Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Ju-chan > Chaos der Gef?hle > Chaos der Gef?hle Teil 9 bis 17

Chaos der Gef?hle Teil 9 bis 17

Kapitel 9: Neue Freunde
-----------------------

Grummelnd zog sich Akira in die eine Ecke des Sofas zurück und drückte ein
Kissen an sich.
/Horrorfilme! Wie langweilig!/
Da diese Filme nicht ganz sein Geschmack waren, blendete er den Fernseher
einfach aus und vergrub sich in seine Gedankenwelt
/Hm.... Also, ist doch schon mal ganz nett bisher! Die Typen sind echt irre!
Obwohl ich ja wirklich fast nen Herzinfarkt bekommen hab, als Kim mich da im Bad
angemacht hat. Ich hätte schwören können, dass der mir an die Wäsche geht!
Aber hat er ja zum Glück nicht gemacht! Obwohl... schlecht sieht er ja nicht
aus! Und witzig ist er, das muss man ihm lassen! Eigentlich so richtig zum
verlieben... Vom Aussehen gefällt er mir hier ja am besten... wenn man Hideo
natürlich weglässt. Der ist nicht zu toppen!/
Akira musste sich bemühen, damit er nicht anfing zu sabbern!
/Shito ist zwar knuffig, aber zu jung und Darius.... der ist wie ein Gott! So
kühl und unnahbar. Zumindestens sieht er so aus. Mit seinen schönen schwarzen,
hüftlangen, glatten Haaren. Aber nicht schlecht! Und die anderen beiden?
Ähm... wie hießen sie noch? Ach ja,... Hayao und Katsura. Hm... die waren
einfach da. Das sind sicher die, die gekommen sind als ich im Schlafzimmer war.
Mit denen hab ich eigentlich gar nicht gesprochen! Na ja... vielleicht ergibt
sich das ja noch!/ Seufzend schloss Akira die Augen.
Plötzlich raunte eine Stimme ganz dicht an seinem Ohr:
"Hey Kleiner, nicht einschlafen! Ist der Film denn so öde?"
/Hideo!/ Akira hatte gar nicht gemerkt, wie sich der Ältere neben ihn gesetzt
hatte. /War ich denn so in Gedanken versunken?/
Er öffnete die Augen und fixierte seinen Nebenmann.
Dieser blickte ruhig zurück. Katzenhaftes Grün traf auf himmelfarbenes Blau.
Akira konnte spüren wie ihm die Luft weg blieb und ihm warm wurde. Trotzdem
versuchte er dem Blick standzuhalten.
Wartete Hideo auf eine Antwort? Aber Akira musste Abstand zwischen sich und
seinen Freund bringen, wieder begann sein Körper gefährlich zu prickeln.
/Das kann doch nicht normal sein! Warum erregt mich schon sein bloßer
Anblick???/
Hastig erhob er sich und eilte wacklig in Richtung Bad. Erst als er die Tür
hinter sich zugezogen hatte, hob er seinen Blick wieder.
/Man! Jetzt fängt das schon mit Hideo genauso an, wie es mit Takeru war! Ich
halt das nicht aus! Kann ich meine Freunde nicht einfach angucken ohne 'ne Latte
zu bekommen?!/
Wütend über seine nichtvorhandene Selbstbeherrschung lehnte er sich gegen die
Tür. /Toll! Was mach ich jetzt?!/ Akira warf einen prüfenden Blick nach unten,
aber zu seinem Glück hatte sich in seiner Lendengegend alles wieder beruhigt.
Verträum starrte er den Fußboden an...

Ein Klopfen riss ihn aus seinen Gedanken. Verwirrt blickte er zur Tür. Wieder
klopfte es.
"Akira? Alles klar?"
Das war... /Darius!/ Akira schluckte! /Was will er?/
"Ähm... ja... Alles klar!"
"Mach mal bitte auf, oder geht das jetzt nicht!"
"Doch, doch..." murmelte Akira und schloss die Tür auf.
Sofort steckte ein besorgt wirkender Darius seinen Kopf herein.
"Ich dachte schon, du bist hier drin gestorben! Was hast du denn so lange
gemacht?"
"Wieso so lange?"
"Weil ich ne viertel Stunde schon lange nenne! Weiß ja nicht wie du das
siehst..."
"Ne viertel Stunde?! Oh, hab gar nicht gemerkt, dass die Zeit so schnell
vergangen ist!" Akira war erstaunt, dass ihm das gar nicht aufgefallen war.
"Was hast du denn gemacht?"
"Ach, nichts!"
Akira wurde rot! /Mist, warum werde ich jetzt rot? Der interpretiert das noch
falsch und denkt, das ich hier sonst was gemacht hab!/ Verlegen senkte Akira den
Blick.
Darius zog die Stirn kraus.
"Warum bist du denn so schnell verschwunden? Hideo hat sich schon Sorgen
gemacht!" "Hideo... Warum das denn?"
"Er meinte, das du plötzlich aufgesprungen bist, als du ihn angeguckt hast!
Und nun hatte er Angst, das es irgendwas mit ihm zu tun hat!"
"Nee, hat es nicht! Echt!" /Nein, überhaupt nicht! Toll, jetzt lüg ich ihn
schon an! Aber was soll ich auch sagen? Die Wahrheit wäre hier wohl schlecht/
"Gut! Das wird ihn beruhigen! Kommst du wieder mit zu den anderen?", fragte
Darius vorsichtig.
"Klar!"
Zusammen verließen sie das Bad und gesellten sich wieder zu ihren Freunden.

"Alles okay mit dir?" Forschend blickte Hideo in Akiras Gesicht.
"Klar! Alles in Ordnung! Was soll auch sein?!"
"Das hab ich mich auch gefragt...", murmelte Hideo, bevor er sich wieder dem
Fernseher zuwendete.
Die Zeit verstrich. Mühsam versuchte Akira sich auf den Film zu konzentrieren,
aber das war schwerer als gedacht! Irgendwie interessierte es ihn überhaupt
nicht, das irgendein schleimiges Monster umging und alle möglichen Studenten
auf einem amerikanischen Campus umbrachte. Das war doch unrealistisch und dazu
total langweilig. Also ließ er seinen Blick erneut über seinen Freunde
schweifen.
Der Raum lag soweit eigentlich im Dunkeln, nur das Flackern des Fernsehers
erhellte ihn minimal.
Akira saß in der einen Ecke des Sofas, neben ihm hatte es sich Hideo gemütlich
gemacht, der sich, gespannt auf die Mattscheibe starrend, bei Darius angelehnt
hatte. Verträum strich dieser ihm immer wieder über die Brust.
Kim saß auf einem Kissen auf dem Fußboden genau vor der Couch. Auch er war in
den Film vertieft und nahm seinen Umwelt wohl nicht mehr war. Das flackernde
Licht des TVs jagte gelegentlich Schatten über sein gespannt wirkendes Gesicht
und verlieh ihm ein gespenstisches Aussehen. Wieder fiel Akira die Narbe auf.
/Was da wohl passiert ist?/ Stumm beschloss er, Kim bei Gelegenheit danach zu
fragen. Diese Narbe entstellte sein Gesicht aber bei weitem nicht, wie man es
vielleicht hätte erwarten können. Im Gegenteil sogar, es machte es noch
interessanter. /Ob man die Narbe spürt, wenn man mit den Fingern darüber
streicht?/
Akira biss sich auf die Unterlippe. Wie gerne hätte er seine Hand jetzt über
Kims Wange gleiten lassen. Aber das wäre dann wohl doch ein wenig zu voreilig.
Schnell wandte er seinen Blick ab. Es gab außer der Couch noch zwei große
bequeme Sessel hier im Wohnzimmer. Auf dem einen saß Hayao. Er ließ seine
Beine über die Lehne baumeln und blickte abwesend aus dem einen großen
Fenster.
/Ihn scheint der Film genauso zu interessieren wie mich!/, ging es Akira durch
den Kopf. Endlich hatte er mal Zeit Hayao genauer zu betrachten.
Er schätzte den 19-jährigen auf etwa 1,80 m. Das war für Akira schon viel,
denn er maß nur 1,70 m. Der Ältere war also fast einen halben Kopf größer
als er! Hayao's braune kurze Haare waren gegelt. Seine Figur war zwar
sportlich, aber auch gut gebaut. Nicht, dass Akira ihn als << dick >> bezeichnen
würde, dann schon eher als muskulös, aber Hayao wirkte stämmig! Trotzdem,
alles in allem war der abwesend wirkende Junge keiner, den man sich unbedingt
merken musste. Es gab nichts auffälliges an ihm.
Akira schickte seinen Blick weiter und widmete sich dem letzten Sessel.
Dort hatten sich aus << Platzmangel >> Katsura und Shito niedergelassen. Akira
musste grinsen. Das war ein Bild. Shito, dem es wahrscheinlich wirklich zu warm
geworden war, hockte nur noch in Boxershorts auf Katsura's Schoß. Dieser hatte
den Kleineren in seine Arme geschlossen. Auch Shito hatte seine Arme um den
Nacken des anderen gelegt und beide waren dabei, sich ausgiebig << abzulecken
>>.
Fasziniert beobachtete Akira die zwei. Sie hatte die Augen geschlossen und
achteten gar nicht mehr auf ihre Umwelt.
Shito öffnete sie nach einer Weile und löste sich von dem Älteren. Schwer
atmend legte er sein Gesicht in die Halsbeuge des anderen. Dieser nutzte die
Chance und platzierte einen Kuss auf der weichen Haut.
Wispernd raunte er Shito was ins Ohr, dieser kicherte leise. Dann begann er sich
langsam vom Hals des anderen zu dessen Lippen hoch zu küssen. Als er dort
ankam, wurde er schon sehsüchtig erwartet, und Katsura zog ihn wieder in einen
langen Zungenkuss.
Akira durchfuhr ein wohliger Schauder. /Hach, die beiden haben's gut!/
Flüchtig warf er einen Seitenblick auf Hideo, der immer noch gemütlich in den
Armen von Darius lag. Dieser hatte nun aufgehört über Hideos Brust zu
streichen, sondern hatte seine Arme um dessen Taille geschlungen und davor
verschränkt.
Ab und zu flüsterte er dem Jüngeren etwas ins Ohr, was dieser mit einem Nicken
oder einem zustimmendem Laut quittierte.

Gähnend erhob sich Akira.... und wäre fast über Kim gestolpert! Gerade noch
rechtzeitig fand er sein Gleichgewicht wieder. Kim, der seinen Ausrutscher
bemerkt hatte, warf ihm einen amüsierten Blick zu.
Verlegen grinste Akira zurück, was der Ältere mit einem anzüglichen Zwinkern
quittierte. Schnell wandte sich Akira ab und tapste vorsichtig in Richtung
Küche.
Aus der << Gefahrenzone >> entkommen, widmete er sich dann in aller Ruhe dem
Kühlschrank....


Unschlüssig stand er vor dem weißen Kasten. Als er sich dann endlich
durchgerungen hatte ihn zu öffnen, schlug ihm einen angenehme Kälte entgegen.
Das gelbe Licht des Kühlschrankes tauchte die dunkle Küche in einen milchigen
Schein.
Suchend überflog er die Fächer. /Hm... Eigentlich hab ich ja gar keinen
Hunger! / Verträumt starrte er auf ein Stück Käse... als plötzlich...
"Na du!"
Wie vom Blitz getroffen wirbelte Akira herum. Keinen Meter von ihm entfernt
stand Hayao.
"Mann, hast du mich vielleicht erschreckt! Ich hab dich gar nicht gehört!"
Hayao lächelte sanft, bevor er fragte: "Hunger?"
"Nee, nicht wirklich! Der Film ist bloß so öde!"
"Bin ganz deiner Meinung! Ich wollte bloß auf'm Balkon eine rauchen.",
informierte Hayao den immer von vor dem offenen Kühlschrank stehenden Akira.
Dieser hatte schon eine richtige Gänsehaut bekommen, so sehr hatte die Kälte
seinen Körper abgekühlt. Fröstelnd schloss er den weißen Kühlschrank und
blickte Hayao dann entgeistert an.
"Balkon?"
"Ja, Balkon! Diese Wohnung hat einen Balkon! Wusstest du das nicht?"
Akiras Augen wurden größer. "Nee, und wo soll der sein?"
"Ähm... hinter dir?!" Mit leichtem Spott in der Stimme wies er Akira an, sich
umzudrehen.
Als dieser der Aufforderung nach kam, staunte er nicht schlecht. Dort war
tatsächlich eine gläserne Tür, die nach draußen, auf einen kleinen Balkon
führte.
/Hey, die ist mir vorher nie aufgefallen!/
Hayao war auf die Tür zugegangen und hatte sie geöffnet. Sofort schlug Akira
eine eisige Kälte entgegen. Doch Hayao schien das gar nicht zu stören, wortlos
trat er hinaus.
Zaghaft folgte Akira ihm. Hayao hatte sich mit dem Rücken an die Abgrenzung
gelehnt und blickte ihn fragend an.
"Soll ich wieder gehen?" Seine Unsicherheit war Akira deutlich anzumerken.
"Quatsch! Bleib ruhig hier! Ich hab nichts gegen Gesellschaft... auch wenn das
manchmal so aussieht!"
Noch ein Mal maß Akira seinen Gegenüber mit einem prüfenden Blick, dann trat
er vollends zu ihm an die Abgrenzung und lehnte sich neben ihn.
"Woher kennst du Hideo eigentlich?" Die Kühle und Teilnahmslosigkeit von Hayao
irritierte ihn zunehmend, aber genauso weckte sie auch seine Neugierde.
"Ach, ich das ist 'ne lange Geschichte!", versuchte Hayao ihn abzuwimmeln und
zog eine Packung Zigaretten aus der Hosentasche. Dann begann er nach einem
Feuerzeug zu suchen. Grummelnd zog er es schließlich hervor. Mit einem
klickenden Geräusch zündete er seine Kippe an - bevor er Feuerzeug und Packung
wieder in der Tasche verschwinden ließ.
Den Blick in die Ferne gerichtet, blies er den grauen Qual in Akiras Richtung.
Doch bevor er bei Akira ankam, wurde er von einem Luftzug erfasst und hinaus in
die dunkle Nacht getragen. Fasziniert beobachtete Akira das Schauspiel.
"Warum willst du es nicht erzählen?", hakte Akira nach.
Er war ja sonst nicht aufdringlich, aber das interessierte ihn irgendwie. Hayao
würde ihn schon in seine Schranken verweisen, wenn er zu weit ginge.
"Wer sagt denn, das ich es nicht erzählen will!? Ich meinte bloß, das es eine
lange Geschichte ist!"
"Dann fass sie kurz und erzähl sie mir." Nachdem Hayao ihn mit einem
abschätzenden Blick gemustert hatte, fügte er flehend "Bitte!" hinzu.
"Es ist nichts dolles! Vor zwei Jahren kannte ich Hideo und die anderen noch gar
nicht. Ich hab sie zum ersten Mal getroffen, als mich mein damaliger Freund
mitgenommen hat. Aber irgendwie war ich von der Truppe begeistert! Vor allem von
Hideo und Darius. Also kam ich immer öfter mit meinem Freund mit und die
anderen hatten nichts gegen mich..."
"Und was ist aus deinem Freund geworden?"
"Der!" Hayao schnaufte verächtlich. "Der hat mit mir Schluss gemacht und ist
mit 'nem Ältern nach Tokio gezogen!"
"Aber du bist trotzdem immer wieder zu Hideo und Co. gekommen?"
"Nee, dann hab ich ne Zeit lang keinen Kontakt mehr zu ihnen gehabt. Ich wusste
ja nicht, ob sie mich noch da haben wollten, wo doch Yuki - mein Ex - nicht mehr
da war. Aber als ich dann Hideo durch Zufall im Park getroffen hab, meinte er,
dass sich alle schon wunderten wo ich bliebe. Und als ich ihm dann meine
Bedenken erzählt hab, hat er einfach nur warm gelacht! Ich war richtig
erleichtert! Tja... und dann bin ich halt wieder zu den Treffen gekommen."
"Und? Froh darüber?"
"Und wie! Die Typen sind echt alle total klasse! Bessere Freunde kann man nicht
haben!"
Akira erwiderte nichts. Stumm blickte er in die Nacht hinaus. Erst als er eine
warme Hand auf seinem nackten Arm spürte, kehrte er wieder aus seiner
Gedankenwelt zurück.
"Komm rein! Du bist schon ganz kalt!"
"Hai..." Warm lächelte er den Ältern an, der in einer lässigen Bewegung den
Filter seiner Kippe über die Abgrenzung schnippte.
Zittrig /Ist mir gar nicht aufgefallen, das mir so kalt ist!/ öffnete Akira die
Glastür und trat in die warme Küche ein. Hinter ihm schloss Hayao sie wieder.


Stumm ließen sich die beiden wieder auf ihren verwaisten Plätzen nieder und
starrten monoton auf den flimmernden Kasten.
Neben Akira hatten nun auch Hideo und Darius angefangen rumzuknutschen.
Fassungslos beobachtete er die beiden.
Tief in seinem Inneren zog sich etwas zusammen und bereitete ihm in Herzgegend
einen gewaltigen Schmerz.
/Warum berührt mich das so? Es ist doch Hideos Sache, was er macht!/
Trotzig wendete er abrupt den Kopf ab... nur um ein paar Sekunden später wieder
hinzustarren.
Hideo hatte sich in Darius Armen gedreht, sodass er auf seiner Brust lag, die
Hände in Darius Nacken verschlungen.
Akira schluckte schwer. Wieder musste er sich eingestehen, dass er für den
großen Blonden mehr empfand als stinknormale Freundschaft!
/Aber nur ein klein wenig mehr! Das ist alles!/ Tief ein und aus atmend rief er
sich wieder zur Ordnung!
/Du weißt ganz genau, das Hideo nur ein guter Kumpel ist! Mehr nicht!
Neinneinneinneinneinneinnein!/ Mit wild pochendem Herzen erhob er sich wieder
und wandelte wieder in die Küche. Die ruhigen Blicke von Kim folgten ihm.
In der Küche angekommen nahm er sich ein Glas Wasser und stürzte es in einem
Schluck herunter. Das beruhigte sein erhitztes Gemüt wieder. Noch ein letztes
Mal tief durch atmend, trat er wieder in das Wohnzimmer.
Dort hatte sich Kim nun endgültig auf dem Boden ausgebreitet, sodass er alle
viere von sich gestreckt flach auf dem weichen Teppich lag.
In Gedanken versunken, entging das natürlich dem grübelndem Akira und er
übersah Kims Bein. Mit einem leisen Schrei verlor er das Gleichgewicht und
wäre sicher hart auf dem Boden aufgeschlagen, wenn Kim sich nicht in letzter
Sekunde noch aufgerichtet hätte, und den Fallenden an den Hüften zu such ran
gezogen hätte.
Somit fiel Akira mit einem unterdrückten Laut auf den Blauhaarigen.
"Gomen nasai!" Entschuldigend wollte sich Akira wieder von Kim lösen, doch
dieser hielt ihn fest an sich gedrückt.
"Bleib doch noch ein bisschen bei mir hier unten! Ich fühl mich so alleine!",
schluchzte Kim gespielt.
/Was soll ich denn jetzt machen???/
Durch seinen Schrei waren auch Hideo und Darius abgelenkt worden und Hideo
blickte ihn besorgt an. Als Akira in sein Gesicht sah, traf er eine
Entscheidung.
/Warum sollte ich nicht noch ein bisschen bei ihm liegen bleiben! Er ist so
schön warm!/ Mit diesen Gedanken rutschte er auf Kim in eine bequeme Lage und
wisperte dann:
"Okay, weil du's bist, bleib ich hier! Aber nur ein paar Minuten!"
"Arigatou, Kleiner!" Kim strahlte übers ganze Gesicht.
Akira legte seinen Kopf auf die breite Brust seines << Untermannes >> und
lauschte dessen Herzschlägen. Kräftig und stetig hallten sie wieder.
Kim hatte begonnen ziellos Akiras Rücken zu streicheln und strich nun immer auf
und ab. Eine Hand stoppt plötzlich auf Akiras Hintern, währende die andere
ihre Entdeckungstour fortsetzte. Akira gab ein zufriedenes Seufzen von sich und
begann nun seinerseits über Kims Halsbeuge zu streicheln.
So lange sie beide da und genossen die Streicheleinheiten des anderen... und aus
ein paar Minuten wurden dann schon ein paar Stunden. Akira hatte gar nicht mehr
die Absicht sich auf die Couch zu erheben, alleine weil Hideo und Darius sich
dort nun endgültig breit gemacht hatten und wieder sanfte Küsse austauschten.

Bei dem Gedanken daran schmerzte Akira wieder das Herz. Schnell konzentrierte er
sich auf die warmen Hände, die sachte über seinen Rücken, seine Hüften und
seinen Hintern strichen.
Schläfrig schloss er die Augen...


Sachte merkte er, wie etwas sanft sein Gesicht entlang strich. Als Akira murrend
die Augen öffnete, sah er, das Kim ihm liebevoll ins Gesicht gepustet hatte.
"Na, wieder wach?"
"Hai..." Müde schmiegte er seine Wange an Kims Brust.
"Mensch, so was verschlafenes wie dich, hab ich ja noch nie gesehen! Aber
schön, wenn es auf mir so bequem ist!"
Erst jetzt realisierte Akira, dass er ja immer noch auf Kim lag.
"Oh, 'tschuldigung! Soll ich aufstehen?" Errötend blickte er in die blauen
Augen von Kim.
"Nee, bleib ruhig liegen. Schön mal wieder jemanden im Arm zu haben!" Akira
warf ihm einen fragenden Blick zu, doch Kim ging nicht weiter auf seine Worte
ein.
"Wie spät ist es?", wisperte Akira leise.
"Jetzt müsste es so kurz nach zwei sein!"
"Oh, schon so spät?"
"Ja, ich denke mal auch, das wir in einer halben Stunde oder so verschwinden!"
"Schade!" Für diesen Kommentar erntete er von Kim ein warmes Lächeln.

Wie Kim schon gesagt hatte, machten sich Shito, Hayao, Katsura, Darius und er um
kurz vor 3 Uhr auf den Weg nach Hause.
Ein letztes Mal lächelte Kim Akira an, dann war er aus der Haustür
verschwunden.
Stumm blickte Akira noch einige Augenblicke auf den Fleck, wo Kim bis eben noch
gestanden hatte, dann schloss er wortlos die Tür und ging zu Hideo ins
Wohnzimmer.

Dieser hatte sich auf der Couch niedergelassen und starrte stur gerade aus.
Leise glitt Akira neben ihn.
"Was ist los?", wollte er vorsichtig wissen.
"Nichts! Ich glaub, ich bin bloß ein bisschen müde."
"Ach so..." Wieder Schweigen.
"Du scheinst dich ja echt gut mit Darius zu verstehen?!" Auf diese Frage hatte
Hideo schon lange gewartet.
"Ja, ich hab ihn echt gerne."
"So richtig gerne?!", unsicher hakte Akira nach.
"Nicht so gerne, wie du jetzt vielleicht denkst! Ich bin nicht direkt in ihn
verliebt oder so, aber doch, ich hab ihn gerne."
Stille breitete sich zwischen den beiden aus, die von Hideo unterbrochen wurde.

"Denkst du, ich hab deine Seitenblicke nicht bemerkt?!"
Fassungslos sah Akira in das schöne Gesicht des Älteren. /Er hat sie
bemerkt??? K'so.../
"Ich war halt nur... überrascht!"
"Versteh ich ja auch, aber... du warst danach so komisch."
"Wie komisch?"
"Ich weiß auch nicht! Ach, vergiss es... sicher hab ich mich getäuscht..."
/Warum weiß er immer, was in mir vor geht! Das wird langsam unheimlich!/
"Hai... es ist nichts! Ich bin dann mal im Bad!"
"Ist okay..." Als Akira den Raum verließ konnte er deutlich Hideos Blick im
Rücken spüren...


Kapitel 10: Die Bitte

Hideo wartete schon vor dem Bad, als Akira hinaus kam. Stumm schritt er an Hideo
vorbei und suchte das Schlafzimmer auf. Nur mit Boxershorts bekleidet ließ er
sich auf Hideos Futon sinken.
/Heute Nacht werde ich wieder mit ihm in einem Bett schlafen!/
Ein wohliges Gefühl der Freude stieg in ihm auf und er seufzte tief.
"So, fertig!" Hideo betrat den Raum, genauso wie Akira, nur mit Boxershorts
bekleidet!
"Ist doch okay, wenn wir dieses Mal wieder in einem Futon schlafen? Das ging
doch beim letzten Mal auch!"
"Klar, kein Problem!" Damit legte sich Akira hin und wartete bis Hideo sich
neben ihn gelegte hatte.
Der Raum wurde nur von der Nachttischlampe erhellt, welche ein gedämpftes Licht
abgab.
Doch Hideo machte keine Anstalten sie aus zu schalten. Neugierig guckend stütze
er sich auf den Ellbogen und blickte Akira an. Dieser schaute perplex zurück.
Hideos Blick glitt ungeniert über Akiras Körper und der Jüngere konnte
spüren, wie ihm unter diesem Blick heiß wurde.
Mit einem verlegenen Lächeln sah er Hideo an, der blickte auch ein wenig
verlegen zurück. Dann streckte er die Arme einladend aus und Akira überlegte
nicht lange, sondern kroch zu ihm. Seufzend bettete er seinen Kopf auf Hideos
starker Brust und ließ sich von den muskulösen Armen seines Freundes
umschließen.
Ruhelos begannen Hideos Hände auf Akiras nacktem Rücken auf und ab zu
streichen. Was der Jüngere mit einem wohligen Schnurren quittierte.
Nur zu deutlich konnte er spüren, wie der Ältere ihm mit einem Finger an der
Wirbelsäule entlang strich und auch an seinem Po nicht halt machte. Ein wenig
langsamer und Akiras Reaktion beobachtend strich er federleicht über den Spalt,
den man deutlich durch den dünnen Stoff der Boxershorts merken konnte.
Als Akira Hideos Finger bemerkte, spannte er sich an und sah forschend in dessen
Gesicht. Dieser blickte ihm fest in die grünen Augen und ließ seinen Finger
wieder hoch fahren. Diesen Vorgang wiederholte er einige Male.
Akira konnte immer mehr spüren, wie ihn die Berührungen des anderen erregten
und um sich abzulenken, begann er sachte, mit seinen Fingern über Hideos
Brustwarzen zu streicheln. Langsam wurde eine immer härter und Akira widmete
sich der anderen. Neugierig auf Hideos Reaktion, sah er ihn abermals an.
Hideos Gesicht war völlig entspannt und er hatte die Augen geschlossen. Der
Mund war ein wenig geöffnete und sein Atem ging schneller.
/Was der sich jetzt wohl gerade vorstellt?/ Akira musste schmunzeln. Aber okay,
warum nicht. Wenn sein Freund damit einverstanden war, konnte er ja noch ein
bisschen weiter dessen Körper erkunden. Am gespanntesten war er auf Hideos
Reaktionen.
Geschickt stützte er sich so auf, dass er auf Hideos Lendengegend saß und
beugte sich dann langsam runter um seinen Freund zu küssen. Dieser hatte, auf
Grund von Akiras Bewegung, die Augen aufgeschlagen und erwartete schon dessen
warme Lippen.
Erst sanft, dann immer fordernder wurden ihr Küsse, bis Akira bittenden mit
seiner Zungenspitze über Hideos Lippen strich. Dieser öffnete sie bereitwillig
und empfing Akiras Zunge mit der seinen. Liebevoll ließ er sie gegen Akiras
reiben, was dem ein heiseres Stöhnen entlockte. Wieder begannen Hideos Hände
Akiras Körper zu streicheln, aber dieses Mal nicht nur den Rücken. Sanft fuhr
er auch über die Brust des Jüngeren, was zur Folge hatte, dass dessen
Brustwarzen auch hart wurden.
Als ein erregender Schauder durch Akiras Körper fuhr, löste er sich schwer
atmend von Hideos Lippen und begann sich an dessen Hals runter zu küssen. Am
Schlüsselbein angelangt, hielt er inne um zärtlich mit der Zunge darüber zu
streichen. Hideo stöhnte rau auf. Akira konnte merken, wie nun etwas
verräterisch gegen seinen Schritt zu drücken begann und er musste grinsen.
/Hm... der ist aber auch schnell zu erregen!/
Wieder küsste er sich weiter nach unten und machte erst an den immer noch
harten Brustwarzen halt. Gefühlvoll leckte er nun über die Linke, bevor er sie
ganz zwischen die Lippen nahm und sachte dran saugte.
Nun war es um Hideo Selbstbeherrschung geschehen, er stöhnte laut auf. Die
Beule in seiner Hose wurde auch größer, wie Akira merkte. Dieser wechselte nun
von der linken zur rechten Brustwarze und wieder holte das Spiel noch mal. Hideo
begann sich unter ihm zu winden und Akira blickte erschrocken in dessen Gesicht!

/Hab ich was falsch gemacht?/
Aber als er in den blauen Augen des anderen nach einer Antwort auf seine stumme
Frage suchte, konnte er nur Begierde und Lust in ihnen finden. /Oh Gott, hab ich
ihn so erregt?!/
Wie als Antwort auf diese Frage schlang Hideo seine Hand um Akiras Nacken und
zog den Kleineren wieder zu sich runter, um ihn stürmisch zu küssen.
Stöhnend, denn auch Akiras Erregung wuchs immer mehr, ließ er sich auf Hideo
nieder. Darauf hatte der andere nur gewartet und rollte sie beide herum. Nun war
es Akira der unten lag.
Schwer atmend versuchte er Hideos wahrem Ansturm an Küssen etwas entgegen zu
setzten, aber er kam kaum zum Zug. Mit beiden Händen schob er den Älteren an
der Brust von sich weg. Dieser sah ihn fragend an.
"Hey... nicht so... schnell!" Akira musste nach Luft schnappen.
"Gomen!" Hideo beugte sich wieder zu Akira runter und rieb seine Wange an der
des Jüngeren.
Dieser schlang nun die Arme um Hideos Nacken und drückte ihn ganz fest.
Schnurrend erwiderte der Ältere die Umarmung. Als Akira ihn wieder los ließ,
warf er noch schnell einen prüfenden Blick in dessen Augen, konnte dort aber
nur Zuneigung finden. Also setzte er seine Erkundungstour fort und begann nun
mit Händen, Lippen und Zunge über Akiras Oberkörper zu streicheln.
Der Jüngerer stöhnte unter diesen Berührungen immer wieder leise aber
lustvoll auf, so sehr er auch versuchte, sich zusammen zu reißen. Akira hatte
die Augen geschlossen und biss sich auf seine Unterlippe.
/Mhm... das fühlt sich so verdammt gut an! Aber warum macht er das? Oder
besser, wie weit wird er gehen? Was mach ich, wenn er mit mir... schlafen
möchte?/
Bei diesem Gedanken stöhnte Akira ungehalten auf. Seine Erregung schmerzte
schon zu sehr, als dass er jetzt darüber nachdenken wollte.
/Ich halt das nicht mehr lange aus!/ Er musste sich schon verdammt zusammen
reißen, um sich nicht selbst zu berühren und seiner pulsierenden Erregung
Abhilfe zu schaffen. Er hoffte ja , das Hideo das vielleicht für ihn tun
würde.
Als wenn dieser seine Gedanken gelesen hätte, zupfte er unschlüssig an dem
Bündchen der Shorts. Akira öffnete die Augen um zu sehen, warum sein Freund
nicht weiter machte. Dieser blickte ihn unsicher und fragend an.
Akira schenkte ihm ein warmes Lächeln, bevor er mit seiner Hand die von Hideo
ergriff und wieder zum Bund der Shorts hinführte. Auch Hideo lächelte
erleichtert und zog in einer sanften Bewegung das Stück Stoff über Akiras
steifes Glied.
Als er es dabei aus Versehen berührte, warf Akira den Kopf in den Nacken,
stöhnte laut auf... und wurde rot! /Wo ist meine Selbstbeherrschung hin???/
Aber noch röter wurde er, als er Hideo gurrend lachen hörte.
"So empfindlich, Kleiner?" Seine Stimme klang warm.
"Hai...", keuchte Akira.
Als Hideo ihn nun ganz von den Shorts befreit hatte, blickte er seinen Freund
noch mal an.
Dieser bebte vor Erregung und sein Glied war mehr als steif.
Viel braucht es ja nicht mehr, dann kommt er..., ging es Hideo durch den Kopf.
Sanft strich er erst mit einem Finger über Akiras Erregung, bevor er dann die
ganze Hand darum schloss. Federleicht strich er ein Mal auf und ab. Wieder wurde
Akira von einem Beben durch schüttelt.
"Quäl mich nicht!", gab dieser gepresst von sich.
Hideo lachte wieder. "Das ist aber ein sooo schöner Anblick!"
"Oh, du elender Sadist!" Nun musste auch Akira kichern.
Hideo hatte noch immer seinen Hand um die harte Erregung von Akira geschlossen.
Dann rutschte er ein wenig tiefer und berührte hauchzart die Spitze mit seinen
Lippen. Akira konnte es nicht mehr aushalten und Griff nach Hideos Kopf.
Als er merkte, dass sein Freund immer noch einen Zopf trug, löste er das
Zopfgummi und warf es achtlos zur Seite. Hideos blondes Haar fiel nun über
seine Schultern. Er vergrub seine Finger in ihm und drückte Hideos Kopf tiefer
in seinen Schoß.
Dieser kam Akiras Bitte stumm nach und umschloss die pulsierende Erregung mit
seinen weichen Lippen. Mit der Zunge strich er sachte an der Unterseite entlang,
was Akira wieder ein raues Stöhnen entlockte. Dann begann er zärtlich an dem
harten Glied zu saugen. Hideo konnte deutlich spüren, wie sich der kleinere
Körper unter ihm spannte, um sich dann mit einem lustvollen Stöhnen in seinen
Mund zu entladen.
Hideo schluckte die weiße Flüssigkeit runter und leckte dann noch ein mal
über Akiras Glied, wie um alle Spuren zu beseitigen. Als er damit fertig war,
rutschte er wieder auf Augenhöhe mit seinem Freund und lächelte ihn liebevoll
an.
"Du schmeckst echt nicht schlecht!"
Akira wurde rot und legte beschämt einen Arm über seine Augen.
"Hey, was ist denn?" Besorgnis schwang in Hideos Stimme mit. "Hat es dir nicht
gefallen? Hab ich irgendwas gemacht, was dir unangenehm war?"
Stumm schüttelte Akira den Kopf. /Ich glaub's nicht, er hat mir echt einen
geblasen! Warum macht der das für einen Freund?/
"Hey, Akira! Rede mit mir!" Hideo bekam Angst!
"Schon okay, es ist alles in Ordnung!", fand Akira seine Sprache wieder.
Hideo atmete hörbar auf.
"Und dass es mir gefallen hat, hast du doch wohl gemerkt!"
Hideo musste grinsen. Jaaa, das hatte er.
Akira schlang nun wieder die Arme um Hideos Nacken und zog ihn zu sich runter.
Leidenschaftlich küssten sich beide und ließen ihre Hände wieder über den
Körper des anderen gleiten. Akira konnte deutlich spüren, dass der andere
immer noch erregt war und zog vorsichtig dessen Shorts herunter.
Hideo, der ihn immer noch wild küsste, half ihm dabei und warf sie einfach
achtlos beiseite. Nun lagen sie beide nackt aufeinander und überall, wo ihre
bloße Haut aufeinander traf, durchzuckten Akira Stromstöße.
Sein ganzer Körper kribbelte und er merkte, wie sein Glied sich wieder
aufstellte. Auch Hideo hatte das bemerkt und rieb nun seine Erregung an der,
immer größer werdenden, von Akira.
Beide stöhnten wohlig.
/Ich glaubs nicht, ich bin schon wieder erregt!/
Immer wieder rieben sie ihre schweißnasse Haut aneinander. Hideo suchte erneut
Akiras Lippen, biss dann sanft in die untere, bevor er liebevoll darüber
leckte. Akira antwortete mit einem Aufstöhnen.
Widerwillig löste er sich von dem ihn immer noch küssenden Hideo und zog
dessen Körper so zu sich runter, dass er sein Gesicht in Hideos Halsbeuge legen
konnte.
Frech leckte er über die empfindliche Haut unter dem Ohr und biss dann
seinerseits dort zu. Hideos ganzer Körper bebte.
Dafür, dass er so was noch nicht gemacht hat, kann er es aber verdammt gut,
schloss es ihm durch den Kopf. Akira ließ nun seine Zunge über die
malträtierte Stelle gleiten und küsste sich dann wieder runter zu Hideos
Brust. Erneut begann er an den Brustwarzen zu saugen und darüber zu lecken.
/Hm... Hideo schmeckt so gut!/, war sein einziger Gedanke in dem Moment! Hideos
Hand wanderte wieder runter zu Akiras Erregung, doch bevor er Hand anlegen
konnte, wurde er von Akira abgefangen. "Nein..." Völlig perplex starrte er
seinen kleinen Freund an.
Wie nein, fragte er sich.
"Hideo?" Akiras Stimme hörte sich nahezu piepsig an.
/Okay, ich frag ihn einfach! Mehr als verneinen kann er nicht!/
Verdutzt fragte der Ältere: "Ja, Kleiner? Was ist los?"
"Du... ähm... würdest du... du weißt schon...!" Akira brach verlegen ab, doch
Hideo verstand auch so, was er ihn fragen wollte.
"Was??? Ist das dein Ernst???"
"Ja, bitte! Ich will wissen, wie es sich anfühlt!"
"Und ich soll...." Die Überraschung war Hideos Stimme anzuhören.
"Hideo, ich vertrau dir! Aber wenn du nicht willst, dann sag es einfach! Es
wäre nicht schlimm!"
"Nein, natürlich will ich!"
Kurz herrschte Schweigen, dann wollte Akira leise wissen: "Tut es weh, Hideo?"
"Was soll ich sagen, Kleiner!? Ja, es tut ein wenig weh." Als Hideo merkte, wie
Akira leicht das Gesicht verzog, versuchte er ihn jedoch zu beruhigen: "Aber nur
am Anfang! Ich bin ganz vorsichtig, okay? Wenn du aufhören willst, dann sag es!
Es bringt nichts, wenn du es nicht magst..."
"In Ordnung!" Akira hörte sich sofort erleichterter an.
Hideo begann erneut ihn fordernd zu Küssen, während er mit der linken Hand
nach etwas im Nachtschrank kramte.
Als er gefunden hatte, was er sucht, richtete er sich auf. Verwirrt stütze sich
Akira auf die Ellbogen und blickte Hideo an. Dieser drehte den Verschluss von
einer Tube ab /Gleitgel???/ und verteilte die kühle Flüssigkeit auf seinen
Fingern. /Was wird das?/ Dann rutschte er zwischen Akiras Beine und spreizte
sie.
"Okay, nicht erschrecken jetzt, ja?!" Reflexartig spannte sich Akira an. "Hey,
ich hab doch noch gar nichts gemacht! Bleib einfach locker!"
Ermutigend suchte er Akiras Lippen, bevor er sachte mit einem Finger nach dessen
Öffnung tastete und dann langsam eindrang. Akira konnte Hideos Finger deutlich
spüren, und das Gefühl war mehr als unangenehm. /Aber Hideo meinte, das es
besser wird! Ich vertraue ihm!/ Also biss er die Zähne zusammen!
"Au!" /K'so/ Er hatte ja Hideo total vergessen, der seine Zunge noch bei ihm im
Mund gehabt hatte.
"Wenn ich aufhören soll, musst du mir das sagen! Nicht einfach zubeißen!"
Hideo hörte sich gespielt empört an, was Akira verlegen kichern ließ. Nun war
er vollkommen entspannt.
"Gomen nasai! Ich wollte dich nicht beißen! Echt! Mach bitte weiter!"
Hideo schnurrte nur zustimmend und versenkte dann wieder seine Zunge in Akiras
Mund, wo diese schon sehnsüchtig erwartet wurde.
Hideo bewegte nun seinen Finger in Akira, bevor er einen zweiten und sogar einen
dritten hinzunahm. Seine freie Hand hatte angefangen über Akiras
vernachlässigtes Glied zu streicheln, was diesem raues Stöhnen entlockte.
"Tut's doll weh?" Hideo klang besorgt. Als Antwort auf dessen Frage, begann
Akira sich nun gegen Hideos Finger zu bewegen.
Das unangenehme Gefühl, war schon vor einiger Zeit gewichen und Akira
verspürte nun ein starkes Kribbeln, wo Hideos Finger ihn berührten.
Beruhigt zog Hideo seine Finger wieder aus Akira zurück, was dieser mit einem
enttäuschten Seufzen quittierte.
Doch Hideo verteilte lediglich mit geübten Handgriffen etwas Gleitgel auf
seinem Glied, bevor er Akiras Becken anhob und seine pulsierende Männlichkeit
gegen dessen Öffnung drückte. Akira immer noch streichelnd, drang er ganz in
ihn ein und begann sich zaghaft zu bewegen. Akiras Atmen wurde schneller und er
zog Hideo zu sich runter um ihn in einen langen leidenschaftlichen Zungenkuss zu
verwickeln.
Langsam begann er Hideos Stöße zu erwidern. Er passte sich Hideos Rhythmus an.
Wieder bebte sein ganzer Körper vor Erregung und er wusste gar nicht, auf
welche der vielen Empfindungen er mehr regierte: Auf Hideo, der ihn küsste,
oder auf Hideos Hand, die ihn durch ihr Streicheln fast in den Wahnsinn trieb,
oder aber auf Hideos Erregung, die tief in seinem Inneren immer wieder einen
Punkt berührte, der ihn aufstöhnen ließ!
Alles in allem fühlte er sich wie im Himmel, Akira konnte gar nicht glauben,
was für süße Qualen Hideo ihn da bereitete. Aber auch dieser war sichtlich
erregt. Sein Atem ging nur stoßweise und in seinen Augen glühte die pure Lust.

Alleine dieser Anblick katapultierte Akira ein Stück näher an den heftigsten
Orgasmus, den er je gehabt hatte. Als Hideo nun noch begann sein Glied schneller
zu streicheln, konnte er die Spannung einfach nicht mehr aushalten.
Mit einem lauten Stöhnen kam er in Hideos Hand. Und damit hatte er einen
Kettenreaktion ausgelöst. Während er immer noch von den Nachbeben seines
Orgasmus' geschüttelt wurde, zog sich sein Muskelring stark zusammen. Hideo
keuchte überrascht auf, er hätte nicht gedacht, das Akira noch enger werden
würden. Nun konnte auch er sich nicht mehr zurück halten und vergoss seinen
heißen Samen in Akiras Innerem, bevor er schwer atmend und schweißüberströmt
auf dem Kleineren zusammen brach.
Schutzbietend und -suchend zugleich schlang Akira seinen Arme um den nassen
Körper des Älteren. Der zog sich nun endlich aus ihm zurück und kuschelte
sich wohlig schnurrend in die warmen Arme seines jüngeren Freundes.
"Alles klar mit dir?", wisperte er rau.
"Ja, alles okay! Das war... irre!" Glücklich strahlend drückte Akira Hideo
einen Kuss auf die Lippen, welchen dieser schwach erwiderte.
"Echt, das war es wirklich... Einfach herrlich!" Seine letzten Kraftreserven
mobilisierend gab er Akira noch einen langen Zungenkuss, dann schaltete er die
Nachttischlampe aus.
Akira zog die Decke, die bei ihrem << Rumgerutsche >> neben dem Futon gelandet
war, über sie beide, bevor er glücklich seufzend in den Armen seines Freundes
einschlief. Hideo konnte ihn noch schwach murmeln hören, etwas, das sich sehr
verdächtig nach: "Hideo, ich hab dich lieb!" anhörte, dann war es ruhig im
Raum.

Der Ältere lag noch lange wach und dachte nach.
Irgendwie war er sich nicht so recht sicher, ob es die richtige Entscheidung
gewesen war, mit Akira zu schlafen. Was wenn der Kleine sich nun Hoffnungen bei
ihm machte?
Dabei waren sie doch nur Freunde!
Okay, das war echt der beste Sex seit langem gewesen. Aber das hieß ja nun
wirklich nicht, dass er mehr für Akira empfand. Ja, einfach nur gute Freunde...
Mit diesem Gedanken vergrub er sein Gesicht in der warmen Halsbeuge des anderen
und schlief dann zufrieden ein...


Kapitel 11: Worte

Irgendwas war anders. Das war der erste Gedanke, den Hideo beim Wachwerden
hatte. Doch er fühlte sich viel zu müde, um jetzt großartig darüber
nachzudenken. Also grummelte er leise, rückte sich sachte in eine bequemere
Position und schlang dann die Arme um.... nichts?!
Jäh wurde er aus seinem Halbschlaf gerissen.
Das war es also, was so anders war. Die ganze Nacht über hatte er den warmen
Körper von Akira neben sich gespürt, hatte sich Wärme suchend an ihn
geschmiegt, und jetzt fehlte dieser Körper. Müde setze er sich auf. War das
alles nur ein Traum gewesen?, ging es Hideo durch den Kopf.
Für einen Traum aber sehr realistisch! Er musste grinsen, als er an die
vergangene Nacht dachte.
So stürmisch hätte er Akira gar nicht eingeschätzt.
Das kann kein Traum gewesen sein!, entschied er trotzig.
Jedoch immer noch verunsichert ließ er seine Hand leicht über die leere Stelle
neben ihm auf dem Futon gleiten. Sie war noch warm und wenn Hideo sich
konzentrierte, konnte er sogar noch Akiras Geruch wahrnehmen.
Akira roch unglaublich gut, so frisch, irgendwie nach Meer... Seufzend ließ er
sich wieder zurück sinken. Seit wann fiel ihm auf, wie seine Freunde rochen?
Okay, Darius hatte auch seinen ganz speziellen Geruch, aber der war
unnatürlich, von irgendeinem Aftershave.
Akira roch so natürlich, eben nach Meer! Als Hideo sich seiner Gedanken bewusst
wurde, fuhr er erschrocken wieder hoch. Akira! Ja... wo war der nur? Sicher im
Bad, denn wo sollte er denn sonst hin sein? Er wird ja wohl nicht gegangen sein,
so einfach so ohne was zu sagen. Ein ungutes Gefühl beschlich Hideo.
Was, wenn Akira ihre Aktion von letzter Nacht bereute und deshalb gegangen war?!
Was, wenn das nun wirklich was an ihrer Freundschaft geändert hatte?!
Ein leichtes Zittern durchfuhr Hideos Körper.
Erschrocken über seine << Vorahnungen >> stand er auf... und musste
feststellen, dass er vollkommen nackt war. Mit pochendem Herzen griff er sich
seine Boxershorts, die neben dem Nachtschrank lagen, und streifte sie sich
über. Dann wandte er sich langsam und zögernd der Tür zum Wohnzimmer zu.
Alles war noch so wie am Abend, als er den großen Raum verlassen hatte. Später
würde er erst mal aufräumen müssen! Überall lagen leere Flaschen, Dosen und
Chipstüten rum. Die Wohnung sah immer aus wie ein Saustall, denn seinen Freunde
hier gewesen waren!
Er musste wieder grinsen, typisch seine Clique!
Er hatte schon die Hälfte des Wohnzimmers durchquert, als er ein leises
Geräusch vernahm. Er hielt inne und lauschte. Da war es wieder, ein gedämpftes
Gemurmel. Akira! Also war er doch noch da! Erleichtert stürmte Hideo nun in
Richtung Küche.
"Akira!"
Der Angesprochene fuhr wie von einer Tarantel gestochen herum und beäugte den
Älteren grummelnd.
"Musst du mich so erschrecken???", fauchte er schwach. Sein Herz schlug ihm bis
zum Hals.
"Gomen! Ich hab dich nur gesucht.", gab Hideo leise zu.
Akira legte den Kopf schief. "Gesucht...? Warum das denn???"
"Na, ich dachte... dass du... also vielleicht..." Hideo brach ab. "Vergiss es
einfach!"
Doch Akira konnte sich schon denken, was der andere vermutet hatte. "Nani? Du
hast gedacht, daas ich einfach so gehe? Warum sollte ich?" Nun war es Akira, der
verunsichert war.
"Also, ich dachte.... ähm... ach, schon gut!"
"Nee, nicht gut! Sag's mir bitte!", verlangte Akira ungeduldig zu wissen. Warum
benahm sich sein Freund so komisch? War irgendetwas nicht in Ordnung?
Als Akira schon dachte, dass er keine Antwort mehr erhalten würde, bekam er
doch noch eine - und sie fiel heftiger aus, als er gedacht hätte.
"Okay! Wenn du's unbedingt wissen willst! Ich dachte, dass du das von heute
Nacht bereust! Das wars! Aus, Schluss und vorbei, Ende der Durchsage!" Hideo
warf Akira einen giftigen Blick zu, worauf dieser beschwichtigend die Hände
hob.
"Hey! Ganz ruhig! Warum sollte ich es denn bereuen? Es hat mir gefallen und
außerdem hab ich doch damit angefangen, oder nicht? Ich wollte es doch!" Mit
diesen Worten überwand Akira den Abstand zwischen sich und seinem Freund und
umschlang dessen Taille mit seinen Armen, die Wange an dessen Brust gekuschelt.
Sachte hauchte er einen Kuss dorthin. Unsicher chloss auch Hideo den Kleiner nun
in seine Arme.
"Hm... Na in Ordnung... Ich hab bloß irgendwie einen gewaltigen Schrecken
bekommen, als du nicht mehr neben mir gelegen hast, als ich aufgewacht bin!",
gestand Hideo verlegen.
"Ach so..." Akira nickte, bevor er zugab: "Ich hatte eigentlich nur Hunger! Und
da bei dir ja angeblich Selbstbedienung herrscht, da dachte ich..." Akira wurde
rot!
"... dass du meinen Kühlschrank mal durchwühlst!", beendete Hideo den Satz und
konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Ist doch kein Problem! Du hättest
mich auch wecken können! Dann hätte ich dir was gemacht...."
"Quatsch! Du hast doch noch geschlafen und ich kann mir ja wohl alleine
Frühstück machen!" Akira zog ein Schnütchen.
Verblüfft blickte Hideo in das süße Gesicht mit den grünen Katzenaugen. Ein
warmes Lächeln umspielte seinen Mund, denn Akira sah so einfach zu knuffig aus.
Angesichts seiner Gedanken, zog Hideo die Stirn kraus.
Hm... irgendwas war nicht wie immer, aber er konnte nicht genau sagen was! Das
ließ ihn unruhig werden. Flüchtig drückte er einen Kuss auf Akiras
Schnütchen, bevor er sich von ihm löste und nun selbst zum Kühlschrank trat.

"Was willst du? Brötchen müsste ich noch haben, hier ist Marmelade, Wurst,
Käse... Oder aber Cornflakes? Milch ist im Keller, die würde ich dann hoch
holen..." Völlig perplex sah Akira den Älteren an, der ihm die großen Weiten
seines Kühlschrankes preis gab.
/Warum hat er mich so plötzlich losgelassen?/ Ein ungutes Gefühl machte sich
in ihm breit, aber er zwang sich, es grob beiseite zu schieben.
"Ähm... in den Keller brauchst du wegen mir nicht extra zu rennen! Gib mir
einfach ein Brötchen."
Hideo warf ihm einen schrägen Blick zu. "Und dazu? Käse oder Wurst oder..."
"Nee, ein einfaches Brötchen reicht mir!", wehrte Akira ab.
"Hm... wenn du meinst!" Damit wandte Hideo sich dem Brotkasten zu, der auf dem
einen Küchenschrank, direkt neben der Kaffeemaschine stand. Nach kurzem
Rumwühlen hielt er Akira ein Brötchen unter die Nase, welches dieser sich
schnappte und es sich dann auf einem der Küchenhocker bequem machte.
"Auch 'nen Kaffee?" Auf Hideos Frage gab er nur ein bejahendes Geräusch von
sich, dann herrschte wieder Stille, welche nur durch das stetige Blubbern der
Kaffeemaschine durchbrochen wurde.
Nach ein paar Minuten landete eine volle Kaffeetasse vor Akira auf der Theke,
dann ließ sich Hideo neben ihm nieder.
"Und, was steht bei dir so an diese Woche?"
Akira kaute immer noch müde auf seinem Brötchen herum. "Ach, nix dolles! Ne
Mathearbeit am Dienstag, aber die wird wohl kein Problem sein. Ansonsten
nichts... und bei dir?"
"Nix! Alles öde..."
Wieder Schweigen.
/Warum ist der so geknickt? Ist ER es vielleicht, der die Nacht mit mir bereut?
Wollte er deshalb bloß von mir hören, dass es mir genauso geht und wir uns
einigen, so zu tun, als wenn nichts gewesen wäre?! Ist es das...?! ... Ob ich
ihn einfach mal frage? Aber was, wenn er mir ausweicht? Oder wenn er meine
Theorie bestätigt? Was dann? Wie werde ich darauf dann regieren? Wieso hab ich
solche Angst davor, das er die Nacht bereuen könnte? Ach, es ist sicher alles
in Ordnung! Für ihn war es sicher bloß 'ne Nacht wie auch mit nem anderen
Freund und für mich.... ja... für mich war es einfach nur da, um Erfahrung zu
sammeln. Ich war einfach nur neugierig und wollte es mal ausprobieren. Mehr
nicht! Das ändert auch nichts an unserer Freundschaft... So einfach ist
das..../
Betrübt starrte Akira auf seine Tasse. Der Dampf des heißen Getränks stieg in
kleinen Schwaden auf. Deutlich konnte Akira die Wärme spüren, die von ihm
ausging.
Plötzlich spürte er kalte Finger auf seinem Arm. Überrascht blickte er zur
Seite, direkt in die blauen Augen von Hideo.
Dieser sah ihn unsicher an. "Alles okay mit dir?"
"Klar, was sollte sein?! Ich hab bloß ein wenig nachgedacht!"
"Worüber???" Hideo zog die Stirn kraus.
Akira zögerte noch einen Moment, dann versuchte er seinen Gedanken von eben
Form zu geben. "Ich.... ähm... Versteh das bitte nicht falsch.... aber du bist
so seltsam! Ist irgendwas? Hab ich was falsch gemacht gestern Nacht? Oder
bereust DU es, dass du mit mir geschlafen hast?"
"NEIN!" Überrascht weiteten sich Hideos Augen. "Warum sollte ich es bereuen? Es
war mehr als schön!"
"Aber?"
"Nix aber! Es kann vielleicht sein, dass ich ein bisschen müde bin oder nicht
ganz so gut drauf, aber das hat nichts mit dir zu tun. Echt, Kleiner!"
Aufgewühlt drehte er sich zu Akira um.
Dieser sah ihn für einen Augenblick abwägend an, dann nickte er jedoch.
"In Ordnung! Wenn du das sagst, dann glaub ich es dir!"
Ein wenig beruhigter verdrückte Akira den Rest seines Brötchens und leerte
dann seine Kaffeetasse. Nachdem auch Hideo mit dem spontanen Frühstück fertig
war, blickte Akira den Älteren sanft an.
"Was meinst du? Haben wir noch Zeit um uns noch einen Moment hinzulegen?
Eigentlich ist mir noch gar nicht wirklich mach aufstehen!"
Zu seiner Freude nickte Hideo. "Eigentlich hast du recht. Der Morgen ist noch
viel zu jung, um ihn mit Aufstehen zu beginnen!" Lächelnd erhob er sich von
seinem Hocker und machte Anstalten in Richtung Schlafzimmer zu gehen. Akira
folgte ihm eilig.
Sobald beide auch nur das Futon berührten, kroch wieder die Müdigkeit in sie
hinein. Die immer noch leicht warme Bettdecke lullte die beiden Jungen erneut
ein und mit einem zufriedenen Murmeln schloss Akira die Augen und genoss die
unglaubliche Wärme, die von Hideo ausging.
Dieser kuschelte sich dicht an Akira.
Insgeheim fragte er sich, was mit ihm los war, er war doch sonst nicht so
anhänglich.... Bevor er jedoch seine Gedanken ausbauen konnte, war er auch
schon eingeschlafen...


Dieses Mal war es Hideo, der zu erst wach wurde.
Akira hatte sich in seinen Armen nicht bewegt und lag immer noch reglos neben
ihm. Sanft war sein ruhiges Atmen in der Stille des Raums zu hören.
Hideo genoss es, dass der andere noch im Reich der Träume war, denn endlich
hatte er Zeit, das Gesicht von Akira mal wieder in Ruhe zu betrachten:
Am auffälligsten an ihm waren wohl die schönen grünen Augen, die jetzt ja
leider geschlossen waren.
Er hatte noch nie so eine schöne Augenfarbe gesehen. Und wie Akiras Augen immer
strahlten, wenn er aufgeregt war. Einfach herrlich! So, wie der Jüngere jetzt
lag, waren die Augen aber zum größten Teil durch die schwarzen mittellangen
Haare verdeckt.
Wenn Akira sie nicht gelte, würden sie ihm wohl wirklich ständig ins Gesicht
fallen. Aber er ließ sie ja immer in alle Richtungen abstehen, was total frech
aussah. Ansonsten war Akiras Haut blass und ebenmäßig, keine Unebenheiten
waren zu sehen. Sie hatte einen seidigen Glanz und nach letzter Nacht wusste
Hideo, dass sie sich auch so anfühlte!
Mit einem letzten zufriedenem Blick musterte er Akiras Gesicht in seiner
Gesamtheit, dann strich er leicht über die Wange des Schlafenden. Dieser
seufzte daraufhin tief und öffnete blinzelnd die Augen.
"Na, wieder wach?", wurde er von dem schon Wachen begrüßt.
Zufrieden schnurrend kuschelte Akira sich noch ein Mal an den Körper neben sich
und antwortete dann:
"Nicht wirklich! Ich glaube, ich könnte den ganzen Tag im Bett verbringen!"
/Vor allem mit dir!/, fügte er in Gedanken hinzu.
"Tut mir Leid, dass ich dich enttäuschen muss, aber ich muss dich leider bald
rausschmeißen! Ich hab heute noch etwas für die Schule zu tun!"
Die Emotionen die Akiras Gesicht für einen Augenblick wiederspiegelten ließen
Hideo warm lächeln. Aber dann meinte der Jüngere aufmunternd:
"Ich muss auch noch was tun! Wir schreiben doch am Dienstag die Mathearbeit! Und
eigentlich müsste ich heute noch bei meinem Bruder vorbeischauen!"
"Genau! Was macht der eigentlich? Bleibt er hier oder geht er wieder nach
Hause?"
"Er bleibt noch eine Woche hier, dann muss er zurück, sein Urlaub ist zu Ende.
Aber ich darf ihn besuchen fahren!" In kindlicher Freude schlich sich ein
offenes Lächeln auf Akiras Gesicht.
"Das freut mich! Es war sicher hart ihn so lange nicht zu sehen!" Am liebsten
hätte sich Hideo für diese Bemerkung auf die Zunge gebissen, als er sah was
sie bei Akira auslöste. Dessen Gesicht verzog sich schmerzlich und er bekam
einen traurigen Blick, welcher nur von seinem noch traurigerem Lächeln
übertroffen wurde, als er antwortet:
"Ach, man gewöhnt sich an so vieles! Aber ja, er hat mir mächtig gefehlt! Ich
bin tierisch froh, dass er sich bei mir gemeldet hat!"
"Kann ich mir denken! Ich hab auch einen Bruder! Aber der ist viel jünger als
ich. Genaugenommen ist er jetzt 8 Jahre alt. Aber total niedlich! Schade, dass
ich ihn schon lange nicht mehr gesehen hab!"
"Warum denn das?" Akira hatte sich wieder beruhigt und warf dem Älteren einen
fragenden Blick zu.
"Ach, der ist bei meinen Eltern und diese kommen nicht wirklich damit zurecht,
dass ich schwul bin!"
Nun war es Hideos Gesicht, das einen traurigen Ausdruck bekam.
"Willst du mir davon erzählen?" Akira zwang sich zur Vorsicht. Er wollte Hideo
nicht an einem wunden Punkt erwischen.
"Da gibt es nicht viel zu erzählen! Vor zwei Jahren hab ich ihnen erzählt,
dass ich auf Männer stehe. Meine Mutter ist heulend zusammen gebrochen,
während mein Vater fast das ganze Haus zusammen geschrieen hat. Danach haben
sie mir jeglichen Umgang mit meinem kleinen Bruder verboten, sie hatte Angst,
das ich ihn << versaue >>, ja, so haben sie es ausgedrückt. Das hat mich aber
nicht davon abgehalten, ihn ab und zu mal im Kindergarten zu besuchen. Von zu
Hause bin ich ja dann ausgezogen! Deshalb hab ich auch hier die Wohnung!"
Akira hatte Hideos Erzählung wortlos gelauscht, erst als dieser seit einige
Zeit verstummt war, wagte er es ihn anzusprechen:
"Hat er nie gefragt, warum du nicht mehr da bist?"
Hideo schien kurz zu überlegen was er antworten sollte, dann sagte er:
"Doch, das hat er. Aber meine Eltern sind dem, glaub ich, immer ausgewichen. Als
er mich dann eines Tages im Kindergarten gefragt hat, hab ich es ihm erklärt!
Das war kurz bevor er eingeschult wurde! Er hat's, denke ich mal, irgendwie
verstanden. Auch wenn er nicht allzu viel mit dem Begriff << schwul >> anfangen
konnte!" Hideo lachte ein Mal freudlos auf. "Ich hab ihm erklärt das ich nicht
Mädchen mag, sondern Jungs und dass deshalb Mama und Papa sauer sind! Deshalb
bin ich ausgezogen!" Hideo lächelte wieder traurig.
"Wie hat er darauf reagiert?"
"Wie sollte er mit seinen 6 Jahren schon reagieren?! Er hat so getan, als
wüsste er wovon ich spreche, aber ich glaube, so ganz hat er nur begriffen,
dass ich nicht mehr nach Hause kommen werde!"
"Hast du denn gar nicht mehr mit deinen Eltern gesprochen? Vielleicht hätten
sie es nach einem aufklärenden Gespräch verstanden!"
"Meine Eltern?! Nie im Leben! Die halten an den Vorurteilen fest, die diese
beschissene Gesellschaft geschaffen hat. Die würden es nie akzeptieren und
schon gar nicht verstehen! Glaub mir!"
Akira sah ihn fassungslos an. /Können Eltern so herzlos sein? Er ist doch
immerhin ihr Sohn!/
"Ich glaub dir ja! Mein Vater weiß ja auch nicht, dass ich auf Jungs stehe! Und
das soll auch erst mal so bleiben! Ich bin froh, wenn der mich in Ruhe lässt!
Eine Ohrfeige hat mir fürs Erste gereicht!"
"Was??? Er hat dich geschlagen???" Hideo riss erschrocken die Augen auf und
stützte sich auf die Ellbogen.
"Hey, ganz ruhig! Ja, hat er! Aber nur ein Mal! Welche Eltern verlieren nicht
mal die Beherrschung?!", versuchte Akira den Älteren zu beruhigen!
"Das vielleicht! Rumschreien tun ja viele, aber zuschlagen! Das darf er doch gar
nicht! Und er hat es wirklich nur ein Mal getan?"
Akira nickte ernst. "Ja, nur ein Mal! Und nun reg dich nicht auf! Das war
einmal, noch mal lasse ich ihn erst gar nicht so dicht an mich heran kommen! Das
kommt nie wieder vor!"
"Das will ich doch wohl hoffen! Sag mir bitte Bescheid, wenn er dir wieder weh
tut!", bot Hideo Akira seine Hilfe an.
"Danke, dass du dich um mich sorgst, aber was willst du dann bitte schön tun?
Ihm nach der Arbeit auflauern und ihn dann verprügeln? Wie stellst du dir das
vor?"
Hideo schnaube verächtlich. "Ja, vielleicht solle ich das tun! Er darf doch
nicht einfach zuhauen!"
Akira konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. "Hideo, aber du oder was?
Außerdem würde es nichts bringen - außer vielleicht einer Anzeige wegen
Körperverletzung! Also lass es, ich bitte dich! Ich bin aber froh, dass du dir
solche Sorgen machst!"
"Wie sollte ich mir keine Sorgen machen?"
Akira blickte dankbar in die Augen seines Freundes!
"Ach Kleiner! Du hast schon ein schwieriges Los gezogen! Dir scheint auch echt
nichts erspart zu bleiben!"
"Hey, nun hör auf mich zu bemitleiden! Das ist alles nicht so schlimm wie es
sich anhört! Echt!"
"Trotzdem tust du mir leid!"
Ruckartig setzte Akira sich auf! "Hör auf mich hier vollzusülzen oder ich
gehe!", drohte er Hideo an.
Dieser richte sich ebenfalls auf, ehe er, ob seiner eigenen Worte, errötete.
"Okay, ich halt ja schon die Klappe!"
"Genau! Geh du lieber mal deinen Bruder besuchen! Der fragt sich sicher schon ob
du noch lebst!" Akira hatte es eigentlich nur als Scherz gemeint, aber Hideo
nahm es ernst.
"Ja, eigentlich hast du recht! Am besten ich fang ihn mal morgen nach dem
Unterricht ab!"
"Er freut sich bestimmt!"
Nach kurzem Schweigen fragte Hideo leise: "Willst du mitkommen?"
"Ähm.... wenn du mich dabei haben willst, komm ich gerne mit!"
"Sonst würde ich ja nicht fragen! Er freut sich sicher auch mal, einen von
meinen Freunden kennen zu lernen."
Akira nickte einverstanden. "Wollen wir aufstehen? Es ist schon..." Kurz blickte
er über Hideo, der sich ebenso aufgesetzt hatte, hinweg zum Digitalwecker, der
auf dem Nachtschrank stand. "... 13 Uhr! Langsam wird es echt Zeit!"
"Klar, kein Problem. Aber ich glaube, wir gehen uns besser duschen! Dazu sind
wir heute Nacht ja nicht mehr gekommen!" Hideo grinste anzüglich und auch Akira
konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
Beide erhoben sich.
Später verabschiedeten sie sich von einander, aber nicht ohne noch einen langen
Zungenkuss auszutauschen. Sie hatten sich für den nächsten Tag am Schultor
verabredet.
Um 15.30 Uhr, da die Schule von Hideos Bruder noch ein Stückchen weiter
entfernt lag. Irgendwie freute sich Akira auf dieses Treffen, auch wenn der
Kleine erst 8 Jahre alt war!
/Ob er wohl wie Hideo aussieht?/
Akiras befreiendes Lachen klang durch die sonntagsleeren Straßen, durch die er
mit seiner geschulterten Tasche lief, angesichts der Vorstellung von einem
kleinen Hideo.
Süß, war das Einzige, was ihm einfiel!


/Kawaii!/, war auch das Einzige, was ihm in den Sinn kam, als er das Original
seiner Vorstellungen sah.
Hideos kleiner Bruder hatte wirklich viel Ähnlichkeit mit ihm:
Wie er da so mit seinem Rucksack aus dem Schultor kam, hätte man ihn echt für
eine Miniaturausgabe des großen Exemplars halten können.
Seine Haare waren zwar nicht ganz so lang, aber trotzdem hatte er sie sich -
sicher seinen großen Bruder als Vorbild - in den Nacken gebunden. Der Rucksack
baumelte lässig über einer Schulter, als er sich lachend von einem Mitschüler
verabschiedete.
Er wollte sich schon seinem Heimweg zuwenden, der in der entgegengesetzten
Richtung lag, als die, aus der Hideo und Akira gekommen waren, als Hideos warme
Stimme die friedliche Stille durchbrach: "Shinji! Warte!"
/Shinji heißt er also!/
Der Angesprochene zuckte zusammen, hatte er doch den Fremden nicht bemerkt.
Neugierig blickte er sich um und als sein Blick Hideo erfasste, schienen seine
Gesichtszüge zu entgleisen.
Als erstes weiteten sich überrascht seine Augen, was von der heruntergeklappten
Kinnlade noch unterstrichen wurde, dann fasste er sich wieder und ein Lächeln
stahl sich auf sein Gesicht!
/Fast so herrlich, wie das von Hideo!/
Mit einem freudigen "Onii-chan!!!" ließ er seinen Rucksack fallen und lief auf
seinen ältern Bruder zu, um ihm dann um den Hals zu fallen.
Übermütig hob Hideo den Jüngeren hoch und drehte sich mit ihm im Kreis.
"Lange nicht gesehen, Kleiner!" Sichtlich außer Atem vom Lachen kam Shinji
wieder auf die Füße.
"Du hast dich ja auch lange nicht mehr sehen lassen!" Wieder strahlte er übers
ganze Gesicht.
"Ich hatte viel zu tun! Tut mir leid!"
"Schon okay! Bin ja froh, dass du mich noch nicht ganz vergessen hast!"
"Wie könnte ich!" Beide grinsten sich an.
/Wow! Die beiden sind sich wirklich ähnlich! Irgendwie strahlen sie beide eine
Ruhe aus, die ich mir nicht erklären kann! Einfach herrlich! Obwohl der Kleine
erst 8 Jahre alt ist, redet er wie ein mindestens 12 Jähriger. Ob ihm der
Abstand von seinem großen Bruder wohl genauso schwergefallen ist wie mir? Na
ja, aber immerhin hat Hideo ihn besucht und ihm versucht zu erklären, warum er
geht! Das hat meiner ja nicht für nötig gehalten/
Wieder etwas sauer, dachte Akira an Tatsuya. Aber er hatte sich ja geschworen
seinem Bruder keine Vorwürfe mehr zu machen, also verdrängte er diese Gedanken
in die hinterste Ecke seines Gehirns.
/Aber der Kleine ist süß! Shinji, das passt irgendwie zu ihm! Wenn man das
Alter nicht beachtet, kann man die beiden auch für Vater und Sohn halten/
Akira hätte noch ewig dort stehen und die beiden beobachten können, aber
dafür ließ ihm Hideo keine Zeit.
Mit großen Schritten kam er auf Akira zu und nahm diesen bei der Hand.
/Hey, ich bin doch kein Kleinkind!/ Trotzig löste er seine Hand aus der von
Hideo, auch wenn er seinen Gedanken dafür nur als stummen Vorwand nahm.
Tatsache war, dass die vertraute Berührung von Hideo ein Kribbeln in seinem
ganzen Körper auslöste. Am liebsten hätte er den Älteren zu sich gezogen und
ihn geküsst, aber das ging ja wohl schlecht in der Öffentlichkeit - und schon
gar nicht vor dessen kleinem Bruder.
Also machte er sich lieber von dem Ältern los und folgte ihm schweigend, um
sich dann von blauen Kinderaugen mustern zu lassen.
"Das ist Akira! Akira, das ist mein kleiner Bruder Shinji!", stellte Hideo die
beiden einander vor, wobei er selbst wie ein kleiner Junge wirkte.
/Dieses Grinsen liebe ich an ihm!/ Bei diesem Gedanken errötete Akira und
brachte dann stotternd hervor:
"Ähm... f-freut... mich dich k-kennen zu lernen!" Damit strecke er dem
Kleineren grinsend die Hand entgegen. Dieser musterte ihn noch ein Mal von oben
bis unten, bevor er dann Akira Hand verächtlich anblickte. /Verächtlich...?
Oder kam mir sein Blick nur so vor?/ Zögernd ergriff er sie verspätet und
erwiderte Akira Händedruck.
Als sich ihre Hände wieder lösten, wandte er sich fragend zu seinem Bruder:
"Ist er dein Freund?"
"Mein Freund?!", gab Hideo unsicher zurück. Mit so einer Frage hatte er jetzt
nicht gerechnet.
"Ja, der Grund, warum Mama und Papa sauer auf dich sind? Und der Grund, warum du
nicht mehr nach Hause kommst?"
Das war für Akira wie ein Schlag ins Gesicht.
/Also doch Verachtung! Macht der Kleine jetzt mich dafür verantwortlich, dass
Hideo Streit mit seinen Alten hat???/ Völlig perplex tauschte er einen Blick
mit Hideo, welcher diesen nur ebenso verdutzt erwiderte.
Dann fand Hideo die Sprache wieder:
"Hey, Shinji! Was soll denn das? Akira ist einfach nur ein guter Freund! Und
auch wenn er mein << Freund >> wäre, hätte er nichts mit dem Streit mit
unseren Eltern zu tun! Ich dachte eigentlich, dass du das wüsstest!"
Betreten blickte Shinji zu Boden, dann meinte er leise:
"Gomen! War nicht so gemeint!" Entschuldigend blickte er erst seinen großen
Bruder an - und dann Akira.
/Scheinbar scheint er seinen Bruder doch ziemlich zu vermissen, sonst würde er
nicht nach einem << Schuldigen >> suchen, der ihm seinen Bruder << weggenommen
>> hat/, schloss es Akira durch den Kopf. Irgendwie tat ihm der Kleinere Leid
und er schenkte ihm ein warmes Lächeln.
"Ich wollte schon sagen!" Hideo war wohl etwas sauer auf seinen Bruder, doch als
er Akiras Lächeln sah, beruhigte er sich wieder etwas und legte seinem Bruder
eine Hand auf den Kopf.
Dieser sah ihn von unten an.
"Wollen wir ein Eis essen gehen?", fragte Hideo versöhnend.
"Jaaaaa!" Shinji war begeistert!
Einen prüfenden Blick zu Akira werfend, der darauf nur nickte, fand Hideo alle
Zustimmung die er wollte und gemeinsam machten sie sich auf den Weg ins "Chocho"
- seiner Lieblingseisdiele, dort sollte wohl das Fruchteis am besten
schmecken....

Zufrieden starrte Shinji auf sein Eis. Weil sein großer Bruder es ihm
spendierte, hatte er auch ordentlich zugeschlagen. Ein riesiger Eisbecher mit 5
Kugeln - Erdbeer, Mango, Zitrone, Banane und Kirsche - stand vor ihm und
glücklich schaufelte er die süße Creme in sich hinein.
Akira waren fast die Augen rausgefallen, als er den großen Becher gesehen
hatte. Er persönlich hatte sich auf 2 Kugeln beschränkt, allzu viel Geld hatte
er nämlich nicht dabei. Aber die beiden Kugeln reichten ihm - Schoko und
Banane, die beste Mischung, die man haben konnte. Aufmerksam beobachte er Hideo
- der nur zwei Kugeln Zitrone genommen hatte /Sicher wird sein Geld knapp.../ -
und Shinji, die sich locker unterhielten und sich immer wieder angrinsten.
/Sie scheinen sich echt gut zu verstehen!/
Irgendwann begann Akira sich überflüssig zu fühlen.
/Warum hat Hideo mich eigentlich mitgenommen?/
Stumm und mit bedrücktem Gesicht starrte er vor sich hin, schenkte seine ganze
Aufmerksamkeit dem leeren Eisbecher vor sich.
Durch die Wärme flüssig geworden, sammelten sich am Grund des Bechers die
letzten Eisreste. Was interessanteres gab es hier nicht zu beobachten.
Ab und an hörte er mal in das Gespräch von Hideo und seinem Bruder rein, aber
die unterhielten sich über die Schule und zu Hause.
Hideo war sehr interessiert daran, wie es Shinji zu Hause erging. Doch dieser
meinte einfach nur, das alles in Ordnung sei und er sich keine Sorgen zu machen
brauchte. Darauf hin zog Hideo bloß die Stirn kraus und starrte ebenfalls den
Becher an.
Langes Schweigen entstand.
Dann wurde es durch Shinji unterbrochen. Mit einem musternden Blick sah er Akira
an und dann seinen Bruder.
"Und er ist wirklich nur ein guter Freund?"
Überrascht sahen sich die beiden Älteren an, dann senkte Akira den Blick und
Hideo sah seinen Bruder an. "Ja, er ist nur ein guter Freund."
Trotz dieser normalen Worte, durchfuhr Akira ein siedendheißer Schauer und er
begann sich unwohl zu fühlen.
/Was ist denn bloß los mit mir?/
Es schnürte ihm die Kehle zu. Ruckartig stand er auf und erklärte, eher an den
Tisch gewandt, als an die beiden anderen: "Ich muss los!" Fast schon panisch
begann er in seiner Hose nach Kleingeld zu kramen, aber Hideo, der ebenfalls mit
fragendem Blick aufgestanden war, meinte bloß: "Lass mal, fühl dich einfach
eingeladen!"
Akira ob den Blick und sah Hideo in die Augen. In ihnen konnte er eine stumme
Frage lesen. Hideo fragte sich was Akira plötzlich hatte.
Irgendwie bekam Akira ein schlechtes Gewissen. Hideo hatte nichts falsches
gesagt, also meinte er schnell:
"Ich muss noch für die Mathearbeit morgen pauken! Sei mir nicht böse! Aber
danke für die Einladung!" Er schenkte Hideo ein nicht sehr überzeugend
wirkendes Lächeln.
Dieser ließ sich wieder auf seinem Stuhl nieder und blickte Akira somit von
unten an:
"Ist schon okay! Wir sehen uns dann morgen in der Schule! Und wenn nicht, dann
spätestens, am Mittwoch, oder?"
"Klar!" Hastig schnappte sich Akira seine Schultasche und flüchtete aus der
Eisdiele.
Brennendheiß konnte er Hideos Blicke im Rücken spüren...


Kapitel 12: Ein hoffnungsloser Fall

So schnell er konnte, lief Akira nach Hause. Im Inneren ärgerte er sich über
sich selbst.
/Warum bin ich einfach so aufgesprungen? Ich hatte doch keinen Grund. Hideo hat
nur Tatsachen benannt. Woher soll er auch wissen, dass ich mich in ihn verknallt
hab?! Ist aber auch besser so, wenn er es nicht weiß! Immerhin meinte er, dass
er mit seinen Freunden nur aus Spaß schläft und nicht aus Liebe, und ich
meinte das ich das akzeptiere! Also brauch ich mir auch keine Hoffnungen
machen!/
Wieder ein mal war Akira zum Heulen zu mute, aber er verkniff es sich
erfolgreich.
Als er zu Hause angekommen war, ließ er sich schnellatmend auf seinem Bett
nieder. Für Mathe würde er jetzt sicher nichts machen! Außerdem kannte er den
Stoff in- und auswendig. Mathe war für Akira kein Problem. Sein aktuelles
Problem war Hideo.
/Ich muss aufhören, mich so in meine Gefühle für ihn hinein zu steigern!
Irgendwann werden sie schon nachlassen. Und ich bin schon so froh, dass er mich
als Freund haben will! Ich stehe mit meinen Problemen nicht mehr alleine da!
Dafür sollte ich dankbar sein... aber.../
Akira seufzte tief. /... es ist so schwer./
Ruckartig setzte er sich auf. /Akira!/, ermahnte er sich selbst! /Hör auf hier
vor Selbstmitleid zu zerfließen! Es ist alles okay. Hideo behandelt dich wie
alle anderen Freunde auch, und das reicht dir! Er ist nur ein guter Freund für
dich!!!/, rief er sich selbst zur Ordnung.
Müde erhob er sich vom Bett und schlenderte zu seinem Schreibtisch rüber.
Zögernd öffnete er die Schublade und blickte auf das Bild von Tatsuya, das
immer noch unberührt an seinem Platz lag.
/Vielleicht sollte ich ihn mal anrufen...?!/ Mit Schwung schob Akira die Lade
wieder zu und griff nach dem Telefon, das immer bei ihm auf dem Schreibtisch lag

/Wann braucht mein Vater schon mal das Telefon?!/
Schon fast automatisch wählte er Tatsuyas Handynummer. Er hatte sie ihm
gegeben, als sie sich am Donnerstag morgen verabschiedet hatten. Danach hatte
Akira eine halbe Stunde damit verbracht auf die Nummer zu starren und
nachzudenken. Er war so froh, dass sein geliebter Onii-chan wieder zurück war!
Daher kannte er die Nummer fast auswendig.
Das Freizeichen ertönte und Akira wartete. Nach wenigen Signalen meldete sich
eine Stimme, die Akira als die seines Bruders identifizierte.
"Tatsuya?"
"Akira?"
"Ähm... ja, ich bin's!" Ein wenig verlegen gab Akira sich zu erkennen. /Warum
rufe ich eigentlich an?/
"Was gibt's denn, Tiger?"
/Jaaa, das habe ich mich gerade auch gefragt/
Kurzes Schweigen entstand. Gerade als Tatsuya zum Sprechen ansetzen und Akira
fragen wollte, ob etwas nicht in Ordnung sei, meinte dieser wahrheitsgetreu:
"Ich... ich wollte einfach nur mal deine Stimme hören!"
Am anderen Ende der Leitung war ein warmes Lachen zu vernehmen.
"Freut mich zu hören!" Akira konnte sich das Grinsen, das auf Tatsuyas Gesicht
liegen musste, nur zu gut vorstellen! Wieder entstand Schweigen.
"Was hast du denn so am Wochenende getrieben?", half Tatsuya ihm weiter.
"Ja, das ist genau die richtige Frage!"
"Hä?"
"Ach, schon gut!" Akira konnte spüren, wie ihm die Röte in die Wangen schoss.
"Ich war bei Hideo. Er, ein paar Freunde und ich haben einen Videoabend
gemacht."
"Und, sind seine Freunde << nett >>?" Tatsuya betonte das Wörtchen << nett >>
so seltsam, dass Akira ganz genau wusste, wie es gemeint war.
/Wie gut, dass er mein Gesicht jetzt nicht sehen kann!/ Akira wurde noch röter,
als er antwortete: "Ja, sie sind... nett!"
"Ach, Tiger! Du brauchst doch nicht gleich rot zu werden!"
Akira stockte. "Woher...?"
"Ich glaub, ich kenne dich gut genug, um das zu wissen! Darf man fragen, ob es
bei Hideos Freunden << wen spezielles >> gibt???"
"Wen spezielles?" Akiras Gedanken schweiften von Hideo, über Darius zu Kim. Nur
mit Mühe konnte er sich das Sabbern verkneifen! "Ähm.... nicht direkt!"
"Das heißt?" hakte Tatsuya nach.
"Ja, der eine Typ ist nicht schlecht!"
"Wie heißt er denn?", begann Tatsuya seinen kleinen Bruder auszuquetschen.
"Er heißt..." Akira wusste nicht weiter. Wen von den dreien hatte er denn nun
gemeint? Darius fiel schon mal weg, der war einfach zu perfekt! Hideo.... war
einfach nur ein guter Freund! Aber Kim... Doch Kim, der war nicht schlecht. Und
er hatte ja auch Annährungsversuche bei Akira unternommen.
/Ob ich Kim vielleicht gefalle?/ Ein Kribbeln breitete sich in Akira Körper
aus, angesichts dieses Gedankens. Mit ein wenig Verspätung antwortet er: "...
Kim! Er heißt Kim!"
"Ach so... Kim...!" Tatsuya hörte sich an, als hätte er etwas anderes
erwartet, dann klang er aber wieder ganz normal. "Und? Schon etwas passiert, das
ich wissen sollte?"
Akira überlegte kurz. /Ja, ich habe mit Hideo geschlafen!/ Das stand jetzt aber
nicht zu Debatte. Wahrheitsgemäß antwortete er: "Nein, noch ist nichts
passiert! Ich glaube auch nicht, dass da was kommt, Kim ist 18."
"Ach, das Alter interessiert oft gar nicht! Hauptsache man versteht sich und man
hat sich gerne!"
Akira musste lachen! "Du hörst dich an, wie unsere Oma!"
Auch Tatsuya konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. "Was denkst du denn, von
wem ich das habe?!"
Nachdem sich beide wieder beruhigt hatten, herrschte Schweigen.
"Du? Ich glaube ich muss Schluss machen! Nächsten Samstag fahre ich zurück
nach Osaka. Kommst du noch bei mir vorbei?", fragte Tatsuya.
"Klar! Wann denn? Am Freitag Abend oder am Samstag Morgen?"
"Also, mir ist das eigentlich egal. Aber Samstag morgen wäre nicht schlecht..."

"Okay, dann steh ich am Samstag um 10 Uhr bei dir auf der Matte, in Ordnung?"
"Klar! Bis dann, Tiger!"
"Bis dann, Onii-chan!"
Akira legte auf. Nachdenklich betrachtete er das Telefon, dann schnappte er sich
seine Schultasche, zerrte nun doch sein Mathehefter raus und vergrub sich voll
und ganz in den Formeln, Gleichungen und anderem mathematischem Zeug.
Dabei konnte Akira immer am Besten abschalten...


"Und, was für ein Gefühl hast du?" Akira stellte diese Frage an Takeru.
Beide waren gerade aus ihrem Klassenraum getreten und hatten nun die Mathearbeit
hinter sich.
Akira hatte ein mehr als gutes Gefühl. Die Aufgaben waren leicht gewesen -
seiner Meinung nach.
Takeru sah das offenbar anders, denn er hatte die Stirn kraus gezogen und Akira
konnte die Gewitterwolken förmlich sehen, die seinen Kopf umschwirrten.
"Hey, nun mach nicht so ein Gesicht! So schlimm wird es schon nicht gewesen
sein!"
"Doch, war es!!! Ich hab die Arbeit mehr als in den Sand gesetzt!"
Doch Akira winkte ab. "Quatsch! Das kommt dir nur so vor! So schlecht wird es
schon nicht werden!"
"Ach, was weißt du denn? Du schreibst doch in Mathe immer nur gute Zensuren.
Mir liegt dieses blöde Fach einfach nicht! Ich weiß also am besten, ob die
Arbeit gut oder schlecht wird! Da brauchst du mir nicht reinzureden!"
Schutzsuchend rückte Akira einen Meter von seinem besten Freund ab.
"Ganz ruhig! Ich wollte dich doch bloß ein bisschen aufmuntern!"
"Ach, du kannst dir dein Aufmuntern sonst wohin stecken!"
Akira blieb stehen! /Das geht zu weit, so lasse ich nicht mit mir reden!/ Nach
einigen Metern merkte TK, dass Akira nicht mehr an seiner Seite war und drehte
sich zu ihm um.
"Sag mal, willst du da Wurzeln schlagen oder warum stehst du dort rum? Beeil
dich!"
"Lieber komm ich zu spät, als mich hier von dir vollnölen zu lassen!",
schnaubte Akira.
"Wieso vollnölen?! Ich hab dir bloß meine Meinung gesagt!"
"Gut! Ich dir eben auch! Dann weiß ich ja fürs nächste Mal, dass ich mich
nach Arbeiten von dir fern halte. Da kann man nämlich nicht mehr ordentlich mit
dir reden!"
Mit schnellen Schritten war Akira an seinem Freund vorbei, dieser blickte ihm
verdutzt hinter her. Dann setzte er zur Verfolgung an.
"Akira!"
Doch der eben Gerufene dachte gar nicht dran, anzuhalten. Im Gegenteil, er
rannte noch schneller. Am Physikraum angekommen, holte Takeru ihn endlich ein.
Als Akira gerade durch die Tür den Raum betreten wollte, hielt er ihn am
Handgelenk zurück.
"Warte!"
"Was ist???" Akira war nicht wirklich sauer, es war eher eine Trotzreaktion auf
Takerus Verhalten.
/Er kann mich doch nicht einfach so anmaulen!/
"Mann, es tut mir leid! Gomen! Ich bin nun mal nicht gut drauf. Und das wärst
du garantiert auch nicht, wenn du eben eine Arbeit versiebt hättest. Und dann
dein oberintelligentes Getue..."
"Mein was?" Akira riss die Augen auf.
"Dein..."
"Ich hab dich schon verstanden! Aber so war das echt nicht gemeint! Ich wollte
dich nur aufheitern."
"Besser, du hättest mich in Ruhe gelassen!"
"Scheint mir auch so!" Wieder schnaubte Akira. "Das merke ich mir fürs nächste
Mal."
Damit griff er nach der Türklinke und hatte sie schon fast ganz
runtergedrückt, als er an der Schulter umgedreht wurde.
"Sei mir bitte nicht böse! Aber ich hab zur Zeit Stress mit meinen Eltern,
wegen meinen Zensuren! Da bin ich halt nicht ganz so toll drauf!"
"Warum hast du mir das nicht gesagt? Ich kann dir doch in Mathe helfen!" Akira
klang anklagend.
"Ich... ach, du hattest doch ganz andere Problem!"
Takeru wich Akiras Blick aus.
"Mann, für dich hätte ich meine Probleme zurück gestellt! Dafür sind Freunde
doch da!"
Akiras Blick wurde ganz weich als er in TKs Augen blickte. Als dieser Akiras
Blick bemerkte, wurde ihm ja wieder schmerzlich bewusst, dass sein Freund auf
Jungs stand und auch an ihm Interesse hätte.
Verlegen wandte er den Blick wieder nach unten.
"Ich wollte dich nicht belasten!"
Akira lachte warm. "Das ist echt nobel..." und leiser "... und unheimlich süß
von dir, aber nicht nötig! Also?"
"Was also?", verwirrt blickte Takeru auf.
"Na, wann soll ich vorbei kommen, um dir Mathe zu erklären?"
Takeru klappte der Mund auf. "Ähm..."
"Gut, das passt mir! Heute Nachmittag ist eine gute Idee!" Damit nahm Akira den
völlig verdutzen Takeru an die Hand und zog ihn hinter sich in den Raum rein,
gerade noch rechtzeitig, dann klingelte es nämlich!


"Und, verstanden?"
"Nee, nicht wirklich!" Deprimiert heftete Takeru seinen Blick wieder auf das
Mathebuch vor sich. Er und Akira paukten jetzt schon seit einer Stunde Mathe und
noch hatte es nichts gebracht!
Verzweifelt ließ sich Akira zurück sinken und breitete sich auf dem Fußboden
aus.
"Du bist ein hoffnungsloser Fall!"
"Ich weiß..." Ein leichtes Zittern war in Takeru Stimme zu hören.
"Hey!" Erschrocken setzte sich Akira wieder auf, um dann schnell zu seinem
besten Freund zu krabbeln.
Auf den Knien hockte er vom und blickte ihn an. "Das war doch nicht so gemeint!"

"War es wohl... und du hast ja auch recht! Ich werde das nie peilen! Und dann
hab ich halt in Mathe ne 5 auf'm Zeugnis und dann bleib ich halt backen! Wen
stört's denn?" Das Zittern wurde stärker.
Akira wusste nicht, was er sagen sollte, dann stammelte er:
"Quatsch! Das schaffen wir beide! Ich bring dir das schon noch bei, und wenn ich
mit dir morgen noch hier sitze! Und wenn du in Mathe eine 5 bekommen solltest,
bleibst du schon nicht sitzen! Nicht wegen einer 5!"
"Aber..."
"Nichts aber! Und zur Not schreibst du bei der nächsten Arbeit von mir ab und
ich erklär's dir danach noch mal! Ich lass dich schon nicht hängen! Und deine
Alten sollen sich mal nicht so aufregen! Wenn sie schon so einen tollen Sohn
haben, sollen sie sich besser freuen!"
/Ups... das wollte ich jetzt aber nicht laut sagen! K'so!/ Akira wurde rot.
Überrascht blickte Takeru auf. Ein kleines Lächeln umspielte seine Mundwinkel,
dann wurde er wieder vollkommen ernst.
"Meinst du das ernst?"
Akira wurde heiß. /K'so!/ "Was?"
"Na, dass du so lange mit mir lernst, bis ich es kann!"
Erleichtert atmete Akira wieder auf. "Klar hab ich das ernst gemeint!" Dann
krabbelte er noch ein Stück dichter an seinen Freund ran und nahm ihn ganz
sanft in die Arme.
Innerlich rechnete er damit, dass Takeru ihn wegstoßen würde. Aber nichts
geschah, außer das Takeru sich erst versteifte und anfing schneller zu atmen.
Dann löste sich aber seine Anspannung und er schmiegte sich schutzsuchend an
seinen Freund, welcher die Umarmung festigte.
"Wir bekommen das schon gemeinsam hin! Aus dir mache ich noch einen
Mathe-Profi!"
Takeru kicherte leise. "Das will ich sehen!" Dann erwiderte er Akiras Umarmung.

Dieser flüsterte nur leise an Takerus Halsbeuge: "Wirst du, wirst du..." Dann
herrschte schweigen. Stumm hielten sich die beiden Jungen im Arm.
Wenn uns hier einer aus der Schule sehen würde, der würde uns für verrückt
halten, ging es Takeru durch den Kopf. Aber sollen sie doch! Akira ist der beste
Freund den man haben kann, und das er schwul ist... das ist mir egal. Vielleicht
hat es ja auch seine Vorteile. Immerhin habe ich wen, der mich trösten kann, so
richtig mit in den Arm nehmen und so. Das machen die anderen aus unserer Klasse
sicher nicht so einfach!
Mit diesen Gedanken ließ er sich endgütig gegen Akira fallen und schloss die
Augen. Still genoss er die warme Nähe des anderen. Nach wenigen Minuten war er
eingeschlafen.
Als Akira merkte, wie sein Freund in seinen Armen erschlaffte, konnte er sich
ein Grinsen nicht verkneifen.
/Wow! Nun hab ich meine erste große Liebe in den Armen und was macht die? Sie
schläft!/
Liebevoll hob er Takeru hoch und legte den Kleineren sachte auf dessen Futon.
Zärtlich strich er ihm ein paar verirrte Strähnen aus dem Gesicht.
/Und ich dachte immer, dass ich der einzige bin, der Probleme hat! Warum hast du
nie was gesagt?/
Dann wendete er sich wieder seinem Mathehefter zu. /Man, welche Lehrer geben
bitte schön Hausaufgaben nach einer Klassenarbeit auf? Keiner, nur unser!/
Sauer erledigte er die paar Aufgaben, die sie auf hatten und schrieb die
Lösungen dann noch ein Mal für Takeru auf.
Zusammen mit dessen Hefter stopfte er sie in TKs Schultasche...


Als Takeru einige Zeit später die Augen wieder aufschlug, fand er seinen Freund
neben sich liegend wieder. Akira hatte seinen Arm um Takerus Taille gelegt und
ihn ein wenig zu sich ran gezogen. Sein Gesicht hatte er im Kissen vergraben,
sodass Takeru es nicht sehen konnte. Aber er schien zu schlafen.
Leicht drehte sich TK, aber er wollte seinen Freund nicht wecken.
Doch dafür war es anscheinend schon zu spät. Akira hatte Takerus knappe
Bewegungen gespürt und die Augen aufgeschlagen. Dann rollte er sich auf den
Rücken und zog seinen Arm mit einem verlegenen Blick zurück.
"Na, wieder wach?"
Takeru lächelte leicht. "Sorry, dass ich eingepennt bin! Aber irgendwie hatte
ich vor der Arbeit so viel Angst, dass ich in den letzten Nächten kein Auge
zubekommen habe! Und..."
"Ja?", hakte Akira nach, als Takeru ins Stocken kam.
"... in deinen Armen war es so schön warm und kuschelig!" TK wurde rot! Mit
einem freudigen Schrei quietschte Akira auf und warf sich dann auf seinen immer
noch verlegen blickenden Freund. Dieser keuchte überrascht auf, dann nahm er
Akiras Herausforderung an. Übermütig wälzten sie sich auf dem Futon und
rangelten herum.
Als beiden die Kraft ausging, brachen sie laut keuchend nebeneinander zusammen.

"Mann, du hast mir in den letzten Wochen echt gefehlt!" Ernst blickte Takeru
seinen Kumpel an. "Wie gefehlt? Ich war doch da!", meinte Akira
überflüssigerweise. In Wahrheit wusste er ganz genau, wie Takerus Worte
gemeint waren.
"Nicht wirklich! Du hast dich so anders benommen! Und als du das letzte Mal mit
mir rumgerangelt hast, hat das in einer Katastrophe geendet!"
"Es tut mir doch leid!" Schmerzlich verzog Akira das Gesicht, als Takeru ihn
wieder an den einen Abend erinnerte.
"Hey, das sollte kein Vorwurf sein! Aber ich hab dich echt kaum wieder erkannt!
Da bist du mir so viel lieber!" Freundschaftlich knuffte er Akira in die Seite.

"Ja, aber ich wusste ja nicht, wie du drauf reagierst, wenn ich dir sage, dass
ich auf Jungs stehe. Und das den einen Abend war nur ein Ausrutscher, das kommt
nie wieder vor. Das kannst du mir glauben!"
"Tu ich ja auch!"
Erleichtert atmende Akira auf. "Gut!"
Dann war es ruhig.
"K'so!!!" Takeru schrie auf.
"Was?", fuhr Akira erschrocken zusammen!
"Meine Mathehausaufgaben! Die muss ich doch noch machen! Und lernen wollten wir
doch auch noch!!!"
"Nun bleib mal ganz ruhig! Die Hausaufgaben findest du bei dir im Mathehefter
und lernen machen wir morgen! Das hätte heute Abend eh keinen Sinn mehr."
Glücklich blickte Takeru seinen Kumpel an. Dann hauchte er ein "Arigatou!"
Beide quatschen noch ein Weilchen, dann verabschiedete sich Akira und
schlenderte zufrieden nach Hause.
/So cool war es schon lange nicht mehr bei TK!/


Und die Woche verging!
Nachmittags war Akira immer bei Takeru um ihm Mathe zu erklären. Und langsam
zeigte es auch Wirkung. Takeru war gar nicht so doof, wie er immer tat. Wenn er
erst mal etwas gepeilt hatte, dann ging es ganz leicht. Akira hoffte nur, dass
Takeru dann nicht in den Arbeiten versagte, denn dort musste er allein auf den
Lösungsweg kommen! Aber das würde er schon schaffen!
/Er ist immerhin mein TK!/
Akira war echt froh, das sein Freund so locker mit seiner Neigung umging und ihn
wie immer behandelte.
/Ich hatte schon Angst, dass er bei jedem Körperkontakt zusammen zucken
würde!/
Aber Akiras Bedenken stellten sich als völlig unnötig heraus.
Am Mittwoch war wie immer Volleyball. Hideo sagte nichts mehr zu Akiras
plötzlichem Abgang am Montag, aber seine fragenden Blicke sagten schon genug.
Doch Akira wollte lieber nicht näher drauf eingehen, also ließ auch Hideo
seine Blicke bald sein und benahm sich wie immer.
Nach dem Training nahm er Akira jedoch beiseite. Dieser bekam schon Panik; was
sollte er denn jetzt sagen, wenn Hideo ihn auf seinen << Abgang >> ansprach?!
Aber diese Panik stellte sich aber als überflüssig heraus.
Hideo erzählte Akira nur, das seine Clique am Samstag Nachmittag bei Shito zum
Schwimmen verabredet sei. Seine Eltern waren nämlich steinreich und hatten eine
klasse Bade- und Saunalandschaft.
Akira konnte seinen Ohren nicht trauen, als Hideo ihm das erzählte.
/Wow! Nen eigenen Pool! Das will ich auch mal haben!/
Hideo fragte Akira dann, ob dieser nicht mit wolle, es würde sicher lustig
werden! Akira überlegte nicht lange und stimmte sofort zu.
/Das lass ich mir nicht entgehen! Und vielleicht kommt Kim auch!/ Ein Gefühl
der Vorfreude machte sich in ihm breit. Also verabredeten sich die beiden bei
Hideo, gemeinsam würden sie dann zu Shito gehen.
An den restlichen Tagen der Woche, passierte nichts aufregendes. Die Schule war
öde wie immer, Nachmittags Mathelernen mit TK - was echte Fortschritte machte!
- und Abends dann alleine rumhängen.
Wie glücklich war Akira, als der Samstag endlich vor der Tür stand...


Kapitel 13: Abschied

Dieses Glücksgefühl verging dann am Morgen nach dem Erwachen aber wieder
schnell. Siedendheiß viel ihm sein Treffen mit Tatsuya ein!
/Stimmt ja, der fährt heute ja wieder nach Osaka!/ Betrübt machte er sich
fertig und stiefelte dann zu Tatsuyas Hotelzimmer.
Um Punkt 10 stand er davor und klopfte zaghaft an die Tür. Von drinnen ertönte
ein genuscheltes "Herein!", dann war es wieder ruhig.
Vorsichtig öffnete Akira die Tür einen Spalt und blickte scheu hinein... um
dann zu Tode zu erschrecken. Tatsuya hatte sich direkt vor der Tür aufgebaut
und blickte den Jüngern fragend an. "Ähm... macht's denn Spaß?"
Akira öffnete verlegen die Tür ganz und trat ein. "Ja, ich beobachte dich
gerne!"
Schnell schloss der Ältere die Tür hinter seinem Bruder, währenddessen sah
dieser sich im Zimmer um.
Der Raum war klein und leer. In der einen Ecke stand ein Bett, auf der
gegenüberliegenden Seite ein kleiner Kleiderschrank. Bis auf einen Zwei-Sitzer
und einen kleinen Tisch, war der Raum ziemlich kahl. An der Wand neben der Tür
standen Tatsuya's Koffer.
/Oh, er ist mit Packen schon fertig!/
"Hey, was guckst du denn so bedeppert!" Die besorgten Worte seines Bruders
rissen ihn aus seinen Beobachtungen.
"Ich... weiß auch nicht."
"Wie jetzt?"
"Na, es ist ein komisches Gefühl, daas du wieder weggehst! Du bist doch gerade
erst gekommen." Traurig senkte Akira den Blick.
"Nun komm schon! Das hört sich an, als wenn ich aus der Welt bin! Bin ich aber
nicht!" "Stimmt, du bist in Osaka!" Akiras Antwort war der Sarkasmus anzumerken.

"Aber du hast meine Adresse, also kannst du mich besuchen kommen oder mir mal
'nen Brief schreiben. Du hast meine Handy- und meine Festnetznummer, also kannst
du mich anrufen, wann du willst. Und meine E-Mail-Adresse schreibe ich dir auch
gleich noch auf, dann kannst du mir schreiben, auch wenn du Briefmarken sparen
willst! Wir bleiben doch in Kontakt!"
"Aber..."
"Nichts aber! Denkst du, ich lasse den Kontakt zu dir so schnell wieder fallen?!
Jetzt, wo wir uns endlich wieder gesehen haben?" Tatsuya klang fast schon ein
wenig beleidigt.
"Nein..."
"Also! Und nun lach mal! Ich will dich nicht mit so traurigem Gesicht hier
zurück lassen!"
"Ist schon in Ordnung! Aber du kannst nicht verlangen, dass ich hier einen
Freudetanz aufführe, während du in aller Seelenruhe wieder zurück nach Osaka
fährst!", grummelte Akira.
"Das will ich ja auch nicht! Und denk bitte nicht, das mir der Abschied nicht
auch schwer fällt..."
"Warum bleibst du dann nicht einfach!", unterbrach Akira seinen Bruder.
"Weil ich irgendwann sowieso zurück muss, und später wird es mir genauso
schwer fallen! Aber ich hab nun mal meine Wohnung und meinen Job in Osaka! Da
kann ich nichts machen!" "Hm..."
"Kopfhoch! Spätestens in den Sommerferien kommst du mich besuchen, okay?"
"Klar! Dann steh ich vor deiner Tür und so schnell wirst du mich dann nicht
mehr los!"
"Ist mir ganz Recht!", lachte Tatsuya auf.
Auch Akira musste grinsen. "Vielleicht gibt es ja bei euch auch ein paar süße
Jungs, dann werde ich mich sicher nicht langweilen!"
"Ja, die gibt es sicher! Ich kann dir nen Kumpel von mir vorstellen, der ist bi!
Bloß leider ist er schon 22!"
"Ähm... darf ich zitieren: << Ach, das Alter interessiert oft gar nicht!
Hauptsache man versteht sich und man hat sich gern! >> Das waren deine Worte!"
"Okay, 1:0 für dich! Ich ruf dich dann an, wenn ich in Osaka angekommen bin!"
"Ähm... schreib mir lieber eine SMS. Ich bin heute nämlich wieder mit Hideos
Clique unterwegs!" Akira strahlte seinen Bruder an.
"Was unternehmt ihr denn schönes?"
"Einer aus der Clique soll wohl 'nen Pool haben und da wollen wir baden! Cool,
oder?"
"Jaaa, so ein Pool könnte mir auch gefallen!"
"Ja, mir auch!" Verträumt blickten sich beide an. Dann mussten sie lachen.
"Vielleicht ziehen wir ja mal irgendwann zusammen und leisten uns dann so ein
Ding! Oder was meinst du?", schlug Akira vor!
"Gerne! Und dann verbringen wir dort den ganzen lieben langen Tag!"
"Klar, du bringst dann deinen Freund mit, der bi ist und ich meine Clique. Dann
wird's sicher lustig!"
Tatsuya verzog traurig das Gesicht. "Und was mach ich dann? Schon vergessen, ich
steh nicht so aufs männliche Geschlecht."
"Dann bringste halt ein paar Freundinnen mit. Aber die werden dann eh alle Hideo
und Darius hintersabbern. Bloß bei denen hab ich wohl bessere Karten!" Akira
lachte siegessicher!
"Ach, du! Sieh du erst mal zu, dass du deinen Kim an Land ziehst, dann reden wir
weiter!"
"Klar, ich werde heute meine Chance nutzen!"
Tatsuya nickte begeistert. "Dann erzähl mir davon! Weißt ja, anrufen..."
"...oder Brief schreiben, oder Mail schicken oder SMS schreiben! Ich weiß!",
unterbrach Akira seinen Bruder. Dieser nickte wild mit dem Kopf.
"So, ich glaub ich werde dann los!" Schlagartig fiel Akiras Laune wieder in den
Keller. "Hey, ich sagte doch, du sollst nicht so ein Gesicht machen! Wir sehen
uns ja wieder!"
"Okay, ich hoffe, du hältst dein Wort!"
"Klar halte ich das! Ich schwöre!"
Damit trat Tatsuya einen Schritt auf den Jüngeren zu und schloss ihn in seine
Arme. Akira erwiderte die Umarmung so fest er konnte. So standen sie eine ganze
Weile da, keiner sagte ein Wort.
Genauso wortlos traten sie auch aus dem Zimmer und durchquerten die
Empfangshalle des Hotels. Auf dem hoteleigenen Parkplatz stand der gelbe Wagen
von Akiras Bruder. Stumm verstaute er seine Taschen im Kofferraum und wandte
sich dann wieder Akira zu.
"Okay, ich steige ich jetzt in diesen Wagen und fahre wieder Richtung Heimat!"
"Ja, und vergiss nicht dein Versprechen!"
"Wie könnte ich! Und du vergiss bitte nicht, mich auf dem Laufenden zu halten!
Ich will über alle Neuigkeiten informiert sein! Und wenn dich irgendeiner von
diesen Typen mies behandelt, dann komm ich rüber und verarbeite ihn zu
Kleinholz!"
Auf Akira Gesicht stahl sich wieder ein Lächeln
/Ja, << das >> ist mein Bruder. Er wollte mich schon immer beschützen!/ "Okay,
dann werde ich dir bescheid sagen!"
Tatsuya legte seine Hand noch mal auf die Wange seines Bruders und zog ihn ein
letztes Mal zu sich ran. Nach der kurzen Umarmung stieg er den Wagen und
öffnete das Fenster.
"So Tiger! Dann bis in ein paar Monaten!"
"Klar, Onii-chan!"
Tatsuya startet den Motor, stieß dann zurück und verließ langsam und winkend
den Parkplatz.
Akira blickte dem dahin fahrenden Auto lange nach.
Er würden seinen Bruder vermissen. Aber er war unendlich froh, dass er ihn
wieder hatte. So in Gedanken versunken, merkte er gar nicht wie ihm eine stumme
Träne langsam die Wange runter lief!
Erst als der Wind sein Gesicht streichelte, bemerkte der den salzigen Tropfen.
Mit dem Handballen wischte er ihn sich aus dem Gesicht, dann machte er kehrt und
begab sich auf den Weg nach Hause.
/Bis bald, Onii-chan!/

Dort angekommen packte er seine Sachen zusammen und machte sich auf in Richtung
Hideo. Irgendwie freute er sich schon auf den Nachmittag. Es würde sicher
lustig werden!


Unruhig zappelnd stand Akira vor Hideos Tür und wartete, dass ihm geöffnet
wurde. Doch nichts tat sich.
/Hat er mich vergessen und ist schon ohne mich los?/ Akira wurde nervös. /Das
kann aber eigentlich nicht sein.../
Nochmals drückte er die Klingel. Von drinnen konnte er nichts außer dem
Läuten hören. Leicht sauer verzog er das Gesicht. /Toll.../
Gerade wollte er sich zum Gehen umwenden, als die Tür stürmisch aufgerissen
wurde. Akira hielt inne... und musste bei dem Anblick, der sich ihm bot,
grinsen.
Wieder mal stand Hideo nur mit einem Handtuch bekleidet vor ihm. Die Haare
hingen ihm erneut nass ins Gesicht.
"Sag mal, machst du das mit Absicht? Warum kommst du immer so früh?", schnaubte
dieser genervt!
Akira grinste immer noch. "Tolle Begrüßung! Hast du schon mal daran gedacht,
ein bisschen früher fertig zu werden?"
"Extra für dich, oder wie?" Hideo wirkte immer noch genervt.
"Och..." Akira trat an ihn heran und schlang seine Arme um Hideos Nacken. Dann
kuschelte er sich demonstrativ schnurrend an die nackte Brust des anderen. "...
ich glaube, mir ist es ganz recht, wenn du mir immer so die Tür öffnest!"
Zufrieden grinste er seinen älteren Freund an.
Dieser blickte immer noch ernst in die Augen des Jüngeren, doch dann musste
auch er lachen. "Lustmolch!"
"Gar nicht! Ich finde es bloß... reizend, wenn du mir so aufmachst!"
/Wenn der wüsste, << wie >> mich das reizt/ Immer noch schnurrend hauchte Akira
noch einen Kuss auf Hideos Brust, ließ ihn dann aber los. Der Leichtbekleidete
schloss schnell die Tür, denn die neugierigen Nachbarn hatten ihre Augen
überall.
Als Hideo sich zu Akira umdrehte, stand dieser wie erstarrt vor ihm und blickte
ihn an. Nur schwer gelang es dem Jüngeren, seinen Blick von Hideo zu lösen.
Dieser registrierte dies mit einem zufriedenen Lächeln, ehe er wieder im Bad
verschwand.
Akira ließ sich unterdessen im Wohnzimmer auf der Couch nieder.
Unweigerlich wanderten seine Gedanken wieder zu Tatsuya und er schaffte es erst
wieder aus seinem Gegrübel herauszukommen, als Hideo plötzlich vor ihm stand.
"Was ist los, Kleiner?", wollte dieser sanft wissen, doch Akira zuckte nur mit
den Schultern und meinte so gleichgültig, wie er konnte:
"Ach, Tatsuya ist vorhin wieder nach Hause und irgendwie musste ich grad daran
denken. Ist aber schon okay..."
"Sicher?" Hideo wirkte nicht sehr überzeugt. "Also, wenn du heute hier bleiben
möchtest, dann sag das! Es zwingt dich keiner, mit zu Shito zu fahren..." Er
sah dem Jüngeren in die Augen, ehe er leise meinte: "... auch wenn's schade
wäre, wenn du nicht mitkommen würdest!"
Akiras Herz machte einen Freudenhüpfer, doch der 16-jährige zwang es wieder
zur Ruhe.
"So war das nun auch wieder nicht gemeint. Natürlich will ich mit zu Shito!
Denkst du ich lass mir Darius in Badehosen entgehen?"
Auf Hideos Gesicht schlich sich ein leicht perverses Grinsen. "Ja, da würdest
du echt was verpassen. Der Typ hat 'nen echt geilen Körper. Diese Muskeln und
dieser Waschbrettbauch. Geil, sag ich da nur!"
Akira zog ob dieser Worte spöttisch eine Augenbraue hoch. Als Hideo diesen
Blick bemerkte, lächelte er entschuldigend. "Darius sieht nun mal klasse aus!"
Er wurde rot.
/Wow! Ich darf miterleben, wie Hideo rot wird!/ Überrascht beobachtete Akira
seinen Freund, ehe er aber einen Blick auf seine Uhr warf und erschrocken
feststellte, dass es schon später war als gedacht.
Hideo noch schnell einen Kuss auf die Lippen drückend, drängte er zum
Aufbruch...


Da Akira den Weg nicht kannte, hielt er sich immer an Hideo und folgte ihm, bis
er vor einem wahrhaft riesigem Haus Halt machte.
"So, wir sind da!"
Akira klappte er Unterkiefer runter. /Und ich dachte immer, dass ICH in einem
großen Haus wohne!/ Ein leises "Wow!" entfuhr ihm.
Vor den beiden Freunden baute sich ein großes, weißes, zweistöckiges Gebäude
auf. Sie hatten das Grundstück auf dem es stand, durch ein großes eisernes Tor
betreten. Selbst die Auffahrt war riesig.
Um Akira herum erstreckte sich ein gigantischer, gepflegter Garten mit viele
Blumenrabatten.
Immer noch staunend folgte Akira Hideo, der die geschwungene Treppe zur Haustür
hochstieg.
"Sag mal...", fragte Akira als Hideo schon die Türklingel betätigte. "... was
arbeiten Shitos Eltern eigentlich?"
"Also, sein Vater ist Anwalt und seine Mutter Ärztin. Die haben echt massig
Kohle!" Hideo klang ein wenig neidisch.
Akira nickte verstehend. "Kann ich mir bei den Jobs vorstellen! Irre!" Nach
einer kurzen Pause, wollte er wissen: "Hat er seinen Eltern gesagt, dass er
schwul ist?"
"Ja, hat er!", antwortete ... Shito.
Hideo und Akira drehten sich erschrocken zur Tür um. Sie war offen.
Beide hatten gar nicht gemerkt, wie Shito sie geöffnet hatte. Dieser blickte
nun verwirrt von einem zum anderen.
Akira hatte diese Frage mit Bedacht nicht Shito selbst gestellt. /Vielleicht ist
es ihm unangenehm darüber zu reden?!/ Aber da er sie nun trotzdem beantwortet
hatte, war es Akira peinlich. Leise "Gomen!" murmelnd senkte er den Blick.
"Wofür entschuldigst du dich?" Shito hob eine Augenbraue. Zaghaft sah Akira auf
"Vielleicht... also, ich meine... es kann ja sein, dass dieses Thema dir
unangenehm ist?!"
"Also, wenn mir was unangenehm ist, dann sag ich das schon! Und das einzige was
mich jetzt im Moment stört, ist das ihr hier draußen anscheinende Wurzeln
geschlagen habt! Wollt ihr nicht endlich rein kommen?"
Überrascht sah Akira zu Hideo, dieser deutete ihm den Vortritt an und Akira
betrat zögerlich das imposante Haus.

"Ist schon wer da?" Hideo hatte sich von seinen Schuhen befreit und schlürfte
Shito hinterher. Anscheinend kannte er sich hier schon recht gut aus.
Akira, dem alles noch total fremd war, folgte ihnen schweigend, einen
beeindruckten Blick über die Wände schweifen lassend.
"Ja, sie sind alle schon da. Ihr seit die letzten!" Shito klang leicht
vorwurfsvoll, doch dann nahm seine Stimme einen anderen Klang an. "Was habt ihr
denn so lange getrieben?"
Hideo wusste, dass diese Wortwahl Absicht war, also meinte er grinsend:
"Tja, das würdest du wohl gerne wissen, was?"
Shitos Augen wurden Tellergroß und er fragte aufgeregt:
"Was soll das denn heißen?" Er warf einen prüfenden Blick zu Akira, doch in
dessen Gesicht konnte er nichts lesen. Gerade, als er anfangen wollte einen der
beiden auszuquetschen, meinte Hideo sanft, wenn auch ein wenig bestimmend:
"Sei nicht immer so neugierig!"
Shito seufzte gequält auf, doch dann machte er vor einer weißen Tür Halt, die
er dann überschwänglich aufriss.
"So, hier ist unser Privatpool!"
Akira hob eine Augenbraue - und Shito wurde rot, als er merkte wie prahlend das
jetzt eben geklungen haben musste. Mit einer lockeren Handbewegung wies er seine
beiden Freunde an, einzutreten, was sie auch taten.
Und Akira staunte wieder Bauklötzer! /Irre!!!/ Das war das Einzige, was ihm
einfiel.
Nachdem er durch die Tür getreten war, stand er nun in einem großen hohen
Raum, der vollkommen weiß gekachelt war.
In der Mitte dieses Raumes befand sich ein großes quadratisches Schwimmbecken
und um dieses Becken herum gab es einige Liegen. Durch drei große, Wand hohe
Fenster fiel das gleißende Tageslicht in den Raum und erhellte ihn.
Als Akira seinen Blick schweifen ließ, entdeckte er in der einen Ecke den Rest
von Hideos Clique. Sie waren alle schon umgezogen.
Katsura und Hayao saßen auf zwei der weißen Liegen und unterhielten sich
angeregt, während Kim sich auf ein ausgebreitetes Handtuch gelegt hatte.
Seine Haare waren schon nass und verdeckten strähnig sein ganzes Gesicht,
welches er eh zur Hälfte in den verschränkten Armen vergraben hatte.
Als Akira und die beiden anderen die Halle betraten, sah er auf. Kurz blieb sein
Blick an Akira hängen, der ihn eingehend musterte, dann lächelte er und warf
dem Guckenden ein Küsschen zu, bevor er sein Gesicht mit einem zufriedenen
Grinsen wieder in seinen Armen bette.
Akira riss überrascht die Augen auf, dann blickte er verlegen zu Boden und
brachte ein leises "Konnichi wa!" heraus. Die anderen erwiderten seinen Gruß
und widmeten sich dann wieder ihrem Gespräch.
Irgendwas kam Akira komisch vor, aber er wusste nicht was. Dann fiel es ihm wie
Schuppen von den Augen. /Darius fehlt!/ Gerade wollte er zu einer
dementsprechenden Frage ansetzten, da hörte er Darius' tiefe warme Stimme
hinter sich.
"Hallo ihr zwei!"
Langsam drehte sich Akira um und sah, dass Darius neben Hideo stand und einen
Arm um dessen Hüfte geschlungen hatte. Beiden tauschten einen Zungenkuss aus.
Bei Darius Anblick klappte Akira wieder der Kiefer runter:
Der Ältere schien auch schon ein paar Bahnen gezogen zu haben, denn sein
Körper war nass und glänzte im Sonnenlicht, das durch die großen Fenster
einfiel. Es brach sich in den vielen Wassertropfen, die hier und da seine braune
Haut herunter liefen und dadurch in allen Farben schimmerten. Darius' lange
schwarze Haare hingen ihm nass über die Brust. Mit einer schnelle Handbewegung
warf er sich den Zopf über die Schulter und löste sich dann von Hideo.
Seufzend streckte er sich und Akira konnte genau sein Muskelspiel beobachten.
Darius war echt gut trainiert. Er verfügte über einen außerordentlichen
Bizeps und ein nettes Six-Pack.
Bei diesem Anblick kam Akira fast das Sabbern und er musste sich echt
beherrschen, um nicht über den Älteren herzufallen. Darius grüne Augen
blickten strahlend in die ebenfalls grünen von Akira und er schenkte dem
Jüngeren ein hinreißendes Lächeln.
Dann wandte er sich wieder an Hideo. "Ihr seid spät!"
"Gomen! Ging nicht schneller!"
"Schon okay, nun komm aber endlich mit rein!" Mit diesen Worten ließ er Hideo
los und überwand schlitternd, der Boden war nass und rutschig, die paar Meter
bis zum Pool. Mit einem gekonnten Köpper sprang er in das kühle Nass. Er
tauchte wieder auf, winkte Hideo ihm zu folgen und begann dann zügig hin und
her zu paddeln.
Hideo grinste Akira zu und flüsterte leise: "Fang bloß nicht an zu sabbern!"
Verlegen wurde Akira rot, konnte es sich dann aber trotzdem nicht nehmen lassen,
Darius zu beobachteten.
Shito war in der Zwischenzeit zu Katsura getapst und hatte sich auf dessen
Schoß niedergelassen. Dieser gab ihm flüchtig einen Kuss, dann erhob sich
Shito wieder um sich von seinen Sachen zu befreien.
Die Badehose hatte er, genauso wie Akira, schon unter, und somit war er schnell
fertig.
Beiläufig warf er seine Klamotten in die eine Ecke des Raums und zerrte dann
wieder an Katsura, da dieser mit ihm ins Wasser kommen sollte.
/Shito scheint ja echt einen Narren in Katsura gefressen zu haben!/, ging es
Akira durch den Kopf.
Als Hideo begann, sich neben ihm auszuziehen, tat er es ihm gleich und
schlüpfte auch aus seinen Sachen. Schnell stopfte er sie in seinen Rucksack und
ließ diesen dann auf einer der vielen Liegen stehen.
Hideo war in der Zwischenzeit zu Darius ins Wasser gesprungen und paddelte im
gleichen Tempo wie er neben ihm her.
Akira, dem jetzt noch nicht nach Baden war, gesellte sich zu den anderen.
Katsura, mit Shito auf dem Schoß /Er hat ihn wohl doch nicht überreden
können!/, und Hayao unterhielten sich immer noch, während Kim auf seinem
Handtuch vor sich hindöste.
Akira sah kurz von einem zum anderen und ließ sich dann ungefragt auf einem
freien Zipfel von Kims Badehandtuch nieder.
Dieser grummelte kurz zur Antwort, war dann aber wieder ruhig.
Zufrieden betrachtete Akira den Ruhigatmenden. Immer noch hingen Kim seine
blauen Haare ins Gesicht.
/Hoffentlich weist er mich nicht ab.../ Zaghaft vergrub Akira seine Hand in den
blauen Zotteln und strich sachte durch sie. Als er dann auch noch begann sanft
Kims Rücken auf und ab zu streichen, begann dieser leise zu Schnurren.
Durch diesen Laut in seiner Tat bestärkt, fuhr Akira jetzt nur mit seinen
Fingerspitzen über das Rückrat des 18-jährigen. Dieser bekam sichtbar eine
Gänsehaut und drehte sich plötzlich seufzend auf den Rücken.
Akira zog seine Hand weg, als wenn er sich verbrannt hätte, was Kim nur einen
fragenden Blick entlockte.
Sanft aber bestimmt nahm er Akiras Hand und legte sie sich auf seine Brust.
Akira hatte sich wieder von seinem Schrecken erholt und begann nun dort seine
Finger entlang fahren zu lassen, was Kim wieder ein Schnurren entlockte.
Langsam wanderten Akiras Finger zu Kims einer Brustwarze und begannen sie sanft
zu reiben. Schnell wurde sie hart und stellte sich auf, was Akira fasziniert
beobachtete. Dann blickte er zu Kims Gesicht und sah in die strahlenden blauen
Augen des Älteren.
Dieser grinste ihn an und legte dann seine kühle Hand auf Akiras Wange.
Zärtlich schmiegte dieser sie an die Hand.
Ein eindringliches Räuspern ließ Akira herum fahren. Erschrocken blickte er in
die amüsierten Gesichter von Shito, Katsura und Hayao. Diese hatten ihr ganzes
Gefummel beobachtete, das konnte er ihnen an den Augen ablesen.
Zaghaft grinsend wendete er sich wieder zu Kim um, packte dessen Hand und zog
ihn mit den Worten: "Lass uns schwimmen gehen!" hoch.
Kim protestierte nicht und ließ sich von Akira zum Becken ziehen. Dieser musste
sich dringend abkühlen...


Kapitel 14: Eigenarten

Mit einem eleganten Köpper stürzte sich Akira in das rettende Becken, während
Kim sich nur am Rand nieder ließ und mit den Beinen im Wasser baumelte.
Grinsend beobachtete er Akira, der erst mal untergetaucht war.
Als dieser wieder hoch kam, blickte er in das amüsierte Gesicht von dem
Blau-haarigen.
"Wow! Du hattest es ja eben sehr eilig dort weg zu kommen!" In Kims Stimme
schwang leichter Spott mit.
"Ich finde es ja nicht gerade toll, wenn die uns beobachteten während wir...",
errötend brach Akira ab.
"Na, während wir was? Sprich's ruhig aus! Oder ist Körperkontakt für dich was
so schlimmes?!"
"Nein, das nicht, aber..." Zu mehr kam Akira nicht, denn Kim hatte sich vom
Beckenrand abgestoßen und auf ihn gestürzt.
Gemeinsam mit ihm ging der zappelnde und nach Atem ringende Akira unter. Kim
hatte beide Arme fest um Akiras Körper beschlungen und presste ihn an sich.
Nach einer Ewigkeit erst, so schien es auf jeden Fall Akira, tauchten die beiden
wieder auf.
Akira, der auf diesen plötzlichen Angriff nicht vorbeireitet gewesen war und
deshalb eine Menge Wasser geschluckt hatte, klammerte sich hustend und
haltsuchend an den Älteren.
Als er endlich wieder frei atmen konnte, löste er seinen krampfhaften Griff
etwas, ließ Kim aber nicht los.
"Musste das sein? Ich wäre fast erstickt!"
"Ja, das musste sein! So eine Chance konnte ich mir doch nicht entgehen lassen.
Hab mal keine Angst, denkst du, ich lass dich hier ertrinken?"
"Bei dir weiß man nie!"
"Hey, das hab ich jetzt aber überhört!" Mit einem Lachen zog er Akira wieder
mit sich unter Wasser. Dieser war aber dieses Mal darauf vorbeireitet und konnte
sich aus Kims Griff befreien. Der Ältere setzte ihm sogleich nach und so
entstand eine wilde Verfolgungsjagd.
Kim schwamm wirklich gut! Aber auch Akira war in Form, sodass er seinem
Angreifer jedes Mal entkommen konnte... doch plötzlich war Kim weg.
Erschrocken und fast schon panisch blickte er sich um, konnte den Älteren aber
nirgends entdecken. /Mist, wo ist der hin???/
Das einzige was er sah, waren Hideo und Darius die sich am gegenüberliegendem
Beckenrand festhielten und sich unterhielten. Ab und zu warfen sie einen
amüsierten Blick auf die beiden sich jagenden.
Aber immer noch blieb Kim verschwunden. Unruhig paddelte Akira auf der Stelle,
sein Blick suchte das gesamte Becken ab, aber weder unter noch über Wasser fand
er, was er suchte.
Und dann ging alles ganz schnell. Mit einem erschreckendem Krächzen wurde Akira
schwungvoll am Bein in die Tiefe gezogen.
So krampfhaft er sich auch dagegen wehrte, er konnte nichts ausrichten. Wieder
schluckte er eine ungeheure Menge Wasser und sein Sauerstoff wurde knapp.
Auftauchen war unmöglich, denn Kim hatte seine Arme jetzt um Akiras Hüfte
geschlungen und hielt ihn erbarmungslos fest.
/Von wegen, der will mich nicht ertränken, was macht er denn gerade?/ Mit
seinen letzten Atemreserven langte er zu Kim runter und packte ihn an den
Schultern.
Und Kim ließ seine Beine los.
Er musste gemerkt haben, dass er seinen Freund nun wirklich fast umbrachte.
Endlich wieder vollkommen bewegungsfrei strampelte sich Akira an die
Wasseroberfläche und schnappte keuchend nach Luft.
Ganz gemächlich tauchte neben ihm auch Kim auf und grinste ihn an.
"Sag mal, jetzt spinnst du wohl völlig! Wenn du mich umbringen willst, dann sag
es oder mach es kurz und schmerzlos, aber es ist schrecklich wenn man keine
Lu... mhm... mhm..." Überrascht stellte Akira seinen Sprechversuche ein, denn
er spürte plötzlich Kims weiche warme Lippen auf seinen kalten.
Kim hatte Akiras Gemecker nicht mehr ausgehalten und stoppte mit einem Kuss
seinen Redefluss.
Der überraschte Akira war erst so verdutzt, dass er sich nicht wehrte, doch als
Kim dann dachte, dass er jeden Moment weggestoßen würde, begann Akira seinen
Kuss zu erwidern. Nun war Kim völlig perplex und hinderte den Jüngeren auch
nicht daran, seine Zunge in Kims Mund zu schieben.
Zaghaft tastete sie dort nach der von Kim und rieb sich sanft an ihr, was Kim
einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Akira war so sanft und vorsichtig,
dass es den sonst immer eher stürmischen Kim fast quälte. Aber es war eine
süße Qual.
Wieder nach Luft ringend lösten sich beide von einander und blickten sich an.
Kim war es dann schließlich, der das Schweigen durchbrach:
"Wow! Ich bin... überrascht! Damit hätte ich nun nicht gerechnet!" Wie um sich
davon zu überzeugen, dass der Kuss eben echt passiert war, fuhr er mit seiner
Zunge seine Lippen nach. Er glaubte immer noch Akiras Geschmack auf ihnen zu
schmecken.
"Tja, da hast du mich wohl falsch eingeschätzt!", war Akiras einziger Kommentar
darauf. Dann wandte er sich um und ließ den verdutzt dreinblickenden einfach
dort alleine zurück. Mit kraftvollen Zügen begann er einige Bahnen zu
schwimmen, dabei schweiften seine Gedanken ab...
/Was war denn das jetzt? Wie kommt dieser Kerl dazu, mich einfach so zu küssen!
Dabei habe ich doch gerade mit ihm geredet! Nicht sehr höflich! Aber seine
Lippen waren so schön warm und weich! Und wie er geguckt hat, als ich ihm meine
Zunge in den Mund geschoben hab! Ha! Da hat er gar nichts mehr gesagt! Aber...
Kim hat mich echt geküsst! Von sich aus! Ohne, dass ich was gemacht hab! Heute
muss echt mein Glückstag sein! Ob er merkt, dass ich scharf auf ihn bin?/
Bei diesem Gedanken wurde Akira ganz komisch und seine Körpertemperatur schien
um einige Grade zu steigen!
/'Scharf auf ihn', was denke ich hier eigentlich?! Okay, er hat einen ganz
netten Körper und ist ganz witzig, aber ob man deshalb gleich scharf auf ihn
sein muss!.... Jaaaaa, muss man! Und da bin ich sicher nicht der einzige, der so
denkt! Aber mich hat er geküsst! Hach!/
Mit einem wohligem Aufseufzen schwamm Akira noch die letzten paar Meter bis zum
Beckenrand und hielt sich dann dort fest. Sein Atem ging merklich schneller und
er wusste selbst nicht genau, ob das nur vom Schwimmen kam oder auch von seinen
Gedanken!
/Wah! Ich benehme mich schon wie ein Mädchen! Wie gut, dass keiner meine
Gedanken lesen kann. Das wäre p e i n l i c h!/
Mit einer fließenden Bewegung stemmte er sich aus dem Becken und tappste
vorsichtig zu seinem Rucksack rüber. Mit einem verstohlenen Blick auf Kim, der
sich nachdenklich am Beckenrand fest hielt, wühlte er sein Handtuch hervor und
schwang es sich über die Schulter.
Dann kramte er nach seinem Handy, aber musste enttäuscht feststellen, dass er
noch keine Nachricht von seinem Bruder hatte.
/Ob da was passiert ist? Sicher nicht.... hoffentlich.../
Grübelnd schlenderte er zu Katsura und Hayao herüber, die sich immer noch
unterhielten. Shito hatte sich am Beckenrand bei Hideo und Darius niedergelassen
und lauschte lachend Darius Erzählung.
Mit klopfendem Herzen breitete Akira sein Handtuch auf dem Boden aus und ließ
sich darauf nieder. Alle Glieder von sich gestreckt, schloss er die Augen und
döste, von den umliegenden Geräuschen eingelullt, vor sich hin...


Plötzlich spürte Akira, wie etwas nasses und vor allem kaltes seinen Rücken
hinab lief.
Mit einen Schlag hellwach, schreckte er hoch und blinzelte gegen das helle
Sonnenlicht an, dass ihn sogleich blendete.
Die Sonne war gewandert und schien nun vollkommen durch die großen Fenster. Ihr
Licht schimmerte schon leicht rötlich. Ein Zeichen dafür, dass sie bald unter
gehen würde. Aber noch stand sie am Himmel und wärmte und erhellte mit ihren
letzten Strahlen die Erde.
Nur langsam gewöhnten sich Akiras Augen an die Helligkeit, dann konnte er
endlich die Person ausmachen, die sich vor ihm aufgebaut hatte, es war Kim.
Grinsend ließ dieser sich neben Akira auf dem Handtuch nieder. Akira bekam eine
Gänsehaut, als Kims nasse kühle Haut seine warme berührte. Ein Prickeln
breitete sich an dieser Stelle aus.
"Warum bist du denn eben so schnell verschwunden?" fragte Kim, als er merkte,
dass Akira ihn nur wortlos anstarrte.
"Weiß auch nicht... mir ist kalt geworden... und da wollte ich ein paar Bahnen
schwimmen!", versuchte Akira sich raus zu reden.
"Hm... Wenn das so ist! Und ich dachte schon, du bist vor << mir >>
geflüchtet!" Ein überlegenen Grinsen von Kim folgte.
"Quatsch!", heftig stritt Akira diese Behauptung ab. "Warum sollte ich... vor
dir flüchten???"
"Tja, das habe ich mich auch gefragt!" Langsam ließ Kim seine noch leicht
feuchte Hand über Akiras warmen Rücken gleiten.
Dieser bekam daraufhin eine Gänsehaut.
"Wollen wir noch ein bisschen schwimmen?", fragte Kim nach einigen Sekunden des
Schweigens.
Mit einem abwertenden Blick sah Akira zum Becken hinüber. "Mir ist gerade so
schön warm!"
"Och, nun sei mal kein Frosch! Wir sind zum Baden hier und nicht zum rumliegen
und schlafen!!!"
Wie immer war Kim hyperaktiv! Murrend gab sich Akira geschlagen und erhob sich.

Kim war auch schon aufgestanden und ergriff nun Akiras Hand, um ihn in Richtung
Becken zu ziehen.
"Langsam! Ich bin auch nicht mehr der Jüngste!" Mit diesen Worten machte sich
Akira von seinem älteren Freund los und streckte sich erst mal ausgiebig. Er
wollte Zeit gewinnen. Kims offene und direkte Art verwirrte Akira immer mehr.
/Ich hab ihn eben im Becken zurück gelassen und was macht er? Er fragt kurz
nach warum und gibt sich mit meinen Ausreden zu Frieden. Der weiß sicher, dass
ich gelogen habe! ... Ach, das ganze wäre ja auch nicht so schlimm, wen nicht
bloß immer alles zu anfangen würde zu kribbeln, wo er mich berührt! Ich hab
immer Angst, dass er merkt wie erregt ich in seiner Nähe bin!/
Kim stand geduldig am Beckenrand und wartete auf den immer noch vor sich
hinstarrenden Akira.
Dieser setzte sich nun endlich in Bewegung und betrachtete das klare Wasser, das
müßig gegen die gekachelte Beckenwand schwappte.
"Hm... das Wasser ist sicher kalt! Und da soll ich wirklich rein?!"
Akira war überhaut nicht in der Stimmung zum Schwimmen, lieber hätte er sich
in Kims Arme gekuschelt und noch ein wenig geschlafen.
Er startete noch einen letzten Versuch um seinen Freund vom Gegenteil zu
überzeugen, doch es wart anscheinend nichts zu machen.
Auf Kims Gesicht stahl sich ein Grinsen, dann meinte er gut gelaunt:
"Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!"
Damit gab er dem verwirrten Akira einen Schubs, sodass dieser mit einem lauten
Schrei im Wasser landete. Kim setzte ihm nach und sprang hinterher.
Prustend kam der Jüngere wieder an die Wasseroberfläche und blickte den immer
noch fies grinsenden Kim Schnütchen ziehend an.
"Das war gemein!!!"
"Immerhin bist du nun im Wasser und weißt, ob es warm oder kalt ist!"
"Ja, es ist seeehr kalt!" Bibbernd paddelte Akira schneller, vielleicht würde
ihm ja ein bisschen wärmer werden.
Kim schwamm dichter zu ihm ran und hauchte nur wenige Zentimeter von Akiras Ohr
entfernt:
"Ich kann dich ja nachher wärmen!" Wie zufällig streifte Kims Bein das von
Akira. Dieser bekam sofort Farbe im Gesicht und lief bei diesen Vorstellungen
rot an.
Verlegen blickte er in Kims Augen, die ihn prüfend musterten. Gerade wollte er
zum Kontern ansetzen, als eine kräftige Stimme die Stille durchschnitt:
"WAS IST DENN HIER LOS?!"
Erschrocken wandten sich alle Blicke zur Tür, die nun offen stand.
Ein Junge, er mochte vielleicht 17 oder 18 sein, musterte das bunte Treiben, mit
einem unverhohlenem Interesse. Er hatte die Arme in die Hüften gestemmt und
löste nun einen, um auf die Uhr zu gucken.
Dann sah er wieder in die Runde und sein Blick blieb an Shito hängen, der
ebenso lässig zurück sah.
"Shito..." Die Stimme des anderen hatte zwar immer noch einen kräftigen Klang,
aber in ihm war keine Aggression zu hören.
Shito setzte ein Lächeln auf und antwortete dann in die Stille, die sich
gebildet hatte, hinein: "Hallo Ryo! Ich hatte doch gesagt, dass ich den Pool
heute brauche!"
"Schon okay, ich hab bloß nicht damit gerechnet, dass du deine ganze Clique,
zusätzlich Neuzugang..." Sein Blick schweifte kurz zu Akira, der ihn neugierig
musterte, "... hier anschleppst! Wie lange gedenkst du noch zu machen?"
"Wieso? Wie spät ist es denn?"
"Es ist..." wieder ein Blick auf die Uhr. ".. genau 17 Uhr 35 und 26 Sekunden!"

"Oh, schon so spät?! Ich denke mal, dass wir noch ne Stunde bleiben und danach
in die Sauna gehen!", verplante Shito ihren Nachmittag.
"Ähm... aber tu mir einen Gefallen, und sei in der Sauna nicht ganz so laut wie
beim letzten Mal! Man hat dich durchs ganze Haus gehört! Gut das unsere Eltern
nicht da waren!" Ryo zwinkerte Shito anzüglich zu. Dieser wechselte einen Blick
mit Katsura und senkte dann gemeinsam mit ihm verlegen den Blick.
"Ja, schon klar..."
Ein warmes Lachen erhellte die große Halle. "Ich sag's dir ja bloß! Ist doch
schon in Ordnung! Sag mir aber bitte bescheid, wenn deine Freunde weg sind, ich
will heute Abend wahrscheinlich auch noch ein paar Bahnen schwimmen!"
Damit drehte Ryo sich um und verließ winkend den Raum. Als die Tür wieder ins
Schloss fiel, begannen sich alle wieder zu regen.
"Wer war das?", fragte Akira an Kim gerichtete.
Dieser paddelte zum Beckenrand, um sich dort festzuhalten.
"Ach, das war nur Shitos Bruder! Der ist ganz okay!"
"Ach so... Du? Sei mir bitte nicht böse, aber mir ist kalt. Ich geh raus."
"Schon okay, ich plansche dann noch weiter fröhlich vor mich hin!" Auch Akira
hielt sich nun dicht bei Kim am Rand des Beckens fest.
Gerade als er sich schon aus dem Becken stemmen wollte, zog Kim ihn noch mal zu
sich ran und gab ihm einen Kuss. Überrascht erwiderte Akira ihn, lächelte Kim
dann zu und stemmte sich aus dem Becken.
/Kalt ist mir nun nicht mehr!!!/
Vorsichtig tapste er zu seinem Rucksack. /Langsam muss ich aber eine SMS von
Tatsuya haben!/ Doch bevor er seinen Rucksack erreichen konnte, trat Hideo ihm
in den Weg. Überrascht ruhten Akiras Augen auf dem Älteren.
Dieser blickte noch ein Mal verunsichert zu Boden, bracht dann aber hervor:
"Ich muss mal mit dir reden... alleine!" Verwundert zog Akira die Stirn kraus,
sagte aber nichts und folgte Hideo schweigend in den Vorraum der Toiletten.
Während der Ältere die Tür schloss, begutachtete Akira den Raum. Er war klein
und weiß gefliest, wie es für Toilettenräume üblich war. An der Wand hing
ein Waschbecken und ein Handtuch. Also nichts besonderes.
Dann sah er wieder Hideo an, der sich vor ihm aufgebaut hatte.
"Also, was gibt's?", fragte er ruhig.
"Ich weiß nicht genau wie ich es sagen soll... du hältst mich sicher für irre
oder so was..."
"Hideo! Sag mir einfach worum es geht!"
"Also, nicht das du denkst, ich sei eifersüchtig..."
"Hideo!" Akira wurde ungeduldig. In Hideos Stimme schwang ein Ton mit, den er
nicht zu deuten wusste und das ließ ihn sich unwohl fühlen.
"Es geht um Kim!", brachte Hideo sein Herumgestotter nun endlich auf den Punkt.
Als Kims Name fiel, durchzuckte Akira ein kalter Blitz. /Hätte ich mir gleich
denken können, dass es um ihn geht!/
"Ja, was ist mit Kim?" Nach Außen hin versuchte Akira cool zu wirken, aber
innerlich arbeitete es bei ihm.
/Was er wohl will?/
"Wie soll ich das sagen..."
"Vielleicht so, wie es ist!" Akiras Herz schlug wie wild, ein Wunder das sein
Gegenüber es nicht zu hören schien.
"Er... Es gibt da vielleicht ein paar Dinge, die du über hin wissen solltest!"

"Was für Dinge?" Akira Unbehangen wuchs immer mehr.
"Er... er ist nicht der Typ, der es mit Jungs immer ernst meint!"
/Was soll das denn heißen???/ Schweigen.
"Ich hab gesehen, dass du dich sehr gut mit ihm verstehst, aber ich will nicht,
dass du dir darauf was einbildest oder so..."
Akira konnte spüren, wie sein ganzer Körper taub zu werden schien.
/Was will er???/
Schweigen.
"Echt, ich finde es ja gut, dass du dich so klasse mit ihm verstehst, aber ich
will nicht, dass du nachher enttäuscht bist, weil er es nicht ernst meint!"
"Woher willst du wissen, dass er es nicht ernst meint?"
"Weil Kim es nie ernst meint! Er ist nicht der Typ für Beziehungen. Bei ihm
geschieht vieles spontan. Es kann also sein, dass er dich heute vernascht und
morgen links liegen lässt!"
"Er hat mich nicht vernascht! Und wer sagt dir, dass ich mich von ihm vernaschen
lassen will?"
Hideo ließ ein freudloses Lachen von sich hören. "Komm, so wie ihr aneinander
klebt! Ich will dich nur bitten vorsichtig zu sein!"
"Und wer gibt dir das recht, so über Kim zu reden? Zu mir war er immer nett!"
"Ich geb mir selber das Recht, als dein Freund!"
"Aber << du >> hast mich heute doch links liegen lassen! Nicht Kim! Der hat mir
Aufmerksamkeit geschenkt! Du hattest ja nur Augen für deinen Darius!"
Im nächsten Moment schon biss sich Akira innerlich auf die Zunge, für das, was
er eben gesagt hatte.
Nun war es Hideo, der die Stirn kraus zog.
"Bist du etwa eifersüchtig auf Darius?" Hideos Stimme war bloß ein Flüstern,
aber in dem lang soviel Wärme, dass Akira ihm erstaunt in die Augen blickte.
Auch diese strahlten eine ungeheuere Wärme aus.
Aber Akira sah es nicht ein, dass jetzt zuzugeben. "Nein, ich bin nicht
eifersüchtig. Kann mir doch egal sein, was du mit Darius machst! Ich könnte ja
auch fragen, ob du auf Kim eifersüchtig bist!"
"Ich sagte doch, dass ich nicht eifersüchtig bin, ich mache mir nur Sorgen um
dich!"
Akira kam sich vor, wie ein kleines Kind. So ungefähr wollte Hideo ihn wohl
dastehen lassen. Trotzig erwiderte er:
"Ich kann alleine auf mich aufpassen! Du tust so, als wenn Kim mich in den
nächsten Busch zerren und vergewaltigen will!"
"Akira, ich meine es doch bloß gut!"
"Dann hör auf solchen Scheiß zu labern!" Akira Stimme wurde merklich lauter,
sodass Hideo getroffen zusammen zuckte.
Akiras Worte hatten ihn irgendwie verletzt, auch wenn er nicht wusste warum. Er
wollte seinen Freund doch bloß bitten, vorsichtig zu sein, doch dieser schien
ihm gar nicht zuhören zu wollen.
Ob Akira echt auf Darius eifersüchtig ist, ging es Hideo durch den Kopf. Ein
kribbelndes Gefühl der Freude macht sich in ihm breit, und er musste sich
beherrschen um nicht zu Grinsen.
Wie gerne würde er Akira jetzt danach fragen und ihn ausquetschen, doch dem
Blick des Jüngeren nach, hatte dieser nicht sehr viel Interesse an solch einem
Gespräch.
Hideo war nicht der einzige der grübelte, auch Akira musste erst mal seine
Gedanken ordnen. /Was will der eigentlich von mir? Warum sollte Kim es nicht
ernst mit mir meinen? Würde er denn sonst so nett zu mir sein? Er hat mich doch
vorhin geküsst! Und außerdem weiß ich gar nicht, was das Hideo angeht. Das
ist ne Sache zwischen mir und Kim. Er hat sich den ganzen Tag ja auch nicht um
mich gestört, sondern nur um diesen Darius. Okay, dann bin ich halt
eifersüchtig. Aber was kann ich dafür, wenn ich mich ein bisschen in Hideo
verknallt hab! Wenn er das wüsste, dann würde er sicher Abstand zu mir nehmen
oder darüber Witze machen! Er hat doch Darius... und ich hab Kim! Da lass ich
mir von ihm nicht reinreden! Ich mag Kim und Kim mag mich. Was soll daran bitte
falsch sein? Hideo will sich sicher nur in den Vordergrund spielen.../
Akira merkte gar nicht, wie sehr wer sich in Gedanken in Rage redete. Hätte er
das ganze Laut gesagt, dann wäre Hideo sicher die Kinnlade bis sonst wo
hinunter gefallen, aber das waren ja immerhin nur Akiras Gedanken, die zum
Glück keiner lesen konnte.
Gleichzeitig mit einem Gefühl der Wut, kam auch eine bittere Traurigkeit. Akira
wusste nicht woher sie kam, aber irgendwie fühlte er sich, als wenn er gleich
losheulen würde. Alleine wenn er an Darius und Hideo dachte, dann wurde ihm
schlecht.
/Was regt der sich denn so auf? Sag ich was, weil er mit Darius rumhängt???/
"Gibt's sonst noch was, was du mir zu sagen hast???", zischte Akira gereizt!
"Akira... nun hör mir doch mal zu...."
"Okay, scheinbar war das alles! Dann kann ich ja wieder zu << Kim >> gehen. Und
du grüß Darius von mir!!!"
Akiras Worte schmerzten ihn selbst sicher mehr, als dass sie Hideo je schmerzen
würden.
"Akira...!!!"
Doch der Gerufene reagierte gar nicht und schritt wütend zur Tür hinaus und
stampfte in Richtung Becken. Hideo lief ihm hinter her.
"Akira, nun warte doch..." Er hatte seine Stimme gesenkt, um bei den anderen
nicht allzu viel Aufmerksamkeit zu erregen. Aber was er zu vermeiden versucht,
gelang Akira ganz von selbst.
Dieser raste nämlich wütend zu seinem Rucksack. Doch leider übersah er dabei
eine zweistufige Treppe, die einen kurzen Absatz hinunter führte.
Mit einem lauten Aufschrei rutschte er weg und segelte die zwei Stufen auf dem
Hintern und den Ellbogen runter. Stöhnend rieb er sich den schmerzenden Arm,
doch da war Hideo schon bei ihm angekommen.
Mit einem Lauten "Oh Gott, Akira..." war er auf den immer noch am Boden
liegenden zugestürmt und ließ sich nun vor diesem auf die Knie sinken.
Besorgt fragte er: "Alles klar mit dir? Tut dir was weh?"
Sachte wollte er Akira am Arm greifen um ihn hochzuziehen. Doch dieser schlug
zischend seinen Arm beiseite.
"Fass mich nicht an! Ich brauch deine Hilfe nicht!!!" Ächzend erhob er sich
alleine.
Hideo sah ihn hilflos an, er wusste nicht so recht, was er sagen sollte.
Eigentlich verstand er auch nicht wirklich, warum Akira so ausgetickt war! Okay,
er hatte etwas Negatives über Kim gesagt, aber das war nun mal Tatsache. Akira
kannte Kim noch nicht so lange und somit auch seine Eigenarten nicht. Da wollte
Hideo ihn doch bloß vorwarnen.
Oder lag es an Darius? Hatte Akira erwartet, dass Hideo sich mehr um ihn
kümmern würde?
Doch diesen Gedanken schob er sofort beiseite.
Akira humpelte nun ohne etwas zu sagen zu seinem Rucksack und wühlte sein Handy
hervor. Auf dem Display stand : << 1 Kurzmitteilung erhalten! >>
/Wenigstens etwas Gutes!/ Schnell las er sie, sie war wie erwartete von Tatsuya:

<< Hallo Akira! Bin gut in Osaka angekommen! Ich hoffe du meldest dich bei mir
und erzählst mir wie der Nachmittag war! Liebe Grüße, Tatsuya! >>
/Ja, der Nachmittag ist echt toll!/, dachte er ironisch. /Warum lass ich mir von
Hideo eigentlich die Laune verderben???/
Suchend blickte er sich nach Kim um. Dieser hatte sich wieder auf seinem
Handtuch zusammengerollt und schlummerte friedlich vor sich hin.
Immer noch ein bisschen humpelnd schlenderte Akira zu ihm rüber.
Hideo hatte sich wieder am Beckenrand niedergelassen und starrte grübelnd aufs
Wasser. Irgendwo hinter ihm unterhielten sich Katsura und Hayao angeregt. Shito
und Darius schwammen im Pool um die Wette.
Leise ließ sich Akira bei Kim nieder, was dieser aber nicht zu bemerken schien.
Aufmerksam beobachtete Akira die beiden um die Wetter schwimmenden.
Darius hatte auf Grund seiner körperlichen Verfassung klare Vorteile, aber auch
Shito kämpfte verbissen. Aber man sah ihm deutlich an, dass ihm langsam die
Puste ausging. Nachdem die beiden ungefähr 10 Bahnen geschwommen waren, gab
Shito nach Atem ringend auf.
Völlig fertig schleppte er sich zum Rand und hievte sich stöhnend hinaus.
Kaum, dass er draußen auf seinen Beinen stand, knickten diese ihm auch schon
weg und er hockte schwer atmend auf den Knien. Zähnezusammenbeißend erhob er
sich ruckartig, was wohl sein Fehler war.
Mit einem erstickendem Wimmern fiel er wieder auf die Knie und umklammerte
seinen linken Oberschenkel. Aus seinem Gesicht war alle Farbe gewichen und er
biss die Zähne zusammen und nicht aufzuschreien.
Akira, der das ganze beobachtetet hatte, sprang auf.
/Er hat sicher einen Krampf!!!/
Seinen Groll von eben vergessend, rief er laut Hideos Namen!
/Wenn einer ihm helfen kann, dann Hideo. Immerhin ist er Volleyballtrainer!/
Hideo war so überrascht, dass er erst nicht wusste was los war, dann aber
raffte er sich auf und lief mit schnellen Schritten auf Shito zu. Auch er hatte
sogleich einen Krampf diagnostiziert.
Zugleich mit Akira erreichte er den am Boden knienden.
"Shito..." Es war bloß ein raues Flüstern, was Akira hervorbrachte. Die Augen
des Jüngeren waren schmerzhaft zusammen gekniffen.
Nun griff auch Hideo ein.
"Shito! Leg dich ganz locker hin!" Es war ein Wunder, dass der Jüngere Hideos
Worte überhaupt wahrnahm, aber er tat wie ihm geheißen. Als er lag, begann
Hideo mit routinierten Handgriffen seinen Oberschenkel zu massieren.
Shito hatte den Arm über die Augen gelegt und schluchzte leise auf. Langsam
begannen sich auch die anderen um die drei zu versammeln, aber die sahen nur
schweigend zu, wie Hideo die Muskeln des Jüngeren zu lockern begann.
Nach ein paar Minuten konnte er deutlich spüren, wie der Krampf nachließ und
auch Shito wagte einen Blick an seinem Arm vorbei. In seinen Augenwinkeln
standen sichtbar Tränen, aber er schluckte sie tapfer runter.
Dann endlich ließen die Schmerzen fast vollständig nach und Hideo strich noch
ein letztes Mal über Shitos Oberschenkel, bevor er sich wieder erhob.
Auch Shito setzte sich auf. In seinem Schenkel war noch ein dumpfes Pochen zu
spüren, aber ansonsten waren alle Schmerzen verschwunden. Dankbar blickte er
Hideo an.
"Danke!!!"
"Schon in Ordnung! Pass das nächste mal bitte besser auf. Solche Krämpfe
können ganz böse Schäden anrichten!"
"Aber zum Glück warst du ja da!"
"Zum Glück hat Akira mich gleich gerufen!" Mit einem hoffnungsvollem Blick sah
Hideo Akira in die Augen.
Dieser blickte zurück, dann fiel ihm aber ein, dass er ja eigentlich sauer auf
Hideo war, und wandte den Blick wieder kalt ab.
"Hideo ist der erste, der mir bei so was eingefallen ist. Er ist doch
Volleyballtrainer!" Achselzuckend trat Akira zu Kim hinüber und stellte sich
neben ihn.
Hideo beobachtete die Szene mit traurigem Blick, dann wandte er sich um und
schritt in Richtung Handtücher. "Lasst uns am besten Schluss machen für heute!
Wenn wir noch in die Sauna wollen...!"
Zustimmendes Gemurmel breitete sich aus und alle griffen nach ihren
Handtüchern.
Gemeinsam schritten sie durch eine Tür und standen dann in der Sauna...

Der Raum war, wie sich Akira eine Sauna vorstellte:
Klein, gemütlich und vor allem warm.
Dicke Dampfschwaden blockierten seine Sicht, sodass er sich nur an den
Geräuschen der anderen und seinem Nebenmann - in diesem Fall Shito -
orientieren konnte. Der gesamte Raum war mit Holz verkleidet und die anderen aus
der Clique strebten sofort einen Platz an, der sicher immer ihr Platz war.
Etwas verloren stand Akira mitten in der Sauna, als jemand plötzlich nach
seinem Handgelenk griff und ihn auf eine der Holzbänke zog. Akira konnte gar
nicht so schnell reagieren und fand sich deshalb neben Kim wieder.
Dieser grinste ihn an und flüsterte leise:
"Ist dir immer noch kalt? Mein Angebot von vorhin steht noch!"
Akira überlegte kurz. Unwillkürlich musste er an Hideos Worte denken, doch als
er nur wenige Meter von sich entfernt Darius und Hideos Lachen hörte, kehrte
sein ganzer Groll zurück und er lehnte sich gegen Kim.
Dieser nahm ihn sofort in die Arme und presste seinen muskulösen Körper an den
des Kleineren. Dann legte er sich auf der Holzbank, die sie ganz für sich
alleine hatten, vollständig hin und zog Akira mit sich. Dieser lag nun auf der
Brust, des auf dem Rücken liegenden Kim. Deutlich konnte er den Herzschlag des
Älteren hören, ein stetiges, kräftiges Poch-poch.
Kim hatte wieder die Arme um den Jüngeren geschlungen und erkundete mit den
Händen dessen Körper.
Akira stützte seine Ellbogen links und rechts von Kims Kopf auf, sodass er ihm
tief in die Augen blicken konnte. Dann fanden sich ihren Lippen. Erst noch etwas
zaghaft, dann aber immer leidenschaftlicher wurden ihr Küsse.
Sanft stieß Kim mit seiner Zunge gegen Akiras Lippen, welche sich auch sofort
öffneten und die stumme Bitte erfüllten. Als ihre beiden Zungen gegeneinander
stießen, durchzuckte ein Blitz Akiras Körper, welcher auch sogleich anfing zu
kribbeln.
Unangenehmerweise, musste er feststellen, dass dieses Kribbeln sich auch
unterhalb der Gürtellinie ausbreitete. Deutlich konnte er spüren, wie er hart
wurde. Etwas verlegen unterbrach er den Kuss und sah Kim entschuldigend an.
Dieser schaute Akira verständnislos ins Gesicht, als er merkte, wie etwas
hartes verräterisch gegen sein Bein drückte. Leise lachte er auf und zog Akira
dann wieder zu sich runter. Stürmisch eroberte er den Mund des anderen,
sichtlich erfreut, welche Reaktion er bei ihm hervor rief.
Während sie fordernde Zungenküsse austauschten, rieben ihre schweißnassen
Körper aneinander. Es war ein angenehmes Gefühl, den anderen so dicht neben
sich zu spüren.
Akiras Erregung wuchs immer mehr, und auch bei Kim war die Erregung schon
deutlich spürbar. Atemlos trennten sich ihr Lippen und sie blickten einander
an.
In Kims Augen lag ein geheimnisvolles Funkeln und wieder schweiften Akiras
Gedanken zu Hideos Worten ab.
/Ob er wirklich recht hat? Quatsch... er gönnt es mir bloß nicht, dass ich
auch Spaß hab! Er ist doch eh immer mit Darius beschäftigt! Soll mir doch
recht sein!/
Unruhig rutsche Akira so lange auf Kim hin und her, bis er auf dessen
Lendengegend saß, und seine Erektion hart gegen die von Kim presste.
Der schloss lächelnd die Augen und unterdrückte ein Aufstöhnen. Als er sie
wieder öffnete, blickte er in die grünen von Akira. Dieser war nur wenige
Zentimeter entfernt, sodass sich ihr Nasenspitzen fast berührten.
Erwartungsvoll blickte Kim den Jüngeren an. Dieser ließ sich aber Zeit und
leckte genüsslich über Kims Nasenspitze.
"Du bist so schön salzig...", raunte er und rieb dann seine Wange an der von
Kim. Dieser erwiderte die Bewegung und lachte leise.
"Du sicher auch!" Daraufhin ließ er seine Lippen in Akiras Halsbeuge wandern
und begann ihn dort zu küssen. Ab und an strich er auch mit der Zunge über die
leicht gerötete Haut.
Akira hielt still und genoss die Zuwendung. Leise schnurrend entzog er Kim seine
Halsbeuge und presste seine Lippen hungrig auf die des anderen. Schnell drängte
er seine Zunge in Kims Mund und forderte dessen zu einem leidenschaftlichen
Duell heraus.
Kim nahm die Herausforderung nur zu gerne an...
Beide hatten alles um sich herum völlig vergessen.
Shito lag zusammen mit Katsura auf einer Bank und ließ sich von ihm massieren.
Hayao hatte die Augen geschlossen und döste vor sich hin. Auch Hideo und Darius
saßen zusammen und unterhielten sich leise lachend.
Keiner schien die Geräusche, die Akira und Kim unweigerlich machten, zu
beachten.
Nur ab und zu wanderten Hideo Augen rüber zu den beiden, doch die dicken
Dampfschwaden versperrten ihm die Sicht. Insgeheim wüsste er gerne, was die
beiden da so anstellten, auch wenn er das nie im Leben Akira gegenüber zugeben
würde.
Ein flaues Gefühl in der Magengegend unterdrückend, versuchte er seine
Aufmerksamkeit wieder auf Darius zu lenken, was ihm aber nur teilweise gelang.
Sein eh schon glühender Körper, schien noch heißer zu werden.
Das hätte er unter normalen Umständen sicher als angenehm empfunden, aber
irgendwie machte es ihn dieses Mal nervös. Er überlegte, ob er schon gehen
sollte, ihm war die Lust auf Sauna endgültig vergangen, aber entschied sich
dann doch dagegen.
Leise rutschte er dichter zu Darius rüber und wartete darauf, das sein Freund
ihm einladend die Arme öffnete, was er, nachdem er Hideo bemerkt hatte, auch
tat. Ein wenig zitternd drückte sich Hideo an die Brust des Größeren und
schloss die Augen.
Darius schien zu spüren, dass es in Hideo arbeitete, denn er fragte leise:
"Hey, was ist denn los?"
Hideo überlegte kurz. Was sollte er denn sagen? Er wusste ja selber nicht, was
er hatte. Warum interessierte es ihn so, was Akira tat? Das war doch eigentlich
nicht seine Angelegenheit! Aber auch nur eigentlich... Warum hatte Hideo soviel
Angst, dass Kim Akira weh tun könnte? Okay, sie waren Freunde... aber... ist
man da so um jemanden besorgt?
Langsam begann ein Verdacht in Hideo aufzukeimen.
Ziemlich verwirrt nuschelte er ein leises "Es ist nichts!" Dann versuchte er
alle Geräusche auszublenden und döste nichtsdenkend vor sich hin. Darius
beschützende Arme wirkten wie ein Schutzwall, der ihn vor allen unangenehmen
Gedanken bewahrte...

Die Zeit verstrich wie im Fluge. Während Akira und Kim sie wild knutschend
verbrachten, war Hideo bei Darius eingeschlafen.
Dieser hielt ihn sicher in einer warmen Umarmung und beobachtete leicht verwirrt
Hideos Gesicht. Der Jüngere hatte vorhin so verunsichert gewirkt und Darius
fing an sich seine Gedanken zu machen. Aber bevor er auf die falschen kommen und
sich drin versteifen konnte, ließ er es bleiben.
Falls Hideo ein Problem hatte, was zwar nicht oft vorkam, aber ab und an halt
schon, würde er sicher von alleine zu ihm kommen, wenn ihm nach Reden zu Mute
war. Das war bisher immer so gewesen.
Seinen Kopf an den des Blonden gelehnt, schloss auch er die Augen.

"Und ihr wollt echt schon los???" Eine kindliche Enttäuschung schwang in Shitos
Stimme mit.
Ein stummes Nicken von Hideo, der neben Darius schon draußen auf der Treppe
stand.
"Ja, ich hab morgen früh noch 'ne Verabredung und muss also ausgeschlafen
sein!", gab Darius zwinkernd seine Beweggründe an.
Sofort war nichts mehr von Enttäuschung in Shitos Gesicht zu sehen und er kam
barfuß nach draußen gerannt, um sich vor Darius aufzubauen.
"Wer ist es? Kenne ich ihn? Es ist doch ein er, oder? Welch eine Frage, klar ist
es ein er... bitte, sag schon!", platze es aus ihm hervor.
"Ähm... nein, es ist kein er, es ist eine sie!", verbesserte der Ältere Shito
lächelnd. Sofort waren alle Augen auf ihn gerichtete.
"Hey Leute...", er hob abwehrend die Hände. "Was guckt ihr mich jetzt so an,
darf man sich nicht mal mehr mit der eigenen Mutter treffen?!", löste Darius
die Verwirrung auf.
Grummeln, aber auch erleichtertes Aufatmen waren die Reaktionen darauf. Hideos
erschrockenes Gesicht, hatte wieder einen entspannten Ausdruck angenommen.
Darius, der das bemerkte, trat dichter zu ihm heran und flüsterte zärtlich:
"Hey, keine Panik... Du weißt doch, dass ich nur Augen für dich habe..."
Warm lachend schlang Hideo angesichts dieser Wort seinen Arm um Darius Taille
... und brachte den armen Akira damit fast zum Kotzen.
Da er eher unfreiwillig als gewollt dicht bei Hideo stand, hatte er Darius Worte
verstanden und es war wie ein Faustschlag in die Magenkuhle gewesen.
Verstimmt wandte er sich von diesem Bild ab und warf ein genuscheltes "Ich muss
los... hab meinem Bruder versprochen noch bei ihm anzurufen..." als
Verabschiedung über seine Schulter.
Ein teils munteres und teils überraschtes Raunen war die Antwort.
Aber Akira drehte sich nicht mehr um, sondern stiefelte stur vom Hof.
Hätte er es getan, hätte ihn Hideos fragender Blick sicher zum Nachdenken
angeregt...


Kapitel 15: Differenzen

Das Gespräch mit Tatsuya am Abend verlief nicht ganz so, wie Akira es wollte.
Sein älterer Bruder hatte ihm sofort angemerkt, dass etwas nicht stimmte und
hatte so lange gebohrt, bis Akira mit der Sprache rausgerückt war.
Zwar ließ dieser weg, dass er schon ein bisschen auf Darius eifersüchtig war
und berichtete nur von Hideos Versuchen ihn von Kim wegzubringen, aber so genau
musste er es seinem Bruder ja auch nicht erzählen.
Als er den Hörer auflegte, atmete er erst mal ganz tief durch.
/Woran hat Tatsuya jetzt schon wieder gemerkt, dass was ist?/
Grummelnd warf er sich auf sein Bett und starrte grübelnd die Decke an...


Sonntag.
Ein Geräusch riss den schlummernden Akira aus seinen Träumen. Murrend drehte
er sich auf die andere Seite und zog die Decke weit über seinen Kopf.
/War da was gewesen?/ Doch diesen Gedanken schob er sogleich wieder beiseite...
bis sich das Geräusch wiederholte. Ein Klopfen an der Tür.
/Was will mein Alter jetzt schon wieder? Hm... Egal... ich schlafe, da kann ich
ihn nicht hören.../
Damit war das Thema für Akira erledigt...
Sachte driftete er wieder in einen Halbschlaf ab.

Unruhig trat TK von einem Bein aufs andere. Was macht der denn da drin?, war die
Frage, die bei ihm schon seit ein paar Minuten im Kopf hallte.
Er hatte nun schon zwei mal an Akiras Tür geklopft, aber es hatte sich nichts
getan.
Warum klopfte ich eigentlich an?!, war Takerus nächster Gedankengang. Aber
irgendwie war ihm unwohl bei dem Gedanken, einfach so ins Zimmer reinzuplatzen,
jetzt wo er wusste das Akira... Ach! Unterbrach er sich selber. Wann hatte er
angefangen über solche Schwachsinn nachzudenken. Akira war Akira. Ob nun vor
drei Wochen oder jetzt.
Vorsichtig öffnete er die Tür. Dadurch das die Vorhänge zugezogen waren, war
es stockfinster im Zimmer, aber TK fand sich auch so zurecht. Lautlos stellte er
seinen Rucksack an den Schreibtisch und tastete sich dann zu dem Bett seines
Freundes vor. Dieser lag friedlich schlafend an der Wand zusammengerollt.
Vorsichtig ließ sich TK auf der Bettkante nieder und überlegte, ob er ihn
wecken sollte oder nicht. Aber angesichts der Tatsache, dass es schon 12.30 Uhr
war, beschloss er ihn wach zu machen.
Schnell erhob er sich um zum Fenster zu treten. Mit einem Ruck zog er den
großen Vorhang beiseite, sodass der Raum von einem milchig grauen Licht
durchflutet wurde.
Draußen regnete es schon den ganzen Morgen und die Sonne ließ sich einfach
nicht blicken.
Wartend postierte sich TK vor dem Bett seines Freundes.
Eigentlich hatte er ja erwartet, dass dieser durch das Licht aufwachen würde,
doch Akira lag wie ein Stein im Bett und rührte sich nicht. Genervt angelte er
sich einen Zipfel von Akiras Bettdecke und zog kräftig dran. Raschelnd landete
die Decke auf dem Fußboden.
Und endlich zeigten TKs Bemühungen Erfolg, denn Akira saß wie eine Eins im
Bett und blinzelte gegen das Licht an. Sich die Augen reibend schnauzte er:
"Was soll'n das???"
"A u f s t e h e n!", bat TK ihn mit einem zuckersüßem Ton in der Stimme.
Akira, der erst jetzt realisierte, wer ihn da geweckt hatte blickte ihn
ungläubig an.
"Wie komm ich zu der Ehre, dass du mich schon am frühen Morgen besuchst?!"
"Wenn du halb eins früh nennst okay, aber ich brauch deine Hilfe..."
"Halb eins? Mhm..." Grummelnd rieb er sich wieder die Augen, dann schlang er
seine Arme um seinen Oberkörper. Sein großes Zimmer war über Nacht ziemlich
ausgekühlt und er begann zu frösteln.
"Okay, ich helfe dir, aber bitte gib mir die Decke wieder!!!"
Takeru musste bei dem Anblick seines bibbernden Freundes grinsen. Seufzend ließ
er sich dann wieder auf der Bettkante nieder und schob die Decke zu dem
Frierenden.
"Arigatou...", hauchte dieser und wickelte sich zufrieden darin ein. "Also okay,
worum geht's?"
"Ähm... Mathe?!" Es war mehr eine Frage als eine Antwort, was TK von sich gab.

Akira zog eine Augenbraue hoch.
/Wieder mal Mathe..?!/
"Also, wenn du keine Zeit oder keine Lust hast, musst du es nur sagen, ich geh
wieder!" Takeru wollte sich schon erheben, denn langsam kam er sich auch ein
bisschen blöd vor, wenn er Akira immer seiner Freizeit beraubte, nur damit er
sich mit ihm durch Formeln und Funktionen grub.
Doch Akira hielt ihn am Handgelenk fest und zog ihn wieder runter.
"Setzen!"
Takeru blickte ihn erwartungsvoll an.
"Natürlich erklär ich dir Mathe. Weißt du noch, ich hab dir versprochen dabei
zu helfen, und das mache ich auch! Du könntest sogar nachts um 3 Uhr zu mir
kommen, kein Problem..." Nach einer kurzen Pause fügte er jedoch schnell hinzu:
"...was jetzt nicht heißt, dass du das auch machen musst. Aber was ich sagen
will..." Kopfschüttelnd brach er ab.
/Scheiße, was laber ich hier eigentlich???/ Nun war es TK der fragend eine
Augenbraue hoch zog.
"... besorg mir einfach nen Kaffee aus der Küche, und ich mache was du
willst!", beendete Akira verzweifelt seinen Satz.
/Ich glaub ich schlafe noch halbwegs.../
Die Augen schließend lehnte er den Kopf gegen Wand.
"No Problem!", sprang TK auf und polterte runter in die Küche.
Dort streckte schon ein unzufriedener Herr Kashino den Kopf zur Türe heraus.
"Geht das auch ein bisschen gesitteter?!"
"Gomen nasai! Ähm... ich... Ist noch eine Tasse Kaffee da?", brachte Takeru
sein Anliegen vor.
"Ja, da in der Kanne. Und richte meinem Herrn Sohn aus, dass er sich seinen
Kaffee das nächste Mal alleine holen soll. Gäste auch noch arbeiten zu lassen,
das sind Zustände, die ich in meinem Haus nicht dulde!", motzte Akiras Vater.
"Ähm... ja, werde ich ihm sagen." Damit griff Takeru sich eine Tasse aus dem
Schrank und goss eine Tasse Kaffee ein.
Vorsichtig die Tasse mit dem schwarzen, dampfenden Getränk balancierend, stieg
er wieder die Treppe rauf und betrat Akiras Zimmer.
Dieser hatte sich schon erhoben und stand nur mit Boxershorts bekleidet vor
seinem Kleiderschrank. /Wozu TK mich doch alles bringt.../
"Hier, dein Kaffee!", machte sich TK bemerkbar.
"Danke...", meinte Akira eher an den Kleiderschrank gewandt und fischte sich
dann Unterwäsche sowie eine Hose und ein T-Shirt heraus. Flink begann er sich
umzuziehen, während er Takerus Blicke ganz genau auf seinem Rücken spürte.
Fragend blickte er seinen Freund über seine Schulter an. "Soll ich raus gehen?"

"Das sollte ich wohl eher dich fragen, oder..." Takerus Stimme verstummte.
Grummelnd verzog Akira das Gesicht. "Oder was...???"
"Gomen...war nicht so gemeint..."
"Denkst du es stört mich, wenn du mir beim Umziehen zuguckst? Man, wo leben wir
denn?! Das ging doch vor ein paar Wochen auch noch!"
"Ich sagte doch, gomen! War nicht so gemeint!"
"Ja ja, schon gut..." Immer noch murrend zog sich Akira das T-Shirt über den
Kopf und ließ sich dann an seinem Couchtisch nieder, den dampfenden Kaffee zu
sich ranziehend. "Auf ins Land der Formeln!"
TK, der sich ihm gegenüber hingesetzt hatte, blickte ihn immer noch
entschuldigend an. "Bist du jetzt sauer?"
"Sauer werd ich, wenn du nicht aufhörst zu nerven!"
"Hai...", erwiderte der Belehrte und vergrub sich wie zum Schutz in seinem
Matheheft.
"Aaaalso, was ist denn dein Problem?"
"Ähm... ich hab die Division von Bruchtermen in denen Wurzeln vorkommen nicht
ganz verstanden..."
"Wie nicht ganz?"
"Also, eigentlich überhaupt nicht...", gab TK kleinlaut zu.
"Okay, mein Sonntag ist verplant. Das zu erklären kann ewig dauern..."
Geduldig fing Akira dann an seinem Freund den Unterrichtsstoff zu erklären...

"Ich hasse Mathe! Ich hasse Mathe! Ich ...." So ging das jetzt schon ganze fünf
Minuten.
Besorgt beobachtete Akira seinen Freund wie dieser trübe geradeaus starrte und
diesen Satz schon zum zigsten Male wiederholte.
"Okay okay, ich weiß es jetzt!!! Können wir weiter machen?!", unterbrach er
dessen Monolog.
"Denkst du, das bringt was bei mir? Ich raff das doch nie!" TK war wieder mal am
Boden zerstört.
"Klar bringt das was! Du bist doch nicht doof! Ich bin eher zu blöd zum
Erklären, dass wird es sein!", versuchte Akira ihn zu beruhigen.
"Klar bin ich doof!"
"Nein!"
"Doch!"
"Nein!"
"Natürlich!"
"Takeru! Nun mach hier keinen Aufstand! Du benimmst dich wie ein Kleinkind!"
"Siehste, also doch doof!"
Ergeben seufzend ließ Akira seinen Kopf auf den Tisch knallen. "Du machst mich
fertig!"
Stille.
"Akira?"
"Mhm...?"
"Denkst du ich raff das noch irgendwann?"
"Mhm..."
"Sicher?"
"Mhm..."
"Ganz sicher?"
"Mhm..."
"Machen wir dann weiter?"
"Mhm..."
"Kannst du noch was anderes sagen???" TK kam sich leichtlich verarscht vor.
"Mhm..."
"Akira!!!", quengelte er empört.
"Schon gut, schon gut! Wir machen ja weiter!" Seufzend hob Akira seinen Kopf
wieder vom Tisch.

18.45 Uhr.
"Meinst du, dass du es jetzt verstanden hast?"
"Ich glaub schon... wenn ich das hier so machen muss und dann das so... dann
ja!" TK fuchtelte wild mit seinem Bleistift über Akiras Mathebuch.
"Ähm ja... Ich glaub du hast es begriffen..."
/E n d l i c h!/, fügte er in Gedanken hinzu. /Man, war das 'ne Geburt! So
blöd hat der sich doch letzte Woche nicht angestellt! Aber es ist vollbracht!
Er hat es einigermaßen verstanden!/
Innerlich Luftsprünge machend, grinste er seinen Freund an.
Dieser grinste verlegen zurück.
"Danke, dass du deinen Sonntag geopfert hast!"
"Kein Problem! Und dir danke fürs Wecken... Das nächste Mal geht das aber
bitte ein bisschen zärtlicher!" Erschöpft ließ sich Akira neben TK auf sein
Bett fallen.
"Was machen wir jetzt mit dem angebrochenem Abend?", fragte er grübelnd.
"Englisch lernen...?", versuchte es Takeru zögerlich.
Schmerzlich aufquietschend, vergrub sich Akira gekonnt übers Bett kriechend in
seiner Decke.
"Du denkst doch wohl nicht, dass ich heute auch noch ein Buch anfasse?!", hörte
Takeru ihn unter Zudecke brabbeln.
"Nee, von dir hab ich das echt nicht gedacht!", gestand er sich grinsend ein,
während er Akira unter der Decke hervorwühlte.
Schulter an Schulter saßen die beiden dann da, und schwiegen sich an.
Akira, der seinen Kopf auf TKs Schulter legte, begann dann leise erzählend eine
sinnlose Unterhaltung, welche bei Mathe Anfing und über das Thema Mädchen bzw.
Jungs in Akiras Fall bis zum großen Thema der Sinn des Lebens verlief.
Solche Unterhaltungen führten die beiden eigentlich regelmäßig, und es tat
gut, einfach mal das rauszulassen, was einem schon lange im Kopf herumschwirrte.

Über Kim und Hideo verlor Akira aber kein Wort.
Als TK dann um kurz nach 20 Uhr das Haus verließ, war Akira bester Laune und
jumpte zufrieden die Treppe hoch.


Die Woche verging wie immer schnell und war so ziemlich ereignislos. Zwar hatte
Akira am Mittwoch, bevor er zum Volleyballtraining ging, ein mulmiges Gefühl,
aber dieses legte sich wieder.
Er versuchte einfach Hideo aus dem Weg zu gehen - was in einer Turnhalle ja auch
so gut möglich war - und mied großartige Unterhaltungen mit ihm.
Auch Hideo gab es irgendwann auf, ein Gespräch zu suchen.
Als Akira dann am Abend aus der Halle raus war, atmete er innerlich auf.
Er war zwar nicht mehr wirklich sauer auf Hideo, aber doch ein wenig zu stolz um
jetzt auf ihn zu zugehen. Irgendwie wollte er ihm beweisen, dass er sich in Kim
getäuscht hatte...
Als es dann am Freitag nach der letzten Stunde klingelte, lehnte sich Akira
gähnend zurück.
/Endlich wieder Wochenende! Ob ich was mit Takeru unternehmen könnte...?/
Auf eine solche Frage antworte dieser aber leider mit einem Kopfschütteln.
"Meine Alten schleifen mich dieses Wochenende zu meinen Großeltern... Nichts zu
machen, sorry!"
"Schon okay..." Ein bisschen geknickt packte Akira seine Sachen zusammen und
verließ dann das Schulgebäude.

Draußen blinzelte er erst mal gegen die grelle Sonne an. Trotz der eher
winterlichen Temperaturen konnte man die Sonnenstrahlen spüren.
Sich Gedanken über sein Wochenende machend schlenderte Akira Richtung
Zuhause... dieses Mal durch den Park.
Diesen Weg nahm er normalerweise nicht, weil es im Gegensatz zu dem anderen ein
kleiner Umweg war, aber heute hatte er zu Hause ja nichts zu verpassen.
Nachdenklich lief er den Kiesweg entlang.
/Irgendwie hab ich keinen Bock Hideo anzurufen und zu fragen, was sie dieses
Wochenende machen. Wie würde das denn aussehen? Sonst rede ich kein Wort mit
ihm, aber wenn mir langweilig ist, komme ich angekrochen, damit sie mich
beschäftigen. Nein danke!/
"Hallöle!"
Verdutzt blieb Akira stehen. Vor ihm war ein gutgebauter Jugendlicher auf den
Weg getreten. Akiras erster Gedanke war /Nee, nicht mein Typ!!!/ und dann /Was
der wohl will?/
"Du bist doch dieser Akira, oder?"
/Woher kennt der meinen Namen? Hab ich was verpasst???/
"Nehmen wir mal an, ich wäre dieser Akira, was würdest du dann bitte schön
von mir wollen?", gab Akira giftig zurück - ein bisschen zu giftig vielleicht.

"Ach, wir wollten nur ein bisschen mit dir plaudern!", meinte der andere << zu
>> gutgelaunt.
Erst jetzt fielen Akira die anderen Jungs auf, die hinter dem Gutgebauten
standen.
Akira musste schlucken.
/Wie jetzt...???/
"Ah ja, und worüber wollt ihr reden? Ich wüsste nicht, was ich mit << euch
>>..." Akira spuckte dieses Wort förmlich aus. "... zu bereden hätte!"
"Na, wer wird denn gleich so unfreundlich sein? Wenn du mit diesem Hideo reden
kannst, kannst du das doch wohl auch mit uns?"
/Hideo...? Was hat der denn mit denen zu tun?/
"Hideo?"
"Ja, Hideo! Den kennst du doch! Der Schwanzlutscher, der sowieso alles nimmt was
männlich ist und zwei Beine hat! Mit dem hängst du doch zur Zeit öfters mal
ab... Sicher hat er dich auch..."
"Jetzt mach mal halb lang!", unterbrach Akira die Ausführungen des anderen.
"Hideo hat hier mit jetzt gar nichts zu tun. Also lass ihn bitte aus dem
Gespräch raus!"
"Och, süüüß! Jetzt nimmst du den auch noch in Schutz! Lass mich raten, er
hat dich auch verschwult?"
"Wieso? Dich auch???", gab Akira bissig zurück.
"Willst du sagen, ich sehe schwul aus, oder was?" Der Fremde machte einen
Schritt auf Akira zu, doch dieser blieb tapfer stehen.
/Also, Hideos Freunde sind das schon mal nicht... Woher wissen die, dass ich mit
ihm öfters mal zusammen bin... äh... war???/
Akira ließ diese Frage unbeantwortet im Raum stehen.
"Also, nun mal Klartext! Was wollt ihr von mir?"
"Das sagte ich doch schon, uns mit dir unterhalten. Wir können es doch nicht
zulassen, dass dieser Arschficker alle Jungs an unsere Schule an sein Ufer
zieht. Der verbreitete das ja wie eine ansteckende Krankheit!"
"Und was hast du vor da gegen zu tun?"
"Erst mal dich zu bekehren, und dann Hideo was zu erzählen!"
Die anderen aus der Clique des Fremden begannen Akira einzukreisen.
"Ah ja... bekehren... und wie soll das aussehen?", gab Akira zurück, das Beben
in seiner Stimme erfolgreich unterdrückend.
/Toll, was mach ich jetzt???/
"Ich sag bloß Gehirnwäsche! Ihr Homos seid doch echt krank. Sowas
abnormales..."
"Dann solltest du machen, dass du weg kommst, bevor wir dich anstecken!"
Das kam jetzt aber nicht von Akira.
Als der Fremde das registrierte, drehte er sich erschrocken um... und blickte in
das ernste Gesicht von Kim.
Dieser hatte eine Hand in die Hüften gestemmt und begutachtete das Geschehen.
"Kim...! Was geht dich das an?", gewann der Fremde seine Fassung wieder.
"Ich mag es nun mal nicht, wenn man meine Freunde zutextet. Und schon gar nicht,
wenn es auch gegen mich geht!" Kim klang ernstlich sauer.
"Ach, halt dich raus! Verzieh dich oder wir machen auch dich fertig!"
"Also, bisher habt ihr bloß blöd rumgelabert! Und vergiss bitte nicht, dass
hier ist unser << Revier >> wenn ich das mal so nennen darf..."
"Wer sagt das?"
"ICH! Und jetzt zieht Leine!!!"
Irgendwie schien der Fremde Kim zu kennen und wollte es nicht auf einen Streit
anlegen. Also drehte er sich ein letztes Mal zu Akira um und zischte
gefährlich:
"Das nächste Mal kriegen wir dich! Wir haben es nämlich nicht gern, wenn wegen
euch blöden Schwuchteln der Ruf der echten Männer in Gefahr kommt!"
Dann deutete er mit einem Nicken seinen Freunden an, dass sie sich zurück zogen
und war genauso schnell verschwunden, wie er aufgetaucht war....
Erleichtert blickte Akira seinen älteren Freund an.
"Arigatou!"
"Schon okay, aber lass dich mit Shingo und seinen Leuten besser nicht ein. Die
haben nicht viel Gehirn und lösen alles durch bloße Muskelkraft. Und sie
gehören zu den Leuten, die mächtig intolerant sind und uns für abnormal
halten..."
"Ja, das hab ich gemerkt..." Akira senkte den Blick.
"Ach, mach dir nichts draus. Solche gibt es immer, da können wir nichts machen!
Solange du dich von denen fern hältst, kann dir nichts passieren..."
"Werd ich mir merken..." Neben Kim herlaufend setzte er seinen Weg fort. Zwar
wurmte ihn die Frage, warum diese Typen solchen Respekt vor Kim hatten und was
es mit den sogenannten << Revieren >> auf sich hatte, aber die Frage danach
schluckte Akira lieber runter.
Er wollte den Tag nicht mit so was unerfreulichem verbringen, schon gar nicht,
weil das wohlbekannte Kribbeln in seiner Magengegend mit Kims Erscheinen auch
wieder aufgetaucht war!
Kim hielt plötzlich inne und ließ sich auf einer der vielen Holzbänke nieder.

"Hast du was vor oder bleibst du noch ein wenig bei mir?", fragte Kim
zuckersüß, während er schon nach Akiras Hand griff, eine Absage nicht
akzeptierend.
Ohne Widerwillen ließ sich Akira auf die Bank ziehen.
"Nö, eigentlich habe ich nix vor!"
"Guuut, dann bin ich ja nicht mehr so alleine hier..."
"Was treibst du eigentlich hier?", wollte Akira wissen.
"Ach, ich warte auf wen, den ich vielleicht kenne. Zu Hause war es
langweilig..." Theatralisch seufzend lehnte sich Kim gegen Akira und bettete
seinen Kopf an dessen Schulter.
"Ah ja... so ist das also...", grinste Akira und schmiegte sich nun seinerseits
bei dem anderen an.
Dieser sah das Einladung und erhaschte sich schnell einen Kuss. Erst war Akira
total gefangen, dann fiel ihm aber ein, wo er sich befand und er löste seine
Lippen von denen des anderen.
"Was'n los?", kam es von Kim.
"Ähm... können wir nicht wo anders hingehen? Ich fühl mich hier so
beobachtet!" Akira ließ seinen Blick umherschweifen, Kim tat es ihm gleich.
Doch nirgends war auch nur eine Menschenseele zu erblicken.
"Ach ja? Beobachtet?", fragte Kim neckend.
Doch Akira verdrehte nur die Augen. "Entweder wir gehen zu mir oder wir lassen
es, okay?"
"Nun werd doch nicht gleich zickig!"
"Ich werd nicht zickig!", quietschte Akira empört auf.
"Doch, wirst du!", meinte Kim resignierend und erhob sich, den leicht
schmollenden Akira mit sich hoch ziehend. "Okay, dann lass uns zu dir gehen. Ich
wollte schon immer mal sehen, wo du wohnst!", gab sich Kim geschlagen.
Erleichtert grinsend machten beide sich auf den Weg...

Beeindruckt blickte Kim sich in der großen Eingangshalle um. Aber noch bevor er
etwas sagen konnte, hatte Akira sich schon seine Hand geschnappt und ihn nach
oben gezogen.
"Ah ja, und das hier ist also dein Zimmer!?", stellte Kim überflüssigerweise
fest.
"Hai..."
"Nicht schlecht..." Kim ließ seinen Blick musternd durch den Raum wandern und
blieb dann an Akiras Bett hängen. Grinsend schritt er zu dem großen Futon und
ließ sich darauf fallen.
Testweise federte er auf der Matratze und meinte dann schnurrend:
"Ein schönes Bett hast du! Was sich da drauf so alles machen lässt!" Zufrieden
seufzend ließ er sich zurück fallen.
Akira, welcher bei genaueren Vorstellungen rot wurde, beeilte sich zu seinem
Freund zu kommen. Vorsichtig legte er sich neben ihm aufs Bett und beobachtete
verträumt, wie sich die Brust des anderen unter dessen Atemzügen hob und
senkte.
/Kim sieht echt zum Anbeißen aus. Der könnte sicher einen Freund haben! Wer
weiß, mich scheint er ja ganz gerne zu mögen. So oft, wie er um mich herum
ist. Hm... vielleicht bedeute ich ihm ja echt ein bisschen mehr, als zum
Beispiel Hideo... Hideo... Warum hat der wohl so eine schlechte Meinung von Kim?
Zu mir ist er immer freundlich gewesen... mehr noch... ach, ich versteh Hideo
einfach nicht. Ich dachte echt er freut sich für mich, wenn ich mich mit einem
anderen Jungen gut verstehe, aber nein, er versucht dazwischen zu gehen...
Kompliziert.../ Deprimiert seufzte Akira auf.
Sofort öffnete der Blauhaarige neben ihm die Augen und drehte fragend den Kopf.

"Was'n los?"
Doch Akira winkte kopfschüttelnd ab. "Nichts..."
"Dann ist ja gut...", ging Kim nicht näher auf Akiras Verhalten ein und
rutschte ein wenig dichter zu diesem ran, sodass er mit der Brust an Akiras Arm
lag.
"Wo haben wir vorhin eigentlich aufgehört?" bewusst beiläufig kam diese
einfache Frage über Kims Lippen, was Akiras Augen zum Leuchten brachte.
/Hach, Kim muss mich einfach mögen!!!/
"Hier haben wir aufgehört...", hauchte Akira lasziv und zog den Älteren auf
sich rauf, seine Lippen auf die des anderen pressend.
Sofort erwiderte Kim den Kuss und erneut begannen ihre Zungen ein stummes Duell
auszufechten. Während sie sie aneinander rieben, drehte sich Kim so, dass er
über dem Kleineren kniete, den Kuss aber nicht unterbrechend. Sanft machte er
sich von Akiras Armen, die um seinen Nacken geschlungen waren, los und
dirigierte sie so, dass sie über dessen Kopf lagen, wo er sie mit einer von
seinen festhielt.
Erstaunt über die neue Position unterbracht Akira den Kuss, kam aber nicht
weiter zum Nachdenken, da Kim seine andere Hand nun auf Wanderschaft über
Akiras Körper schickte. Das Streicheln, Tasten und Reiben brachte Akira dazu
keinen klaren Gedanken zu fassen.
Dort wo er Kims Hand spürte, schien sein Körper in Flammen zu stehen. Schnell
hatte der Ältere Akiras T-Shirt nach oben geschoben und begann mit seinen
flinken Fingern über dessen Brustwarzen zu streichen und den Bauchnabel zu
liebkosen.
Der Jüngere fing an sich unter den fordernden Händen zu winden, aber nicht aus
Widerwillen, sondern weil es ihn so erregte.
Seine über dem Kopf zusammen gehaltenen Hände völlig vergessend, beugte er
den Rücken durch, streckte seinen Körper der weichen Hand entgegen. Kims
unnatürlich kalte Finger hinterließen ein Prickeln auf Akiras Haut und trieben
diesen damit fast in den Wahnsinn.
Der einzige Gedanke den er fassen konnte war, /Seit wann können so einfach
Berührungen so erregen?/
Genießend schloss er die Augen, auch wenn er sich gerne an dem << Gefummel >>
beteiligt hätte. Doch der Ältere ließ ihn gar nicht erst dazu kommen, noch
immer hielt dieser seine Hände fest.
In Gedanken verfolgte er die unsichtbaren Linien, die Kim auf seinen Körper
malte:
Am Schlüsselbein beginnend, erst zur linken Brustwarze, welche er liebevoll ein
paar Mal umkreiste, dann zur Rechten, welcher die gleiche Prozedur zu teil
wurde. Dann wanderten die hauchzarten Finger weiter runter, zeichneten den
Bauchnabel nach und fingen dann an, sich an Akiras Hose zu schaffen zu machen.
Als der Jüngere das merkte, öffnete er überrascht die Augen. Unsicher
kämpfte er seine Hände los und griff nach der tastenden von Kim.
"Hey... Nicht so schnell!", wies er den anderen in seine Schranken. Dieser
blickte ihn nur flüchtig an, versenkte dann aber wieder hungrig seine Lippen
auf denen des Jüngeren, wie um diesen vom Gegenteil zu überzeugen.
Akira erwiderte erst zögernd, dann aber genauso lustvoll den Kuss, und öffnete
dann seinerseits das Hemd von Kim, langsam, genussvoll, Knopf für Knopf.
Als dieser ihm schon helfen wollte, wehrte er dessen Hand bestimmt, aber
trotzdem liebevoll ab und unterbrach den Kuss.
"Geduld! Warum hast du es denn so eilig?"
"Bei so einem schönen Körper wie deinem, kann man doch gar nicht ruhig
bleiben. Es ist eine Qual ihn zu sehen, aber nicht so berühren zu dürfen, wie
man es gerne wollte...", wisperte der Angesprochene ziemlich außer Atem und
blickte Akira dann tief in die grünen Augen.
/Als ob er mich gleich verschlingen würde.../
Als wenn der Blauhaarige seine Gedanken gelesen hätte, versenkte er seinen Kopf
in Akiras Halsbeuge und küsste sich dort immer wieder auf und ab.
/Das kitzelt.../
Kichernd wand sich der Jüngere unter den Berührungen des anderen, welcher
darauf anfing mit der Zunge immer wieder über die soeben geküsste Haut zu
streichen.
/Ich komme hier irgendwie gar nicht zum Zug!/
Von diesem Gedanken ein wenig verstimmt drückte er Kim ein Stückchen von sich
weg und rollte sich dann energisch so hin, dass nun er oben lag.
"Nun bin ich aber mal dran...!", rief er den anderen zur Ordnung.
Dieser ließ sich das nicht zwei Mal sagen und blieb still liegen, gespannt auf
das was kommen mochte. Mit flinken Fingern streifte Akira ihm erst Mal das Hemd
endgültig ab und ließ es achtlos neben das Bett fallen. Dann wiederholte er
das gleiche Spiel, das auch Kim bei ihm getrieben hatte.
Er küsste sich sanft von einer Brustwarze zur anderen, nahm sie leicht zwischen
die Lippen und strich zärtlich mit der Zungenspitze über die schon harten
Nippel. Dann begann er sich nach unten vorzuküssen, was Kim mit einem rauen
Stöhnen quittierte. Deutlich konnte Akira die Beule in dessen Hose spüren.
Am Ansatz der Hose angekommen, hielt er inne. Weiter wollte er eigentlich nicht
gehen, zumindest nicht mit der Zunge.
Irgendwie war ihm der Gedanke, es Kim mit dem Mund zu besorgen, unangenehm. Doch
dieser schien genau das zu wollen und drückte Akiras Kopf ein wenig tiefer, als
er das Zögern des Jüngeren merkte.
Dieser riss erschrocken den Kopf hoch und sah in die vor Lust verschleierten
Augen des anderen. Dann meinte er leise und entschuldigend:
"Sorry, dass mach ich eigentlich ni..." Doch bevor er aussprechen konnte, hatte
Kim sich wieder so rum gerollt, dass Akira erneut unten lag.
"Ach, Süßer... Mach dir nichts draus! Ich versteh das!", versuchte Kim das
Thema zu beenden, aber seine Augen sagten deutlich, dass er es vielleicht
verstand, aber es ihn trotzdem störte...
/Zum Glück zwingt er mich nicht dazu... aber das würde Kim schon nicht
machen.../
Bevor Akira noch irgendwas sagen konnte, war er auch schon seine Hose los,
welche leise raschelnd neben Kims Hemd landete, gefolgt von Akiras T-Shirt.
Mit einem lüsternem Blick streifte Kim über das eben freigelegte Fleisch und
strich sanft, aber bestimmt, über die Innenseite von Akiras Schenkel und
anschließend über die immer größer werdende Beule in dessen Boxershorts.
Kritisch betrachtete er den Stoff, der ihn noch immer von Akiras Erregung
trennte und zupfte ungeduldig an dem Bündchen.
Doch erst als der Schwarzhaarige sein Einverständnis gab, indem er Kims Hand
erneut dort hin führte, entledigte er ihn von diesem Hindernis. Nun war
wirklich nicht mehr zu übersehen << wie >> erregt der Jüngere war.
Kim berührte neckend die Spitze von Akiras Männlichkeit, was diesem ein
unterdrücktes Aufstöhnen entlockte. Kims Berührungen taten so gut...
Deutlich konnte er spüren, wie sich dessen Hand kräftig um sein pulsierendes
Glied schloss und anfing es in schnellem Tempo zu streicheln... bis Akira sich
nach wenigen Augenblicken nicht mehr halten konnte und hell stöhnend in Kims
Hand kam. Dieser hob sie zum Mund, um die weißen Spuren die der Jüngere
hinterlassen hatte, zu beseitigen.
Fasziniert beobachtete Akira wie Kims warme weiche Zunge in schnellen Bewegungen
über dessen Hand fuhr, was den Jüngeren erneut erregte. Sein eben erschlafftes
Glied begann wieder steif zu werden, was Kim mit einem gurrendem Lachen
quittiert.
"Na, so schnell bekommst du wohl nicht genug...", neckte der Ältere. Dann
suchten seine Lippen abermals die von Akira und er begann seine Erregung an der
wieder wachsenden des Kleineren zu reiben.
Als dieser wieder vollkommen hart war, löste Kim seine Lippen von denen des
anderen und drehte ihn so, dass er sich zwischen seine Beine sinken lassen
konnte.
Als Akira begriff, was der Ältere da vor hatte, musste er erst einmal ein
ungutes Gefühl bekämpfen, welches er dann aber mit dem Argument, dass er es ja
schließlich auch wollte, zurückdrängte.
Dann vernahm er Kims weiche Stimme: "Süßer? Darf ich?"
/Wow! Er fragt sogar noch! Kim ist einfach nur -schnurr-/
So ein ähnliches Geräusch musste der Überraschte dann auch von sich gegeben
haben, denn Kim schien das als Zustimmung zu genügen und der Jüngere konnte
spüren, wie er seine Erregung gegen Akira drückte.
/Ohne vorbereiten....?/ Doch dieser Gedanke wurde von einem reißendem Schmerz
durchbrochen und Akira keuchte gepeinigt auf. Doch Kim küsste nur flüchtig
seine Lippen und drängte sich leise "Es wird gleich besser!" flüsternd weiter
in ihn.
Akira, dem schon die Tränen in den Augen standen, versuchte sich so wenig wie
möglich zu bewegen und wurde erst wieder etwas lockerer, als Kim anfing sein
vernachlässigtes Glied ablenkend zu streicheln.
Damit wurde es dann ein wenig erträglicher und nach einer, Akira fast endlos
vorkommenden Zeit, ließ der Schmerz langsam nach und verwandelte sich in das
kribbelnde Gefühl, dass er auch schon bei Hideo verspürt hatte.
/Nur, dass es bei Hideo schöner und stärker war.. und es hat nicht so verdammt
weh getan!!! ... Aber was denke ich jetzt an Hideo? Ach, warum denke ich jetzt
überhaupt...???/ Abschaltend gab er sich ganz seiner Lust hin, auch wenn er
immer noch ein leichtes Gefühl von Schmerz verspürte.
Kim gab einen schnellen Rhythmus vor, indem er sich manchmal fast gänzlich aus
Akira zurück zog, dann aber leise keuchend wieder in ihn hinein stieß.
Irgendwann hatte Akira angefangen sich diesem Rhythmus anzupassen und gab nun ab
und an stöhnende Laute von sich, bis er Kim plötzlich Aufstöhnen hörte und
merkte, wie er sich in ihm ergoss.
Kurz darauf kam auch Akira zum zweiten Mal an diesem Abend und Kim zog sich
vorsichtig aus ihm zurück.
Erschöpft rollte Akira sich in den Armen seines großen Freundes zusammen und
bettete seinen Kopf auf dessen Brust.
"Das war gar nicht mal so schlecht...." Kims Worte nahm er nur noch ganz
undeutlich wahr, jedoch kamen sie ihm fehl am Platz vor und verpassten ihm einen
Stich, doch bevor er sich weiter darüber Gedanken machen konnte, war er auch
schon eingeschlafen...

... Irgendwann, Akira sah keinen Grund auf die Uhr zu gucken, wurde er
unfreiwillig wach, als sich neben ihm etwas regte. Es nicht beachtend, rollte er
sich wieder zusammen und schlummerte zufrieden weiter...


Kapitel 16: Hideo

Fröstelnd schlang Akira seine Arme um seinen Oberkörper.
/Man, ist das hier kalt.../
Bibbernd grabbelte er nach seiner Bettdecke, konnte diese aber leider nicht
finden...
/Mhm... wo hat Kim die denn hingewühlt...?/ Dann stockte er. /Kim...?/
Tastend langte er neben sich, fasste jedoch ins Leere.
/Was...?/ Verwundert öffnete er die Augen, um sich in seinem Zimmer
umzublicken.
Leer. Kein Kim. Nicht ein mal etwas, das auf die Anwesenheit des älteren Jungen
gestern, hinwies. Verdutzt setzte Akira sich auf.
/Hat das alles gar nicht stattgefunden?/ Die Stirn krausziehend schwang er die
Beine aus dem Bett, eine feine Gänsehaut überzog seinen nackten Körper.
Wieder wägte er den Gedanken ab, ob dass alles nur ein Traum gewesen ist. Doch
sein schmerzender Hintern bewies ihm das Gegenteil.
/Ah, hätte er nicht ein bisschen vorsichtiger sein können? Hideo war da ganz
anders. Ach, warum denke ich gerade jetzt an Hideo? Ich hab gerade mit Kim
gepoppt, nicht mit ihm!!!/, rief er sich innerlich zur Ordnung, fügte dann aber
mit einem Seufzen hinzu: /Hideo war aber viel besser. Der war zärtlich und hat
sich Zeit gelassen, es genossen. Bei Kim war es am Ende ja nur noch ein
einfaches rein und raus... und nun ist er auch noch weg!/
Unzufrieden grummelnd vergrub er sein Gesicht in den Händen. Irgendwie hatte
Akira ein dummes Gefühl.
Gestern, da war ihm die Entscheidung mit Kim zu schlafen, so richtig
vorgekommen, aber jetzt...? Jetzt fühlte er sich gar nicht mehr so gut
dabei...
/Aber ich mag Kim doch echt gerne! Bloß warum ist der weg? Einfach abgehauen!
Ohne was zu sagen! Er hätte mich doch wecken können.../ Während er sich immer
noch Gedanken machte, stand er auf um sich duschen zu gehen.
/Wo ich schon mal wach bin, kann ich auch ein bisschen in den Park gehen. Ich
brauche frische Luft!!!/

30 Minuten später.
Seine Hände tief in den Jackentaschen vergraben, schlenderte Akira über den
sandigen Weg des Parks. Immer noch kreisten seine Gedanken um Kim... und leider
auch um Hideo.
/Warum komm ich mir jetzt so mies vor? Hideo und ich sind nicht zusammen. Nein,
wir sind nicht einmal in einander verliebt... oder zumindest er nicht in mich!
Er hat Darius! Aber ich... irgendwie kann ich nicht aufhören für ihn zu
schwärmen. Und ich dachte, wir könnten gute Freunde sein. Aber das ist so
schwer, wenn ich immer gleich schlechte Laune bekomme, sobald ich ihn mit 'nem
Kerl sehe! Ach, das ist schlimm!/
Den Blick auf den Boden gesenkt, beschleunigte er seine Schritte, irgendwie
musste er seinen Kopf frei kriegen, nur wie?!
Unfreiwillig schweiften seine Gedanken wieder zu Kim.
/Wo der wohl hin ist? Nicht gerade nett, einfach so abzuhauen! Hm... der hatte
es gestern aber eilig... seltsam! Ich finde es langsam viel schöner... so wie
mit Hideo... Ach, nicht an Hideo denken... Oder hab ich gestern nur mit Kim
geschlafen, weil ich mir beweisen wollte, dass mir Hideo nichts bedeutet und ich
ihn nicht brauche? Falls das so sein sollte, hat es eher das Gegenteil gebracht.
Ich vermisse Hideo um so mehr... K'so! Das ganze Rumgegrübel bringt nichts!/
Als Akira seinen Blick wieder nach vorne richtete, staunte er nicht schlecht.
Nur wenige Meter von ihm entfernt stand ein nur zu gut bekannter blauhaariger
Junge.... gerade damit beschäftigt, seine Zunge in den Rachen eines älteren
Kerls zu schieben. Akira musste Luft holen.
/Ach, deshalb ist er gegangen.../, dachte er bitter und setzte seinen Weg fort,
um nur vor Kim zum stehen zu kommen. Die Hände vor der Brust verschränkt,
räusperte er sich.
Nur widerwillig löste Kim sich von dem anderen Jungen - und guckte nicht
schlecht, als er plötzlich in das kalte Gesicht von Akira blickte.
Der Fremde sah verwirrt von einem zum anderen.
/Und ich mach mir Gedanken, warum er gegangen ist..../
Akira, der von einer Welle des Zorns erfasst wurde, setzte ein zuckersüßes
Lächeln auf und fragte mit liebreizender Stimme:
"Ach Kim, ich hab dich schon gesucht! Warum bist du denn so plötzlich aus
meinem Bett verschwunden?" Dann trat er fies grinsend auf den Blauhaarigen zu
und zog ihn zu einem leidenschaftlichen Kuss heran.
/Was wird wohl sein Freund dazu sagen?/
Kim hatte nicht die Kraft, um den Jüngeren von sich zu stoßen und fiel somit
in den Kuss ein. Schweratmend schaffte er es schließlich ihr Geknutsche zu
unterbrechen.
Erschrocken sah er in die Augen des Fremden, der ihn leicht verletzt ansah, dann
ein leises "Bis dann!" murmelte und geknickt dreinblickend verschwand.
Erst wollte Kim ihm nach eilen, doch dann drehte er sich vor Zorn bebend zu
Akira um. Dieser konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen!
/Das hab ich jetzt gebraucht! Argh! Seit wann bin ich denn so gemein?!/
"Sag mal, musste das jetzt sein???", herrschte der Ältere Akira an.
"Ähm... ja! Hab ich irgendwas falsches gesagt? Es entsprach doch alles der
Wahrheit! Warum bist du heute morgen plötzlich weg gewesen???"
Kim überlegte kurz, dann meinte er:
"Weil... weil ich noch einen Termin hatte!"
Akira lachte bitter auf. "Ja, das habe ich gesehen! Er sollte wohl dein Termin
sein, so wie ich es gestern war, oder was?"
Darauf sagte Kim erst gar nichts, dann erwiderte er sauer:
"Du benimmst dich wie ein Mädchen! Nun mach mir hier keine Szene!!!"
"Ich mach dir keine Szene!"
"Doch, das tust du - und zwar ganz übel!"
"Übel finde ich es bloß, dass ich langsam echt das Gefühl hab, du wolltest
mich einfach nur mal poppen und dann nie wieder mit mir reden!"
Stille. Es sah aus, als wenn Kim ein << Was hast du denn gedacht?! >> auf der
Zunge liegen würde, doch es kam nichts.
"Schön!" Bedeppert blickte Akira zu Boden. /Oh man.../ Als er den Blick wieder
hob, sah er in das ernste Gesicht von Kim:
"Kann es sein, dass du ziemlich naiv bist?"
/Hat der das gerade wirklich gesagt? Okay, ich habs gedacht... aber er sagt es
so einfach...?!/ Akira schnappt nach Luft.
"Ja, scheint so. Ich hab mich echt getäuscht... Schade eigentlich...."
,"Jetzt sag nicht, du dachtest, ich will was ernstes mit dir anfangen?!"
Kim schien wirklich überrascht zu sein.
"Nee, dass vielleicht nicht, aber das ich dir ein bisschen mehr bedeutete, als
<< Ein Mal ficken, weiter schicken! >> hab ich schon gedacht!"
"Ich dachte, du kennst die Einstellung zu Sex, die in unserer Clique
herrscht..."
Darauf wusste Akira nun nichts zu sagen!
/Er hat ja Recht! Ich wusste, dass dort jeder mit jedem poppt, trotzdem hab ich
mir ein bisschen mehr versprochen... Scheint so, als wenn Hideo doch Recht
hatte, was Kim anbelangt, auch wenn ich das nur ungern zugebe.../
Ein schlechtes Gewissen überkam ihn.
/Und ich hab ihn so angemacht... Ob er noch mit mir redet...? Sollte ich mal
hingehen? Mich vielleicht... entschuldigen?/
Normalerweise war es nicht Akiras Art, jemandem hinterher zu laufen, aber dieses
Mal war er deutlich im Unrecht und hatte den andere, der ihm scheinbar echt nur
helfen wollte, mies behandelt... Er musste zu ihm. Das konnte er nicht im Raum
stehen lassen, dafür war ihm Hideo viel zu wichtig, das gestand er sich jetzt
ein.
/Auch wenn ich für ihn nie mehr als ein normaler Freund sein werde... aber
immerhin liegt ihm auch etwas an mir, an meiner Persönlichkeit.../
Unsicher hob er den Blick, den er bei Kims Satz zu Boden gesenkt hatte... und
musste feststellen, dass der andere ihn anstarrte.
/Wartet der auf was...?/
"Ist was?", motzte Akira unfreundlich.
"Wow! Ganz ruhig bleiben! Ja, es ist was. Ich warte jetzt auf 'ne Reaktion von
dir! Ich konnte ja nicht wissen, dass dir das von gestern so nahe geht! Ich
dachte du wolltest auch nur deinen Spaß!" Ratlos zuckte der Blauhaarige mit den
Schultern.
/Spaß... Ja, den hatte ich.../ Schmerzlich verzog Akira das Gesicht. Kim zog
die Stirn kraus.
"Hätte ich gewusst, dass du so reagierst, hätte ich es gelassen! Echt!"
"Klar!", entgegnete Akira und es war deutlich herauszuhören, dass er Kim seine
Worte nicht glaubte.
"Wirklich! Ich verletze Freunden doch nicht absichtlich..."
"Ja ja..." Akira wandte sich zum Gehen.
"Wohin willst du?", rief Kim ihm aufgebracht hinterher.
Ein leises "Zu Hideo..." war zu hören.
"Hideo...?!", verblüfft hielt Kim inne.
"Ja, Hideo...." Kam es schwach von dem Jüngeren, "... ich hab noch was mit ihm
zu klären!" Dann beschleunigte er seine Schritte, Kim alleine zurück
lassend...

/Irgendwie scheint bei mir ne Menge schief gegangen zu sein..../ Verzweifelt
steigerte Akira sein Tempo noch.... nur um über irgendein Hindernis zu
stolpern.
Dieses Hindernis stellte sich als ein Bein heraus, das ihm gestellt worden war.

"Wohin denn so eilig, Arschficker?"
Die Stimme kannte Akira doch.
/Shingo!/
Schnell erhob er sich wieder, um dem Störenfried eisig in die Augen zu blicken.

"Was ist? Nerv nicht rum!", meinte mies gelaunt - und bereut es darauf gleich
wieder.
"Auch noch frech werden? Ich will dir nur mal was sagen, dass hier ist unser <<
Revier >>, um es mal mit Kims Worten auszudrücken, was anderes scheinst du ja
nicht zu verstehen!"
Akira schluckte.
/Was jetzt?/
Doch ihm fiel nichts ein. Weglaufen kam nicht in Frage, denn kaum das er sich
versah, war er wieder eingekreist. Ratlos drehte er sich im Kreis.
"Tja, Schwuchtel! Kein Ausweg, wie du siehst! Vielleicht zeigt unsere
Gehirnwäsche ja noch Wirkung bei dir!"
Damit machte Shingo einen Schritt auf den Jüngeren zu und riss ihn grob an der
Schulter herum.
Akira keuchte überrascht auf und kämpfte mit seinem Gleichgewicht, das er auf
keinen Fall verlieren wollte.
Doch kaum hatte Shingo den Anfang gemacht, stürzten sich auch die anderen aus
der Clique auf ihn. Zuerst konnte Akira sich ja noch einigermaßen verteidigen
und wich Schlägen und Tritten aus, schlug sogar mal zurück, aber es waren doch
zu viele.
Immer mehr litt seine Deckung und irgendwann erwischte ihn ein Schlag zu hart in
der Magenkuhle. Ächzend sank er zu Boden, nicht in der Lage sich oben zu
halten.
Was dann kam, konnte Akira im Nachhinein nicht mehr genau sagen. Sobald er am
Boden lag, hagelten die Schläge und Tritte nur so auf ihn nieder, dass er kaum
zum Atmen kam.
Schützend versuchte er, mit den Armen sein Gesicht zu verdecken, doch gegen
diese Übermacht half auch das nicht viel.
/Und alles bloß weil ich auf Jungs stehe...?/ Akira verstand die Welt nicht
mehr. Was ging diese Typen das an, mit wem er ins Bett stieg. Die sollten doch
froh sein, dass Akira ihnen keine Mädchen wegschnappte. Aber nein, sie wollten
ihn << bekehren >>.
Das war alles zu hoch für den Jüngeren. Wie konnte man bloß so intolerant
sein?!
/Aber vielleicht hab ich es auch verdient...? Nach der Aktion mit Hideo und
Kim...!/ Gebrochen hielt er still.
Doch irgendwann hörte Akira auch auf zu denken. Wehrlos lag er am Boden und
ließ sich treten und schlagen. Warte, dass es vorbei war. Dämmerte in einen
Zustand zwischen Ohnmacht und Wachsein weg, nur immer wieder durch den Schmerz
in die Gegenwart gerissen. Doch auch der wurde bedeutungslos.
Irgendwann hörte es auf. Akira konnte nicht sagen wann, geschweige denn warum.
Sicher hatten sie Angst bekommen, weil er sich nicht mehr geregt hatte.
Hatten Angst, dass er nicht mehr aufwachen würde, dass sie ihm irgendwas
wichtiges - lebenswichtiges - gebrochen hatten. Doch Akira war noch da, wartete
nur darauf, dass sie sich verziehen würden.
Als er keine Schläge und Tritte mehr spüren konnte und auch das Stimmengewirr
über ihm verstummt war, öffnete er vorsichtig die Tränen verklebten Augen,
blinzelte unsicher in alle Richtungen, erleichtert, als er niemanden erblicken
konnte.
Zu dieser Mittagszeit, war kaum jemand im Park. Was eigentlich ungewöhnlich
war.
/Vielleicht liegt es am Wetter. Keine Sonne, die scheint. Nur ein stetiger
Nieselregen, der unaufhörlich den Boden befeuchtet. Bei so einem Wetter würde
ich auch drinnen bleiben... Aber ich muss noch zu Hideo. Das klären. Dann kann
ich nach Hause gehen. Musik hören. Träumen. Schlafen. Abschalten./
Müde schleppte er sich hoch, sein Gedanke, sich bei Hideo zu entschuldigen war
der einzige Antrieb, den er jetzt noch hatte. Am liebsten hätte er sich
irgendwo hier hingepackt und hätte geschlafen. /Mir tut alles weh!/
Irgendwo an seinem Kopf konnte Akira es pochen spüren. Als er danach tastete,
verspürte er einen brennenden Schmerz. Blut klebte an seiner Hand, vermischt
mit Dreck.
/K'so. Ob Hideo wohl ein Pflaster für mich hätte?/ Bei diesem Gedanken musste
Akira kichern. /Ich kann froh sein, wenn er noch mit mir redet, so ungerecht wie
ich zu ihm war.../
Eher taumelnd als gehend setzte er seinen Weg fort, ab und zu vor Schmerz
aufkeuchend.
Noch nie war ihm der Weg zu Hideo so lang vorgekommen.
Als er endlich die Wohnung seines Freundes erblickte, versuchte er eilig noch
einen Schritt schneller zu gehen. Doch das ließ er schnell wieder sein. Seine
Beine schmerzten höllisch.
/Ob er mich so überhaupt zu sich rein lassen wird?/
Vor der Wohnungstür angekommen, drückte er ungeduldig den Klingelknopf. Nichts
geschah. Erneut presste er seinen Finger auf den kleinen weißen Knopf. Leise
konnte er das schrille Klingeln hören, aber keiner öffnete die Tür.
/Er ist nicht da? Gut, dann warte ich halt hier.../ Müde rutschte Akira an der
Wand herunter und schloss, den Kopf nach hinten lehnend, die Augen...

... Zum wiederholten Male an diesem Tag schweiften Hideos Gedanken zu Akira.
Seit der Jüngere nicht mehr mit ihm redete, vermisste Hideo ihn irgendwie. Die
Nacht hatte er mit Darius verbracht, doch auch der konnte Hideo nicht von seinen
Gedanken an den jungen Schwarzhaarigen abbringen, auch wenn er es mit allen
Mitteln versucht hatte - mit allen!
Ein schlechtes Gewissen gegenüber Darius hatte Hideo schon. Nicht, dass ihm
seine Zärtlichkeiten nicht gefallen hätten, aber so richtig bei der Sache war
er trotzdem nicht gewesen. Immer wieder sah Akira vor sich.
Hideo seufzte laut. Wenn der Kleine wüsste, was für Kopfschmerzen er ihm
bereitete.
Kopfschüttelnd bog er um die letzte Ecke, die ihn noch von seiner Wohnung
trennte, und blieb vor Schreck bewegungslos stehen.
"Akira!"
Die zusammengesunkene Gestalt reagierte nicht. Nicht schon wieder, war der
einzige Gedanke den Hideo fassen konnte, dann begann er zu rennen...
Ein wenig außer Atem hielt der Ältere vor dem zusammengekauerten Jungen. Doch
als er ihn an den Schultern wach rütteln wollte, stockte er. Erschrocken zog
Hideo seine Hände wieder zurück. Akira sah schrecklich aus.
Er war mit Dreck beschmiert und ein Teil seiner Sachen zerrissen. Doch das
schlimmste waren die ganzen Schürf- und Platzwunden, die ihn übersäten. Und
Hideo konnte nur einen geringen Teil von Akiras Haut sehen, er wollte gar nicht
wissen, was sich unter der Jacke verbarg. Doch als er die größte aller Wunden
entdeckte, zog er zischend die Luft ein.
Aus der großen Platzwunde an der Schläfe sickerte immer noch Blut hervor, auch
wenn der Blutfluss langsam zum Stillstand zu kommen schien. Die ganze rechte
Seite von Akiras Gesicht war Blut verschmiert. Der Jüngere sah aus, als wenn er
unter ein Auto gekommen wäre.
Den Gedanken an innere Verletzungen schob Hideo absichtlich beiseite, daran
wollte er jetzt erst gar nicht denken. Immer wieder musste er Panikattacken
niederkämpfen. Sich innerlich ermahnen, Ruhe zu bewahren. Doch eins wusste
Hideo bei dem Anblick, der sich ihm da bot, genau:
Für diesen normalerweise aufgeweckten, schwarzhaarigen Jungen mit den
wunderschönen katzengrünen Augen, der jetzt so verloren aussah, empfand er
mehr, als er sich bisher eingestehen wollte. Es zerriss ihm das Herz, wenn er
den sonst so herrlich aussehenden Jungen, so verletzt vor sich sah.
Mit pochendem Herzen beugte er sich zu ihm herunter, legte zart eine Hand auf
die Wange des immer noch bewusstlosen Jungen.
Sanft sprach er ihn an:
"Kleiner...?"
Keine Antwort.
"Hey, Kleiner!"
Dann begannen die Augenlider des Jüngeren leicht zu flattern und er öffnete
die Augen. Sein verschleierter Blick traf Hideos Gesicht, doch so wirklich
schien er nicht zu wissen, was er sah. Dann begannen sich die Augen zu klären,
und Akira lächelte schwach.
"Hideo..." Seine Stimme klang brüchig.
"Kleiner!" Am liebsten hätte der Ältere Akira jetzt in die Arme geschlossen,
aber immer noch wagte er es nicht, ihn zu berühren.
"Ich.... muss mal mit dir reden...", erklärte Akira seinen Erscheinungsgrund.
"Drinnen, Kleiner! Komm erst mal hoch!"
"Nein ..." Müde schob Akira die helfende Hand des anderen weg. "... gib mir
zwei Minuten, dann geh ich wieder. Ich will das bloß jetzt klären!"
Tapfer versuchte Akira sich zu erheben, schaffte es sogar, sich mit der einen
Hand an der Wand abstützend, oben zu halten. Doch Hideo schüttelte
protestierend den Kopf:
"Dann willst du wieder gehen? Das will ich sehen! Wetten du hältst dich keine
zwei Minuten auf den Beinen?"
Kampflustig blitzten Akira Augen auf, er hatte schon eine giftige Bemerkung auf
der Zunge, sprach diese dann aber doch nicht aus. Erstens war er hier um sich
bei Hideo zu entschuldigen, und nicht, um ihn noch mehr zu verstimmen. Und
außerdem musste er sich wohl oder übel eingestehen, dass der Ältere Recht
hatte.
Er konnte sich mal gerade ohne Hilfe auf den Beinen halten, den Weg nach Hause
würde er mit Sicherheit nicht mehr schaffen.
/Warum tut mir auch alles so weh? Ich hab mich doch früher schon öfters
geschlagen - obwohl es da ja auch nicht zehn gegen einen stand.../
Erschöpft lächelte er Hideo dann an, leise "Hast Recht!" nuschelnd.
Erschrocken riss der Ältere die Augen auf. Seit wann gab Akira so was
freiwillig zu? Der Jüngere musste wirklich mächtig am Ende sein.
Entschlossen schlang Hideo einen Arm um Akiras Taille und stützte den anderen
somit.
"Okay, dann lass uns rein gehen. Ich dachte, du hast mir noch was zu sagen!",
erinnerte Hideo ihn - mehr um ihn wach zu halten, als aus Neugier.
Eigentlich wollte er es gar nicht erst wissen, da es wohl sehr wichtig und ernst
sein musste, wenn Akira sich so hier her schleppte. Nervös kramte er in seiner
Jackentasche nach dem Haustürschlüssel, um ihn dann ungeduldig ins Schloss zu
rammen.
Zum Glück müssen wir jetzt keine Treppen steigen, das würde der Kleine nicht
überleben, war Hideos nächster Gedanke, als das Licht im Flur flackernd
anging.
Vorsichtig schleppte er den Verwundeten zu seiner Wohnungstür und öffnete dann
auch noch diese, um Akira in den Flur zu ziehen.
Selbstständig befreite sich der Jüngere von seinen Schuhen und seiner Jacke,
um dann mit zitternden Beinen in das Wohnzimmer zu torkeln.
Schnaufend ließ er sich auf der Couch nieder.
"Kleiner?" Hideos Stimme war ganz sanft und ließ den Jüngeren aufschauen.
"Denk bitte nicht, dass ich deine Situation ausnutzen will oder so, aber
hättest du was dagegen, wenn du dich ausziehst? Du bist ganz dreckig und deine
Sachen sind zerrissen. Und überall hast du Kratzer und Wunden und - " Hideo
holte Luft, bevor er gepresst hervor stieß. " - was ist passiert???"
"Ach ..." Akira begann sich zittrig sein T-Shirt über den Kopf zu ziehen. "..
nennen wir es eine Meinungsverschiedenheit!"
"Ja, du gegen eine ganze Football-Mannschaft!", wollte Hideo scherzen, merkte
aber an Akiras betroffenem Blick, dass er damit der Wahrheit näher kam, als ihm
lieb war. Schnell nahm er Akiras T-Shirt entgegen und half ihm die Hose von
seinen Beinen zu streifen.
Dann eilte er fort um kurz darauf mit einer Schüssel heißem Wasser und ein
wenig Verbandszeug wieder zu kommen. Wortlos fing er an Akira zu säubern und
ihn mit Pflastern zu versorgen. Kurze Zeit herrschte Schweigen, dann meinte
Hideo leise:
"Und was wolltest du mir nun sagen?"
"Ich..." Akira brach ab, dachte dann kurz nach und formulierte um: "Es tut mir
leid!"
Fragend wendete Hideo den Blick von dem malträtiertem Körper des Jüngeren ab
und sah ihm fragend ins Gesicht.
"Was tut dir leid?"
"Dass ich dich letzte Woche so angemacht hab! Du hattest Recht! Kim meint es
nicht ernst mit mir, er wollte mich einfach nur poppen und ich hab es gemerkt,
als es zu spät war..." Ein Seufzen.
"Hast du mit ihm...?", wollte Hideo wissen.
"Ja, hab ich... gestern..." gab Akira leise zurück - und fühlte sich
schmutzig. Jetzt wurde ihm stärker denn je bewusst, dass das nicht hätte
passieren dürfen. Doch es war nicht mehr zu ändern.
Trübsinnig blickte er auf den Boden. Erst das zarte über den Arm Streicheln
von Hideo brachte ihn wieder dazu, aufzublicken.
"Sieh es einfach als Erfahrung, die man gemacht haben sollte, auch wenn sie
schmerzhaft ist!" Hideos Worte waren ganz sanft.
Akira nickte. "Bist du mir noch böse?", unsicher klangen seine Worte durch den
Raum.
"Nein Kleiner, bin ich nicht! War ich eigentlich nie wirklich. Ich hab bloß
nicht verstanden, warum du letzte Woche so ausgetickt bist...."
/Erwartet er jetzt darauf eine Antwort? Soll ich ihm sagen wie es war...?/
Doch bevor er einen Entschluss treffen konnte, waren die Worte aber auch schon
über seine Lippen gekommen:
"Ich konnte es einfach nicht ertragen, dass du so viel mit Darius zusammen
warst! Wie gerne wäre ich bei dir gewesen, aber ich wollte mich bei euch nicht
aufdrängen. Ich war so was von eifersüchtig auf Darius - und das alles nur,
weil du mir ein bisschen mehr bedeutest, als die anderen. Ein großes bisschen
mehr!"
Nun war es raus. Wenn Hideo jetzt nicht verstanden hatte, was Akira meinte, dann
konnte er es auch nicht ändern.
Eine Weile passierte gar nichts, dann konnte Akira spüren, wie sich die warmen
Arme von Hideo um ihn schlangen, keine Rücksicht auf die Verletzungen nehmend.
Doch Akira störte sich nicht daran, sondern erwiderte genauso gefühlvoll die
warme Umarmung.
"Kleiner! Warum hast du denn nichts gesagt? Wir können doch über alles - und
damit meine ich alles - reden!", waren Hideos erste Worte, nachdem sich ihre
Umarmung wieder gelöst hatte.
"Ja, ich werde es mir merken!", gab Akira leise zurück.
Dann erhob sich der Ältere, klaubte sich die Decke, die immer auf der
Couchlehne lag und wickelte den Jüngeren darin ein.
"Ich geh uns einen Tee kochen. Du wartest hier!" Damit verschwand Hideo in der
Küche. Glücklich folgte Akira ihm mit seinen Blicken...
Als der Ältere in der Küche wirtschafte, überdachte er erst ein mal Akiras
Worte. Der Kleine hatte sie anscheinend so gemeint, wie er sie gesagt hatte. Er
bedeutete ihm also mehr als die anderen...
Dieser Gedanke verbreite ein Glücksgefühl in Hideos Körper, welches er zum
ersten Mal seit langem nicht versuchte zu unterdrücken, sondern es genoss...
Als er dann mit zwei dampfenden Tassen das Wohnzimmer erneut betrat, stahl sich
ein liebevolles Lächeln auf seine Lippen.
Akira lag zusammengerollte auf der Couch, in die warme kuschelige Decke
vergraben und schlummerte friedlich.
Leise stelle Hideo den Tee auf dem Couchtisch ab und ließ sich dann auf einem
der großen Sessel nieder. Teeschlürfend betrachtete er seinen kleinen,
schlafenden Freund....


Als dieser dann wieder die Augen aufschlug, herrschte im Zimmer eine seltsame
Stimmung:
Von draußen fiel durch den immer noch fallenden Regen gedämpftes Licht herein,
welches nur durch die kleine Leselampe in einer Ecke des Zimmers erhellt wurde.
Wohlig schloss Akira wieder seine Augen. Er konnte spüren wie sich in ihm eine
unbeschreibliche Ruhe ausbreitete. /Ich liebe Hideos Wohnung!/
Stumm horchte er auf die Geräusche, die von draußen und aus den anderen
Zimmern der Wohnung drangen. Draußen fuhr ein Auto vorbei, ansonsten waren die
Straßen ruhig. Auch in der Wohnung herrschte Stille, die nur von den leisen
Atemzügen Akiras durchbrochen wurden - und von denen einer zweiten Person.
/Also ist er noch hier - bei mir!/
Dieses Gefühl brachte Akiras Körper zum Kribbeln.
/Er hätte mich ja auch rausschmeißen können! Was er jetzt wohl von mir
denkt... Sicherlich hält er mich für schwach, weil ich meinen Gefühlen
nachgegeben habe, aber was sollte ich denn machen?! Es kam einfach so über
meine Lippen. Egal... Nun ist es raus. Vielleicht versteht er mich jetzt
besser.../
Langsam doch neugierig geworden, was Hideo machte, schlug Akira seine Augen
erneut auf - und musste feststellen, dass Hideos Blick auf ihm ruhte.
Als der Ältere bemerkte, dass Akira wieder wach war, schlich sich ein Grinsen
auf sein Gesicht: "Wieder da?"
"Hai... Gomen, dass ich vorhin einfach so weggepennt bin..."
"Schon okay... Was macht dein Körper?"
"Also, bisher ist nichts abgefallen und wenn ich mich nicht bewege, tut es auch
gar nicht weh..."
"Das mit dem Nichtbewegen wird schlecht sein...", begann Hideo, wurde dann aber
sogleich von Akira unterbrochen. Dieser setzte sich, ein Ächzen unterdrückend,
auf und nickte wissend.
"Schon klar, ich geh schon..."
Belustigt beobachtete Hideo den Jüngeren, wie dieser die Beine von der Couch
schwang und schmerzlich sein Gesicht verzog. Doch Akira blieb stumm und erhob
sich vollends.
Testweise streckte er seine Beine, eins nach dem anderen, war aber mit dem
Ergebnis nicht zufrieden. Seine Haut spannte überall und die Knochen taten ihm
weh, am liebsten hätte er sich wieder auf die Couch fallen lassen, doch diesen
Gedanken schob er sofort beiseite.
Mit einem entschuldigenden Blick wollte er sich schon auf den Weg zur Tür
machen, wo auch seine Klamotten lagen, als ihn Hideos warme Stimme zurückhielt.

"Kleiner...! Falsche Richtung! Dort ist das Schlafzimmer!"
Überrascht riss Akira die Augen auf /Was' denn nun?/
Hideo, der Akira Reaktion bemerkt hatte, überdachte seine Worte noch mal und
musste feststellen, dass sie ziemlich zweideutig waren. Verlegen versuchte er
Akira zu erklären, was er meinte:
"Was ich sagen wollte ist, dass du heute Nacht bei mir pennst und nix anderes!
Nicht, dass du denkst, ich will dich jetzt hier ausnutzen oder so was..."
Verlegen grinsend bedachte er Akira mit einem hoffnungsvollen Blick.
Am liebsten würde ich schon gerne über ihn herfallen, musste er innerlich
zugeben, wagte es aber nicht, seinen Gedanken laut auszusprechen.
Doch als wenn der Jüngere eben diesen gelesen hätte, überwandt er humpelt die
Distanz zu Hideo und schmiegte sich, seine Arme um die Taille des Älteren
gelegt, an dessen Brust. Stumm genoss er das warme Gefühl von Hideos Körper an
seiner nackten Haut. Doch mit einem schmerzendem Gefühl musste er auch
feststellen, dass Hideo bei seiner Berührung leicht erstarrt war und die Luft
anhielt.
Innerlich betend wagte er sich nicht zu rühren. Zu schön war das vertraute
Gefühl - der vertraute Geruch - der von Hideo ausging.
/Bitte lieber Gott, lass ihn mich jetzt nicht von sich stoßen.../
Doch überraschenderweise spürte Akira nach einigen Momenten, wie sich Hideos
Arme schützend um ihn schlangen - ihn wortlos hin und her wiegend.
Glücklich schloss Akira die brennenden Augen, das letzte was er wollte, war
jetzt einfach loszuheulen. Die Tränen unterdrückend musste er feststellen,
dass das sich Hideo an seinem Körper so richtig anfühlte und langsam eine
gewisse Ordnung in das große Chaos seiner Gefühle kam. Wie sehr hatte er sich
diesen Moment herbei gewünscht.
/Wie sehr hat Hideo mir doch diese Woche gefehlt?! Warum konnte ich es nicht
einfach gleich zugegeben, dass ich Hideo für mich alleine haben wollte?! Aber
das ist ja jetzt auch egal... Nun weiß ich es - und wichtiger, er weiß es
auch!/ Wieder verstärkte Akira den Griff um den Älteren, nicht bereit ihn
jemals wieder loszulassen...

... doch Akira war nicht der einzige, dem in diesem Moment so einiges klar
wurde. Auch Hideo begann langsam zu verstehen, dass Akira sich zielsicher in
sein Herz gekämpft hatte und von dort wohl nicht so leicht zu vertreiben war.
Es kam eigentlich selten vor, dass Hideo für einen Jungen mehr empfand als für
einen normalen Freund, aber wenn er sich erst ein mal verliebt hatte, dann aber
auch mit Haut und Haar.
Und dieses Mal war die Person, die diese selten gespürten Gefühle hervor rief,
ein zwei Jahre jüngerer, schwarzhaariger Junge, der die schönsten grünen
Augen der Welt hatte - und sich dazu noch in diesem Augenblick kraftvoll an ihn
klammerte.
An diesen Gedanken musste man sich erst mal gewöhnen. Als Hideo dann aber zu
dem dunklen Wuschelkopf in seinen Armen hinunterblickte, war dieser Gedanke doch
nicht so gewöhnungsbedürftig. Akira ließen alle Zweifel in ihm erlischen....



Epilog

Unsicher sah Hideo auf den Jüngeren herab, der schwer atmend unter ihm lag. Nun
war es doch nicht bei dem << einfach nur hier pennen >> geblieben, denn Hideo
hatte sich nicht zurück halten können und war über den Jüngeren hergefallen
- welcher dieses Verhalten des Älteren mit einem strahlendem Lächeln quittiert
hatte. Innerlich hatte Akira wohl gehofft, dass es zu mehr als nur << einfach
schlafen >> kommen würde.
Und damit hatte er dann auch Recht behalten:

Wie lange Hideo und Akira im Wohnzimmer aneinander geschmiegt gestanden hatten,
wusste keiner von den beiden nachher so genau.
Doch irgendwann hatte Hideo den Jüngeren dann von sich gelöst, in der Angst,
dass dieser ihm im Arm eingeschlafen war. Doch Akira hatte ihn nur mit klaren
Augen angeblickt und leise "Dann lass uns schlafen gehen!" gehaucht.
Das hatte sich der Ältere nicht zwei mal sagen lassen und hatte sich die Hand
des Jüngeren geschnappt, um diesen dann mit sich ins Schlafzimmer zu ziehen.
Dort hatten sie sich dann beide auf Hideos Futon fallen gelassen und hatten sich
wieder einfach nur gegenseitig im Arm gehalten - bis Hideos Hände dann
urplötzlich und ganz nebenbei anfingen auf Akira Körper zu wandern.
Erst nur sanftes Auf- und Abstreichen mit den Fingerspitzen, welche schon bald
von Hideos Handflächen ersetzt wurden. Dann waren Hideos Hände schon fast
automatisch zu den Stellen gewandert, an denen er Akira beim letzten Mal ein
Stöhnen entlocken konnte.
Ganz in den Anblick des schönen Körpers neben sich versunken, war Hideo gar
nicht aufgefallen, dass sein Streicheln und Reiben immer fordernder geworden
war. Erst Akiras zaghaftes Stöhnen hatte ihn wieder in die Wirklichkeit zurück
gerissen und leider musste er feststellen, dass Akiras Körper nicht mehr ganz
so makellos war, wie bei ihrem letzten Zusammentreffen.
Dieser Körper neben ihm war übersäht mit blauen Flecken und gerade erst
verschorften Kratzern - doch auch das konnte ihm nicht seinen Reiz nehmen.
Doch Hideo kämpft gegen das Verlangen, sich sofort auf den Kleineren zu
stürzen an. Akira war verletzt und wer weiß, wie sehr er ihm noch weh tun
würde, wenn er jetzt über ihn herfallen würde.
Also beließ er es dabei Akira mit seinen Blicken zu streicheln.
Der Jüngere hatte das Stoppen von Hideos Streicheleinheiten sofort bemerkt und
hatte den Älteren verdutzt angeblickt. Dieser hatte nur einen entschuldigenden
Blick aufgesetzt und dann ernst gemeint:
"Kleiner, du bist verletzt, wir sollten es jetzt nicht übertreiben."
Doch damit schien sich Akira nicht zufrieden zu geben, denn er hatte einfach
seinen Mund zu einem kindlichen Schmollmund verzogen und sich dann seinerseits
auf den Älteren gestürzt. Dieser hatte versucht sich noch zu wehren, doch
jedes Mal wenn er Akira irgendwo angepackt hatte, hatte er ihn schnell wieder
losgelassen, in der Angst, einen blauen Fleck oder Kratzer erwischt zu haben.
Als er mit Körperkraft nichts erreicht hatte, hatte er es mit Worten versucht:

"Akira... lass es... ich werde dir bloß weh tun!"
Doch Akira hatte bloß so getan, als wenn er die Worte seines älteren Freundes
nicht gehört hätte und hatte mit seinen Händen weiter dessen Haut
gestreichelt und sie mit Küssen verwöhnt.
Als Akira dann aber an der Reglosigkeit seines Freundes gemerkt hatte, dass es
diesem wirklich ernst war, hatte er bloß gemeint:
"Hideo! Nun stell dich nicht so an. Wenn du mich ernsthaft verletzten könntest,
würde ich es doch gar nicht wollen. Ich vertraue auf deine Zärtlichkeit und
keine Angst, wenn mir was weh tut, dann schrei ich schon! Alles klar?"
Darauf hatte der Ältere nur genickt und seine streichelnde Bewegung wieder
aufgenommen, hatte sanft jeden blauen Fleck geküsst und war mit der Zunge
darüber gefahren, wie eine Katzenmutter, die ihr verletztes Junges trösten
will.
Und es hatte gar nicht lange gedauert, da hatte Akira gefangen, sich den
liebkosenden Berührungen entgegen zu strecken und sich, keine Rücksicht auf
irgendwelche Kratzer oder blaue Flecken nehmend /Einer mehr oder weniger ist
jetzt auch egal.../, seinerseits über den Körper des anderen hergemacht.
Von diesem Moment an waren scheinbar Stunden vergangen, in denen nicht nur Akira
auf seine Kosten bekommen war. Auch Hideo hatte mehr als ein Mal das Glück
gehabt, das höchste alle Gefühle spüren zu dürfen.
Als Akira dann irgendwann das Gefühl hatte, es ging nicht mehr besser, hatte er
nur gespürt, wie Hideos tastender Finger sanft in ihn eingedrungen war und auf
Hideos fragenden Blick hatte er nur seine Lippen auf die seines Freundes gesenkt
und somit alle Zweifel beseitigt.
Als Hideo dann der Meinung gewesen war, Akira genug vorbereitet zu haben, war er
vorsichtig in ihn eingedrungen. Schnell hatte sich Akira Hideos Rhythmus
angepasst und war nach einer Zeit, in der sein Körper immer wieder lustvoll
erzittert war, abermals laut stöhnend gekommen.

Dieser Moment war jetzt nur wenige Minuten vorüber und im Zimmer herrscht
Stille, die nur durch das laute Atmen der beiden Jungen durchbrochen wurde.
Doch dann fragte Hideo, der sich fast gewaltsam dazu bringen musste, seinen
Blick von dem Jüngeren zu lösen, leise:
"Alles okay, Kleiner?"
Akira blinzelte nur schweratmend, bevor er zufrieden seufzend zu gab:
"Es ging mir noch nie besser!"


Kapitel 17: Zusatz: Halloween

"Akira...", leise stieß Hideo den Namen des Jüngeren aus. Ungeduldig. Genervt.
Leicht verzweifelt. Langsam machte sich der Gedanke in ihm breit, dass der
Kleinere noch nie wirklich in den Genuss von Alkohol gekommen war, was ja auch
rechtlich so in Ordnung war. Vielleicht hätte Hideo ihn erst gar nicht mit
nehmen sollen. Dabei hatte alles so gut angefangen...

<< Flash Back >>

Hideo war von einem Freund zu einer Halloween-Party eingeladen worden. Alles in
amerikanischem Stil. Schaurig. Mit einer Dekoration, die aus Kürbissen,
Luftballons und großen, dicken Plastik-Spinnen bestand.
Eigentlich sollte man sich auch verkleiden, aber dass war den Älteren dann doch
ein wenig zu kindisch vorgekommen. So waren sie dann alle unverkleidet, aber
trotzdem in ausgelassener Stimmung zur Party erschienen.
Hideo war auf den Gedanken gekommen, Akira mitzuschleppen. Warum sollte er
seinen Freund zu Hause lassen, jetzt wo sie ja sozusagen zusammen waren?
Erst hatte Akira sich dagegen gesträubt. Hatte Angst gehabt, dass er unter
Hideo's Freunden alleine zurück blieb, er kannte ja schließlich keinen. Aber
nachdem Hideo gebettelt hatte, hatte Akira dann doch zugestimmt.
So waren sie dann zusammen dort erschienen, und Akira war nicht von Hideo's
Seite gewichen. Hatte vorsichtig die Leute beäugt. Still beobachtet, wie viele
auf Hideo zugeströmt waren und sich ihm erst mal um den Hals geworfen hatten.
Fast ausschließlich Jungs, aber ab und an auch ein paar Mädchen.
Akira hatte jedes Mal einen bissigen Kommentar runtergeschluckt, seine
Eifersucht versucht zu verstecken. Irgendwann hatte er sich dann deprimiert von
Hideo, der auf die Tanzfläche gezogen worden war, getrennt, einen Platz an der
Bar einnehmend.
Missmutig hatte er von dort die tanzende Menge beobachtet. Eine schillernde
Masse, die im Takt hin und her wabte. Ein faszinierender Anblick. Als ihn dann
der Barkeeper ansprach, bestellte er sich einen Cocktail.
Eigentlich hatte er nicht wirklich geglaubt, dass man ihm den geben würde, aber
der Barmann hatte nichts gesagt, ihm stumm seinen Wunsch erfüllt. Damit hatten
sich für Akira neue Möglichkeiten aufgetan.
Wenn sein verehrter Freund sich auf der Tanzfläche mit älteren Kerlen
amüsierte, konnte er auch hier an der Bar stehen, dass ganze beobachten und mal
ein paar Cocktails durchprobieren.
So verstrich die Zeit. Aus einem Cocktail wurden schnell sechs, sieben. Die
unsicheren Blicke des Barkeepers bemerkte Akira nicht. Besser, er wollte sie
nicht bemerken. Erst als bei Cocktail acht Hideo zu ihm stieß, verzichtete er
freiwillig sich einen neunten zu bestellen.
Immernoch leicht verstimmt und vom Alkohol zum Reden angeregt, meinte er an
seinen Freund gerichtet:
"Na, Spaß gehabt? Du musst gewusst haben, dass ich < nein > sage, wenn du mich
zum tanzen aufforderst. Du hast es nämlich erst gar nicht getan."
Akira's Zunge war schon deutlich schwer geworden. Hideo zog die Stirn kraus,
blickte dann grimmig erst auf Akira, dann zu dem fröhlich grünen Cocktail, der
neben dem Jüngeren stand, um sich dann mit wütendem Ausdruck im Gesicht an den
Barkeeper zu wenden:
"Sein wievielter war das schon???"
Unsicher sah der Angesprochene auf und erwiderte dann von Hideo's Zorn
überrascht:
"Sein ... achter?!"
Es war mehr eine Frage als eine Antwort.
"Dir ist aber klar, dass er noch keine 21 ist? Normalerweise hättest du ihm gar
nicht erst was geben dürfen!"
"Gomen... Ich bin hier nur eingestellt worden, um jedem der was zu Trinken haben
will, was auszuhändigen."
"Schön, dass du dann auch noch so viel Verstand besitzt, einen 16 Jährigen
abzufüllen!"
"16? Woher sollte ich wissen, dass er erst 16 ist?"
Gerade als Hideo das Streitgespräch weiter ausbauen wollte, ertönte Akira's
Lachen. Es war aber nicht das Lachen, dass Hideo immer so verzaubert hatte.
Nein, es klang schrill, unecht, überheblich. Der Kleine musste echt schon <<
ziemlich >> angeheitert sein. Missmutig wendete Hideo den Blick zu dem Kleinen.

In dessen Gesicht war nichts mehr von schlechter Laune zu sehen. Mit einem
aufreizendem Lächeln schnurrte er:
"Du machst dir Sorgen um mich? Das ist aber zu süß!"
Dann schlang er seine Arme um Hideo's Hals und versenkte sein Gesicht in dessen
Halsbeuge, immer wieder Küsse dort hin hauchend. Vorsichtig legte auch Hideo
seine Arme um die Taille des Jüngeren, sprach ihn dann ganz sanft an:
"Kleiner? Alles klar? Wollen wir gehen?"
Er konnte spüren, wie der Jüngere den Kopf schüttelte.
"Doch, ich glaube es ist besser, wenn wir gehen." Akira hob den Kopf. Seine
glasigen Augen blickten Hideo trotzig an, dann meinte er mit kindlichem
Schmollmund:
"Nö! Ich will aber nicht gehen! Bestell mir lieber noch mal so'nen Cocktail!
Die gelben schmecken echt lecker!"
"Nein, Kleiner! Ich glaube, für dich reicht das heute Abend!"
Grummelnd löste sich Akira aus den Armen seines Freundes, musste dann kurz mit
seinem Gleichgewicht kämpfen, um zur Bar zu taumeln und sich dort
festzuhalten.
"Noch mal den Sunshine, bitte!", lallte er den Keeper an.
Der schüttelte, mit einem unsicheren Blick auf Hideo, den Kopf.
"Wie jetzt...?!" Akira hörte sich zu Tode empört an.
Dann merkte er wie Hideo wieder einen Arm um seine Taille legte und ihn bestimmt
mit sich zog.
"Wo willst du hin?" Akira hatte echt schon große Probleme zu Sprechen, ließ
sich aber von seinem Freund mitschleppen. Erst als er von Hideo durch die Tür
nach draußen gezogen wurde, hielt er sich aufgebracht quietschend am Türrahmen
fest. Überrascht ließ Hideo ihn los...

<< Flash Back Ende >>

... Verunsichert sah Hideo seinen Freund an und wiederholte wieder dessen Namen.

"Akira! Nun mach hier bitte keinen Aufstand!"
Doch der Angesprochene hatte wieder einen Schmollmund gezogen und blickte Hideo
mit großen Augen an, um dann bissig zu meinen:
"Warum willst du jetzt auf einmal so plötzlich los? Bis eben hast du mit der
Menge Kerle da drinnen genug Spaß gehabt, um zu bleiben!"
Überrascht sah Hideo dem Jüngeren ins Gesicht.
"Sorry Kleiner, ich wollte dich echt nicht da drinne alleine lassen. Aber nen
großen Teil von den Leuten hab ich schon seit ner Ewigkeit nicht mehr
gesehen!"
"Ah ja, und mich siehst du ja ständig... schon klar! Dann hättest du mich
nicht mitschleppen sollen!"
Ernstlich sauer wandte sich Akira wieder der Tür zu und war im Begriff
hineinzugehen, als er von Hideo am Handgelenk ergriffen und zu diesem rangezogen
wurde.
Der Ältere schlang beschützend seine Arme um Akira und presste den Jüngeren
an sich. Dieser versteifte sich, hielt aber still. Nach einer Weile begann er
jedoch, sich gegen seinen Freund zu lehnen, den Geruch des Älteren wohlig
einatmend.
/Hm... Hideo riecht so gut.... Was mach ich hier eigentlich?! Sollte ich nicht
eigentlich sauer auf ihn sein?! Er hat mich alleine gelassen... aber.... oh
shit... zu denken fällt mir irgendwie mächtig schwer. Scheiß Cocktails... was
müssen die auch so gut schmecken?! Sag mal, was hab ich eben eigentlich
gelabert? Am besten, ich halt ab jetzt den Mund. Hideo wird schon wissen, wann
für mich besser Schluss ist. ... Jaaa, immerhin hat er ja auch nicht an der Bar
gestanden, sondern mit irgendwelchen Kerlen getanzt! So ein Mistkerl... aber ein
schön warmer Mistkerl. Und so stark und.. und.../
Seufzend presste sich Akira an seinen älteren Freund.
Dieser blickte zu ihm nach unten und fragte mit sanfter Stimme:
"Und? Beruhigt? Wollen wir nach Hause gehen?"
Er konnte spüren, wie Akira an seiner Brust nickte.
Sachte löste er sich von dem Jüngeren und stützte ihn nur noch, indem er ihm
einen Arm um die Taille schlang. Der Jüngere lehnte sich schnurrend gegen ihn.

/Man, das muss ich mir merken... Akira vom Alkohol fern halten, der reagiert
echt nicht gut darauf/ Hideo konnte bloß den Kopf schütteln.
Mit dem << angeheiterten >> Akira am Arm machte er sich auf den Nachhauseweg, so
lang war er ihm noch nie vorgekommen.
An einer Ampel mussten die beiden halt machen, sie war Rot. Kaum hatten sie
angehalten, schlang Akira schon seine Arme um Hideo's Nacken und zog den
Älteren zu sich runter, seine Lippen auf die seines Freund pressend. Dieser
erwiderte den Kuss überrascht, bis er sich mit gewaltigem Kraftaufwand von
Akira löste.
"Kleiner! Nicht hier auf der Straße... und schon gar nicht wenn du voll bist!"

"Ich bin nicht voll, nur angeheitert und..." Er rutschte näher zu seinem Freund
heran und hauchte ihm ins Ohr: "... erregt!" Mit diesem Worten griff er wieder
nach Hideo und steckte ihm seine Zunge in den Rachen.
Hideo, der sich zuerst von seinem jüngeren Freund lösen wollte, konnte dann
doch nicht widerstehen. Leidenschaftlich erwiderte er den Kuss. Straße oder
nicht, egal....
Das die beiden zwei Grün-Phasen verpassten, schienen sie gar nicht zu bemerken.
Und wenn doch, störte es sie nicht. Genauso wenig achteten sie auf die wenigen
Passanten, die zu dieser späten Zeit noch unterwegs waren.
Atemlos trennten sich die beiden von einander und sahen sich an. Dann warf sich
Akira an die Brust seines älteren Freundes und schob seine Hand, die auf
Hideo's Hintern ruhte, unter dessen Hemd. Die kalten Finger Akira's ließen den
Älteren schaudern.
Plötzlich schien ihm wieder einzufallen, wo sie sich überhaupt befanden und er
schob Akira ein Stück von sich weg.
"Kleiner! Wir müssen weiter! Sonst kommen wir heute nicht mehr zu Hause an!"
Akira sah ihm traurig in die Augen. "Aber es war gerade so schön!"
"Akira! Wir stehen hier mitten auf der Straße! Jeder kann uns sehen!"
"Na und...?!", erwiderte Akira trotzig. "Sollen sie doch alle wissen, dass ich
dich liebe! Wenn sie wollen, schrei ich es sogar mitten in die Nacht hinaus!"
Schnell legte Hideo seine Hand über den Mund des Kleineren, denn dieser wollte
gerade seinen Worten folgen und die ganze Stadt zusammen brüllen. Ernst blickte
Hideo ihn an: "Akira! Jetzt hör auf! Reiß dich ein bisschen zusammen!"
Die glasigen Augen von Akira fixierten seinen Freund. "Wenn ich jetzt die Hand
von deinem Mund nehme, versprichst du mir dann ganz leise zu sein und endlich
mit mir weiter zu gehen?!" Ein Nicken von Akira! "Okay, dann nehm ich sie jetzt
runter."
Vorsichtig ließ Hideo seinen Freund los. Dieser blickte ihn mit großen Augen
an und meinte dann: "Okay, lass uns gehen!"
Überrascht schnappte sich Hideo die kalte Hand von Akira und gemeinsam
schlenderten sie Richtung Hideo's Wohnung. Irgendwann, nach ein paar Minuten,
richtete Akira stumm seinen Blick auf den Himmel.
Er war wolkenlos und wäre fast vollkommen schwarz, wenn er nicht mit hellen
Sternen übersäht gewesen wäre. Einer von diesen Sternen blinkte. /Vielleicht
ein Flugzeug?/
Mit nach oben gerichteten Blick und Hideo an der Hand setzte er seinen Weg
fort... bis sich alles anfing zu drehen. Taumelnd versuchte er an Hideo Halt zu
finden.
"Akira, alles okay?"
"Hai, schon in Ordnung. Ich hab eben gerade nur festgestellt, dass man nicht den
Himmel beobachten sollte, wenn man etwas getrunken hat!"
"Dann ist ja okay, ich werd's mir merken. Können wir weiter?"
"Jupp!"
Die frische Luft schien Akira gut zu tun, langsam begann sich sein Kopf zu
klären.
/Ein angenehmes Gefühl! Wenn der Schleier vor den Augen jetzt noch weg gehen
würde?!/
Plöltzlich stoppte Hideo, Akira tat es ihm überrascht nach. /Oh, schon da!/
Mit kalten Fingern kramte Hideo den Wohnungsschlüssel hervor und öffnete die
Tür, damit Akira, vor ihm, eintreten konnte.
Als Hideo dann das Licht einschaltete, stöhnte Akira gepeinigt auf:
"Willst du mich umbringen?", fauchte er.
"Sorry, Kleiner! Aber ein bisschen Strafe muss bei deinem Gesaufe von vorhin
schon sein!"
Gutmütig strich er Akira im Vorbei gehen über den Hintern und hauchte ihm ein
Küsschen auf die Wange. /Langsam scheint er wieder etwas zu sich zu kommen!/
Hideo öffnete auch die letzte Tür und ließ Akira dann in den Flur eintreten.
Der Kleine zog sich fahrig die Schuhe aus und stürmte danach in das Wohnzimmer,
um sich dort auf die Couch sinken zu lassen. Überlaut nahm er wahr, wie Hideo
sich ebenfalls auszog und dann zu ihm trat. Akira's Kopf begann zu dröhnen und
alles hörte sich laut und klar an.
Hideo ließ sich vor ihm auf die Knie sinken.
"Alles in Ordnung mit dir? Ist dir schlecht oder so?"
Akira überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf. Nee, schlecht war ihm
nicht. Vielleicht ein bisschen duselig, aber das ging schon weg. /Hoffentlich/
Es herrschte Schweigen. Akira konnte deutlich spüren, wie Hideo's Finger sachte
über sein Bein strichen.
"Weißt du was?!", fragte Akira plötzlich. Scheinbar war die Redseligkeit noch
nicht ganz verschwunden. "Vor einer halben Stunde oder so, hatte ich noch vor,
mich auf dich zu stürzen und... ach, du weißt schon!" Akira wurde rot. /Warum
hab ich das jetzt gerade eigentlich gesagt?/
Hideo zog eine Augenbraue hoch:
"Ach ja, und nun hast du es nicht mehr vor?!"
"Weiß nicht! Irgendwie... bin ich jetzt nur noch müde..." Akira hörte sich zu
Tode deprimiert an.
"Glaub mir, Kleiner! Hättest du dich jetzt auf mich gestürzt, um es mit deinen
Worten zu sagen, hätte ich dich schon gebremst!"
"Warum?" Überrascht blickte Akira auf.
"Weil ich deinen Zustand auf keinen Fall ausnutzen will! Ich wette mit dir, du
weißt nicht mal mehr, was du vorhin zu mir auf der Party gesagt hast. Oder lieg
ich da falsch?"
Akira dachte angestrengt nach. /Auf der Party... Was hab ich... Shit.... Aber
das... Arg! Ich weiß es echt nicht mehr!/
Hideo's warmes Lachen ließ ihn wieder seinen Freund anblicken.
"Siehste, sag ich doch!" Hideo wuschelte ihm durch die Haare.
"Also, was sollte ich davon haben, mit dir zu schlafen und gleichzeitig zu
wissen, dass du dich an nichts mehr erinnern kannst!"
"Aber..."
"Sag mal, für was hältst du mich?! So notgeil bin ich nun auch nicht!" Hideo's
harte Wortwahl ließ Akira zusammen zucken.
/Stimmt! Was denke ich hier eigentlich?! Am besten ich lasse das Denken!/
Hideo schien auf den gleichen Gedanken wie er gekommen zu sein, denn er meinte
liebevoll: "Kleiner, lass es! Mit so 'nem Kopf zu denken, ist nicht gerade
prickelt. Ich weiß, wie das ist! Ich war schon oft genug voll!"
Seufzend ließ Akira sich wieder in die weichen Polster der Couch sinken.
"Okay, ich lass es..."
"Besser, du gehst ins Bett! Lass uns morgen mal weiter sehen." /... und
nachholen, was wir heuet verpasst haben/, fügte Hideo in Gedanken hinzu, sich
ein Grinsen nicht verkneifen könnend.
Doch Akira schien dies nicht bemerkt zu haben. Ächzend erhob er sich und
schlurfte in Richtung Schlafzimmer. Dort zog er sich aus und kippte müde auf
den Futon. Sich in die Decke kuschelnd, dämmerte er nach einer Weile weg.
Irgendwann konnte er spüren, wie sich etwas neben ihn zu legen schien und
Hideos breite Brust gegen seinen Rücken drückte. Der Ältere schlang
vorsichtig, damit er nicht aufwachte, seine Arme um ihn.
Zufrieden schnurrend drehte Akira sich in der warmen Umarmung seines Freundes
und kuschelte sich an die vertraute Brust. In dieser Umarmung schliefen beide
zufrieden ein...