß. Der ergab sich irgendwann und ließ sich nach hinten sinken, den Kopf auf den angrenzenden Rasen gebettet, die Finger spielten mit kleinen Wellen. Nur Augenblicke später spürte er Lippen auf den seinen, die aufs neue versuchten ihn zu erobern, einen wohlgeformten Leib zwischen seinen Beinen, der sich langsam dichter drängte.

„Bist du glücklich, Jamal?“, nuschelte der Weißhaarige, während seine Hände über die schmale Brust des Anderen strichen. Der nickte nur ... ja, er war wirklich glücklich.

Sein Leben hatte einen Sinn, einen Inhalt, ein Ziel bekommen.

Er spürte, wie sich Ayame intensiver gegen ihn bewegte, spürte die Hitze, die aufstieg, wie seine eigenen Hände den Anderen härter streichelten, ihn gegen sich drängten, wie sein linkes Bein sich unkontrolliert um Ayames Hüfte wand. Nur noch unkoordiniert wanderten Ayames Lippen über Jamals Gesicht, sein beschleunigter Atem, der über die feuchten Stellen strich, sandte Schauer durch den Blonden, und er sog jeden einzelnen davon auf, nahm sie als Ansporn den Jungen noch mehr zu verwöhnen, ihn noch intensiver zu reizen.

Drängender rieb er sich an Jamals Schritt, spürte wie dessen Erregung ihn noch mehr lockte. Seine Lippen krochen quälend langsam über den Hals, trotzte den kleinen Händen, die in sein Haar griffen und ihn zu dirigieren suchten. Eine Wange strich über eine von Jamals harten Knospen, ließ den Jungen erbeben, er stöhnte lauter – Musik in Ayames Ohren, die ihn noch mehr erregte. Er konnte sich nicht mehr bremsen, rieb sich schon fast schmerzlich gegen den schlanken Leib, der nun beide Beine um ihn geschlungen hatte.

„A-Ayame ...“, seufzte Jamal immer wieder, hörte nur leise genuschelt die Erwiderung aus dem Mund seines Geliebten dicht an seinem Ohr.

Jamals Finger gruben sich tief in Ayames Rücken, als er die Anspannung nicht mehr aushielt, sich der Erlösung hingab und auch Ayame seine Anspannung aus den Körper fließen spürte. Keuchend lag er auf dem Jungen, der zufrieden lächelnd seine Hände auf Ayames Hintern legte und ihn sanft streichelte.

Es dauerte seine Zeit, bis auch Ayame wieder bei Kräften war und sich schwer von seiner kleinen Liebe rollte. Im Gras liegen blieb.

„Jamal – sollte ich irgendwann mal wieder den Drang verspüren mich zu verflüssigen, halt mich davon ab. Man hat dann für die wichtigen Dinge gar keine Ausdauer mehr.“, keuchte er und streichelte träge den Kopf auf seinem Bauch.

„Spinner.“, konnte Jamal nur lachen, als auch er die Augen schloss und glücklich und zufrieden in der warmen Mittagssonne einschlief.