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Spaziergang

Original [NC-16] [abgeschlossen]

[etwas depri][Zucker]

Einteiler

Inhalt:
Stefan hat eine heimliche Liebe. Mit dieser kann er sich aber bloß an einem bestimmten Ort treffen.

 


 

 

Spaziergang

Langsam rollte er auf den Wald zu. Die Inlineskates unter seinen Füßen gaben immer wieder leise Geräusche von sich. Aber davon ließ sich der junge Mann nicht stören.

Ein Sonnenstrahl traf sein hübsches Gesicht, als er aus dem Schatten herausfuhr. Der Tag war wunderschön angenehm. Es war noch recht warm.

Eigentlich viel warm, wenn man die Jahreszeit bedachte. Es war schließlich Ende Oktober. Dennoch zeigte sich der Herbst von seiner besten und schönsten Seite. So trug Stefan auch bloß ein Shirt und seine dünne, schwarze Strickjacke darüber.

Als er auf die Einfahrt, die in den riesigen Wald führte, zusteuerte, machte er langsamer. Auf diesem Weg konnte er nicht fahren.

Die Rollen unter seinen Füßen hätten die kleinen Kieselsteine überhaupt nicht vertragen.

An der Rot – Weiß gestreifte Schranke stoppte er und atmete tief durch.

Nicht zum ersten mal war Stefan hier. Fast jeden Tag fuhr er hier raus. Entweder mit dem Fahrrad, oben eben seinen Skates. Wenn er Lust hatte, lief er auch. So weit war es nicht von ihm zu Hause.

Ein leichter Windhauch erfasste die dunkelblonden Haare und wirbelte sie durcheinander. Aber darüber machte er sich keine Gedanken.

Er würde ihn gleich wieder sehen können. Gleich würde er Kai wieder gegenüber stehen. Sie würde sich nach zwei Tagen endlich wieder berühren dürfen.

Ein feines Lächeln schlich über seine Züge, als er daran dachte.

Wie sehr hatte er doch die Nacht an ihr bevorstehendes Treffen gedacht. Hatte gegrübelt was er wohl anziehen sollte. Gut, er war keine Frau, aber für Kai wollte er perfekt sein. Schließlich war dieser es auch immer.

Obwohl es wahrscheinlich nicht unbedingt auf ihre Kleidung ankam. Meistens trugen sie die eh nicht sonderliche lange.

Aber es war kalt geworden. Das machte es mitunter doch schwerer sich der Lust hinzugeben. Zumal der Wind um sie wehte.

Wieder musste Stefan grinsen. Aber viel Belustigung lag nicht daran.

Schließlich trafen sie sich immer hier im Wald.

Tief in seinen eigenen, von Vorfreude und Traurigkeit geprägten Gedanken, stellte er den Beutel mit seinen Schuhen ab. Hastig schlüpfte er aus seinen Skates und zog sich seine normalen Turnschuhe an.

Die schwarzen Skates landeten in dem Beutel. Dann marschierte er los. Er hatte noch ein Stück zu laufen. Sie trafen sich erst immer an dem so genannten Stern. Dort trafen sich sechs Wege. Sie alle führten in die verschiedensten Richtungen.

Bedächtig schritt Stefan durch den herbstlichen Wald. Unter seinen Füßen raschelte es mal gelegentlich. Sehr viele Blätter lagen aber noch nicht unten. Das meiste rot und gelb befand sich noch immer auf den Bäumen.

Stefan liebte diesen Anblick. Er schenkte ihm immer wieder so etwas wie Ruhe und Erholung. Schon als kleines Kind war er gern im Wald unterwegs gewesen.

Nun musste er hier her, wenn er Kai treffen wollte.

Heimlich.

Immer nur heimlich konnten sie sich treffen. Konnten sich dann so verhalten wie es für sie normal war. Nur dann konnten sie sich berühren, sich küssen.

Ein leiser Seufzer entrann seiner Kehle, als er daran dachte.

Ja, das Dorf. Sie waren alle so spießig, so verbohrt. Dort hätte niemand ihre Liebe verstehen können. Wie auch? Schließlich waren sie beide Männer.

Sie waren vom gleichen Geschlecht und empfanden doch so viel für einander.

Es war jetzt gut ein halbes Jahr her, das sie ihre Leidenschaft zueinander entdeckt hatten.

Es war zu Stefans 18 Geburtstag gewesen. Er hatte auch Kai eingeladen. Dieser war schon immer etwas anders gewesen. Vielleicht lag es auch daran das sich beide noch nicht so gut kannten. Kai war erst neu in ihre Klasse gekommen.

Irgendwie hatte sich der schwarzhaarige den ganzen Abend etwas merkwürdig verhalten. Er war auffallend häufig um Stefan herum geschwänzelt. Hatte sich aber immer etwas bedeckt gehalten.

Irgendwann nach dem alle gegangen waren, hatte Kai angeboten beim aufräumen zu helfen. Das Geburtstagskind hatte sich nichts weiter dabei gedacht.

„Ich habe noch ein kleines Geschenk für dich.“ Hatte Kai gesagt.

Ohne das Stefan reagieren konnte, hatte er dessen Lippen auf seinen. Es war nur ein kurzer und sanfter Kuss gewesen. Aber Stefan hatte schnell festgestellt das er mehr wollte.

Das hatte er ja jetzt auch. Zumindest in Gewisserweise.

Ein Lächeln huschte über seine Züge, als er an diesen Moment dachte. So glücklich wie in diesem Augenblick hatte er sich noch nie gefühlt.

„An was denkst du, mein hübscher?“ wollte Kai wissen, als er hinter einem Gestrüpp hervor trat.

Der schlanke, junge Mann strich sich seine schwarze Mähne glatt und ging auf seinen Freund zu.

Dieser zuckte bloß kurz zusammen, ob der leisen, tiefen Stimme. Er hatte Kai gar nicht bemerkt.

Nun musste er aber wieder grinsen. So wie Kai dastand. In seinen schwarzen Ledermantel gehüllt.

Irgendwie stand er auf diese Farbe. Sie passte aber auch so unglaublich gut zu ihm. Sie verlieh ihm das, was Stefan so sehr liebte. Eine gewisse Dominanz. Allerdings strahlte er sie bloß aus. Kai hatte ein ganz anderes Wesen.

Daran wollte Stefan jetzt aber nicht denken.

Er überbrückte die kleine Distanz zwischen ihnen und legte Kai eine Hand auf die Wange. Dieser lächelte bloß.

„Ich dachte schon du kommst nicht. Du bist heute ganz schön spät“, flüsterte Kai. Seine stimme klang so weich wie er sie bloß Stefan schenkte.

„Tut mit mir leid. Ich konnte nicht eher von zu Hause weg. Ich habe vorhin an unseren ersten Kuss gedacht“, antworte er ebenso leise.

Kai umfasste mit seiner Hand das Kinn des kleineren und hob es etwas an. Ihre Blicke trafen sich. Es war Kai als würde er nicht zum ersten mal in diesem unendlichen braun verschmelzen. Immer wenn Stefan ihn ansah, schoss ein Gefühl durch seinen Körper. Immer wieder spürte er das unbändige Verlangen, den jungen Mann an sich zu reißen und sich das zu nehmen was sein Körper so heiß begehrte. Es war schon fast wie ein Fluch. Aber er kam damit klar.

Langsam legte er seine Lippen auf die seines Freundes. Seine Zunge bat mit einem leichten Stupsen um Einlass. Welcher ihm gewährt wurde.

Kais Zunge glitt nach vorn. Berührte erst die Zähne und erkundete dann die andere Mundhöhle. Es war alles so vertraut, aber auf eine andere Weise auch so fremd.

Es war berauschend.

Ihre Zungen umwanderten einander. Verfingen sich in einem heißen Spiel von Lust und Liebe.

Kai schlang seine Arme um den jüngeren und zog ihn so noch näher an sich. Presste ihn an seine breite Brust. Der Blonde konnte bloß leise Stöhnen.

Händen schoben sich unter seine geöffnete Strickjacke und krochen nun über seine Haut. Die schlangen Finger kosten das heiße Fleisch, was sie erreichten und machten Stefan somit noch völlig verrückt. Deutlich spürte er das Verlangen in Kai. Konnte dessen Lust so deutlich spüren das es ihn fast zerriss. Fühlte er doch genau so.

Sein Körper sehnte sich so sehr nach den sanften Berührungen.

Er wollte gestreichelt und geküsst werden.

Leise Seufzend ergab er sich den verführerischen Händen. Es tat so gut wieder in Kais Näh zu sein. Der junge Mann machte ihn verrückt. Fast schon Willenlos.

Da trennte sich Kai von ihm.

„Komm mit. Ich weiß ein kleines Plätzchen wo wir beide ungestört sein können. Ich halte es nicht aus, dich bloß zu betrachten und möchte dich ganz spüren, mein Hübscher“, murmelte Kai.

Sein Freund grinste bloß. Hatte er es doch gewusst. Zwar bestand ihre Beziehung nicht bloß aus Sex. Aber dieser Art, einander zu vereinen, war immer noch die schönster.

In Kais Armen füllte er sich wohl.

Dort fühlte er sich sicher.

Zumal Stefan wusste das sein Schatz ihn zu nichts zwingen würden.

Sie liebten einander, obwohl sie Männer waren.

Na und?

Wen störte das?

Ihm war es egal.

Zumindest in diesen Moment.

Jetzt galt es ihre Liebe zu finden und sie zu spüren.

Gedanken konnte er sich noch später machen.

Schließlich liefen ihm die Dorfbewohner nicht weg.