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Herbsttage

Original [NC-16] [abgeschlossen]

[etwas nachdenklich][Zucker]

Einteiler

Inhalt:
Ryan ist im Park unterwegs, als er einige kleine Kinder mit einem Drachen sieht.. Das Spiel weckt Erinnerungen in ihm.

 


 

 

Herbsttage

Sein Blick wanderte über den Rasen und blieb immer wieder an den vielen, unterschiedlichen Menschen hängen. Sie waren alle so verschieden. Hatten andere Ansichten. Konnten sich nicht entscheiden was sie wollten.

Einige kleine Kinder rannten an ihm vorbei und lachten fröhlich. Einer der Jungs hatte einen Drachen in der Hand.

Unvermittelt blickte Ryan auf. Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht, als er die Kinder mit ihrem Drachen erblickte. Er zog seine Jeans Jacke etwas enger an sich und ließ sich neben einer Frau auf der Parkbank nieder.

Diese blickte bloß kurz auf, nahm ihn aber nicht weiter wahr. Was dem jungen Mann auch nur zu recht war. Er mochte es nicht angestarrt zu werden.

Das war er allein schon von der Schule her gewohnt. Dort war es nicht anders. Seit er sich vor zwei Jahren ausversehen geoutet hatte, gehörte es fast schon dazu. Sein damaliger Freund hatte ihn in einer Sportstunde nach einem gewonnenen Fußballspiel umarmt und einen Kuss gegeben. Ab da war sein Leben den Bach herunter gegangen. Es war alles schwerer geworden. Seine Freunde hatten sich abgewandt und auch die Lehrer hatten Spaß daran ihn auflaufen zu lassen.

Trübsinnig schüttelte er den Kopf um die dunklen Gedanken los zu werden. Eigentlich wollte ja gar nicht mehr darüber nachdenken.

Ein helles Kinderlachen riss ihn endgültig in die Wirklichkeit zurück. Ryan hob den Kopf und blickte zu den Kindern, die vorhin an ihm vorbei gegangen waren.

Wieder zierte ein leichtes Lächeln seine vollen, schönen Lippen. Sein blondes Haar wurde von einer leichten Windböe erwischt und wehte ihm so ins Gesicht. Unbewusst hob er die Hand wischte sie sich aus den Augen.

Eine junge Frau blickte zu ihm herüber und lächelte als er ihren Blick bemerkte. Aber Ryan schüttelte bloß seine Blonde Mähne und wandte seine Aufmerksamkeit wieder den Kindern zu.

Diese hatten den Drachen aus der Folie befreit und setzten nun die Querstange. Als sie es geschafft hatten, nahm sich einer die Schnurr und ein andere den Drachen selbst. Ein kleiner Braunhaarige Junge hielt ihn kurz fest und drehte sich in Windrichtig. Dann ließ er den Drachen, der die Form einer Eule hatte, los.

Das Tier aus dünner Folie schwankte etwas und ließ sich dann von einem schwachen Wind in die Lüfte tragen.

Fasziniert beobachteten die Kinder das Spiel und gaben entweder etwas mehr Schnurr, oder sie holten diese ein.

Es war ein wunderschönes Schauspiel, was der junge Mann auf der Parkbank mit einem grinsen bedachte.

Die Eule erhob sich einfach in die Luft. Entfernte sich einfach von all den Schwierigkeiten auf der Erde. Wenn es doch bloß immer so einfach wäre. Sich einfach von der Welt um sich herum lösen. In den Himmel aufersteigen und den Kummer, die Sorgen und die Angst einfach vergessen. Der Himmel war so unendlich. Bot Platz alles andere um sich herum zu vergessen.

Ryan lehnte sich etwas zurück und sah dem imposanten Flug des Drachen zu.

Es war schon so lange her, das er mit seinen Freunden einen Drachen hatte steigen lassen. Einfach bloß mal ein Kind gewesen. Die Welt und die Sorgen vergessen. Schon lange war er nicht mehr so unbeschwert gewesen. Hatte einfach mal den Moment genossen. Immer wieder musste er sich anhören, was für ein Versager er doch war. Was konnte Ryan aber dafür das er auf Männer stand? Das ihn das eigene Geschlecht faszinierte und erregte. Eine Frau hatte das bei noch nie geschafft.

Der Blick in die fröhlichen und vor Freude sprühenden Gesichter, der Kinder machte ihn traurig. Seine Katzengrünen Augen verdunkelten sich merklich. Auch seine Stimme sang wieder auf ihren Tiefpunkt.

Eigentlich war er in den Park gekommen um sich etwas abzulenken. Aber eher das Gegenteil war eingetreten.

Der Drachen zog unbeschwert seine Kreise und entlockte den Kindern immer wieder glückliches Gequietsche. Es machte ihnen unheimlich viel Spaß.

Ryan bedachte die Eule und wünschte sich jetzt nichts sehnlichster als mit ihr den Platz zu tauschen und der Welt zu entkommen.

Sich die Blonden Haare auf dem Gesicht streichend, stand er auf und ging einige Schritte davon. Immer noch tief in seinen Gedanken versunken, nahm er den braunhaarigen jungen Mann nicht wahr, der sich ihm näherte.

Erst als dieser von hinten die Arme um den schlanken Leib schlang, fuhr Ryan tief in seinen Gedanken zusammen.

Sebastian presste sich von hinten an ihn und legte seinen Kopf auf die Schulter seines Freundes. Er hatte noch nie ein Geheimnis aus seiner Homosexualität gemacht. Im Gegensatz zu Ryan störte es ihn nicht, was die Leute dachten.

Ryan war im ersten Moment zusammen gezuckt, hielt nun aber still. Eine breite Brust

presste sich in seinen Rücken und versprach Sicherheit. Er ließ den Kopf in den Nacken fallen und berührte so mit seiner Wange, die seines Freundes. Dieser Lächelte bloß und verstärkte seine Umarmung.

Ein leichter Wind kam auf und wirbelte nun Blond und Braun durcheinander.

Unbewegt standen beide da. Genossen für einen Moment die wohltuende Nähe des jeweils anderen. Es tat so gut.

Etwas hartes presste sich an Ryans Kehrseite und ließ diesen so unbewusst aufstöhnen. Sebastian konnte bloß grinsen. Er liebte es seinen blonden Geliebten so zu sehen.

Die grünen Auge leicht geschlossen. Nur um die warmen Hände, die sich unter seine Jacke und das Shirt geschoben hatte, zu spüren. Welche dort Kreise zogen und die weiche Haut sanft kosten.

Ein weiteres Stöhnen entwich Ryan als er sich weiter nach hinten presste. Nur um noch mehr zu spüren. Es war eine Wohltat. Beraubte all seine Sinne. Seine trübsinnigen Gedanken waren wie davon geflogen. Die Welt um die Menschen hatte er einfach ausgeblendet. Sie interessierte ihn im Moment nicht das geringste.

Er wollte bloß Sebastian. Seinen Sebastian.

Dieser leckte gerade über den freigelegten Hals und behielt eine ältere Frau im Blick, die angewidert das Gesicht verzog.

Ryans Hände griffen nach hinten, berührten den begehrten Hintern und zupften etwas an dem Stoff. Viel konnte er jedoch nicht auslösen. Dafür war seine Pose zu unglücklich.

„Bastie. Ich.... lass mich nicht allein. Halte mich fest und lass uns aufsteigen“, hauchte Ryan. Die Worte waren so leise, das Sebastian sie fast nicht verstanden hätte. Er löste seine Finger aus dem Stoff und zog sich etwas von Ryan zurück.

Verstört über den Verlust der warmen, weichen Finger auf seiner Haut blickte auf. Sein Freund stand nun vor ihm und blickte in das verschleierte Grün. Ein feines Lächeln zierte sein hübsches Gesicht.

„Aber nicht hier, mein Prinz. Lass uns dazu nach Hause gehen. Dort ist es schöner“, meinte Sebastian. Dabei leuchteten seine Augen begierig auf. Man sah deutlich an was er dachte, an was sein Körper dachte.

Ryan nickt bloß und strich sich seine unbändigen Haare hinter die Ohren. Sein Blick wurde unstetig von Sebastian gefangen.

Kurz zuckte der mit den Schultern und bat seinen Freund den Arm an. Etwas unsicher hackte sich Ryan schließlich bei ihm unter. Er mochte es nicht, so offen zu sein. Aber er war es gerade auch gewesen. Ohne auch bloß darüber nachzudenken was er da überhaupt tat.

„Was war eigentlich grad mit dir los? Ich habe ich dich beobachtet, als du auf der Bank saßt und den Kindern zu gesehen hast. Du wirktest so unendlich traurig“, wollte Sebastian wissen. Seine braunen Augen blickte Ryan neugierig dabei an.

Etwas überrumpelt über dieser Frage, sah er auf.

„Ich weiß nicht. Ich habe bloß nachgedacht. Es ist schon eine Weile her das ich mal mit meinen Freuden Drachen steigen war. Ich war nur in Gedanken. Mir geht’s schon wieder viel besser“, antwortete er nach einer Weile und lächelte.

Die Antwort entsprach sogar der Wahrheit. Es ging ihm wirklich wieder besser. Was nur an seinem Sebastian lag. Dieser Mann wusste einfach alles über ihn. Er schaffte es immer wieder Ryan zum Staunen zu bringen.

Aber so war es schön.

Sebastian starrte ihn einen Moment an. Dann grinste er wieder.

„Sehr schön. Ich möchte mir keine Sorgen machen müssen. Wenn das so ist, kaufe ich dir morgen einen Drachen. Dann können wir auch mal sehen, ob wir das noch können.“

Grinsend lehnte sich Ryan etwas mehr an seinen Freund. Ihm gefiel diese gewisse Spontane Art. Da er so anders war, als Ryan selbst.

Vielleicht sollte er das jetzt einfach mehr genießen.

Er konnte auch später noch auf sein Leben schimpfen.

War es doch mit Sebastian viel schöner.