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Familienverhältnisse

Original

keine Altersangabe - keine Warnungen

Einteiler

keine Inhaltsangabe des Autors

 


 

 

Familienverhältnisse

Fröhliches Lachen drang an sein Ohr, während er über den verschneiten Hügel blickte.

Über all lag die weißte, kalte Pracht. Sie hatte die Autos verhüllt. Verhinderte so jede Bewegung mit dem selbigen.

Den Kindern, jedoch gefiel es. Sie waren glücklich darüber.

Ein leises Seufzen entrann Jacks Lippen. Nie hätte er gedacht, das er jemals hier, auf dem Rodelberg stand und dabei seinem kleinen Sohn zu sah.

Das Leben war schon nicht immer gerecht. Aber das es so kommen würde, hätte Jack nie erwartet. Das alles sich so verändern würde.

Bis vor drei Monaten hatte er nicht gewusst das er Vater war. Woher auch?

Schließlich stand er auf Männer und war seit einem Jahr mit seinem Engel Roy zusammen. Ein junger Mann, den er vor über sieben Jahren in seine Welt gezogen hatte. In eine Welt, die aus Mord und Kanonen bestand. Immerhin wurde er dafür bezahlt andere Leute umzubringen, ihnen das Leben zu nehmen.

Da passte ein Kind nicht so recht dazu.

Aber Jack hatte sich nach einer langen Unterhaltung dazu entschieden, dem dreijährigen Jamie ein guter Vater zu sein. Schließlich hatte der Junge schon keine Mutter mehr.

Sie war bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Hatte den Jungen zurück gelassen, der nun bei seinem Vater lebte.

Jack legte den Kopf in den Nacken und musterte die Schneebedeckte Krone des Baumes über sich. Es war nicht einfach. Mit einem wildfremden Kind. Aber sie hatten durchgehalten.

Roy war ja schon immer in Kinder verliebt. Ihm machte es großen Spaß mit Jamie zu spielen. Ihm etwas vorzulesen, oder ins Bett zu bringen.

Zwar hatte seine Beziehung zu Jack stark darunter gelitten, aber mittlerweile hatten sie ihren alten Rhythmus zurück. Sie hatten ihr Leben wieder aufgenommen und teilten auch das Bett wieder miteinander. Etwas worüber beide glücklich waren.

„Hey Jack, wir sind wieder da“, rief eine bekannte Stimme.

Sofort schlich sich ein lächeln in die Züge des Mannes. Er war nicht mehr der Jüngste, so auch nicht zu allem bereit. Aber es gefiel ihm wie sich Roy gehen ließ. Der junge Mann ging mit Schlittenfahren. Tat das was ein Erwachsener in seinem Alter nie machen würde.

Er benahm sich wieder wie ein Kind.

Langsam ging Jack ein paar Schritte auf die beiden zu und grinste.

Roy schüttelte seine schwarze Haarpracht und verteilte somit den Schnee, welcher sich festgesetzt hatte. Die grünen Augen glitzerten fasziniert, als er Jack sah.

Jamie stand in seinem Skianzug daneben und zupfte an seiner Mütze.

„Und ihr zwei Helden, hat es Spaß gemacht?“ fragte Jack.

„Ja und wie. Bitte Papa, du musst auch mal mit mir fahren. Bitte“, quengelte der Kleine.

Er legte den Kopf schief und zog einen Schmollmund.

„Na los, Papa. Fahr mal mit. Es macht wirklich Spaß. Selbst dir könnte es gefallen“, grinste Roy.

Wieder leuchteten seine Augen. Er klopfte sich seine Handschuhe aus und hielt Jack die kalten Finger hin.

„Fühl mal, sie sind eiskalt“, hauchte er und leckte sich über die Lippen.

Die grünen Augen funkelten verschwörerisch und verrieten so wo er die Finger gern hingelegt hätte, um sie zu wärmen.

Jack schüttelte bloß mit einem Grinsen den Kopf und ergriff die kalten Finger.

„Das ist nicht gut. Krauch wieder in deine Handschuhe“, murmelte er.

Sanft presste er seine Stirn an die seines Freundes und blickte ihm tief in die Augen. Auch wenn sie schon länger zusammen waren, ihre Liebe brannte immer noch so heiß wie am ersten Tag. So auch das Verlangen in Jacks dunklen Augen.

Kurz beugte sich Roy noch vorn und hauchte einen Kuss auf die verführerischen Lippen.

Die verstörten Blicke der Menschen um sie herum wurden ignoriert. Es war nicht das erste mal das sie angestarrt wurden. Dies gehörte einfach dazu.

Beide hatten sich von Anfang an darauf geeinigt ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Was bedeuten auch in der Öffentlichkeit sich zu berühren, sich zu küssen, sich wie ein ganz normales Paar zu benehmen. Was sie ja auch eigentlich waren. Sah man mal von der Tatsache ab das sie zwei Männer waren.

Früher hatte es sie nicht gestört. Roy hatte sich immer einen Spaß daraus gemacht, die Leute zu Ärgern. Sich einfach Jack zu schnappen und ihn zu küssen. Oder den Blick einer Frau haltend sich auf Jacks Schoss zu setzten.

Jetzt jedoch mussten sie aufpassen. Schließlich gab es da noch Jamie.

Zwar schien es als hätte sich der Junge daran gewöhnt, dennoch war es eine schwierige Tatsache. Wie sollte man auch einem Kind erklären, das es keine Frau, sondern einen anderen Mann gab? Dies war das größte und schlimmste Problem für beide Auftragskiller gewesen. Es gab zwei Väter.

„Papa?“ durchdrang eine Stimme ihre Zweisamkeit.

Roy zuckte kurz mit den Schultern, stahl Jack noch einen Kuss und gab ihn dann frei.

„Was ist los kleiner?“ wollte Jack wissen.

Es fiel ihm nicht gerade einfach sich so plötzlich auf ein Kind konzentrieren zu müssen. Seinen Roy dabei zu vernachlässigen.

„Ich will noch mal fahren. Aber mit dir. Los Papa“, frohlockte Jamie und grinste.

Verdattert zog Jack eine Braue hoch. Dann betrachtete er den Schlitten. Sollte er das wirklich tun? Sich so gehen lassen? Er war doch nun wirklich kein Kind mehr. Außerdem konnte Roy das besser. Er war jünger und beweglicher.

Auch wenn es Jack ungern zugab, im Umgang mit Jamie fühlte er sich alt. Obwohl er dieses Gefühl bei Roy nicht hatte. Immerhin trennten sie auch 20 Jahre. Nicht gerade wenig. Aber in ihrer Beziehung stimmte einfach alles. Der Sex war perfekt. Das Leben mit Roy eine Wohltat. Selbst seinen Job konnte Jack machen. Da störte das Alter ihn auch nicht.

Aber hier mit Jamie....

Da sah das so anders aus. Zumal sein Engel auch nicht seiner Meinung war.

„Ach Jamie, muss das sein? Ich bin da nicht so begeistert. Fahr doch noch mal mit Roy“, wiegelte er ab.

Sah dabei aber zu gut das enttäuschte Gesicht vor sich. Hörte Jamie auch gleich darauf Schniefen.

Einen leisen Fluch ausstoßend, ging der Mann in die Knie.

„Komm nicht weinen. Ich fahre einmal mit dir. Aber bloß einmal. Nicht das ich mir da noch weh tue“, erklärte Jack.

Ein leises Lachen hinter seinem Rücken ließ ihn zusammen zucken.

„Oh Schatz. Du bist echt gut. Ob du das bei mir auch mal sagst? Ich weine und du nimmst dich meines Körpers an? Sehr guter Tipp. Danke Jamie“, grinste Roy.

Die grünen Diamanten funkelten vergnügt. So was konnte er nicht lassen.

Den skeptischen Blick einer älteren Frau, verdrängte er dabei mit Hingabe. Was interessierte ihn das auch schon?

Der Ältere stand mittlerweile wieder und funkelte Roy an.

„Gut. Aber dann bringe ich dich zum Schreien. Du weinst dann wegen etwas anderem. Übertreib deine Worte nicht, mein Engel“, entgegnete Jack.

In seinem Gesicht erschien ein kleines Lächeln und nahm den Worten so mit die Schärfe. Obwohl der Angesprochene zu gut wusste wie es gemeint war.

„Komm Jamie. Eine Abfahrt noch und dann geht’s nach Hause.“

Mit diesen Worten wandte sich Jack ab und legte seinem Sohn einen Arm um die zierlichen Schultern.

Roy blickte ihnen einfach nur nach. Das Bild war auch zu verrückt. Ein älterer Mann mit Zopf und langen, schwarzen Mantel, schritt neben einem Kind her.

Das die Leuten ihnen nicht bloß wegen ihrer Neigung nachblickten war in diesem Fall verständlich. Zwei Männer mit ihrem Erscheinungsbild und der kleine Jamie.

Jack hatte schon immer etwas gefährliches und dunkles an sich gehabt. So passte er einfach nicht zu Jamie. Man konnte sich einiges darunter vorstellen.

Aber der Todesengel würde sich für dieses Kind nicht ändern. Selbst wenn er es insgeheim liebte. Sein Leben war sein Leben. Außerdem konnte man Jamie auch daran gewöhnen.

Die Hände in den Taschen seiner Daunenjacke vergraben, sah er zu, wie sich sein Schatz auf den Schlitten setzte und mit seinem Sohn ins Tal fuhr.

Der Anblick löste verschiedene Gefühle in ihm aus.

Zum einen fand er es unglaublich süß. Zum anderen hatte er Angst. Angst davor seinen Freund zu verlieren. Aber er kannte diesen Mann. Jack hatte seine Lebenseinstellung wegen ihm, Roy nicht geändert, warum sollte er es da jetzt tun?

Es war vielleicht nicht das beste Familienumfeld, aber sie setzten alles daran Jamie eine glücklichen Kindheit zu bieten. Das Schicksal hatte dieses Paar zu Eltern gemacht und sie würden diesen Pflichten nachkommen.

Schließlich liebten sie sich.

Jetzt sogar auch Jamie.

Und der Junge war es wert.

Er verdiente eine Kindheit und Eltern.

Roy grinste und bedachte die zwei wichtigsten Menschen in seinem Leben.

Ein Kind und den Mann seiner Träume.