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Wirklich egal?! Teil 7

Teil 7

Es war eine Katastrophe! Nichts, aber wirklich nichts klappte! Seufzend nahm Lila ihre Kamera runter und beobachtete die total neben sich stehenden Sänger. Sie wusste nicht, was gestern passiert war, sie wollte es auch gar nicht wissen, sie wusste nur, dass das heutige Shooting für die Katz war. Die Bilder würden nichts bringen, da die Stimmung total dahin war. Dabei wurden sonst am letzten Tag immer die besten Bilder gemacht! Lila konnte nur den Kopf schütteln. Sie verstand die beiden Sänger nicht.
Die ersten drei Tage waren sehr gut gewesen. Die Bilder waren top und alles klappte. Der vierte Tag war genial gewesen. Sie wusste jetzt schon, dass die Bilder in jeder Zeitung und auf tausenden Plakaten zu sehen sein werden. Doch der fünfte, heutige Tag war einfach katastrophal. Die Spannung, die all die Zeit anwesend gewesen war, war verschwunden, stattdessen spürte man nun Unsicherheit und Abweisung.
Irgendetwas musste passiert sein. Die beiden Stars konnten sich ja nicht mal mehr in die Augen sehen. Da standen sie, dünn betucht, und schauten an einander vorbei. Es hatte keinen Sinn.
„Wir machen Schluss!“, rief Lila und zog so die ganze Aufmerksamkeit zu sich.
Fragende Blicke trafen sie. Ihre Assistenten, die ebenfalls nicht verstanden was los war, sich aber nicht getrauten zu Fragen, schauten leicht verwirrt aber auch dankbar an. Es gab nichts Schlimmeres als Bilder von nicht harmonierenden Models zu machen. Und das war bei Ryuichi und Shuichi heute der Fall.
„Aber es ist doch noch nicht mal Mittag“, kam der Protest des pinkhaarigen Sängers.
„Das weiß ich selbst. Aber wie soll ich mit euch beiden arbeiten, wenn ihr euch nicht mal ansehen könnt?!“
Lila war genervt. Die Stimmung war kurz vor dem Explodieren.
„Ich habe in den letzten vier Tagen genügend Bilder gemacht. Die reichen voll und ganz. Aber heute werden die Bilder einfach nur grottenschlecht! Also ihr zwei, ihr werdet jetzt in ein Cafe gehen und euch aussprechen, denn so seid ihr einfach nicht zu ertragen!“
Lila war während ihres Redens immer leiser geworden, bis nur noch ein Zischen zu vernehmen war. Nun stand sie keine zwei Zentimeter von den Leadern entfernt, welche beide verängstigt einen Schritt zurück getreten waren. So aufgebracht hatten sie Lila noch nie erlebt. Beunruhigt nickten sie bevor sie in der Umkleidkabine verschwanden. Die Fotografin ließ mit einem Seufzen die angestaute Luft entweichen und drehte sich dann zu ihrem Team.
„Los, lasst uns aufräumen!“

Still schweigend stand Shuichi in der Umkleidekabine und zog sich um. Ihm ging es mies. Die ganze Nacht hatte er an der Wand gelehnt und geweint. Dunkle Augenringe zierten sein unnatürlich blasses Gesicht. Er wusste am Ende nicht mal mehr was ihn mehr belastete, das, was er Ryuichi angetan hatte oder seine Beziehung zu Yuki.
Am Morgen hatte Ryuichi gegen die Tür geklopft und gesagt, dass sie los mussten. Das Fotoshooting war die Hölle. Lila hatte Recht. Er konnte seinem ehemaligen(?) Freund nicht in die Augen schauen. Zu sehr schämte er sich dafür, was er getan hatte.
Jetzt, wo er Ruhe darüber nachgedacht hatte, könnte er sich nur noch Ohrfeigen. Er verstand sich selbst nicht mehr. Seit wann war er so durchtrieben und gefühllos, dass er nur noch an sich selbst dachte? Früher hatte er doch auch immer auf seine Mitmenschen geachtet. Und nun hatte er nicht mal erkannt, dass Ryuichi ihn liebte. Machte ihn das Starsein zu so einem Egoisten? Dachte er nur noch an sich selber? In letzter Zeit schon.
Ein Rascheln riss Shu aus seinen Gedanken. Ein kurzer Blick zur Seite reichte um zu wissen, dass Ryuichi fertig angezogen war. Schnell sich der Jüngere noch sein T-Shirt und die Jacke über und folgte dem Leader von Nittle Grasper. Er musste unbedingt mit dem Grünhaarigen reden. Erst draußen vor der Villa hatte er ihn eingeholt und am Handgelenk zufassen bekommen.
„Warte, bitte!“
Es war fast nur ein Flüstern. Shuichis Stimme war noch immer vom vielen Weinen brüchig. Hinzu kam die Angst, dass der ältere Sänger nicht mit ihm reden wollte. Doch dieser blieb stehen und drehte sich nach einem weiteren Atemzug langsam um. Sein Blick war traurig und voller Vorwurf. Schnell wich Shuichi ihm aus.
„Ryu, ich muss mit dir reden. Bitte, es ist wichtig!“
„Dann rede!“
Die Stimme war kühl und ausdruckslos. Shuichi hatte ihm wehgetan, ja. Er ihm mehr als nur wehgetan. Er hatte ihm sein Herz raus gerissen.
„Nicht hier. Das ist nicht der Ort dafür.“
„Wo dann? Wieder in meinem Bett?“
Die Worte trafen Shuichi tief, doch er hatte es verdient.
„Es tut mir leid. Es tut mir schrecklich leid, Ryuichi. Bitte, lass mich mit dir reden!“
Es war nur noch ein Hauchen, als Shuichi schließlich in Tränen ausbrach und auf den Boden stürzte. Wie ein Häufchen Elend saß er vor Ryuichi und weinte bitterlich. Nur kurz blickten die Augen des grünhaarigen Sängers starr auf den Jüngeren, bevor sie weich wurden und nur noch Liebe widerspiegelten. Schnell kniete sich Ryu hin und schloss den zitternden Jungen in die Arme. Wie ein Ertrinkender klammerte sich dieser an die Jeansjacke fest. Eine beruhigende Hand strich Shuichi über den Rücken. Nach und nach ebbte der Tränenfluss ab, bis nur noch leise Schluchzer ertönten.
„Lass uns in ein Cafe gehen, wie Lila es gesagt hatte.“
Leise waren die Worte an Shuichis Ohr gedrungen. Mehr als ein Nicken brachte er nicht zustande. Sachte wurde er auf die Beine gestellt.
Er fühlte sich ausgelaugt und leer. Zu viele Tränen hatte er in den letzten Tagen geweint. Viel zu viele. Die Schritte waren unsicher, der Körper unterkühlt. Shuichi fror erbärmlich. Doch das lag an der inneren Kälte.
Schweigend ging Ryuichi neben ihm her. Auch er war unsicher, wusste nicht, ob er das Richtige tat. Vor einem kleinen, unscheinbaren Cafe blieben sie stehen. Ryuichi öffnete die Holztür und trat in den gemütlich eingerichteten Raum ein. Die Stimmung war angenehm. Durch die großen Fenster fielen Sonnenstrahlen auf den Boden und erhellten den Raum. Überall standen grüne Zimmerpflanzen, Teppiche bedeckten den Boden und leise Klaviermusik spielte im Hintergrund. Eine schöne Frauenstimme sang dazu. Es waren wenige Menschen in dem Cafe. Die Mittagszeit war noch nicht ganz vorbei, die Cafezeit begann erst noch. Die beiden Sänger nickten einer Dame hinter dem Tresen zu und setzten sich dann in eine Sitzecke. Etwas abgeschieden von den anderen Gästen gaben sie ihre Bestellung auf und brauchten nicht lange zu warten, als auch schon ein schwarzer Tee und ein heiße Schokolade vor ihnen auf den Tisch gestellt wurden.
Noch immer hatten sie kein Wort gewechselt. Angestrengt beobachtete Shuichi den Strudel in seinem Kakao, der durch das Umrühren mit seinem Löffel entstanden war. Schließlich durchbrach der Ältere mit einem Seufzen die Stille.
„Du wolltest mit mir reden, Shuichi, dann rede!“
Still schaute Shuichi in die traumhaft schönen Augen seines Gegenübers bevor er den Mund aufmachte aber gleich wieder schloss. Er setzte erneut, begann langsam und stockend und dann immer schneller zu reden.
„Yukis und meine Beziehung war noch nie das gewesen, was man als eine traumhafte Beziehung bezeichnete. Doch ich hatte mich nun mal in ihn verliebt. Schon im ersten Moment, als er mir damals im Park gegenüber gestanden hatte und mich runter machte, hatten mich seine Ausstrahlung und seine unnahbare Kühle gefesselt. Damals wusste ich nicht was das für Gefühle waren, doch ich wollte ihn unbedingt wieder sehen. Und ich sah ihn wieder, verstand was mein Herz mir mitzuteilen versuchte und zeigte es auch Yuki. Ich will nicht sagen, dass er sich mir danach öffnete, aber allein dass er mir von seiner Vergangenheit erzählte, reichte mir als Vertrauensbeweis. Ich kam ihm näher als sonst jemand anderes zuvor. Und doch konnte ich seine letzte Mauer nicht einreißen. Immer wieder hielt er mich auf Abstand und blieb mir fern. Ich dachte, ich könnte damit umgehen. Ich dachte, es würde mir reichen in seiner Nähe zu sein und zu wissen, dass ich ihm was bedeute, doch es reichte nicht. Mein herz und auch meine Seele rief nach mehr. Ich weiß nicht wann ich den Bogen überspannte, aber ab einem bestimmten Moment, den ich immer noch nicht ausfindig machen konnte, zog er sich wieder vor mir zurück. Ich zerbrach Stück für Stück. Weißt du, wie es ist jemanden zu Lieben aber mit seiner Liebe nicht zu denjenigen durch zu kommen?“
Ein schmerzliches Lächeln huschte über Ryuichis Gesicht bevor er weiter Shuichis Worten lauschte.
„Und letzte Woche, als dann das Fotoshooting anfing, war es ihm sogar total egal. Ich glaube, dass war das Schlimmste. Ich meine, wenn ich mir vorstelle, dass Yuki solche Fotos mit irgendwem machen würde, ich würde vor Eifersucht platzen. Aber ihm war es egal. Bin ich für ihn denn gar nichts mehr wert, dass es ihn nicht mal mehr störte, wenn ich mit einem attraktiven Sänger aufreizende Bilder mache?! Ich kam mir so schmutzig und wertlos vor. Aber spätestens die Szene im Club hatte mir gezeigt, dass Yuki sich nicht mehr für mich interessierte. Es tat weh. Es war wie ein Stoß mitten in mein Herz. In der Nacht…Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Wieso ich zu dir gekrochen bin und dich so schamlos ausgenutzt habe. Ich weiß nur, dass ich es bereue, da ich dich verloren habe in der Nacht. Dich, der mir nach Yuki doch der Wichtigste im meinem Leben geworden ist. Du hast mir zugehört, hast dich um mich gekümmert und warst immer für mich da. Und ich? Ich habe unsere Freundschaft zerstört für Nichts. Ich weiß wirklich nicht, wieso.“
Tränen liefen über Shuichis Gesicht als er endete. Tränen, die, so dachte er, gar nicht mehr besaß. Sein Blick war starr auf die Tischplatte gerichtet, schien dieses aber gar nicht zu registrieren. Sein Blick ging nach innen.
„Weil du eine Bestätigung gesucht hast.“
„Wie?“
Shuichis Augen wurden wieder klar und schauten fragend zu dem älteren Sänger. Dieser schaute ehrlich zurück.
„Mir ging es damals genauso. Ich suchte eine Bestätigung. Ich wollte verstehen, den Grund wissen, wieso ich verlassen wurde. Wieso ich auf einmal nicht mehr genug war. Aber diese Bestätigung bringt nichts. Absolut gar nicht. Das siehst du ja selbst.“
Ein Nicken kam von Shu und er senkte seinen Blick.
„Eure Beziehung stand von Anfang an unter einem schlechten Stern. Yukis Vergangenheit hat ihn zu einem in sich gekehrten Menschen gemacht, der nichts mehr fürchtet als wieder seelisch verletzt zu werden. Du liebst ihn. Du liebst ihn von ganzen Herzen und das ist auch der Grund, warum ich nie versucht habe dein Herz für mich zu gewinnen. Es hätte nichts gebracht. Es stimmt, ich liebe dich. Ich habe dich damals auf der Bühne gesehen und war hin und weg. Deine Fröhlichkeit und Unbekümmertheit war einmalig. Du hattest das, was ich verloren hatte. Meine Maske, die ich trage, zerfiel immer in deiner Gegenwart. Deswegen hasse ich auch Yuki so. Er ist Schuld, dass du diese Fröhlichkeit immer mehr verlierst. Umso mehr war ich geschockt als du gestern Abend zu mir kamst. Ich hatte mich damit abgefunden, dass ich nie mehr als dein Freund sein würde, doch als du gestern bei mir lagst…. Ich bin auch nur ein Mensch. Wie sehr hatte ich mir all die Jahre gewünscht dich berühren zu dürfen, dich küssen zu dürfen. Und gestern konnte ich. Doch es war so verlogen.“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Shuichi seinen Gegenüber in die Augen. Dieses Geständnis überraschte ihn und ließ ihn sich noch schlechter fühlen.
„Es…es tut mir so leid!“
„Nein! Ich war genauso an der Sache beteiligt, wie du! Wir haben beide einen großen Fehler gemacht!“
Stille.
Shuichi wusste nicht ob die Stille angenehm war doch er brauchte Zeit um die gesagten Worte zu verarbeiten.
„Glaub…Glaubst du….dass wir Freunde bleiben könnten und unser Verhältnis wieder so wird, wie es einmal war?“
Angst.
Hoffnung.
Trauer.
All das schwang in dieser einen Frage mit.
„Ja und Nein. Ich denke schon, dass wir weiterhin Freunde sind. Du bist mir viel zu wichtig, als das ich dich einfach aus meinem Leben schieben könnte. Dass unser Verhältnis wieder so wird wie vor der letzten Nacht, glaube ich nicht. Dafür ist einfach zu viel passiert.“
Wieder Stille.
Doch diesmal war sie angenehm. Ein kleines Lächeln schlich sich auf Shuichis Gesicht, als er ein Stück näher zu Ryuichi rückte und ihn dann fest umarmte.
„Danke, Ryu. Vielen Dank! Was würde ich nur ohne dich machen?“
Die sich um ihn schlingende Arme Ryuichis waren Antwort genug. Nach einer Ewigkeit, so schien es, trennten sich die beiden Sänger wieder.
„Was machst du jetzt wegen dir und Yuki?“, fragte der Grünhaarige leise, während er einen Schluck seines mittlerweile kalten Tees nahm. Shuichi zuckte bei der Frage leicht zusammen.
„Ich weiß es nicht.“
„Du solltest mit ihm reden. Am besten jetzt gleich.“
„Ich habe Angst davor. Schreckliche Angst. Einerseits ertrage ich die Zurückweisungen nicht mehr doch andererseits weiß ich nicht, ob ich ohne ihn noch leben kann.“
„Shu, du lebst doch jetzt schon nicht mehr. Du siehst jeden Tag schlechter aus. Dein Lachen, dein echtes Lachen, habe ich schon seit Wochen nicht mehr gesehen. Ich verabscheue Yuki dafür, dass er dich so zerfallen lässt. Rede mit ihm.“
Wieder lief eine Träne über die schon geröteten Wangen und ließ den Körper erzittern.
„Komm her!“
Sanft nahm Ryuichi seinen kleinen Engel in die Arme. Es tat ihm weh, den Jüngeren so zu sehen. Und er würde Yukis Leben zur Hölle machen, würde dieser ihn weiterhin so runter machen. Beruhigend strich er auf dem Rücken des zitternden Bündels in seinen Armen auf und ab. Er spürte, wie Shuichis Atem gleichmäßiger wurde und sich der Körper entspannte.
„Ich sollte jetzt wirklich mit ihm reden, sonst verliere ich wieder den Mut.“
Nickend gab Ryuichi zu verstehen, dass der Pinkhaarigen gehen konnte. Dieser verabschiedete sich mit einem scheuen Kuss auf der Wange und lief aus dem Cafe. Mit einem traurigen Lächeln schaute Ryuichi ihm hinterher.
Shuichi zielstrebig aber langsam durch die Straßen. Je näher er seinem Ziel kam, desto nervöser wurde er. Sein Herz schlug unnatürlich schnell und er konnte sein Blut rauschen hören. Der Atem war beschleunigt und die Hände feucht. Zitternd stieg er die letzten Stufen zu Yukis Wohnung hinauf. Vor der Tür blieb er stehen und atmete tief durch. Immer wieder sprach er sich Mut zu, doch erst nach einer viertel Stunde konnte er sich durchringen, die Tür aufzuschließen.
Langsam ließ er seinen Schlüssel ins Türschloss gleiten, verharrte ein Sekunde bevor er den Schlüssel nach rechts drehte und die Tür öffnete. Sofort ertönte das stetige Klacken der Tastatur. Yuki schrieb also wieder an seinem Buch.
Leise lies er seine Jacke von den Schultern gleiten und legte sie über die Lehne des Sofas. Mit unsicheren Schritten bewegte er sich auf das Arbeitszimmer zu. Die Tür stand einen Spalt breit offen. Vorsichtig streckte er seine Hand nach ihr aus und schob sie auf.
Da saß er.
Voll auf seinen Laptop konzentriert flogen seine langen, schmalen Finger über die Tastatur. Finger, die so zärtlich sein konnten. Die dieses angenehme Kribbeln auf der Haut hinterließen. Die blonden Haare hingen wirsch in alle Himmelsrichtungen, was ein seltenes Erscheinungsbild gab. Sonst sah er immer gepflegt aus. Doch auch unter seinen Augen sah man Augenringe. Wahrscheinlich hatte er die Nacht nicht geschlafen. Ja, wahrscheinlich war er anderweitig beschäftigt gewesen. Mit einem traurigen Lächeln lehnte sich Shuichi an den Türpfosten.
Nun doch die Anwesenheit des Anderen im Raum bemerkend, blickte Yuki von dem Monitor auf und schaute zu der stehenden Gestalt. In seinem Gesicht fehlte jegliche emotionale Regung.
Kein Erstaunen.
Keine Sorge.
Auch keine Genervtheit.
Nichts. Die blauen Augen blickten ihn nur nichts sagend an.
„Kann mit dir reden?“
Shuichi war erstaunt, wie fest seine Stimme klang, wo doch sein Körper kurz vor dem Zusammenbruch stand.
„Worum geht es?“
„Das sag ich dir, wenn du im Wohnzimmer bist.“
Mit diesen Worten drehte sich Shuichi um und ging in den eben genannten Raum. Er setzte sich nicht auf eine der vielen Sitzmöglichkeiten. Er konnte sich jetzt nicht hinsetzten. Er wartete nicht lange und doch kam es ihn wie eine Ewigkeit vor als Yuki den Raum endlich betrat. Er ging noch mal in die Küche und holte sich ein Glas Wasser bevor er sich auf die Sofalehne setzte und Shuichi wartend ansah. Als dieser jedoch nicht zu sprechen begann, ergriff er selbst das Wort.
„Was ist? Ich denke, du wolltest mit mir reden? Ich habe nicht ewig Zeit!“
„DU HAST NICHT EWIG ZEIT??!! Wieso? Du hattest doch die ganze letzte Nacht Zeit! Oder warst du da wieder bei deinem hübschen Schwarzhaarigen?! Ist er wenigstens gut im Bett?!“, schrie Shuichi aus vollen Halse und war selbst erstaunt, wo auf einmal die ganze Wut und der Zorn her kam.
„Zügle deine Lautstärke. Unser Gespräch braucht nicht die ganze Nachbarschaft mit zubekommen. Und Law hat mit der ganzen Sache gar nichts zu tun.“
„Ach, dann ist es also egal, dass du mir immer sagst, du hättest keine Zeit aber dich nachts von ihm verführen lässt?!“
„Das ist nicht dein Problem.“
„IST ES NICHT?! Natürlich ist das mein Problem. Und, dass du mich abschiebst, mich runter machst, mich fertig machst. Ich kann nicht mehr! Yuki! Ich kann einfach nicht mehr. Ich liebe dich. Ich habe dir alles gegeben, doch du hast mich nur zurück gewiesen und mir die kalte Schulter gezeigt. Ich bedeute dir nichts mehr. Und das tut weh. Sehr weh. Aber es soll aufhören weh zu tun. HÖRST DU? Es soll aufhören!!“
Shuichi stand zitternd, in Tränen ausgebrochen vor seiner Liebe und diese schaute ihn nur kalt an.
„Wie konntest du mir das antun? Wie konntest du mich betrügen? Hättest du mir nicht sagen können, dass ich dir egal bin? Dass ich nichts wert für dich bin? Musstest du mit diesem Kerl rum machen?“
„Ich habe mit ihm nicht rum gemacht!“
„LÜG MICH NICHT AN!!! Ich habe euch im Club gesehen! Lüg mich also nicht an! Kannst du nicht mal dazu stehen?! Ich kann es! Ja, Yuki, ich kann es! Ich habe dich auch betrogen. Mit Ryuichi! Aber ICH stehe wenigstens dazu!!!“
Wütend und völlig außer Atem stand Shuichi im Raum. Sein Brustkorb hebte und senkte sich schnell. Ja, er war wenigstens ehrlich.
„Du hast mit Ryuichi geschlafen?“
Ungläubig starrten ihn kristallblaue Augen an.
„Ja, habe ich!!“
„Wie konntest du…?“
„WIE ICH DAS TUN KONNTE??? GENAUSO WIE DU!!!“
„ICH HABE NICHT MIT LAW GESCHLAFEN!!!“
„LÜGNER!!!“
Shuichi schnappte sich seine Jacke und stürmte nach draußen und bemerkte dabei nicht mehr, wie Yuki zitternd sein Wasserglas abstellte und dann an der Wand runter rutschte. Er stürmte die Treppe runter, an die frische Luft.
Wieso? Wieso konnte er denn nicht wenigstens diesmal ehrlich sein?!
Schnell wischte er sich mit dem Ärmel die Tränen von den Wangen. Doch sofort benetzten Neue seine Haut. Kurz irrte sein Blick durch die Massen, doch keiner schien ihn zu registrieren. Langsam trabte er in Richtung Park. Was ihn jetzt dahin zog, wusste er nicht. Kaum auf seine Mitmenschen achtend durchquerte er die Fußgängerzonen und wechselte Straßenseiten. Schließlich stand er am Eingang vom Park.
Ja, hier hatte alles begonnen. Doch war es gut oder schlecht gewesen? Gut! Eindeutig gut! Auch wenn es ihm jetzt elend ging.
Zittrig ließ er sich auf einer freien Bank nieder, zog seine Beine an, schlang seine Arme herum und bettete seinen Kopf auf den Knien. Wie er da so saß, sah er unendlich verletzbar aus. Lange war er in Gedanken, bekam von seiner Umwelt kaum etwas mit obwohl seine Augen die ganze Zeit offen waren. Auf einmal weckte eine Person seine Aufmerksamkeit.
Schnell fand er in die Realität zurück und beobachtete eine Gruppe von jungen Leuten, die nicht weit von ihm standen und redeten. Er verstand nicht um was es ging, doch es musste lustig sein, denn sie lachten immer wieder. Besonders ein Mädchen mit blonden Lachen lachte immer wieder schrill und laut auf. Aber diese Person war Shuichi egal.
Sein Interesse galt einer Person in engen Jeans und einem weiten Pullover, der ihr über eine Schulter gerutscht war und so freizügig Haut preisgab. Die Haare waren schwarz. Genauso schwarz, wie…
Ja, das war er! Das war dieser Law, die schwarze Schönheit! Derjenige, mit dem Yuki ihn betrogen hatte. Als hätte er auf ein Zeichen gewartet, drehte sich Law genau in diesem Moment um. Die Augen trafen die von Shuichi. Zunächst war Law verwirrt, doch dann erschien ein kleines Lächeln auf seinem zarten Gesicht, welches in Shuichi die Wut und den Hass neu aufbrodeln ließ. Seine Augen verfinsterten sich merklich, was auch dem Schwarzhaarigen aufgefallen sein muss, denn er drehte sich wieder zu seinen Freunden um.
Shuichi atmete hörbar aus und versuchte sein kochendes Blut zu beruhigen. Es gelang ihm nur schwer als sich plötzlich jemand neben ihn setzte. Der pinkhaarige Sänger hob seinen Kopf, um die fremde Person zu betrachten, erstarrte aber in der Bewegung, als er merkte WER sich da neben ihn gesetzt hatte.
„Du bist doch Shuichi, oder?“
Die Stimme war sehr melodisch und drang sanft an das Ohr des Angesprochenen.
„Ja, das bin ich!“
Shuichis Stimme dagegen klang brüchig und gereizt. Nur schwerlich konnte er verhindern einfach auf zu springen und weg zu rennen. Mit loderndem Blick wendete er seinen Kopf nun ganz der neben ihm sitzenden Person zu. Doch diese hatte ihren Kopf gerade aus, auf ein spielendes Kinderpaar gerichtet. Ein Schmunzeln umspielte seine Lippen. Übelkeit stieg in Shuichi auf, als er daran dachte, dass diese Lippen Yuki verwöhnt hatten.
„Was willst du?“
Hass schwang in dieser Frage mit.
„Mich fragen, was du hier machst. Mich wundern, warum du nicht bei Yuki bist.“
Nun wurden die Augen doch auf den aufgebrachten Sänger gerichtet, der von der Bank aufgesprungen war und nun entsetzt auf den Schwarzhaarigen schaute.
„Wie kann man so gefühllos sein?“
Es war nur ein Flüstern und doch verstand man jedes Wort.
„Wie kannst du so was fragen, nachdem du und Yuki mit einander geschlafen habt?!“
Eine, der schön geschwungenen Augenbrauen wanderte nach oben.
„Hat Yuki dir das gesagt?“
„NEIN! Er hat es abgestritten. Doch ich habe euch gesehen. Im Club. Und ich verstehen nicht, wieso er das getan hat.“
Shuichi wusste nicht, wieso er sich schon wieder so aufregte und so ein Szenario in aller Öffentlichkeit veranstaltete. Und noch weniger verstand er, wieso er überhaupt mit diesem Law redete.
„Hm. Wenn du uns im Club gesehen hast, dann hast du uns bestimmt nicht beim Sex gesehen.“
„NATÜRLICH NICHT!!! Aber was macht das für einen Unterschied, wenn ich weiß, was Yuki in der Nacht gemacht hat?!“
„Jetzt setzt dich erst mal hin und beruhige dich! Denn ich will dir was sagen.“
Die zarten Hände umfassten die Handgelenke von Shu und zogen ihn auf die Bank zurück. Dann wurde sein Gesicht von beiden Händen umschlossen und zu Law gedreht. Fest schaute dieser ihm in die Augen.
„Als ich Yuki das erste Mal sah, war ich sofort begeistert und ich konnte, zu meiner Freude, sein Interesse für mich wecken. Hör mir zu, Shuichi! Ich bin noch nicht fertig! Ich genoss es, ihn zu berühren und ihn zu küssen. Und ich wollte auch mit ihm schlafen. Ich wollte ihn in mir spüren. Doch er weigerte sich. Ja, Shuichi, glaub mir ruhig. Er wollte nicht. Yuki erzählte mir von dir. Natürlich hatte ich dich schon auf Leinwänden und Plakaten gesehen, doch als er mir von dir erzählte, entstand ein ganz anderes Bild. Yuki erzählte mir viel. Was für ihn wahrscheinlich auch nicht leicht war und so trafen wir uns an dem Abend danach wieder. Ich versuchte noch mal ihn ins Bett zu lotsen, doch wieder sagte er nein. Ich verstand es nicht. Ich verstand nicht, wieso er mich für so einen kleinen, kindischen Bengel, der nur nervt und ständig Quatsch macht, links liegen lässt. Das sagte ich ihm auch. Und weißt du, was er mir daraufhin antwortete? Ich sagte, er würde niemals seinen kleinen, süßen Wirbelwind betrügen!“
„Nein!“
Tränen liefen über Shuichis Gesicht. Seine Augen waren weit aufgerissen und er zitterte am ganzen Körper. Das konnte nicht sein! Das durfte einfach nicht sein! Yuki hatte ihn doch betrogen! Doch tief im herzen wusste er, dass dies nicht so war. Seine Eifersucht und sein Schmerz hatten in eine Szene mehr hinein interpretiert als wirklich da war. Und hatte er allein, er ganz allein, Yuki betrogen. Nicht Yuki ihn. Nein! Er hatte Yuki betrogen und ihn damit endgültig verloren!
„Shuichi? Yuki liebt dich! Er sagt und zeigt es dir vielleicht nicht oft, aber er liebt dich von ganzen Herzen. Du bist seine Welt. Das hat er mir selbst gesagt!“
Damit stand der Schwarzhaarige auf und ließ den jungen Sänger, dessen Welt gerade einstürzte, allein.
Was hatte er bloß getan?

***

Ryuichi staunte nicht schlecht als er gerade die Straße überqueren wollte und dort auf der Tribüne des Kinderfußballplatzes keinen Geringeren als Eiri Yuki zu Gesicht bekam. Kurz überlegte er, entschied sich dann aber doch dafür, zu dem blonden Schriftsteller zu gehen. Dieser saß total in Gedanken versunken auf der Holzbank und zog an seiner Zigarette. Geräuschlos ließ sich der Sänger neben dem Jüngeren nieder und schaute auf das Fußballfeld. Zwei Mannschaften, eine Jungen- und eine Mädchenmannschaft, spielten gegen einander. Die Mädchen lagen vorne, so zeigte es die Anzeigetafel.
„Was machst du an so einem Ort, Yuki?“
„Nachdenken.“
Wütend ballte Ryuichi die Faust. War es doch ein Fehler gewesen zu ihm gekommen zu sein? Na ja, jetzt war er nun einmal hier!
„Hat Shuichi mit dir geredet?“
„Hat er.“
„Und? Was wird nun mit euch?“
„Wieso interessiert dich das? Hoffst du noch mal bei ihm landen zu können?“
Böse zischte Yuki zu Ryuichi. Seine Augen waren kalt und voller Hass.
„Was Shuichi und ich gemacht haben, war ein Ausrutscher. Aber so was solltest du ja kennen.“
„Ich habe Shuichi nicht betrogen!“
„Nicht?“
Nun schaute der Grünhaarige doch sehr überrascht rein.
„Nein, ich habe zwar jemanden kennen gelernt, aber ich bin nicht gleich mit ihm ins Bett gesprungen!“
Einen Moment herrschte Schweigen zwischen den zwei Kontrahenten.
„Aber wieso stört es dich überhaupt, was Shu denkt, was du gemacht hast? Du hast in der letzten Zeit dich sehr wenig für ihn interessiert. Dir war es egal was er machte oder nicht machte. Selbst bei dem Fotoshooting hast du nur die kalte Schulter gezeigt! Also, wieso?“
Yuki wendete den Blick wieder zu dem Spielfeld auf dem die Mädchenmannschaft gerade ein weiteres Tor erzielte. Auch Ryuichi schaute wieder auf das Geschehen auf dem Rasen.
„Weil er dir gar nicht egal ist, stimmt’s? Er bedeutet dir viel mehr, als du es ihm je gesagt beziehungsweise gezeigt hast. Viel mehr, als dir lieb ist. YUKI! Wenn du Shuichi nicht verlieren willst, dann solltest du endlich mit deiner Vergangenheit abschließen und dich ihm gegenüber öffnen. Er wird dich nicht verletzten. Glaub mir, das könnte er gar nicht!“
Leise erhob sich Ryuichi von der Bank.
„Sakuma, wieso tust du das?“
Langsam drehte sich Ryuichi um. Ein Lächeln lag auf seinem Lippen und sein Blick war verträumt.
„Weil ich ihn wieder lachen sehen will!“

***

Mit einem Klicken wurde die Tür geschlossen. Die Jacke rutschte auf den Boden und blieb unbeachtet liegen.
„Yuki?“
Zitternd wurde der Name in die leere Wohnung gerufen. Er war nicht da. Yuki war fort. Zu recht! Er hatte ihn ja auch betrogen. Hatte ihn verletzt. Und das alles nur, weil Yuki mal keine Zeit für ihn gehabt hatte.
>>Meinen kleinen süßen Wirbelwind würde ich nie betrügen!<<
Schluchzend brach Shuichi zusammen. Wieso hatte Yuki das nie zu ihm gesagt? Dann wäre das alles nie passiert! Aber er hatte es nicht gesagt. Es war nicht seine Art, seine Gefühle preis zu geben und Shu wusste das. Und doch hatte es ihm nicht gereicht, es zu wissen. Er wollte es hören und spüren. Und zu was hatte das geführt? Yuki war fort und würde nicht wieder kommen. Er war einmal verletzt worden und nun wieder. Nein, Yuki war weg.
Mühsam erhob sich Shuichi vom Boden und ging Richtung Bad. Schwerfällig lehnte er sich gegen das Waschbecken und stützte sich ab. Seine Beine zitterten, konnten ihn nicht mehr halten. Der Blick in den Spiegel war die Hölle. Der Pinkhaarige sah total verheult aus. Seine Haut war leichenblass und tiefe Augenringe zierten es zusätzlich. Tränenspuren waren auf den Wangen zu erkennen. Schnell drehte er den Wasserhahn auf und spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Doch ein weiterer Blick in den Spiegel zeigte ihm, dass er unverändert aussah. Nur die Tränenspuren waren verschwunden.
Wie sollte er Yuki jemals wieder unter die Augen treten. Er hatte ihn als einen Lügner beschimpft, hatte ihm nicht geglaubt, als dieser die Wahrheit sagte. Was war aus dem Leben geworden, das er bis vor ein paar Monaten noch geführt hatte? Wieso lag in seinen Händen nur noch der Scheiterhaufen davon.
Sein Blick irrte durch das Bad und blieb an einer Rasierklinge hängen. Ein spöttisches Lächeln huschte über sein Gesicht. War das der letzte Ausweg? Selbstmord? Ein Lachen ertönte im Bad. Doch stockte abrupt. War es der einzige Ausweg?
Müde griff er nach dem kleinen Stück Metall und ließ sich auf den Boden fallen. Wollte er das wirklich tun? Einfach verschwinden ohne zu kämpfen? Er war doch noch nie einfach davon gelaufen. Hatte sich immer seinen Problemen gestellt. Doch diesmal war das Problem unlösbar und er war es leid zu kämpfen. Was würde das für eine Story werden. SÄNGER VON BAD LUCK BEGANN SELBSTMORD!“
Eine Träne lief auf den roten Augen. Die wievielte Träne war das nun? Die Millionste? Nein, er wollte keine Tränen mehr weinen. Zittrig setzte Shuichi die Klinge an und ließ sie über die Ader gleiten. Ein stechender Schmerz durchzog seinen Körper. Zischend zog er die Luft durch die Zähne. Es tat weh. Es tat höllisch weh. Der rote Lebenssirup lief über den Arm und tropfte auf den Boden.
„Es tut mir so schrecklich Leid, Yuki! Ich liebe dich doch!“
„SHUICHI!!!“
Erschrocken drehte Der Pinkhaarige sein Kopf zur Tür, in der ein geschockter Yuki stand. Die blauen Augen waren entsetzt aufgerissen und starrten auf die immer größer werdende Pfütze. Yuki riss sich aus der Starre los, griff nach einem Handtuch und drückte es auf den Unterarm. Sofort färbte sich das Tuch dunkelrot. Hastig fischte Yuki sein Handy aus seinem Mantel und rief einen Krankenwagen. Neben ihm saß Shuichi total verstört und murmelte nur immer wieder Yukis Namen. Als dieser den Anruf beendete, kam er endlich wieder zur Besinnung und schluchzte laut auf.
„Yuki! Es tut mir so leid. Ich wollte dich nicht betrügen. Und ich wollte dich nicht als Lügner bezeichnen. Bitte, bitte verzeih mir! Ich liebe dich doch!“
„Ist gut Shuichi! Beruhige dich. Ich daran doch selber Schuld.“
Sanft nahm er den zitternden Junge in die Arme.
„Wie sehr musst du gelitten haben. Ich war selbst erstaunt, wie lange du es bei mir ausgehalten hast. Wie lange du nicht von meiner Seite gewichen bist, obwohl ich so ein Mistkerl war. Shuichi, du bist mir nicht egal. Du bist das Wichtigste auf der ganzen Welt für mich. Ohne dich könnte ich nicht mehr leben. Und ich könnte es nicht ertragen, wenn du, nur durch meine Dummheit und Feigheit, dir endlich mein Herz zu öffnen, nie mehr singen und lachen könntest. Ich brauche dich doch, Shuichi! Ich brauche dich, weil ich dich liebe!“
Eine stumme Träne lief über das glatte Gesicht des Schriftstellers. Kopfschüttelnd schaute Shuichi seinen Freund an.
„Du liebst mich? Und bist mir nicht böse!“
„Ja, ich liebe dich. Und natürlich bin ich dir nicht böse. Wie könnte ich? Dann müsstest du mich ja hassen!“
Ein Lächeln huschte über Shuichis Gesicht. Vorsichtig nahm er mit seinem unverletzten Arm Yukis Gesicht in die Hand und küsste erst die Träne weg, bevor er seine Lippen zärtlich auf die des Schriftstellers legte.
„Was bin ich nur für ein Dummkopf!“, sagt Shuichi bevor alles Schwarz vor seinen Augen wurde…

***

Ein Lachen weckte Shuichi auf. Grelles Licht blendete ihn als er die Augen zu öffnen versuchte. Schnell schloss er sie wieder blinzelnd. Beim Zweiten Versuch klappte es schon besser.
Nun nahm er auch den Raum wahr. Die Wände waren weiß und kahl aber auch den Tischen und Schränken stand eine Unmenge an Blumen und Geschenke. Er war im Krankenhaus und nun erkannte er auch den Urheber seiner Störung beim Schlaf.
Die ganze Band sowie die Band von Nittle Grasper und die Manager und Produzenten waren in dem großen Raum und spielten anscheinend ein lustiges Spiel. Plötzlich kam Hiro auf ihn zugestürmt, der als Erster Shuichis Wachwerden bemerkt hat.
„Shuichi! Endlich bist du wieder wach! Wie geht es dir? Wir haben uns schrecklich Sorgen gemacht genauso wie deine Fans! Mach so was Dummes nie wieder, hörst du?!“
Als Hiro auf die Fans zu sprechen kam, deutete er auf die ganzen Geschenke, die überall im Raum verteilt waren. Shuichi, der sich noch unendlich müde und schlapp fühlte nickte nur und schloss die Augen.
Nur um sie einen Moment später wieder zu öffnen.
Etwas stimmte nicht!
Etwas fehlte!
JEMAND fehlte!
„Wo ist Yuki?“
Die Worte kamen mehr als ein Krächzen über die Lippen.
„Der hat die ganze Zeit an deinem Bett verweilt und ist nun mal kurz auf die Toilette verschwunden. Sah nämlich scheußlich aus. Du hättest dich zu Tode erschrocken. Bist du sicher, dass du ihn behalten willst?“, fragte Ryuichi lachend während er Shuichi ein Glas Wasser reichte. Dieser nahm die Flüssigkeit dankbar entgegen. Schmollend wendete er sich an den grünen Sänger.
„Und ob! Den gebe ich nie mehr her!“
„Das will ich doch hoffen!“
Überrascht blickte Shuichi zur Tür, wo sein Engel an dem Türrahmen angelehnt stand.
„Yuki!“
Lächelnd stieß Yuki sich ab und kam auf den im Bett liegenden Sänger zu. Sachte ließ er sich am Bettrand nieder und wurde sofort in die Arme des Pinkhaarigen gezogen. Glücklich umarmte Shuichi Yuki fester. Genoss dessen Nähe, dessen Geruch, dessen Liebe. Yuki löste sich von Shu und lächelte ihn an. Eine Träne lief über die Wange des Sängers. Sofort machte sich Sorge in den Gesichtszügen des Schriftstellers breit.
„Shuichi, was ist los?“
Dieser wischte die Träne weg und lächelte über das ganze Gesicht.
„Nichts, ich bin bloß so glücklich!“

Fortsetzung folgt