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Schicksalsbegegnung

Original [NC-16] [ongoing] 

[etwas Depri][Drama][etwas Zucker]

Teile: aktuell 7

Inhalt:
Denni-Ray ist unzufrieden mit seinem Leben. Eines Nachts Im Park entdeckt er eine andere Welt. Dort lernt er den smarten Vampir Tobi kennen. Von da an, nehmen die Dinge ihren Lauf.

 


 

 

Schicksalsbegegnung


Teil 1


Es war wie fast immer. Der Tag war recht langweilig, was dem jungen Mann nur zu gut bewusst war. Die Sonne schien durch das große Fenster und ließ seine Haare noch heller glänzen. Seine Augen waren stur auf das Blatt vor ihm gerichtet. Dennoch nahm er es mal wieder nicht wahr. Viel zu sehr war er mit seinen Gedanken beschäftigt, die ihn einfach nicht in Ruhe lassen konnten. Obwohl es so fast immer war. In der Schule konnte er seinen Gedanken nachgehen. Bis hier hallten nicht die Schreie seines Vaters. Ein wehmütiges Lächeln umspielte seine schönen Lippen. Eigentlich mochte er ja diesen Mann, aber auf der anderen Seite hasste er ihn auch für die Dinge, die er mit ihm gemacht hatte. Woran er lieber nicht mehr dachte. Ein leiser Schauer rann dabei über seinen Rücken. Vielleicht hatte sein Verhältnis zu seinem Vater auch sein ganzes Leben geändert. Vor gut fünf Jahren war seine Mutter einfach mit einem anderen Mann abgehauen. Damals war das für ihn, als 16 Jähriger schon ein recht großer Schock gewesen.


Zumal sich seine Mutter nicht mal von ihm verabschiedet hatte. Sie hatte kein gutes Wort für ihn übrig gehabt, nie hatte sie auch nur im Ansatz gezeigt, das sie ihren Sohn gern hatte. Von einem Tag zum anderen war sie verschwunden. Das hatte seinen Vater stark getroffen.



Die ersten Paar Tagen war er nicht ansprechbar gewesen, hatte seine Arbeit und ihn ganz im Stich gelassen. Aber wo hatte der junge Mann mit seiner Trauer hingesollt? Erst als sein Vater eines Abends stockbetrunken nach Hause kam und die ganze Wohnung zusammenbrüllte, war in dem Blonden ein Schalter umgekippt worden. Erst in diesem Moment hatte er wirklich verstanden was passiert war. Er war zwar schon immer ein recht ruhiger Mensch gewesen, aber nach der ersten derben Berührung mit dem Mann, der sein Vater sein sollte, war er ganz in sich zurück gekehrt.


Ab da hatte sich für ihn wirklich alles geändert. Der junge Mann hatte sich verkrochen. Wollte mit der Welt um ihn herum nichts mehr anfangen. Zu tief saß seine Wut und Angst. Irgendwann hatte er auch angefangen zu schreiben. Das war schon immer ein kleiner Wunschtraum gewesen. Was ihm auch gelungen war. Seine Gedichte war vielleicht nicht immer Grammatisch richtig, dafür aber wunderschön.


Einsam.
Immer wieder bin ich allein.

Niemand ist bei mir.

Niemand kümmert sich um mich.

Die Schwärze kriecht in mein Herz.

Sie versucht mich zu töten.

Will mich von innen heraus verletzten.

Ich bin so einsam.

Die Welt hat mich verlassen.

Mein Leben ist ein unbedeutendes NICHTS.

Ich bin das nichts.

Schwarz.
Alles um mich ist schwarz.

Tote, lehre Augen blicken mich an.

Es sind meine Augen.

Augen ohne jegliche Gefühle.

Ich bin allein und es werde es für immer sein.

Bis der Tot gnädig zu mir ist und mich erlöst.


Die Traurigkeit und vor allem die Einsamkeit die aus ihnen sprach, offenbarten so viel von seinem Leben. Ein Leben über das er nicht sprach, oder nicht sprechen wollte. Einige seiner damals besten Freunde hatten sich von ihm abgewendet. Ihnen war der großgewachsene, blonde junge Mann mit den strahlend blauen Augen, einfach zu merkwürdig erschienen.


Jetzt hatte er bloß noch seine beste Freundin und zwei andere gute Freunde, die ihm nicht im Stich gelassen hatten. Das war mehr oder weniger seine Familie, aber eine Familie mit der er glücklich war. Das waren die einzigen Menschen auf die er sich verlassen konnten und die ihn verstanden. Er war nun mal nicht ganz so normal wie der Rest seiner Klasse. Die Mädchen hatte zwar schon lange ein Augen auf ihn geworfen, aber das ließ ihn kalt. Für ihn hatten Frauen einfach keinen besonderen Reiz. Vielleicht lag es daran das seine Mutter abgehauen war. Es konnte aber auch gut sein, das ihn der Kuss eines jungen Mannes verzaubert hatte.

Vor gut einem Jahr war er mit Holly, seiner besten Freundin auf einer Party gewesen. Dort war wirklich alles vertreten gewesen. Von Homosexuellen bis zu Heteros und Lesben. Schon den ganzen Abend hatte ihn ein Junge angestarrt. Die grünen Augen hatten ihn nicht aus dem Blick gelassen. Am Anfang war es ihm unangenehm gewesen, dann hatte er sich jedoch daran gewöhnt und sich mit Michael unterhalten. Er musste feststellen das dieser Junge wirklich sehr nett war und auf ihn etwas ausübte, was er nicht so ganz verstand. Als er dann mit Holly wieder gehen wollte, da die Party schon fast zu Ende war, hatte Michael ihn an sich gezogen und ihn einfach geküsst.


Es war nicht sein erster Kuss gewesen, aber sein erster Kuss mit einem Mann. Bis heute hatte er Michael nicht vergessen, hatte ihn aber auch nicht wieder gesehen. Oft dachte er an den Kuss zurück. An das Gefühl was er dabei gehabt hatte. War er nun wirklich Schwul? Oder baute sich das nur auf dieses Gefühl auf? Schließlich war es ja bloß ein kleiner, kurzer Kuss gewesen. In seinen Gedichten hatte er viel darüber geschrieben. Hatte dort alles hineinfließen lassen und war sich sicher, solche Nähe noch besser spüren zu wollen. Dennoch konnte er es nicht zugeben. Es passte einfach nicht. Was hätte bloß sein versoffener Vater dazu gesagt? Obwohl er sich nicht sicher war, ob der das überhaupt bemerken würde. Aber auch seine sonstige Umwelt machte ihm Angst. So wie seine ganze Klasse über Schwule redete und lachte, wäre es wohl nicht gut gewesen. Aber was interessierten ihn die anderen? Sie hatten ihn schon immer alleine gelassen. Sein Gesicht verdunkelte sich etwas. Es war nicht gut wieder darüber nach zu denken. Vielleicht sollte er für den Rest der Stunde noch in seiner Traumwelt versinken. Dort hatte er seine Ruhe und konnte machen was er wollte.


Leider wurde daraus nichts. Eine schwere Hand legte sich auf seine Schulter und riss ihn somit aus seinen Träumereien.


„Wie oft muss ich dich noch rufen, das du mich endlich hörst, Denni-Ray? Das ist ja einfach unglaublich. Du kannst meine Frage bestimmt nicht beantworten, oder? Aber du hast mich ja nicht Mal gehört,“ fauchte seine Lehrerin ihn an. Überrascht riss Denny-Ray die blauen Augen auf und starrte seine Lehrerin etwas verstört an. Das war nicht das erste mal das er im Unterricht nichts mitbekam. Bei ihm war das schon Gewohnheit. Obwohl seine Noten nicht ganz dazu passten. Die waren nämlich recht gut.


„Oh, Entschuldigung. Ich war mit meinen Gedanken wirklich wieder woanders. Könnten sie ihre Frage bitte noch einmal wiederholen?“ bat der junge Mann. Trotz seines schrecklichen Lebens, hatte er eine so besondere und liebe Art an sich, das man ihn nicht böse sein konnte. So war es auch diesmal. Frau Soraya sah ihn bloß an und lächelte. Ihrer Meinung nach würde Denni-Ray einen perfekten Schwiegersohn abgeben, wenn er sich zumindest mehr mit dem Leben beschäftigen würde. Das tat dieser aber leider nicht. Viel zu sehr liebte er dafür seine Traumwelt. Eine eigene erschaffene Welt in der er sich sicher und geborgen füllte.


Der Unterricht zog sich noch einige Minuten hin, dann war er vorbei. Der Schultag hatte ein Ende. Langsam packte der junge Mann seine Schulsachen zusammen und verließ dann den Raum. Heute hatte er noch etwas vor. Vor der Schule wartete schon Holly auf ihn.


„Hey, da bist du ja endlich. Können wir los? Ich habe Hunger,“ begrüßte ihn die junge Frau und umarmte ihn. Das war immer einer der Momente die er liebte. Diese etwas verrückte junge Frau war der Mittelpunkt in seinem Leben. Sie war der einzige Mensch, dem er vertraute und liebte.


„Hi Süße, ich weiß es hat es länger gedauert. Klar können wir los. Ich habe auch Hunger,“ antworte er mit einem Lächeln. Die junge Frau schüttelte bloß den Kopf und hackte sich bei ihm unter. Denni-Ray war zwar manchmal etwas seltsam, aber immer noch die beste Gesellschaft. Mit ihm konnte man über alles reden und er hörte auch immer zu.


Gemeinsam machten sie sich nun auf den Weg zu dem kleinen Chinarestaurant am Ende der Strasse. Dort waren beide schon bekannt, weil sie sich einmal in der Woche dort etwas zu Essen bestellten. Heute war mal wieder dieser Tag.


Meistens verlief ihr Essen ruhig, ohne besondere Störungen. So war es auch heute. Sie waren auch bloß zwei Freunde, die gemeinsam sich ein Mal könnten. Nichts weiter. Es gehörte einfach zu ihnen. Es war so normal.


Wenn das Leben doch sonst immer so normal gewesen wäre?





~ Teil 2 ~

Später am Abend saß der junge Mann allein am Fenster und starrte nach draußen in die Nacht. Es war so eine schöne, klare Nacht. Der Mond beschien sein blasses Gesicht und zauberte so den Eindruck eines Toten. Eine frische Brise wehte in das Zimmer und spielte mit den langen blonden Haaren, ließ sie anmutig durch die Luft gleiten. Das war einer der Momente die Denni-Ray über alles liebte. Einfach nur die Ruhe und die Dunkelheit genießen. Seine Einsamkeit. Manchmal hasste er sie über alles. Dieses Gefühl, allein und verlassen zu sein. Aber dieser Anblick. Das seichte Mondlicht, was sich in dem kleinen Teich spiegelte. Der Zauber zeigte sich für ihn immer bloß in solchen Momenten. Hier konnte er seinen Gedanken nachgehen. Konnte an eine andere Welt glauben.

Langsam stand er auf und ging zur Tür. So wie es schien schlief sein Vater auch schon. Das war auch gut so. Leise huschte er über den winzigen Flur und schnappte sich seine Schuhe. Er wollte noch einmal raus. Das berauschende Gefühl, dieser schönen Nacht erleben. Nur ein kleiner Spaziergang im Park. Mehr wollte er jetzt nicht. Nachdem er sich den Schlüssel genommen hatte, schloss er die Tür zu und ging die Stufen nach unten. Auf eine Jacke hatte er verzichtet, da es eh noch sehr warm war. Die Hände in den Taschen seiner schwarzen Jeans vergraben, wanderte er durch die Strassen und steuerte den Park an. Die blonden Haare wurden immer wieder von einem leichten Wind erfasst.

„Wie gern würde ich das hier alles hinter mir lassen. Mein Leben ist doch die reinste Katastrophe. Es wäre so schön mal einem Engel, oder der gleichen zu begegnen,“ flüsterte er in die Dunkelheit. Natürlich wusste er das seine Worte sinnlos waren. Das er nicht damit rechnen konnte. Aber er liebte seine Fantasie. Sie war das einzige was er noch besaß.

Geschmeidig ließ er sich auf eine Bank nieder und starrte den Himmel an. Hier war es ganz still. Nur gelegentlich hörte er das Rauschen der vorbeifahrenden Autos. Ansonsten war es ruhig. Eigentlich schon ungewöhnlich.

Den Kopf in den Nacken gelegt, schloss er für einen Moment die Augen, öffnete sie aber Augenblicklich wieder, als er laute Stimmen hörte. Ruckartig stand er auf und blickte sich um. Nirgends war etwas zu sehen. Hatte er sich das jetzt bloß eingebildet?

Nein, da war es schon wieder. Diesmal noch etwas lauter und wütender. Es klang fast wie ein Streit, vielleicht aber auch ein Kampf. Verwundert ging Denni-Ray in die Richtung aus welcher der Lärm kam. Hinter zwei großen Bäumen konnte er einige Gestalten erkennen, die miteinander kämpften. Es sah fast wie Schwerter aus, was sie bei sich trugen, aber sicher war er sich nicht. Dafür war es viel zu dunkel. Neugierig geworden, wagte sich der junge Mann noch etwas näher heran. An dem großen Baum blieb er jedoch stehen. Die Lichtung, auf der die Männer standen, sah anders aus. >Das gehört nicht mehr zum Park,< schoss es Denni-Ray durch den Kopf. Leichte Furcht, aber auch das Verlangen herauszufinden was hier nicht stimmte, packten ihn. Sein Blick wanderte zwischen den Männern hin und her. Es waren tatsächlich Schwerter mit denen die Männer kämpften. Außer einer. Ein großer junger Mann, mit langen schwarzen Haaren, verteidigte sich bloß mit seinen Fäusten und das nicht mal schlecht. Er musste unglaublich stark sein. Sein Begleiter, ein etwas kleinerer Mann, mit kurzen, scheinbar hellen Haaren, wirbelte sein Schwert durch die Luft und rammte es seinem Gegenüber in die Brust. Das Blut spritze mit einer Kraft heraus und benetzte den Mörder mit feinen Tropfen. Der Verwundete taumelte und brach schließlich zusammen. Zufrieden zog der Gewinner sein Schwert aus dem toten Körper und wandte sich an den dunkelhaarigen. Dieser hatte gerade seinem Gegner das Genick gebrochen. Der schlaffe Körper fiel mit einem dumpfen klatschen zu Boden.

Denni-Ray zog zischend die Luft ein. Das waren eindeutig Mörder. Langsam machte er einen Schritt zurück. Angst hatte von ihm Besitz ergriffen. Jetzt wollte er nichts anderes, als hier weg. Aber das war ihm nicht vergönnt.

Der Dunkelhaarige hob den Kopf und blickte genau in seinen Richtung. Durchbohrte ihn fast mit seinen Blicken. „Komm sofort daraus. Ich habe dich schon gesehen, wer immer du bist,“ rief er. Seine Stimme klang kalt und schneidend. Dennoch hatte sie auch etwas unglaublich sanftes an sich. Zuerst bewegte sich Denni-Ray nicht ein Stück. Dann besann er sich doch eines besseren. Er hatte eh keine Wahl. Langsam kam er hinter dem Baum vor und trat in das seichte Mondlicht. Sein Körper wirkte so steif und wollte ihm fast schon nicht mehr gehorchen. In seinen Augen spiegelte sich seine gesamte Angst wieder. Die blauen Diamanten musterten scheu die Umgebung und blieben schließlich an den zwei Kriegern hängen.

„Darf ich ihn töten, Tobi? Er hat uns doch gesehen,“ fragte der Kleinere. Seine Augen blitzen vor Mordlust finster auf. Man konnten deutlich spüren, dass er ihn töten wollte. Belustigt musterte er sein Opfer. Dieser war bloß zusammen gezuckt und stand starr da. Die blauen Seen nur auf diesen Tobi gerichtet. „Nein Joe. Ich will ihn mitnehmen. Soll der Chef doch entscheiden was wir mit ihm machen. Oder er bleibt erst mal bei mir,“ antworte er schließlich. Es klang ruhig und gebieterisch. Fast schon überheblich. Aber noch etwas anderes lag in seiner Stimme. Etwas was Denni-Ray nicht deuten konnte.

Joe gab bloß ein beleidigtes Knurren von sich. Die Enttäuschung stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Das ist unfair. Ich war grade so schön in Übung,“ brummte er. Aber Tobi schien das schon nicht mehr zu interessieren. Er musterte den jungen Mann mit deutlichem Interesse. Bedächtig machte er einige Schritte auf ihn zu und sah belustigt wie dieser zurück wich. Denni-Ray schluckte schwer. Das hier war gar nicht gut. Panik stieg in ihm auf. Was sollte er jetzt tun? Es gab keine Möglichkeit zu fliehen.

Der Typ kam ihm immer näher. Langsam wich er zurück, bis er gegen etwas stieß und das Gleichgewicht verlor. Mit einem verblüfften Schrei kippte er noch hinter und landete auf dem Boden. Tobi konnte sich bei dem Anblick ein lächeln nicht verkneifen und kniete sich vor hin. Erst jetzt konnte Denni-Ray ihn richtig erkennen.

Das lange schwarze Haar fiel lose auf seine breiten Schultern. Damit sah er schon verwegen aus. Sein Gesicht hatte fein geschnittene Züge und wirkte nicht im Mindesten bedrohlich. Die fast schon schwarzen Augen leuchteten in so einer Stärke, wie er sie noch nie gesehen hatte. Sie schienen fast das Einzige an diesem Mann was sprechen konnte. Nur hier schien man ihn erkennen zu können. Die leicht roten Lippen wirkten erstaunlich verführerisch. Was Denni-Ray nicht entging. Nur seine Kleidung sah seltsam aus. So alt. Das schwarze Hemd war mit Rüschen verziert und stand ihm nicht im Geringsten. So, sah er ja süß aus, nur die Sachen standen ihm nicht. Das musste Tobi auch nicht entgangen sein. Ein belustigter Ausdruck erschien in seinen Augen. Er schien es scheinbar gewohnt dass man ihn so anstarrte. „Was ist? Gefällt dir etwa was du siehst?“ Seine Worte klangen spöttisch, aber auch verlockend. Das leichte Lächeln unterstrich seine Worte auch noch. Ertappt senkte Denni-Ray den Blick und begutachtete seine Hände.

„Schüchtern bist du also auch. Das gefällt mir. Komm steh auf. Ich möchte nicht ewig hier bleiben,“ erklärte er und stand auf. Den Blick dabei nicht von dem Blonden abwendend. Langsam erhob sich auch dieser und stand dann etwas unschlüssig neben Tobi. Dieser sah sich etwas verwundert um.



~ Teil 3 ~

Wo war denn nun schon wieder Joe? Das durfte doch nicht war sein. Immer wieder verschwand dieser Typ. Für Tobi war das wirklich zu viel. Eigentlich verstand er gar nicht warum sein Boss, Deacon ihn immer zwang mit Joe weg zu gehen. Er hätte genau so gut mit Daen zusammen gehen können. Der hörte wenigstens und war auch noch um einiges intelligenter. Der Vampir ließ seinen Blick über das Gelände wandern. Er konnte seinen Gefährten allerdings nirgendwo sehen. Bis er zu den Leichen sah. Dort in der Mitte hockte Joe und leckte sich das Blut von den Fingern.
Grummelnd ging Tobi auf ihn zu. Wie konnte man bloß so respektlos sein? Hatte Joe überhaupt kein Schamgefühl mehr? Die Männer waren doch schon tot.


„Was soll das? Steh sofort auf. Wir gehen zurück. Sie sind tot und werden es auch bleiben,“ knurrte der Schwarzhaarige und stampfte mit dem Fuß auf.


Denni-Ray hatte den Moment genutzt um sich ebenfalls um zusehen. Wo um alles in der Welt war er? Er war nicht mehr im Park, das stand fest. Aber wo dann? Ein frischer Wind umwehte ihn und ließ ihn frösteln. War es vorher auch so kalt gewesen? Vorhin war es auch nicht so dunkel. Als er das Haus verlassen hatte, stand ein schöner Vollmond am Himmel. Jetzt war davon jedoch nichts mehr zu sehen. Der Mond hatte sich vollends hinter den Wolken versteckt. Unbewegt stand der junge Mann da. Die Ruhe machte ihn fast verrückt. Wo waren die Geräusche der Stadt? Er konnte kein einziges Auto mehr hören. Das ging doch nicht. Es war unmöglich. So langsam sickerte ein Gedanke in sein Bewusstsein und ließ ihn erschaudern. Das durfte doch nicht wahr sein.


>Bin ich wirklich woanders? Bin ich etwa in einer anderen Welt? Oder vielleicht...< Weiter reichten seine Gedanken nicht. Tobi war wieder vor ihm aufgetaucht und packte ihn am Arm, zog ihn ein Stück mit. Zuerst war Denni-Ray zu verwirrt um zu verstehen was das sollte, dann versuchte er jedoch sich zu befreien. Was allerdings nicht gelang. Der Schwarzhaarige drehte den Kopf und blickte genau in zwei verstörte blaue Diamanten. Das feine Lächeln erschien wieder in seinen Zügen. Mit einem Flackern in den Augen musterte er Denni-Ray. Diese Reinheit und die Unschuld des Jungen gefielen ihm. Machten ihn aber auf anderen Wege wieder verrückt. Schon lange war er so jemanden nicht mehr begegnet. Es hatte sich immer um etwas anderes gedreht. Solche Kleinigkeiten wie Gefühle, Zuneigung und solche Dinge gab es in seinem Leben nicht. Wie sollte es das auch? Er war ja schließlich ein Vampir, ein rücksichtsloser Mörder. Ohne jegliche Gefühle. Dennoch spürte er bei Denni-Ray etwas was ihn verwunderte. Es war nicht bloß ein Gefühl, es war auch noch etwas anderes. Etwas was er nicht beschreiben konnte. Was er auch nicht kannte.


„Sag mal, wie heißt du überhaupt? Bis jetzt weiß ich noch nicht wenn ich mir da eingefangen habe,“ fragte Tobi aus einem Impuls heraus. Das Lächeln vertiefte sich noch etwas, als er dem Jüngeren einen Arm um die Taille schlang und ihn näher zog. Überrascht schnappte dieser nach Luft und versteifte sich. Sein Herz schien fast zu zerspringen. „Ganz ruhig. Beruhige dich wieder. Dein Puls steigt zu schnell,“ flüsterte der Vampir an sein Ohr. Gepeinigt schloss der Blonde die Augen. Zum Glück war es Dunkel. Die feine Röte in seinem Gesicht war bestimmt nicht zu übersehen.


„Ich heiße Denni-Ray. Lass mich los. Ich kann auch alleine laufen. Außerdem geht dich mein Puls gar nichts an,“ antworte er schließlich. Er wusste dass seine Worte nichts brachten. Zumal seine Stimme versagt hatte. Er war schwach und daran konnte er nichts ändern. Das würde sich nie ändern. Schon gegen seinen Vater hatte er keine Chance gehabt, als er nachts zu ihm ins Zimmer kam und sich auf ihn stürzte.


Ein Zittern ging durch den schmalen Leib, als er die Schmerzen und die Grausamkeiten dachte, welche er durch seinen eigenen Vater erlebt hatte. Wahrscheinlich würde es jetzt wieder so sein......
Erstaunt blickte Tobi ihn an, als er zu zittern begann. Der Junge in seinen Armen schüttelte sich und verspannte sich noch mehr. Angst. Sie war fast greifbar. Viel zu deutlich konnte sie der Unsterbliche spüren. Roch die aufkeimende Furcht, die durch den Körper kroch. Ihn mit sich zog und Denni-Ray gar keine Chance mehr gab.
Tobi blieb stehen und ließ sich auf die Knie sinken, zog den Jungen dabei mit sich. Dieser hatte die Augen geschlossen und zitterte unablässig. Das war eins seiner gutbehüteten Geheimnisse. Er hatte den Schock nie überwunden und verfiel manchmal in solche Anfälle. Sonst war er jedoch allein.


Der Vampir drückte den hilflosen Körper an sich und wiegte ihn leicht hin und her. Warum er das tat, wusste er auch nicht. Normalweise würde ihn einfach liegen lassen. Was interessierte ihn schon das Leben der anderen Menschen? Er nahm doch immer Leben. Aber jetzt fühlte er sich für Denni-Ray verantwortlich. Außerdem hatte ihn die plötzlich auftretende Angst neugierig gemacht. Vorher hatte er doch auch nichts gespürt. Die kleine Furcht war natürlich, so etwas gehörte dazu, wenn man einer Gefahr gegenüberstand. Das hier aber nicht.



~ Teil 4 ~

Es dauerte eine ganze Weile bis Denni-Ray sich wieder beruhigte. Das Zittern ließ etwas nach und er lag still. Den Kopf an Tobis Brust vergraben. Die Arme hatte er um den starken Körper geschlungen und presste sich nun hilfesuchend an ihn. Sein Körper war noch viel zu schwach um ihm zu gehorchen. Er konnte noch nicht einmal die Augen öffnen. Langsam kam er auch wieder zu sich und versuchte seinen Geist unter Kontrolle zu bekommen, was ihm jedoch nicht gelang. Das Zittern hatte nun vollkommen von ihm abgelassen, quälte ihn nicht weiter. Dennoch bewegte er sich kein Stück. Viel zu erstaunt war er, als er die Hände auf seinem Rücken spürte, die ihn festhielten. Ein unbekannter Duft stieg in seine Nase und ließ ihn Lächeln. Falls das ein Traum war, wollte er ihn genießen. Ohne darüber nachzudenken schmiegte er sich näher an den fremden Körper. Ein wohliges Seufzen entrann seinen Lippen als er sich an die harten Bauchmuskeln kuschelte.

Ungläubig beobachte Tobi das Schauspiel. Fragend zog er eine Augenbraue nach oben und blickte den Jungen an. Was sollte das denn jetzt? >Warum kuschelt der sich plötzlich so an mich? Er ist doch schon längst wieder wach. Verdammt,< grummelte Tobi in Gedanken. Die Wärme die Denni-Ray verströmte fühlte sich gut und berauschend an. Sie zog den Vampir langsamen in ihren Bann. Wärme. Das hatte er schon lange nicht mehr gespürt. Es war nicht bloß das Leben, was durch den Jungen floss. Es war so vieles mehr. Etwas was selbst ihm noch nicht begegnet war und er war alt.

Seine Hände wanderten abwärts. Vergruben sich in den schönen langen, blonden Haaren. Streichelten leicht darüber. Versuchten überhaupt zu verstehen, warum er das so einfach tat. Dieses Verhalten war so untypisch für ihn.

Tobi senkten den Kopf und brachte ihn auf der Schulter des Blonden zum liegen. Mit geschlossenen Augen lauschte er in Denni-Ray hinein. Verspürte gewisse kleine Gefühle. Aber viel mehr als eine unendliche Zufriedenheit konnte er nicht ausmachen. Jegliches Gefühl von Angst war aus seinem Körper verschwunden.

Er schlief nicht. Spürte den starken Körper der ihn fest umklammert hielt, die Hände in seinen Haaren, den warmen Luftzug an seinem Nacken. Es war in diesen Moment egal. Sein Geist hatte sich noch nicht ganz erholt und so tat er die Berührungen als Traum ab. Als Traum der viel zu schön war.



Es ist schön.

Viel zu schön.

Es ist als ob Engel, oder der gleichen mich berühren.

Ob sie mich zu sich holen?

Ist mein Leben schon vorbei?

Werde ich endlich erlöst?

Es soll immer so sein.

Ich möchte diese Kosungen immer spüren.

Sie umfangen mein Herz und berühren es.

Diese Wärme.

Sie streichelt meinen Körper, meinen Geist.

Umschließt jegliches Denken.

Ich möchte nur noch spüren.



Tobi konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Noch nie hatte sich jemand so und ohne Angst an ihn gekuschelt. Dieser Duft der in seine Nase zog machte ihn verrückt. Verrückt nach etwas was er nicht kannte. Diese Neugierige, gepaart mit wilder Lust schlich durch seinen Körper. Berührte die Seele des Vampirs. Seine Gefühle, Empfindungen konzentrierten sich genau dort. An der schwächsten Stelle der Vampire.

Tobi hatte immer gehofft keine Seele mehr zu haben. Nun wurde er eines besseren belehrt. Es war unbekannt, aber faszinierend. Der Herzschlag eines Lebenden Wesens in seinen Armen, das glücklich war. Alles zu spüren, zu fühlen was in seinem Körper nicht mehr vorhanden war. Dieser Körper war bloß ein Hülle für einen Dämon, der nur an das Töten dachte. Manche Vampire reagierten jedoch anders.

Joe stand in einiger Entfernung da und beobachtete Tobi. In seinen Augen zuckte es nervös. Der Anblick der sich ihm bot brachte Wut und Verwunderung mit.

Das sein Gefährte den Menschen nicht getötet hatte, hatte er gespürt. Es war viel zu deutlich. Den Kopf leicht schief gelegt musterte er die beiden eine ganze Weile. Er verstand einfach nicht was das sollte. Hatte Tobi ihm nicht gesagt, er solle sich beeilen, sie wollten los? Nun umklammerte er jedoch diesen kleinen Sterblichen. Ein Rätsel.

Ein lautes Wiehern drang über die Lichtung und riss Joe aus seiner Betrachtung. Fluchend hob er den Kopf und blickte in die Richtung aus welcher der Krach kam.

Sterbliche.

Einen lauten Fluch ausstoßen verschwand er hinter einem Gestrüpp. Kurz warf er noch einen Blick zu Tobi. Dieser hockte immer noch unbewegt auf der Erde. Kein einziger Muskel rührte sich. Joe hatte keine Angst vor den Menschen. Sie waren ja zum töten da. Aber ihr Boss Deacon mochte es nicht wenn die Sterblichen sie sahen. Es gab dann immer bloß zu viele Fragen. Man konnte zwar nicht unterscheiden ob sie Mensch oder Vampir waren. Dennoch gab es in dieser Zeit eine große Hetzjagd gegen die Wesen der Finsternis. Der Mensch hatte Angst, wollte sie aber auch töten. Und Tobi war bekannt.

Die Pferde mit ihren Reitern näherten sich langsam den Leichen. Einige erstickte Schreie waren zu hören. Flüche ertönten. Die Luft schien sich aufzuladen. Einer der zehn Männer stieg ab und untersuche die Toten. Zwei andere sahen sich etwas in der Gegend um. Vielleicht war der Mörder ja auch noch da?

„Da ist jemand. Los,“ ertönte eine Stimme. Die Männer blickten in besagte Richtung und bewegten sich langsam auf den Vampir und Denni-Ray zu. Ihre Schritte waren bedächtig. Leichte Angst hatte von ihnen Besitz ergriffen. Schließlich wussten sie nicht auf was sie da trafen. In dieser Gegend gab es viele ungewöhnliche Geschehnisse.

Tobi hatte sich immer noch nicht gerührt. Auch Denni-Ray hatte sich nicht bewegt. Obwohl er nicht schlief. Der Rausch der über beiden lag hatte sie ihren Bann gezogen, wollte sie nicht gehen lassen. Es war schon unheimlich. Sie kannten sich ja nicht einmal.

Dennoch fühlten sie sich zueinander hingezogen, auf eine seltsame Art und Weise. Vielleicht war es ihre Verschiedenheit.

Ein grelles Licht glomm auf und erhellte die dunkle Nacht. Streifte über die beiden am Boden befindlichen Körper. Deutliche Konturen wurden sichtbar.

Die Menschen blieben kurz vor ihnen stehen und starrten das ungleiche Paar einfach bloß an. Ihnen fehlten die Worte um dazu etwas zu sagen. Es war auch ein komisches Bild.

Mühsam und qualvoll öffnete Tobi die Augen. Warum fiel ihm das so schwer? Ein leiser Ton entrann seiner Kehle, als er den Kopf drehte. Er füllte sich so schwach. So unglaublich müde. Ein feines Lächeln huschte über seine Züge, als er Denni-Ray Duft einatmete. Zärtlich wanderte eine Hand über den schmalen Rücken und verging sich an reiner, weißer Haut, die durch das Hochgerutschte Hemd freigegeben wurde. Ein wohliger Schauer rann über den blassen Leib. Ließ ihn kurz erzittern und dann zufrieden schnurren. Denni-Ray glaubte immer noch zu träumen. Wer jedoch der andere Mann war, wollte ihm sein Gehirn einfach nicht verraten. So ließ er es einfach geschehen.

Tobi wollte gerade die Augen wieder schließen, als ihn ein Lichtstrahl mitten im Gesicht traf. Erschrocken hob er den Kopf und musste blinzeln. Der Feuerschein der Fackel war selbst für ihn zu grell. Wie aus einen Schlaf erwacht meldeten sich nun auch seine Sinne wieder. Die Zeit um ihn herum erwachte wieder zu neuen Leben. Der Schleier um seine Empfindungen hatte sich gelegt. Etwas irritiert blickte er zu Denni-Ray hinab.

Dann erwachte der Vampir in ihm ganz.

Ruckartig hob er wieder den Kopf und blickte die Menschen an. Nun etwas Unüberlegtes zu tun wäre nicht gut. So schwer es ihm auch fiel. Die drei Männer vor ihm wirkten selbst etwas unsicher. „Jerry, komm bitte einmal hier her,“ rief einer der Männer.

Der Schein der Fackel richtete sich wieder auf Tobi. Dieser senkte bloß etwas den Kopf und nahm seine Hände von Denni-Rays Rücken. Was hatte er hier überhaupt gerade getan?

Der junge Mann bewegte sich etwas und versuchte schließlich sich aufzurichten. Was jedoch nicht so recht gelang. Seine Hände gruben sich in die weiche Erde an seinen Seiten. Etwas unsicher stemmte er sich in die Höhe. Sein Gesicht berührte dabei die weiche Brust vor sich. Kurz kniff er die Augen zusammen, nur um sie gleich wieder zu öffnen. Das Bild war immer noch da. Erschrocken zuckte Denni-Ray zurück, hob dabei den Kopf und blickte in die tiefschwarzen Augen von Tobi. Sein Herz setzte für einen Moment aus, als er sich der Situation bewusst wurde. Das durfte doch nicht war sein.

„Was?.... Was? “ stotterte er unbeholfen, als er versuchte etwas Abstand zwischen sie zu bringen. Für seinen Geschmack waren sie sich viel zu nahe. Das Schwarz musterte ihn belustigt. >Soll er gar nichts mitbekommen haben? So erschrocken wie er darüber ist < überlegte der Vampir. In seinen Augen glitzerte es gefährlich. Dann packte er Denni-Ray und drückte ihn zur Seite. Jetzt durfte er keine Schwäche zeigen.

Ein großer, schlanker Mann trat in den Fackelschein und bedachte die beiden jungen Männer. Sein Blick wanderte zwischen beiden hin und her.

„Sieh einer an. Wenn das nicht der Herr Tobi wäre. Sie beehren uns auch einmal wieder mit ihrer Anwesenheit. Wie schön. Wer ist der Junge, den sie da bei sich haben?“ wollte er wissen. In seinem Gesicht war deutlicher Hass zu lesen und auch die Gewissheit das er wusste, wer Tobi wirklich war. Der Vampir verzog das Gesicht zu einer spöttischen Grimasse. Langsam stand er auf. Wobei er Denni-Ray etwas nach hinten drückte. Ihm durfte jetzt nichts passieren. Warum auch immer. Eine Antwort hatte er auf sein seltsames Verhalten noch nicht gefunden. Der Blonde war mit hochgerissen worden und stand nun diesen Männern gegenüber. Sein Blick wanderte über den der gesprochen hatte. Irritiert über dessen Erscheinungsbild, vergaß er auch seine Gegenwehr gegen Tobi.

„Was wollt Ihr Jerry? Ich war bloß mal wieder in de Gegend. Das ist alles. Und der Junge hier,“ er machte eine kleine Pause und schlang einen Arm um Denni-Rays Hüfte. Dabei erschien wieder sein überhebliches Grinsen.

„Ist mein neuer Geliebter,“ beendet er seinen Satz. Den Blick dabei stur auf seinen Gesprächspartner gerichtet. Das Zappeln an seiner Seite nahm er daher nicht ganz so wahr. Obwohl er sich dessen bewusst war. Er spürte deutlich den Schock in dem Jungen. Diese Worte mussten ihn stark getroffen haben.

„Was bin ich? Spinnst du? Lass mich endlich gehen. Du tust mir weh,“ fauchte Denni-Ray. Die unterdrückte Wut in seiner Stimme war klar erkennbar. Selbst wenn ein Teil von ihm immer noch Angst vor diesem Tobi hatte, so wollte er nicht sein Spielzeug sein. Nie wieder wollte er so etwas erdulden müssen. „Such dir einen Stricher, wenn du so scharf drauf bist,“ setzte er schließlich noch hinzu. Mit aller Kraft drückte er Tobi von sich. Dann war er frei. Der Vampir konnte gar nicht so schnell reagieren, wie Denni-Ray sich umgedreht hatte und nun davon rannte. Wut kochte in ihm hoch. Was bildete sich dieser Junge denn ein? So leicht würde er ihn nicht gehen lassen.

„Joey. Ich weiß dass du hier bist. Fang den Jungen und pass auf ihn auf. Aber rühre ihn nicht an,“ schrie er der Dunkelheit entgegen. Etwas raschelte in den Schatten. Dann hörte man ein Knurren und einen lauten Schrei. Ein Körper ging zu Boden und ein Schmerzensschrei folgte. Tobi kniff die Augen zusammen. Aber selbst er konnte nichts sehen. Da war er nun schon ein Vampir. Aber selbst das schien nicht zu reichen. Dafür hörte er aber jedoch Geräusche. Vielleicht war es nicht gut gewesen, Joey das machen zu lassen? Nun war es aber zu spät.

„So, so. Euer Geliebter also. Anscheinend sieht der Junge das nicht so. Seine Ausdrucksweise. Tst, schlimm,“ sagte Jerry belustigt. So viel Mut hatte er dem Jungen nun nicht zugetraut. Es gehörte schon viel dazu einem Vampir zu widersprechen

Knurrend wirbelte Tobi herum. „Ich wüsste nicht was euch das angeht. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt.“ Schwarz und Braun traf aufeinander. Wie sehr Tobi doch diesen Mann hasste. Dann drehte er sich um und rannte zu Denni-Ray und Joey.

„Bestellt eurem Boss schöne Grüße von mir,“ rief Jerry ihm nach. Aber der Vampir ignorierte es einfach bloß. Schnell war er bei den beiden angekommen. Denni-Ray lag auf der Erde und konnte sich nicht mehr rühren. Joey hockte auf ihm und drückte dessen Hände auf den kalten Boden. Das Bild passte Tobi gar nicht.



~ Teil 5 ~

„Geh runter von ihm und dann lass uns allein, Joey,“ murrte er. Der Angesprochene blickte auf und rutschte dann von dem Blonden und verschwand in den Schatten.

Denni-Ray zog schützend seine Arme an sich und versuchte die Tränen zu unterdrücken.

Da war sie wieder. Diese unerträgliche Angst. Wie ein kleines, verängstigtes Kind hockte er auf dem Boden und ließ seine Tränen zu. Er fühlte sich so schwach, so hilflos. Er wollte doch nie wieder leiden. Wollte das nie wieder spüren.

Tobi legte den Kopf schief und kniete sich dann neben den jungen Mann. Dieser zuckte zusammen und rückte etwas nach hinten. Den Kopf auf den Knien, blickte er Tobi an.

„Hab keine Angst. Ich will dir nichts tun. Warum bist du vor mir davon gelaufen? Du hättest bloß still halten brauchen. Mehr hätte ich nicht erwartet. Hör auf zu weinen. Das schickt sich nicht. Du bist doch ein Mann, oder nicht? Es war nicht gut, das du abgehauen bist“, meinte der Vampir. Normalerweise hätte er ihn schon längst getötet, aber etwas hinderte ihn daran. Was genau es war, wusste er nicht. Vielleicht war es Neugierde?

Denni-Ray rümpfte die Nase und wischte sich über die Augen. „Ach ja? Warum sollte ich dir das glauben? Ich bin doch nicht dein Eigentum. Lass mich doch einfach nach Hause gehen. Ich will mit dir nichts zu tun haben. Such dir jemand anderen. Ich bin nicht dein Geliebter und will es nicht werden“, antwortete Denni-Ray. Seine Stimme bebte regelrecht. So hatte das nicht klingen sollen.

Ein sadistisches Grinsen erschien auf dem Gesicht seines Gegenübers. „So ist das also. Und warum hast du dich vorhin in meine Arme fallen lassen und wolltest mich nicht loslassen? Sag schon. Du hast dich an mich geklammert und auch noch geschnurrt. Das muss doch dann aber einen Grund haben, oder?“ entgegnete Tobi.

Erstaunt beobachte er wie aus dem hübschen Gesicht jede Farbe wich. Die blauen Seen weiteten sich erschrocken.

„Ich habe was? Ich habe mich an dich gekuschelt? Dann war das doch kein Traum. Ich..., ich... weiß nicht so recht, warum. Ich hatte einen Anfall. Das ist normal. Danach weiß ich meistens nicht was ich tue. So war es bis jetzt immer“, er unterbrach sich und blickte zur Seite. Sein Herz schien in seiner Brust zerspringen zu wollen. Der Gedanken, dass dieser Fremde seiner Schwäche, seine Angst miterlebt hatte, behagte ihm ganz und gar nicht. >Nun weiß er, wie er mich quälen kann < Viel schlimmer war aber die Gewissheit, das diese Anfälle ständig kommen konnten.

Gedemütigt schloss Denni-Ray die blauen Augen und senkten den Kopf. Was hatte er da bloß getan? Aber es stimmte ja. Er konnte sich daran erinnern, dass er sich in Tobis Armen geborgen und sicher gefühlt hatte. Etwas was er schon lange nicht mehr gespürt hatte. Am liebsten wäre er jetzt davon gelaufen. So eine Blöße wollte er sich doch nicht geben. Nicht hier und nicht vor Tobi.

Dieser musterte ihn mit einem verstörten Blick. Was war denn nun los? Er hatte

Denni-Ray doch bloß etwas ärgern wollen. Das ganze verstand er jetzt nicht so wirklich. Es passte einfach nicht. So schlimm war es doch gar nicht gewesen.

„Ist schon gut. Beruhige dich wieder. Das will ich dir auch nicht ständig sagen. Belassen wir es einfach dabei. Es fühlte sich ja auch gut an. Dich in meinen Armen zu haben“. Der Blick des Schwarzhaarigen wanderte in einer bedeutenden Geste über den schlanken Körper. Unterstrich so noch die rauen Worte.

Unsicher sah Denni-Ray auf. Traf wieder genau auf das verschlingende Schwarz. Unverkennbar spürte er das Begehrende Flackern in dessen Augen. Wusste nur zu genau was Tobi jetzt dachte. Was er sich gerade vorstellte. Eine leichte Gänsehaut wanderte über seinen Körper und ließ ihn unmerklich erbeben.

Fragend zog der Vampir eine Braue nach oben. Die Angst in dem Blau war unverkennbar.

„Auch gut. Wenn du mir sagst, wo du wohnst werde ich mir überlegen, ob ich dich zurück bringe, oder nicht. Eins musst du mir noch beantworten, was ist ein Stricher? Das sagt mir gar nichts“, schlug er vor.

Dabei bedachte er den jungen Mann mit einem fragenden und versucht neugierigen Blick. Leicht erstaunt öffnete Denni-Ray den Mund, schloss ihn aber wieder. Die Wende hatte ihn etwas durcheinander gebracht. Er brauchte einen Moment um sich wieder zu sammeln.

„Du willst wissen was ein Stricher ist? Das ist ein Typ, der gegen Bezahlung die Beine für dich breit macht. So etwas musst du doch kennen. Das gibt es hier bestimmt auch. Wegen deiner anderen Frage, ich komme aus Belize, einer Kleinstadt.“ Die Worte waren leise und heiser. Der junge Mann musste sich anstrengen überhaupt einen klaren Gedanken fassen zu können. Aber dennoch war er Tobi für diesen Wechsel dankbar.

Da spürte er eine Hand auf seiner. Sie fühlte sich so kalt an. Kurz verkrampfte er sich, dann blickte er jedoch in zwei Schwarze Diamanten.

Sie leuchteten. Strahlten in einem unglaublichen schwarz. Seine Augen spiegelten wirklich alles wieder. Es war schon seltsam. Leichtes Erstaunen und etwas anderes was Denni-Ray nicht einordnen konnte, lag in ihnen. Es faszinierte ihn regelrecht. Fast verlor er sich in diesem unbändigen Schwarz.

„Ach so. Dann bedanke ich mich für die Auskunft. Ich dachte so etwas machen nur Frauen. Belize? Also das sagt mir nun gar nichts. Das muss wirklich weit weg sein. So wirst du wohl oder übel bei mir bleiben müssen. Selbst wenn du Angst vor mir hast, oder dich gegen mich wehrst werde ich dich jetzt mitnehmen. Hier wirst du nicht bleiben. Sonst gibt dir Jerry die Schuld an den Toten.“ Ein feines Lächeln kroch wieder über seine Züge. Auch wenn es im Dunkeln fast nicht sichtbar war. So spürte es der junge Mann deutlich. Ein Zittern ging durch seinen Körper, dann fuhr er sich durch die Haare und hob den Kopf. Da war es wieder. Das Gefühl von Angst. Er wollte das doch gar nicht.

Eine kalte Hand berührte seine Wange und streichelte hauchzart darüber. Erschrocken blickte Denni-Ray auf. Was sollte das denn? Warum war Tobi so sanft zu ihm?

„Keine Angst, mein Engel. Ich werde dir nichts tun. Aber wir müssen hier weg. Komm steh auf,“ hauchte der Vampir. Wieso er plötzlich so rücksichtsvoll war, wusste er selber nicht. Eins war aber klar, er würde den Jungen so schnell nicht gehen lassen. Dafür faszinierte er ihn viel zu sehr.



~ Teil 6 ~

Langsam erhob sich Denni-Ray. Dabei starrte er Tobi genau an. Was diesem auch nicht entging. Das Lächeln wurde noch etwas breiter, als er dem Blonden die Hand reichte und der sie nach kurzem Zögern auch ergriff. Behutsam zog der Vampir ihn in etwas an sich. Behielt dabei stetig ihren Blickkontakt.

Zuerst wollte Denni-Ray zwar zurück weichen, ließ es dann aber doch geschehen. Vielleicht war es doch nicht ganz so falsch. Selbst wenn er Tobi nicht vertrauen konnte, so war es auch nicht gut einfach hier zu bleiben. Das wäre wahrscheinlich genau so falsch. Also hatte er keine andere Wahl.

Ein zufriedenes Lächeln breitete sich in den Zügen des Vampirs aus, als Denni-Ray ihm fast schon bereitwillig folgte. Er spürte zwar die Unsicherheit in dem Jungen, aber selbst er konnte nichts dagegen tun. Auch wenn er es bemerkt hatte.

Dennoch war Denni-Ray nicht der Einzige der unsicher war. Es war traf auch auf ihn, Tobi zu. Schon lange war er sich seiner Sache nicht mehr so unsicher gewesen. Es war fast als würde er zum ersten Mal sich mit einem Menschen unterhalten. 0der auch bloß mit einem jungen Mann.

>Da hatte ich nun schon so viele Geliebte und dennoch ist es bei ihm so anders. Er hat Angst vor mir. Was ja auch kein Wunder ist. OK, Tobi, jetzt reiß dich mal zusammen. Du bist doch ein Vampir<, grübelte er. Zwar half ihm das auch nicht weiter. Aber mehr konnte er jetzt auch nicht für sich selber tun.

Schweigend gingen beide nebeneinander her. Zum Reden war Denni-Ray nicht aufgelegt. Dafür fühlte er sich immer noch zu verwirrt. Er brauchte Antworten und das dringend. Aber konnte Tobi ihm die wirklich geben? So sicher war er sich nicht.

Ohne auf seine widersprüchlichen Gedanken zuachten, gestattete er sich die Umarmung, welche Tobi ihm gewährte, zu genießen. Es fühlte sich einfach etwas beruhigend an. Das brauchte er jetzt auch. Selbst wenn Denni-Ray sich sonst nicht so gehen ließ, so war sein Körper viel zu schwach, um Einwände gegen die Berührung zu erheben.

„Du bist so still. Was ist los? Hast du etwa immer noch Angst?“ wollte Tobi wissen. Wie sinnlos doch diese Frage war. Spürte er die Antwort darauf doch ganz genau.

Der Herzschlag des jungen Mannes beschleunigte sich wieder für einen Moment. Überrascht über diese Neugierde riss er die blauen Augen auf.

„Was? Sicher habe ich Angst. Ich weiß ja nicht mal was du mit mir vorhast. Oder auch wo du mich hinbringst. Glaubst du etwa ich kann dir einfach so vertrauen? Das, das geht nicht“, entgegnete er nach einer Weile. Seine Stimme klang leicht gepresst. Sie zeigte deutlich seine Unsicherheit und Angst.

Tobi legte den Kopf schief und versuchte zu lächeln. Was jedoch nicht so ganz klappte. „Ich bringe dich zu unserem Haus. Liegt nicht ganz im Zentrum der Stadt, aber es ist recht schön. Zumindest bei Nacht. Was ich mit dir mache, weiß ich auch noch nicht so genau. Das werde wir sehen. Auf jeden Fall wirst du bei mir bleiben.“ Seine Worte klangen ruhig. Dennoch fühlte er sich nicht so. Zumal sich der Vampir auch nicht sicher war, was er mit dem Jungen wirklich vorhatte.

Eins wusste er jedoch ganz genau. Er wollte ihn spüren. Diesen Körper kosen und sich an ihm erwärmen. Nur etwas von der Menschlichen Wärmen spüren, die ihm schon so lange verborgen blieb. Vielleicht konnte er das jetzt ändern. Allerdings nur wenn es Denni-Ray auch so wollte. Tobi hatte nicht vor ihn zu quälen, oder ihn zu zwingen ihn zu lieben. Bei ihm wollte er das nicht. Viel lieber war es ihm, dass der Junge zu selber zu ihm kam.

Denni-Ray hatte bloß mit dem Kopf geschüttelt. Das war nicht die Antwort gewesen, die er sich erhofft hatte. Aber was hatte er auch erwartet? Er war nicht mehr zu Hause, vielleicht sogar nicht mal mehr in seiner eigenen Zeit. So schien es zumindest.

Alles war so anders. Fremd. Der Gedanke, den er schon vor einiger Zeit hegte, das er vielleicht in einer anderen Zeit war, schien sich immer mehr zu bestätigen. Was ihm zusätzlich Angst machte.

Ein leichtes Zittern wanderte durch seinen Körper, was nicht zwingend von seinen Gedanken kam, sondern von dem schneidenden Wind. Es war recht kalt geworden.

„Ist dir kalt, oder warum zitterst du so?“ wollte der Vampir leise wissen. Er hatte deutlich Joeys Präsenz gespürt. Der andere Vampir musste ja nicht unbedingt alles wissen.

Erstaunt blickte Denni-Ray auf. Sein Blick traf auf das wunderschöne Schwarz.

„Du hast das gespürt? Ja, mir ist kalt. Der Wind ist so frisch“, war die knappe Antwort.

Ein Lächeln umspielte die Züge des Unsterblichen. Ihm gefiel der leicht verblüffte und leise Ton in der sanften Stimme. Es klang fast wie Honig in seinen Ohren.

Ruckartig blieb er stehen und öffnete seinen Mantel. Verwirrt beobachte Denni-Ray ihn dabei. Unter dem schwarzen Mantel lugte wieder das ebensolch farbene Hemd hervor. Dann streifte Tobi ihn sich ab und legte ihm den verwirrten Jungen um die Schultern.

„Nur damit dun mir nicht krank wirst. Das wäre echt schade“, hauchte Tobi mit einem anzüglichen Lächeln. Das Schwarz seiner Augen schien noch heller zu flackern, als er Denni-Ray von hinten umarmten und den Mantel schloss.

Der junge Mann stand unbewegt da. Sein Körper war bei dieser Berührung wie erstarrt. Fassungslos verfolgte er das Geschehen. Konnte nicht ganz glauben, das Tobi ihm so nahe war, ihn umarmte. Die Arme um ihn geschlungen hatte und ihn dabei an die breite Brust presste. Ein wohliger Schauer lief durch seinen Körper. Es fühlte sich fremd, aber gleichzeitig auch vertraut und gut an.

Ein seichter Atemhauch umwehte sein Ohr und brachte ihn vollends zum Zittern. Die feinen Muskeln an seinem Hals spannten sich etwas an. Vibrierten dann unter der Härte seiner Atemzüge.

Tobi presste sich weiter an ihn. Musste aber unwillkürlich schmunzeln. Der Junge war auch zu süß. Leicht wiegte er sich hin und her. Wusste er doch ganz genau welche Wirkung das hatte. Denni-Ray lehnte sich automatisch etwas weiter nach hinten. Mit geschlossenen Augen ließ er sich gehen. Genoss einfach diesen Moment.

Es war auch zu verführerisch. Schon lange hatte er sich nicht mehr so wohl und geborgen gefühlt. So eine unglaubliche Sicherheit. Und dann noch bei einem Vampir.

Tobi grinste ein wenig und legte seine Lippen auf Denni-Rays Wange. Es war nur ein Hauch, wie eine viel zu sanfte Berührung. Fast nicht spürbar. Dennoch zuckte der Blonde Junge zusammen, musste sich unwillkürlich ein Stöhnen verkneifen.

„Du bist wirklich wunderschön. So wie es scheint, gefällt dir was ich mit dir machen. Du bist eindeutig etwas Besonderes“, hauchte Tobi. Seine Stimme war so leise, so sanft. Sie drückte seine ganze Lust aus. Und die Worte klangen in Denni-Rays Ohren ehrlich.

Nur recht langsam drang ein klarer Gedanke wieder in den Vordergrund. Erst durch die Worte, wurde er sich der Situation bewusst, in welcher er sich befand. Aber statt panisch zu reagieren, schloss er wieder die Augen und lauschte in sich hinein.

Sein Körper sagte ganz deutlich, das er diese Umarmung nicht missen wollte. Sie fühlte sich seit langem gut an. Immer war er bloß ein Außenseiter gewesen. Hatte keine Freunde weiter gehabt, war immer allein gewesen. Der jenige der in einer anderen Welt lebte. In einer Traumwelt.

Noch nie hatte sich jemand so um ihn gekümmert. Obwohl Denni-Ray ihn jetzt erst kurz kannte, spürte er etwas Vertrautes. Er konnte es nicht einordnen. Aber es war da, was ihm nur zu gut bewusst war. Alle hatten ihm immer etwas getan.

Niemand hatte ihn in Ruhe gelassen. Erst seine Mitschüler, dann sein Vater. Viel zu viel hatte er erdulden müssen. Nun war es so anders. Jemand war auf eine Art und Weise nett zu ihm, die er nie erwartet hätte. Diese Zuneigung, die Wärme die durch seinen Körper strömte. Das war so fremd. Ungewohnt.

„Es ist so lange her, das mich jemand so berührt hat, das jemand so mit mir gesprochen hat. Es… es fühlt sich so gut an…“, murmelte Denni-Ray heiser. Die Worte waren nur ein Flüstern. Wäre Tobi kein Vampir gewesen, so hätte er selbst bei dieser Nähe, Probleme gehabt ihn zu verstehen.

Ein verdutztes Lächeln wanderte über seine Züge, als er sich der Worte gewahr wurde. Bedächtig rieb er seine Wange an der des Jungen. Die dadurch entstandene Wärme durchwanderte beide Körper und verursachte bei Denni-Ray ein leichtes Zittern.

„Das glaube ich dir nicht. Du hast die Schönheit und Reinheit eines Engels. So jemand wie du ist mir schon seit Jahren nicht mehr begegnet“, gab der Vampir sanft zurück. Die Worte entsprachen mehr der Wahrheit als er glaubte. Oder als ihm lieber war. Aber es stimmte. Die Reinheit berauschte ihn wieder. Genau so wie sie es vorhin schon getan hatte.

Vorsichtig wanderte die feuchte Zunge über das heiße Fleisch am Hals. Hinterließ dabei eine glänzende Spur.



~ Teil 7 ~

Denni-Ray zuckte erschrocken zusammen. Sein Körper spannte sich wieder an. Der Puls raste durch seine Adern. Unwillkürlich schnappte er nach Luft. Eine stetige Hitze wanderte durch seinen Körper. Stieg unvermindert in sein Gesicht.

Er spürte das Grinsen an seinem Hals. Tobi machte sich auch nicht die Mühe es zu verstecken. Seine begierige Zunge wanderte weiter. Auf der Suche nach mehr.

„Ich möchte zwar nicht stören, aber ich glaube was du da tust wird dem Boss nicht gefallen“, rief eine belustigte Stimme.

Der Vampir erstarrte. Dann wirbelte er herum und erblickte eine schwarzgekleidete Gestalt, mit stechend grünen Augen und langem braunem Haar.

Jino.

Der andere Vampir hatte die Arme vor der Brust verschränkt und musterte Tobi und den jungen Mann missbilligend.

Tobi kniff die Augen zusammen und versuchte ruhig zu bleiben. Das hatte ihm jetzt gerade auch noch gefehlt. Ausgerechnet Jino. Wut flammte in den schwarzen Augen auf, als er von Denni-Ray abließ. Nur ungern trennte er sich von dem warmen Körper, der ihn so berauschte. Warum er plötzlich solch einen unendlichen Hass auf seinen Freund in sich spürte, wusste er nicht und es war ihm auch egal.

Wie aus einer anderen Welt gerissen, öffnete Denni-Ray bei dem Klang der Worte die Augen und sah sich verwundert um. Die Umarmung wurde etwas fester, bis sie sich ganz löste. Ein leichtes Bedauern über den Verlust dieser Nähe und der Wärme machte sich in ihm breit. Er fühlte sich plötzlich wieder so einsam. Allein gelassen.

Als er den abschätzenden Blick von Jino bemerkte, sah er auf und traf genau auf ein Hasserfülltes Grün. In dessen Augen lag so eine Wut und Verachtung, wie sie Denni-Ray nur zu gut von zu Hause kannte.

„Was ist? Hat dich unser Boss geschickt, oder was suchst du sonst hier draußen? Du begibst dich sonst nicht in so eine Gegend“, fauchte Tobi. Zwar hatte seine Stimme ruhig und beherrscht klingen sollen, aber es war genau das Gegenteil eingetreten. Der Schwarzhaarige war wütend auf sich selber und auf diese Störung. Er wollte mehr von Denni-Ray. Gerade hatte er sich so gut gefühlt und jetzt? Jetzt war das einfach verschwunden.

Sein Blick wanderte zu dem Jungen. Dieser hatte den Mantel enger an sich gezogen und die Arme von der Brust verschränkt. Ihm war wirklich kalt.

„Nicht so aggressiv Tobi. Verstanden? Du musst mich nicht so anfahren. Deacon hat sich Sorgen gemacht. Ihr wart noch nicht wieder zurück. Ich wollte bloß mal nachsehen. Aber das scheint alles sehr interessant zu sein. Hast du wieder deine Liebe für kleine Sterbliche entdeckt? Wie abartig. Ich hoffe bloß du hast nicht vor den da mit zubringen.“ Die Abscheu in der feinen Stimme, war deutlich zu hören. Bei den letzten Worten wanderten seine grünen Augen genau zu Denni-Ray. Als wollte er so das gesagte noch unterstreichen.

Der Schwarzhaarige Vampir ballte die Hände zu Fäusten und starrte seinen Freund, wenn man das so nennen konnte, aus zusammen gekniffenen Augen an. Die Wut in ihm brodelte immer weiter. Versuchte fast seine gesamten Gedanken zu kontrollieren. Aber er war schon zu lange ein Vampir und hatte schon viel zu viel gesehen und auch gelernt, um seine Gefühle zurück zustecken. Dennoch hatte Tobi nicht vor sich das gefallen zu lassen. Schließlich war er Deacons Liebling und hatte somit bedeutend mehr zu sagen.

„Spar dir das. Ob dich das nun etwas angeht, oder nicht, ich werde Denni-Ray mitnehmen. Alles andere ist für DICH unwichtig. Ich werde eh nicht zu lassen, das du ihm zu nahe kommst. Der Junge gehört mir, verstanden? Etwas anderes werde ich nicht dulden.“

Da war sie wieder. Die reine Überheblichkeit. Obwohl seine Worte recht leise waren, klangen sie doch fest und ließen keine Widerrede zu. Die Kälte und das unterdrückte Machtverhältnis ließen Denni-Ray erbeben.

Die blauen Seen weiteten sich ob dieser Worte. Sie klangen in seinen Ohren so unecht. Er war doch kein Gegenstand, oder Stück Vieh. Er war ein Mensch. Er lebte. Ob die beiden Vampire das nun wollten oder nicht.

Warum gab ihm niemand die Gelegenheit auch etwas zu sagen? Hatte er denn nicht auch das Recht da mit zureden? Schließlich ging es doch um ihn.

Was Denni-Ray aber am meisten störte, war die Tatsache, das Tobi so kalt und Furcht einflößend geworden war. War er doch gerade noch lieb und sanft zu ihm gewesen. Was war das bloß für ein seltsamer Mann?

>Wieso musste ich auch ausgerechnet hier landen? Das ist alles nicht fair. Tobi ist so seltsam. Ach was solls! Ich habe ja keine Wahl und muss machen was sie wollen< dachte Denni-Ray und seufzte.

Tobi wandte den Kopf und blickte den jungen Mann einen Moment verwundert an. Dann erschien in den feinen Zügen jedoch wieder die Andeutung eines Lächelns. Etwas was die Kälte seiner Worte auslöschte.

Nur dieser kurze Blick reichte um Denni-Ray verrückt zu machen. Hatte er nicht gerade wieder leichte Angst verspürt?

Kurz schloss er die blauen Augen und atmete tief durch. Das war doch einfach nur verrückt. Ein anderes Wort fiel ihm dazu nicht mehr ein. Er kannte Tobi doch gar nicht. Warum verhielt er sich dann so?

„Auch gut. Du bist verrückt, Tobi. Der Chef wird sich freuen wenn du denn Kleinen da mitbringst. Er hasst die Menschen.“ Jinos Blick wanderte demonstrativ zu Denni-Ray. „Vor allem solche kleine Sterbliche wie dich. Dich würde ich bestimmt nicht anrühren. Straßenpack. Mehr bist du doch nicht“, verkündete er und grinste vor sich hin.

Zwar spürte er die Wut in Tobi, aber es machte Jino Spaß diesen zu ärgern.

Eigentlich mochten sie sich ja. Waren recht gute Freunde geworden. Wenn man das unter Vampiren so bezeichnen konnte.

Zwar hatte Jino immer Probleme gehabt, das Tobi das Lieblingskind in der Familie war. Ja, die große Vampirfamilie. Sie waren 10 Unsterbliche und natürlich Deacon. Außerdem gab es noch Dienstboten. Zu denen gehörte Joe. Dieser war nichts besonderes, nicht so wie die anderen. Sie waren alle Deacons Kinder, von ihm erzeugt, zum Dämon gemacht. Alle hatten etwas besonders Faszinierendes an sich. Sie hatten Macht. Mussten sich aber Deacon beugen.

Jino war schon immer ein Draufgänger gewesen, selbst als Mensch war er unbarmherzig. Obwohl auch er aus armen Verhältnissen stammte. Sein Vampirdasein hatte ihn noch wilder, gefährlicher und vor allem brutaler gemacht. Er genoss das Leben ohne jede Regel in vollen Zügen. Meistens betrachtete er es wie ein Spiel. Ein Spiel ohne Grenzen.

Schon öfters hatte es deshalb Ärger gegeben. Deacon war zwar am Verzweifeln gewesen, was er mit Jino machen sollte, hatte ihm aber immer wieder eine Chance gegeben. Schließlich waren sie Vampire. Wesen der Finsternis und mussten niemanden Rechenschaft ablegen.

Der Italiener mit den braunen Haaren mochte Tobi. Sie waren oft zusammen auf Jagd. Waren beide rücksichtslose Mörder.

Dennoch konnte Jino es nicht ertragen das Tobi seine Homosexualität so zur Schau stellte. Statt sich mit Frauen zu vergnügen zog er lieber junge Männer vor. Immer wieder brachte er diese mit nach Hause. Hatte einige Zeit seinen Spaß mit ihnen und tötete sie dann. Es war immer das gleiche.

Deacon hatte es erlaubt und so konnte sich Jino darüber aufregen aber nichts tun. Sich mit Tobi anzulegen war nicht sehr ratsam. Eine kleine Narbe auf seinem Rücken erinnerte ihn immer wieder daran.

„Warum hältst du dich nicht daraus? Der Junge gehört mich. Deine Meinung zählt nicht, wie oft muss ich dir das noch sagen? Komm wir gehen nach Hause“, sagte Tobi und wandte sich an Denni-Ray. Ihm war es egal ob Jino ihnen folgte, oder nicht.

Noch nie hatte sich Tobi mehr geärgert ihn zu sehen als jetzt. Die Wut in seinem Innern verrauchte etwas als er den Blondschopf betrachtete, der sich in den schwarzen Mantel hüllte und Angst hatte.

Denni-Rays Blicke wanderte immer wieder zwischen beiden hin und her. Das Jino ihn nicht mochte hatte er ja schon verstanden. Aber dennoch. Er war kein Straßenpack. Auch wenn zu Hause nicht alles in Ordnung gewesen war, so stammte er doch aus recht guten Verhältnissen. Als er den Mund öffnen wollte um sich darüber zu beschweren, spürte er Tobis Blick auf sich ruhen. Dieser sagte deutlich, dass es besser wäre zu schweigen. Tobi trat neben ihn und schlang einen Arm um dessen Hüfte, presste Denni-Ray so an sich. Die Blicke des Italieners ignorierend.

Dieser verdrehte bloß die grünen Augen und schüttelte leicht den Kopf. Wie konnte sich Tobi bloß mit so etwas abgeben?

Genervt wischte sich Jino eine Strähne aus dem Gesicht und folgte den beiden, wenn auch nicht sehr begeistert. Dieser Anblick war selbst für einen Vampir zu viel. Das war doch nicht zum aushalten. Aber es würde auch mit diesem Jungen bald vorbei seinen. So war es doch immer.

Tobi hatte es noch nie sehr lange mit einer Person ausgehalten. Er brauchte bloß seinen Spaß. Irgendwann wurde es ihm aber auch wieder langweilig. Oder er sehnte sich nach etwas anderem. Deacon hatte damit noch nie ein Problem gehabt. War er doch selber auch so. Interessierten ihn immer wieder die schönsten Frauen.

 

Fortsetzung folgt