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Feuer und Wasser Teil 1 bis 9

Kapitel 1: Honigblondes Haar

"Pscht! Sag nichts!" Mit angehaltenem Atem lauschte Riccardo auf die rufenden
Stimmen im Flur. Deutlich konnte er hören, wie Türen geöffnet und wieder
geschlossen wurden. Sicher suchte auch Sandro nach ihm.
Sandro war ein junger Pfleger, der ihm hier zugeteilt worden war. Hier, das
hieß in der Klinik für Kinder- und Jugendneuropsychiatrie, in der Riccardo
seit gestern morgen war.
Er begriff einfach nicht, wie seine Eltern ihn in dieses Irrenhaus für Kinder
stecken konnten. Nur weil er ein bisschen lebhafter war, als andere
16-jährige?! Okay, und vielleicht auch ein bisschen aggressiver...
Riccardo verzog schmerzlich das Gesicht. Es gab nun mal Momente, wo er einfach
austickte. Hatte sowas nicht jeder mal?!
Plötzlich wurde auch die Tür von dem Zimmer, in dem Riccardo sich gerade
befand, aufgerissen und ein Pfleger steckte den Kopf herein.
Riccardo kauerte sich tiefer hinter das Bett und hoffte, dass der Besitzer von
diesem ihn nicht verraten würde. Dann durchschnitt Sandros Stimme die langsam
einkehrende Stille:
"Hast du hier wen reinkommen gesehen?"
Riccardo blickte mit großen Augen den Jungen an, der stumm über ihm im Bett
saß, und betete noch ein Mal zu Gott, dass dieser nichts sagen würde. Doch der
andere schüttelte nur den Kopf und blickte den Pfleger direkt an. Dieser
seufzte tief und schloss leise die Tür.
Riccardo konnte hören, wie sich seine Schritte entfernten.
Als es draußen wieder fast vollkommen still war - sicher suchten sie ihn auf
der nächsten Station -, erhob er sich und streckte seine knackenden Glieder.
Dann pilgerte er leise zur Tür, öffnete sie einen Spalt und blickte kurz
hinaus.
Der Gang war leer.
Aufatmend schloss er sie wieder und blickte den Jungen, der ihm viel Ärger
erspart hatte, dankbar an.
Sein Gegenüber war etwas kleiner als er selbst und wirkte ziemlich dünn und
blass. Er saß aufrecht im Bett, nur die Beine mit der weißen Decke bedeckt.
Soweit man es erkennen konnte, trug er ein einfaches weißes T-Shirt. Seine
mittellangen Haare waren honigblond und umrahmten sein Gesicht. Dieses hatte
weiche Züge und wirkte noch etwas kindlich. Riccardo schloss daraus, dass sein
Gegenüber jünger als er sein musste, wenn auch nicht viel. Die blauen Augen
waren direkt auf ihn gerichtet und musterten ihn mit einer unverhohlenen
Neugier, welche aber durch den todernsten Gesichtsausdruck, ein wenig grotesk
wirkte.
Mit einem offenen Lächeln ließ sich Riccardo auf das leere Bett neben dem
Blonden plumpsen. Anscheinend lag dieser hier ganz alleine im Zimmer.
"Danke, Mann! Du hast mir eben echt geholfen!" Riccardo grinste und seufzte dann
gespielt. "Diese ollen Pfleger machen mich krank!!!"
Das Gesicht des Blonden blieb ausdruckslos.
Riccardo legte den Kopf schief.
"Wie heißt du?"
Keine Antwort.
"Und warum bist du hier?"
Wieder nur ein stummer Blick.
"Hm... bist wohl nicht sehr gesprächig, was?"
Mit einem schnellen Griff fasste der Blonde nach einem Zettel, der auf seinem
Nachttisch lag und warf ihn zu Riccardo rüber. Dieser fing ihn überrascht auf
und las die Kopfzeile:
"Simon Ziegler" Daneben stand das Geburtsjahr. Simon war 15 Jahre alt, wenn
Riccardo sich nicht verrechnet hatte.
Mit einem verlegenen Lächeln reichte er den Zettel zurück und Simon packte
ihn, ohne den Blick von Riccardo abzuwenden, auf seinen Platz. Stumm sahen beide
sich an und Riccardo konnte deutlich spüren, wie der Jüngere ihn musterte.
Riccardo war ein bisschen größer als Simon, vielleicht 1,80 m. Dadurch, dass
er Fußball spielte, war sein Körper trainiert und er verfügte über ein
gewisses Maß an Kraft. Riccardo besaß kupferrotes volles Haar, das ihm bis an
die Schulterblätter reichte und in einem lockeren geflochtenem Zopf
zusammengehalten wurde. Einige Strähnen hatten sich bei dem Gerenne durch den
Flur gelöst und umrahmten nun sein freundlich dreinblickendes Gesicht und
fielen in die warmen braunen Augen. Sie funkelten aufgeregt.
Und diese Augen hielten Simons Blick seelenruhig stand.
Als dieser seine Musterung beendet hatte, wandte er den Blick aus dem Fenster
und Riccardo interpretierte dies als einen stummen Rauswurf. Seufzend erhob er
sich, ehe er meinte: "Wie es aussieht, soll ich wohl gehen..."
Doch gerade als er sich zur Tür wenden wollte, riss Simon seinen Kopf herum und
schüttelte ihn so wild, dass die honigblonden Haare nur so flogen. Überrascht
hielt Riccardo inne und nahm wieder auf dem Bett platz.
"Hm... Okay, dann bleibe ich halt noch. Ich heiße Riccardo. Und du bist also
der Simon!"
Ein Nicken von dem Jüngeren.
"Und du willst nicht mit mir reden, aber ich soll hier bleiben?"
Ein trauriger Blick war die Antwort auf diese vorsichtige Frage. Und Riccardo
war klar, dass er eine empfindliche Stelle getroffen hatte. Deshalb meinte er
ausweichend:
"Okay! Du musst nicht mit mir reden. Ich bleibe trotzdem. Ihr scheint mir hier
in diesem Laden zwar alle 'nen Spleen zu haben, aber du bist bisher der mit
Abstand normalste! Kennst du Jens aus Zimmer 36, oder so?"
Simon nickte leicht und verdrehte genervt die Augen.
Riccardo musste kichern und meinte dann grinsend: "Ganz deiner Meinung! Der Typ
hat'n Ding an der Waffel!"
Simon zog die Stirn kraus und legte den Kopf schief. Riccardo verstand.
"Der ist doch tatsächlich heute morgen bei mir ins Zimmer spaziert und hat mir
einen Vortrag über Frösche gehalten. Der hat so schnell gesprochen, dass ich
ihn gar nicht verstanden hab. Und als er dann noch angefangen hat, wie ein
Frosch zu quaken, hab ich wirklich Angst bekommen. Ich hab 'nen Pfleger gerufen
und der hat ihn dann aus meinem Zimmer gezerrt. Gott sei dank auch. Von
Fröschen hab ich erst mal genug!"
Simons ernstes Gesicht verzog sich leicht und die ersten Ansätze eines
Lächelns waren zu erkennen. Riccardo war schon jetzt der Meinung, dass Simon
mit einem Lächeln im Gesicht noch schöner aussehen würde, als er es jetzt
schon tat. Und Simon war schön, daran bestand kein Zweifel.
"Weißt du eigentlich, dass der australische Beutelfrosch....", begann Riccardo,
doch als Simon verzweifelt mit den Händen fuchtelte und sie demonstrativ auf
die Ohren presste, brach Riccardo in Lachen aus.
Überrascht nahm Simon wieder die Hände runter und blickte den lachenden
Riccardo an. Dieses Lachen war eines der schönsten, das er je gehört hatte.
Der Ältere wischte sich die Lachtränen aus den Augen und meinte grinsend: "So
ungefähr muss ich auch ausgesehen haben, als Jens mich zugetextet hat. Doch der
hat nicht so einfach aufgehört!!!" Verzweifelt schüttelte er den Kopf.
Simon musste grinsen. //Armer Riccardo!//
Glücklich darüber, dass er auf das ernste Gesicht des anderen ein Lächeln
hatte zaubern können, erhob sich Riccardo. Entschuldigend meinte er:
"Sorry, aber es gibt gleich Abendessen und wenn ich bis dahin nicht wieder da
bin, macht Sandro schrecklichen Terror!"
Das Lächeln in Simons Gesicht verblasste und seine Augen sahen den Älteren
flehend an. //Bitte, geh noch nicht!//
Riccardo wandte sich zur Tür, drehte sich aber noch ein Mal um.
"Ich komm sicher wieder!"
Diese Worte konnten Simons Gesicht wieder ein wenig aufhellen, doch eine Spur
der Traurigkeit blieb deutlich zurück.
Riccardo verließ leise den Raum...

Kurz bevor er die Tür zu seinem Zimmer öffnen konnte, legte sich eine Hand auf
seine Schulter.
"Riccardo Sieber! Wir haben dich auf der ganzen verfluchten Station gesucht! Wo
warst du? Du kannst doch nicht einfach während eines Gesprächs mit dem Arzt,
abhauen!" Sandro sah ihn wütend an.
"Ach, das war mir zu öde! Der kann mir noch eh nicht helfen, weil es bei mir
nichts zu helfen gibt. Ich bin so wie ich bin!"
Damit öffnete er die Zimmertür und trat ein. Mit einem Seufzen warf er sich
auf sein Bett, welches weich federte. Sandro folgte ihm wortlos und ließ sich
auf dem anderen leeren Bett nieder. Erwartungsvoll blickte er Riccardo an.
Dieser starrte an die Decke und meinte mit leiser Stimme: "Sag mal, was ist das
für ein Junge in Zimmer 52?"
Sandro überlegte kurz, dann antwortete er:
"Ach, du meinst Simon. Er redet nicht. Und das schon seit Wochen. Alle wissen,
dass er reden kann, aber er weigert sich."
"Warum das?"
"Das darf ich dir leider nicht sagen!"
"Ärztliche Schweigepflicht, ich verstehe..." Riccardo hörte sich wirklich
enttäuscht an.
"Na ja, sagen wir's so: Es sieht nach einem Trauma aus. Aber mehr sag ich nun
wirklich nicht!"
"Schon okay..."
"Warst du dort?"
"Wie kommst du drauf?", antwortete Riccardo mit einer Gegenfrage.
"Woher solltest du sonst von Simon wissen?"
"Stimmt... Ja, ich war dort..."
"Er hat nichts gesagt, oder?"
"Nein, er blieb stumm..." Nachdenklich schloss Riccardo die Augen. Er konnte
hören, wie Sandro aufstand.
"Es gibt Abendbrot, im Gemeinschaftsraum, wenn du willst!"
"Ja, ich komme sofort!"
Die Tür ging und Riccardo war alleine. Immer noch dachte er an Simon und sein
Lächeln.
/Was wohl mit ihm los ist?/
Grübelnd erhob er sich und machte sich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum.

Dort angekommen, wanderte sein Blick suchend durch den Raum, doch Simon war
nirgends zu sehen. Ein wenig enttäuscht holte er sich sein Essen und ließ sich
alleine an einem Tisch nieder.
/Sicher bekommt er Essen auf dem Zimmer... Ist ihm nicht langweilig, so
alleine?!/


Kapitel 2: Enttäuschung

Fast schon sehnsüchtig starrte Simon auf die Tür seines Zimmers.
Es war schon 20 Uhr und Riccardo hatte sich noch nicht bei ihm blicken lassen.
//Also hält er sein Versprechen von gestern nicht...//
Mit einem Knarren öffnete sich plötzlich die Tür.... doch es war bloß
Sandro, der den Raum betrat.
Mit einem Seufzen blickte er auf Simons volles Tablett und meinte freundlich:
"Hey, Simon! Was ist los, keinen Hunger?"
Der Angesprochene schenkte dem Tablett nur einen angewiderten Blick. Nein, der
Appetit war ihm vergangen. Wortlos rutschte er tiefer unter die Decke und zog
diese über seinen Kopf.
Sandro betrachtete diese Missachtung grimmig und schnappte sich dann stumm das
Tablett, um den Raum zu verlassen.
Als Simon die Tür schließen hörte, kroch er wieder unter der Decke hervor und
sah traurig aus dem Fenster. Er fühlte sich so schlecht, wie schon lange nicht
mehr. Bloß warum? Lag es echt an Riccardo? Nur weil er geglaubt hatte, dessen
Worte wären ernst gemeint, und nun enttäuscht worden war?
/Kein Wunder... Was für einen Grund hätte er auch, zu MIR zu kommen... ich
rede doch eh nicht mit ihm.../


Kapitel 3: Lächeln

"Mist!" Fluchend hastete Riccardo über den leeren Flur in Richtung Zimmer 52.
Er hatte Simon doch versprochen zu kommen, und das war vor zwei Tagen gewesen.
Eigentlich hatte er vorgehabt, gestern zu ihm zu gehen, aber diese dummen Ärzte
hatte ihn den ganzen Nachmittag mit Untersuchungen genervt. Und als er dachte,
dass er fertigt wäre, hatten sie ihm einen Therapeuten auf den Hals gehetzt. Da
war keine Zeit für Simon gewesen - was Riccardo mächtig leid tat.
/Ach, er wird schon nicht sauer sein. Und wenn doch, mehr als nicht mit mir
reden kann er nicht. Und das tut er doch eh nicht!/ Riccardo zuckte schmerzlich
zusammen, als er begriff, was er eben gedacht hatte. Irgendwie taten ihm diese
Gedanken leid. Simon konnte doch auch nichts für seinen Zustand. /Was meinte
Sandro noch mal? Ein Trauma?/ Aber vielleicht, wenn Simon sich Mühe gab... oder
wollte er einfach nicht sprechen?
Riccardo schnaubte leise. Er verstand irgendwie nicht, was in Simon vorging.
/Und sicher verstehen es die Ärzte auch nicht.../
Endlich war er vor Zimmer 52 angekommen. Leise klopfte er an die Tür, doch es
ertönte keine Antwort. /Wie auch?!/ Riccardo biss sich innerlich auf die Zunge
und trat einfach ein.
Der Raum war leer. Kein Simon. Die Bettdecke war säuberlich zurück geschlagen.

Verwirrt trat Riccardo ans Fenster und sah hinaus. /Vielleicht hat er eine
Untersuchung. Oder aber er ist im Gemeinschaftsraum.../
Riccardo beschloss zu warten und setzte sich auf das leere Bett neben Simons.
Und es dauerte gar nicht lange, bis sich die Tür öffnete und Simon erschien -
leichenblass und von einer Krankenschwester im Rollstuhl geschoben.
Riccardo erschrak richtig, als er den leeren Blick sah, mit dem der Jüngere
gerade ausstarrte.
Die Schwester nickte ihm freundlich zu und meinte dann, an Simon gewand:
"So, Simon, hier wären wir wieder! Und du hast sogar Besuch!" Der Kleinere
reagierte nicht und sah nur stur nach vorne. Die Schwester seufzte tief, dann
meinte sie unmerklich eine Nuance schärfer:
"Würdest du bitte aufstehen?"
Keine Reaktion. Die Schwester wirkte einen Moment ratlos. Verunsichert warf sie
Riccardo einen hilfesuchenden Blick zu, worauf dieser auf Simon zuging.
"Hey Simon!", begrüßte er den stummen Jungen. "Ich hab dir doch versprochen,
zu kommen. Tut mir leid, dass es erst heute was geworden ist...."
Langsam hob der Jüngere seinen Blick und sah Riccardo an. Dieser hätte
schwören können, dass Simon jeden Moment in Tränen ausbrechen würde, doch
dies geschah nicht. Der Kleine erhob sich lediglich wortlos aus dem Rollstuhl,
setzte sich auf den Rand seines Bettes und starrte seine Knie an. Die Schwester
warf ihm einen dankbaren Blick zu und verließ dann leise das Zimmer.
Nun waren Riccardo und Simon allein, doch letzterer schenkte dem Älteren immer
noch keine Aufmerksamkeit. Wie in Trance starrte er nach unten.
Dennoch wollte Riccardo nicht gleich aufgeben und hockte sich vor den Sitzenden
hin, um ihm in die Augen blicken zu können.
"Soll ich gehen? Bist du sauer weil ich gestern nicht gekommen bin? Oder bist du
müde von der Untersuchung?"
Wie als Antwort rutschte der Kleinere vom Bettrand und fiel Riccardo fast in die
Arme. Dieser verlor zwar das Gleichgewicht und landete auf seinem
Allerwertesten, doch war er so geistesgegenwärtig, um den Jüngeren an sich zu
ziehen. Dieser hing schlaff in seinen Armen und Riccardo hatte schon Angst, dass
er das Bewusstsein verloren haben könnte. Leichte Panik stieg in ihm auf.
Doch als Simons Körper in seinen Armen zu zucken begann, realisierte er, dass
der Jüngere angefangen hatte lautlos zu weinen.
Leise beruhigend auf ihn einredend, rappelte sich Riccardo auf und hob den
Jüngeren auf das Bett zurück. Dieser wirkte unnatürlich leicht in seinen
Armen und leistete keinen Widerstand.
"Simon! Hey! Hör auf zu weinen, bitte!"
/Was haben sie bloß mit ihm gemacht??? Ich dachte, die wollen einem hier helfen
und ihn nicht noch mehr seelisch fertig machen!!!/
Eine gewaltige Wut stieg in Riccardo hoch, als er den Jüngeren betrachtete.
Dennoch zwang er sich, sie zu unterdrücken, denn er wusste, wenn er einen
Wutanfall bekam, würde er den Jüngeren nur noch mehr erschrecken.
Dafür setzte er sich auf den Bettrand und zog Simon die Decke bis zur Brust
hoch.
Simon hatte die Augen geschlossen und Tränenspuren glänzten auf seinen Wangen.
Sanft strich Riccardo sie ihm weg und ließ seine Hand einen Augenblick auf
Simons Wange ruhen. Dieser schlug verwundert die Augen auf und Riccardo zog
schnell seine Hand zurück. Er musste aber überrascht feststellen, das der
Jüngere eine Hand unter der Decke hervor zog und auf seine legte.
Ein warmes Gefühl breitete sich in Riccardo aus und er meinte hoffnungsvoll:
"Also bist du nicht sauer auf mich, weil ich gestern nicht hier war?"
Ein Kopfschütteln von Simon.
"Ach, Gott sei dank! Es tut mir wirklich leid! Ich wollte ja gestern kommen,
aber die dummen Ärzte, Pfleger, Therapeuten und was-weiß-ich-nicht-noch haben
mich aufgehalten!!! Die haben mich den ganzen Tag über zugelabert und ich
musste alle möglich Übungen machen. Ich bin zwar nicht davon überzeugt, dass
es was bringt, aber okay... mach ich halt mit..."
Riccardo verstummte.
"Langweile ich dich?"
Simon, der entspannt die Augen geschlossen hatte, riss sie überrascht wieder
auf und schüttelte heftig den Kopf. Mit einem aufforderndem Nicken deutete er
ihm weiter zu sprechen.
Und das tat Riccardo auch. Den ganzen Nachmittag lang, bis zum Abend. Die
Abendbrotzeit war schon längst vorbei. Kurz war eine Schwester bei ihnen im
Zimmer gewesen, und hatte das Abendbrot und ein paar Tabletten für Simon
gebracht. Doch beides lag noch unberührt auf dem Nachttisch.
Sich am Kopf kratzend fragte Riccardo:
"Willst du nichts essen?"
Simon, der sich nach einer Weile wieder aufgesetzt hatte, schüttelte den Kopf.
Er sah schon besser aus, wie als er von der Untersuchung gekommen war, aber er
wirkte müde.
"Aber die Tabletten nimmst du doch, oder? Ich weiß zwar nicht wofür die sind,
aber sie werden wohl wichtig sein..."
"Ja, die sind wichtig!" Sandros Stimme hörte sich nicht gerade erfreut an.
Überrascht drehten die beiden Jugendlichen sich zur Tür. Beide hatten nicht
gemerkt, dass die Schwester sie offen gelassen hatte und auch nicht, dass Sandro
hereingetreten war.
"Wie lange stehst du da schon?" Riccardo verengte seine Augen zu Schlitzen. Er
mochte es nicht, wenn er belauscht oder beobachtetet wurde.
"Noch nicht lange! Keine Sorge! Aber du, wo warst du? Ich hab dich auf deinem
Zimmer gesucht! Was ist mit dem Abendessen?"
"Sorry, hab ich vollkommen vergessen! Ich hab mich hier verquatscht!" Er warf
ein glückliches Lächeln zu Simon und dieser erwiderte es ebenso glücklich.
Riccardo war verblüfft gewesen, als Simon im Laufe des Nachmittags immer öfter
gelächelt hatte. Und ab und an hatte Riccardo ihn auch grundlos angelächelt,
um zu sehen, ob Simon zurück lächelte. Und er tat es. Ganz frei und offen.
Riccardos Gedanke von vorgestern, dass Simon mit einem Lächeln im Gesicht
hübscher aussehen würde, hatte sich bestätigt. Ein Simon ohne Lächeln raubte
Riccardo ja schon den Atem, aber einer mit... einfach traumhaft... Im ersten
Moment war er ein bisschen über seinen Gedanken erschrocken, aber nun, nach
einem ganzen Nachmittag mit Simon, erschien er ihm normal. Der Jüngere war nun
mal eine Schönheit.
Nur gesprochen hatte er nicht. Darüber war der Ältere zwar ein bisschen
verbittert, aber was sollte er tun? Scheinbar wollte Simon nicht reden...
"Träum nicht! Es ist schon spät!", mahnte ihn Sandro, als Riccardo vor sich
hinstarrend verharrte.
"Ja, ich komme.... So, ich muss los, Simon! Mal sehen, wenn ich Zeit hab, komm
ich morgen vielleicht wieder, ja?", wandte sich Riccardo an Simon.
Dieser nickte glücklich und zog seine Hand, die die ganze Zeit auf Riccardos
Schenkel geruht hatte, zurück.
Beide lächelten sich noch mal zu, dann verließen Riccardo und Sandro das
Zimmer...

Nach einigen Metern hielt der Pfleger Riccardo am Handgelenk fest.
"Was war das denn bitte schön gerade?"
"Was meinst du?"
"Na Simon! Was hast du mit ihm gemacht?"
"Hä? Ich hab gar nichts gemacht! Okay, er wirkt ein bisschen müde, aber das
ist nicht..."
"Das meinte ich doch gar nicht...", unterbrach Sandro ihn. "Er hat gelächelt!
Und das gleich zwei mal!"
"Ja und?"
"Ja und?! Was heißt hier ,Ja und?!'! Er lächelt sonst nie! Eigentlich ist er
den ganzen Tag damit beschäftig, die Wand anzustarren. Was denkst du, warum wir
ihn immer mit dem Rollstuhl zu den Untersuchungen fahren? Er ist körperlich
vollkommen gesund, aber er weigert sich permanent, mit uns zusammen zu arbeiten.
Würden wir ihn nicht schieben, müssten wir ihn zu den Untersuchungen und
Therapien zerren!"
Riccardo riss die Augen auf.
"Was? So schlimm ist das mit ihm? Ein bisschen was hab ich ja mitbekommen, als
er von einer Untersuchung oder so kam, aber das hat sich am Nachmittag wieder
gegeben."
"Was hast du eigentlich die ganze Zeit dort gemacht?"
"Geredet!"
"Er auch?" In Sandros Stimme lag etwas Bittendes.
"Bedaure, er hat die ganze Zeit geschwiegen..."
"Und wie habt ihr euch unterhalten?"
"Och, man gewöhnt sich daran, nur Fragen zu stellen, die er mit ,ja' oder
,nein' beantworten kann. Und darauf hat er dann immer mit einem Kopfschütteln
oder Nicken reagiert."
"Wow! Ich bin überrascht.... Du machst an einem Tag soviel Fortschritte mit
ihm, wie wir in zwei Wochen...."
"Sag mal..." Riccardo musste grinsen. "Du bist ja so redselig heute. Was war
noch mal mit Schweigepflicht?"
"Ach! Wenn man zwei Wochen lang gegen eine Mauer redet und dann so ein frecher
Typ wie du kommt und unglaubliche Fortschritte macht, kann man die schon mal ein
bisschen abschwächen, also die Schweigepflicht. Du musst es ja nicht überall
herum tratschen! Ich bin bloß der Meinung, dass ein Freund Simon sicher gut
tut..."
"Hoff ich doch, dass ich ihm gut tue..." Riccardo grinste.
"So, nun aber ab in dein Zimmer. Ich hab dir was zu Essen hingestellt und dann
fertig machen zum Schlafengehen!"
"Jawohl, Sir!" Riccardo salutierte ernst, dann lief er in sein Zimmer.
Sandro schüttelte nur den Kopf.
Okay, so lange war er hier noch nicht angestellt, aber so einer wie Riccardo war
ihm auch noch nicht untergekommen. Langsam beschlich ihn die Frage, warum dieser
eigentlich hier war. Er wirkte vollkommen normal und war dazu auch ziemlich
freundlich, wenn er nicht gerade seinen Kopf durchsetzten musste.
Deshalb schickte man doch keinen wie ihn in diese Klinik?! Angeblich sollte er
in bestimmten Situationen ziemlich wütend reagieren und man hatte ihnen gesagt,
sie sollten ihn nicht reizen. Doch Riccardo war scheinbar mächtig schwer zu
reizen....
Nachdenklich machte Sandro sich wieder an die Arbeit....


Kapitel 4: Eskalation

Die Woche verging und Riccardo besuchte Simon jeden Tag. Er erzählte ihm alles
mögliche und der Kleinere hörte ihm zu - doch ohne ein Wort zu sagen.
Riccardo hatte irgendwie gehofft, dass Simon sich wenigstens ihm gegenüber
öffnen würde, doch Pustekuchen. Simon war so verschwiegen wie immer.
Auch wenn der Ältere es nicht wollte, begann sich in ihm eine Unruhe deswegen
auszubreiten. An einigen Tagen war er kurz davor gewesen, etwas zu Simon zu
sagen, doch er hatte es sich jedes Mal verkniffen, bisher erfolgreich -
bisher....

Riccardo saß heute schon seit ungefähr zwei Stunden bei seinem neuen Freund
und dieser war noch schweigsamer als sonst. Geredet hatte er ja eh schon nicht,
aber heute tat er sich auch mit dem Kopfschütteln schwer. Riccardo musste ihn
manchmal zwei-, dreimal ansprechen, bevor Simon ihn wahrnahm.
/Was ist bloß los mit ihm? Langweile ich ihn so?/
Auf eine dementsprechende Frage, schüttelte Simon nur langsam den Kopf.
"Was ist es dann?" Riccardo wurde nervös.
Das kurze Schulternzucken von Simon machte es auch nicht besser.
/Ganz ruhig.... Riccardo, nicht aufregen... du weißt wie es endet, wenn du dich
aufregst.../ Er atmete ein mal tief durch.
Simon starrte traurig aus dem Fenster.
"Simon?"
"...."
"Was ist mit dir?"
Wieder ein Schulternzucken.
"Mit dir ist was! Sag es mir bitte!"
Simons Lippen glichen einem schmalen Strich, so fest presste er sie zusammen, in
sein Gesicht war ein bitterer Ausdruck getreten.
"Denk jetzt bitte nicht: Er weiß doch, dass ich nicht rede! Simon! Du kannst
sprechen! Das weiß ich! Das wissen die Ärzte, Pfleger, Therapeuten... und du
weißt es selber auch!!!" Riccardo wurde lauter.
Erschrocken blickte Simon ihn an und schüttelte nur den Kopf.
"Doch! Du kannst reden! Tu es für mich! Sag was! Und wenn es nur mein Name
ist!!!"
Wieder ein Kopfschütteln.
Riccardo war von dem Bett, auf dem er bis eben noch gesessen hatte,
aufgesprungen und lief nun nervös im Zimmer auf und ab.
"Und hör auf mit diesem dämlichen Kopfschütteln. Es macht mich nervös und
ich will nicht nervös werden! Und du willst es auch nicht, glaub mir!"
Nun erhob sich auch Simon. Mutig griff er nach Riccardos Handgelenk und hielt
ihn daran fest. Doch der Ältere zischte nur ein "Fass mich nicht an!!!" und
machte ruppig seinen Arm los. Simon zuckte zurück, als hätte er sich
verbrannt.
"Warum redest du nicht mit mir? Denkst du, es interessiert mich nicht, was du
bisher so gemacht hast? Hältst du es nicht für nötig, mir auch mal mündlich
auf meine Fragen zu antworten? Glaub mir, es hilf, wenn man über seine Probleme
spricht!!!" Riccardos Stimme wurde lauter, gespannter und sein Gang schneller.
Immer wieder die gleiche Strecke vom Fenster zur Tür. Auf und ab und auf und
ab....
Simon war die Angst deutlich anzumerken und er stellte sich Riccardo in den Weg.
Dieser wollte an ihm vorbei gehen oder der Jüngere breitete seine Arme aus.
Riccardo stoppte und warf ihm einen giftigen Blick zu.
"Du kannst doch sprechen!!! Ich versteh dich nicht! Es bereitet mir
Kopfschmerzen! Ich denke die ganze Nacht über dich nach! Du tust mir leid, aber
es macht mich wütend, dass du mir nicht erzählst, was mit dir los ist!"
Riccardo begann am ganzen Körper zu zittern.
"Oder willst du einfach nicht reden? Hältst du es nicht für nötig? Siehst du
in mir bloß jemanden, der dich beschäftigt? Der so blöd ist, sich mit dir
hinzusetzten und dir Geschichten erzählt? Simon! Ich will dein Freund sein! Und
Freunde erzählen sich alles. Du weißt jetzt schon so gut wie alles aus meinem
Leben... Gib's zu, du willst nicht mein Freund sein! Du hast mich die ganze
Woche nur ausgenutzt!"
Simon schüttelte wild den Kopf.
"Doch, du hast mich nur ausgenutzt... und langsam werde ich dir langweilig.
Deshalb hast du heute nur geradeaus gestarrt und mich nicht beachtete. Das
war's, oder?"
Simon schüttelte wieder mit dem Kopf.
"ACH! Ich sagte, du sollst mit diesem VERDAMMTEN Kopfschütteln aufhören!!!!"
Riccardo vergrub seine Hände bei sich im Haar. Seine Augen waren weit
aufgerissen und er begann sich selbst an den Haaren zu zerren.
Simon standen schon die Tränen in den Augen, denn er hatte keine Ahnung, was
auf einmal in seinen Freund geraten war.
Riccardo war doch immer der fröhliche Junge, der ihn aufgebaut hatte. Und was
er ihm hier vorwarf, stimmte doch alles nicht. Er wollte sein Freund sein. Und
er wollte auch reden, doch es ging nicht.... so sehr er sich auch bemühte... es
klappte nicht, viel zu groß war seine Angst....
Verzweifelt unterdrückte er das Kopfschütteln, da er seinen Freund nicht noch
mehr aufregen wollte und beobachtete, wie dieser sich an den Haaren zu ziehen
begann.
Erschrocken griff er nach Riccardos Hand und versuchte sie zu lösen, doch
Riccardo stieß ihn grob aufs Bett.
"Ich sagte, du sollst mich nicht anfassen, du gemeiner Lügner!!! Ich dachte
echt, wir sind Freunde! Du warst der erste richtige Freund, den ich hatte. Den
ich glaubte zu haben, muss ich wohl eher sagen. Alle haben mich immer stehen
gelassen. Spätestens, als sie merkten, dass ich schnell wütend werde. Dass ich
nicht ganz normal bin. Deshalb haben mich meine Alten hier hergebracht. Doch was
soll ich hier? Hier wird es auch nicht besser! Hier dreh ich höchstens noch
durch. Hier treffe ich Leute wie dich. Die mich belügen und mir Dinge
vorspielen. Ich will hier raus! ICH WILL HIER RAUS!"
Total außer sich gab Riccardo dem leeren Bett, welches neben Simons stand,
einen Stoß und schob es gewaltsam gegen den Schrank, der dort an der Wand
stand. Immer wieder wiederholte er die letzten Worte und brüllte sie so laut er
konnte.
Mit seiner ganzen Kraft fing er an gegen das Bett zu treten und auf es
einzuschlagen, nur um den inneren Druck, der ihn quälte, los zu werden. Er
musste sich abreagieren. Und das letzte bisschen Verstand, das sich bei ihm noch
nicht verabschiedet hatte, mahnte ihn, das nicht an Simon zu tun. Auch wenn eine
innere Stimme brüllte, dass er so seine angestaute Wut loswerden könnte.
Simon, der das Ganze mit einem angsterfüllten Blick beobachtet hatte, griff nun
endlich zur Klingel und drückte zig mal den kleinen Knopf, der den Pflegern
einen sehr dringenden Fall anzeigte.
Doch kaum hatte er die Hand von der Klingel genommen, öffnete sich auch schon
die Tür und Sandro stürmte in den Raum. Der Lärm war also nicht unbemerkt
geblieben.
Mit lautem Gefluche stürzte er sich auf den immer noch wütenden Riccardo,
welcher beständig auf das Bett einhämmerte. Von hinten schlang er seine Arme
um den kräftigen Leib und zwang Riccardo so, still zu halten, auch wenn dieser
immer noch rasend in seinen Armen zuckte und sich wand. Endlich betrat auch ein
Arzt den Raum und spritzte dem vor Wut schäumendem Jungen ein
Beruhigungsmittel. Dieser wand sich noch ein paar Sekunden schreiend in Sandros
Armen, dann wurde er ruhiger und verlor nach einigen Minuten des Widerstandes
das Bewusstsein.
Sandro atmete erleichtert auf und ließ den Jungen zu Boden gleiten.
Wütend wandte er sich zu Simon um und meinte laut:
"Was hast du mit ihm gemacht?"
Doch als er sah, dass Simon stumm vor sich hin weinte, taten ihm seine Worte
schon wieder leid. Langsam ging er auf den aufgeregten Jungen zu und meinte
beruhigend:
"Pscht! Schon okay, Simon. Ganz ruhig! Ich weiß, dass du nichts mit ihm gemacht
hast, ich weiß. Das ist nun mal Riccardo. Ab und an dreht er so durch. Hat er
dir das nicht erzählt?"
Ein schwaches Kopfschütteln von Simon.
"Keine Sorge. Der wird wieder. Er schläft jetzt erst mal ein paar Stunden, und
dann ist er wieder der Alte, glaub mir. Hör auf zu weinen, ja?"
Simon wischte sich trotzig die Tränen weg, dann zog er seine Beine zu sich auf
das Bett und umfing sie mit seinen Armen. Er rollte sich schützend zusammen.
Sandro seufzte tief und nahm dann die Bettdecke, um sie um die Schultern des
Kleineren zu legen.
"Dir wird noch kalt werden, hm?! So, ich muss jetzt gucken, was Riccardo
macht..."
Damit drehte er sich um und eilte dem Arzt und ein paar weiteren Pflegern hinter
her, die den schlafenden Riccardo auf dessen Zimmer getragen hatten. Als er dort
ankam, schien der Arzt gerade seine Untersuchung beendet zu haben und blickte
nachdenklich auf den Jungen vor sich. Sandro stellte sich neben ihn.
"Wie geht es ihm?"
"Er schläft, und das wird er wohl auch die nächsten Stunden. Sandro, sag mir
bitte was dort drinnen los war! Warum war er bei Simon?"
"Die beiden haben sich in dieser Woche so gut verstanden und Riccardo war jeden
Tag bei ihm. Er hat ihm gut getan. Simon hat gelächelt, hat ihm Antworten
gegeben, wenn er auch nicht geredet hat. Ich hab keine Ahnung, was dort drinnen
vorgefallen ist. So hab ich Riccardo noch nie erlebt. Sind das die Wutanfälle,
wegen denen er hier ist?"
"Ja... das sind sie wohl... und ich dachte unsere Therapie schlägt an. Er war
doch so friedlich bisher... Na ja... ich hab der Schwester gesagt, dass zu
seinen täglichen Tabletten eine Beruhigungstablette hinzu kommt. Achte bitte
darauf, dass er sie nimmt. Wir müssen mit ihm über diesen Vorfall reden...."
Damit wandte sich der Arzt der Tür zu und verschwand.
Sandro sah auf den schlafenden Riccardo hinunter und strich ihm sanft eine
kupferrote Haarsträhne aus dem Gesicht. Wie kam es bloß zu diesem Streit? Was
war der Auslöser? Riccardo war doch immer so gut gelaunt gewesen, nach den
Besuchen bei Simon.
Ratlos verließ auch er den Raum...


Kapitel 5: Nächtlicher Besuch

Riccardos Kopf dröhnte. Stöhnend drehte er sich auf den Rücken und schlug die
Augen auf. Seine Arm- und Beinmuskeln protestierten schmerzend. Kurz dachte er
an den Wutanfall zurück, den er eben gehabt hatte. /Eben? Wie lange hab ich
geschlafen?/
Gepeinigt schloss er die Augen wieder.
Was hatte er Simon da bloß an den Kopf geworfen? Scheinbar alles, was ihm
gerade eingefallen war. Hoffentlich hatte er ihm nicht weh getan, als er ihn so
unsanft auf das Bett gestoßen hatte.
Riccardo erhob sich wackelig. Es war 3:15 Uhr nachts. Er hatte ziemlich lange
geschlafen. Das und die Tatsache, dass sein Körper sich wie Blei anfühlte,
bestätigte seine Vermutung, dass sie ihm ein starkes Beruhigungsmittel gegeben
hatten.
/Ich muss zu Simon, mich bei ihm entschuldigen! Ich hab das alles doch nicht so
gemeint! Es ist mir bloß in den Kopf gekommen und somit auch über die Lippen.
Sicher ist er wie jeder andere. Sicher wird er mich einfach ignorieren. Er wird
Angst vor mir haben. Zurück weichen.../
Tränen begannen in Riccardos Augen zu brennen. Warum musste er auch solche
Wutanfälle bekommen? Warum konnte er nicht normal sein? Er wollte das alles
doch gar nicht!
/Da hilft nur noch von 'ner Brücke springen!/ dachte er verbittert, doch diesen
Gedanken schob er schnell beiseite. Bevor er nicht mit Simon geredet hatte,
würde er ohnehin nirgendwo runterspringen.
Immer noch ein bisschen wackelig schlich er zu seiner Zimmertür und öffnete
sie leise. Ein Blick nach draußen ließ ihn zusammenzucken - eine Schwester
lief gerade in diesem Moment an seiner Tür vorbei, doch sie schien ihn nicht
bemerkt zu haben, und bog ins Schwesternzimmer ein.
Barfuß und nur mit Boxershorts bekleidet /Sandro muss mich ausgezogen haben!/
schlich er schnell in Richtung Zimmer 52. Als er davor angekommen war, trat er
ein, ohne auch nur anzuklopfen.
Drinnen war es einigermaßen hell. Eine kleine Lampe an der Decke tauchte das
Zimmer in ein dämmriges Licht, welches aber genug Helligkeit bot, um Simon zu
sehen.
Er lag zusammengerollt unter seiner Decke und schien fest zu schlafen. Sein Atem
ging gleichmäßig. Er hatte den Rücken zur Tür gewandt.
Riccardo hatte die Tür geschlossen und sich an das leere Bett gestellt.
Anscheinend war alles wieder so hingeräumt worden, wie es sein sollte.
Ein schlechtes Gewissen überfiel ihn.
Bisher hatte Riccardo immer mit seinen Wutanfällen gelebt und auch die
Tatsache, dass er keine Freunde hatte, hatte er irgendwann akzeptiert. Es war
ihm egal geworden. Doch nun, da er Simon kennengelernt hatte, war es ihm nicht
mehr egal. Er wollte ihn so gern als Freund haben. Und er fühlte, dass er
einfach einen Freund brauchte. Auch wenn dieser nicht mit ihm reden würde.
/Wie bin ich bloß auf den Gedanken gekommen, dass er mich belügt?/
"Simon?", flüsternd sprach Riccardo den Jüngeren an. Dieser blieb regungslos.
Er wiederholte den Namen, nur etwas lauter.
Erschrocken fuhr der Kleinere herum und starrte ihn aus angsterfüllten Augen
an.
Dieser Blick bohrte sich wie ein Dorn in Riccardos Herz und er musste schlucken.
Dann fing er sich wieder.
"Simon! Keine Angst! Ich tu dir nichts. Wirklich."
Der Jüngere setzte sich in seinem Bett auf und beobachtete Riccardo schweigend.
Die Angst war fast vollständig aus seinem Blick gewichen, nur ein Funken
Misstrauen blieb zurück, welchen der Ältere aber durchaus verstehen konnte.
"Es tut mir leid, wirklich! Ich hab es nicht so gemeint! Glaub mir! Ich bin
einfach ausgetickt. Das hab ich öfters. Ich hätte es dir vielleicht erzählen
sollen..."
Keine Reaktion von Simon.
"Okay, ich verstehe, dass du mich jetzt missachtest. Ich wollte mich nur dafür
entschuldigen, dass ich dich erschreckt hab. Hab ich dir doll wehgetan, als ich
dich aufs Bett gestoßen hab?"
Simon schüttelte den Kopf.
"In Ordnung, das war eigentlich alles, was ich dir sagen wollte. Ich geh dann
mal besser..." Traurig drehte Riccardo sich um, doch Simon griff schnell nach
seinem Handgelenk.
"Was...?!" Riccardo blickte in die ebenfalls traurigen Augen von Simon.
"Hey, nun guck nicht so traurig... ich weiß, dass du von mir enttäuscht bist,
aber..."
Ein Kopfschütteln von Simon brachte ihn zum Schweigen.
Dieser legte seine Hand auf Riccardos Arm, der sich mit Gänsehaut überzogen
hatte.
Es war doch ein bisschen kalt, nur mit Boxershorts. /Vielleicht hätte ich mir
etwas anziehen sollen...?/ Unruhig trat er von einem Fuß auf den anderen.
Simon zog angesichts der Fröstelerscheinungen seines Freundes die Stirn kraus.
Ohne weiter zu überlegen, hob er seine Bettdecke und sah Riccardo einladend
an.
Dieser überlegte kurz, wobei er zur Tür blickte.
"Das... das kann ich nicht machen. Wenn wer reinkommt..."
Doch angesichts der Kälte, die langsam in seinen Körper schlich und der
Aussicht auf einen warmen Platz bei Simon unter der Decke, konnte er wohl
schlecht ablehnen. Wobei die Betonung wohl eher auf dem ,bei Simon' lag, wie er
selbst erstaunt feststellte. Die Vorstellung, den warmen schmächtigen Körper
neben sich zu spüren, ließ ihm schon ein bisschen wärmer werden.
Dankbar kroch er neben seinem Freund unter die Decke und merkte wie dieser wegen
der Kälte, die er ausstrahlte, zurück zuckte. Dann aber, ganz allmählich,
rückte Simon immer näher zu ihm heran und schmiegte sich warm an ihn.
Riccardo traute sich nach einiger Überlegung endlich einen Arm um seinen Freund
zu legen und dieser bette seinen Kopf zufrieden auf Riccardos Brust. Das schöne
honigblonde Haar kitzelte den Älteren, doch er genoss es.
Als er den gleichmäßigen Atem hörte, der ihm signalisierte, dass sein Freund
eingeschlafen war, schloss auch er die Augen und driftete in einen zufriedenen
Schlaf...


Kapitel 6: Ein unwirkliches Szenario

Das Schließen einer Tür riss Riccardo endgültig aus dem Halbschlaf, in dem er
sich schon seit einiger Zeit befand.
Müde öffnete er die Augen um dem Grund seines Erwachens entgegen zu blinzeln -
und erschrak.
"Sandro?" Es war eher ein verwirrtes Aufquietschen, als eine Frage.
Sandro schüttelte ungläubig den Kopf, angesichts des Szenarios, das sich ihm
bot. Was taten Riccardo und Simon zusammen in einem Bett?
"Was machst du hier?"
"Ich..." Riccardo stockte. Neben ihm begann sich jetzt auch Simon zu regen und
hob seinen Kopf ein Stückchen von Riccardos Brust. Als er Sandro entdeckte,
riss er überrascht die Augen auf, erhob sich aber nicht von seinem Freund.
"Also?", forderte Sandro Riccardo zum Weitersprechen auf.
"Ich war eigentlich nur hier um mich bei Simon zu entschuldigen!"
"Ach ja, und dann hast du dich einfach so entschlossen, dein Lager heute Nacht
hier aufzuschlagen?"
"Ja... ähm... ich meine nein..."
"Mensch, da schleppen wir dich gestern Abend mit Mühe und Not aus dem Zimmer
hier und morgens bist du wieder da. Wenn der Arzt davon erfährt..."
"Muss er doch aber nicht, oder?", unterbrach Riccardo den Pfleger.
"Hm... nein, muss er nicht. Aber heute Abend bleibst du bei dir! Dass das klar
ist!"
"Ja, ist klar..." Riccardo sah unsicher auf Simon, der immer noch in seinen
Armen lag und keine Anstalten machte, sich zu erheben.
"Simon? Ich muss wieder rüber, okay?"
Unwillig schüttelte der Angesprochene den Kopf, was Riccardo zu einem Lachen
veranlasste.
"Hey, du kannst mich nicht ewig hier behalten. Und wenn du willst, komm ich auch
wieder, versprochen!"
Unsicher hob Simon nun seinen Kopf an und sah forschend in die Augen des
Älteren. Dieser nickte ihm noch ein Mal auffordernd zu. Dann endlich gab der
Jüngere seinen Freund frei, welcher sich schwungvoll erhob.
"Okay, dann bis nachher!"
Ein Nicken.
"Jetzt komm endlich!", drängelte Sandro genervt.
"Ja ja ja..." Grinsend schritt Riccardo zur Tür und verließ den Raum.


Kapitel 7: Die Eiche

"Boah! Sandro hat mich heute morgen echt erschreckt!" Riccardo konnte nur mit
dem Kopf schütteln, als er an sein pochendes Herz von vor einigen Stunden
dachte.
Nun war es schon Nachmittag und er saß wieder bei seinem Freund auf dem Bett.
Simon hatte ihm anscheinend den Wutanfall vom vorigen Tag verziehen, denn der
begegnete Riccardo mit dem selben Vertauen, wie die ganze Woche über.
Riccardo beschloss, den letzten Abend abzuhaken. Er würde sich bemühen, dass
sowas nicht noch mal vorkam - was angesichts der zusätzlichen Tablette, die er
vorhin beim Mittagessen entdeckt hatte, wohl nicht all zu schwer werden würde.

"Simon?" Riccardo sprach seinen Freund unsicher an, denn dieser war wieder damit
beschäftig, aus dem Fenster zu starren. Doch dieses Mal regierte er gleich. Ein
fragender Blick forderte Riccardo auf, weiter zu sprechen.
"Was ist? Du guckst immer so gespannt raus. Ist da draußen was?" Neugierig
sprang Riccardo auf und trat ans Fenster.
Draußen schien die Sonne und gab den schon herbstlich aussehenden Bäumen einen
besonderen Schein. Die gelben und grünen Blätter schienen heute besonders zu
leuchten. Der sanfte Wind wiegte sie zärtlich hin und her.
Riccardo konnte deutlich Simons Blick im Rücken spüren und meinte verträumt:

"Herrlich, oder?"
Simon musste genickt haben, denn er erhob sich ebenfalls und stellte sich neben
seinen Freund. Ihre Arme berührten sich und Riccardo registrierte zufrieden,
dass Simon eine unglaubliche Wärme ausstrahlte. Wie nebenbei rückte er ein
Stückchen zu dem Jüngeren.
Dieser hatte es aber bemerkt und sah verlegen zu Riccardo auf. Der wich dem
forschenden Blick jedoch beharrlich aus.
Simon seufzte lautlos auf rückte nun seinerseits dichter zu Riccardo heran,
presste sich schon richtig gegen ihn.
Riccardo, der dies verwundert beobachtete, schlang seinen Arm, den er noch bis
eben auf die Fensterbank gestützt hatte, um Simons Hüfte und zog den Jüngeren
so dicht heran, dass er vor ihm stand. Verträum legte er sein Kinn auf Simons
Schulter ab und meinte flüsternd:
"Ich würde gerne mal wieder raus. Warst du schon draußen, seit du hier bist?"

Simon schüttelte den Kopf.
Da kam Riccardo eine Idee.
"Wollen wir ein bisschen spazieren gehen?"
Simon drehte sich überrascht herum, sodass er Riccardo ins Gesicht sehen konnte
und legte den Kopf schief. Ihre Gesichter waren nur wenige Zentimeter
voneinander entfernt.
"Willst du nun oder nicht?"
Ein zögerliches Nicken.
"In Ordnung, dann zieh dich an. Ich hole mir nur schnell 'nen Pullover, dann bin
ich wieder hier, okay?"
Riccardo wollte sich gerade umdrehen, doch Simon hielt ihn zurück. Auf seinem
Gesicht lag ein unsicherer Ausdruck. Riccardo verstand, was seinen Freund
bedrückte.
"Keine Sorge! Uns wird schon keiner erwischen. Und wenn schon?! Was ist gegen
ein bisschen frische Luft schon einzuwenden?"
Auch wenn Simon noch nicht ganz überzeugt war, ließ er seinen Freund nun
gehen.
Der stand nach wenigen Minuten wieder vor seiner Tür. Er hatte eine
ausgewaschene Jeans und einen schwarzen Rollkragenpullover an. Dieser passte gut
zu den, wie immer zusammengeflochtenen, kupferroten Haaren.
Simon hatte sich ebenfalls angezogen - er trug eine schwarze Stoffhose und einen
schwarzen Pullover.
Als er Riccardo seine Tür öffnen sah, eilte er zu ihm herüber und blickte
sich unsicher auf dem Gang um.
Sandro war nirgends zu sehen und die anderen Pfleger und Schwestern, die
unterwegs waren, schienen die beiden Jungen gar nicht zu beachten.
Entschlossen griff Riccardo nach der Hand des Jüngeren, welcher ihm willenlos
folgte.
Als beide am Ende der Station ankamen und durch die große gläserne Tür
traten, die in den Treppenflur und somit zum Ausgang führte, atmeten sie
erleichtert auf.
Hand in Hand stürmten sie die zwei Treppen herunter und hinaus auf den
Parkplatz der Klinik.
Dort hielt Simon plötzlich inne, löste sich von dem Anderen und sah sich
glücklich um.
Der Wind strich sanft durch sein honigblondes Haar und seine blauen Augen
konnten es mit dem strahlend blauen Himmel aufnehmen.
Riccardo durchlief ein wohliger Schauer. Er konnte seinen Blick einfach nicht
mehr von dem Jüngeren abwenden. Als dieser bemerkte, dass er angestarrt wurde,
sah er verlegen zu Boden.
Riccardo räusperte sich errötet und meinte dann leise:
"Lass uns mal ein bisschen nach dort hinten gehen. Irgendwo soll es hier, glaub
ich, noch 'nen kleinen Park geben. Vielleicht steht da ja 'ne Bank, oder so?!"
Simon sah wieder auf und verschränkte seine Finger wortlos mit denen von
Riccardo, bevor er ihn in die eben genannte Richtung zog.
Riccardo folgte ihm wortlos und genoss die vertraute Nähe zu seinem Freund.
Sie brauchten gar nicht lange zu suchen, da standen sie auch schon vor einer
kleinen Grünanlage. Ein kleiner, künstlich angelegter Teich zierte die Mitte
einer großen Rasenfläche, um die ein Sandweg herum führte. Hier und da
standen Bänke. Als Riccardo seinen Blick über die Grünanlage schweifen ließ,
bemerkte er auch die anderen Besucher, die sich an den letzten grünen Resten
des Sommers erfreuten.
Kurz verschwendete er einen Gedanken daran, dass sie vielleicht doch Ärger
bekommen konnten, wenn sie alleine draußen rumliefen, aber das war ihm
eigentlich egal. Er hatte immer noch Simons glückliches Gesicht vor Augen, und
das war allen Ärger wert.
Simon, der immer noch Riccardos Hand umklammert hielt, blickte seinen Freund
verwirrt an, da dieser mit seinen Gedanken weit weg zu sein schien. Fragend zog
er an Riccardos Hand.
Der Ältere erwachte aus seiner Starre und blinzelte entschuldigend zu seinem
Freund hinab.
"Wollen wir weiter?"
Simon nickte wieder und Hand in Hand schlenderten sie langsam den Kiesweg
entlang. Als die beiden eine freie Bank fanden, ließen sie sich darauf nieder
und genossen die letzten warmen Sonnenstrahlen des Tages. Der für diese
Jahreszeit laue Wind wehte ihnen sanft ins Gesicht und spielte mit ihren Haaren.

Simon sah sich noch eine Weile neugierig um, wobei sein Blick von einer der
großen Eichen gefesselt wurde.
Der Baum stand in seiner ganzen, gewaltigen Pracht ein Stückchen weiter
entfernt. Der Wind rüttelte sanft an seinen Ästen und das bunte Laub wiegte
gleichmäßig im Rhythmus der Böen. Der dicke dunkle Stamm des Giganten hielt
die große Krone mit Leichtigkeit und trotzte dem Wind. Alles in allem ein
faszinierendes Schauspiel.
Simon überlegte einen Moment, wie viele Jahre der Baum wohl schon das Antlitz
dieser Erde erblickte, doch dann wurde seine Aufmerksamkeit von etwas anderem
gefesselt.
Nahe des Stammes hockte ein kleines, zerzaustes Eichhörnchen und blickte
neugierig zu ihnen hinüber. Sein rotbraunes Fell glänzte seidig im Sonnenlicht
und da es sich vorwitzig aufgerichtet hatte, konnte man seinen weißlichen Bauch
erkennen. Seine schwarzen, glänzenden Knopfaugen schienen direkt auf Simons
gerichtet zu sein, welcher sich wie hypnotisiert erhob. Riccardos Blick wanderte
überrascht zwischen dem kleinen Nagetier und seinem Freund hin und her.
Der 15-jährige machte einige unsichere Schritte auf das Eichhörnchen zu. Das
kleine Tier blieb ruhig sitzen und musterte den Herankommenden mit einer
neugierigen Akzeptanz. Riccardo beobachtete das Schauspiel fasziniert und er
hätte schwören können, dass Simon einfach zu dem Tier hinüber gehen und es
anfassen würde.
Doch als nur noch wenige Schritte den 15-jährigen und das Nagetier trennten,
ging ein Ruck durch den Körper des Eichhörnchens. Sein Schwanz wippte kurz auf
und ab, dann ergriff es die Flucht. Mit einem lautlosen Sprung hüpfte es an den
Baumstamm und erklomm ihn mühelos und schnell. Das Einzige, was von dem kleinen
Tier zurück blieb, war ein raschelndes Geräusch in der Baumkrone, welches aber
nach einigen Momenten auch verstummte.
Simons Blick haftete an dem nun leeren Platz und es schien, als wenn er sich
nicht von ihm lösen könnte. Doch dann gab er sich einen Ruck und kehrte wieder
zur Bank zurück!
Riccardo, der seinen Freund mit einem schiefen Grinsen ansah, erntete nur ein
Schulternzucken, dann richtete sich Simons Blick auf seine Knie und er schien
verträumt seinen Gedanken nachzuhängen.
Riccardo ging es nicht anders. Er überlegte fieberhaft, warum er jetzt, hier
neben Simon, ein unheimliches Kribbeln verspürte.
Ab und an warf er einen Seitenblick auf die kleine Gestalt neben sich, doch
diese träumte vor sich hin. Seine Hände hatte Simon auf dem Schoß gefaltet
und ab und an strich er sich sachte über den Handrücken.
Riccardo hielt es nicht mehr aus, den sanften Bewegungen des anderen nur
zuzusehen und griff nach Simons Hand. Seine Finger waren eiskalt.
Überrascht sah Riccardo den Jüngeren an.
"Frierst du?"
Der 15-jährige sah verwirrt auf seine Hände, die von Riccardos gehalten
wurden, und dann in das Gesicht des anderen. Wortlos schüttelte er den Kopf.
"Sicher?"
Simon rollte mit den Augen.
"Okay, okay... aber lass uns trotzdem rein gehen, ja?", gab sich Riccardo
geschlagen.
Simon erhob sich leise, ließ aber Riccardos Hände nicht los. Sanft zog er den
anderen auf die Beine und verschränkte dann wieder die Finger seiner linken
Hand mit Riccardos.
Nebeneinander machten sie sich auf den Weg zurück in die Klinik.


Kapitel 8: Die Bitte

Riccardo hatte gerade die Glastür, die ihre Station von dem Treppenhaus
trennte, geöffnet, als ein wütendes Zischen ihn zusammenfahren ließ.
"Jungs!"
Verunsichert sah Riccardo den auf sie zustürmenden Pfleger an. Sandro schien
ziemlich sauer zu sein.
Als der Pfleger vor ihnen hielt, warf er beiden tödliche Blicke zu. Simon
klammerte sich an Riccardos Hand und drängte sich näher zu dem Älteren heran.
Der nahm ihn in eine lockere Umarmung und meinte dann versöhnlich zu Sandro:
"Nun bleib mal ganz ruhig!"
"Ruhig? Habt ihr sie nicht mehr alle?"
Riccardo schnappte empört: "Aber..."
"Nichts aber! Mann, ihr könnt doch nicht einfach verschwinden ohne euch
abzumelden. Tickt ihr jetzt völlig..."
"Aber, aber..." Die tiefe Stimme eines Arztes ließ alle drei zusammenzucken.
"Sandro, überlegen Sie sich bitte, wie sie mit den beiden reden!"
"Oh, Dr. Paukstädt. Ich wollte... also..." Sandro wurde rot, doch der Arzt
lachte nur gutmütig.
"Es ist ja nichts passiert! Aber noch mal verlasst ihr bitte nicht die Station!
Dass das klar ist?!"
"Natürlich!", versicherte Riccardo eingeschüchtert.
"Gut, dann bringen Sie, Sandro, bitte Simon auf sein Zimmer. Ich hab noch ein
paar Worte mit Riccardo zu wechseln?"
Überrascht riss dieser die Augen auf. Wollte der Arzt ihn doch für ihr Abhauen
bestrafen? Durfte er dies überhaupt?
Er konnte spüren, wie sich Simons Griff um seine Hand verstärkte und er sich
noch stärker gegen ihn presste.
Auch der Doktor schien dies zu bemerken, denn er meinte aufmunternd:
"Keine Sorge, Simon. Ich tu deinem Freund schon nichts. Ich möchte nur einmal
mit ihm reden. Es hat nichts mit eurer Aktion zu tun!"
Unsicher sah der 15-jährige zu seinem Freund auf und suchte dessen Blick. Als
er sah, wie Riccardo ihm sanft zulächelte, löste er sich von ihm und ließ
sich von Sandro in sein Zimmer begleiten.
Der Arzt und der 16-jährige sahen den beiden nach, bis sie verschwunden waren,
dann straffte Riccardo sich und meinte offen:
"Was gibt's, Doc?"
Der Arzt verzog ob dieser Anrede das Gesicht. Doch dann erklärte er:
"Es geht um Simon. Aber lass uns bitte auf dein Zimmer gehen. Es muss ja nicht
die ganze Station mitbekommen, um was ich dich bitten möchte!"
"Klar..." Mit diesen Worten setzte sich Riccardo in Bewegung und betrat sein
Zimmer. Der Arzt folgte ihm, um sich dann auf das leere Bett neben Riccardos zu
setzten.
"Okay, was ich nun mache, hab ich vorher noch nie gemacht, deshalb bitte ich
dich, Stillschweigen darüber zu bewahren."
"Worum geht's?" Riccardos Neugier war geweckt worden. Was konnte der Arzt von
ihm wollen? Wenn es um Simon ging?
"Ich möchte dich bitten, mit Simon zu reden!"
"Was?" Riccardo schien nicht zu verstehen.
"Also okay, pass auf: Simon scheint irgendein traumatisches Ereignis erlebt zu
haben und deshalb hat sich bei ihm eine Sprachblockade eingestellt. Er kann
sprechen, aber will nicht. Oder aber er möchte sprechen, doch etwas tief in
seinem Inneren lässt dies nicht zu. Die Psyche des Menschen geht meist tiefer,
als wir denken.
Seine Therapien bestehen großteils aus Gesprächen mit einem Psychologen, denn
wir wollen heraus finden, was Simon bedrückt, damit wir ihm helfen können.
Doch bisher haben wir nichts erreicht." Dr. Paukstädt sah den 16-jährigen, der
ihm die ganze Zeit mit offenem Mund zugehört hatte, bedeutungsvoll an. "Und
jetzt kommst du ins Spiel. Sandro hat mir erzählt, wie gut du dich mit Simon
verstehst und eben im Flur habe ich es ja selbst gesehen. Der Junge scheint an
dir zu hängen. Könntest du bitte mit ihm reden?"
"Ich und mit ihm reden???" Riccardo hörte sich an, als hätte ihm jemand etwas
Unglaubliches erzählt.
"Ja, frage ihn, was ihn bedrückt und ermutige ihn, es dir zu erzählen!"
"Das... das kann ich nicht machen!"
Der Arzt runzelte die Stirn. "Warum nicht?"
"Weil mich das nichts angeht. Wenn Simon reden möchte, wird er schon von
alleine zu mir kommen."
"Das habe ich dir doch versucht zu erklären. Es kann sein, dass er gerne reden
möchte, aber irgendwas bei ihm blockiert, sobald er es versucht. Wenn man ihn
nicht auf das Passierte anspricht, wird er nichts sagen!"
Riccardo starrte auf die weiße Decke seines Bettes. Er konnte doch unmöglich
mit Simon über sowas reden! Was, wenn er den Jüngeren nur quälen würde mit
seiner Fragerei? Was, wenn Simon ihn wieder nicht beachten würde und Riccardo
abermals einen Anfall bekam? Noch mal wollte er dies seinem Freund nicht
zumuten. Aber andererseits war Simon ja nun mal sein Freund und er sollte
versuchen, ihm zu helfen.
Doch er hatte Angst davor. Was, wenn Simon sich dann ganz vor ihm verschließen
würde? Riccardo konnte es nicht verhindern, dass ein Zittern seinen Körper
durchfuhr.
"Riccardo? Alles in Ordnung mit dir?"
"Was...?" Überrascht sah Riccardo auf. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er in
Gedanken versunken gewesen war. Schnell antwortete er: "Ja, mir geht es
bestens... Doch ich weiß nicht, ob ich Ihre Bitte erfüllen kann."
"Warum? Was für Bedenken hast du denn?"
"Ich weiß nicht... ich bezweifele bloß, dass Simon mir etwas erzählt... und
außerdem habe ich Angst davor, ihm weh zu tun!"
"Warum wehtun?" War der Arzt so blöd oder tat er nur so? In Riccardo flammte
ein Funken Wut auf. Doch eher dieser auch nur zu einem Feuer heranwachsen
konnte, zwang er sich selbst zur Ruhe. Leise erklärte er:
"Ich möchte ihn nicht mit Fragen über dieses traumatische Ereignis, wie Sie es
nennen, quälen. Sicher versucht er damit fertig zu werden und wenn ich
nachbohre..."
"Aber Riccardo. Das ist es doch gerade. Er versucht damit fertig zu werden und
das in Form des Verdrängens. Bloß wenn er es verdrängt und nicht verarbeitet,
wird es ihn ewig belasten. Selbst dann, wenn er wieder spricht. Er muss darüber
reden. Nur so kann ihm geholfen werden und er kann ganz damit fertig werden!"
"Sie hören sich an wie mein Therapeut!" Riccardo verzog das Gesicht, was den
älteren Mann zum Lächeln brachte.
"Was denkst du, was ich bin?! Machst du's nun?"
"Ich weiß nicht..."
"Na ja..." Der Arzt erhob sich seufzend. "Du kannst ja eine Nacht drüber
schlafen. Wenn du zu einer Entscheidung kommst, teile sie mir bitte mit, ja?"
Riccardo nickte wortlos und sah dann dem Arzt nach, wie er sein Zimmer verließ
und leise die Tür hinter sich schloss.

Riccardo ließ an diesem Abend das Abendessen ausfallen. Auf Sandros Frage, ob
er denn keinen Hunger habe, antwortete er nur mit einem Grummeln. Der Pfleger
musterte ihn mit einem nachdenklichen Blick, doch dann ließ er den grübelnden
Jungen alleine.
Der war immer noch hin und her gerissen.
Was sollte er tun? Sollte er es wagen, Simon auf das Passierte anzusprechen und
versuchen ihm zu helfen oder sollte er es lieber lassen, da der 15-jährige sich
sicher von ihm abwenden würde?
Er wusste einfach nicht, was zu tun war. Bloß, was konnte an dem Versuch zu
helfen, schlecht sein? Simon würde sicher verstehen, dass er nur um ihn besorgt
war und ihn deshalb nicht weniger mögen - das hoffte er zumindest.
Nach langem Hin und Her beschloss er, sein Gegrübel aufzugeben. Er würde Simon
darauf ansprechen, denn er wollte seinem Freund helfen. Und so wie sich der Arzt
angehört hatte, musste Simon geholfen werden, denn sonst würde er das
Passierte - was auch immer es war - nie vergessen.
Entschlossen erhob sich der 16-jährige von seinem Bett und trabte ins
Badezimmer, um sich zu duschen. Seine Entscheidung stand fest, er würde seinem
Freund helfen so gut es ging.


Kapitel 9: Haut wie Elfenbein

Als Riccardo am nächsten Morgen aufstand, hatte sich an seiner Entscheidung
noch nichts geändert und so suchte er Dr. Paukstädt auf, um ihn von seinem
Entschluss in Kenntnis zu setzten.
Der Arzt dankte ihm mehrmals für den Versuch, den er starten wollte, und
versuchte ihm zig Ratschläge zu geben. Doch Riccardo hörte ihm nicht wirklich
zu, er war damit beschäftigt, sich einen passenden Anfang auszudenken. Doch das
war schwerer als gedacht, also entschloss er sich, alles spontan zu machen.

Der 16-jährige stand nun schon seit mehreren Minuten vor Simons Zimmertür und
konnte sich einfach nicht durchringen, den Raum zu betreten. Sein Herz pochte
ihm bis zum Hals und er konnte es nicht verhindern, dass seine Hand leicht
zitterte, als er sie endlich nach der Türklinke ausstreckte.
Leise drückte er sie runter und öffnete vorsichtig sie Tür. Doch zu seinem
Überraschen fand er den Raum leer vor. Suchend blickte er sich um, doch Simon
war nirgends zu sehen.
/Sicher hat er eine Therapie?!/, ging des dem 16-jährigen durch den Kopf und er
wusste nicht, ob er sich über diese Tatsache freuen sollte.
Seufzend ließ er sich auf dem leeren Bett neben Simons nieder und starrte
verträumt vor sich hin. Hoffentlich trat er Simon nicht zu nahe, wenn er ihn
auf sein Problem ansprach...?!
Das Öffnen einer Tür ließ Riccardo zusammenzucken. Doch es war nicht die
Zimmertür, sondern die, die das kleine Badezimmer abgrenzte.
Überrascht sah er hinüber ... und stockte.
Vor ihm stand Simon, doch der 15-jährige war nur mit einem um die Hüften
geschlungenen Handtuch bekleidet. Er war wirklich sehr dünn, doch bei ihm sah
es nicht abstoßend aus, sondern im Gegenteil, sehr anmutig und anziehend. Seine
Haut war unnatürlich weiß, fast so wie Elfenbein und sie glänzte seidig. Hier
und dort suchte sich noch ein Wassertropfen seinen Weg nach unten, um dann in
dem weißen Krankenhaushandtuch zu verschwinden. Das honigblonde Haar des
Jüngeren hing ihm strähnig ins Gesicht.
Als Simon die Person in seinem Zimmer entdeckte, verzog sich sein Gesicht
erschrocken, doch als er seinen Freund erkannte, beruhigte er sich wieder.
Unsicher sah er ihn an und wurde rot, als er merkte, wie der Ältere ihn
anstarrte.
Doch auch diesem schien sein Starren aufzufallen, denn er wendete verlegen
seinen Blick ab und meinte leise:
"Morgen, Simon!"
Der Angesprochene nickte ihm lächelnd zu und schritt dann zu seinem Schrank
hinüber. Mit einer Hand das Handtuch an seinem Platz haltend, durchwühlte er
ihn mit der anderen bis er eine weiße Hose und ein ebenfalls weißes T-Shirt
gefunden hatte. In Unterwäsche schlüpfend, zog er sich dann vollständig an,
ohne sich auch nur von dem warmen Blick in seinem Rücken stören zu lassen. Es
machte ihm anscheinend nichts aus, dass er beobachtet wurde.
Diese Tatsache ließ Riccardos Herz einen Hüpfer machen. Der Jüngere schien
ihm wirklich zu vertrauen.
Als Simon fertig war, drehte er sich schwungvoll zu seinem Freund um und ließ
sich lächelnd neben ihm nieder.
Der musste einmal schlucken, dann begann er zu erzählen. Aber nicht über das,
was er eigentlich geplant hatte, sondern über unwichtiges.
Simon hörte ihm gespannt zu und antwortete wie immer mit Nicken oder
Kopfschütteln auf Riccardos Fragen.
Doch eine Frage ließ sein Lächeln ersterben.
"Was ist damals passiert?"
Eigentlich hatte Riccardo seinen Plan, Simon heute danach zu fragen, schon lange
über den Haufen geworfen. Viel zu schön war die Stimmung im Raum gewesen und
die sanfte Vertrautheit, mit der sie zusammen gesessen hatten. Doch nun war ihm
die Frage, die ihn schon den ganzen Tag beschäftigte, dennoch über die Lippen
gekommen. Innerlich biss er sich auf die Zunge. Simons überraschter Blick, der
dann misstrauisch wurde, fügte ihm fast körperlichen Schmerz zu und er wollte
diese Frage schon wieder zurück nehmen, als Simon mit dem Kopf schüttelte.
Riccardo sah ihn eindringlich an.
"Was ist los, Simon? Warum willst du nicht darüber reden?"
Wieder ein Kopfschütteln.
"Simon!" Riccardo ließ sich von dem Bett, auf dem sie beide saßen, rutschen
und hockte sich vor den Jüngeren auf den Boden. Seine Hände legte er sanft auf
Simons Knie. "Was bedrückt dich so sehr, dass du nicht darüber reden kannst?
Denkst du nicht, dass man dir vielleicht helfen könnte?"
Simons Blick wurde traurig, ein Kopfschütteln folgte.
Riccardo seufzte auf. "Ach Simon..."
Dessen Blick wurde fragend.
"Ich will dir doch nur helfen!"
Simon lachte lautlos auf und erhob sich dann vom Bett. Mit schleichendem Schritt
ging er zum Fenster hinüber und sah gedankenverloren nach draußen. Sein
Gesicht hatte einen bitteren Ausdruck bekommen, das konnte Riccardo in der
Fensterscheibe sehen.
Der 16-jährige überlegte fieberhaft, was er nun sagen konnte, doch sein Mund
war schneller als seine Gedanken.
"Die Ärzte wollen dir doch auch nur helfen!"
Sofort schoss Simon herum und sein Gesicht war wutverzerrt. Seine Augen hatten
sich zu misstrauisch dreiblickenden Schlitzen verengt und er musterte seinen
Gegenüber abschätzend.
Riccardo zuckte unter diesem Blick zusammen und begann nervös zu stammeln:
"Ich... ich meine..." Doch dann brach er ab und entschied sich für die
Wahrheit, auch wenn dies der falsche Weg sein würde - auf die eine Weise.
"Okay, die Ärzte haben mich gebeten mit dir zu reden!"
In Simons Augen trat ein verletzter Ausdruck, der Riccardo schmerzte. Schnell
erhob er sich und schritt zu seinem Freund hinüber.
"Ich... Denk bitte nicht, dass ich dich ausspionieren sollte, oder so. Sie
meinten nur, dass du über alles reden müsstest, damit es dir besser geht. Und
ich wollte dir nur helfen!"
Ein ungläubiges Kopfschütteln des 15-jährigen. Ein enttäuschtes Lächeln
umspielte seine Mundwinkel und Riccardo konnte spüren, wie erneut ein Fünkchen
Wut in ihm heranwuchs. Warum glaubte ihm der andere nicht? Er hatte es doch nur
gut gemeint!
"Jetzt guck mich nicht so an!", verlangte er mürrisch. "Ich wollte dir doch nur
helfen, das musst du mir glauben!"
Doch Simon schüttelte nur abermals den Kopf und wollte an Riccardo
vorbeitreten. Der hielt ihn jedoch am Arm fest und zwang ihn mit sanfter Gewalt,
in sein Gesicht zu blicken. Simon wollte sich von ihm losreißen, doch Riccardo
packte fester zu.
"Nun glaub mir doch!" Er wurde lauter.
Simon sah mit schmerzverzerrtem Gesicht auf die Stelle, an der sein Arm von
Riccardo festgehalten wurde. Sie war schon rot und von seinem Gezerre wurde es
auch nicht besser.
Als Riccardo den gequälten Gesichtsausdruck bemerkte, ließ er seinen Freund
keuchend los. Er war schon wieder kurz davor auszurasten.
Simon wich zitternd vor ihm zurück und sah in misstrauisch an. In seinem Blick
war nun nichts mehr warmes oder freundliches, er sah nun einfach nur noch
feindselig aus. Anscheinend war er von seinem Freund enttäuscht und wollte
diesem das auch zeigen.
"Mensch Simon. Nun glaub mir doch! Es wird dir besser gehen, wenn du drüber
redest! Ich höre dir gerne zu! Und wenn du es nicht willst, renne ich damit
auch nicht zu einem Arzt. Dann gucken wir beide gemeinsam, wie wir dir helfen
können!"
Wieder ein Kopfschütteln!
"Aber Simon...!"
Der 15-jährige macht eine herrsche Geste mit seinen Armen und brachte den
anderen somit zum Schweigen. Dann deutete er mit zittriger Hand auf die Tür und
Riccardo verstand ihn...
Er unternahm noch einen letzten Versuch, Simon zu überreden, doch auch dieser
wurde abgeblockt.
Mit traurigem Blick setzte er sich in Bewegung und sah seinen wütenden Freund
noch ein letztes Mal an, bevor er den Raum endgültig verließ.
Er hatte alles falsch gemacht...