Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > Laren > ION-Arc: Assumptions - Vermutungen > ION Arc: Assumptions ?Vermutungen Teil 1

ION Arc: Assumptions ?Vermutungen Teil 1

- 1 -
 
Ich erlaube mir selbst nur fünfzehn Minuten zum duschen. Das ist eine unerschütterliche Regel, die ich mir damals während meiner Zeit bei den Sweeper selbst auferlegt habe. Fünfzehn Minuten und nur lauwarmes Wasser. Wenn man mit Haaren bis zum Arsch herumläuft, scheinen die Leute einem jede Sekunde die man unter der Dusche verbringt zu verübeln. Sie scheinen davon überzeugt zu sein, das es dich Ewigkeiten kostet soviel Haar zu waschen und plötzlich scheint sich jede Minute die du im Badezimmer verbringst in ihrem Kopf zu vervielfältigen. Und ja, diese Regel bedeutet das ich mich höllisch beeilen muss. Das ist einfach eine von diesen stereotypen Unterstellungen mit denen ich mich seit Jahren herumschlagen muss.
 
Ich glaube, das ist einer der Gründe warum mir diese Vorwürfe so sehr unter die Haut gehen; nichts bringt mich schneller auf 180 als in der Lage zu sein Dummheit vorherzusehen.
 
Vielleicht denk ich deshalb nicht so gerne an das erste Mal zurück, als wir alle fünf in einem Safehaus zusammen waren. Mir wurden schon in den ersten paar Tagen ein halbes Dutzend dieser abgedroschenen Vorwürfe um die Ohren gehauen.
 
Ich bin eine Waise. Ich wuchs auf den Straßen auf und aus irgendeinem dummen Grund glauben die Leute das ich deshalb alles esse was nicht hinter Verschluss ist. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein als das. Ich bin auf eine Art an Hunger gewöhnt, die man nur lernt wenn man lange Zeit von der Hand in den Mund lebt. Sicher, ich bekomme Hunger wie jeder andere auch, aber meine Definition von Hunger und die von den meisten Menschen sind zwei völlig verschiedene Dinge. Nahrung dient nur zum Lebenserhalt. Mein Körper braucht sie. Aber mehr kümmert mich nicht, ich bin nicht wirklich wählerisch darüber was ich zu essen bekomme. Als Kind habe ich gelernt wie man eine Ratte fängt, tötet und kocht. Ihr wollt die Unterschiede zwischen T-Bone Steak und Filet diskutieren? Es gibt nichts was mich weniger kümmert.
 
Es war auch sehr leicht vorherzusehen wer meine zwei größten Fans in diesem Haus sein würden. Heero und Wufei. Wufei war derjenige der sich dafür entschied sich wie besessen um meinen Heißwasserverbrauch zu kümmern, während Heero über meine Essgewohnheiten nörgelte. Beide verhielten sich aus dem einfachen Grund so, weil sie sich nicht für mich als Person interessierten. Ich kannte den Grund und dachte Anfangs das dieses Verstehen es leichter für mich machen würde aber irgendwie machte es die ganze Sache nur noch schlimmer.
 
Am Ende des zweiten gemeinsamen Tages war ich kurz davor zu explodieren. Eine weitere Sache die ihr über mich wissen solltet, ist die das ich einen kleinen Martyrerkomplex besitze. Auch das weiß ich genau, aber im Angesicht dessen wie weh mir dieser ‚Unterstellen-wir-Duo-alles-Schlechte-Wettbewerb tat, wusste ich das ich etwas unternehmen musste auch wenn ich mir damit wahrscheinlich selbst ins eigene Fleisch schneiden würde.
 
Ich wachte am Morgen des dritten Tages in absoluter ‚Fuck you’ Laune auf. Ich war es so unendlich leid wie ein Aussätziger behandelt zu werden und das ich wegen allem möglichem Scheiß – der schlicht und ergreifend nicht stimmte – beschuldigt wurde.
 
Ich erwachte früh. Diese Gewohnheit stammte noch von der Zeit als ich auf der Straße lebte. Man musste früh unterwegs sein wenn man irgendwas zum Frühstück auftreiben wollte. Ob nun zum Betteln oder zum Stehlen, die beste Zeit war immer früh am Morgen wenn die Leute auf ihrem Weg zur Arbeit waren, bevor sie einen üblen Tag gehabt hatten, solang sie noch bei guten Laune waren.
 
Wie gesagt, am Morgen des dritten Tages stand ich sehr früh auf, schnappte mir eines der Handtücher aus dem Badezimmer und wanderte hinunter zum Bach, wo ich mein erstes ‚Fuck you’ Kunststück durchziehen wollte.
 
Ich zog mich aus und watete in das eiskalte Wasser, reinigte mich gründlich und wusch mir auch mein Haar, indem ich immer wieder mit meinen Händen das Wasser hoch schöpfte. Es war so kalt, das ich befürchtete meine Eier würden nach Innen kriechen und nie wieder aus meinem Körper heraus kommen. Aber als ich mit der ganzen Prozedur fertig war, war ich so sauber wie ich es auch nach einer netten, heißen Dusche hätte sein können. Fuck you, Wufei. Heute hab ich nicht deinen wertvollen Vorrat an heißem Wasser angerührt.
 
Danach zog ich los um den Wald nach Essbarem zu plündern. Ich fand einige Walnüsse und verbrachte die nächste halbe Stunde damit auf einem Felsen in der Sonne zu sitzen und mein Haar trocknen zu lassen, während ich die Nüsse mit einem Stein öffnete und das Fruchtfleisch heraussammelte. Fuck you, Heero. Heute hab ich nicht deinen wertvollen Essensvorrat angerührt.
 
Eine weiter Sache die Leute von mir annehmen ist die, das ich faul bin. Stammt wohl von meiner lockeren Grundeinstellung, glaube ich. Schon wieder ist diese Annahme nicht auf der Wahrheit begründet; auf der Straße lernte man schnell seinen Teil beizutragen wenn man in einer Gang lebte, oder die Gang würde einen nicht lange durchfüttern. Nachdem ich gegessen und mein immer noch feuchtes Haar zu einem Zopf geflochten hatte, machte ich mich aus diesem Grund auf den Weg zum Haus um ein paar Aufgaben zu finden die ich erledigen konnte. Das Geschirr vom Abendessen stand immer noch auf dem Abtropfgestell, darum sortierte ich es in die Schränke. Dann bemerkte ich das sich im Wäschekorb genug Schmutzwäsche für mehrere Maschinenladungen befand, und aus diesem Grund startete ich eine.
 
Eine Annahme über mich ist tatsächlich wahr; ich hasse die Kälte. Und wie so vieles andere ist dies etwas das seine Wurzeln in meiner Kindheit hat. Zu frieren lässt mich an die alten Tage zurückdenken, wo wir Kinder uns immer dicht zusammen in unseren Unterschlupf gedrängt haben. Zu erfrieren ist vielleicht nicht der schlimmste aller möglicher Tode, aber zuzusehen wie jemand erfror hinterlässt doch eine bleibende Erinnerung auf einer Kinderseele.
 
Unser Safehaus hatte einen großen offenen Kamin, und wir hatten an den meisten Abenden das Feuer angezündet. Solange davor zu liegen bis ich mich wie ein geröstetes Marshmallow fühlte war ein kleiner Luxus den ich mir gönnte. Einer der wenigen, hier in diesem Haus, mit den anderen um mich herum. Es schien sie auch nicht zu stören; ich glaube sogar sie genossen die Annehmlichkeit des Feuers genauso wie ich, nur das sie es niemals zugeben würden. Auf jeden Fall sorgte ich akribisch dafür das niemand außer mir neues Feuerholz hacken oder ins Haus tragen musste.
 
Inzwischen war es spät genug, das ich nicht mehr befürchten musste das noch einer der anderen schlief, deshalb war meine nächste selbstauferlegte Aufgabe neues Feuerholz zu hacken und den Vorrat neu aufzufüllen.
 
Während ich arbeitete, bemerkte ich wie der Rest des Hauses zum Leben erwachte. Trowa war in der Küche, und bei einem meiner, mit einer ganzen Armvoll Feuerholz beladenen, Gänge zum Kamin bemerkte ich den Geruch von gebratenen Eiern.
 
Trowa ist ein ganz netter Kerl, wenn auch etwas still. Ich ging durch die Küche um die Wäsche in den Trockner zu werfen und eine zweite Ladung Wäsche zu starten als er mich mit einem ruhigen „Guten Morgen.“ begrüßte.
 
Ich grinste ihn an und ging weiter. „Morgen Trowa.“ Als mein Blick den Tisch streifte, bemerkte ich das noch nicht fürs Frühstück gedeckt war. „Bemüh dich nicht für mich aufzudecken. Ich habe schon gegessen.“
 
Er runzelte seine Stirn und guckte etwas verwirrt, aber ich ging einfach an ihm vorbei ohne etwas weiteres zu sagen. Nachdem ich die Wäsche ausgetauscht hatte, ging ich zurück zum Holzhacken.
 
Reumütig musste ich über mich selbst lachen, ich hätte das verdammte Holz vor dem Baden hacken sollen. Irgendwie machte ich den ganzen Aufwand von vorhin zunichte.
 
Holzhacken war eine Tätigkeit die ich hier zum ersten mal hatte tun müssen. Und ich schäme mich fast zuzugeben das ich mir beinahe meinen eigenen Fuß amputiert habe bei meinem ersten Versuch. Es ist nicht so verdammt einfach wie es aussieht! Selbst nach drei Tagen in denen ich mein Können verfeinern konnte, brauchte es immer noch meine ganze Konzentration damit ich das Holz und nicht meine Körperteile in Stücke hackte. Aus diesem Grund war ich ein wenig irritiert als Wufei plötzlich aus der Hintertür herausgerannt kam und mich gerade dann anfauchte als ich die Axt zum Schwung erhoben hatte.
 
„Maxwell!“ schrie er. Was er danach weiter zu mir sagte, ging bei mir zum einen Ohr rein und zum anderen wieder heraus, ich war zu sehr damit beschäftigt nicht die Kontrolle über die Axt zu verlieren.
 
„Was?“ schrie ich zurück, nachdem ich die Klinge gestoppt hatte und mir sicher war das mein Knie immer noch intakt war.
 
„Es ist kein heißes Wasser da... schon wieder!“ warf er mir vor, während überall aus seinem Haar kaltes Wasser tropfte. „Dieses gottverdammt lange Haar von dir...“
 
Ich schnitt ihm das Wort ab. „Ich habe heute nicht geduscht,“ zischte ich durch meine Zähne. Dann drehte ich mich zur Seite und hob das Feuerholz auf. „Die Waschmaschine läuft, schalt sie aus, dann hast du auch wieder heißes Wasser.“
 
Ich konnte fühlen wie er für eine Weile meinen Rücken anstarrte, aber ich ignorierte ihn einfach. Und als ich mich wieder umdrehte um das Holz in das Haus zu bringen, war er gegangen. Fuck you, Wufei.
 
Die Holz-Vorratskiste war inzwischen gut gefüllt, darum beschloss jetzt mit dem Holzhacken aufzuhören – solang ich noch unverletzt war – und ging statt dessen zum Trockner um die Kleidung herauszuholen.
 
Die anderen saßen alle am Frühstückstisch und ich erntete ein Lächeln von Quatre und einen wütenden Blick von Heero, als ich den Raum betrat.
 
„Guten Morgen, Duo,“ Quatre lächelte mich an, als ich kurz stoppte um mir die Hände zu waschen, damit ich die saubere Kleidung nicht gleich wieder schmutzig machte.
 
„Morgen Quat,“ grinste ich zurück und er errötete. Er ist der einzige bei dem ich mich überhaupt traue einen Spitznamen zu verwenden. Ich glaube er mag es, aber aus irgendeinem Grund scheint es ihm auch peinlich zu sein.
 
Ich hatte gehofft ohne weitere Störung in den Wäscheraum zu entkommen, aber Heeros Stirnrunzeln wurde immer tiefer und er hielt mich auf bevor ich verschwinden konnte.
 
„Unsere Vorräte sind sehr begrenzt, wir können es uns nicht leisten das jeder sich...“
 
Ich drehte mich von der Spüle weg und blickte ihm direkt ins Gesicht. Seine ärgerlichen Blicke sind... die personifizierte Hitze. Meine gleichen eher der Seele des Eises und schien ihn mitten im Satz zu stoppen.
 
„Ich habe deine so sorgfältig gezählten und inventarisierten Vorräte nicht angerührt,“ knurrte ich.
 
Er bemerkte meinen kalten Blick, schien aber nicht davon beeindruckt zu sein. „Trowa hat gesagt das du bereits gegessen hast,“ warf er mir vor.
 
Der Gedanke das sie hinter meinem Rücken über mich redeten, so als gehörte ich nicht zu ihrer kleinen Gruppe, regte mich auf. „Ich habe für mich selbst gesorgt. Ich bin noch nicht einmal in die Nähe deiner kostbaren Vorräte gegangen.“
 
Für einige weitere Momente starrten wir uns gegenseitig an, und als er nichts weiter zu sagen hatte, ging ich davon um endlich die Wäsche zu beenden. Fuck
you, Heero.
 
Ich erreichte den Trockner kurz bevor er fertig war und war deshalb in der Lage Quatres Frackhemd heraus zu holen, bevor es knitterte. Ich wiederstand dem Drang die Kleidung von Heero und Wufei einfach im Trockner liegen zu lassen. Aber dann schaffte ich es doch mich dazu zu bringen die grünen und die schwarzen Tank Tops genauso sorgfältig zu falten wie die Sachen von Trowa und Quatre.
 
In meinem Bauch brodelte der Ärger und ich entschloss mich ohne groß weiter darüber nach zu denken, das ich auf keinen Fall auch nur noch einen kleinen Bissen von ihrem verdammten Essen anrühren würde. Mir war es total egal ob ich verhungern würde. Genau... ich schnitt mir mal wieder ins eigene Fleisch.
 
Ich zog meine Grenze als es darum ging ob ich ihre Kleidung noch ordnungsgemäß weghängen sollte, und entschloss mich statt dessen den Wäschekorb einfach auf den Küchentisch zu stellen. Sollen sie sich doch um ihre eigenen verdammten Sachen kümmern.
 
Ich kontrollierte die Spüle und entdeckte das jemand von den anderen daran gedacht hatte das Frühstücksgeschirr zu säubern. Da es sonst nichts mehr zu tun gab, ging ich Quatre suchen. Ich war an der Reihe um neue Vorräte einzukaufen.
 
Ich konnte hören wie sie leise im Wohnzimmer miteinander sprachen. Und der Ton ihrer Stimmen brachte mich dazu kurz zu zögern, anstatt einfach hineinzustürmen.
 
„...Walnüsse? Warum um alles in der Welt geht er in den Wald um dort nach Essen zu suchen, wenn wir doch...“ sagte Wufei, doch Quatre schnitt ihm das Wort ab. Einer von ihnen hatte wohl die Walnussschalen entdeckt.
 
„Wegen der Art und Weise wie ihr zwei ihn wegen jeder Kleinigkeit behandelt. Was ist überhaupt euer Problem? Duo ist verdammt nützlich...“
 
„Er ist unprofessionell,“ konnte ich Heero knurren hören. „Er ist undiszipliniert und hört nicht auf Befehle.“
 
„Er...“ Quatre zögerte, „Er hat seinen eigenen Stil. Aber das gibt euch noch lange nicht das Recht gemein zu sein.“
 
„Er ist ein Dieb, das hat er selber zugegeben,“ sagte Wufei und ich konnte die Verachtung in seiner Stimme hören.
 
„Oh, das ist ja auch sooooo viel schlimmer, als ein kaltblütiger Killer zu sein,“ ich musste lachen über Trowas affektive Art zu sprechen. Der Kerl war ein ruhiger Typ, aber das bedeutete noch lange nicht, das seine Zunge nicht scharf sein konnte wenn er sich mal dazu entschloss sie zu benutzen.
 
Ich entschied, das ich inzwischen genug gehört hatte um mir das Wesentliche um das es ging denken zu können. Ich betrat den Raum, mein patentiertes Grinsen im Gesicht und ignorierte jeden außer Quatre.
 
„Oh, da bist du Quat!, ich strahlte ihn an. „Die saubere Wäsche habe ich auf den Tisch gelegt. Kannst du mir die Autoschlüssel geben? Ich bin soweit um Einkaufen zu fahren.“
 
Er stand einfach da und fischte die Schlüssel aus seiner Hosentasche während ich auf mindestens zwei anderen Gesichtern im Raum bemerkte wie ihre Blicke immer finsterer wurden. Wie nicht anders zu erwarten übernahm meine Dummheit die Kontrolle und ich bemerkte wie ich richtig ärgerlich wurde.
 
„Genau. Ich denke ich werde 60 Packungen Eiskrem kaufen, und natürlich einige Kekse. Habt ihre irgendwelche Geschmacksrichtungen die ihr bevorzugt?“
 
Wufeis Mund öffnete sich nur um dann wieder zuzuschnappen. Hatte ich mir doch gedacht das er derjenige sein würde der so eine Dummheit von mir annehmen würde.
 
Ich konnte aus den Augenwinkeln sehen das Heero kurz davor war etwas zu sagen, darum setzte ich noch etwas nach. „Und wer von euch hat das ‘Hallo, Ich bin ein Gundam Pilot’ T-Shirt als letztes benutzt.... Ich kann es nicht finden.“
 
Er starrte mich finster an. „Baka,“ zischte er durch zusammengepresste Zähne während ich ihn angrinste. Ich hatte wieder gepunktet.
 
Ich drehte mich um, um den Raum zu verlassen und rief noch einmal unbekümmert über meine Schulter, „Ich versuch zurück zu sein, bevor die Woche zuende ist.“
 
Das sollte so ungefähr alles abgedeckt haben. Ich stoppte kurz in der Küche und schaute nach was wir noch an Vorräten hatten und was wir brauchten. Dann nahm ich mir das Geld das zum Einkaufen vorgesehen war aus der Dose die auf der Fensterbank stand.
 
Eigentlich war das ganze nicht einmal eine schlechte Idee. Es würde mir gar nicht schaden, für eine Weile von hier wegkommen zu können.
 
Ich verfluchte die Umstände die dafür gesorgt hatten das ich in dieser Situation fest hing und begann mir irgendeinen Auftrag herbeizuwünschen nur damit ich von hier fort kam. Ich habe normalerweise überhaupt keine Probleme mit anderen Leuten auszukommen. Ich bin ein ziemlich umgänglicher Typ, eigentlich immer in der Lage die Menschen so zu beruhigen das wir uns besser kennen lernen können.
 
 Aber aus irgendeinem Grund schien ich die anderen aus unserer Gruppe nur zu irritieren. Ok, um fair zu sein, Trowa und Quatre schienen nichts gegen mich zu haben, zumindest schafften sie es höflich zu mir zu sein. Ich glaube ich habe etwas Respekt von Trowa geerntet und ich denke das Quatre meine Gegenwart wirklich mochte. Es waren die anderen zwei, die Gebrüder Grimm. Egal was ich auch tat, ich brachte sie damit auf 180. Mit Wufei war das – zumindest noch am Anfang – sogar spaßig gewesen. Ich muss gestehen das ich ihn auch oft geneckt hab, eben weil es so einfach war. Aber Heero... der machte mich fertig. Da war was an ihm... etwas hinter seinen unglaublich dunkelblauen Augen. OK, hört sofort auf zu Kichern! Ich hab mich in dem Moment in dieses Arschloch verliebt als ich ihn das erste Mal gesehen hab. Lasst mich bloß damit in Ruhe, ich bin mir auch ohne eure Hilfe klar darüber wie absolut lächerlich es war sich ausgerechnet in Heero zu verlieben. Aber für wen mein Herz sich letztendlich entscheiden würde, lag vollkommen außerhalb meiner Kontrolle.
 
Und darum verpasste mir jedes dieser ‚Bakas’ einen tiefen Stich in mein Herz.
 
Auf der Straße sind es ungefähr 8 Meilen bis zum nächsten Ort. Wenn man den Berg gerade herunterwandern würde, wären es wahrscheinlich nicht mehr als 2. Das Auto ist eine ziemlich alte Karre, hässlich, flach und kotzgrün, aber es läuft. Gleich als ich hierher gekommen bin, hab ich mich um die Karre gekümmert, darum lief jetzt auch das Öl nicht mehr aus. Das Auto passte ziemlich genau zu einem durchschnittlichen, jungen Fahrer.
 
Die Straße zur Stadt war ein wirklich unangenehmer Zick-Zack-Kurs, man fuhr eine ganze Weile hin und her bevor man den kleinen Ort am hinteren Ende erreichte. Foxdell, so hieß der Ort glaube ich. Nur zwei Meilen vom Safehaus entfernt gab es einen Ort wo man sein konnte ohne Gefahr zu laufen angeschnauzt zu werden. Niemand dort hatte einen Grund dazu.
 
Ich parkte am Straßenrand, stieg aus dem Auto aus und setzte mich für eine Weile auf die Motorhaube. Wäre sicher nicht ratsam mich zwischen die Zivilisten des Ortes zu mischen, so aufgebracht wie ich immer noch war. Ich saß für ein paar Minuten da und lauschte dem Vogelgezwitscher, etwas das ich vor meiner Ankunft auf der Erde niemals gehört hatte, und versuchte die ganze Scheiße aus meinen Gedanken zu drängen. Es würde ja nicht für immer anhalten. Ich hatte allein gearbeitet bevor ich zur Erde gekommen war und dieses Partnerschafts-Ding würde sicher bald wieder beendet sein. Dann wäre ich endlich wieder vollkommen auf mich allein gestellt sein. Irgendwie machte mich auch dieser Gedanke nicht fröhlicher. Ich glaube das Problem das ich hatte war, dass ich mir viel zu gut vorstellen konnte wie es hätte sein können. Wir waren fünf der interessantesten Individuen in diesem verdammten Solarsystem. Wir sollten mehr miteinander gemeinsam haben als irgendjemand sonst. Es wäre schön, wenn ich mit den Jungs reden könnte, wenn wir eine richtige Partnerschaft hätten, eine wo der eine auf den anderen acht gab. Ich schnaubte leise, scheinbar war dies einfach nicht möglich.
 
„Hör einfach mit dieser Gefühlsduselei auf, Maxwell,“ murmelte ich zu mir selbst und kletterte vom Wagen. Das führte doch zu gar nichts. Inzwischen war ich so angespannt, das ich einen leichten Ekel verspürte. Ich hatte es zugelassen das sie mir unter meine Haut gegangen waren. Und das heutige Datum half bei dieser unangenehmen Geschichte überhaupt nicht, wie ich zugeben musste. Aber zu diesem Zeitpunkt wollte ich darüber nicht auch noch nachdenken müssen. Ich stieg wieder ein und fuhr weiter.
 
Foxdell hat nichts über das man irgendjemandem Grußkarten schicken würde. Es hat eine Gemischtwarenhandlung, eine Tankstelle, ein kleines ‘Essen wie bei Muttern’ Restaurant und vielleicht ein gutes Dutzend Häuser. Wenn es in dieser Gegend irgendeine Hauptsaison geben sollte, dann waren wir viel zu spät dran.
 
Der Tank war nicht mehr besonders voll, etwas das gegen meine ‘sei auf alles vorbereitet’ Natur verstieß, darum steuerte ich als erstes die Tankstelle an.
 
Ich musste grinsen. Die Zapfhahnanlage war so alt, sie hatte noch nicht einmal eine Digitalanzeige. Ich beobachtete wie ein Typ mit dem Namensschild ‘Bill’ auf seinem Overall langsam aus dem Gebäude auf mich zuging und wunderte mich kurz ob diese Leute überhaupt schon bemerkt hatten das es zur Zeit einen Krieg gab.
 
„Morgen!“ rief ich Bill freundlich entgegen.
 
„Was kann ich für dich tun?“ er grinste zurück und das absolut banale Geplauder war eine sehr willkommene Abwechslung.
 
„Einmal volltanken bitte,“ sagte ich zu ihm während ich die Motorhaube hochklappte um das Öl zu überprüfen, obwohl ich das erst vor ein paar Tagen getan hatte.
 
Er umrundete das Auto, hob den Tankschlauch an und steckte ihn in die Tanköffnung. Nachdem er die automatische Kontrolleeingeklickt hatte, stellte er sich neben mich um auch unter die Motorhaube zu schauen. Ich bemerkte das die Zapfsäule nicht abgeschlossen gewesen war. Ich schüttelte meinen Kopf, man musste diese kleinen Ortschaften echt lieben.
 
„Hast du vielleicht einen Schmierlappen?“ fragte ich ihn kumpelhaft und er holte einen aus seiner Gesäßtasche und reichte ihn mir während er sich tiefer bückte um einen besseren Blick auf meinen Motor zu werfen.
 
„Danke,“ rief ich mit begeistertem Unterton und fuhr damit fort meinen Ölstand zu überprüfen. Als ich sah dass das Ergebnis ‘normal’ war grinste ich fröhlich. „Super. Ich glaub ich hab es endlich geschafft dieses Leck zu flicken.“
 
Er schaute sofort hoch. „Hast du Probleme mit dem Öl?“
 
„Ich hatte,“ sagte ich während ich den Ölmessstab zurück schob. „Diese verdammte Karre hat ungefähr einen Viertelliter pro Woche verloren.“
 
„Nicht dein ernst?” er hob eine Augenbraue an.
 
„Mein vollkommener,” bestätigte ich und gab ihm seinen Lappen zurück. „Es hat mich Ewigkeiten gekostet den Riss im Verteiler zu finden.“
 
Er machte ein kleines, mitfühlendes Geräusch.
 
Dann wischte er sich die Hand an seiner Hose ab und hielt sie mir entgegen. „Ich bin Bill,“ informierte er mich.
 
„Hi!“ ich grinste ihn wieder an und schüttelte seine Hand. „Ich bin Max.“
 
Verdammt, warum konnte es mit den stoischen, kleinlichen Gundam Piloten nicht auch so einfach sein?
 
Ich schloss die Motorhaube wieder und lehnte mich gegen das Auto, während ich mich mit Bill für eine Weile über Motoren unterhielt. Dann fing er an die Standart Fragen zu stellen. ‚Was trieb mich in diese Gegend?’ ‚Würde ich lange bleiben?’ Die Art von Fragen, die Leute halt in einer höflichen Unterhaltung fragten. Die Art von Fragen, die Heero dazu brachten nach einem Versteck für die Leichen zu suchen.
 
Ich erzählte Bill über den Campingurlaub den ich mit ein paar meiner Freunde machte. Und das wir wahrscheinlich für ein paar Tage bleiben würden, es sei denn das Wetter würde sich verschlechtern – oder wir würden uns langweilen.
 
Er erzählte mir wo man am besten Angeln gehen konnte und ich fragte ihn was man am besten in dem Restaurant bestellen sollte.
 
Als ich ging, waren wir inzwischen so dicke das er mich wahrscheinlich zu sich eingeladen hätte, wenn ich ihm erzählt hätte das ich keine Unterkunft habe.
 
Warum nur konnte es mit Heero und Wufei nicht so einfach sein?
 
Als ich zu dem Tante-Emma-Laden kam, sah dieser zunächst verlassen aus. Aber als ich ihn betrat erklang eine Glocke, die über der Tür hing, und eine Mädchenstimme ertönte aus dem Hinterzimmer.
 
„Bist du das Bill?“
 
Ich musste schon wieder über diese kleinen Orte grinsen.
 
„Uhmmmmm.... nein,“ rief ich zurück. „Sorry.“
 
Die Stimme eines vollkommen Fremden reichte aus um die junge Frau aus dem Hinterzimmer zu locken. Sei wischte sich beim Gehen die Hände an einem Handtuch ab.
 
Sie war ungefähr einen Kopf kleiner als ich und trug eines dieser Kleider das ich mit ‘Oma-Kleid’ verband über einem Rollkragenpullover, dessen Ärmel über ihre Ellbogen geschoben waren. Sie war wahrscheinlich in meinem Alter, wirkte aber wie ein Kind auf mich. Sie lächelte erfreut als sie mich sah, kippte ihren Kopf zur Seite und betrachtete mich von oben bis unten. Dabei musste sie sich ihr kurzes, braunes Haar aus den Augen wischen.
 
„Nein. Du bist nicht Bill,“ stimmte sie mir zu.
 
Ich grinste zurück. „Zumindest nicht als ich das letzte mal nachgesehen hab.“
 
Sie kicherte, wobei sich ihre Nase kräuselte und ich wurde unweigerlich an einen Welpen erinnert. Gott, sie wirkte so verdammt jung.
 
„Bist du neu, oder nur auf der Durchreise?“ fragte sie, während sie sich das Handtuch über die Schulter warf.
 
„Nur ein Tourist,“ erzählte ich ihr und drehte mich dann um, um mir einen Einkaufskorb zu schnappen.
 
„Das ist schade,“ sagte sie und als ich mich zu ihr zurück drehte konnte ich ihr einladendes Lächeln sehen.
 
OK, vielleicht doch nicht so jung.
 
„Ich bin Paige,“ sie ignorierte einfach meinen fassungslosen Blick.
 
„Max,“ erzählte ich ihr.
 
Sie betrachtete mich für einen weiteren Moment, dann zeigte sie mit ihren Fingern in den Verkaufsraum. „Such dir zusammen was du haben willst. Sag einfach bescheid wenn du fertig bist, ich bin dann wieder im Hinterzimmer.“
 
Sie drehte sich um und ließ mich allein mit all den Waren. Ich musste unwillkürlich den Kopf schütteln, dies war wirklich ein merkwürdiger kleiner Ort. Ich musste mich stark beherrschen um sie nicht zu fragen ob sie jemals von etwas namens ‘Mobile Suite’ gehört hatte.
 
Ich wählte sorgfältig aus den Waren in den Regalen aus, versuchte dabei daran zu denken das jedes Teil Heeros Inspektion überstehen musste. Nichts das schnell verderben würde, nur Trockennahrung und Dosen. Und ich achtete auch besonders auf den Nährwert. Ich hab nie verstanden, warum wir uns nicht einfach einen großen Vorrat an Militärrationsriegel anschafften und diese ganzen Probleme nicht mehr hätten.
 
Ich nahm Mehl, Polenta, Reis und Haferflocken. Einige Eier, aber nur weil ich Trowa beim Kochen beobachtet habe und daher wusste das er viele von ihnen verwendete. Und ich nahm Salz, weil ich wusste das wir fast keins mehr hatten.
 
Ich achtete sehr auf den Preis der Lebensmittel, verglich genau wie viel Inhalt ich für wie viel Geld bekam, rechnete alles nach um das Preisgünstigste zu nehmen. Das war eine weitere ‘Duo Maxwell Legende’ die mir auf den Nerv ging. Warum um alles in der Welt dachten manche Leute das jemand der aufwuchs ohne jeden Tag etwas zu essen zu haben, leichtfertig mit Geld sein würde? Also wirklich, wenn es in unserer kleinen Gruppe jemand gab, der wahrscheinlich zuviel Geld für Vorräte ausgeben würde, dann war das Quatre. Ich wette, bis er Gundam Pilot wurde hat der noch nicht einmal das Innere eines Lebensmittelsgeschäftes gesehen. Dafür haben Leute wie die Winners schließlich ihre Dienstboten.
 
Als ich die Lebensmittel die ich ausgesucht hatte auf den Ladentisch ablegte, merkte ich wie die Bitterkeit wieder in mir hoch kroch und ich musste über meinen Gemütszustand seufzen. Ich hätte mir denken können das es mir gerade heute so ergehen würde.
 
Ich hörte ein heftiges Klirren vom Hinterzimmer und unbewusst zuckte ich zusammen und ging in Deckung.
 
„Du verdammtes Stück Schrott!“ hörte ich Paige fauchen und ich stand wieder auf und ging zum Hinterzimmer um meine Neugierde zu befriedigen.
 
Ich kam genau zur richtigen Zeit.
 
„Stop!“ schrie ich und ich glaube ich habe sie beinah zu Tode erschrocken damit. Aber zumindest konnte ich sie gerade so eben davon abhalten den Schraubenschlüssel den sie hielt  an einen wirklich gefährlichen Ort zu stecken.
 
Ich schritt durch den überfüllten kleinen Lagerraum und zog das Stromkabel aus der Steckdose. „Hat dir noch nie jemand gesagt, das du den Strom ausschalten musst bevor du an den Geräten herumreparieren willst?“ fragte ich gedehnt.
 
Ihre Augen wurden auf einen Schlag weit aufgerissen und ich war sogar etwas erstaunt zu sehen das sie sofort begriff was sie fast getan hätte. „OhmeinGott!“ stieß sie hervor. „Ich hab wohl vergessen das ich es eingestöpselt hatte um es zu testen.“
 
Sie plumpste in einer sehr undamenhaften Pose auf den Fußboden und blinzelte mich an.
 
„Mein Gott; du hast mir gerade das Leben gerettet.“
 
Mir war nach Lachen zumute. Die letzte junge Lady die ich gerettet hatte, hat mir für meine Mühen den Kopf abgerissen.
 
„Was,“ fragte ich um das Thema zu wechseln, „hast du bloß versucht zu machen?“
 
Sie schob ihre Unterlippe vor und pustete ihre Haarsträhnen aus ihren Augen. „Ich habe versucht dieses dämonische Stück... Scheiße wieder ans laufen zu bringen, bevor wir Gefriergut im Werte von 300 Doller verlieren.“
 
Ich warf einen kritischen Blick in die Richtung des unkooperativen Geräts. Es sah gar nicht so kompliziert aus. „Hast du etwas dagegen wenn ich es mir mal anseh?“
 
„Wenn du irgendwas über Gefrierschränke weißt,“ sagte sie und hielt mir den Schraubenschlüssel entgegen, „dann los.“
 
Ich zog die große Tiefkühltruhe von der Wand und nahm dann den Schraubenschlüssel entgegen.
 
Sie grinste mich an. „Oh klar... schummel nur weiter.“
 
Ich feixte kurz und begann dann mit der Arbeit. “Es geht doch nichts über ein bisschen rohe Krafteinwirkung.“
 
Sie kicherte „Das mag ich in Männern.“
 
Mein Kopf schoss nach oben um sie anzusehen. Ich konnte nicht erkennen ob sie mit mir flirtete oder mich einfach foppte oder was auch immer. Ich errötete und sie wäre fast auf dem Boden zusammengebrochen vor Lachen.
 
„Pass auf dich auf,“ ich versuchte sie finster anzublicken. „Ich könnte genauso gut ein umherwandernder Axtmörder sein.“
 
Ihr Gesicht verzog sich ziemlich komisch, bis ich sie wieder anlächelte und sie noch mehr kicherte.
 
„Hast du eine Taschenlampe?“ fragte ich und sie stand auf um eine zu holen.
 
Es kostete mich ungefähr eine halbe Stunde das Teil zu reparieren, sie saß die ganze Zeit über auf einer Kiste und plauderte mit mir. Sie hatte einen scharfen Verstand unter dem Gekicher und lachte sogar über einige meiner Witze. Ich bemerkte das ich viel Spaß hatte. Es war schön eine nette, normale Unterhaltung mit jemanden zu führen, ohne das mich jemand für etwas das ich nicht getan hatte angriff.
 
Wir fanden heraus das wir die gleiche Musik mochten. Sie arbeite hier im Laden ihres Onkels während der Schulferien. Sie würde wieder aufs College gehen in ein paar Wochen. Sie studierte Kunst, aber ihr Vater hatte darauf bestanden das sie auch noch was anderes studierte, damit sie später einen ‘richtigen’ Job würde kriegen können.
 
Mein ‘Max’ Charakter hat einen ziemlich komplett durchdachten Lebenslauf, und so konnte ich ihr ohne groß nachzudenken davon erzählen das ich mit meinen Kumpels auf Campingtour war bevor wir auch wieder zur Schule mussten. Ich erzählte ihr auch das wir alle versuchten Geld zu sparen um im nächsten Sommer nach Europa zu fliegen und dann durch Großbritannien wandern
wollten.
 
Sie fragte mich nach meinem Haar aus und erzählte ihr mein ‘Rock Star’ Witz.
 
Ich fragte sie nach ihrem Großmutterkleid und sie erzählte mir ihren ‘Waschtag’ Witz.
 
Dann schloss ich den Gefrierschrank wieder an das Stromnetz an und wurde mit dem brummenden Geräusch das er beim Starten machte belohnt.
 
Sie quietschte erfreut und schoss von der Kiste hoch um mich zu umarmen.
 
„Paige,“ sagte ich während ich versuchte sie von mir zu schieben. „Das war kein Problem.“
 
Sie bemerkte die Anzeichen das ich mich unwohl fühlte und trat einen Schritt zurück. Wahrscheinlich war sie nur einer von diesen Menschen die gerne andere umarmten.
 
„Machst du Witze?“ schrie sie aufgeregt. „Du hast dem Geschäft grad Waren im Wert von über 300 Dollar gerettet. Und nicht zu vergessen, deine Hilfe hat uns die Kosten für die Reparatur gespart.“
 
Ich grinste sie an. „Naja, ich hatte sonst nichts zu tun.“
 
Diese Aussage brachte mich dazu an die Uhrzeit zu denken und mir wurde klar das ich so schnell wie möglich zum Safehaus zurück musste, bevor die Jungs glaubten das ich gefangen genommen wurde und sie mich würden töten müssen um mich vom Reden abzuhalten.
 
Sie schien auch plötzlich zu bemerken wie lange die ganze Sache gedauert hatte und schob mich praktisch zurück in den Laden damit ich die Sachen kaufen konnte. „Sorry das ich dich solange aufgehalten habe.“
 
Als sie die Lebensmittel die ich auf den Tresen gelegt hatte genauer betrachtet hatte, hob sie eine Augenbraue an. „Wäh, ist das alles was ihr Jungs essen werdet?“
 
Ich lachte. „Nun.... keiner von uns ist das was man einen Gourmetkoch nennen könnte.”
 
„Das ist es,“ sie strahlte plötzlich über das ganze Gesicht, griff mich bei dem Arm und zog mich zurück in das Hinterzimmer. „Ich muss dir noch was für deine ganzen Mühen geben.“
 
Für einige Momente hatte ich ein surreales und verdammt furchteinflössendes Gefühl, bevor sie meinen Arm losließ und die Tür von dem Gefrierschrank den ich gerade repariert hatte aufriss.
 
„All diese Sachen wären ohne dich verdorben. Es dauert zwei Tage bis ein Mechaniker hierher kommt. Nimm dir was du willst.“
 
Sie schaute mich erwartungsvoll an. Ich öffnete meinen Mund um zu protestieren, aber schloss ihn sofort wieder. Es war keine so schlechte Idee, etwas besonders leckeres für das heutige Abendessen mitzubringen könnte helfen die Stimmung zwischen mir und den Jungs aufzubessern. Ich schaute in die Fächer und blickte dann noch einmal zu Paige.
 
„Bist du dir wirklich sicher?“ vergewisserte ich mich noch einmal und erntete einen enthusiastisches Nicken.
 
Dann wandte ich mich wieder dem Gefrierschrank zu. Ich dachte an jeden der Jungs und traf für jeden eine sorgfältige Auswahl.
 
„Das ist alles?“ fragte sie und schaute so überrascht drein das ich Lachen musste.
 
„Nun...“ ich zögerte kurz. „Ich hoffe ich kann auch ein etwas frisches Gemüse dazu bekommen?“
 
Sie holte es aus dem hinteren Lager, die frischesten Sachen im ganzen Geschäft.
 
Wir gingen zurück zur Kasse und aus einem plötzlichen Impuls heraus schnappte ich mir eine Flasche Limonade aus dem Kühlfach. Eine kleine Belohnung für mich allein, verdammt, es war ein langer Tag gewesen.
 
Sie rechnete die Preise von den anderen Sachen zusammen und als ich ihr sagte sie solle Limo separat abrechnen grinste sie nur, zwinkerte kurz und steckte sie so in die Einkaufstüte.
 
Ich seufzte und versuchte Einspruch zu erheben, aber sie hob nur abwehrend ihre Hände. „So wie ich das sehe, schulde ich dir immer noch um die 270 Dollar.“
 
Sie half mir die Taschen in das Auto zu tragen und wir verabschiedeten uns über die Motorhaube hinweg.
 
Ich raste zurück ins Safehaus, fühlte mich ein bisschen besser. Ich dachte mir, das ich ziemlich gute Arbeit mit den Vorräten geleistet hatte und das ich es zudem auch noch geschafft hatte ein sehr gutes Abendessen für umsonst heraus zu schlagen. Alles was ich dazu benötigt hatte, war ein bisschen Freizeit und meine Mechanikerfähigkeiten. Es war noch nicht einmal so spät. Ich würde Stunden bevor Trowa mit dem Kochen anfangen würde zurück sein. Vielleicht würde das Essen die ganze Stimmung etwas aufheitern; vielleicht würden wir es schaffen einen Abend in fröhlicher Runde zu verbringen. Vielleicht würde es mir sogar gelingen mich endlich von all dem was mir heute zu schaffen machte abzulenken.
 
Ich fuhr in den Hof in einer ziemlich guten Stimmung, sang sogar leise zu mir selbst und schnappte mir dann die ersten paar Tüten mit Vorräten. Wobei ich darauf achtete die verderblichen Waren zuerst mitzunehmen. Ich sah Heero auf den Stufen stehen als ich durch die Haustür schritt. Er warf wir sofort böse Blicke zu. Ich wettete mit mir selbst was wohl seine ersten Worte seinen würden, und wie nicht anders erwartet kam „Wieso hat das so lang gedauert?“
 
„Ich hab ein paar alte Freunde getroffen und wir sind in die Disco gegangen,“ sagte ich affektiert und hätte mir am liebsten selbst dafür in den Hintern getreten. Es war ein Teufelskreis in dem Heero und ich uns befanden. Ich konnte genau vorher sehen was er zu mir sagen würde, wenn er denn mal mit mir redete, und dieses Wissen machte mich verrückt. In der Lage zu sein genau zu wissen was er zu mir sagen würde, bevor er es wirklich tat, drängte mich in die totale Defensive und das war der Grund warum meine Klugscheißerklappe ohne mein Wollen aufging. Und das war anscheinend die Sache die IHN in den Wahnsinn trieb, was dazu führte das er nur noch mürrischer wurde.
 
Ich seufzte, meine gute Stimmung war ziemlich in sich zusammen gefallen, und ging in die Küche. Quatre war dort mit Trowa und ich versuchte einfach Heero zu vergessen.
 
Quatre nahm die Tüte aus meinen Händen und begann damit sie auszuladen. Ich ging zurück zum Auto um den Rest zu holen. Hinter mir hörte ich ein merkwürdiges Geräusch und entdeckte das Wufei gerade durch die Hintertür herein kam.
 
„Maxwell!“ blaffte er mich an. „Du Idiot. Nichts von dem Zeug wird halten.“
 
Ich öffnete meinen Mund um mich zu verteidigen, als ich bemerkte das Heero gerade in die Küche kam und ich plötzlich vier Augenpaare auf mich gerichtet wusste. Auch der letzte Rest meiner guten Laune verschwand. Was zur Hölle hatte ich mir nur dabei gedacht? Ein netter Abend mit dieser Gruppe? Sie hassten mich alle, es gab keinen Grund es überhaupt zu versuchen.
 
Ich sagte nichts, schaute nur jedem von ihnen genau in die Augen und drehte mich dann um, um zurück zum Auto zu gehen. Ich schnappte mir die letzten Tüten und schleppte sie in die Küche, ließ sie auf den Tisch fallen.
 
Sie waren immer noch alle da, zogen die Steaks und das Gemüse aus der ersten Tüte und machten dabei entsetzte Gesichter. Wufei sagte irgendwas, aber ich hörte ich noch nicht einmal. Ich war so sauer, das ich auf meinen Kampf-Tunnel-Blick Modus geschaltet hatte. Als ich meinen Mund öffnete, klang meine Stimme selbst für mich wie pures Eis.
 
„Das sind die Vorräte. Hier ist die Quittung. Hier ist das Wechselgeld. Hier sind die Autoschlüssel,“ ich legte jedes der Teile auf den Tisch während ich sie erwähnte. Dann schob ich die Sachen fürs heutige Abendbrot auf einen separaten Haufen, wobei ich mir im letzten Moment meine Flasche Limo für mich schnappte. „Die Verkäuferin des Gemischtwarenladens hat mir diese Sachen dafür gegeben das ich ihren Gefrierschrank repariert hab. Es ist für heute Abend gedacht. Genießt es.“ In meiner Vorstellung sank die Temperatur so abrupt das die Fenster sich mit Eis überzogen.
 
Ich drehte mich um und schritt aus dem Haus. Ich machte mir noch nicht einmal die Mühe die Tür zuzuschlagen. Ich hoffte das ihnen das Essen im Halse stecken blieb.
 
Verdammt, man sollte doch wirklich, wirklich, wirklich annehmen, das ein Kerl dessen Beruf es war andere Menschen zu töten, der sich selbst im Kampf ‘Gott des Todes’ nannte, jemand der jeden Menschen der ihm jemals etwas bedeutet hatte verloren hatte... nicht so verdammt leicht zu verletzen wäre.
 
Ich ging über den Hof, schaute dabei auf den Sonnenstand um mich zu orientieren. Ich lief in den Wald und nahm die Richtung zum Ort auf. Verdammte Scheiße, es war viel einfacher mit Bill und Paige auszukommen. Es waren nur zwei Meilen bis dort, wenn ich nicht der Straße folgte, und der Fußmarsch würde mir vielleicht auch helfen mich abzukühlen. Ich wusste es besser, als das einzige Auto der Gruppe für mich persönlich zu nutzen. Ich stürmte wütend den Berg herunter bis ich stolperte und hinfiel und mir dabei beinnah mein verdammtes Bein gebrochen hätte. Ich hielt dann an und suchte mir einen Felsen um mich kurz darauf zu setzen. Meinen Kopf in meinen Händen vergraben, mein Herz auf der Zunge tragend und tief verletzt. Warum zur Hölle ließ ich es nur zu das mir diese ganze Geschichte so zusetzte?
 
Weil ich gehofft hatte das sie meine Freunde wären. Weil ich gedacht hatte sie wären so wie ich. Weil ich dummerweise vor Freude total aus dem Häuschen geraten war als ich herausgefunden hatte das es sie gab. Ich hatte gehofft ich hätte endlich jemand gefunden der verstehen würde wie ich mich fühlte. Wie ich litt. Das ich den Krieg und das Kämpfen satt hatte. Ich hatte gehofft sie würden auch müde und einsam und verletzt sein, genauso wie ich. Ich hatte mir vorgestellt das....
 
Aber ich war auf dem falschen Dampfer; sie waren vielleicht vier der klügsten und besten... wie es nicht anders zu erwarten war. Aber sie machten die gleichen dummen Unterstellungen wie alle anderen auch. Sie waren vielleicht Gundam Piloten mit all der dazugehörigen Intelligenz, aber sie waren nicht mehr in der Lage durch meine Maske hindurch zu sehen als alle anderen auch. Konnten nicht über meine Vergangenheit hinwegsehen, konnten nicht verstehen was aus mir geworden war.
 
Solo würde mich auslachen. „Du stinkst vor Selbstmitleid, Rat-Boy,“ hätte er gespottet, wenn er nicht gestorben wäre...
 
Ich erinnerte mich an meine Limo, die ich mir in die Jackentasche gestopft hatte und holte sie hervor. Ich drehte die Kappe ab und hob die Flasche zu einem Salut zum Himmel während ich murmelte, „Ein Hoch auf abgetötete Gefühle.“ Dann nahm ich einen langen Schluck.
 
Ich musste selbst über meine melodramatische Aktion lachen und kletterte von meinem Felsen herunter während ich reumütig den Kopf schüttelte. Dann machte ich mich wieder auf den Weg in den Ort, inzwischen hatte ich mich soweit beruhigt das ich das schaffte ohne mir den Hals zu brechen.
 
Ich erreichte den Ort genau in dem Moment, als ich die Flasche leer getrunken hatte. Ich ging in Richtung Tankstelle, konnte Bill zusammen mit einem Auto in der Werkstatthalle sehen.
 
Ich schmiss die leere Flasche in den nächsten Mülleimer und winkte ihm zu, als er wegen des Lärms hochschaute.
 
„Hey Max!“ brüllte er und kam auf mich zu um mich zu begrüßen, wischte dabei seine Hände an einem Lappen ab.
 
„An was arbeitest du gerade?“ fragte ich ihn und schob ihn wieder zurück in die
Halle.
 
Ich hatte absolut vor den Rest des Tages hier im Ort totzuschlagen, und das konnte ich besser hier tun, als ziellos durch die Gegend zu rennen. Zumindest hatte ich Bill schon offiziell kennengelernt.
 
Es stellte sich heraus, das er versuchte den Motorblock aus dem Chevy, den er aufgebockt hatte, auszubauen, und das er erfreut über mein Hilfsangebot war. Es war eine Aufgabe die man besser zu zweit erledigte.
 
Und so verbrachten wir die nächsten Stunden damit mit dem Auto zu kämpfen, während wir Anweisungen zwischen uns hin und her brüllten um die Rockmusik die aus dem Radio schallte zu übertönen.
 
Ich musste über die Lächerlichkeit der gesamten Situation lachen. Innerhalb kürzester Zeit waren meine Arme und Hände mit einem halben Dutzend Schnitten übersäht und meine Fingerknöchel abgeschürft. Ich war über und über mit Schmiere beschmutzt und hatte dennoch eine bessere Zeit als während der ganzen Scheiß Woche im Safehaus.
 
Und auch wenn Bill wahrscheinlich niemals einen Test in höherer Algebra bestehen würde, und kein überaus intelligenter Mensch war, war er doch ein netter Kerl. Wir verbrachten unsere Zeit damit über Musik und Sport, Schule und Autos zu reden. Ganz normale Themen für Jungs. Es war nett. Als wir endlich den Motorblock am Hebezug hängen hatten, klapste er mir auf die Schulter und wir lachten über unseren verschmierten Zustand.
 
„Wenn du willst,“ sagte er entschuldigend zu  mir. „Dann kannst du die Dusche benutzen die draußen im Hof steht. Der frühere Besitzer hat in dem Apartment über der Tankstelle gelebt und seine Frau hat ihm verboten ins Haus zu kommen bevor er sauber war.“
 
Ich musste grinsen. „Oh Gott... richtiges heißes Wasser?“
 
Er lachte. „Genau; du hast wohl in letzter Zeit auf sämtliche Annehmlichkeiten verzichtet, was?“
 
Ich errötete ein bisschen als ich bemerkte das ich ausgesehen haben musste wie jemand dem man den heiligen Gral angeboten hatte und ich duckte meinen Kopf, „Yeah... campen in der Wildnis und baden in dem verdammten Bach.“
 
Er kicherte. „Hasst du es nicht auch kalt zu duschen?“
 
„Das ist schlimmer als eine Frontallobotomie,“ stimmte ich ihm zu und er schob mich einfach in Richtung Dusche ohne weiter ein Wort darüber zu verlieren.
 
Es war nicht mehr als eine knapp zwei Quadratmeter große Zelle, ohne Dach, aber für mich sah sie aus wie das Paradies.
 
Bill zeigte mir wo eine ziemlich ramponierte Flasche Shampoo stand und wo die sauberen Handtücher lagen. „Mach dir keine Sorgen um die Heißwassermenge. Die Dusche ist verbunden mit einem Tank der so groß ist wie Detroit.“
 
Er ging zurück in die Werkstatt und ich stellte schnell das Wasser an, zog mich aus und stellte mich unter den Wasserstrahl; dies war pure Glückseeligkeit. Ich stellte solange an der Temperaturregelung herum bis das Wasser fast kochte und meine Haut einen interessanten rotton annahm. Für einige Minuten stand ich einfach so da und ließ das Wasser über mich gleiten; hatte meine Augen geschlossen und grinste wie ein total durchgedrehter in den Abendhimmel.
 
Mit einem bedauernden Seufzen öffnete ich meine Augen wieder und begann dann mich wirklich zu säubern. Ich löste meinen Zopf und wusch mein Haar schnell, dann schrubbte ich all die Schmiere und den Schweiß ab. Dazu benutzte ich das Stück Seife das ich neben den Handtüchern gefunden hatte. Solche Möglichkeiten bieten sich mir nur selten und darum ergriff ich sie sobald sie sich mir anboten. Ich erlaubte mir den Luxus von fünf weiteren Minuten unter der Dusche. Es war richtig dunkel geworden als ich endlich fertig war. Ich stand vollkommen nackt hier draußen, und auch in den vier Wänden der Duschkabine hatte ich dieses ungute Gefühl beobachtet zu werden. Ich trocknete mich ab und zog mich an so schnell ich konnte und ging zurück in die Werkstatt. Dort fand ich Bill vor der ein durch ein Automagazin blätterte und auf mich wartete. Er warf mir die Zeitschrift zu und ging um sich selbst zu duschen.
 
Er brauchte nicht weniger lang als ich, aber er kam mit sauberen Klamotten zurück.
 
Inzwischen war es wirklich dunkel geworden, und hier in der hell erleuchteten Werkstatt, deren Türen weit offen standen, zu stehen gab mir ein merkwürdiges Gefühl. ‚Ich steh hier wie auf dem Präsentierteller,’ schoss es mir durch den Kopf. Ich fragte ihn ob der Gemischtwarenladen wohl immer noch geöffnet hätte.
 
Er schaute auf seine Uhr und runzelte seine Stirn, „Paige sollte längst hier sein. Sie schließt um sechs,“ sagte er und ein inzwischen bekanntes Kichern war von draußen zu hören.
 
„Ich bin schon seit zehn Minuten hier,“ lachte Paige und ging in die Werkstatt.
 
„Was zum Geier hast du denn da draußen gemacht?“ fragte Bill mit einem verwirrten Grinsen.
 
„Ich habe es genossen zwei gut aussehende Jungs beim Duschen zu beobachten,“ war ihre simple Antwort und ich war mir nicht sicher ob nun Bill oder ich als erster vor Peinlichkeit sterben würde.
 
„Paige!“ schrie mein Kumpel aufgebracht, während sein Gesicht lila anlief. „Hör auf damit!“
 
Ich war mir nicht sicher was für eine Art Beziehung die beiden miteinander hatten. Aber mir wurde klar das Paiges Flirterei wohl ziemlich harmlos sein musste, wenn sie es mit uns beiden gleichzeitig tun konnte. Außerdem, von da wo sie gestanden hatte konnte sie unmöglich irgendetwas gesehen haben.
 
„Sag mal,“ fragte ich sie, zum Teil auch um das Gesprächsthema in eine andere Richtung zu drängen. „Würdest du mich noch mal kurz in deinen Laden lassen damit ich mir was zu essen besorgen kann?“
 
Ihr Gesichtsausdruck wurde sofort ernst und sie runzelte ihre Stirn. „Was ist aus dem großen Abendessen geworden das du geplant hattest?“
 
Ich duckte wieder meinen Kopf; irgendwie hatte ich gehofft das sie das vergessen hatte. „Die Jungs haben es mitgenommen und sind zum Angeln gegangen.“
 
„Ohne dich?“ sie war sofort entrüstet.
 
„Oh, das ist schon in Ordnung,“ versuchte ich sie zu beruhigen. „Ich angel nicht. Es war geplant... Ich hatte nur vergessen das es heute sein sollte.“
 
Sie schaute mich mit viel Sympathie an. „Das ist doch echt Scheiße,“ brach es aus ihr hervor. „Sie hätten nichts planen sollen an dem nicht die ganze Gruppe Spaß daran hat.“
 
Ich musste sie anlächeln. Sie würde einmal eine absolut überfürsorgliche Mutter abgeben. „Es ist wirklich in Ordnung. Ich hab einfach nur total die Übersicht über das Datum verloren,“ diese ironische Lüge ließ mich fast erschauern.
 
Dann erhellte sich ihr Gesicht und sie griff uns beide bei einem Arm. „Nun, da du keine anderen Pläne hast, kannst du mit uns zusammen Essen! Wir sind auf dem Weg zu ‘Johnsons’s Diner’!“
 
Ich wehrte ab. „Uhmmm... Paige...“ ich errötete während ich darüber nachdachte wie wenig Geld ich dabei hatte. „Ich kann es mir nicht leisten...“
 
Sie schnaubte. „Nun sei doch nicht albern; ich schulde dir immer noch... lass mich nachdenken.... zweihundert und...“
 
Bill unterbrach sie an dem Punkt und fragte nach was das mit den 270 Dollar zu bedeuten hatte, was dazu führte das Paige die ganze ‘er hat mir das Leben gerettet’ Geschichte erzählte und bevor ich überhaupt realisierte was genau geschehen war, saß ich schon zwischen den beiden an einem Tisch und aß Pizza.
 
Während ich den beiden zuhörte wie sie miteinander scherzten, bemerkte ich schnell das die beiden eher wie Geschwister miteinander umgingen als wenn sie ein Paar wären. Sie waren in diesem kleinen Ort zusammen aufgewachsen, die einzigen zwei Kinder in ihrer Altersgruppe, und waren deshalb gezwungen gewesen miteinander auszukommen.
 
Ich saugte ihre Geschichten über ihre Kindheit und wie sie in ihren Familien aufgewachsen waren förmlich auf. Paige hatte einen älteren Bruder der nächstes Jahr sein Examen machen würde. Bill hatte eine jüngere Schwester die noch in die Grundschule ging. Ich genoss ihre Gesellschaft, wir lachten viel zusammen, teilten die Pizza miteinander und redeten solange bis Mr. Johnson uns sagte das es Zeit wäre zu schließen.
 
Wir verließen den Imbiss und Bill verabschiedete sich, dankte mir noch einmal für die Hilfe bei dem Auto und ging zurück zur Werkstatt um dort alles abzuschließen und dann nach Hause zu gehen.
 
Mein Weg lag anscheinend in der gleichen Richtung wie der von Paige, denn sie ging bis zum Ende des Ortes neben mir her.
 
„Danke für das Essen,“ sagte ich zu ihr und grinste dann. „Zweimal!“
 
Sie runzelte die Stirn. „Schade nur das du das erste nicht genießen konntest.“
 
Ich schnaubte.
 
„Max?“ sie schaute mich von oben bis unten an und ich hatte plötzlich ein flaues Gefühl in der Magengegend.
 
„Yeah?“ fragte ich obwohl ich wusste das ich ihre Frage nicht wirklich hören wollte.
 
Sie hielt in der Mitte der Straße an, stemmte ihre Hände in ihre Hüften und starrte mich an. „Nun DAS klang wirklich... begeistert!“
 
Ich gluckste in mich hinein. „Sorry.“
 
„Magst du mich?“ platzte es aus ihr heraus.
 
„Was?“ schrie ich, das sie so forsch ran ging hatte mich noch mehr überrascht als die Frage an sich. Eigentlich war es so ziemlich genau was ich befürchtet hatte.
 
Sie beugte ihren Kopf zur Seite und sah mich wieder an. „Du wirst nicht besonders lang hier bleiben,“ informierte sie mich. „Also hab ich nicht besonders viel Zeit um um den heißen Brei herumzureden. Magst du mich jetzt oder nicht?“
 
Ich warf meinen Kopf nach hinten und lachte und konnte nur mit der gleichen Ehrlichkeit antworten. „Süße.... wenn du ein Kerl wärst, dann wäre ich schon längst über dich hergefallen.“
 
Ich wartete auf den Aufruhr. Wartete auf das geschockte Keuchen; aber alles was ich bekam war ein geschlagenes Seufzen. „Gott, die verdammt gut aussehenden Typen sind doch immer schwul,“ sie grummelte ein bisschen und wir beide fingen an zu kichern.
 
„Es tut mir leid,“ sagte ich ehrlich. „Ich mag dich... ich denke das du sehr witzig bist und nett und ehrlich. Aber, leider...“
 
„Leider... nicht das was du willst,“ sie verzog ihr Gesicht zu einem Grinsen.
 
 
„Nein. Nicht was ich will,“ bestätigte ich.
 
Sie pustete wieder ihre Haare aus den Augen. „Nun Scheiße.“
 
Wir gingen weiter, aber nach kurzer Zeit trennten sich unsere Wege. Ich ging noch die erste Kurve der Straße nach, bevor ich mich ins Unterholz schlug und damit begann den Berg zu erklimmen.
 
Der Mond erhellte die Nacht. Zum Glück, oder ich hätte doch der Straße folgen müssen und die verdammten ganzen 8 Meilen laufen. Es war so schon schwer genug.
 
Ich machte mich auf den Weg; vorsichtig und ruhig und ich wünschte mir fast, das ich mich umdrehen und in den Ort zurück gehen könnte. Jeder Schritt in Richtung des Safehauses war wie ein zusätzliches Gewicht auf meiner Schulter, ich hatte sogar das Gefühl das ich unter all der Last zusammenbrechen müsste.
 
Ich lauschte den leisen Geräuschen des Waldes und fühlte die bittere Depression wieder in mir hochkriechen. Ich entschloss mich, das ich mich, sobald diese Mission vorbei war, weigern würde mit meinen ‘Partnern’ jemals wieder zusammenzuarbeiten. Shinigami brauchte sowieso von niemanden Hilfe. Ich hab schon immer allein gearbeitet; es würde mir besser gehen wenn ich wieder allein sein würde.
 
Ich stoppte als ich den Platz erreichte wo ich heute Morgen gebadet hatte und setzte mich auf den Felsen auf dem ich mein Frühstück gegessen hatte. Es gab noch eine weitere Sache um die ich mich kümmern musste bevor ich in das Haus zurück kehren konnte.
 
<Oh, hast du dich endlich dazu entschlossen mich nicht länger zu ignorieren?> das Flüstern des Windes in den Bäumen brachte die längst vergangenen Worte meines Geistes zu mir.
 
„Yeah, Solo... ich hätte mir denken können das du mich nicht allein lassen würdest, nicht in der heutigen Nacht.“ Ich seufzte; wenn ich meine Augen geschlossen hielt, dann konnte ich ihn fast vor mir stehen sehen. Mit seinen langen blonden Haaren die im Wind wehten und von dem blauen Haarband aus seinen Augen gehalten wurden.
 
<Man sollte doch annehmen das man an dem Tag an dem man gestorben ist etwas mehr Respekt verlangen kann,> er grinste mich an.
 
„Tut mir leid,“ murmelte ich und wiederstand dem Drang nach ihm zu greifen; ich wusste das er nicht wirklich da war.
 
Er grunzte und grinste mich dann an. <Hat dich Zeit genug gekostet mit mir zu reden.>
 
„Ich hatte ein paar Probleme dieses Jahr,“ erzählte ich ihm und wandte mein Gesicht in Richtung Mond.
 
<Bist du OK Rat-Boy?> In meinem Kopf drehte er sich um und schaute mit mir zusammen den Mond an.
 
„Ich bin.... in Ordnung,“ ich seufzte und musste trotz allem grinsen. „Danke das du dich genug um mich sorgst um nachzufragen.“
 
Er schüttelte einfach nur mit seinem Kopf.
 
„So...“ fragte ich sanft nach. „Wie lang haben wir?“
 
Er antwortete mir nicht und ich wusste er war... er hätte Probleme damit gehabt es mir zu erzählen. <Können wir nicht einfach nur reden?> fragte er nach einer Weile.
 
„Da ich sowieso nur mit mir selbst rede... nein; das hört sich ziemlich... verrückt an.“
 
Er schnaubte. <Keinen verdammten Respekt. Ich weiß nicht… vielleicht für 5 weitere Minuten?>
 
„Man sollte meinen, das du den genauen Zeitpunkt deines Todes etwas besser bestimmen könntest als das!“ schmunzelte ich.
 
„Mach was du willst, Rat-Boy,“ er grummelte und ich musste mich daran erinnern meine Augen geschlossen zu halten um ihn weiter sehen zu können.
 
Dann griff ich nach unten, schob mein Hosenbein hoch und zog mein Jagdmesser hervor.
 
„Ich vermiss dich wirklich, King-Rat,” murmelte ich.
 
Seine Augen hätten das Messer verfolgt, als ich es in meinen Schoß ablegte und meinen Ärmel hoch krempelte.
 
Er knurrte sanft. <Diesen Teil hasse ich wirklich,> sagte er zu mir. <Können wir es nicht einfach dieses Jahr übergehen, Kid?>
 
„Nein,“ sagte ich ihm. „Ein weiteres Jahr ist vergangen.“
 
<Verdammt, es war nicht dein Fehler,> sagte er und drehte sich weg. <Du hast die anderen gerettet... du konntest nichts mehr für mich tun.>
 
Ich hielt das schwere Messer als wäre es ein Stift und hielt es an meinen Arm. „Ich hab dich sterben lassen, Solo.“
 
<Und nun wirst du dieses verdammte Zeichen machen... ein weiteres Jahr... eine weitere Narbe,> seine Stimme klang ernst.
 
„Ich werde dich nicht vergessen,“ versprach ich ihm wieder, so wie ich es jedes Jahr seit er gestorben war getan hatte. Ich zog das Messer über meine Haut und machte den Schnitt. Nichts schlimmes, nichts spektakuläres... nur genug damit eine feine, weiße Narbe zurückbleiben würde. Es gab schon neun davon, alle in einer Reihe auf meinem Unterarm. Ich hatte mich von ihm weggedreht, solange bis ich meine Augen wieder schließen konnte.
 
„Ich hab’s getan,“ ich seufzte. „Du kannst dich wieder zu mir umdrehen.“
 
<Du hast es nicht vergessen,> erzählte er mir und seine Stimme wurde schon schwächer.
 
„Weißt du...“ sagte ich in einer plötzlichen Eingebung. „Duo ist in Wirklichkeit nur neun Jahre alt... Es gab ihn nicht bevor du gestorben bist.“
 
<Das macht heute wohl zu deinem Geburtstag,> er grinste mir noch einmal zu bevor er verblasste.
 
Nun war ich an der Reihe zu schnauben. Ich öffnete meine Augen und sah eine leere Lichtung.
 
„Gott, ich vermiss dich, alter Freund,“ murmelte ich zu der leeren Luft und konnte meine Hand nicht davon abhalten nach vorne zu reichen. Zu der Stelle, an der er sich in Wirklichkeit nie befunden hatte. Ich brauchte unbedingt jemanden zum anfassen. Aber er tat es nicht... tat es nie. „Ich seh dich nächstes Jahr.“
 
Ich wischte mein Messer sauber und steckte es wieder an seinen alten Platz zurück; während ich zu dem Mond blinzelte. Es war heller als ich erwartet hätte, denn er brachte meine Augen zum tränen.
 
Dann hatte ich plötzlich das Gefühl beobachtet zu werden. Ich erstarrte, jeder meiner Sinne plötzlich alarmiert. Etwas in mir schrie das ich wegrennen sollte, aber da war etwas das mir seltsam bekannt vorkam. Und dann konnte ich den Geruch erkennen.
                              
„Du kannst rauskommen, Heero,“ knurrte ich und machte mir nicht einmal die Mühe mich zu ihm umzudrehen. Ich war mir nicht 100% sicher wo er genau stand.
 
Er brauchte einen Moment um sich zu entscheiden, vielleicht dachte er ich würde nur raten und wäre auch nicht wirklich sicher das er da war. Aber dann stand er doch auf. Ich konnte ihn immer noch nicht hören, aber ich sah eine Bewegung im Augenwinkel. Ich drehte mich dann zu ihm um.
 
„Was willst du?“ fragte ich und fühlte wie das Eis in meine Stimme zurückkroch. Ich wünschte mir nur, dieses Eis könnte auch mein Herz erfüllen.
 
Er sprach nicht sofort, aber er kam etwas näher, stoppte genau vor mir. „Was machst du hier draußen?“ fragte er und seine Stimme war... komisch.
 
„Wir haben gerade keine Mission. Was ich in meiner Freizeit tu geht verdammt noch mal nur mich etwas an,“ ich wünschte mir inbrünstig zu wissen wie lange er mich schon beobachtet hatte, was er alles gesehen hatte. Ich war überrascht und fühlte mich in die Defensive gedrängt, war im ‘verdammte Scheiße’ Modus.
 
Er antwortete nicht, was mich noch ärgerlicher machte; ich hatte eigentlich mit einer verbalen Attacke von ihm gerechnet.
 
„Was willst du?“ fragte ich wieder.
 
„Ich...“ er zögerte kurz und für einen kurzen Augenblick sah ich etwas wie Verwirrtheit in seinen Augen. Aber plötzlich wurde mir klar was er hier draußen machte.
 
„Du bist mir gefolgt, weil du mir nicht zugetraut hast unsere Mission nicht zu gefährden,“ warf ich ihm vor und konnte an seinem Zusammenzucken erkennen das ich richtig geraten hatte.
 
„Du...“ er schien bemüht einen Schreikampf zwischen uns zu vermeiden. „... warst in einem ziemlich aufgebrachten Zustand als du das Haus verlassen hast.“
 
Ich lachte lauthals. „Aufgebracht,“ wiederholte ich und drehte meinen Blick von seinem mürrischen Gesichtsausruck weg. „Aufgebracht,“ sagte ich wieder und lachte etwas mehr.
 
„Ich bin mir nicht sicher, das du in der Lage bist...“ fing er wieder an und ich stand ärgerlich von meinem Felsen auf, während mich bittere Emotionen überfluteten.
 
„Du hast mich an einem wirklich schlimmen Tag erwischt, ‚ Mr. perfect-fucking-everything Yuy,“ schnaubte ich und wusste das er mich diesmal zu tief getroffen hatte. Ich versuchte noch meinen Mund geschlossen zu halten, aber es war inzwischen zu spät dafür. „Es ist der Jahrestages des Todes des einzigen Freundes den ich je hatte. Ich brauch jedes Jahr um diese Uhrzeit ein wenig Zeit für mich allein und seinen Geist. Ich erinnere mich nicht dich zu dieser Wiedervereinigung eingeladen zu haben. Ich habe nicht das Geringste getan... Verdammt nichts um dich oder einen der anderen zu gefährden. Ich bin es verdammt noch mal leid das du jede meiner Bewegungen überwachst; jede meiner Entscheidungen anzweifelst. Ich hab dir keinen Grund gegeben meine Fähigkeiten anzuzweifeln und ich will jetzt endlich wissen was dein Gott verdammtes Problem mit mir ist!“
 
Ich keuchte. Ich hatte ihn angeschrieen. Es tat mir leid und ich war mir ziemlich sicher das ich gleich sterben würde.
 
Er stand für die nächsten Minuten einfach da und starrte mich an. Ich glaubte das er mich jede Sekunde niederschlagen würde. Ich würde nicht nachgeben, nicht weil ich glaubte eine Chance gegen ihn zu haben, sondern weil ich niemals zurückschreckte wenn ich mich erst einmal zum Kampf entschlossen hatte.
 
„Ich... entschuldige mich,“ sagte er sanft und ich bin mir sicher das mein Kinn auf den Boden aufschlug als ich vor Überraschung meinen Mund öffnete. Ich versuchte etwas zu sagen, aber nichts kam heraus. Er nutzt die Pause aus.
 
„Wir... haben über die Sache mit den Vorräten geredet und du hast recht; wir haben dir nicht einmal die Chance gegeben alles zu erklären bevor wir unsere voreiligen Schlüsse gezogen haben.“
 
Ich war derjenige der als erstes unseren Augenkontakt brach. „Nun... uhmmm,“ sagte ich intelligenterweise. „Ich... uhhhh... akzeptiere,“ brach es endlich aus mir hervor.
 
Es schien so als wenn er ein kleines amüsiertes Geräusch von sich gab, aber ich würde es nicht beschwören wollen. Meine gesamtes Weltbild hatte sich grad auf den Kopf gestellt. Heero Yuy der sich bei mir entschuldigte? Ich hätte ihn gerne gebeten das zu wiederholen... nur um sicher zu gehen. Dies musste sein netter Zwillingsbruder sein. Als nächstes würde er mich fragen ob es mir gut ginge.
 
„Wir... haben mit dem Essen auf dich gewartet,“ sagte er sehr ruhig und ich glaube ich habe gekeucht.
 
Ich wirbelte herum und schaute ihn an und musste mich davon abhalten ihm vorzuwerfen ein Doppelgänger zu sein.
 
„Was?“ fragte ich dumm.
 
Die Verwirrung kam in sein Gesicht zurück. „Es schien nicht... richtig zu sein zu essen was du uns besorgt hast,“ stieß er hervor und ich musste doch akzeptieren das er wirklich Heero war.
 
„Ich glaub wir sollten dann schnellstens zum Haus zurückkehren,“ sagte ich ruhig.
 
Wir gingen Seite an Seite und ich entschloss mich kein Wort mehr zu sagen, nur um den Zauber nicht zu brechen.
 
Wir waren immer noch verdammt weit davon entfernt beste Freunde zu werden, aber es sah jetzt besser aus als noch heute morgen.
 
Alles was ich tun konnte, war zu hoffen das der Zauber halten würde.
 
 
 
 Fortsetzung folgt