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Rollenspiel Teil 12 bis 20

Kapitel 12 

Duo schnaubte, als er den Hörer des Vidphones auflegte. Ausgelacht hatte Wufei ihn! Und so was schimpfte sich nun Freund. Gut, zunächst hatte Wufei noch nicht gelacht, sondern nur lang und breit über die Ungerechtigkeit lamentiert, dass Duo ihn mitten in der Nacht geweckt hatte.

Duo hatte versucht sich mit ‚Zeitverschiebung' herauszureden, wurde dann aber grummelnd darüber belehrt, dass zwischen Brüssel und London nur eine Stunde lag. Na ja, das hatte Duo halt in seiner Hast vergessen. Genauso wie ihm nicht bewusst gewesen war, dass es inzwischen schon tief in der Nacht war.

Duo hatte sich kurz entschuldigt, erklärt das er gerade mit einem wichtigen Projekt beschäftigt war und darüber die Zeit vergessen hatte. Aber nachdem er Wufei dann endlich erklärt hatte, wieso er ihn angerufen hatte, da wurde er tatsächlich ausgelacht.

Wufei erklärte ihm aufs ausführlichste, dass er auf gar keinen Fall irgendwelche Codeknacker-Programme der Preventer an Duo weiter geben könne. Für was für ein Projekt auch immer. Der einzige Weg, wie Duo jemals an diese Programme kommen würde, wäre wenn er Agent bei den Preventers werden würde. Und mit diesen Worten - und sich noch mal wegen dem geweckt werden beschwerend - legte Wufei auf.

Duo starrte immer noch auf den leeren Monitor. Ungerechtigkeit! Die ganze Welt hatte sich gegen ihn verschworen. So viel war sicher! Für einige Sekunden war er tatsächlich am überlegen, ob er nicht den Preventer beitreten solle. Une hatte immer gesagt sie würde ihn und Heero wieder zurück nehmen.

Aber er hatte es bei den Preventers gehasst und würde jetzt nicht wieder bei dieser Organisation angekrochen kommen. Außerdem, wenn er sich richtig erinnerte, dann müsste er erst eine dreimonatige Ausbildung durchlaufen bevor sie ihn an irgendetwas Geheimes ran lassen würden. Und soviel Zeit hatte er nun mal nicht.

Also würde er nicht wieder Preventer Agent werden. Genauso kurz spielte er mit dem Gedanken sich bei den Preventer einzuhacken um dort die entsprechenden Hackerprogramme klauen zu können. Aber diese Idee legte er ganz schnell als völligen Unsinn zur Seite. In der Zeit hätte er sicherlich auch auf "normalem" Wege Heeros Spiel gehackt. 

Genau, er musste jetzt bloß aufhören hier in Panik zu verfallen und die ganze Sache mit Ruhe angehen. Dann würde das schon klappen. Und vor allem, brauchte er endlich etwas Schlaf. Morgen konnte er dann wieder frisch ans Werk.

Gesagt getan, Duo schaltete endlich seinen Computer ab und schlurfte zu seinem Bett. Er fiel wie ein lebloser Stein darauf und war tatsächlich relativ schnell eingeschlafen. Und dass obwohl er so vollkommen aufgedreht war.

Es war ein langer aber unruhiger Schlaf. Ein Traum schien in einer Endlosschleife gefangen zu sein und quälte ihn immer wieder aufs Neue. In diesem Traum hatte er Heero dicht bei sich, sie umarmten sich waren kurz davor sich zu küssen - nur damit Heero dann plötzlich aus Duos Armen entrissen wurde und verschwand. 

Also Duo zum vierten Mal schweißgebadet erwachte, beschloss er, dass es vielleicht besser wäre aufzustehen. Mühsam quälte er sich aus dem Bett. Er war völlig gerädert. Kein Wunder, denn wie ihm ein Blick auf seine Uhr bestätigte, dann hatte er mal gerade vier Stunden geschlafen. Und das nachdem er beinahe 24 Stunden lang wach gewesen war.

Es war jetzt später Vormittag, und Duo wusste dass er noch sehr viel zu erledigen hatte. Er musste die Reise vorbereiten, Dan bescheid sagen, alles wichtige für die nächsten zwei Monate packen und dann wäre es vielleicht doch nicht schlecht, wenn er noch ein wenig Schlaf finden würde. Er wollte morgen auf keinen Fall Heero begegnen und wie der Tod auf Rädern aussehen. Immerhin musste er hier gegen "Eye Candy" bestehen. Duo schnaubte.

Während er hastig mit dem packen begann, wurde ihm bewusst, dass er bis zu seiner Ankunft bei Heero wohl keine Zeit mehr für seine kleine Hacker-Mission finden würde. Das ärgerte ihn schon, aber er sah ein, dass es wichtigeres gab.

Zum Beispiel mit Dan zu reden. Doch wenn Duo befürchtet hatte, dass sein Agent/Lektor/Verleger sauer wäre weil er Hals über Kopf nach Kalifornien abhaute, dann hatte sich Duo aber geirrt. Dan war begeistert und war sofort am Überlegen Duo bei mehr als nur einer Vertragsverhandlung dabei haben zu wollen. Duo tat sein bestes um dies abzuwehren, aber gegen Dan kam er nur sehr schlecht an. Na ja, wo er doch schon in der Stadt sein würde, was könnte da das eine oder andere Meeting schon schaden? Außer dass es ihm kostbare Zeit von seiner "Mission Heero zurückgewinnen" abziehen würde. 

Trotzdem stimmte Duo seufzend zu. Dan war so begeistert, dass er Duo sofort alle bisherigen Vertragsvorlagen als Kopie schickte - damit Duo da auch schon mal reinschauen konnte. Wegen der Bedingungen und dem Umfang der Nutzungsrechte. Und Duo hatte wirklich nicht das Herz Dan zu beichten, dass er dafür nun wirklich keine Zeit finden würde. Aber das war nicht schlimm. Alles, was von Dan abgesegnet wurde, war OK für Duo. Was sollte da schon groß schief gehen? Die wollten sein Buch verfilmen, mehr nicht.

Das Gespräch plätscherte noch kurz vor sich hin und Duo glaubte schon er wäre gut davon gekommen, als Dan ihn auf die nächsten Kapitel ansprach. Die er natürlich unbedingt sofort - am besten vorgestern - haben wollte. Und dabei hatte er erst fünf Kapitel von Duo bekommen! Aber So waren sie die Sklaventreiber. Nie zufrieden!

Duo seufzte tief und versprach dann zumindest während des Fluges an dem Buch weiter zu schreiben. Hacken konnte er im Flugzeug sowieso nicht und das letzte Mal war er unheimlich produktiv während eines Fluges gewesen. Wenn er wieder soviel Kapitel schaffen könnte, dann könnte er diese ja Häppchenweise an Dan verfüttern und sich dadurch den Sklaventreiber für eine Weile vom Halse halten. 

Danach begann Duo mit dem packen. Es war gar nicht so einfach, denn es war ja für eine längere Zeit. Mindestens für zwei Monate - und wenn es nach Duo ginge für immer. Genau in dem Moment wurde Duo bewusst, dass ein Zusammensein mit Heero vielleicht auch einen Umzug bedeuten würde. Aber das war kein Hindernis für Duo. Seinen Beruf konnte er überall ausüben. So viel lag ihm an London nun auch nicht und seine Freunde waren sowieso über die ganze Welt und die Kolonien verstreut. Wozu gab es schließlich Vidphones und Emails? Wichtig war nur, dass er immer in Heeros Nähe sein würde.

Als er endlich fertig war, sprach er nur noch kurz mit seiner älteren Nachbarin um sie dazu zu bewegen seine Blumen zu versorgen. Danach holte er sich etwas vollkommen ungesundes - aber um so schmackhafteres - von einem Imbiss und fiel nach dem Essen vollkommen erschöpft ins Bett.

Diese Nacht waren die Träume nicht mehr ganz so schlimm, vielleicht weil sich Duo inzwischen etwas beruhigt hatte. Sicher Jamie war eine Gefahr die nicht zu unterschätzen war. Aber andererseits, er kannte Heero. Nicht nur dass sie beste Freunde waren und zwei Kriege miteinander gekämpft hatten, nein sie waren auch ziemlich lang zusammen gewesen. All die schönen Momente die sie gehabt haben waren ein Vorteil den Jamie nicht besaß. Sicher, sie hatten sich im bösen getrennt, aber wenn er Heero von seinen redlichen Absichten überzeugen konnte, dann wäre es doch gelacht, wenn sich dieser statt dessen für jemand anderes entscheiden würde. Und jeden noch so kleinen Zweifel an dieser Theorie verbannte Duo jetzt erst einmal. Um alles andere konnte er sich kümmern, sobald er in Kalifornien etwas zur Ruhe gekommen wäre.

*

Der Flug am nächsten Tag war dann nicht ganz so produktiv wie es sich Duo - und Dan - gewünscht hätte, aber er schaffte es trotz aller gedanklicher Ablenkung zwei Kapitel fertig zu stellen. So langsam näherte er sich auch dem Ende des Buches. Und was ihm auffiel war, dass seine zwei Hauptpersonen sehr viel weniger Probleme hatten sich ihre Liebe einzugestehen und zueinander zu finden, als in der Realität. 

Manche Leute lasen um zu vergessen - Duo schrieb.

Ansonsten verlief der Flug sehr ereignislos. Aber das war vielleicht auch besser so, Duo hatte schließlich immer Probleme damit jemand anderen die Steuerung eines Shuttles zu überlassen. Da war er für jede Ablenkung dankbar.

Nachdem das Flugzeug gelandet war und Duo versuchte sein Gepäck zusammen zu suchen, da wurde ihm plötzlich richtig mulmig im Magen. Gleich würde er Heero wieder sehen. Er freute sich total darauf, aber er war auch sehr angespannt, weil er auf keinen Fall etwas falsch machen wollte. 

Doch all diese Anspannung fiel wie auf einen Schlag von Duo ab, als er Heero am Ausgang der Ankunftshalle stehen sah. Der ehemalige Wing Pilot hatte also sein Versprechen wahr gemacht und holte ihn ab. Eine Welle der Erleichterung durchströmte Duo. Zwar hatte er nicht wirklich befürchtet, dass Heero nicht zu seinem Wort stehen würde, aber es war trotzdem unheimlich schön ihn dort vor zu finden. 

Ohne groß darüber nachzudenken eilte Duo auf den anderen zu, ließ einfach seine Koffer auf den Boden fallen und umarmte Heero. Es war nur eine kameradschaftliche Umarmung, aber Duo war trotzdem froh dass Heero sie ohne weiteres erwiderte. Er schien nicht mehr vollkommen davon überrascht zu sein, wenn Duo seine körperliche Nähe suchte. Das war ein großer Fortschritt.

"Hn Baka, lass mich los," grummelte Heero, als die Umarmung etwas länger als nötig dauerte.

Duo lockerte tatsächlich seinen Griff und bog seinen Kopf so, dass er Heero grinsend ins Gesicht sehen konnte. "Schöne Begrüßung ist das," witzelte er.

Ein ultra kurzes Lächeln erhellte Heeros Gesicht. "Schön das du da bist," sagte er und man konnte seinem Tonfall entnehmen dass er dies auch wirklich so meinte. Duos Herz pochte wie wild. "Wie war dein Flug?"

Duo zuckte nonchalant mit den Schultern. "Wie immer."

Heero schüttelte den Kopf. "Wie immer?" vergewisserte er sich. "Das arme Flugpersonal. Du hast sie wahrscheinlich in den Wahnsinn getrieben."

Erwachsen wie er war, streckte Duo seine Zunge raus. "Hab ich gar nicht. Ich war ganz brav. Und ich hab sogar fleißig an meinem Buch geschrieben. Das wird mir diesen Sklaventreiber von einem Verleger vom Hals halten."

Heero schaute ihn kurz verwirrt an, doch dann bemerkte er, dass Duo scherzte und lachte frei auf. Er stupste Duo mit der Schulter an. "Komm, lass uns gehen," dann hob er einen von Duos Koffern hoch. "Uff, Baka wie viel Tonnen schleppst du denn mit dir rum?"

"Nur das nötigste Heero," besänftigte Duo. Dann rückte er seine Notebooktasche zurecht und hob den zweiten Koffer.

"Hn, wenn das nur das nötigste ist, wie lange hast du denn vor hier zu bleiben?" Heero steuerte in Richtung des Parkhauses während er sprach.

‚Für immer' dachte Duo, aber er würde sich lieber auf die Zunge beißen, als dies jetzt schon zu enthüllen. Soweit war er noch nicht mit seiner Mission. "Ein paar Wochen, vielleicht zwei Monate. Ist das ein Problem? Brauchst du die Wohnung?" Duo hatte plötzlich die Vision, dass er ihre Wohnung verlassen musste um demnächst Jamie Platz zu machen. Er schüttelte sich innerlich, neuer Stoff für weitere Alpträume.

Heero drehte sich kurz zu ihm um, seine Stirn war in Falten gelegt. "Nein, kein Problem. Ich hatte nur nicht erwartet dass deine Recherchen hier solange dauern würden."

"Nun," sagte Duo gedehnt, "Es geht ja nicht nur um Recherchen. Da sind auch noch diese Vertragsverhandlungen zu denen mein Verleger mich praktisch zwingt," er lächelte breit um seinen Worten die Spitze zu nehmen. "Und außerdem werde ich mir viel Zeit für meine zwei besten Freunde nehmen. Nadine hab ich schon lange nicht mehr gesehen, und ich werde dich sooft es geht von der Arbeit entführen."

Heero schaute ihn aus großen Augen an, dann nickte er zustimmend. Duo hätte Freudentänze aufführen können. So wie der andere in letzter Zeit drauf war, hätte es auch genauso gut sein können, dass er nicht so freigebig mit seiner Zeit und Gesellschaft wäre. Und dann hätte Duo sich etwas Schlaues einfallen lassen müssen um sein Ziel zu erreichen. Es hatte scheinbar geholfen, dass er erklärt hatte, dass sein neues Interesse an Heeros Gesellschaft nichts mit Quatre zu tun hatte. Er hatte durch seien Beschreibungen von Quatres "Spanischer Inquisition" den anderen wohl viel zu wachsam werden lassen.

Kurz darauf erreichten sie die Heeros geparktes Auto. Duo seufzte tief. Der andere fuhr immer noch einen alten ausgebeulten Kombi. Sicher, jetzt war es gar nicht mal schlecht - immerhin hatten sie dadurch genug Platz für sein ganzes Gepäck. Aber für den CEO einer angesehenen, hippen Computerspiel Firma war das nicht wirklich das passende Fahrzeug. Heero bräuchte einen kleinen schwarzen Sportflitzer, beschloss Duo. Ein schickes Auto, bei dem es Duo Spaß machen würde es auszuleihen. Er grinste bei der Vorstellung und setzte diesen Punkt auf die lange Liste was er alles mit Heero machen würde.

Nachdem sie das Gepäck bequem in den Kofferraum gestapelt hatten, fuhren sie auch schon los. Heero war nicht besonders gesprächig während der Fahrt, aber es war ein gemütliches Schweigen. Hin und wieder sagten sie etwas und genossen einfach die Nähe des anderen.

Nach etwas mehr als der Hälfte der Fahrt gähnte Duo. "Boah bin ich müde. Diese Shuttleflüge schaffen mich wirklich." 

"Hn, wir sind ja gleich da. Dann könntest du dich schlafen legen." 

Duo warf einen flüchtigen Blick nach draußen. Es war zwar langsam dunkel, aber es kam Duo noch so überhaupt nicht nach schlafen vor. Er schüttelte den Kopf. "Nein, ich bin noch auf die andere Zeitzone eingestellt. Wenn ich jetzt schlaf, dann bin ich in drei Stunden wach und morgen und übermorgen nicht mehr zu gebrauchen. Mein Schlafrhythmus ist sowieso vollkommen durcheinander, da werde ich mich lieber gleich richtig an eure Zeit gewöhnen. Aber Hunger hätte ich."

"Hn, ich hab ein paar Lebensmittel besorgt und bei dir in den Kühlschrank getan."

Duo blinzelte. "Danke, das ist furchtbar nett von dir." Es freute ihn wirklich, dass Heero an so eine Kleinigkeit gedacht hatte. Aber andererseits, es sollte ihn nicht dermaßen überraschen. Heero hatte schon vor Jahren, schon damals als sie noch zusammen waren, viel über menschliche Interaktion gelernt. Er war nicht mehr der perfekte Soldat, der nicht an so etwas für die Mission unbedeutendes denken würde.

"Aber weißt du was," fügte Duo hinzu. "Ich glaub ich will lieber essen gehen. Existiert das Thailändische Restaurant an der Straßenecke noch?" In dem kleinen Laden hatten sie mindestens einmal die Woche gegessen. Es war lecker, preiswert und keiner von ihnen hatte Essen kochen müssen.

"Ich glaub schon," antwortete Heero.

"Wunderbar, dann lade ich dich ein."

Es wirkte kurz so, als wenn Heero nicht sehr begeistert wäre. "Bist du nicht müde? Es wäre doch einfacher wenn du dir nur etwas zum mitnehmen holst."

Duo wischte diese Einwand mit einer Handbewegung fort. "Ach was. Ich freu mich schon mit dir dort essen zu gehen. So wie in alten Zeiten."

Er hatte die letzte Bemerkung kaum ausgesprochen, da spürte Duo auch schon, dass er damit wohl einen Fehler begangen hatte. Heeros Hände verkrampften sich merklich um das Lenkrad. Scheinbar war es keine so gute Idee den anderen an ihre gemeinsame Vergangenheit zu erinnern. Duos Mund schaltete auf Automatik und plapperte einfach weiter, hoffte so den unangenehmen Moment zu überspielen. "Die machen einfach das beste Erdnußcurry das es gibt. Und die Thom Kha Gai die sie servieren ist auch nicht von schlechten Eltern. Schön scharf."

Duo wusste nicht, ob es an seinem Geplapper lag, aber Heero entspannte sich wieder. Trotzdem speicherte Duo die Erkenntnis, dass Heero nicht allzu gern an ihre Vergangenheit erinnert werden wollte gut weg. Er konnte nur hoffen das Heero so reagierte, weil er traurig war dass es vorbei war und nicht weil er nie wieder auf diese Art und Weise etwas mit Duo zu tun haben wollte. Das könnte sonst zu einem kleineren Rückschlag bei Duos Mission führen. 

Duo atmete tief durch und ermahnte sich zum tausendsten mal, Nadines Ratschlag zu befolgen. Er musste erst wieder Heeros Vertrauen gewinnen bevor er an einer tieferen Beziehung zwischen ihnen arbeiten konnte. Gerade diese kleinen Momente zeigten dies all zu genau. Aber Duo würde auf die richtige Gelegenheit warten können, er würde nichts übereilen und damit erst recht alles kaputt machen. Vollkommen egal ob diese tickende Zeitbombe namens Jamie über seinem Kopf schwebte oder nicht.

Und etwas weiteres wusste Duo auch, er durfte nicht zu verkrampft an die Sache herangehen. Damit würde er sicher nur das genaue Gegenteil erreichen. Natürlich war es viel schwerer sich an seine guten Vorsätze zu halten, als sie aufzustellen.

Kurz darauf hatte Heero den Wagen in der Tiefgarage des Hauses geparkt. Schwer beladen machten sie sich auf den Weg zum Fahrstuhl. Als sie dann die Haustür erreichten, klopfte Duos Herz doch ziemlich aufgeregt.

Er hatte die Wohnung schon seit Jahren nicht mehr betreten. Bei den meisten seiner Besuche hier in der Stadt war er bei Nadine unter gekommen. Als er dann die Wohnung betrat schaute er sich zunächst vollkommen erstaunt und auch enttäuscht um.

Alles war umgestaltet worden. Natürlich hatte Duo gewusst dass dies passiert war. Schließlich war erst er und dann Heero ausgezogen. Sie hatten jeweils ihre Sachen und auch Möbel mitgenommen. Außerdem hatte die Firma die Wohnung renoviert und neutral möbliert, als entschieden wurde sie für Mitarbeiter und Gäste zu verwenden. 

Nichts erinnerte mehr an ihre erste gemeinsame Wohnung. Sicher die Räume waren noch die gleichen, aber das Flair, die Einrichtung, einfach alles war anders. Duo kam sich mehr wie ein Besucher als ein Besitzer vor. Dies war nicht mehr ihr Heim. Nicht mehr der erste Ort der ihnen gemeinsam gehört hatte, den sie gemeinsam gestaltet hatten. 

Duo seufzte tief und ließ seinen Koffer auf den Boden fallen, dann legte er die Notebooktasche auf den Schreibtisch der im großen Wohnraum stand. Er drehte sich einmal um die Achse und sah dabei alles an. "Das sieht sehr edel aus," erklärte er. Edel, ja genau dass traf es. Bei der Umgestaltung der Wohnung hatte ein Innenarchitekt sicher viel Geld verdient. Die Möbel, die Bilder, die Accessoires, alles war aufeinander abgestimmt und sicher nicht gerade billig gewesen. 

Und nichts erinnerte mehr an das perfekte Chaos, dass ihre beiden Sachen früher hier gebildet hatten. Duos Krimskrams, Heeros Computerzubehör. Obwohl so vollkommen unterschiedlich hatten diese Gegenstände miteinander harmonisiert. Duo erinnerte sich fast schmerzlich daran, wie viel Spaß sie bei der Einrichtung der Wohnung gehabt hatten. Sie hatten alles selbst gemacht, zusammen die Möbelläden durchsucht und sich an den Renovierungen versucht. Sie waren ein Team gewesen. 

Verdammt, wieso war er nur so blind und so dämlich gewesen und hatte das alles weggeschmissen? Obwohl er es in den letzen Wochen schon mehr als tausend mal getan hatte, hätte sich Duo in dem Moment am liebsten wieder selbst in den Hintern getreten.

"Hn. Welches Schlafzimmer möchtest du?" fragte Heero.

"Meins," antwortete Duo bevor er es sich anders überlegen konnte. Und so war es auch besser. Denn selbst mit all der Veränderung die diese Wohnung durchlebt hatte, fühlte sich Duo noch nicht in der Lage in ihrem gemeinsamen zu schlafen. Irgendwie schien das nicht richtig zu sein, dass würde er erst tun, wenn sie wieder zusammen wären.

"Das andere ist aber größer," war Heero ein.

Duo machte schnell eine abwehrende Handbewegung. "Kein Problem. Ich mochte die Aussicht von dem kleinen Zimmer besser. Wenn du die Koffer dorthin tragen könntest, dann pack ich hier schnell das nötigste aus und dann bin ich auch schon fertig."

"OK," erwiderte Heero und ging mit den Gepäckstücken in die gewünschte Richtung.

Duo blickte ihm noch kurz nach, dann holte er schnell sein Notebook aus der Tasche und stellte es auf den Schreibtisch. Ein paar Sekunden später waren die Kabel verbunden. So, dieses Möbelstück hatte er schon mal für sich erobert. Jetzt fehlte nur noch eines.

Andächtig holte Duo ein kleines gerahmtes Photo und eine Schraubenmutter aus der Tasche. Das Photo war nach dem Ende des ersten Krieges von allen fünf Gundam Piloten gemacht worden. Duo liebte dieses Bild. Sie waren da alle noch so furchtbar jung gewesen und sie hatten alle vollkommen glücklich ausgesehen. Die Schraubenmutter war das einzige Stück, dass er von seinem alten Kumpel Deathscythe hatte behalten können. 

Nachdem er diese beiden Gegenstände auf den großen Couchtisch gestellt hatte, kam sich Duo zum ersten Mal heute in dieser Wohnung heimisch vor. Jetzt hatte er alles was er brauchte. Ein paar Klamotten, sein Notebook, seine Erinnerungen und Heero. 

Vielleicht sollte er den Wing Piloten in der Wohnung anketten, damit dieses Gefühl nicht mehr weggehen konnte. Duo schüttelte über sich selbst den Kopf. Dann ging er kurz ins angrenzende Badezimmer um sich ein wenig frisch zu machen. Der Shuttleflug dauerte nur wenige Stunden, trotzdem kam er sich vollkommen durchgeschwitzt vor.

Als er aus dem Badezimmer kam, fand er Heero, der neugierig die Mutter in die Hand genommen hatte und sie betrachtete. "Hast du dieses alte Stück immer noch?" fragte er.

"Aber natürlich. Das einzige Erinnerungsstück das ich von Deathscythe hab. Wo ich bin, da ist auch dieses Stück Gundanium." Duo grinste während er das sagte.

Heero schaute ihn bedeutend an, dann legte er die Mutter wieder auf das Regeln. "Wenn du fertig bist, dann können wir ja gehen."

Gesagt, getan. Ein paar Minuten später saßen sie in dem gemütlichen Restaurant. Im Gegensatz zu vielen anderen asiatischen Läden, hatten die Besitzer hier auf einen Großteil der üblichen Kitsch-Accessoires verzichtet. Alles war effizient und gemütlich eingerichtet. Wahrscheinlich hatte der Laden Heero deshalb so gut gefallen.

Es könnte natürlich auch am Essen liegen. Diese Erkenntnis traf Duo, als er den ersten Löffel seiner Lieblingssuppe schlürfte. Er hatte noch keinen anderen Laden gefunden, die die Thom Kha Gai so gut hinbekamen. "Mjamm! Ist das lecker!" erklärte er aus tiefstem Herzen.

Heero nickte bestätigend. 

Sie ließen sich Zeit beim essen. Die Atmosphäre war entspannt und sie unterhielten sich über Gott und die Welt. 

"Wie geht es mit deinem Buch voran?" fragte Heero als sie beim Hauptgericht angekommen waren.

Ein Bissen vom Erdnuss-Curry und Duos Magen frohlockte. "Super," erklärte er. "Ich bin sogar etwas schneller als unser Zeitplan vorschreibt. Wir werden wohl keine Probleme haben, es im März heraus zu bringen. Mein Verleger prophezeit grandiose Verkaufszahlen."

Heero sah ihm tief in die Augen. "Das ist gut. Du hast schon so lange nichts mehr geschrieben."

Duo zuckte fast zusammen. Verdammt, bald musste er Heero und den anderen aber wirklich von seinem Pseudonym erzählen. So ging es nicht mehr weiter, irgendwann würde er sich noch in eine Lüge verheddern. Er nahm sich fest vor, dieses Thema anzusprechen, wenn sie das nächste Mal alle beisammen waren. Auf jeden Fall noch bevor das Buch heraus kam. 

Nur heute würde er noch nichts sagen. Dass er jetzt Fantasy Romane schrieb, obwohl er dieses Genre früher genau wie Heeros Rollenspielleidenschaft immer verdammt hatte, dass könnte vielleicht etwas blöd wirken. Das würde er Heero erklären, wenn dieser nicht mehr daran zweifelte, dass sie immer noch beste Freunde waren.

"Geschrieben hab ich schon so einiges. Nur kein großes politisches Buch."

"Hn, ich hatte fast schon befürchtet, du hättest das Schreiben aufgegeben."

Duo blickte Heero mit echtem Entsetzen an. "Ich das Schreiben aufgeben? Niemals! Ich hätte zwar nie gedacht, dass ich Autor werden würde. Aber das ist genau dass, was richtig für mich ist."

"Es ist gut das du deinen Weg gefunden hast."

Eine kurze Pause entstand. Und Duo beeilte sich diese zu überbrücken. "Und wie sieht es bei dir aus? Machen dir deine Manager immer noch das Leben zur Hölle?"

Heero wiegte seinen Kopf hin und her. "Es ist besser geworden, seit ich den größten Quertreiber entlassen habe."

"Das ist gut!" grinste Duo.

"Ja, das ist es. Trotzdem machen sie sich immer noch Sorgen um die Zukunft von Wing."

Duo warf Heero einen verwirrten Blick zu. "Wieso denn das?"

"Nun, sie befürchten, dass durch Gordons Weggang sich die Qualität der nächsten Spielegenerationen verschlechtern könnte."

Duo runzelte die Stirn. "Aber ich dachte die Spiele sind dein Baby? Welchen Einfluss kann Gordon da schon gehabt haben?"

"Nun das ist so. Gordon war immer unser Spielleiter. Das ist derjenige der sich die Abenteuer die die Gruppe erlebt ausdenkt."

"Und?" fragte Duo neugierig.

"Und am Anfang, bei allen Versionen von Deathscythe, da hat Gordon auch zu der Geschichte die Grundidee gehabt. Natürlich wurde das alles noch verfeinert und verglichen zu den Rest das Deathscythe ausmacht ist es nur ein kleiner Teil. Aber die Fans lieben dieses Spiel ja auch, weil es neben der unglaublichen Effekte und Tricks auch eine halbwegs intelligente Geschichte aufweisen kann. Das unterscheidet uns von so vielem Mist der auf dem Markt ist."

"Ok, versteh ich. Weil Gordon bisher die... ich nenn es mal kreativen Ideen zur Geschichte hatte, befürchtet dein Vorstand jetzt, dass die nächsten Spiele seelenlos werden."

Heero nickte. "Genau so ist es. Diese Angst ist natürlich vollkommen unbegründet. Schon jetzt arbeiten mehrere gute Storyautoren für uns. Die werden Gordon ohne weiteres ersetzen können. Aber besonders jetzt, wo ich daran denke Deathscythe auslaufen zu lassen, da wird mein Vorstand nervös."

Duo zuckte zusammen. "Wieso willst du Deathscythe auslaufen lassen?"

"Nun ja, ich finde zwei Sequels zu einem Spiel, das reicht aus. Deathscythe ist immer noch ein Top Spiel und wird es sicher auch noch auf Jahre hinaus leiben. Aber ich will mich nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Und ab jetzt nur noch weitere Add-Ons zu diesem Spiel herausbringen. Ich stehe nicht gern still."

Ein verräterisches Leuchten erhellte Heeros Augen. Duo lächelte tief. "Oh, du hast wohl schon konkrete Pläne?"

Der andere nickte begeistert. "Ich will eine vollkommen neue Welt erschaffen. Mit einem vollkommen neuen Spielprinzip. Wir stehen im Moment in Verhandlung über die Rechte an einer Buchserie. Wenn wir die bekommen, dann könnte das der nächste Meilenstein im Computerspiel-Genre sein. Du kannst dir gar nicht vorstellen, welche Tricks wir einbauen wollen."

Heero geriet ins schwärmen. Und Duo wurde es warm ums Herz. So begeistert hatte er den anderen schon lange nicht mehr erlebt. Duo lauschte noch eine Weile den Beschreibungen. Dann sagte er. "Das hört sich alles wahnsinnig aufregend an. Ich hätte im Leben nicht vermutet, was alles hinter der Entwicklung eines Spieles steckt. Aber auch wenn ich nicht viel Ahnung von dem ganzen hab, ich glaub das wird ein Renner."

"Das hoffe ich auch," bestätigte Heero.

Duo konnte diese Hoffnung gut verstehen. In der Öffentlichkeit wurde Wing immer mit Gordon und Heero gemeinsam verbunden. Dieses neue Projekt war praktisch seine Art sich von diesem Image freizuschwimmen. Sollte dieses neue Spiel der Erfolg werden nach dem es sich anhörte, dann würde Gordon bald in Vergessenheit geraten. 

"Das sind ja tolle Pläne. Wann wird dieses Spiel herauskommen?"

"Wenn die Verhandlungen erfolgreich sind, vielleicht in eineinhalb Jahren."

"Wow, so lang?"

"Wir erschaffen da eine neue Welt Duo, das dauert so seine Zeit."

"Also für meine Bücher brauch ich nicht so lang," witzelte Duo.

Und tatsächlich, anstatt ärgerlich zu werden, lächelte Heero nur.

"Und damit bist du denn jetzt vollkommen beschäftigt?" hakte Duo nach.

Ein Kopfschütteln antwortete ihm. "Nein nicht nur. Im Moment konzentrier ich mich eher auf die Planung für die World-Convention?"

"Äh...." sagte Duo. "Was ist das?"

Heero sah ihn vollkommen ungläubig an, so als könnte er nicht fassen, dass jemand das nicht wusste. "Das ist die größte Convention/Messe die es im Rollenspiel Sektor gibt. Alle großen Spielefirmen werden sich dort den Fans vorstellen. Das ist jedes Jahr ein riesiges Ereignis."

"Sorry, sagt mir immer noch nicht viel."

Heero legte sein Besteck zur Seite und begann ernsthaft zu erklären. "Stell es dir als Messe vor. Eigentlich alle Firmen die in diesem Genre etwas anbieten, haben dort ihre Stände, stellen ihre Produkte vor. Die Besucher - die Fans und unsere Kunden - kommen um sich über Neuheiten zu informieren. Und um einander zu treffen. Es gibt dort Spielturniere, viele erscheinen in ihren Kostümen. Um es kurz zu sagen, es ist ein großes Happening."

"Aber ihr habt doch gar kein neues Spiel, oder? Deathscythe 3 ist schon seit November im Handel."

Heero winkte ab. "Das hat ja nichts zu sagen. Wir werden natürlich trotzdem groß auf der Messe vertreten sein. Die Fans erwarten dass. Dort werden unsere Meisterschaften ausgetragen, es gibt Cheatertreffen und und und. Ach ja und ich werde natürlich auch da sein."

Auch dieses Thema schien Heero zu begeistern. Duo konnte sich zwar nicht wirklich vorstellen, wie der ehemalige Gundam Pilot sich in einer so schwer zu beherrschenden Menschenmenge wohl fühlen konnte, aber es war sicher auch nicht verkehrt für Heeros Ego, wenn er sich unter seine bewundernden Fans begab. Wenn Duos Beobachtungen korrekt war, dann verehrten die Deathscythe Spieler dessen Erfinder fast abgöttisch. Das konnte nicht schaden.

"Wann ist denn diese Convention?" fragte Duo. Er hatte so am Rande mitbekommen, dass dort auch Meisterschaften ausgetragen wurden. Wahrscheinlich würde dieser Jamie sich das nicht entgehen lassen.

"Anfang März," erklärte Heero.

OK, bis dahin wollte Duo den anderen eh für sich erobert haben. Und wenn das bedeutete, dass er zu so einer Convention gehen musste, dann war es halt so.

Während des Redens hatten sie beide das Essen beendet. Heero blickte auf seine Uhr. "Oh schon so spät. Ich muss morgen früh raus."

Duo seufzte, aber daran war wohl nichts zu ändern. "Kein Problem Heero. Ich danke dir für deine Gesellschaft. Wann hast du morgen Feierabend?"

"So gegen sieben, denke ich. Wieso fragst du?"

"Wenn du magst, dann würde ich gerne etwas mit dir unternehmen."

"Was denn?" fragte Heero argwöhnisch.

"Das ist ein Geheimnis," erklärte Duo schnell. Eigentlich wusste er nur noch nicht genau was er denn tun wollte.

Heero schien für einige Momente überlegen zu müssen. "Willst du dich nicht mit Nadine treffen?" hakte er noch einmal nach.

Duo schüttelte den Kopf. "Nein, die treffe ich tagsüber. Was sagst du jetzt zu meiner Idee?"

Heero stockte noch einmal, doch dann nickte er. "OK, dann treffen wir uns morgen."

"Super!" grinste Duo. Er hatte schon befürchtet, dass Heero nein sagen würde. Und diese Option war bei seinem großartigen Plan eigentlich nicht vorgesehen. Jetzt musste er sich nur noch etwas neutrales, nettes ausdenken, dass sie morgen machen konnten. Duos Gehirn fing sofort an zu arbeiten. Er freute sich schon auf den nächsten Tag.

 
Kapitel 13

"Darten?" fragte Heero ziemlich ungläubig.

Duo rollte mit den Augen. Immerhin fragte Heero dies jetzt schon zum dritten Mal. Dann lächelte er breit und zog den anderen mit sich.

"Du hast mich hierher zum Darten gebracht?" vergewisserte sich Heero ein weiteres Mal.

Duo konnte mit dem lachen echt nicht mehr an sich halten. "Klar hab ich das. Warum auch nicht?" dann drückte er Heero einfach drei Pfeile in die Hand und rückte ihn so zurecht, dass er genau auf der Entfernungslinie stand. Perfekt, jetzt konnten sie loslegen.

Duo hatte in der Nacht lange wach gelegen und überlegt was er denn mit Heero am folgenden Abend machen wollte. Nur essen gehen schien ihm als zu wenig, aber alles andere was ihm einfiel war ‚zuviel'. Es sollte etwas gemütliches sein, etwas bei dem sie ne Weile beschäftigt waren, trotzdem reden konnten und auch was zu essen bekamen.

Und so war ihm nach einiger Zeit das Darten eingefallen. Nicht umsonst hatte er die letzten Jahre in London gelebt, und zu jedem richtigen Pub gehörte eine Dartscheibe. 

Es hatte zwar etwas gebraucht bis Duo hier in dieser Stadt einen Pub ausfindig gemacht hatte der zumindest halbwegs das Flair der Londoner verspürte aber es gab nichts, was es in Kalifornien nicht gab. 

Und der Laden in den er Heero jetzt geschleppt hatte, war wirklich nicht so schlecht. Gemütlich eingerichtet, das Bier war frisch gezapft und ziemlich lecker und die Essenskarte war zwar übersichtlich, aber ok. Sie hatten sich beide Pommes bzw. Chips bestellt und sie genüsslich mit den Fingern gegessen. 

Heero wirkte zwar immer noch etwas überrascht über Duos Wahl, aber Duo konnte an seinen leuchtenden Augen erkennen, dass es dem anderen hier gefiel. 

"Aber Duo, ich kann kein Dart spielen," protestierte Heero noch ein wenig.

Duo wischte den Einwand mit einer leichten Geste weg. "Ach was, jeder kann Dart spielen," verkündete er großzügig. Natürlich, die einen besser als die anderen, aber darum ging es hier jetzt nicht. "Alles was du machen musst, ist mit den Pfeilen auf die Scheibe zu zielen und zu treffen. Das sollte ein leichtes für einen ehemaligen Gundam Piloten sein. Den Rest macht dann die Scheibe," erklärte Duo voller Überzeugung. Und es stimmte auch. Mit diesen elektronischen Scheiben war das Spielen vollkommen einfach. Man musste sich keinerlei Gedanken um das Punkte zählen machen.

"Na, wenn du es sagst," grummelte Heero. Duo schaute ihn von der Seite an, und wenn er sich nicht vollkommen irrte, dann hatte dieser seinen Mund schmollend zusammen gezogen. Duo musste verdammt an sich halten um ihn nicht hier und jetzt zu küssen. Es sollte verboten sein, so verdammt sexy auszusehen. Duo grinste bei dem Gedanken.

"Pass auf, ich erklär es dir," erklärte Duo anstelle des Küssens. Er nahm Heeros Hand in seine und zeigte ihm wie er den Pfeil halten musste und wie er am besten zielte. "Bei jedem Feld steht dabei, wie viel Punkte es wert ist. Siehst du auf der Scheibe diese zwei abgetrennten Ringe? Wenn du den äußeren - den Double - triffst, dann zählt es den Zahlenwert mal zwei. Der innere ist der Tripple und zählt dreifach. Dann sind da die zwei Kreise in der Mitte. Der blaue äußere, dass ist der Bull und zählt 25 Punkte. Der ganz kleine rote, das ist der Double-Bull und zählt deshalb 50. Wir machen jetzt ein einfaches 301 Spiel. Das bedeutet du musst so schnell wie möglich von 301 Punkte auf Null herunter kommen. Also soviel wie möglich mit deinen Pfeilen - Pro Runde wirfst du drei - treffen. Das heißt am Anfang wirst du am besten auf die Tripple-Zwanzig zielen, weil das die meisten Punkte bringt. Aber sorg dafür das du überhaupt die Scheibe triffst. Und zum Schluss musst du aufpassen, dass du nicht mehr als die noch übrige Punktzahl wirfst, weil ansonsten ist dein Wurf ungültig. Ich glaub das ist alles."

"Hn," erwiderte Heero konzentriert.

Duo grinste wieder. "Los, wirf einfach mal drauf los. Es wird schon klappen," dann gab er dem anderen einen freundschaftlichen Klaps auf den Rücken.

Heero warf und traf daneben. Seine Stirn runzelte sich und er warf ein zweites Mal. Diesmal traf er sogar und Duo feuerte ihn an.

Sie hatten Spaß. Anders konnte Duo es nicht beschreiben. Heero hatte ziemlich schnell begriffen wie das Spiel funktionierte. Kein Wunder, schließlich war es nicht so schwer. Und mit seiner mehr als übertrainierten Hand-Auge-Koordination war es klar, dass Heero ziemlich schnell ziemlich gut wurde. Als er zum ersten mal Tripple-Zwanzig traf leuchteten seine Augen vor Freude und Duos Herz zersprang fast vor Glück. Und er nahm sich fest vor, Heero noch öfters so eine Freude zu bereiten.

Sie spielten vielleicht seit einer Stunde, als zwei Typen auf sie zukamen. Die beiden waren relativ groß von Statur und vielleicht Mitte/Ende Dreißig. Duo bemerkte wie Heero kurz zusammen zuckte, obwohl die beiden sicherlich keine Gefahr bedeuteten. 

"Hey Jungs," dröhnte der eine. "Wollt ihr die Scheibe noch lange in Beschlag nehmen? Wir würden auch gern spielen."

Duo runzelte kurz die Stirn. Es war die einzige Scheibe in dem Pub, da wäre es fast unhöflich, wenn sie die ganze Zeit spielen würden. Aber Heero hatte gerade soviel Spaß und er natürlich auch. Er schüttelte abweisend den Kopf. "Wir sind noch nicht fertig. Aber wie wäre es mit einer gemeinsamen Partie? Cut Throat? Wir zwei gegen euch?"

"Klar warum nicht. Das ist Pete, ich bin John. Und wir werden mit euch den Boden aufwischen," erklärte der eine Riese gutmütig.

Duo lachte kurz und stellte schnell das neue Spiel an der Scheibe an. Als er sich zu Heero umdrehte sah er den verwirrten Ausdruck auf dessen Gesicht. Duo hob fragend die Augenbraue.

"Duo, was bedeutet das?" flüsterte Heero.

Duo beugte sich verschwörerisch zu ihm. "Wir spielen jetzt als Team gegen die beiden Burschen. Cut Throat ist ein spezielles Dart Spiel. Ziel ist es die Felder 15-20 und das Bull jeweils dreimal zu treffen. Sobald man es geschafft hat und der Gegner noch nicht, kann man darauf Punkten. Diese Punkte werden als Miese dem Gegner zugeschrieben. Wer am meisten Punkte am Ende hat, der hat verloren. Alles klar?"

"Ich hoffe. Aber Duo, ich bin nicht besonders gut."

"Keine Sorge Hee-chan. Wir sind ein Team, wir machen sie schon fertig."

Als sie drei Stunden später endlich den Pub verließen wusste Duo, dass es eine sehr gute Idee gewesen war hierher zu kommen. Heero war den ganzen Abend sehr locker gewesen. Hatte sogar mit den zwei Fremden gescherzt und sie hatten alles in allem verdammt viel Spaß gehabt. 

Heero hatte Duo noch nach Hause gefahren. Als sie vor dem Gebäude anhielten sagte er. "Das war ein netter Abend, danke Duo."

Duo musste einfach lächeln bei dieser Aussage. "Mir hat es auch viel Spaß gemacht. Morgen wieder?" fragte er hoffnungsvoll.

Heero schüttelte den Kopf. "Ich kann nicht," sagte er.

Duo war als wenn er einen Schlag in die Magengrube bekommen hätte.

Doch Heero redete weiter. "Ich hab ein sehr spätes Meeting im Büro. Das würde einfach nicht klappen. Wie wäre es aber mit übermorgen?" Heero wirkte bei dieser Frage auch hoffungsvoll.

"Auf jeden Fall," erwiderte Duo erleichtert. Er war froh das der andere von sich aus sofort einen Alternativvorschlag gemacht hatte. "Weißt du was? Du hast mich jetzt zweimal abgeholt, diesmal machen wir es anders rum. Ich hol dich von der Arbeit ab. Um sieben?"

Heero nickte. "Willst du wieder darten?"

"Hmmm, ich glaub mir fallen noch ein paar andere Dinge ein, die Spaß machen. Lass dich überraschen."

Dann verabschiedeten sie sich voneinander und Duo lief gut gelaunt die Treppen zu ihrer Wohnung hoch. Der Abend war um vieles besser verlaufen, als er es zu hoffen gewagt hatte.

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So vergingen die nächsten Tage und Wochen. Tagsüber versuchte Duo den Rekord von Jamie zu brechen. Wenn er nicht damit beschäftigt war, dann besuchte er hin und wieder Nadine oder ließ sich sogar von Dan zu einem neuen Kapitel überreden.

Abends traf er sich dann mit Heero. Oh, nicht jeden Abend, aber fast. Sie machten viel zusammen, unterschiedliche Dinge. Sie gingen essen, ins Kino sogar Bowlen. Und mit jedem Zusammensein hatte Duo das Gefühl das Heero sich mehr und mehr in seiner Gegenwart entspannte. Er schien nicht mehr so absolut auf der Hut zu sein. Schien nicht mehr hinter jeder Freundlichkeit von Duo einen Hintergedanken zu vermuten.

Das führte dazu, dass auch Duo sich etwas entspannte. Sicher er war immer noch unheimlich bemüht Heero für sich zu gewinnen. Aber er legte auch nicht mehr jedes Wort und jede Tat auf die Goldwaage. Ihr Zusammensein wurde gelöster, aber nicht weniger schön.

Seine etwas entspanntere Haltung führte auch endlich zu einem Durchbruch bei dem Deathscythe Problem. Es war mehr als schwierig überhaupt einen Hintereingang in das Spiel zu finden. Und Duo hatte mehrere Tage über dieses Problem geschwitzt und geflucht. Doch endlich hatte er einen Weg gefunden. Es war allerdings nicht der "Wunder-Cheat" den sich Duo erhofft hatte. Dazu war das System einfach viel zu gut geschützt.

Aber er hatte einen Weg gefunden, wie seine Figur für jeden Tag mehr Punkte bekam als vorgesehen. Er musste sogar dabei vorsichtig sein um nicht die internen Alarmsysteme zu aktivieren. Konnte sich also nicht mit einem Schlag all die Punkte geben, die es benötigte um Jamie zu besiegen.

Er musste immer noch stundenlang spielen und sich beweisen. Musste sich immer noch ungemein anstrengen um diesen vermaledeiten Rekord zu brechen, bis Jamie in Heeros Nähe kommen würde. Aber es war jetzt grundsätzlich möglich. Und so paradox es auch klang, es wirkte für Duo ehrlicher, als wenn er sich auf einen Schlag alle Punkte angeeignet hätte.

Seine Tage waren also ziemlich gut gefüllt. Es kam nie Langweile auf.

Nachts war er auch beschäftigt. Oh die Alpträume darüber das Heero ihm genommen wurde, kamen nicht mehr ganz so oft. Vielleicht einmal jede zweite Nacht. Aber von Mal zu Mal wurden sie schlimmer. Es passierte zwar jedes Mal das gleiche, aber je mehr Zeit Duo in Heeros Gegenwart verbrachte um so mehr war er sich sicher, dass er nie wieder von ihm getrennt sein wollte. Die Vorstellung Heero auch nicht mehr als Freund zu haben, war einfach schrecklich. Jedes Mal wenn er diesen Traum hatte, wachte Duo schweißgebadet auf.

Aber es gab auch andere Träume die ihn ziemlich mitnahmen. Träume von ihm und Heero zusammen. Erotische Träume. Es verging keine Nacht, in der Duos Gehirn ihn nicht mit Phantasien über unglaublichen Sex versorgte. Duo kam sich wirklich wieder wie ein Teenager vor. Und die Sehnsucht dem anderen auch körperlich wieder nahe zu kommen wurde immer größer.

Trotzdem, Duo würde es nicht überhasten. Es war auch schön erst einmal wieder Heeros Freund zu werden. Sie hatten soviel Spaß zusammen. Heero fasste langsam wieder Vertrauen in ihn. Das würde er nicht wegen seinen überkochenden Hormonen kaputt machen. Solange würde er seine Libido halt im Zaum halten müssen. Und Träume konnten schließlich auch etwas schönes sein.

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Seit Duos Ankunft in der Stadt waren knapp drei Wochen vergangen. Und inzwischen kannte ihn jeder bei Wing. Zumindest jeder der wichtig war. Duo winkte dem Empfangschef einfach nur zu, während er durch das Drehkreuz am Eingang ging. Duo wurde nicht mehr aufgehalten und nach seinem Namen gefragt und er brauchte auch keinen Besucherausweis mehr, wenn er Heero aus dem Büro abholen ging. Dazu war er inzwischen viel zu bekannt.

Summend betrat Duo den Fahrstuhl und drückte den Knopf zur obersten Etage. Er freute sich auf Heero, schließlich hatten sie sich gestern nicht sehen können. Aber das war ok gewesen. Denn Heero hatte das ganze Wochenende mit ihm verbracht. Samstag waren sie durch diverse Museen gewandert und am Sonntag hatten sie einen Vergnügungspark besucht. Duo lächelte bei der Erinnerung. Heero war fast nicht aus den Achterbahnen heraus zu bekommen gewesen. Mit vom Wind zerzausten Haaren und mit schierer Freude in den Augen hatte er wieder und wieder fahren wollen. Nicht dass Duo etwas dagegen einzuwenden gehabt hätte.

Heute würden sie es allerdings ruhiger angehen. Nur gemeinsam essen. Heero hatte leider nicht mehr Zeit, denn er musste morgen sehr früh zu einem wichtigen Meeting. Aber das reichte schon für Duo. Hauptsache sie waren zusammen.

Immer noch summend stieg Duo aus dem Fahrstuhl. Nach wenigen Schritten hatte er das Büro von Gwen erreicht. Obwohl sie inzwischen eine höhere Position hatte als "nur" Heeros Assistentin zu sein, saß sie immer noch in seinem Vorzimmer und bewachte mit Argussaugen wer zu ihrem Chef wollte.

Duo grinste von Ohr zu Ohr und winkte der Frau zu, "Hi Gwen, wie geht's?"

Gwen blickte von ihrem Computer auf und ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus. "Hallo Duo. Schön dich zu sehen."

Gwen war eine echte Überraschung für Duo gewesen, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Zwar wusste er von Heeros Erzählungen, dass sie nett war, aber er hätte nicht gedacht, dass er sie so auf Anhieb mögen würde.

Doch ein Blick auf die dunkelhaarige Frau Mitte Vierzig, die nur so vibrierte vor Professionalität hatte genügt. Zwar war Gwen eine Frau die wahrscheinlich jeden den sie wollte in den Boden starren konnte und die mit einer "Kein-Unsinn" Stimme redete. Und trotzdem war zu spüren wie sehr sie Heero mochte. Sie wirkte was Heero betraf eher wie eine Löwenmutter, die ihr Kind mit allen Mitteln verteidigte. Und Duo war sich sicher, sollte Gordon jemals das Pech haben Gwen in einer dunklen Gasse zu begegnen, er würde nicht ohne diverse Blessuren davon kommen. 

Und schon bei ihrer ersten Begegnung hatte sich zwischen Gwen und ihm auch ohne Worte ein Verständnis aufgebaut. Er hatte sich vorgestellt, hatte darauf bestanden dass sie ihn Duo nannte und nicht Mr. Maxwell und kaum ein paar Sekunden später hatte sie ihn angelächelt und gesagt er solle ab jetzt dafür sorgen das Heero weniger arbeitete und mehr Spaß im Leben hatte.

Duo hatte diese Mission ohne die geringsten Bedenken und aus vollem Herzen angenommen.

Gwen lächelte ihm noch einmal zu, dann betätigte sie die Gegensprechanlage und sagte Heero das er da war um ihn abzuholen.

Heero kam tatsächlich ein paar Sekunden später aus seinem Büro. Er grüßte Duo lächelnd und winkte Gwen zum Abschied. Diese zwinkerte Duo zu. "Pass auf, dass er nicht zu früh nach Hause geht," sagte sie dann scherzend.

"Keine Sorge Gwen," und mit diesen Worten verabschiedeten sie sich.

Schweigend gingen Duo und Heero in die Tiefgarage. Aber es war ein gutes Schweigen. Duo hatte nicht mehr das Gefühl dass er eine Unterhaltung unbedingt am Leben halten musste. Sie verstanden sich manchmal auch so, ohne viele Worte.

Duo hatte sich inzwischen ein nettes Auto ausgeliehen. Er hatte zu seiner Enttäuschung feststellen müssen, dass Heero sich nicht von ihm zu einem Sportflitzer überreden ließ. Aus irgendeinem Grund hing er wohl an seiner verbeulten alten Kiste. Aber er ließ sich gerne von Duo in dessen roten Flitzer kutschieren. Während Duo durch die Straßen der Stadt navigierte überlegte er sich, dass er sich dieses Auto sicher kaufen würde, sobald er für immer hierher zog. 

"Wohin gehen wir?" fragte Heero plötzlich.

"Mir wurde ein neues Restaurant direkt am Strand empfohlen. Die sollen phantastische Fischgerichte machen. Und das lustige, am Anfang werden die Kunden in die Tiefkühlräume geführt, damit sie sich dort den Fisch aussuchen können, den sie essen wollen. Cool, oder?"

"Hn. Ist das bei den Hygienebestimmungen erlaubt?"

Duo zuckte mit den Schultern. "Ist doch egal. Hauptsache es schmeckt."

Heero nickte nur zustimmend.

Das Restaurant war wirklich so toll, wie Nadine es behauptet hatte. Duo seufzte zufrieden während er auf den wunderbaren Sonnenuntergang blickte. Sie hatten draußen auf der Terrasse gesessen und das mehr als leckere Mahl gegessen. Jetzt waren sie noch auf ein Gläschen Wein geblieben.

"Das war sehr nett. Danke Duo," erklärte Heero.

Duo machte eine abwehrende Handbewegung. "Du musst mir doch nicht danken. Ich find es schön dich bei mir zu haben. Morgen wieder? Wollen wir vielleicht ins Kino."

"Gerne," bekam er als Antwort. Dann nach ein paar Sekunden des Schweigens fügte Heero noch hinzu, "Duo, wieso gehst du eigentlich nie in Clubs mit mir?"

Duo, der gerade von seinem Wein trinken wollte, verschluckte sich fast. "Wieso sollte ich?" fragte er zurück.

Heero zuckte nur mit den Schultern. "Du bist doch sonst immer in Clubs gegangen. Es muss doch schrecklich langweilig für dich sein, mit mir nur essen zu gehen."

Hastig stellte Duo das Glas beiseite. Dann legte er seine Hand auf die von Heero und drückte diese. "Zunächst einmal, es ist niemals langweilig mit dir Heero. Ich schätze jede Sekunde die wir beisammen sind."

"Aber..." versuchte der andere einzuwerfen.

Doch Duo ließ ihn nicht ausreden. "Und wieso sollte ich dich in Clubs zerren? Ich weiß doch dass du die hasst. Was für ein Freund wäre ich, wenn ich dich zu etwas zwinge das du nicht magst?"

"Das hat dich früher auch nie gestört Duo," es war eine tiefe Bitternis in Heeros Stimme zu hören.

Duo seufzte tief. "Oh Heero. Damals war ich ein dummer, unreifer, egoistischer Scheißkerl der nur an seine eigene Probleme dachte und der seinen Frust über das Leben an dir ausgelassen hat." So klar hatte Duo es noch nie formuliert. Aber inzwischen sah er ihre Vergangenheit genauso. Und zu Recht, wie er fand. Er hatte gewusst das Heero nichts mit Clubs anfangen konnte und hatte ihn trotzdem regelmäßig dorthin gezerrt nur um dann erst Recht auf den anderen sauer zu werden, wenn es diesem dort nicht gefiel.

Und hatte er im Gegenzug auch nur ein einiges Mal versucht Heero bei dessen Aktivitäten zu begleiten? Natürlich nicht. Wenn Duo eine Zeitmaschine besitzen würde, dann würde er die Zeit zurück drehen um seinen jüngeren Selbst gehörig in den Arsch zu treten und bescheid zu stoßen.

Aber leider ging das nicht, er konnte nur versuchen Heero davon zu überzeugen dass er jetzt nicht mehr so war.

"Oh!" war alles was Heero sagen konnte.

"Ja, oh. Heero ich weiß ich war damals wirklich ein verdammtes Arschloch. Und ich hoffe, dass du mir es verzeihen kannst."

"Wieso Duo?" fragte Heero.

Duo wusste dass Heero nicht fragte wieso er ihm verzeihen sollte, sondern warum er damals so gewesen war. Er schüttelte den Kopf und zuckte mit den Schultern. "Wenn ich das nur wüsste Heero. Ich war frustriert von dem Studium. War frustriert weil ich mich nicht an dieses neue Leben nach dem Krieg gewöhnen konnte. War frustriert weil es dir so absolut einfach gelang. Aber all das ist keine Entschuldigung dafür, wie ich dich behandelt hab. Ich war ein schlechter Freund." Er wagte es nicht anzudeuten, dass er auch verantwortlich für den Bruch ihrer Beziehung war. Das Thema war noch viel zu schmerzhaft für Duo. Und Heero konnte das sicher auch nicht gebrauchen. Aber er war zumindest bereit dafür die alleinige Verantwortung zu tragen.

Eine Weile herrschte nur tiefes Schweigen zwischen ihnen. Doch dann, als Duo schon fast nervös wurde, drückte Heero seine Hand und sagte mit belegter Stimme, "Ist schon OK. Wir beide haben damals Fehler gemacht."

Und vielleicht, so überlegte Duo, vielleicht war das die wichtigste Erkenntnis überhaupt.

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Am nächsten Nachmittag war Duo gerade dabei eines der höheren Monster bei Deathscythe zu töten, als sein Vidphone klingelte. Es überraschte ihn, denn wer sollte ihn um diese Uhrzeit schon anrufen? Für einen kurzen Moment befürchtete er sogar, dass es Heero war der ihr Treffen absagen wollte.

Sie hatten gestern Abend nicht mehr viel gesagt. Ihr Gespräch war - trotz der Kürze - viel zu bewegend gewesen als dass sie danach sinnlosen Small Talk hätten machen können. Trotzdem hatte Duo nicht das Gefühl gehabt, dass sie sich im bösen getrennt hätten. Aber die ganze Sache hatte ihn die Nacht über schrecklich beschäftigt und vielleicht war es Heero nicht anders ergangen.

Doch als die Verbindung aufgebaut war, blickte ihm nicht Heeros ärgerliches Gesicht entgegen sondern eine verzweifelte Gwen. "Duo, sag mir bitte das Heero bei dir ist," rief sie aus, als sie ihn sah.

Verwirrt schüttelte Duo den Kopf. "Nein, ist er nicht. Wir sind erst für heute Abend verabredet."

"Fuck!" brach es aus der Frau heraus.

Duo blickte sie entsetzt an. Er hätte nie gedacht, dass die sonst so gefasste Frau jemals zu solchen Worten greifen würde. "Was ist denn los?" fragte er besorgt. Wenn Gwen so reagierte dann musste mindestens der Weltuntergang bevorstehen.

Gwen fluchte weiter ohne auf seine Frage einzugehen. Von ihren rasenden Schimpftiraden bekam Duo nicht viel mit, nur hin und wieder konnte er Wortfetzen wie ‚Gordon', ‚verdammte Presseheinis' und ‚Ich werde ihm die Eier abschneiden' heraushören.

Dann nach ca. zwei Minuten des Fluchens hatte sie sich etwas beruhigt und blickte ihm tief in die Augen. "Ich hab nicht viel Zeit Duo. Heero ist verschwunden und ich versuch ihn zu finden."

"Was ist passiert?" Duo wurde es ziemlich ungemütlich. Heero verschwunden und Gwen die jede Rachegöttin in den Schatten stellen könnte. Das hörte sich nicht gut an.

"Es ist was schreckliches passiert. Diese dreimal verfluchte Journale. Ich kann das jetzt nicht erklären. Besorg dir den ‚Enquire' dann wirst du es sofort wissen. Und wenn Heero bei dir auftaucht, lass ihn nicht aus den Augen, ich befürchte das schlimmste." Mit diesen Worten erlosch die Verbindung.

Duo starrte ungläubig auf den dunklen Monitor. Er war jetzt immer noch nicht schlauer, aber durch Gwens Worte war auch bei ihm eine unbändige Angst empor gekrochen. Mit tauben Fingern wählte er Heeros Mobilnummer. Doch er bekam keine Antwort. Für eine Sekunde schimpfte sich Duo auch dafür aus, natürlich hätte Gwen als erstes versucht den anderen da zu erreichen.

Duo wusste das er mehr über diese Geschichte erfahren musste. Hier so ohne Information herum zu sitzen würde ihn noch töten. Ohne groß nachzudenken schnappte er sich seine Jacke und rannte aus der Wohnung. Zwei Blocks weiter gab es an der Straßenecke einen Zeitschriftenkiosk. Da würde er auch diese ‚Zeitung' bekommen. Unter normalen Umständen würde er dieses Blatt noch nicht einmal mit einer Kneifzange anfassen, aber das ließ sich jetzt nicht ändern.

Er rannte regelrecht zu dem Kiosk. Außer Atem verlangte er die Zeitschrift und nachdem er sie erhalten hatte, rollte er sie einfach zusammen, steckte sie ein und rannte zu seiner Wohnung zurück. Seine Neugierde brachte ihn zwar fast um, aber wenn der Inhalt tatsächlich so schrecklich war, dann würde er es nicht in aller Öffentlichkeit lesen wollen.

Die ganze Aktion hatte ihn vielleicht zehn Minuten gekostet. Trotzdem blinkte sein Anrufbeantworter wie wild, als er in seine Wohnung zurückkam. Mit klopfendem Herzen betätigte Duo den roten Knopf, hoffte dass es Heero gewesen war der versucht hatte ihn anzurufen.

Doch stattdessen hallte Quatres aufgeregte Stimme aus dem Lautsprecher. "Duo, ist Heero bei dir. Duo, wo bist du? Fuck!"

Das war die erste Aufzeichnung. Dann knackte das Gerät wieder und Quatre sprach wieder. "Ich bins wieder. Duo wenn du weißt wo Heero ist, dann geh zu ihm, pass auf ihn auf. Ich befürchte das schlimmste. Sag ihm dass meine Anwälte schon dabei sind die Verbreitung des ‚Enquire' zu stoppen. Sie haben schon eine einstweilige Verfügung eingereicht. Alles wird gut." Doch Quatres Stimme klang alles andere als davon überzeugt.

Duo wurde es jetzt wirklich mulmig. Er ließ sich auf das Sofa fallen und zog die zerknitterte Zeitschrift aus seiner Jacke. Was konnte dort nur so schlimm drin sein, dass alle ausflippten? Mit zittrigen Fingern begann er zu blättern.

Ein paar Momente später wich sämtliche Farbe aus seinem Gesicht und er starrte ungläubig auf die Seiten vor ihm. Gordons lächelnde Fresse grinste ihm entgegen und Duo konnte den Wunsch dessen Gesicht zu Brei zu hauen nur unter größter Anstrengung unterdrücken. Fahrig und besorgt begann er zu lesen.

Es war eine so genannte "Homestory". Gordon stellte dort mit schmierigen Phrasen seinen neuen Freund vor und sie zeigten stolz ihr gemeinsames Reich. Und als ob das nicht schon vollkommen ausreichen würde um in jedem normalen Menschen einen Brechreiz auszulösen, musste Gordon das ganze noch toppen. Mit unglaublicher Brutalität zog er über Heero her. Ließ den anderen wie einen eiskalten, berechnenden Menschen dastehen der sogar die Frechheit besessen hatte Gordon zu zwingen die Trennung monatelang geheim zu halten. 

Und von dem Punkt ging es nur noch abwärts. 

Minutiös beschrieb Gordon wie er von Heeros angeblicher emotionaler Kälte aus ihrer Beziehung getrieben wurde. Stellte sich selbst als Opfer hin, der Jahrelang versucht hatte die Beziehung zu retten, aber angesichts des Eifersuchts- und Kontrollverhaltens von Heero Schlussendlich doch aufgeben musste. 

Duo fragte sich mehr als einmal, wie die Zeitschrift es sich überhaupt leisten konnte diese Dinge zu drucken. Es waren schlimme Lügen und beleidigende Behauptungen. Gordon zog Heero durch den Dreck. Als etwas anderes konnte man es nicht bezeichnen. Demontierte das Bild von Heero in der Öffentlichkeit Stückchen für Stückchen. Nannte ihn sogar eine Statue aus Eis, die ohne Gordon niemals mit normalen Menschen hätte interagieren können und der auch im Bett das Feuer eines Gletschers versprühte.

Duo hätte am liebsten die Zeitschrift zerrissen. Oder noch viel lieber Gordon. Wie konnte dieser Heero das nur antun? Alle würden das lesen. Und es glauben. Die Kastrationsidee von Gwen klang immer besser in Duos Ohren. Mit einem Aufschrei schleuderte er die Zeitschrift weg. Er konnte - nein er wollte - nichts mehr von diesen verdammten Lügen lesen.

Dann sprang er auf. Wie ein gefangener Tiger rannte er auf und ab. Wenn er nur die geringste Ahnung hätte wo Heero war, er würde sofort aufbrechen.... Vielleicht sollte er den anderen suchen.

Doch plötzlich öffnete sich die Haustür ganz zaghaft. Duo schickte ein Dankesgebet zum Himmel. Nur eine andere Person hatte neben ihm einen Schlüssel. Mit zwei schnellen Schritten war er bei der Tür und riss sie ungeduldig auf.

Duo musst schlucken. Vor ihm stand Heero. Aber nicht der Heero den er kannte. Sein Gegenüber wirkte geschlagen. Ja genau. So als hätte ihn jemand absolut besiegt, ihm den Teppich unter den Füßen gezogen. Er zitterte und blickte Duo traurig an.

Ohne groß Nachzudenken zog Duo den anderen in ihre Wohnung, schloss ihn in eine feste Umarmung. Er konnte spüren wie schlimm Heero zitterte. Streichelte wieder und wieder über dessen Rücken, versuchte so ihn etwas zu beruhigen.

Minutenlang standen sie einfach nur so da. Niemand sagte etwas nur Heero seufzte ab und zu. Das Zittern ließ nicht wirklich nach, aber zumindest versuchte Heero nicht der Umarmung zu entkommen. Im Gegenteil er hielt sich an Duo beinah krampfhaft fest. So als wenn dieser das einzige war dass ihn noch aufrecht hielt. Und vielleicht stimmte das auch.

Dann, nach einer halben Ewigkeit krächzte Heero. "Wieso? Wieso hat er das getan Duo?"

Duo drückte den anderen noch fester an sich. "Ich weiß es nicht Heero. Aber er wird dafür bezahlen." 


Kapitel 14

"Ich weiß es nicht Heero. Aber er wird dafür bezahlen."

Bei diesen Worten klammerte sich Heero noch fester an Duo. "Nicht," flüsterte er kaum hörbar.

Duo wollte schon aufbrausen. Wollte verkünden dass es absolut und unmissverständlich Rache an Gordon geben müsste. Aber er stoppte sich selbst bevor diese harten Worte seinen Mund verlassen konnten. In dem Zustand in dem Heero gerade war gab es wichtigeres als über diesen Wurm Gordon nachzudenken. Außerdem, Rache war ein Gericht das am besten kalt serviert wurde.

Duo hielt den anderen weiter in einer beschützenden Umarmung und versuchte den ehemaligen Wing Piloten so gut es ging zu beruhigen. So hatte er Heero wirklich noch nie gesehen, aber wahrscheinlich war ihm auch noch nie so weh getan worden. 

"Wieso nur?" flüsterte Heero wieder und wieder.

Wieso? Genau dass war die Frage die auch Duo beschäftigte. Wie kam Gordon auf die Idee seinen ehemaligen Partner derart in der Öffentlichkeit anzugreifen. Ihn zu vernichten? "Ich weiß es wirklich nicht Heero," antwortete Duo immer noch ratlos. "Manchmal, manchmal wenn eine Beziehung in die Brüche geht, dann greifen sich die Menschen an. Versuchen durch böse Bemerkungen und Lügen den anderen schlecht - und sich selbst dadurch besser dastehen zu lassen. Manchmal ist eine Trennung so schmerzhaft, dass man nur noch um sich schlagen will und versucht dadurch dem anderen genauso viel Schmerzen beizufügen wie man sie selbst hat."

"Aber..." begann Heero, brach dann aber mit einem leisen Schluchzen ab.

"Ich weiß," flüsterte Duo hilflos in Heeros Ohr. "Das erklärt nicht was Gordon hier getan hat."

Denn das tat es tatsächlich nicht. Die Trennung war mehr als ein halbes Jahr her. Und es war Gordons Schuld gewesen. Sicher, Duo konnte objektiv verstehen wieso Gordon es vor der Öffentlichkeit so hinstellte, dass nicht er der Schuldige war. Und um das zu schaffen musste er harte Geschütze auffahren, schließlich hatte er Heero betrogen. Ihre Freunde, Bekannte, Kollegen und alle Fans würden es ihm sonst sicher nicht so leicht verzeihen, dass er fremdgegangen war. 

Aber er war mit seinem Gegenschlag viel zu weit gegangen. Das war mehr als böses Nachreden nach dem Scheitern einer Beziehung. Das wusste Duo aus eigener Erfahrung. Nicht alle seine Trennungen waren still und leise vor sich gegangen. Aber selbst die hasserfülltesten Worte hatte es niemals außerhalb des Bekanntenkreises gegeben. Keiner seiner ehemaligen Partner war zu einem Revolverblatt gegangen und hatte schmutzige Wäsche über ihn verbreitet. So etwas zeugte von schlechtem Stil. 

Heero zitterte plötzlich wieder. "Alle werden es lesen." Er schluchzte. "Und sie werden es glauben."

Duo schloss gequält die Augen. Heero hatte wahrscheinlich Recht. So eine Schlammschlacht würde sich die sensationshungrige Gesellschaft nicht entgehen lassen. Gordon und Heero waren über die Jahre immer als das beispielhafte Traumpaar dargestellt worden. Und die Massen liebten es erfolgreiche Menschen tief fallen zu sehen. 

Jetzt zeigte sich was für ein zweischneidiges Schwert Berühmtheit war. Wäre Heero eine ganz normale Person würde es so gut wie niemanden interessieren was sein Ex-Partner über ihn sagte. Sicher, der Freundeskreis würde davon betroffen sein. Und vielleicht würden einige Menschen die eine oder die andere Partei ergreifen. Schlimm genug, aber das wäre alles. Damit konnte man leben.

Doch was Gordon getan hatte ging viel tiefer. Duo hatte in seinem Ekel den Artikel eher überflogen, trotzdem hatte er schon genug gehabt. In dem elendigen Interview wurde Heeros Bild, seine ganze Persönlichkeit durch den Dreck gezogen. Er wurde als eiskalte, berechnende Killermaschine beschrieben. Ihm wurde die Schuld der Trennung in die Schuhe geschoben. Und er wurde als jemand beschrieben der nicht normal mit anderen Menschen interagieren konnte.

Duo schäumte bei diesem Gedanken vor Wut. Wenn man bedachte wie unmenschlich Heeros Erziehung gewesen war - J hatte aus ihm tatsächlich diese Killermaschine gemacht. Aber trotz allem war Heero ein freundlicher, netter Mensch geworden. Er hatte sich so sehr verändert - zum Guten verändert. Er hatte sich seine Nische gesucht und gefunden. Hatte auch neben den anderen Gundam Piloten Freunde gefunden und hatte es geschafft aus seinen Kriegstalenten etwas zu erschaffen das vielen Leuten Freude bereitete.

Heero verdiente es nicht, so durch den Schmutz gezogen zu werden. Und schon gar nicht von diesem Lügner und Betrüger Gordon. 

"Heero, deine Freunde werden wissen was sie von diesem Bullshit zu halten haben. Niemand der euch beide wirklich kennt, wird diesem Geschmiere glauben."

Heero schnaubte nur.

Duo rückte etwas von ihn ab und hob seinen Kopf an, brachte ihn so dazu, ihm ins Gesicht zu sehen. "Glaub mir Heero. Deine Freunde stehen hinter dir. Quatre und Gwen suchen schon verzweifelt nach dir."

"Und was ist mit all den anderen?" brach es aus Heero hervor. "Meine Angestellten? Mein Vorstand? Meine Fans? Wie soll ich denen jemals wieder unter die Augen kommen? Alle werden das lesen und es glauben."

Er war ärgerlich. Duo war fast erleichtert darüber. Vorher war Heero eigentlich nur verletzt und gebrochen gewesen. Im Gegensatz dazu war Ärger richtig gut. 

Doch die Flamme in Heeros Augen erlosch fast so schnell wie sie aufgeflackert war. Heero klappte seinen Mund wieder zu und wandte seinen Blick wieder von Duo ab, fing sogar wieder mit dem Zittern an.

"Es tut so weh Duo," flüsterte Heero.

Duo fühlte sich hilflos. Alles was er tun konnte, war den anderen fest an sich zu drücken und beruhigenden Unsinn in dessen Ohr zu flüstern. Er wollte nicht, dass Heero sich so verletzt fühlen musste. 

Doch trotz allem, es fühlte sich unheimlich gut an Heero in den Armen zu haben. Sicher, Duo würde sonst etwas drum geben, um diese Aktion von Gordon zu verhindern, aber die Tatsache, dass sein Herz fast vor Freude tanzte bei dem Gedanken Heero so nah zu sein, die konnte er auch nicht verleugnen. Es fühlte sich einfach richtig an. Heero in seinen Armen fühlte sich richtig an. Dort gehörte der andere hin und Duo hatte nicht vor ihn jemals wieder los zu lassen.

Wenn Duo wirklich noch einen Beweis dafür gebraucht hätte, dass seine Gefühle für Heero Liebe waren - dann hatte er ihn jetzt. Dieses Gefühl hier hatte nichts mit purer Lust zu tun. Es war einfach eine tiefe Verbundenheit, das was er in den letzten Jahren so erfolglos überall sonst gesucht hatte. Und er würde den Teufel tun und diese Gefühl jemals wieder aufzugeben.

Lange Zeit blieben sie so aneinander geklammert. Heero redete nicht mehr viel, aber er suchte Duos Nähe und ließ sich allein durch diesen Kontakt schon etwas trösten.

Duo wusste nicht einmal genau, wie lange sie so dicht beieinander auf dem Sofa saßen. Aber irgendwann musste er selbst vor Erschöpfung eingenickt sein. Zumindest nahm er das an, als er später von einem lauten Geräusch geweckt wurde.

Er brauchte ein paar Moment um sich zu orientieren. Fragte sich kurz, was er hier im dunkeln auf dem Sofa machte. Doch dann kam die Erinnerung zurück. Ihm viel wieder ein was dieses Schwein mit Heero gemacht hatte und er wurde sofort auf Gordon ärgerlich.

Und genau bei dem Gefühl bemerkte er etwas anderes, nämlich dass Heero nicht mehr in seinen Armen lag. Er war hier allein und sofort blickte er sich besorgt um. Er wollte schon aufspringen und nach dem anderen suchen, als er doch Heeros Stimme aus dem Nebenzimmer hörte.

"Nein Quatre, ich will das nicht," erklärte Heero gerade in ruhigem Ton.

Duo ließ sich ein wenig erleichtert wieder auf das Sofa zurück fallen. Heero schien mit ihrem Freund zu telefonieren. Und da es außer im Wohnzimmer kein Vidphone gab, musste er wohl sein Handy endlich angeschaltet haben. Was auch erklärte wieso Duo nicht Quatres Teil der Unterhaltung hören konnte.

"Quatre. Quatre!" ertönte es jetzt doch lauter. "Ich habe nein gesagt. Und das bedeutet dass du deine Anwälte sofort zurück pfeifen wirst."

"Ja, ich weiß genau was das bedeutet.... Und nein ich werde es mir nicht anders überlegen."

Ein langer Seufzer war in der nächsten Gesprächspause zu hören. "Wie oft muss ich mich noch wiederholen? Es wird keine Klage gegen Gordon geben. Und damit ist die Sache erledigt! Wir hören von einander." Ein ärgerlicher Fluch und Duo meinte fast hören zu können wie Heero das Handygespräch beendete.

Duo schüttelte sich. Heeros Stimme gerade hatte ihm gar nicht gefallen. Und das Gespräch schien auch keinen Sinn zu machen. Zumindest keinen der Duo passte.

Ein paar Momente später kam Heero ins Wohnzimmer zurück. Er blickte auf Duo. "Oh, du bist wach," stellte er leise fest.

Duo blickte auf seinen Freund, wie dieser beinahe verloren im Türdurchgang stand. Heero sah nicht wirklich gut aus. Zwar war das Licht nicht besonders hell, aber die dunklen Augenringe konnte Duo trotzdem erkennen. Er winkte den anderen zu sich. "Was war denn gerade los?" fragte er. Hatte sich Heero vielleicht mit Quatre gestritten? Höchst ungewöhnlich.

Heero fuhr sich verlegen mit der einen Hand durch seine Haare. "Oh, du hast es gehört..."

"Nur ein wenig. Komm setz dich zu mir und erzähl was los war." Duo lächelte seinen Freund an. Aber er hoffte dass sein Gesicht gleichzeitig zeigte wie entschlossen er war, mehr von der Sache zu erfahren.

Heero seufzte, doch langsam und fast unwillig ging er trotzdem auf das Sofa zu. Einige Momente später hatte er sich dann tatsächlich hingesetzt. Doch anders als zuvor, als er Duos Nähe gesucht - fast sogar aufgesogen - hatte, saß er jetzt ein wenig steif und so weit wie möglich von Duo entfernt auf der Sofakante. Dabei blickte er demonstrativ in die andere Richtung.

Duo wagte es eine Hand auszustrecken und berührte ganz leicht Heeros Schulter. "Was war los? Hast du dich etwa mit Quatre gestritten?"

Heeros Gesicht schnellte abrupt in Duos Richtung. Heeros Augen glänzten wieder mit Kampfesfeuer. Doch dann wurden sie wieder traurig und leer und Heeros Schultern fielen in sich zusammen. "Quatre wollte einfach nicht meine Entscheidung akzeptieren," murmelte er.

Duo wurde immer neugieriger. Ein Streit mit Quatre zu haben war so gut wie unmöglich. Zumindest als einer seiner Freunde. Dazu war der blonde Firmenchef einfach zu einfühlsam. Und er setzte seinen Willen immer auf subtilere Art und Weise durch.

Außerdem hatte Duo in dem belauschten Gespräch etwas von ‚Anwälte zurück pfeifen' gehört. Und das war jetzt mehr als seltsam. "Welche Entscheidung?" fragte er deshalb nach.

Heero schweig wieder für einige Augenblicke. Fast wie ein bockiges Kind. Duo stupste ihn mit den Fingerspitzen an. Er wusste nur zu gut, wie man den anderen doch zum reden brachte. "Nun sag schon," fügte er noch hinzu.

Heero schien auch erkannt zu haben, dass Duo keine Ruhe geben würde. "Ich hab Quatre angewiesen nicht gegen den Artikel vorzugehen," brach es aus ihm heraus.

Duo musste schwer schlucken. Damit hatte er denn nun doch nicht gerechnet. "Bist du des Wahnsinns feiste Beute?" begehrte er auf. "Dieser Schmierenartikel muss vom Markt genommen werden. Sonst wird es wirklich noch jeder lesen!"

Heero schüttelte den Kopf. "Dazu ist es doch schon längst zu spät Duo. Weißt du wie sich solche Neuigkeiten verbreiten? Alle anderen ‚Nachrichten-Magazine' haben das schon längst aufgegriffen. Zitieren den Enquire. Tun dabei zwar so, als wenn sie diese Schlammschlacht schrecklich finden, berichten aber trotzdem in aller Ausführlichkeit darüber. So ist das nun mal."

"Ein Grund mehr es zu stoppen!" brauste Duo auf.

"Es ist nicht mehr zu stoppen. Und wenn Quatres Anwälte jetzt vor Gericht gehen, dann wird die gesamte Pressemaschinerie erst recht angeheizt."

"Aber..."

"Nein Duo. Ich komm aus dieser Sache nicht mehr raus. Aber ich weigere mich denen noch weitere Munition zu liefern. Ich werde denen nicht noch mehr Material für ihr Feuer liefern."

"Aber dann ist Gordons Sicht der Dinge das einzige was die Öffentlichkeit zu sehen bekommt."

Heero zuckte mit den Schultern. "Dann ist es halt so. Du hast vorhin selbst gesagt dass meine Freunde wissen werden was sie davon halten müssen. Und ich werde mich nicht auf Gordons Niveau herunter begeben. Ich werde dazu schweigen und alles ignorieren. Das ist der einzige Weg."

Auch wenn Duo einiges der Argumente nachvollziehen konnte, so ging es ihm doch kräftig gegen den Strich, dass Heero einfach nichts gegen diese Anfeindungen tun wollte. Das wirkte fast wie ein aufgeben. Und dass passte nun gar nicht zum perfekten Soldaten - zum perfekten Kämpfer.

"Heero," begann er noch einmal wurde aber von einem wütenden Aufbrausen von seinem Freund gestoppt.

"Verdammt Duo fang nicht so an wie Quatre. Ich hab meine Entscheidung getroffen. Sie ist unumstößlich! Ich mach bei dieser Schlammschlacht nicht mit."

"Ach Fuck!" brach es jetzt auch aus Duo heraus. "Du willst nicht mitmachen? Und während du heldenhaft diesen Artikel ignorierst werden diese Lügen weiter verbreitet. Wieso kämpfst du nicht gegen Gordon?"

Und in dem Moment griff eine eiskalte Hand nach Duos Herz. Er hatte eine schlimme Vermutung. Eine die er am liebsten sofort vergessen und nie wieder darüber nachdenken würde. Aber es war das einzige, was einen Sinn ergab. Duo fürchtete sich davor, diesen Verdacht in eine Frage zu packen. Was wenn Heero es bestätigte. Aber war es nicht noch schlimmer es nicht zu wissen?

Gequält kniff Duo seine Augen zusammen. Dann schluckte er einmal trocken und stellte die ungemein wichtige Frage. "Liebst du ihn noch?"

Das musste es sein, oder? Wieso sonst würde dieser Verrat von Gordon Heero derart treffen? Schon vorhin hatte Duo kurz so etwas vermutet, es aber nicht weiter verfolgt, weil die Konsequenzen für ihn einfach zu schlimm waren. Aber jetzt? Welchen anderen Grund sollte es für Heeros sonderbares Verhalten geben?

Gespannt saß Duo da, die Sekunden schienen sich zu Ewigkeiten auszudehnen, während er auf Heeros Antwort wartete.

"Wie kommst du nur auf diese Idee?" Heeros Stimme klang vollkommen erstaunt, als er die Gegenfrage stellte.

"Ich... Ich... Heero antworte einfach. Liebst du ihn noch? Ist das der Grund warum du ihn nicht hinter Gitter bringst? Warum du ihn jetzt nicht stoppst?"

"Nein," flüsterte der Braunhaarige schlicht.

"Bist du dir sicher?" Duo war es nämlich nicht. Er hätte jetzt zu gern Heero tief in die Augen gesehen, um dort zu erkennen ob dieser log oder nicht. Aber Heero hatte sich von ihm abgewandt.

"Ja."

Duo rückte näher zu seinem Freund. Er musste ihm jetzt nahe sein. Mit seinen Händen ergriff er dessen Gesicht und mit sanfter Gewalt zwang er Heero ihn anzusehen. "Wie kannst du dir sicher sein? Er hat dich betrogen, die Trennung war schmerzhaft... Aber dass heißt noch lange nicht dass deine Gefühle für ihn damit auch gestorben sind. Glaub mir."

Duo sah wie der andere schwer schluckte. Und er erkannte klar und deutlich wie eine tiefe Traurigkeit Heeros Augen umwölkte. Dann nach einem weiteren tiefen Seufzer sprach der ehemalige Wing Pilot endlich. "Duo," seine Stimme klang dabei seltsam gebrochen. "Gordon und ich... Ich hab ihn nie geliebt. Und alles andere was ich für ihn empfunden hab - Respekt - Freundschaft - Vertrauen - das ist an dem Tag gestorben als ich unumstößlich wusste dass er Wing betrog."

"Du hast ihn nie geliebt?" Duo konnte nicht verstehen, was er da gerade hörte. "Ihr wart sieben verdammte Jahre zusammen!"

Heero zuckte nur mit den Schultern und versuchte sich wieder wegzudrehen. "Na und," sagte er leise.

Duos Mund blieb vor Erstaunen offen stehen. Er konnte nicht mal anfangen in Worte zu fassen, was ihm gerade alles durch den Kopf ging.

Aber Heero wartete gar nicht auf seine Erwiderung sondern redete leise weiter. "Das war nie wichtig Duo. Ich wollte nicht allein sein. Und Gordon... Und Gordon war halt da. Wir waren befreundet, hatten die gleichen Interessen, konnten gut zusammen arbeiten." Er zuckte wieder fast hilflos mit den Schultern. "Es schien auszureichen. Das schien genug zu sein. Es war ok."

Duo schüttelte jetzt fast wild seinen Kopf hin und her. "Verdammt Heero," brach es aus ihm heraus. "Du kannst dich doch nicht mit ‚genug' zufrieden geben. ‚Genug' ist nie genug. Du hast ein Recht darauf alles zu wollen, Liebe zu wollen. Warum gibst du dich mit einem Abklatsch davon zufrieden?"

Heero schnaubte und erhob seine Stimme. "Und mit wem sollte ich das teilen, Duo? Wer will mich schon haben? Ich bin eine eiskalte Killermaschine die nie gelernt hat Gefühle richtig auszudrücken. Der mit seinem Perfektionismus und Kontrollzwang alle von sich stößt. Der alles was ihm jemals etwas bedeutet hat kaputt gemacht hat."

"Du glaubst doch nicht etwa diese Lügen aus dem Artikel? Das sind Lügen, nichts weiter. Und Gordon hat sie in die Welt gesetzt um sich bei dir mit einem Arschtritt zu verabschieden."

"Es ist die Wahrheit, Duo."

"Heero..."

"Nein, verdammt," jetzt schrie Heero fast. "Sieh es ein. Es gibt niemanden der mich jemals lieben könnte. Niemand. Also ist diese ganze Diskussion sinnlos."

Mit Erschrecken erkannte Duo, dass dies der Punkt war, wo er seinen Freund in die Arme schließen konnte und ihm sagen, dass er ihn liebte. Ihn mit diesem Geständnis aus dieser Depression - dieser Wahnvorstellung - herausholen. Er würde ihn umarmen, ihn küssen und ihn fest halten bis ans Ende aller Tage.

Und er würde es eine hundertstel Sekunde später bedauern. Plötzlich begriff Duo, was Nadine gemeint hatte als sie sagte dass Heero noch nicht über die Trennung hinweg war. Heero konnte behaupten dass er Gordon nie geliebt hatte, vielleicht hatte er damit sogar Recht - Duo hoffte diesen Punkt sehr. Aber der Betrug von Gordon hatte Heero getroffen. Tief getroffen. 

Heero hatte gedacht dass er seinem Partner vertrauen konnte und wurde eines besseren belehrt. Kein Wunder dass sein Selbstwertgefühl derart am Boden war. Die Geschichte mit Gordon hatte ihm den Boden unter den Füßen weggerissen.

Und in der Verfassung in der Heero jetzt war, würde er sich da nicht sofort auf Duo einlassen? Würde er sich da nicht an den nächsten klammern, dem er vertraute der sogar behauptete ihn zu lieben? Auf jeden Fall würde Heero das tun.

Aber dann würde sich Duo niemals sicher sein können, was Heero für ihn empfand. Er wollte dass der andere ihn liebte, genauso liebte wie er ihn. Er wollte nicht, dass Heero ihn nahm, weil er glaubte dass niemand ihn jemals lieben konnte. Das konnte Duo nicht zulassen. Das würde sie beide über kurz oder lang nur verletzten.

Aber er konnte Heeros Freund sein. Dem anderen aus dieser Krise helfen und dann, wenn Gordon nur noch eine traurige Erinnerung war, dann würde wieder um Heero kämpfen können. 

Es war eine schwierige und zugleich leichte Entscheidung. Schwierig, weil Duo nicht wollte dass Heero sich länger selbst kasteite. Aber leicht, weil es der einzig richtige Weg war. Außerdem hatten sie wegen seiner eigenen Dummheit schon sieben Jahre verloren, was machten da ein paar weitere Wochen noch aus? 

Trotzdem konnte er das von Heero gesagte nicht so einfach im Raum stehen lassen. Er drängte sich dicht an den anderen, umarmte ihn und sagte dann, "Heero, glaub alles, aber nicht das. Irgendwo gibt es jemanden der dich lieben wird. Und du ihn. Und Gordon wird nichts weiter als eine unangenehme Erinnerung sein."

"Duo..."

"So wird es sein Heero," fiel er ihm ins Wort. "Garantiert!"
 
 
Kapitel 15
 
 
Für einige Sekunden entspannte Heero sich in der Umarmung. Dann beugte er sich etwas zurück und blickte Duo fest ins Gesicht. „Woher nimmst du deine Gewissheit?“ fragte er mit Unglauben in der Stimme.
 
Duo seufzte tief. „Ich weiß es einfach Heero. Schau dich doch an. Du siehst im Moment vielleicht nur das was Gordon dir eingeredet hat. Aber ich kenn dich sehr viel länger. Ich weiß wie du im Krieg warst. Ich weiß was J dir alles angetan hat. Und ich weiß wie sehr du dich in den letzten Jahren verändert hast. Du bist nicht mehr die eiskalte Killermaschine. Und selbst wenn du vielleicht niemals ein Partylöwe wirst und keinen übersprudelnden Charakter hast, so bist du doch ein netter Mensch. Du hast Freunde zu denen du absolut loyal bist – und damit meine ich nicht nur uns ehemalige Gundam Piloten. Gordon kann ja meinetwegen behaupten was er will. Aber ich weiß dass du leidenschaftlich sein kannst und für Freunde alles tun würdest. Das sind alles positive Eigenschaften. Das wird anderen nicht verborgen bleiben. Das musst du mir einfach glauben.“
 
Heero wollte etwas erwidern, doch sie beide wurden von dem Klicken der Eingangstür abgelenkt.
 
Duo schaute verwirrt auf. Er hatte gedacht dass nur er und Heero einen Schlüssel zu der Wohnung hatten. „Wer…“ flüsterte er leise. Plötzlich hatte er die Befürchtung das irgendjemand schreckliches ihren sicheren Hafen betreten würde. Journalisten, oder vielleicht sogar Gordon. Obwohl Gordon wäre gar nicht mal so schlecht. Weil dann könnte er das Arschloch ohne große Probleme um die Ecke bringen.
 
Heero war auch für ein paar Sekunden angespannt gewesen. Doch dann seufzte er kurz erleichtert auf. „Gwen. Sie hat auch einen Schlüssel,“ flüsterte er zurück.
 
Und tatsächlich ein paar Augenblicke später wurde die Tür aufgestoßen und Heeros Assistentin stürmte herein, die Tür hinter sich lauthals ins Schloss fallen lassend.
 
Die dunkelhaarige Frau kümmerte sich aber nicht für eine Sekunde darum sondern wandte sich sofort in Richtung des Sofas. Duo konnte sehen wie pure Erleichterung die Anspannung aus ihrem Gesicht ersetzte. Noch einen Augenblick zuvor hatte sie furchteinflößender gewirkt als Une an ihren schlimmsten Tagen.
 
Mit ein paar schnellen Schritten war sie in den großen Wohnraum getreten. Heero war inzwischen auch aufgestanden und ohne weitere Worte fielen die beiden sich in die Arme. Sie hielt Heero in einer festen Umarmung und sagte mit erschöpft klingender Stimme, „Ich hab mir ja solche Sorgen gemacht. Wieso bist du Idiot nicht an dein Handy gegangen? Jag mir niemals wieder so einen Schrecken ein.“ Sie drückte ihn noch einmal fest, dann ließ sie ihn los. Schien genau zu wissen wie lang Heero körperlichen Kontakt ertragen konnte.
 
Heero setzte sich wieder und schaute sie entschuldigend an. „Es tut mir leid,“ flüsterte er. Dann schüttelte er seinen Kopf. „Aber als ich heute Morgen den Artikel gesehen hab… Ich musste einfach weg. Wollte nichts hören. Wollte niemanden sehen.“
 
Duo kannte dieses Verlangen nur zu gut. Trotzdem hätte er nie gedacht, dass Heero sich einmal sein ‚run and hide’ Prinzip zu eigen machen würde. Der ehemalige Wing Pilot hatte immer so gewirkt als würde er jedem Kampf die Stirn bieten.
 
Auch dafür würde Gordon bezahlen, beschloss Duo. Wahrscheinlich würde von diesem Arschloch nicht ein einziges Molekül übrig bleiben, nachdem er mit ihm endlich fertig war. Beruhigend legte er eine Hand auf Heeros Schulter und drückte ihn aufmunternd.
 
Gwen hatte sich inzwischen einen der Sessel geschnappt und direkt vor die Couch geschoben. Sie setzte sich hin und ergriff mit beiden Händen die von Heero. „Das kann ich gut verstehen. Trotzdem hast du uns – mich – damit sehr geängstigt. Du kannst dir gar nicht vorstellen was für ein Trubel in der Firma herrschte. Der Artikel ist eingeschlagen wie eine Bombe. Das Telefon stand nicht mehr still. Alle Leitungen waren überlastet. Presse! Aufgeregte Fans. Es war die Hölle.“
 
Heeros Schultern sanken nach unten. „Wieso hat er das nur getan?“ fragte er wieder.
 
„Weil er das größte Arschloch der Welt ist. Und weil ihm so langsam aufgegangen ist dass sein neuer ‚Freund’ ihm nicht ganz den gleichen Luxus bieten kann wie du. Er ist ein schlechter Verlierer und will dich jetzt fertig machen. Und wenn er mir einmal in einer dunklen Gasse über den Weg läuft, dann wird er sich wünschen langsam von einer Dampfwalze überrollt worden zu sein.“ Gwens Augen glitzerten gefährlich. Sie sah tatsächlich so aus, als könnte sie ihre Drohungen auch in die Tat umsetzen.
 
„Du kriegst ihn aber erst, nachdem ich mit ihm fertig bin,“ knurrte Duo.
 
Gwen ließ ihren Blick kurz von Heero zu Duo schweifen. Sie nickte ihm bestätigend und aufmunternd zu. Erkannte an, dass Duo ältere Rechte hatte um auf eine Rache zu beharren.
 
„Ich…“ versuchte Heero einzuwenden.
 
Aber er wurde sofort von Gwen gestoppt. „Keine Angst. Niemand wird etwas unüberlegtes tun. Außerdem haben wir jetzt andere Probleme. Die Presse hat sich auf die Story gestürzt wie ein Haufen Schmeißfliegen. Sie wittern unheimlich viel dreckige Wäsche und sie wollen dich durch den Dreck ziehen. Wie sollen wir dagegen vorgehen?“
 
„Quatre wollte seine Anwälte losschicken und die Verbreitung des Magazins verhindern. Aber Heero hat ihn gestoppt,“ erklärte Duo. Er war immer noch nicht so richtig damit einverstanden, dass Heero so gar nichts unternehmen wollte.
 
„Das würde sie doch nur noch anstacheln. Ich biete ihnen keine weitere Munition,“ verteidigte sich Heero wieder. Doch er sah dabei nicht auf Duo. Diesmal schien er von Gwen eine Bestätigung haben zu wollen.
 
Diese kaute für einige Momente auf ihrer Unterlippe dann nickte sie. „Ist wahrscheinlich das Beste. Ich hatte zwar schon eine Erklärung für eine mögliche Pressekonferenz vorbereitet aber deine Idee sie am langen Arm verhungern zu lassen ist besser. Soll Gordon doch diesen demütigenden Tanz mitmachen, du hast das nicht nötig.“
 
„Pressekonferenz?“ Heero hörte sich jetzt fast ängstlich an.
 
Gwen tätschelte seine Hände. „Keine Angst es ist noch keine einberufen worden und wir werden es auch nicht tun. Nichtsdestotrotz sollten wir eine kleine Erklärung an die Presse weiter geben. Ein paar bestätigende Zeilen dass du und Gordon euch vor einem halben Jahr einvernehmlich getrennt habt und dass du Gordons Anteile an Wing am Jahresabschluss zum damaligen Börsenkurs übernommen hast. Mehr nicht. Sollen sie doch daraus ihre eigenen Schlüsse ziehen.“
 
„Ich wollte eigentlich vollkommen zu der Sache schweigen, aber du hast Recht. Zumindest diese zwei Fakten sollten wir bestätigen. Nicht dass noch jemand auf die Idee kommt zu behaupten ich würde nur nicht wahrhaben wollen dass Gordon sich von mir getrennt hat.“
 
Duo schüttelte es bei diesem Gedanken. Aber wahrscheinlich könnten einige verdrehte Pressefutzies es tatsächlich so darstellen. Und dann würde Heero in der Öffentlichkeit nicht nur als emotionsloser Verlierer dastehen, sondern auch noch als jemand der die Wahrheit nicht anerkennen konnte.
 
„Gut, diese Erklärung wird in spätestens zwei Stunden an die Presse gehen. Ich habe auch schon alle Mitarbeiter auf unseren ‚Code of Ethics’ hingewiesen. Und ihnen klipp und klar gemacht was mit ihnen geschieht sollten sie mit jemandem außerhalb der Firma über diese Geschichte reden oder sogar ein Interview geben. Eine Kündigung wird dann noch ihr geringstes Problem sein.“
 
„Oh…“ sagte Heero. Dann spannte er sich wieder an. „Wie sieht’s in der Firma aus, Gwen? Was halten meine Leute von der Sache?“ Wieder sprach Heero mit einem ängstlichen Tonfall, der einfach nicht zu ihm passte.
 
„Sie sind in Schock. Die meisten wussten das ihr zwei euch getrennt habt – immerhin war Gordon schon seit einem halben Jahr nicht mehr in der Firma – aber dieser Artikel hat trotzdem alle überrascht. Die Börse ist in Aufruhr und natürlich haben einige Leute auch Angst. Ich hab verlauten lassen, dass du jetzt die Aktienmehrheit besitzt und dass sie sich keine Sorgen machen sollen. Vielleicht kann Quatre auch noch ein paar beruhigende Worte senden. Der Vorstand ist natürlich in Aufruhr. Besonders diejenigen die schon immer gegen dich gearbeitet haben. Aber denen hab ich vorhin einen kräftigen Arschtritt verpasst. Entweder werden sie jetzt spuren, oder wir werden uns von ihnen befreien. Du kannst in dieser Situation keine Opposition gebrauchen.“
 
„Tut mir leid, dass du das alles ausbaden musstest.“
 
Gwen lachte glockenhell. „Heero dazu bin ich doch da. Es ist mein Job. Und ich liebe ihn. Außerdem hat Jamie angerufen. Er wird morgen schon für ne Woche oder so herkommen. Als Unterstützung.“
 
Duo hätte am liebsten geknurrt als er hörte dass sein Rivale schon früher in Heeros Nähe kommen sollte. Aber dann hielt er sich selbst davon ab. Schließlich hatten sie jetzt wirklich andere Probleme.
 
„Trotzdem solltest du morgen wieder in die Firma kommen Heero. Das würde allen Sicherheit geben.“
 
„Ich weiß nicht ob ich das kann,“ flüsterte Heero. „Der Gedanke dass sie alle diesen Artikel gelesen haben, sie alle wissen was Gordon über mich erzählt...“ Er zitterte leicht.
 
Duo legte sofort seinen Arm um Heeros Schulter, versuchte ihm so etwas Kraft zu geben. Er konnte schon verstehen wie schwer es Heero fiel dieser speziellen Situation die Stirn zu bieten.
 
Auch Gwen beugte sich vor und hielt Heeros Blick fest. „Du musst. Es ist deine Firma und Gordon versucht ihr zu schaden. Du weißt genau was solche Gerüchte ausrichten können. Die Turbulenzen am Aktienmarkt beweisen das nur zu genau. Zeige Stärke und lass ihn nicht gewinnen. Außerdem, niemand der dich wirklich kennt wird diesem Geschwätz glauben. Natürlich sind da diejenigen die auf solch dreckige Wäsche abfahren, aber davon darfst du dich nicht unterkriegen lassen.“
 
„Ich weiß. Aber es ist schwer,“ sagte Heero. Dabei lehnte er sich an Duo.
 
„Natürlich ist es schwer Heero,“ erklärte Duo. „Aber du hast dich noch niemals von etwas besiegen lassen. Du hast sogar eine Selbstzerstörung überlebt. Es gibt nichts was du nicht schaffen kannst.“
 
Heero seufzte, widersprach aber nicht.
 
„Gut, dann ist das geklärt. Morgen kommst du wieder ins Büro. Ich werde dafür sorgen, dass niemand dich schief ansehen wird. Keine Sorge. Noch was, wenn du etwas Zeit findest, dann solltest du auf die Fanseiten gehen. Die Leute machen sich wirklich Sorgen.“
 
Heero schüttelte den Kopf. „Ich will nicht lesen wie sie Gordon bemitleiden.“
 
Gwen lachte wieder. „Ich glaub du wirst sehr überrascht sein. Es sind deine Fans, nicht Gordons.“
 
„Vielleicht... vielleicht später. Jetzt geht’s noch nicht.“
 
Gwen tätschelte wieder seine Hände. „Verständlich. Hast du heute überhaupt schon etwas gegessen?“
 
Auf Heeros Kopfschütteln fuhr sie fort, „Du musst bei Kräften bleiben. Am besten wir bestellen gleich ein paar Pizzas. Oh und wir müssen noch etwas besprechen.“
 
„Was denn noch?“ fragte Heero. Aber er schien keine Einwände gegen die Pizza zu haben. Das freute Duo, denn sein Magen meldete sich auch gerade.
 
„Ich hab einen unserer Leute zu deiner Villa geschickt. Und sie ist belagert.“
 
„Belagert?“ fragten Hero und Duo wie aus einem Mund.
 
„Scheinbar scheint jedes Kamerateam der Stadt dorthin gepilgert zu sein. Da du nicht vorhast Interviews zu dieser Geschichte zu geben, solltest du für einige Zeit dein Zuhause meiden.“
 
Daran hatte Duo noch gar nicht gedacht. Aber es war ziemlich klar, dass so etwas passieren musste. Schließlich waren hier Aasgeier auf der Jagd nach einer Sensationsstory.
 
„Ich könnte ins Hotel gehen,“ erklärte Heero.
 
Gwen winkte ab. „Auf keinen Fall. Da suchen sie zuerst. Und du solltest auch nicht bei einem deiner anderen engen Freunde unterkriechen. Viel zu leicht zu erraten.“
 
„Wo soll Heero denn dann hin?“ fragte Duo.
 
Gwen breitete nur ihre Arme aus.
 
„Oh,“ entkam es Duos Mund.
 
„Die Wohnung ist einfach perfekt,“ erklärte Gwen. „Es gibt nur zwei Wohnungen auf dieser Etage und von der Tiefgarage aus führt ein Fahrstuhl hierher. Und mit einem Spezialschlüssel – den ich besorgt hab – kann es eingerichtet werden, dass der Fahrstuhl ohne Zwischenhalt zu dieser Etage fährt. Niemand wird Heero beim Kommen und Gehen sehen können. Und selbst wenn diese Kanalratten es schaffen sollten sich in Wings Daten zu hacken, werden sie nur sehen dass diese Geschäftswohnung seit Wochen belegt ist. Da kommen die erst gar nicht auf die Idee dass Heero hier sein könnte.“
 
„Ich will Duo nicht aus der Wohnung drängen,“ sagte Heero bestimmt.
 
„Ich kann sofort in ein Hotel umziehen,“ gab Duo gleichzeitig zu bedenken. Er bezweifelte dass es eine gute Idee war ihn und Heero zusammen in ihre alte Wohnung zu stecken. Es waren viel zu viele schmerzhafte Erinnerungen damit verbunden. Und gerade in dieser Situation konnten sie nicht noch weitere Probleme gebrauchen.
 
Gwen schüttelte wieder ihren Kopf. „Duo du wirst schön hier in der Wohnung bleiben. Ich brauch dich hier.“
 
„Ich brauche aber keinen Aufpasser,“ begehrte Heero beinah wütend auf. „Ich bin schließlich kein kleines Kind. Oder selbstmörderisch veranlagt.“
 
„Heero dass weiß ich. Aber jemand muss doch einkaufen oder die Tür öffnen wenn es mal klingelt. Das kannst du nicht tun, oder deine Tarnung fliegt auf. Außerdem sehe ich nicht wo das Problem liegt. Die Wohnung ist groß genug für zwei.“
 
Für einen Moment fragte sich Duo, ob Gwen vielleicht gar nichts von seiner Beziehung mit Heero wusste. Allerdings konnte er sich nicht vorstellen, dass jemand wie Gwen etwas nicht wusste. Aber das interessierte jetzt nur am Rande. Sie hatte Recht es wurde eine zweite Person in dieser Wohnung gebraucht. Jemand dem Heero vertrauen konnte und der ihm den Rücken freihalten konnte.
 
„Natürlich bleibe ich hier,“ erklärte Duo sofort. Er wusste dass diese Situation zu neuen Problemen führen konnte. Sie beide zusammen in ihrer alten Wohnung, dass ließ zu viele unschöne Erinnerungen wieder hoch kommen. Aber sie hatten keine Wahl. Heero brauchte ihn. Und vielleicht, vielleicht konnte aus dieser schrecklichen Situation auch noch etwas gutes entstehen und sie würden sich dadurch noch näher kommen. Entweder das, oder das genaue Gegenteil. Duo seufzte schwer.
 
 
Kapitel 16
„Und was ist dann passiert?“ fragte Nadine neugierig.
Duo blickte auf seine langjährige Freundin und seufzte tief. Dann schob er sich ein großes Stück von dem Schokoladenkuchen den sie gebacken hatte in den Mund. Während er die herrliche Süße des Kuchens genoss wanderten seine Gedanken zu dem vorherigen – katastrophalen – Tag zurück.
Es war ein wirklich schlimmer Tag gewesen. Natürlich am allerschlimmsten für Heero, aber auch Duo hatten die Ereignisse ziemlich mitgenommen. Was einer der Gründe gewesen war, weshalb er sich heute Nachmittag sofort bei Nadine eingefunden hatte. Seine Freundin hatte wie immer ein offenes Ohr gehabt und mit großer Anspannung seinem Ereignisbericht gelauscht. Auch sie war von den Geschehnissen nicht unbeeindruckt geblieben und hatte während Duos Erzählung Gordon des Öfteren in die tiefste Hölle gewünscht.
„Na ja,“ erklärte Duo immer noch kauend. „Gwen hat dann erstmal alles in ihre Hände genommen. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir das zweite Schlafzimmer hergerichtet. Sie hat dann auch noch organisiert, dass für Heero Klamotten und andere Dinge die er braucht besorgt wurden. Außerdem hat sie einen Fahrdienst für Heero eingerichtet. Er wird jetzt jeden Tag von jemand anderem abgeholt und zur Firma gebracht. Das war schon ein Anblick sie so in Aktion zu erleben.“ Duo musste kurz bei dem Gedanken grinsen. „Kein Wunder dass sie so effizient in der Firma ist. Sie ist ein echtes Organisationstalent.“
Duo schob noch ein Stückchen von seinem Kuchen in den Mund. Sie saßen in Nadines gemütlichem Wohnzimmer und zum ersten Mal seit gestern fühlte er sich fast entspannt. Ein schönes Gefühl, auch wenn er wusste, dass es nicht andauern würde. „Danach hat sie uns noch von einem Lieferservice etwas zu essen kommen lassen. Dann ist sie endlich gegangen, weil sie noch so viel in der Firma zu tun hatte. Hat Heero und mich ziemlich erschlagen zurück gelassen. Die Frau hat eine Energie – dass ist fast anstrengend.“
Nadine kicherte bei dieser Beschreibung von Heeros Assistentin. „Und dann?“ fragte sie weiter.
„Dann waren wir endlich allein.“ Ja dieser Moment hatte gestern in Duo fast einen kleinen Panikanfall ausgelöst. OK, das war übertrieben, aber sonderlich wohl hatte er sich nicht gefühlt, als ihm bewusst geworden war, dass er jetzt mit Heero allein in der Wohnung war – und dass er auch über Nacht bleiben würde. Sicher, sie beide waren schon oft zusammen allein gewesen. Praktisch bei jedem ihrer Treffen. Aber die Situation gestern war doch eine völlig andere gewesen. Und Gwens Präsenz hatte Duo irgendwie beruhigt.
„Heero war wirklich ziemlich ausgelaugt von der ganzen Geschichte,“ fügte Duo noch schnell hinzu.
Nadine nickte in seine Richtung. „Das kann ich mir vorstellen. So ein Schock zieht mehr Energie aus einem, als man es für möglich halten würde.“
„Das kannst du laut sagen,“ bestätigte Duo. „Na ja, ich wollte ihn etwas beschäftigen, ihn ablenken. Deshalb hab ich einen Film eingelegt. Wir haben uns den dann zusammen angesehen, während wir gegessen haben. Aber ob er wirklich daran interessiert war – da bin ich mir nicht so sicher. Er war schweigsamer als normal während des Abends. Aber ich dachte mir, dass ich ihn am besten nicht zum reden dränge.“
Nadine beugte sich nach vorne und drückte kurz Duos Hand. „Da hast du sicher richtig mit gelegen. Gestern ist viel zu viel von Heeros Privatleben an die Öffentlichkeit gezerrt worden. Er wird sich dir schon weiter öffnen wenn er soweit ist. Gib ihm ein wenig Zeit diese vollkommen neue Situation erst einmal zu verdauen.“
Duo seufzte. „Aber ich würde ihm so gerne helfen. Und ich fühl mich so tollpatschig. Mir ist, als wenn ich alles falsch machen würde.“
Nadine drückte seine Hand ein weiteres Mal während ihre grünen Augen ihn mit tiefem Gefühl musterten. „Im Gegenteil, du machst dich ziemlich gut. Und du darfst eins nie vergessen – er ist in dieser Situation zu dir gekommen. Er vertraut dir.“
Duo lachte hilflos. „Genau das macht mir Angst. Ich kann so vieles falsch machen.“
Nadine schüttelte energisch den Kopf. „Das machst du nicht. Und das wirst du auch nicht. Ich bin sogar richtig stolz auf dich. Du hast nicht versucht die Situation auszunutzen. Dabei wäre es so unendlich einfach für dich gewesen. Mach einfach weiter das, was dir dein Gefühl sagt. Du kennst Heero schon so lange, da wirst du das richtige tun.“
„Aber ich würde ihm gerne mehr helfen,“ erklärte Duo aus tiefstem Herzen.
Nadine lächelte traurig. „Du machst schon alles was du kannst. Mehr wäre wahrscheinlich zu viel. Heero muss auch mit sich selbst ins Reine kommen. Es ist gut dass er dich und seine anderen Freunde hat, aber ihr könnt nicht für ihn alles tragen. Er selbst muss sich mit dem was Gordon ihm angetan hat auseinandersetzen. Ihr könnt ihm als Zuhörer und als Fels in der Brandung helfen, aber wirklich nur helfen. Oder es schlägt ins Gegenteil um.
Mir hat auch gefallen, dass er Quatre zurecht gewiesen hat. Natürlich wollte er Heero nur beschützen, aber es ist Heeros Entscheidung. Die kann nur er fällen. Und das er es auch getan hat zeigt mir, dass er früher oder später auch tatsächlich über diese Sache hinweg kommen wird. Er wirkt jetzt vielleicht angeschlagen. Aber er ist eine Kämpfernatur. Gib ihm etwas Zeit sich auf die neue Situation einzustellen und dann kann er wirklich darüber hinweg kommen. Und eins sage ich dir, dann möchte ich nicht in Gordons Haut stecken.“
Duo musste trotz seiner inneren Anspannung grinsen. „Der Zwerg bekommt nur was er verdient.“
„Aber sicher,“ erklärte auch Nadine. Dann nach ein paar Momenten des Schweigens fügte sie noch hinzu, „Nichtsdestotrotz, sobald Heero bereit ist das alles hinter sich zu lassen, sollte er sich vielleicht professionelle Hilfe holen.“
Duos Augen fielen fast aus dem Kopf, und er hustete einige Schokokrümel aus. „Heero?“ fragte er ungläubig. „Was soll Heero denn bei einem Seelenklempner?“
„Vielleicht seine Beziehung mit Gordon und diese furchtbare Schlammschlacht verarbeiten?“ fragte Nadine zurück.
„Aber… aber das ist Heero. Der würde nie zu einem Therapeuten gehen. Das wäre gleichbedeutend mit Schwäche.“
„Wir sind nicht mehr im Krieg, Duo.“
„Aber trotzdem. Ich kann mir Heero einfach nicht auf einer Couch liegend vorstellen, wie er einem Fremden von Gordons Betrug erzählt.“ Duo schüttelte abwehrend die Hände.
„Nun, es muss ja nicht unbedingt eine Couch sein, nicht jeder Therapeut arbeitet damit. Er wird irgendwann jemanden brauche mit dem er über alles sprechen kann.“ Als Duo protestieren wollte hob Nadine abwehrend die Hände. „Ich weiß er hat dich und seine anderen Freunde. Aber manchmal kann professionelle Hilfe noch mehr bewirken. Und ich sag ja auch gar nicht dass er sofort eine Therapie machen sollte. Wirklich erst dann wenn er dazu bereit ist. Alles andere wäre kontraproduktiv.“
„Wieso ist das so wichtig? Er ist Gordon doch endlich losgeworden. Ok, zur Zeit haben wir diese Schlammschlacht und er ist am Boden. Aber er wird schon wieder Oberwasser kriegen.“
Nadine seufzte tief. „Ich will ja nicht den Teufel an die Wand malen, Duo. Aber aus dem was du mir gesagt hast, befürchte ich, dass Gordon die ganzen Jahre daran gearbeitet hat Heeros Selbstbewusstsein zu untergraben. Und das ziemlich erfolgreich. Er wird vielleicht mehr als nur seine Freunde brauchen, um zu lernen dass dies alles nicht stimmt.“
Duo wollte schon protestieren. Denn immerhin war Heero nicht irgendwer. Heero war härter als Gundanium. Aber Duo wusste wie furchtbar niedergeschlagen und zerbrechlich sein Freund wegen der Sache mit Gordon war. Und wenn Nadine Recht hatte, dann war dies immerhin eine Erklärung, wieso Heero so lange mit diesem Arsch zusammen geblieben war. Eine bessere als das ‘ich wollte nicht alleine sein’.
Natürlich steigerte diese Erkenntnis nur Duos Wut auf Gordon weiter, aber das machte nichts. Denn irgendwann würde er es dem Schleimscheißer schon heimzahlen. Das war der Gedanke, der Duo positiv in die Zukunft blicken ließ. Der und die Hoffnung Heero wieder für sich zu gewinnen.
„Aber trotzdem glaube ich nicht, dass Heero sich jemand Fremden öffnen wird. Kannst du nicht…“
Nadine lachte hell auf. „Das wäre eine umwerfend schlechte Idee Duo.“
„Aber wieso?“
„Zunächst einmal, weil ich nur dazu ausgebildet bin, mich um die Probleme von Schülern zu kümmern. Dann weil ich viel zu viel von dieser Geschichte weiß um wirklich objektiv zu sein. Und dann weil wir zwei befreundet sind und ich weiß welches Interesse du an Heero hast.“ Bei jedem der genannten Punkte hatte Nadine einen Finger gehoben. „Und wenn ich noch etwas länger darüber nachdenke, dann werden mir noch mehr Gründe einfallen. Außerdem ist dass jetzt eh eine triviale Diskussion, da Heero noch gar nicht so weit ist.“
Duo seufzte mal wieder. Langsam hasste er es, wenn Nadine Recht hatte. „Ok,“ gab er beinah zerknirscht zu.
„Gut. Und jetzt erzähl was nach dem Film noch passiert ist.“
Nicht nur hatte Nadine oft Recht, sie schien auch ein absolutes Gespür dafür zu haben, wenn noch etwas in der Luft lag. Duo schielte zum Schokoladenkuchen und überlegte ob er sich noch ein Stück gönnen konnte. Während er es sich auf den Teller schob antwortete er seiner Freundin, „Zunächst nicht viel. Heero war wie gesagt ziemlich still. Und wirkte sehr erschöpft. Er hat sich dann früh in sein Zimmer zurückgezogen. Ich hab dann noch etwas gelesen, aber mich hat’s auch nicht mehr lange auf den Beinen gehalten.“
„War das alles?“
Duo schüttelte den Kopf. „In der Nacht bin ich einmal aufgewacht, weil ich aufs Klo musste. Dabei hab ich dann entdeckt dass Heero auf dem Sofa schlief. Heute morgen hab ich ihn darauf angesprochen. Er hat lange darum herum gedruckst, dann aber zugegeben, dass er im großen Schlafzimmer nicht zur Ruhe gekommen ist. Sagte, dass ihn dass alles viel zu sehr an Gordon erinnert.“
„Verständlich,“ erklärte Nadine.
„Ja, aber es ist doch alles vollkommen neu eingerichtet in der Wohnung. Nichts sieht mehr so aus wie damals. Sofort nachdem Heero und Gordon in ihre Villa umgezogen sind haben sie alles neu einrichten lassen.“
„Solche Erinnerungen haben nicht immer etwas mit der Einrichtung zu tun Duo. Würdest du denn mit Heero die Zimmer tauschen wollen?“
Duo hob abwehrend die Hand. „Nein, würde ich nicht.“ Es war nicht nur der Gedanke an Gordon, der dass nicht zuließ, sondern auch seine bittersüße Erinnerung an Heeros und seine gemeinsame Zeit.
Nadine kicherte leise, „Und dann wunderst du dich über Heeros Reaktion?“
„Nein, natürlich nicht. Es ist nur, ich hätte nie gedacht dass Heero jemals so auf etwas reagieren würde.“
„Jeder hat seinen ‘Breakingpoint’ Duo. Und der ist bei jedem verschieden. Und wie wollt ihr jetzt mit dieser Situation umgehen? Heero kann schließlich nicht die nächsten Wochen auf dem Sofa schlafen.“
„Natürlich nicht,“ jetzt musste Duo lächeln. „Wenn er heute Abend nach Hause kommen wird, wird er eine Überraschung erleben. Ich hab heute etwas eingekauft. Wir haben doch noch den kleinen Raum, der immer als eine Art zweites Arbeitszimmer gedient hat. Dafür hab ich ein Bett gekauft. Ich musste zwar zwei Bücherregale rausräumen, damit es genug Platz gab, aber es wird Heero nicht wirklich etwas ausmachen auf beengten Verhältnissen zu schlafen. Und besser als das Wohnzimmer ist es alle mal.“
„Ich bin wirklich, wirklich stolz auf dich,“ sagte Nadine daraufhin.
Aus irgendeinem Grund beschloss Duo, dass er jetzt Nadine am besten nichts über Jamie und seine ‘Rekord-Stehl-Aktion’ erzählen sollte. Immerhin war es mal ne gute Abwechslung, von seiner besten Freundin gelobt zu werden.
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Als Heero am Abend von der Arbeit kam und ihm Duo seine Überraschung zeigte schien der ehemalige Wing Pilot wirklich davon angetan zu sein. Ohne viele Worte umarmte er Duo. Und der Langhaarige spürte genau, wie dankbar sein Freund war.
Sie redeten nicht viel an dem Abend. Heero berichtete von seinem Tag in der Firma. Er hatte genau das getan, wozu ihm Gwen Gestern geraten hatte. Und er hatte unheimlichen Rückhalt von vielen seiner Angestellten bekommen. Etwas, dass Heero leicht verwirrte, aber was er auch dankbar entgegen nahm.
Es schien ein paar kleinere Probleme mit einigen aus dem Aufsichtsrat zu geben die befürchteten, dass die Kursschwankungen an der Börse der Firma schaden könnten. Aber Heero hatte es geschafft auch deren Bedenken zu zerstreuen. Hatte ihnen stattdessen aufgezeigt, dass sie es zur Chance nehmen könnten wieder mehr Anteile an der Firma zu erwerben.
Das war ein Punkt, in dem Duo seinem Freund ziemlich Recht gab. Er hatte auch schon darüber nachgedacht. Und er hatte seinen Börsenmakler dazu angehalten so viele Anteile wie nur möglich von Wing zu kaufen. Sicher, das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber es war ein Anfang, und zwar ein guter.
Während der nächsten Tage spielte sich zwischen ihnen eine gewisse Routine ein. Tagsüber, wenn Heero in seiner Firma arbeite, war Duo unter totalem Stress. Er arbeite immer noch hart daran, diesen verdammten Rekord von Jamie zu schlagen. Irgendwie konnte er es einfach nicht sein lassen. Außerdem musste er weiter an seinem Buch schreiben, denn Dan wurde immer ungeduldiger. Daneben verfolgte Duo die Entwicklung von der einseitigen Schlammschlacht.
Es war sehr merkwürdig. Zunächst schienen die Medien mehr als irritiert darüber zu sein, dass es von Heeros Seite aus keine Entgegnungen gab. Damit wussten sie nichts anzufangen. Alles was in den Tagen und Wochen von Heero an die Presse weiter gegeben wurden, waren Ankündigungen die die Firma betrafen mehr nicht. Eine totale Nachrichtensperre. So wie Gwen und Heero es geplant hatten.
Das schien nicht nur die Medien zu verwirren. Als diese nach ein paar Tagen von dem Thema Abstand nehmen wollten – einfach weil es für eine wirkliche Schlammschlacht an Munition fehlte, da preschte Gordon wieder nach vorne. Er gab neue Interviews und zerrte neuen – erfundenen – Dreck an die Öffentlichkeit.
Aber anders als beim ersten Mal schien es Heero diesmal nicht sonderlich zu treffen. Der ehemalige Wing Pilot verriet Duo sogar, dass er es gar nicht anders erwartet hatte.
Und Duo musste ihm dabei Recht geben. So wie er Gordon inzwischen einschätzte, passte es diesem überhaupt nicht, dass Heero so gar nicht auf die Anschuldigungen reagierte.
Der einzige der unruhig wurde, war Quatre. Der Blonde schien vor Mordlust nur so zu zittern und nur die strenge Ermahnung von Heero, dass es allein seine Sache war, hielt ihn davon ab seine Anwälte auf Gordon zu hetzen. Es war ein Punkt, über den Heero und Quatre sich fast in die Wolle bekamen. Duo musste mehr als einmal zwischen den beiden Freunden vermitteln. Er konnte beide Seiten verstehen und genau wie Quatre war er mehr als bereit endlich zum Gegenschlag auszuholen, aber es war wirklich Heeros Entscheidung.
Wufei und Sally hatten sich natürlich auch bei ihnen gemeldet. Heero all ihre Unterstützung angeboten. Und das Wufei erklärte was man alles mit einem Katana und Gordons bestem Stück anstellen konnte, sprach Duo zwar aus tiefstem Herzen, verstieß aber garantiert gegen einige Gesetze und wurde deshalb bis aufs weitere aufs Eis gelegt. Aber zumindest brachte es Heero für ein paar Sekunden zum lachen.
Und Heero schien auch langsam aber sicher mit der Sache fertig zu werden. Oh natürlich war er noch sehr in sich gekehrt. Traute sich immer noch nicht in die Öffentlichkeit. Kein Wunder schließlich gab es immer noch genug Reporter die ihn nur zu gerne über die Geschichte ausquetschen wollten. Aber Heero schien nicht mehr so vollkommen aus der Bahn geworfen zu sein wie am ersten Tag.
Vielleicht hatte er sich daran gewöhnt, vielleicht einfach nur damit abgefunden. Aber er ließ sich davon nicht mehr runter ziehen. Er lächelte sogar hin und wieder und stürzte sich mit neuem Elan in seine Arbeit.
Duo wünschte sich fast, er hätte diesen Elan. Er fühlte sich ziemlich ausgelaugt. Er kam sich vor, als würde er mit zu vielen Dingen gleichzeitig jonglieren. Das Buch, das Spiel und jeden Abend Heero neben sich zu haben. Oh, nicht dass die Abende stressig waren. Im Gegenteil sie waren sehr schön. Es tat gut den anderen um sich zu haben. Aber Duo musste sich dabei auch die ganze Zeit im Zaum halten. Viel zu sehr verlangte alles in ihm Heero an sich zu drücken, ihn zu küssen, ihm zu sagen dass er ihn liebte.
Duo wusste, dass es für so ein Geständnis noch immer viel zu früh war und biss sich deshalb lieber auf die Zunge und hielt sich im Zaum. So schwer es ihm manchmal auch fiel.
Langsam aber sicher begann auch die Presse von dem Thema zu lassen. Oh, nicht die Schmuddelblätter. Die suhlten sich weiter in immer neuen Interviews von Gordon. Aber die seriöseren Zeitungen und Magazine. Denen schien die ganze Sache zu langweilig zu werden, weil einer der Beteiligten nicht mitspielte. Oder sie schienen zu merken, dass ihre Leser und Zuschauer da nichts mehr von hören und sehen wollten.
Heero berichtete, dass seine Fans im Internet dazu aufriefen sich bei der Presse über die Berichterstattung zu beschweren. Auch wenn Heero ja eigentlich nicht auf die ganze Sache reagieren wollte, so freute es ihn trotzdem.
Und er konnte sich auch wirklich freuen, wie Duo fand. Er war beim surfen auch auf diese Aufrufe gestoßen. Und hatte sich natürlich aus vollem Herzen daran beteiligt.
Die Tage wurden zu Wochen. Inzwischen war Heero schon seit fast einem Monat bei Duo untergekommen. Es freute Duo, dass der andere langsam aber sicher wieder fröhlicher wurde und alles wieder halbwegs normal wurde. Aber trotzdem kam sich Duo vor, als wenn er die ganze Zeit auf der Stelle gehen würde. Er konnte Heero viel helfen. Sie waren oft zusammen und genossen auch die Gesellschaft des anderen. Aber bei seinem eigentlichen Ziel war er nicht um einen Millimeter weiter gekommen.
Natürlich wusste Duo, dass er sich in Geduld üben musste. Er wusste, dass er nichts überstürzen durfte, Heero nicht in etwas drängen, dass sie später beide bereuen würden. Aber es zerrte auch wirklich an Duos Beherrschung sich so lange zurück zu halten.
Außerdem wurden die Bedingungen immer schwerer. Jamie - der schon in den letzten Wochen immer mal wieder für ein paar Tage bei Wing gewesen war – hatte jetzt endgültig seinen Platz bei WEI geräumt und war am Wochenende ganz in die Stadt gezogen. Er würde ab jetzt jeden Tag mit Heero zusammen arbeiten. Und die Art und Weise, wie Heero voller Vertrauen von seinem neuen Mitarbeiter sprach, ließ Duo fast die Wände vor Eifersucht hochsteigen.
Und das schlimmste war, er hatte immer noch nicht Jamies Rekord gebrochen. Das hätte Duo zumindest etwas mehr Selbstvertrauen gegeben. Es war schon entnervend, wie oft das Gespräch auf Jamie kam. Nicht einmal Gwen wurde so oft von Heero erwähnt. Meinte zumindest Duo.
Es half aber nichts. Er wusste auch so vor Stress kaum wo ihm der Kopf stand, da konnte er sich nicht noch mehr um das Spiel kümmern. Oder er hätte Abends Heero allein lassen müssen. Und das ging ja nun mal gar nicht.
Dan nervte auch die ganze Zeit wegen den nächsten Kapiteln. Duo tat sein bestes, aber er war halt nicht immer motiviert genug um zu schreiben. Nebenbei wollte Dan auch immer wieder über die bevorstehenden Verhandlungen über die Verwendungsrechte seiner Romanreihe mit ihm Reden. Er schickte Duo Vertragsunterlagen die hunderte von Seiten dick waren und meinte ernsthaft, dass Duo Zeit hätte sie sich genau durchzulesen. Dan sollte es wirklich besser wissen.
Duo würde auf jeden Fall keine Zeit mit so etwas verschwenden. Und wozu auch. Dan hatte alles durchgearbeitet und für gut befunden. Was sollte er da auch noch leiden? Ja, er würde zu diesem elendigen Treffen mit dem Vertragspartner auftauchen. Er würde sich von seiner besten, charmantesten Seite zeigen. Lächeln, allen die Hände schütteln, ein paar Witze reißen und dann so schnell wie möglich alles unterschreiben.
Er fand es zwar eigentlich schade, dass er sich nicht mehr damit beschäftigen konnte. Denn der Gedanke an die Verfilmung seiner Romanreihe war schon recht aufregend. Aber er musste schließlich auch Prioritäten setzten. Und Heero führte uneinholbar. Alles unwichtigere musste halt ein wenig warten.
Aber zumindest ein Geheimnis würde sich heute endgültig lüften. Duo war es leid, nicht mehr über Jamie zu wissen. Bisher hatte er den anderen ja nur aus den Erzählungen von Gwen, Quatre und Heero kennen gelernt. Das waren keine gesicherten Daten. Er würde sich selbst ein Bild machen. Das war der erste Schritt eines erfolgreichen Einsatzes – genügend Informationen sammeln.
Er hatte alles gut geplant. Er wusste genau, dass Jamie und Heero den ganzen Nachmittag zusammen arbeiten wollten. Und Duo war heute an der Reihe Heero aus der Firma abzuholen. Er würde halt einfach ein paar Minuten früher auftauchen als geplant. Vollkommen unverfänglich.
Gesagt getan. Mit einem breiten Grinsen betrat er das Vorzimmer zu Heeros Büro. Gwen – die ihren Schreibtisch noch immer hier stehen hatte sah ihn erfreut aber überrascht an. „Hi Duo. Du bist so früh.“
„Hallo Gwen. Schön dich zu sehen. Tja der Verkehr war nicht so schlimm wie ich befürchtet hab. Ist Heero fertig, oder muss ich warten?“ fragte er mit seiner besten Unschuldsmiene.
Gwen lächelte. „Er braucht wohl noch etwas. Aber du kannst ruhig schon rein gehen.“ Sie winkte ihn durch.
Genau darauf hatte Duo gehofft. Er hatte in den letzten Tagen und Wochen sooft mit Gwen zu tun gehabt, dass sie ihn inzwischen wahrscheinlich für einen Teil von Wing hielt. Was ein großer Vorteil war. Duo zwinkerte ihr noch einmal zu, dann ging er auf Heeros Bürotür zu.
Nach einem kurzen anklopfen ging er hinein. Kurz nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte, blieb er wie angewurzelt stehen. Der Anblick verschlug ihm fast die Sprache.
Heero saß an seinem Schreibtisch und starrte konzentriert auf den Computer Monitor. Dicht hinter ihm – halb über ihn gebeugt – stand Jamie und zeigte mit einer Hand auf etwas auf dem Schirm.
Duo musste schwer schlucken und gegen eine fast irrationale Eifersucht ankämpfen. Heero ließ fast niemanden so dicht an sich heran. Er hatte wohl doch Recht gehabt was diesen Jamie betraf. Duo schwor sich in diesem Moment seine Anstrengungen im Spiel zu verdoppeln. Er musste seine Konkurrenz vernichtend schlagen. „Hi,“ krächzte er mit einer beinah piepsigen Stimme.
Die zwei Männer sahen vom Monitor hoch. Auf Heeros Gesicht bildete sich das kleine Lächeln, dass Duo so an ihm mochte. „Hi Duo, schon da?“ fragte er.
Doch in diesem Moment konzentrierte sich Duo völlig auf den Mann der hinter Heero stand. Jetzt konnte er ihn endlich richtig erkennen. Und verdammt Quatre hatte nicht übertrieben.
Jamie strahlte übers ganze Gesicht und trat hinter dem Schreibtisch vor. Er reichte Duo seine Hand und verkündete mit einem Lächeln das Zahnpastamodelle vor Neid erblassen lassen würde, „Hi Duo, freut mich dich endlich kennen zu lernen. Ich bin Jamie und arbeite seit ein paar Wochen für Heero. Ich hab deine Bücher gelesen und finde sie brillant.“
Während er das sagte versprühte er mehr Charme als Duo in einem Jahr. Es war unglaublich. Der Typ sah umwerfend aus. Wirkte wie das personifizierte ‘Surfboy’ Klischee. Aber ohne übertrieben zu sein. Auch sein Charme wirkte echt. Er sah wirklich so aus, als wenn er sich freuen würde Duo zu treffen. Nett! Tja genau dass hatten ja auch immer alle über Jamie gesagt.
Aber er war nicht nur nett. Sondern auch verdammt gut aussehend. Tiefe – aber gesunde – Bräune, strahlend weiße Zähne, ein klassisch geschnittenes Gesicht. Dazu ein Körper der auch verhüllt erkennen ließ dass Jamie verdamm sportlich war. Er war genau der Typ Kerl, den Duo öfters in den Clubs anbaggerte. Und dabei genau so oft abblitze weil Typen wie Jamie jemand besseres als Duo finden konnten.
Das war frustrierend. Wie sollte Duo nur mit diesem Traumtypen konkurrieren? Indem er diesen lächerlichen Rekord schlug? Duo wurde mit einem Schlag klar, wie absolut kindisch sein Plan gewesen war. Die Bedrohung von Jamie war schlimmer als er sie in seinen schlimmsten Albträumen vermutet hatte. Und das frustrierendste war, dass er Jamie trotz allem mochte. Er hasste sich selber dafür.
Während seine Gedanken so unglaublich deprimierende Richtungen einschlugen, schaltete sein Mundwerk auf Autopilot und er war in der Lage halbwegs höflichen Small Talk zu betreiben ohne sich dabei zum totalen Idioten zu machen. Nachdem er ein paar Nettigkeiten ausgetauscht hatte fragte er, „Heero brauchst du noch lange? Soll ich draußen warten?“ Er wollte eigentlich nur noch weg von hier. Irgendwohin wo er tonnenweiße Schokoladeneis bekommen würde und es ungestört in sich hinein stopfen konnte.
Heero schüttelte kurz seinen Kopf. „Wir sind fast fertig. Mach dir keine Umstände.“ Dann wandte er sich wieder zu Jamie, „Dann ist also alles klar für unser Verhandlungsgespräch?“
„Sonnenklar Heero. Wir werden die Rechte an diesen Büchern bekommen, keine Angst. Die Unterzeichnung des Vertrages ist nur noch eine Formsache.“
„Gut, denn mir liegt wirklich viel an dem Projekt.“
„Kann ich sehr gut nachvollziehen. Noch was, sobald die Verträge unterzeichnet sind, sollten wir eine Pressekonferenz deswegen geben.“
Heero wiegte seinen Kopf hin und her. „Ich weiß nicht. Bis das Spiel und alles andere fertig sein wird, werden noch mehr als zwei Jahre vergehen. Ist die Ankündigung da nicht etwas verfrüht?“
„Deine Fans lechzen nach interessanten News über neue Projekte. Da kannst du gar nicht früh genug die Werbetrommel rühren. Wer weiß, vielleicht bekommen wir durch ihr Feedback auch noch zusätzliche Ideen. Schaden kann es auf keinen Fall. Ist ja nicht so, als wenn das Projekt Gefahr laufen würde nicht zu Ende gebracht zu werden.“ Irgendwie schaffte Jamie es, die ganze Zeit zu strahlen. Anders konnte Duo es nicht beschreiben.
Heero lächelte, aber diesmal nicht in Duos Richtung – wie dieser mit neuer Eifersucht feststellte. „Ok, du hast wohl Recht. Dann lass uns für heute Schluss machen.“
„Gute Idee,“ stimmte Jamie zu. „Jane wartet schon in der Wohnung auf mich und sie wird mir bei lebendigem Leib die Haut abziehen, wenn ich ihr wieder nicht beim Umzugskarton auspacken helfe.“ Nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu. „Hey, wenn wir uns endlich vollständig eingerichtet haben, dann müssen du und Duo uns mal zum essen besuchen.“
„In Ordnung,“ stimmte Heero zu.
Duo rollte nur innerlich mit seinen Augen. Nahm die Demütigung denn kein Ende. Jetzt wurde er von seinem Gegner auch noch zum essen eingeladen. Aber was blieb ihm schon anders übrig als gute Miene zum bösen Spiel zu machen und so sagte auch er mit gespielter Begeisterung zu.
Jamie schnappte sich seine Unterlagen und wandte sich dann in Richtung Ausgang. Als er die Bürotür fast erreicht hatte, drehte er sich allerdings noch einmal um. „Heero, spielst du eigentlich zur Zeit Deathscythe?“
„Nein. Wieso?“ fragte Heero zurück.
Jamie schüttelte verwundert seinen Kopf. „Merkwürdig. Es gibt etliche Gerüchte im Fan-Net die genau das behaupten.“
„Aber wieso?“ Heero sah wirklich verwirrt drein.
„Na ja. Seit ein paar Wochen mischt ein neuer Spieler das Forum ziemlich auf. Der hat ganz schön viele Punkte in sehr kurzer Zeit gesammelt. Scheinbar hat er es auf meinen Rekord abgesehen.“ Jamie strahlte wieder sein Tausend Watt Lächeln aus. „Alle glauben dass nur ein absoluter Champion in so kurzer Zeit so gut sein kann. Und irgendwer hat dann wohl das Gerücht in Umlauf gebracht, dass es sich nur um dich handeln kann. Eins der Indizien die diese These unterstützen, ist dass GoD – so nennt er sich – die Endgegner immer Gordon nennt. Und das hat er schon getan bevor die ganze Sache an die Öffentlichkeit gezerrt wurde… Auf jeden Fall die Fans sind begeistert weil sie glauben dass du wieder mit ihnen spielst. Also wenn du es tatsächlich bist, es ist die beste Werbung die wir uns ausdenken könnten.“
„Nein, sorry. Das bin nicht ich.“
„Schade hätte ja sein können. Muss wohl noch jemanden mit tierischer Wut auf Gordon geben. Ok, ich geh dann mal wirklich, oder ich muss heute Nacht auf dem Fußboden schlafen.“
„Und das ohne Haut,“ witzelte Heero.
Duo war fast sprachlos. Nicht weil die anderen Spieler jetzt glaubten dass GoD Heero war. Da wusste Duo noch nicht ob das gut, oder schlecht oder gar nichts war. Sondern weil Heero einen Witz machte. Ok einen nicht besonders gelungenen, aber einen Witz. Zu jemandem dem er erst seit ein paar Wochen kannte. Duo war kurz davor zu hyperventilieren.
Zum Glück bemerkte Heero davon nichts. Der ehemalige Wing Pilot schaltete seinen Computer aus, dann ging auch er zur Tür. „Wollen wir dann los Duo?“ fragte er.
Duo stolperte fast in seinem Bemühen Heero zu folgen. „Klar!“ Sein Gehirn war immer noch damit beschäftigt sämtliche Informationen die er heute gesammelt hatte zu verarbeiten. Es hatte verdammt viel damit zu tun. So kam es, dass er fast wie ein Zombie neben Heero her lief.
Seine Gedanken überschlugen sich dabei mit immer der gleichen Gedankenkette. Wie sollte er nur gegen diesen Jamie ankommen? Gegen diesen unheimlich gut aussehenden, netten, sympathischen, angenehmen Typen, der den ganzen Tag mit Heero zusammen verbrachte. Er war auf verlorenem Posten. Seine Mission war zum Scheitern verurteilt.
Sie hatten schon fast das Parkdeck erreicht, als er mitten im Schritt stehen blieb. „Jane?“ fragte er vollkommen perplex als dieser Teil der Unterhaltung es endlich geschafft hatte seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
Heero starrte ihn verwundert an. Dann antwortete er. „Das ist Jamies Frau,“ erklärte er leichthin. „Sie ist auch Managerin bei WEI und hat jetzt in der hiesigen Niederlassung von Quatres Konzern einen Posten bekommen. Das war von Anfang an der Deal. Jamie wäre nie hierher gekommen, wenn Jane keine Stelle gefunden hätte. Ich hätte sie ja selbst eingestellt. Sie ist nett und ein Ass auf ihrem Gebiet, aber sie wollte gerne weiterhin bei WEI bleiben. Quatre hat da an so einigen Schrauben drehen müssen damit es klappte.“
Duos Unterkiefer klappte wieder herunter. Ehefrau. Er schüttelte noch einmal seinen Kopf und versuchte das gehörte zu verarbeiten. Jamie hatte eine Ehefrau. Und wenn Duos Menschenkenntnis nicht total am Boden war – etwas für das er nicht unbedingt seine Hände ins Feuer stecken würde – dann liebte er sie auch aus ganzem Herzen. Das konnte er jetzt zumindest im Nachhinein aus dem Gespräch erkennen.
Aber das bedeutete etwas wichtiges. Jamie war verheiratet. Mit einer Frau. Er war nicht schwul. Er war keine Konkurrenz! Und verdammt noch mal Quatre hatte davon gewusst!
Deshalb hatte der Blonde ihm bei dem Telefongespräch über Jamie so ausgelacht. Er hatte es die ganze Zeit gewusst! Und es ihm nicht gesagt! Er würde Quatre umbringen. Garantiert. Zumindest würde er ihn so schnell wie möglich eigenhändig durch die Telefonleitung ziehen. Duo fletschte die Zähne.
Kapitel 17
Duo stand am Gate und wartete beinah ungeduldig darauf, dass Dan endlich durch die Glastüren kommen würde. Er hatte sich angeboten seinen Freund vom Shuttelport abzuholen, dass würde ihnen auf der Fahrt in die Stadt noch ein wenig Zeit zum reden geben. Normalerweise wäre Dan schon den Tag vorher gekommen, so dass sie wirklich Zeit gehabt hätten sich auszutauschen, aber ein dringendes Problem im Verlag hatte dafür gesorgt, dass Dan nur zu dem eigentlichen Treffen mit den Kaufinteressenten herübergeflogen war.
Duo fand das sehr schade, denn er hatte seinen Freund schon seit fast drei Monaten nur über Vidphone gesehen. Aber er konnte verstehen, dass Dan seine Pläne andern musste und sie hatten sich auch schon locker für einen Besuch um den Erscheinungstermin des neuen Buches herum geeinigt. Duo hoffte nur, dass er dann nicht allein zu Dan und seiner Frau gehen musste.
Duo hoffte auch, dass Dan ihn während der Fahrt auf den neuesten Stand was die Verhandlungen anbetraf bringen würde. Er hatte sich in den letzten Tagen nicht dazu aufraffen können das Vertragswerk zu lesen. Was auch ziemlich verständlich war, fand Duo. Denn es waren hunderte von klein geschriebenen Seiten voller Juristen-Kauderwelsch. Kein normaler Mensch konnte sich da durch wühlen.
Außerdem hatte er absolut keine Zeit gehabt. Zwar musste er nach dieser unglaublichen Überraschung mit Jamies Ehefrau nicht mehr wie verrückt in jeder freien Sekunde Deathscythe spielen, aber dass hieß ja nicht dass er plötzlich mehr Zeit hatte. Im Gegenteil, seine Muse hatte wieder zugeschlagen und er war praktisch an seinem Notebook gefesselt gewesen, während er Kapitel um Kapitel produziert hatte. Vielleicht würde er mit diesem unerhofften Fortschritt Dan so in Hochstimmung versetzten, das diesem gar nicht auffiel dass Duo sich um keinen Deut um den Vertrag gekümmert hatte.
Oh ja, die Geschichte mit Jamie und seiner Ehefrau. Duo musste unbewusst schnauben bei diesem Gedanken. Das war wirklich eine Überraschung gewesen. Wie viel Panikanfälle hätten vermieden werden können, wenn er diese kleine Information schon früher gehabt hätte? Wie viele Nächte hätte er beruhigt durchschlafen können – statt wie gebannt zu versuchen diesen unmöglichen Rekord zu brechen?
Duo hatte an dem Tag wo er das erfahren hatte, natürlich in dem ersten unbeobachteten Augenblick Quatre angerufen. Er hatte sich seine ganze Empörung um Q’s Verrat von der Seele geredet und der Blonde hatte nur lang und laut gelacht. Bei der Erinnerung pustete Duo wieder empört seine Wangen auf.
Quatre hatte steif und fest behauptet, niemals gesagt zu haben, dass Jamie nicht in einer festen Beziehung war. Er hätte nur berichtet, dass Jamie nett und gut aussehend wäre. Und damit hätte er ja wohl nichts erzählt, dass der Unwahrheit entsprach.
Und dann hatte er gefragt, wieso die Tatsache ob Jamie in einer Beziehung wäre oder nicht, plötzlich so wichtig wäre.
Duo war bei der Frage so rot wie eine Tomate angelaufen und hatte angefangen zu stottern.
Q hatte das ganze mit einem extrem breiten Grinsen quittiert. Und als Duo so richtig schön am schwimmen gewesen war, hatte er zum großen Gegenschlag ausgeholt und die Vermutung geäußert, ob Duo nicht vielleicht ein romantisches Interesse an Heero hatte. Und dabei hatte er lang und laut gelacht.
Duo wusste genau wann ihn ein Gegner so in die Ecke manövriert hatte, dass es ihm nichts mehr übrig blieb, als die Wahrheit zu sagen. Oder halt die Flucht zu ergreifen. Natürlich hatte Duo sich für das letzte entschieden und so schnell wie möglich die Verbindung unterbrochen. Er meinte noch Minuten später das Echo von Quatres Lachen zu hören. Wie schaffte der kleine Blonde es nur immer wieder ihn so aus der Fassung zu bringen?
Also mit solchen Freunden brauchte man wirklich keine Feinde mehr. Nach diesem kleinen Fiasko hatte Duo beschlossen mindestens eine Woche nicht mehr mit Quatre zu reden. Sollte er doch sehen was er davon hatte.
Plötzlich spürte Duo eine Hand auf seine Schulter. Verdutzt blickte er auf, direkt in das strahlende, von Sommersprossen übersäte Gesicht von Dan. Er war wohl so in seinen Gedanken gefangen gewesen, dass er die Ankunft seines Freundes gar nicht mitbekommen hatte. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, denn mit seinen signalroten Haaren stach Dan aus jeder Menge hervor.
„Erde an Duo. In welche Sphäre hat es dich denn verschlagen?“ Dan nahm die Sache mit Humor.
Duo schüttelte kurz seinen Kopf um diesen klar zu bekommen. „Sorry Dan, war wohl in Gedanken gefangen.“
Der große Mann klopfte Duo erneut auf die Schulter. „Das ist ok Duo, solange du an die Verhandlung oder das Buch gedacht hast,“ sagte er mit gespielt strengem Tonfall.
Duo grinste spitzbübisch. „Auf jeden Fall hatte es damit zu tun.“ Das war noch nicht mal gelogen. Zumindest nicht, wenn man über 4 Ecken herum dachte.
Dan brach in lautem Gelächter aus. „Ist klar Duo. Ich glaub’s dir aufs Wort. Dann lass uns mal losgehen. Unsere Verhandlungspartner warten nicht.“
Duo nickte und führte dann Dan in Richtung der Taxistände. Er hätte Dan natürlich auch mit seinem Auto abholen können, aber Duo dachte sich, dass es nicht schaden konnte, wenn keiner von ihnen sich auf die Fahrt konzentrieren musste.
Sie setzten sich in das Taxi und Dan gab dem Fahrer die Zieladresse. Dan hatte Duo erklärt, dass die Verhandlung in einem sehr exklusiven Hotel stattfinden würde. Dann ließ Dan sich in die gemütlichen Sitzpolster zurück fallen. „Die Firma wollte mich eigentlich von einem Fahrer abholen lassen, aber da du dich ja angeboten hast, hab ich dankend abgelehnt. Außerdem bin ich ja nicht so der Limousinen Typ.“
Duo lachte als Antwort. Dan war trotz des gewaltigen Erfolges seines Verlages bodenständig geblieben. Aber andererseits, er selbst hatte sich ja auch nicht zu einer von diesen berühmt berüchtigten „Prominenzen“ verwandelt. Wenn man bedachte was für Probleme Heero jetzt mit der Presse hatte, war das sicher nur zum besten gewesen.
„Also, wie wird das heute ablaufen?“ fragte Duo seinen Freund.
Dieser hob erstaunt seine Augenbraue. „Hast du etwa die Tagesordnung nicht gelesen?“ fragte er.
„Ähm… fass es einfach noch mal für mich zusammen. Worum geht es heute alles?“
Dan rollte mit den Augen. Er wusste wahrscheinlich ganz genau, dass sich Duo so gut wie gar nicht vorbereitet hatte, aber er wusste auch das es nichts bringen würde den Langhaarigen jetzt noch auszuschimpfen. „Die Verhandlungen sind sehr weit voran geschritten. Wir müssen noch um einige Punkte diskutieren, besonders darüber wie viel Einfluss du noch auf die Produkte nehmen kannst. Aber die großen Sachen sind entschieden. Ihr Angebot ist so gut, da brauchen wir nicht noch um mehr Geld zu feilschen. Nicht dass dich das eh interessieren würde. Das was sie vorhaben wird sich sowieso unheimlich gut auf deine Buchverkaufszahlen auswirken. Allein für die kostenfreie Werbung könnten wir die Rechte schon abgeben.“
„Wenn das alles schon so gut wie beschlossen ist, wieso muss ich dann noch daran teilnehmen?“
„Das hab ich dir doch schon mal erzählt. Sie wollen unbedingt Max Samuel kennen lernen. Ich denke sie wollen den Vertrag nur mit der wirklichen Person abschließen nicht nur mit deinem Agenten. Bei den Summen über die wir hier reden, ist dass auch verständlich.“
„Und was muss ich genau machen?“
„Ganz einfach. In den Konferenzsaal gehen, alle höflich begrüßen und dein Charme spielen lassen. Innerhalb von drei Minuten fressen sie dir eh aus der Hand. Alles reden kannst du dann mir überlassen, du willst dich da ja eh nicht einbringen. Ach ja. Unsere Partner werden garantiert erst einmal sehr erstaunt sein, wenn sie wissen wer Max Samuel wirklich ist. Aber sie haben ja die Verschwiegenheitsverpflichtung unterschrieben. Deine Identität wird die Wände des Raums nicht verlassen. Darum treffen wir uns ja auch in dem Hotel und nicht direkt in deren Firma. Das ist alles perfekt durchorganisiert.“
„Sehr gut. Ich will einfach noch nicht, dass diese Information an die Öffentlichkeit gelangt.“
„Und wir werden alles daran setzten, dass dies auch so bleibt,“ bestätigte Dan in einem aufmunterten Tonfall.
Duo warf seinem Freund ein kleines dankbares Lächeln zu. Kurz darauf hatte das Taxi auch schon das Ziel erreicht. Seufzend stieg Duo aus dem Auto. Als er die Autotür hinter sich ins Schloss fallen ließ, und er auf das luxuriöse Hotel starrte, machte er einen tiefen Atemzug. Im Geiste redete er sich selbst Mut zu. Es war doch nur eine kurze Verhandlung. Dan würde alles regeln, und nach höchstens zwei Stunden könnte er sich wieder zurückziehen und um wichtigere Dinge kümmern. Er hatte den Krieg mit den OZ überstanden, was war da eine Filmproduktionsfirma dagegen?
Duo hoffte, dass seine Entschlossenheit zumindest die ersten fünf Minuten der Verhandlung überstehen würde, danach würde eh alles an Dan hängen bleiben. Trotz seiner Anspannung musste er bei diesem Gedanken fast lächeln.
Dan war in der Zwischenzeit in Richtung Rezeption gegangen, Duo folgte ihm mit einem Schritt Abstand. So hörte er nur mit halbem Ohr wie sein Freund der netten Dame hinter dem Tresen erklärte, dass sie eine Verabredung mit der Firma WW hätten.
Die Frau warf einen kurzen Blick auf ihren Monitor, dann nickte sie bestätigend und erklärte Dan den Weg. Duos Gedanken waren dabei etwas abgelenkt. Er beschäftigte sich mit dem komischen Namen der Firma. Da er sich ja nicht besonders für die Vertragspapiere interessiert hatte, war ihm dieser bisher gar nicht aufgefallen. Komisch eigentlich, er konnte sich nicht erinnern schon mal von dieser Firma gehört zu haben. Aber andererseits – wann achtete man bei einem Film schon darauf, welche Firma ihn produziert hatte? Und Duo meinte auch sich zu erinnern, dass in dieser Branche sehr häufig neue Firmen gegründet wurden. Vielleicht war dies ja ihr erster Coup? Wie auch immer, sie mussten liquide sein, weil Dan niemals in Verhandlung mit jemandem treten würde, der nicht halten konnte was er versprach.
Während seine Gedanken sich mit diesem Thema beschäftigten, lief er Dan einfach hinterher, so als wenn er auf Autopilot geschaltet wäre. So hatten sie die großen Flügeltüren zum Konferenzraum erreicht, ohne das Duo wirklich etwas davon mitbekommen hatte.
Dan warf noch einen kurzen, halb besorgten Blick über seine Schulter. „Bist du bereit Duo?“
Duo holte zweimal tief Luft. Dann nickte er, „So bereit wie es geht.“
Dan nahm dass als Startsignal und öffnete die Türen. Mit zwei schnellen Schritten traten sie fast gleichzeitig herein. Duo hielt sich dabei halb hinter seinem Freund versteckt.
Mit einem schnellen Blick ließ er seine Augen durch den großen Raum wandern. Es war zwar ein riesiger, sehr luxuriöser Konferenzraum, trotzdem waren nur ein paar Plätze an den Tischen besetzt. Wofür Duo sehr dankbar war, die Situation war ihm schon unangenehm genug, da musste er sich nicht noch mit ganzen Horden von Anwälten und Managern herumschlagen. Er und Dan waren trotzdem in der Unterzahl.
Das Öffnen der Tür, schien ein Startsignal gewesen zu sein, denn die Menschen im Raum blickten plötzlich alle von ihren Unterlagen auf und in Richtung Dan und Duo.
Bevor Dan noch etwas sagen konnte, ertönte eine vollkommen ungläubige Stimme, „Duo, was machst du denn hier?“
Überrascht schaute Duo in die Richtung aus der die Stimme kam. An der linken Wand war ein Tisch mit Erfrischungsgetränken aufgebaut an dem zwei Männer standen. Den einen kannte Duo inzwischen gut. Nur hatte er das sonnengebräunte Surfboygesicht noch nie so verwirrt erlebt. Dann drehte sich auch der zweite Mann um und das Blut gefror in Duos Adern, als er in ein von tiefen Stirnrunzeln bedecktes Gesicht blickte. „Heero?“ sagte Duo verwirrt. Was für ein krankes Spiel lief hier gerade ab?
Irgend wann in der Zukunft, vielleicht so in 30-40 Jahren würde er darüber lachen können, dachte Duo. Aber in diesem Moment blieb ihm fast nichts anderes übrig als mit offenem Mund dazustehen und zu verfolgen wie in dem Meetingraum plötzlich das Chaos ausbrach.
Ok, kein wirkliches Chaos, aber als plötzlich alle gleichzeitig anfingen zu reden hatte es schon ein wenig Realsatire an sich. Als unbeteiligter Zuschauer würde man sich sicherlich gut amüsieren. Leider war Duo nicht unbeteiligt.
Er drehte sich zu seinem rothaarigen Freund um und fragte mit fester Stimme, „Verdammt Dan, was ist hier los? Ich dachte wir sollten hier die Leute von …“ Duo musste kurz in seinem Gedächtnis kramen. „… Von WW treffen?“
Er hatte kaum ausgesprochen, als Heero sich auch an Dan wandte, „Sie hatten doch versprochen den Autor Max Samuel zu den Verhandlungen mitzubringen.“
Duo fuhr erschrocken herum und starrte Heero an, „Du willst mit Max Samuel verhandeln? Aber dir gehört Wing? Es ging doch um einen Film!“
„Duo, hast du die Papiere denn gar nicht gelesen?“ kam es fast ein wenig entnervt von Dan, doch keiner achtete auf ihn.
„Vielleicht sollten wir das alles in Ruhe besprechen?“ warf Jamie mit genauso wenig Erfolg ein.
Heeros Blick war starr auf Duo gerichtet. Etwas unlesbares war in seinen Augen verborgen. „Mir gehört auch WW. Zumindest zur Hälfte. Quatre und ich wollen die Bücher von einem Max Samuel verfilmen und darauf basierende Spiele entwickeln. Und was machst du hier?“
Duo musste schlucken. Heero wollte seine Bücher? Es waren seine Bücher von denen Heero in letzter Zeit so geschwärmt hatte? Ein warmes Gefühl durchfuhr Duo. Trotzdem war er etwas überfordert, was die Situation anging. So hatte er es sich eigentlich nicht vorgestellt, seinen Freunden zu beichten, dass er jetzt Fantasy Bücher schrieb. „Ich bin Max Samuel,“ erklärte er leise.
Heero sah ihn verdutzt an. Duo wusste nicht was er von der Reaktion seines Freundes halten sollte. Und er wollte so schnell wie möglich aus diesem Raum. Schlimm genug, dass Dan und Jamie das ganze mitbekamen, aber die anderen namenlosen Mitarbeiter von WW, nein Duo wollte sich diesen Blicken nicht länger aussetzen.
Er drehte sich zu Dan um und fragte. „Die Verträge sind in Ordnung?“
Dan nickte, „Wie gesagt alles ist OK. Es geht im Grunde nur noch darum, wie viel Mitspracherecht du an den Produkten haben sollst.“
Duo blickte noch mal kurz zu Heero, dann erklärte er, „Unterschreib einfach alles. Ich vertrau Heero es richtig zu machen.“ Dann drehte er sich zur Tür und rannte fast aus dem Raum. Er wollte nur noch weg. Zwar meinte er ein protestierendes „Duo!“ hinter sich zu hören, aber er hielt nicht an um nachzuprüfen vom wem es stammte.

 

Kapitel 18
Duo eilte den langen Hotelflur entlang. Er musste sich ein wenig orientieren, da er sich vorhin auf dem Weg zum Meetingraum nicht sonderlich auf seine Umgebung konzentriert hatte. Aber er vermutete dass sich irgendwo am Ende des langen Ganges der Fahrstuhl befand. Er musste hier weg und das so schnell wie möglich.
Wieder hörte er wie hinter ihm sein Name gerufen wurde. Aber Duo drehte sich nicht zu der Stimme um. Und er wurde auch nicht langsamer. Er konzentrierte sich nur noch darauf von hier zu fliehen. Ja, es war eine Flucht. Anders konnte man seine Reaktion nicht beschreiben. Aber Duo wollte sich jetzt auch gar nicht damit auseinander setzen. Er wusste nur, dass ihm diese mehr als unerwarteten Neuigkeiten zu viel waren. Das konnte er jetzt nicht verdauen. Und wie immer wenn ihm so etwas passierte, rannte er davon. Machte sich auf die Suche nach einem kleinen Kaninchenbau in dem er sich vor der Welt und vor allen anderen Leuten verkriechen konnte.
Aber wie so oft in seinem Leben, ging es nicht wirklich nach seinen Wünschen. Er hatte schon fast die Ecke des Ganges erreicht, konnte schon den sicheren Fahrstuhl sehen, als sich eine feste Hand um seinen Oberarm schloss. „Duo!“ hörte er wieder.
Duo wusste instinktiv, dass Flucht jetzt keine Option mehr war. Diesem Griff konnte er nicht entkommen. Und so drehte er sich langsam um. Ihm gegenüber stand Heero. Der ehemalige Wing Pilot wirkte fast abgehetzt wie Duo selbst und er sah ein wenig verwirrt aus. Duo konnte es ihm noch nicht einmal verdenken. Denn verwirrt war er auch. Und das nicht zu knapp.
Duo seufzte tief. „Was willst du Heero?“ Vielleicht konnte er den anderen ja dazu bringen ihn los zu lassen. Vielleicht könnte er sich doch noch in eine tiefe Höhle zurückziehen und dort in Ruhe seine Wunden lecken. Versuchen mit der neuen Situation ins Reine zu kommen.
„Mit dir reden,“ kam die fast atemlose Entgegnung.
Duo rollte mit den Augen. Dann schob er energisch sein Kinn nach vorne und zappelte mit seinem Arm in dem Versuch sich doch noch loszureißen. „Reden? Auf keinen Fall. Dazu hab ich jetzt echt keine Lust, Heero.“
Ein kurzer, knochentrockner Lacher entkam Heero. „Du willst nicht reden? Das sagt ja wirklich der Richtige.“
„Hä?“ Etwas intelligenteres brachte Duo nicht als Antwort hervor.
Doch Heero schien das gar nicht mitbekommen zu haben. Statt dessen redete er einfach weiter und es schien auch fast so, als wenn er eher zu sich selbst, als mit Duo redete. „Seit Wochen drängt er mich dazu jede kleinste Kleinigkeit mit ihm zu teilen, aber jetzt will er nicht reden.“
Nach einem kurzen Schnauben fokussierte sich Heero aber wieder auf Duo. Sah ihm mit seinen unglaublich kobaltblauen Augen an. „Du wirst jetzt endlich mal deine eigene Medizin zu schmecken bekommen Duo. Das ist doch sonst auch immer dein Rezept für jede Lebenslage. Über Dinge reden! Du wirst nicht jetzt einfach so davon stürmen.“
Duo starrte Heero völlig erstaunt und mit offenem Mund an. So forsch und bestimmend hatte er den anderen schon lange nicht mehr erlebt. Einerseits freute es ihn, dass Heero wieder zu seinem alten Selbst zurück gefunden hatte. Andererseits hätte der ehemalige Wing Pilot damit auch gerne noch warten können, bis Gras über diese ganze unleidliche Geschichte gewachsen war. Heeros Timing war schon immer so unglaublich gewesen. Duo schnaubte.
Aber ihm blieb nicht viel übrig, als Heero zu folgen, der ihn ohne viel Federlesens einfach in einen der anliegenden Räume zog. Mit einem kurzen Blick entschied Duo, dass es sich dabei wohl um eine Art kleinen Aufenthaltsraum handeln musste. Doch viel Zeit sich umzusehen hatte er nicht. Heero zog ihn vollends hinein und schloss dann bestimmt die Tür. Er machte eine Geste in Richtung der Sofalandschaft und sagte: „Setz dich, Duo.“
Duo hätte gerne protestiert, aber da er beschlossen hatte diese Sache aus Trotz schweigend auszusitzen, schob er nur sein Kinn nach vorne und nahm in einem der riesigen Sessel platz.
Heero setzte sich ihm direkt gegenüber, brachte so sich zwischen Duo und der Ausgangstür. Duo rollte mit den Augen, hielt aber seinen Mund.
Als Heero es sich gemütlich gemacht hatte, blickte er Duo direkt an und sagte: „Wieso?“
Wieder besseren Wissens fauchte Duo zurück. „Wieso was?“
Heero atmete tief ein. „Wieso diese Scharade mit einem falschen Namen? Warum hast du nie etwas gesagt?“ er klang fast ärgerlich.
Und das ließ Duo jetzt etwas aufbrausen. Er war schließlich nicht der einzige der etwas verschwiegen hatte. Und immer wenn Duo in die Ecke gedrängt wurde, sich nicht weiter verkriechen konnte, dann holte er zum Gegenschlag aus. „Das fragt der richtige. Ich hab die Verkaufsverträge nicht besonders genau studiert,“ beugte Duo die Wahrheit, „aber mir wäre garantiert aufgefallen wenn ich dort als Käufer den Namen ‚Wing Internationals’ gelesen hätte. Also, was ist die Geschichte hinter diesem obskuren WW?“
Für eine Hundertstelsekunde starrte Heero ihn sprachlos an und Duo hätte darauf schwören können, dass der ehemalige Wing Pilot sich jetzt auch verschließen würde, doch statt dessen fing der Dunkelhaarige an zu reden. „Ich hab dir immer gesagt, dass wir mit dieser neuen Buchserie – mit deiner Buchserie wie es scheint – etwas besonders vorhaben.“
Duo nickte bestätigend. Ja, das hatte Heero immer angedeutet. Er hatte zwar nie etwas genaues gesagt, aber so wie er immer von seinem neuen Projekt geschwärmt hatte, war Duo ganz klar geworden, dass es etwas besonderes sein musste.
„Das Spielkonzept das wir dafür entwickeln… ich will nicht zu sehr in die Details gehen, aber es wird etwas vollkommen neues sein. So etwas hat es noch nie gegeben. Aber ich wollte schon immer noch mehr aus der ganzen Sache machen. Noch mehr Menschen damit ansprechen. Mir ist eingefallen, dass früher oft Computersiele zu Kinofilmen entwickelt wurden – oder umgekehrt. So etwas in der Art wollte ich auch. Nur dass nicht das eine ein Abklatsch des anderen ist um mehr Geld zu scheffeln. Nein, es sollte schon alles genau zusammen passen, beide Bereiche müssen zwar eigenständig sein, aber doch miteinander verwoben.“ Heero wirkte richtig konzentriert aber auch glücklich als er dies alles berichtete. Aber das war Duo schon früher aufgefallen, Heero taute immer auf, wenn es um sein Baby – denn das waren all diese Projekte für Heero im Grunde – ging. „Ich wusste, dass ich so ein großes Projekt aber nicht allein durchziehen konnte. Deshalb bin ich zu Quatre gegangen. Habe ihm von meinen Plänen erzählt und ihn auch für diese Bücher begeistert. Er war sofort einverstanden mitzumachen. Schließlich besitzt er ein großes Filmstudio und kann deshalb für die Umsetzung dieses Teils des Planes sorgen.“
„Aber das erklärt noch immer nicht, wieso ihr jetzt als WW auftretet. Wieso habt ihr nicht als WEI und Wing versucht die Rechte zu kaufen.“ Duo stutzte kurz: „Oh… WW ich verstehe.“
Heero ließ ein sehr kurzes, trockenes Lachen erklingen. „Ich fürchte wir waren nicht sonderlich originell was den Namen anging. Warum WW, fragst du. Ganz einfach. Als ich mit diesen Plänen anfing, da war Gordon noch bei Wing und er hatte so ziemlich den Vorstand hinter sich. Ich wollte nicht, dass sie sich in die Verhandlungen zu sehr einmischen, oder sogar Änderungen vornehmen. Es ist wirklich revolutionär was wir vorhaben, dass bedeutet es wird verdammt viel in der Entwicklung kosten. Kleingeistige Krämerseelen hätten vielleicht nicht verstanden wie wichtig es ist das zu riskieren. Ich wollte bei den Verhandlungen um die Verwertungsrechte freie Hand haben. Und so sind Quatre und ich auf die Idee gekommen allein für diesen Zweck eine eigene Firma zu gründen. So können wir wirklich gemeinsam an diesem Projekt arbeiten. Natürlich wird später Wing für das Spiel und WEI für den Film verantwortlich sein.“
Duo nickte wieder. Es machte tatsächlich Sinn. Heero hatte also das ganze nicht gemacht um ihn irgendwie reinzulegen. Auch wenn sich Duo nicht sicher war, wie das mit dem reinlegen überhaupt hätte klappen sollen, beziehungsweise wieso er es hätte tun sollen. Jetzt, nachdem sie seit ein paar Minuten ruhig über die Sache geredet hatten, verspürte Duo auch nicht mehr den unbändigen Drang zu fliehen. Es war immer noch eine verdammt peinliche Situation im Meetingraum gewesen, aber er war sich sicher, dass Heero daran keine Schuld trug. Zumindest nicht mehr, als er selbst auch.
Aber Zeit sich zu entspannen hatte Duo nicht. Denn Heero hatte seine Fragen nicht vergessen. „Und jetzt zu dir Duo. Wieso diese Scharade? Wieso veröffentlichst du Bücher unter einem anderen Namen?“ bohrte Heero mit seiner besten Verhörstimme nach.
Duo rutschte unruhig auf seinem Sitz herum. Wie sollte er das am besten erklären? Wo er doch sich selbst nicht absolut sicher war. Es gab viele Gründe, aber welcher davon war der wichtigste? „Ich… ich...“ fing er an, schloss dann aber seinen Mund. Für einen erfolgreichen Schriftsteller war er jetzt aber verdammt sprachlos.
Heero schaute ihn erwartungsvoll an. Aber als auch nach einem weiteren Ansetzen keine Antwort kam, redete der ehemalige Wing Pilot fast ärgerlich weiter. „Raus mit der Sprache.“
„Ich wollte nicht, dass jemand weiß dass ich diese Bücher geschrieben hab. OK?“
Heero schüttelte erstaunt den Kopf. „Aber wieso? Du solltest stolz auf diese Bücher sein. Sie sind wunderbar. Wie kannst du nicht wollen dass deine Leser wissen wer der Autor ist? Oder liegt es daran, dass du dich dafür schämst?“
„Schämst?“ Duo starrte Heero mit offenem Mund an.
„Das ist es, oder? Du hast ja noch nie mit deiner Meinung über diese Art von Büchern oder Spielen hinter dem Berg gehalten. Aber wenn du dieses Genre so sehr verabscheust, wieso schreibst du es dann? Es kann doch nicht wegen dem Geld sein?“
Duo wusste, dass hier gerade etwas schrecklich verkehrt lief. Heero sah beinah erschüttert und sehr traurig aus. Was auch der einzige Grund war, weshalb Duo wegen dieser unglaublichen Vorwürfe nicht ausflippte. Das, und weil er sich nur zu genau daran erinnerte, wie er früher immer über Heeros Lesestoff gewettert hatte. Wie sollte Heero denn auch wissen, dass es an Duo inzwischen mehr als peinlich war, wie er sich damals aufgeführt hatte.
Duo wollte nicht, dass dieses Missverständnis zwischen ihnen stehen blieb. All die viele Arbeit der letzten Wochen könnte mit dieser kleinen Sache vernichtet werden. All seine Hoffnungen und Wünsche wieder mit Heero zusammen zu kommen. Das konnte er nicht zulassen. Duo beugte sich schnell nach vorne und ergriff Heeros Hand. Drückte diese kurz und brachte so den Braunhaarigen dazu ihm direkt in die Augen zu sehen. „Damit liegst du völlig falsch, Heero. Ich weiß ich hab mich damals wie ein Arsch benommen, aber glaube mir ich würde niemals Fantasy schreiben, wenn ich dieses Genre verachten würde. Ich weiß es gibt Autoren die das schreiben was ihnen am meisten Geld einbringt, ganz egal ob sie es mögen oder nicht. Aber ich musste meine Seele noch nie so verkaufen. Und ich könnte es auch nicht. In allen meinen Büchern steckt ein Teil von mir. Und ich bin stolz auf sie.“
„Aber wieso dann unter Pseudonym?“
Duo lachte kurz. „Das muss ich wirklich erklären? Meine ersten drei Bücher waren diese ‚Weltbewegenden Politischen Werke’“ Duo machte mit seinen Fingern eine Geste die die Anführungsstriche zeigte. „Glaubst du nicht, dass es meine Leser etwas verwirrt hätte, wenn sie danach unter meinem Namen ‚nur’ noch Unterhaltungsliteratur bekommen hätten? Als ich die Idee zu dieser Serie hatte und mir klar wurde, dass ich niemals mehr diese Politischen Bücher schreiben würde, da hab ich mich mit Dan beraten. Uns war klar, dass wir die Leser aufs Glatteis führen würden, wenn ich diese vollkommen unterschiedlichen Werke unter meinem Namen veröffentliche. Außerdem wollte ich auch nicht, dass die nur wegen dem Namen ‚Duo Maxwell’ gekauft werden. Sie sollten für sich selbst sprechen. Deshalb das Pseudonym.“
„Also war es nur, um keine falschen Erwartungen bei den Lesern zu erwecken?“
Duo war klar, dass er jetzt einfach nicken könnte und die Sache wäre beendet. Diesen Grund würde Heero ohne weiteres nachfragen akzeptieren. Aber es war ja nicht die volle Wahrheit. Und auch wenn Duo sein Motto niemals zu lügen schon lange nicht mehr einhalten konnte, so versuchte er es doch so oft wie möglich.
Er seufzte tief. „Nicht ganz,“ erklärte er deshalb. „Ich wollte auch wirklich nicht, dass irgendjemand – besonders nicht meine Freunde – wissen dass ich hinter Max Samuel stecke.“
Über Heeros Gesicht, dass gerade wieder einen entspannteren Ausdruck angenommen hatte huschte ein kurzer Schmerz. So als hätte Duo ihn geschlagen. „Also schämst du dich doch!“ warf er ihm vor.
„Nein!“ brauste Duo auf. „Es ist nur… Es ist nur so, dass ich euch nicht enttäuschen wollte.“
„Enttäuschen?“ Heero klang verwirrt.
„Ja. Ihr alle, besonders Quatre, ihr habt mich seit dem ersten Buch so behandelt als wenn ich dafür auserkoren wäre die Welt zu retten. Versteh mich nicht falsch, diese drei Bücher bedeuten mir unheimlich viel, es war wichtig sie zu schreiben und ich bin stolz darauf was durch sie bewirkt wurde. Aber das kann ich einfach nicht mehr. Ich hab die Welt jetzt oft genug gerettet. Keiner von euch schien zu verstehen, wie viel sie mich gekostet haben. Ich musste sie schreiben, diese Dinge mussten einfach raus aus meinem System. Aber ich kann nicht für alle Ewigkeiten das schlechte Gewissen der Welt sein. Ich war ausgebrannt und trotzdem haben alle von mir immer mehr verlangt.“
Duo schüttelte sich bei der Erinnerung. Es war eine schöne Zeit damals gewesen, aber er hatte sich auch bis zum Umfallen verausgabt. „Nachdem ich das dritte fertig hatte, wusste ich einfach dass ich das nicht mehr konnte. Aber glaube mir dass war keine einfache Entscheidung. Von allen Seiten wurde ich gedrängt mehr zu schreiben, doch ich hatte den schlimmsten Fall von Schreibblockade. Zum Glück ist es Dan sehr schnell aufgefallen. Und er hat mir den Kopf gewaschen und gesagt, dass ich lieber auf dem Höhepunkt aufhören sollte, als auf Krampf versuchen weiter zu machen. Das war so eine Erleichterung, du kannst es dir gar nicht vorstellen. Und sofort als ich das entschieden hatte, kam auch die Motivation zu schreiben wieder. Allerdings etwas vollkommen anderes zu schreiben.“
Heero wollte was sagen, doch Duo sprach einfach weiter: „Ich liebe diese Fantasy Geschichten die ich schreibe und ich bin froh dass ich immer noch voller Elan daran arbeiten kann. Aber ich wollte nicht, dass ihr davon erfahrt, weil ich euch nicht enttäuschen wollte.“
„Enttäuschen?“ Erstaunlich wie viel Verwirrung Heero in einem einzigen Wort unterbringen konnte.
„Ja, enttäuschen. Von allen Seiten wurde ich gedrängt weiter in dem anderen Bereich zu arbeiten. Ich vermute, dass Q sogar vorhatte mich in die Politik zu drängen,“ Duo schüttelte sich. „Ich hab mit meinen Büchern die Welt verändert. Und jetzt, jetzt schreib ich kleine Geschichten, die die Leser nur unterhalten sollen. Das ist doch ein ziemlicher Abstieg, oder? Das muss euch doch enttäuschen.“ Duo war selbst erstaunt darüber, wie tief diese Angst in ihm saß. Und dass er sich selbst bis zu diesem Moment nicht darüber im klaren gewesen war.
„Duo,“ Heeros Stimme war plötzlich ganz sanft. Dann streichelte er kurz über Duos Hände und drückte sie leicht. „Du hast niemanden enttäuscht. Niemals. Ich bestreite nicht, wie viel deine ersten Bücher für die Gesellschaft getan haben. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass die anderen weniger Wert sind. Du hast mit ihnen eine wunderschöne neue Welt erschaffen, die von Millionen von Lesern, und von mir, geliebt wird. Vielleicht schaffst du damit keinen großen politischen Umbruch, aber du hast damit die Welt verändert, sie mit etwas schönem bereichert. Nicht viele Leute können sich damit rühmen.“
„Aber...“ wollte Duo protestieren.
„Nichts aber. Oder muss ich mich jetzt etwa dafür schämen, dass Wing ‚nur’ Unterhaltungsspiele entwickelt?“
Duo schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht.“
„Also, wieso solltest dann du?“
Duo schwieg, weil ihm darauf absolut keine einleuchtende Erklärung einfiel.
Heero drückte noch mal seine Hand. „Du hättest uns wirklich davon berichten sollen. Wir haben uns solche Sorgen gemacht.“
„Aber wieso?“ Duo runzelte die Stirn.
„Weil du immer erzählt hast, wie sehr du doch an deinem nächsten Buch arbeitest, aber nie etwas erschienen ist. Wir wussten nicht was das zu bedeuten hat. Quatre hat sogar befürchtet, dass deine neuen Bücher vielleicht einfach nicht gut genug wären um veröffentlicht zu werden. Aber du hast jeden Versuch darüber zu reden einfach weggewischt. Gordon,“ Heero verzog seinen Mund, als wenn er auf eine Zitrone gebissen hätte. „Gordon meinte, dass du wahrscheinlich das schreiben total aufgegeben hast und deine Zeit in Clubs verplemperst. Das hab ich nie geglaubt, wir haben das nie geglaubt. Aber Sorgen haben wir uns trotzdem gemacht. Doch jedes Mal wenn einer von uns dich darauf angesprochen hast, hast du es mit einem Witz abgetan.“
Duo wusste nicht, ob er jetzt gerührt oder sauer sein sollte. Es war schön zu wissen, dass sich seine Freunde um ihn sorgten. Aber dass sie ihm zutrauten sie derart anzulügen hätte ihn ärgerlich machen können – wenn er nicht zugeben müsste, dass sie mit ihrer Sorge vielleicht Recht hatten. Damals während seines ersten Studiumdebakels hatte er sich ja wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Kein Wunder, dass sie befürchteten, dass er in seine alten selbstzerstörerischen Verhaltensweisen zurück gefallen war. Woher sollten sie auch wissen dass gar kein Grund zur Sorge bestand? Am Rande wurde ihm klar, dass Gordon hinter seinem Rücken gegen ihn gelästert hatte, aber dass störte Duo gar nicht, von dem Schleimbeutel hatte er nichts anderes erwartet.
Aber es erklärte, wieso Quatre sooft bei ihm anrief und sich immer wieder versicherte ob es ihm auch gut ging. Duo schüttelte den Kopf: „Es tut mir leid. Daran hab ich nie gedacht. Ich wollte euch nicht beunruhigen.“
„Ist in Ordnung Duo. Ich kann deine Beweggründe verstehen. Aber dein Schweigen war unnötig. Keiner von uns wird dich weniger mögen oder achten, weil du jetzt was anderes schreibst. Außerdem mag ich die Bücher von Max Samuel sogar lieber als diesen politischen Kram.“
Duo lachte, offen und ehrlich. „Ok, du hast wohl Recht. Ich glaube ich sollte die anderen anrufen und ihnen auch beichten.“
Heero drückte wieder seine Hand. „Das solltest du. Und wir beide sollten mal gucken wie weit die Verhandlungen inzwischen sind. Vielleicht haben wir ja schon was zu feiern.“
„Du magst meine Bücher wirklich?“ vergewisserte sich Duo noch einmal. Obwohl er es eigentlich schon besser wissen musste. Schließlich würde Heero nicht so einen Aufwand betreiben um ein revolutionäres Spiel aus einer Fantasy Serie zu machen, die er nicht mochte. Aber irgendwie brauchte Duo diese Bestätigung jetzt trotzdem.
„Ich mag sie nicht, ich liebe sie Duo.“
Bei diesen Worten, hüpfte Duos Herz vor Freude. Dieses Gefühl würde höchstens noch von einem ‚Ich liebe dich Duo’ übertroffen werden können. Aber daran arbeitete er ja gerade.
 
Kapitel 19
Duo hatte wirklich das Gefühl Heero nach ‚der großen Aussprache’ näher gekommen zu sein. Ja, so hatte er im Stillen ihr Gespräch betitelt. Und genau das war es auch gewesen. Zwar hatten sie noch immer nicht miteinander über die Verletzungen von damals oder über ihre heutigen Gefühle geredet aber sie hatten sich über etwas wichtiges ausgesprochen. Und das war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Alles andere würde früher oder später noch kommen. Wobei Duo natürlich auf früher hoffte.
Sie waren zusammen zurück in den Konferenzraum gegangen, nur um dort von Jamie und Dan erwartet zu werden. Die beiden sahen gleichzeitig besorgt und froh aus. Wie sich dann herausstellte, waren die Vertragsverhandlungen zehn Minuten nach ihrem hastigen Verschwinden mit einer Unterschrift beendet worden. Schließlich gab es ja was den Vertrag betraf nichts weiter zu verhandeln – wo doch jeder alle Einzelheiten kannte und damit einverstanden war, wie Dan mit einem leicht sarkastischen Unterton erklärte.
Duo ließ diese kleine Spitze gut gelaunt an sich abprallen. Er hatte nicht gelogen, als er vor seiner Flucht gesagt hatte, dass er Heero vertraute alles richtig zu machen. Er wusste wie viel Heero an diesem Projekt lag. Das konnte nur perfekt umgesetzt werden. Außerdem würde er Heero die Hölle heiß machen, wenn nicht.
Heero hatte dann vorgeschlagen, dass Duo sofort die anderen informieren sollte. Besonders Quatre. Dieser hatte nicht nur das Recht davon zu erfahren weil er Duos Freund war, sondern auch weil ihm die andere Hälfte von WW gehörte.
Duo versuchte noch nicht einmal zu protestieren. Heero hatte Recht und es war schon mehr als überfällig, dass er seinen Freunden reinen Wein einschenkte. Nur wollte Duo dass nicht vom Konferenzraum aus tun. Das schien ihm dann doch ein wenig zu unpersönlich.
Zum Glück hatte Heero nichts dagegen einzuwenden, dass Duo das Gespräch noch bis zu ihrer Heimkehr aufschob.
Duo hatte sich dann von seinem Freund Dan verabschiedet. Der Rothaarige wollte das nächste Shuttle nach Hause erwischen. Sein Verleger war mehr als zufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen und konnte sich nicht darüber beruhigen, dass Heero und Duo beide nicht gewusst hatten, dass sie mit einander verhandelten.
„Das ist klassischer Stoff einer Verwechslungskomödie Duo. Vielleicht solltest du mal das Genre wechseln. Zur Not fällt uns auch noch ein weiteres Pseudonym ein.“
Duo hatte sich fast weggeschmissen vor Lachen. Vielleicht war es etwas zu übertrieben, aber seit ihm dieser riesige Stein vom Herzen gefallen war, sah alles fröhlicher aus. Er fühlte sich auch besser. Spielerisch schlug er nach seinem Freund.
Dan duckte sich und fing auch an zu kichern. Dann zog Duo den Rothaarigen an sich und drückte ihn in einer freundschaftlichen Umarmung. „Geh, bevor ich mich entscheide, dass du an diesem ganzen Schlamassel Schuld bist. Und grüß deine bessere Hälfte von mir.“
Dans Augen blinzelten fröhlich. „Ich nehme gerne die Schuld dafür auf mich, dass du einen Multimillionen Dollar Abschluss gemacht hast. Und meinen fünfzehnprozentigen Anteil nehme ich noch lieber. Und vergiss nicht mir bis Donnerstag zwei weitere Kapitel zu schicken.“ Mit diesen Worten stieg Duos Freund und Verleger in ein wartendes Taxi und fuhr davon.
Danach machten sich Heero und Duo auf den Weg nach Hause. Jetzt gab es keine weiteren Ausreden mehr. Duo machte es sich an seinem Schreibtisch gemütlich und rief seine Freunde an.
Die Reaktionen der anderen auf seine ‚Beichte’ erstaunte ihn doch. Zwar hatte er durch Heeros Erklärungen genau das schon erwartet, aber es war trotzdem eine andere Sache direkt mitzubekommen, wie sehr er seine Freunde durch sein Schweigen beunruhigt hatte.
Zunächst hatte er mit Wufei geredet. Der Chinese hatte natürlich sofort angefangen, über die Ungerechtigkeit der ganzen Sache, zu lamentieren. Solange, bis Sally ihm mit einem Ellenbogenstoß zum Schweigen brachte. Dann hatte der Preventer endlich mit dem Grummeln aufgehört und Duo gesagt, dass er sich darüber freute, dass er seine Bestimmung gefunden hatte. Und Sally hatte verkündet, dass sie sich sofort alle Bücher von Max Samuel besorgen wollte.
Duo war erleichtert. Wufei und Sally waren ihm nicht böse. Heero hatte daraufhin seine Schulter gedrückt und „Das hab ich dir doch gesagt,“ von sich gegeben.
Durch diese positive Reaktion bestärkt, hatte Duo danach Quatre und Trowa angerufen. Zum Glück waren die beiden zusammen, so dass er seine Geschichte nur einmal erzählen musste.
Zu behaupten, dass Quatre vor Freude fast ausflippte war eine glatte Untertreibung. Sein blonder Freund musste sich während der Beschreibung der Vertragsverhandlung mehrmals auf die Hand beißen um nicht laut aufzulachen.
Er wurde etwas ruhiger, als er von Duo den Grund für sein Schweigen erfuhr. Und erklärte dann mit ziemlich fester Stimme – die Stimme der niemals irgendjemand freiwillig ungehorsam war – dass es ihm ziemlich egal war was Duo schrieb. Solange er schrieb und dabei Spaß hatte.
Es gab ein kurzes Hin und Her, bei der jeder von ihnen versuchte sich selbst die alleinige Schuld an diesem Missverständnis zu geben. Solange bis Trowa dem auf seiner ruhigen Art Einhalt gebot. Es war schließlich nicht die Welt untergegangen und sie sollten sich jetzt darüber freuen, dass sie an einem gemeinsamen Projekt arbeiteten.
Duo und Quatre hatten sich fast schuldbewusst angesehen und dann angefangen zu lachen. Trowa redete nicht oft, aber wenn er es tat, dann traf er den Nagel immer auf den Kopf.
In den Tagen danach war Duo sehr oft auch tagsüber mit Heero zusammen. Der ehemalige Wing Pilot hatte sich vorgenommen Duo genau zu erklären was sie denn alles für das neue Spiel geplant hatten.
Duo konnte dem nur mit Staunen folgen. Für ihn sah das alles schon ziemlich ausgereift und weit fortgeschritten aus. Vor allem wenn man bedachte, dass erst seit ein paar Tagen überhaupt sicher war das WW die Rechte an den Büchern bekam. Aber Heero erklärte, dass noch unendlich viel Arbeit vor ihnen lag.
Trotzdem konnte Duo nur staunen. Es stand für ihn jetzt schon fest, dass dies etwas unheimlich gutes werden würde und er war fast so aufgeregt wie ein kleines Kind.
Natürlich war es auch schön, noch mehr Zeit mit Heero zu verbringen. Er genoss wirklich jede Sekunde davon.
Aber Duo wurde sich langsam darüber klar, dass er in Zeitnot geriet. Oh sicher durch die Erkenntnis, dass Jamie keine Gefahr mehr darstellte hatte er Zeit gewonnen. Aber Heero wusste jetzt nur zu genau, mit wem Duo in Vertragsverhandlungen stand. Und dass diese beendet waren. Duo fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis Heero sich fragte, was Duo denn immer noch in Kalifornien tat. Die Ausrede mit den Recherchen fürs nächste Buch würde wohl kaum zählen. Nicht bei einem Roman, der in einer Phantasiewelt spielte.
Zum Glück hinterfragte Heero bisher noch nicht Duos Motive. Wahrscheinlich weil er so sehr in die Vorbereitungen zu dieser Convention und mit dem neuen Spiel beschäftigt war.
Trotzdem hatte Duo sich dafür entschieden die Sache ein wenig anzukurbeln. Er war jetzt schon seit fast zwei Monaten hier. Und er fand, dass Heero die Sache mit Gordon schon richtig gut überwunden hatte. Heero strotze wieder vor Elan und war beileibe nicht mehr so traurig und in sich gekehrt. Außerdem gab es kaum noch Berichte über Gordon in den Zeitungen, was auch zu Heeros besserer Laune beitrug.
Das wertete Duo als Startzeichen. Und darum fing er langsam und vorsichtig an wieder mit Heero zu flirten. Zwar hatte der andere noch nicht darauf reagiert, aber das würde schon noch kommen, da war sich Duo sicher.
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Duo warf einen Seitenblick zu Heero und fragte, „Bereit?“
Der braunhaarige zog seine linke Augenbraue hoch, dann nickte er. Duo grinste zur Bestätigung und drückte auf die Türklingel.
Gestern hatte Jamie die schon länger im Raum stehende ‚Drohung’ wahr gemacht und sie beide zum Dinner zu sich nach Hause eingeladen. Und Duo konnte mit Fug und Recht behaupten, dass er sich darauf freute.
In den letzten Tagen war er Jamie ziemlich oft begegnet und sie hatten begonnen sich anzufreunden. Schließlich war Jamie wirklich nett. Und man konnte gar nicht anders, als ihn mögen. Was das betraf schien er Quatre ziemlich zu ähneln.
Und jetzt würden sie endlich auch Jane kennen lernen. Duo war mehr als gespannt darauf. Er mochte sie schon jetzt, schließlich war sie der Grund, wieso Jamie niemals eine Konkurrenz für ihn sein würde.
Duo war auch sehr gespannt auf den heutigen Abend, weil es das erste mal seit Wochen war, dass Heero ‚unter Leute’ ging. Seit der ersten unglaublichen Presseveröffentlichung von Gordon, hatte sich Heero außerhalb der Arbeit immer in ihre Wohnung verkrochen. Es war verständlich – besonders für die erste heiße Phase nach den Veröffentlichungen. Aber so langsam war es an der Zeit, dass Heero sein selbst gewähltes Exil wieder verließ. Da war das Dinner heute ein Schritt in die richtige Richtung.
Die Tür wurde aufgemacht und ein freudestrahlender Jamie stand ihnen gegenüber. „Da seid ihr ja!“ verkündete er mit einem breiten Grinsen. „Jane unsere Gäste sind da.“ Dann trat er einen Schritt zur Seite und winkte die beiden in die Wohnung.
Duo blickte sich erstaunt um. Vom Eingang aus kam man sofort in einen riesigen Wohnraum. Jamie hatte immer so geklungen, als wenn er und Jane immer noch im reinsten Umzugschaos wohnen würden. Aber das genau Gegenteil war der Fall. Alles war wunderschön hergerichtet und strahlte Behaglichkeit aus.
„Das wurde auch Zeit. Schön das ihr endlich da seid,“ ertönte plötzlich von links eine Frauenstimme.
Duo schaute zur Seite und war für eine Sekunde fast sprachlos. Er wusste nicht genau wie er sich Jane vorgestellt hatte. Aber sie entsprach dem Bild das er sich von ihr gemacht überhaupt nicht. Er war sich nicht sicher, aber irgendwie hatte er vermutet, dass eine Frau die sich so einen Adonis wie Jamie angelte mindestens eine Schönheitskönigin sein musste. Um so das Klischee eines Ken und Barbie Paares zu erfüllen.
Aber genau dass war Jane nicht. Nicht dass sie hässlich war, aber auch beileibe keine Schönheitskönigin. Sie war garantiert zwei Köpfe kleiner als Jamie, hatte schwarzes kurz geschnittenes Haar und mindestens 10kg zuviel für eine Traumfigur.
Aber ihre Augen strahlten Freundlichkeit und Intelligenz aus und so wie Jamie sie mit Blicken verfolgte war sie genau dass – eine Traumfrau.
Und genau wie Jamie schien sie andere Leute ohne große Mühe dazu bringen zu können, sie nett zu finden. Duo lächelte ihr zu, mochte sie schon jetzt.
Jane war inzwischen auf Heero zugegangen und umarmte ihn freundschaftlich. „Ich freu mich, dich endlich hier begrüßen zu können.“
Duo war erstaunt dass Heero diese Umarmung nicht nur zuließ, sondern auch erwiderte. Doch dann erinnerte er sich, dass Heero Jane kannte. Sie waren sich wohl immer wieder begegnet, als es darum ging Jamies Wechsel zu Wing unter Dach und Fach zu bringen.
Und während dieser Begegnungen, war Heero wohl dem Charme der Frau erlegen und hatte sich ihr geöffnet. Das freute Duo wirklich. Zeigte es doch, dass Heero aus seinem Schneckenhaus heraus kommen konnte und auch Vertrauen zu anderen Menschen fassen. Gordon hatte nicht geschafft diese Fähigkeit vollkommen zu zerstören. Darauf konnte man aufbauen.
Dann wandte sich Jane ihm zu und begrüßte ihn strahlend mit einem Handschlag. „Freut mich auch dich endlich kennen zu lernen Duo. Jamie hat schon soviel von dir berichtet.“
„Oh je, dann musst du mich ja für einen totalen Tollpatsch halten,“ witzelte Duo und erntete von den anderen drein Gelächter.
„Bleibt doch nicht mitten im Flur stehen. Kommt rein in die gute Stube. Das Essen ist bald fertig,“ verkündete Jane lachend und zog sie alle in den großen Wohnraum.
Duo schaute sich neugierig um. Das Zimmer war wirklich schön eingerichtet. Und hatte ein großes Panoramafenster mit Blick zum Pazifik. Er pfiff anerkennend. „Sieht toll aus. Ich bin ganz neidisch.“
„Ja, jetzt wo Jamie seinen faulen Hintern endlich hochbekommen hat und mir beim einräumen geholfen hat ist die Wohnung echt toll,“ erklärte Jane mit breitem Grinsen.
„Hey,“ protestierte Jamie, schwieg sich dann aber aus.
„Nein im Ernst, die Wohnung ist einfach eine Wucht.“ Jane drehte sich zu Heero um. „Ich glaub ich werde Gwen bis an ihr Lebensende belgische Pralinen schicken müssen um mich für ihre Hilfe zu bedanken. Ohne sie hätten uns die Makler aufs Kreuz gelegt und wir hätten niemals diesen Traum kaufen können. Die Frau ist einfach toll.“
„Oh ja,“ bestätigten die drei Männer fast synchron.
„Schade übrigens, dass sie heute nicht dabei sein konnte. Aber wir werden sie auch so noch mal einladen. Sie gefällt mir und ich bin froh über jede nette Bekanntschaft die wir hier schließen. Schließlich kennen wir kaum jemanden.“
Das hörte sich fast etwas traurig an. Und Duo wurde plötzlich bewusst, dass Jamie und Jane ziemlich überstürzt hierher gezogen waren. Ohne große Vorwarnung hatten sie ihre Heimat verlassen um hier neu Fuß zu fassen. Hatten Freunde und Verwandte zurück gelassen. „Bereust du hierher gekommen zu sein,“ fragte Duo bevor er sich selbst stoppen konnte. Es war immerhin eine ziemlich persönliche Frage.
Doch Jane lachte nur verschmitzt. „Ach wo. Die Gelegenheit für Jamie war einfach viel zu gut, als das wir sie ungenutzt lassen konnten.“
„Und Quatre hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt um Jane hier eine tolle Stelle zu besorgen,“ fügte Jamie hinzu.
„Genau. Beruflich haben wir beide hier das große Los gezogen. Und über kurz oder lang wird unser Bekanntenkreis hier auch größer werden. Unsere Freunde sind nicht aus der Welt. Wozu gibt es Vidphone und Internet.“
„Genau,“ bestätigte zu aller erstaunen Heero. „Meine Freunde sind auch in alle Himmelsrichtungen und auf die Kolonien verteilt. Trotzdem haben wir immer Kontakt.“
Ja, Heero hatte verdammt Recht. Die Fünf ehemaligen Gundam Piloten trafen sich vielleicht nur selten, aber trotzdem waren sie immer dicht beieinander. Und wenn es nur über Vidphone war.
„Ich schau mal nach dem Essen,“ verkündete in diesem Moment Jamie und ging in die angrenzende Küche.
Jane blickte ihm nach. Dann schaute sie wieder strahlen zu Duo und Heero. „Aber jetzt wohnt ihr zusammen. Das ist sicher sehr schön.“
„Oh ja,“ erklärte Duo aus tiefstem Herzen. „Es ist schön wieder hier zu sein. Ich hab früher schon mal hier gewohnt. Nur das unsere Wohnung nicht ganz so toll ist wie deine. Zum einen fehlt uns diese Mörderaussicht. Zum anderen wurde sie von Innenarchitekten eingerichtet. Wirkt also ein wenig steril.“
„Nicht mehr, seitdem dein Chaos überall die Herrschaft übernommen hat,“ neckte Heero.
Erwachsen wie er war streckte Duo die Zunge nach ihm aus und Jane fing lauthals an zu lachen.
Danach entstand eine sehr entspannte Unterhaltung. Es war fast schon so, als wenn sie sich seit Ewigkeiten kannten. Duo taute völlig auf und auch Heero war entspannter und fröhlicher, als Duo es für möglich gehalten hatte. Ja, es war eine gute Idee gewesen hierher zu kommen.
Das Essen war auch wunderbar. Es stellte sich heraus, dass Jamie ein leidenschaftlicher Hobbykoch war und sich in den Kopf gesetzt hatte, sie vollkommen zu verwöhnen. Duo war im siebten Himmel.
„Das ist echt lecker,“ erklärte er. „Vielleicht hättest du lieber Koch werden sollen.“
„Ach lass mal. Als Hobby ist es toll. Aber im Berufsleben bin ich lieber Manager.“
„Aber er liebt es Gäste zu verwöhnen. Wir haben vor eine große Einweihungsparty zu geben, nach der Convention. Und Jamie ist schon jetzt am planen, was er denn alles kredenzen wird.“
„Cool, eine Party. Ich hoffe doch, ich werde eingeladen?“ fragte Duo.
„Aber natürlich,“ erklärte Jane.
Duo grinste. Zur allergrößten Not könnte er diese Party als Grund angeben, warum er immer noch in Kalifornien war. Falls Heero irgendwann mal fragen würde.
„Übrigens, wie sieht es überhaupt mit den Vorbereitungen zur Convention aus?“ erkundigte er sich. Danach übernahmen Jamie und Heero praktisch die Unterhaltung und waren beide aufgeregt dabei von diesem Projekt zu schwärmen.
Duo ließ seine lachenden Augen von einem zum anderen wandern. Es war mitreißend wie die zwei sich für diese Convention begeistern konnten. Ja, es war wirklich ein Glücksfall gewesen, dass Jamie bei Wing angefangen hatte. Vielleicht sollte Duo sich noch einmal bei Quatre dafür bedanken.
Einige Zeit später hatte sich das Thema Convention endlich erschöpft und die vier begannen über andere Sachen zu reden. Und wieder war es erstaunlich wie gut sie miteinander harmonierten. Es gab keine peinlich stillen Momente und wirkte eher so, als wenn sie schon seit Ewigkeiten befreundet waren.
Zumindest solang bis Jane sich lachend an Duo wandte und fragte, „Wie lang seid ihr zwei jetzt eigentlich schon zusammen?“
Duo verschluckte sich an seinem Getränk. Jane dachte sie wären zusammen?
Heero hatte sich am schnellsten gefangen und sagte, „Wir sind nur gute Freunde.“
„Oh,“ Jane wirkte verwirrt und blickte erstaunt von einem zum anderen. „Tut mir leid wenn ich etwas missverstanden hab. Aber ich dachte, weil ihr doch zusammen wohnt… und ihr wirkt wie ein Paar.“
„Wir waren mal zusammen. Aber das ist schon Ewigkeiten her,“ erklärte Heero mit erstaunlich kalter Stimme. „Jetzt sind wir nur gute Freunde.“
Duo hatte endlich den Hustenreiz bekämpft und starrte Heero an. Nur gute Freunde? Nein, Duo wollte mehr. Und er würde jetzt alles dafür tun, damit sich dies so schnell wie möglich veränderte. Die Mission ‚Heero zurück zu gewinnen’ würde jetzt in die heiße Phase treten. So wahr er Duo Maxwell hieß.
 
Kapitel 20
„Dieser Kerl treibt mich noch in den Wahnsinn,“ schnaubte Duo, schob sich einen großen Löffel Schokoladeneis in den Mund und ließ es langsam und genüsslich zerschmelzen.
„Ach,“ erwiderte Nadine mit einer hochgezogenen Augenbraue.
„Ja,“ bestätigte Duo vollem Mund. „In den Wahnsinn treibt er mich. Er reagiert einfach nicht. Ich glaub, ich könnt mich ihm nackt auf dem Bauch binden und er würde immer noch nicht reagieren.“
Nadine, die gerade einen Schluck von ihrem Kakao nehmen wollte prustete in die Sahne. Als sie sich wieder halbwegs beruhigt hatte sagte sie, „Also das kann ich mir nur schwer vorstellen.“
„Aber so ist es. Ich hab schon jedes bisschen Flirtkunst das es auf der ganzen Welt gibt ausprobiert. Und noch ein paar weitere. Heero ist wie eine Eisstatue. Wenn ich es nicht besser wissen würde, würde ich fast vermuten er steht nicht auf Männer.“ Duo schnaubte.
„Gestern bin ich sogar so tief gesunken, dass ich nackt aus dem Badezimmer gekommen bin, als ich genau wusste, dass er im Wohnzimmer war.“
„Und?“ fragte Nadine mit unverhohlener Neugierde.
„Er hat mich gefragt ob das Bad neben meinem Zimmer nicht funktionieren würde.“ Er schaufelte sich noch einige Löffel Eiscreme in den Mund.
Nadine lachte lang und laut.
„Das ist überhaupt nicht zum lachen,“ nuschelte Duo. Dann funkelten seine Augen gefährlich. „Und außerdem ist das alles ganz allein deine Schuld!“
„Moi?“ mit weit aufgerissenen Augen spielte Nadine ihre Unschuldskarte aus.
„Jawohl. Deine!“ Noch ein paar Löffel Eis fanden ihren Weg in Duos Mund. „Wegen deinem ganzen Gebrabbel von wegen ich sollte doch erst wieder Heeros Vertrauen gewinnen und ihn über Gordon hinwegkommen lassen, hat sich Heero in den letzten Wochen so daran gewöhnt, dass wir nur Freunde sind, dass ich jetzt im rosa Tutu vor ihm Schwanensee tanzen könnte und er würde es nicht bemerken. Es ist zum verzweifeln!“
Nadine konnte nicht anders, sie musste weiter lachen. Das Bild von Duo im Ballettoutfit hatte sich für ewig in ihr inneres Auge eingebrannt.
„Es ist nicht komisch,“ jammerte Duo.
„Doch das ist es. Und wenn du jetzt mal von deinem Selbstmitleidstrip herunter kommen würdest, dann würdest du mitlachen.“
Duo starrte seine Freundin an. Sie hatte ja leicht reden. Es war ja schließlich nicht ihre große Liebe, die einfach auf keinen subtilen Hinweis reagieren wollte. Duo hatte es sich vor knapp einer Woche sehr viel einfacher vorgestellt, als er entschied, dass Heero jetzt genug Zeit gehabt hatte über die Sache mit Gordon halbwegs hinweg zu kommen. Immerhin war Heero nicht mehr so in sich gekehrt, war wieder halbwegs fröhlich – so fröhlich wie Heero eben sein konnte – und nahm wieder aktiv am Leben teil. Auch wenn er sich immer noch etwas vor der Presse versteckte. Aber es war kein Vergleich zu der Situation um Silvester herum.
Darum hatte Duo angefangen zu flirten. Hatte Heero angelächelt, hatte alle Zeichen gegeben, die den ehemaligen Wing Piloten sonst innerhalb von Sekunden dazu bewogen hatten ihn ins nächste Bett zu zerren.
Doch nichts war geschehen. Duo dachte sich, dass er vielleicht ein wenig eingerostet war und hatte seine Bemühungen erhöht. Aber Heero behandelte ihn immer noch äußert freundlich und liebenswürdig. So wie einen guten Freund eben. Aber nicht wie ein Objekt der Begierde.
Duo seufzte. Vielleicht lag es ja an ihm. Vielleicht hatte er seinen Charme verloren? Oder sein gutes Aussehen? Er sah an sich herunter, all dieses viele Schokoladeneis musste ja irgendwo geblieben sein. Aber soweit er es beurteilen konnte, war an seiner Figur nichts auszusetzen. Und da er ganz genau wusste, dass Heero auf Männer stand, blieb nur eine Lösung. Er war in die schreckliche ‚Freund-Schublade’ gesteckt worden. Heero würde ihn niemals wieder als begehrenswertes Wesen ansehen, weil er ein guter Freund war. Duo knirschte mit den Zähnen. „Es ist deine Schuld!“ stellte er noch einmal fest.
Nadine schien endlich ausgelacht zu haben. Sie wischte sich kurz die Tränen aus den Augenwinkeln und dann patschte sie mit ihrer Hand auf seine. „Duo, sei ehrlich. Würdest du wirklich das Vertrauen dass ihr wieder habt, die Freundschaft die euch verbindet aufgeben wollen?“ Sie blickte ihn fast streng an.
Duo wand sich ein wenig unter ihrem Blick. Er wollte Heero. Er wollte alles von ihm. Und verdammt, seine Freundschaft war dabei eigentlich das wichtigste. Wie sollten sie die Beziehung führen, die Duo wollte, wenn es zwischen ihnen kein Vertrauen gab? Das hatten sie schließlich schon einmal durchexerziert und waren grandios gescheitert.
„Natürlich nicht,“ gab er deshalb zu.
„Siehste,“ erklärte Nadine. „Also gib mir jetzt nicht die Schuld daran, dass Heero dich nicht sofort beim ersten Zeichen anspringt.“
„Aber es ist so frustrierend.“
„Vielleicht solltest du einfach aufhören in Selbstmitleid zu schwelgen und mit ihm reden? Vielleicht erkennt Heero deine Flirtversuche gar nicht. Ist dir das schon mal in den Sinn gekommen?“
„Wie kann man die missverstehen?“ bemerkte Duo. „Noch eindeutiger und ich bind mich ihm tatsächlich nackt auf den Bauch.“
„Duo,“ sagte Nadine mit ruhiger Stimme. „Er hat eine schlimme Beziehung hinter sich. Ich glaub wir sind uns noch gar nicht bewusst was Gordon die ganzen Jahre über mit ihm angestellt hat. Auf jeden Fall ist sein Selbstvertrauen dahin. Du hast ihn ganz am Boden erlebt. Kannst du dir nicht vorstellen, dass er sich vielleicht gar nicht traut deine Zeichen als solche zu interpretieren?“
„Hä?“ fragte Duo.
„Denk doch mal dran, was Gordon alles über ihn verbreitet. Dass hat sich der Kerl sicher nicht erst in den letzten Wochen ausgedacht. Was wenn er Heero wieder und wieder eingebläut hat, dass sich niemals irgend jemand anderes für ihn interessieren wird? Das kann ich mir bei Gordon durchaus vorstellen. Und sieben Jahre sind eine lange Zeit für so eine Art Gehirnwäsche. Außerdem ist eure erste Beziehung so grandios gescheitert, dass ich wirklich glaube dass Heero sich nicht traut darauf zu reagieren.“
„Hn,“ Duo dachte über das was seine Freundin sagte lange nach. Wahrscheinlich, nein sicher, hatte sie Recht. Es würde zu allem anderen passen. Er nickte.
„Ok,“ sagte Nadine. „Vielleicht solltest du dann jetzt die Konsequenzen daraus ziehen und einfach mit ihm reden. Sag ihm ohne großes Bohai, dass du ihn immer noch liebst und dass du es gern wieder mit ihm probieren möchtest. Das ist der ehrlichste Weg.“
„Aber ich kann nicht,“ erklärte Duo.
Nadine zog wieder ihre Augenraue hoch. „Jetzt sag mir nicht, dass du zu feige dazu bist.“
„Nein,“ beeilte Duo sich zu sagen. „Es hat nichts mit Feigheit zu tun.“ Zumindest hoffte er das. „Es ist nur, so wie Heero immer redet. Ich befürchte er wird einfach zu jedem, der ihm eine Beziehung anbietet ja sagen. Wie du schon sagtest, sein Selbstbewusstsein ist ganz unten. Aber ich will nicht, dass er mich nimmt, weil wir gut miteinander auskommen und er glaubt er wird nie etwas besseres kriegen. Ich will das er mich will!“ Der letzte Satz kam lauter aus Duo hervor, als er es eigentlich geplant hatte.
„Ah,“ erklärte Nadine begreifend. „Er soll den entscheidenden Schritt machen.“
Duo nickte. „Nur so kann ich sicher sein, dass ich nicht nur die bequeme Notlösung bin.
„Dann hast du ein Problem Duo. Ich kann dich gut verstehen, aber Heero wird nicht reagieren. Dazu hat er sich zu sehr in sein Schneckenhaus zurück gezogen. Da musst du schon schwerere Geschütze aufziehen damit er den ersten Schritt macht.“
„Also doch auf dem Bauch binden?“ fragte Duo fast verzweifelt. Andere Ideen hatte er echt nicht mehr.
„Ich bezweifle wirklich, dass das die Lösung ist. Außerdem, wenn du so eindeutig wirst, dann kannst du es ihm auch besser gleich sagen. Könnte die Kommunikationsprobleme zwischen euch verringern.“
„Ich weiß,“ seufzte Duo. „Aber was soll ich denn jetzt tun?“
„So leid es mir tut, einen anderen Rat als ‚versuch es immer wieder’ kann ich dir nicht geben. Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben und nicht ungeduldig werden. Und vielleicht bietet sich ja bald eine Chance von der du jetzt noch nicht mal ahnst, dass es sie gibt.“
„Du hörst dich fast wie ein Glückskeks an,“ beschwerte sich Duo. Irgendwie hatte er erwartet, dass seine Freundin einen handfesteren Vorschlag hatte.
Nadine zuckte mit ihren Schultern. „Mehr fällt mir echt nicht ein. Tut mir leid.“
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Ein paar Tage später musste Duo immer noch an sein Gespräch mit Nadine zurück denken. Sie hatte Recht gehabt, aber das machte die Sache nicht unbedingt leichter.
Zumindest hatte es ihm gezeigt, wieso Heero wahrscheinlich so gar nicht auf seine Flirtversuche reagierte. Duo hatte daraus seine Konsequenzen gezogen. Natürlich hatte er es nicht vollkommen aufgegeben. Aber es war jetzt eher ein freundliches Flirten und keine fast verzweifelten Versuche mehr. Er zeigte Heero immer noch, dass er interessiert war, hatte aber seinen ganzen Akt um einige Stufen herunter geschraubt.
Dadurch schien eine Spannung – die sich total unbemerkt zwischen ihnen aufgebaut hatte – wie von Geisterhand zu verschwinden. Sie lachten jetzt wieder öfter miteinander. Duo hatte sich damit abgefunden, dass es wohl länger als erwartet dauern würde. Aber hieß es nicht, dass alle wirklich wichtigen Dinge im Leben schwer erkauft werden mussten? Das hier schien der Beweis für diese These zu sein.
Trotz dieser Gedanken stieg Duo lächelnd aus dem Fahrstuhl und ging in die Richtung von Heeros Büro. Er wollte seinen Freund wieder abholen. Und vielleicht konnte er ihn ja heute dazu überreden mal wieder nach draußen zu gehen. Sie könnten vielleicht Dart spielen – das hatte dem anderen doch so gefallen.
Als er bei Gwen ankam, strahlte er über das ganze Gesicht. „Hi, Gwen,“ begrüßte er Heeros Assistentin fröhlich. Er mochte die Frau. „Ist Heero fertig?“
Sie lächelte ihm ebenfalls zu. „Müsste er eigentlich sein. Jamie ist noch in seinem Büro, sie besprechen wohl noch etwas wegen der Convention, aber du kannst sicher reingehen. Sind ja keine Firmengeheimnisse,“ sie zwinkerte ihm zu.
Oh ja, die Convention rückte näher. Duo wusste immer noch nicht was er davon halten sollte, aber so aufgeregt wie Heero deswegen war, musste es – zumindest für alle Rollenspielfans – eine ganz tolle Sache sein. Auf jeden Fall, schien diese Convention fast die gesamte Firma in ein summenden Bienenstock zu verwandeln. Schließlich wollte sich Wing dort so gut wie möglich verkaufen.
Duo fand es auch gut, dass Heero sich dort der Öffentlichkeit stellen wollte. Seine Fans hatten während der ganzen Sache mit Gordon hinter ihm gestanden, deshalb wollte Heero wie geplant dort auftreten. Als dies in den entsprechenden Newsgroups verkündet wurde, gab es einen riesigen Jubel in der Fanbase. Sie alle lechzten danach wieder mit ihrem Idol in Kontakt zu kommen. Und Wing wollte auf dieser Convention auch noch mehr über die neue Spielreihe verkünden. Duo wurde immer noch ganz schwindelig, wenn er daran dachte, dass es seine Bücher waren, die Heero da zu einem Spiel verarbeiten wollte. Wer hätte dass noch vor einigen Jahren gedacht.
Und dieses Spiel war irgendwie zu einem Funken der Hoffnung für Duo geworden. Denn wenn sie beide sich auf ihrer beruflichen Ebene so gut ergänzten und sie sich privat so gut verstanden, dann musste Heero doch über kurz oder lang seine Verschlossenheit aufgeben, oder? Zumindest hoffte Duo das.
Immer noch lächelnd ging er in das Büro. Doch das Lächeln gefror ihm fast im Gesicht. Er sah Heero und Jamie, aber so hatte er sie noch nie gesehen. Da war Ärger in der Luft – etwas dass es zwischen diesen beiden noch nie gegeben hatte.
„Das kannst du nicht tun,“ erklärte Jamie in diesem Moment laut.
Duo machte einen hastigen Schritt in das Büro und schloss die Tür hinter sich. Musste ja niemand anderes mitbekommen, dass Heero und seine rechte Hand sich stritten.
„Meine Entscheidung ist gefallen. Und jetzt will ich nicht mehr darüber reden.“ Heero hörte sich eiskalt an.
„Deine Entscheidung? Heero du kannst nicht einfach drei Tage vor der Convention entscheiden, dass du nicht hingehen wirst! Das wird alle Pläne zerstören! Davon dass du deine Fans vor den Kopf stößt ganz zu schweigen! Du bist schließlich keine Primadonna von der jeder gewöhnt ist, dass sie alle drei Sekunden ihre Meinung ändert! Du hast angekündigt, dass du kommen wirst, jetzt erwarten sie es auch. Was glaubst du wie viele Fans Unsummen für ein Ticket und die Reise bezahlt haben? Willst du sie enttäuschen?“
„Ich sag jetzt, dass ich nicht komme und damit basta.“ Wieder schwang in Heeros Stimme ein kalter Hauch mit.
Jamie schien das Streiten leid zu sein. Entnervt hob er beide Arme. „OK, wenn du es sagst. Ich hab nur immer geglaubt, dir liegt was an deinen Fans.“ Und mit diesen Worten stand er auf und stürmte in Richtung Tür. In seiner Hast hätte er fast Duo zur Seite geschoben, dann war er draußen und ließ mit einem lauten Knall die Tür hinter sich ins Schloss fallen.
Duo pfiff lautlos. Dass der immer gut gelaunte und nette Jamie mal so aufbrausen würde, dass hätte er nie gedacht. Aber wenn er sich nicht verhört hatte, dann hatte der blonde Mann auch allen Grund dazu.
Heero sah wie gebannt auf die geschlossene Tür, dann seufzte er leise und blickte auf seinen Schreibtisch, begann fahrig damit diverse Zettel hin und her zu schieben.
„Heero?“ fragte Duo leise.
Erstaunt blickte der ehemalige Wing Pilot auf und seine Augen wanderten durch den Raum, solange, bis er Duo direkt ansah. Wenn sich Duo nicht täuschte, dann hatte der andere bisher gar nicht bemerkt hatte dass sein Freund ebenfalls im Büro war. Der Streit mit Jamie musste ihn ziemlich in mitgenommen haben.
„Oh.. Duo…. Du hast mitbekommen dass…“ Heero stoppte.
„Ja, ich hab den Streit zwischen dir und Jamie mitbekommen. Zumindest den Schluss. Was ist los Heero?“
Heeros Augen blickten wieder auf den Schreibtisch. Es dauerte einige Sekunden bis er antwortete. „Ich werde nicht mit zur Convention kommen.“
„Soviel hab ich verstanden. Aber wieso Heero? Du hast dich so sehr darauf gefreut.“
„Es ist meine Entscheidung,“ brauste Heero unerwartet auf.
Duo machte einen Schritt zurück. „Natürlich ist es das. Aber ich weiß wie viel Arbeit und Energie du da rein gesteckt hast. Da änderst du nicht von heut auf Morgen deine Meinung. Und ich weiß wie viel dir deine Fans bedeuten. Jamie hat Recht, so was würdest du ihnen nie antun.“
Heero schwieg einfach und spielte weiter mit seinen Papieren.
Aber Duo ließ sich nicht beirren. Er ging langsam auf den Schreibtisch zu. Immer auf der Hut, dass sein Freund wieder ärgerlich werden würde, aber er würde nicht zurück schrecken. Als der den Tisch erreicht hatte, sagte er wieder. „Heero, wieso willst du nicht mehr auf die Convention?“ Duo war sich jetzt fast sicher, dass es einen bestimmten Grund dafür geben musste.
Heero schwieg noch für einige Momente, dann seufzte er kurz und hob einen Zettel hoch.
Duo runzelte mit seinen Augen, aber er konnte die kleine Schrift nicht lesen – vielleicht sollte er doch endlich zugeben, dass sein Augenarzt recht hatte und sich eine Brille zulegen. „Was ist das?“ fragte er.
Heero seufzte wieder. Doch als er bemerkte dass Duo keine Anstallten machte den Zettel zu nehmen, zog er ihn wieder zu sich zurück und legte ihn auf den Tisch. „Eine Pressemitteilung,“ sagte er einsilbig.
„Und?“ fragte Duo. Musste er dem anderen denn wirklich jedes Wort einzeln aus der Nase kitzeln?
„Gordon und Terry haben verkündet, dass ihre Firma ebenfalls auf der Convention auftreten wird. Damit haben wir nie gerechnet, da sie eigentlich einen anderen Gamesektor bedienen. Aber niemand kann sie aufhalten.“
„Und?“ fragte Duo wieder. Es war zwar nicht schön, dass der Schleimscheißer und sein neuer Lover auch auf der Convention sein würden, aber früher oder später musste Heero ihm eh wieder begegnen. Vielleicht war jetzt ein guter Zeitpunkt.
„Ich will ihn nicht sehen!“ erklärte Heero.
Scheinbar nicht. Duo holte tief Luft. „Heero, du kannst dich doch nicht dein Leben lang vor dem Zwerg verstecken. Wenn du das tust, dann gibst du ihm mehr Macht über dich, als er haben sollte.“
„Duo, du verstehst nicht.“
Jetzt wurde auch Duo leicht ärgerlich. Wochenlang hatte er jetzt seinem Freund beigestanden. Da war es nicht nett mit einem ‚du verstehst nicht’ abgespeist zu werden. „Und ob ich das tu. Ich verstehe nur nicht, dass du dich immer noch von diesem Arsch beherrschen lässt. Diese Convention ist dein Ding. Du warst zuerst da. Der geht doch nur dahin um dir weh zu tun. Und du lässt das zu!“
Heero zitterte leicht. „Glaubst du dass weiß ich nicht?“ brauste er auf.
„Scheinbar nicht, oder du würdest diesem Schwein nicht so einfach klein bei geben.“
„Duo du verst…“ Als Heero den absolut wütenden Blick von Duo bemerkte hielt er in dem Satz inne und redete erst nach einer kurzen Pause weiter. „Es ist einfach so… Ach Fuck. Glaubst du es wird mir weniger weh tun, wenn ich dahin gehe? Er und Terry, sie werden doch für die Öffentlichkeit das volle Programm eines frisch verliebten Paares abziehen. Werden allen zeigen, wie absolut glücklich sie doch sind! Was sie haben! Und was ich nie haben werde! Ich bin es leid als der Verlierer da zu stehen!“
Jetzt wurde Duo klar, woher der Wind wehte. „Aber Heero, wenn du absagst, dann hat Gordon gewonnen.“
„Das ist mir egal,“ erklärte Heero ärgerlich. Trotzdem war zu bemerken, dass es ihm eigentlich nicht egal war. „Hier,“ erklärte er und holte aus dem Mülleimer unter seinem Schreibtisch einige Zeitschriften und warf sie auf die Arbeitsplatte. „Gordon hat letzte Woche eine neue Hetzkampagne gestartet. Sieh dir die Photos an. Er und Terry in Liebe vereint.“ Heeros Stimme triefte vor Sarkasmus. „Und er berichtet wieder in jedem kleinen Detail, wie absolut schlimm ich doch als Partner war. Und das ich niemals wieder jemanden bekommen werde, weil ich eine eiskalte Killermaschine ohne Gefühle bin. Glaubst du wirklich ich hab Lust, mir dass von ihm direkt ins Gesicht sagen zu lassen?“
Duo schnappte sich die Zeitungen und setzte sich auf den Besuchersessel, der direkt am Schreibtisch stand. Kurz wanderten seine Augen über den National Enquire und andere Schmierblätter, die alle Gordon und Terry zusammen auf dem Cover abgebildet hatten. Dann nahm er sich jede einzelne Zeitung und zerriss sie in der Mitte. Die Reste schmiss er einfach in die Luft. „Das ist Bullshit Heero!“
Heero starrte ihn mit offenem Mund an.
Doch Duo ließ ihn erst gar nicht mit dem Reden anfangen. „Wir haben das jetzt oft genug durchgekaut. Dass was Gordon erzählt – dir schon immer eingetrichtert hat – ist Bullshit. Da draußen gibt es eine Unmenge von Typen die sich nach dir die Finger ablecken. Die sofort bei Fuß springen würden, wenn du nur andeuten würdest dass du Interesse hast. Lass dich nicht immer wieder von diesem Arsch runter ziehen. Geh endlich mal in die Offensive anstatt dich zurück zu ziehen.“
„Aber was soll ich denn machen Duo?“ fragte Heero leise. Um dann noch leiser ein „Es tut so weh,“ hinzuzufügen.
Duo beugte sich nach vorne und stupste ihn an die Schulter. „Natürlich tut es weh. Und es ist gemein, dass Gordon euren Streit so in die Öffentlichkeit trägt. Aber wenn du immer klein beigibst, dann hört er nie auf. Weil es ihm viel zu viel Spaß macht zu gewinnen.“
„Ich weiß nicht, was ich sonst tun soll.“
„Eigentlich machst du ja das richtige, du lässt dich von dem Schwein nicht provozieren, aber das bedeutet noch lange nicht, dass du ihm für immer und ewig aus dem Weg gehen sollst. Damit rechnet er nämlich, denn er ist viel zu feige für eine direkte Konfrontation.“
Duo schnappte sich seinen Zopf und spielte nachdenklich darauf rum. Er hatte eine Idee. Eine verrückte, total durch geknallte und vielleicht gefährliche Idee. Aber es war eine Idee. „Im Grunde ist das ganze im Prinzip nur eine dreckige Wäsche Schlacht nach einer unglücklichen Trennung. Gordon ist sauer dass du dich von ihm befreit hast und er versucht sich jetzt so zu rächen. Kommt immer wieder vor. Lass dir das von einem Meister der Beziehungs-Enden erzählen. Nur dass der Zwerg es in die Öffentlichkeit trägt und nicht innerhalb des Freundes- und Bekanntenkreises hält.“
„Und wie soll mir diese Erkenntnis helfen etwas dagegen zu tun?“ fragte Heero bedrückt.
„Indem du mit einem klassischen Gegenschlag antwortest. Er behauptet also du würdest niemals wieder jemand anders finden. Zeig ihm das Gegenteil.“
„Was?“ Heero wirkte echt erstaunt.
„Wie ich schon sagte, dass ist hier eigentlich eine klassische Situation. Und du solltest jetzt einfach zur Convention mit deiner neuen Liebe auftauchen, anstatt wie der traurige Verlierer zu Hause zu bleiben. Zeig ihm und allen anderen, was du von seinem Geschwätz hältst.“
„Aber… aber ich hab niemanden.“
Duo grinste. „Das ist mir klar.“ Und wie klar es ihm war. „Wie gesagt, es ist sehr klassisch. Niemand erwartet wirklich, dass du so schnell jemanden findest, aber dass heißt noch lange nicht, dass du da allein auftauchen musst. Lad jemand nettes und gut aussehendes zur Convention ein und spiel mit ihm ein Paar. Vielleicht werden die meisten Leute durchschauen, dass es nur ein Spiel ist, aber es ist tausendmal besser als zu Hause zu bleiben. Du machst damit zumindest klar, dass du wieder auf dem Markt bist und nicht wie ein Häufchen Elend wegen Gordon leidest.“
„Ich versteh nicht ganz, wie mir das helfen soll. Gordon wird das garantiert durchschauen und erst Recht über mich lästern.“
Duo rollte mit den Augen. „Natürlich musst du es überzeugend rüber bringen. Das heißt Händchen halten und küssen sind angesagt. Es soll ja schließlich niemand diese Gerüchte von wegen ‚eiskalt und zu keiner romantischen Geste fähig’ glauben.“
„Aber das kann ich nicht… nicht mit irgendjemandem.“
Duo grinste leicht. Heero protestierte schon gar nicht mehr so sehr. Vielleicht würde sein Plan ja aufgehen. „Deshalb solltest du auch einen Freund fragen. Jemanden, bei dem du dich sicher fühlst.“
„Hn, ich könnte Gwen fragen.“
Duo lachte laut auf. „Heero, nichts für ungut. Aber Gwen – so sehr ich sie auch schätze – ist fast alt genug um deine Mutter zu sein. Und sie ist eine Frau. Ich glaub dein Comming Out war zu aufsehend erregend, als dass du jetzt mit einer Frau auftauchen könntest.“
Heero runzelte die Stirn, protestierte aber nicht. „Ok, dann frag ich Trowa.“
Duo lachte noch mehr. „Das solltest du nicht tun, es sei denn du hast einen Todeswunsch. Quatre wird jeden bei lebendigem Leibe vierteilen, der seinem Trowa zu nahe kommt. Außerdem sind die zwei – ziemlich öffentlich – seit Jahren verheiratet und du willst nicht auch noch den Ruf eines Ehebrechers bekommen, oder? Und nein, aus den gleichen Gründen fällt auch Wufei flach. Sally kann sogar noch gemeiner als Quatre werden.“
Heeros Augen flogen über Duo. Immer wieder blickte er zu ihm schien sich aber nicht zu trauen etwas zu sagen. Duo lächelte leicht. Er wusste das es in Heeros Freundeskreis außer Jamie – der auch verheiratet war – nur noch einen Mann gab. Nämlich ihn. Er hatte Heero jetzt da, wo er ihn haben wollte. Als er bemerkte, dass Heero sich einfach nicht traute etwas zu sagen, nahm er das Wort wieder an sich. „Heero ich würde es gerne tun.“
„Wirklich?“
„Warum bist du so erstaunt? Wir sind Freunde. Die besten Freunde. Und ich hab es schließlich vorgeschlagen. Vertrau mir, wir werden Gordon die Show seines Lebens bieten.“ Oh ja. Händchenhalten und küssen. Das war doch mal ein Freundschaftsdienst den Duo gerne übernahm. Er würde mit Heero auf diese Convention gehen, und es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn es ihm auf diese Art und Weise nicht gelänge dem anderen zu zeigen, dass er mehr als nur Freundschaft von ihm wollte.