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Tierasyl Teil 5 - 8

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Gabriel guckte.... staunte... und seine Augen wurden von Augenblick zu Augenblick größer, bis ihm sein Hirn endlich meldete, dass da fremde Finger über den Schritt seines Schatzes wuselten, die dort sicher nichts zu suchen hatten.
Knurrend stand Gabriel auf und rupfte die freche Maus von seinem Vampir, knurrte dabei ein dunkles „Pfoten weg da, das gehört mir!“, und legte sich den verdutzten Jungen über die Schulter.


Ohne länger zu zögern stapfte Gabriel mit der nun zeternden und fluchenden Maus in den Oberen Stock und lud das Nagetier in einem Zimmer ab.
Kurz überlegte der Große, ob er auch absperren sollte, weil, wenn er das tat, würde Yujo wohl in die Luft gehen und Kawa sie Beide zusammenstauchen von wegen Mäusequälerei und so,... egal Gabriel zuckte mit den Schultern und drehte den Schlüssel im Schloss herum.

Eingesperrte Maus hieß sicher verwahrte Maus, da konnte der dunkelhaarige Vampir zetern was er wollte.
Schnell ging der Große dann wieder hinunter und zu Santos, der noch immer am Boden saß und von Federn überzogen war, hockte sich hin und fing an die weißen Daunen abzuklauben, strich dabei versöhnlich immer wieder leicht über die bloßen Hautstellen.

„Brauchst dich gar nicht einzuschmeicheln. Es war deine Idee die Maus anzulocken – ich wollte ja gucken gehen was er macht und jetzt?“ Santos schloss die Augen, grinste seinen Schatz aber an, der mittlerweile auf ihm saß, genau da, wo ihn die Maus eben erst schubtechnisch entfernt hatte.

„Hast du wenigstens abgeschlossen und eine Couch vor die Tür geschoben?“ Santos öffnete die Augen wieder und griff nach Gabriel, der gerade so tat, als suche er auch unter Santos’ Hemd Federn. Seine Finger tanzten die nackten Arme hinauf und legten sich sanft auf die Wangen seines Freundes.
„Und ich gebe dir zwei Minuten, bis die Maus merkt, dass sein Kissen noch hier unten ist und er wieder hier steht.“

„Ich glaube nicht, dass YuYu so schnell wieder da sein wird.“, hauchte Gabriel auf Santos’ Haut und neckte dabei mit den Lippen über den muskulösen Bauch, zwickte in das feste Fleisch und lachte dunkel.
„Ich hab abgeschlossen. Er wird erst mal dran zu kauen haben, wie er wieder raus kommt.“, strichen seine Hände dabei weiter unter die Kleidung seines Vampirs, drückte Gabriel den Weißhaarigen so auch wieder gänzlich zu Boden und machte es sich gemütlich auf seinem Schatz.

„Du weißt was das bedeutet?“, wollte Santos wissen und sah wie Gabriel ihn etwas verwirrt anguckte. Allerdings hörte so auch das weiche Kosen seine Hände auf und das war nicht geplant. Santos griff sich die Hände und ließ sie wieder weiter über seinen Bauch streichen und die Brust hinauf, entließ sie erst, als Gabriel begriffen hatte und wieder weiter machte.
„Er wird heulen und jammern und schniefen und fluchen und randalieren“, malte sich Santos aus, weil er im Gegensatz zu seinem Süßen bereits hörte, wie die Maus nach Gabriel rief, wie er wimmerte und winselte, ihn anschimpfte, dass das ja wohl nur ein schlechter Scherz sein konnte und dass er ihn gefälligst wieder rauszulassen hatte.

Kleine Mäusefäustchen klopften gegen die Tür und irgendwann ging die Maus dazu über zu knurren und zu fauchen – als hätte er Tollwut. Im Augenblick war Santos ziemlich froh drüber, dass diese kleine, bissige Bestie erst mal verwahrt war, wenn auch die Stimme, die er nicht ausblenden konnte, immer lauter wurde. Noch war der Junge wütend und tobte, Kissen flogen gegen die Tür, mal ein Mausefuß, dann allerdings folgte ein aufjaulen und eine Verwünschung in Richtung Gabriel. Nur gut, dass der das nicht hörte, was ihm der Kleine alles an den Hals wünschte und nur gut, dass Santos resistent gegen alle Keime war, sonst würde er sich wohl bereits beim Schmusen Hunderte tödliche Sachen zuziehen.

Doch von dem bekam Gabriel wie schon erwähnt reichlich wenig mit und so strich er weiter über Santos’ kühle Haut, neckte verspielt die Knospen mit den Fingerspitzen und eroberte sich die Lippen seines Vampirs.
Wenn er heute schon sextechnisch außer Gefecht gesetzt worden war, wollte der Große wenigstens das Rundherum haben und dabei bitte das volle Programm, und wer sagte denn, nur weil er nicht konnte, dass er seinen Vampir mal nicht...
Eine helle Röte breitete sich auf den Zügen Gabriels aus und er verbiss sich in Santos’ Halsbeuge, malträtierte das weiche Fleisch, das er kurz davor noch mit Küssen übersät hatte.

Santos griff in das schwarze Haar, das sein Kinn streifte und zog seinen Schatz langsam auf Augenhöhe zu sich. „Will ich wissen, was du Verferkeltes gedacht hast, dass es einem wie dir noch die Röte ins Gesicht treibt?“, lachte er leise und strich Gabriel über die Lippen.
Der wurde seinerseits noch um einiges dunkler und murmelte sinnlose Sachen, die Santos vielleicht gern verstanden hätte. Aber das konnte er sich abschminken. Denn eine Etage weiter oben war gerade eine durchgeknallte Maus dazu übergegangen das Lied von Teddy aus dem Spielzeugland zu singen – aber in einer Lautstärke, die wohl in einer Viertelstunde die Nachbarn auf den Plan rufen dürfte.
Wie sollte denn romantische Stimmung aufkommen, wenn er diese blöde Maus einfach nicht aus seinem Kopf bekam? Das kleine Vieh sang und sang – laut und falsch! Da konnte einem doch wirklich alles vergehen.
Seufzend schloss Santos die Augen – die Vision einer Maus hinter Gittern wurde penetrant!

Diesmal drang der Protest der eingesperrten Maus an Gabriels Ohren und er ließ sich frustriert auf seinen Vampir nieder sacken, versuchte das Gegröle zu ignorieren und sich die Ohren zu zuhalten, was aber Santos’ Finger, die noch immer mit einer seiner Hände spielten, unmöglich machten.
„Nicht wirklich, oder???“, murmelte der Dunkelhaarige und schnuffelte sein Gesicht in die Halsbeuge seines Geliebten. „Das macht die Maus nicht wirklich, oder??“

Santos verdrehte nur hinter geschlossenen Lidern die Augen. „Sag DU es mir, er ist dein Freund!“, knurrte er und versuchte diese nervtötende Melodie wieder au seinem Kopf zu bekommen. Aber wie das bei Ohrwürmern immer so war, man summte sie mit, man ging die Melodie im Kopf durch bis man blöde wurde und Santos war kurz davor, denn er bewegte schon zum Text die Lippen.
„Kam ein kleiner Teddybär, aus dem Spielzeugland daher. Und sein Fell war kuschelweich – alle Kinder riefen ...ahhaa!“, machte er irgendwann und krallte seine Finger in Gabriels Haar. „Ich bring das kleine Mistvieh um und Kawa gleich mit. Und wenn er fragt warum, bring ich den noch mal um!“

Dem konnte Gabriel nur zustimmen und er fing an zu grübeln, was man denn bitteschön mit einer lästigen, überdrehten Maus tun konnte außer einsperren, na gut, vielleicht vorher noch knebeln und fesseln.
Was aber jetzt und hier nicht anzuraten war, weil der aggressive Nager sie sicher anfallen würde und sie somit keine Zeit zum Knebeln und Fesseln hätten.
Und wenn man das betroffene Tier außer Haus schaffte und,... „Zoo aussetzen, Fundbüro abgeben, ...“, murmelte der Große leicht seine Ideen mit und blinzelte Santos dann von oben herab an. „Tierheim!!“

„Wie gesagt, die in Heathrow nehmen auch Nagetiere“, erklärte Santos und summte wieder das besagte Lied, das die Maus jetzt sicher schon zum achtundzwanzigsten Mal anstimmte und von mal zu mal lauter und nerviger wurde. „Aber wie bekommen wir den in ein Tierheim. Wir können ja schlecht hingehen und sagen: gute Frau, der Kleine hier nervt, bitte behalten sie ihn hier, das machen die nicht“, grübelte der Vampir und zog seinen Menschen auf und an sich, während er langsam anfing die Maus im Geiste zu zerpflücken, die kleinen dürren Beinchen auszureißen und einen Knoten in das immer geile Schwänzchen zu machen. Vielleicht konnte man die Maus auch anbinden und an einer Leine hinter sich herzerren – oder eine Transportkiste!
„Und angenommen wir schaffen ihn ins Tierheim – wie bekommen wir ihn dahin, ohne dass er Verdacht schöpft und uns das Gesicht zerkratzt oder im Wagen tobt wie ein Irrer!“

Gabriel guckte verdutzt zu Santos, na die Frage war mal zu einfach zu beantworten. „Auf was reagiert die Maus mehr, als auf Sex und Spannen???“, neckte er seinen Vampir und lehnte sich an den Anderen, seine Finger krabbelten über die Schultern Santos’ und kraulten das lange Haar. „Willst du raten?“, wisperte er amüsiert weiter und lachte auf, als er nur ein Grollen erntete.
„Okay okay“, kicherte der Große und striff Santos’ Lippen mit seinen. „Was macht die Maus wenn man Fastfood mit ins Spiel bringt??“

„Uns umbringen, wenn wir sie ihm nur versprechen, ihn locken und er dann leer ausgeht. Also ich habe keine Lust mir eine tobende Maus ins Genick zu setzen, die nicht nur sexuell frustriert ist, sondern auch noch wütend, weil wir ihn gerade eingesperrt haben – ohne Fernseher, wenn ich das mal betonen darf“, erklärte Santos und sah, wie auf der Mattscheibe irgendwo hinter Gabriel immer wieder wilde Farben explodierten – sicher so ein neumodisches Musikvideo. Mit diesen psychedelischen Farben hätte man die Maus sicher klasse hypnotisieren und dann verschnüren und verladen können – aber so?
Im Augenblick tobte er da oben und machte Fluchtpläne, war dabei Laken zu verknoten – Santos’ gute Seidenlaken!

„Entweder suchen wir eines der Betäubungsgewehre aus dem Keller und schicken ihn schlafen oder wir locken ihn in eine Transportkiste, öhm … haben wir eine Transportkiste?“ Die goldenen Augen funkelten – keiner verknotete seine Bettlaken ohne dafür zu leiden!
„Und wir sollten dafür sorgen, dass er gegen Staupe, Räude und Würmer geimpft wird“, erklärte er und setzte sich auf.
Was in seinem Haus war geeignet, sie vor einer tobenden Maus zu schützen? Sein Blick fiel auf die Chips.

Gabriel grübelte derweilen noch über die Frage in was man eine tobende Maus sperren konnte und hatte eine böse, eine sehr böse Idee: sie hatten sich erst vor einer Woche aus Hongkong einen sehr schönen Rosenholzsessel kommen lassen, sie beide hatten das Ding im Internet gesehen und haben wollen.
Tja und die Transportkiste, bestehend aus dicken Holzbrettern mit Metallbeschlag damit der kostbaren Fracht auch ja nichts geschah, tja, die stand noch immer im Keller.

Mit funkelnden Augen drehte sich Gabriel zu seinem Vampir, der dazu übergegangen war die Chips auf und einzusammeln und in der Tüte zu verstauen, wo sie nicht mehr ihren schönen Teppich versauen konnten.
„Santos...“, schickte der Große dunkel grollend zu seinem Schatz, dass es diesem eine Gänsehaut aufzog und die goldenen Augen sich auf die Blauen Gabriels richteten. „Was hältst du von der Holzkiste aus Hongkong?“

„Die hat aber keine Luftlöcher, Schatz. Kawa bringt uns um, wenn wir seine Maus töten!“, erklärte der Vampir und knüllte die Chipstüte zusammen. Zwar hatte er nicht alles aufsammeln können, aber mit dem Staubsauer würde er wohl noch mal drüber müssen.
„Ich habe keine Lust einen tobenden Vampir in meinem eben renovierten Haus zu bändigen, nur weil die Nervmaus in seinem eignen Mief erstickt ist.“
Er sah auf seinen Schatz hinab, der mittlerweile wieder rücklings auf dem Teppich lag und zu ihm hoch schielte. Seine Finger gruben sich in den Saum von Santos’ Hosenbein und zogen ihn zu sich.

„Ja schau nicht so – die Maus wird erst in der Kiste toben – wobei mir schon unklar ist, wie wir das Vieh da reinlocken wollen. Stellen wir eine Falle auf und ködern ihn rein oder was? Wobei wir wieder das Problem haben: womit locken wir eine misstrauische Maus in eine fensterlose Kiste, wenn wir gerade keinen nackten Kawa zur Hand haben?“
Santos ging neben seinem Schatz in die Knie und küsste ihn, während eine Etage weiter oben eine gewisse Maus dazu übergegangen war, zum achtundfünfzigsten Mal das Lied von kleinen Teddybär zu schreien und zu hoffen, dass irgendwann noch jemand Mitleid mit ihm hatte. Seine letzte Mahlzeit war schließlich schon drei Stunden her!
„Sollen wir Kawa anrufen und fragen?“

„Was fragen? Wie wir seine Maus ruhig stellen können oder wie wir ihn in die Kiste bekommen?“ grinste Gabriel dabei leicht und kroch wieder näher zu Santos, solange die Maus noch sang und somit im Zimmer war konnte er ja mal ein wenig Flauschen abfassen.
So neben dem Pläne schmieden und so.
Hockte sich der Große auf die Fersen und zischte kurz, als sich ein harter kleiner Gegenstand in seinen ohnehin schon lädierten Schritt bohrte. Was bitte hatte er denn da wieder eingesteckt?
Genervt fischte er nach dem Schmerzherd und hielt Yujos kleine Kamera in Händen.
Sah er nach kurzem Überlegen zu Santos, und grinste fast ein wenig diabolisch.
„Ob er das Ding wieder haben will?“

Der Vampir sah etwas verwirrt aus und fasste in seine eigene Tasche. Hatte er das Ding nicht eben noch eingesteckt gehabt? „Wie kommst du denn in diesen Besitz? Die hab ich doch vorhin eingesammelt, weil ich mir eines der Bilder darauf vergrößern und übers Bett hängen wollte“, erklärte er mit einem fiesen Grinsen und wippte mit den Augenbrauen. „Lösch die ja nicht! Und was Kawa angeht: ich wollte eigentlich nur wissen, ob er mal herkommen und sich nackt in die Kiste setzen kann.“ Santos fing bei dem seltsamen Blick seines Freundes zu lachen an.

„War n Scherz. Ich würde sagen – ein paar leckere Brote schmieren und dann in die Kiste tun und schon läuft uns die immer fressen könnende Maus in die Kiste. Wobei wir dann das Problem haben, die Kiste zu transportieren! Die passt nicht in deinen Wagen – erinnere dich.“
Und nun waren sie wieder am Ausgangspunkt ihrer Überlegungen: wie bekam man eine misstrauische Maus ins Tierheim, ohne dass der merkte was abging und türmte, verloren ging und Kawa sie steinigte.

„Och!“ Gabriel guckte ganz, ganz unschuldig zu Santos und unterdrückte ein Grinsen. „Den hab ich wohl vorher geklaut, als du mit der Maus beschäftigt warst.“ Er hatte so ähnliche Gedanken wie sein Schatz gehabt aber das musste der ja nicht wissen.
„Und wenn wir die Kistenmaus dann abholen lassen? So von wegen Tier eingefangen und so? das sie sich drum kümmern sollen?“ Nun, da das störende Teil aus seiner Hose geschafft war, konnte er sich wieder ohne Schmerzen im Schritt an den Vampir schmiegen.
„Wäre nur das Problem wie wir die Maus dran hindern zu reden und um Hilfe zu rufen.“

Santos ließ sich eine ganze Weile durch die Haare kraulen. Leichte Küsse lenkten ihn immer wieder ab. Doch dann sah er seinen Schatz an. „Du würdest den Kleinen echt knebeln und fesseln?“, wollte er wissen und hatte plötzlich das Bild vor Augen, wie eine kleine verstörte Maus, an Vorderpfoten und Hinterläufen gefesselt und mit einem großen Tuch geknebelt in der Ecke einer dunklen Holzkiste hockte und verstört wimmert – und im Gegenzug ein wütend schnaubender, schwarzhaariger Vampir ihm die Luft abdrehte und Gabriel vierteilte.
Kein schönes Bild –schon gar nicht, wenn einem die eigene Fantasie auch noch alles in Farbe präsentierte.
Er schüttelte sich.
„Ich glaub das bring ich nicht übers Herz, die lästige Maus so zu quälen. Ein Yujo, der nicht reden darf und sich nicht bewegen? Der stirbt doch. Lügen wir ihn lieber an und fahren ihn eigenhändig hin.“

Erstaunt sah Gabriel in die goldenen Augen. „Du würdest das nicht schaffen?“, zeichnete sich die Verwirrung auf seinem Gesicht ab. Okay, Santos hatte sich in den letzten Wochen schon mehr als verändert, aber gänzlich konnte der starke und hinterlistig kalte Vampir doch nicht verschwunden sein?
„Echt jetzt?“, legte er sein Kinn weiter grübelnd auf Santos’ Bauch ab und verschränkte die Arme darunter. „Dann sollte ich die neuen Spielzeuge wohl wieder in den Keller schaffen.“, murmelte Gabriel leise und zuckte mit den Schultern.
„Na gut, sagen wir ihm, dass wir als Entschuldigung fürs Einsperren mit ihm zum Mc Donalds fahren.“, setzte sich Gabriel auf und stand danach auf den Füßen. „Ich lass ihn schon mal ins Auto.“





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Santos, der nun seinerseits auf dem Teppich hockte, sah etwas verirrt drein. „Nur weil ich Mitleid mit der Maus habe und keine Lust darauf, dass mich Kawa in eine Schuhkiste einschichtet, wenn er merkt, dass die Maus ein Trauma von Holzkisten hat, musst du doch unser Spielzeug nicht wegräumen. Bei dir habe ich da keine Skrupel, dich würde ich fesseln und knebeln, dich anknabbern bis du fast wahnsinnig wirst und dich erst erlösen, wenn du ohnmächtig bist. Aber so was kann ich doch mit der kleinen Maus nicht machen, das grenzt bei dem doch an Kindesmissbrauch!“
Santos strich sich die Haare zurück, während ihm Gabriel aufhalf. Ein kurzer Kuss, dann schob er ihn wieder von sich. „Los, lock die Maus ins Auto und verriegle die Türen.“

„Gut zu wissen.“, fauchte Gabriel dunkel und strich in Gedanken das Spielzeuge wegschaffen von seiner Liste, vielleicht sollte er sie stattdessen eher gleich am Bett festmachen.
Der Blick der blauen Augen driftete dabei in die Ferne als er überlegte was man bei dem großen, nein eher extragroßen kingsize Bett so alles anstellen könnte und er leckte sich unbewusst über die Lippen.
„Okay, ich tu mir die Maus an, aber du fährst dafür.“, haschte Gabriel noch mal nach den Lippen seines Vampirs und ging danach zur Treppe und der mörderischen Aufgabe
eine Maus ins Auto zu schaffen, nein, eine wütende und mosernde Maus ins Auto zu schaffen.

„Ja klasse“, hörte er Santos noch murmeln, der nicht wirklich gern fuhr. Er hatte zwar gleich nach ihrem alles verändernden Abend mit Damion und Leondro Fahrstunden genommen und seinen Führerschein gemacht, aber gern fuhr er nicht!
Doch Gabriel hatte das nicht mehr mitbekommen, denn er konzentrierte sich auf eine gewisse Tür im ersten Stock - hinter der eine immer noch singende, und regelmäßig gegen die Tür tretende Maus lauerte und er sich sicher war, dass besagte Maus ihn anfallen würde, würde er die Tür auch nur einen Spalt breit öffnen.

Die Maus indessen war dazu übergegangen in seinem Zimmer seine Decke auf den Boden zu verfrachten und sich ein Nest vor der Tür zu bauen. Wenn er hier übernachten musste, wollte er es weich haben. Und so wie er Gabe kannte, der jetzt seinen Santos verwöhnen würde, auch ohne ihn zu pimpern - das konnte dauern. Von Quickis hatten die Beiden echt noch nie was gehört! Das dauerte und dauerte und Yujo verfluchte sich gerade selber, dass er hier noch keine Vorratslager angelegt hatte.
Schändlich - das musste er sich gleich morgen als erstes vornehmen, wenn er hoffentlich wieder freigelassen wurde - oder von Kawa gerettet.
Wahlweise.
Gerade war Yujos Lied zu ende und er lauschte kurz auf - Schritte, was war denn das?
„Gä-häb?“

Vor der Tür stehend lauschte Gabriel, hörte wie das Singen unterbrochen wurde und in ein fragendes Jammern überging, wie an der Tür plötzlich gekratzt wurde und er konnte sich die am Boden hockende und winselnde Maus fast vorstellen.
Und das auch noch so gut, dass der Große die Tür gar nicht aufmachen wollte, weil.....


Erstens sind eingesperrte Mäuse, die normalerweise mehr Freiraum haben, aggressiv.
Zweitens sind freilaufende Mäuse, die auch noch einen Freund haben, der sie regelmäßig erschöpft, wenn man sie in Einzelhaft nimmt noch aggressiver...
und Drittens hatte diese im Zimmer hockende Maus in den letzten drei Stunden nichts zu futtern und hungrige Mäuse... tja, solche waren am aggressivsten.
Langsam, ganz ganz langsam, hob Gabriel seine Hand und legte sie auf den Türgriff, machte sich auf den Angriff bereit und drehte dann den Schlüssel im Schloss herum.


Seine Verwirrung war regelrecht greifbar, denn das Klicken des Schlosses war nicht zu überhören, dafür war hinter der Tür Todesstille. Hatte er den Zeitpunkt verpasst wo die Maus noch zu retten gewesen wäre? Ist er gerade verhungert und keiner hat’s gemerkt? War das leise Kratzen und Wimmern sein Todeskampf gewesen?
Oder stellte sich das kleine, schlaue Mistvieh nur tot, um Gabriel dann hinterrücks zu überfallen - schließlich war diese Maus, hungrig, sexuell frustriert und einsam!
Die so genannte „tödliche Mauskombination“.

Yujo indes lauerte auf der anderen Seite und versuchte buchstäblich mucksmäuschenstill zu sein. Der Junge war ja auch nicht doof. Anstatt mit seinem Kuschelvampir zu flauschen, war Gabe vor seiner Tür? Die hatten doch was vor - Maus, sei wachsam!
Und da ging die Tür vorsichtig auf, schob die Decke, die die Maus zu einem Nest zusammengerollt hatte, beiseite und Yujo hockte zum Sprung bereit. Noch passte er nicht durch die Tür, noch ein paar Zentimeter ... und tatsächlich.
Gabriel schob die Tür noch etwas weiter auf und schien die Maus zu suchen, doch der hatte seine Chance zur Flucht schon entdeckt, riss das Türblatt weiter auf und rutschte Gabriel zwischen den Beinen durch.
„Frei!“, rief er und flitzte los.

„Shit“, fluchte der so überrumpelte Gabriel und drehte sich noch mit dem Schwung von Mausis Flucht, setzte dem Nager fluchend hinterher. Das gab’s doch nicht, kaum wollte er das Mistvieh freilassen, büxste der einfach aus.
Doch lange dauerte die Jagd nicht, denn Gabriel hatte den Vorteil auf seiner Seite.
Er hatte die längeren Beine und so nahm er schon auf der Stiege immer zwei Stufen auf einmal, überbrückte den Abstand zwischen sich und der Maus und schnappte nach dem Kragen des flüchtigen Nagers.
„Stop, YuYu. Wir wollen Essen gehen und du kommst mit.“, knurrte er dabei und grinste ungesehen von dem Jungen, bevor er leise weiter fluchte. „Du bleibst sicher nicht unbeaufsichtigt hier.“


Von dem Lärm, den eine wohl gerade sterbende Maus verursachte, angelockt schlich Santos zur Treppe und wurde nun Zeuge, wie Gabriel den Kleinen am Kragen hatte und der winselte und jammerte und sich am Geländer festhielt. Irgendwie war rauszuhören, dass Yujo sich weigerte mit den beiden anderen Essen zu gehen, weil die immer nicht dort hin wollten, wo Yujo hin wollte und weil die immer Sachen essen wollten, die kein normaler Mensch aussprechen konnte und dann fiel der Maus auf, dass er es ja gar nicht mit Normalen zu tun hätte, sondern mit Gabriel und Santos, was dazu führte, dass stärker an Yujos Kragen gezogen wurde und die Maus blau anlief und die Augen verdrehte.

Das war wohl die Stelle im Drehbuch, wo Santos beschlossen hatte, die nach Kawa wimmernde Maus zu retten.
„Hör auf ihn umzubringen, Schatz. oder glaubst du, Kawa merkt nicht, wenn die Maus in seinem Bett sich nicht mehr regt?“
„Ganz genau - Maus im Bett sich nicht mehr regt – so was fällt sogar Kawa auf“, moserte Yujo und versuchte noch immer sich zu befreien. „Ich will kein französisches Essen und ich will auch kein italienisches. Ich will schlicht und ergreifend Brot mit Mortadella und das ist unten im Kühlschrank.“
Santos kicherte nur als er die Treppe wieder hinab stieg. „Sieh zu, wie du ihn ins Auto bekommst.“

„Sehr hilfreich, Flauschvampi, sehr hilfreich.“, moserte Gabriel und drückte die Maus gleich mal gegen das Geländer und fing an Finger für Finger von dem dunklen Kirschholz zu lösen, guckte gleichzeitig auch, ob der Nager in seinem Überlebenskampf etwa auch noch Kratzer in die glatte Oberfläche geschlagen hatte.
Zum Glück war dem nicht so und so löste der Große weiter ein Mäusepfötchen nach dem anderen und legte sich anschließend den Nager einfach über die Schulter.
Sofort fingen natürlich die Mäusepfoten an auf seinen Rücken einzutrommeln, dass Gabriel die Zähne zusammen biss und YuYu einfach mal auf dem Hintern klapste, seltsamerweise wurde der darauf hin ruhiger.
Wollte er wissen woher der Nager so auf das reagierte????
Nicht wirklich, ne?

War auch besser so, denn das waren Mausgeheimnisse, die er nur mit einem teilte. Aber irgendwie war er wirklich schon darauf trainiert, in dieser Position und auf dem Hintern fixiert, Ruhe zu geben. Aber auch nur, weil ihm anschließend eigentlich immer was nettes passierte. Allerdings brauchte das kleine Maushirn eine Weile um zu begreifen, dass dies hier nicht passieren würde, dass er nicht von Kawa unter die Dusche gebracht, sondern von Gabriel zu irgend einem Fresstempel verschleppt wurde, in den er nicht rein wollte, wo es kein Mortadellabrot geben würde und er sich immer benehmen musste - Dinge, die eine kleine Maus echt anpiepen konnten!

„Lass mich runter, ich schlag dir auch noch den Arsch blau wenn du so weiter machst“, moserte und drohte die Maus ziemlich unglaubwürdig und Santos stand nur im Flur und lachte. Gerade war er dabei der über die Schulter seines Süßen hängenden Maus die Schuhe anzuziehen, wobei der langsam anfing zu glauben, er würde gleich auf der Straße ausgesetzt!
Da war’s doch kalt und dunkel und nichts für kleine, ängstliche Mäuse, die Hunger auf Mortadellabrote hatten!
„Ich will nicht!“, schrie er und klammerte sich blitzartig an der Gardarobe fest! Nein, kampflos würde die Maus nicht aufgeben!

„Lass meinen Arsch da raus, es reicht schon, dass du meine Vorderseite außer Gefecht gesetzt hast Yujo.“, grummelte Gabriel und klapste diesmal und weil die Maus nicht mehr loslassen wollte, fester auf den Po neben seinem Gesicht.
Ein anderer Hintern vor seiner Nase wäre ihm jetzt um vieles lieber und leckerer und überhaupt... rief sich Gabriel zur Raison und guckte zwischen den Mäusehändchen, die sich in der Garderobe verkeilt hatten und Santos hin und her. „Wer, glaubst du, gibt zuerst auf??“, wollte er von seinem Vampir wissen und zog zur Untermalung mal ein wenig an Yujo, sodass sich dessen Arme reckten und streckten, der Nager zu knurren und die Garderobe zu ächzen anfing.

„Natürlich der Klügere von euch – und das ist eindeutig die Gardarobe“, lachte Santos und wurde zeitgleich von Maus und Mausbändiger angestarrt. Er zuckte nur die Schultern und warf sich seinen Mantel übel.
Doch die Maus, dem Erfrierungstod mental näher als dem Leben, krallte sich noch immer in den Jacken fest, die in der Gardarobe hingen, dass Santos langsam der Kragen platzte. Wie ging das kleine Mistvieh denn mit seiner Brokatjacke um? Verzweiflung und Todeskampf hin oder her, so hatte nicht mal eine durchgeknallte Landplage wie Yujo mit seinen Klamotten umzugehen.

„Mann Kleiner, jetzt stell dich nicht quer, wir fahren zu einem Drive In, dann kannste Pommes und Burger futtern. Und wir kaufen uns auch was und essen in Ruhe zu hause. Nur da du leider Katastrophen anziehst wie eine Magnet können wir dich ja nicht alleine lassen, während wir einkaufen – und Burger King liefert nicht, weißte ja.“
Yujo blickte sich um, hey – der Vampir hatte Recht. Es klang schlüssig was der sagte.
„Äschd!“, wollte er wissen und sah auf seine sich festkrallenden Pfötchen. Sollte er denen glauben? Was wenn sie logen?

Gabriel biss sich auf die Zunge, um nicht laut zu lachen als er merkte wie der Nager stutzte und einhielt. „YuYu, las los, ich will nachher noch rechtzeitig zum Abendfilm wieder da sein wenn’s geht.“, knurrte der Große und rupfte am Hosenbein des Jungen.
Die Maus ließ aber noch immer nicht ab von Santos’ Jacke und der drohte knurrend, trat zu Gabriel, sodass der in die goldenen Augen sah.

Gabriel drehte seinen Kopf zur Seite und folgte dem grantigen Blick seines Schatzes, merkte woran sich der störrische Junge grad festhielt und ein beunruhigtes ohh ohh spukte durch seinen Kopf.
Er, Gabriel, hatte Santos vielleicht davon abbringen können die ganze Zeit in Rüschen herum zu laufen, aber niemand durfte sich an den teuren Brokatsachen seines Fangzahns vergreifen.
Zumindest nicht wenn man sein Leben liebte.
„YuYu, ich würde loslassen.“

„Du würdest loslassen“, ätzte der Junge in verstellter Stimmlage. „Du würdest auch arme Tintenfische auf deiner Pizza essen.“ Na die Maus dachte ja gar nicht daran, sich von seiner einzigen Rettung – auch wenn es nur eine echt komische Jacke war – zu trennen. Man müsste seine kleinen Mäusepfötchen schon aus der Jacke schneiden, um ihn hier noch wegzubekommen.
Nur gut, dass Santos diesen Gedankengang nicht lesen konnte! Knitterfalten in seiner Jacke waren schon Steinigung mit drei Wochen altem Baguette wert. Aber Löcher? Auf Löcher stand wohl eindeutig Hausverbot für durchgeknallte Ungeziefer!

„Yujo Kento, dies ist ein durchaus gut gemeinter Hinweis.“ Santos’ Stimme war leise aber durchaus bedrohlich, weswegen der Kleine auch zu dem Vampir guckte, um zu testen was jetzt abging. Er musste sich hier schließlich einsam und verlassen gegen zwei große Jungs wehren, die ihn aussetzen wollten und verhungern lassen oder noch viel schlimmer. Mit französischem Mist voll stopfen. Warum rettete ihn denn keiner? Nicht mal die suppentellergroßen Mausaugen konnten etwas ausrichten als der Vampir seine langen Nägel in die weichen, kleinen Mauspfötchen trieb und der aufquietschte. „Aua – das tut doch weh, du Arsch.“

Als ob Santos das interessieren würde! Bei dieser Jacke kannte er keine Freunde! Sofort strich er sie glatt, ohne auf die winselnde Maus zu achten, der was vom Tierschutzbund faselte.
Na prima! Gabriel nutzte seine Chance und zerrte die Maus von der Gardarobe weg, so weit, dass der Kleine nichts mehr gegriffen bekam und nun mit seinen Hinterläufen zu strampeln versuchte.

Kam er mit diesen Gabriels Schritt wieder bedrohlich nahe, so dass der es nur Santos gleich tat und knurrte, und nicht zu freundlich.
Da er beide Hände mit einer sich wehrenden Maus voll hatte drehte sich der Große und guckte zu, wie Santos seine Jacke noch hegte und beruhigte. „Schatz, sperr das Auto auf.“, bat er seinen Vampir und keuchte, als Yujo ihm durch das Strampeln mit einem Fuß auf die Schulter schlug.
Gabriel wartete, bis Santos sich die Schlüssel geschnappt hatte und ging, sobald sich die Wohnungstür geöffnet hatte, vor. Sein Vampi würde ihn schon spielend wieder einholen, und ihm so auch die Autotür öffnen können.

„Wah!“, kreischte die Maus wieder. Aber das brachte nun wirklich nicht viel. Santos’ Villa stand recht einsam und so konnte die arme, kleine, misshandelte Maus brüllen was er wollte, es würde keiner kommen und ihn erlösen.
Irgendwie war das Yujo gar nicht geheuer was die Beiden hier abzogen. Es war nämlich eher ungewöhnlich, dass die Maus zum Essen gezwungen wurde, wo doch Santos immer wieder betonte, wie viel er fressen konnte und wie teuer das kleine Biest in der Haltung war. Hier war doch was oberfaul!

Normalerweise musste die Maus um jedes Brot kämpfen, um jeden Chip und jedes Stück Pizza. Und jetzt sollte er gezwungen werden, etwas zu Essen zu bekommen?
Hier stimmte aber wirklich was nicht!
„Nein! Ich will noch nicht sterben – ich bin so jung und so süß! Ich kann noch nicht sterben! Kawa bringt euch um, wenn ihr seine Maus misshandelt!“ Noch immer zappelte er wie wild und klopfte auf Gabriels Rücken.
Santos grinste nur – ja, bald waren sie das kleine Vieh los. Voller Vorfreude öffnete er den Wagen und hielt die Tür schön weit auf.

Das war auch nötig, denn da die Maus immer wilder strampelte je näher Gabriel dem Wagen kam umso mehr musste der darauf achten, das er dem Nager nicht doch, durch Zufall natürlich, ein Beinchen oder was auch immer gegen die Außenseite des Autos donnerte.
„Ist die interne Kindersicherung drinnen??“, fragte der Große mal seinen Fangzahn weil er wollte ja nicht riskieren, dass die Maus wieder ausbüchste sobald der mal im Wagen saß, war ja schon genug, dass der die Fahrt über auch noch irgendwie gebändigt werden musste.

Das erste Mal fragte er sich, warum er auf das Hundenetz, das es damals zu seinem Wagen dazugegeben hätte, verzichtet hatte. Wenn das jetzt nicht von Nutzen gewesen wäre, wann dann!!
„Ja ja, wenn du die Tür zuschlägst, bekommt das kleine, jackenquälende, chipsverteilende Vieh sie nicht mehr auf.“ erklärte Santos gelassen und lehnte über den Wagen auf der Fahrerseite, während er lachend mit ansah, wie die Maus wohl um sein kleines Mausleben wimmerte. Er konnte nur hoffen, dass keiner seiner Nachbarn das hörte! Nicht auszudenken was das für Gerüchte gab, wenn hier kreischende, kleine Jungs entführt wurden.

Yujo indes hatte ganz andere Sorgen, er sah sich schon ausgesetzt an einer Raststätte, während Gabriel seine Beine festhielt und Yujo nicht wusste, ob er am Ende noch zwei davon haben würde, so wie der Große daran zog.
„Lass mich los!“, wütete er wieder und jetzt hatte auch die so geduldige Maus die Nase voll. Seine Hände wanderten blitzschnell um Gabriel und öffneten dem einfach die Hose, mal sehen was der tat, wenn die Maus an den Schlaufen zog und die Hose langsam ins Rutschen kam.

Gabriel wäre da wohl anderer Meinung von wegen geduldig und so, und knurrte gereizt auf, als er schmale Finger über eine Zone huschen fühlte, wo die sicher nichts, aber auch überhaupt nichts, zu suchen hatten.
„Pfoten weg, sonst ab.“, grollte er dunkel und stopfte den Nager weiter erbarmungslos in den Rücksitz, nur noch die Füße und ein Arm hingen aus dem Auto und der Große fing an auch diese in sein Fahrzeug zu stopfen, ohne etwas in die falsche Richtung zu biegen.
Wäre ja nicht auszudenken wenn Kawa dann mit einer Schadensmeldung ankommen würde.

Gabriel schüttelte es noch immer, wenn er an den Anblick dachte, den die beiden Vampire geboten hatten, nachdem sie eine Runde im Keller gespielt hatten. Er hatte Santos erst mal so lange unter die Brause stellen müssen, bis das Gröbste an Blut und Dreck weg war, warum hatten sie bloß einen der Trainingsräume mit Erdboden belassen.
Ach ja, viel es ihm wieder ein, eigentlich hätte das ja ein natürlicher Lagerraum werden sollen, doch nun... zuckte Gabriel mit den Schultern und drückte eine Hand von seinem Schritt weg und ins Innere des Autos.

Yujo, immer noch besorgt um besagte Pfötchen die gleich ab waren, wenn er sie nicht bei sich behielt, rief noch immer qualvoll und leidend nach Kawa und um Hilfe, wahlweise auch um beides, aber keiner hörte die wehrlose, gepeinigte Maus. Der schlug gerade die Finger ins Polster und wollte wieder aus der Tür verschwinden, aber da stand Gabriel wie ein Berg und hinderte auch die kleinste Maus daran, wieder zu türmen.
So suchte sich Yujo ein Mauseschlupfloch, denn er wollte keine Muscheln essen und außerdem hatten die was vor, das sagte ihm sein untrüglicher Instinkt als Waldtier! Okay, er verlief sich zwar in einer Telefonzelle – aber hier trogen ihn seine Instinkte nicht!

Da! Ein Schlupfloch, rechts neben Gabriel.
Doch noch ehe die Maus Anlauf nehmen konnte, wurde er aus einer ganz anderen Richtung gegriffen und ins Polster gedrückt.
„Gib Ruhe, sonst vergess ich mich wirklich noch! Scheiß egal, ob Kawa dich wieder haben will!“ Santos knurrte bedrohlich, als er sich über den total entsetzten Yujo beugte, der nur noch leise fiepste. Was schlich sich der blöde Vampir auch von der anderen Seite auf den Rücksitz?
„Gabe – du fährst“, erklärte der augenblickliche Mausbändiger und reichte seinem Schatz die Schlüssel.

Froh darüber, dass er den wehrhaften Nager los war, vergaß Gabriel sogar zu protestieren, dass er schon wieder Chauffeur spielen musste.
Hatte se4in Fangzahn nun schon einiger Zeit offiziell einen Führerschein und trotzdem wollte Santos meist nicht fahren, sondern lies ließ sich zu aller Amüsement lieber herum chauffieren.
Tja und wer machte das meist???? Gabriel!!
Doch heute maulte der Große mal nicht, sondern ging grinsend auf abstand Abstand zu der Maus und schlug die Tür zu, bevor er vorne auf den Fahrersitz schlüpfte und noch beim einsteigen Einsteigen den Schlüssel reinwarf.
„Los geht’s.“, murmelte er nebenbei und lachte, als er ein entsetztes quietschen von Yujo dafür erntete.





- 7 -

Der Kleine saß in seinen Gurt geschnürt und von Santos wurde er nicht aus den Augen gelassen.
Erst hatte er gewinselt und gewimmert, aber da waren die beiden fiesen Männer einfach darüber hinweggegangen. Nun hockte er da und kreischte, dass einem Hören und Sehen vergehen konnte, denn Yujo sah sich schon an der Raststätte kurz vor der Autobahn, weil das die Richtung war, die Gabriel eingeschlagen hatte. Eiskalt strebte er die Raststätte an, wo schon so oft kleine, wehrlose Mäuse ausgesetzt wurden und nun würde es diese Maus treffen.
„Kawa“, winselte er immer wieder, „ich will nicht ausgesetzt werden.“
Vergessen war das Versprechen von Essen – er wollte nach hause, in sein Bett!

Aber durch einen nicht weiter zu erwähnenden, finster guckenden Vampir, der bedrohlich nahe neben ihm auf dem Rücksitz saß, war er so abgelenkt, dass er das Anfahren und Ausschwenken des Autos nicht mal richtig mit einem Schrei zu würdigen wusste und Gabriel die ersten Kilometer in herrlicher und seltsamer Ruhe verbringen konnte.
Auf die Schnellstraße aufgefahren warf er einen misstrauischen Blick in den Rückspiegel und konnte aber nur die Silhouette von Santos ausmachen, bevor er wieder nach vorne sehen musste. So notgezwungener maßen, damit er nicht das nächste Auto oder einen Baum, einen Zaun oder was auch immer, rammte.
„Scha-hatz??“, schickte der Große fragend nach hinten. „Was hast du gemacht, dass der Nager plötzlich so ruhig ist??“

„Ihn kampfunfähig gemacht und ich werde ihm den Mauseschwanz abreißen, wenn er nicht bald ruhig ist – das Gewimmer geht einem echt auf den Nerv“, knurrte Santos und sah die Maus warnend an, der schon wieder schniefen wollte, es dank glühend goldener Augen aber doch ließ.
Jetzt war es also soweit! Jetzt fuhren sie an den Rand der Stadt auf eine schmutzige Raststätte und dann würden nur zwei wieder nach Hause fahren und sich einen netten Abend machen und irgendwie wusste Yujo schon, dass er nicht dabei sein würde. Er sah sich schon mit einer räudigen Katze um einen Wurstzipfel aus einem übervollen Mülleimer balgen.

Oh grausame Welt, die kleine Mäuse so quält!
„Ich will noch nicht sterben“, murmelte er immer wieder aber er kam gar nicht dazu sich aus dem Gurt zu befreien und aus dem fahrenden Wagen zu flüchten um seinem unausweichlichen Schicksal zu entkommen, denn Santos hatte dafür gesorgt, dass die kleinen Mauspfoten keine schwerwiegenden Schäden anrichten konnten. Er hatte Yujo kurzerhand auf seine eigenen Pfötchen gesetzt und so war die Maus kampfunfähig – schlauer bis sehr schlauer Vampir. Sollte noch mal einer sagen, mit dem Alter käme nicht die Weisheit.

„Schnauze Maus“, knurrte er nur, aber alles was er erntete war ein leises jämmerliches Winseln, eines was Kawa und Gabe sicher weich werden ließ, aber keinen weißhaarigen Vampir, der heute Nacht keinen Sex bekam.
Aber das wusste Yujo noch nicht, er wimmerte weiter, denn es hatte begonnen zu regnen. Er würde also nicht nur ausgesetzt, sondern auch noch ersaufen – jämmerlich zur Regenmaus mutieren.
„Kawa“, winselte er wieder und zog an seinen Händen.

Gabriel bekam eigentlich nur das Geredete mit und halt das schon wirklich sehr herzerweichende Winseln besagten Nagers, der nun mit dem Hintern über die eigenen Pfötchen schubberte, dass Santos ganz skeptisch zu gucken anfing, was das Vieh nun wieder vorhatte.
Vielleicht brütete der ja schon wieder Fluchtpläne aus, wer konnte das schon wissen.
Der Lenker des Autos aber überlegte, nachdem er schweren Herzens und mit vielen Gedanken an seinen lädierten Schritt das Wimmern verdrängt hatte, in welches Tierheim er nun fahren sollte, weil, wenn das zu nahe an einer der Wohnungen liegen würde, würde sich die Maus doch glatt wieder zurück durchschlagen.
Und Strafe muss sein und der Weg nach hause somit verwehrt, zumindest eine Zeitlang.
„Wohin denn nun?“, murmelte er leise in Gedanken versunken, sich nur auf den Verkehr konzentrierend.

„Zu Ka-haaa-wa!“, wimmerte es sofort hinter ihm und Gabriel verdrehte nur die Augen, während sein Vampir festlegte, dass sie nach Heathrow fahren würden. Fast hätte er sich verraten und erklärt, dass in dem Tierheim Nagetiere auch abgegeben werden dürfen. Aber er biss sich schnell auf die Zunge und besah sich, wie die Maus noch immer nervös über seine Mauspfötchen schubberte.
Wenn er nicht genau wüsste, dass die Maus Todesangst wegen Aussetzen hatte, würde er fast vermuten, dass der schon wieder geil war. Seltsames Viechgetier!

„Dort gibt es einen Italiener, der Nager hat“, erklärte Santos und hätte nicht im Traum gedacht, was dann passieren würde. Die Maus, der immer noch davon überzeugt gewesen war, dass er gleich ausgesetzt wurde, sah sich nun in einem Kochtopf und fing an zu kreischen und zu schreien, dass Santos die Ohren klingelten.
„Ihr Idioten, ich lass mich nicht fressen! Ka-waaa!“
Und schon war Stimmung im Auto, denn die Maus hatte seine Pfötchen befreit und fingerte nun am Gurt herum.

Nur der Umstand, dass er grad hinter dem Steuer saß und somit das Auto auch fahren sollte und Gabriel dafür nun mal seine Hände brauchte, hielt ihn davon ab sich besagte Hände vor die Augen zu schlagen.
Das hohe durchdringende und klagende Geschrei der sich schon gekocht und gefressen sehenden Maus erfüllte das Auto und schmerzte Gabriel in den Ohren, dass diese zu klingeln anfingen.
„Yujo, sei still bitte, sonst fahr ich noch wo gegen.“

„Mir doch egal“, motzte die Maus auch gleich los, während er sich mit all seinen Pfötchen, die er gerade entbehren konnte, gegen Santos zu stemmen versuchte, der ihn wieder fester binden wollte.
„Wenn ich sterbe nehme ich euch alle mit!“, prophezeite er in tiefer Stimme, na ja – so tief wie eine hysterisch kreischende Maus eben seine Stimme senken konnte und Santos schlug sich eine Hand vor die Stirn.
Wäre es nicht einfacher gewesen im Keller eine Nische zu suchen und die Maus einzumauern?
Und wo war eigentlich Kawa, wenn man den mal brauchte? Ließ der Typ sie doch tatsächlich mit einer unausgelasteten Maus zurück, ohne das Benutzerhandbuch zu hinterlegen! Frechheit!

Und während Santos auf dem Rücksitz noch mit einer schreienden und mosernden Maus balgte, lenkte Gabriel sein Auto, sicher zu schnell, was der Tacho so sagte, in Richtung Heathrow, wo er auch ein Tierheim wusste. Endlich ließ sich das Schild erblicken, das die Ausfahrt ankündigte und ihm somit auch sagte, dass sie nicht mehr lange zu fahren hatten.
„Gleich sind wir da.“, schickte er leise nach hinten, würden seine Worte von der Maus überhört, doch Santos würde sie schon hören.

Aber so viel Glück war Gabriel nicht vergönnt gewesen. Die Maus hatte sehr wohl gehört dass sie – egal wo auch immer – gleich dort ankamen. Entweder wurde er bei strömendem Regen ausgesetzt oder er wurde wahlweise gekocht und serviert. Beides Dinge, auf die eine kleine, niedliche Maus gern bis sehr gern verzichtet hätte.
Obwohl Santos ihn mit einem Seidentuch aus seiner Tasche die Pfötchen wieder zusammen gebunden hatte, weil die Maus ihn nämlich in seiner Todesangst gekratzt hatte, hampelte der Junge immer noch wie überdreht auf seinem Platz herum.

„Gabe, hast du noch ein Tuch? Wir müssen ihn knebeln, sonst verrät er uns noch“, erklärte Santos über das Kreischen der gleich sterbenden Maus und provozierte so eine wahre Flut von Flüchen und Verwünschungen gegen sich selbst und seinen Schatz. Irgendwas von Schwänze abfaulen und so weiter.
Na ja, war ja auch egal – erst mal mussten sie den Parkplatz erreichen und die Maus verschnüren. Dann konnten sie weiter sehen.

Zum Glück konnte Gabriel diese letzten Gedanken seines Vampirs nicht lesen, sonst wäre er wohl etwas bleich geworden und hätte sich das noch mal überlegt, weil, einmal nett immer nett, und so hätte er die Maus wohl doch frei gelassen und zuhause wieder ausgesetzt.
„In der rechten Hosentasche.“, antwortete er so nur, da er ja nicht mitbekam was Santos schon mit seinem Taschentuch angestellt hatte, lenkte den Wagen wieder in einer der Abzweigungen dem orangen Schild nach, das zu dem Tierheim wies.

Er fuhr schnell daran vorbei und die Maus verpasste völlig, zu gucken, wo er nun eigentlich war. Denn auch einer Maus war es scheiß egal wo er starb – fest stand nur, er wollte nicht sterben. Definitiv nicht! Warum begriff das denn keiner? Was hatte er denn nur gemacht, dass er jetzt sterben sollte? Er war doch nur in der Küche gewesen um etwas zu essen, hatte sich dann Sorgen gemacht und Gabriel gesucht und das war jetzt der Dank, dass er sich Sorgen gemacht hatte? Er wurde gekocht und mit Käse überbacken serviert?
Vielleicht war es jetzt etwas spät zu bereuen, dass er Gabriel impotent getreten hatte, auch wenn der Kerl da ja nicht gerade unschuldig war, die Maus einfach am Hinterlauf gezogen hatte. Das hatte schließlich weh getan.
Aber war Gabriels Impotenz mit dem Tod der niedlichen, kleinen Maus aufzuwiegen?
„Kawa!“, wimmerte er wieder leise. „Der rächt mich – und ich auch!“, fing die Maus nun an zu drohen. Sehr maustypisch, nämlich unglaubwürdig. Er beschloss nämlich gerade, als tote Maus zu spuken.
Santos indes fing an in der Hosentasche seines Freundes zu wühlen, vorsichtig, um nichts kaputtes noch mehr zu schädigen.

Dies entging natürlich der Maus nicht, der auch gleich anfing zu mosern, dass die beiden trotz kaputtem Schritt Gabriels auch noch im Auto und während des Fahrens rummachen mussten und wurde ob seiner Worte gleich von einem grantigen Vampir böse angeblitzt, dass er sich gleich mal in die Polsterbezüge verkroch und am liebsten drin versickert wäre.
Gabriel entwich, der sich nur mit Mühe auf die Strasse konzentrierte, ein Zischen und er trat wieder ein wenig mehr aufs Gas, brachte sie so alle schneller ihrem Ziel entgegen, das laut einer neuen Tafel nur noch 8 Meilen entfernt war.

Santos zog also seine Hand zurück. Nicht nur, dass die Maus gerade wieder nervte und aufmüpfig wurde und der wieder zum Schweigen gebracht werden musste, auch Gabriel sollte er vielleicht besser in Ruhe lassen, wenn er nicht gegen einen Baum gefahren werden wollte. Nicht dass er selber damit ein Problem hatte, aber die Menschen könnten irgendwie wohl irreparable Schäden davontragen.
Er hatte einfach nur das Taschentuch zu sich gezogen, dass Gabriel dort in seiner Tasche gelagert hatte und zischte leise.
„Maus, wenn du nicht gleich ruhig bist, schmeiß ich dich raus. Kawa kaufen wir dann einfach ne neue Maus, das klappt schon.“
Doch das sah ja besagter Nager gar nicht ein. Erst ihn entsorgen und dann seinem Kawa eine wildfremde Maus ins Bett packen? Seinem Kawa? In sein Bett?
„Hast du Überdruck oder was?“, knurrte der Nager, mutig geworden, weil er ja nicht mehr viel zu verlieren hatte und versuchte mit seinen Zähnen die Pfötchenfessel zu öffnen, dass Santos nur die Augen verdrehte und der Maus den Knebel anlegte. Nicht ohne dass der Kleine fiepste und wimmerte. Aber das Kreischen und Keifen war plötzlich verschwunden.
„Ruhe.“

„Herrlich.“, ertönte es von der vorderen und fahrenden Reihe, wo Gabriel ein letzten Mal den Blinker einlegte und der schmaleren Straße zum Tierheim folgte, konnte man den großen Bau schon sehen.
Na ja, die Ruhe währte so wohl eher nur kurz, aber geschafft war geschafft und er würde seinen Schatz mal dafür belohnen.
Na ja, aber erst wenn sein Schritt wieder funktionstüchtig war.
Es dauerte nur noch knappe fünf Minuten und Gabriel ließ den Wagen langsam auf dem großen, durch die späte Stunde leeren Parkplatz ausrollen. „Und wie geben wir den Nager jetzt ab?“

Santos, der sich gerade selbst beweihräucherte, weil er die Ruhe nur zu gern genoss, hörte erst den Rest der Frage und blickte wieder nach vorn. Sein Schatz hatte sich zu ihm umgewandt und grinste noch immer.
Yujo machte nur riesengroße geheimwaffenverdächtige Mausaugen, die aber im Dunkel des Wagens zum Glück nicht zu sehen waren und so weiter keine Gefahr von ihnen ausging. Er versuchte nur immer wieder sich zu artikulieren und wimmerte, keuchte, versuchte sich loszureißen, aber Santos hatte da Knoten gemacht, aus denen selbst eine ausbruchsgeübte Maus keine Fluchtmöglichkeit hatte.
Arme, arme Maus – extrem arme Maus. Nur dass das keiner einsah und ihn flauschte und bemitleidete, sondern Santos griff sich seine Pfötchen, die nur störrisch wieder zurückgezogen wurden. Schade, dass die Maus gerade nicht knurren konnte, wie er gern gewollt hätte.
„Ich finde, er ist ordnungsgemäß verschnürt. Wir können ihn jetzt entweder noch beschriften und frankieren und dann in einem Briefkasten werfen oder wir schmuggeln ihn durch die Hintertür in einen freien Käfig. Such’s dir aus.“
Santos grinste und die Maus fiel in Ohnmacht – abgeschlossen mit der Welt. Wo war nur sein Kawa?

Als die Maus mit einem leisen Rumps gegen die Tür fiel blickte Gabriel kurz zu dem Nager und wendete sich aber doch wieder Santos zu. „Na ich glaube bei der Post nehmen die die nicht an, von wegen Lebendlieferungen ausgeschlossen und so, allein schon wie lange die Lieferung dauern würde, ich glaub das ist nicht so gut.“, überlegte Gabriel halblaut und grinste dann.
Die Blauen Augen blitzten auf und er krabbelte schon fast über den Fahrersitz als er sich näher zu Santos beugte. „Aber das mit reinschmuggeln und dem leeren Käfig ist ne gute Idee.“

Er konnte von Glück reden, dass die Maus sich dank der Ohnmacht nicht mehr wehren konnte gegen so böser Worte. Lebendfracht! Wusste doch jeder, das Tiere – vor allem so extrem süße wie die Maus – nicht einfach via Post sinnlos in der Gegend herum geschickt werden durften. Aber da die Maus nun selig schlief entgingen sie einem Vortrag a la „Wie man eine Maus pfleglich behandelt“ und Santos stieg langsam aus und streckte sich.
„Mann, bist du eine Memme. Die drei Tage wird selbst die verfressene Maus mal ohne Futter überleben und drei Tage ohne Sex – dann freut sich Kawa hinterher auch. Er würde uns sicher vor Dank die Füße küssen.“ er lachte vor sich hin und sah sich um, während die Maus immer noch keinen Mucks von sich gab.
Na? Der würde doch nicht vom Blitz getroffen sein und tot? Das würde aber Ärger mit Kawa geben. So prüfte er fix, ob der Nager noch aktiv war. Er piekste ihn in die Seite.

„Na, die lass ich mir lieber von dir Küssen und noch besser wären andere Teile...“, schwiffen Gabriels Gedanken kurz ab, bevor er sich zur Räson rief und zusah wie sein Schatz die Maus piekte. „Was wird das, Santos, er ist ohnmächtig.“, überlegte der Große kurz und stieg auch aus. „Besser wir schaffen ihn da rein solange er noch schläft, sonst macht er zuviel Radau.“

Santos nickte nur. War ne gute Idee die Ohnmacht der Maus auszunutzen um so wenig wie möglich aufzufallen. „Klar weiß ich, dass er ohnmächtig ist, aber wer hätte gedacht, dass eine Maus, die Damion überlebt hat und mit Vampiren poppt, bei der Vorstellung in ein Paket gesteckt zu werden, gleich klein beigibt.“ Der Vampir zuckte die Schultern und löste den Gurt der Maus, passte aber auf, dass der Junge nicht noch aus dem Wagen fiel und auf die nasse Straße. Was das wieder für ein Geschrei geben würde – ach ja! Ging ja gar nicht. Maus war geknebelt UND ohnmächtig.
Santos lachte und warf sich die stumme Maus über die Schulter.
„Wo lang? Je schneller wir ihn los sind, um so schneller kann ich dich da küssen, wo du es am liebsten hast“, lockte er und grinste dreckig. Schon komisch so was zu sagen und die Maus gab keinen Mucks von sich.

Dieser Umstand fiel auch Gabriel auf und er grinste gleich doppelt so breit. „Das Angebot merk ich mir und nehme es an wenn es nicht mehr wehtut wenn du mich küsst.“, zwinkerte er dem Vampir zu und lief vor.
Er war schon mal hier gewesen, weil Gabriel sich umgeguckt hatte. Sein Schatz wusste es ja nicht, aber irgendwie würde in Santos’ großes Haus schon ein paar Haustiere gut passen, am besten ein paar große Stubentiger, weil mit Hunden hatte es Gabriel nicht wirklich so.
„Hier geht’s rein.“, deutete er dabei auf den nur von einer kleinen Bodenlaterne beleuchteten Hintereingang.

Santos nickte nur und ruckelte vorsichtig die gefesselte Maus noch einmal zurecht. Aber nicht zu sehr, denn wenn der Kleine jetzt aufwachte und sich anfing zu wehren dürfte es um einiges schwieriger werden. Auch wenn die Maus nicht so aussah: Kawa hatte ihn gut trainiert und wo der kleine Hinschlug, gab’s schob mal einen blauen Fleck.
Hastig lief er seinem Schatz hinterher. Die Luft war geschwängert vom Geruch der Tiere, die hier untergebracht waren, erfüllt von leisen Lauten. Meist war es Bellen. Denn die Tiere schienen sie schon bemerkt zu haben.
Mist. Hauptsache die Wache bemerkte die Aufruhr nicht.

„Ja wäre auf jeden Fall schlauer.“, stimmte ihm Gabriel zu und drehte die Maus in seinen Armen, war es schon seltsam, wenn der Junge plötzlich mal so still war. Okay er war es nicht freiwillig, aber wer wollte schon so kleinlich sein.
Leise trat er hinter Santos ein als der die Tür geknackt hatte und ihm deutete zu folgen. Zelle neben Zelle ergossen sich nun links und rechts die Hundezwinger, in denen die eingeschlossenen fast alle friedlich schlummerten.
Zum Glück, sonst wären sie wohl etwas aufgefallen.




- 8 -

Bellende Hunde waren vielleicht nicht Neues in einem überfüllten Tierheim, aber um diese Uhrzeit?
Leise schlichen die Zwei mit ihrer Last durch den dunklen Flur. Sie vermieden jedes Licht, Santos ging vorwärts, Gabriel, der noch immer die Maus trug, folgte ihm auf dem Fuße.
„Hier ist ein leerer Käfig“, flüsterte Santos leise, denn er konnte spüren, dass die Tiere unruhig wurden und die Maus wohl nicht mehr lange so friedlich bliebe. Nicht auszudenken wenn er wach wurde und anfing um sich zu treten. Gabriel wäre nicht darauf vorbereitet und noch einen Tritt in die Weichteile von Santos’ Geliebten würde die Maus aber wirklich mit dem Verlust seines Mauseschwanzes bezahlen.
„Los rein.“

„Okay“, flüsterte Gabriel und ließ sich von Santos in den Käfig lotsen, legte dort die noch ruhige Maus ab und fingerte überlegend am Knebel herum. „Solln wir ihn losmachen??“ Es wäre sicher von Vorteil, wenn die Maus nicht das ganze Tierheim zusammen schreien könnte, aber andererseits...
Wenn Kawa seinen Schatz dann so fand, gefesselt und geknebelt??, da sollten sie sich vielleicht vorher in ein anderes Land absetzen.
So mal nur zur Vorsicht und so.

Auch Santos schien noch eine Weile darüber nachdenken zu müssen. Er schürzte die Lippen und sah sich kurz um. Gefesselte Maus und Ruhe oder vor einem gleichstarken Vampir im Tobsuchtsmodus auf der Flucht. Und wenn man bedachte, dass Vampire im allgemeinen nachtragend waren und dazu noch ewig lebten, war das nicht gerade die beste Option.
Eilig sah er sich in den Käfigen daneben um. Ein großer Schäferhund und eine deutsche Dogge. Wenn die bellten, dann konnte die Maus schreien wie er wollte, der würde nicht gleich gehört werden.
„Bind die Knebel los und die Hinterläufe auch. Kawa bringt uns um, wenn er seine Maus wie ein Paket verschnürt findet“, überlegte Santos leise und machte schon mal ein Bild von der Maus im Käfig, das erste für ihre Schnitzeljagd mit Kawa.
Ob die beiden eigentlich wussten, auf WAS sie sich da einließen, Kawas Maus einfach auszusetzen obwohl sie die Obhut hatten? War das nicht Misshandlung Schutzbefohlener und war das nicht strafbar? Na ja, zumindest würde sich die Maus irgendwann rächen, soviel stand fest. Santos sollte in den nächsten Wochen wohl etwas auf der Hut sein – sein Haus nach Wanzen und Web-Cams absuchen und besser nicht mehr nackt herumlaufen.

Gabriel entpackte das mausische Paket noch fertig und ging gleich mal auf Sicherheitsabstand, denn wer wusste schon, ob der schlaue Nager sich nicht in den letzten Minuten nur noch schlafend gestellt und auf seine Chance gewartet hatte.
Er war ja kein Vampir und kannte das nur vom Hörensagen.
„So fertig, lass uns gehen bevor er aufwacht.“, drängte Gabriel seine Schatz aus dem Käfig und schloss ihn zu, besah sich auch noch schnell die Verschlussmechanik und befand sie für mausesicher, denn nur weil ein Käfig Hunde darin halten konnte hieß das noch lange nicht, dass auch eine Maus mit flinken Fingern da drinnen bleiben würde.

„Und nimm ihm noch das Handy weg. Wir wollen doch nicht, dass er uns nervt oder uns gar bei Kawa verpfeift“, ordnete Santos noch an. Wenn Gabriel schon mal in dem Käfig herum wuselte, dann konnte er auch das gleich noch erledigen. Auch wenn es nicht mehr lange dauern konnte, bis der Junge zu sich kam. Denn so tief war eine mausische Ohnmacht nun auch wieder nicht.
Klar, der kleine hatte Sorge gefressen zu werden, aber wie blöde musste eine Maus eigentlich sein, um zu glauben, dass es ein Restaurant gab, dass zwanzigjährige Jungs kochte und servierte? Ab und an hatte der Kleine aber wirklich einen gewaltigen Schaden!
Er sah zu, wie Gabriel vorsichtig in der Tasche des Kleinen zu suchen anfing. Wo hatte die Nervmaus denn nun schon wieder sein Handy hin?

In der linken Tasche war’s nicht in der rechten auch nicht, genervt und nervös, dass der aggressive Nager aufwachen könnte, suchte Gabriel weiter, fand in der hinteren Hosentaschen die Geldtaschen und legte sie mal zur Seite.
Wäre ja gut das Ding auch mitgehen zu lassen, eine Maus ohne Geld konnte sich auch kein Taxi nach hause rufen, oder??
Endlich, endlich fand er das kleine, total unscheinbare, ja eingesteckt fast unsichtbare Gerät, das sich Handy schimpfte, in der Jackendtasche des Jungen und ließ es in seine eigene Tasche wandern.
Natürlich nicht ohne vorher zu gucken ob das Ding auch ausgeschaltet war, er wollte nicht wirklich mit Kawa reden solange sie noch nicht weit weit weg von der Maus waren.

„Los komm. Sein Puls wird unregelmäßig. Er wird gleich wach. Da will ich weg sein“, flüsterte Santos und sah zu, wie Gabriel aus dem Käfig gekrochen kam. Die Hunde wurden auch unruhig und langsam kam Leben in die Bude.
Nur die Maus kuschelte sich plötzlich auf dem Boden der Zelle zusammen und schniefte leise, die Pfötchen zuckten. Ob er kleine Kerl träumte? Das war echt eine seltsame Maus, die sich Kawa und Gabriel da in ihr Leben geholt hatten und die Gabe auch in sein Leben geschleppt hatte. An sich war Yujo ein echt lieber Junge, vorausgesetzt er war ausgelastet und satt. Aber ab und an ging ne Sicherung kaputt und ohne Kawa war da nichts zu richten. So war es eigentlich doch zu verstehen, dass sie zu dieser List hatten greifen müssen.
Irgendwie tat ihm der Kleine schon leid, wie er auf den kalten Steinen lag und zuckte. So zog er seine Jacke aus und den Pullover darunter, dass Gabriel ihn schief ansah.

Okay, zugegeben Gabriel hatte nicht wirklich was dagegen wenn sein Vampir mal wieder zu strippen anfing und dann den ganzen lieben Tag nackt durchs Haus lief und er ihn einfach abfangen und... nun ja an seinem Schatz naschen konnte, aber hier???
Also das war dann doch wohl eher die falsche Zeit und ganz sicher der falsche Ort.
„Santos???“, fragte der Dunkelhaarige deshalb und zog abschätzend eine Braue hoch, „wir müssen weg bevor der Nager aufwacht. Das machen wir dann zuhause.“ Nickte er dabei auf Santos’ schon fast bloßen Oberkörper, um den sich nur noch ein dünnes Shirt schmiegte.

„Lüstling“, lachte der Vampir nur und zog sich seine Jacke wieder über. Seinen Pullover aber faltete er und schlich sich noch einmal in den Käfig, um die Maus darauf zu legen. Kaum dass er wieder draußen war und die Tür zu, sah er wie sich Yujo an den warmen Stoff kuschelte. „Was glaubst du, stellt Kawa mit uns an, wenn sich der Kleine erkältet oder sich eine Nierenbeckenentzündung zuzieht?“ Er schnickte seinen immer noch grinsenden Schatz gegen die Stirn und senkte kurz darauf seine Lippen auf die sich leicht rötende Stelle.
„Uns jetzt weg.“
Santos hastete einfach los, Gabriel würde ihm folgen. Die ersten Hunde fingen an zu kläffen wie die bekloppten. Er machte noch ein Bild vom Hundetrakt und lief weiter.

Durch die Hunde doppelt angespornt folgte ihm Gabriel nicht ganz so lautlos wie der Vampir das schaffte, aber gar keinen Vorteil sollte der haben.
Schnell gelangten sie aus dem Gebäude hinaus und hielten nur immer kurz an, wenn Santos noch ein Foto machen wollte. Na Kawa würde sie umbringen wenn er seine Maus nicht gleich fand, sondern erst suchen musste, aber vielleicht war der Vampir ja solange mit der Fotoschnitzeljagd abgelenkt, dass sich seine Gemüter dabei wieder abkühlten.
Mit einer jammernden und wehklagenden Maus am Ende der Spur schien Gabriel da das Glück aber nicht besonders hold zu sein, denn der verräterische Nager würde sicher petzen, so viel war schon mal klar.

Und wie der Petzen würde, da konnten sie sich aber schon mal drauf gefasst machen. Denn während Santos und Gabriel sich in den Wagen schwangen, kam in einem Käfig langsam eine kleine, niedliche, ausgesetzte Maus zu sich. Normalerweise sollte solch ein Tierchen von allen geliebt und gehuldigt werden und nicht ... öhm ... wo war er hier eigentlich? Verdammt war das dunkel. Und hart! Aber das war eindeutig nicht Kawas Härte, die spürte er nämlich nur selten am Arm.
Etwas verwirrt und irritiert setzte sich die Maus auf und guckte sich weiter um. Wer hatte denn das Licht ausgemacht? Und warum verdammt bellten Gabriel und Santos?
Wah! War er etwa im Kühlhaus und würde gleich gekocht werden? Eilig sah er sich um. „Gabe?“, forschte er in die Finsternis als er sich panisch aufrichtete [man wusste ja nie, wie viele Aberhundertmillionen Spinnen in der Dunkelheit lauerten], keinen Halt fand, weil seine Hände ja noch gefesselt waren und kippte vornüber. Mitten auf das Mausschnäuzchen – jetzt war das Gehschrei groß, dass Santos zusammenzuckte, der gerade die Tür zuschlagen wollte.

„Der ist wohl auch wach.“, drang es leise an Gabriels Ohr, der knapp hinter dem Vampir stand und wartete, das sein Schatz die Tür wieder verschloss und zuckte ob der Worte doch ein wenig zusammen.
„Nichts wie weg hier.“, murmelte Gabriel, regte sich nämlich in ihm schon sein Gewissen, das laut nach draußen pochte und forderte, der kleinen Maus, namentlich YuYu, doch zu helfen.
Mutig schlug er den Stimme namens Gewissen die Tür vor der Nase zu und setzte ihr gedanklich auch noch eine Sperre mit der Erinnerung an seinen schmerzenden Schritt.

So blieb es der Maus nur weiter zu brüllen als gelte es sein Leben zu verteidigen. Und vielleicht war es ja auch an dem? Vielleicht kamen ja schon alle Spinnen dieser Gegend gerade auf ihn zu, wollten ihn einspinnen und verschnüren und ... war da nicht noch was mit Briefmarken gewesen?
„Kawa!“, brüllte er aus voller Kehle und die Hunde stimmten in sein Gewimmer mit ein. Sie jaulten so laut, dass die Maus bald aufgab und sich ans Gitter klammerte. Seine Füße berührten nicht mehr den Boden, denn vielleicht konnten die Spinnen ja nicht klettern.
Leise winselte die Maus weiter. Die Augen hatten sich langsam an das Dunkel gewöhnt und so erkannte er seine Umgebung. Käfige, über all wohin er blickte waren Käfige voll Hunde. Wo um alles in der Welt war er hier? Wer hielt sich so viele Hunde? Doch kein Restaurant, es war verboten Hunde zu kochen! Übrigens war es ja auch verboten Mäuse zu kochen. Nicht dass das Gabriel und Santos – die fiesen Bastarde – davon abgehalten hatte, die arme kleine, frierende, verhungernde, ängstliche Maus an ein Restaurant zu verkaufen.
„Ich will hier raus! Gabe!“
Doch der hörte ihn nicht und Santos wollte das Wimmern nicht hören. Schnell weg, bevor er den Kleinen noch rettete.

Die beiden Großen zogen sich schnell zu Gabriels Auto zurück und Santos schubste seinen Schatz gleich mal wieder in Richtung der Fahrertür, damit er nicht in die Arbeit kommen und fahren musste.
Doch sein Schatz hatte da nicht wirklich was dagegen, denn solange er fuhr musste er nicht an die von ihnen ausgesetzten Maus und an Kawas sicher fürchterliche Rache denken und konnte sich ablenken, indem er Ortsschilder zählte, an denen er vorbei fuhr.
Okay das war vielleicht nicht ganz sicher aber hey, es war effektiv.
„Kawa bringt uns um.“, murmelte Gabriel leise zu sich selbst und lenkte sein Auto zurück zur Autobahn, die sich ins Herz Londons zog und sie somit am Schnellsten weg wieder zurück zu Santos und nun ja wohl auch seinem Haus bringen würde, weil allein heim wo ihn ein aufgebrachter, weil seine Maus vermissender Kawa finden konnte?? NO WAY!!!!!

„Na ja. Dich bringt er um, mich wird er nur verprügeln“, lachte Santos und strich seinem Schatz über das Knie. „Aber keine Sorge, Süßer. Ich errette dich.“ Eilig knipste er die Schilder an denen sie vorbei kamen und die Kawa den Weg weisen sollten.
Den Weg zum Tierheim ...
Den Weg zu seiner Maus ...

... der noch immer am Gitter des Käfigs hing und wimmerte und jammerte und immer noch hoffte, dass er gleich gerettet wurde. Was hatte er nur für fiese Freunde. Ha! Freunde? Das waren doch keine Freunde! Das waren blutrünstige Monster, Wesen, die sich am Elend kleiner niedlicher, wehrloser bedauernswerter Mäuse labten! Mistkröten, die einer Maus einen ruhigen Abend vor dem Fernseher mit einer Tüte Chips nicht gönnten! Solche waren das! Ganz genau solche. Oh er würde alles Kawa erzählen und der würde dann ... na und wie der würde!
Gabriel sollte sich warm anziehen. Jetzt tat es der misshandelten Maus gar nicht mehr leid, dass er seinen angeblichen Freund impotent geschlagen hatte. Kein bisschen.
Dass er hier trocken blieb und nicht qualvoll an einem Parkplatz ersoff, verbannte er aus seinem Kopf. Soweit kam es noch, dass er dankbar war. Wofür denn?
„Gabriel – ich hetz dir alle Weiber aus unserem Seminar auf den Hals! Alle!“
Und die Hunde untermalten sein Schreien.

Doch zum Glück hörten ihn weder Gabriel noch Santos, die sich schon bald auf halben Weg nach hause befanden und nur das leise Fluchen von Gabriel unterbrach die Stille ab und an, wenn er wieder daran dachte, dass ihn Kawa killen würde, und die Maus, der rachsüchtige Nager, würde sicher frohlockend dabei zusehen.
So ein Mist.
Vielleicht sollten sie sich doch absetzen, die Karibik sollte doch gerade sehr schön sein oder Hawaii??
Auf jeden Fall weit weit weg von gewissen nachtragenden Nagern und ihren Flauschvampiren, die sich oft als nicht ganz so flauschig erwiesen.
„Zu mir oder zu dir?“, murmelte Gabriel leise die Frage an seinen Vampir, der noch immer Fotos schoss und sonst wohl auch überlegte, wie sie sich die bessere Hälfte der Maus vom Hals halten konnten.

„Am besten in die Schweiz. Die sind neutral und haben keine Auslieferungsabkommen“, murmelte er und fotografierte gerade die Auffahrt zur Autobahn. Bis dahin würde Kawa den Weg von Santos’ Haus bis zur Schnellstraße wohl selber finden. Dann konnte er den gemachten Bildern folgen bis zu einer verstörten, verknoteten, verheulten Maus.
„Wir sind so gut wie tot“, resümierte er, als er sich das alles noch mal in Erinnerung rief. Was hatten sie sich nur dabei gedacht, die Maus in ein Tierheim zu schaffen?

Genau diese Frage stellte sich übrigens auch besagter Nager, der noch immer, wenn auch schon etwas entkräftet, am Gitter hing und winselte. Nicht mehr so laut und nicht mehr so kraftvoll, denn ihm war klar geworden, dass er wirklich ausgesetzt worden war – einfach so! Seines Handys beraubt konnte er nicht mal Kawa anwinseln. Scheiß Mausleben! Warum war er auch nur ein so sehr kleines Tier, dass er sich nicht wehren konnte und warum war er eigentlich ohnmächtig geworden? Das schaffte doch sonst nur Kawa und das auch nur mit einer bestimmten Methode!
Die beiden Mistkerle hatten ihn doch nicht etwa …?
Besagte Mistkerle hatten nicht, die hatten nämlich andere Sorgen als eine Maus.

Nämlich deren, zwar nicht großen, aber umso aggressiveren, vor allem wenn es um besagte Maus ging, und gefährlichen Vampir, der im Augenblick noch nichts ahnend in Blut schwelgte und einmal mehr auf sich selbst fluchte, weil er die letzten beiden Mistkerle übersehen und sich so Verletzungen zugezogen hatte.
In Zukunft würde er wohl noch mehr auf Schnelligkeit trainieren, aber jetzt wischte sich Kawa erst einmal mit dem Handrücken über die blutbesudelten Lippen und keuchte unterdrückt auf, als er sich die letzte Kugel aus seiner Seite fischte und den schmalen Dolch reinigte und zurück in den Armschoner wandern ließ.
Nur noch ein paar Minuten, höchstens eine halbe Stunde, dann könnte er sich auf den Heimweg machen, seine Maus aufsammeln und sich mit seinem Süßen im Loft verkriechen.
Das ahnten unsere beiden, noch auf der Flucht befindlichen, Mausaussetzer auch nicht und konnten sich darob auch nicht noch mehr sorgen, als sie es ohnehin schon taten.

Klar, dass Kawa, sobald er gesundet war und frisches Blut seine Adern peitschte, seine Maus haben wollte – vorzugsweise nett auf einem Seidenlaken angerichtet, nackt und den Hintern nach oben. Das wussten Gabriel und Santos sehr wohl. Aber dass der Vampir sich schneller regenerieren konnte als früher, daran mussten sie sich wohl noch immer erst einmal nur gewöhnen.
Denn sie ließen Kawa jetzt erst mal Kawa sein und hatten beschlossen, sich einfach vor der Fernseher zu hauen und so zu tun, als wüssten sie von nichts, als wäre die Maus ausgegangen und dann von bösen Mausfängern, die die Straßen der Londoner Innenstadt von Ungeziefer befreien wollten, ins Tierheim verschleppt worden. Sie selbst wuschen ihre Hände in Unschuld – so war es jedenfalls geplant.
Was die kleine Maus wohl gerade trieb? Das war eine Frage, die sich Santos immer wieder stellte, und ob der Kleine seinen Pullover ja pfleglich behandeln würde. Sonst hätte die Maus aber das letzte mal einen weichen Pullover mit in seinen Käfig bekommen. Warum waren sie beim Ausbau des Kellers eigentlich nicht selber auf die Idee gekommen, einen mausausbruchssicheren Käfig in eine der Nischen zu integrieren?
Er sollte noch einmal einen Innenarchitekten kommen lassen und das fix nachholen. „Schatz, was kostet eigentlich ein handelsüblicher Hundezwinger?“

Mit einer fragend hochgezogenen Augenbrauche blickte Gabriel kurz zu seinem Vampir und rätselte was der grad wieder dachte, während er in ihre Straße einbog und auf ihr Haus zuhielt.
Keine fünf Minuten später standen sie ungesehen von der Außenwelt in der neu angebauten Garage. Auf die hatte Gabriel damals beim Umbau, beziehungsweise bei der Renovierung, bestanden.
Erst jetzt drehte er sich zu Santos und legte fragend den Kopf ein wenig schräg. „Warum Schatz??“

„Weil ich so was von keine Lust habe, diese ganze Prozedur wieder durchzuziehen, wenn der Kleine wieder lästig wird. Nichts gegen deine Freunde, Schatz.“ Santos beugte sich kurz zu Gabriel rüber, der die Autotür schon in der Hand hatte. „Wir lassen den Käfig hier im Keller ein, neben den Obstkisten. Und wenn er wieder nervt, sperren wir ihn einfach dort ein und wenn wir nicht gerade die Maus dort einsperren, bin ich mir sicher, dass wir auch dann eine Verwendung dafür finden, nicht wahr mein Süßer?“
Süffisant lächelnd entließ Santos seinen Schatz wieder und stieg ebenfalls aus. Jetzt hieß es ruhig bleiben und sich nicht verraten. Es würde dann einfach Aussage gegen Aussage stehen und wer glaubte schon einer Maus?
Kawa!, erinnerte sich Santos seufzend. Der glaubte dem kleinen Nager einfach alles, sogar dass der böse böse Gabriel seine Nugatcreme aufgefressen hätte, wo Gabe so was überhaupt nicht mochte! Frechheit.

Denn in Wirklichkeit hatte sich an der süßen, cremig dunkelbraunen Creme ein gewisser weißhaariger Vampir vergriffen, der nichts besseres zu tun gehabt hatte, bei einem ihrer Frühstücke im Bett, ein Brot mit gesagter Creme gaaanz zufällig auf Gabriels nackten Bauch fallen zu lassen.
So ein Pech aber auch, dass er diese Bescherung natürlich hatte auflecken müssen. Wirklich ein Pech. An jenem Morgen waren sie wohl erst nach etlichen solcher Versehen und nachdem die Bettwäsche wirklich maschinenreif war, aus selbigen Bett gekommen.
„Da fällt uns sicher was ein.“, grinste auch Gabriel unterdrückt und folgte Santos aus dem Wagen, liefen sie gemeinsam zum hinteren Eingang des Hauses und von dort gleich mal in Richtung der Küche und somit auch ins Wohnzimmer.