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Im Zoo Teil 1 - 4

_1_


Es gibt Tage da verliert man und es gibt Tage, da gewinnen die anderen - dies war so ein Tag, denn egal was Yujo auch tat - er verlor. Jeden Morgen dasselbe - nerv, nerv, nerv!
Er hatte sich angewöhnt unter seinem Kissen zu schlafen, oder besser: er hatte es sich angewöhnen wollen - war aber fast erstickt und deswegen wieder davon abgekommen.

Dann hatte er versucht sich einfach zu verstecken. Aber wie erholsam konnte Schlaf schon sein, wenn man die ganze Nacht im Schrank verbracht hatte?
Schließlich und endlich hatte er es aufgegeben und sich seinem Schicksal ergeben!
Der Wecker besiegte ihn jeden Morgen und er konnte nichts dagegen tun, außer Kawa aus dem Bett schieben, dass der das Untier töten und seine Maus retten würde.

Und gleich würde es wieder anfangen - gleich - seine innere Uhr sagte es ihm, dass es jeden Augenblick so weit sein musste.
Gleich.
Sicher.

Man stelle sich Yujos Verwirrung vor, als das Klingeln ausblieb. Warum nur??

Mit dem Rücken halb an die Wand gelehnt saß Kawa schon seit einigen Stunden wach und beobachtete, wie Yujo es sich im Schlaf auf seinen Beinen bequem machte und seit wenigen Minuten nun wach lag und wohl auf den Wecker zu warten schien.
Jeden Morgen das gleiche Spiel.

Kawa sah grinsend zu dem Gegenstand der Qual für seine Maus, den hatte er heute ausgestellt, weil er erstens ja so und so schon wach war und weil zweitens Yujo heute nicht zur Uni musste, weil Samstag und daher frei war.
Zumindest hatte sein Schatz ihm gestern lange und breit vom Wochenende und so vorgeschwärmt und es anscheinend auch gleich wieder vergessen. Tja und nun lauerte seine Maus, unter der Decke versteckt, auf das böse, böse Läuten, das einfach nicht kam.

Eine Hand kam unter der sich wild gebärdenden Decke hervor und suchte. Erst tastete sie sich über die Matratze bis zum Kopfkissen, dann tastete sich die zweite Hand auf der anderen Seite und fand so viel wie die erste. Na nu? Wo war denn nun der blöde Wecker?
Sollte er gesiegt haben? Sollte Yujo aus diesem stetigen Kampf als Sieger hervorgegangen sein?

Von diesem Gedanken beflügelt und motiviert sprang er auf die Füße und nahm eine Heldenpose ein, die im Adamskostüm leider nicht so heldenhaft wirkte wie beabsichtig und schrie nur: "Sieg für den Herrn im linken Spielfeld!"
Dann sah er auf die Matratze hinab und zu Kawa, der gerade einen geknebelten und gefesselten Wecker in Händen hielt.
Seine Augen wurden suppentellergroß! Was machte sein Freund mit seinem Wecker?
Misshandeln? War er ein Weckermisshandler?
Pervers!

Kawa zog bei dem, wie er zugeben musste leckeren Anblick eine der schmal geschwungenen Brauen hoch und grinste seine Maus an. "Muss dich enttäuschen, der Feind war schon besiegt.", witzelte der Vampir und leckte sich über die Lippen.
Er rutschte ein wenig tiefer in das Bett zurück und streckte sich kurz, ließ den Wecker dabei achtlos zur Seite fallen. "Na, was wird das, Maus?" Neckisch strich er dabei über den Fuß seines Geliebten, der immer noch nackt auf dem Bett stand und nun den Wecker begutachtete.

"Wie kannst du es wagen, du Weckermeuchler!", brauste Yujo auch gleich auf und machte sich daran den achtlos zur Seite geworfenen Wecker zu retten. Nicht auszudenken was passieren würde, wenn der Ärmste die 5 Zentimeter bis auf den Boden fallen würde - wenn er einfach von Kawas Futon stürzen würde und dann tot war?
Wer würde ihn dann wecken?
Kawa?
Der 'Och-Maus,-du-bist-so-süß-wenn-du-schläfst-,-da-weck-ich-dich-doch-nicht' Kawa?
Der?

Kawa hatte nur eine Methode seine Maus vom Schlaf ins Leben zu befördern [und wieder zurück]. Leider war die extrem ineffektiv, weil die arme, kleine Maus hinterher mit den Hintern nach oben wieder einschlief und dann auf jeden Fall zu spät kam.
Es sei denn Gabriel kam vorbei und sammelte ihn ein. Was auch nicht wirklich so schön war wie es auf den ersten Blick klang - denn Gabriel hatte die Angewohnheit an solchen Tagen die Schlaglöcher in der Straße zu suchen, so dass die immer noch arme, immer noch misshandelte Maus nur noch aufjaulen und im Waldmausdialekt fluchen und schimpfen konnte. Aber was brachten die Verwünschungen schon, wenn keiner außer ihm selbst Waldmausdialekt sprach? Der Hintern wurde davon nicht heile.

Ergo:
Wenn Yujo sitzen wollte, musste er seinen Wecker retten - ganz einfache Gleichung.
So wiegte er das kleine, technische Wunderwerk in seinen Armen wie ein Baby und redete darauf ein.

Und Kawa besah sich das Schauspiel mit hochgezogenen Brauen, die sich auch mal runzelten, bevor der Vampir hochkam und zu seiner Maus krabbelte und dem vorsichtig auf die Stirn griff.
Vielleicht hatte sein Schatz ja Fieber.
Denn wer flauschte in aller Früh den Erzfeind Nummer eins an?
Niemand!!!
Eben.

Außer vielleicht er hieß Yujo Kento, berühmt berüchtigte, notgeile Maus, in Stadt und Land als perverser Lustmolch bekannt - dann tat man so was, aber nur dann.
Na was für ein Zufall - genau das traf ja gerade auf ihn zu!
Völlig unbeeindruckt von Kawas Hand auf seiner Stirn und dann auf seinem Hintern, drückte er wieder den Wecker an sich.

"Komm schon, Baby, sag doch was. Red mit deinem Yujo. Klingle mal - nur für mich und ich werd dann wieder ein Kissen nach dir werfen, bis du im Bad landest. Komm, unser altes Spiel. Bitte", winselte er und strich immer wieder über die großen Glocken - aber nichts geschah - kein piep. Okay, piep hätte die Maus machen können [aber nur wenn ihm nicht vor lauter Gram entgangen wäre, dass sein Freund gerade am Mauseschwänzchen zupfte]. Aber nicht mal ein Klingeln oder Ticken.

Wecki war tot!
Von Kawa gemeuchelt.
Das schrie nach Rache!
Keiner außer Yujo hatte das Recht Wecki zu töten. Denn wenn Yujo das war, war das gutes Töten! Für einen guten Zweck - aber das hier? An einem Samstag? Das war ... na er wusste noch gar nicht was das war. Aber wenn er es wissen würde, würde er es aussprechen!

Völlig ignorierend, wunderte sich Kawa immer mehr, was seine Maus denn bitte mit dem Wecker hatte. Er hatte doch nur den Schlagbolzen, der normalerweise auf die beiden Glocken einhämmerte, fixiert.
Sollte er das seinem Schatz sagen?
Nö!!
Mal abwarten, was seine Maus noch so alles anstellte. Vielleicht ließ Yujo sich ja doch noch von dem doofen Metallding ablenken.
Deshalb forschten die frechen Finger des Vampirs weiter über die nackte Haut seines Geliebten und er kitzelte und streichelte grinsend über das Mauseschwänzchen.

Nur dass er nicht im Entferntesten die Reaktion bekam, die er sich insgeheim versprochen hatten. Yujo stand einfach nur da, ignorierte seinen Freund mit Leidenschaft und Hingabe und redete weiter auf den Wecker ein.
"Komm schon, der böse Kawa hat das nicht so gemeint".
Abrupt, dass Kawa sich fast zu Tode erschrak, beugte sich Yujo nach unten und sah seinem Freund ins Gesicht.

"Was hast du gemacht? Hast du ihm gesagt, dass ich ihn nicht leiden kann? Ist er deswegen so deprimiert?" Als Beweis wurde der Wecker vor Kawas Gesicht gehalten.
"Los, sag ihm jetzt, dass du ihn lieb hast - ganz dolle - und ich auch und dass alles andere vorher gelogen war", forderte die Maus mit einem Ernst, dass Kawa ganz anders wurde. Vielleicht hätte er der Maus doch nicht gestatten sollen eine Packung Obstwasserpralinen allein zu futtern. Irgendwas schien damit nicht gestimmt zu haben!

Eine Hand in die nackte Seite gestemmt und die Andere den Wecker schwenkend, sah er noch immer mit schmalen Augen auf Kawa hinab.
"Ich waaaaaaaaaaarte!"
Er wackelte mit seinem Becken und das Mauseschwänzchen wedelte freudig.

Na das war mal viel interessanter als ein doofer Wecker, der nur ausgeschaltet war.
Kawa machte sich wirklich Sorgen, ob seine Maus von den Obstwasserpralinen bleibende Schäden davon getragen hatte.
Mit einer Hand schubste er den Kleinen mal um und Yujo flog, quietschte und landete mit dem Rücken auf dem Futon, klammerte sich dabei an den Wecker, dass Kawa nur den Kopf schütteln konnte.
"Maus, das ist ein Wecker.", versuchte der Vampir seinen Schatz zu überzeugen, dass er mit dem Ding sicher NICHT reden würde.
"Der hört dich nicht."
Er krabbelte über Yujo und knabberte an dessen bloßen Seiten.

Aber die Maus tat so, als würde er dem Wecker die Ohren zuhalten. "Wie kannst du das in seiner Gegenwart sagen - er hört mich sehr wohl und du verletzt seine Gefühle!" Wieder fing er damit an den Wecker zu flauschen und zu liebkosen, gab Küsschen hier, Streichel dort.
Verschwörerisch zog er den Wecker zu sich. "Er meint das nicht so - nimm's dir nicht zu Herzen", erklärte er ihm, während er Kawa anfunkelte, den das interessierte wie die Wasserstandmeldung der Inn bei Ebbe.
"Los, entschuldige dich bei ihm!", verlangte Yujo und hielt Kawa mit einer Hand den Wecker wieder vor die Nase, während er mit der Anderen mehr als verzweifelt versuchte sich aufzusetzen.

Doch Kawa legte der zeternden Maus eine Hand auf die Brust und fing dort an leicht zu kraulen, während er ihn gleichzeitig auf dem Futon hielt.
Geschmeidig kroch der Vampir an seinem Schatz höher und verteilte Küsschen auf der flachen Bauchdecke.
Na gut, wenn sein Schatz ihn ignorierte, musste der wohl erst mal überzeugt werden.
Und Kawa sah es ja gar nicht ein, an einem Samstagmorgen, der sooooo viel freie Zeit im Bett versprach, mit einem Wecker zu reden. Und sich zu entschuldigen schon gar nicht.
"Maus, das Ding ist ausgeschaltet.", nuschelte er erklärend und wanderte mit den Lippen tiefer, knabberte sacht über Yujos Schritt.

Normalerweise ein Signal für die Maus, sich ganz still auf den Rücken zu legen und die Beine zu spreizen, um mehr zu bekommen - aber nicht heute! Heute war Wecki in Gefahr, heute hatte sein Freund seinen Wecker getötet und das durfte nicht ungesühnt bleiben!
Was sollte er denn Weckis Familie sagen?

Und?

Noch viel schlimmer: er kannte Weckis Familie ja nicht mal! Nun lebte dieser Wecker schon seit zwei Wochen bei ihm - seit Kawa mit der Hilfe seiner Freunde das Loft wieder renoviert hatte - und Yujo hatte sich noch nie die Zeit genommen, sich mal mit dem Wecker zu unterhalten - hatte ihn nur geschlagen und getreten, einmal sogar unter die Dusche gehalten, damit er Ruhe gab. Aber das musste ja keiner wissen.

Immer noch mit all seiner Hingabe ignorierte er Kawa und wollte sich erst wieder seinem Freund widmen, wenn der sich bei Wecki entschuldigt hatte. Und da konnte der noch so verlockend über den Mauseschwanz lecken! Der blieb wo er war!
So griff sich Yujo Kawas Haar und zog den Kopf langsam zu sich, näherte auch seine Lippen den anderen.
"Sag: Entschuldige, Wecki, ich tu's nie wieder. Ich war ein böser Kawa und werde dir nie wieder wehtun. Los, sag das jetzt!"

"Aber...", versuchte Kawa noch zu intervenieren und zog eine Schnute als seine Maus ihn finster anfunkelte und sich hoch rappelte, geriet so das leckere Mauseschwänzchen auch wieder außer Reichweite und der Vampir sah ein, dass sein Schatz wohl erst zu weiteren Annäherungsversuchen bereit wäre, wenn der Wecker beruhigt wäre.
Na gut.
Gewonnen!
Punkt an den Wecker.
Kawa sah blinzelnd zu seiner Maus, der funkelnd vor ihm hockte und ihn abwartend ansah. "Okay...", fing der Vampir an, "Lieber Wecker, braver Wecker, ich tu's nie wieder..."

"Öhm, Kawa???", erklang es da von der Tür aus. Amüsiert besah sich Gabriel, an den Türstock gelehnt, das komische Bild und hielt dabei seinen Vampir, der kichernd an ihm hing und sich mühsam das Lachen verkniff.
Vor drei Tagen hatte Kawa ihm einen Schlüssel gegeben, um sie wecken zu können, wenn sie beide wieder mal verschliefen.
Er hatte ja viel erwartet zu sehen, dass beide noch schliefen, dass sie ihre Verabredung vergessen hatten und beim Poppen waren, aber das?
Was sollte das bitte sein?

"Du hast mir ja nicht geglaubt als ich sagte, wechsle die Rohre aus, irgendwas ist hier im Trinkwasser." Santos lachte wie von Sinnen und ging fast in die Knie, während die Maus im Adamskostüm sich umdrehte und die beiden Neuankömmlinge finster anfunkelte.
Normalerweise sprang er in Situationen wie diesen immer irgendwo hin um sich seiner Blöße zu schämen, oder um sich zu bedecken - wahlweise. Aber heute nicht - heute hatte er andere Sorgen.

"Lacht nur, ihr Banausen! Kawa hat meinen Wecker beleidigt und misshandelt und jetzt wird er sich gefälligst entschuldigen und... außerdem: was wollt ihr eigentlich hier? Habt ihr kein Zuhause?", wollte die Maus wissen und stellte den Wecker auf das Bett.
Wirklich zufrieden war er nicht, sondern suchte sein Kissen, damit Wecki es schön weich hatte. Also ging es - Hintern hoch, Nase ins Laken - quer durch das Bett, um sein Kissen zu suchen, was er dann irgendwo unter dem Schreibtisch fand.

Mit seinem Kissen bewaffnet kam er zurück, platzierte es vor Kawa, der aufstehen und weggehen wollte und setzte den Wecker drauf.
"Untersteh dich und verpiss dich, bevor du dich entschuldigt hast", drohte er von oben herab und stemmte die Mäusefäustchen in die Seiten.

Jetzt war es auch um Gabriel geschehen. Lachend rutschte er am Türrahmen hinunter und kringelte sich fast. Nicht nur, dass Yujo anscheinend sein normales Verhalten vergessen hatte, sondern auch der noch immer da hockende Kawa, der - man sollte es mal erwähnen - leicht doof aus der Wäsche guckte, waren einfach nur komisch.
Lachend zog er Santos zu sich und sah weiter zu wie Yujo seinen Vampir zwang sich beim Wecker zu entschuldigen.

Aber das hatte just in dem Augenblick nicht mehr oberste Priorität, sondern dass Gabriel am Boden lag und offensichtlich über den armen, misshandelten Wecker lachte. Nein, das hatte Wecki nicht verdient, dass er so missverstanden und seine Seele so verletzt wurde.
"Blöder Kerl, hör auf zu lachen", murmelte der Kleine und griff nach dem ersten was er finden konnte, warf es Gabriel über und wurde hochrot, als er merkte, dass es sein Samttanga gewesen war.

Santos hingegen, der nun wieder aufrecht saß, immer noch an den Türstock gelehnt, besah sich Kawa, wie der noch immer da hockte und seine Maus ansah, als wollte er fragen, ob der Kleine schon wieder Gerstenmehl gekokst hatte. Bei der Maus wusste man ja nie, auf was der gerade war. Der schreckte ja nicht mal vor Fish n Chips zurück, DEM war alles zuzutrauen!

Kawa nahm den letzten Ausweg, oder besser unternahm den letzten Versuch seine Maus von diesem *rettet all die armen Wecker dieser Welt* Trip runter zu bekommen und griff sich das besagte Stück Schweizer Feinmechanik.
Na gut, in erster Wahl wollte er, dass die beiden Blödmänner bei der Tür aufhörten zu lachen und dann hätte er gerne seinen Schatz vernascht. Aber alles der Reihe nach.
Und das hieß, zu erst mal den Wecker wieder einschalten und gleich mal die Zeiger weiterdrehen, bis das Mistding wie verrückt zu läuten anfing.
"Hab ja gesagt er ist nur ausgeschaltet.", moserte der Vampir und drückte seiner Maus den läutenden Quälgeist in die Hände.

Völlig verwirrt von der Tatsache, dass der Wecker - der Todgeglaubte - wieder Radau machte wie eh und je, stand er erst einmal da und starrte das rote Ding nur an. Es dauerte drei Sekunden bis er es nur noch nervig fand und Kawa zurückgab. "Mach das Scheißding aus - das nervt!", stellte er fest und schlug nun mit dem Kissen auf den Wecker ein, der in Kawas Hand lag und schlug somit auch auf Kawa ein.

Dass er Santos und Gabriel dazu brachte sich vor Lachen den Bauch zu halten war zwar nicht beabsichtigt, aber leider nicht zu ändern.
"Schnauze auf den billigen Plätzen!", rief er und sah den Beiden finster entgegen - Maus-im-Tötungsmodus!
Aber nun ging ihm eine Sache auf wie Hefeteig im Ofen: er war nackt und jeder konnte es sehen!
Quietschend und kreischend riss er das Kissen an sich und versuchte seine Blöße zu bedecken - während er quer durch das Loft flüchtete und sich mit einem beherzten Sprung über die Theke außer Sicht brachte.

"Perverse Spanner und Mäuseverarscher, die wehrlose Wecker missbrauchen, um mich zu terrorisieren!"
Ja - Yujo konnte echt seltsam sein, wenn er noch nicht richtig wach war.
"Und so ist der immer, wenn er nicht von einem Wecker geweckt wird?", wollte Santos wissen, der die Vorstellung besser fand als jeden Kinofilm.
Nur die Maus konnte nicht lachen - er hatte sich das Knie gestoßen und starb gerade vor dem Kühlschrank - mit seinem Kissen.

Sich einige wirre Strähnen zurückstreichend stoppte Kawa das nervige Läuten und funkelte Santos an, zuckte mit den Schultern und machte sich daran zu seiner Maus zu gehen.
Von dem war nur ein leises Wimmern, wohl in folge des Sterbens, zu hören.
Dabei beeindruckte es den dunkelhaarigen Vampir eher wenig, dass er genauso nackt wie sein Schatz war, sollten die beiden Spanner sich doch beschäftigen.
Am besten in ihrer Wohnung, damit er noch ein wenig seine Maus anflauschen konnte, was Kawa den beiden auch gleich mal bildhaft mitteilte, als er um die Theke bog und sich der verletzten Maus näherte.
Wusste ja jedes Kind, dass man sich verletzten Tieren nur langsam nähern sollte, weil diese sich sonst ängstigten oder aggressiv wurden.

Manche - wie zum Beispiel Waldmausdialekt sprechende Stadtmäuse - schlugen auch mit Kissen um sich, wenn man sie nicht in Ruhe sterben ließ.
Yujo hielt sich immer noch sein Knie und deutete auf eine Stelle, die vielleicht in zwei Stunden mal eine rosa Tönung annehmen würde, versicherte aber, dass er so schwer verletzt wäre, dass gleich die Innereien raushängen würden und er seine Milz verliere.

Santos, der sich das Schauspiel nicht entgegen lassen wollte, hing über der Theke, die sie auch in Kawas Küche gebaut hatten, dass man aus der Kochnische, die meistens Kawa bevölkerte, ins Wohnzimmer sehen konnte, wo ebenso meistens unausgelastet und nackt die gerade laut sterbende Maus rumlag.
Aber nicht heute, heute lag die Maus - jammernd, leidend, von seiner Umwelt missachtet - auf dem Boden und fuchtelte mit seinem Kissen sinnlos in der Gegend herum. Vielleicht half das ja gegen lachende Vampire. Angeblich sollte ja auch Zitrone gegen Mücken wirken. Was tat man nicht alles, wenn man eine kleine, halbtote, verängstigte Maus war, die nichts weiter besaß als ein Kissen und sein schmerzendes Knie?!

Sich zu seinem Schatz flüchtend, der die nackte Maus aber mal gleich viel interessanter als sein Kissen fand und das weiche, daunengefüllte, Kopfkissen zurück aufs Bett beförderte, kam Kawa noch näher.
Nun war's aus - die Maus guckte völlig verdeppert auf das Bett, dann wieder auf Kawa, so dass der sich seinen Geliebten schnappte und mit auf den Futon zog.
Das schon wieder ertönende Gelächter Seitens Gabriel und Santos wurde eiskalt übergangen und stattdessen eine der weichen Flauschdecken über die Maus geworfen.

Es dauerte genau drei Sekunden bis der begriffen hatte, dass er a) nicht mehr in der Küche lag und starb, b) sein Kissen irgendwo rum lag und nicht in seiner Hand war, c) ein gewisser Vampir gerade unter seiner Decke anfing an ihm herumzufummeln, wobei er selbst d) schwer verletzt und fast tot war!
Das war vielleicht ein Sauladen! Wo kleine, verstümmelte Mäuse als wehrlose Lustsklaven gehalten, ihre Wecker zerstört und ihre Kissen geraubt wurden. Nicht zu vergessen, dass das nicht-zahlende Publikum immer noch lachte - auf seine Kosten.
"Ihr seid ja alle soooooooooo gemein!"

OI - na da hatte er was angerichtet.
Kawa robbte unter der Decke, quer über den Futon, wurschtelte sich zwischen einigen Kissen durch und guckte seiner Maus in die grünen Äuglein.
"Wirklich?", wollte er leise wissen und legte den Kopf leicht schief.
Oh ja, wenn Kawa wollte konnte er verdammt niedlich dreingucken, und total zerknirscht obendrein.

"Ja", gab die Maus heiser zurück und wich etwas zurück. Kawa kam hinterher und legte den Kopf leicht schief.
"Ganz gemein - echt", wiederholte Yujo seine Anklage und schluckte. Nur aus dem Augenwinkel sah er, wie Gabriel von Santos die Augen zugehalten bekam. "Ist nichts für kleine Gören."
Aber das interessierte Yujo nicht wirklich, der versuchte, gerade heil aus der Sache hier rauszukommen - und das bedeutete: kein Sex vor Zuschauern. Er lief kirschrot an und fluchte, griff sich ein Kissen und stopfte es Kawa ins Gesicht. Dann ergriff er die Flucht. Immer noch nackt.

Gabriel umfing die lästigen Finger, die ihn um sein Amüsement brachten und zog daran, aber wenn Santos nicht wollte, dann konnte er lange ziehen und es tat sich nichts.
"Schatz.", jammerte der Große leicht quengelnd und zog eine Schnute.
So bekamen beide nicht mit wie Kawa sich das Kissen aus dem Gesicht klaubte, sich an das Ding kuschelte und so auf dem Futon liegen blieb.

Das entging übrigens auch der Maus, der immer noch quietschend und was von Tierschändern und Tierschutzbund faselnd durch das ganze Loft rannte.
Irgendwann wurde es auch Santos zu dumm.
"Hört mal Kinder", rief er und Yujo blieb verwirrt stehen und vergaß über seine Schuhe zu stolpern, die mitten im Weg lagen.

"Wenn ihr poppen wollt, dann ohne uns. Aber ihr habt uns doch hergeordert, weil wir heute in den Zoo wollten", erinnerte er mal ganz dezent, warum sie hier hockten und sich eine durchgeknallte Maus antaten.
Mal davon abgesehen, dass Santos es jetzt schon bereute, denn wenn der Kleine im Augenblick schon so drauf war, dann konnte das noch ein sehr anstrengender Tag werden.
Seufzend legte er die Hand gegen die Schläfe und rieb kurz darüber.
"Zoo", quietschte da die Maus und die grünen Augen leuchteten wie zwei Sternlein.

Bei dem Quietschen zuckte Gabriel zusammen und zog Santos zu sich, legten sich seine Finger an die Schläfen des Vampirs, verdrängten dessen Finger und massierten sanft.
"Hätten wird doch noch im Bett bleiben können.", schickte er leise zu seinem Schatz und schnäbelte über die Lippen seines Vampirs.
Denn er sah ja gar nicht ein, dass die Maus und Kawa da ewig brauchen durften und noch nicht mal angezogen waren und er sollte auf seine Schmuseeinheiten verzichten?
Na aber wirklich nicht.

"Wer hätte gedacht, dass die Maus, der so geil auf den Zoo war, wegen eines toten Weckers aus der Bahn geworfen wird und alles um sich herum vergisst? Ich nicht!", erklärte Santos und sah hinterher, wie Yujo nun doch über seine Schuhe fiel, sich aber ohne Murren und Zetern wieder aufrichtete, nur gegen den Schuh trat und zuckte, weil es ordentlich wehtat.
Nun doch mosernd und fluchend und seinen Schuhen die Pest an den Senkel wünschend ging er zurück zu Kawa und funkelte seinen Schatz an, der sich mit Decke und Kissen in seiner Vampi-Schmollecke verzogen hatte und seine Maus nun seinerseits anfunkelte.
"Los. Komm auf die Beine, Schatz, die Eisbären wollen angeguckt werden!" Wie von Sinnen rannte Yujo hin und her und her und hin und hin und her und her und hin und hin und her und her ...

Na war das Kawa mal egal?
Jaaaa! Und wie!
Von der Maus missachtet, von nem Wecker verarscht und dann hatte sein Schatz auch noch die Frechheit sich einfach was anzuziehen und Kawa so die schöne Aussicht einfach weg zu nehmen.
Frechheit aber auf der vollen Länge.
Er sah ja so was von überhaupt nicht ein, warum er jetzt bitte schön aufstehen sollte.

Yujo, der auf einem Bein springend versuchte sich eine Socke dort hin zu tun wo sie von Rechtswegen hingehörte und nicht dort, wo gewisse Vampire das schon öfter mal getan hatten, wenn die Maus sagte, ihm wäre kalt und er bräuchte Socken, sah zu seinem Schatz.
"Hey - anziehen. Wir müssen in den Zoo!", erklärte er mit suppentellergroßen Augen und hatte nun zu seinem Shirt die erste Socke an - fehlten also nur noch Socke zwei und Shorts und Hose und und und ...

Und natürlich, dass Kawa endlich mal die Schmolldecke weglegte und sich auch anzog. "Nackt nehm ich dich nicht mit, Schatz", erklärte er und suchte - weil Kawa Yujos Unterhosen in die unterste Etage im Schrank gelegt hatte, von dort - einen Tanga heraus.
"Kawa sabbere nicht", hörte man Santos lachen und deutete dann auf Gabriel, als der Vampir sich knurrend umblickte.

Tzzz", ließ Kawa nur vernehmen und rappelte sich dann doch auf, ging zu Yujo und sah auf seine Maus hinunter. "Maus, poppenden Eisbären zuzusehen ist nicht halb so lustig, wie das selber zu machen.", fing der Vampir an zu erklären, kramte dabei aber aus dem Schrank seine Lederhose und einen schwarzen Pullover hervor.
Die Äußerungen von Santos und Gabriel überging er jetzt mal einfach, weil sein am Boden hockender Schatz doch um einiges interessanter war.

Da Yujo ganz in seiner Suche nach seinem Lieblingstanga versunken war hatte er nur halb zugehört und drehte sich mit weit aufgerissenen, entsetzten Augen um. "Du willst einen Eisbären poppen? Du bist ja pervers, mein Lieber! Ich mach da nicht mit", erklärte Yujo völlig irritiert und sah zu Kawa hoch.

Der beugte sich zu Yujo hinunter und zog den Jungen näher zu sich, leckte ihm grinsend über die Lippen. "Och, nen Eisbären will ich eigentlich weniger poppen, sondern eher eine Maus, nämlich meine.", flüsterte er Yujo ins Ohr und verdrehte die Augen, als er Santos lachen hörte.
Lästige Zuschauer.
So lange die hier waren würde er seine Maus sicher zu nichts überreden können.
Also doch.
Zoo.

"Ach so", erklärte Yujo leise und griff sich wahllos eine Unterhose, zog eine Boxershorts heraus und bekam die von Kawa wieder weggenommen.
Irgendwann hatte auch die Maus Klamotten an - aber da war noch ein Problem ... denn Gabriel und Santos waren schon an der Tür, während Yujo verloren in der Mitte des Lofts stand und mit großen Augen fragte:
"Und Frühstück?"

Okay, nun guckten alle drei dumm aus der Wäsche, denn sie wussten nur zu gut, dass eine Maus ohne Frühstück unleidlich, mehr als unleidlich war.
Von einer Maus mit Hunger mal gar nicht zu sprechen.
"Coffeeshop?", stellte Gabriel fragend in den Raum und versuchte so das Mammutprojekt Frühstück zu umgehen.

Hatte es nicht gereicht, dass Yujo vorhin fast vor Gram gestorben war über den Beinahe-Tod seines Weckers? Und als er leblos und blutüberströmt auf dem Boden in der Küche gelegen hatte? Musste er da auch noch Hungers sterben??
Anscheinend schon!
"Da gibt's nur so Süßkram - ich will Essen und keine Süßigkeiten", stellte Yujo schmollend klar und sah sich gerade an seinem eigenen Grab. Die Aufschrift auf dem Grabstein wurde vor seinem geistigen Auge immer klarer:
Hier ruht die Maus - von seinen Freunden missachtet ist er schändlich verhungert.
Er ruhe in Frieden.
Nein! So weit durfte es nicht kommen!
"Burger King?", lautete die Frage, die jeder erwartet hatte aber keiner ertragen konnte - unterstützt mit großen, runden Maus-Augen! In weichem grün - untermalt mit Wasserperlen.

Schrecklich!!!!
Man sollte diesen Blick echt nur mit Waffenschein vergeben oder besser noch, als Gefahr für die Menschen und Vampire verbieten, denn weder Gabriel noch Kawa konnten dem leisen Beben Yujos und diesem Bettelblick widerstehen.
Stumm traten sie den Rückzug an und gaben sich geschlagen.
"Okay, Drive in und dann fahren wir in den Coffeeshop.", gab sich Gabriel geschlagen und lehnte sich an Santos an, schnuffelte bei seinem Vampir leicht durch die Halsbeuge.

"Mann", moserte der auch gleich munter drauf los, weil gerade die Ärgert-alle-Gabriel-Stunde begonnen hatte. "Jedes Mal wirst du weich, wenn die Maus so guckt. Nur gut, dass wir so was nicht im Schlafzimmer haben - du würdest ja gar nicht mehr hart werden!", erklärte Santos grinsend und die Maus lief rot an - während Gabriel zu husten anfing.
Na so weit kam es noch, dass er bei den beiden im Schlafzimmer hockte - okay, er war eine perverse Spannermaus, aber das musste ja nicht gleich so offiziell verkündet werden!
Unverschämtheit! Klang ja fast so, als wäre er ne Orgasmusbremse!
Fieses Pack! Gerade schmiedete die Maus im Hirn Mord- und Racheattentate für sein Karma, um das wieder zu stabilisieren nach diesem Tiefschlag, da hörte er nur Gabriel murmeln.

Der flüsterte seinem Freund nämlich grad bunte Flüche gemischt mit allen möglichen Sachen zu und biss Santos in die weiche Haut des Halsansatzes. "Tzz, als wenn du dich schon mal über meine Härte beschwert hättest.", moserte der Große und biss wieder zu. "Gestern wolltest du eher schreiend mehr haben, oder hab ich da was falsch verstanden??"
Während er weiter die Haut seines Geliebten malträtierte und sein Gesicht nicht von der Halsbeuge entfernte, wäre ja noch lustiger wenn alle sehen würden das er schon wieder rot wurde, grinste Gabriel.

Nur Santos musste das nicht sehen, er spüre das Glühen der Wangen an seinem Hals. "Ja, das hast du völlig falsch verstanden", lachte Santos und sah wie die Maus nun dastand, mit einem Mausefuß wippte als würde er seit Stunden auf etwas warten.
"Wenn die Herren Perverslinge dann so weit wären, hätte ich nichts gegen Wildtierfütterung - ich habe nämlich Hunger!", erklärte er und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er auf seinem Fastfood bestand.
Und der Rest wusste ebenso sicher, dass sie erst Ruhe haben würden, wenn die Maus was im Mund hatte. Und da auch Oral-Sex in öffentlichen Lokalitäten sittenwidrig war, blieb eben wirklich nur noch der Bußgang zum Drive in.




_ 2 _


Schon beim Einfahren in den Drive In schüttelte sich Gabriel und untermalte den durchs offene Fenster hereinfallenden Geruch mit einem leisen "Grausig", während Yujo freudig zu überlegen begann, was er denn nun essen wollte.
Gabriel hielt den Wagen vor der Bedienung an, die aus ihrem kleinen Fenster guckte und gleich die Bestellung aufnehmen wollte. "Nö danke, ich nichts, nur der Kleine da hinten hat Hunger.", verwies er sie auf Yujo, der fast auf Santos' Schoß krabbelte, weil er vom Rücksitz aus nicht genug sah.

So schob er sich weiter zwischen den Vordersitzen hervor und besah sich das Schild mit den angebotenen Menüs. "Hm ... auf jeden Fall mal Pommes und Cola. Dann brauch ich Burger und noch n Eis hinterher. Ach ne - das schmilzt bis ich fertig bin mit essen - Mist." Nun hatte er eine mittlere Krise, weil er unentschlossen war und hinter ihnen gehupt wurde.
Was Yujo gleich noch nervöser machte aber nichts an der Tatsache änderte, dass er sich nicht entscheiden konnte zischen einem Geflügel- oder Rinderhack-Burger. Was für eine Mausquälerei.

So fing er von neuem an. "Also Pommes und dann Cola und ... nein, kein Eis, weil das schmilzt ja und dann muss ich Gabriels Auto putzen .... Gabriel ist übrigens der hier", er deutete auf seinen Freund und die junge Frau am Schalter grinste nur.
"Yujo - jetzt oder nie mehr!", knurrte Santos, auf dessen Schritt sich die Maus nämlich gerade mit all seinem fetten Mausegewicht stützte und nicht mal merkte was er da tat, weil er völlig im Bestellen aufging.
Wenn er es dann mal tun würde.
Irgendwann wurde es dem Vampir zu bunt und er griff sich die Maus, hielt dem mosernden, kreischen wollenden Etwas die Hand auf den Mund und orderte schnell. Dann warf er den hungrigen, bissigen Nager zurück auf die Rücksitze. Und die Wildmaus knurrte - aber wie!

Gabriel kicherte nur und lenkte, nachdem er bezahlt hatte, das Auto zum nächsten Fenster und ließ sich dort die bestellten Sachen rüber reichen.
Der nun immer aufdringlicher werdende Geruch von fettigen Pommes und dem restlichen Fastfood beschwichtigte auch die Maus insoweit, dass Kawa, der ihn bisher festgehalten hatte, Yujo wieder loslassen konnte.
Ohne dass der auf den Beifahrersitz sprang und versuchte Santos zu erwürgen.

Und das war nicht leicht, denn DER hatte jetzt die Beute - das Mausefutter - den Traum seines Morgens! Nein, er hatte nicht Kawa auf dem Schoß, sondern eine große Tüte mit schnell größer werdenden Fettflecken, die komischerweise auf Mäuse eine Wirkung hatte wie Pheromone auf Mottenmännchen.
Santos fragte sich gerade, ob er die Tüte jetzt einfach nach hinter werfen sollte, damit die wilde Waldmaus endlich aufhörte zu knurren und zu mosern. Andererseits würde sich der Gestank im ganzen Wagen verbreiten und Gabriel die Laune verderben.

Was wog schwerer? Ein angepisster Geliebter oder eine vor Hunger sterbende und dann beim Verwesen stinkende Maus auf dem Rücksitz?
Nicht so leicht!
Yujo, der von seinem Schatz übrigens wieder losgelassen worden war, nutzte seine Chance und hechtete zwischen die Sitze um zuzugreifen, erwischte aber nicht die Pommes, sondern Santos' Schritt.
"Notgeil und verfressen - nimm die Pfoten weg du Na(h)getier, sonst wirst du zum Ferngetier!"

In dem Moment drehte sich auch Gabriel kurz zu Santos und Yujo, da er den Wagen kurz auf einem der Parkplätze gehalten hatte und konnte so mit ansehen, wie Yujo gerade wo rumwühlte, wo er nun so was von überhaupt nichts zu suchen hatte.
"Yujo", grollte der Dunkelhaarige leise, "Pfoten weg von dort oder das Futter geht aus dem Fenster.", drohte er funkelnd und drückte die Maus zurück zu Kawa, der ihn wieder in die Arme schloss.
Von seinem Vampir nahm Gabriel dann die fettige Tüte in Empfang und reichte sie zu Kawa retour. "Wehe er patzt auf die Sitze.", murmelte Gabriel leise zu dem Mäusehüter und lehnte sich zu Santos rüber, um nachzusehen, ob Yujo Schäden hinterlassen hatte.

Eilig erbeutete Yujo mit dem Mause-Geheimblick die fettige Tüte und fing an sie zu öffnen. Er sabberte lustig vor sich hin, zum Glück nur auf seine Hose und nicht auf die Sitze und kommentierte das, was sich da gerade auf den Vordersitzen abspielte, mit einem leisen Würgen.
"Befummelt euch daheim", moserte er. "Ich esse. Soll ich mich übergeben?"
Na das waren ja ganz neue Töne. Sonst kroch die Maus immer nackt mit einem kleinen Fotoapparat durchs Haus und bespitzte alles und jeden und jetzt wo er eine 1A-Performance bekam, war ihm das auch nicht recht.

Verstehe einer die Mäuse. Vielleicht waren die Pralinen gestern Abend doch schlecht gewesen oder Mäuse reagieren auf Kirschwasser anders als Menschen oder ... auch eine Möglichkeit, Kawa hatte die Maus die letzte Nacht zu sehr durchgeschüttelt, so dass seine perverse Ader sich verlaufen hatte und erst wieder an ihre Stelle rutschen musste?
Wer wusste das schon.
Yujo jedenfalls griff sich den ersten Pommes und hielt ihn hoch wie eine Trophäe. Lange genug hatte er ja auch warten müssen - und nun "Ab zu den Eisbären!", kommandierte er und überging die Tatsache völlig, dass der Rest in einen Coffeeshop wollte.

Der ganz kleine Hint mit den Eisbären wurde von den Dreien kollektiv überhört und Gabriel startete und lenkte sein Auto zu dem kleinen Coffeeshop, den sie mittlerweile schon sehr lieb gewonnen hatten.
Gab es dort doch Leckereien für ihn und dazu noch sehr guten Kaffee und zwar so viele Sorten, dass man zuhause gar nicht anfangen brauchte selber welchen zu machen.
Kawa grinste als er die Wagentür an ihrem ersten Zielort öffnete und die Maus noch immer halb in der Burgertüte steckte. "Soll'n wir ihn dalassen oder mitnehmen?", fragte er grinsend in die Runde.

Der Einzige, der nichts mit bekam war Yujo. Warum waren diese Tüten auch schallisoliert? Dass keiner den Genuss stören konnte?
So blieb er wo er war, nämlich in der Türe und mampfte und futterte und seufzte zufrieden. Hätte nur noch gefehlt, dass er vor Freude mit dem Schwänzchen wedelte.
Santos hingegen wechselte einen Blick mit Gabriel, der schon Sterchen in den Augen hatte und Kaffeearten vor sich hin murmelte.
Ganz toll! Maus mit Burger außer Gefecht und Schatzi mit Kaffee außer Gefecht. Er hatte ja mit den Kindern in den Zoo fahren müssen - er war ja selber dran schuld!!
"Nimm ihn mit, es ist verboten Kleinkinder im Auto zu lassen und Haustiere auch."

Tja, nun stand Kawa vor der schwierigen Aufgabe seine Maus dazu zu überreden aus seiner Fresstüte raus zu kriechen und in den Coffeeshop zu gehen.
Nicht gerade leicht.
Fragend piekte er Yujo zuerst in die Seite...
Keine Reaktion.
Dann ging Kawa dazu über seine Maus quer über die Rückbank zu sich zu ziehen und ihm die Tüte weg zu nehmen.
Na das gab ne Reaktion.

Aber nicht gleich. Es dauerte ca. fünf Sekunden - zwei um zu merken, dass es gar nicht mehr schallisoliert war, sondern Yujo Straßenlärm hören konnte - zwei um sich in den Finger zu beißen weil seine Pommes weg waren und eine um Kawa anzufunkeln, der grinsend mit Yujos Tüte dastand und sie schwenkte als gelte es einen wütenden Stier zu reizen.
Aus dem Wagen springen und Kawa anfallen war eine Bewegung, die Yujo allerdings nicht bis zu ende ausführen konnte, weil er sich mit einem Hinterlauf im Sicherheitsgurt verfing und mehr als nur unelegant aus dem Wagen stürzte, dass er sich die Nase aufschlug.
Und JETZT war das Geschrei erst richtig groß. Kein Futter und aufgeschlagene Nase - was für ein Schicksal für eine kleine Maus!

Oi, Kawa konnte gar nicht so schnell gucken wie das Unglück geschehen war.
Na jetzt hieß es den Schaden schnell zu begrenzen oder er konnte wohl die nächste Nacht alleine im Loft schlafen, ohne kuschelige Wühlmaus zum Anflauschen.
Schnell hatte er seinen Schatz vom bösen, bösen Gurt befreit und auf den Rücksitz gesetzt, leckte die Zunge Kawas auch schon über die lädierte Nase und ließ die Schrammen verschwinden.
"Tschuldige Maus. So sollte das nicht laufen.", nuschelte der Vampir während er sich Yujos Nase noch mal geguckte und dann abschließend über die Lippen seines Schatzes leckte, auch wenn die grauenhaft nach Pommes schmeckten.

"Ja ja", nuschelte die Maus und hatte sich schon wieder seine Tüte gegriffen. Die Nase tat zwar noch weh, aber wenigstens blutete sie nicht und er sah nicht so extrem albern aus, als wäre er im Suff irgendwo dagegen gelaufen wie ein gewisser Bankangestellter, der vor drei Wochen gegen die Wand im Klo eines Pubs gefallen war. Und das nicht weil John ihn dagegen gedrückt hatte, sondern weil er im Stehen pinkeln wollte, was ab 3,0 Promille nicht mehr wirklich die beste Idee war.
Dies war Yujo also erspart geblieben, aber er würde das schon noch gegen Kawa zu nutzen wissen. Wenn der wieder seine Maus stundenlang verwöhnen wollte und der Kleine wieder mal den Heldentod starb, DANN würde er sagen ... "Hä?", machte Yujo als er plötzlich auf seinen Füßen stand und nicht wusste warum.

Wurde er nämlich gerade mitsamt seiner Futtertüte von Kawa zum Coffeeshop gezogen, in dem Santos und Gabriel schon lange verschwunden waren.
Kawa sah ja gar nicht ein, dass er als einziger leer ausgehen sollte, nur weil die Maus noch immer am Fastfood essen und daher für alles andere nicht zu gebrauchen war.
Drinnen suchte der Vampir kurz die beiden Anderen und merkte dabei, dass die sich auffällig unauffällig verhielten und in einer der Ecknischen saßen.
Na das waren mal nette Freunde.

"Mist", murmelte Santos leise und versuchte sich die Speisekarte vor das Gesicht zu halten, "sie haben uns doch gefunden."

Gabriel grinste ein wenig, aber nur ein wenig und es war auch ein wenig gequält. "Hast du wirklich was anderes erwartet?", war das eine rein rhetorische Frage und er blinzelte Santos zu.

"Wenn du mich so fragst - ja!", murmelte der Vampir und sah zu wie die Maus, mit dem Kopf in seiner Tüte, von Kawa vor sich her zum Tisch geschoben wurde.
Natürlich zog die Maus wieder alle Blicke auf sich und bekam in seiner Tüte noch nicht einmal etwas davon mit.

"Unfair", dachten sich wohl alle drei gleichzeitig, aber Gabriel flüsterte es leise. Kawa setzte seine Maus einfach auf den nächsten Stuhl neben seinem Schöpfer und setzte sich selber auf die andere Seite des schmalen Tisches, entging so auch gleich mal halbwegs einem Mordversuch von Santos, dem es wohl nicht wirklich behagte die noch immer halb in der Tüte hockende Maus neben sich sitzen zu haben.

"Kannst du das Ungeziefer nicht wo anders hinpacken?", murmelte der ältere Vampir leise und schob die Tüte, inklusive Maus, ein Stück weiter von sich, weil der Kleine mit seinen Ellenbogen ausholte wie mit Waffen, als gelte es sein kleines Mauseleben gegen alle zu verteidigen, die ihm sein Futter streitig machen wollten. Und bei Futter war sich ja jedes Wald- und Wiesentier selbst das Nächste.
Es war gar nicht so leicht die glücklich seufzende Maus zu ignorieren. Ein paar junge Mädchen am Nebentisch fingen schon an zu kichern, aber Yujo wühlte und suchte und fand immer noch irgendwas, was man noch essen konnte. Was in solch eine Tüte alles reinpasste!

"Ans andere Ende des Raums?", versuchte es auch Gabriel und blickte Kawa mit großen Augen bittend an, der das aber so was von überging.
Gemein!!
So suchte der Große lieber wieder die Karte durch und entschied sich dann für French-Toast mit frischen Früchten und Vanillekaffee, das Zeug was ja echt mal suchtgefährdend.

Und er konnte von Glück reden, dass Yujo in seiner Tüte nicht bemerkte wie er seinem kleinen Freund in den Rücken fiel, wie der Junge schändlichst weitergereicht wurde und all das nur, weil er eine kleine, wehrlose Maus war.
Wenn das der Tierschutzbund rausbekommen würde, wie gemein hier alle zu ihm waren. Aber zum Glück bemerkte es nicht mal das Tier selbst, sondern murmelte gerade was, was verdächtig danach klang als wollte er tatsächlich einen Pommes unter einer Serviette vorlocken.

Santos hielt sich die Augen zu - was ich nicht sehe sieht mich auch nicht - und entschied sich spontan für einen Espresso, damit er den Tag überstehen würde.
Ob sein Schatz wusste, was er vorgestern angerichtet hatte, als er meinte, im Zoo gäbe es junge Löwen und die wollte er sehen?
Santos schielte zu Gabriel und knurrte leise - alles wegen ihm!

Fragend blickten ihn dabei blaue Augen an, als Santos nicht aufhörte zu knurren. Gabriel wanderte, verdeckt von Kawa und der Wand neben sich und in seinem Rücken, mit einer Hand unter den Tisch und strich leicht über das Knie seines Vampirs.
In dem Moment wurde Yujo wieder leise und wand sich aus der Tüte, blickte fragend in die Runde, die fast schon demonstrativ die Speisekarten oder alles sonstig interessante studierten.

"Was n?", murmelte die Maus, noch nicht wirklich zufrieden und sah Gabriel eindringlich an, der so komisch schief dasaß. Yujo grinste und fing an laut zu erklären, dass Gabriel mal bitte aufhören sollte unter dem Tisch mit Santos zu fummeln, was mindestens zweien am Tisch die Schamesröte ins Gesicht trieb.
Aber Yujo interessierte das nicht wirklich, er drehte seine Tüte auf den Kopf, sodass die leeren Verpackungen auf den Tisch fielen und sah dann den kläglichen Haufen traurig an, der gar nicht daran dachte sich von selbst wieder zu füllen.

Da Gabriel und Santos noch immer am liebsten unterm Tisch oder wahlweise im Boden verschwinden wollten und die Maus auf seine leeren Essenspackungen starrte winkte Kawa einer der Bedienungen, um alle auf was anderes zu bringen. Vielleicht ließ sich sein Schatz ja jetzt auch mit was Süßem trösten nachdem er seine Tagesration an Fastfood gefutterte hatte.

Aber erst biss der mal der Bedienung in die Finger, die es doch wirklich gewagt hatte die leeren Verpackungen wegzuräumen! Na die hatte ja Mut, die junge Dame. Allerdings zog sie ihre Hand auch gleich wieder zu sich und ignorierte die knurrende Maus, die alle leeren Verpackungen noch einmal absuchte. Irgendwo musste doch einfach noch was sein!
Er betete und bettelte, dass sich wenigstens der Colabecher noch mal füllen würde oder die Verpackung von dem Burger [was auch immer das gewesen war - Yujo hatte nur gefuttert, nicht draufgeguckt] von dem er erst jetzt bemerkte, dass es ein Big Mac gewesen war, die er gar nicht gern mochte.
Aber nun war es zu spät, es wieder herzugeben würde eine tierische Sauerei werden und so breitete er nur die Arme aus, um seine Verpackungen vor gierigen Bedienungen zu beschützen.

Kawa verdrehte die Augen und lächelte die Bedienung entschuldigend an, bestellte für sich einen Mokka, ein Croissant mit Käse und für seine Maus einen Schokokaffee und einen Donat.
Mal sehen, ob er damit den Kleinen vom Müll ablenken konnte.
Gabriel orderte auch sein Frühstück und sah wieder zu Santos, versuchten sie beide die Maus, die an ihrem Tisch war, weitgehend zu übergehen solange die noch die leeren Verpackungen abknutschte.
Peinlich Peinlich!!

Natürlich entging das verzogene Gesicht auch Yujo nicht, der immer noch knurrte und sich dann an die Bedienung wendete. "Die tun nur so - dabei haben die mich heute früh aus dem Bett geworfen und mich entführt, während mein Freund mich anpimpern wollte und als ich nicht wollte, wollte er Eisbären poppen und meinen Wecker haben sie auch getötet. Als ich schwer verletzt blutend vor dem Kühlschrank lag, weil ich über die Theke in der Küche gestolpert bin, haben sie mich einfach nackt in der Küche liegen lassen. Aber ICH bin wieder an allem schuld, ist das nicht fies? Immer auf die Mäuse."

War ja klar, war ja so klar.
So schnell konnten die drei Anderen gar nicht gucken wie die Bedienung flüchtete und Gabriel fand es, wohl genauso wie Kawa und Santos, als den richtigen Zeitpunkt das Lokal zu verlassen, bevor noch jemand die Männer mit den Hab-mich-lieb-Jacken rief und die Yujo mitnahmen.
Japp - das fehlte noch.

Allerdings erwies sich die geplante Flucht als schwieriger als erwartet, denn sie hatten einfach die Verpackungen der Müllmaus liegen lassen, die besagte gern wiederhaben wollte weil ja immer noch Hoffnung bestand, dass er etwas übersehen hatte oder sich die Verpackungen noch einmal füllen würden.
Und außerdem war die Tüte so geräumig und roch so lecker, er hatte sich schon einen Innenarchitekten ausgesucht der die Tüte als sein neues Arbeitszimmer herrichten sollte - so viel zum Thema Anbau!
Irgendwann wurde die mosernde Maus einfach entführt!

Gabriel hatte den Jungen über seine Schulter gelegt und ging, gefolgt von den Anderen, zurück zum Auto. Also den Coffeeshop würden sie wohl in den nächsten Wochen nicht mehr aufsuchen können.
Schmollend zog er eine Schnute und stopfte die noch immer zeternde Maus auf den Rücksitz, wartete bis Kawa dazu geschlüpft war und schlug die Tür zu.
Santos hatte bei dem ganzen Schauspiel zugesehen und ging erst jetzt zu ihm, Gabriel sah seinem Freund in die hellen Augen und seufzte leise. "Das wird noch lustig steht zu befürchten."

"Ja", bestätigte der Vampir nur trocken. Er hatte sich auf einen Kaffee gefreut, den er sich nun abschminken konnte. Sein Blick fiel auf die zeternde Maus, der nun ohne seine Mülltüte leben musste und daran wohl qualvoll zugrunde gehen würde.
"Ich hätte nie gedacht, dass er wirklich so neben der Spur drehen kann." Santos schüttelte nur den Kopf und überlegte, ob sie nicht doch noch eine Hundeleine kaufen sollten - oder noch besser, die Waldmaus im Zoo abgeben, für exotische Tiere würden die bestimmt gut zahlen.
Andererseits, wann hatte der Kleine seine letzte Tollwutimpfung? War er stuben- bzw. käfigrein? War er entwurmt? Vertrug er sich mit anderen Waldmäusen und passte er überhaupt in das Waldmauszuchtprogramm der europäischen Union?
Fragen über Fragen und keine Antworten.




_ 3 _

"Sollen wir heimfahren?", überlegte Gabriel und kam näher zu Santos. Zu gerne hätte er sich mit dem Vampir jetzt irgendwo in einem netten Coffeeshop versteckt und gemütlich gefrühstückt, wäre dann in den Zoo geschlendert und mit seinem Freund dort spazieren gegangen.
Doch das Zetern aus seinem Auto riss ihn zurück in die harte Realität und er grinste seinen Schatz an.
"Dann mault Yujo uns aber drei Wochen lang die Ohren zu, oder?"

"Und das Tag und Nacht", fügte Santos noch an und stieg ein.
Und schon war die Maus ruhiger. Es ging jetzt also zum Zoo, ein Ort wo es Hotdogs gab und Eis und rote Brause und sowieso und überhaupt jede Menge Tiere - unter anderem nicht zu vergessen Eisbären.
"Geht's jetzt los?", wollte er wissen, als er sich sicherheitshalber mal anschnallte. So wie die anderen Drei guckten bestanden gute Chancen, dass er während der Fahrt aus dem Wagen geworfen oder an einer Raststätte ausgesetzt wurde. Dem wollte er dann doch lieber vorbeugen.

"Ja, ...macht er wohl.", nuschelte Gabriel leise und setzte für die Maus ein lauteres "Ja" an, sah in den Rückspiegel und fing dann wieder an die Bewohner der Rückbank zu vergessen und nur noch auf den Verkehr zu achten.
Erst als Gabriel schon zum dritten Mal die Parkreihen vorm Zoo abfuhr und aber auch gar keine Lücke zu finden war, fing er an zu grollen und guckte wieder auf Kawa und Yujo, die die letzten Minuten auffallen ruhig gewesen waren.

Im Gegensatz zu der Stunde davor, die die Maus damit verbracht hatte "Sind wir bald da, Gabe!", im 10-Sekunden-Takt zu fragen. Na ja, auf den letzten zwei Kilometern hätte sich Kawa dann auch nicht mehr erbarmen müssen. Aber nun hatte er es endlich geschafft, seine Maus ein bisschen Flausch abzugewinnen und ihn zu küssen, da wollte er nicht wirklich aufhören!
Als Yujo allerdings hörte, wie ein Elefant trompetete und somit realisierte, dass es nicht Gabriel war, der Bohnen zum Mittag hatte, sondern ein richtiger Elefant mit einem meterlange ...Rüssel [er lief rot an], da war Kawa leider nur noch zweitwichtig.
Wie wild hopste die Maus in seinem Sitz und zog am Gurt. Er wollte aussteigen und das Tier mit dem langen ... Rüssel [wieder wurde er rot] angucken!!!
Jetzt!

Tja, genau da entschloss Gabriel für sich, dass er Yujo lange genug gehütet hatte, dass der mal mit seinem Freund, namentlich Kawa, vorgehen sollte, weil er und Santos noch Hunger hätten und Kaffee haben wollten und das auch gleich und jetzt.

"Auch Hunger", piepste die Maus leise und saß plötzlich ganz brav und ganz still angeschnallt auf der Rückbank.

"Nein", kam es von Gabriel und Santos gleichzeitig und sie drehten sich beide um, musterten die plötzlich so scheinheilig brave Maus.
Gabriel zog eine Braue hoch und musterte den Kleinen skeptisch. "Du hast grad was gegessen.", versuchte er Yujo sacht darauf hinzuweißen, dass der bisher als einziger schon Frühstück gehabt hatte und sie nicht. Dank einer nicht zu erwähnenden Müllmaus, die sich nicht von einer besagten Tüte trennen konnte und dadurch ein ganzes Lokal auf sie aufmerksam gemacht hatte.

"Wie: nein", hakte Yujo erst einmal nach, bevor er sich gleich ereiferte. Vielleicht hatte Gabriel nur den Satz nicht beendet und es hätte, "Nein, Yujo, wir vergessen dich schon nicht!", heißen sollen. War ja alles im Rahmen des Möglichen.
Als allerdings keine Antwort kam wurde er etwas energischer. "Ich. Fragte. Wie: Nein!"

"Yujo", sagte Gabriel leiser und sah zu Kawa, der die Augen verdrehte, "geh mit Kawa im Zoo was essen.", versuchte der Große so das anstehende Maulen zu umgehen. "Ich und Santos wollen Kaffee und was Süßes und wie ich erinnern darf mussten wir meinen Lieblingscoffeeshop vorher verlassen... ohne was gegessen zu haben.", zog Gabriel dabei wieder eine Schnute und zog den Zündschlüssel. Endlich war eine Lücke freigeworden und Gabriel hatte einfach seine Chance genutzt.
Er kannte, keine zwei Straßen weiter, einen anderen kleinen Coffeeshop und dort wollte er nun mit seinem Vampir hin und am besten zu zweit.

"Na wegen mir hätten wir nicht gehen müssen", murmelte Yujo, der gar nicht einsah der Grund für den verpatzten Besucht im Kaffee-Laden zu sein.
Aber andererseits, mit Kawa im Zoo - bei den Eisbären.
Großzügig wie er war ließ er sich dazu hinreißen zu erklären, dass er schon verstehen könnte, dass die Beiden mal in dem Coffeeshopklo poppen wollten, um es von ihrer Wo-man-überall-ficken-kann-Liste zu streichen und Yujo, weil er ja noch klein und unschuldig war, das nicht sehen sollte und wie toll er das doch fände, dass sie so viel Rücksicht auf ihn nehmen würden.
Dann war er schon aus dem Wagen und sah sich nach dem Eingang um - und wieder rief das Tier mit dem langen ... Rüssel.
"Na los ihr Ferkel - geht pimpern, wir warten dann bei dem langschwänzigen ... bei dem ...na mit dem langen ...Elefant. Mensch, sag's doch gleich!"

Gut das die Maus gleich nach dem letzten Satz Kawa mit sich in den Zoo zog und so das unisono Aufatmen von Gabriel und Santos nicht mitbekam.
Gabriel drehte sich zu seinem Vampir und grinste erleichtert. "Also, Schatz, Frühstück steht an.", zwinkerte er dabei und grinste.

Aber das bemerkte Yujo schon gar nicht mehr. Er hatte seinen Studentenausweis gezückt und Geld und stand hibbelig und aufgekratzt wie ein kleines Kind in der Reihe. Freilich ging es nur schleppend und langsam wurde er ungeduldig!
Konnten die Kinder da vorne sich nicht mal etwas beeilen? Er wollte schließlich Eisbären gucken!

Und Kawa???
Der musste sich in sein Schicksal fügen und hier mit seinem völlig überdrehten Schatz durch den Zoo laufen.
Na er würde Gabriel und Santos schon noch was für diesen Verrat erzählen und wehe die setzten sich länger als eine Stunde ab, dann konnte sein Meister was erleben.

Aber er hatte gar nicht die Zeit sich Rachen auszudenken, die so richtig schön wehtun würden, denn Yujo war doch wirklich allen ernstes dabei einem der Kinder den Luftballon klauen zu wollen.

Der Vampir schlug sich eine Hand vor dem Kopf und überlegte kurz so zu tun, als kenne er den anderen nicht, entschied sich aber dagegen und zog, da sie beide schon bezahlt hatten, seine Maus schnellst möglich von den Kindern weg.
"Was soll denn das, Maus?", wollte Kawa wissen und drehte Yujo zu sich sah in fragend an.

"Hey - der hat angefangen!", zeigte Yujo gleich auf das Gör mit seinem roten Luftballon, das ihm die Zunge rausstreckte und breit grinste.
Ja toll - nur weil er der Große war wurde er wieder ausgeschimpft und die schuldige Mistplage ging nicht nur leer aus, sondern behielt auch noch den Ballon, den er Yujo versprochen hatte, wenn er ihn vor ließ.
Tolle Wurst!
"Wirklich, Kawa - DER war's, nicht ich!"
Achtung!! Maus-Geheimwaffenblick!

Aber Kawa seufzte nur und verdrehte die Augen, sah sich dann kurz um und entdeckte die Schilder, welche zu den verschiedenen Tiergattungen führten und... die ersten Buden.
Die versprachen die Fütterung einer ganz anderen, aber nicht minder gefährlichen Rasse, nämlich der der lästigen, quengelnden Kinder.
Auch nicht schlecht.
"Hast du noch immer Hunger?"

"Was passiert wenn ich ja sage?", wollte Yujo vorsichtig wissen, weil Kawa wohl wegen dem blöden Gör mit dem Luftballon sauer war und seine kleine, unschuldige Maus angemotzt hatte, dabei war der doch nun wirklich unschuldig gewesen.
"Krieg ich dann was zu essen oder werde ich angemosert?", fragte er ganz leise und sah zu Boden, scharte mit dem Fuß ein bisschen auf dem Weg herum.

"Bekommst was zum Essen.", stimmte Kawa zu und lächelte wieder ein wenig. Yujo sah einfach zu niedlich aus, wie er so auf seine Turnschuhe runter sah.
Er schnappte sich seine Maus um die Taille und zog ihn mit sich.
"Aber", legte er noch ein, "keine Fish n Chips, ja?", nach.

Was für eine Forderung!
Die natürlich auch die gewünschte Reaktion brachte.
Yujo blieb abrupt stehen und funkelte Kawa finster an. "Wie bitte?", wollte Yujo von dem wissen, der heute Morgen Wecki gequält hatte. "Kein Luftballon - kein Fish n Chips. Was ist denn das für ein Zoobesuch?", wollte er maulend wissen und verzog das Gesicht.

"Bitte, Yujo", bat Kawa leise, "das Zeug stinkt und ich kann's noch am nächsten Tag an dir schmecken.", flüsterte er seinem Geliebten zu und grinste, als der leicht verwirrt guckte. Kurz sah der Vampir sich um und zog Yujo zu sich, verschwand mit ihm hinter einem der Bäume. An diesen grenzte hier eine Hecke aus Liguster, der zwar morsch aber nicht blattlos war und so guten Sichtschutz bot.
Langsam leckte Kawa seiner Maus genießend über die Lippen, drängte seine Zunge dabei nur kurz dazwischen. "Du schmeckst so lecker... und das Zeug so grausig.", sah er Yujo dabei bittend an. "Heut nicht, Maus, bitte."

"Hmmm", knurrte die Waldmaus und sah sich kurz um. "Okay, aber nur unter einer Bedingung!" Es passte ihm gar nicht, dass er was anderes essen sollte - es passte ihm auch nicht, dass es kein Fish n Chips gab. Aber andererseits bestand die Gefahr, dass Kawa ihn nicht mehr küssen würde - von anderen lustigen bis erregenden - teils mehr als befriedigenden - Aktivitäten ganz abgesehen.
Das war keine leichte Entscheidung, die er hier zwischen Baum und Hecke treffen sollte.
"Ich krieg n Luftballon - einen mit einem Tier drauf! Eisbär wäre schön." Und die grünen Augen leuchteten auf ... ja, wer es noch nicht mitbekommen hatte: Yujo liebte Eisbären.

Kawas Augen weiteten sich und er guckte Yujo wohl kurz an, als ob er fragen wollte was das denn bitte sollte und ob sein Schatz doch noch zu den Kindern zählte und er sich daher strafbar machte.
Ruckartig schüttelte der Vampir den Kopf und blinzelte seine Maus an. "Okay.", murmelte er leise und nickte.

Kawa wusste nur zu gut, dass er sich den Abend in die Haare schmieren konnte, wenn sein Geliebter keinen... Luftballon... bekam, denn er würde nicht schon wieder den Geschmack nach dem ekelhaften Zeug hinnehmen.
Dazu war das einfach zu ekelhaft.
"Aber nur ein Luftballon.", überlegte der Vampir dabei noch, dass er seiner Maus ja einen der Zuckerglasierten Äpfel kaufen könnte, dann würde sein Geliebter danach schmecken, was ja nicht so schlecht war.

"Ja ja", nickte die Maus wild, dass die Haare flogen, und war schon dabei Kawa wieder auf den Weg zu zerren, als er sich der Abgeschiedenheit bewusst wurde in der sie sich gerade befanden und frech grinste. So schubste er seinen Vampir gegen den Baum in seinem Rücken und hopste ihn an, hielt sich mit Armen und Beinen fest und räuberte einen Kuss nach dem anderen, was Kawa wohl nicht wirklich störte, denn er umfing seine Maus mit den Armen und grinste.

Bis ... ja bis ... wie das in Filmen eben immer so ist, wenn's spannend wird kommt einer rein ... so ähnlich ging es auch Kawa und Yujo, die grade damit begonnen hatten sich so richtig schön zu küssen und zu flauschen, als ein Kind plötzlich neben ihnen stand und nach seiner Mama rief, ihr in quietschiger Weise erklärte, dass der große Junge da auch getragen würde und dass auch sie nicht mehr selber laufen wollte.
Ade - romantisches Stelldichein - ade!

Kawa fauchte unterdrückt und biss sich auf die Lippe, um das störende Balg nicht anzuschreien und zu verfluchen. Gerade wo es angenehm wurde kam so was daher gelaufen.
Grollend sah der Vampir zu wie eine Frau in mittlerem Alter her gelaufen kam und den Störfaktor hochhob, leicht rot wurde, als sie sah, dass das zwei Männer waren.
Schnell sah sie wieder weg und trug das Kind mit sich davon. Kawa, der es gar nicht eingesehen hatte seine Maus runter zu lassen, fing wieder an leise zu grollen.
Er zog Yujo wieder näher zu sich und bedeckte harsch die süßen Lippen mit seinen, erforschte seinen Geliebten ausgiebig und lange bevor er sich wieder von dem Kleineren trennte.

Mir verklärten Blick spürte Yujo, dass sein Freund sich zurückgezogen hatte und zog so auch seine Zunge endlich zurück, weil es sicher ungemein albern aussah, wie sie so wild in der Luft herumwedelte ohne wirklich etwas zu tun.
Seufzend ließ er sich an seinem Freund hinab gleiten und zog den wieder auf den Gehweg zurück. "So, Schatz", legte er fest und sah sich um, kaute auf einem Finger und dachte nach - er hatte gerade ein etwas größeres Problem - drei Ziele - und alle drei in entgegen gesetzten Richtungen!

Geradeaus ging es direkt in den Zoo hinein und somit zu den Eisbären - ein Pfeil nach links zeigte, dass man sich dort niederlassen konnte, um zu essen und ein Blick nach rechts zeigte weiter hinten das lustige Zoo-Maskottchen, dass an die kleinen Kinder Luftballons verschenkte. Und einer sah aus wie ein Eisbär!!
Yujo wurde hibbelig und konnte sich trotzdem nicht entscheiden - was für eine Folter, reinste Mausquälerei! Wo war Greenpeace wenn eine Maus in Not war? Die retteten sicher wieder irgendwo Aale und banden ihnen Geweihe um, dass man sie auch als Aal erkennen und retten würde, wenn man sie traf. Aber für eine Waldmaus in Nöten, da hatte keiner Zeit, typisch Greenpeace!

Kawa der sich noch genießend über die Lippen leckte grinste, als er das Herumhibbeln seiner Maus sah und lachte leise. "Hey, Maus, wir gehen ja schon", neckte er seinen Geliebten, sah dann auf die Schilder und grinste noch mehr.
Der Vampir konnte sich denken was seinen Kleinen so quälte, leise lachend wuschelte er Yujo über die Haare und schnappte sich dessen Hand, wollte zuerst das, seiner Meinung nach, Peinlichste abhaken.
Den Luftballon.

So zog er Yujo hinter sich her und hielt mit seinem Schatz vor dem bedauernswerten Kerl, den man in dieses scheußliche Plüschkostüm gesteckt hatte. Kawas Blick wanderte nach oben und er sah dem Plüschmonster in die Knopfaugen. "Den Eisbären.", schickte er leise und hart zu dem Angestellten und grinste halb, als der auch gleich den geforderten Luftballon heraussuchte.

Die Menschen ließen sich so herrlich einfach einschüchtern.
Einfach zu ulkig.
Der Vampir nahm den Ballon entgegen und nickte einmal kurz und drückte die Schnur Yujo in die freie Hand, zog ihn danach aber gleich weiter und weg von den kleinen Kindern.
Die Schreihälse waren einfach zu laut und die quietschigen, jammernden Stimmen taten in den Ohren weh.

Es dauerte eine Weile und ein paar Meter Weg, bis auch Kawa gemerkt hatte, dass einer dieser quietschig nervigen, lauten und quälenden Stimmen noch immer hinter ihm war, er sie genau genommen hinter sich her zerrte - Yujo.
Genau.
Die Waldmaus.
Die Maus hatte mittlerweile seinen Ballon unter den Arm geklemmt und flauschte sich wie verrückt gegen seinen Eisbär und grinste, weil von dem vielen Reiben am Ballon er sich elektrisch aufgeladen hatte und es immer blitzte, wenn er Kawa gegen das Ohr tippte.
Angewandte Physik nannte man das wohl. Aber so wie sich Kawa umwandte und guckte nannte der das wohl anders.

Beim ersten Mal hatte er es noch ignoriert, beim zweiten Mal leise geknurrt, aber jetzt hatte Yujo das schon über fünf Mal gemacht und der Vampir funkelte seine Maus finster an, kam näher zu dem Kleinen und sah auf ihn herab.
"Maus...", ließ er seine Stimme absichtlich eisig anschwingen und verkniff sich das Lächeln als die Augen seines Geliebten immer größer wurden, das Grün auffällig zu schimmern begann, "was wird das, wenn's fertig ist?"
Er schnappte sich den Kleineren und beugte sich über ihn, seine Zunge wanderte langsam über ein Ohr abwärts zu Yujos Jackenaufschlag, der kurzerhand zur Seite gerückt wurde.
Mit den Fängen kratzte Kawa über die feine Haut und richtete sich wieder auf.
"Komm, gehen wir was essen", wechselte er abrupt das Thema, "sonst vernasch ich dich noch."

"Mö", maulte die Maus auch gleich wieder aus voller Seele.
"Da lass ich es mal zwischen uns etwas funken und der Herr Vampir hat was dagegen - aber wehrlosen Mäusen den Wecker töten und den Hintern wund poppen, das ist okay, ja?", murrte die Maus und ließ seinen Eisbär wieder steigen, damit er Petzi, wie er ihn getauft hatte, hinter sich her ziehen konnte und der weit genug weg war. Nicht dass er noch mitbekam wie Kawa und er sich stritten und glaubte, er wäre dran schuld!
Andererseits war Essen so eine Art Waldmauslockruf - immer wenn Kawa "Essen!" rief, kam die Maus hervor gekrochen, egal ob er gerade in der Wanne war oder im Bett oder unter dem Tisch - warum, spielte ja keine Rolle.
"Was gibt es denn?", wollte die Maus vorsichtshalber mal wissen, um den herben Schlag auf dem Weg bis zur Imbissbude besser verkraften zu können.

"Süß oder Sauer?", setzte Kawa eine Frage entgegen und grinste. Als er Yujo wieder neben sich hatte, sah sein Geliebter ein wenig ... nun ja ... kindisch aus mit dem Luftballon. Wenn er es nicht besser wüsste, hätte Kawa wohl bedenken, dass er einen Minderjährigen als Freund hatte.
Doch laut Ausweis war seine Maus schon alt genug für jeden Blödsinn und auch wenn nicht, würde es ihn nicht wirklich jucken, solange seine Maus seine Maus war.

"Wer? Ich?", fragte der ziemlich sinnleer, weil er nicht wusste was Kawa von ihm wollte, aber er holte Petzi wieder dichter zu sich. Das Kind da in dem Kinderwagen, an dem sie gerade vorbeigelaufen waren, hatte ganz schön gierig nach seinem Ballon geguckt! Diesen Plagen war alles zuzutrauen - da stand Eisbärenballonentführung ganz oben auf der Liste.
Er streckte dem Gör die Zunge raus und wandte sich wieder an Kawa.

Kawa sah zu seinem Schatz und legte den Kopf leicht schief. "Na klar du, Yujo.", lächelte der Vampir seine Maus an und setzte noch leise, so dass es nur dieser hören konnte, an: "Ich hab auf was anderes Hunger, aber den still ich später mit dir im Loft." Seine Augen funkelten dabei hell auf und er schlang einen Arm um die Hüfte des Kleineren.
"Oder machen dir Zuschauer nichts? Dann könnten wir hier irgendwo...", grinste Kawa seinen Schatz frech an und leckte ihm blitzschnell über die Lippen.

Na Yujo wurde ja nicht wieder! Was hatte er sich denn da für einen Perversen angelacht? In einem Zoo dachte der ans Poppen? Wenn Yujo Eisbären gucken wollte dachte Kawa nur an Mausbesteigung? Wenn Yujo sich die Elefanten mit dem langen ... er wurde rot. Okay, die Maus war kein bisschen besser als sein Vampir, aber nun gut, das musste der ja nicht wissen.
"Ich hab was dagegen wenn mir der Hintern juckt, weil überall Ameisen rumkrauchen und ich find's auch nicht toll wenn mir die blöden Viecher bei zugucken! Nicht dass die dann auch noch wollen", murrte Yujo und strich sich den Hintern.

Man stelle sich vor sie würden vorm Löwenkäfig und der hätte plötzlich Appetit auf Waldmaus?!
No way!
"Und die Klos sind mir zu hellhörig, davon abgesehen, dass es mir einmal gereicht hat, dass der blöde Opa im Kaufhaus mit seinen Regenschirm auf den Kopf gedonnert hat, nur weil ich dich in den Kabinen auf dem Klo gesucht und nach einem Quickie gefragt habe. Konnte ja nicht ahnen, dass das schwer Atmende nicht du beim Vorbereiten, sondern der alte Sack beim Atmen ist. Nie wieder fremde Klos!", legte Yujo fest und sah sich nach Petzi um.
"Und wenn ich dich erinnern darf: du hast mich nicht gerettet - du hast damals gelacht!"

"Maus.", hob Kawa abwehrend die Hänge und lachte, weil allein die Erinnerung an diesen Einkaufstag sehr, sehr lustig war. "Du hättest auch gelacht.", versuchte er die Schuld von sich zu weisen und grinste nur noch.
Zumindest am Abend hatte sein Schatz an dem Tag den Schock schon wieder verarbeitet gehabt und lautstark nach mehr und tiefer verlangt, was der Vampir ihm auch gerne gegeben hatte. So fertig wie sie am nächsten Morgen nach nicht mal drei Stunden Schlaf gewesen waren, als Gabriel an der Tür stand und dagegen hämmerte...
Das war dann der Tag gewesen, wo sie festgelegt hatten, dass der Große einen Schlüssel bekam.
"Kandierten Apfel als Entschädigung?", lockte Kawa die Aufmerksamkeit seiner Maus von Petzi weg und grinste, als sein Kleiner nickte.




_4_

Aber kaum hatte Yujo gemerkt, zu was er da zugestimmt hatte hielt er Kawa wieder an, der schon in großen Schritten auf die Bude zuging und seine Maus samt Ballon hinter sich herzerrte.
"Öhm nö - ich will lieber nichts Süßes!", erklärte Yujo weil er wusste, dass er nur wieder Durst bekommen würde und dann was zu trinken brauchte und dann - wenn er nicht in den Busch pinkeln wollte - auf ein Klo gehen musste. Und das mit seinem Regenschirmtrauma!
Also lieber nichts Süßes.

"Aber n Eis wäre nicht übel", meinte er und ignorierte sein Hirn, dass ihm gerade die Zusammensetzung von Eis erklärte, um Yujo nachzuweisen, dass da genauso viel Zucker drinnen war und es genauso viel Durst machen würde.
Na wer war Yujo denn, dass er sich von seinem Hirn etwas sagen ließ!
Weil Kawa von Eis noch nicht wirklich überzeugt war, machte Yujo große runde Kulleraugen. "Eis?"

Fragend blickte Kawa in die grünen Augen die ihn schon fast flehend ansahen. "Ähm, Maus, es ist Winter, ich glaub kaum, dass hier so ein Eisstand herumsteht.", fing der Vampir langsam an. "Aber wenn du magst kaufen wir beim Heimfahren eine Packung und essen die heute Abend im Bett??" Kawa versuchte wirklich seine Mimik unschuldig zu halten.
Durch die lange Übung gelang ihm das sogar und er blinzelte Yujo leicht an, als der ihn immer skeptischer musterte.
"Was denn?", wollte er leise wissen.

"Du? Eis? In meinem Bett?", fasste Yujo zusammen und zusammen mit Petzi, den er aus Sicherheitsgründen wieder unter dem Arm trug, sah er inquisitorisch auf Kawa. "Und hinterher kann ich die Bettwäsche wegwerfen, ja?", wollte er wissen. Er wollte kein abgepacktes Eis! Er wollte nicht bis heute Abend warten!
Er wollte jetzt Eis - genau jetzt und hier und Kugeleis und keines aus der Fabrik. Und genau das erklärte er Kawa auch - wenn auch mit einem sehr mäusischen Blick.
Aber Kawa schien noch immer nicht wirklich begeistert von der Idee der Maus.

"Okay - wenn ich kein Eis bekomme, dann will ich jetzt Pommes, okay?", versuchte er es eben auf die Erpressertour. Irgendwas musste doch mal klappen - schließlich wollte er ja nicht ewig hier rumstehen und um sein Essen feilschen, wenn er noch gar nicht die Eisbären angeguckt hatte!
Und er wollte essen bevor Gabriel wieder da war und ihm erklärte wie ungesund er leben würde - den Kick musste er sich ja nun echt nicht geben. Früchteficker brauchten ihm wirklich nicht zu sagen, was sich gehörte und was nicht.

"Keine Pommes!", lehnte Kawa entschieden ab und schüttelte den Kopf, "NO way!!", verschränkte der Vampir die Hände vor seiner Brust und überlegte kurz, ließ dabei den Hundeblick von Yujo nicht aus den Augen.
"Hier gibt's glaub ich nirgends einen Eisstand", überlegte Kawa laut. "Aber wir können ja gehen und ins Einkaufscenter fahren, dort hat der Italiener offen.", resümierte er und verkniff sich das Lachen.
Wusste er nur zu gut, dass er Yujo damit in einen Konflikt brachte, Eisbären oder Eis essen.
Schwierige Entscheidung.

"Fies", kam es erst etwas leise und zögerlich. "Voll fies!", dann schon etwas lauter. "Du bist so fies, Kawa, hat dir das heute schon mal einer gesagt? Wenn nicht mach ich das liebend gern - du bist dermaßen fies, Kawa Shinda, kleine wehrlose Mäuse vor solch gemeine Zwickmühlen zu stellen."
Yujo funkelte seinen Freund an und hielt sich an Petzi fest, während er seinem sich so nennenden Freund den Mausrücken zuwandte. "Ich will HIER Eis und ich will nicht ins Einkaufszentrum, ich will in den Zoo und die Tiere angucken!", stellte er klar und machte dem kleinen Gör, was drei Meter weiter quengelte und jammerte, dass es nicht laufen und getragen werden wollte, ordentlich Konkurrenz.
Man hätte nicht gedacht, dass ein Altersunterschied von 15 Jahren zu Gunsten von Yujo zwischen ihnen lag.
"Voll mausfeindlich", schob er noch nach und verschränkte die Arme, drückte Petzi dichter.

"Tja.", mit einem amüsierten Funkeln in den Augen zuckte Kawa mit den Schultern, "entweder oder, Schatz. Das Leben ist hart und ungerecht. Was soll's", grinste er seine schmollende Maus an. Das Lachen verkniff er sich, weil er zu gut wusste, dass Yujo ihm dann entweder an die Kehle gehen würde - nicht dass das irgendwas brachte, oder einen Effekt hatte - oder noch mehr schmollen würde, aber das hatte er bisher immer mit einer schönen Runde im Bett besänftigen können.
So sah er zu wie sein Geliebter eine Schnute zog und verdrehte leicht die Augen. Manchmal war sein Freund wirklich zu kindisch, vielleicht liebte er ihn deswegen so?
Das wäre mal was zum Überlegen.

Nach ein paar schweigenden Minuten, die Yujo gar nicht daran dachte dazu zu nutzen, dass er sich an Kawa wandte oder sein Todesurteil, dass der Vampir mit seinen Worten gerade über die arme, kleine, sicher demnächst verhungernde Maus gesprochen hatte, eines Wortes zu würdigen.
Aber nun wandte er sich eben um und sah seinen Freund aus zu Schlitzen verengten Augen an.
"Okay - Zoo. Aber du wirst sehen was die Quittung für deine Erpressung ist", erklärte Yujo und wandte sich mit einem kalten - mausuntypischen - Grinsen wieder um. Denn Yujo kannte jetzt einen Vampir, der die nächsten Tage und vor allem Nächte ohne Maus im Bett verbringen würde - es lebe die Masturbation! Aber Maushintern würde es nicht geben - nicht nach solch schändlicher Erpressung!

Kawas Blick verengte sich leicht und er fauchte leise, fast unhörbar. Wenn seine Maus wüsste wie lecker er aussah, wenn er so ein wenig angesäuert und finster herumlief und vor allem welche Ideen Kawa da bekam, würde er es wohl nicht tun.
Aber da das die betroffene Maus nicht wusste...
Mit hell strahlenden Augen ging der Vampir seiner Maus nach, konnte hören, wie Gabriel und Santos sich am Zooeingang unterhielten und lachte, als Gabriel sich sträubte und Santos zu überreden versuchte, dass sie doch einfach mal heimfahren sollten.
Und so weiter.

Aber all das blieb der schmollenden Waldmaus mit seinem Eisbärenluftballon gänzlich verborgen, denn der ging einfach weiter. Kawa würde schon sehen, was er davon hatte, wenn er erst mal vor Hunger zusammengebrochen war und nicht mehr aufstehen konnte, wenn er vor Zuckermangel - der übrigens nur durch Eis ausgeglichen werden konnte - sterben würde und anfangen zu riechen.
Ja!
Dann wäre das Geschrei sicher groß und jeder würde es bereuen. Er schnaubte nur verächtlich und sah sich langsam um. Da er für Kawa sowieso den Sex gestrichen hatte und sich so auch keiner aufregen würde, wenn er nach ranzigem Fett schmeckte ... er sah sich einmal um und rannte dann auf die Pommesbude zu so schnell ihn seine Mausbeine trugen.

Tja und wider aller Erwartungen von Mausis Seite ließ ihn Kawa laufen, grinste der nämlich gerade amüsiert über die lebhafte Unterhaltung von Santos und Gabriel. Es schien den Großen wohl nicht wirklich zu freuen den ganzen Tag im Zoo zu verbringen.
Also nichts gegen den Zoo, aber Zoo mit hyperaktiver Maus? Das war einfach ein wenig viel auf einem Haufen, laut Gabriel.
Kamen die beiden auch gerade um einen Busch gebogen, der an der letzten Weggabelung stand.

"Kawa", begrüßte Santos seinen Zögling und sah sich um. "Ist er dir weggelaufen oder hast du ihn ans Exoten-Haus verkauft?", wollte der weißhaarige Vampir wissen und zog den unwilligen Gabriel hinter sich her. "Und du moser nicht so rum. Es war deine Idee, Schatz", erinnerte er seinen Menschen, dass der nämlich die Maus erst auf die Idee gebracht hatte und - damit sie es schnell hinter sich hatten - gleich das nächste Wochenende vorgeschlagen hatte.
Und nun konnte er das auch ausbaden.
Insgeheim hatte Santos ja gehofft, dass die anderen beiden schon fast durch waren und auf dem Heimweg - aber so wie das aussah, waren sie noch nicht mal zweihundert Meter weit gekommen.
Noch immer sah Santos sich um, sah aber nur an einer Pommesbude einen Eisbärenluftballon und fragte sich gerade, wie sehr man Eltern wohl bemitleiden musste, die Kinder hatten, die mit so was durch die Gegend liefen.

Seine Augen wanderten dann, genauso wie Gabriels, an der Schnur herab und blieben auf einem bekannten Jungen hängen. "Bitte nicht.", murmelte Gabriel, und sah weiter zu, wie Yujo, mitsamt dem bunten Luftballon und einer sehr großen Tüte Pommes, auf sie zu kam und selig drein guckte.
Nur zu gut konnte sich Gabriel daran erinnern als sein Freund das letzte Mal einen Luftballon gehabt hatte. Das Ding lag noch immer irgendwo in Yujos Wohnung herum, weil ja das Bild so schön sei.
Laut der Aussage von Yujo.
Er hätte den Zoobesuch ja viel lieber mit Santos allein gemacht, so ein Tag mit herumlaufen und gucken und einfach Ruhe, Entspannung, Zweisamkeit.
"Hallo Yujo, schon wieder Hunger?", fragte er seinen Freund anstatt seine Gedanken weiter schweifen zu lassen.

Der Kleine nickte nur, sah überrascht auf die Neuankömmlinge. "Na, Klo inspiziert? Alles wieder sauber gemacht?", wollte die Maus wissen und grinste Kawa breit an, während er sich einen extra große Pommes mit Mayonnaise bestrich und in den Mund stopfte.
"Guckt ma", nuschelte er ziemlich undeutlich mit vollem Mund und zog an seiner Strippe, dass Petzi zu tanzen anfing. "Schüsch oda?"
Wieder verschwand ein Pommes in seinem Mund, okay - es war kein Eis. Aber im Gegensatz zu Eis machte das hier satt und kein anderer würde kosten wollen.
"Kawa wollte mir kein Eis kaufen - da musste ich eben auf Pommes ausweichen um nicht zu verhungern", erklärte er und schob schon wieder ein in Fett gebackenes Kartoffelstäbchen zwischen die Lippen.

Gabriel verzog den Mund und merkte mit einem kurzen aber prägnanten "Wäää" an, was er von Yujos angeblichem Essen hielt. "Klo? Nö, hatten wir schon öfters - nicht mehr lustig.", merkte er grinsend weiter und lehnte sich an Santos an.
Ihnen beiden war es schon ziemlich egal wenn sich mal wieder eine alte Oma oder andere Leute nach ihnen umdrehten. Gewöhnung stumpft ab sagt man ja.

Yujo indes war es genau so egal wie Gabe und Santos, dass er sicher auffiel, aber wohl weniger durch flauschen eines Geschlechtsgenossen, auch wenn Kawa da sicher dazu bereit gewesen wäre - zu einer anderen Zeit und ohne Pommes - sondern weil er mit seinen zwanzig Jahren mit Pommes und Luftballon bewaffnet herumstand und sicher so aussah, als wäre er aus der Klapse entlaufen.

Eigentlich sah er ja auch aus wie ein ganz normaler Junge, nur manchmal - wenn man ihn heiß badete oder wenn er nicht von einem Wecker geweckt wurde und er irgendwo zwischen Traum und Realität hängen blieb ... ja dann, dann artete es so aus wie heute.
Aber Yujo war wohl der jenige, den das am wenigsten interessierte. Er kaute weiter, quetschte weiter Mayonnaise aus einer kleinen Tube auf wehrlose Pommes und grinste, als er was von Sperma aus der Tube vor sich hin murmelte und Santos was von "perverse Waldmaus!", zurück murmelte.

"Und über uns lästern.", moserte auch Gabriel und flauschte seinen Vampir gleich weiter, weil das in Gegenwart einer Luftballonmaus wohl eh keinen interessierte.
"Ihr habt euch wahrscheinlich noch nicht alles angeguckt, oder?", flammte kurz Hoffnung in dem Großen auf, aber die wurde gleich von Kawa mit einem Kopfschütteln aber so was von gelöscht, dass die arme Hoffnung heute sicher nicht mehr trocken wurde.
Als der dunkelhaarige Vampir auch noch ein "Haben noch gar nichts geguckt", ansetzte sah Gabriel den restlichen Tag schon auf und davon schwimmen. Ade freie Zeit, ade.

Yujo, der immer noch versuchte nicht rot anzulaufen, als er wieder das "Sperma aus der Tube" auf seinem Essen verteilte und wirklich hart versuchte, seine Gedanken sauber zu halten, sah zwischen Gabriel und Kawa hin und her. Der eine hatte ihm Eis verweigert und der andere machte sich gerade über ihn lustig und ließ keinen Zweifel aufkommen, dass er den Zoo gern verlassen hätte.
Also beides keine Kandidaten sich anzuflauschen und etwas Trost zu sammeln.
Santos musste gerochen haben was die Maus vorhatte, denn der wehrte gleich ab. "Hey, mich lass raus - ich bin nur hier, weil ich mich alleine zuhause langweile."

"Aber", fing die Maus mit weinerlicher Stimme an, "wir sind ja noch gar nicht dazugekommen uns was anzugucken - erst zerrt mich der Lüstling hinter die Büsche, dann brauchte ich unbedingt einen Luftballon - war lebenswichtig und dann musste ich stundenlang um was zu essen betteln. Das Ergebnis seht ihr ja selber. Wir hatten noch gar keine Zeit, aber umso schöner, dass wir nun alle zusammen gehen können - ich will in den Streichelzoo und zu den Eisbären und auf jeden Fall noch ... hm ... was gibt's denn noch tolles ... Vögeln! Genau, will ich auch noch ... sehen!", fügte er immer leiser an und glühte rot wie eine Kirsche, weil der Rest grinste.

Kawa hatte eine Braue spöttisch hochgezogen und wandelte sein Grinsen langsam in eines der dreckigen Sorte um. "Also Santos und Gabe, ihr habt's gehört: hinter die Büsche, die Maus will was zu sehen bekommen.", funkelte er dabei die Beiden amüsiert an und leckte sich über die Lippen. "Vielleicht kann ich ihn dann überreden doch gleich heim und ins Bett zu gehen."

"Du ..du!" Yujo wedelte mit seiner Hand, in der der Luftballon hing, wild in der Gegend herum und deute immer wieder hochrot auf Kawa. "Du ... du!"
"Maus, du wiederholst dich!", stellte Santos klar, der wirklich gerade darüber nachdachte mal mit Gabe hinter den Büschen zu verschwinden. Aber er ließ es, schließlich gab es hier genügend Kinder, die dann plötzlich aus dem Nichts kamen wie die Maus im Spanner-Modus.
Aber besagte Spanner-Maus versuchte immer noch, während er übrigens weiter auf Kawa deutete und mit einer Hand fuchtelte, weil in der anderen die Pommes waren und die nicht geschüttelt werden durften, etwas zu sagen.

"Du kommst diese Nacht eh nicht in mein Mausbett und das weißt du, brauchste also gar nicht zu versuchen. Und dass ich so elendig perverse Freunde habe, die sogar bei harmlosen Vögeln nur an ihr Schwänze denken ...pfui! Ich bin entsetzt!", erklärte er und wandte sich zu der Omi um, die gerade vorbei ging.
"Stellen sie sich das mal vor, junge Frau. Ich will zu den Vögeln gehen und die wollen hintern die Büsche zum Vögeln gehen. Sagen sie selber, von Rechtschreibung haben die echt keine Ahnung, oder?" Dabei deutete er auf Kawa und Gabriel. Santos hatte Glück, dass die Maus beide Beine zum Stehen brauchte und der Mauseschwanz zum Zeigen heute zu schlaff war.

Tja und die Reaktionen darauf waren sehr verschieden: Kawa grinste und nickte der Oma zu, die darauf hin noch entsetzter guckte und Gabriel, tja der lief wunderhübsch rot an, dass Santos seine Freude hatte und mit den Fingern über die heißen Wangen strich, was die Oma aber noch mal röter werden ließ und sie verfiel mit einer leisen, brüchigen Stimme in eine Schimpftirade.
Na ja und da Yujo noch immer vor ihr stand und vielleicht auch weil er sie angesprochen hatte, ging sie mal auf den ach so unschuldig aussehenden Jungen mit ihrem Gehstock los und fluchte was von verkommener Jugend.

Es dauerte einen Schlag - der übrigens Yujos Pommes vom Leben in den Tod - sprich: von der Tüte auf den Boden - beförderte - bis der Kleine begriffen hatte, dass die Rentner von heute auch nicht mehr das waren, was sie mal waren! Sie prügelten auf wehrlose Mäuse ein, die ein bisschen Verständnis gesucht hatten, sodass der Kleine die Flucht ergriff und sich mit einem beherzten Sprung über eine Hecke in Sicherheit bringen musste, denn keiner seiner Freunde sah es ein, dass ihm geholfen werden musste.
Und als die Maus aufschlug machte es "poff" - und dann "zisch" ... und dann erfüllte ein markerschütternder Schrei das Gebüsch!

Kawa zuckte zusammen, Santos zuckte zusammen, Gabriel auch und alle Drei sahen sich an, bevor Kawa die alte Oma wütend anfunkelte und knurrte, sodass die schleunigst davon humpelte und nur Sekunden später war auch der Vampir hinter der Hecke verschwunden.
Alle Drei wussten, dass es einen Toten gegeben hatte, dessen Ableben der Kleine noch mehr betrauern würde als sonst was.
Das hieß dann wohl: ade freie Zeit - hurra, Streichelzoo für alle.

Und ihre grausamste Vermutung wurde wahr, als Yujo völlig verschreckt hinter der Hecke vorkam, in einer Hand die Leiche von Petzi - und die andere fuchtelte wild in der Gegend herum. Die Augen waren suppentellergroß und wässrig und die Lippe zitterte schon leicht.
Schweigend präsentierte er Santos und Gabriel die Leiche und bebte leicht, bebte noch viel mehr, als er seine Pommes auf dem Weg liegen sah, an denen sich Tauben gerade mästeten.
Das Leben war so ungerecht!
Die teuren Pommes!
Der schöne Ballon!

Wo waren all die Gewehre und Waffen, wenn man mal eine brauchte? Ob für die Tauben oder den Kampfrentner war noch nicht ganz klar.
Es dauerte genau zwei Sekunden, bis ein hilflos schluchzendes Häufchen Maus an Kawa hing und Rotz und Wasser heulte, Kawa nebenbei die Jacke vollsaute und sich gar nicht mehr beruhigen ließ.
Ab heute hatte die Maus wohl ein neues Feindbild - der bewaffnete Kampfrentner!

Nach der Sekunde, die Kawa brauchte um seine schöne Jacke zu bedauern und zu überlegen, wie er Yujo trösten konnte und zu dem Entschluss kam, dass das wohl schwierig bis gar nicht ging, flauschte der Vampir seinen Schatz an und zog ihn noch näher zu sich.
Seine Maus betrauerte derweilen lautstark den Tod von Petzi und vergrub sein Gesicht in Kawas Jacke. Die konnte er dann am Abend wohl in die Reinigung bringen, oder selber waschen, was bei Rauleder aber nicht sooooo einfach war, da war die Putzerei doch besser geeignet.

Während Kawa noch Erstversorgungströsten bei Yujo machte, löste sich Gabriel von seinem Vampir und trabte zu der Pommesbude. Es zog ihm allein bei dem Geruch alles zusammen und kostete dem Großen viel Beherrschung aber nach fünf Minuten hatte er eine große Tüte der vergewaltigten Kartoffeln und wedelte den Duft zu der noch immer trauernden Maus.

Und Santos sah dabei zu. Es war wie in einem dieser Dokumentar-Tierfilme, wo Wildentschlossene Forscher scheue Wildtiere zu sich zu locken versuchten. So ähnlich lief das hier auch ab. Die Waldmaus - Forschungs- und Untersuchungsobjekt ihrer Wahl - krallte noch immer an Kawa, aber fing langsam an mit seiner Nase zu schnuppern. Er löste sich ein Stück, aber nur so viel, dass er sich mit einem Auge umblicken konnte und schnupperte weiter.

Langsam drehte das scheue Waldtier sich um und sah Gabriel an. Alles schien sich in ihm zu spannen, als wollte der Kleine zum Sprung ansetzen - und jeder von den drei Anderen wusste, dass Yujo DAS auch drauf hatte.
Seine Finger umfingen noch immer Petzis Leiche und mit den Augen suchte Yujo, ob der Feind noch in der Nähe war und seinen Stock schwang.
Aber die Gefahr war wohl vorbei, was die Maus wieder mutiger werden ließ. Er rieb sich die Nase und schniefte.

Und genau dieses Schniefen und das leichte Blinzeln in die Richtung des Lockmittels, nämlich der Pommes, nahm Gabriel als Besserung der Situation auf und überwand sich sogar, das Fertigfutter anzufassen.
Beherzt zog er eines der Kartoffelstäbchen aus der Tüte und näherte sich mit dem Lockmittel in einer Hand langsam Yujo, näherte es etappenweise, den noch immer blinzelnden Augen und hielt die Nahrung in Nähe der Lippen.
Nun hieß es abwarten was die Wild- und Waldmaus tun würde.

Schnuppern. Schnuppern war immer gut - unterschied Freund und Feind.
Misstrauisch sah er zu Gabriel und auf den Pommes, presste erst mal die Lippen aufeinander und schob den Kopf ein ganz kleines bisschen dichter. Yujo schnupperte wieder. "Da ist gar keine Mayonnaise drauf", stellte er fest und griff sich das Stück frittierte Kartoffel aber trotzdem mit den Lippen.
Es schmeckte etwas fad und das Gefühl von Verlust, weil Petzi tot war, machte es auch nicht weg. Aber dass Gabe sich so viel Mühe gab, musste man auch honorieren. So grinste die Waldmaus leicht, kuschelte sich aber wieder dichter an Kawa. Noch war der Kampfrentner nicht außer Reichweite, sondern fütterte gerade die blöden Tauben auf dem Gehweg.

Da die Maus zur Fütterung bereit schien, aber anscheinend keinerlei Regung machte sich selbst zu füttern, zuckte Gabriel mit den Schultern und riss das Tütchen Mayo auf, träufelte davon etwas auf die Kartoffelstangen und begann diese wieder an das scheue, nun ein wenig beruhigte Tierchen zu verfüttern.
Kawa leistete auch weiter Beruhigungshilfe und strich seiner Maus langsam über den Rücken. Da die aggressive Oma aber noch in Sichtweite war, unterließ der Vampir es aber auch über den lockenden Po zu streichen und beschränkte sich auf Schultern, Rücken und wuschelte auch ab und an mal über die weichen Haare.

Langsam tastete sich das Tierchen weiter vor, weil Gabriel damit begann, die Hand mit der lockenden Speise immer weiter weg zu halten. Und er hatte nach dem vierten Pommes Erfolg, denn Yujo löste sich langsam und griff sich die Pommes, bevor Gabriel noch damit durchbrennen würde.
Bei dem jungen Mann wusste man nie - bis vor ein paar Monaten hätte Yujo noch Stein und Bein geschworen, dass Gabe nichts mit Männern anfängt, da standen die Chancen gut, dass der sich auch noch irgendwann zu seiner heimlichen Sucht nach Pommes bekannte.
Besser Maus war vorbereitet und wirkte dem entgegen.
"Danke", nuschelte der Kleine kauend, streckte der sie beobachtenden Oma die Zunge raus, unterließ es aber ihr zu sagen was sie ihn mal konnte und wo sie das mal durfte. Bei der wusste man nie, die kam und wollte das wirklich!