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Im Zoo Teil 5 bis 9

_5_

Gabriel, der die Pommes erfolgreich an den Mann oder auch Maus gebracht hatte, grinste leicht. "Aber bitte gern geschehen, YuYu.", wuschelte er dem Kleinen kurz durch die schon wild abstehenden Haare, da hatte wohl ein gewisser Vampir etwas zu wild angeflauscht, und stellte sich wieder neben seinen Vampir.
Er lehnte sich an Santos an und schlang einen Arm um dessen Taille, sah dabei zu, wie Kawa mit einem Taschentuch seine Jacke abrieb und grinste noch mehr, die freche Frage verkniff er sich gerade noch mal.
Viel lieber drehte er den Kopf ein wenig und neckte mit der Zungenspitze, unbemerkt von den Anderen, über Santos' Ohrläppchen. "Und wo gehen wir jetzt hin?"

"Eisbären!!", kam es aus einer Richtung, aus der Gabriel eigentlich nichts hatte hören wollen, weil der Kleine ja nun mit seinen Pommes hätte beschäftigt sein müssen. Aber die Maus war eben multitaskingfähig und so konnte er kauen und reden ohne sich zu verschlucken.
Kaum dass er seinen Wunsch kundgetan hatte kaute er auch schon wieder den nächsten Pommes und griff sich dann einen und tauchte ihn in die Mayonnaise.
Santos sah nur auf das kleine Wildtier, das stetig kaute, aber die Leiche des Ballons nicht losließ. Aber zu mindest heulte er nicht mehr, was ja schon mal ein Fortschritt und ein gutes Zeichen war.
Aber auf Eisbären hatte er wirklich keinen Bock.
"Schlangen!", schlug er vor und grinste, weil die Maus wie wild hustete.
Er wusste nämlich noch sehr gut, welch widerliche Tiere noch in dem Haus waren.

Das wusste auch Gabriel, der froh darüber war, dass Yujo nicht mehr heulte und seinen Schatz so einen gedämpften Pieks in die Seite gab. Eines wollte er nämlich so was von überhaupt nicht und zwar, dass der Kleine wieder zu heulen oder mosern anfing.
"Okay, Eisbären.", bestätigte er daher Yujos Wunsch und flüsterte leise zu seinem Vampir. "Immer brav durchhalten, Schatz, muss ich auch, die Belohnung gibt's am Abend.", versprach er leise flüsternd.
Schon vor zwei Tagen hatte Gabriel die Lieferung von seinem Obsthändler bekommen,
das bedeutete, er hatte sehr viele Leckereien zu hause und auch einige andere neue Sachen, die sein Vampir noch nicht kannte.

"Oh mein Süßer", murmelte Santos, der die verfressene Waldmaus dabei beobachtete, wie er seine Pommes mampfte, "das wird teuer, das kannst du gar nicht mehr gut machen, dass ich mir jetzt Eisbären ansehen gehe."
Yujo, der das sehr wohl gehört hatte, dass da jemand gegen Eisbären hetzte, blickte Santos eindringlich an.
"Was denn?", wollte der Vampir grinsend wissen. "Wenn du deine Eisbären hattest will ich meine Schlangen sehen - nur gerecht."
Gerecht vielleicht im Auge des Betrachters, aber nicht im Auge einer mit einem Gehstock geschändeten und seines Weckers fast beraubten, vor dem Kühlschrank fast gestorbenen und kein Eis bekommen habenden Maus!
Denn er knurrte gerade heiser und brachte Santos so zum Lachen.
Und auf diese Missachtung einer artengeschützten Maus konnte es nur eine wirkliche Reaktion geben.
"Kawa!!"

Der zog sein artengeschütztes Tierchen wieder an sich und grinste über Yujos Kopf hinweg Santos an. "Ganz ruhig, Schatz, wenn er die Schlangen sehen will gehen wir derweilen ins Schmetterlingshaus, das liegt gleich daneben.", streckte der Vampir dabei seinem Erschaffer die Zunge raus und grinste wieder frech.
"Punkt an dich.", murmelte Gabriel leise zu dem schwarzhaarigen Vampir und lehnte sich mehr an Santos an, schlüpfte mit den Fingern seine Hand unter dessen kurze Jacke und den Pullover, aufreizend langsam fing er an die bloße Haut zu streicheln.
"Ich glaub du hast verloren, Schatz."

"Ja - gegen eine kleine Quäckmaus", murmelte Santos. Aber wie das mit besagter Rasse an Mäusen so war, sie hatten gute Ohren und so streckte auch Yujo Santos die Zunge raus.
"Okay - viele bunte Schmetterlinge - aber keine Spinnen, die die schönen bunten Schmetterlinge fressen, oder?", vergewisserte sich Yujo und ließ nur langsam wieder Kawas Jacke los, der schon wieder mit wischen anfangen konnte. So eine alte Heulmaus.

Santos indes hatte die Maus schon vergessen und grinste, weil Gabriel grummelte.
Weil Santos nämlich so leicht fror hatte er sich ein Unterhemd unter den Pullover gezogen und das ließ nur an einer Stelle für Gabriels Finger Platz die bloße Haut zu kosen. Da hatte es Santos extra nicht in die Hose gesteckt, damit Gabriel sich mal an seinem Bauch die Finger wärmen kommen konnte, so die offizielle Version für das Protokoll.
"Fummelt zu hause", knurrte die Maus und faltete unter Schniefen Petzis Leiche zusammen, während er die letzten Pommes in den Mund schob.
"Aber vor den Schlangen kommt noch der Streichelzoo, die haben kleine Ziegen!"

Bei dieser offenen Drohung verkrampften sich Gabriels Finger und krallten sich in das warme Fleisch seines Vampirs, dass der erschrocken zusammen zuckte. Gabriel mochte keine Ziegen, die stanken und vor allem hatte er ein leichtes Trauma von diesen Viechern.
Als Kind hatte ihn mal eines dieser Biester bei einem Landausflug quer über den Rasen geschleudert, tja so was kann einen Menschen prägen.
"Ohhhh nein, ganz sicher nicht.", stellte er sich gleich stur und schüttelte wild den Kopf, schlang sich auch seine Hand, die die schützende Wärme von Santos' Haut verlassen hatte, gleich fester um dessen Mitte.

"Na du musst ja nicht mit rein gehen, Feigling", lachte Yujo leise und Santos zog derweil seinen traumatisierten Freund dichter zu sich.
"Was denn passiert, Süßer!", wollte er gewispert wissen und grinst dreckig. "Sind dir die Ziegen nachgestiegen, weil du so ein geiler Bock bist?", flüsterte er und schnaubte, weil die Maus gelauscht hatte und nun lauthals erklärte was er für perverse Freunde hätte, der eine wollte Eisbären poppen und der andere Ziegen!
"Angst eine Ex wieder zu sehen?", neckte Yujo und sprang dann beherzt und wissend drei Schritte zurück und Kawa auf den Arm.

Denn Gabriel schlug aus, traf Yujo nur knapp nicht und knurrte leise. "Vielleicht sollten wir uns die Spinnen ansehen, hmm?", knurrte er zur Maus und streckte Yujo die Zunge raus. Pah, selber ein Trauma vor Spinnen und ihn auslachen.
Ja ging's denn noch????
Sanft biss er Santos dann in den Hals und wisperte, so dass es nur der hören konnte. "Der einzige geile Bock, der mir nachgestiegen ist, ist ein gewisser Vampir und bei dem macht es mir nicht mal was aus.", grinste Gabriel dabei leicht und schmiegte sich an Santos an, verbarg sein Gesicht in dessen Halsbeuge.
"Aber ich schieb lieber hier und jetzt ne Stehnummer, als dass ich mit Yujo zum Streichelzoo gehe.", leckte Gabriel dabei wieder leicht über Santos' Haut und versuchte den so zu überreden, dass er nicht mit dem Kleinen mit musste.

Zwar war ein gewisser, als geiler Bock betitelter Vampir von den Streicheleinheiten und dem Angebot mehr als angetan, aber dass er nur ein Ausweich war, weil die Maus in den Streichelzoo wollte und Gabe nicht, machte ihn doch etwas stutzig.
"So so", flüsterte er deswegen und strich Gabriel durch die Haare, funkelte das kleine Gör an, das mit einem Zetsuai-Manga blöde grinsend mit einem Fotoapparat auf sie zukam.
Yaoi-Fans waren doch echt was Grausames!

Yujo hing immer noch auf Kawas Arm und versuchte den zu überzeugen, dass sie heute um die Spinnen einen ganz, ganz großen Bogen machen würden und ließ so lange nicht locker, bis er eine positive Antwort bekam.
Erst dann blickte er sich zu Santos um, der wohl gerade kurz davor war den Quickie im Stehen zu akzeptieren. Vorausgesetzt er müsste nicht bei der Kälte die Hose runterlassen sondern Gabriel. Und das sagte er ihm auch - unter Belauschung der Waldmaus, der immer noch darauf beharrte, dass es endlich mal losging, dass er Eisbären gucken und Ziegen flauschen wollte und kleine Schweine füttern, weil die großen hätten ja schon Kaffee gehabt.
Er lachte wieder, war aber nun in einer misslichen Lage, denn Kawa hielt ihn fest während Gabe ihn anfunkelte.

Der überlegte grad sehr gut ob er die Maus mal kurz würgen sollte und was das für Folgen hätte, doch da sich eine von Santos' Händen in sein Kreuz verirrt hatten und jetzt suchend über die Haut strich, blieb er doch lieber stehen und ignorierte die Blödmaus.
Sollte der Kleine doch mit Kawa in den Streichelzoo gehen, er und sein Vampir würden schon was finden, um sich zu beschäftigen, das murmelte er auch leise zu besagtem Vampir und drückte sich leicht den kühlen Fingern entgegen, die über seine Wirbelsäule strichen.
Kawa hielt derweilen seine Maus weiter fest. "Na wollen wir nicht langsam wo hingehen, sonst machen die zu bevor wir auch nur eins der Tiere gesehen haben.", stellte er fragend in die Runde und grinste, als auch gleich ein Quietschen von seinem Schatz ertönte.

"Wah. Los", forderte er und wedelte mit den Händen, wurde, ob seiner Hampelei, irgendwann wieder von Kawa auf den Boden gesetzt und fing nun gleich an den hinter sich her zu schleifen.
Freilich mussten Gabriel und Santos mehrfach gerufen werden, ignorierten die tobende Maus bis der beherzt Kawas Hand losließ und wieder zurück eilte, die beiden anfing zu schieben. "Los doch Kinder, die machen zu und ich war noch nicht im Streichelzoo!"
Er schob und drängelte, aber das konnte er lange tun wenn sich beide einfach gegen ihn stemmten und Yujo ordentlich ins Schwitzen aber nicht von der Stelle kam.
"Kawa!"

Santos und Gabriel sahen sich beide an und grinsten, spukte ihnen wohl die gleiche Idee im Kopf doch Gabriel schüttelte leicht den Kopf. Nein, das gäbe ein zu großes Geschrei, auch wenn es zu verlockend war einfach ein paar Schritte nach vorne zu gehen während sich Yujo gegen sie stemmte.
Aber er hatte keine Lust den Kleinen schon wieder heulen zu sehen.
"Okay, Streichelzoo.", murmelte er zu Santos, setzte aber, so leise, dass Yujo es nicht hören konnte, noch ein "Dafür will ich dich heut Abend", dazu und grinste dreckig.

"Als ob ich dazu je nein gesagt hätte, selbst wenn du zu spät zur Uni gekommen bist, oder?", wisperte Santos leise und konnte nicht widerstehen Gabriels Gesicht mit seinen Lippen zu streifen. Allerdings verlagerte er so seinen Schwerpunkt - und eines ergab das andere. Yujo rutschte von der Jacke ab und raste an ihnen vorbei gen Boden, dass nur Santos' Reflexe den Jungen vor einem wirklich schmerzlichen Sturz hatte bewahren können.
"Okay - Nervmaus, du hast gewonnen - aber für dieses Opfer, was wir hier bringen, hast du eine Woche Poolverbot!"

Yujo schluckte hart. "Was?", flüsterte er leise, weil er sich an sein Wochenende bei Santos schon gewöhnt hatte. Er durfte immer zum Planschen kommen, weil er ausnahmsweise auch mal brav im Keller im Pool blieb und nicht im Haus spannen kam.
Und jetzt wurde er bestraft? Wusste nicht mal warum?
Die Augen füllten sich langsam mit Wasser und die Lippen zitterten. "Echt?"
Zu spät bemerkte Santos was er da gesagt hatte, hatte ja nur einen Scherz machen wollen - aber irgendwie war der Kleine heute nicht zu Scherzen aufgelegt, sondern nur im Heul-Quengel-Modus.
"War nur n Witz!", wehrte er ab, aber da war es zu spät.

Die großen, grünen Augen wurden langsam immer feuchter, drängten sich die klaren Perlen in den schimmernden Augen bis die ersten abstürzten und über Yujos Wangen herab rollten, die sich röteten, als der Junge zu schluchzen anfing und immer mehr salzige Tränen aus den Augen rollten.
Gabriel sah zu seinem Vampir und verdrehte die Augen. Das hatte noch gefehlt.
Gabriel zog Yujo zu sich und knuddelte den Jungen, bis Kawa, von den Lauten angelockt, auch wieder zu ihnen trat und ihm Yujo abnahm. Heute war sein Schatz aber wirklich nah am Wasser gebaut.
"Maus, ganz ruhig.", flüsterte er leise und kraulte langsam über den weichen Haaransatz im Nacken des Kleinen.

"Warum ärgern mich heute alle", schluchzte die Maus und war sich sicher, dass DAS keine artgerechte Maushaltung war. Jeder machte ihm heute nur Ärger!
Santos konnte nicht anders als grinsen. Am liebsten hätte er sich die Hand vor den Kopf geschlagen, wenn er nicht genau gewusst hätte, dass die Maus dann noch viel lauter geplärrt hätte und wieder sämtliche neugierige Passanten sich umgesehen hätten, um mitzuerleben, wie eine Maus misshandelt wurde.

"Es. War. Ein. Scherz.", wiederholte er langsam und Yujo schniefte noch immer. Normalerweise war er ja nicht so extrem quirlig, aber heute kam irgendwie alles knall auf fall und sein Luftballon war auch tot - und sowieso und überhaupt war das heute ein voll blöder Tag.
Die Welt gegen die Maus!
In Überlänge!
"Keiner hat mich lieb."
Und nun kam zur Verzweiflung aller auch noch der Selbstmitleidstrip. Den bekam Yujo zwar selten - aber wenn, dann richtig!

Tja, wenn die Phase rauskam war es am besten, wenn Kawa seine Maus ins Bett packte und ihn langsam und quälend auf andere Gedanken brachte und k.o. gehen ließ, doch irgendwie hatte der Vampir die Empfindung, dass Yujo von dieser Idee im Augenblick nicht so angetan wäre.
Und darum seufzte er nur unterdrückt und fuhr fort seine Maus zu kraulen und über den Rücken zu streichen, irgendwann würde sich Yujo schon wieder beruhigen.
"Das stimmt nicht und das weißt du Schatz.", flüsterte Kawa in das gerötete Ohr und leckte liebevoll darüber. Es wäre wohl wirklich besser wenn er sein Maus nach hause brächte, aber dann würde das Geschrei wohl erst wirklich losgehen.

Yujo kam sich ja selber albern vor, aber irgendwie war der Tag heute echt scheiße gelaufen. Er schniefte leise und beruhigte sich nur langsam.
Kein Eis - kein Ballon - und wenn er noch eine Weile trödelte nicht mal ein Eisbär und keine kleinen Schweinchen im Streichelzoo.
Tapfer wischte sich die Maus die Tränen weg und biss von innen gegen seine zusammengepressten Lippen. Er versuchte das Schniefen zu unterbinden und guckte Kawa an, nickte nur und küsste ihn kurz.
"Weiß ich", nuschelte er und deutete mit der Hand in Richtung Tiere. Fragend sah er sich um - der Rest sah ziemlich genervt aus, so dass Yujo nur noch den Kopf einzog. Wenn er nicht wollte, dass seine Freunde ihn da ließen, sollte er sich wohl langsam mal zusammenreißen.

"Na eben.", flüsterte Kawa und zog Yujo wieder zu sich, hob den Jungen hoch und erbeutete kurz und weich die roten Lippen. "Liebe dich.", flüsterte er an die weiche Haut und ließ seine Maus dann wieder runter, klapste ihm kurz auf den Po.
"Also los, auf zu den Eisbären."

"Au ja - Eisbären," murmelte Yujo leise und ging, dicht an Kawa gekuschelt, los. Immer schön Abstand haltend zu den beiden Anderen, die gern mal nach einer armen, kleinen Maus schlugen. Ja, so schlecht hatte es die kleine Maus - missverstanden und belacht.
Es ging ca. 5 Minuten gut. Sie gingen über einen feinen Kiesweg und kamen an den ersten Gehegen vorbei, in denen jede Menge kuhähnliche Tiere rumstanden und die Besucher anguckten als wollten sie sagen: Sind wir hier im Zoo?
Aber Yujo hatte dafür nicht wirklich ein Auge. Es waren eben keine Eisbären. Okay, ein paar von den Zebus waren schön weiß - aber nicht so plüschig und die Nase war auch keine Eisbärennase und sowieso und überhaupt - es waren eben keine Eisbären.
Eilig zog er Kawa weiter zu einer Schautafel, die die verschiedenen Gehege und ihre Lage zeigte.




_6_

Schnell hatten sie entdeckt, dass das Eisbärengehege am anderen Ende des Zoos und somit bei dem riesigen Areal gute zehn Minuten weg war, die wollten erst mal zu Fuß gegangen werden.
Das konnte ein Todesmarsch sein wenn man eine kleine Maus war und vor allem, wenn man unbedingt jetzt Eisbären sehen wollte und nicht erst in zehn Minuten, sondern jetzt, hier auf der Stelle. Kawa sah, dass seine Maus mit großen Augen auf die Wegbeschreibung guckte und wohl nicht sehr erfreut war, dass seine flauschigen Eisbären nicht gleich ums Eck waren.

Yujo blickte auf, sah erst Kawa an - dann Santos. "Und ihr seid sicher, dass ihr als Vampire nicht fliegen könnt?", hakte er noch einmal nach und hörte Santos zischen.
"War ja nur ne Frage", wehrte Yujo gleich ab und wusste, dass er wohl um den Fußmarsch nicht drum herum kam. In anderen Zoos gab es kleine Parkeisenbahnen, die die Kinder zu den weit entfernten Gehegen brachte, was Yujo zwei Fragen aufwarf:
1. wo war die Eisenbahn wenn man sie mal brauchte?
2. warum war er kein kleines Kind mehr?
"Habt ihr schon mal versucht zu fliegen?" Irgendwie wollte er noch nicht aufgeben - Mausfüße waren nämlich sehr empfindlich und mussten geschont werden!

Gabriel zog fragend eine der schön geschwungenen Brauen hoch und grinste als er endlich auch einen Blick auf die Tafel warf und sah warum Yujo grad solch, nun ja, sagen wir mal, abstruse Ideen verfolgte.
Der Kleine war mal wieder zu faul zum Laufen.
"Och, na ja, YuYu, er könnte dich schon zum Fliegen bringen, auf die eine oder andere Weise.", grinste der Große dabei dreckig und zwinkerte seinen Vampir an. "Aber die eine Art würde dir nicht gefallen und die Andere erlaub ich nicht.", legte Gabriel dabei eine Hand besitzergreifend um den Weißhaarigen und koste über den bloßen Nacken, hatte sein Vampir die Haar wieder mal zusammen gemacht.

"Bää", da wackelte die kleine Mauszunge und Yujo schmollte. Na verscheißern musste er sich ja nun nicht lassen!
"Du bist so ein verdorbener Perverser, hat dir das schon mal einer gesagt?", legte Yujo fest und flauschte sich dichter an Kawa, der nur grinsend mit ansah, wie die Waldmaus versuchte sich um das Laufen zu drücken.
Sonst hatte der Junge Ausdauer bis zum Morgen, aber laufen mochte die Maus gar nicht, wie auch, wenn man mit drei großen Kerlen unterwegs war und selber nur so kurze Beine hatte. Klar, dass Mausfüße da schnell müde wurden. Aber das verstand ja keiner von den mausfeindlichen Kerlen.
Er griff sich Kawas Arme und fing an mit denen zu flattern.

Das war mal ein herrliches Bild, die bunte Maus flatterte mit Kawas Armen als wenn der so abheben würde. Gabriel grinste und lachte dann warm auf, fast hing er ein wenig an Santos und der grinste ebenfalls amüsiert.
"Okay okay", entzog Kawa seine Arme Yujo und schlang sie stattdessen um die schmale Taille des Jungen und hob ihn hoch, legte sich seine Maus über die Schulter und lachte nur, als der zu zetern anfing.
"Ich dachte du willst nicht laufen, Schatz?"

"Mö." Noch immer zappelte die ihrer Freiheit beraubte Maus mit den Beinen, die Jacke rutschte über den Rücken und nun sah er nichts mehr, hörte es nur klirren und klimpern und plumpsen und dann waren seine Taschen leer und Kawa stand bis zu den Knien in Krimskrams.
"Wah - Kawa!" Yujo strampelte wie wild. "Meine ganzen Sachen - meine Strippe und meine Kaugummis. Und guck mal, mein Lippenbalsam ist auch runter gefallen. Und mein Ausweis liegt im Dreck. Kawaaaaa!"
Santos zog eine Augenbraue hoch und zog Gabriel dichter. "Der Kleine schleppt ja seinen halben Haushalt mit", erklärte er, als er unter den Sachen auch eine Flasche Wasser und eine Packung Kekse sah. So eine verfressene Maus. Wo fraß der Kleine das nur hin?

Tja, als Fett legte er das sicher nicht an, was ein Blick auf den schmalen Rücken bestätigte, zeichneten sich doch die Wirbel unter der feinen Haut leicht ab. Die Maus war eindeutig nicht fett, eher das Gegenteil.
"Wir sollten froh sein, dass er keinen Rucksack mit hat, mit dem Ding könnte er zwei Wochen abhauen, ohne dass er was vermisst.", bestätigte Gabriel und grollte weich in der Kehle, schmiegte sich ein wenig mehr an Santos an und sah zu wie Kawa seine Maus wieder absetzte und der gleich um den Vampir herumwuselte und sein Zeug wieder einklaubte.
Jedes Mal wenn der Kleine was entdeckte quietschte er freudig auf oder fluchte, wenn der Gegenstand dreckig geworden war.
"Irgendwie niedlich die Beiden.", überlegte Gabriel und lehnte seinen Kopf an Santos' Schulter an, der hatte praktischerweise seine hohen Platoschuhe an, sodass sie gleich groß waren.

"Kannst sie ja adoptieren, aber der Kleine schläft NICHT in unserem Bett!", legte Santos fest und lachte, während Gabriel ein paar Augenblicke brauchte zu verstehen, was der gerade gesagt hatte.
Yujo indes suchte, wühlte, schob Kawa zur Seite und ließ sich dann mal ein Taschentuch reichen, mit dem er seine Beute und Habseligkeiten wieder reinigte. Dann ging das eigentliche Problem los: wo gehörte was hin? Es gab da eine spezielle, nur für Mäuse verständliche Ordnung, warum die Wasserflasche in der rechten und nicht in der linken Tasche zu sein hatte und warum der Ausweis nicht im Portemonnaie sondern in der Hosentasche gebunkert wurde, gleich neben drei Stangen Kaugummi.
Nach gut drei Minuten war die Maus fertig mit kramen und wühlen und rückte sich die Jacke wieder zurecht, funkelte Kawa an, der immer noch grinste.
"Frechheit."

Unschuldig sah sich der Vampir um und blickte dann fragend auf Yujo herab. "Was denn? Du wolltest doch nicht laufen.", hob er dabei auch die Handflächen leicht nach oben und bot so einen Anblick völliger Verwirrtheit und Unschuld, wenn es ihm halt nur wer abnehmen würde.
Gabriel kicherte als er den dunkelhaarigen Vampir so sah und neigte sich zu Santos' Ohr. "Das hat er von dir, du kannst das nämlich auch so gut.", legte Gabriel fest und neckte über das Ohrläppchen.

"Ja, ganz der Papa", lachte Santos leise und die Maus stimmte mit ein. Nur Kawa stand etwas überfahren in der Gegend herum.
Gabriel kicherte auch und sah zu, wie Kawa verwirrt blinzelte und langsam verzog der seinen Mund zu einer Schnute und funkelte Gabriel und Santos an. "Pfff.", ließ er verlauten und schnappte sich seinen Nager.

Yujo wusste erst gar nicht wie ihm geschah als er plötzlich in Bewegung gesetzt wurde. So stolperte er erst einmal über seine eigenen Füße und fing an zu mosern. Aber er konnte nicht aufhören zu lachen. "Ja ja, ganz der Papa", lachte er immer wieder und zupfte Kawa am Ohr, während der die vorlaute Maus mit sich zog und hinter sich Santos und Gabriel lachen hörte.

"Verleumdung.", moserte Kawa und hob dabei Yujo fast hoch, weil er schneller ging und sein Schatz nicht mitkam. Dann drehte er sich mit Maus im Arm zu Santos um und streckte dem die Zunge raus.
"Von wegen, bää."

"Also DAS hat er nicht von mir, dass das mal klar ist", erklärte Santos, der dem ungleichen Paar samt seinem Schatz nachgeeilt war. Er lachte noch immer. Selten hatte sich Kawa über Belanglosigkeiten so aufgeregt wie darüber.
Aber irgendwie machte es auch Spaß, ihn zu ärgern und das hatte auch Yujo rausgefunden, kicherte noch immer albern und machte sicherheitshalber seine Taschen so weit es ging zu.
"Soll man so böse zu seinem Papa sein. Hm?", wollte er im Kleinkind-Modus wissen und lachte wieder los. Keiner konnte so süß gucken wie Kawa, wenn er gleichzeitig wütend und verwirrt war.

Kawa beugte sich augenblicklich zu Yujo herab und funkelte ihn an. "Ich glaub du würdest mich schon schützen vor meinem... Erzeuger,... weil ich glaub du hättest wohl was dagegen, wenn er mich übers Knie legt und sich an meinem Po vergreift, ne?", zwinkerte Kawa der verdutzten Maus zu und knurrte die hinteren Ränge an, die wieder lachten.

"Na ja - also", Yujo fing an zu überlegen, überlegte hin, überlegte her, "wenn er dir mal den Hintern versohlt, dass er weh tut, hätt ich nichts gegen. Dann weißt du mal wie sich eine arme, kleine Maus am Morgen fühlt, die nicht sitzen kann - die nicht ... is ja auch egal. Ich jedenfalls hätte da nichts gegen", stellte Yujo klar und lachte weiter, sah aber zu, dass er in Sicherheit flitzte, was bedeutete - hinter Santos.

"Da ist mir die Unsicherheit zu groß, dass er den nicht nur versohlt.", grinste Kawa Santos frech an und zwinkerte. Er konnte sich noch zu gut an diesen einen Tag erinnern, als er seine Maus gesucht hatte und ihn bei Santos fand.
"Und dagegen hätten wir dann alle vier was.", flüsterte er leise und setzte Yujo nach, jagte den Jungen über die Wiese, da Santos zu Gabriel getreten war und so keinen Schutz mehr bot.

"Hey, Kawa, keine Sorge, ich weiß mich zu beherrschen." Santos zog Gabriel dichter zu sich und grinste nur, weil die Maus lachend flüchtete und immer wider betonte, dass Santos das ja nicht tun würde, weil er dann Bettverbot von seinem Gabe bekäme.
Es war ein Bild für die Götter wie der Junge über die Wiese flitzte und Haken schlug wie ein Kaninchen. Für eine Maus war Yujo ganz schön schnell, bis er sich vor Lachen verschluckte und strauchelte.

Die Maus flog und hatte noch mal Glück, weil sein Freund der Vampir noch schneller war und Kawa sich einfach vor ihn stellte und Yujo so in seine Arme fiel.
Legte der sich seine Beute auch gleich über ein Knie und strich zuerst nur mal über den kleinen Po bevor er probehalber draufklappste. "Hey, das sieht lecker aus so.", hauchte Kawa dunkel und leckte sich, für Yujo gut sichtbar, über die Lippen.

"Perverser Mäuseschänder", murmelte der Kleine, spitzte aber die Lippen. Er strampelte noch ein bisschen rum und tat als würde er sich wehren. Aber nicht wirklich.
Ein wenig wackelte nun der kleine Po hin und her und so rutschte der Schritt über Kawas Knie und die Maus stöhnte leise, versuchte sich aber tapfer hoch zu kämpfen, weil er ja unbedingt jetzt Eisbären sehen wollte!

"Als wenn die Maus was dagegen hätte.", lachte Kawa und half seinem Schatz auf, der noch immer über seinem Knie hing und sich wohl grad eine Beule schubberte, so wie sich die Wangen röteten.
Jammi, seine Maus roch einfach zu lecker, wenn er leicht erregt war. Der Vampir biss sich auf die Zunge und zog Yujo zu sich, verstrickte ihn in einen wilden und kurzen Kuss.

"Wie süß, eine Maus bei seinem natürlichen Paarungsverhalten", lachte Santos und wurde von Gabriel aufgeklärt, dass das alles andere als natürlich wäre, denn dann wäre die Maus nackt.
Das wollten sie dann beide nicht und schlichen sich an das schüchterne Tierchen ran, beobachteten es weiter bei seinem Balzverhalten mit seinem Partner und Gabriel fing an wie ein Dokumentarfilm-Reporter zu berichten, was sie sahen.
Santos versuchte nicht zu lachen und die Maus versuchte nicht geil zu werden.
Beide scheiterten kläglich.

Denn die Maus roch immer leckerer und Kawa musste sich zusammenreißen seinen Schatz nicht gleich hier und jetzt und gleich auf die Wiese zu nageln und Santos kicherte zuerst für ihn völlig unüblich und lachte dann so ansteckend los, dass Gabriel gleich mit einfiel und sich die Beiden aneinander festhielten, um vor lauter Lachen nicht umzufallen.
Davon bekam Kawa aber so was von überhaupt nichts mit, denn der erforschte weiter Yujos Mund, knabberte über die weiche Unterlippe und versuchte gleichzeitig mal seine Libido im Zaum zu halten, weil die grad sehr viele, sehr dreckige und sehr erregende Ideen kundtat.
Und allesamt waren die nicht jugendfrei oder Zoo geeignet.

"Kawa - gib's auf, von dem bekommst du keinen Nachwuchs", lachte Santos und wischte sich die Tränen weg. "Dann musst du dir schon eine Maus aus dem Zuchtprogramm holen."
Der ältere Vampir konnte nicht anders als sich auf den Zaun der Grünanlage zu setzen und sich den Bauch zu halten, denn die Maus, der wohl langsam begriffen hatte wo er hier waren und auch die Passanten sah, die entsetzt die Köpfe schüttelten, zappelte wie angeschossen herum, rieb sich so noch intensiver und stöhnte heiser auf.

"Kawa, du alter Schwerenöter, hier gucken Minderjährige zu." Santos sah auf den kleinen Jungen neben sich und auf die Mutter, die panisch ihren Sohn einsammelte.
"Und wenn die Maus wegen Sex auf die Eisbären verzichten muss, hast du heute Nacht schlechte Karten, mein Lieber, denk mal ein paar Stunden weiter. Is nur n gut gemeinter Hinweis."
Und Yujo zappelte wilder.

Kawa lockerte den Griff um seine Maus und der konnte ihm entschlüpfen. Genießend leckte sich der Vampir die Lippen und richtete sich langsam auf, sah mit noch immer sehr hellen Augen, die verhangen schimmerten, zu, wie Yujo sich die Jacke zurecht zog und zu Gabriel flitzte, der als einziger normal herumstand.
Gabriel nämlich sah zu, wie Santos sich noch immer kugelte und zwischendurch zu Kawa linste, der sich nur langsam wieder fing. "Yujo, du solltest ihn vielleicht nicht so weit treiben, sonst wirst du wirklich noch mal in der Öffentlichkeit vernascht.", meinte er ruhig zu seinem kleinen Freund.

"Ja klar, wieder ist die arme Maus schuld. Ich hab doch voll gar nichts gemacht", moserte der gleich und zog sich demonstrativ den Reißverschluss seiner Jacke höher, egal ob der schon zu war oder nicht, jetzt war er es auf jeden Fall.
Santos beruhigte sich nur langsam, weil Kawa seine Maus nachäffte wie der sich aufregte und alle abstritt und das bekam dann auch Yujo mit und wandte sich um.
"Eisbären", forderte der Kleine mit verschränkten Armen und grummelte die beiden Vampire an.

Kawa sah zu Santos und zuckte mit den Schultern. "Okay." Nur zu gut wusste er, dass er um die Viecher nicht rum kam ohne seine Abendaktivität zu gefährden und das wollte Kawa auf keinen Fall.
So schlenderte Gabriel zu seinem Vampir, fing sich den ein und hakte sich bei Santos unter, gingen schon mal voraus, die KINDER würden sicher nachkommen.




_7_

Und das taten sie auch. Kawa hatte sich wieder seine Maus gegriffen, der erst noch etwas moserte und murmelte und das nicht toll fand, dass selbst sein eigener Freund ihm in den Rücken fiel. Nur gut, dass er eine lange Jacke an hatte, so dass keiner wirklich sah was der Fiesling angerichtet hatte. Aber es war recht kalt, so konnte man darauf hoffen, dass der Mausekörper sich das schnell aus dem Kopf schlug.
"Mach nur so weiter, du schläfst heute Nacht alleine und ich auf der Couch. Ich werde frieren und leiden, mir den Rücken verliegen und du wirst ein schlechtes Gewissen haben, hoffe ich", erklärte die Waldmaus und quietschte, als ein gewisses Gehege in Sicht kam.

Kawa grinste prompt und seine Augen funkelten. "Oi, dann kann ich dich massieren und aufwärmen und anknabbern und langsam - ganz ganz langsam - zum Kommen bringen und dann wieder massieren und wieder und wieder...", sein Grinsen wurde dabei mehr als dreckig.
Erinnerte sich der Vampir nur zu gut an den einen Abend vor dem endgültigen Zusammentreffen mit Damion - sie waren kaputt gewesen aber sehr zufrieden.

So schön Kawas Ausführung auch gewesen war - Yujo hatte nicht ein Wort mitbekommen. Mit Herzchen in den Augen machte er sich von seinem Freund los und sprintete im Rennmausstil durch die Gegend, schlängelte sich durch eine Gruppe Kinder und ein Eis ging zu Boden. Was fraß das Gör auch Eis, während Yujo hatte verzichten müssen.
Das Geplärre überging er und landete mit einem letzen Sprung zielgenau vor dem Gehege, wo gerade eines der weißen Tiere ins Wasser sprang und ordentlich Welle machte.
Maus im Glück ...
"Süüüüüüüß", quietschte die Maus und grinste wie auf LSD.

Und sein versetzter Vampir schüttelte den Kopf, seufzte leise und moserte in seinen nicht vorhandenen Bart, schloss schlussendlich zu Gabriel und Santos auf und besah sich die Beiden von der Seite.
Einträchtig liefen die Großen nebeneinander, ignorierten lästige Kinder und grinsten nur kurz als sie das Quietschen der Maus orteten und zuordnen konnten.

"Oh Mann, wie wenig es doch bedarf, um eine Maus zu beglücken. Ein bisschen weißer Plüsch und ein bisschen voll spritzen und schon isser happy." Santos sah sich zu seinem Zögling um und grinste den breit an. "Blöd wenn man nicht mithalten kann, hm?"
Und Yujo?
Yujo stand so dicht am Geländer wie es nur ging und guckte ins Wasser, wo die Bären tauchten und schwammen.

Besagter Zögling fauchte Santos nur mit dunkel leuchtenden Augen an und sah dann wieder zu, wie sein Schatz quietschte und hopste und wie doof auf und ab wippte, wenn der Bär im Wasser hin und her schwamm.
Gabriel piekte Santos in die Seite. "Ärger ihn nicht auch noch.", murmelte er leise und zog seinen Arm fester um Santos' Taille.

"Oh lass mich doch, wann komm ich denn mal dazu Kawa zu ärgern. Der ist doch sonst über alles erhaben. Aber wenn er gegen einen Eisbären abstinkt und sein Kleiner ihn gar nicht mehr sieht oder ranlässt, DAS ist witzig und da möchte ich auch lachen", erklärte Santos leise, wusste aber, dass Kawa sehr wohl mitgehört hatte.
Santos beobachtete einfach die Maus, der fast auf der Brüstung stand und die Bären anfeuerte zu tauchen. Eine seltsame Maus!

Ähnliche Überlegungen tat wohl Gabriel auch, denn der runzelte die Stirn und schüttelte leicht den Kopf. "Und dann beschwert er sich wieder, wenn wir ihn wie ein Kind behandeln." Irgendwie verstand er Yujo nicht ganz.
Nein nicht wirklich.

Santos piekste seinem Schatz in die Seite. "Ich kann mich da an einen gewissen fünfundzwanzigjährigen Bauingenieursanwärter erinnern, der sich ähnlich aufgeführt hat als ihm eine Erdbeere in den Whirlpool gefallen war und sie durch die Blubberblasen im Wasser tanzte. Schatz" Er küsste Gabriel, der ganz langsam Farbe annahm, "du bist bei gewissen Dingen nicht einen Deut besser als er. Nur niedlicher."
Nur gut, dass das die Maus nicht gehört hatte, dass etwas niedlicher war als er selber - so was gab es nämlich nicht!

Gabriel lachte und grinste frech. "Hast Recht, Punkt an dich, Santos, aber du musst zugeben, ich hab die Erdbeere noch verwerten können." Damals hatte er das Ding rausgefischt und wieder mal Santos geärgert, indem er ihm die Frucht wo hinstreckte, wo sie nicht hin gehörte und dann wieder runterknabberte.
Okay, die Erdebeere hatte etwas verwässert geschmeckt, aber der Effekt war ja wohl der gleiche, nämlich ein stöhnender und sich windender Santos.

"Mir macht die Assoziation gerade etwas Angst, die mich deine Worte zwischen dir und Yujo ziehen lassen", kicherte Santos leise und brachte sich schon einen Meter in Sicherheit.
"Willst du mir sagen, Yujo soll den Eisbär - wie du den Erdbeer - aus dem Wasser fischen, Kawa auf den Schwanz stecken und runter knabbern? Ich glaube da dürften sie ordentliche Probleme mit dem Tierschutzbund bekommen - Eisbären dürfen weder missbraucht noch angefressen werden."
Und nun fing Santos wirklich an zu lachen und nahm vor Gabriel Reißaus.
Und Yujo klatschte, weil ein anderer Eisbär ins Wasser gesprungen war - ohne Worte.

Gabriel lachte auch und jagte Santos nach, dass Kawa nur eine Braue hob und wieder seine Maus beobachtete. Über ihn und Yujo mosern und selber nicht besser sein.
Also wirklich.

Eigentlich war es wohl richtig schade, dass Yujo von dem Ganzen nichts mitbekam und nichts zu lästern hatte. Aber er war so fasziniert von seinen Eisbären, da stank Santos samt seinem Schatz dagegen völlig ab.
Während Yujo immer größere Augen bekam und quietschte und jauchzte als gelte es beglückt zu werden, jagten sich Santos und Gabriel wie kleine Teenager.
War denn Kawa der einzig Vernünftige hier?

Das fragte sich der auch gerade und trat neben Yujo an das Eisbärengehege, lehnte sich aber mit den Schultern gegen die Glasabsperrung und sah abwechselnd zu seiner Maus, der ihn nicht mal bemerkte und zu den beiden Zwei-Meter-Männern, die sich über das Grün jagten.
Eine Welt voller Irrer und er mitten drin.

Aber er hatte es ja so gewollt. Er hatte heute Morgen den Wecker misshandelt und er hatte Gabriel einen Schlüssel zu seinem Loft gegeben - er war also nicht in der Position sich zu beschweren.
Zu mindest würde ihm Santos das sagen, wenn er nicht gerade vor einem lachenden Gabriel davonlaufen würde.

Yujo indes stand noch immer da und schaute - die Augen groß und leuchtend. Er konnte von den putzigen Tieren nie genug bekommen. Das wusste Gabriel schon, der bereits ein paar Mal den Fehler gemacht hatte mit Yujo in den Zoo zu gehen. Meistens damit der Junge zeichnen konnte, aber im Endeffekt hatte der nur Stunden in der gleichen Position und vor dem gleichen Käfig verbracht.
Nur gut, dass Kawa das noch nicht wusste.

Denn der wäre sonst in der Zeit auf einen Kaffee oder sonst was gegangen und hätte nicht die Zeit damit verbracht zu warten, dass Yujo aus seiner Starre erwacht und wieder halbwegs normal wurde.
Gabriel, der schon wusste, dass ein Zoobesuch in Yujos Augen hieß mindestens zwei Stunden vor den Eisbären stehen und gucken und dann fröhlich grinsend auf ein Eis gehen, überlegte mit Santos, der ihn vorher, als das Fangen gewechselt hatte, erwischt und festgehaltne hatte, gerade ob sie nicht in das Zoorestaurant gehen sollten, um dort was zu essen oder sich die Zeit zu vertreiben.

"Und den Kleinen lassen wir einfach hier? Was machen wir, wenn er in seinem Wahn über die Brüstung klettert? Da hinten ist keine Glasverkleidung, nur Zaun", wies Santos auf eine Stelle gleich neben Yujo - der auch immer um das Glas herum schielte.
"Die Viecher fressen ihn, egal wie niedlich er sie findet. Irgendwie mach ich mir schon Sorgen - so habe ich den echt noch nicht erlebt."
Noch immer sah Santos zu Yujo.
Nicht dass er nicht auch Lust auf einen zweiten Kaffee gehabt hätte und ein Eis mit Kirschen und Sahne, aber wiederkommen und Maus gefressen war echt keine Option.

Gabriel kicherte und lenkte Santos' Blicke zu sich. "Glaubst du Kawa läst seine Maus zu den Teddys krabbeln?", zog er dabei eine der schön geschwungenen Brauen hoch und lachte leicht, als Santos wohl wirklich die Chancen berechnete das Kawa seine Maus den Eisbären vorsetzte.

"Ja", ergab seine Rechnung. "Wenn die Maus DEN Blick anwendet, dem kann Kawa doch nicht widerstehen, da kann ja selbst ich nur selten nein sagen", resümierte der Vampir und sah erneut zu Yujo, der wieder über der Brüstung hing und wohl einem der Bären winkte. Warum auch immer?!
"Der hat meinen Zögling doch regelrecht hypnotisiert, das macht ihr Menschen so", lachte er leise und zog Gabriel dichter zu sich.

"HMMM", grübelte Gabriel und zwickte Santos für seine Bemerkung frech mit den Lippen in den Hals. "Dann sollten wir doch dableiben, denn wenn Kawa merkt, dass die Maus weg ist, springt er nach und ich will nicht wissen ob Vampire für Bären essbar sind, geschweige denn, ob die Maus den Tieren bekommt." Leicht wand sich Gabriel in Santos' Griff und lehnte sich mit dem Rücken an dessen Brust, konnten sie nun beide die Anderen im Auge behalten ohne sich den Nacken zu verreißen.

"Stimmt." Santos schnuffelte mit der Nase durch Gabriels Nackenhaare und pustete leicht, dass der Mensch in seinen Armen erschauerte. "Stell dir vor, dem Bär wird von der verrückten Maus kotzübel und verreckt. Dann müssen wir den toten Bären bezahlen, weil wir den mit verrückten Mäusen und Vampiren gefüttert haben. Lieber nicht, das sprengt meine Finanzen", lachte er leise und sah weiter zu.
Yujo hing nun wieder weit zurückgebeugt am Zaun und starrte in den Himmel, schien als singe er und wippte im Rhythmus. Ja, tatsächlich - Santos konnte es hören, das Lied von Teddybär.
Na wenn die Viecher das nicht Amok laufen ließ? Was dann?

Gabriel lachte leise und kuschelte sich näher an seinen Geliebten. "Was hältst du davon, wenn wir uns da hinten auf die Bank setzen, wir können die Beiden im Auge behalten und müssen nicht stehen." Im Stehen konnte man natürlich auch interessante Dinge machen, aber nur herumstehen war langweilig.

Und interessante Dinge mit Publikum machen war peinlich. Es musste also schnell ein Kompromiss gefunden werden.
"Okay, hauen wir uns dort in die Sonne, dann wird mir nicht so schnell kalt", erklärte Santos und zog Gabriel, unter den Augen kopfschüttelnder Passanten, hinter sich her. Aber die durchgeknallte Maus, der immer noch wippte und "Kam ein kleiner Teddybär aus dem Spielzeugland daher ..." sang, ließ er nicht aus den Augen. Kawa lehnte neben ihm an der Scheibe und hatte die Augen geschlossen. Ob der schon eingeschlafen war?

Nein.
Kawa schlief nicht, sondern lauschte den Scherzen von Gabriel und Santos und überwachte, mit fast geschlossenen Augen, dass seine Maus sich nicht von ihm entfernte und dem viel zu niedrigen Zaun, der für Kinder und nicht für eisbärenwütige Mäuse gemacht war, all zu nahe kam.
Das wusste Gabriel natürlich nicht, der sich gerade mit Santos auf der Bank ausstreckte, seine Füße von sich streckte und den Kopf auf der Schulter seines Vampirs ruhen ließ.

Das wusste auch Yujo nicht, der nun zum vierten Mal das Teddybärenlied sang und immer weiter in Richtung Zaun rutschte, immer wieder hin und her wippte und irgendwann viel Schwung holte.
Aber da griff eine Hand in sein Genick, dass Yujo zu Tode erschrocken zu quietschen begann, weil er dachte ein Bär hätte ihn gepackt und zum Lunch auserkoren.

Doch Kawa zog ihn nur seelenruhig vom Zaun weg und drückte seine Maus mit dem Rücken gegen die Glaswand, beugte sich herab, so dass er in die grünen Augen sehen konnte. "Yujo, ich will dich noch behalten, also bleib hinterm Glas.", flüsterte Kawa dunkel, zeugte seine Stimme nur durch seine Beherrschung nicht völlig davon, wie er sich erschrocken hatte.

Yujo nickte nur ganz langsam, zitterte immer noch, weil sein Körper total angespannt gewesen war und sich nur langsam wieder entspannte.
"O-Okay", murmelte er und sah sich kurz um. Fehlten da nicht zwei? Waren die schon zu Bärenfutter geworden? Die Maus sah sich um, während er sich dichter an Kawa schmiegte und entdeckte Gabriel und den älteren Vampir auf einer Bank.
"Mann, die knutschen ja schon wieder!", moserte die Maus und grinste Kawa an. Aber ein Auge schielte immer nach den Eisbären.

"Die haben die letzte Stunde nichts anderes gemacht, Maus", flüsterte Kawa leise und atmete einmal langsam ein und aus, kraulte seinem Geliebten über die feinen Haare im Nacken und küsste ihn kurz auf die Schläfe. "Lass uns die beiden stören gehen, ja?" Die Seitenblicke des Jungen hatte der Vampir gesehen und wollte erst mal Abstand zwischen Yujo und diese als flauschig getarnten Killerbären bringen.

Und deswegen saß die Maus jetzt in einer als Zwickmühle umgebauten Mausefalle - Eisbären gucken oder Gabe beim Knutschen stören - seine beiden Lieblingshobbys! Wie sollte sich eine kleine hin und her gerissene Maus da entscheiden? Machte beides gleich viel Spaß!
Noch einmal schielte er zu den tauchenden Bären - dann zu Gabe, der sich gerade auf Santos zurecht rückte.
"Okay", es war einfach zu verlockend da zu stören!

Kawa grinste und schubste seinen Kleinen auf die Beiden zu. "Na dann mach mal, Schatz.", forderte er die Maus, die keinen weiteren Ansturm mehr brauchte, um los zu flitzen.
Lächelnd kam ihm der Vampir um einiges langsamer nach und sah zu, wie Yujo einen Bogen lief und sich von hinten an Gabriel anschlich.

Eigentlich hätte ihm das nicht gelingen dürfen, Santos hätte ihn gerochen, ihn gehört. Aber nicht wenn Gabriel gerade dabei war seine Zunge zu besiegen. Das konnte der Vampir ja nicht auf sich sitzen lassen.
Und so forderte er Gabriel heraus und zuckte zusammen, als der ihm plötzlich erschrocken auf die Zunge biss.
Yujo, Held der er war, hatte lange überlegt was er tun konnte, um die Zwei so richtig zu ärgern und war schlussendlich dazu übergegangen, Gabriel frech über das Ohr zu lecken.

Der hatte zugebissen, sich komplett verkrampft und als der warme, volle Geschmack von Santos' Blut sich in seinem Mund ausbreitete heiser aufgestöhnt.
Langsam und blinzelnd löste er sich von seinem Vampir und drehte sich um, konnte so gleich einer frech grinsenden Maus in die glänzenden Augen blicken. Na das hatte er gebraucht, dass ihn jetzt der Kleine störte.
Knurrend schnappte er nach dem Störenfried und wuschelte ihm gleich mal zur Strafe durch die Haare, so dass die wild nach allen Richtungen abstanden.
"Was sollte das, YuYu.", sah Gabriel dabei zu Santos, der sich die Lippen leckte und das Blut darauf verteilte. Der Große konnte nicht widerstehen und leckte es seinem Geliebten wieder herab, küsste ihn kurz und sich für den Biss entschuldigend auf den Mund.

"Mann! Könnt ihr auch noch mal was anderes machen außer euch die Zunge in den Hals zu stecken und zu gucken ob die Mandeln noch da sind? Ist ja abartig." Yujo verzog das Gesicht und wartete auf Kawa, der nur langsam näher kam, breit grinste und sich die Situation etwas genauer betrachtete.
"Also so wie die waren wir nie!", erklärte die Maus schmollend, weil er nicht die Beachtung bekam, die er seiner Meinung nach verdient hatte und schnipste Gabriel gegen das Ohr. Irgendwie suchte er Streit oder war auf Krawall gebürstet oder einfach nicht ausgelastet. Was genau es war stand noch nicht fest.




_8_

Gabriel, der noch immer halb auf Santos saß oder schon fast lag, guckte sich wieder nach dem Störenfried um und knurrte ein wenig, klapste der Maus, der sich grad zu Kawa drehte, auf den Po und widmete sich erneut Santos' Lippen.
Nach drei Monaten mit seinem Vampir war er die Blicke mancher Leute aber schon so gewöhnt, nichts konnte ihm egaler sein, nur das Zetern von Yujo, der sich an seinen Vampir hängte, ging dem Großen ein wenig gegen den Strich.
Gabriel knabberte über Santos' Kieferlinie und lehnte sich an ihn, versuchte das Lachen von Kawa, der Yujo hochgehoben hatte und sich mit seiner Maus im Kreis drehte, zu ignorieren.

"Wah", quietschte der Kleine. "Lass mich runter, ich muss Gabe ärgern!", erklärte er sein Gezappel und wollte sofort und jetzt wieder auf den Boden gesetzt werden. Wie sollte er denn seinen Freud gegen das Ohr schnippen wenn er andauernd weggedreht wurde. So ging das aber nicht!
Santos lachte nur leise und kraulte Gabriel durch den Nacken. "Ich glaube Kawa wird auch langsam alt", lachte er leise und sah die Beiden beim Raufen eine Weile an. "Er bekommt die Maus gar nicht mehr richtig ausgelastet, der hat noch viel zu viel Energie."

Kichernd sah Gabriel auch wieder zu den Beiden und lehnte sich dabei enger an Santos' Oberkörper an, drückte sich gegen die kraulenden Finger. "Vielleicht sollte er die Maus mal ans Bett fesseln?", überlegte der Dunkelhaarige und versteckte seine Finger dabei zwischen ihren Körpern, schickte sie so ungesehen ein wenig auf Wanderschaft.
"Wir könnten ihnen ja fesselndes Spielzeug zum Geburtstag schenken, YuYu hätte ja demnächst mal.", grübelte Gabriel noch weiter, suchte dabei erneut Santos' Lippen. Yujo und Kawa waren einfach nicht so interessant, dass man deswegen auf die Lippen seines Freundes verzichten konnte.

"Hey, es gucken kleine Kinder zu!", moserte Yujo weiter, zappelte noch immer ein bisschen, aber nicht mehr so doll, weil er aus seiner jetzigen Position wieder auf die Eisbären sehen konnte. Die wurden grade gefüttert und tauchten und schwammen wie verrückt.
DAS musste er sehen!
"Wah - Kawa. Bitte bitte Eisbären gucken!", bettelte er und blickte seinen Geliebten mit großen, geheimwaffenverdächtigen Hundemausaugen an.

Das Grün schimmerte, glitzerte und als Kawa nicht gleich reagierte fingen sich die ersten Tränchen an zu sammeln. Da schnappte der Vampir sich einfach wortlos seine Maus und lief mit der Beute zurück zu dem Eisbärengehege.
Aber gleich vor der Glaswand ließ Kawa seinen Geliebten hinunter und stellte sich so hinter ihn, dass der Kleine nicht nach links oder rechts ausbüchsen konnte. Der böse Zaun war dort nämlich noch immer so niedrig.

Aber Yujo war das eigentlich egal, er quietschte nur und grinste. "Schau, isses nicht süß - wah ... guck mal." Mit einer Hand deutete er immer wieder gegen eine Stelle der Scheibe, als zur Fütterung auch eine Bärin mit zwei kleinen Jungtieren aus der Höhle gekrochen kam.
"Gott sind die süß! Ich will auch einen haben, ob ich den in der Wohnung halten kann? Er ist ja so klein - das würde schon passen."
Und schon fing Yujo an zu planen wie man seine Mausewohnung bärensicher machen könnte. Und nun stand sein Geburtstagswunsch fest.

Tja und Kawa ließ seinen Schatz einfach mal reden und reden und aufgeregt auf und ab hopsen, ab und an wurde das von quietschen und grinsen unterbrochen aber ansonsten konzentrierte sich die Maus völlig auf die weißen Teddys und war glücklich.
So einfach war das also zu machen.
Gabriel stupste Santos an, der grade mit der Nase durch seinen Nacken schnuffelte und deutete zu ihren beiden Freunden, von denen man eigentlich nur Kawa sehen konnte. "Was meinst du, quietscht die Maus wegen der Bären oder versucht Kawa grad sich auch zu beschäftigen?"

"Selbst wenn Kawa es versuchen würde," Santos gähnte leicht und streckte sich, schlang dann die Arme um seinen Schatz, "Yujo würde es gar nicht merken. Der hat ja nur ein Auge für die Viecher und plant übrigens gerade sich eines von der Sorte zuzulegen. Ich frage mich, ob er weiß, dass die kleinen Bären auch mal groß werden und wie alt der Junge in Wirklichkeit ist." Santos lachte, weil immer nur manchmal der Schopf der Maus über Kawa hinweg lugte, weil der immer noch aufgeregt hin und her ditschte.
Der war echt hin und weg.
"Ich wollte dir ja nicht glauben, dass der Kleine SO austicken kann, aber jetzt wo ich es mit eigenen Augen sehe"
Der Vampir schüttelte nur den Kopf, musste aber lachen, weil Yujo redete ohne Punkt und Komma und die Kindergartengruppe nun mit ihm hüpfte, während Kawa wohl resigniert aufstöhnte.
Da würde sich die Maus aber was Gutes im Bett oder in der Dusche einfallen lassen müssen, um das wieder gut zu machen!

"Was??", Gabriel drehte sich in Santos' Armen und sah seinen Vampir an. "Ich glaub, das weiß YuYu nicht, dass die mal groß werden, oder eher, er denkt nicht dran." Der Große lehnte sich aber wieder zurück, weil sein Vampir dazu übergegangen war leicht mit den Fängen über Gabriels Nacken zu streichen und ihm das heiße und kalte Schauer über den Rücken und den restlichen Körper jagte.
Nur das genießende Aufstöhnen verkniff sich Gabriel noch.

Schließlich waren sie hier nicht allein und die Kinder, die immer wieder um sie herum tobten wie die Verrückten, von denen eines auch gern Yujo hätte sein können, ohne dass es wirklich aufgefallen wäre, machten sich als Kulisse für ein Stelldichein nicht wirklich gut.
Aber Yujo dachte gar nicht daran, sondern hopste immer noch, erklärte Kawa gerade, wo der kleine plüschig flauschige Teddy schlafen sollte und machte dem indirekt klar, dass sie dann zu dritt im Bett wären.
Und Santos fing an zu lachen, weil er gelauscht hatte.

Gabriel, der gerade noch genießend die Augen geschlossen gehalten hatte, sah zu seinem Geliebten und hob fragend die fein geschwungene Braue. "Was hast du jetzt wieder gehört?", fragte er mal auf gerade wohl, weil sein Vampir sicher nicht ohne Grund aufhören würde immer wieder seinen Nacken anzubeißen.

"Die Maus hat Kawa allen ernstes angedroht, dass der kleine Bär dann sicher einsam wäre und bei ihnen im Bett schlafen müsste, wo er es warm und kuschelig hätte. Kannst dir vorstellen, dass Kawa jetzt nicht gerade in Freudentränen ausgebrochen ist." Santos lachte noch immer und stellte sich das gerade bildlich vor, wie Yujo sich an einen kleinen Eisbär flauschte, ihn knuddelte und wuddelte und Kawa daneben saß, mit einer Beule in der Hose - total ungeflauscht.
Ein echt bemitleidenswertes Bild.

"Also ich würde ausziehen aus dem Bett.", murmelte Gabriel und grinste auch, besah sich dabei wie Kawa sich näher zu Yujo beugte und wohl auf den einredete, vielleicht versuchte ihm die Idee mit dem Haustier auszureden, aber er hatte ja keine so feinen Ohren um das zu verstehen.
Gabriel legte seinen Kopf in den Nacken und sah in das Gold von Santos' Augen. "Also denk nicht mal dran YuYu nach zu eifern, wir sind beschäftigt genug und brauchen kein Haustier", lachte Gabriel leicht und ließ seinen Kopf so verharren, dass Santos gebannt auf seine überdehnte Kehle sah.
"Was denkst du?", wollte er gewispert wissen.

"Ob eine süße, kleine Kreatur wie ein Eisbär sich nicht in unserem Bett wohl fühlen würde. Ich meine, Platz ist da genug - zwei mal drei Meter wollen erst mal genutzt werden, da wird für eine kleine .." Santos beugte sich zurück und lachte, weil Gabriel zu knurren anfing.
"War ein Scherz, Süßer, ich werde mich hüten ein Vieh ins Haus zu holen, das dann gegen mich arbeitet und auch um deine Gunst buhlt. Du gehörst mir alleine", legte er fest und leckte kurz über die Kehle, verharrte, weil er im Augenwinkel sah, wie ein kleiner Junge mit einem Lutscher und großen Kulleraugen sie ansah.
Santos wedelte mit einer Hand, aber der Kleine war wie die Maus - einfach nicht loszuwerden.
"Wollen wir Kawa erlösen - mir wird es hier zu voll!"

"Gute Idee", stimmte Gabriel zu und richtete sich langsam auf, ruckelte dabei absichtlich über Santos' Schoß und reizte den so ein wenig. Sein Vampir war einfach zu lecker, wenn er ihn den ganzen Tag immer wieder lockte, waren die Abende dann immer sehr sehr... nun ja, erfüllend.
Grinsend richtete sich Gabriel seine Jacke und zog Santos hoch, drehte sich durch den Schwung und hackte sich so auch gleich bei seinem Freund unter. "Dann mal zu Maus und Co."

Santos knurrte nur, weil er immer noch versuchte seine Hormone zu drosseln. Und das kleine Gör mit den großen Kulleraugen folgte ihm, bis er irgendwann an Gabriels Ärmel zupfte.
"Du Onkel - ist die große Tante deine Frau?", fragte er leise und schlabberte wieder an seinem Lolly.

Irritiert sah Gabriel auf den kleinen Pimpf und lachte los, sah dabei zu Santos, der das Kind mit einer Mischung aus entsetzt und grantig musterte und wohl überlegte, ob man dem Balg mal wehtun durfte.
"Nein, das ist auch ein Onkel, aber trotzdem meiner", kicherte Gabriel und löste die klebrigen Finger des Kleinen von seiner Jacke. "Geh zu deiner Mom und frag die", schickte er noch nach und zog Santos schnell mit sich zu Kawa und Yujo.

"Also ich werd ja nicht wieder. Man hat ja schon viel zu mir gesagt in den vierhundert Jahren, die ich jetzt auf dieser Erde wandle, aber als Frau hat mich noch keiner bezeichnet", murmelte Santos und sah sich vor seinem inneren Auge schon mit Servierschürzchen und Staubwedel und kurzem Rock.
Er schüttelte den Kopf und die langen Haare, um das Bild wieder aus seinem Kopf zu bekommen und murmelte leise vor sich hin.
Aber zum Glück waren sie bereits bei der völlig durchgeknallten Maus, der gerade Kawa einzureden versuchte wie dringend er solch einen weißen Teddy bräuchte.

"YuYu, dieser Teddy würde dich mit einem Haps auffressen und dann hat Kawa keine Maus mehr im Bett und würd dran eingehen.", schickte Gabriel gleich mal zu dem Kleinen und sortierte dabei Santos die langen Flechten wieder über die Schultern.

"Was mischst du dich denn da ein?!", brauste Yujo auch gleich auf, als er feststellen musste, dass sein so genannter Freund nur gekommen war, um ihm auch noch teddy-technisch in den Rücken zu fallen.
"Das würde Paul nie tun!!", erklärte er und nun hatte das imaginäre - weil sicher nie gekaufte - Vieh auch schon einen Namen.
Kawa stöhnte, Yujo winselte leise und Santos fing an zu lachen. Die Zwei waren wirklich besser als jeder Kinofilm - alles dabei: Liebe - Verzweiflung - Sex - Geheule ... fehlte nur noch das Happy end. Aber das würde diese Szene wohl nicht bieten.

Denn Kawa verdrehte die Augen und murrte, zu seinem Glück zu leise, als dass es die Maus verstehen konnte, einige nicht so nette Flüche über Eisbären und im genaueren über junge Bären und am meisten über die, die Yujo adoptieren wollte.
Mistviecher allesamt, seiner Meinung nach.
Das ließ natürlich Santos wieder glucksen und lachen, und Kawa sah seinen Erschaffer gleich mal wieder böse an und durchbohrte ihn mit finsteren Blicken.

"Hey", erwiderte Santos auch gleich, "ich bin es nicht, der dir Viecher ins Haus schleppen will, also guck mich nicht so an." Aber er konnte nicht aufhören zu lachen. Irgendwie hatte das Bild was, wie Yujo samt Bär auf der Couch hockte und Kawa, weil alles voll war, auf dem Boden liegen musste. Irgendwie bestand die Möglichkeit, dass Kawa an Samenstau platzen würde, wenn sie sich ein knuddelweiches, flauschigsüßes Bärenbaby zulegen würden.
Vielleicht hätte Santos das nicht laut sagen sollen, aber er tat es.

Und hatte dadurch keine fünf Sekunden später einen knurrenden, schwarzhaarigen Vampir am Hals hängen, schleuderte ihn Kawa durch den Schwung und den Überraschungsmoment auf seiner Seite, ein paar Meter zurück und blieb auf dem verdatterte Santos sitzen.
Spielerisch würgte Kawa seinen Erschaffer und grollte dabei dunkel in der Kehle, bis er dazu überging den Weißhaarigen zu kitzeln.

"Fies - fies - fies." Gegen Würgen und Schlagen hatte Santos nichts, das machte ihm nichts aus, aber kitzeln war fies!
Yujo hingegen, der noch immer die Vorzüge von Bären in Betten - vorzugsweise in seinem Bett - erläuterte, redete irgendwie gerade gegen Luft, während Gabriel neben ihm stand und langsam seinem Kopf drehte.
Santos lag noch immer am Boden und quietschte wie die Maus, wenn er gekitzelt wurde. "Gabe, guck nicht so - komm mich retten wenn du heute Abend befriedigt einschlafen willst."
Freilich hätte sich Santos spielend befreien können, aber vielleicht bekam man so die Maus auf andere Gedanken und weg von diesem Gehege. Es gab noch gut einhundert andere Arten zu bestaunen - und der Streichelzoo mit den Ziegen stand ihnen ja auch noch bevor.
Nur die Maus moserte. "Ein einfaches: Nein, Yujo, wir kaufen keinen Eisbär!, hätte gereicht! Aber nein, da brennst du lieber mit deinem Meister durch."
Schmollmaus vierter Stufe!

Da hielt Kawa verdutzt inne und sah zuerst auf Santos, der mit Lachtränen in den Augen unter ihm lag und dann zu seiner Maus, der schmollte - und wie der schmollte. "Öhm", meldete der Vampir nur einsilbig und kitzelte Santos aber weiter, Strafe musste schließlich sein.
Erst als ihm Gabriel auf die Schulter tippte und grollte stand Kawa lachend auf. "Na ich will ja nicht, dass du selber ran musst heut Abend.", flapste er und brachte sich schnell außer Reichweite von Gabriel.
Doch der hielt seine Hand schon Santos hin und half seinem Schatz auf.

Allerdings musste auch Gabriel dann erst mal einen Schmollvampir über sich ergehen lassen, weil er sich erst mal amüsiert hätte und nicht gleich zur Rettung seines Freundes geeilt wäre, wie sich das gehören würde. Aber Santos war mit einem sanften Kuss aufs Ohr schnell wieder versöhnt und sah lieber weiter zu, wie Kawa nun versuchte, die Schmollmaus, die mittlerweile Stufe sechs erreicht hatte - wie die geschürzten Lippen und die verschränkten Arme und der wippende Fuß deutlich zeigten - wieder milde zu stimmen.
"Öhm", wiederholte die Maus einsilbig Kawas alles erschlagenden Kommentar und verengte die Augen. Stufe sieben war erreicht. Die Stufe, wo selbst Eisbärenbabys nichts mehr richten konnten.

Kawa sah zu seiner Maus und grübelte kurz. "Musste mich doch rächen...", fing er an und ließ es dann doch sein. "Streichelzoo??", versuchte er es dann auf einer anderen Schiene, wollte Yujo doch nicht sagen, dass der ihn ja so und so ignoriert hätte, wenn er ihm gesagt hätte, dass ihm so ein Vieh nicht ins Haus oder besser Loft kommt.

Misstrauisch sah Yujo auf Kawa, die Lippen immer noch verbissen, die Arme immer noch verschränkt und der Fuß wippte. "Du willst mich ja nur ruhig stellen", moserte er leise und sah zu Gabriel, der gerade hinter Kawas Rücken würgende Geräusche machte und sicher nicht in den Streichelzoo wollte.
So ein Spielverderber. Die arme Maus in ein Haus voller Spinnen zerren und dann Angst vor süßen kleinen Ziegen habe. Schöne Freunde hatte er da.
Santos hielt sich ganz raus. Zwar war ihm schon wieder nach lachen, so wie Gabriel guckte, aber er ließ es.
Nur die Maus schien noch nicht wirklich versöhnt. Aber zum Glück waren die Eisbären abgehakt.




_9_

Kawa kam langsam näher zu seinem Nager und legte Yujo einen Arm über die Schultern. "Der würde bei uns eh nicht glücklich werden, Maus, oder willst du dass der Eisbär nen Psychoschaden bekommt, weil er uns beim Poppen zuguckt?", grinste Kawa leicht und zog seine Maus mit sich in Richtung des Streichel-Areals.

"Wolltest du nicht heute morgen selber noch Eisbären poppen?", erinnerte Yujo seinen Freund ziemlich launisch und ließ sich mehr schleifen, als dass er selber lief.
Santos und Gabriel gaben das gleiche Bild ab, nur dass die etwas mehr auffielen, weil Santos seinen Schatz ebenfalls hinter sich herschleifen musste, der mit Händen und Füßen dagegen war, zu den Mistviechern zu gehen.
"Schatz, du musst nicht rein. Und wenn wir lange genug drängeln, dann kommen wir schneller weg. Wenn wir die Maus alleine gehen lassen, fahren wir erst heim, wenn der Zoo schließt. Und umso später kommen wir in den Pool. Überleg's dir."

Plötzlich lief Gabriel vor und zog nun Santos fast hinter sich her, denn beim Pool, da verstand er keinen Spaß. Vor allem waren im Keller immer, seit ihrer *Einweihungsparty* da unten, verschiedene Schalen mit Obst und alles möglicher Spielzeug, das in einigen Schalen und mit Tüchern verdeckt herumstand.
Das Verdeckte war zur Sicherheit, man wusste ja nie, wer mal auf Besuch kommen konnte.

Zum Beispiel Wassermäuse, die sich gern mal im Pool aalten oder ein gewisses Flöt, das auch verdächtig oft vorbei kam. Eigentlich hatte Santos nichts dagegen, er mochte es, wenn das alte, große Haus voller Leben war. Und Leben brachten die Beiden wirklich mit.
Aber Gabriel knurrte regelmäßig, weil vor allem die Maus sich häuslich im Pool einnistete, mit einem geschmierten Brot und einem von Coles Mangas und dann im Wasser hockte und giggelte und grinste und rot vor sich hin glühte.
Okay, er machte keinen Schweinskram im Wasser, aber er blockierte den Pool, in dem Gabe gern Schweinskram machen wollte.
Santos lachte leise und war bald mit Yujo, der immer noch gezogen wurde und überlegte, ob er statt eines Eisbären auch eine Ratte haben dürfte, auf gleicher Höhe.

Gabriels Gedanken gingen auch noch immer in Richtung des Pools und auch des Whirlpools, der in einer Ecke des Kellers stand, halb verdeckt von einem Mauervorsprung, den sie beim renovieren stehen gelassen hatten und der nun perfekt vor neugierigen Blicken abschirmte.
So dass neugierige Mäuse nicht zugucken, sondern nur lauschen konnten, wobei sie den Kleinen auch schon mal erwischt hatten, wie die Beule in Yujos Hose damals untrüglich bewiesen hatte. Sie hatten die Maus an dem Tag einfach kommentarlos bei Kawa abgeliefert und die Beiden im Gästezimmer eingesperrt.
Zumindest Kawa hatte sich nicht darüber beschwert.

Und Yujo hatte einen ganzen Tag nicht sitzen können, was in der Uni wirklich goldig ausgesehen hatte, wie Gabriel zugeben musste.
Allerdings hatte die Maus nicht wirklich draus gelernt, sondern war dann regelmäßig seinen Trieben erlegen, denn sie hatten ihn dann regelmäßig hinter der Mauer kichern hören, aber wenn sie gucken waren, war der kleine, flinke Nager immer schon weg. Blöd ist die Maus ja auch nicht.
Im Augenblick aber versuchte er immer noch Kawa davon zu überzeugen, dass er was flauschig pelziges im Bett haben wollte und merkte gar nicht, wie sein Freund grinste, weil er ja immer noch gezogen wurde - in Richtung Streichelzoo, wie die Geräusche und Gerüche vermuten ließen.

Dort angekommen beugte sich Kawa zu seiner Maus und drehte dessen Gesicht zu sich, versankt kurz in dem leuchtenden Grün. " Ich hätte da was in der Hose, das du flauschen könntest und wenn du lieb zu ihm bist begrüßt es dich sogar.", hauchte er seiner Maus leise zu und grinste dreckig, leckte sich langsam über die Lippen.
"Aber erst mal Streichelviecher, damit du wieder lachst.", setzte Kawa noch leise an und griff schon mal nach der Tür der Umzäunung.

Doch dann besann er sich eines besser und hob die Maus einfach drüber, der immer noch blöde grinste. "Ich bin immer lieb zu dem Tierchen in deiner Hose und zum Dank spuckt es mich an", rief er über den Zaun, dass ein paar Eltern sich umguckten und Santos wieder zu lachen anfing. Das kam davon, wenn man der Maus einen Steilpass vorlegte - er verwandte ihn immer in ein Eigentor. Denn nun saß er in dem Käfig fest und sah sich verzweifelt nach einem Versteck um.
Dumm gelaufen Maus!
So wühlte er in seiner Hosentasche nach ein paar Geldstücken, um am Futterautomaten etwas für die Tiere zu ziehen. Wenn er schon hier war und glühte, konnte er sich auch mal nützlich machen.
Zum Glück hörte er das Getuschel nicht!

Denn ein paar der ältere Eltern zogen ihre Kinder zu sich und tuschelten über die Neuankömmlinge und vor allem über die Auffälligkeit, dass die beiden Großen davon noch immer Arm in Arm dastanden und Kawa auf den frechen Kommentar nur grinste und sich dann an den Zaun lehnte und seinem Schatz zusah.
Gabriel kam mit seinem Santos neben Kawa und lehnte sich auch an den Zaun, sah ebenfalls auf die herumlaufenden Viecher und Yujo, der die Dinger schon fütterte. "Und schon isses selig."

Santos grinste nur vor sich hin, lachte dann, weil Kawa den Mund verzog. "Ist das nicht seltsam, dass eine kleine Ziege und ein Ferkelchen reichen, um dich aus Yujos Gedanken zu kicken?" Geschickt hob er ein Bein aus der Trittlinie von Kawas Fuß, dass es nicht noch Verletzte geben würde, denn die immer noch glühende Maus flauschte gerade eine Ziege zu Tode, die im Augenblick die Augen verdrehte und die Zunge hing einen halben Meter aus dem Maul.
Man hätte fast Mitleid mit dem Ding bekommen können, aber auch nur wenn man nicht Santos hieß und einen Menschen mit Ziegenphobie abgöttisch liebte.
Ungeachtet der Blicke kraulte er Gabriel durch den Nacken und grinste weiter, weil Yujo wirklich allen ernstes der Meinung war, dass, wenn er schon keinen weißen Bär mit ins Bett nehmen durfte, doch eine Ziege genau das richtige wäre - gepaart mit der Mausgeheimwaffe, denn die Augen wurden groß, rund und glasig.

Das überging Kawa strickt und überlegte gerade eher was man alles Leckeres aus Ziege kochen könnte, irgendwo hatte er noch ein paar alte, griechische Rezepte mit Ziegenfleisch und Weinblättern. Das klang doch ganz lecker.
Während der dunkelhaarige Vampir noch Kochrezepte in Gedanken durchging lehnte sich Gabriel an den Holzzaun des Geheges und verdrehte nur kommentarlos die Augen, als Yujo aufquietschte, weil eines der doofen Viecher ihm über das Gesicht geleckt hatte. Na die Maus würde er an Kawas Stelle erst mal gründlich duschen bevor der wieder mit ins Bett genommen wurde, ist ja grausam.

Yujo quietschte weiter und drückte die sich wehrende Ziege noch dichter gegen sich, dass der fast die Augen aus dem Kopf kamen. "Guck doch mal, Kawa, sie ist so süß und sie mag mich!", beharrte er und streichelte das kurze Fell, strich dem Tier über die Nase und riss die Augen auf, als sich etwas in seinen Rücken schob und ihm so viel Schwung mitgab, dass er samt Ziege vorn überkippte und im Dreck landete.
Erst guckte Yujo etwas verwirrt, ließ dann aber die kleine Ziege los, weil eine Größere vor ihm stand und ihn anschnaufte.
"Kaaaawaaaaa!!"

Der verkniff sich ein Lachen und schmunzelte nur leicht. "Na, das scheint dann mal der Daddy des Kleinen zu sein.", schickte Kawa zu seiner Maus, der sich gerade langsam aufrappelte, man sollte die Viecher nicht zu Tode knuddeln.
So was rächt sich immer.

Nur Yujo schien damit noch etwas Probleme zu haben. Er rappelte sich zwar auf, fixierte aber das graue Vieh, das sich gerade zwischen ihn und sein neues Schmusetier drängte. "Geh weg!", murmelte der Kleine, ignorierte Kawa und seine schlauen Bemerkungen, denn die halfen ihm im Augenblick gar nicht. Aus dem Augenwinkel sah er Gabriel, der sich über das Gitter beugte und sich demonstrativ die Augen zuhielt und was von "Sanitäter" murmelte.
Na er hatte sich ja Freunde gesucht! Anstatt den blöden Bock zu beschäftigen, dass Yujo mit dem kleinen Zicklein durchbrennen konnte, machten die ihre blöden Witze!
Mausquälerei!!
Tapfer schob er sich die Ärmel höher und ging auf den Bock zu, während Gabriel nun auch Santos die Augen zuhielt und was von "wir werden dich vermissen" murrte.

Der Große konnte sich nämlich fast schon denken, was gleich passieren würde und wartete nur darauf, dass Yujo wieder auf dem Hosenboden landete, weil ihn das Vieh quer durch das Gatter geschoben hatte.
"Ob das mal gut geht?", flüsterte er leise zu Santos und sah an dem vorbei zu Kawa, der mit verengten Augen seinen Schatz und den Ziegenbock musterte.
Der Vampir schien bereit seine Maus einzusammeln sobald sich der Ziegerich wieder auf seinen Geliebten stürzen wollte.

Aber von all der Sorge und Anspannung bekam Yujo nicht wirklich etwas mit, er fixierte noch immer den Bock, der langsam näher kam und so zog Yujo es vor, strategisch erst einmal einen Schritt zurück zu machen, guckte dabei aber besonders entschlossen. Er fühlte sich für eine Konfrontation noch nicht wirklich bereit, und anstatt dass die kleine Ziege ihn mal unterstützte, weil er sie ja befreien wollte, da lief das blöde Vieh einfach weg!
Na aber nicht mit der wilden Waldmaus, die heute schon eine Portion Pommes und einen Luftballon hatte zu Grabe tragen müssen!
So nahm der Kleine seinen Mut zusammen, streckte dem Bock die Zunge raus und versuchte in einem strategisch günstigen Bogen um das Vieh herumzuwuseln, hatte nur noch Augen für das blökende, flüchtende Zicklein.
"Fataler Fehler", murmelte Santos und machte sich bereit, mit seiner Schnelligkeit einzugreifen, sollte dem Jungen doch etwas zustoßen.

Aber im Augenblick was es einfach nur witzig zu sehen, wie der Bock Schwung holte, los rannte und immer mehr den laufenden Jungen einholte. Der Kopf hatte sich schon gesenkt, sodass die gebogenen Hörner einen perfekten Rammbock abgaben, bereit dazu, den Eindringling ein paar Meter durch die Luft zu schleudern. Kurz bevor das Vieh Yujo erreichen konnte wurde dessen Lauf abrupt gestoppt und der Ziegenbock knickte mit den Vorderläufen leicht ein. Kawa hatte sich knurrend über den Zaun geschwungen und das Tier einfach an den Hörnern gepackt. Mühelos konnte er den Bock bändigen, und sah nun mit an, wie seine Maus, ohne diese Aktion zu bemerken, das Zicklein wieder in seine Arme schloss und anfing es wieder zu Tode zu knuddeln.

"Du kannst doch nicht einfach weglaufen, Kleiner, wenn ich dich befreien will", erklärte er dem völlig verwirrten Tier und flauschte es wieder an, wuschelte durch das Fell und die Augen traten schon wieder aus dem Kopf. Vergessen war alles um Yujo herum, als er seine Nase gegen die des Zickleins rieb und dem erklärte, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, wenn das Tierchen noch baden würde, bevor es zu ihm ins Bett durfte, weil Kawa wohl was dagegen hätte, etwas das nach Tierstall roch unter der Decke zu haben.
Er erklärte dem Zicklein auch, dass es sich keine Sorgen machen müsse weil Kawa total lieb wäre und der Sex Spaß machen würde ... als er ein Räuspern hörte und sich samt seines Neuerwerbs umwandte.
Yujo guckte nicht schlecht, als Kawa immer noch einen Bock bändigte, der mit blutunterlaufenen, sicher gleich platzenden Augen schnaubte und drohte, mit den Hufen scharrte - fast wie Kawa, der seine Maus finster anguckte.

"Lass das Kleine los, sonst lass ich den hier los.", schickte Kawa leise zu seiner Maus und funkelte den finster an, hatte er nur zu gut gehört WAS für Ideen sein Schatz schon wieder hatte.
Die Viecher würden hier blieben wo sie waren, außer er konnte sie verkochen, aber auch nur dann würde er die in sein Loft kommen lassen und vorzugsweise schon in fertig tranchierter Form.
Seine Worte unterstrich der Vampir noch, indem er eine Hand in die Seite stützte und den vor Wut schäumenden Bock nur mit einer Hand festhielt, was kein Problem war, da das Tier ja um vieles schwächer als er war, aber gut wirkte, denn Yujo sah ihn überrascht an und dann sein neues Haustier.

"Aber Kawa", versuchte es Yujo auch gleich wie erwartet auf die Quengeltour. Noch hatte er nicht so richtig eingesehen, dass er weder einen Eisbären noch eine kleine Ziege haben durfte. Was war denn das für ein tierfeindliches Haus, wo man kleine Mäuse so quälte. "Die ist doch so niedlich und guck, wenn die Nacht kalt wird, dann friert es bestimmt und wird krank und stirbt."
Immer noch die arme Ziege flauschend und ihr die Luft abdrückend sah er seinen Schatz an. "Willst du dass Gisbert stirbt?"
Nun hatte das Vieh auch schon einen Namen!

Der Vampir funkelte seine Maus noch immer an "Lass... das... Vieh... los!", forderte Kawa noch mal, langsam hatte er wirklich schon fast Lust den dummen Bock loszulassen, allein um seine Maus aus dem Gehege zu bekommen.
Denn wenn der Ziegerich wohl noch mal auf Yujo losging waren die Chancen hoch das der nicht mehr alleine da rein wollte.
Verlockende Idee, die Kawa aber doch fallen ließ, könnte seinem Schatz dabei ja was zustoßen.
"Wenn du das Ding mit nach hause nehmen willst, dann aber nur in mundgerechte Stücke und fertig zum Verkochen zerlegt.", stellte Kawa mal klar.

"BITTE!"
Yujo riss ungläubig die Augen auf - DAS hatte Kawa jetzt aber nicht gesagt, oder? Er hatte nicht gesagt dass er daran dachte, den süßen, kleinen, unschuldigen Gisbert zu kochen! Was war denn das für ein fieser Vampir? Der arme kleine Gisbert!
Wie wahnsinnig griff sich Yujo das Zicklein bei den Ohren, dass er ihm in die Augen gucken konnte, sah im Augenblick sicher nicht besser drein als das Tier selbst und schniefte. "Hör gar nicht hin was der böse Onkel Kawa sagt. Am besten ignorierst du ihn und gehst ihm in der Küche aus dem Weg. Du schläfst nur auf meiner Seite des Bettes und geh ja nicht alleine mit ihm in die Dusche, vielleicht kocht er dich in der Wanne!"
Was für eine grausame Vorstellung. Yujo wurde fast schwarz vor Augen.
Verschwörerisch kam er der verängstigten Ziege immer näher und flüsterte weiter. "Ich pass auf dich auf", versprach er und sah dann mit schmalen Augen zu Gabriel, der nur noch den Kopf schüttelte.

Da waren er und Santos ja noch sehr unauffällig gegen die beiden Alleinunterhalter. Gabriel glaubte langsam aber sicher, dass Kawa allein aus Langeweile demnächst den Ziegenbock los ließ, weil ihm würde das ja zu dumm werden das Vieh ständig zu stoppen, während Yujo dessen Junges zu Tode knuddelte.
Heute hatte die Maus wirklich mehr als nur ein Rad ab.
Lehnte er sich an seinen Vampir und schlang den Arm um dessen Taille. Kawa und Yujo zogen so und so alle Blicke auf sich, dass die beiden groß gewachsenen Männer uninteressant wurden.
Auch ganz praktisch.
"Wenn ihr noch lange weiter spielen wollt gehen wir schon mal heim.", verkündete Gabriel dann und grinste innerlich, das Gerede über kochen hatte ihm genau auf selbiges Lust gemacht und Santos würde ihm sicher helfen das Gekochte aufzuessen.

Nun war Gabriel - der Mausersatzpapa - im Mittelpunkt von den Knurrattacken der Maus, der langsam zur wilden Waldmaus mutierte und noch nicht wirklich überzeugt war, dass er Gisbert hier lassen sollte. Das ging doch nicht, wie schon erklärt würde der ja, wenn Yujo sich nicht kümmerte und Gisbert in ein warmes Bett - am besten zum roten Wecker - packte, sterben!
Aber er konnte gar nicht so schnell gucken wie er sich plötzlich gegriffen fühlte, vergaß Gisbert loszulassen und das arme Vieh am Hals gezogen wurde bis es den Boden unter den Füßen verlor, weil Yujo nun auch frei schwebte. Das Zicklein mähte und meckerte und der Bock knurrte mittlerweile und die wilde Waldmaus? Die Waldmaus, dem gerade Gisbert entglitten war und flüchtete, fluchte und trat in die Luft, denn Santos hatte die Nase voll gehabt und den Kleinen einfach gegriffen. Er wollte ebenfalls heim, denn das Gelaber der Maus von wegen duschen und Bett hatte ihn seinerseits auf Ideen gebracht, von denen er fürchtete, er würde sie noch vergessen auf dem Heimweg.

Gabriel hing lachend am Zaun und besah sich mit Tränen in den Augen das all zu komische Bild. In dem Augenblick ließ Kawa den Mistbock los, der auch gleich auf Santos und die Maus zustürzte. Erst im letzten Augenblick, vielleicht auch weil der blonde Vampir das Vieh anfauchte, wich er nach links aus und raste dem Zicklein hinterher, das in der Holzhütte, welche den Tieren Unterschlupf bot, Zuflucht gesucht hatte.
Kawa klopfte sich die Hände ab und ging langsam zu seinem Erschaffer, wisperte ein leise "Danke", und guckte zu, wie Santos noch immer den Jungen hochhielt und der mit den Füßen strampelte, überlegend legte Kawa den Kopf schief und grinste.

Doch dann bekam er seine Maus unvermittelt in die Hand gedrückt. "Hier nimm, der gehört ja wohl dir. Ich bin nicht Tollwut geimpft, wenn er mich beißt, hab ich n Problem", murmelte Santos und überging Gabriels gelachten Kommentar, wie das noch mal wäre von wegen Vampire wären unverwüstlich. Er hob einfach eine Augenbraue und notierte sich eine Runde Sex weniger für heute Nacht und seufzte, als er feststellte, dass er sich damit selber auch bestrafte. Aber Gabriel mit einer Dreiviertelstunde Fellatio ärgern und dann alleine zurück lassen - das wäre doch die gerechte Strafe, wenn der dann bettelnd vor ihm lag.
Santos grinste ziemlich dümmlich und konnte nur mit Not verhindern zu sabbern. Aber das bemerkte keiner, weil die Maus immer noch strampelte und winselte, nach Gisbert rief, der gar nicht daran dachte, sich heute noch mal blicken zu lassen.
Da konnte die Maus nur noch schniefen - Pleiten am laufenden Band.

Kawa legte sich seine Maus über eine Schulter und fixierte den Jungen mit einer gut platzierten Hand auf dessen Po, konnte er so auch gleich mal ab und an in das feste Fleisch kneifen und seinen Geliebten so zum quietschen bringen.
Das war doch auch was, wenn der Tag schon ne wandelnde Katastrophe war.
"Gehen wir heim.", wandte er sich an Yujo und klapste Gabriel auf den Hinterkopf, als der noch immer über den Anblick der Beiden lachte.
Mosernd rieb sich der Große über die malträtierte Stelle und schickte Kawa einen finsteren Blick, den dieser aber nicht sehen konnte, da er schon weiter gegangen war und somit Gabriel nur noch die Rückenansicht bot.
Schade.

Dafür war Santos der Blick nicht entgangen, der wohl Völkerstämme hätte ausrotten können, wenn ihn nur einer beachtet hätte. Kawa jedenfalls gedachte das nicht zu tun, die Maus, der gerade damit beschäftigt war, auf dem Hintern seines Freundes herum zu klopfen, dass der ihn runterlassen würde und sie noch ins Elefantenhaus gehen würden, war auch zu beschäftigt. So blieb eben nur der Vampir, der seinen Schatz trösten konnte. Er streichelte über die riesengroße Beule am Kopf, die noch viel größer wurde und viel mehr wehtat, als Gabriel erst mal merkte dass er doch nicht ganz unbemerkt gelitten hatte und die Zuwendung ausnutzen wollte.
Da quäkte die Maus, das sie aufhören konnten zu fummeln und wenigstens bis zum Wagen warten, um sich gegenseitig die Hosen vom Leib zu reißen. Dass an seinem eigenen Hosenbund gerade Finger nestelten, das überging er einfach und grinste die beiden Anderen frech an, während er Gisbert winkte, der todesmutig mit einem Auge aus der Hütte guckte und wieder zurückgedrängt wurde.

Damit fing sich die Maus den nächsten Todesblick ein und wäre wohl auch elendig eingegangen, wenn Gabriel nicht von streichelnden Fingern abgelenkt worden wäre, die zart unter seine Jacke spitzten und die Haut knapp über der Hose streichelten.
"Los heim.", schickte er seinem Vampir, denn seine Libido zeigte ihm langsam immer mehr Ideen, was alles besser wäre als jetzt im Zoo zu sein.

Und Santos konnte diese Bilder zwar nicht sehen, aber Gabriels Reaktionen darauf sehr wohl riechen. Er grinste und kniff seinem Schatz in den Hintern, dass er schneller lief und flüsterte leise, dass diese Idee durchaus zu überlegen wäre. Er fing an zu lachen als Gabriel knurrte, was es da noch zu überdenken gäbe und die Wildwaldmaus zappelte und murrte, weil er nur die Hälfte mitbekam.
So richtig war der Tag heute nicht von Erfolg gekrönt. Petzi tot, Pommes verloren, Gisbert nicht retten können und nun auf dem Weg zum Ausgang, wie Yujo mit Entsetzen feststellte und gleich lauthals Protest anmeldete und Kawa an der Hose zog.

Der keuchte leicht, als sein Schatz schon wieder an dem engen Stoff zog und so seinen Schritt, nun ja, etwas einengte und reizte. Der Vampir wandte seinen Kopf und versenkte seine Fänge durch Yujos Hose in eine der festen Backen und prompt wurde seine Maus ruhig.
Das war noch immer das beste Mittel seinen Geliebten ruhig zu stellen - nach poppen und zu Tode streicheln, aber das wollte Kawa ihm dann mitten im Zoo doch nicht zumuten.
Gabriels Kichern drang leise an das Ohr des Vampirs und er blickte zu den schäkernden Großen, die hinter ihnen herliefen. Den Beiden konnte man ansehen, dass sie schon wieder Schweinereien überlegten oder wie sie sich am besten zu hause vernaschen konnten.

Und weil Yujo im Augenblick nur sinnlos in der Gegend herum hing ohne wirklich etwas tun zu können und sich wüst bemitleidete, weil's ja sonst keiner tat, bemerkte das Gekicher und Gegacker auch. Freilich lag ihm schon wieder ein Kommentar auf der Zunge, aber zum ersten Mal an diesem Tag schaltete sich das Maushirn dazwischen und erklärte seinem Besitzer, dass er in arge Bedrängnis kommen könnte, wenn Gabriel aufholen würde. Denn wie er Kawa kannte, würde der nicht weglaufen, um seine arme, kleine, wehrlose Maus zu retten.
So schniefte er nur, war stolz auf seine erwachsene Entscheidung und schmollte, weil keiner ihn dafür lobte.
Was für ein hartes Leben für eine Maus.

So erreichte Kawa ohne weitere Zwischenfälle den Ausgang und kurz darauf das Auto, hatten sie somit die Episode Zoo für heute geschafft.
Das nächste Mal würde er seinen Nager wohl erst mal auf natürliche, heißt vom Wecker aufgeschreckte Art und Weise, wach werden lassen.
Bekam sein Schatz ja schreckliche Entzugserscheinungen, wenn dieses grässliche Ding mal nicht läutete.
Der Vampir lauschte mehr nebenbei den halb geflüstert geführten Überlegungen von Santos und Gabriel, die sich gerade nicht entscheiden konnten ob sie in Santos' Haus lieber im Bett oder im Keller verschwinden sollten. Grinsend schüttelte Kawa den Kopf, denn hinauslaufen würde es so und so auf das gleiche.

Und Santos grinste, weil Kawa es wusste.
Nur die Maus hing noch immer sinn- und bedeutungslos in der Gegend herum, bekam weder Eisbären, Pommes, Zicklein noch Beachtung und schniefte laut und theatralisch ... aber keiner scherte sich drum.
Ein ganz normaler Tag im Leben einer Maus.