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Rollenspiel Teil 1 bis 5

Kapitel 1
 
Duo hatte es sich gerade mit einer großen Tüte Chips und einem Becher Eis auf der Couch gemütlich gemacht, als das Vidphone anfing zu klingeln. Da er keine Energie auf ein Gespräch – mit wem auch immer – hatte blieb er einfach sitzen und stopfte sich mehr von dem Schokoladeneis in sich rein. Hin und wieder streiften seine Augen den laufenden Fernseher, aber auch der Film interessierte ihn nicht wirklich.
 
Das Vidphone klingelte unaufhörlich. Und klingelte.... und klingelte. Jedes mal wenn die Maximallänge des Anrufversuchs erreicht wurde und die Leitung automatisch gekappt wurde schien der Anrufer erneut zu wählen.
 
Duo seufzte tief. Er brauchte erst gar nicht auf die Nummernanzeige des Anrufers zu schauen um zu wissen wer denn auf so penetrante Art und Weise versuchte ihn zu erreichen. Da gab es im ganzen Universum nur einen. Und das schlimmste, es gab nichts was Duo dagegen tun könnte. Wenn er jetzt z.B. das Vidphone ausstöpseln würde, dann wüsste der Anrufer das er da war und würde garantiert sofort vorbei kommen. Und versuchen es auszusitzen würde auch nichts bringen. Da könnte er lange warten bevor der andere mit den Versuchen aufhören würde.
 
Mist, da wollte Duo sich einmal schön im Selbstmitleid aalen, und dann das. Er seufzte noch einmal tief und stoppte dann den Film. Besser er würde das Gespräch schnell hinter sich bringen. Vielleicht war es ja gar nicht so schlimm....
 
Er trug noch in aller Gemütsruhe das Eis zurück ins Gefrierfach – untermalt vom sich ständig wiederholenden Klingeln. Dann ging er zu seinem Schreibtisch setzte sich hin und betätigte den Knopf der die Verbindung aufbaute.
 
Innerhalb von Hunderstelsekunden konnte er einen blonden Schopf und ein breites Lächeln auf seinem Monitor erkennen. Bingo! „Hallo Quatre,“ begrüßte er den Störenfried.
 
Das Lächeln wurde noch intensiver. Duo wünschte sich fast das er eine Sonnenbrille tragen würde um nicht geblendet zu werden. „Hi Duo. Da bist du ja endlich. Ich dachte schon ich würde dich nicht erwischen.“
 
Duo knurrte leicht. Wie schaffte es Q eigentlich immer so verdammt unschuldig auszusehen? Selbst wenn er etwas total heimtückisches tat? Kein Wunder das sämtliche Geschäftspartner des Blonden vor Ehrfurcht erzitterten.
 
Aber zwei konnten dieses ‚Unschuldsspiel’ spielen. Duo warf mit einer nonchalanten Geste seinen Zopf über die Schulter nach hinten und schaute mit großen Augen auf den Monitor. „Hast du schon mal versucht mich zu erreichen? Komisch ich hab gar nichts gehört. Vielleicht ist mein Vidphone kaputt.“
 
Quatre runzelte für einen kurzen Augenblick die Stirn, aber dann war er sofort wieder die kleine Grinsekatze die er ja war. „Ach kein Problem Duo. Ich wusste ja das ich dich früher oder später erreiche.“
 
Knurr.
 
„Gibt es irgendeinen bestimmten Grund warum du mich anrufst, oder wolltest du einfach nur mal so quatschen?“ fragte Duo. Vielleicht könnten sie das Gespräch ja so kurz wie möglich gestalten und er konnte danach noch ne Runde depressiv auf der Couch rumsitzen. Schien auf jeden Fall ein guter Plan und ein Versuch konnte nichts schaden.
 
„Ach nichts bestimmtes. Ich wollt nur fragen wann du denn ankommen wirst?“
 
Duo zog erstaunt eine Augenbraue hoch. „Ankommen?“ vergewisserte er sich.
 
Quatre machte eine wegwerfende Geste. „Ach komm schon Duo. Du wirst mir doch nicht erzählen wollen das du unsere alljährliche Zusammenkunft vergessen hast.“
 
Shit, das hatte er tatsächlich. Obwohl sich Duo für eine Sekunde fragte wie das denn sein konnte. Immerhin, wie konnte man ein Datum wie Silvester vergessen? Und seit dem Ende des Krieges hatten sie sich alle immer genau an dem Tag getroffen. Oh, natürlich auch zwischendurch – schließlich waren sie ja enge Freunde. Aber diese gemeinsame Silvesterfeier war etwas besonderes. So etwas konnte man gar nicht vergessen. Es sei denn natürlich, man hatte allen Grund dazu dieser Veranstaltung dieses Jahr fern zu bleiben.
 
Duo seufzte wieder. Das würde jetzt ein hartes Stück Arbeit werden. „Q, ich bin mir nicht sicher ob ich diesmal dabei sein werde. Sorry.“
 
Wahrhaftiges Erstraunen war auf Quatres Gesicht zu erkennen. Sogar das Lächeln war wie auf einen Schlag verschwunden. „Wie? Was meinst du Duo?“ Der Blonde schüttelte seinen Kopf. „Du kannst doch nicht einfach nicht kommen. Das geht nicht. Wir haben dich jetzt alle seit ein paar Monaten nicht mehr gesehen und wir freuen uns so auf dich.“
 
Jep, es würde definitiv schwer werden. „Schau Quatre. Ich bin nicht so gut drauf im Moment. Ich würde euch allen nur die Stimmung vermiesen. Und ich hab auch gar keine Energie für eine Feier. Ich werde dich und Tro eine Woche später oder so besuchen kommen. Indianerehrenwort.“
 
Quatre schüttelte weiter den Kopf. „Das ist nicht das gleiche und das weißt du auch genau. Komm schon Duo. Das ist doch keine großartige Feier für die man viel Energie braucht. Wir sind einfach nur das Wochenende zusammen, lassen uns von meiner Köchin verwöhnen und quatschen über Gott und die Welt, erzählen einander was in den letzen Wochen alles so passiert ist.“
 
Und genau das war es, was Duo auf jeden Fall vermeiden wollte. Er konnte es schon lebhaft vor sich sehen. Wie all seine Freunde sich miteinander verbündeten und ihn ausquetschen würden. Er würde sich wie ein absoluter Versager fühlen. All seine Freunde würden da sein, zusammen mit ihren Partnern. Und nur er, er würde allein sein und sich wie ein kompletter Versager vorkommen. Die Idee sich mit mehreren Kilo Schokolade auf seiner Couch zu verschanzen klang immer besser.
 
„Quatre, bitte. Ich hab wirklich keine Energie,“ Duo wusste das er jetzt praktisch bettelte. Soviel war also von seiner Würde übrig geblieben.
 
„Duo!“ Quatres Stimme klang ziemlich nach seinem Befehlston. Duo erschauerte. Dem konnte man sich noch weniger verweigern, als wenn Q es auf die sanfte Tour versuchte. „Wenn du nicht zu der Feier erscheinst, dann werde ich ernsthaft böse.“
 
‚Autsch.’ Duo beschloss sich seinem Schicksal zu ergeben. Im Grunde hatte er schon vor dem Annehmen des Anrufes gewusst das Quatre ihn zu irgendwas zwingen würde. Er konnte dem blonden einfach nichts abschlagen. Und Quatre wusste das. ‚ Verdammt.’ Duo hob abwehrend seine Hände und seufzte ergeben. „OK, OK, ich werde zur Feier kommen.“
 
Sofort wurde Quatres Gesicht wieder von einem strahlenden Lächeln erfüllt. „Wunderbar. Wann werdet ihr denn kommen?“
 
Tja, jetzt war die Stunde der Wahrheit gekommen. Duo seufzte noch einmal und fasste sich dann ein Herz. „Nur ich werde kommen, Quatre.“
 
Und wieder sah sein Freund für einen Moment erstaunt drein. „Aber was ist denn mit...“
 
Duo schüttelte vehement den Kopf. „Ich bin allein Quatre. Wir sind nicht mehr zusammen. Du brauchst für mich nur ein Einzelzimmer vorzubereiten.“
 
Sofort veränderte sich Quatres Gesichtsausdruck. Er war jetzt voller Sorge und Mitgefühl. Und Duo hasste das. Er konnte sich zwar wunderbar selbst bemitleiden, aber er mochte es nicht wenn andere so für ihn empfanden. Das machte ihn nur wieder all zu sehr bewusst was für ein Versager er doch in dieser Beziehung war. ‚Tolles Wortspiel Duo,’ schimpfte er sich selbst aus.
 
Aber noch etwas schien neben der Besorgnis bei Quatre Fuß gefasst zu haben. Denn er klang ein wenig vorwurfsvoll als er antworte, „Oh nein Duo. Nicht schon wieder. Ihr wart doch gerade erst ein paar Wochen zusammen.“
 
Duo rollte mit den Augen. Als ob ihm das jemand sagen musste. Er war selbst ganz erstaunt gewesen das er diesmal schon so schnell ad Acta gelegt wurde. Diesmal schien er einen neuen Rekord aufstellen zu wollen. Und das so kurz vor Weihnachten. Er hatte gehofft das diese Beziehung zumindest bis nach der Silvesterfeier halten würde. Falsch gedacht. Und nun würde er seinen Freunde zum ersten Mal allein bei diesem wichtigen Treffen entgegen treten müssen.
 
„Ich weiß. Es hat halt einfach nicht sollen sein. Wir haben wohl einfach nicht zusammen gepasst,“ versuchte er die Sache klein zu reden.
 
„Duo,“ seufzte Quatre. „Du bist dir schon bewusst, das dies deine  elfte gescheiterte Beziehung in sieben Jahren ist?“
 
In Wirklichkeit war es die fünfzehnte, aber Quatre musste ja nun wirklich nicht alles wissen. Er zuckte mit den Achseln. „Ich hab halt die richtige Person noch nicht gefunden. Ich bin doch noch jung, gerade mal 26. Kein Grund zur Torschlusspanik.“ Oh ja, er konnte gut reden. In seinem Inneren sah die Sache aber ganz anders aus. Er war verzweifelt und fragte sich immer wieder warum es nicht klappte mit der Liebe. War es ein Fluch der auf ihm lag? Immerhin, er sah doch gut aus, war nett, die Leute mochten ihn und wenn er all seinen verflossenen Flammen glauben konnte dann war er auch nicht gerade schlecht im Bett. Wieso also nur hatte er immer noch nicht diesen speziellen Partner gefunden? Den oder die fürs Leben? Das konnte doch nicht so schwer sein. Verdammt all seine Freunde hatten jemanden. Sogar Heero hatte das geschafft. Und wenn ein Eisblock wie Heero es schaffte, wieso dann nicht auch er?
 
OK, das war jetzt vollkommen unfair. Duo schimpfte sich selbst aus. Heero hatte sich in den Jahren nach dem Krieg sehr verändert. Zum Besseren verändert. Da sollte er nicht neidisch sein nur weil Heero jemanden gefunden hatte und er nicht. So was gehörte sich nicht, schließlich waren sie immer noch Freunde.
 
„Ach Duo. Das tut mir schrecklich leid.“
 
Duo zitterte beinah. „Oh bitte Q. Spar dir die Mitleidstour. Mir geht’s wirklich gut. Und es war das beste das wir uns getrennt haben. Es hätte früher oder später sowieso passieren müssen. Wir waren einfach zu verschieden. Komm, lass uns über was anders sprechen.“
 
Quatre schüttelte seinen Kopf. „Du kannst mir nicht erzählen das es dir nichts ausmacht. Sonst würdest du nicht so ein Trübsal blasen.“
 
„Nein, es ist wirklich nichts. Ich bin nur ein bisschen down weil, wie du schon so schön gesagt hast, es war nicht die erste Beziehung die in die Brüche gegangen ist. Es ist nur allgemeiner Weltschmerz der mich runter zieht. Diese spezielle Beziehung war wohl schon von Beginn an zum Scheitern verurteilt.“
 
„Weißt du, vielleicht hätten du und Heero euch nie trennen sollen.“
 
Jetzt wurde Duo sauer. Wieso musste Quatre immer wieder darauf herumreiten. Konnte er denn nicht akzeptieren das es aus war zwischen ihm und dem Japaner? Das es eigentlich nie eine wirkliche Beziehung gewesen war? „Q, hör sofort auf damit. Heero und ich, das ist Geschichte. Das ist längst vergessen. Und da war nie viel.“
 
„Aber...“
 
„Nichts aber. Sieh ein, dass das was zwischen Heero und mir war nur während des Krieges funktioniert hat. Danach ist es Stück für Stück zerbrochen.“ Ein bitteres Lächeln umspielte Duos Gesicht bei der Erinnerung. „Aber ist Ok. Wir beide haben eingesehen das es das Beste ist uns zu trennen. Und wir beide sind glücklich mit dieser Entscheidung. Nur weil ich die meiste Zeit solo bin heißt es noch lange nicht das ich unglücklich bin!“ Er verschränkte seine Arme vor seiner Brust. Wieso glaubten eigentlich alle, das man nur glücklich sein konnte wenn man jemanden hatte? Pfft. Immer auf die Singles. Ungerechtigkeit.
 
Quatre hob abwehrend die Hände. „Schon gut Duo. Ich wollt nicht in alten Wunden rühren.“
 
Duo knurrte leise. Verdammt da gab es keine alten Wunden. Warum konnte keiner verstehen das seine Trennung mit Heero vollkommen schmerzfrei verlaufen war? Schließlich hatten sie sich nie geliebt. Was sollte es da an Trennungsschmerz geben? Aber irgendwie schienen alle anderen mehr in die Sache herein zu interpretieren als da je gewesen war. Aber Duo war das Kämpfen gegen Windmühlen leid. Deshalb erwiderte er jetzt lieber nichts.
 
Auch Quatre wollte dies Thema wohl nicht weiter vertiefen. „Ok, ich freu mich das du kommen wirst. Weißt du schon wann?“
 
Glücklich das gefährliche Thema hinter sich zu lassen zeigte Duo sich vollkommen kooperativ und schaute auf seinen Kalender. Dieses Jahr fiel Silvester auf einen Samstag. Da brauchte er für seinen Kurzbesuch bei Quatre nicht einmal viel Urlaub zu nehmen. „Hm, ich könnte Freitag Mittag ein Shuttle nehmen und dann Abends bei euch ankommen. Ist das in Ordnung, oder soll ich erst Samstag Morgen kommen?“ Quatre und Trowa lebten auf L3, während Duo sich aus beruflichen Gründen – und weil er den Planten mochte – auf der Erde, genauer gesagt in London befand. Ein Shuttle benötigte vier Stunden bis L3.
 
„Nein, das ist vollkommen in Ordnung. Sogar mehr als das. Wir haben uns wirklich seit etlichen Wochen nicht mehr gesehen. Da werden wir jede Sekunde zum Quatschen brauchen. Die anderen wollen auch schon am Freitag kommen.“
 
Duo seufzte erneut. „Alle?“ fragte er nach.
 
„Zumindest Heero und Wufei.“
 
Bevor Duo sich auf die Zunge beißen konnte, hatte er schon nachgefragt, „Ich nehm mal an das der Zwerg auch kommen wird.“
 
Quatre rollte mit den Augen. „Natürlich wird Gordon dabei sein. Und er ist kein Zwerg.“
 
Duo grummelte kurz. Wieso hatte er nur nachgefragt? Erst letzte Woche hatte er Gordon und Heero auf mehreren Titelblättern von Illustrieren und Computerzeitschriften gesehen. Das Vorzeigepaar wurde wieder von allen hofiert. Er hatte beim Anblick dieser Bilder fast kotzen müssen. Irgendwas an Gordon trieb ihn die Wände hoch. Er wusste nur nicht was.
 
„Du weißt genau wie ich das meine,“ erwiderte Duo.
 
„Ja, aber so wie du ihn immer behandelst, könnte man fast auf die Idee kommen das du eifersüchtig bist.“
 
„Quatsch mit Soße. Als ob ich auf diesen ‚Zwerg’ jemals eifersüchtig sein könnte. Wie oft muss ich eigentlich noch beteuern dass das mit Heero seit sieben Jahren vorbei ist?“
 
„Hmmm,“ sagte Quatre kryptisch. Dann fügte er hinzu. „OK, wir sehen uns dann in zwei Wochen. Ich freu mich schon.“
 
„Ich auch Q. Machs gut.“
 
Dann beendeten beide das Gespräch. Duo starrte noch für einige Sekunden auf den dunklen Monitor. Eiersüchtig. Auf Gordon. Da lachten ja die Hühner. Dann stand er auf um sich aus dem Gefrierschrank eine doppelte Portion Schokoladeneis zu holen. Als er es sich wieder in seiner Couch gemütlich machte, wanderten seine Gedanken unwillig – aber unaufhaltsam – zu seiner gemeinsamen Zeit mit Heero zurück. Seufzend schob er den ersten Esslöffel Eis in seinen Mund. Das konnte ja eine lange Nacht werden.
 
Kapitel 2
 
Die Geschichte zwischen ihm und Heero... nun ja es war einfach unabwendbar gewesen. Es war im Prinzip Schicksal. Oder wie man es auch immer ausdrücken wollte.
 
Weil, was sollte wohl dabei herauskommen, wenn zwei Teenager unter ständigem Adrenalinhoch andauernd zusammen waren? Sie hatten viele verschiedene Missionen zusammen gehabt, sei es das sie sich als Schüler in diversen Schulen eingeschlichen hatten oder zusammen in ihren Gundams gegen OZ Armeen gekämpft hatten.
 
Die ständige Gefahr den nächsten Tag vielleicht nicht mehr zu erleben. Der Rausch des Kampfes. Und sie konnten niemandem außerhalb ihrer Gruppe trauen. In den Schulen – nein überall – mussten sie sich vor ihren Feinden verstecken. Konnten keine Freundschaften schließen, denn Freundschaften bedeuteten Gefahren. Sie hätten sich verraten können, oder noch schlimmer sie hätten Beziehungen zu den anderen aufbauen können. Das wäre nicht im Sinne ihrer Auftraggeber gewesen.
 
Heero hatte sich deshalb immer von allem zurückgezogen. Hatte sich hinter seine steinerne Maske verschlossen und niemanden an sich heran gelassen. Das war eine Möglichkeit mit der Situation fertig zu werden. Das war natürlich nicht Duos Art, und so war er weiter auf die Menschen zugegangen, hatte mit ihnen gelacht. Aber auch er hatte die ganze Zeit gewusst das es zwischen ihnen eine unüberwindbare Mauer gab.
 
Irgendwann waren sie es leid gewesen und hatten angefangen die Verbundenheit und menschliche Nähe, die sie mit keinem Zivilisten haben konnten beieinander zu suchen. Und so waren sie Freunde geworden. Ihre ganze Gruppe wurde dadurch zusammengeschweißt.
 
Aber er und Heero hatten die meisten Missionen zusammen gehabt. Und so unabwendbar es gewesen war das sie Freund werden mussten, genauso natürlich war es das sie eines Tages noch mehr miteinander teilten. Es war nach einer fehlgeschlagenen Mission gewesen. Sie beide waren leicht verletzt und völlig fertig vom Kampf. Und sie hatten in einer verlassenen Hütte mitten im Nirgendwo untertauchen müssen.
 
Duo konnte sich nicht mehr genau daran erinnern was denn jetzt der eigentliche Auslöser dafür gewesen war. War es weil sie wegen der Kälte dicht aneinander gekuschelt unter der einzigen Decke gelegen hatten? Oder war es weil einer von ihnen einen Alptraum hatte den der andere versuchte zu vertreiben?
 
Was auch immer, in jener Nacht hatten sie miteinander geschlafen. Es war wirklich toll gewesen. Es war etwas gewesen von dem sie beide gedacht hatten das sie es in dieser Welt niemals erleben würden. Sie fanden einen Weg all die hochgepuschten Teenagerhormone auszuleben und den Adrenalinrausch zu dämpfen. Sie fanden einen Weg einander noch näher zu sein.
 
Nicht für eine Sekunde hatte es nach dieser ersten Nacht für sie beide irgendeinen Zweifel daran gegeben das sie dies fortführen würden. Es war perfekt, sie waren die einzigen denen sie trauen konnten, denen sie sich öffnen konnten. Und sie fanden sich attraktiv – verdammt attraktiv. Sie waren im Kampf und auf ihren Missionen ein eingespieltes Team, und so war es auch in diesem Aspekt ihrer Beziehung.
 
Duo war sich nicht sicher ob J. davon gewusst hatte. Er glaubte nicht das Heero ihm davon erzählt hatte, denn Heero hatte ein beinah fanatisches Bedürfnis seinem Mentor nichts privates zu erzählen. Diesen nie hinter die Maske des perfekten Soldaten blicken lassen. Später hatte Duo einige Berichte über die Trainingsmethoden von J. gelesen und hatte auf der Stelle Heeros Motivation dafür verstanden.
 
G. hingegen schien es sofort zu wissen. Wieso, das war Duo unbegreiflich. OK, er war ein Plappermaul, aber auch er wusste was wirklich privat war und was man keiner ‚Vaterfigur’ erzählen sollte. Aber auf jeden Fall hatte G. davon gewusst und Duo dazu gratuliert ‚diesen Ausweg’ gefunden zu haben. Duo schnaubte.
 
Er fand das klang doch recht deprimierend. Es war nicht nur ein ‚Ausweg’ dazu waren er und Heero sich während der ganzen Zeit viel zu nah. Aber was auch immer es war, es funktionierte. Keiner von ihnen beiden fühlte sich mehr allein und sie konnten genügend Dampf ablassen um die Mission nicht zu gefährden.
 
Es funktionierte anscheinend auch für Trowa und Quatre. Obwohl die beiden Romantiker immer behaupteten es wäre Liebe auf den ersten Blick gewesen. Und das sie sofort gewusst hätten das sie Seelenverwandte waren und für den Rest ihres Lebens zusammen gehörten.
 
Duo schnaubte unwillig und schob noch einen weiteren Löffel mit Eiscreme in seinen Mund.
 
Was Wufei tat um mit dem Stress des Krieges fertig zu werden, da wollte Duo noch nicht einmal Spekulationen drüber anstellen. Aber auch er musste irgendwas gefunden haben um sich zu zentrieren. Und in Angesicht der Tatsache das er Sally so irrsinnig schnell nach dem Ende des Krieges geheiratet hatte, musste man vielleicht nicht einmal wild spekulieren.
 
So war es gewesen, sie hatten Seite an Seite gekämpft und alles miteinander geteilt. Es hatte ihnen geholfen mit diesem Krieg fertig zu werden, ihre geistige Gesundheit und ihre Menschlichkeit nicht zu verlieren – bzw. in Heeros Fall nicht noch mehr davon zu verlieren.
 
Nach dem Ende des ersten Krieges hatten sie zunächst nicht gewusst was sie jetzt machen sollten. Sie waren nur für den Kampf ausgebildet. Sie waren im Grunde immer noch Kinder, also was sollten sie in dieser so beängstigend neuen Zeit anfangen?
 
Es hatte sie noch dichter aneinander geschweißt. Wenn dies überhaupt möglich war. Sie waren für den jeweils anderen die einzige Konstante, der einzige Halt. Und so hatte der Einäugige den Blinden geführt.
 
Am Anfang waren sie unstetig durch die Gegend gewandert. Hatten versucht sowohl die Schönheit des Planeten zu begreifen als auch zu erkennen was denn ihre Zukunft sein könnte.
 
Une hatte angefragt ob sie nicht bei den Preventer mitarbeiten wollten. Sie beide wollte nicht so recht, hatten geglaubt das Kämpfen läge jetzt hinter ihnen. Aber Une hatte ihnen klar gemacht das dies ihre einzigen Fähigkeiten waren. Weil sie hatten nichts. Sie waren zu jung für ihr Wissen, sie waren nur für den Krieg ausgebildet. Was sollten sie sonst tun? Burger im Drive-In verkaufen?
 
Sie beide hatten sich von dieser Rede beeindrucken lassen und angefangen für die Preventer zu arbeiten. Und Duo hatte es sofort gehasst. Es gab zu viele Regeln, zu viele Leute die ihm sagten was er zu tun und zu lassen hatte. Und auch unter Heeros stoischer Miene hatte man erkennen können das er nicht glücklich mit der Situation war.
 
Das hatte sie ebenfalls noch fester aneinander geschweißt. Duo hätte am liebsten sofort mit dem ungeliebten Job aufgehört. Aber Heero hatte ihn davon abgehalten. Hatte ihn davon überzeugt das es zumindest eine Chance war offiziell eine Ausbildung zu erhalten. Sie hatten ja noch nicht mal Abschlüsse von irgendeiner Schule. Aber das konnten sie bei den Preventer nachholen und sie beide stürzten sich darauf wie einen Rettungsanker.
 
Die Sache war auch ziemlich einfach. Sie mussten nur einige Tests bestehen und ihnen wurde die Hochschulreife anerkannt. Die Tests waren nicht einmal besonders schwierig – wie Duo fand.
 
Sie waren gerade dabei gewesen sich zu überlegen was sie denn jetzt machen sollten, als Relena es schaffte sich entführen zu lassen. Duo rollte wieder mit den Augen. Er mochte die Vize-Außenministerin nicht. Seiner Meinung nach war sie ein typisches Beispiel für eine schlechte Politikerin. Von nichts eine Ahnung haben, aber sich in alles einmischen.
 
Aber sie schien wichtig für die vereinten Nationen. Aus irgendeinem Grund – wahrscheinlich unheimlich gute PR – mochten sowohl die Erdbevölkerung als auch die Kolonisten sie und sie konnte als Vermittler dienen.
 
Und so hatten er und Heero sich auf den Weg gemacht sie zu befreien. Die ganze Geschichte ging als Mariameia-Zwischenfall in die Geschichte ein. Und Duo wäre es gänzlich lieber gewesen niemals etwas damit zu tun zu haben.
 
Viel zu schnell hatte der Krieg ihn wieder gefangen. Sie hatten um ihre Leben und um die Existenz der Erde gekämpft. Und sie hätten beinah verloren. Er hätte beinah Heero verloren. Die einzige Konstante in seinem Leben.
 
Als der Kampf beendet war hatte Duo genau gewusst das er niemals wieder kämpfen wollte. Das Une ihm mal den Buckel runter rutschen konnte. Sie hatten die Welt jetzt zweimal gerettet. Jetzt konnten mal andere Leute diesen Job annehmen.
 
Als er auf den verletzten und ohnmächtigen Heero zugerannt war und er sehen musste das Relena ihn im Arm hatte, da schnappte etwas in ihm. Er hatte sie angefahren, wie sie denn dazu käme mit ihren ‚Drecksgriffeln seinen Heero anzufassen’. Und zum ersten Mal in seinem Leben hatte er Relena sprachlos erlebt.
 
Sie schien auch tatsächlich etwas kapiert zu haben, denn danach hörte sie damit auf Heero zu verfolgen. Auf jeden Fall so zu verfolgen.
 
Trotzdem war Duo glücklich das Heero von der ganzen Sache nichts mitbekommen hatte.
 
Als Heero aus dem Krankenhaus entlassen wurde hatten sie dann beide ihren Rücktritt eingereicht. Und wussten nicht was sie jetzt machen sollten.
 
Es war zwar Duos Idee gewesen so überhastet zu kündigen, aber er war auch derjenige der die meisten Probleme damit gehabt hatte. Das konnte Duo jetzt zurückblickend gerne zugeben.
 
Sie wussten beide das die Welt in der sie lebten eher auf ‚Schein’ denn auf ‚Sein’ basierte. Sie brauchten Papiere, Dokumente um zu beweisen das sie konnten was sie konnten. Niemand würde sie einstellen ohne diese Beweise. So verrückt das auch war.
 
Und Duo hatte Angst gehabt. Geradezu Panik. Er wollte nicht irgendwo in einem mies bezahlten Job landen. Das schien wie die sichere Straße hinab in die Gosse. Duo gab zu das er da wahrscheinlich überreagierte. Aber er hatte seine Kindheit in der schlimmstmöglichen Armut verbrach. Er wusste nicht viel, aber er wusste das er niemals wieder so tief sinken wollte.
 
Nicht das er wirklich solche Angst hätte haben müssen. Sie beide, nein alle Gundam Piloten, hatten während des Krieges immer wieder die Konten von OZ und der Romefeller-Stiftung gehackt. Sie hatten ungeheuer viel Geld auf die Seite geschafft um damit den Kampf zu finanzieren. Und natürlich hatten sie nicht alles ausgeben müssen. Sie hatten immer noch ihre Reserven. Ziemlich hohe Reserven. Von ihren Fähigkeiten wieder auf so eine Art Geld zu beschaffen ganz zu schweigen.
 
Duo hatte keinerlei moralische Bedenken das Geld zu behalten. Verdammt, OZ war ihr Feind gewesen. Das Geld zu besorgen war ein Teil des Kampfes gewesen, wieso sollten sie es nach Beendigung des Krieges zurück geben? Verglichen mit dem eigentlichen Vermögen von OZ waren ihre Reserven trotzdem nur kleine Fische. Und wenn etliche legale Firmen das Erbe von OZ antreten konnten, ohne mit diesem Vermögen für die Schäden aufzukommen die von OZ angerichtet wurden, wieso sollten sie es denn?
 
Duo lächelte leicht. Heero war der gleichen Ansicht gewesen. Aber sie hatten beide gewusst das sie unter Beobachtung waren. Das große Teile der Regierungen sie für Terroristen hielten und sie ihnen keine belastende Beweise in die Hände legen durften.
 
Und so hatte Heero etwas sehr schlaues gemacht. Er hatte kurz nach dem ersten Krieg seine Computerfähigkeiten eingesetzt. Und auch wenn die anderen vier auch sehr, sehr gute Hacker waren, so kam doch keiner an Heero heran. Er organisierte es so, das alle ihre Mentoren sie zu Universalerben eingesetzt hatten. Und die fünf verrückten Wissenschaftler hatten nicht nur die Gundams erfunden sondern noch etliche andere Dinge. Dinge die viel Wert waren. Dinge die in den von Heero angelegten Konten jetzt ihnen zuflossen. Ganz offiziell.
 
Natürlich hatte Heero das nicht mit all ihren Reserven getan. Immerhin waren sie paranoide Kämpfer die nicht wussten wann der nächste Krieg begann und sie das Geld brauchten. Aber doch einen Großteil.
 
Allein von diesem offiziellen Geld hätte jeder von ihnen für den Rest ihres Lebens komfortabel leben können. Zusammen mit ihren weiteren Reserven war es genug um sich niemals Sorgen machen zu müssen.
 
Die andren drei hatten dabei mitgemacht. Sicher, Quatre hatte gesagt das er das Geld nicht brauchen würde – immerhin war er als Besitzer von WEI einer der reichsten Männer der Erde und der Kolonien. Aber auch in ihm schlug das Herz eines Gundam Kämpfers und er wusste um die Wichtigkeit solcher Reserven.
 
Wie dem auch sei, sie hatten genug Geld. Und Duo hätte sich niemals Sorgen um seine Zukunft machen zu brauchen. Aber die Angst saß zu tief. Er wolle nicht darauf angewiesen sein. Er wollte sich selbst versorgen können – auch wenn das doof klang.
 
Und so kam Heero auf die Idee das sie doch einfach auf die Uni gehen sollten. Sie hatten die Fähigkeiten als Ingenieure, sie hatten nur nicht die Dokumente das zu beweisen, warum nicht diese Dokumente nachholen?
 
Es schien der logischste und einfachste Plan. Was konnte da schon schief gehen? Heero wollte Computerwissenschaften studieren, Duo hatte sich für Maschinenbau entschieden. Das war das wo sie jeweils am besten waren. Sie sollten ihre Studien in Nullkommanichts abgeschlossen haben.
 
Duo hatte sofort und freudig zugestimmt. Und nicht für eine Sekunde hatten sie daran gedacht dies nicht zusammen durchzuziehen. Aber warum sollten sie sich auch trennen? Sie waren ein eingespieltes Team und verdammt ja, der Sex war mehr als gut. Warum darauf verzichten?
 
Duo hatte zwar schon manchmal im Hinterkopf das nagende Gefühl das er was verpasste, aber er achtete damals noch nicht so richtig darauf. Doch immer wenn Quatre davon berichtete wie sehr er in Trowa verliebt war, wie ihn dieses Glücksgefühl beflügelte und wie er Schmetterlinge im Bauch hatte, dann wurde Duo fast neidisch. Und ihm wurde immer bewusster das er solche Gefuehle auch gerne hätte.
 
Duo sehnte sich danach. Aber ihm war klar das er das mit Heero nicht haben würde, schließlich liebten sie sich nicht. Aber das war ja noch lange kein Grund auf ihr angenehmes Zusammensein zu verzichten, oder?
 
Heero hatte sich mit aller Energie auf die neue Mission gestürzt. Innerhalb kürzester Zeit hatte er für sie beide eine mehr als respektable Universität gefunden. Da sie in der Lage waren die nicht gerade geringen Studiengebühren zu bezahlen und durch ihre Zeit bei den Preventer auch die nötige Hochschulreife besaßen bekamen sie sofort Plätze angeboten.
 
Alles schien wie am Schnürchen zu laufen. Duo seufze bei der Erinnerung. Sie waren beide aufgeregt gewesen als dieser neue Abschnitt ihres Lebens begann.
 
Sie hatten sich eine wunderschöne Wohnung in der Nähe der Universität gekauft. Sie hatten sich dagegen entschieden auf dem Campus im Studentenwohnheim zu wohnen. Immerhin teilten sie sich ein Bett – das wurde nicht gerne gesehen – und sie fanden sich auch beide etwas zu alt für so etwas. Natürlich waren sie nicht älter als ihre Kommilitonen aber sie hatten viel mehr erlebt, waren älter als ihre Jahre es zeigten.
 
Die Wohnung war wirklich schön, fast riesig. Und sie beide hatten Spaß daran sie einzurichten. Heero begann langsam Spaß an normalen Dingen zu finden. Und auch für Duo, der auf den Straßen aufgewachsen war, war dies eine neue und aufregende Zeit gewesen. Sie waren am Beginn der Sommersemesterferien eingezogen und nutzten bis zum Beginn ihres Studiums jede Sekunde um es sich dort gemütlich zu machen.
 
Dann kam die Sache mit der Förderung. Beinah ungewollt musste Duo jetzt doch in sein Eis kichern. Das war einfach zu herrlich gewesen. Heero war vollkommen ausgerastet. Und wenn Duo nicht schon vorher gewusst hätte sich besser niemals mit dem perfekten Soldaten anzulegen, danach hätte er es sicher gewusst.
 
Wie schon erwähnt die Universität verlangte eine ziemlich hohe Summe an Gebühren. Wirklich kein Problem für sie beide. Aber Heero hatte in den Zeitungen gelesen das ein neues Gesetz verabschiedet wurde das es ehemaligen Soldaten erleichtern sollte in die Gesellschaft integriert zu werden. Und unter anderem sollten auch weiterführende Bildungsmaßnahmen unterstützt werden.
 
Sicher, mit dem was von Gesetz wegen an Unterstützung vorgesehen gewesen wäre, hätten sie gerade mal einen Teil der Gebühren begleichen können. Aber es ging Heero ums Prinzip. Darum hatten sie beide sofort Anträge gestellt. Immerhin hatten sie beide seit ihrem zehnten Lebensjahr alles mögliche für den Krieg geopfert. Hatten die Welt zweimal gerettet. Bei all den Jahren die sie abgeleistet hatten, da sollte es doch auch mal an der Zeit sein das sie dafür eine finanzielle Entschädigung bekamen.
 
Aber irgendwer im Bewilligungsbüro war anderer Ansicht. Sie bekamen beide Bescheide die schlichtweg unmöglich waren. Ihnen wurde mitgeteilt das ihre Trainingszeiten nicht anerkannt werden konnten. Und das selbst die Kriegsjahre zweifelhaft wären, da sie ja im eigentlichen Sinne keiner Armee angehört hatten, sondern Guerillakämpfer gewesen wären, Terroristen die keinerlei Befehl unterstellt waren. Zwischen den Zeilen war herauszulesen das sie doch froh sein sollten das ihre Kriegsverbrechen unter die allgemeine Amnestie fielen und sie nicht hinter Gitter gelandet waren, anstatt jetzt vom Staat noch Gelder zu verlangen.
 
Es wurde also nur ihre Kampfzeit während der Kriegsjahre anerkannt und da auch nicht die Wochen und Monate wo sie sich vor OZ hatten verstecken müssen. Und da sie ja keiner Armee angehörten, hatten sie auch keine hohen Ränge bekleidet und wurden deshalb auf die geringst mögliche Abstufung gesetzt. Was darin endete das ihnen mitgeteilt wurde das sie einen Anspruch von 30 Credits pro Semester hatten.
 
Duo hätte schwören können das Heero beim Lesen dieses Bescheides mehrere Stirnadern geplatzt waren. Er kicherte leicht. Das war ein wahrhaft einschüchterndes Bild gewesen. Und niemand bei geistiger Gesundheit hätte es wagen sollen den perfekten Soldaten so zu reizen. Sie hatten die Welt gerettet – zweimal – und wurden jetzt auf eine Stufe mit der Putzkolonne gestellt? Außerdem gab es einen kleinen, aber feinen Unterschied zwischen Guerillakämpfer und Freiheitskämpfer. Und sie sahen sich alle eher als letzteres. Sie hatten für die Freiheit der Kolonien, und letztendlich die der Erde gekämpft. Sie waren keine Terroristen. Sicher am Schluss bestimmten die Sieger wer als was bezeichnet wurde, aber verdammt, sie waren schließlich die Sieger gewesen!
 
Duo war ebenfalls tierisch empört gewesen. Vielleicht nicht ganz so wie Heero, aber er konnte ihn wunderbar verstehen. Und er musste zugeben es war ein grandioser Anblick gewesen, wie Heero sich auf seine neue Mission stürzte.
 
Zunächst hatten sie es noch im Guten versucht. Hatten Beschwerde eingereicht und hofften mit einem neuen Sachbearbeiter auch endlich auf Intelligenz zu stoßen.
 
Es hatte nur nichts gebracht. Inzwischen hatte Duo auch herausgefunden das Relena die oberste Verwalterin dieser Gelder war. Sie hielt alle Fäden in der Hand. Es war nur eine wilde Vermutung, aber vielleicht war das ihre Art sich zu rächen. Duo hatte es nie herausgefunden. War auch nicht nötig, denn Heero holte zum grandiosen Gegenschlag aus.
 
Zunächst hatte er sich für ein paar Tage mit seinem Laptop, einem Internetanschluss und diversen gesetzlichen Bestimmungen in sein Zimmer zurückgezogen, dann war er breit grinsend wie der absolute Sieger wieder hervorgekommen.
 
Er hatte einen Weg gefunden es diesen Bürokratenhengsten heimzuzahlen. Und wie!
 
Sie waren ja immer noch alle die Universalerben der Wissenschaftler gewesen. Und diese waren ja Unzweifelhafterweise die Besitzer der Gundams – und etlicher anderer Waffen – gewesen. Und gerade diese Waffen und Gundams waren während der allgemeinen Abrüstung nach dem letzten Krieg zerstört worden.
 
Soweit so gut. Es herrschte schließlich Frieden. Niemand benötigte diese Waffen. Aber Gundams waren teuer. Allein die Materialkosten waren so immens, das sich Duo die Summen nur mit schwummrigen Kopf vorstellen konnte. Und ihre Gundams waren von der neuen Erdregierung zerstört worden. Ohne sie vorher zu fragen, musste man noch anmerken.
 
Die Massenvernichtungswaffen von allen Nationen und Organisationen waren zerstört worden. Aber da das Geschrei um das Eigentum groß gewesen war, hatte es damals – fast unbemerkt von der Bevölkerung – gesetzliche Bestimmungen gegeben wie dies zu entschädigen sei.
 
Niemand hatte den Gundam Piloten eine Entschädigung angeboten. Ob das nur Unfähigkeit oder auch gewollt gewesen war, wagte Duo nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall hatte Heero alle Bestimmungen genauestens studiert. Und dann hatte er einen wasserdichten Plan gefasst.
 
Er forderte Entschädigung für Wing, und Duo für Deathscythe. Und da es immerhin ihr Privatbesitz gewesen war, der ohne Nachfrage genommen und zerstört worden war, verlangten sie auch noch Schmerzensgeld. Von den Zinsen wegen der verspäteten Zahlung ganz zu schweigen. Die Gesamtsumme war so enorm, das Duo sich fast verschluckte als er sie sah.
 
So ging es wohl auch den Behörden, denn es war kaum eine halbe Stunde her das sie denen ihre Forderungen gefaxt hatten, als sie schon die ersten aufgebrachten Anrufe bekamen.
 
Ob sie denn die verrückt wären solche Forderungen zu stellen? Wie sie es nur wagen konnten. Und sie würden schon noch merken was sie davon hätten. Heero hatte den verbalen Angreifer nur ruhig angelächelt und ihm unmissverständlich klargemacht das sie nur buchstabengetreu dem Gesetz folgen würden und das es besser für die Regierung wäre ihren Forderungen nachzugeben.
 
Der Mann hatte ihm nicht geglaubt. Böser Fehler.
 
Eine knappe Stunde später hatten Wufei, Trowa und Quatre ebensolche Forderungen gestellt. Und jetzt übernahmen Quatres Anwälte die Schlacht.
 
Heero hatte so einen selbstsicheren Gesichtsausdruck gehabt bei dem Telefongespräch, das es Duo eiskalt den Rücken runtergelaufen war. In der Nacht hatten sie beide kein Auge zubekommen, wieder und wieder waren sie übereinander hergefallen. Das war besser als jeder Kampfrausch gewesen. Bürokraten mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen war das beste überhaupt!
 
Natürlich bekamen sie nicht genau das was sie gefordert hatten, aber die letztendliche Summe war trotzdem mehrere millionenmal so hoch gewesen wie ihre ursprünglichen Forderungen nach Studiumsförderung. Dumm gelaufen. Duo konnte bei der Erinnerung das Grinsen aus seinem Gesicht nicht verbannen. Das waren ein paar tolle Wochen gewesen.
 
Die Regierung hatte noch einmal versucht sie zu erpressen, oder so was in der Art. Nach dem Motto wie wohl die Bevölkerung darauf reagieren würde das sie für ihre Waffen Gelder nahmen um sich selbst zu bereichern. Heero hatte den Regierungssprecher nur wissend angelächelt. Und der Knilch hatte immer noch nichts dazugelernt.
 
Ein paar Tage nachdem sie die Summe überwiesen bekommen hatten, gab es einige Zeitungsberichte. Wo aus gut unterrichteten Quellen die Geschichte vollkommen falsch dargestellt wurde. Wo sie als geldgierige Terroristen beschrieben wurden die die Regierung erpresst hatten.
 
Sie hatten wirklich nicht mir Heero gerechnet. Wirklich dummer Fehler. Er hatte das genau vorhergesehen. Und kaum eine Sekund nachdem sie das Geld bekommen hatten, hatten sie es auch schon alle – abzüglich der Summe für das Studium – an diverse gemeinnützige Hilfsorganisationen gespendet.
 
Als jetzt diese Anschuldigungen kamen, hatte Quatres Pressestab sofort gekontert. Die Spenden konnten einwandfrei nachgewiesen werden, auch das sie sie getätigt hatten lange bevor sie beschuldigt wurden.
 
Und dann fingen sie mit dem Gegenschlag an. Es wurde gefragt was denn die anderen Organisationen, die sogar noch höhere Beträge kassiert hatten mit dem Geld getan hatten.
 
Diese paar Wochen würde so schnell niemand mehr vergessen. Etliche Großkonzerne waren plötzlich in Erklärungsnot wie es denn anging das sie während des OZ-Regimes Gewinne hatten scheffeln können und nach der Besiegung von OZ schon wieder von deren Opfern Gelder bekämen. Außerdem kam auch noch heraus das einige Mitarbeiter der Vergabeprüfstelle bestechlich gewesen waren, oder in direktem Zusammenhang mit diesen Firmen standen.
 
Tja, es wurde viel gespendet in diesen Wochen und Monaten. Und viele korrupte Leute, die es irgendwie geschafft hatten zwei Kriege zu überstehen wurden endlich aus ihren Ämtern entfernt.
 
Außerdem hatte das ganze den herrlichen Nebeneffekt, das Duo wegen all der Spenden die er da getätigt hatte, wahrscheinlich niemals wieder irgendeine Art von Steuer würde zahlen müssen.
 
Es war eine herrliche Zeit und sie beide hatten verdammt viel Spaß gehabt. Duo war so stolz auf Heero wie er diesen Kampf geführt hatte. Und er war so heiß auf ihn gewesen, das er sich noch heute wunderte das sich keiner ihrer Nachbarn jemals wegen all des Lärms beschwert hatte.
 
Dann waren die Ferien vorbei und sie sollten mit ihrem neuen Lebensabschnitt beginnen. Duo war ganz aufgeregt gewesen, hatte geglaubt das jetzt alles wunderbar werden würde.
 
Traurig goss sich Duo noch etwas Schokosauce auf das Schokoladeneis. Er hätte damals nie vermutet das ihr Beginn des Lebens als Stundenten quasi das Ende ihrer gemeinsamen Zeit einläuten würde.
 
  
Kapitel 03
 
 
Er hasste die Uni. Er hasste das Studieren. Duo hatte nie für möglich gehalten wie unheimlich man doch eine Tätigkeit hassen konnte. Selbst die schlimmsten Zeiten auf der Straße oder im Krieg waren nicht derart – frustrierend gewesen.
 
Er schüttelte bei der unerwünschten Erinnerung vehement mit dem Kopf und schlürfte noch etwas von der Schokosauce.
 
Vielleicht war es ja deshalb so frustrierend gewesen, weil er gedacht hatte das es Spaß machen würde. Aber es war Stress pur. Und zwar vollkommen unnötiger Stress.
 
Duo hatte nicht verstanden was all die Professoren von ihm wollten. Hey, er war ein Gundam Pilot gewesen. Wenn man ihm ein bisschen Stanniolpapier, ein paar alte Eisenteile, ein Schweizer Taschenmesser und etwas Zeit gegeben hätte, dann hätte er daraus ein flugfähiges Raumschiff bauen können.
 
Aber nein, in dem dreimal verfluchten Studium ging es nicht um die Praxis. Sie sollten die „Grundlagen“ lernen. Duo schnaubte. Das was dort gelehrt wurde konnte keiner brauchen.
 
Zum Beispiel, es gab tausende von verschiedenen Computerprogrammen mit denen man technische Zeichnungen herstellen konnte. Und was sollten sie? Das mit unterschiedlich breiten Tuschefüllern auf Papier zeichnen. Nach DIN-Normen! Wozu? Das war nach Duos Ansicht absolute Zeitverschwendung.
 
Oder er musste Chemie belegen. Nun hatte er im Grunde nichts gegen Chemie, beziehungsweise dagegen aus verschiednen Chemikalien etwas zusammenzuschütten das BUMM machte, aber wozu sollte er das studieren? Er wollte doch nur als Ingenieur im Raumschiffbau arbeiten.
 
Er verstand das alles nicht und es frustrierte ihn. Er hatte die ganze Zeit das Gefühl als würde er immer mindestens drei Schritte hinter allen anderen hinterher hecheln, und das wo er die meiste Erfahrung von allen – inklusive der Professoren – hatte.
 
Das war ein weiterer Punkt. Die meisten Aufgaben konnte er im Kopf lösen. Hey, solche Fragen hatte G ihm gestellt wenn er sich entspannen sollte. Also machte er sich nie die Mühe einen Lösungsweg aufzuschreiben, wozu auch, es war doch offensichtlich wie es zu lösen wäre. Diese Meinung hatte er bis er die erste Matheklausur mit einer 5 zurück bekam weil seine Ergebnisse als Fälschungsversuch aberkannt wurden.
 
OK, nach einem langen Gespräch mit dem Prof wurde er von diesem Verdacht freigesprochen, aber eine gute Note erhielt er trotzdem nicht.
 
Das alles machte Duo rasend. Und was die Sache noch viel schlimmer machte, Heero hatte überhaupt keine Probleme. Er kam mit dem ganzen System wunderbar zurecht. Er blühte sogar auf, freute sich auf jeden Tag den er an der Uni verbringen konnte, während Duo von Tag zu Tag frustrierter wurde.
 
Es war echt ungerecht, Heero schrieb nur Einsen und war der Liebling der Professoren, während Duo sich wie der allergrößte Versager vorkam.
 
Duo bekam Bauchschmerzen wenn er an diese Zeit zurück dachte. Besonders wenn ihm bewusst wurde das er seine grenzenlose Frustration mehr und mehr an Heero ausgelassen hatte. So als hätte er etwas dafür gekonnt.
 
Das war die Zeit wo sie anfingen sich hin und wieder zu streiten. Zunächst nur über Nichtigkeiten, aber es wurde schlimmer.
 
Duo versuchte seinen Frust mit dem Studium anders abzubauen. Er begann damit zu feiern, an den Wochenenden die Clubs unsicher zu machen. Und warum auch nicht? Er war jung und sie waren Studenten, sie sollten doch wohl ihr Leben auch genießen und nicht nur lernen.
 
Mit seiner umgänglichen Art schaffte er es recht schnell sie eine große Gruppe an Freunden anzulegen und sie unternahmen viel zusammen. Am Anfang hatte er noch versucht Heero miteinzubeziehen. Aber das war vergebene Liebesmüh gewesen.
 
Er wollte so gut wie nie mit. Und wenn er ihn dann doch mal begleitete, dann hockte er den ganzen Abend irgendwo rum und bedachte jeden der sich in Duos Nähe bewegte mit einem Deathglare.
 
Duos neue Freunde fingen schon an Witze über seinen „furchterregenden Freund“ zu machen. Und sie fragten ziemlich offen was er denn an diesem Langweiler finden würde. Duo biss in sein Eis. Und das war der Zeitpunkt gewesen wo er anfing sich das selber zu fragen.
 
Ständig waren sie am streiten. Heero hielt ihm vor das er halt mehr lernen müsse wenn er solche Probleme mit den Fächern hätte und Abends nicht soviel ausgehen sollte. Duo war es dahingegen leid wieder und wieder zu betteln das Heero ihn begleiten würde. Und sah es nicht ein das er all seinen Spaß einstellen sollte wegen eines Studiums das ihm gelinde gesagt mal am Arsch vorbei gehen konnte.
 
Während einer dieser Auseinandersetzungen war Duo die Hutschnur geplatzt und er hatte Heero vorgeworfen das dieser ein Stubenhocker und Langweiler wäre. Das musste Heero wirklich verletzt haben, denn er hatte aufbegehrt und von Duo verlangt sich zu entschuldigen.
 
Duo hatte damals geantwortet das er dies erst dann tun würde wenn der Japaner es schaffen würde sich einen eigenen Freundeskreis aufzubauen. „Irgendwas, irgendein Hobby das nicht mit deinen Studien zu tun hat. Meinst du das du so was finden kannst? Ohne das ich dich dazu antreiben muss? Es kann dir nicht schaden endlich mal von alleine mit anderen Leuten Kontakt aufzunehmen. Ich kann dich nicht immer mitzerren!“
 
Heero hatte als Antwort nur mit der Stirn gerunzelt und es wäre sicher dabei geblieben, aber Duo hatte sich in Rage geredet und machte weiter. „Sieh es doch mal so, die Uni möchte das wir alle soziale Kontakte pflegen, das wirkt sich positiv auf dein Zeugnis auf. Finde dir eine AG, oder irgendwas wo du dich einbringen kannst. Und ich meine jetzt nicht den Schachclub – du bist schon so ein absoluter Nerd. Ich wette mit dir das du das nicht kannst.“
 
Duo hätte es besser wissen sollen als mit Heero über so was zu wetten. Damit hatte er den Ehrgeiz des Japaners angestachelt. Viel später war Duo natürlich bewusst geworden das er mehr und mehr seinen eigenen Frust über seine Probleme an Heero ausgelassen hatte. Aber diese Erkenntnis hatte er damals nicht gehabt. Und deshalb war ihm damals auch nicht bewusst geworden, warum es ihn erst recht ärgerte das Heero die Wette nicht nur annahm, sondern tatsächlich begann seinem Ratschlag zu folgen. Und wie bei allem was er anfing auch noch Erfolg damit hatte. Im Grunde hatte dies Duo erst Recht auf die Palme gebracht.
 
Duo seufzte noch mal tief. Es war nicht einfach an die Zeit von damals zurück zu denken. Besonders nicht wenn man in der Lage war seine eigenen Fehler zu erkennen. Vielleicht wäre einiges anders gelaufen, wenn er nur nicht so vollkommen frustriert gewesen wäre. Oder wenn Heero sich nicht hätte beweisen müssen. Vielleicht. Tja, wenn das Wörtchen ‚wenn’ nicht wäre.
 
Heero hatte sich seine Worte wirklich zu Herzen genommen. Und wie jede Herausforderung musste er sich ihr stellen. Und Duo hätte vieles gedacht, aber niemals hätte er mit damit rechnen können was Heero dann tatsächlich tat. Ein bitteres Grinsen umspielte Duos Mund. Es war natürlich klar das Heero sich eine Freizeitbeschäftigung suchen würde, die noch mehr nach ‚Nerd’ schrie als Schach.
 
Ein paar Tage nach ihrem großen Streit – sie hatten immer noch nicht wieder normal miteinander geredet – hatte Heero verkündet das er einer Art Club beigetreten war. Der Rollenspiel-AG. Duo wäre fast der Unterkiefer vor Erstaunen herunter gefallen. Wie kam der ehemalige Wing Pilot nur dazu so etwas zu machen? Rollenspiele, Duo wusste es zwar nicht genau, aber er hatte bei dem Thema immer das Bild von pickeligen Computerfreaks vor Augen, die um einen Tisch hockten, in komische Verkleidungen gewickelt waren und nur mit einem Stück Papier und ein paar Würfeln auf Jagd nach ‚Drachen’ und ‚magischen Schwertern’ waren. Duos Meinung nach wussten diese Leute alle nicht was in der wirklichen Welt vorging. Und da wollte Heero jetzt mitmachen? Das musste einfach ein Scherz sein. Und Duo hatte lang und laut gelacht.
 
Solange, bis er bemerkt hatte das es durchaus kein Scherz gewesen war. Ein Studienkollege hatte Heero wohl mal zu einem dieser ‚Schwachmatentreffen’ eingeladen und nach ihrem Streit hatte Heero die Einladung angenommen. Und scheinbar hatte es ihm gefallen. Denn er war jetzt ein Halbling – aber nur weil das im Vergleich mit dem reinen Krieger der er eigentlich hätte sein wollen, interessanter und einfacher für einen Einsteiger zu spielen war – mit Namen ‚Seregil’ und er würde sich jetzt einmal die Woche mit den anderen treffen.
Wobei aus dem ‚einmal pro Woche’ schnell mehr wurde.
 
Duo hatte nur verdattert den Kopf geschüttelt. Er verstand vieles nicht. Warum musste sich Heero ein so vollkommen uncooles Hobby aussuchen? Wer wollte schon etwas mit diesen komischen Typen zu tun haben? Und dann, was fand er daran im Geiste gegen Dämonen zu kämpfen. Hatten sie nicht lang genug im realen Leben gekämpft? Sie sollten doch endlich damit anfangen normal zu werden. Für Duo wirkte das so, als wenn Heero einfach nicht mit dem Frieden zurecht kam, sich wieder in eine Welt flüchten wollte in der er als Krieger glänzen konnte.
 
Es gab Streit. Natürlich. Duo konnte nicht verstehen was Heero an diesem neuen Hobby fand, und Heero konnte nicht verstehen das Duo – der erst so vehement gefordert hatte das er sich ein Hobby suchte – damit jetzt nicht einverstanden war.
 
Die Spannungen zwischen ihnen wurden immer schlimmer. Aber diesmal gab Heero nicht nach. Er hatte scheinbar wirkliches Gefallen an seiner neuen Freizeitbeschäftigung gefunden. Einmal – bei einer wirklich hitzigen Debatte zwischen ihnen hatte er sogar gesagt, „Was willst du eigentlich Duo? Ich kann deine Freunde auch nicht ausstehen. Ich halte sie für einen Haufen oberflächlicher Nichtsnutze. Aber weder verbiete ich dir dich mit ihnen zu treffen, noch nörgele ich in einer Tour darüber das du soviel Zeit mit ihnen verbringst. Und ich erwarte das du dich meinen gegenüber genauso verhältst.“
 
Diese Worte hatten sich aus irgendeinem Grund tief in Duos Gedächtnis gebrannt. Vielleicht weil er damals schon tief in seinem Herzen wusste das er eifersüchtig auf Heero war. Ja eifersüchtig. Der ehemalige Wing Pilot schien um so vieles besser mit ihrem neuen Leben zurecht zu kommen. Das war ungerecht. Immerhin war er derjenige der wenigstens wusste was Emotionen waren, wusste wie Menschen miteinander lebten. Aber er versagte. Das zeigten ihm nicht nur die stetig schlechter werdenden Noten, sondern das wusste er auch wenn er in einem ehrlichen Moment über seine sogenannten Freunde nachdachte.
 
Und während er wie wild kämpfte um sich aus seinem Sumpf des Versagens herauszukämpfen, gelang dem perfekten Soldaten einfach alles. Heero, der während des Krieges kaum eine Emotion gekannt hatte, dem nie zwischenmenschliche Interaktion beigebracht worden war, der konnte sich anpassen.
 
Zurückblickend wusste Duo das er in einer Art Todesspirale gefangen gewesen war. Er war frustriert gewesen, hatte sich aber nicht getraut seinen Frust offen auszusprechen. Vielleicht wenn er Heero hätte erklären können was ihn so reizte, warum er so unleidlich war... Aber damals hatte er es ja die meiste Zeit über selbst nicht gewusst.
 
Eigentlich hätte Duo zu der Zeit nur einen guten Freund gebraucht. Schon eine Ironie des Schicksals das jemand der von so vielen Leuten umgeben war wie er genau dort keine Freunde hatte. Mit Heero konnte und wollte er nicht reden. Die Zeiten wo sie fast nur noch stritten wurden immer länger – sie schliefen auch kaum noch miteinander. Fast kam es Duo so vor, als wenn sie nur noch auf geliehener Zeit zusammenlebten. Weil, was verband sie denn schon außer dem Sex?
 
Die anderen Piloten waren alle mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und viel zu weit weg, als das Duo sich bei ihnen Trost hätte holen können. Und an der Uni, ja da hatte er keine Freunde. Sicher, er hatte eine große Clique mit der er um die Häuser zog. Aber tief im Inneren war er sich immer bewusst gewesen das sie keine wirklichen Freunde waren. Es waren nur Bekannte, mit denen man nett feiern konnte, aber sobald Probleme am Horizont auftauchten waren sie schneller verschwunden als das man bis drei zählen konnte.
 
Das war ihm zum ersten Mal so richtig bewusst geworden als er erkannte das Heeros Rollenspiel-Idioten ganz anders waren. Es war kurz nach der Prüfungsperiode am Ende ihres dritten Semesters. Duo hatte mit Ach und Krach alle Scheine bestanden, auch wenn es harte Arbeit gewesen war. Die Situation zwischen ihm und Heero war gerade wieder etwas entspannter, vielleicht weil Duo wegen der bestandenen Prüfungen nicht ganz so tief im Sumpf hockte. Sie wollten sich einen gemütlichen Abend machen, mit ein paar alten Filmen und Unmengen von Popcorn. Sie hatten sich gerade auf das Sofa gekuschelt und Duo hatte Heeros Nähe genossen, die er schon so lange nicht mehr gespürt hatte. Alles sah danach aus, als ob sie ihren letzten Streit vielleicht begraben könnten und sie wieder nur ein Schlafzimmer ihrer Wohnung benötigen würden.
 
Doch dann hatte das Telefon geklingelt. Heero war rangegangen. Und nach zwei Minuten Gespräch hatte er Duo erklärt, das ihr Abend leider verschoben werden müsste. Einer seiner Freunde war anscheinend bei einer Prüfung durchgefallen und hatte am nächsten Tag eine mündliche Nachprüfung. Und da es sein letzter Versuch war, war er entsprechend aufgeregt und hatte Heero um Hilfe gebeten.
 
Duo war wie vor dem Kopf geschlagen. Wie konnte Heero ihren gemeinsamen Abend für jemand anderen opfern? Aber Heero hatte ihn auf seine Frage hin nur strafend angesehen und gesagt das man Freunden schließlich helfen müsse. Und das ihr Abend doch nur verschoben sei. Sie könnten doch genauso gut morgen die Filme ansehen.
 
Duo war auf 180 gewesen und hatte Zeter und Mordio geschrien. Aber Heero hatte sich nicht davon abbringen lassen. Und in dem Moment war Duo zum ersten Mal wirklich klar geworden, das Heero in den Mitgliedern seiner Gruppe tatsächlich Freunde sah.
 
Und das hatte weh getan. Auf verschiedenen Ebenen. Duo hätte selbst Hilfe bei seinen Prüfungen brauchen können. Aber er war zu stolz gewesen Heero darum zu bitten. Und von seinen ‚Freunden’ hatte niemand Zeit gefunden. Er hatte alles allein meistern müssen und wäre auch beinahe durchgefallen.
 
Aber kaum schnippte einer von Heeros Freunden mit den Fingern, war dieser sofort bereit ihm zu helfen. Natürlich wusste Duo das es ungerecht war, schließlich hatte er nie um Hilfe gebeten, und wenn Heero diese von allein angeboten hätte, dann hätte er ihn dafür ziemlich runtergeputzt. Aber trotzdem fühlte Duo sich im Stich gelassen.
 
Dieser Freund war also vorbei gekommen und Heero hatte ihm stundenlang alles ruhig und geduldig erklärt, während Duo in seinem Raum hockte und am liebsten die Wand eingeschlagen hätte.
 
Es war unglaublich gewesen. Heero hatte sich um den anderen gekümmert. Nachdem er ihm alles erklärt hatte, hatte er ihn nach Hause geschickt mit der Anweisung sich für morgen gut auszuruhen und ihn darin bestärkt das er alles konnte und sich nicht mehr verrückt machen sollen. Soviel Einfühlungsvermögen und soziale Kompetenz bei dem perfekten Soldaten? Duo konnte es einfach nicht begreifen.
 
Duo hatte noch mehr Frust in sich hineingefressen. Er wusste sogar schon damals das er nicht gerecht war, aber auch dieses Wissen konnte ihn nicht davon abbringen ziemlich unleidlich zu sein.
 
Sie hatten sich an dem Abend natürlich nicht mehr versöhnt. Auch nicht die Tage danach. Sie liefen mehr und mehr nebeneinander her. Als wäre es nur Zufall das sie eine gemeinsame Wohnung teilten.
 
Wenn es Duo richtig betrachtete musste die ganze Geschichte auch Heero sehr auf den Magen geschlagen haben. Es hatte diverse Versuche zu Versöhnung gegeben, aber diese waren immer an ihm, Duo, gescheitert.
 
Aber Heero schien es nicht völlig aufgegeben gehabt zu haben. Wieder und wieder versuchte er Duo für sein Hobby zu begeistern, versuchte wieder mehr Zeit mit ihm zu verbringen. Aber Duo hatte keine Lust gehabt sich mit den komischen neuen Freunden von Heero abzugeben, warum auch, er hatte genug eigene Bekannte.
 
Dann am Ende der Ferien war Heero ziemlich aufgeregt gewesen. Da schien es irgendeine Convention zu geben, Duo war sich auch Jahre später immer noch nicht sicher was es genau gewesen war, war ja auch egal, interessierte sowieso keinen.
 
Die ganze Truppe von Heeros Freunden wollte da für ein Wochenende hinfahren, es schien ein ziemlich großes Treffen von Rollenspielern zu sein. Heero war ganz aufgeregt gewesen, fast wie ein kleines Kind. Duo hatte nur genervt mit den Augen gerollt. Weil, ein ganzes Schloss voller Rollenspiel-Idioten, das musste ja langweilig bis zum geht nicht mehr sein.
 
Und dann hatte Heero ihn gefragt ob er nicht mitkommen wollte. Zunächst hatte Duo noch diplomatisch abgelehnt. Hatte vorgebracht das er ja gar nicht wisse wie man das spiele und deshalb da sicher am falschen Platz wäre. Aber Heero hatte nicht nachgelassen, hatte gesagt das sie ja als Paar zusammenarbeiten könnten. Duo war sich nicht sicher, ob das überhaupt möglich war, aber Heero hatte ihn mit großen, flehenden Augen angesehen.
 
Und da war Duo die Hutschnur geplatzt. Er hatte eigene Pläne für das Wochenende. Er war zu einem Rave eingeladen, und das versprach bei weitem interessanter zu werden als ein Wochenende mit Wahnsinnigen zu verbringen. Und das hatte er Heero dann auch so an den Kopf geworfen.
 
Der Japaner hatte nach seinem Ausbruch ziemlich enttäuscht  ausgesehen. Mit einem Stirnrunzeln hatte er sich weggedreht und die zwei Tage bis zu seiner Abreise kein weiteres Wort mehr mit Duo geredet. Das war Duo nur recht gewesen, denn er war die ewigen Streitereien leid.
 
An das Wochenende selbst konnte er sich kaum noch erinnern. Außer das die Fete langweilig gewesen war und er die meiste Zeit allein in ihrer Wohnung gesessen hatte.
 
Dann, es war der Sonntag Abend gewesen, war Heero zurück gekommen. Duo stopfte sich noch mehr von dem inzwischen fast geschmolzenen Eis in den Mund.
 
Ja, Heero war zurück gekommen, und irgendwie hatte Duo sofort gewusst das etwas im Busch war. Der Japaner hatte sich neben ihn auf einen der Sessel gesetzt und anstatt ihn zu begrüßen hatte er gleich verkündet das sie miteinander reden müssten.
 
Duo hatte nur genickt und darauf gewartet das Heero damit begann. Und das hatte Heero dann getan. Mit leiser Stimme und wenigen Worten berichtete er, das auf diesem Wochenendtrip ‚etwas’ geschehen sei. Dieses ‚etwas’ entpuppte sich als das er mit Gordon, einem aus seiner Rollenspielgruppe geschlafen hatte. Er bot keine Entschuldigung oder Begründung an, er erzählte nur die Fakten.
 
Duo wusste nur noch, das er beinah in hysterischem Kreischen ausgebrochen war, als Heero Gordon zunächst bei seinem Rollenspielnamen bezeichnete. Konnte man es sich vorstellen? Ein erwachsener Mann von fast 2 Metern, der als Zwerg mit Namen Karotte durch die Gegend zog. Zwerg! Kein Wunder das Duo diesen Typen auch Jahre später nicht ausstehen konnte.
 
In dem Moment als Heero ihm die Sache gebeichtet hatte, hatte Duo nicht gewusst wie er reagieren sollte. Weil was wurde jetzt von ihm verlangt? Was sollte er tun? Heero hatte mit jemand anderem geschlafen, was sollte er jetzt tun?
 
Er wusste es nicht. Er bemerkte nur das es nicht einmal weh tat. Was nur noch viel genauer zeigte, das sie beide nichts miteinander verband. Weil wenn sie sich geliebt hätten, dann hätte es ihm doch weh tun müssen, oder? Und dann hätte Heero so etwas auch sicher nie getan.
 
Duo war verwirrt, aber auch nach einigen Minuten Überlegung wusste er nicht was er tun sollte. Ihm war nicht nach Schreien und auch nicht nach Weinen zumute. Er war einfach nur enttäuscht. Am meisten darüber das er keinen Schmerz empfand.
 
Heero hatte ihn mit großen Augen angesehen, so als ob er eine Lösung für das Problem wüsste. Dann hatte Duo einfach mit den Schultern gezuckt und verkündet das er all sein Zeug aus dem großen Schlafzimmer ausräumen würde.
 
Er hatte weder die Kraft noch das Verlangen ihre Beziehung – oder was auch immer das war was sie hatten – wieder zu kitten. Dazu hatten sie sich zu oft gestritten, waren zu verschieden. Im Grunde war das zwischen ihnen nach dem Krieg Stückchen für Stückchen auseinandergefallen und gestorben. Eine Wiederbelebung war nicht mehr möglich. Duo hatte während des Krieges immer gewusst wann eine Mission zum Scheitern verurteilt war und besser abgebrochen wurde. Und so hatte er das einzig logische getan.
 
Heero hatte ihn nicht aufgehalten. Warum auch. Wahrscheinlich hatte auch der perfekte Soldat bemerkt das der Kampf vergebens war. Und so hatte Duo seine Sachen zusammen gesucht und war aus ihrem gemeinsamen Zimmer ausgezogen.
Kapitel 4
 
Duo seufzte noch einmal tief bevor er sich daran machte sich an die Zeit danach zu erinnern. Die Tage nach Heeros Geständnis waren wirklich schlimm gewesen. Während Duo weiter versucht hatte zu begreifen was da genau geschehen war, hatte er sein möglichstes getan Heero nicht zu begegnen. Dieser hatte immer einen Gesichtsausdruck drauf, als wenn er mit ihm reden wollte. Nur Duo wollte nicht reden, und worüber auch? Es war doch schließlich schon alles gesagt. Also tat er sein möglichstes seinem ehemaligem Partner aus dem Weg zu gehen, was bei einer gemeinsamen Wohnung gar nicht so einfach war.
 
Hinzu kam, das Heero scheinbar einen Schnupfen oder Grippe hatte, auf jeden Fall sah er aus wie der Tod auf Rädern, kein appetitlicher Anblick. Und Heeros Laune verbesserte es auch nicht gerade.
 
Das allerschlimmste allerdings waren die ständigen Anrufe von diesem Zwerg. Duo knurrte bei der Erinnerung. Dieser Gordon schien nichts anderes zu tun zu haben als alle paar Minuten bei ihnen anzurufen. Schon am ersten Tag war Duo davon so angenervt das er nur noch abhob um den Hörer ohne ein Wort zu sagen wieder auf den Empfänger zu knallen. Der reinste Telefonterror war das gewesen. Und Duo war sich sicher das seine absolute Abneigung Gordon gegenüber genau da ihre Wurzeln hatte.
 
So gingen die ersten Tage vorbei. Duo, der versuchte möglichst nicht in Heeros Nähe zu kommen und die ständigen Anrufe von Gordon. Stress pur. Und darum beschloss Duo am Freitag Abend das er etwas Entspannung nötig hatte. Er brezelte sich auf und machte sich auf seine Clique in der Disko zu treffen.
 
Dort schaffte er es endlich den Stress der letzten Tage zu vergessen. Die Musik, etwas zu trinken und ein paar kleine Pillen machten es möglich das er gut drauf war. Er lachte und er tanzte als ob es kein morgen geben würde. Und noch etwas geschah. Als diesmal jemand mit ihm flirtete hielt er sich nicht mehr zurück. Wieso auch? Er war jetzt schließlich frei und ungebunden. Dieser Gedanke hatte ihn zunächst verwundert, bis zu der Sekunde hatte er noch nicht einmal daran gedacht. Aber als er beim tanzen dann die Hände des anderen an seinem Hintern spürte wurde ihm auch bewusst wie verdammt lang es her war das er mit Heero intim gewesen war. Und verdammt, er war jung und hatte auch Bedürfnisse.
 
Er hatte seinen Aufriss dann mit nach Hause genommen und eine heiße Nacht verbracht. Auch wenn irgendwas gefehlt hatte – aber wahrscheinlich lag das doch daran das er zuviel getrunken hatte. Nichts desto trotz es hatte Spaß gemacht und als Duo am nächsten Morgen übernächtigt in die Küche kam konnte er sich ein befriedigtes Lächeln nicht verkneifen.
 
Solange bis er Heero sah – dessen Grippe noch schlimmer geworden sein musste denn er sah jetzt wirklich wie der Tod auf Rädern aus. Und Heero bedachte ihn mit einem Blick der Duo wirklich unter die Haut ging. Und besonders Abscheu lag in Heeros Augen als er auf Duos Gefährten für die Nacht blickte.
 
Das machte Duo rasend. Wer glaubte Heero denn zu sein, das er sich hier als Moralapostel aufspielen durfte? Sie waren nicht mehr zusammen, es ging Heero einen feuchten Kehricht an, was er mit seiner Freizeit tat! Aber Duo hatte keine Lust auf ein weiteres Streitgespräch und so hatte er den anderen Typen – er wusste noch nicht einmal seinen Namen – nur lang und ausgiebig geküsst und innerlich jubiliert als Heero die Küche verlassen hatte. Diese Runde ging eindeutig an ihn.
 
Am Abend zog er wieder los. Und wieder gab er sich der Musik, dem Tanz, dem Rausch und dem Flirten hin. Diesmal riss er ein Mädel auf. Er hatte noch nie zuvor mit einer Frau geschlafen, aber hey er war jetzt frei. Und es gab noch soviel was er ausprobieren wollte bevor er alt und grau wurde.
 
Wieder ging er nicht allein nach Hause und wieder hatte er viel Spaß. Am nächsten Morgen hatte Heero es aber gelernt seine Abscheu für sich zu behalten. Duo begrüßte das sehr, denn er hatte wirklich keine Lust darauf mit dem anderen zu streiten.
 
Allerdings, als am Nachmittag der Zwerg pünktlich wie ein Schneider wieder anrief, ging Heero ans Telefon. Ein paar Abende später kam er dann zum Essen in ihre Wohnung. Wenn nicht die Tatsache gewesen wäre, das Duo Gordon schon früher als Teil von Heeros Rollenspiel-Idioten kennen gelernt hatte, dann hätte Duo schwören können das es ‚Hass auf den ersten Blick’ zwischen ihnen gewesen wäre.
 
Duo konnte nicht fassen was Heero an diesem Idioten fand. Gordon, allein schon der Klang dieses Namens ließ Duos Zehennägel hochklappen – auch jetzt, sieben Jahre später noch. Duo konnte aber nicht genau eingrenzen warum er den anderen so verabscheute. Aber es gab sicherlich tausend Gründe. Das fing schon damit an das der andere beim Rollenspiel als Zwerg auftauchte – mit Namen Karotte. Wie albern war das bitte? Gut, Jahre später hatte Duo herausgefunden das dies eine Figur aus einem Fantasy Klassiker war, aber Gordon hatte nun rein gar nichts mit Karotte gemeinsam. Karotte mochten alle. Gordon konnte dahingegen niemand ausstehen. Zumindest nicht Duo, der fast Kotzkrämpfe bekam wenn sich ein Besuch des anderen ankündigte.
 
Auf jeden Fall musste Heero an einer ordentlichen Geschmacksverirrung gelitten haben, das er sich mit Gordon abgab, fand Duo und machte seiner Meinung so oft wie möglich Luft. Nicht das er und Heero viel miteinander redeten. Wenn sie es tatsächlich einmal taten, dann stritten sie sofort. Duo konnte es nicht ertragen das Heero ihm Vorwürfe wegen seines Clubbings machte. Verdammt, es konnte doch nicht jeder so ein langweiliger Stubenhocker sein wie der ehemalige Wing Pilot!
 
Aus Trotz ging Duo nur noch öfter auf die Piste. Die Musik, der Alkohol, die Drogen, der Sex, das alles war ein riesiger Rausch und seit Monaten fühlte sich Duo endlich wieder lebendig. Zumindest an den Abenden.
 
Das Semester hatte wieder angefangen, aber Duo hatte wenig bis gar keine Lust gehabt sich damit auseinander zu setzen. Er tauchte zwar bei den Vorlesungen auf – aber das eher weil er die anklagenden Blicke von Heero nicht ertragen konnte. Eigentlich war er nur körperlich anwesend. Und ganz tief in seinem Gehirn wusste er das er so wieder arge Schwierigkeiten bekommen würde wenn es an die Klausuren ging. Aber er war doch eh der größte Versager was das Studieren anging. Da konnte er sich wenigstens nebenbei amüsieren.
 
Irgendwann blieb der Zwerg auch mal über Nacht. Als Duo das mitbekommen hatte, war er wie von Taranteln gestochen in den nächsten Club geflohen und hatte sich so richtig zugedröhnt. Anders konnte er den Gedanken an Heero zusammen mit diesem Schleimscheißer nicht ertragen. Wieso musste sich Heero ausgerechnet mit so jemandem abgeben? Auch sieben Jahre später hatte Duo darauf noch keine Antwort gefunden. Und noch immer wurde ihm übel wenn er an dieses Paar dachte.
 
Duo befand sich in einer ziemlichen Todesspirale und er konnte ehrlich nicht sagen wie lange er das wohl noch durchgehalten hätte. Aber dann kam die Rettung. Und zwar von einer völlig unerwarteten Seite. Einer seiner Professoren hatte ihm ein Ultimatum gestellt. Entweder er würde zu einem Uni-Berater gehen, oder er würde ihn von der Vorlesung – und damit den Klausuren – ausschließen.
 
Grummelnd war Duo dann zu der Beratung gegangen. Ja, ihre Uni hatte solche Leute die Studenten mit Problemen helfen sollten, das Schulgeld war ja auch teuer genug. Aber Duo hatte keine Lust dorthin zu gehen. Er wusste auch so das er ein Versager in allen Bereichen war. Das musste ihm nicht noch offiziell mitgeteilt werden. Aber er war ja gezwungen worden. Und so ging er voll auf Defensive geschaltet dorthin, einfach um sich die Bestätigung zu holen das er auch das versucht hatte um damit den Professor ruhig zu stellen.
 
Und so begegnete er Nadine. Die ersten paar Treffen über war Duo ungewöhnlich still und so unkooperativ wie nur möglich. Sie machten ein paar Tests und Nadine befragte ihn zu seiner Situation – und manchmal antwortete Duo auch. Das alles hätte zu gar nichts führen können, genau wie Duo es eigentlich beabsichtigt hatte, aber dann bei dem 6ten Treffen brach plötzlich alles aus Duo heraus.
 
Im nachhinein konnte er wirklich nicht mehr sagen was den Ausbruch denn ausgelöst hatte. Vielleicht war es irgendwas das Nadine gesagt hatte, auf jeden Fall hatte Duo plötzlich das Bedürfnis sich jemandem mitzuteilen. Ok, er hatte irgendwie schon lange darauf gewartet endlich mit jemandem – einem Freund – über seine Probleme zu reden. Und jetzt war es eben Nadine.
 
Er hatte in den letzten Wochen trotz seiner Antihaltung das Gefühl gewonnen das die Frau nett war und irgendwie hatte sie es geschafft seine abwehrenden Mauern zu durchbrechen. Duo erzählte alles. Er ließ nichts aus. Er berichtete von seiner Vergangenheit, von seiner Zeit als Gundam Pilot, von Heero, von der Trennung, seiner Angst wieder auf die Straße abzurutschen und von seinem elendigen Versagen im Studium. Sie mussten da mehr als 5 Stunden geredet haben – Nadine hatte in der Zwischenzeit alle weiteren Termine abgesagt. Und Duo hatte beim Seeleentblößen sogar einmal geweint.
 
Er war völlig fertig gewesen, vollkommen geschlaucht. Aber irgendwie hatte ihn allein schon das reden geholfen. Endlich war da jemand dem er seine Ängste hatte mitteilen können und der ihn dafür nicht ausgelacht hatte. Gut, Duo wusste das er sich vielleicht schon früher seinen Freunden hätte offenbaren können, aber denen gegenüber hatte er nie eine Schwäche zeigen wollen. Aber bei Nadine war das kein Problem, sie war sogar dafür da und sie zeigte keinerlei Anzeichen das sie ihn für seine Probleme verurteilen würde.
 
Im Gegenteil am Ende des Gesprächs hatte sie seine Hand getätschelt und in ihrer ruhigen Stimme gesagt, „Mach dir keine Sorgen Duo, wir finden für alles eine Lösung.“ Bei diesen Worten war Duo ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Er kam sich plötzlich befreit vor und es war als wenn sich ein dunkler Schleier von ihm gelüftet hatte. Und das obwohl noch gar nichts passiert war. Allein dadurch das jemand ihm sagte das alles wieder gut werden würde. Ihm war gar nicht bewusst gewesen das man so eine tiefe Erleichterung durch einfache Worte spüren konnte.
 
Dann hatte Nadine ihm gesagt das sie noch einige Dinge würde klären müssen und hatte ihn nach Hause zum schlafen geschickt. Am nächsten Morgen wollte sie ihm verschiedene Lösungsvorschläge geben.
 
Zum ersten mal seit langem mit guter Laune ausgestattet und voller Vorfreude auf den nächsten Tag war Duo nach Hause gegangen. Er wusste nicht was ihm Nadine am nächsten Tag vorschlagen würde, aber er hatte das Gefühl das es was gutes sein würde.
 
Und so kam es dann auch. Wenn auch total unerwartet. Das ganze Gespräch hatte sich fast Wort für Wort in Duos Gedächtnis gebrannt. Wahrscheinlich weil es so absolut wichtig für ihn und seine Entwicklung gewesen war.
 
Nadine hatte hinter ihrem Schreibtisch gesessen und ihn auf eine fast mütterliche – aber dennoch freundschaftliche – Art und Weise angesehen. „Duo erklär mir noch einmal warum du unbedingt Ingenieur werden willst?“ hatte sie gefragt.
 
„Na, ich brauch doch ein Diplom um als einer zu arbeiten,“ hatte er geantwortet.
 
„Das ist mir klar, aber warum unbedingt als Ingenieur?“
 
Daraufhin hatte er ihr noch einmal erklärt das er das halt am besten konnte und er bloß eine schriftliche Bestätigung für seine Fähigkeiten benötigte.
 
Nadine hatte nur kurz gelacht. „Duo du hast es immer noch nicht richtig verstanden. Die meisten Leute studieren nicht das was sie am besten können, sondern das was sie am meisten interessiert. Und entschuldige wenn ich das so sage, aber ich glaube nicht das du wirklich für diesen Studiengang geschaffen bist.“
 
Das hatte Duo bis aufs tiefste Mark getroffen und er wollte sich schon in seine Frust-Mauern zurück ziehen. „Klar, sag du mir auch noch das ich der totale Versager bin.“
 
Nadine hatte ihre Hände wieder auf seine gelegt und ihn davon abgehalten dicht zu machen. „Du hast mich falsch verstanden. Ich weiß das du ein sehr intelligenter junger Mann bist, einer der Tests hat deinen IQ bestätigt und du hast fast die Skala gesprengt. Und ich weiß das du als Gundam Pilot sicher Wunder an Deathscythe vollbracht hast. Aber das heißt noch lange nicht das du ein guter Ingenieur werden würdest. Und ich garantier dir das fast alle deine Schwierigkeiten im Studium darauf zurückzuführen sind das dein Unterbewusstsein das auch ganz genau weiß. Also noch einmal, warum willst du unbedingt dieses Diplom? Ich weiß das du bei deiner finanziellen Lage niemals arbeiten müsstest.“
 
Dieser Gedanke hatte Duo geschockt. Er wusste das zwar, aber... „Ich will nicht unnütz sein und mich auf dem Geld ausruhen. Ich will etwas tun,“ hatte er starrsinnig geantwortet.
 
„Das ist eine sehr löbliche Einstellung, ich wünschte die meisten reichen jungen Leute würden sie haben. Aber warum quälst du dich mit dem Ingenieurstudium?“
 
Duo hatte nur mit den Schultern gezuckt. „Weil ich das am besten kann.“
 
Nadine hatte wieder ihren Kopf geschüttelt. „Nein kannst du nicht. Du kannst sehr gut einen Gundam reparieren. Und du bist sicher ein Virtuose am Computer. Aber weißt du was Ingenieursarbeit später für dich bedeuten wird? Da wirst du nicht allein an einer Sache basteln bis sie funktioniert. Nein, die Hälfte deines Tages wird daraus bestehen Dokumente zu schreiben, Meetings zu haben und sich absolut genau an Regeln und Vorgaben von anderen zu halten. Glaubst du wirklich dass das etwas für dich ist? Für immer?“
 
„Aber Heero...“
 
„Mach dich davon los was Heero betrifft. So wie du ihn mir beschrieben hast und wie ich mir ansehe wie er im Studium aufgeblüht ist, ist dies genau das was er braucht. Aber das muss für dich ja nicht das gleiche sein. Ihr seid immerhin verschiedene Leute. Ich denke du solltest deinen schlauen Kopf etwas studieren lassen was dich wirklich interessiert und fordert. Hör auf dich selber zu quälen.“
 
Dieser Gedanke war ein völlig neuer für Duo. Er war normalerweise niemand der einen Kampf aufgab. Und er hatte eigentlich vorgehabt dieses Studium zu Ende zu bringen. Aber ihm war plötzlich um so bewusster wie sehr er es hasste. Und Nadine hatte Recht. Was wenn er den Beruf später genauso hassen würde? Wieso sollte er sich das antun?
 
„Aber... was soll ich dann machen, Nadine?“ fragte er hilflos.
 
Sie holte ein paar Papiere hervor und legte sie auf den Schreibtisch. „Einer der Tests hat bestimmt was dich am meisten interessiert. Es schient das du sehr wissbegierig bist was Politik, Geschichte und Literatur betrifft.“
 
„Ja, ich wollte schon immer wissen was Menschen dazu treibt Kriege zu führen,“ murmelte Duo eher zu sich selbst.
 
„Vielleicht solltest du Fächer in diesen Richtungen wählen.“
 
Es war wie eine Dusche mit eiskaltem Wasser. Fast mit Horror hatte Duo die Frau angesehen. „Aber was bin ich wenn ich das studier? Das ist doch brotlose Kunst.“
 
Das glockenhelle Lachen von Nadine hatte das Büro erfüllt. „Was du am Ende mit deinem Wissen anfängst das liegt dann an dir. Es ist nun wirklich keine brotlose Kunst. Es gibt unzählige Möglichkeiten was du mit diesem Wissen anfangen kannst. Du könntest Journalist werden, Historiker oder sogar Politiker.“
 
Duo schnaubte bei dem Gedanken an eine politische Karriere. Er hielt alle Politiker für korrupte Verbrecher und wollte mit ihnen sowenig wie möglich zu tun haben.
 
Doch Nadine ließ sich nicht beirren und redete weiter. „Es hängt ganz von dir ab was du mit deinem Wissen anfängst, du baust dir deine Zukunft erst selbst auf. Aber glaube mir, es passt viel, viel besser zu dir als alles andere. Und selbst wenn du später kein Job mit deinem Abschluss finden kannst, du bist finanziell abgesichert. Das ist mehr als die meisten deiner Studienkollegen von sich behaupten können. Wenn alles nichts bringt kannst du dir immer noch einen Schrottplatz kaufen und dort schalten und walten wie du willst. Du wirst nicht in der Gosse landen, dazu bist du zu schlau. Aber gib deinen grauen Zellen etwas das sie interessiert und lerne das Studieren Spaß machen kann. Ich mach dir einen Vorschlag: du versuchst es für – sagen wir ein Jahr – und wenn du weiter gefrustet bist, dann suchen wir nach einer anderen Lösung.“
 
„Wie soll das denn alles vonstatten gehen? Muss ich ganz von vorne anfangen?“ Duo war sich noch nicht sicher was diesen Wechsel betraf aber etwas in ihm war sehr neugierig. Und es hörte sich besser an als sich weiter durch sein ungeliebtes Studium zu quälen.
 
„Nun ich habe gestern noch so einiges organisiert. Du könntest praktisch sofort wechseln, wir können uns gleich zusammensetzen und genau die Fächer auswählen die du belegen solltest. Und nein du musst nicht von vorne beginnen, die meisten der allgemeinen Fächer können auch für das andere Studium anerkannt werden. Du würdest also nicht soviel Zeit verlieren – auch wenn Zeit in deinem Fall wirklich keine Rolle spielt. Allerdings müsstest du dich auch sehr anstrengen um dieses Semester noch Tritt zu fassen. Niemand erwartet von dir das du so viele Scheine machst wie die anderen, du hast schließlich ein paar Wochen Rückstand. Aber es wäre sicher für alle Beteiligten das beste – ganz besonders für dich – wenn du am Ende des Semesters einige Erfolge vorweisen würdest. Aber keine Sorge, wir wählen dir Fächer die dir liegen und wo das kein Problem sein wird. Ich glaub an dich.“
 
In dem Moment waren Duo heiße Schauer über den Rücken gelaufen. Jemand glaubte an ihn, sagte das er es schaffen könnte und versprach gleichzeitig das er aus dem Frust-Trott herauskommen würde. Und genau da spürte Duo auch plötzlich wieder Energie in sich. Verdammt er war intelligent, der Test hatte es bewiesen, er würde es schaffen. Und damit allen die ihn für einen Versager beweisen das dies nicht so war. Zum ersten mal seit langem umspielte ein ehrliches Lächeln sein Gesicht. „In Ordnung Nadine, ich glaub ich riskiere es.“
 
Auch Nadine lächelte. „Das ist gut. Aber du hast noch nicht alles gehört. Es gibt da noch ein Problem.“
 
„Was denn für ein Problem?“ hatte Duo besorgt gefragt.
 
„Nun ich glaube das deine persönliche Situation hier nicht zuträglich ist. Du musst dich von allen Problemen befreien, einen wirklichen Neuanfang machen. Deine Clique hier hat einen verdammt schlechten Einfluss auf dich. Und dann ist da noch Heero. Ich habe dir diesen Studienplatz an einer anderen Uni besorgt. Du solltest von hier wegziehen.“
 
Horror durchfuhr Duo. „Aber... Aber ich kann doch Heero nicht verlassen.“ Von hier fortziehen... Niemals hatte Duo auch nur im entferntesten daran gedacht nicht mehr mit Heero zusammen zu leben. Das ging doch nicht, sie waren doch Partner.
 
Aber Nadine hatte weiter geredet und leider machte das was sie sagte Sinn. „Duo du hast mir selbst erzählt das ihr euch getrennt habt, das ihr seit Wochen kein Wort mehr miteinander wechselt. Glaubst du es ist gut für euch beide wenn ihr weiter zusammen wohnt? Heero hat einen neuen Freund, glaubst du es ist gesund für seine Beziehung wenn er mit seinem ehemaligen Partner weiter zusammen lebt?“
 
„Aber Heero ist mein bester Freund. Ich will ihn nicht verlieren!“
 
„Und um ihn nicht zu verlieren musst du euch beiden Luft zum atmen geben. So werdet ihr euch irgendwann hassen. Das kann nicht in deinem Interesse sein. Zieh aus, bring Abstand zwischen euch, bring dein Leben wieder in Ordnung. Und in ein paar Wochen werdet ihr wahrscheinlich wieder wie Freunde miteinander umgehen können. Und du wirst vielleicht auch....“ sie machte eine kurze Pause. „Wie gesagt nimm diese Chance an und erleichtere euer beider Leben. Wenn du hier bleibst wird sich all der Frust und Ärger nur anstauen und es könnte eure Freundschaft dauerhaft gefährden.“
 
Es war eine harte Entscheidung gewesen, denn Duo wollte wirklich nicht von Heero getrennt sein. Heero war ein Bestandteil seines Lebens, er konnte sich gar nicht vorstellen wie es wäre wenn er den ehemaligen Wing Piloten nicht in der Nähe hatte. Aber er gab Nadine auch Recht. Die letzten Wochen waren schlimm gewesen. Es belastete ihn ja selbst das er nicht mehr mit Heero sprach und die Idee das auch ihre Freundschaft zerstört werden könnte jagte Duo Angst ein. Er wusste das seine unausgesprochene Abneigung dem Zwerg gegenüber Heero weh tat. Und er selbst konnte es kaum ertragen wenn der Zwerg in Heeros Nähe war. Wie leicht konnte aus dieser Situation noch mehr böses Blut entstehen? Es war wohl wirklich besser ihnen etwas Freiraum zu geben. Und so hatte er wohl oder übel zugestimmt.
 
Den ganzen Nachmittag hatten sie beide genau geplant was er als nächstes tun sollte. Nadine hatte schon so gut wie alles vorbereitet. Er würde am nächsten Wochenende umziehen, sie hatte ihm ein Zimmer in einem Studentenheim besorgt, damit er auch schnell Anschluss fand. Sie besprachen welche Kurse er als Minimum in diesem Semester belegen sollte und suchten alles heraus was ihn wahrscheinlich insgesamt interessieren würde. Und obwohl Duo immer noch traurig darüber war nicht mehr in Heeros Nähe zu sein, so spürte er doch das er freudig erregt war wenn er an seine Zukunft dachte. Ein Gefühl das er schon lange nicht mehr gehabt hatte.
 
Und Nadine bestand drauf das er an seinem neuen Studienort weiterhin einen Berater sehen würde. „Nicht so oft wie mich, einfach nur um dir Sicherheit zu bieten falls du dich wieder in etwas verrennst. Und du kannst mich natürlich immer noch anrufen. Nur weil du nicht mehr hier studierst hab ich dich noch lange nicht abgeschrieben.“ Und das Lächeln das sie dabei trug war echt gewesen.
 
Am schlimmsten war es gewesen Heero von all den Plänen zu erzählen. Duo hatte es sich einfach gemacht und es so aussehen lassen als wenn der Wechsel des Studienfachs nur klappte wenn er auch die Uni wechselte. Das war nicht unbedingt gelogen gewesen, er hatte halt nur nicht alles erzählt. Aber er wollte Heero gegenüber nicht zugeben das er auch floh um ihre Freundschaft zu erhalten. Heero hatte geschockt gewirkt, schien auch nicht räumlich von ihm getrennt sein zu wollen. Aber er hatte es akzeptiert und Duo alles gute im neuen Studium gewünscht. Der Zwerg hatte die ganze Zeit anzüglich gegrinst und Duo hatte ihm dafür wochenlang in seinen Träumen die Zähne eingeschlagen.
 
Von da an war alles sehr schnell gegangen. Duo hatte sich ein Jahr gegeben um Gefallen an seinem Studium zu finden, doch solange brauchte es gar nicht. Schon nach ein paar Wochen war er mehr als begeistert. Es war anstrengend aber endlich hatte er Freude an dem was er tat.
 
Und er fand schnell Anschluss, hatte bald schon eine Gruppe von Kommilitonen um sich gesammelt mit denen er zusammen lernte und diskutierte und auch viel Spaß hatte. Aber es war bei weitem nicht der hole Spaß den er mit seiner alten Clique hatte.
 
Die erste Runde an Klausuren lief hervorragend und im Semester darauf erhöhte Duo seine Kurse. Es gab noch so viel das er lernen wollte, soviel das er wissen wollte. Wahrscheinlich trieb er mit all seinen Fragen seine Professoren in den Wahnsinn aber er hatte Spaß und der Frust der ihn über ein Jahr gefangen gehalten hatte war vollkommen verschwunden.
 
Und wie Nadine es auch vorhergesagt hatte war seine Freundschaft zu Heero schon bald wieder zurückgekehrt. Sie telefonierten häufig. Und auch wenn Duo immer noch allergisch auf den Zwerg reagierte, so konnte er doch wieder mit seinem alten Freund reden. Und Heero freute sich aufrichtig über Duos Erfolge. Duo war froh das sie wieder so gute Freunde waren. Allein das war es wert gewesen fortzugehen.
 
Die Sache zwischen Heero und dem Zwerg schien auch immer ernster zu werden. Inzwischen war Gordon wohl schon in ihre alte Wohnung eingezogen. Das versetzte Duo einen Stich, aber er biss sich auf die Zähne und sagte nichts dazu. Außerdem fingen die beiden an gemeinsam ein Computerspiel zu entwickeln. Duo konnte sich für das Thema zwar immer noch nicht begeistern, aber er hörte gerne zu wenn Heero von ihrem Projekt sprach.
 
Heero hatte diese Idee zu einem Computer Action-Rollenspiel gehabt und zusammen mit Gordon – der auch Softwaredesign studierte – hatte er angefangen diese Idee in die Tat umzusetzen. Und sie kamen schnell voran. Kein Wunder bei Heeros überragenden Computerkenntnissen und dem technischen Equipment das sie benutzen konnten. Sie planten das Spiel kurz nach ihrem Abschluss auf dem Markt zu bringen. Quatre hatte schien ebenfalls begeistert von der Idee zu sein und wollte es eigentlich für WEI haben, aber Heero wollte seine eigene Firma gründen. Trotzdem unterstützte WEI sie bei der Finanzierung. Quatre sagte das dies ein gutes Geschäft sei und er wollte wohl auch verhindern das Heero den größten Teil seiner geheimen Reserven dafür verwenden müsste.
 
Duo konnte Rollenspielen immer noch nichts abgewinnen, noch weniger das Heero etwas am Computer entwickelte das es als Sinn hatte Monster abzuschlachten. Er fühlte sich immer noch zu sehr an den Krieg dabei erinnert. Aber er hatte gesehen mit welchem Elan Heero von seinem Projekt berichtete und er freute sich ehrlich für den anderen. Jetzt wo es ihm selber besser ging und er endlich wieder Spaß am Leben hatte, konnte er auch einsehen das er vorher all seinen Ärger ungerechtfertigterweise an Heero ausgelassen hatte und wie sehr seine offen gezeigte Abneigung den anderen verletzt haben musste. Duo hatte sich selbst ein paar mal in den Arsch getreten dafür und sich geschworen ab jetzt ein besserer Freund zu sein.
 
Wie nicht anders zu erwarten wurde das Spiel zu einem absoluten Verkaufsschlager. Die Kritiker überschlugen sich das es den ganzen Gamesektor revolutionieren würde und die Kunden stürmten die Läden um es zu kaufen. Heero und Gordon verdienten mit ihrer Firma ‚Wing’ unheimlich viel Geld. Sie wurden von einem Großteil der Gamer fast angebetet. Das Spiel ‚Deathscythe’ – Duo kam auch jetzt immer noch nicht darüber hinweg das Heero es so genannt hatte – setzte neue Standards was Action Spiele anging. Und auch jetzt sieben Jahre später wurde es in den Läden immer noch zu fast dem Ursprungspreis verkauft. Ein Novum was Computerspiele anging, die ansonsten schon nach einem halben Jahr aus den Läden verschwanden weil es neueres und besseres gab.
 
Das Spiel zog zwei Sequels nach sich, das letzte war erst im November – rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft – erschienen. Wing vergrößerte sich zunehmend und brachte auch noch andere Spiele raus. Heero und Gordon waren jetzt Besitzer der größten Computerspielfirma.
 
Irgendwann war der Presse wohl auch aufgegangen das die beiden Gründer dieser unglaublich erfolgreichen Firma ein Paar waren. Und sofort sprossen auch in der Regenbogenpresse Artikel über die beiden. Es waren ja alle so politisch korrekt und deshalb musste einfach über dieses erfolgreiche Paar berichtet werden. Duo bekam immer wieder Kotzkrämpfe wenn er solche Berichte sah, aber Heero hatte ihm gesagt das die Presse ein Übel war mit dem man sich einfach arrangieren musste und am besten ignorierte.
 
Duo hatte da einsehen müssen wie sehr sich Heero verändert hatte. Früher wäre er ‚Omae O Korosu’ rufend losgezogen und hätte jeden Pressefritzen einzeln getötet und jetzt zuckte er mit den Achseln. Es war sicher eine Veränderung in die richtige Richtung, trotzdem wäre es Duo lieber gewesen wenn er diese Bilder mit Gordon nicht hätte sehen müssen.
 
Heeros Leben war also eine glückliche und erfolgreiche ‚Happy End’ Geschichte geworden. Aber auch Duos Leben nahm eine fast unglaubliche Wende. Nicht nur das er wieder Spaß am Lernen fand, nein es passierte etwas mit dem er niemals gerechnet hätte.
 
Alles hatte mit einer Hausaufgabe angefangen. Es war in einem seiner Politkurse und er hatte als Thema den ersten Gundam Krieg genommen. Schließlich kannte er sich da am besten aus. Er hatte in seinem Essay versucht zu ergründen was die Kolonien antrieb die Gundams zu erschaffen und Teenager in den Guerillakrieg zu schicken. Gleichzeitig stellte er die Unterdrückungstaktiken von der Allianz dar und mit seinem Wissen auch die Rolle die Oz mehr und mehr übernahm.
 
Duo hätte mit allem gerechnet aber nicht damit das der Professor ihn zur Seite nahm und ihm sagte das seine Hausaufgabe brillant wäre. Und viel zu schade um nur von ihm gelesen zu werden. Deshalb hatte er auch eine Kopie an Verlag geschickt bei dem er seine eigenen wissenschaftlichen Texte herausbrachte.
 
Duo hatte lang und laut gelacht und sich gedacht das sein Prof. wohl am Abend zu tief ins Glas geschaut hatte. Wer würde seiner kleinen Hausarbeit schon irgendwelche Aufmerksamkeit schenken? Das Lachen war ihm aber am nächsten Tag vergangen als er einen aufgeregten Anruf von Dan, dem jungen Chef besagten Verlages erhielt. Dan hatte vor kurzem die Leitung des alten Familienunternehmens übernommen das sich mit der Veröffentlichung von wissenschaftlichen Texten am Rande der Profilabilität hielt. Und er war scheinbar ganz begeistert von Duos kleinem Text.
 
Duo konnte es nicht fassen, stimmte aber einem Treffen zu. Wenn er gewusst hätte was daraus entstehen würde hätte er es vielleicht nicht getan. Aber zum Glück hatte er es nicht gewusst. Er fand Dan auf Anhieb sympathisch und ließ sich bereitwillig von dessen Energie anstecken. Dan beharrte das aus Duos Hausarbeit ein gutes Buch werden könnte. Er müsste es nur noch erweitern, noch mehr Tiefe hereinbringen. Als er herausfand das Duo einer der Gundam Piloten gewesen war, kannte seine Begeisterung keine Grenzen.
 
Und so hatte er Duo viel zu schnell überredet in sein Essay auch noch die persönliche Sichtweise der Gundam Piloten reinzubringen. Ihre Motivationen warum sie in diesen Krieg gegangen waren, ihre Hoffnungen und Wünsche. Und was ihnen alles während des Kampfes widerfahren war.
 
Duo glaubte zwar immer noch nicht das dies wirklich jemanden interessierte, aber er fragte die anderen um Erlaubnis ihre Geschichte in das Buch mit aufnehmen zu dürfen. Sie alle stimmten zu. Und das obwohl sie alle sehr, sehr vorsichtig waren was z.B. Zeitungsinterviews betraf.
 
In den folgenden drei Monaten Semesterferien schrieb Duo wie ein besessener und Dan riss ihm förmlich die fertigen Kapitel aus der Hand. Kurz darauf sollte die erste kleine Auflage von 1000 Stück erscheinen.
 
Duo war sehr stolz als er das fertige Buch sah. Dans Verlag brachte noch richtige Bücher nicht nur die elektronischen heraus. Es fühlte sich gut an das fertige Buch in Händen zu halten. Aber trotzdem hielt Duo die Auflage für viel zu hoch. Denn wen würde es schon interessieren was er über den Krieg dachte? Er schenkte jedem der Gundam Piloten einen Band, ebenso all seinen Freunden und Nadine. Und Quatre hatte angedroht einige für seine Familie zu kaufen. Aber wen außer ein paar Historikern würde das ansonsten interessieren?
 
Scheinbar viele. Der erste Auflage war beinah sofort vergriffen – Quatre hatte auch für alle Führungskräfte von WEI einen Band gekauft. Als Duo ihn deshalb anfahren wollte hatte der kleine Blonde nur gesagt dass das Buch brillant sei und endlich mit etlichen Vorurteilen über die Gundam Piloten aufräumen würde.
 
Aber es konnte nicht nur an Quatre liegen, denn auch die nächste und die übernächste Auflage fand reißenden Absatz. Die berühmtesten Kritiker hatten sein Werk gelesen – Quatre hatte ihnen die Bücher geschickt – und schrieben übersprudelnde Kritiken. Es schien fast so als wenn die Welt wirklich darauf gewartet hätte mehr von dem Krieg zu erfahren. Von den Gundam Piloten zu erfahren.
 
Das Buch hielt sich monatelang in den obersten drei Plätzen der Bestsellerlisten, sowohl die gebundene als auch die elektronische Ausgabe. Und Dan lief während der ganzen Zeit mit einem Dauergrinsen durch die Gegend. Soviel Profit hatte seine kleine Firma während der letzten drei Generationen nicht gemacht.
 
Und Duo wurde immer öfter als Gastreferent für politische Konferenzen eingeladen. Er hatte zwar immer noch das Gefühl im falschen Film zu sein, aber irgendwie genoss er es auch. Besonders wenn er plötzlich auf einer Stufe mit der pinken Prinzessin stand.
 
Trotz all des Rummels versuchte er sein Studium so schnell und so erfolgreich wie möglich zu beenden. Auch Dan trieb ihn an – sie waren inzwischen sehr gute Freunde geworden. Und kaum war Duos Examensarbeit über Kinderarmut in den Kolonien zur Benotung abgegeben, da zwang Dan ihn fast es zu einem Buch umzuarbeiten.
 
Dieses Thema lag Duo beinah noch mehr am Herzen als das von seinem ersten Buch und er gab alles als er es schrieb. Er schien wieder einen Nerv der Zeit getroffen zu haben. Das Buch wurde wiederum ein Verkaufsschlager. Und die Rufe zu verhindern das Kinder in solcher Armut leben mussten wurden immer lauter. Gesetze wurden verabschiedet und viele Hilfsmaßnahmen in die Wege geleitet. Duo begriff zum ersten mal das der alte Spruch ‚Die Feder ist stärker als das Schwert’ zutraf. Außerdem konnte er mit Teilen des Gewinns ein Waisenhaus auf L2 finanzieren. Das war etwas das ihm besonders am Herzen lag.
 
Ein Jahr später brachte er ein weiteres Buch heraus. Diesmal über den Mariemeia Zwischenfall. Doch diesmal hatte er schon beim schreiben gemerkt das es das letzte dieser Art sein würde. Er gab zuviel seiner Seele beim schreiben Preis. Außerdem hatte er die Welt genug zum besseren verändert. Jetzt konnten andere sie retten.
 
Auch das dritte Buch wurde ein Verkaufsschlager und er erwartete fast das Dan ihm böse sein würde als er ihm mitteilte das es keine weiteren in dieser Art geben würde. Duo liebte es immer noch zu schreiben, aber ihm schwirrten jetzt eher Ideen für Science Fiction und Fantasy Geschichten durch den Kopf. Er wollte weiter schreiben, aber nicht mehr seine Seele entblößen.
 
Aber Dan war alles andere als böse gewesen. „Duo durch deine Bücher ist meine Firma für die nächsten drei Generationen finanziell abgesichert. Es ist besser wenn du auf dem Hochpunkt deiner Karriere als politischer Schreiber abtrittst. Aber wenn du weiter Geschichten schreibst, bin ich gerne bereit sich zu veröffentlichen. Du hast ein wundervolles Talent und ich denke es ist an der Zeit das mein Verlag auch in die Unterhaltungsliteratur investiert.“ Dann hatte er breit gelacht und einem erstaunten Duo auf die Schultern geklopft.
 
So hatten sie es dann auch gemacht. Um keine falschen Hoffnungen zu wecken schrieb Duo jetzt unter einem Pseudonym. Seine Bücher liefen immer noch gut und er war praktisch auch der Star der neugegründeten Unterhaltungssparte des Verlages. Und Duo hatte Spaß und Freude am schreiben.
 
Eigentlich hätte sein Leben rundum glücklich sein können. Nur das er immer noch allein war, das deprimierte ihn schon. Er hatte einfach kein Glück bei der Liebe. Sicher, er war eine Berühmtheit und so schenkten viele Leute ihm Beachtung. Er hatte eigentlich auch nie Probleme jemand neues zu finden. Nur das es nie für die Ewigkeit war. Irgendwas fehlte immer und nach ein paar Wochen oder Monaten trennten sie sich.
 
Es trieb Duo fast in die Verzweiflung das er nicht herausfand was es denn war das fehlte. Denn er wollte nicht mehr allein sein. Er wollte wie seine Freunde diese spezielle Person finden mit der man alles teilen konnte. Freud und Leid. Einen Partner fürs Leben.
 
Frustriert schaute Duo in den inzwischen geschmolzene Schokoeisrest in seiner Schüssel. Vielleicht hatte er auch einfach nur zu sehr danach gesucht? Vielleicht hatte Quatre Recht und er sollte es etwas ruhiger, weniger angespannt angehen?
 
In den nächsten Tagen würde sowieso nichts geschehen und dann war ja auch schon das Treffen mit den anderen. Er würde sich nicht wie ein Versager vorkommen nur weil er allein auftauchte. Dann war er halt Single. Immer noch besser als mit der falschen Person dort aufzutauchen.
 
Entschlossen stellte Duo die Schale beiseite und stand auf. Anstatt hier depressiv herum zu sitzen würde er noch eine Runde ‚Deathscythe’ spielen. Er hatte sich das Spiel vor ein paar Wochen gekauft weil er endlich herausfinden wollte was denn alle so toll daran fanden. Und erstaunlicherweise machte es tatsächlich Spaß. So langsam konnte er verstehen was Heero daran mochte. Einen der Gegner hatte er Gordon genannt und es machte irrsinnig Spaß den Zwerg wieder und wieder zu töten.
 
Schade das er das mit dem original Gordon nicht machen konnte, aber zumindest würde er Heero wieder treffen. Er vermisste seinen Freund, wirklich.
 
 
Kapitel 5
 
 
Duo lag auf dem Bett und mit einem tiefem, kehligen Seufzer schob er seinen Körper den streichelnden Händen entgegen. Seinen Kopf drückte er in die Kissen, bot so seine Kehle Heeros küssenden Lippen an. Seine eigenen Hände tasteten die Seiten und den Rücken des anderen ab. Gleichzeitig versuchte er Heero noch dichter an sich heranzuziehen. Er wollte dem anderen so nah wie möglich sein, wollte von dessen wunderbarem Gewicht auf das Bett gedrückt werden.
 
Knabbernd und küssend begann Heero damit sich seinen Weg nach unten zu bahnen. Duo konnte nur noch rapide nach Luft schnappen. Zwischen ihre Körper passte garantiert keine Briefmarke mehr, trotzdem umschlang er Heeros Hüften mit einem Bein, klammerte sich an den muskulös gebauten Körper. Während seines fast qualvoll langsamen Abwärtsküssens hatte Heero damit begonnen seinen Unterkörper hin und her zu bewegen. Dabei rieben ihre beiden harten Erregungen aneinander. Duo schrie auf, ihm war als würde er auf der Stelle kommen.
 
Genau in dem Moment stoppte Heero seine Bewegung, doch gerade als Duo deswegen protestieren wollte, brachte er seinen heißen Mund über Duos linke Brustwarze und biss zärtlich zu.
 
„Oh Gott Heero!” schrie Duo. „Tu was. Ich will dich. Ich brauch dich. Ich l...“
 
MÖÖP! ..... MÖÖP! .....  MÖÖP! .....  MÖÖP! .....  MÖÖP! .....  MÖÖP! .....  MÖÖP!
 
Vollkommen hektisch schreckte Duo auf. Gehetzt blickte er um sich, ohne wirklich was zu sehen. Schweiß lief ihm die Stirn hinab. Das schreckliche Geräusch dröhnte weiter in seinem Ohr. Mit einer absolut automatischen Bewegung schlug sein Arm nach links. Seine Finger berührten etwas metallisches und der Krach hörte auf.
 
Schwer atmend lag Duo wieder auf dem Rücken. Er fühlte sich gehetzt und vollkommen orientierungslos. Wo war er? Was war passiert? Wieso atmete er als wenn er Sport getrieben hätte?
 
Es dauerte noch eine Weile, aber er schaffte es seine Atmung zu beruhigen. Und sich zu orientieren. Er lag auf seinem Bett. Und das Geräusch, das war sein Wecker gewesen. Genau. Für einige Momente hatte er wirklich nicht gewusst ob er wach war oder immer noch träumte. Aber jetzt hatte er wohl alles richtig einsortiert. Er lag auf seinem Bett und war gerade geweckt worden. Was bedeutete.... Was bedeutete das diese verdammt heiße Szene mit Heero nur ein Traum war. Wiedereinmal. Ein Traum der so wirklichkeitsnah gewesen war das er Stein und Bein geschworen hätte das es sich auch um Realität handelte. Aber nichts desto trotz nur ein Traum.
 
Duos Kopf fiel enttäuscht in die Kissen. Hätte dieser dreimal verfluchte Wecker nicht noch ein paar Minuten warten können? Aus einem derart feuchten Traum gerissen zu werden, das sollte verboten sein.
 
„Oh man, und schon wieder von Heero,“ stöhnte Duo während er sich mit der einen Hand fahrig die verklebten Haarsträhnen aus den Augen wischte. Gut, es war nicht der erste Traum dieser Art den er von Heero hatte. Im Gegenteil. Seit ihrer Trennung gab es sie immer wieder – kein Wunder schließlich waren sie jahrelang zusammen gewesen. Und bis zu ihrem unrühmlichen Ende hin war ihr Sexleben ja auch immer wunderbar gewesen. So war es wohl ganz natürlich das immer wieder Heero seine Träume bevölkerte.
 
Aber seit Quatre ihn vor etwas mehr als zwei Wochen zur alljährlichen Zusammenkunft der Piloten eingeladen hatte, hatte Duo diese Träume täglich. Nun gut, er hatte gerade mal wieder eine Trennung hinter sich, das mochte auch einen Grund spielen. Aber so oft wie er zur Zeit von Heero auf diese Weise träumte, das war nicht normal. Und es passierte ja nicht nur Nachts. Auch tagsüber erwischte sich Duo immer wieder dabei wie sein Gehirn ihn mit diesen erregenden Bildern quälte. Er hatte manchmal schon Probleme sich aufs schreiben zu konzentrieren.
 
Davon ab das seine Waschmaschine zur Zeit im Dauereinsatz war wegen seiner schmutzigen Bettwäsche. So benahmen sich eigentlich nur hormonbelastete Teenager. Duo schüttelte über sich selbst den Kopf.
 
Aber er hoffte das es bald wieder zu Ende war. OK, das war gelogen natürlich hoffte er nicht das es zu Ende ging, schließlich waren die Träume schon immer absolut heiß gewesen. Wer würde freiwillig auf so was verzichten wollen? Duo sicherlich nicht. Aber sie wieder auf eine normale Häufigkeit herunterschrauben. Das wäre nicht schlecht.
 
Und genau das würde wahrscheinlich ab heute Abend passieren. Denn nachher würde Duo ja nach L3 fliegen und die anderen treffen. Quatre hatte inzwischen die genauen Pläne mitgeteilt und die ganze Zusammenkunft würde von heute Abend bis Sonntag Mittag gehen. Also genug Zeit für Duo um Heero und den Zwerg zu sehen. Der Anblick des Zwerges hatte es in den letzen sieben Jahren immer wieder geschafft Duos Libido für ein paar Wochen auf Urlaub zu schicken.
 
Was wie bereits gesagt im Moment ganz erstrebenswert war. Duo wollte den Abgabetermin für sein nächstes Buch einhalten. Irgendwie musste er sich wieder auf die Arbeit konzentrieren. Also entweder Gordon sehen, oder in die nächste Disko gehen um jemanden für eine Nacht aufzureißen. Auf das letztere hatte Duo aber gerade keine Lust. Quatre hatte sicher Recht gehabt, es hatte in den letzten Jahren schon zu viele kaputte Beziehungen bei ihm gegeben, von den ganzen unbedeutenden One Night Stands mal ganz abgesehen. Er sollte es wirklich ruhiger angehen lassen. Aber wie konnte man das schon schaffen, wenn einem Visionen von Heero Tag und Nacht verfolgten und in den Wahnsinn trieben?
 
Bei dem Gedanken an diese Heero-Visonen meldete sich Shini Junior sofort zurück und erinnerte Duo daran das der Lärm des Weckers ihn zwar kurz verwirrt hatte, das er aber trotzdem immer noch steinhart war. Seufzend strich Duo über die Unterseite seines erigierten Penis. Er hatte heute noch soviel zu tun. Er musste packen, mit Dan telefonieren und Mittags das Shuttle erwischen. Aber jetzt musste er sich erst einmal um ein viel dringenderes Problem kümmern.
 
Zwei Stunden später hastete Duo aus der Dusche während er sich mit einem Handtuch noch die Haare trocken rubbelte. Unglaublich wie lange er heute benötigt hatte um seinen rebellierenden Körper wieder zu beruhigen. Duo stöhnte bei dem Gedanken auf. Man konnte ja fast annehmen das er es dringend nötig hätte flachgelegt zu werden. Sollte er nicht langsam zu alt für solch ein pubertäres Verhalten sein?
 
Und die ganze Zeit hatte sein Gehirn ihm alle möglichen Bilder von Heero vorgegaukelt. Duo lief rot an. Wie sollte er heute Abend nur seinem Freund gegenüber treten? Er würde wahrscheinlich sofort vor Scham in den Boden sinken wenn er Heero traf.
 
Er konnte auch nur hoffen das Quatre für ihre langes Wochenende nicht so etwas peinliches wie Schwimmen oder Saunen geplant hatte. Nicht nur das Duo sich nicht sicher war ob er Shini Junior in so einer Situation unter Kontrolle halten konnte, nein der Anblick von Heero würde sich – genau wie der vom Strandausflug letzten Sommer – als neues Futter für seine Träume in sein Gedächtnis einbrennen. Duo schüttelte vehement den Kopf. So etwas gehörte sich nicht für einen guten Freund. Fast hoffte er wirklich das der Zwerg den anderen nicht aus seinen Krallen lassen würde. Die Kotzkrämpfe die Duo bei diesem Anblick hätte, würden vielleicht sein anderes Problem zunichte machen.
 
Duo hatte gerade seinen Schreibtisch erreicht, als auch schon das Vidphone läutete. Auf die Sekunde genau. Duo setzte sich auf seinen Stuhl, warf das nasse Handtuch auf den Boden und nahm das Gespräch an. Er grinste breit als er seinen Anrufer begrüßte. „Hallo Dan. Pünktlich wie die Maurer.“
 
Dan grinste zurück, dabei bildeten die Sommersprossen auf seinem Gesicht interessante Inseln. „Hi Duo. Wo ist mein Kapitel?“
 
Duo rollte mit den Augen und witzelte, „Oh mann Dan. Es ist eine Minute nach neun und du wirst schon dienstlich. Du solltest dir mal ein Privatleben anschaffen.“
 
„Wenn meine Autoren nur ein wenig kooperativer wären und sich an ihre Abgabezeiten halten würden, dann hätte ich vielleicht auch Zeit für ein Privatleben,“ schoss Dan zurück, aber seine Augen glitzerten fröhlich während er das sagte.
 
Duo lachte als Antwort. Dan konnte sich immer so schön über seine Autoren aufregen. Aber es war nie ernst gemeint und Zeit für ein Leben neben der Arbeit schien sein Freund auch genug zu haben. Der beste Beweis dafür war das Duo erst vor einem halben Jahr Trauzeuge hatte spielen dürfen. „Wie geht’s deiner besseren Hälfte?“ fragte er deshalb.
 
„Gut, gut. Wie immer. So, und wo ist jetzt mein Kapitel? Du wolltest es vorgestern geschickt haben. Als dein Verleger und Lektor muss ich dir sagen das du dich mal etwas beeilen solltest.“ Schon wieder entstanden ganze Kontinente auf Dans Gesicht.
 
„Sorry. Aber ich bin die letzten Tage zu gar nichts gekommen. Ich habe nichts geschafft.“
 
Ein leichtes Stirnrunzeln war zu erkennen. „Wieso das? Ist es was ernstes? Du weißt das wir den Termin auch verschieben können.“
 
Duo winkte ab. „Dan mach dir keinen Kopf. Es war nur in den letzten Wochen etwas viel. Erst die Trennung und dann die Feiertage. Weihnachten geht mir echt immer an die Substanz. Und dann ist ja dieses Wochenende auch noch das Pilotentreffen. Ich hatte einfach viel zu viel andere Dinge um die Ohren. Nächstes Jahr werde ich mehr in die Tasten hauen. Wir werden den Termin im März halten können.“
 
Dan nickte kurz. „Ok, wenn du es sagst. Aber solltest du weiter Probleme haben, komm sofort zu mir.“
 
„Das wird nicht nötig sein. Pass auf das Kapitel kriegst du spätestens nächsten Donnerstag.“
 
„Gut, wenn nicht, dann werde ich mir meine Peitsche schnappen und dich solange antreiben bis du fertig bist.“
 
Bei der Vorstellung wie Dan peitschen schwingend hinter ihm stand musste Duo aus vollem Herzen lachen. Es ging nicht anders, aber Dan fiel sofort in das Lachen mit ein. Er versuchte sich zwar manchmal als ‚harter Chef’ aber für all seine Autoren war er doch eher ein Freund denn eines Antreibers.
 
„Die Sache ist also geklärt. Wehe ich habe nächste Woche das Kapitel nicht auf den Tisch... Eine andere Sache. Ich habe eine Anfrage über die Weiterverwendungsrechte an deinem ersten Roman erhalten. Ein großer Konzern will wohl die Geschichte verfilmen oder so. Sie würden gern mit ‚Max Samuel’ darüber verhandeln.“
 
Vor Aufregung hibbelte Duo auf seinem Stuhl herum. Eine Verfilmung. „Cool!“ kommentierte er.
 
„Wen soll ich ihnen als Verhandlungsführer nennen, Duo?“
 
„Na, du wirst das schon alles richtig machen.“
 
Dan runzelte wieder mit der Stirn. „Duo ich hab dir schon oft gesagt das du dir einen Agenten zulegen solltest. Es ist nicht gut das ich dein Lektor, Verleger und Agent bin. Ich könnte dich betrügen.“
 
„Und ich habe dir schon mindestens genauso oft gesagt, das ich keinen schmierigen Agenten will. Du kennst dich bestens aus und ich vertraue dir. Was soll ich jemandem anderen Geld in den Rachen schieben. Also, machst du die Verhandlungen für mich?“
 
Es war wirklich ein alter ‚Streit’. Und wie immer gab Dan nach. „Na gut. Ich werde das beste für dich heraus holen. Mehr Informationen werde ich dir geben sobald ich mein Kapitel hab.“
 
„Alter Sklaventreiber,“ kicherte Duo. „Sorry, aber ich muss jetzt Schluss machen, ich habe noch nicht gepackt und nachher geht schon das Shuttle. Ich wünsch euch beiden ein schönes Wochenende und einen guten Rutsch.“
 
Dan winkte zurück. „Ich dir auch. Und viel Spaß bei eurer Zusammenkunft.“
 
Mit diesen Worten beendeten sie ihr Gespräch.
 
Doch kaum wollte Duo sich aus dem Schreibtischstuhl erheben, als das Vidphone wieder klingelte. Verwundert drückte er den Annahmeknopf und sagte, „Hast du doch noch was vergessen, Dan?“
 
„Das wird nur Dan wissen. Hi Duo,“ begrüßte ihn Quatre.
 
„Oh Q? Was verschafft mir die Ehre, willst du kontrollieren ob ich nicht doch noch kneife?“ gab Duo gutgelaunt zurück. Die Idee das sein Buch verfilmt wurde machte ihn wirklich hibbelig.
 
„Das würde ich nie denken, Duo. Nein, ich wollte nur noch einmal genau fragen wann du denn ankommst.“
 
„Moment,“ Duo schaute auf seine Reiseunterlagen. „Das Shuttle wird gegen vier Uhr heute Nachmittag auf L3 ankommen. Ich nehme mir dann ein Taxi und bin eine halbe Stunde später bei euch.“
 
„Oh,“ machte Quatre und sah etwas verwundert drein.
 
„Was meinst du mit Oh?“
 
Quatre wühlte etwas in seinen Unterlagen und sagte dann, „Ich hatte nicht gedacht das du schon so früh da sein wirst. Ich bin nämlich noch auf L2 und hänge in einem wichtigen Meeting fest. Und so wie ich die Lage hier einschätze werde ich nicht vor 18:00 Uhr zu Hause sein. Und Trowa ist bei mir.“
 
„Q, das ist doch gar kein Problem. Die kurze Zeit werde ich auch ohne dich auskommen. Ich werde mich nach dem Flug wahrscheinlich sowieso erst etwas ausruhen. Du weißt wie es mich mitnimmt nicht selbst der Pilot zu sein. Was da alles passieren kann.... Mach dir keine Sorgen, solange deine Köchin ein Stück Kuchen für mich hat bin ich glücklich und zufrieden.“
 
„Danke Duo. Dieses Meeting kam vollkommen überraschend. Und leider war es notwendig das ich persönlich hier erschienen bin. Hier läuft nämlich einiges nicht so wie es soll.“
 
„Wie gesagt, kein Problem. Wie sieht es denn mit den anderen aus? Wann werden die ankommen?“
 
„Sally und Wufei schaffen es erst zu morgen früh. Heero kommt irgendwann heute Nachmittag, er ist schon auf L3.“
 
„Dann bin ich ja nicht ganz allein,“ antwortete Duo so fröhlich wie möglich. Es war natürlich klar das er als erstes auf Heero und den Zwerg traf. Na gut, war ja nur für kurze Zeit und dann wären Quatre und Trowa als Sicherheitspuffer da. Das würde er schon schaffen. „OK Q, ich muss mich leider beeilen, sonst schaff ich mein Shuttle nicht. Grüß Trowa von mir und ich freu mich schon auf heute Abend.“
 
„Ja, bis nachher.“
 
Der Shuttleflug verlief dann ohne größere Probleme. Davon abgesehen das Duo ein paar mal kurz eingenickt war und ihn jedes Mal nicht-jugendfreie Visionen von Heero heimsuchten. Das war echt nicht mehr normal. Und auch sehr unangenehm. Was sollte er nur nachher tun wenn er dem Traumpaar begegnete? Wahrscheinlich würde er so sehr erröten das er sich durch den Fußboden von Quatres Haus hindurch brennen würde. Duo seufzte bei dem Gedanken. Vielleicht brauchte er ja eine Therapie. Es war doch nicht mehr normal wie er sich gerade verhielt.
 
Als er endlich das Winner Anwesen erreichte hatte sich Duo wieder etwas unter Kontrolle gebracht. Wenigstens etwas.
 
Er wurde von Rashid freundlich begrüßt. „Master Duo, schön das Sie kommen konnten. Master Quatre hat Ihr altes Zimmer für Sie hergerichtet.“ Mit diesen Worten nahm er Duos Gepäck und begann in Richtung des Gästetraktes voraus zu gehen.
 
Duo folgte ihm auf dem Fuße. „Hallo Rashid. Schön dich zu sehen. Gibt es Neuigkeiten von Quatre?“
 
Der große Mann schüttelte den Kopf. „Bisher noch nicht. Aber Master Heero ist vorhin angekommen. Möchten Sie ihn begrüßen?“
 
Duo seufzte innerlich. War ja so klar das die beiden schon da waren. Vielleicht war es keine gute Idee dem Zwerg jetzt schon zu begegnen. Fieberhaft suchte er nach einer Ausrede. Als sie sein Zimmer erreichten fiel ihm etwas ein. Er gähnte demonstrativ. „Ich weiß nicht Rashid. Ich bin ziemlich müde vom Flug. Vielleicht sollte ich mich erst noch einmal kurz hinlegen. Wann gibt es denn Abendbrot?“
 
„Es wird um halb acht serviert.“
 
„Oh, gut. Dann werde ich mich wirklich noch etwas hinlegen. Bis nachher,“ sagte Duo und verschwand dann so schnell wie möglich in das Zimmer. Zumindest bis zum Abendbrot hatte er noch Ruhe vor dem Zwerg.
 
Rechtzeitig machte er sich dann auf den Weg zum Speiseraum. Inzwischen hatte er schon richtig Hunger und freute sich auf das gute Essen das Quatres Köchin garantiert für sie gemacht hatte. Und da er tatsächlich etwas geschlafen hatte war er nicht mehr ganz so grantig wie vorhin. Der Abend versprach doch noch nett zu werden.
 
Er hatte gerade die Tür zum Speisezimmer erreicht als Rashid auf ihn zukam. „Master Duo. Ich habe schlechte Neuigkeiten.“
 
Duo drehte sich erstaunt um. „Was ist denn los?“ fragte er.
 
„Master Quatre hat soeben angerufen. Es gab noch etliche Schwierigkeiten bei seinem Meeting. Sie schaffen es nicht mehr heute zurückzufliegen. Er und Master Trowa werden morgen Früh hier ankommen. Ungefähr zu der gleichen Zeit wie Doktor Po und Master Chang.“
 
Duo starrte den großen Mann erschrocken an. Q und Tro würden erst morgen kommen? Er würde einen ganzen Abend allein mit Heero und dem Zwerg verbringen müssen? HILFE! Duo schluckte heftig. Das war ja eine mehr als unangenehme Überraschung. Aber er würde sich nichts anmerken lassen.
 
Er könnte zwar behaupten das ihm schlecht wäre und sich sofort in sein Zimmer zurück ziehen, aber nein das wäre nicht fair. Er hatte sich darauf gefreut mit Heero zu reden. In den letzten Monaten hatten sie nicht so oft miteinander telefoniert wie sie es normalerweise taten. Duo hatte zuviel um die Ohren gehabt und Heero scheinbar auch. Er würde sich nicht vom Zwerg vertreiben lassen. Er war ja schließlich kein Feigling. Auch wenn die dringend benötigte Pufferzone nicht rechtzeitig gekommen war.
 
Bereit sich dem Feind zu stellen drehte Duo sich wieder zur Tür um und entschlossen öffnete er sie. Bevor er es sich noch anders überlegen konnte, schlüpfte er in den Raum.
 
Und blieb fast wie angegossen stehen. Heero saß an dem Tisch und bei seinem Anblick schlug Duos Herz schneller. Er fühlte wie sich eine leichte Röte auf seinem Gesicht ausbreitete. Hoffentlich bemerkte das niemand. „Ha... Hallo Heero,” sagte er und kam sich dabei schrecklich ungeschickt vor.
 
Heero blickte auf und sah ihn direkt an. Dabei verzog sich seine Mimik zu diesem speziellen, nur leicht angedeuteten Heero-Lächeln. „Hallo Duo,“ sagte der andere und schickte mit seiner Stimme leichte Schauer über Duos Rücken.
 
Duo ging zaghaft auf den Tisch zu. Dabei betrachtete er Heero genau. Der andere sah gut aus. Verdammt gut. Das schlichte schwarze Shirt betonte seine breiten Schultern sehr vorteilhaft und Duos Libido machte sich fröhlich daran Bilder zu speichern. Heeros Haar war noch genauso unbändig wie eh und je und es juckte Duo in seinen Händen, es sich zu greifen und noch mehr zu verwuscheln. Duo versuchte seine Atmung unter Kontrolle zu halten. Das hier war doch ungeheuerlich. Er benahm sich wie ein durchgedrehter Teenager. Am Montag würde er sofort einen Termin bei einem Therapeuten machen. So konnte es nicht weiter gehen.
 
„Tja sieht so aus als wenn Q & Tro uns hier einsam und allein sitzen lassen. Zur Strafe sollten wir ihnen die Speisekammer leer essen,“ plapperte Duo einfach drauf los. Er wollte keine Stille haben, wollte nicht nachdenken.
 
„Hn,“ kam die altbekannte Antwort.
 
Währendessen ging Duo zum Tisch er wollte sich gerade an seinen Platz setzen, als ihm etwas merkwürdiges auffiel. Er hatte noch keinen Kotzkrampf bekommen und wenn er sich nicht sehr verzählt hatte, dann war am Tisch auch nur für zwei gedeckt. „Wo ist denn Gordon?“ fragte er.
 
„Wo sich dieser miese, betrügerische Bastard aufhält entzieht sich zum Glück meiner Kenntnis,“ antwortete Heero mit einer vollkommen emotionslosen Stimme.
 
Duo setzte sich, allerdings neben den Stuhl. Mit vor erstaunen geweiteten Augen blickte er vom Boden zu Heero hoch und stammelte, „W... w... was hast du gerade gesagt?“