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Tierasyl Teil 9 - 11

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Wie lange würde es wohl dauern, bis Kawa hier aufschlug und seine Maus forderte? Oder hatte sich der Schwarzhaarige etwa schon ins Haus geschlichen und die Abwesenheit besagten Nagers schon bemerkt?
Immer wieder konzentrierte sich Santos, aber er konnte seinen Zögling nicht bemerken. Allerdings musste das nicht zwangsläufig heißen, dass der nicht da war, sondern nur, dass er ihn eben nicht spüren konnte. Denn Kawa war nicht umsonst der lautlose Killer, als der er arbeitete. Nicht dass Santos und Gabe nächstens seine Opfer waren, weil sie den nervigen, lästigen Nager einfach mal entsorgt hatten. Und dabei war er noch nicht mal wirklich entsorgt, sondern nur ausgesetzt!
Da wollten wir schon mal bei den Tatsachen bleiben.

Santos ließ sich auf die Couch fallen und sein Blick streifte die Chips, die die Maus bei seiner Entführung hatte fallen lassen und die nun anklagend herumlungerten und sinnlos den Teppich einsauten. Besser er holte einen Staubsauger und beseitigte das Corpus Delicti. Nicht dass Kawa kam und die Chips sah, an seine Maus dachte und den suchte.
Noch bestand ja Hoffnung, dass der Nager nicht gleich vermisst wurde. Andererseits so notgeil wie sein Zögling war? Von wem er das nur hatte?

Sicher nicht von Santos, ganz sicher nicht. Gabriel ließ sich neben besagtem Vampir auch auf die Couch fallen und lehnte sich an seinen Schatz an, schlang, wie immer wenn sie so zusammen wo herumlagen, einen Arm um die Mitte seines Vampirs und fing an leicht über dessen Seite zu streichen und kraulen.
Na was unserem, wohlweislich nicht die Geilheit an Kawa vererbten Vampir, da durch den Kopf ging?? Wer will das schon wissen.

Gabriel schloss ein wenig schläfrig, und nun, da die Aufregung sich ein wenig gelegt hatte, doch vielleicht sogar ein wenig müde, die Augen und sprang im nächsten Moment fast an die Decke, als eine skeptische Stimme sich zu Wort meldete.

Kawa trat in dem Moment nämlich aus dem Vorraum ins Wohnzimmer, hatte er noch vor wenigen Augenblicke die Oberen Räume durchgesehen aber auch niemanden gefunden, als die Beiden herein kamen und ihn so aufhorchen ließen.
Skeptisch, weil er seine Maus schon beim Reinkommen der Beiden nicht hören, geschweige denn riechen konnte, sah Kawa von Santos zu Gabriel und wieder zurück. „Zwei sind mal da und wo bitte ist der Dritte?? Meine Maus??“

Santos, der sich mindestens so erschrocken hatte wie sein Freund, sah sich hastig um. Wie hatte der hier herein kommen können, ohne dass es ihm aufgefallen war? Ja – die Maus? Wo war die Maus? Jetzt war guter Rat teuer und eine Flucht fast unmöglich! Mist aber auch.
„Maus? Welche Maus?“, versuchte er Zeit zu schinden, während er sich aufsetzte und Kawa musterte. „Erzähl doch mal, wie ist dein Job gelaufen? Alles noch dran?“ Santos grinste etwas dümmlich. Wie kam er jetzt da wieder raus? Besser man sah sich schon einmal um, wo eigentlich die nächste Tür war – ah, da!

Nun wirklich skeptisch zog Kawa eine seiner fein geschwungenen Brauen hoch. „Meine Maus, ...klein, wuschelige Haare, sicherlich nicht ruhig in eurer Obhut.“ Langsam und verdammt geschmeidig für die erst kürzlich eingefangenen Wunden trat Kawa näher, ließ Santos nicht aus seinem Blick und verschmälerte seine Augen.
An der Couch angekommen sah er auf die Beiden herab die schon krampfhaft versuchten unschuldig dreinzugucken. „Also, wo ist Yujo??“, wollte der dunkelhaarige Vampir noch mal wissen, ließ sich dabei langsam auf Santos’ Oberschenkeln nieder und sah Gabriel somit aus nächster Nähe in die Augen, als er den Oberkörper leicht drehte.

Nun saßen sie aber ordentlich in der Falle. Mist! Mist! Mist! So hatte das doch nicht laufen sollen. Kawa hatte vor der Tür stehen sollen, die MMS empfangen und loslaufen seine Maus zu suchen. Dass der jetzt hier hockte, genauso stark wie Santos, und ihn auf der Couch festpinnte, war nicht im Drehbuch vorgesehen gewesen. Wozu gab er welche aus, wenn keiner sich daran hielt, verdammt?!
„Ach die Maus“, erklärte er mit etwas belegter Stimme. Nein, irgendwie hatte er das Gefühl, ihre Idee war eine ganz – ganz ganz ganz – dumme Idee gewesen!
„Der ist … öhm … etwas spazieren gegangen.“
Ja, Santos! Echt glaubhaft, wie du da stotterst. Das nahm er sich ja nicht mal selber ab! Er war so gut wie tot!

Kawa sah mit blitzenden Augen in die goldenen seines Schöpfers und grummelte verstimmt. „Ja, die Maus, meine MAUS.“, schwang es leise zu den Beiden als sich Kawa näher lehnte und sich mit den Armen auf Santos’ Schultern abstützte, den damit zurückdrückte und nun wirklich auf der Couch festhielt. Gabriel der seines Haltes beraubt abrutschte, landete mit dem halben Oberkörper und seine Kopf zwischen den beiden Vampiren und verhielt sich erst mal ruhig so nach dem Motto solange er mich nicht anguckt muss man das ja nicht herausfordern.
Nur knapp von Santos’ Gesicht und Lippen entfernt wiederholte Kawa seine Frage. „Wo ist Yujo, ich glaub kaum, das der freiwillig spazieren geht, wenn er euch hier drinnen bespannen kann.“ Für jeden Fremden hätte die Szene wohl eher verfänglich als bedrohlich gewirkt, denn ein Langhaariger, der unter zwei Anderen auf der Couch lag, einen Dunkelhaarigen auf dem Schoß, den Andere mit Kopf und Oberkörper zwischen den anderen Beiden, verfänglich, äußerst verfänglich.
Tja, nur daran dachte sicherlich keiner im Moment und eine neugierige Maus war wie gesagt eben nicht da.

Genau genommen war er weit weit weg und ahnte nicht im entferntesten, dass sein Retter schon auf Informationssuche war, seine Peiniger zur Rede stellte und hatte sich auf seinen Pullover gelegt, um leise zu leiden und lautlos zu sterben – wie üblich. Erst hatte er noch ein Lied angestimmt und die Hunde hatten mit ihm gejault. Aber dann hatten ihm die Ohren geklingelt, so wie das in dem sterilen Bau schallte, dass die Maus es vorgezogen hatte, sich in sein dunkles, kaltes, hungriges, notgeiles – ja, selbst hier bekam die Maus immer wieder Anwandlungen von sexuellen Gelüsten! Warum das so war, wollte er wohl selber nicht erfahren! – Schicksal gefügt.
Santos indessen schluckte hart und versuchte keine Angst zu zeigen. Warum auch?
„Ich sagte ja, er hat Gabe in die Weichteile getreten und somit sich selber die Chance auf eine gute Show versaut. Er hat’s eingesehen und ist stiften gegangen. Kann ich doch auch nichts für“, erklärte er ruhiger als er selber war, denn seine Finger schwitzten wie verrückt! Wenn er jetzt was anfassen müsste, würde er sicher Pfützen hinterlassen, besser er wischte die mal wo ab. So griff er in Kawas Hemd.

Das war ein Fehler, denn Kawa, der das Hemd nur lose zugeknöpft trug, spürte die feuchten Finger auf seiner Haut, strahlte die sonst meist kühle Haut eine nervöse Hitze ab, die er von dem anderen Vampir so gar nicht kannte. Was hatten die beiden nur ausgefressen, eigentlich hatte er eine ins Zimmer gesperrte, weil nervig und unterbeschäftigte, Maus erwartet aber das?? Zischend sah Kawa zu Gabriel hinab, der sich nun doch regte, wurde es ihm zwischen den beiden Vampiren erstens zu stickig und zweitens wollte er sich wenn möglich ein wenig von Kawa entfernen, wenn der erfuhr wo sein Nager war.
Doch bei seiner Bemühung sich aufzurichten stieß er Santos’ Hände fester gegen Kawa, bei dem die Finger über von den Wunden noch leicht gereizte Haut und einen Brustmuskel strichen.

„Kannst du mir mal bitte von der Pelle gehen, Kawa? Langsam ist das nicht mehr lustig. Nicht dass ich nicht was gegen schöne Männer habe, die mich ins Kissen drücken, aber ich bevorzuge da Gabriel, wie du weißt.“ Noch immer hatte seine Stimme nicht die schneidende Überlegenheit, die er sonst in Situationen wie diesen an den Tag legte. So schob er Kawa von sich, der sich aber nur so weit schieben ließ, dass Santos nicht ausbüchsen konnte.
Auch Gabriel, der sich gerade heimlich still und leise und von allen ungesehen aus dem Staub machen wollte, wurde am Genick zurück auf die Couch gesetzt – ganz liebevoll!
„Was weiß ich, wo der kleine Stinker ist, er wird schon wieder kommen.“
Lüge!, schallte es in seinem Kopf. Vor morgen früh würde ihn keiner bemerken. Vielleicht wurde er ja vom Personal befreit. Aber die fingen sicher nicht vor sieben an zu arbeiten.
Eine Nacht ohne Maus – etwas was es zu nutzen galt. Aber heute? Gabriel temporär impotent! Dafür einen knurrenden Kawa auf dem Bauch und selber nicht gerade in Laune.
Man konnte eben nicht alles haben.

Und dieser knurrende Kawa wurde langsam sauer weil er Santos’ Worte aber so was von überhaupt nicht glaubte, und dass der noch schräge Antworten auf einfache Fragen gab ließ die sonst hellen Augen dunkler werden.
„Verdammt noch mal, wo ist meine Maus?“, fauchte der Vampir auf und schnappte sich dann Gabriel, zog ihn zu sich und knurrte den Großen an. „Wo ist Yujo?“, wollte er nun auch von dem wissen, war es sicher einfacher von dem sonst halbwegs rational handelnden Menschen zu erfahren.
Gabriels Hirn lief auf Hochtouren, er wollte ja nicht unbedingt anwesend sein, wenn der nun langsam seiner Meinung richtig gepisste Vampir erfuhr was sie mit dessen Geliebten angestellt hatten, noch weniger wollte er ihm so nahe sein wie jetzt. „Öhhm...“, meldete er sich so mal ausweichend.

Weil Santos nicht genau wusste, wann Kawa austickte und sich an Gabriel vergriff, riss er seinen Menschen wieder zu sich und stellte sich vor ihn, drängte Kawa etwas weiter zurück. Nicht dass der wirklich folgen wollte, aber wenn man über eine Tüte Chips stolperte und sich nicht rechtzeitig abfing, konnte das als einzige Konsequenz den Gang zu Boden haben. Der Schwarzhaarige knurrte unleidlich und Santos grinste. Eben!!
„Die hat deine kleine Mistmaus da liegen lassen. Ziemlich lästig oder? Und falls du es wissen willst: wo bringt man wohl ein Haustier hin, das einem auf den Nerv geht? Hast du da eine Idee?“
Santos konnte sehen, wie es in Kawas Hirn ratterte. Hörte er da nicht sogar ein Zahnrad quietschen? Besser er nutzte die Chance und ergriff mit Gabriel die Flucht, während Kawa ziemlich verwirrt auf dem Boden hockte und mit dem Hintern Chips breitdrückte.

Plötzlich machte es KLICK, und das ziemlich heftig und ziemlich laut. Keine Sekunde später war Kawa auf den Beinen und Santos hinterher. „Wo habt ihr ihn ausgesetzt.“, schickte er laut zu den beiden Flüchtenden, konnte aber spielend aufholen, da ja Gabriel nur ein Mensch war und somit auf eine gewisse Geschwindigkeit begrenzt.
„Santos, was hast du mit Yujo gemacht.“, konnte sich Kawa noch nicht wirklich vorstellen das Gabriel.... aber das war erst mal nebensächlich, viel wichtiger war, wo sie seine Maus hingebracht oder ausgesetzt hatten.

„Gar nichts“, beteuerte der Weißhaarige und sah zu, dass er Fersengeld gab. Mit Kawa im Assassin-Modus war nicht gut Kirschen essen. So schleifte er Gabe hinter sich her und in Richtung Schlafzimmer. Aber Kawa war schneller und griff sich Santos an der Schulter, dass der fast das Gleichgewicht verlor und rücklings Bekanntschaft mit den Treppenstufen machte. Doch Gabriel verhinderte das.
Nichts desto trotz sah er sich kaum eine Sekunde später mit einem wutschnaubenden Kawa konfrontiert, der dummerweise sämtliche Fluchtwege abschnitt – Gebt mir ein M – gebt mir ein I – gebt mir ein S – gebt mir ein T …. MIST!
„Ich hab mit ihm nicht viel gemacht. Mit dem kann man ja auch nicht viel machen!“, versicherte Santos und reichte Kawa sein Handy. Irgendwie kam ihm gerade das Bild einer gefesselten und geknebelten, verhungerten Maus in den Kopf, dass er sich schüttelte, um das Bild wieder loszuwerden. Der Kleine war lästiger als jeder schlechte Horrorfilm!
„Er hat es nicht anders gewollt. Auf einer Raststätte an der Autobahn aussetzen wollten wir ihn nicht. Man weiß ja nie, wann der Mausfänger …“ Santos hielt lieber die Klappe, so wie Kawa guckte. Schließlich war der mittlerweile gleich stark. Doppelmist!
Wie eine kleine, nicht mal anwesende Maus doch ordentlich für Ärger sorgen konnte.

„Sitzen bleiben!“, knurrte Kawa zu den beiden auf der Treppe und besah sich gleich mal Santos’ Handy. „Was ...Wo??“, hielt er ihm das kleine Stück Technik auffordernd entgegen weil er nun wirklich keine Lust hatte sich durch sämtliche Displays zu suchen.
Gabriel indessen ließ sich nun gänzlich neben Santos auf der Treppe nieder und hätte sich am liebsten schon mal, den empörten Aufschrei Kawas vorhersehend, die Ohren mit den Händen verschlossen. Aber da das dann wohl doch etwas dämlich rüber kam ließ er es sein und wartete bis Kawa die Bilder ihrer Tat gesichtet hatte.

Da das wohl etwas länger dauern konnte, ließ Santos die Beine locker. Egal ob er flüchten würde oder nicht: Kawa würde ihn jagen und finden und töten. Okay! Vielleicht nicht gleich töten aber ordentlich foltern und quälen und leiden lassen und wenn das einer mit ihm tat dann bitte nur Gabriel! Vorausgesetzt er hätte die Möglichkeit sich das zu wünschen – so wie Kawa allerdings guckte, standen die Karten gerade arg schlecht und gegen ihn.
„Wir haben den Weg für dich aufgenommen. Am besten folgst du einfach den Fotos, dann kannst du es nicht verfehlen!“, redete er munter drauf los. Ja war er denn lebensmüde?
Bei Irren – denn genau so sah Kawa gerade aus! – sollte man ruhig bleiben, lächeln und sich nicht in ein Gespräch verwickeln lassen! Und was tat er in seinem jugendlichen – vierhundertjährigen – Leichtsinn? Er machte den Irren wütend!
Ganz schlaue Idee – er sollte wohl besser sein Grab ausheben gehen. Seine Finger suchten recht geschickt den Bildspeicher und reichten das kleine Gerät dann Kawa. „Einfach immer auf den rechten Pfeil drücken.“
Und los ging der wilde Ritt!

Bild für Bild sah sich Kawa die Bescherung an, blieb dabei eisig ruhig und speicherte alle Bilder mit dem Wegweisern ab, konnte er nun zu seiner Maus finden. Als er an dem Bild mit der Eingangstür zum Tierheim ankam zischte er und guckte kurz wütend auf. „Das ist nicht euer ernst, oder??“ Ganz kurz, aber wirklich nur ganz kurz, flammte eine kleine Flamme der Hoffnung auf, dass das hier ein dummer Witz war und die beiden nur verdammt gut schauspielerten, aber so wie Gabriel zusammenzuckte?
Scheiße!!!
„Ihr hab ihn in nem Tierheim abgegeben??“ Kawa konnte es nicht glauben und als er das letzte verräterischste Bild ansah, blitzten seine Augen schwarz und er wurde sehr ruhig, hob den Blick und ließ das Handy fallen, drehte sich dann um und ging auf den Ausgang zu. „Ich hoff mal für euch, dass es ihm gut geht.“

„Klar doch, schließlich hat er meinen flauschigweichen Kuschelpullover. Wehe der hat ihn dreckig gemacht“, knurrte Santos leise. Und Gabriel rief hinterher, dass es gar nicht so einfach war, Mäuse im Tierheim abzugeben, dass man die reinschmuggeln musste. Doch da stieß ihn Santos in die Seite. Besser sie sagten heute beide nichts mehr, sondern sahen zu, dass sie eine riesengroße Portion Fish n Chips besorgten und der Maus ein Versöhnungsessen zauberten. Denn alles andere würde nichts bringen. Die Zuneigung – oder Ablehnung – einer verfressenen Maus ging eben immer noch über dessen Zunge durch dessen Magen. Zumindest hoffte das Santos, als er zusah wie Kawa die Treppen hinab schritt. Verdächtig ruhig. Hoffentlich wollte der nicht, dass einer von ihnen ihn fahren sollte!

Doch das hatte der nicht im Sinn, wollte er erst mal seinen Schatz aus dem TIERHEIM!!! herausholen und sein Gemüt, wenn möglich, ein wenig beruhigen, sonst würde er den beiden auf der Treppe noch an die Kehle gehen und zumindest bei einem der beiden Deppen würde das ein böses Ende haben und das musste ja nicht sein.
Auf dem Weg nach draußen schnappte er sich noch Santos’ Autoschlüssel, der so und so die meiste Zeit verweist herumlag, da sich der weißhaarige Vampir fast immer weigerte zu fahren. Warum hatten sie dann bitte mittlerweile zwei Autos??
Kaum war Kawa draußen sah Gabriel zu Santos. „ Und nun??“

„Beten, dass seine Wut nicht so groß ist, dass er meinen geliebten Jeep demoliert.“ Santos ließ sich auf der Treppe ausgestreckt nieder. Zwar drückte eine Stufe im Kreuz, eine andere im Genick, aber sie lebten noch, hatte noch all ihre wichtigen Körperteile und es war kein Blut geflossen. Oder sollte er besser sagen: noch nicht? Wer wusste schon, was die kleine Mistmaus Kawa jetzt alles berichtete, was für abstruse Geschichten er sich in seinem kleinen Maushirn zusammen gesponnen hatte! Vielleicht hätte er mitfahren sollen um mal alles richtig zu stellen. Aber andererseits – jetzt noch alle Fenster verbarrikadieren und schon hatten sie ihre Ruhe – was wollte Vampir mehr?
„Ruf den Pizzaservice an, besser wir haben Mausbesänftigungsfutter im Haus, wenn der hier aufschlägt.“
Vielleicht hatten sie aber auch Glück und Kawa schleifte seinen Kleinen, verhungerten, durchgefrorenen, sicher immer noch notgeilen Nager gleich in sein Loft. Dann waren sie alle Sorgen los. Aber das Glück war ihnen heute nicht wirklich hold, genau genommen hatte es ihm schon ein paar Mal auf seine Schuhe gekotzt.
„Fish n Chips – ne große Portion!“ Allein der Gedanke bereitete schon Ekel.

„WÄ!“, meldete Gabriel auch gleich, aber nickte dazu nur und machte sich auf zum Telefon. „Grausig, aber ein gutes Mittel YuYu ruhig zu stellen.“, stimmte er seinem Schatz zu und hatte keine Fünf Minuten später gleich mal drei verschiedenen Pizzen, von denen er wusste das Yujo sie mochte, bestellt und nun suchte er noch nach einem Lieferanten für Fish n Chips und sogar der ließ sich finden und lieferte auch noch innerhalb von 30 Minuten.... perfekt.
Nun ja wenn man den Umstand betrachtete wohl eher ein kleiner Anflug von Glück, aber besser mal nicht freuen, sondern abwarten ob alles glatt lief.
Nach dem aufführen der Futterbeschaffung ließ sich Gabriel wieder neben Santos nieder, der noch immer auf der Treppe lag. „Futter ist abgesichert, nun können wir nur noch warten oder??“

„Ja, warten wir besser. Nicht dass wir wieder schmusend irgendwo rumliegen, wenn die Maus reinkommt.“ Irgendwie hatten sie ja das alles nur Gabriels blöder Idee, die Maus mit Sex aus seinem Bau zu locken, zu verdanken. Aber Santos machte seinem Schatz da keinen Vorwurf, er hatte die Liebkosungen genauso genossen wie er selber und dass die Maus gleich mit einer Kamera anrückt, das hätte selbst Gabriel, der Mausversteher, nicht ahnen können.
Das kleine Vieh wurde eben langsam aufmüpfig.




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Aufmüpfig!
Genau wie jetzt – denn jetzt – genau jetzt – hatte die Maus es satt in einer Ecke zu hocken und zu frieren. Sein Arsch war eiskalt und wenn er nicht aufpasste, dann fror er ihm noch zu. Was für ein Drama. So tigerte er wie eine wütende Wildmaus im Käfig hin und her, so gut man auf einem Quadratmeter eben tigern könnte, und knurrte. Ab und an wurde wütend geflucht, Santos und Gabriel wüste Verwünschungen in bestimmte Körperregionen geschickt. Dass er aber nur hier war, weil er mal wieder beim Sex hatte spitzen wollen, DAS überging die Maus einfach – schließlich war das maustypisches Verhalten, mit so was musste man rechnen.
Das hatten hoffentlich auch die beiden Mausaussetzer begriffen – wenn nicht würde er dafür sorgen, Frechheit. Mittlerweile hatte er Santos’ Pullover an, weich und kuschelig, und sang ein sehr trauriges, sehr nerviges Klagelied über ausgesetzte und verhungerte Mäuse ohne Eisbär … arme, kleine Maus.

Doch nicht mehr lange würde der Nager ausharren müssen, denn ein genervter und zorniger Vampir, der seine finsteren Ideen über zwei gewisse, bekannte Herren mal lieber in Energie umbaute, war schon mit Vollgas auf dem Weg zu besagtem Haustier und scherte sich herzlich wenig um Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Kawa war sicher schon auf der halben Strecke und raste nun über die kleineren Straßen, die schlussendlich zu dem Tierheim und seinem Schatz führen sollten, und wehe seine Maus war nicht mehr dort oder Yujo ging’s schlecht.
Dann würde er seine finsteren und sehr, sehr schmerzhaften Ideen über zwei Herren doch noch ausgraben und verwirklichen.

Aber die Maus dachte gar nicht daran, dass es ihm schlecht gehen könnte. Na ja, ganz stimmte das nun auch wieder nicht. Er hatte Hunger, er hatte seit STUNDEN keinen Sex und außerdem war ihm kalt. Die Hunde ließen sich auch nach zwei Stunden nicht dazu überreden, sich in Eisbären zu verwandeln. Nicht mal der zottelige Weiße da hinten im Zwinger. Yujo hatte ihn vorhin an einem Ohr erreichen können, als er sich ganz, ganz lang gemacht hatte und eine Mauspfote in den anderen Käfig reichte. Allerdings hatte er besagten Hund am Ohr erwischt und gezogen, was der kein Eisbär seien wollende Köter nicht gerade toll gefunden hatte und schnappte. Nur gut, dass die Maus eine so schnelle Maus war, sonst wäre er jetzt wohl eine Maus mit nur noch drei Pfötchen.

Böser Hund!
Böser, böser Hund!
Also sang die Maus einfach weiter und quälte mit seinem schiefen Gesang die Hunde. Sollten sie doch sehen wie sie da wieder rauskamen – wer kein Eisbär sein wollte, der sollte sich jetzt nicht aufführen wie eine Memme, sondern es tragen wie ein Hund.
Genau!

„Seht die arme, kleine Maus
wurd geworfen aus dem Haa~aaus
wurd gefesselt, fest und hart
und wie ein Paket verwahrt

Und dies alles ist geschehen
weil’s Mausi hatte in die Bücherei wollen gee~eehen
doch da waren leider schon
der Gabriel und des Damions Sohn

Haben gepimpert und gepoppt
haben einfach nicht gestoo-hoo~ooppt
haben erst dann unterbrochen
als das Mausi kam angekrochen …“

Strafe musste sein, auch für Hunde!

Er hatte den dritten Durchlauf seines neu erfundenen Liedes noch nicht mal ganz beendet als sich Kawa in die Nähe der Zwinger schlich und durch die Stimme seines Schatzes ganz leicht zu der gefangenen Maus fand. Allerdings musste er schon zugeben, dass das Gesinge seiner Maus nicht wirklich besser klang als das Quälen der Hunde, doch das würde er seinem Schatz wohl nicht sagen, sicher nicht.
Seine Aufmerksamkeit auf die drei Menschen gerichtet, die sich im Tierheim befanden, näherte sich der Vampir dem Zwinger in welchem ein zweibeiniges Wesen herum marschierte, nun gut - eher auf und ab lief, und blieb davor stehen. Ein kleines Grinsen konnte er sich fast nicht verkneifen als er Yujo in dem ihm viel zu großen Pulli herumlaufen sah, einfach niedlich, zum Anbeißen.

Da er nun wusste, dass es seiner Maus nicht wirklich schlecht ging, blieb er noch eine Weile im Dunkel stehen und beobachtete den Jungen, wie er so vor sich hin murmelte, mal laut sang, mal sich selber bemitleidete weil’s ja kein anderer tat, mal Gabriel was dort hin wünschte, wo nur selten Sonne hin schien und Santos sich da ruhig anstecken durfte, auch wenn’s bei dem Kerl ja eh keinen Sinn hatte. Der bekam keine Krätze!

Was die Maus übrigens für sich voll fies fand. Richtig hart wurde es für Kawa erst, als er mit ansah wie Yujo dem Hund neben seinem Zwinger immer wieder mit dem Fuß anstippte. Sicher war das Tier taub, denn wer konnte bei dem Gequietsche der Maus schon schlafen? Dieses beneidenswerte Wesen konnte es jedenfalls und das passte seiner Maus gar nicht, denn keiner schien ihm zuzuhören, keiner schien ihn zu bemitleiden!
Ja, Yujo wusste wie man sich Publikum verschaffte. Auch wenn das nicht immer Absicht war, wie sich Kawa an eine Fummelei in einem gläsernen Fahrstuhl im Einkaufszentrum erinnerte.

„Bin ich nicht ein armes Mausi
keiner da, der mich mag
rausgeflogen aus dem Hausi
wart ich auf den jüngsten Taa-haa~aag

Nichts zu Essen nichts zum Poppen
Langeweile bringt mich um
kann nur gegen’s Gitter hoppen
doch auf Dauer macht das duu~uu-huu~uumm …“

Okay, langsam wurde es dem Vampir zu viel und die Hunde stanken für seine Nase und er wollte mit seinem Nager heim und ihm gleich mal am besten von besagter Geilheit, über die Yujo nun auch noch anfing zu klagen, heilen. So ganz uneigennützig natürlich.
Mehr nebenbei, während er zum Käfig ging und sich an den Stäben der Tür anlehnte, vermerkte er einen kleinen Pluspunkt auf der Seite der Schuldigen namens Gabriel und Santos, weil es Yujo augenmerklich - auch wenn er jammerte und sang - nicht so schlecht ging. Das hieß nicht, dass er sich nicht noch rächen würde, aber zumindest bei einem der Beiden, dem, der nicht so viel aushielt, würde er seine Maus zu Werke lassen und der konnte schon sehr nachtragend sein, wie Kawa nur zu gut wusste. Fielen ihm mehr als nur eine Gelegenheit ein, wo ihn sein Schatz schon mal auf dem Trockenen hatte sitzen lassen, als Strafe. Dass Yujo diese Strafe aus Geilheit von sich aus beendet hatte... musste man nicht sagen.

Das wusste man einfach. Spätestens nachdem man ihn hatte laut singen und klagen hören.
Noch immer stocherte die Maus mit einem Fuß im Fell des Hundes neben sich, rief immer wieder die seltsamsten Namen. Aber das Vieh schien entweder tot oder hatte harte Nerven! So blieb der Maus nichts anderes als zu knurren wie ein wildes Tier und weiter seine Runden zu laufen. Immer wieder im Kreis, bis er dödelig wurde und zu taumeln anfing. Wurde er jetzt verrückt? Da hatte ihn doch gerade was an der Hand gestreift!

Panisch sah er sich um – kamen SIE jetzt? Die ganze Zeit hatten SIE ihn in Ruhe gelassen, sicher weil er so falsch sang und SIE sich mit ihren acht Beinen die Ohren hatten zuhalten müssen. Ob SIE auch acht Ohren hatten?
Wo waren sie? Überall? Wo? Wo? Wo?
Immer wieder flog der Mauskopf herum, auf die Idee zur Tür zu gucken kam er nicht. Er ging in Angriffsstellung und fuchtelte mit dem viel zu langen Ärmeln des Pullovers herum.
„Komm doch her – komm wenn du dich traust. Feigling, Feigling – komm doch!“ Die Mausfäustchen flogen immer wieder ins Dunkel. Als ob Spinnen so groß wären! Wie Yujo kreischen und sterben würde, wenn Spinnen SO groß wären.

Kawa grinste nur. Wenn er bedachte wie die Maus starb, wenn eine Minispinne über den Badboden wuselte!
Dann schnappte er sich eine der kleinen Mausepfoten als sie in seine Nähe kam und zog den Nager zu sich und an die Gitterstäbe. Verspielt und den etwas anderen Etablissement nicht abgeneigt, fing er mit der anderen Hand die zweite Pfote ein und zog Yujo ganz an die Eisenstäbe. „Hallo Maus.“, flüsterte der Vampir dunkel.
Nur Augenblicke später sah er in die geweiteten Augen seines kleinen Nagers, der ganz verdutzt dreinblickte.

Zum Einen musste der erst einmal verarbeiten, dass er gepackt war und gegen Eisenstäbe gezogen wurde. Und zum Anderen sah die Spinne da drüben aus wie Kawa! Jetzt verkleideten sich diese Mistviecher schon als sein Schatzi, und man musste die Spinne mal loben! Es war eine verdammt gute Maske. Sogar die kleine Narbe unter dem Auge hatten sie … öhm… „Kawa?“, versuchte es die Maus einfach mal ins Blaue und steckte das Mauseschnäuzchen durch die Stäbe. Wenn’s Kawa war, würde er gleich eine Zunge im Hals haben, wenn’s eine Spinne war, würde er gleich Ekelblasen bekommen.

Grinsend sah Kawa zu, wie sich das Mauseschnäuzchen zwischen die Stäbe drückte und er leckte langsam über die geschürzten Lippen. „ Hallo mein Schatz.“, flüsterte der Vampir leise und biss spielerisch in die vorgeschobenen Unterlippe, bevor er Yujo den Mund mit seinen Lippen verschloss und ihn so am Antworten hinderte.
Also irgendwie hatte das wirklich was, musste Kawa dreckig in den Kuss grinsen, als er die harten und vor allem auch kalten Stäbe des Käfigs und die warmen Pfötchen seiner Maus fühlte. Aber sie sollten dann doch, bevor sie noch jemand fand, aus dem Tierheim raus und so ließ er den hungrigen Kuss langsam ausklingen und leckte nur immer wieder über die roten Lippen seines Nagers.

Es dauerte eine Weile bis Yujo begriffen hatte, was hier abgegangen war. Kawa war da! Sein Kawa! Er hatte ihn gesucht und gefunden! Sein Retter! Sein Held! Nur gut, dass die Maus das verräterische Glitzern in dessen Augen nicht sah.
„Holst du mich hier raus oder glaubst du auch, wie die blöden Arschlöcher, dass eine arme, kleine Maus hinter Gitter gehört, wo er dann gnadenlos verhungert?“ Die Mausaugen wurden ganz groß und ganz rund, denn Yujo wusste, dass Kawa ihn sehen würde.
„Und bekomm ich einen Eisbär als Entschädigung?“ Versuchen konnte man es ja mal!

„Nö, kein Eisbär!“, war das erste, was Kawa denken konnte und auch gleich mal laut kundtat, denn seine Maus hatte er gefunden und so rückte auch schon sein Zorn in den Hintergrund, darum konnte man sich nachher noch immer kümmern und sollte man kalt genießen.
„Aber rausholen kann ich dich schon, auch wenn mir das mit dem Käfig und so nicht schlecht gefällt.“, wanderte wieder das dreckige Grinsen auf seine Züge und er vereinnahmte Yujos Lippen nochmals mit einem verlangenden Kuss. „Ich find, so ein Ding hat was.“

„Ja toll.“ Yujo fing auch gleich an zu mosern und drückte Kawa weg. Nicht nur, dass er hier gefangen war, dass so genannte Freunde ihn hier einfach achtlos ausgesetzt hatten – nein! Sein Freund fand Gefallen daran und… nicht zu vergessen … er bekam keinen Eisbär. Nicht einmal in solch einer Situation bekam er einen Eisbär! Was musste den noch passieren, dass er endlich einen eigenen kleinen, süßen, weichen, weißen Teddy bekam? Musste der Mauseschwanz in Flammen stehen?! Wah! Nein! So was tat doch weh, lieber nicht.
Yujo ging in die Mitte des kleinen Zwingers und besah sich die Gitter. „Kann das sein, dass du drauf stehst, dass ich arme, kleine, wehrlose, schutzlose, notgeile ... nein streich das, ich fang noch mal an … also, wo war ich …“

Kawa ließ das Schloss und somit die Tür des Käfigs aufschnappen und trat zu seiner Maus in den Zwinger, schlossen sich starke Arme um den schlanken Leib Yujos und er wurde an den Vampir gedrückt. „Schutzlose und geile Mäuse...“, wisperte er leise in das verwuschelte Haar. „Das klingt lecker und anregend, mein Süßer.“ Um seine Worte zu unterstreichen knabberte er über Yujos Nacken.
„Oder hast du was dagegen??“

Irgendwie dauerte es eine Weile, bis all die ausgeschütteten Hormone dort waren wo sie hingehörten und das Maushirn wieder einigermaßen funktionierte. „Hier?“, wollte er wissen und drängte sich dichter an Kawa, der seine Hände unter den viel zu großen Pullover schob. Warum hatte Santos auch so einen großen Pullover dalassen müssen? Hatte er gehofft, dass sich die kleine süße Maus darin verläuft und nie wieder kommt? War das so geplant? Oder war das gar kein Pullover, sondern eine Zwangsjacke? So lang wie die Ärmel waren erklärte das ja einiges.
Aber zurück zum Geschehen, denn besagter Pullover wanderte gerade zusammen mit Yujos Shirt weit nach oben.
„Etwa hier?“, wiederholte er misstrauisch – auf tierisches Publikum stand er gar nicht. Genau genommen mochte er gar kein Publikum!

„Oder im Auto.“, murmelte Kawa leise und lachte unterdrückt, als er merkte, dass Yujo die wachen Hunde musterte und wohl an den vielen Augenpaaren so gar keinen Gefallen finden konnte. „Ich hab mir Santos’ großen Jeep geschnappt.“
Seine Finger strichen derweilen über kleine feste Knospen und reizten das empfindliche Fleisch, nur zu gut wusste der Vampir, dass sein Schatz hier wohl raus wollte und sicher auch Heim ins Bett oder auf die Couch oder in einen der großen flauschigen Lesesessel.

Aber erst mal musste das kleine, meist total überforderte Maushirn nach und nach alle Informationen abarbeiten, da hatte er gar keine Zeit erregt zu sein.
„Auto?“, wiederholte die Maus nach einer Weile verblüfft. „Santos’ Jeep?“ Seine Stimme wurde immer verwirrter. Gucke an, hatten die Beiden ein schlechtes Gewissen? Geschah ihnen recht – aber so was von recht! Andererseits. „Öhm, du weißt schon, dass der weißhaarige Scharfzahn mich umbringt, wenn ich da seine teuren Ledersitze einsaue? Das darf nicht mal Gabriel und der steht mit dem ja so.“ Die Maus kreuzte die Finger um anzudeuten wie Gabriel und Santos standen – als ob Kawa das nicht wüsste? Hatte sein Kleiner vielleicht doch eine auf den Mauskopf bekommen? Oder war er einmal zu oft gegen das Gitter geditscht? Mal gucken ob irgendwo Druckstellen waren.

Und schon flogen seine Finger forschend über Yujos Gesicht und Nacken und Kopfhaut, kraulten, tasteten und streichelten über Haare und Haut. Nö, alles wie immer, registrierte der Vampir und biss zur Probe gleich mal durch Santos’ Pulli in den Schultergürtel seines Nagers, nippte ein wenig an dem hervortretenden Blut, das nebenbei das Kleidungsstück versaute und schob erst dann das weiche Gewebe zur Seite und verschloss den Biss mit einem Kuss.
„Das Auto hab ich mir einfach genommen, protestieren konnte der in seiner Lage nicht.“, erklärte Kawa. „Und weißt du, was es mir ist, ob Santos über versaute Sitze kocht oder nicht?? Ist doch eh Leder, das bekommt er schon wieder sauber.“

Hm … es schien als wäre die Maus noch immer nicht hundertprozentig überzeugt, denn er legte einen Finger an die Lippen und überlegte. Jetzt war schon Santos’ Pullover versaut, wenn sie auch noch das Auto eindrecken, dann waren sie sicher quitt! Das war doof, dann konnte er die beiden gar nicht mehr mit ihrem schlechten Gewissen erpressen!

Wo er sich doch schon vorgenommen hatte, die sterbende Maus zu spielen, um von Gabriel einen Eisbären zu erbetteln! Er wollte endlich einen kleinen, süßen, flauschigen Eisbären haben – ganz für sich alleine, einen den Kawa nicht poppen würde und der bei ihm im Bett schlafen könnte, an dem er sich die Mausfüße wärmen konnte. Fraßen Eisbären Mäuse? Nö! Vielleicht Polarmäuse! Aber er war ja keine Polarmaus. Brr! Alleine die Vorstellung war grausam! Arme Mäuse im ewigen Schnee – was für ein Schicksal.
Er war eine geile Maus, wie er bemerkte, als seine Hose recht eng wurde, was genau trieb Kawa da?
Als er mal wieder in die Realität tauchte, hatte der Herr Vampir ihm doch glatt die Hose aufgemacht!
„Ey!“

Schon halb mit den schlanken Fingern in Yujos Hose blickte Kawa in die zu ihm gerichteten Augen. „Was denn?“, murmelte er und fing sich die lockenden Lippen seines Nagers ein, drehte Yujo in seinen Händen und hob ihn einfach mal so hoch.
Als er ihn endlich dazu animieren konnte die Beine um seine Hüfte zu schlingen lief der Vampir los, sein Schatz mochte keine Beobachter und draußen wartete ein großer Jeep mit einer sicher nicht gerade unbequemen, großzügigen Rückbank, und die Heizung hatte er vorher auch laufen lassen.
Also wäre es in dem Gefährt sicher auch schön warm, also kurz und gut, perfekt.

So wie es die Maus mochte. Dunkel, warm und weich. Das perfekte Mausenest eben. Das hatte auch Kawa mittlerweile mitbekommen. Nicht dass Yujo nicht auch in einem hell erleuchteten Bad seinen Trieben erlag, aber der Junge hatte mehr Spaß an einem netten Stelldichein zur Guten Nacht, das sich auch gern mal bis kurz vors Aufstehen ziehen durfte, wenn’s warm und schummerig war. Hauptsache es war bequem und es gab was zu essen [weswegen Kawa neuerdings Kekse neben dem Bett bunkerte, um die erschöpfte Maus immer wieder aufzupäppeln. Yujo hatte ja einen Eisbären verlangt, aber er gab sich zur Not auch mit Keksen zufrieden – genügsame Maus].

Und genau diese Maus klammerte sich gerade an die Jacke seines Vampirs und vergrub das Gesicht, denn der fiese Kerl hatte seine Finger immer noch in der Maushose, und spielte mit dem süßen, kleinen ... na so klein war er nun auch wieder nicht, jedenfalls spielte der einfach mit dem Mauseschwanz, dass Yujo nur noch in die Jacke vor sich beißen konnte und die Augen schließen.
Hoffentlich kam jetzt keiner!

Zum Glück konnte sich die Maus noch beherrschen bis sie das Gebäude verlassen hatten und auf dem Weg zum nahe geparkten Jeep waren. Aber nun, da Kawa seine frechen Finger auch noch in die Poritze gleiten ließ, war es selbst für eine sich zusammenreißende Maus zu viel und der Junge stöhnte an Kawas Brust auf.
Der drückte seine süße Beute, oder wie Kawa grübelte, sein neues Haustier - weil, wenn man was aus einem Tierheim holt isses doch ein Haustier - fester an seinen Körper und zog mit einer Hand schon mal die Schlüssel aus der Hosentasche.
Mühelos war die Hintertür des großen Wagens geöffnet, die Maus rücklings darin verstaut und nun überlegte der Vampir, ob es nicht doch klüger war erst mal ein wenig von dem Tierheim wegzufahren.
„Liegenbleiben, wir machen gleich weiter.“, huschte Kawa dann auch schon nach vorne und stieg hinters Steuer.




- 11 -

Liegenbleiben.
Das war ein typischer Maus-Lock-Ruf, eine Folge von Worten, die dazu führte, dass die Maus erstarrte, egal wo er gerade stand, lag oder hing. Meistens schob er auch die Beine weit auseinander und das Becken nach oben. Aber dann lag er wirklich ganz still und wagte kaum zu atmen.
Er hörte den Wagen anlaufen, die Rückbank vibrierte unter seinem – übrigens bereits nackten – Po, dass der Maus, der seit fast 20 Stunden ungepoppt war, ganz schwarz vor Augen wurde und das kleine Mauseschwänzchen zu wippen anfing. Nun war es gerade dabei gewesen sich umzusehen und nun wurde es wieder vernachlässigt.

Armes, kleines Mauseschwänzchen!
Und arme kleine Maus, die an dem ungestreichelten Schwänzchen dran hing. Irgendwie sah er bestimmt gerade voll lächerlich aus, wie er da hing, die Hose auf den Knöcheln und die Knie weit gespreizt. Die typische Mauspose eben.
Wenn er mal zu einem heiteren Berufe-raten ging und eine typische Bewegung machen sollte, man würde das peinlich werden.
Und wo kam dieser abstruse Gedanke eigentlich gerade her. Ob er sich vernachlässigt fühlte? Hastig streift er leise die Hose ganz ab und auch die Schuhe, denn eigentlich sollte er ja liegen bleiben. Doch dann schob er ein Bein über die Lehne und kitzelte mit einem Mausfuß Kawa im Ohr.

Leise zischend zuckte Kawa zusammen und grinste gleich darauf, als die wackelnden Zehen wieder durch sein Haar wanderten und die Wange knapp verfehlen. „Gleich, Maus, gleich.“, beruhigte er seinen Schatz und düste mit hoher Geschwindigkeit über die Straße, hielt auf eine der nahen Waldanlagen zu und parkte dort auf dem engen Forstweg, der von der Straße abzweigte.
Jetzt konnte der Vampir nach dem Fuß schnappen und folgte dessen Verlauf über die Vordersitze nach hinten und kroch zu seinem Schatz, der praktischerweise schon mal halb nackt dalag, nur noch den übergroßen Pulli trug und göttlich niedlich darin aussah.

Aber göttlich Niedlicher war mittlerweile sauer – wie das eben so passierte mit Dingen, die man zu lange liegen ließ. Hatte Kawa unbedingt so weit fahren müssen? Schließlich war er eine ausgemergelte, sich nach Zuwendung sehnende Maus, der darbte! Und jetzt kam Kawa angekrochen! Jetzt wo er Hunger hatte und keine Lust mehr auf Sex!
„Drei, zwei, eins – aus“, rief er plötzlich und zog seine Beine zu sich. Nicht nur, dass er sich entgegen Kawas Aufforderung bewegte und nicht liegen blieb, nein, er suchte auch noch schmollend seine Hose und streite sie sich extrem umständlich wieder über. Kawa konnte nur auf der Rückbank knien und etwas irritiert gucken.

„Fahr weiter, ich hab Hunger“, legte er fest und verschränkte schmollend die Arme. Erst wurde er ausgesetzt und wäre fast verhungert, musste stundenlang auf Sex warten, obwohl nicht zu übersehen war WIE nötig es die kleine Maus hatte und bekam nicht mal einen Eisbären.
Dann wollte er sich lieber frustmäßig voll fressen und an Völlerei qualvoll sterben, sollten die Anderen schon sehen was sie davon hatten.
Nur sah Kawa das wohl gar nicht ein.

Denn der lockte mit seinen Fingern geschickt das gerade noch wieder müde werdende Mauseschwänzchen aus seinem Versteck namens Hose und beugte sich über seine Maus, drückte den protestierenden Nager tiefer in das weiche Leder der Sitze und ließ seine Fänge über dessen Wange schaben.
"Och Schatz", maulte der Vampir leise und drängte sich näher an Yujo, umflogen seine Fingerspitzen noch immer dessen Schritt und reizten seinen Geliebten so.

Doch soooo leicht wollte es die Maus seinem Schatz auch nicht machen. Schließlich hatte er ihn nicht nur bei Gabriel und Santos, den fiesen, gemeinen Mausaussetzern, gelassen. Er hatte sich auch ne Menge Zeit gelassen seine Maus zu retten! Und als würde das nicht reichen, hatte er die aufgegeilte Maus auch noch achtlos auf den Rücksitz geworfen und hatte sich vom Ort des Geschehens entfernt, anstatt nachzusehen ob nicht vielleicht ein kleiner Eisbär in liebevolle Maushände abzugeben war.

Er verkniff sich das wohlige Stöhnen, das sich aus seiner Kehle entfernen wollte, denn Kawa hatte extrem geschickte Finger.
„Lass uns ….ah … oh mein Gott … ich wollte doch …. Oh Kawa.“ Irgendwie kam er nicht dazu sich zu artikulieren, denn seine Sinne schwanden immer weiter. So konnte er nur leise wimmern und fragen, ob sie nicht zurück fahren konnten, um einen kleinen Eisbär für ihn zu holen. Denn die hatten bestimmt einen da.

Wenn Kawa nicht gerade mit seinen Händen an seinem Schatz beschäftigt gewesen wäre, hätte er sich wohl selbige vor sein Gesicht geschlagen. Doch so rieb sein Daumen über eine rotleuchtende Eichel und er vergrub die anderen Finger tiefer in Yujos Haar und zog ihn noch mal näher an sich.
Als der Vampir spüren und vor allem riechen konnte, dass seine Maus sich gleich nicht mehr würde halten können, wurden seine Bewegungen langsamer, gezähmter und er blickte in die leicht verschleierten Augen Yujos. "Was willst du, Maus??", hauchte er warm über die entblößte Kehle seines Geliebten, schickte so eine Gänsehaut über dessen Leib.

Ob er damit gerechnet hatte, dass das einige Wort, dass der verspannte Leib von sich geben konnte, „Eisbär“ war, wenn auch undeutlich und gepresst? Sicher nicht! Nicht mal bei Yujo – gerade nicht bei Yujo, seines Zeichens notgeile Maus vom Dienst.
Der Junge bebte in seinen Händen, die Augen verdrehten sich vor Genuss. Hatte die Maus da keine anderen Sorgen als bekloppte Eisbären?
Anscheinend nicht, denn er versuchte sich sogar am patentierten Maus-Bettel-Blick aber er scheiterte kläglich, denn das Blut in seinen Adern brannte, floss durch ihn hindurch wie flüssige Lava und spülte alles was nicht Leidenschaft war hinfort.
Instinktiv spreizten sich seine Beine weiter und er winselte leise.

Als seine Maus wieder seinen doofen Bären forderte setzte sich Kawa zurück auf die Fersen und besah sich den abtrünnigen Nager. "Maus??", schickte er fragend zu Yujo und sah ihn halb finster halb verlangend an. „Maus, ist dir klar was du grad mit mir machst und dass jeder Eisbär dich sicher beim ersten Flauschversuch deinerseits fressen würde??"
Kawas Erregung war bei dem weißen Mistvieh so ziemlich auf null abgestunken und er ließ seinen Blick über den wimmernden Jungen gleiten.
"Könntest du wenigstens wenn ich dich vernaschen will, das Wort Eisbär aus deinem Wortschatz streichen??", unterstrich Kawa seine Forderung mit einer neckenden Liebkosung von Yujos nach Aufmerksamkeit heischenden Männlichkeit.

„Hey“, ereiferte sich der kleine, freche Nager, der eben nur durch die heldenhafte Rettung durch seinen Vampir einem qualvollen Tod vor Langweile entgangen war. „Wer hat gesagt, dass du damit … ha! Ja genau … nicht aufhören“, forderte er.
Mann, war das fies! Einerseits waren sie schon mal im Tierheim, wo sicher auch arme, kleine, verstoßene, ungeliebte und einsame Eisbären nur darauf warteten von einer Heldenmaus gerettet zu werden, andererseits hatte er Eisbär-sag-Verbot und wurde wohl mit Sexentzug gestraft, wenn er sich nicht daran hielt. Deswegen griff er sich erst einmal Kawas Hände und legte sie um sein Geschlecht. „Hier. Weitermachen!“, forderte er stöhnend und stemmte das Becken höher, um die sensible Haut zwischen den Fingern durch eigenes Bewegen zu reizen und sich selber Punkte sehen zu lassen. Ob einer davon aussah wie ein ... ach ja, er sollte es ja nicht sagen. Stimmt, er sollte es nicht sagen! Von denken war nicht die rede gewesen.
Eisbär!
Eisbär! Eisbär! Eisbär!
„Deal – ich bekomm Sex und … über den Rest reden wir später, ja?“ Er grummelte leise, denn Kawa dachte gar nicht daran sich zu bewegen. „Ich bin doch eine ausgesetzte Maus mit einem Trauma, du musst mich wieder gesund poppen und jetzt leg los!“

Eine von Kawas schlanken Augenbrauen wanderte nach oben und er sah weiter nur ruhig auf seinen Schatz, wuchs in ihm gerade eine Idee, mit der er, … nun gut, er würde das Ding trotzdem nicht mögen, aber besser als ein Eisbär wäre es immerhin.
„Heute und morgen kein Wort mehr von Eisbären.“, legte der Vampir fest und strich einmal langsam über Yujos Schaft, neckte die Spitze mit der glatten Seite seines Daumennagels und sah zu, wie sich der Körper seiner Maus ihm entgegen bäumte.
„Deal??“

„Zwei?“, keuchte der Nager und sein Hintern – übrigens schändlichst vernachlässigt – rieb über das weiche Leder der Rückbank. Wie konnte Kawa nur so gemein sein, in solch einer Situation? Zwei lange Tage keinen Eisbär erwähnen, jetzt wo er sich gerade in den Kopf gesetzt hatte, einen aus dem Tierheim zu holen!
Andererseits hatte es Kawa drauf ihn wirklich nicht zu befriedigen! Das hatte der böse böse Vampir mit seiner armen, kleinen Maus schon gemacht – geil gemacht und dann liegen lassen, dass die Maus vor Geilheit fast gestorben wäre!
Besser er legte es nicht noch einmal darauf an. Seine Adern pulsierten, seine Haut brannte. Alles in ihm schrie nach Kawa, das konnte er nicht einfach ignorieren – leider!
„Okay, Deal – und jetzt komm endlich rein!“, keuchte Yujo und sein Atem ging nur noch stoßweise. Sehen tat er außer schmelzenden Farben sowieso schon lange nichts mehr.

Kawa schnurrte leise auf, als sein Haustier - weil, er hatte seinen Schatz in ’nem Tierheim abgeholt, also wäre er nun ein Haustier und das musste er sich merken und Yujo noch mal damit aufziehen - endlich nachgab.
"Ich glaube, wenn ich dich so nähme, hättest du keine Freude, mein Schatz.", grollte er dunkel an die Kehle Yujos, als der Vampir anfing darüber zu lecken und auch leicht zu beißen.


Entledigte er sich eher nebenbei seiner Kleidung und drängte sich zwischen die weit geöffneten Beine seiner Maus, riss sich mit den Fängen eine Handfläche auf und ließ das rote Nass über seine Finger laufen.
Langsam neckend begann Kawa mit dem Blut über Yujos Po zu streichen und drang mit der Fingerspitze auch immer wieder in den schon heißen Körper ein.
Umwob ihn dabei der Geruch von seiner Maus, konnte er dessen erhitztes, von den Pheromonen süßes, Blut schon fast schmecken, als er immer wieder über den davon galoppierenden Puls leckte.

„Irgendwie .. ha,“ Yujo seufzte als Kawa ihn immer wieder nur neckte und lockte, seine Maus wohl ärgern wollte. „Hatte dich größer … ummm …. in Erinnerung“, presste er zwischen seinen Zähnen hervor, denn er versuchte seinen Genuss nicht zu laut rauszubrüllen. Dann glaubte Kawa vielleicht noch, dass er gut war. Nö! Den Triumph sollte der eisbärenverachtende Vampir nicht davon tragen! Nie nicht!
Sein Atem hetzte, flog aus seinen Lungen, dass er seinen Mund wieder öffnen musste, um Luft zu holen. Er hechelte wie ein junger Hund, wand sich auf dem weichen Leder und kam ins Rutschen, weil er zu schwitzen anfing. Sein Leib überzog ein feiner Film und Yujo wurde langsam schwarz vor Augen, was nicht nur am schwarzen Himmel in Santos’ Jeep lag!

Kawa spielte wie immer mit seinem Körper, wie mit einem fein abgestimmten Instrument und ließ ihn immer weiter in der Ekstase versinken, erst als der Vampir riechen konnte, dass sein Schatz ihm schon wieder fast umkippte und das Blut ungebremst und heiß durch die Adern Yujos peitschte, zog er ihn zu sich und drang langsam ihn seine Maus ein, senkten sich dabei auch seine Fänge in die Pulsader, aber Kawa leckte gleich wieder darüber und verschloss den schnellen Strom, um seiner Maus nicht zu schaden.
„Ist das besser?“, hauchte er dunkel an die kleine Ohrmuschel und knabberte daran.

Doch Yujo konnte nicht antworten, denn er ritt auf Wellen, die seinen Körper peitschten. Vergessen waren Eisbären und Käfige, Gitter und böse Vampire. Er wollte nur noch seiner Qual entkommen und gleichzeitig wollte er es nicht, wollte nicht, dass es endet, dass er in seiner Leere allein zurück blieb.
Wie wahnsinnig klammerte er sich an Kawa, der sich alle Mühe gab, dass die Maus keinen klaren Gedanken mehr fassen konnte – bravo, Vampi, bravo!

Von Yujo, der schon an der Klippe balancierte, mit aufgepeitscht, ließ sich Kawa gehen und trieb seinen Schatz in die Ekstase, wollte seine Maus und sich selber nicht mehr länger zurückhalten und so verkrampfte sich der schlanke Leib in seinen Händen und auch der Vampir warf aufknurrend den Kopf in den Nacken und ließ sich von den heißen Wellen seines Kommens davon treiben.
Schnurrend sank Kawa zur Seite und zog Yujo mit sich, hielt seinen Schatz, der noch an ihn geklammert war, fest und ließ ihre Verbindung bestehen, kostete das dämmrige Dösen aus, das sie beide nun befiel.

Yujo, der sich immer fester klammerte, weil er nämlich gerade merkte, dass sein Hintern frei schwebte und nicht mehr auf der Sitzbank lag, schniefte leise. Wow! Das war nicht übel gewesen. Ob es daran lag, dass sein Vampir die Gitter gesehen hatte? Hatte der nicht vorhin was erzählt von wegen anregend? Sollte er sich … öhm … wo war er gerade gewesen?
Irgendwie wollte das kleine, verkleisterte Maushirn noch nicht wirklich arbeiten, es wollte lieber die letzten Endorphine aufschlürfen und sich noch ein bisschen in seinem Nachglühen verlieren. Na sollte es - aber nicht zu lange, denn sobald Yujo wieder reden konnte, sollte auch sein Hirn mit an der Front sein, damit er sich an seinen Deal hielt. Kein Wort, das wie Eisbär klang – sonst gab’s Sexentzug. Was auf Mausdialekt mit „Todesstrafe vierten Grades“ übersetzt wurde.
Schläfrig schmiegte er sich dichter, denn er wollte nicht hinter die Vordersitze rutschen. Das tat sicher aua!

Dabei wurde er von Kawa noch unterstützt, der mit einem Arm die Taille seines Nagers umschlang und ihn langsam auf sich zog, zuckte die andere Hand derweilen nach seinem Ledermantel und warf ihn über ihre erhitzten Körper, als er des Kleidungsstückes fündig geworden war.
So eingehüllt, in das weiche Seidenfutter seines Mantels, und umgeben von der Dunkelheit, schloss der Vampir noch immer leise schnurrend die Augen und schnuffelte sich mit dem Gesicht in Yujos Haare und in die Nähe der Halsbeuge.
Kostete Kawa, wie schon öfters, den Geruch Yujos aus, den dessen Körper nun nach dem heißen Sex abgab und sie beide umfing.

Nur dem Nager war nicht so richtig nach hier rumliegen und krank werden. Er wollte lieber zurück zu Gabriel und zu Santos, sie ärgern und peinigen und ihr schlechtes Gewissen auskosten! So ruckelte er etwas herum und schniefte und knurrte. Mal davon abgesehen, dass er keinen Eisbären bekam! Aber wohl wissend schwieg die Maus wieder, schließlich hatte er, wie schon erwähnt, eine sadistisch veranlagten Freund, der gern kleine, geile Mäuse unbefriedigt auf der Couch herumliegen ließ und sich lieber ein Steak braten ging.
„Hunger“, murmelte er leise, schließlich hatte er seit Stunden nichts mehr in den Mausmagen bekommen!

Befriedigt durch ihren, kurzen aber heftigen Exzess setzte sich Kawa langsam mit seiner Maus im Schoß auf und kraulte Yujo leicht über den Rücken und die Schultern.
„Wickel dich in den Mantel ein, Maus, ich fahr uns erst mal nach Hause damit du duschen kannst und danach fallen wir bei den beiden Anderen ein, bringen das Auto zurück...“, breitete sich bei den Worten ein sadistisches Grinsen auf Kawas Zügen aus, als er sich das Gesicht von Santos vorstellte, wenn der sein Auto ansehen und riechen würde.
„... und fordern leckere Verpflegung ein.“

Na das war doch ganz nach der Maus Geschmack. Na ja, nicht ganz. Er hatte jetzt Hunger. Nicht später oder wenn er geduscht war. Jetzt – genau in diesem Augenblick. „Kann ich unterwegs n Burger haben. Ich habe doch so lange leiden müssen und nichts zu essen bekommen und die Angst und die Qual haben all meine Energie geraubt und dann noch du und … na du weißt schon. Was ich sagen will.“ Verschmitzt wischte er sich über die Nase. „Wenn ich nicht gleich Futter bekomme, könnte es passieren, dass ich sterbe und hier verwese und dann ist Santos erst recht sauer, wie sein Auto stinkt.“
Kein Eisbär und dann noch auf Essen warten? Aber nicht mit der Maus.
Achtung – Geheimwaffenmausblick!

Lachend schlüpfte Kawa in seine Lederhose und bemerkte mit traurigem Blick, dass die nicht nur an einer Stelle zerfetzt war, soviel zu dem schönen, weichen Leder. Er würde sich wohl oder übel eine Neue besorgen müssen. Mist!
Aber nur kurz schweiften seine Gedanken ab bevor er noch mal über seine Schulter zurück sah und Yujo zuzwinkerte. „Du siehst süß aus in dem Ding.“, neckte der Vampir und ließ das Auto an, fuhr auch gleich in einem Meilen fressenden Tempo los.
„Na gut, unterwegs ein bisschen Futter, aber nicht zu viel, ich will uns von den Beiden verpflegen lassen und das auskosten. Das soll Santos und Gabe ihre ganzen Delikatessenvorräte kosten.“

„Wäh!“, machte Yujo auch gleich und zog den Mantel um sich dichter. Denn es war draußen frisch und sein nackter Hintern vertrug keine Kälte. Da war der Mauspo nämlich ziemlich empfindlich!
„Ich will doch keine von deren Delikatessen! Die essen tote Tintenfische und so was. Ich will etwas was tot ist, etwas was mich nicht anguckt und etwas was schmeckt. Es muss Fettflecken machen und es muss nach Pommes riechen. Am besten auch danach schmecken. Die bringen mich doch noch mal um, mit ihrem ausländischen Fraß“, murrte die Maus und versuchte irgendwie sich aufrecht zu halten ohne kläglich über seinen wunden Po zu jammern.
Armer, kleiner Maushintern, nur gut, dass er zuhause Wundsalbe hatte! Die hieß Kawa und war echt nur zu empfehlen!

„Och, ich glaub Santos und Gabe haben in letzter Zeit angefangen sich teure Schokolade aus Belgien und der Schweiz kommen zu lassen und ich glaub auch kandierte Früchte und anderes, Maus.“, blitzten Kawas Augen dabei vergnügt auf, denn er wusste nur zu gut, dass die beiden sonst unter keinen Umständen von dem Zeug was rausrücken würden.
„Deine Fritten und alles Andere bekommst du auch noch Schatz und wenn Gabe in der Nacht noch wo hinfahren muss.“

Na die Idee gefiel seiner Maus aber ganz gewaltig! Erst Leckermaul Gabriel die Schokolade wegfressen und während die Maus sich mit Schoko voll stopfte, da musste Gabe, der böse fiese Maus-ein-Bein-Ausrupfer losziehen, um der Maus Fritten zu kaufen!
Ja, so fühlte sich der kleine Nager gleich wieder extrem wichtig und gut gelaunt.
„Okay“, willigte er ein – mehr brauchte er nicht zu sagen, denn Kawa schien zu verstehen. Währenddessen beschloss die Maus, sich nie Kawa zum Feind zu machen, wenn der so böse Ärger-Ideen hatte! Besser keinen Eisbären mehr wünschen!