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Rollenspiel Teil 6 bis 11

Kapitel 6
 
Duo starrte von seiner unvorteilhaften Position nach oben zu Heero. Er war sich sicher dass er den anderen mit offenem Mund anstarrte. „Was?“ stotterte er und ärgerte sich selbst darüber. Wieso konnte er plötzlich keine ganzen Sätze mehr formulieren?
 
Noch bevor Heero ihm antworten konnte, wurde sich Duo bewusst wie absolut dämlich er so auf dem Fussboden aussehen musste und rappelte sich hoch. Gerade als er sich endlich auf seinen Platz setzen konnte wiederholte sich Heero.
 
„Ich hab gesagt, dass ich nicht weiß wo sich Gordon aufhält,“ Heeros Stimme klang zwar immer noch so kalt wie vorhin, aber schon nicht mehr ganz so entschlossen.
 
Duo schüttelte vehement seinen Kopf. Irgendwas war hier schief gegangen. Er konnte doch nicht wirklich gehört haben, was er glaubte. Das ging doch nicht. „Willst du damit sagen dass du nicht mehr mit Gordon zusammen bist?“ hakte er vorsichtshalber noch nach. Vielleicht hatte sich während des Shuttleflugs ein Überdruck in seinem Ohr gebildet und er hörte jetzt einfach verkehrt.
 
„Genau das!“ kam die kurzangebundene Antwort.
 
„Seit wann?“ platzte es aus Duo hervor. Verdammt wieso wusste er nichts davon? Er hätte sich in den letzten Tagen gar nicht so wegen Gordon aufregen brauchen, wenn er das gewusst hätte!
 
„Seit knapp einem halben Jahr.“
 
„Bitte was?“ fragte Duo und sein Unterkiefer fiel fast auf den Esstisch. Er musste doch an Hörhalluzinationen leiden, anders ließ sich das einfach nicht erklären.
 
Heero schaute schon ein wenig genervt drein. „Seit knapp einem halben Jahr!“ wiederholte er mit einem tiefen Seufzer.
 
Duo schüttelte seinen Kopf und versuchte seine Gedanken klar zu bekommen. „Aber… aber ich habe euch doch erst vor ein paar Wochen auf dem Cover von etlichen Zeitschriften gesehen.“ Das konnte doch nicht sein. Wollte Heero ihm einen Bären aufbinden?
 
Heero schnaubte kurz. „Hn! Das war nur für die Presse.“
 
„Äh!“ war das Intelligenteste was Duo darauf erwidern konnte.
 
Heero schien das als Abschluss des Gespräches zu nehmen und begann wieder zu essen.
 
Duo versuchte sich währenddessen weiter in seiner berühmt berüchtigten Fischimitation. Verschiedene Worte wie ‚halbes Jahr’, ‚Bastard’ und ‚nur für die Presse’ schwirrten in seinem Kopf herum, wollten aber kein stimmiges Gesamtbild ergeben.
 
Darum entschloss er sich doch noch einmal nachzufragen. „Heero, jetzt bitte einmal langsam zum mitschreiben… Du und Gordon seid getrennt, und das schon seit einem halben Jahr.“
 
„Hn!“ Heero schien wirklich nicht darüber sprechen zu wollen.
 
Duo ruderte fast mit seinen Armen vor Aufregung. „Was ist passiert? Und warum erfahr ich erst jetzt davon?“ Vor allem der letzte Punkt interessierte Duo brennend.
 
Heero stocherte noch etwas in dem Essen herum. „Ich will eigentlich wirklich nicht darüber reden,“ sagte er.
 
Aber bei diesem Satz sah er derart unglücklich drein, das Duo wusste das Heero tief in seinem Inneren schon reden wollte. Er musste nur auf die richtige Art und Weise dazu gebracht werden. Und Duo bemerkte das er dieses ‚reden’ nicht forcieren durfte um seine eigene Neugierde zu befriedigen, sondern um seinem Freund zu helfen. Natürlich interessierte ihn brennend was mit dem Zwerg geschehen war, aber es sollte primär um Heeros Interessen gehen.
 
Duo beugte sich zur Seite und legte seine Hand auf Heeros Unterarm. Dadurch zwang er den anderen ihn anzusehen. „Doch, genau das willst du Heero,“ sagte er bestimmt.
 
Der ehemalige Wing Pilot schüttelte vehement seinen Kopf. „Nein, das Kapitel Gordon ist geschlossen, ich will nie mehr daran erinnert werden. Aus und vorbei.“
 
Duo konnte sich nicht beherrschen und ein kurzes Auflachen entkam seinem Mund. Auf Heeros mehr als erstaunten – und auch ein wenig verletzten – Blick antwortete er, „Glaub einem Experten in Sachen Beziehungsende. Du willst darüber reden.“
 
„Ach ja?“ kam es ungläubig zurück.
 
Duo grinste kurz. „Ja. Und jetzt zier dich nicht mehr lange, sondern beantworte ein paar Fragen. Wissen die anderen von deiner Trennung?“
 
Heero schüttelte den Kopf. „Nein. Du bist der erste dem ich das erzähle.“
 
Duo versuchte sich sofort nach dieser Auskunft wieder in seiner Goldfischimitation. Für den Bruchteil einer Sekunde hatte er sich gefreut das er der erste war dem Heero sich anvertraute, aber dann hatte die Verwirrung über das gesagte wieder Überhand genommen. „Äh, aber du hast vorhin gesagt dass ihr schon seit einem halben Jahr getrennt seid,“ wagte er einzuwerfen.
 
Heero zuckte mit den Achseln. „Wir hatten ein Abkommen es erst Ende des Jahres publik zu machen. Das schloss unsere Freunde mit ein.“
 
Ok, jetzt war Duo wirklich und absolut neugierig. Das hörte sich alles viel zu kryptisch an. Und er wollte verdammt sein, wenn er all dem keinen Sinn geben konnte.
 
„Nun mal langsam. Du verwirrst mich jetzt vollkommen. Ihr hattet eine Absprache das ihr eure Trennung noch mehrere Monate geheim haltet?“
 
Heero nickte wieder.
 
Duo rückte seinen Stuhl zurecht und blickte Heero tief in die Augen. „Junge du brauchst wirklich jemandem dem du die ganze verzwickte Geschichte erzählst. Und glaub mir wenn ich sage – besser mir als Quatre.“
 
Heero war erstaunt. „Wieso? Was spricht gegen Quatre?“
 
Duo grinste. „Nichts!“ nach einer kurzen Pause fügte er hinzu. „Außer das er nicht eine Sekunde Ruhe geben wird bis er jede noch so kleine Einzelheit aus dir herausgepresst hat. Und während der ganzen Zeit wird er vollkommen verständlich sein und dir den Rücken stärken und dich unterstützen. Aber er wird dir in seiner liebenswürdigen Art auch das schlimmste schlechte Gewissen einreden das du dir denken kannst. Ein Gespräch mit Quatre, so in etwa muss die Spanische Inquisition ausgesehen haben. Glaub mir, ich hab das in den letzten Jahren viel zu oft mitgemacht.“
 
„Oh.“
 
„Ja, Oh.“ Duo grinste um seinen vorherigen Worten die Spitze zu nehmen. Trotz allem war Quatre immer noch ein verdammt guter Freund. Und er meinte es ja nur gut. „Also, wenn du mir heute von der Geschichte erzählst, dann kannst du dich morgen ganz einfach bei Quatre rausreden. Denn wenn du sagst dass du es nicht mehr als einmal durchkauen möchtest, dann wird auch Quatre es respektieren, selbst wenn es ihn fast umbringt. Ich werde ihm sagen das du mir dein Herz ausgeschüttet hast und damit wird das schlimmste vorbei sein.“
 
„Hn. Könntest du nicht Quatre nicht einfach so sagen das ich mit dir geredet habe?“
 
Holla, Heero schien sich wirklich um dieses Thema herum winden zu wollen. Umso mehr war Duos Neugierde angestachelt. Wenn Heero schon zu solch einer Heimtücke griff, dann musste ein ganz dicker Hund dahinter stecken. Und neben seiner Neugierde zu befriedigen, wusste Duo auch das er Heero wirklich helfen musste.
 
Er grinste von Ohr zu Ohr. „Sorry Heero, aber du weißt dass ich nicht lüge. Pass auf, wir machen einen Deal. Du erzählst mir von Gordon. Aber wirklich nur soviel wie du willst. Wenn du wirklich einen Punkt erreichst den du nicht anschneiden willst – aus welchen Gründen auch immer – dann gebe ich dir mein Pfadfinderehrenwort das ich nicht bohren werde. Aber dafür musst du mir versprechen mir zumindest grob von der ganzen Geschichte zu erzählen und nicht einfach zuzumachen und gar nichts mehr zu sagen. Was ist, haben wir einen Deal?“
 
Heero schaute ihn abschätzend an. „Hn.“
 
Duos Lächeln wurde nur noch intensiver. „War das ein ‚Ja-Hn’ oder ein ‚Nein-Hn’?“
 
In einer beinah untypischen Geste warf Heero die Arme in die Luft. „Ok, ok ich gebe mich geschlagen.“
 
Duo tätschelte ihm die Schulter und warf ihm einen aufmunternden Blick zu. „Du wirst sehen, das war eine richtige Entscheidung.“
 
Als er bemerkte das Heero mit dem Reden anfangen wollte stoppte ihn Duo allerdings. Er schüttelte den Kopf. „Nicht hier Heero. Hier am Esstisch, das ist viel zu förmlich und ungemütlich. Lass uns etwas zu trinken schnappen und dann setzen wir uns auf das Sofa vor dem Kamin,“ er zeigte mit seinem Kopf auf das angrenzende Kaminzimmer.
 
Heero blickte ziemlich perplex drein. „Aber ich habe noch nicht fertig gegessen. Du hast noch überhaupt nicht gegessen.“
 
Duo winkte ab und schnappte sich die Schale mit den verschiedenen Kuchenstücken, die Quatres Köchin wohl als Nachtisch für die ganze Truppe vorbereitet hatte. „Glaub mir, das wird für uns beide ausreichen. Und viel besser für dieses Gespräch geeignet sein als dieses Festmahl.“
 
Heero zog ungläubig die Augenbraue hoch. „Ach?“
 
Duo nickte enthusiastisch. „Ja, Schokoladeneis wäre zwar noch besser, aber Kuchen ist auch dafür geeignet.“
 
„Unglaublich,“ kommentierte Heero.
 
Duo achtete nicht darauf, schnappte sich die Kuchenplatte und stand auf. Zum Glück schien Heero sich nicht länger dagegen zu sträuben und folgte ihm. Ein kleines Lächeln umspielte Duo bei dem Gedanken. Aber dieses Lächeln verschwand auch schnell wieder als er sich zur Ordnung rief. Es ging immer noch darum aus seinem besten Freund heraus zu kitzeln wieso dessen Beziehung in die Brüche gegangen war. Da hatte man nicht zu lächeln. So gehässig war er schließlich auch nicht. Selbst wenn er Gordon nicht ausstehen konnte.
 
Ein paar Augenblicke später saßen sie beide auf der Eckcouchgarnitur die vor dem Kamin aufgestellt war. Duo hatte seine kostbare Fracht auf dem kleinen Beistelltisch abgestellt und sich sofort eines der Kuchenstücke gegriffen. Mit einem merkwürdigen Blick unter seinen Ponyfransen tat Heero es ihm nach.
 
Für kurze Zeit waren sie beide mit schweigendem Genießen beschäftigt. Erst als er die Hälfte seines Stückes aufgegessen hatte wischte Duo sich einen Krümel vom Mund und sagte. „So und nun fang an.“
 
Heero zuckte wieder mit den Schultern. „Womit soll ich anfangen?“
 
Duo rollte mit den Augen. „Tss… Du brauchst es erst gar nicht zu versuchen, ich bin selbst Meister im Ausweichen. Ich dachte wir hatten uns darauf geeinigt dass du es besser mir, als Quatre erzählst. Also los, spuck die ganze Geschichte aus.“
 
„Duo, ich weiß ehrlich nicht was ich dir noch groß erzählen soll. Ich hab mich von Gordon getrennt. Das ist alles.“
 
Duo hätte am liebsten vor Frust in die nächste Tischkante gebissen, tat es dann aber doch lieber mit dem Kuchen. Er kaute kurz und sagte dann. „So einfach kommst du mir nicht davon Yuy. Du kannst nicht einfach eine Bombe wie ‚betrügerische Bastard’ fallen lassen und dann nicht darauf eingehen wollen. Also bitte, warum hast du dich von Gordon getrennt und wieso habt ihr beide das so lange geheim gehalten?“
 
Heero warf ihm einen Deathglare zu, aber der war höchsten Stufe zwei auf der offiziellen Heero Yuy Deathglareskala. Konnte also ganz einfach von Duo ignoriert werden.
 
Nach einigen Sekunden des Schweigens gab Heero nach. Wahrscheinlich weil er genau wusste das er sowieso alles erzählen würde. Er seufzte einmal tief und sagte dann. „Also gut… Gordon hat YQ64 gestohlen.“
 
Duo rollte mit den Augen. „Okaaaaay. Und das bedeutet?“
 
„Hn. Also im Prinzip ist das eine neue Art Spielesoftware. Mein Team und ich haben in den letzten Jahren daran gearbeitet. Es soll für die nächste Generation von Wing Spielen verwendet werden. Das könnte die Kampftechniken bei Computerspielen revolutionieren.“ Heero sah ziemlich stolz drein als er das sagte.
 
Duo verstand zwar nicht genau worum es ging aber zumindest wusste er jetzt etwas mehr. Und neue Fragen tauchten deswegen auf. „Und wieso sollte Gordon das stehlen? Was will er damit? Und überhaupt Wing gehört doch auch ihm?“
 
Heero schnaubte. „Dem Bastard gehört – gehörte – 10 Prozent von Wing. Und er hat YQ64 gestohlen um es in seiner neuen Computerfirma einzusetzen.“
 
Duo starrte Heero groß an. „Neue Firma? Und wieso nur 10 Prozent? Ich dachte ihr hättet zusammen Wing gegründet?“ Wieso schaffte Heero es ihm mit jeder Antwort neue Fragen zu geben?
 
„Zusammen gegründet? Nein. Die Ursprungsidee war von mir. Ich habe die meiste Entwicklungsarbeit geleistet und die Technik von J. die wir verwendet haben gehörte auch mir. Davon ab das ich neben WEI das meiste Geld in das Projekt gesteckt habe. Von Gordon stammte die Idee zum Rollenspielabenteuer das wir verwendet haben. Und ja er hat auch beim Programmieren geholfen. Aber mehr als ein 10 Prozent Anteil ist dabei nicht für ihn herausgesprungen. WEI und ich hatten mehr zur Gründung der Firma beigetragen.“
 
Das konnte Duo verstehen. Und genau das hatte er sich damals auch schon gefragt. Es war ihm komisch vorgekommen das Heero und Gordon so plötzlich gleichberechtigte Partner bei diesem Projekt waren, aber er hatte das niemals hinterfragt. „Aber, in der Presse ist das anders rüber gekommen,“ wagte er noch einzuwenden.
 
Heero zuckte mit den Schultern. „Ach die Presse. Die schreiben doch eh immer was sie wollen. Und die Geschichte von zwei Studenten die zusammen eine so erfolgreiche Firma gründen ist doch viel schöner wenn sie sich nicht mit Details aufhalten. Besonders nachdem sie herausgefunden hatten das Gordon und ich auch privat Partner waren. Gut, die eigentlichen Besitzverhältnisse sind auch nie öffentlich gemacht worden, wozu auch. Die Presse ist halt immer davon ausgegangen das die Firma uns zu gleichen Teilen gehört.“
 
Duo nickte kurz. Dann hob er seinen Finger. „Seh ich das also richtig, dass Gordon Software von eurer Firma gestohlen hat um sie für seine eigene zu verwenden?“ fasste er noch einmal zusammen.
 
„Ja. Dadurch erhofft er sich einen Megaerfolg. Er will Wing mit unserer eigenen Erfindung schlagen.“ Heero sah richtig wütend aus. Duo liefen dabei ein paar kleine Schauer über den Rücken.
 
„Aber wieso macht er so was? Auch wenn ihm nur 10 Prozent gehören, Wing gehört doch auch ihm? Was kann er davon haben dieser Firma zu schaden?“
 
„Wir hatten die letzten Jahre immer wieder Auseinandersetzungen darüber wie sich Wing entwickeln soll. Seine Ideen haben nicht zu meinen gepasst. Und ihm hat nicht gepasst das ich immer meinen Kopf durchgesetzt habe. Aber es ist meine Firma, da bestimme ich. Auf jeden Fall, er hofft jetzt mit einer Firma wo er das Sagen hat das große Geld zu machen.“
 
Irgendwie konnte Duo soweit folgen. Langsam machte es Sinn dass die beiden sich getrennt hatten. Es gab nicht vieles das Heero wirklich etwas bedeutete, aber jeder der sich an seinem Eigentum zu schaffen machte, der musste auf Heeros Ärger gefasst sein. „OK, du hast das also rausgefunden und dich von dem Bastard getrennt. Kann ich gut verstehen. Aber wieso habt ihr das vor der Presse geheim gehalten?“
 
Heero seufzte wieder. „Du weißt doch wie die über uns in den letzten Jahren immer wieder berichtet haben. Wenn die Wind davon bekommen hätten das wir uns getrennt haben, dann wäre das monatelang in der Presse hoch gekocht worden. Das wollte ich nicht. Wir waren nur noch vier Monate vom Erscheinen von Deathscythe 3 entfernt. Ich konnte nicht riskieren, das unser Spiel untergeht weil alle damit beschäftigt sind die dreckige Wäsche von mir und Gordon zu waschen.“
 
„Und?“
 
„Und Gordon und ich haben einen Deal gemacht. Er hat zugesagt bis zum Ende des Jahres stillzuhalten. Dafür würde ich ihm sein Anteile an Wing dann zu einem etwas höheren Preis abkaufen als sie nominell wert sind.“
 
„Wieso hast du den Mistkerl nicht einfach verhaften lassen? Das Schwein hat dich bestohlen!“
 
„Ich hatte keine eindeutigen Beweise. Wenn ich das getan hätte und die Presse hätte davon Wind bekommen, dann wäre es noch schlimmer gewesen als die andere Möglichkeit. Nein, Schweigen war einfacher. Und es hat gewirkt. Deathscythe 3 ist ein Bombenerfolg und wenn jetzt rauskommt das wir getrennt sind, macht das nicht mehr soviel aus. Im Gegenteil ich bin froh das die Lüge nicht mehr aufrechterhalten werden muss. Gordon hat gestern die Verkaufspapiere unterschreiben und seine Anteile gehören jetzt mir. Er wird Wing niemals mehr schaden können.“
 
„Aber er hat doch immer noch dieses Superduper-Programm gestohlen,“ gab Duo zu bedenken.
 
Ein kleines Lächeln umspielte Heeros Gesicht. „Sobald er in Massenproduktion geht, wird er merken dass er nicht das richtige YQ64 gestohlen hat, sondern eine spezielle von mir präparierte Version. Seine Kunden werden nicht viel Spaß mit diesem Spiel haben.“
 
Ah, das hörte sich schon eher nach dem Heero an, den Duo kannte. Vorher hatte er ihm fast zu passiv geschienen. Heero würde niemals zulassen das ihm jemand etwas ungestraft stahl. Nicht einmal wenn er sich vor einem Presserummel fürchtete. Aber eine Frage blieb. „Wieso wusstest du dass Gordon diesen Diebstahl vorhatte?“ Immerhin konnte sich Duo nicht vorstellen das sie immer eine Fake-Version von ihrer neuesten Entwicklung parat hatten um verräterische Partner auszutricksen.
 
Heero zuckte mit den Schultern. „Ach, mir war klar das Gordons Frust über meinen Führungsstil immer größer wurde. Und nachdem er eine Affäre mit Terry anfing war mir klar dass er sich bald von Wing lösen würde. Terry gehört eine kleine Softwarefirma und Gordon hat sich da mit YQ64 groß eingekauft.“
 
Erst nickte Duo, doch dann fielen ihm fast die Augen aus dem Kopf. „Moment, mal Gordon hat dich betrogen?“
 
Heero zuckte wieder mit den Schultern. „Ja.“
 
„Wie lange hast du davon gewusst?“
 
„Ein paar Monate,“ kam die leise Antwort.
 
Duo schnaubte. „Und du hast den Arsch nicht sofort hochkannt rausgeworfen?“ Duo konnte es nicht fassen. Wieso hatte Heero erst bis zu dieser YQ-Dingens Geschichte gewartet bevor er Gordon den Arschtritt gegeben hatten, den dieser verdiente?
 
„Nein.“
 
„Aber, aber das kannst du doch nicht mit dir machen lassen!“ Duo regte sich vollkommen auf.
 
Heero warf ihm einen fast traurigen Blick zu. „Das war kein großes Ding.“
 
„Kein großes Ding? Der Kerl hat dich nach Strich und Faden betrogen und du wartest solange mit dem Rauswurf, bis er dich auch noch bestiehlt?“
 
Wieder das verfluchte Schulterzucken. „Ich wollte nicht allein sein,“ kam es sehr, sehr leise von Heero.
 
Und sofort ärgerte sich Duo darüber das er so ausgeflippt war. Er sollte Heero trösten und ihn nicht verhören und ihm Vorwürfe machen. Und tatsächlich Heeros ganze Körperhaltung hatte sich in den letzten Sekunden verändert. Er war in sich zusammengesackt und wirkte gar nicht mehr wie der harte Kämpfer.
 
Duo verfluchte sich noch einmal innerlich während er aufsprang und sich neben Heero setzte. Sofort schlang er seine Arme um seinen Freund und strich ihm beruhigend über den Rücken.
 
Heero war fast erschrocken steif in seiner Umarmung aber langsam begann er sich etwas zu entspannen. „Ist ja gut. Alles wird gut,“ sagte Duo beruhigend. Und tatsächlich diese total platten Aussagen schienen ihre Wirkung nicht zu verfehlen.
 
Heero entspannte sich völlig und Duo konnte merken wie sich der Körper in seinen Armen bewegte, während er von kleinen Schluchzern erschüttert wurde. Heero hatte zu weinen angefangen. Aber das war in Ordnung. Das war richtig. Jeder der so von seinem Partner betrogen wurde, hatte ein Recht darauf sich gehen zu lassen. Duo fragte sich kurz wie viel Kraft es wohl von Heero erfordert hatte noch ein halbes Jahr ‚Friede-Freude-Eierkuchen’ für die Presse zu spielen.
 
„Ich wollte nicht allein sein,“ wiederholte Heero. „Ich bin nicht so stark wie du, Duo.“
 
Duo vertiefte seine Umarmung. „Den Teufel bist du. Wieso sollte ich stark sein? Ich bin bei jeder ersten kleinen Unebenheit in einer Beziehung sofort davon gelaufen. Du hast sogar bei so einem großen Problem noch versucht es zu kitten. Glaube mir, du bist stärker.“
 
Ihm antwortete nur ein Schluchzen.
 
Aber zumindest widersprach Heero ihm nicht. Und er ließ sich von Duo trösten. Stundenlang saßen sie da und hin und wieder erzählte Heero neue Einzelheiten von Gordon, auch wenn er nie tiefer auf den Betrug von Gordon einging. Duo hatte fast das Gefühl als wenn Heero das gar nicht als so großes Problem ansah, eigentlich regte sich Heero viel, viel mehr über den Diebstahl der Software auf. Aber es sollte ihm egal sein. Heero war dieses verfluchte Arschloch los. Das war alles was zählte.
 
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Die folgende Nacht war sehr unruhig für Duo. Verschiedene Träume wechselten sich ab. In dem einen verprügelte er Gordon, wieder und wieder. Und in den anderen spielte ihm seine überaktive Libido wieder Streiche und verwirrte ihn mit heißen Bildsequenzen mit Heero. Das er den anderen fast den ganzen Abend in seinen Armen gehalten hatte, war nicht gerade eine große Hilfe gewesen.
 
Duo ärgerte sich über die letzten Träume. Auf diese Art und Weise sollte er nicht von seinem besten Freund – dem es gerade beschissen ging – denken!
Das gehörte sich nicht!
 
Am nächsten Morgen erschienen die anderen vier. Sehr schnell hatte Quatre den Grund herausgefunden wieso Heero allein zu ihrem Fest gekommen war. Aber Heero und Duo hielten sich relativ bedeckt. Heero erzählte nur das Gordon und er sich getrennt hätten und Duo sagte das Heero ihm schon alles darüber berichtet hätte.
 
Erstaunlicherweise unterließ Quatre tatsächlich die Spanische Inquisition und sie erlebten einen relativ entspannten Tag. Duo kam nicht umhin zu bemerken wie erleichtert Heero war, das er nicht noch mehr über die Geschichte berichten musste.
 
Duo hielt sich den ganzen Tag in Heeros Nähe auf und versuchte ihn sooft es ging wieder aufzumuntern. So das der andere überhaupt erst gar nicht ins Grübeln verfallen konnte. Und seine Bemühungen schienen von Erfolg gekrönt zu sein. Heero schien sehr locker zu sein. Wenn es Duo recht betrachtete sogar lockerer als er den anderen in den letzten Jahren je erlebt hatte. Merkwürdig.
 
Abends gab es dann ein Festmahl der Köchin. Sie alle schlemmten ohne Gedanken an morgen. Und danach saßen sie zusammen, spielten ein paar Gesellschaftsspiele und unterhielten sich. Ein sehr entspannter, angenehmer Abend.
 
Als es sich Mitternacht näherte standen sie alle auf und gingen zum großen Balkon. Von hier aus würden sie den besten Blick auf das Feuerwerk der Stadt haben. Duo stand dicht neben Heero, konnte dessen Wärme spüren und erschauerte dabei.
 
Quatre fing an die Sekunden herunter zu zählen, alles war gespannt, obwohl sie eigentlich alle Silvester für einen dummen Feiertag hielten – von Wufei der immer wieder erzählte dass das eigentliche Neujahr erst im Februar anfing ganz zu schweigen.
 
Als dann endlich der Countdown die Null erreicht und die große Standuhr das neue Jahr einläutete riefen sie alle wie auf Kommando, „Frohes neues Jahr!“ und umarmten sich.
 
Natürlich umarmte Duo zuerst Heero, wo sie doch nebeneinander standen. Wie es üblich war, wollte Duo dem anderen einen freundschaftlichen Kuss auf die Wange geben, aber genau in der Sekunde wurde er von Quatre aus versehen angestoßen. Das führte dazu dass er statt Heeros Wange dessen Mund küsste.
 
Für einen Sekundenbruchteil versteifte sich Heero wieder in seinen Armen, dann erwiderte er den Kuss.
 
Duo dachte die Welt würde stillstehen. Seine Knie wurden weich und er war nahe daran zu schmelzen.
 
Dann unterbrach Heero den Kuss, sie sahen sich beide in die Augen – etwas verlegen – und kicherten. Danach lösten sie die Umarmung und begannen damit auch den anderen ein gutes neues Jahr zu wünschen.
 
Aber Duos Gedanken waren nicht bei der Sache. Seine Knie waren immer noch weich und sein Magen veranstaltete die reinsten Achterbahnfahrten. Er blinzelte und versuchte zu verstehen was da gerade passiert war.
 
Den Rest der Feier bekam er nur noch wie unter einem kaum durchsichtigen Nebel mit. Seine Gedanken wanderten im Kreis und immer wieder warf er Heero kleine Seitenblicke zu.
 
Dann hielt er es einfach nicht mehr aus und zu einer – für Duo – sehr frühen Stunde verabschiedete er sich von der kleinen Party. Er floh fast in seinen Raum.
 
Und kaum hatte er die Tür zu seinem Zimmer hinter sich ins Schloss fallen lassen, da eilte er auch schon zum Vidphone und wählte die Nummer von der einzigen Person die ihm jetzt helfen konnte.
 
Er musste es 20mal klingeln lassen, bevor eine verschlafene Gestalt den Anruf annahm. „Verdammt, es ist fünf Uhr Nachts, wer wagt es zu stören?“ grummelte die rauchige Stimme.
 
Ups, Duo zog den Kopf ein, da hatte er wohl die Zeitverschiebung vergessen. Aber das war jetzt nebensächlich. Er brauchte jetzt Hilfe. „Verdammt Nadine. Ich liebe Heero!“ brach es aus ihm hervor.
 
 
Kapitel 7
 
„Ja und?“ gähnte Nadine heftig und schob sich mit ihrer Hand ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht.
 
Duo rollte mit den Augen. In Ordnung, es war für Nadine spät in der Nacht, aber trotzdem könnte sie etwas aufmerksamer sein. Immerhin hatte er ihr gerade diese Wahnsinnsneuigkeit verkündet! „Nadine, hör mir doch zu! Ich liebe Heero,“ wiederholte er noch einmal.
 
„Aber das weiß ich doch, Dummerchen.“ Die Frau am anderen Ende der Videoleitung gähnte ein weiteres mal herzhaft.
 
‚Oh man, was hat Nadine heute nur alles getrunken?’ fragte Duo sich kurz. Aber dann schweiften seine Gedanken wieder zu dem wirklich wichtigen Problem. Er liebte Heero. Diese Erkenntnis hatte ihn vorhin beim Kuss wie ein Blitzschlag getroffen. Er hatte kaum noch denken können. Wie hatte das geschehen können? Und warum jetzt?
 
Doch gerade als er diesen Gedanken zu Ende formuliert hatte, traf ihn eine weitere Erkenntnis. Und sie war vielleicht noch überraschender als die erste. Er liebte Heero. Aber nicht erst seit neuestem. Er erkannte ohne jeden möglichen Zweifel, das er diese Gefühle für Heero schon immer gehabt hatte. Sie hatten sich während der letzten Jahre nicht verändert. Aber wie konnte das sein?
 
Duo ließ sich mit einem lauten Plumps auf den Schreibtischstuhl fallen und schüttelte ungläubig den Kopf. Das schien auch Nadine endlich aus ihrer Gähnarie zu reißen. „Duo was ist denn los?“ fragte seine Freundin.
 
„Nadine, ich habe gerade erkannt das ich Heero liebe. Ihn schon immer geliebt habe.“
 
Ein Lächeln umspielte Nadines Gesicht. „Aber Duo, das ist doch kein Geheimnis. Das weiß ich alles. Aber jetzt erzähl mir wieso du es jetzt plötzlich weißt.“
 
Fast automatisch erklärte Duo ihr was er in den letzten zwei Tagen von Heero und Gordon erfahren hatte. Am Ende seiner Erzählung kam er aber wieder auf das Ursprungsthema zurück, „Wie kannst du das nur wissen? Ich hab es doch selbst nicht gewusst.“
 
Sie kicherte. „Ein Blinder mit Krückstock hätte es sehen können. Ich glaub der einzige der es nicht wusste, das warst du.“
 
„Aber…“
 
„Nichts aber. Du hättest dir mal zuhören müssen wie du immer von Heero gesprochen hast.“
 
Viele chaotische Gedanken wirbelten in Duos Kopf herum. Er konnte es nicht fassen. Da hatte er diese… diese Erleuchtung und dann wurde ihm von seiner Freundin erzählt das sie es schon lange wusste. Wieso hatte es ihm denn niemand gesagt? Wieso hatte er es nicht selbst gewusst?
 
„Aber Nadine, du verstehst nicht. Ich habe entdeckt das ich ihn schon immer geliebt habe. Das ist nicht erst heute entstanden.“
 
Sie nickte. „Auch das weiß ich.“
 
„Aber wie? Wie kann das damals schon Liebe gewesen sein, Nadine? Wo waren die Schmetterlinge? Wo war das überwältigende Glücksgefühl von dem alle immer reden? Wieso hatten wir das nicht? Wieso ist es trotzdem Liebe?“ Duo wusste das er konfusen Unsinn redete, aber zum Glück würde sich seine beste Freundin daran nicht stören.
 
„Ich sehe, das wird ein langes Gespräch.“ Nadine gähnte noch einmal und machte es sich ebenfalls an ihrem Tisch bequem. „Duo, Liebe, das ist für jedermann anders. Man kann sich auch lieben ohne diese ‚Schmetterlinge’. Und wenn ihr sie am Anfang eurer Beziehung gehabt habt, dann sind sie garantiert vom ständigen Adrenalinhoch überdeckt worden. Daran kannst du Liebe nicht festmachen. Von dem was du mir erzählt hast, da wart ihr schon lang und eng zusammen. Ihr habt euch blind vertraut, euch aufeinander verlassen. Euer Leben in die Hände des anderen gelegt. Rede das was ihr hattet nicht klein, nur weil statt romantischer Violinenklänge nur Maschinengewehrsalven im Hintergrund zu hören waren.“
 
Duo versuchte das was Nadine sagte zu verstehen. Sie hatte in einem Recht, damals waren er und Heero eine Einheit gewesen. Sie hatten sich blind verstanden. Und wenn er ehrlich mit sich selbst war, dann war genau dieses Zusammengehörigkeitsgefühl dasjenige das er bei jeder weiteren Beziehung vermisst hatte. Wieso nur hatte er das damals noch nicht erkannt?
 
„Nadine!“ entfuhr es ihm laut. „Wenn du es wusstest, wieso zum Geier hast du mir dann gesagt das ich von Heero weggehen soll? Wieso hast du dafür gesorgt das die Beziehung zu Ende ging?“
 
Nadine hob abwehrend die Hände. „Immer langsam mit den jungen Pferden.“
 
„Tschuldigung… Ich bin nur so durcheinander...“
 
„Das verstehe ich. Und ja, es tut mir leid das so gelaufen ist. Ich hätte nie gedacht…“
 
Duo schaute ihr tief in die Augen. „Was meinst du Nadine?“
 
Sie holte tief Luft. „Bitte erinnere dich daran, wie es damals mit dir aussah. Du warst so dicht davor dein Leben hinzuschmeißen. Du bist fast unter all dem Stress und der daraus resultierenden Frustration zusammen gebrochen. Und auf jeden Fall konntest du nicht mehr klar denken. Ich wollte nur dafür sorgen das du dein Leben wieder in den Griff bekommst.“
 
„Aber warum hast du mich von Heero fortgeschickt? Vielleicht hätte ich… ach ich weiß auch nicht was. Aber warum?“
 
„Weil deine Beziehung zu Heero in dem Moment in einer absoluten Sackgasse steckte. Ihr hattet seit Wochen nicht mehr normal miteinander geredet. Eure Beziehung war schon seit Monaten am dahinsiechen. Und du hattest dir absolut erfolgreich eingeredet das du Heero nie geliebt hast. Was hätte ich deiner Meinung da tun sollen? Ich habe dich fortgeschickt, damit du dein Leben wieder in den Griff kriegst, wieder frei atmen kannst. Und das hat ja wohl auch gewirkt.“
 
Duo stimmte grummelnd zu.
 
Aber Nadine redete weiter. „Womit ich nicht gerechnet hab ist deine Sturheit. Ich dachte dass du spätestens nach ein paar Wochen – sobald es dir besser geht – erkennen würdest was für einen Fehler du begangen hast und das du Heero liebst. Verdammt, ich hätte Wetten darauf abgeschlossen das du in spätestens 3 Monaten zurückkommen und um ihn kämpfen würdest. Und ich hätte haushoch verloren. Ich hätte nie gedacht, dass du tatsächlich sieben Jahre für diese Erkenntnis benötigen würdest.“
 
„Heißt das, es ist meine Schuld?“ Duo war völlig zerschlagen.
 
„Nein, nein Duo. Gib dir nicht die Schuld. Vielleicht wart ihr einfach zu jung. Oder es lag am Stress. Ich mag mir gar nicht ausmalen was du und die anderen im Krieg alles erdulden musstet. Wenn man das bedenkt habt ihr euch wunderbar entwickelt. Aber das heißt noch lange nicht das ihr alle Superhelden seid. Ihr macht Fehler, genau wie normale Menschen auch. Und du hast halt einfach nicht erkannt was du da hattest.“
 
Ein anderer Gedanke flog in diesem Moment durch Duos verwirrtes Gehirn. „Was ist mit Heero? Hat er… hat er mich geliebt?“
 
Nadine schüttelte den Kopf. „Das kann ich dir nicht sagen Duo. Ich bin schließlich kein Gedankenleser. Und ich kenne ihn nicht besonders gut – habe ihn damals überhaupt nicht gekannt.“
 
Duo sah sie nur flehendlich an.
 
„Ok, aus all dem was du mir über ihn erzählt hast – ja, ich würde sagen er hat dich geliebt. Er muss es getan haben, ansonsten hätte er dich nicht schon während des Krieges so nahe kommen lassen. Die Beziehung zu dir hat all seiner Konditionierung zum perfekten Soldaten widersprochen. Das er sie trotzdem zugelassen hat beweist wie wichtig es ihm war.“
 
Ein seltsam warmes Gefühl durchströmte Duo. Und er war sich plötzlich bewusst was ihm damals auch gefehlt hatte. Es war immer diese Unsicherheit in ihm gewesen was ‚sie beide’ denn für Heero bedeuteten. Es war schön gewesen das Heero ihre Beziehung auch in Friedenszeiten weiterführen wollte, aber jetzt erkannte Duo das er damals gerne diese Bestätigung gehabt hätte. Vielleicht hätte er niemals daran gezweifelt das sie sich liebten, wenn er das gewusst hätte.
 
Doch kaum hatte er dieses schöne Gefühl, da durchfuhr ihn plötzlich etwas das er fast als physischen Schmerz wahrnahm. Und das war Wut, und das Gefühl von Betrug. „Ich glaub dir nicht Nadine. Wenn dem so wäre – wieso hat er dann mit Gordon geschlafen?“
 
Schmerz. Heero hatte ihn betrogen. Duo war als würde er es jetzt erst zum ersten Mal wirklich realisieren. Er musste damals total neben sich gestanden haben, das er diesen unendlichen Schmerz nicht gespürt hatte.
 
„Duo Maxwell! Sage noch einmal so einen absoluten Unsinn und ich schwöre dir, ich steige ins nächste Shuttle komm zu dir und werde dir rechts und links eine runterhauen!“ herrschte ihn Nadine an.
 
„Was denn?“ fragte Duo ehrlich erstaunt.
 
Nadine seufzte ausgiebig dann sagte sie, „Du hast immer gesagt das die Sache mit Gordon kein Betrug war. Fang jetzt nicht sieben Jahre später an anders zu denken.“
 
Duo schüttelte den Kopf, „Aber damals wusste ich noch nicht… Wie konnte er nur?“
 
„Duo! Warum hast du damals so vehement behauptet das es kein Betrug war?“
 
Duo schwieg, es fiel ihm viel zu schwer nachzudenken.
 
„Ok, dann helf ich dir auf die Sprünge. Du hast immer gesagt das Heero dich nicht betrogen hat, weil eure Beziehung sowieso gerade am sterben war. Und weil er es dir sofort gesagt hat. Er hat es dir gesagt und ihr habt die Konsequenzen daraus gezogen. Hab ich nicht Recht?“
 
Duo wand sich auf seinen Stuhl. Natürlich hatte er das damals so gesagt. Aber damals hatte er noch nicht gewusst das er Heero liebte. Damals hatte es noch nicht so unendlich wehgetan. „Ja,“ gab er gequält zu.“
 
„Ok, das haben wir also wieder gerade gerückt. Fang nicht jetzt – sieben Jahre später – an da etwas anderes draus zu machen. Oder damit anzufangen mit Schuldzuweisungen um dich zu werfen. Das könnte alles kaputt machen was du vielleicht noch wieder gerade biegen kannst.“
 
Duo schwieg für eine Weile. Er sah ein das Nadine wahrscheinlich Recht hatte, aber dennoch konnte er den Schmerz den er gerade empfand nicht verleugnen. „Aber wieso ist das mit Gordon geschehen? Ich verstehe es nicht,“ brach es trotzdem aus ihm heraus.
 
Nadine seufzte wieder. „Duo ich bin kein Allwissendes Orakel. Ich war damals nicht dabei. Aber manchmal passieren solche Sachen einfach. Ihr hattet unheimlichen Stress, in euerer Beziehung lief es mehr als schlecht. Und Heero war mit diesen anderen Leuten zusammen. Es gibt so viele Gründe wieso es passiert ist. Vielleicht war er betrunken, oder Gordon hat ihn verführt – seine damalige Gemütslage ausgenutzt… Ich weiß es nicht. Es könnte sogar sein…“ hier stoppte sie.
 
„Was?“ verlangte Duo zu wissen.
 
„Nagel mich nicht darauf fest, es ist nur eine absolut bescheuerte Theorie und stimmt wahrscheinlich nicht. Aber es könnte auch sein das Heero das getan hat um endlich irgendeine Reaktion aus dir herauszukitzeln. Ein sehr gewagter Schritt, aber ich kann mir durchaus vorstellen das er auf so eine dumme Idee hat kommen können.“
 
Duo war wie vor den Kopf geschlagen. Das konnte nicht sein, oder? Er lachte entsetzt auf. Wenn das stimmte, dann hatte Heero zumindest eine Reaktion erhalten. Wohl nur nicht diejenige die er hatte haben wollen.
 
„Wie, wie kannst du so etwas behaupten?“ fragte Duo aufgeregt.
 
„Ich sag doch, es ist nur eine verrückte Idee. Stimmt vielleicht auch gar nicht,“ sie zuckte mit den Achseln.
 
„So wie alles andere was du mir erzählst? Wie kannst du wissen das Heero mich geliebt hat?“
 
„Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir absolut sicher. Vergiss mal deine aufgeregten Gefühle und erinnere dich an damals. Wenn Heero wirklich etwas von Gordon gewollt hätte, wenn er an diesem Wochenende plötzlich davon überzeugt gewesen wäre das er Gordon mehr mag als dich, hätte es dann Wochen gedauert bevor er Gordon wieder gesehen hat? Wochen in denen du ihn mehr als einmal mit einem neuen Aufriss von dir konfrontiert hast? Wochen in denen Gordon ihm nachgestellt hat. Wie lange hat es gedauert bis der Zwerg sich mit Heero wieder treffen durfte? Wie lang bis er einmal über Nacht blieb? Das zeigt mir nicht das Heero hin und weg von Gordon war, sich Hals über Kopf ihn verliebt hat. Das zeigt nur das Gordon nicht aufgegeben hat.“
 
Duo wurde aschfahl. Nadine hatte Recht. Wie hatte er es damals nur übersehen können? Ihm fiel plötzlich ein wie fertig und krank Heero nach dem Wochenende ausgesehen hatte. Das war keine Grippe! Wie hatte er es nur übersehen können? Seine Gedanken rannten im Kreis. „Oh Gott. Bin ich jetzt etwa schuld?“ brach es aus ihm hervor. Was wäre geschehen wenn er mit Heero geredet hätte anstatt sich ins Nachtleben zu stürzen?
 
Nadine streckte ihre Hand aus und berührte den Monitor, so als wenn sie Duo streicheln wollte. „Duo hör auf jetzt über ‚was wäre wenn’ nachzudenken. Es ist geschehen und kannst das nicht mehr rückgängig machen. Und denk daran, keiner von euch hat die alleinige Schuld – wenn man überhaupt von Schuld sprechen kann. Es ist Vergangenheit. Konzentrier deine Energie lieber darauf die Chance für eine Zukunft zu nutzen. Natürlich werdet ihr das damalige irgendwann einmal besprechen müssen, aber bitte nicht jetzt, nicht wenn da noch so viele schmerzliche Emotionen mit verbunden sind. Es könnte alles zerstören bevor es überhaupt anfängt.“
 
Duo starrte seine Freundin für einige Momente sprachlos an. Er versuchte zu begreifen was sie ihm gerade geraten hatte. Für eine Zukunft kämpfen. Ja das würde er tun. Er wollte verdammt sein, wenn er die Chance Heero zurück zu bekommen nicht nutzen würde. Sein berühmtes Grinsen umspielte plötzlich sein Gesicht. Heero hatte den Kuss vorhin erwidert. Es sollte also ein leichtes sein Heero zu erobern. Schließlich war er der Weltmeister im Flirten.
 
Nadine sah ihn geschockt an. „Duo das Grinsen bedeutet doch wohl nicht etwa, was ich glaube das es bedeutet?“
 
„Was?“ fragte Duo verwirrt. In Gedanken war er gerade dabei Heero morgen am Pool zu verführen und er wollte dabei nicht gestört werden.
 
„Wenn du jetzt deinen Mördercharme auspackst um Heero so schnell wie möglich rumzukriegen, dann komm ich wirklich vorbei und versohl dir deinen Hintern.“
 
„Aber du hast doch gesagt ich soll ihn zurück erobern.“
 
„Du sollst um eine Zukunft kämpfen. Nicht ihn so schnell wie möglich in dein Bett zerren. Das wird böse Enden.“
 
„Aber wieso? Der Sex zwischen uns war immer hervorragend.“
 
Nadine rollte mit den Augen und murmelte genervt „Männer!“ Dann schaute sie Duo mit einem Blick an der ihn fast zusammenzucken ließ. „Pack deine unausgeglichenen Hormone mal für ein paar Sekunden zur Seite und denk mal mit deinem Kopf, nicht mit deinem Schwanz.“
 
Duo schüttelte sich, Nadine redete sehr selten mit so einer Wortwahl. „Ich weiß nicht was du hast.“
 
„Ok, ich werde es dir wohl aufmalen müssen. Was hast du bisher jedes Mal gemacht, wenn eine deiner Beziehungen gescheitert ist?“ fragte sie.
 
Duo wollte antworten aber Nadine brachte ihn mit einer erhobenen Hand zum Schweigen. „Ich meine nachdem du sämtliche Schokoladenvorräte der Erde vernichtet hast.“
 
„Öhm!“ sagte Duo und lief leicht rot an.
 
„Genau, du ziehst durch die Clubs und reißt ein paar Wochen lang jeden willigen Partner auf.“
 
Duo fühlte sich plötzlich gar nicht wohl in seiner Haut. So wie Nadine das sagte, hörte es sich an als wenn er eine männliche Schlampe wäre.
 
„Duo, ich will dich damit beileibe nicht verurteilen. Nicht im Geringsten. Es ist nichts gegen One Night Stands einzuwenden. Ihr seid erwachsen und wisst was ihr tut. Aber alle deine Freunde kennen dein Verhalten, selbst wenn sie dich dafür nicht verurteilen, so heißen sie es vielleicht nicht gerade gut,“ sie schüttelte den Kopf.
 
„Ist ja auch egal. Aber wenn du jetzt deinen Charme auspackst und dich an Heero heranmachst, dann wirst du es bereuen. Vielleicht, nein wahrscheinlich, wirst du damit sogar Erfolg haben. Aber wie wird es für Heero aussehen? Du hast dich vor ein paar Wochen von deinem letzten Freund getrennt und jetzt baggerst du ihn an? Er wird sich an drei Fingern abzählen können das deine Schokophase vorbei ist und du den nächsten deiner üblichen Schritte unternimmst. Und warum auch nicht diesmal mit ihm? Schließlich war euer Sex immer sehr gut. Er wird denken das du einfach keine Lust auf Clubs hattest.“
 
Duo starrte seine Freundin mit offenem Mund an. Ihm gefiel gar nicht was er da hörte. Aber er kam auch nicht dazu zu protestieren.
 
„Und denk dran in welchem Zustand Heero ist. Er hat sich von Gordon getrennt, nach sieben Jahren. Dieser hat ihn in jeder nur erdenklichen Art und Weise betrogen. Was glaubst du wie es um sein Selbstwertgefühl steht? Bedenke das er immer noch glaubt das der berufliche Betrug der schlimmere ist. Er glaubt nicht das er Liebe verdient. Hat monatelang nichts gegen den Betrug unternommen um nicht allein zu sein. Er hat die ganze Sache noch nicht im mindesten verarbeitet.“
 
„Aber sie haben sich vor einem halben Jahr getrennt.“
 
„Ach, und du glaubst das Heero sich in der ganzen Zeit auch nur für 5 Minuten erlaubt hat darüber nachzudenken? So wie ich ihn einschätze hat er nur um seine Firma gekämpft, alles andere als unwichtig beiseite geschoben. Das er gestern in deinen Armen geweint hat, zeigt mir das er gerade erst angefangen hat die Sache zu verarbeiten. Und wenn du jetzt daher kommst und ihn auf diese Weise umwirbst, dann wird er das alles in den falschen Hals bekommen. Er wird wahrscheinlich darauf eingehen, denn deinem Charme kann nichts und niemand widerstehen. Aber es wird einfach falsch sein und mehr Schaden als Nutzen anrichten.“
 
Duo schluckte schwer. „Das heißt ich hab keine Chance?“
 
Nadine rollte wieder mit ihren Augen. „Sei doch nicht so melodramatisch. Ich hab doch nicht gesagt das du es nicht versuchen sollst. Nur nicht jetzt sofort. Du hast sieben ganze Jahre gebraucht um zu erkennen das es Liebe ist und jetzt kannst du nicht einmal ein paar Wochen warten?“
 
„Äh. Aber was soll ich tun?“
 
„Sei wieder sein Freund. Komm ihm näher. Hilf ihm die Sache mit Gordon zu verarbeiten. Lerne ihn besser kennen.“
 
„Er ist mein bester Freund,“ brauste Duo auf.
 
„Ein Freund den du die letzten Jahre kaum gesehen hast,“ korrigierte ihn Nadine. „Ihr habt euch beide verändert. Lerne ihn neu kennen. Und zeige ihm das du auch anders bist als früher. Und dann, wenn das Vertrauen wieder zwischen euch aufgebaut ist, dann kannst du um ihn werben.“
 
„Wie lange soll das dauern?“ Duo konnte sehen das Nadine Recht hatte, aber es hörte sich nach einer furchtbar langen Zeit an.
 
„Ein paar Wochen. Ich weiß es nicht, aber du wirst es wissen – wenn du mit deinem Herzen denkst.“
 
„Und wie soll ich das alles anstellen?“
 
„Oh man Duo. Hast du denn keine Phantasie? Dir wird schon ein Grund einfallen ihm nahe zu sein. Verbring Zeit mit ihm. Das kann doch alles nicht so schwer sein. Und du wirst das auch schaffen ohne das ich dir alles vorsagen muss. Du bist schließlich schon ein großer Junge.“ Sie gähnte ausführlich. „So und ich hab mir jetzt lang genug die Nacht um die Ohren geschlagen. Ich bin müde.“
 
Duo seufzte. Aber Nadine sagte die Wahrheit, wenn sie meinte das es jetzt an ihm war Ideen zu entwickeln. Es war schließlich sein Leben. Aber trotzdem schuldete er Nadine viel. „Danke, du warst eine große Hilfe.“
 
„Das tu ich doch gern für meine Freunde,“ sie grinste ihn an. „Aber du darfst auch gerne in deinem nächsten Buch eine unglaublich gut aussehende und schlaue Heldin nach mir benennen.“
 
„Das werde ich, verlass dich drauf.“ Dann verabschiedeten sie sich noch und unterbrachen danach die Verbindung. Duo war überhaupt nicht müde. Nadine hatte ihm viel zum nachdenken gegeben. Und zum planen. Er würde wohl die ganze Nacht damit verbringen – zumindest was davon noch übrig war.
Kapitel 8
 
‚Lerne ihn neu kennen’ hatte Nadine gesagt. Leichter gesagt als getan. Duo seufzte in seinen Morgenkaffee. Es war eine verdammt lange Nacht gewesen, und das obwohl er nach dem langen Gespräch erst so spät ins Bett gekommen war. Stundenlang hatte er sich hin und her gewälzt, während seine Gedanken im Kreis rotiert waren. Und wie immer wenn er unter totalem Druck stand, war ihm nichts Gescheites eingefallen.
 
Und nun saß er hier am Frühstückstisch mit blutunterlaufenen Augen und sah sicher wie ein Zombie auf Wanderschaft aus. Die anderen, die anscheinend noch etwas länger gefeiert hatten wirkten richtig frisch gegen ihn.
 
Duo schüttelte leicht den Kopf und seufzte noch einmal. Dann ließ er vorsichtig seinen Blick zu Heero wandern. Wie schon zuvor spürte er dabei einen kleinen Stich. Es war wirklich seltsam Heero jetzt zu sehen. Ihm wurde jedes Mal sofort klar das er den anderen schon seit Ewigkeiten geliebt hatte und nur zu dumm gewesen war das auch zu bemerken.
 
Bei jedem Blick wirbelten seine Gedanken wieder durcheinander. Wie sollte er da denn bloß einen geschickten Plan aushecken? Er fühlte sich trotz – oder gerade wegen – des ganzen Chaos in seinem Kopf total ausgebrannt und ideenlos. Aber Duo war jetzt fest entschlossen. Noch einmal würde er Heero nicht wieder aus seinem Leben lassen. Auch wenn er den anderen noch nicht einmal wieder an seiner Seite hatte. Sobald er das Ziel erreicht hatte, würde er sich mit Klauen und Zähnen festbeißen und nie wieder loslassen.
 
Aber wie das bloß anstellen? Er war total ideenlos. Und das wo sein Kopf normalerweise übersprudelte mit mehr oder weniger intelligenten Ideen. Dann schüttelte Duo etwas entschlossener den Kopf. OK, wenn ihm jetzt halt nichts einfiel, dann würde er zuhause in Ruhe darüber nachdenken. Es war ja nicht so als wenn er unter Zeitdruck stünde. Oder?
 
Nein, lieber jetzt nichts überstürzen und schon wieder einen dummen Fehler machen. Sich langsam annähern, wieder engeren Kontakt mit Heero haben. Subtil sein. Duo seufzte. Subtil, ausgerechnet. Aber er würde auch das meistern.
 
„Ist was mit dir?“ fragte Quatre mit besorgtem Tonfall.
 
Duo beeilte sich ein fröhliches Gesicht aufzusetzen. „Nein, nein. Hab nur etwas schlecht geschlafen,“ redete er sich raus.
 
„Und das wo du doch als erster verschwunden bist. Duo so kennen wir dich gar nicht, du wirst doch wohl nicht etwa alt werden?“ zog ihn Sally auf.
 
Duo streckte ihr die Zunge raus. „Pfft. Zu deiner Information ich steh gerade unter großem Stress.“
 
„Was für Stress?“ Heero blickte zum ersten mal von seinem Frühstück auf.
 
Duo jubilierte innerlich. Mit viel Phantasie – und die besaß er ja nun einmal zu Genüge – konnte man in Heeros Tonfall Besorgnis hereininterpretieren. Und Duo hätte dem anderen am liebsten gesagt was für ein Stress und wie sie diesen am besten sofort beilegen konnten. Nur würde Nadine ihn dafür übers Knie legen. Wahrscheinlich zu Recht. Deshalb beeilte sich Duo in eine kleine Notlüge auszuweichen. Interessant, dafür das er eigentlich nicht log, bog er in letzter Zeit die Wahrheit ziemlich stark. Aber man musste halt Prioritäten setzten. „Ach, Dan hetzt mit dem Abgabetermin für mein neues Buch. Ich bin ein paar Wochen in Verzug und nun macht er täglich einen Kontrollanruf um zu sehen wie weit ich mit dem Kapitel bin.“
 
„Oh, du schreibst wieder? Was ist es denn diesmal?“ hakte Quatre nach.
 
Duo hätte sich am liebsten in den Allerwertesten gebissen. In seiner Hast sich eine Ausrede einfallen zu lassen, hatte er vergessen das er seinen Freunden nicht erzählt hatte, dass er inzwischen unter einem Pseudonym Romane veröffentlichte. Er hatte das getan weil er sehen wollte, ob er auch erfolgreich sein könnte, wenn nicht WEI die gesamte Auflage für die Mitarbeiter aufkaufte.
 
Duo seufzte leicht, das war das dumme mit den kleinen Ausflüchten und Lügen, wenn man erst einmal anfing, dann hörte man so schnell nicht wieder auf damit. Wichtig war nur sich zu merken was man denn alles erzählt hatte. „Ach, ganz was anders als sonst,“ versuchte er um Details herum zu kommen.
 
„Erzähl doch mal mehr. Wann wird es erscheinen? Um welches Thema kümmerst du dich diesmal?“ Quatre war ganz hibbelig. Und war im Geiste sicher schon dabei Bestellungen aufzugeben.
 
Duo hob abwehrend die Hand. „Es wird irgendwann im Frühjahr erscheinen und ich werde dir dann mehr dazu sagen. Bis dahin ist alles streng geheim,“ dann zwinkerte er seinem blonden Freund zu. Klippe umschifft und erst einmal genug Zeit gewonnen um den anderen zu beichten was er in den letzten Jahren alles so gemacht hatte.
 
Quatre zog einen Flunsch, aber er hakte nicht weiter nach. Wahrscheinlich war es auch für ihn viel zu früh um die Spanische Inquisition anzuzetteln. Etwas worüber Duo sehr glücklich war.
 
Danach plätscherte das Gespräch nur noch leicht vor sich hin. Sie genossen ihr gemeinsames Frühstück. Und Duo stellte erstaunt fest, dass sie es wirklich genossen. Es war etwas total anders nur unter sich zu sein. OK, Sally war dabei, aber Sally kannten sie auch alles schon seit dem Krieg, sie hatten eine gemeinsame Vergangenheit. Gordon hatte da niemals wirklich hineingepasst. Duos kurzfristige Lebensabschnittsgefährten auch nicht. Vielleicht waren sie ein viel zu exklusiver Club. Vielleicht schlossen sie andere zu schnell aus.
 
Aber nein, wenn Duo objektiv die Sache betrachtete – was ihm bei Gordon wirklich schwer fiel – dann hatte die Gruppe den Neuzugängen immer die Hand gereicht und versucht sie zu integrieren. Trotzdem schien jetzt niemand besonders traurig darüber zu sein Gordon nie wieder sehen zu müssen.
 
Obwohl, Duo war es. Er würde den anderen nur zu gerne sehen. Um ihn dann genüsslich zusammenzufalten. Wie konnte dieser Zwerg es nur wagen Heero so weh zu tun?
 
Er warf Heero wieder einen kurzen Blick zu. Heero sah etwas besser aus, als am Freitag. Aber immer noch nicht besonders gut. Duo musste anerkennen das dem anderen die Trennung doch zu Herzen ging. Es wäre ihm natürlich am liebsten gewesen wenn Heero jetzt froh wäre den betrügerischen Bastard los zu sein, aber sie waren immerhin sieben Jahre zusammen gewesen. Da musste eine Trennung weh tun, auch wenn sie noch so berechtigt und notwendig gewesen war. Duo hoffte nur dass er Heero bald zeigen konnte dass es jemand gab der ihn liebte. Ihm wurde bewusst das er zu allem bereit war. Er würde alles tun um Heero zurück zu bekommen. Er war beinah erstaunt über die Intensität seiner Gefühle, aber auch erfreut. Er hatte fast schon geglaubt niemals so lieben zu können.
 
Duo war so in seinen Gedanken vertieft, das er gar nicht mitbekam wie schnell die Zeit verflog. Plötzlich war das Frühstück zu Ende und Heero verkündete das er in Kürze sein Shuttle erreichen musste. Das erstaunte Duo, er hatte fest damit gerechnet noch etwas länger in Heeros Nähe sein zu können. Nicht das er inzwischen einen Plan gehabt hätte, aber den anderen nur zu sehen war schon toll.
 
Aber es ließ sich wohl nichts ändern. Heero hatte am Abend noch eine geschäftliche Verabredung und musste deshalb pünktlich zur Erde zurück fliegen. An einem Sonntag noch ein Geschäftsessen zu haben, Duo wunderte sich nicht zu knapp. Und er nahm sich fest vor, den armen Heero später vor sich selbst zu retten. Das Leben bestand schließlich nicht nur aus Arbeit.
 
Die Frühstücksrunde löste sich auf und Heero verschwand um seine Tasche zu holen. Duo kam sich immer noch wie unter Zeitlupe vor. Er folgte den anderen in die große Halle wo sie alle sich von Heero verabschiedeten. Zuerst schaffte Duo es nur etwas zu murmeln das sich wie ein Abschiedsgruß anhörte.
 
Doch kaum hatte Heero das Haus verlassen, da wurde Duo plötzlich wach und rannte hinter ihm her. Er holte ihn kurz vor der Limousine ein und umarmte ihn von hinten.
 
Heero hielt erstaunt in seiner Bewegung inne. Duo bemerkte auch das der andere sich zuerst in die Umarmung versteifte, dann entspannte er sich für eine Sekunde. Duo drückte noch einmal freundschaftlich zu, dann löste er seine Arme.
 
Heero drehte sich auf der Stelle um und seine Augen blickten Duo neugierig an.
 
Duo setzte sein bestes unschuldiges Lächeln auf. „Melde dich,“ bat er eindringlich.
 
Heero schien immer noch verwirrt, nickte aber. Doch Duo vermutete das der Japaner wahrscheinlich nicht begriffen hatte was er damit meinte. „Wir telefonieren einmal am Tag. Mindestens!“ stellte er deshalb klar.
 
Heero zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Wieso?“ hauchte er.
 
Duo lächelte. „Weil wir Freunde sind. Und weil du nicht wieder so etwas für so lange Zeit vor mir geheim halten sollst. Ich kann dir helfen. Wozu sind schließlich Freunde da?“
 
Heero schüttelte leicht seinen Kopf. „Aber es ist doch alles geklärt und beendet,“ murmelte er.
 
Duo blickte ihm tief in die Augen. Er hätte dem anderen am liebsten groß und breit erklärt wieso noch nicht alles beendet war. Aber er wollte sich hier auch nicht als Besserwisser aufspielen. Das wäre falsch und Heero würde es ihm zu Recht übel nehmen. „Wie auch immer. Aber denke dran, ich bin immer für dich da. Und da du mein bester Freund bist, will ich genau wissen wie es dir geht.“
 
Heeros Augen verdunkelten sich kurz. „Früher hat dich das auch nicht interessiert,“ murmelte er und drehte seinen Kopf weg.
 
Duo spürte einen heftigen Schmerz in der Brust. So sah Heero die Sache also. Und er hatte noch nicht einmal unrecht damit. Duo fasste den anderen an der Schulter und versuchte sich zu erklären. „Heero es tut mir leid wenn ich nicht immer alles gegeben habe um die Freundschaft aufrecht zu erhalten. Du kennst mich doch, ich bin meist mit mir selbst beschäftigt. Und um ehrlich zu sein, ich hab Gordon nie ausstehen können. Und meine Abneigung ihm gegenüber hat mich leider auch einen großen Bogen um dich machen lassen. Dafür entschuldige ich mich. Und ich will versuchen das wieder gerade zu biegen. OK?“
 
Heero zögerte kurz. Doch dann nickte er.
 
Duo war erleichtert. Eine der Hürden war geschafft. „Also dann ist es gebongt. Wir telefonieren jeden Tag.“ Als Heero protestieren wollte fügte Duo schnell grinsend hinzu, „Oder ich hetze doch Quatre auf dich. Spanische Inquisition, du erinnerst dich?“
 
„Ok, ich gebe auf,“ sagte Heero, doch im Gegensatz zu seinen Worten lächelte er. Ein Lächeln das Duos Herz erwärmte.
 
Dann stieg der ehemalige Wing Pilot in die Limousine. Duo stand noch eine Weile vor dem Winner Anwesen und winkte dem Auto hinterher. Es tat weh den anderen wegfahren zu sehen. Aber Duo würde ja jetzt sein bestes geben damit er ihn wieder bekam.
 
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So einen Shuttleflug hatte Duo noch nie erlebt. Normalerweise war er immer recht angespannt – weil er es einfach nicht mochte wenn jemand anderes als er selbst ein Raumschiff steuerte in dem er sich befand. Und deshalb war er meist während des Fluges sehr hibbelig und nervös.
 
Dieses mal hatte er sich vorgenommen die drei Stunden Flugzeit zu nutzen. Er wollte den ‚Wie erobere ich Heero zurück’ Plan genau ausarbeiten. Deshalb hatte er sofort nach dem Start sein Notebook geöffnet um sich genaue Notizen zu machen. Aber für einige Minuten hatte er nur starr auf die leere Seite des neuen Dokumentes gestarrt.
 
Dann hatten seine Finger automatisch mit dem Schreiben angefangen. Nur leider nicht mit den Notizen sondern mit dem nächsten Kapitel seines Buches. Eigentlich wollte er das nicht – er hatte immerhin etwas viel wichtigeres zu tun, doch plötzlich war sein Gehirn nur noch voll mit den Geschehnissen in seiner Geschichte. Und er musste es niederschreiben, sonst würde er es womöglich vergessen.
 
Wahrscheinlich war es einfach nur das sich sein Gehirn mit etwas ‚leichterem’ beschäftigen wollte als mit seiner Beziehung zu Heero. Aber was es auch immer war, es hatte ihn voll in Besitz genommen. Duo bemerkte gar nicht wie die Zeit verging und plötzlich wurde schon die Landung angekündigt. Und das Kapitel war bereits fertig, er hatte sogar schon mit dem nächsten angefangen.
 
Nun, er war noch nie ein wirklich langsamer Schreiber gewesen. Sobald er sich dazu durchgerungen hatte an einem Kapitel zu arbeiten, schaffte er auch relativ viele Seiten in einem Durchgang. Aber ein ganzes Kapitel in weniger als drei Stunden? Während eines Shuttlefluges? Das war ihm noch nie passiert.
 
Und es juckte weiter in seinen Fingern, er hätte fast auch während der Taxifahrt zu seiner Wohnung weiter getippt, doch der mitteilungsbedürftige Taxifahrer hielt ihn davon ab.
 
Trotzdem, sobald er seine Wohnung erreicht hatte, fuhr er seinen Notebook wieder hoch. Seine Tasche mit den Klamotten pfefferte er einfach in eine Ecke. Er hielt sich nur noch für ein paar weitere Sekunden vom Schreiben ab um sich eine Flasche mit Cola und eine Mega-Packung mit Chips zu besorgen. Danach fing er wieder wie im Rausch an zu tippen.
 
Es war unglaublich. Er arbeitete die ganze Nacht durch. Verwundert blickte Duo auf all die Seiten die er fertig gestellt hatte. Fünf ganze Kapitel. Und sie waren gut, wie er beim nochmaligen durchlesen feststellte. Witzig und spannend, die Leser würden es lieben.
 
Nur etwas war merkwürdig. In die letzten Kapitel hatte sich eine aufblühende Beziehung zwischen seinen zwei Hauptcharakteren eingeschummelt. Das hatte Duo niemals geplant – schließlich schrieb er keine Romanzen. Aber es war da und er musste erstaunt zugeben dass es wunderbar in die Geschichte passte. Und dass es scheinbar schon in früheren Kapiteln entsprechende Hinweise darauf gegeben hatte. Duo wunderte sich über sein Unterbewusstsein. Doch da diese Beziehung so stimmig war und so gut in die Geschichte passte hatte er beschlossen es drin zu lassen. Er war zwar gespannt was Dan davon halten würde, aber er würde es auf keinen Fall mehr ändern.
 
Duo gähnte heftig als er alle fünf Kapitel zu Dan schickte. Er war zufrieden mit sich. Zwar war er keinen Schritt mit seinem Plan weiter gekommen, aber er war nicht unproduktiv gewesen. Und mit soviel Stoff würde Dan ihn die nächsten Wochen auch erst einmal in Ruhe lassen. Zeit die Duo definitiv für Heero nutzen würde.
 
Er gähnte noch einmal und kroch dann zu seinem Bett. Es wurde Zeit das er etwas Schlaf nachholte.
 
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„Ich bin begeistert. Hab ich schon gesagt wie begeistert ich bin?“ Dans aufgeregtes Gesicht strahlte Duo über das Vidphone entgegen.
 
Es war inzwischen später Nachmittag und Duo fühlte sich wieder halbwegs lebendig. Er schlürfte seinen Kaffee und mümmelte an seinem Frühstücksmüsli während er Dan zuhörte. Sein Lektor hatte ungefähr zwanzig Mal während des Tages angerufen, aber Duo hatte erst jetzt die Energie gefunden den Anruf entgegen zu nehmen. Er seufzte, sein Tagesrhythmus schien total durcheinander gekommen zu sein, er hoffte das dies nicht zu einem Dauerzustand würde.
 
„Die Kapitel sind wunderbar, Duo. Ich hab fast nichts daran zu korrigieren. Und die Geschichte wird mit jeder Seite besser.“
 
Duo grinste. Sein Freund neigte zwar oft dazu aufgeregt zu sein, aber so hoch lobte er seine schriftstellerischen Ergüsse selten. Meistens fand Dan immer ganz viele Dinge die noch verändert werden mussten, aber das war ja auch sein Job.
 
„Schön das es dir gefällt.“
 
„Gefallen? Ich bin begeistert! Deine Leser werden es lieben.“
 
„Und du hast nichts gegen die neue Entwicklung zwischen…“
 
Dan ließ ihn erst gar nicht ausreden. „Im Gegenteil. Genau das ist es was deinen Büchern bisher immer gefehlt hat. Jede Geschichte verträgt etwas Romantik. Und wir können gern eine Wette darüber abschließen wie viele deiner Leser behaupten werden sie hätten diese Beziehung schon im letzten Buch kommen sehen.“ Dan grinste von Ohr zu Ohr.
 
„Ok, dann lassen wir es drin,“ erklärte Duo.
 
„Drin lassen? Es stand nie zur Debatte es wieder raus zu nehmen. Mach auf diesem Niveau weiter und ich garantier dir das sich dieses Baby noch besser verkaufen wird als deine politischen Werke.“
 
„Uff,“ war Duos einziger Kommentar. „Und das alles nur wegen einem Schuss Liebesgeschichte?“
 
Dan grinste wieder. „Nicht nur. Du erinnerst dich doch das ich dir von dem Konzern erzählt habe der die Rechte an deinem Buch kaufen will?“
 
Duo nickte begeistert. „Ja, wegen dem Film.“
 
„Unter anderem. Wie auch immer, sobald die mit ihren Plänen loslegen wirst du und deine Bücher in jedem Munde sein. Das wird die beste Publicity die wir uns ausdenken können. Und vollkommen umsonst für uns.“
 
„Wie geht’s denn mit den Verhandlungen voran?“ erkundigte sich Duo.
 
„Recht gut. Allerdings möchten die Verantwortlichen unbedingt den Schriftsteller Max Samuel kennen lernen.“
 
„Dan, ich möchte eigentlich nicht das bekannt wird das ich das bin.“
 
„Ich weiß Duo. Aber an diesem Punkt lassen sie nicht mit sich verhandeln. Zumindest einmal wollen sie den Schriftsteller treffen. Ansonsten könnte der Vertrag platzen. Ich habe mir etwas überlegt. Wir könnten sie verpflichten Stillschweigen über deine Identität zu halten. Du triffst sie einmal, bezirzt sie mit deinem Charme und wir haben einen Multimillionenvertrag in der Tasche. Außerdem zahlen sie für den Flug nach Kalifornien,“ versuchte Dan es ihm schmackhaft zu machen.
 
Duo musste gar nicht lang überlegen. Es ging nicht um das Geld, er besaß sowieso mehr als er ausgeben konnte. Aber die Idee das sein Buch verfilmt werden sollte gefiel ihm. Und das mit dem Stillschweigevertrag hörte sich gut an. „OK, machen wir es so. Wann soll das Treffen denn sein?“
 
„Ach wir haben noch einige Details zu klären. Vielleicht in ein paar Wochen.“
 
Plötzlich machte es in Duos Gehirn klick. Kalifornien! Wieso war ihm das nicht früher eingefallen? „Du Dan, ich muss leider Schluss machen, ich hab noch was wichtiges zu erledigen,“ sagte er. Dann verabschiedete er sich schnell von seinem Freund.
 
Das war die Idee. So simpel und einfach, wieso war er nur nicht vorher darauf gekommen? Er besaß ja immer noch die Hälfte an ihrem alten Apartment. Sie waren nie dazu gekommen es zu verkaufen. Sicher Heero wohnte schon lange nicht mehr darin – er und Gordon waren kurz nach dem ersten Erfolg mit Deathscythe in eine Villa gezogen. Aber das Apartment war immer noch in der gleichen Stadt wie Heero.
 
Er würde dem anderen bescheid sagen das er aus Recherchegründen und weil er einen wichtigen Termin wegen seines neuen Buches in der Stadt hatte, für ein paar Wochen vorbei kommen würde. Und das war noch nicht einmal gelogen.
 
Sich bei Heero einzunisten wäre vielleicht zu aufdringlich. Aber wenn sie in der gleichen Stadt waren, dann wäre es nur zu verständlich wenn sie sich oft sahen. Duo kannte da schließlich außer Nadine niemand sonst. Er würde sooft wie möglich Zeit mit Heero verbringen. Duo lächelte. Sein Plan nahm langsam Gestallt an.
 
Aber bevor er das in die Tat umsetzen wollte, musste er noch mehr Informationen sammeln. Er hatte beschlossen es zu einer Mission zu machen. Und er musste mehr über Heero wissen. Er erinnerte sich noch mit grausen daran wie sie sich früher gestritten hatten. Wegen dem Rollenspiel, wegen eigentlich allem.
 
Immerhin war es ein sehr wichtiger Teil von Heeros Leben. Duo musste mehr davon wissen. Er hatte früher immer vehement dagegen protestiert, aber ihm wurde bewusst das die meisten seiner negativen Gefühle ihre Wurzeln in seinem damaligem Frust gehabt hatten. Er würde jetzt versuchen eine neutralere Meinung dazu zu bilden. Mit ‚lerne ihn wieder kennen’ hatte Nadine sicher auch das gemeint.
 
Frohen Mutes machte sich Duo daran die einzelnen Punkte seines Schlachtplans auszuarbeiten. Diese Mission würde nicht fehlschlagen. Dafür würde er schon sorgen!
 
 
Kapitel 9
 
„Hi Heero,“ Duo lächelte in die Kamera des Vidphones.
 
„Hn!“ antwortete Heero. Der ehemalige Wing Pilot sah etwas verschlafen aus. Schwarze Schatten waren unter seinen Augen und seine Haare waren noch mehr durcheinander als normalerweise.
 
Duo fragte sich kurz ob er den anderen wohl aus dem Schlaf gerissen hatte, aber das konnte nicht sein. Er hatte an die Zeitdifferenz gedacht und es müsste jetzt eigentlich früher Abend bei Heero sein. „Gesprächig wie immer Heero,“ grinste Duo und zog den anderen scherzhaft auf.
 
„Hn!“ kam es von Heero zurück, aber ein leichtes Lächeln hatte sich auch auf dessen Gesicht gewagt.
 
Innerlich seufzte Duo. Was hatte er sich früher darüber aufgeregt das Heero nicht so gesprächig war. Wenn er daran zurück dachte dann fühlte er sich echt wie ein großer Idiot. So war Heero nun mal. Schließlich konnte nicht jeder ein so großes Plappermaul sein wie er selbst. Und Heero hatte sich nach dem Krieg wirklich gebessert, hatte sich mehr geöffnet. Das er trotzdem nicht gegen seine Natur ankam und sich vollkommen veränderte war doch eigentlich nur richtig. Und außerdem, Gegensätze zogen sich doch an, wieso nur hatte er damals noch mehr Veränderungen von Heero erwartet?
 
Doch dann überraschte ihn Heero plötzlich indem er ihn mit einer Frage aus seinen Gedanken riss: „Wie war dein Shuttleflug?“ Duo war echt erstaunt. Das Heero von sich aus das Gespräch wieder aufnahm – das musste einfach ein gutes Zeichen sein.
 
„War ganz in Ordnung. Um ehrlich zu sein, ich habe kaum etwas mitbekommen. Ich habe wie ein wilder geschrieben. Was sehr gut war.“
 
„Weil du dann keine Zeit hattest dich über den Piloten aufzuregen?“ vermutete Heero.
 
Duo schüttelte leicht den Kopf und winkte ab. „Ach das auch. Aber vor allem weil ich so produktiv war. Mein Agent war vollkommen aus dem Häuschen.“
 
Heero zog erstaunt eine Augenbraue nach oben. „Und das ist was gutes?“
 
Duo nickte bestätigend. „Etwas sehr gutes. Als Autor sollte man immer dafür sorgen das der Agent zufrieden ist. Mir wurde schon mit täglichen Kontrollanrufen und der Peitsche gedroht falls ich das angekündigte Kapitel nicht bis Donnerstag fertig habe.“
 
Heeros Schultern zuckten und Duo bemerkte das der andere sehr hart versuchte ein Kichern zu unterdrücken. Das war gut, Heero wirkte sehr viel besser wenn er lachte. „Und wie war es bei dir? Ist dein wichtiges Geschäftsessen gut verlaufen.“
 
Ein Nicken war die Antwort. Dann fügte Heero noch hinzu. „Alles lief wie geplant. Nur bin ich furchtbar müde.“
 
Das verwunderte Duo nun wirklich. Nicht das Heero zugab müde zu sein, schließlich sah er auch so aus. Nein aber die Tatsache an sich. Er selbst war auch müde, aber er hatte zwei Nächte gar nicht geschlafen und auch heute geackert wie blöde. Heero hingegen sollte nach dem trotz allem recht erholsamen Wochenende bei Quatre alles andere als müde sein.
 
Duo runzelte die Stirn. „Hast du etwa schon wieder die Nächte durch programmiert?“
 
So etwas wie ein sehnsüchtiger Ausdruck erschien auf Heeros Gesicht. „Es wäre schön wenn ich hätte programmieren müssen. Aber das hab ich schon seit Monaten nicht mehr getan.“
 
„Hä?“ war alles was Duo hervorbringen konnte. Er starrte sein Gegenüber vollkommen verwirrt an.
 
„Ich… also ich muss mich doch jetzt mehr um die Firma kümmern. Gordons Ausscheiden hat einige Mitglieder meines Aufsichtsrates besorgt. Ich muss jetzt auch seine Aufgabe übernehmen, dafür sorgen das es bei Wing nach meinem Willen geht.“
 
Duo runzelte die Stirn. „Das kann ich zwar schon verstehen, aber Heero du bist doch in dem Sinne kein Geschäftsmann. Das Entwickeln von den Spielen ist es was dir am meisten Spaß macht. Nicht sich mit dem Aufsichtsrat herum zu schlagen.“
 
Heero wiegte mit dem Kopf. „Schon. Aber Wing ist mein Baby. Ich kann da nicht andere Leute die Entscheidungen treffen lassen. Oder ich lauf Gefahr das diese Entscheidungen nicht in meinem Sinne sind.“ Er machte eine kurze Pause. „Du glaubst gar nicht wie viel da zu tun ist. Ohne meine Assistentin wüsste ich echt nicht mehr wo mir der Kopf steht.“
 
„Wieso denn?“ hakte Duo nach. „Im Grunde musst du es doch nicht selber machen, sondern nur noch zum Schluss kontrollieren. In Ordnung das ist sicher auch viel Arbeit.“ Duo dachte daran wie oft sich Quatre über die Arbeit als Vorstandsvorsitzender von WEI beschwerte. „Aber es sollte dich nicht völlig auffressen und dich von den Sachen abhalten die du magst.“
 
„Ich weiß nicht. Bei einigen der Vorstandsmitglieder bin ich mir nicht so sicher. Die waren immer Gordons Meinung. Wenn ich nicht aufpasse leiten die Wing in eine Richtung die mir nicht behagt.“
 
Duo zuckte mit den Achseln. „Dann schieß die einfach raus.“
 
Heero starrte ihn mit offenem Mund an, brachte aber kein Wort hinaus.
 
„Ich mein, du besitzt jetzt wie viel Prozent von Wing?“
 
„Einundsechzig,“ antwortete Heero monoton.
 
„Siehst du, dir gehört die Mehrheit. Was du willst ist Gesetz. So wie ich das verstanden habe ist der nächstgrößere Anteilseigner sowieso Quatre und der würde dir eh nicht in die Führung der Firma reinreden. Also befrei Wing von den störenden Einflüssen.“
 
„Aber ich kann doch nicht einfach jemanden herausschmeißen nur weil er eine andere Meinung hat als ich. Die Arbeit die sie leisten ist einwandfrei. Und was wird erst für eine Unruhe entstehen wenn ich den halben Vorstand austausche?“
 
Duo rollte mit den Augen. Wie kam es eigentlich das er mehr Ahnung von der Hochfinanz hatte als Heero? „Sieh das doch nicht so tragisch. Der entsprechende bekommt ein Superzeugnis, eine hervorragende Abfindung und wird wahrscheinlich innerhalb von zwei Wochen bei einer anderen großen Firma im Vorstand sitzen. Das passiert tagtäglich in den Konzernen.“
 
„Hn,“ grummelte Heero, der noch nicht so recht überzeugt schien.
 
„Ehrlich. Ab einer gewissen Führungsposition sind solche Wechsel vollkommen normal. Und du musst ja auch nicht alle austauschen. Nimm dir den größten Störenfried vor und statuier an ihm ein Exempel. Tausch ihn gegen einen begabten jungen Manager aus – meinetwegen auch frisch von der Uni. Auf jeden Fall jemand der bisher noch nicht bei euch gearbeitet hat und deshalb vollkommen unbelastet in diese Position gehen kann. Ich garantier dir, danach hast du nicht mehr so viele Probleme mit dem Aufsichtsrat. Du musst ihnen zeigen welchen Weg die Firma gehen wird.“
 
Heero zog fast ironisch seine Augenbraue hoch. „Und du glaubst diesen Jungspund müsste ich nicht kontrollieren?“
 
Duo wiegte seinen Kopf hin und her. „Natürlich musst du das. Aber du musst auch lernen zu delegieren. Schau dir Quatre an. Der hat seine Finger auch nicht in jedem einzelnen Bereich von WEI. Das kann er gar nicht. Zum einen würde er dadurch wahnsinnig werden, zum anderen würde sich Trowa nach ein paar Wochen scheiden lassen. Da wette ich mit dir. Kümmere dich nur um die große Richtung der Firma und nicht um jede kleine Einzelheit. Wie gesagt das Zauberwort heißt Delegieren.“
 
„Und wie soll ich das anstellen?“ Heero klang immer noch sehr zurückhaltend.
 
Das konnte Duo verstehen. Nachdem wie sehr ihn Gordon betrogen hatte musste es dem ehemaligen Wing Piloten schwer fallen die Kontrolle wieder aus seiner Hand zu geben. Er musste ja vermuten wieder betrogen zu werden. Aber trotzdem musste er auch einsehen das er sich auch nicht vollkommen von dem Teil der Arbeit abscheiden durfte der ihm am meisten Spaß machte. Wing war zwar sein Baby, aber das betraf eigentlich eher die Softwareentwicklung. Duo konnte sich nicht vorstellen das Heero wirklich Lust auf Verwaltungs- oder Marketingfragen. Er fuhr sich nachdenklich mit der Hand über das Kinn. „Hmmm, lass mich überlegen. Deine Assistentin…“
 
„Gwen!“
 
„Ok, Gwen. Kannst du ihr trauen?“
 
„Ja,“ kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. Scheinbar hatte Heero doch noch nicht allen das Vertrauen entzogen. „Sie war diejenige die mich als erstes auf Gordons Machenschafen aufmerksam gemacht hat,“ murmelte Heero noch leise hinzu.
 
„Gut. Dann hast du deine Antwort.“ Auf Heeros fragenden Blick hin erklärte Duo weiter. „Befördere sie. Mach sie zu einem Vorstandsmitglied. Oder zur Super-Duper-Ober-Geschäftleitungs-Assistentin oder wie man das auch immer nennen mag. Lass sie das machen was du jetzt machst und nur noch die wirklich wichtigen und für dich interessanten Punkte an dich weiter leiten.“
 
„Ich... ich weiß nicht.“
 
Duo lächelte leise. „Heero, ich will dich doch zu nichts drängen und du sollst auch nichts übereilen. Aber überleg dir die ganze Sache. Und rede noch einmal mit Quatre. Vielleicht hat der ja Ideen die mehr auf Erfahrung basiert sind. Aber was immer du auch tust, zieh dich nicht völlig aus der Softwareproduktion zurück. Deine Fans würden das nicht gerne sehen.“
 
„Wirklich?“
 
„Klar, die sind doch alle hin und weg von deinen Spielen. Apropos, kannst du mir einen Gefallen tun?“
 
Heeros Augenbraue fuhr fragend nach oben.
 
„Ich bräuchte zwei Exemplare von Deathscythe mit Autogramm von dir.“
 
„Wozu brauchst du das denn?“ Heero schien jetzt ehrlich erstaunt.
 
Duo grinste von Ohr zu Ohr. „Du glaubst es nicht. Aber ich brauche für mein neues Projekt die Unterstützung von einem Informanten. Und ich muss den Bestechen. Und da die Tatsache das ich ‚Duo Maxwell der Bestseller Autor’ bin weniger zählt als ‚Duo Maxwell der Freund von Heero Yuy – dem Erfinder von Deathscythe’ konnte ich den Informanten nur mit Autogrammen von dir ködern. Hilfst du mir?“ Duo setzte seinen besten Hundewelpenblick auf.
 
Dabei musste Duo fast ein Schmunzeln verbergen. Was Heero wohl sagen würde, wenn er wüsste das dieses Projekt ihre Beziehung war. Duo hatte sich ja dazu entschlossen mehr über Rollenspiele herauszubekommen – zur Informationsbeschaffung. Und er hatte auch recht schnell jemanden gefunden der Einsteigerspiele für interessierte anbot. Und der das sogar noch diese Woche noch anbot. Aber leider hatte er schon fünf Leute zusammen und meinte das es ihm zuviel würde wenn noch jemand dazu stoßen würde. Duo könnte ja die Woche darauf mitmachen. Aber das war Duo eindeutig zu spät gewesen. Und so hatte er sein bestes versucht. Aber nichts hatte gefruchtet. Duo war schon fast verzweifelt gewesen, als der Typ sagte das ihm sein Name bekannt vorkam. Ob er nicht ein Gundam Pilot gewesen wäre, ein Freund von Heero Yuy. Dem „Gott“ der Rollenspielszene. Von da an waren die Verhandlungen ganz einfach.
 
Heero schaute immer noch ein wenig verwirrt, aber dann lächelte er leicht. „Klar helfe ich dir. Ich werde gleich zwei Exemplare zu dir schicken lassen. Daran sollen deine Recherchen nicht scheitern.“
 
Duo strahlte. „Super. Das ist echt nett von dir.“
Heero errötete bei dem Lob leicht und versuchte abzuwinken. „Keine Ursache. Ich bin schon richtig gespannt darauf was dieses Projekt ist. Wann werden wir denn mehr davon erfahren?“
 
„Öhm,“ Duo pustete verlegen seine Ponyfransen hoch. „Bald. Da kannst du ganz sicher sein,“ wich Duo aus. Manchmal konnte es schon ziemlich anstrengend sein nicht zu lügen.
 
Danach plätscherte ihr Gespräch für einige Minuten vor sich hin, bis sie beschlossen es für heute gut sein zu lassen. Immerhin hatten sie jetzt auch schon mehr als eine halbe Stunde miteinander geredet, wie Duo mit einem Blick auf die Uhr erstaunt feststellte. Eine halbe Stunde reden mit Heero, das war doch schon mal ein sehr guter Anfang, wie Duo fand. Er gestand sich zwar gerne ein das er da nicht besonders objektiv war und vielleicht versucht war überall ein positives Zeichen drin zu sehen, aber trotzdem wirkte es nicht so, als wenn sich Heero zu dem Gespräch wirklich hätte groß überwinden müssen. Eher im Gegenteil.
 
Duo freute sich schon auf die nächsten Fortschritte bei seinem Projekt.
 
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Zwei Tage später kam Duo vollkommen nachdenklich nach Hause zurück. Er schüttelte seinen Kopf und war kurz davor sich selbst in den Hintern zu beißen. Erschöpft ließ er sich auf das Sofa fallen, schnappte sich eines der Kissen, welches er dann fest an sich drückte, und dachte über den Abend und was alles passiert war nach.
 
Heute war der große Abend gewesen. Er hatte sich in die in die Rollenspiel Welt begeben. Und zu sagen dass ihm das seine Augen geöffnet hatte, war gelinde gesagt eine Übertreibung.
 
Frustriert war er fast soweit mit der Faust in das Kissen zu schlagen stattdessen kuschelte er sich lieber noch dichter daran. Und er fragte sich wieder und wieder wie er nur so arrogant und voreingenommen hatte sein können.
 
Ja, er hatte sich in die Rollenspiel Welt gewagt. Nicht weil er es wirklich wollte, sondern weil er dachte das er endlich mal mehr Informationen darüber sammeln musste. Warum war er nicht schon vor sieben Jahren auf diese Idee gekommen?
 
Es hatte ganz harmlos angefangen. Frank, so hieß der Spielleiter, hatte den Anfängern alles ganz genau erklärt. Duo hatte sich am Anfang etwas fehl am Platz vorgekommen. Die anderen Neulinge waren ein wenig jünger und er war ja nicht wirklich begeistert von der Idee gewesen.
 
Aber dann hatte er sich auch davon gefangen nehmen lassen. Frank war aber auch ein super Spielleiter, diesen Eindruck hatte Duo zumindest. Es fing damit an, dass er ihnen ein paar allgemeine Dinge über die Welt erzählte in der ihr Abenteuer stattfinden sollte. Er erklärte was es dort für Völker gab, welche Freundschaften und welche Feindschaften.
 
Nach dieser kurzen Einführung fragte er alle welchen Charakter sie sich ausgesucht hatten. Anscheinend hatte er das den anderen als Aufgabe gegeben. Zusammen gingen sie dann alle positiven und negativen Eigenschaften dieses Charakters durch. Das war spannender als Duo es erwartet hätte. Vielleicht weil ihm da schon klar wurde, das er mit den anderen ja zusammen arbeiten musste um das Abenteuer zu bestehen.
 
Als es darum ging das er seinen eigenen Spielcharakter benennen sollte, da hatte Duo kurz seine berühmte Fischimitation vorgeführt. Diese spezielle Vorbereitungsaufgabe hatte er natürlich vollkommen vergessen. Ein weiteres Indiz dafür dass er unbewusst immer noch etwas gegen Rollenspiele hatte.
 
Schnell hatte er versucht sich etwas auszudenken. Da er zwar ein Fantasy Autor war, sich aber in dieser speziellen Welt nicht so besonders gut auskannte – immerhin war er ja ein Anfänger – wollte er seinen Charakter nicht von einem anderen Volk sein lassen. Mensch sollte für ihn noch am einfachsten nachzuvollziehen sein.
 
Seine Figur war dann ein junger Mann, der als Weise auf der Straße aufgewachsen war und sich mit Diebstählen übers Wasser gehalten hatte. Duo war klar wie unheimlich erfinderisch er bei dieser Auswahl gewesen war. Aber die anderen und besonders Frank schienen sich nicht daran zu stören. Er meinte sogar dass ein Dieb der Runde noch gefehlt hatte.
 
Und dann ging es los.
 
Duo hätte nicht wirklich sagen können was er genau erwartet hatte. Aber auf keinen Fall das was tatsächlich passierte. Frank erzählte mit seiner beruhigenden Stimme wieder von der Welt und wie sich die Helden – alle aus ihrer Anfänger Runde – trafen. Und wie sie sich zusammentaten um eine Aufgabe zu erfüllen.
 
Sie sollten ein Amulett finden das irgendwo in einem Bergmassiv vermutet wurde. Und dazu mussten sie jemanden in einer anderen Stadt kontaktieren. Doch dann ging plötzlich alles aus dem Ruder. Sie trafen ihre Kontaktperson nicht an, stattdessen wurde der Hexe aus ihrer Runde der Besen gestohlen. Und plötzlich waren sie nicht mehr mit ihrer eigentlichen Aufgabe beschäftigt sondern damit den Besen zurück zu bekommen.
 
Duo bemerkte es gar nicht, wie sehr er schon von dieser Geschichte gefangen genommen wurde. Innerhalb kürzester Zeit waren sie alle um den Tisch dabei das Spiel zu spielen. Diskutierten was sie tun sollten, probierten dieses und jenes aus und hatten einfach Spaß. Anders konnte Duo es nicht beschreiben.
 
Dann, als sie endlich den Besen zurück erobert hatten, beendete Frank das Spiel. Vollkommen erstaunt bemerkten alle Teilnehmer das vier Stunden vergangen waren. Und sie waren diese Stunden tatsächlich in dieser anderen Welt gewesen.
 
Sofort hatte sich eine lebhafte Diskussion entfacht, wo noch einmal der Abend reflektiert wurde. Alle hatten Spaß gehabt, zumindest wenn das Glitzern in den Augen der anderen eine Indikation gewesen war.
 
Aber Duo war da schon seltsam ruhig gewesen. Denn ihm war schlagartig einiges klar geworden. Ihm war aufgefallen das sie während des gesamten Spiels nicht ein einiges mal gekämpft hatten. Ihm war erst zum Schluss aufgefallen das sie noch nicht einmal Waffen besessen hatten. Frank hatte im Nachhinein erklärt dass er dieses spezielle Szenario genau deshalb ausgewählt hatte. Damit sie als Neulinge sich erstmal nicht mit kämpfen aufhalten mussten.
 
Nicht nur das sie keine Waffen hatten, das Abenteuer war auch sonst ziemlich unblutig verlaufen. Der einzige böse Gegner – ein Feuerdämon – entpuppte sich als Illusion die von einem Zauberer als Diebstahlsschutz erdacht worden war. Und besiegt hatten sie es durch mehrere Eimer mit Wasser. Überhaupt, der Diebstahl war auch nicht bösartig gewesen, sondern von einem verschreckten Kind verübt worden, das den Zauberbesen des Magiers aus versehen zerbrochen hatte und für Ersatz sorgen musste.
 
Aber das war eher nebensächlich, auch wenn die Geschichte an und für sich sehr schön war. Nein was Duo so erstaunte, oder eher absolut plättete, war das er erkannte was Heero denn an diesen Spielen so toll fand.
 
Und es war sicherlich nicht die „Mordlust“ wie es Duo ihm vor so vielen Jahren in seiner Ignoranz vorgehalten hatte. Nein, er wusste jetzt genau was es war. Es war die Art und Weise wie dieses Spiel funktionierte.
 
So wie ihre Gruppe da um den Tisch stand und beratschlagte was zu tun war, im Geiste dieses und jenes ausprobierte, das war genauso wie sie damals ihre Missionen im Krieg geplant hatten. Sie hatten sich immer alle Informationen besorgt und dann alle Szenarien durchgespielt. Versuchten dabei immer den besten Weg zu finden.
 
Sie hatten damals sogar manchmal Spaß dabei gehabt. Es ging zwar um etwas Ernstes und ihr „Spiel“ wurde nur zu schnell bittere Realität. Aber das zusammenarbeiten, das war immer schön gewesen.
 
Kein Wunder das Heero sich davon faszinieren ließ. Das war etwas das er kannte, wo er gut drin war. Und Duo wurde klar das das ganze Setup genau richtig für Heero war. Er konnte mit anderen Menschen agieren, aber musste nicht sofort zuviel von sich selbst preisgeben. Denn es war ja nicht „er“ sondern sein „Charakter“ der handelte. Das war so etwas wie eine zusätzliche Schutzmauer für Heero.
 
Ja, wenn Duo genau darüber nachdachte, dann war das sicherlich das allerbeste was Heero überhaupt passieren konnte. Er konnte sich nicht vorstellen das der Wing Pilot auf irgendeiner anderen Ebene so schnell Kontakte zu Menschen, die nicht zu seiner extrem exklusiven Gruppe an Freunden gehörten, gefunden hätte. Auf diese Weise konnte er sich langsam annähern, konnte mit den anderen agieren, hatte aber immer noch seine kleine Schutzmauer hinter der er sich zur Not zurückziehen konnte.
 
Und Heero hatte ja versucht dies mit ihm zu teilen. Doch Duo war viel zu verbohrt und mit seinen eigenen Problemen beschäftigt gewesen. Kurz fragte sich Duo was wohl passiert wäre wenn er damals nur ein einziges Mal nachgegeben hätte. Ob er sich wohl wirklich darauf eingelassen und bemerkt hätte um was es Heero wirklich ging? Oder hätte er auf stur geschaltet und sich geweigert es gut zu finden?
 
Duo konnte es ehrlich nicht sagen. Wenn er an damals zurück dachte, dann kam er sich selbst beinah wie ein Fremder vor. Er hatte Dinge getan die er jetzt zutiefst bedauerte und von denen er sich fragen musste wie dumm er damals nur hatte sein können. Und in seiner Dummheit, Frustration und Arroganz hatte er es geschafft Heero zu verlieren.
 
Duo wollte nicht mehr darüber nachdenken. Er wusste jetzt was er alles verkehrt gemacht hatte. Und er wusste dass er es nicht rückgängig machen konnte. Er konnte nur versuchen Heero neu zu erobern.
 
Ein halbes Lächeln erschien auf Duos Gesicht. Entschlossen klopfte er auf das Kissen. Er würde sich diese neue Chance diesmal sicher nicht entgehen lassen. Es war gut dass er einsah was er damals alles falsch gemacht hatte, aber er würde deswegen jetzt nicht in Depression verfallen. Im Gegenteil er würde dieses Wissen jetzt zum positiven nutzen. Die Mission Heero würde jetzt ins nächste Level gehen.
Kapitel 10
 
 
Voller Erwartung wählte Duo eine Nummer die er inzwischen sogar im Schlaf tippen konnte. Er war ziemlich aufgeregt – obwohl aufgeregt beschrieb es nicht wirklich. Er war erwartungsfroh, ja genau, dass passte besser. Heute würde es endlich mit seinem Plan einen Schritt voran gehen.
 
Die letzten zwei Tage hatte er sich noch zurückgehalten. Zum einen brauchte er immer noch Zeit um über die ganze Rollenspielsache und seiner Erkenntnis danach fertig zu werden, zum anderen wollte er es auch nicht zu schnell forcieren. Das könnte Heero misstrauisch machen und damit alles ruinieren. Aber ein gutes hatte es gehabt, er hatte etwas mehr über den nächsten Schritt nachdenken können.
 
Schon nach dem dritten Klingeln wurde die Verbindung aufgebaut und Duo bekam Heeros Gesicht auf dem Vidphone zu sehen. Automatisch machte sich ein warmes Lächeln auf Duos Gesicht breit. Er freute sich immer wieder den anderen zu sehen. „Hallo Heero,“ grüßte er.
 
Er konnte sich das ja vielleicht nur einbilden, aber für eine Sekunde sah es so aus, als wenn Heero auch lächeln würde. Zumindest sahen seine Augen etwas fröhlicher aus. „Hallo Duo, wie ich sehe bist du pünktlich.“
 
Duo grinste. Er hatte die letzten Tage immer zur gleichen Zeit angerufen, und Heero hatte das jetzt sicher schon als festen Punkt in seinen Tagesplan eingefügt. „Aber natürlich. Und wie geht es dir, Heero?“
 
Diese Frage hatte er seinem Freund jetzt schon öfter gestellt, doch heute überraschte ihn Heeros Antwort ein wenig. Heero stockte für einen Moment, dann nickte er kurz und sagte schlicht, „Besser.“
 
Duo zog seine linke Augenbraue hoch, dann begutachtete er seinen Freund genauer. Und tatsächlich die dunklen Augenringe waren verblasst, er sah insgesamt wacher und weniger fertig aus. ‚Besser’ schien eine adäquate Beschreibung von Heeros Zustand zu sein. Das freute Duo mächtig. „Das ist toll, Heero. Wie kommts?“
 
„Ich habe deinen Ratschlag befolgt.“
 
 Duo zwinkerte. „Welchen von den vielen?“ Er konnte es einfach nicht lassen das zu fragen. Immerhin wollte er doch wissen was Heero denn nun geholfen hatte.
 
„Nun, ich habe mit Gwen geredet. Habe sie gefragt ob sie bereit ist eine höhere Position einzunehmen.“
 
„Lass mich raten, sie war begeistert von der Aussicht auf eine Beförderung?“ scherzte Duo.
 
„Hn, dass damit auch eine ordentliche Gehaltserhöhung verbunden ist hat ihr auch zugesagt,“ antwortete Heero mit einem Lächeln in der Stimme. „Nein im ernst. Sie war davon begeistert endlich mal mehr leisten zu können. Und damit hat sie eigentlich Recht, sie ist seit Anfang an dabei, sie kennt die Firma fast so gut wie ich. Und auf ihr Urteil ist mehr verlass als auf meinen Aufsichtsrat. Sie wird sich gut dabei machen. Und sie hat dir im Prinzip Recht gegeben. Sie meint auch dass ich mich überarbeite und mich wieder mehr um meine eigentlichen Aufgaben kümmern sollte.“
 
„Das ist echt toll. Hoffentlich wird die Gute jetzt nicht in Arbeit untergehen.“
 
Heero wiegte den Kopf. „Ich befürchte dazu ist sie zu gut organisiert. Außerdem hat sie sich sofort aus dem Sekretärinnenpool eine eigene Assistentin besorgt. Das ist Gwen, sie fackelt nicht lange wenn etwas erledigt werden muss.“
 
Das hörte sich für Duo wirklich gut an. Die Frau schien kompetent zu sein und sie würde wahrscheinlich dem Aufsichtsrat das Fürchten lehren. „Das sind wirklich gute Nachrichten, Heero.“
 
„Ja und es ist noch nicht einmal alles. Ich habe auch mit Quatre gesprochen. Lang und ausführlich. Ich war dumm ihn nicht schon vorher um Hilfe gebeten zu haben.“
 
„Hey kein Problem, manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht Heero. Mach dir deshalb keine Vorwürfe,“ munterte Duo seinen Freund auf. Das würde ihm jetzt noch fehlen, dass sich der andere selbst zerfleischte weil er auf die naheliegendste Informationsquelle nicht gekommen war. „Ich nehme also an dass Quatre dir helfen konnte.“
 
„Sehr sogar. Obwohl er im Grunde nur noch einmal wiederholt hat was du auch schon gesagt hast.“
 
„Was soll ich sagen? Ich bin wohl ein Genie was die Leitung von Multinationalen Firmen angeht,“ kicherte Duo.
 
Heero lachte auch kurz. „Ja, sieht so aus. Vielleicht solltest du deinen Beruf als Autor an den Nagel hängen. Wie dem auch sei, Quatre hat mir ein paar gute Ratschläge zum Delegieren gegeben. Und er hat mir auch jemanden empfohlen den ich für meinen Aufsichtsrat einstellen soll.“
 
„Das ist toll. Woher kennt Quatre ihn?“
 
Heero schaute kurz zur Seite, so als wenn er von einem Notizzettel etwas ablesen würde. „Es scheint so, dass Jamie – so heißt er – nach seinem Studium bei WEI zu arbeiten angefangen hat. Er scheint ziemlich unorthodox zu sein und hat in seiner Abteilung innerhalb kürzester Zeit einiges auf den Kopf gestellt. So wurde Quatre dann auch auf ihn aufmerksam. Er hatte eigentlich vor ihn langsam aber sicher für die oberste Führungsriege von WEI vorzubereiten, meinte aber dass Jamie mehr als perfekt für Wing wäre. Es wäre zwar ein Verlust für WEI aber Quatre findet dass Jamie sicher absolut begeistert von der Aussicht wäre für Wing zu arbeiten. Was auch stimmt.“
 
Duo zog wieder seine Augenbraue hoch. „Oh, hast du ihn schon getroffen? Wieso ist dieser Wunderknabe denn so geeignet für Wing? Ich mein, gute neue Manager gibt es sicher viele?“ Duo wusste auch nicht wieso er sich jetzt so in die Defensive gedrängt fühlte. Aber ihm kam die Geschichte ein bisschen Spanisch vor. Schließlich war Heero nicht dafür bekannt zu schnell Vertrauen zu anderen Menschen zu finden.
 
„Ja, ich hab fast den gesamten Vormittag mit Jamie telefoniert. Seit dem Gespräch bin ich mir wirklich sicher dass er der Richtige für den Job ist. Quatre hatte Recht, wir werden gut zusammen arbeiten können.“
 
Das ging Duo wirklich zu schnell. Erst hatte es so lange gedauert bis er Heero davon überzeugt hatte, das dieser Hilfe brauchte. Und jetzt fand sein Freund schon beim ersten Versuch die richtige Hilfe? Natürlich glaubte Duo nicht das Quatre Heero jemandem empfehlen würde der gänzlich falsch für den Job war, aber dass Heero von heute auf morgen so eine Entscheidung fällte, das war schon komisch. „Bist du dir wirklich sicher?“ fragte Duo deshalb nach.
 
Heero nickte kurz. „Ja. Soweit ich seine fachliche Qualifikation beurteilen kann hat Quatre mir wirklich den besten empfohlen. Und Jamie ist nett wir haben uns sofort verstanden. Du weißt wie schwer das mit mir ist… Und Jamie ist nicht nur nett, er ist ein absoluter Fan von Deathscythe, was einer der Gründe ist wieso Q so überzeugt davon war das er der richtige für den Job ist. Jamie ist letztes Jahr sogar der Online-Spiel-Champion geworden und hält seitdem den Punkterekord. Wir haben sogar schon vorher miteinander per Email kommuniziert – natürlich unter seinem Spielernamen, weshalb ich ihn nicht sofort erkannt hab. Ich habe ein wirklich gutes Gefühl was Jamie angeht. Er liebt Deathscythe und versteht worum es bei dem Spiel, bei der Firma geht. Ihn werden nicht nur stumpfe Marktanteilzahlen interessieren, sondern das Spiel an sich. Ich brauchte gar nicht lang zu überlegen um ihm ein Angebot zu machen.“
 
Duos Alarmsirenen heulten auf. Dieser Jamie war also ‚nett’ und ein Fan des Spieles – sogar ein Champion was auch immer das bedeutete. Wenn er so war wie alle anderen Fans von Deathscythe dann war er sicher auch jemand der den Boden anbetete auf dem Heero wandelte. Jetzt fehlte nur noch das Jamie auch gut aussah. Das klang alles viel zu perfekt. Das klang als ob Quatre sich dabei mehr gedacht hatte als Heero nur einen guten Mitarbeiter zu empfehlen. Wenn Duo es nicht besser wüsste, dann würde er annehmen müssen, das Q versuchte Heero mit diesem Jamie zu verkuppeln. Was im Prinzip ein guter Plan wäre, man gebe Heero einen netten, passenden jungen Mann an die Seite damit sie zusammen arbeiteten und nach kurzer Zeit würde Heero sicher anbeißen. Auf so eine Idee würde Quatre garantiert kommen.
 
Aber das würde er nicht tun, oder? Er würde doch nicht wissentlich Duos Pläne torpedieren. Schließlich war er doch derjenige der auch nach sieben Jahren immer wieder versucht hatte Duo davon zu überzeugen das er sich niemals von Heero hätte trennen dürfen. Da würde er doch nicht irgend so einen perfekten Partner vor Heeros Nase setzen und damit Duos Chancen verringern? Quatre war schließlich sein Freund!
 
Aber dann wurde Duo etwas anderes bewusst. Nämlich das Q ja gar nicht wusste dass er versuchte Heero zurück zu gewinnen. Noch vor ein paar Wochen hatte er die grundsätzliche Idee weit von sich gewiesen und von seiner erschütternden Erkenntnis das er Heero noch liebte hatte er außer Janine niemandem erzählt. Also konnte es doch sein das Q da versuchte den Kuppler zu spielen. Duo schluckte schwer. Er wollte keine Konkurrenz. Und ganz sicher keine die den ganzen Tag mit Heero zusammenarbeitete und bewiesenermaßen ein Deathscythe Fan war.
 
Aber was sollte er jetzt tun? Heero die Idee ausreden, nachdem es ihn soviel Überredungskunst gekostet hatte seinen Freund davon zu überzeugen dass er Hilfe in der Firma brauchte? Sicher nicht. Der Heero mit dem er heute telefonierte war wieder fast so wie der alte. Er sah zwar immer noch etwas erschöpft und fertig aus, aber wirkte nicht mehr so als wenn er das gesamte Leid der Erde auf seinen Schultern tragen würde. Und er hatte relativ schnell Vertrauen zu einer anderen Person gefasst. Was wäre Duo für ein Freund wenn er das torpedieren würde nur weil er sich vor ein wenig Konkurrenz fürchtete?
 
Ganz sicher nicht! Duo seufzte. Dann würde er sich halt etwas mehr anstrengen müssen. Es war sowieso Zeit für den nächsten Schritt seines Plans. Aber etwas interessierte ihn doch noch. „Online-Spiel-Champion?“ fragte er mit Erstaunen in der Stimme.
 
Heero nickte. „Ja,“ antwortete er knapp. Aber er schien zu bemerken das Duo nicht wirklich viel mit der Antwort anfangen konnte. „Deathscythe kann man auch online spielen. Wir haben ein riesiges Netzwerk dafür. Dieses Netz wird durchschnittlich von 200000 Usern genutzt. Es gibt sogar Meisterschaften und im letzten Jahr hat Jamie die gewonnen. Mit einer sehr guten Punktezahl die bisher noch nicht geschlagen wurde.“
 
Online spielen. Ja Duo hatte von der Möglichkeit in seiner Spielanleitung gelesen. Hatte sich aber erst nur auf sein eigenes Spiel konzentriert. In den letzten Wochen war er richtig süchtig nach Deathscythe geworden. Das Spiel war klasse. Duo nahm sich vor auch mal die Online Version zu probieren. Es konnte schließlich nicht schaden mehr Information zu bekommen. Außerdem würde er sich diesen Rekord von diesem Jamie mal anschauen. Wie schwer konnte es schon sein den zu brechen? Duo wusste das er irrational war und Unsinn dachte, aber das war ihm egal.
 
„Oh, da wir gerade davon reden, sind die Spiele die du von mir wolltest rechtzeitig angekommen?“ fragte Heero.
 
Duo musste automatisch lächeln. Es war schön dass sich Heero so eine Kleinigkeit nicht nur gemerkt hatte, sondern auch von sich aus danach fragte. „Ja, hat alles geklappt Heero. Das Paket ist rechtzeitig angekommen und ich habe alle Informationen bekommen die ich brauchte.“
 
Ein leichtes Lächeln huschte auch über Heeros Gesicht. „Das ist schön Duo. Ich hoffe sehr dass ich bald das Ergebnis deiner Forschung zu Gesicht bekomme.“
 
Duo musste aufpassen das er sich nicht an seinem innerlichen Lachen verschluckte. „Oh, das wirst du schon noch Heero, keine Angst.“ Duo machte eine kurze Pause, dann entschied er sich jetzt endlich den nächsten Punkt auf den Tisch zu bringen. „Das führt mich aber zu meiner nächsten Frage, Heero. Ist unsere alte Wohnung gerade frei?“
 
Kurz nachdem sich herausgestellt hatte was für einen Erfolg Deathscythe war, waren Heero und Gordon aus der Wohnung ausgezogen. Heero und Duo hatten damals kurz beratschlagt was sie mit der Wohnung machen sollten. Keiner von beiden sah sich selbst in der nächsten Zukunft darin wohnen. Heero und Gordon hatten ihr Haus und Duo lebte in einer anderen Stadt. Aber beide hatten ein komisches Gefühl dabei die Wohnung zu verkaufen. Sie war immerhin ihr erstes wirkliches Heim gewesen. Trotz all der schlimmen Dinge die dort passiert waren gab es auch Massen an guten Erinnerungen. Und sie beide hatten es nicht nötig die Wohnung zu verkaufen um das Geld aufzuteilen. Deshalb waren sie nach langen Überlegungen auf eine bessere Idee gekommen.
 
Immer wenn Wing für einen Mitarbeiter oder Gast eine Unterkunft benötigte, nahmen sie die Wohnung. Heero bestand darauf Duo dafür sogar Miete zu bezahlen. Geld das Duo gar nicht haben wollte und sofort in seine Waisenhausstiftung fließen ließ. Aber es war ein gutes Arrangement für beide Seiten. Und jedes Mal wenn Duo nach Kalifornien reiste hatte Duo einen Ort wo er bleiben konnte.
 
Heero sah ihn erstaunt an. „Ja, sie ist zur Zeit frei. Wieso fragst du? Willst du mal wieder Nadine besuchen?“ 
 
Duo holte tief Luft. Jetzt musste er ziemlich geschickt vorgehen um nicht zu Lügen. Er bemühte sein Gesicht so fröhlich und neutral wie möglich zu halten. „Das auch. Aber nicht nur Nadine. Ich will natürlich auch dich besuchen. Und ich muss sowieso in die Stadt, denn ich brauch noch mehr Informationen für mein derzeitiges Projekt. Die bekomm ich nur da. Außerdem will Dan das ich dort bei einigen Vertragsverhandlungen dabei bin. Du siehst, viel zu tun und ich dachte, ich schlag einfach ganz viele Fliegen mit einer Klatsche.“
 
„Hn!“ kam als Antwort.
 
Das verwunderte Duo doch sehr. „Hn?“ fragte er deshalb nach.
 
Heero sah komisch aus. Duo konnte gar nicht richtig beschreiben wie. Ein bisschen traurig, etwas verwundert und ungläubig. Heero schien mit sich zu ringen ob er antworten sollte oder nicht, doch dann nach einem tiefen Seufzer tat er es. „Duo, du hast mich noch nie besuchen wollen. Wieso jetzt? Hat dich Quatre darauf angesetzt?“
 
Das war ein harter Schlag für Duo. Aber da er ehrlich mit sich selbst war, gestand er sich sofort ein dass Heero Recht hatte. In den letzten Jahren war er niemals in die Stadt gekommen um Heero zu besuchen. Um genau zu sein, er hatte sich dann zwar immer mit ihm getroffen – aber eigentlich nur weil es sich komisch anfühlte in der gleichen Stadt zu sein und ihn nicht einmal kurz zu besuchen. Und so hatten sich diese Treffen immer eher wie eine leidige Pflicht angefühlt. Etwas das wohl auch Heero mitbekommen haben musste. Duo schimpfte sich selbst aus. Er wusste jetzt woran es gelegen hatte, dass er sich so ungern mit Heero getroffen hatte. Alles wegen Gordon. Alles weil er die beiden nicht zusammen hatte ertragen können.
 
Natürlich wusste Heero das nicht, und schien angenommen zu haben dass sich Duo aus anderen Gründen so verhielt. Duo stand jetzt vor der schwierigen Frage wie er das Erklären sollte, ohne zuviel zu verraten. „Heero bitte glaub nicht das ich dich nicht treffen wollte. Du warst mein bester Freund und du wirst das auch immer sein. Ich hab dir schon vor ein paar Tagen erklärt dass ich einfach Gordon nie gemocht habe. Ich konnte ihn nicht ertragen und ich muss mich dafür entschuldigen, dass ich zuließ dass sich das auf unsere Freundschaft ausgewirkt hat.
 
Und was deine andere Frage anging. Nein, Quatre hat mich nicht angestiftet. Er weiß noch nicht einmal dass ich dich besuchen komme. Ich schwöre dir, dass ich diese Vertragsverhandlungen da habe und dass ich unbedingt wegen meines Projektes dorthin muss.“ Duo wunderte sich selbst wie weit er die Wahrheit strecken konnte. „Und dass ich deshalb in der Nähe von zwei guten Freunden bin und die beide auch sooft wie möglich sehen möchte, dass ist der Bonus zu dieser Reise den ich nicht ungenutzt lassen werde. Glaubst du mir?“
 
Heero blickte ihn für ein paar Momente einfach stumm an. Er schien einen inneren Kampf mit sich zu fechten. Vertrauen. Duo wurde bewusst wie schwer es für Heero jetzt sein musste wieder anderen zu vertrauen. Duo wünschte sich wohl zum tausendsten Mal, dass er Gordon in die Finger bekommen würde. Es würde Duo wirklich gut tun, seine ganze Frustration an dem Zwerg auszulassen.
 
Das kleine, zaghafte Lächeln war wieder auf Heeros Gesicht erschienen. „Ok, ich glaube dir dass Quatre nichts damit zu tun hat. Wann wirst du ankommen?“
 
Duo überschlug schnell was er noch alles vorbereiten musste. Am liebsten hätte er ‚morgen’ gesagt, aber er wollte Heero auch nicht zu sehr überrumpeln. „Übermorgen,“ sagte er deshalb. „Kannst du mich am Shuttelport abholen?“
 
Heero zog wieder überrascht seine Augenbraue hoch, doch bevor Duo seine Frage zurück nehmen konnte nickte er.
 
Duo seufzte erleichtert und grinste breit. „Cool. Die Taxifahrer bei euch sind nämlich alle wahnsinnig. Ich freu mich schon darauf dich zu treffen.“
 
„Ich mich auch,“ gab Heero leise zu.
 
Danach plätscherte ihr Gespräch noch ein wenig hin und her. Als Duo dann einige Minuten später die Verbindung beendete war er glücklich aber auch besorgt. Besorgt weil Heero teilweise so verschlossen und zurückhaltend war. Glücklich, weil er ihn bald wieder sehen würde. Er war entschlossener denn je, Heero zurück zu gewinnen.
 
Duo überlegte schon was er alles tun würde sobald er in Heeros Nähe war, doch dann erinnerte er sich daran dass er hier und jetzt noch andere wichtige Sachen zu erledigen hatte. Er würde jetzt seinen blonden Freund anrufen und ihm klar machen dass Heero ganz sicher keine Kuppelaktionen von Quatres Seite aus brauchte. Und dann würde er sich dieses Online Spiel vornehmen. Rekord, Ha! Er würde diesem Jamie schon noch zeigen wie viel sein Rekord wert war!
 
 
Kapitel 11
 
Duo war schon immer ein Mann der Tat gewesen, deshalb überlegte er nicht lange, sondern wählte sofort die Nummer von Quatre. Wäre doch gelacht wenn er nicht herausfinden würde, was hinter dieser „Jamie Geschichte“ steckte! Er brauchte nur subtil vorzugehen. Das war schließlich seine Stärke.
 
Kaum erschien der blonde Schopf seines Freundes auf dem Monitor des Vidphones, da sprudelte es auch schon aus Duo hervor, „Verdammt Q, was hast du mit diesem Jamie vor?“ OK, soviel zum Thema Subtilität.
 
Quatre sah ihn mit großen blauen Augen an. „Hallo Duo,“ grüßte er vollkommen perplex.
 
„Lenk jetzt nicht ab, Quatre. Was hast du vor? Wieso schickst du Heero jemand ‚nettes’?“ Duo zischte das letzte Wort beinah.
 
„Soll ich ihm etwa jemand nicht nettes empfehlen?“ Quatre schien immer verwirrter.
 
Duo war nach Haare raufen zumute. Das Gespräch lief so gar nicht, wie er es erwartet hatte. Vielleicht hätte er doch die eine oder andere Sekunde vorher genau überlegen sollen, was er eigentlich sagen wollte. „Nein. Ach. Fuck. Ich weiß nicht,“ grummelte Duo.
 
„Und woher soll ich das dann wissen?“ konterte Quatre.
 
Duo atmete einmal tief durch. „Mir geht das nur zu schnell, Q. Vorgestern hat Heero sich noch geweigert überhaupt jemanden zur Hilfe zu holen, und heute ist er schon Feuer und Flamme wegen diesem Jamie. Das ist doch sonst nicht Heeros Art.“
 
„Und wieso bist du plötzlich so besorgt? Das ist eine geschäftliche Angelegenheit. Wieso kümmert es dich, ob Heero jemanden einstellt oder nicht?“
 
Duo schwamm im wahrsten Sinne des Wortes. Wie sollte er seine Vermutung auf den Tisch bringen, ohne dass es wie ein Vorwurf klang? Ohne dass er haargenau erklären musste warum er so rein gar nichts von Konkurrenz hielt? Duo hätte am liebsten seinen Kopf auf der Schreibtischplatte aufgeschlagen, aber das würde Quatre nur noch misstrauischer machen.
 
„Das geschäftliche interessiert mich auch nicht. Hey, schließlich war ich es, der Heero überhaupt erst geraten hat sich nach neuen Mitarbeitern umzusehen. Aber du hättest ihn vorhin erleben sollen. Er ist richtig begeistert von diesem Jamie. Und ich will als sein Freund halt nur wissen ob er nicht zu vorschnell mit seinem Urteil ist.“ Na, da hatte er die Hürde doch gar nicht mal so schlecht überquert, fand Duo.
 
Quatre sah ihn strafend an. „Und du glaubst, dass ich als Heeros Freund ihm jemand empfehlen würde, der sein Vertrauen nicht wert ist?“
 
Treffer. Duo zog tief die Luft ein. „Öhm, nein. Natürlich nicht.“
 
Quatre nickte darauf nur. Er lächelte, doch Duo wusste genau, dass der Blonde kurz vor einer Explosion gestanden hatte. Duo verfluchte sein großes Mundwerk, wie schon so oft.
 
„Das ist auch gut so Duo,“ erklärte Quatre noch mit fester Stimme. „Lass dir versichert sein, Jamie ist ein sehr netter Mensch und loyal. Ich weiß, dass er für den Job bei Deathscythe der beste ist. Er ist ein großer Fan des Spieles und wird genau wissen, was Heero mit seinen Visionen vorhat. Er wird ihm den Rücken stärken und gemeinsam werden sie den Vorstand schon aufräumen.“
 
Duo überlegte kurz. Heero hatte fast genau das gleiche gesagt. Alle schienen sich darauf zu konzentrieren, dass Jamie nett und fähig war. Klar das war genau das was Heero brauchte. Aber vielleicht musste Duo sich gar keine Gedanken machen. Nett und fähig und Champion beim Onlinespiel. Vor Duos innerem Auge bildete sich das typische Bild eines Nerds. Wahrscheinlich reagierte er hier nur über, und Jamie war keine Gefahr. „Na, solange er nicht gut aussieht…“ murmelte Duo leise, ohne es wirklich zu registrieren.
 
Quatre hatte wie immer ein verdammt gutes Gehör. „Och er sieht nicht gut aus,“ bestätigte er. Duo wollte schon erleichtert aufamten, als Quatres Augen mehr als schelmisch blitzten. „Er sieht verdammt gut aus. So richtig zum anbeißen.“
 
Duo wurde flau im Magen. „Quatre!“ rief er entsetzt aus.
 
„Was denn?“ fragte der Blonde mit unschuldigem Lächeln. „Er ist das reinste Eye Candy. Und alle sind der gleichen Meinung. Er hat die letzten beiden innoffiziellen ‚Schönster Mann bei WEI’ Wahlen gewonnen.“
 
Duos Gehirn trudelte. Er musste sich fast an der Schreibtischkante festhalten. „Schönster Mann bei WEI? So was habt ihr?“ fragte er ungläubig.
 
Quatre grinste breit. „Klar!“
 
„Und wieso hast du das nicht gewonnen?“ sprudelte es aus Duo heraus. Sicher, das war nicht das, was er eigentlich wissen wollte, aber er war nicht mehr wirklich Herr über seinen Mund.
 
„Weil ich als Organisator nicht daran teilnehmen kann,“ erklärte Quatre schlicht.
 
„Weiß Trowa von deinem Hobby?“ Duo war vollkommen verwirrt.
 
„Aber sicher doch!“
 
Duo schüttelte seinen Kopf und versuchte wieder etwas klarer zu denken. „Lenk mich nicht die ganze Zeit ab, Q!“ verlangte er.
 
Als Antwort bekam er nur ein belustigtes Schnauben.
 
Duo hatte inzwischen alle wichtigen Informationen zusammen getragen und sogar in die richtige Reihenfolge gebracht. Glaubte er zumindest. „Also noch mal langsam,“ versuchte er sich zu vergewissern. „Jamie ist nett, kompetent und sieht gut aus?“
 
„Ja,“ kam es als Antwort. Das merkwürdige Grinsen auf Q’s Gesicht wurde immer größer und ängstigte Duo fast. Aber er würde sich jetzt nicht davon ablenken lassen.
 
„Und warum zum Geier setzt du den auf Heero an?“ beschuldigte Duo seinen Freund.
 
Quatre zeigte mit seinen Händen fragend auf sich selbst. „Ich tu was?“ seine Augen glitzerten gefährlich.
 
„Du hetzt den perfekten Partner auf Heero. Du alter Kuppler!“ brach es aus Duo hervor.
 
„Aber Duo,“ sagte Q vorwurfsvoll. „Selbst wenn ich so was tun würde. Was hättest du dagegen?“
 
Duo wusste das der Blonde ihn jetzt an die Wand genagelt hatte. Jetzt musste er Farbe bekennen. Musste erklären, dass er nach sieben Jahren erkannt hatte, dass er Heero schon immer geliebt hatte und jetzt versuchte ihn zurück zu erobern.
 
Ja sicher, und gleich danach würde er sich freiwillig einer Wurzelbehandlung ohne Narkose unterziehen. Quatre würde ihn grillen. Würde ‚Ich hab’s dir ja schon immer gesagt’ sagen. Ihm ein schlechtes Gewissen einreden, wieso er es nicht früher erkannt hatte. Jadda, Jadda, Jadda.
 
Darauf hatte Duo jetzt so überhaupt keinen Nerv. Schon schlimm genug, dass die ‚Jamie Gefahr’ über seinem Kopf hing. Da brauchte er nicht auch noch eine stundenlange Lektion von Mr. Ich-weiß-alles-besser. Er würde sich diese spezielle Rede gerne anhören, aber erst nachdem er Heero erobert und sicher an seiner Seite hatte. Dann wäre es nicht halb so schlimm.
 
Natürlich, wenn Duo jetzt nichts sagte, dann würde Quatre mit seinem Wahnsinnsplan weiter machen. Aber das war doch sowieso nicht mehr aufzuhalten, oder? Schließlich war ja schon alles abgesprochen, dieser Jamie würde bei Heero anfangen.
 
„L4 an Duo. Bitte melde dich!“ säuselte Quatre in diesem Moment.
 
Duo starrte seinen Freund mit offenem Mund an. Er bemerkte das er wohl mehrere Momente geschwiegen haben musste. Aber wer konnte auch schon eine Unterhaltung aufrecht erhalten, wenn er so schwerwiegende Gedanken denken musste? Duo sicherlich nicht.
 
Das wissende Grinsen, dass Quatres Gesicht umspielte machte Duo etwas Angst, aber er wollte da jetzt nicht drauf eingehen. Stattdessen fragte er etwas das ihn brennend interessierte. „Und wann fängt dieser Wunderknabe bei Heero an?“
 
Quatres Augenbraun hob sich fast bis zum Scheitel. „Ach, hat Heero dir das denn nicht erzählt?“
 
„Nein!“ knurrte Duo. Das war bei ihrem Gespräch vorhin gar nicht auf den Tisch gekommen.
 
„Nun, Jamie muss hier noch einiges erledigen, das Projekt an dem er gerade arbeitet muss noch beendet werden. Er muss seinen Nachfolger einarbeiten und der Umzug muss geplant werden.“
 
Das hörte sich gut an.
 
„Er wird schon jetzt immer mal wieder nach Kalifornien fliegen, sich schon mit seiner neuen Aufgabe vertraut machen. Ist ja kein Interessenkonflikt. Immerhin gehört WEI auch ein Anteil an Wing.“
 
Das hörte sich weniger gut an.
 
„Ich denke der richtige Umzug wird in etwa zwei Monaten sein.“
 
OK, zwei Monate. Das konnte Duo schaffen. Wäre doch gelacht. Zwei Monate um den Rekord zu brechen, Heero aus seiner Depression holen, sein Vertrauen zu erlangen und ihn zu erobern. Mission akzeptiert! Und wehe dem, der sich ihm in den Weg stellte!
 
„Gut!“ wandte er sich an Quatre. „Ich muss jetzt Schluss machen. Ich hab viel zu tun.“
 
Während Duo die Vidphoneverbindung beendete konnte er das laute Lachen von Quatre hören. Er fragte sich, was sein Freund denn so verdammt komisch fand. Aber er hatte jetzt wirklich keine Zeit mehr, sich darüber auch noch Gedanken zu machen
 
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Aber Duo schien heute vom Pech verfolgt zu werden. Er hatte es relativ schnell geschafft, sich ein Account bei dem Onlinespiel zu besorgen. Er hatte echt etwas überlegen müssen bis er einen passenden Usernamen fand. Aus schier unerfindlichen Gründen waren Shinigami und Deathscythe (und alle Variationen) schon belegt. Grummelnd hatte er sich dann für GoD – die kurz für God of Death – entschieden, und legte auch endlich mit dem spielen los.
 
Es war unglaublich. Die Welt von Deathscythe war auch im Multiusermodus unbeschreiblich detailreich und Duo hätte sich fast an dem betrachten stundenlang aufhalten können.
 
Aber er hatte ja seine Mission und deshalb fing er an ernsthaft zu spielen. Er lernte in zwei Tutorials das er entweder mit anderen Usern zusammen oder im PvP mode gegen sie spielen konnte. Alles sehr einleuchtend, alles fast so wie bei dem Spiel das er schon kannte.
 
Er spielte zwei Stunden lang. Und er war gar nicht mal schlecht, etwas das er auch ohne großes Eigenlob gerne sagen konnte. Immerhin hatte er ja nun wohl auch die überragenden Reflexe eines Gundam Piloten, oder etwa nicht?
 
Aber als er halbwegs mit sich selbst zufrieden für diesen Abend Schluss machen wollte und sich ausloggte, da traf ihn die angezeigte Punktzahl wie ein Schlag. Er wollte es zunächst gar nicht glauben, aber auch nachdem er sich jede Zahl einzeln angesehen hatte, und nachdem er zum zwanzigsten mal dies mit dem Highscore von Jamie123 – besonders phantasievoll konnte sein Rivale nicht sein – verglichen hatte, da wurde Duo eines klar. Auf natürliche Weise würde er das nicht in den nächsten Wochen schlagen können.
 
Denn er hatte man gerade einen Bruchteil – weniger als ein Tausendstel – des Ergebnisses von Jamie erlangt. Es zeigte sich dann wohl doch, dass sein Konkurrent das Spiel etwas länger als knapp nen Monat spielte. Duo biss sich verzweifelt auf die Lippen.
 
Er wollte unbedingt diesen Rekord knacken. Irgendwie war es ihm wichtig Heero zu zeigen, dass er ihm praktisch würdig war. Ja genau. Nachdem er jahrelang über Heeros Rollenspiele und seine Profession hergezogen war, wollte er zeigen, dass er eingesehen hatte das er ein verdammt großes und überhebliches Arschloch gewesen war. Wollte zeigen dass er Heeros Arbeit als das überragende Spiel anerkannte, für das es die Fans es schon seit Jahren hielten.
 
Duo war sich zwar im klaren, dass es wahrscheinlich noch wichtiger war Heeros Vertrauen wieder zu erlangen, wieder sein bester Freund zu sein. Doch auch dies ließ Duo keine Ruhe. Und dass sein neuer Konkurrent ihm auf diesem Gebiet Meilenweit überlegen war, dass juckte Duo gewaltig.
 
Er musste also diesen Rekord brechen. Irgendwie! Und das ganze bis Jamie in zwei Monaten nach Kalifornien zog und alles verkomplizieren würde.
 
Duo rechnete die Stunden hoch. Vielleicht, wenn er gar nicht mehr schlafen würde, dann könnte er es schaffen.
 
Allerdings, und dass war der große Fehler in seinem Plan, er hätte dann auch gar keine Zeit mehr irgendetwas anderes zu tun. Etwas anderes, wie z.B. mit Heero zu reden, sich mit ihm zu treffen, mit ihm zusammen zu sein.
 
Duo schüttelte den Kopf. Ganz davon ab, dass er es stark bezweifelte dass er es schaffen könnte zwei Monate gar nicht zu schlafen, war dieser Plan keine wirkliche Alternative.
 
Starr und enttäuscht starrte Duo auf den Bildschirm wo Jamies Rekord angezeigt wurde. Frustriert hätte er am liebsten seinen Monitor eingeschlagen. Konnte sich aber noch rechtzeitig davon zurück halten, da das arme Gerät ja auch nichts dafür konnte.
 
Dann streifte sein Blick zufälligerweise ein Nachrichtenfenster, wo in großen Buchstaben verkündet wurde, dass beim Deathscythe Onlinespiel Cheaten unmöglich sei.
 
Die Räder in Duos Gehirn fingen an sich zu bewegen. Ja, wenn er vielleicht einen Weg finden würde zu betrügen. Arrrgh, allein schon das Wort ‚betrügen’ hörte sich so schlimm an. Und es irgendwie erschien es Duo, als wenn er damit gegen sein ‚niemals lügen’ Prinzip verstoßen würde.
 
Aber er wollte damit ja niemandem wehtun, redete sich Duo schnell ein. Er wollte doch nur für kurze Zeit zeigen, dass er genauso gut wie dieser Jamie sein konnte. Danach, wenn er Heero endlich erobert hatte, dann würde er sofort zugeben dass er nicht mit ganz ehrlichen Methoden gewonnen hatte.
 
Und wenn er bis dahin alles richtig gemacht hatte, dann wäre Heero ihm sowieso schon vollkommen verfallen und würde sich sicher darüber nicht aufregen. Besonders nicht, wenn Duo seinen „Rekord“ wieder zurück gezogen hatte.
 
Duo kaute nervös auf seiner Unterlippe rum. Konnte er es wagen? Er konnte, entschied er nach langen fünf Minuten. Denn was sollte er sonst tun? Wo sich doch die gesamte Welt gegen ihn verschworen hatte.
 
Duo wollte das aber jetzt nicht mehr auf die lange Bank schieben. Vielleicht würde er es sich sonst bis morgen früh noch anders überlegen. Also stand er kurz auf um sich ne Cola und ne Tüte Chips zu besorgen, dann rieb er sich anfeuernd die Hände und legte los. Wäre doch gelacht, wenn er dieses Spiel nicht hacken könnte!
 
Vier Stunden, drei Colas und zwei Chipstüten später musste Duo grummelnd etwas weiteres einsehen. Das verdammte Spiel war so gut wie unbezwingbar. Anscheinend entsprach der Hinweis der Wahrheit.
 
Duo hatte schon OZ-Raketensilos gesehen, die schlechter geschützt waren, als dieses Computerspiel. Da steckte mit Sicherheit Heero dahinter. Trotz all des Frusts umspielte ein kleines Lächeln Duos Lippen. Oh ja Heero war schon immer ein Sicherheitsfanatiker gewesen.
 
Aber entgegen der beinahe Panik die Duo vorhin erst zu diesem Schritt getrieben hatte, war er jetzt seltsam ruhig. Er würde diesen Code knacken. Das wusste er. Über kurz oder lang würde er einen Weg hinein finden. Er hatte einen entscheidenden Vorteil gegenüber allen anderen Hackern. Er wusste wie Heeros Verstand funktionierte – zumindest auf dieser Ebene.
 
Sicher, er war in den letzten Jahren ziemlich eingerostet. Nachdem es keinen Grund mehr gab sich fast täglich bei OZ einzuhacken, hatte er dieses Können etwas einschlafen lassen. Aber es war wie Fahrradfahren. Er würde sich in den entsprechenden Foren umhören und nach neuen Methoden fragen. Und er hatte da sicher noch ein paar alte Programme von damals die ihm jetzt helfen konnte.
 
Und zur Not – Duo grinste bei dem Gedanken – zur Not konnte er ja vielleicht auch noch aus Wufei etwas herausquetschen. Die Preventer hatten mit Sicherheit die neuesten und besten Hackprogramme.
 
‚Paß auf Jamie, ich komme!’ dachte Duo, während er die Nummer von seinem chinesischem Freund wählte. Niemand legte sich mit GoD an und gewann!