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Tierasyl Teil 12 - 13

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Kawa brauste in Richtung ihres Domizils oder besser gesagt zu seinem Loft, das auch schon maustauglich hergerichtet worden war, so mit kleiner Frittiermaschine in seiner Küche und so.
Durch seine besseren Sinne konnte der Vampir den starken Motor ausreizen und brachte sie so binnen kurzer Zeit zu dem alten Fabrikgebäude, das sein, nein, ihr Heim beherbergte.
Verdutzte Blicke erntete er dafür von seiner Maus, der leise was von Hunger maulte. „Duschen, Schatz und dann Gabe und Santos ärgern, dann schmeckt’s auch besser.“ Kawa stieg aus und sammelte seinen Schatz von der Rückbank ein, trug Yujo so auf einem Arm und drückte noch im Gehen den Verriegelungsknopf für Santos’ Auto.
Ausleihen und verdrecken war lustig, nur stehlen lassen, so glaubte Kawa, ginge dann doch über die Schmerzgrenze seines Erschaffers.

Und wenn er es dann beichten musste, wohl auch über seine. Ob Santos soweit ging ihm einen Arm abzubeißen?
Na egal – erst mal musste die Mosermaus entsorgt … Entschuldigung … versorgt werden, der gar nicht einsah, warum er nicht die Reste aus dem Kühlschrank warm machen durfte. Da lauerte nämlich noch Thunfischsteak mit Karotten und Reis und das wäre in der Mirkowelle sicher binnen von Sekunden essfertig, so richtig lecker und in den Sekunden hätte Yujo ja duschen können und dann wäre es kaum Zeitverzug. So berichtete er Kawa und bemerkte, dass er trotz seines Einwandes nicht in der Küche sondern im Bad landete.
„Kawa?“

„Waschen, Maus“, hob Kawa seinen Schatz auch gleich noch mal auf, wickelte ihn aus seinem Mantel und beförderte den Jungen gleich in die Dusche, wo er das warme Wasser anstellte, ohne auf die Proteste seines Schatzes zu achten.
„Schatz, wenn du dich jetzt schon vollfrisst kannst du Gabe und Santos nicht mehr alles wegfuttern, denk mal daran, hmm?“, fiel bei den Worten auch die Hose des Vampirs zu Boden und er huschte zu seinem Nager unter das prasselnde Nass.

„Aber“
Wer gedacht hatte, dass die Maus für Logik empfänglich war, wenn der leere Mausbauch auf die Knie schlug, der kannte die Maus wohl noch nicht lange genug. „Wäre doch auch lustig“, fing er an und schmiegte sich an Kawa, der gerade Duschbad griff und die kleine Stinkmaus reinigen wollte. Denn der roch leider nicht nur nach Lust und Leidenschaft, sondern auch nach Tierheim. Das musste nun wirklich nicht sein.
„Stell dir vor die füttern mich mit lecker Essen und mir wird schlecht. Dann kann ich sagen, dass die mich vergiften wollten und so schinde ich noch ein paar Mausverwöhnwochen raus.“
Was das nicht klar gewesen, dass so was kam?

Ist es eine Mauslogik?? Japp!! Also war es klar, dass so was nun kam.
Doch so wirklich ging Kawa nicht mehr auf die Grübeleien seines hungrigen Nagetieres ein, sondern schäumte auf dessen weicher Haut nur das leicht duftende Schaumbad auf, damit sein Schatz nur noch nach Maus roch und nicht mehr nach Tierheim, weil, das roch er nicht wirklich gerne.
Schneller als Yujo mit seinen Überlegungen fertig war stellte ihn der Vampir schon wieder auf den wuschlig weichen Badevorleger und fing an, die immer noch lamentierende Maus wieder ab zu rubbeln, nein, nicht mit den Fingern, sondern mit einem Handtuch. Was denk ihr denn!

Ihr glaubt wohl, ihr kennt die beiden schon, hm?
Na wie auch immer. Yujo ließ sich noch nicht wirklich davon überzeugen, dass es eine schlechte Idee war noch mehr Mausverwöhnwochen rauszuschlagen. Andererseits, wenn er es übertrieb, dann würde er vielleicht nie wieder kommen dürfen, nie wieder Obst im Pool mampfen, nie wieder Santos’ heiße Pornosammlung plündern, nie wieder im Whirlpool planschen und nie wieder Gabe und Santos beim poppen bespitzen. Das wäre ja das fieseste, wo die Zwei doch letztens erst neues Spielzeug gekauft hatten und Yujo unbedingt noch wissen wollte, wozu die kleinen, grünen Kugeln waren!
Mist!
So ließ er sein Schicksal über sich ergehen, Kawa würde schon sehen was passierte, wenn die Maus vor Hunger zusammenbrach und starb und dann wieder stank! Ja ja, er würde das sehen – oder.
Wah! Yujo bekam Panik. War er etwas schon tot und hatte es nur noch nicht gemeckert? Hatte er duschen müssen weil er schon zu riechen anfing? Gleich biss er sich auf einen Finger und jaulte auf! Also das Schmerzempfinden war definitiv noch da. Tränen schossen in die Augenwinkel, als die Maus seinen Finger leckte.

Sein Vampir schreckte auf und zuckte gleichzeitig zusammen, als seine Maus jaulte und gleich darauf zu winseln anfing. Das hatte er sich sicher im Tierheim von einem der Köter abgehört, ganz sicher.
Tröstend flauschte Kawa seinen Schatz gleich mal ohne lange zu gucken was der denn hätte und nahm Yujo wieder auf die Arme. Schnurrend trug er seinen Geliebten in den großen Wohnraum und setzte Yujo auf den Futon, der, zugegebenermaßen, seit der Renovierung etwas größer war als der, den er vorher gehabt hatte.
Ein wenig, so ungefähr drei mal drei Meter.
Handlich und man konnte sich verlaufen darauf.
Was seine Maus schon öfters geschafft hatte, aber hier nicht näher erwähnt werden will.

Denn Kawa war daran nicht unbeteiligt gewesen, seine Maus erst unter die Decke zu sperren und dann einfach in der Küche zu verschwinden. Klar dass der kleine Nager sich fast zu Tode gesucht hatte unter der Decke!
Aber egal – Yujo hatte es gerade noch so überlebt und hockte jetzt auf dem Futon, zitterte, weil er nicht viel an hatte außer einem Handtuch und nuckelte weiter an seinem Finger herum. Scheiße, tat das weh! Wer hätte gedacht, dass Mäuse so zubeißen konnten? Warum schrie Kawa nie, wenn er DEN biss? Hätte der nicht mal sagen können, wie spitz Yujos Zähne wären? Dann wäre dieses Unglück eben vielleicht zu vermeiden gewesen.
Frechheit – einfach solche wichtigen Details für sich zu behalten! Typisch für Leute, die keine Eisbären mochten!
Vorwurfsvoll sah Yujo zu Kawa, der vor ihm kniete.

Der aber merkte den Blick erst, als er mit dem zweiten Handtuch, mit welchem er seine Maus weiter trocken rubbelte, bei den Haaren ankam und so auch in die Augen seines Nagers guckte.
„Was denn, Schatz??“

„Hm“, machte die Maus demonstrativ und zeigte seinen Finger mit den Nagetierspuren. „Du hättest mir sagen können, dass meine Zähne so wehtun und dass ich noch nicht tot bin.“ Ob sich die Maus gerade selber mal zuhörte, was er hier gerade faselte?
Jedenfalls guckten die Mausaugen immer noch leicht verengt, als wartete der Junge auf etwas.
Auf was nur?

Ja, das fragte sich Kawa grad und zog dann den lädierten Finger zu sich, leckte auch über die Nagespuren, die seiner kurzen Musterung nach nicht mal die Haut angekratzt hatten. Wehleidiger Nager.
„Komm anziehen, Maus und dann Gabe und Santos ärgern,“ lockte Kawa und versuchte seinen Schatz so von dem sicherlich grässlichen Schmerz abzulenken.

Und wie grässlich der Schmerz war. Er wuchs mit jeder Ignorierung!
Also wenn die Maus mal seinen Tag zusammenfassen sollte, wäre es wohl mit beschissener Scheißtag auf den Punkt gebracht. Ausgehungert, verschleppt, eingesperrt, wundgepoppt und ein kaputter Finger. Dazu kein Eisbär und jetzt seltsames Futter bei Gabriel und Santos, den Früchtefickern!
Mö!
Das war doch keine mausgerechte Haltung!
Da musste sich Kawa schon was Besseres einfallen lassen. Yujo schob lieber wieder seinen Finger in den Mund, damit er nicht noch verblutete und all die inneren Organe, die aus der riesengroßen Wunde hingen, nicht noch verloren gingen. Er nuschelte irgendwas, aber Kawa verstand kein Wort.

So stand der Vampir auf und fing erst mal an sich selber anzuziehen: schwarze enge Jeans und ein Seidenshirt und fertig, doch mit einem Blick auf Yujo, der sich mittlerweile, mit Finger im Mund, in die Decke eingekringelt hatte, würde das wohl nicht so einfach werden.
Erst mal die Klamotten zusammensuchen, weiche weitere Hosen, und ein warmes Flauschpullover, und Socken, weil da maulte sein Schatz sonst noch mehr, wenn er ihn ohne Socken in seine Schuhe nötigte, das hatte Kawa einmal gemacht und nie wieder.

Hatte ihm vorher keiner sagen können, wie kitzlig die Maus an den Füßen war und wie nachtragend, wenn er dort gekitzelt wurde? Es hatte fast 34 Stunden keinen Sex gegeben! Nicht nur, dass die Maus gelitten hatte, er selber auch!
Also! Willst du täglich Mausi poppen – stopf ihn rein in seine Socken.
Yujo indes kroch immer tiefer in seine Burg aus Decken, bemitleidete sich nach Strich und Faden, weil sich mal wieder keiner dazu genötigt fühlte und sah misstrauisch zu, wie gerade schwarze Socken rausgesucht wurden.
„Ich will grüne“, legte er fest und kroch noch weiter drunter.

Langsam tief, ganz tief, durchatmend legte Kawa die normalen schwarzen Socken, die sich nicht mit der rostfarbenen Hose schlugen wieder ins Fach und griff halb schaudernd nach den grünen.
Nein nicht normal grün, sondern giftig grün - Mausegrün. Genauso schlimm wie Maustürkis, das wir von einer sehr geliebten Couch kennen.
Nicht weiter nachdenkend, schnappte sich Kawa seine Beute und warf alles auf den Futon, fing an seine Maus aus dem Deckenhaufen auszubuddeln und sie in die Klamotten zu stecken.

Was sich als wesendlich schwieriger heraus stellte als erwartet, denn die Maus krallte sich im Stoff fest. So bekam Kawa erst mal nur kitzlige Füße zu fassen und zog erst mal die Socken drüber. Mann! Sah das fies aus. Dann wurde an den besockten Füßen gezogen und langsam kamen Beine. Praktisch. Da konnte man gleich Slip und Hose drüber ziehen. Zumindest erst mal bis zum Knie und dann wieder ziehen. Immer schön gleichmäßig. Während die Maus quäkte.
Aber da die Maus in solchen Situationen nicht multitaskingfähig war und außer quäken nicht viel tat, z.B. auch nicht sich wehren, konnte Kawa die Hose dahin ziehen wo sie von Rechts wegen hingehörte und dann zerrte er die Maus gänzlich aus der Bettwäsche.
Hey, DER konnte blöd aus der Wäsche gucken!

Im wahrsten Sinn der Worte, aber wirklich.
So, zumindest die für Mauseverhältnis wichtigsten Stellen waren schon mal bedeckt und bevor das Tierchen noch anfing zu merken was hier abging, langte Kawa nach dem Pulli und fädelte nacheinander Arm für Arm in die Ärmel, raffte den Mittelteil zusammen und stopfte die komplette Maus in die weiche Wolle, bevor verwuschelte Haare dann langsam grüne Augen und danach erst der Rest von Yujos Kopf aus dem Ausschnitt auftauchten und langsam blinzelte die Maus.
Na wenn da nicht wer leicht verwirrt dreinguckte.

War er nicht eben noch nackt gewesen? Hatte er nicht in seine Decke gekuschelt beschlossen hier zu sterben, weil keiner ihn bemitleidete? Nun saß er aufrecht, fror nicht mehr und seine schützende Decke war weg. Seltsame Sache, das!
Und wo genau war sein Handtuch?
Irgendwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu! Spukte es hier? Ach nee, er hatte n Vampir zum Freund und die waren verdammt schnell. Auch im 100-m-Mausanziehen in der Bergwertung. Langsam sah die Maus an sich hinab, grinste als er seine Lieblingssocken sah und wackelte Kawa frech mit den Socken vor der Nase herum.

Dieser wartete nicht lange, sondern schnappte zu und biss vorsichtig in die frechen Zehen, bevor er sie wieder entließ und Yujo mit sich hochzog. Nun musste er seinen Schatz nur noch in eine Jacke stopfen und in Schuhe, dann wäre das mal gelöst und sie könnten zum Haus der Mausequäler fahren und die ein wenig ärgern.
Das sprach der Vampir auch laut aus und grinste dabei sehr sehr gemein.

So gemein, dass er sogar Yujo von seinem Essen ablenkte und ihn so animierte ihn zu begleiten. So entfiel Maus-fertig-in-Klamotten-stopfen, denn das erledigte der Nager selber. Und so schnell wie selten war er schon wieder aus dem Loft und hüpfte um den verschlossenen Wagen. Trotz April war es ganz schön kalt, dass die Maus demonstrativ die Zähne aufeinander schlug. Was erwartete in denn heute noch alles?
„Mach hinne, ich frier an!“

Den Kopf über so viel Sprunghaftigkeit schüttelnd entriegelte Kawa den Jeep und schlüpfte hinters Steuer. „Dann mal in die Villa der Beiden.“, legte Kawa fest und drehte die Heizung hoch, damit Yujo nicht lange frieren musste.
Brachte er sie auch gleich und schnell vor das große Gebäude, das Kawa immer wieder ein Schmunzeln entlockte. Viel zu groß für zwei Personen erstreckte es sich über den nicht minder kleinen Garten. Irgendwer sollte den Beiden noch mal den Floh ins Ohr setzen, dass auch im Garten ein Pool benötigt wurde, nicht nur im Keller.

Allerdings einer, am dem man sich züchtig benehmen müsste, wo man eine Badehose trug und seine Hände weit weg von seinem Schatz, immer schön da wo sie jeder sehen konnte – mit anderen Worten: ein Pool der immer leer sein würde.
Na egal – denn im Augenblick rutschte die Maus auf seinem Sitz hin und her bis Kawa endlich neben Gabriels Wagen – dem Mausentführungsgefährt! – geparkt hatte und sprang gleich raus.

Auf der anderen Seite der Mauer schluckt ein weißhaariger Vampir hart, als er die Maus hörte und der Motor seines Jeeps erstarb. Na wenigstens lebte sein Wagen noch. „SO, Mördermaus im Anflug“, murmelte er und wuschelte Gabriel noch mal durch die Haare, als er sich erhob.

Währenddessen flitzte die Maus wie angeschossen durch den Garten, kickte kleine Steine durch die Gegend und streckte einer Gipsfledermaus mitten im Blumenbeet frech die Zunge raus.

Wer hatte das Ding da wohl hingesetzt??

Gabriel warf seinem Schatz einen hoffenden Blick zu und tat es Santos nach, stand auf und überlegte gleich mal die Pizzaschachteln, die vor einigen Minuten geliefert worden waren, zu öffnen, die so den Nager ablenken sollten.
„Na dann können wir noch hoffen und bangen.“

Kawa indessen beugte sich noch mal grinsend in den Jeep und sog den sehr deutlichen Geruch von Sex und Maus in sich auf, der dem Leder anhaftete, na Santos würde sicher seine Freude haben.
Mit einem fast schon ein wenig als sadistisch zu bezeichnenden Lächeln machte sich auch der schwarzhaarige Vampir zur Haustür auf.

Unterwegs sammelte er, von den Nachbarn hoffentlich ungesehen, die Maus ein, die nun die Fledermaus volllaberte und ihr wohl gerade seine Lebens- und Leidensgeschichte erzählte. Sah es nur so aus oder verdrehte die Gipsledermaus schon die Augen?
Fies! Da hatte Yujo endlich jemanden gefunden, der sich anhörte was er zu sagen hatte, der nicht weglief und der nicht widersprach [dass das Ding das nicht konnte, unterschlug er mal großzügig im Protokoll] und da wurde er einfach in Richtung der bösen Mausquäler, der fiesen Mausaussetzer gezerrt. Andererseits --- Yujo hängte die Nase in die Luft.
War das Pizza?




- 13 -

„Er hat die Witterung aufgenommen.“, flüsterte Santos hinter der Tür und machte sich auf das Läuten gefasst.

„War anzunehmen..“, konnte Gabriel gerade noch sagen als auch schon besagtes und erwartetes Läuten erklang. „Du darfst aufmachen.“, gab er Santos großzügig den Vortritt und verzog sich selber in die Küche.
Vielleicht, wenn er Yujo nur lange genug und mit ausreichend Essen bestach??

Aber noch war es nicht so weit, noch stand die Maus vor der Tür, läutete Sturm und klopfte, murmelte was von Feiglingen und Lynchjustiz, und Santos schüttelte den Kopf. Sie hatten es ja so weit kommen lassen müssen. Es hätte gereicht zu gucken was der Kleine treibt, sie hätten die Sache mit dem Sex echt nicht bringen müssen!
Aber gut, passiert war passiert, er würde es tragen wie ein Mann. Seine Hand öffnete die Tür und schon flog ihm eine überraschte Maus entgegen, der sich aus Frust gegen die Tür gelümmelt hatte. Sein Schlüssel war nämlich in der anderen Hose!
Und Kawa hatte lieber gelacht als ihm zu helfen. Schönen Freund, den er da hatte!
„Aha!“ Anklagend wies eine Mauspfote auf Santos’ Gesicht, der gerade ernsthaft überlegte, das kleine Vieh fallen zu lassen. Aber Kawa trug jetzt Leondros Blut, keine gute Idee.
„Das ist der Mausmisshandler Nummer eins, Kawa, der da!“ Immer wieder fuchtelte die Pfote vor Santos’ Nase herum. Tat das Not?
So stopfte er Kawa einfach wieder seine Maus in die Arme.
„Gabe ist in der Küche, wehe mein Wagen ist Schrott. Dann wird die Maus seiner Seele geopfert, ist das klar?“ Und schon war Santos auf dem Weg zur Garage, wo sein zweitliebstes Schätzchen stand.
Das erstliebste stand in der Küche und hatte alles mit angehört.

Bekam große Augen und glaubte einfach nicht, dass sich sein Vampir so einfach aus dem Staub machte und ihn den beiden Verrückten überließ. Na ja, vielleicht nur eine verrückte, weil ausgesetzte, ausgehungerte und viel zu lange notgeile Maus und ihr Aufpasser, aber das reichte Gabriel auch vollauf.
Damit er nicht gleich mit besagtem Nagetier konfrontiert werden musste, fing Gabriel gleich mal an die Pizzaschachteln aufzumachen und auf dem langen Tresen nacheinander aufzureihen, bis die Maus das alles gefressen hatte hätte er mal ne Gnadenfrist.

Glaubte er zumindest. Nicht dass der Duft die Maus nicht locken würde und der gleich durch den Flur zur offenen Küche getigert kam und immer wieder lockend nach Gabriel rief, wie nach einen Tier, das man mit einer Falle fangen wollte.
„Gabriel?“ Zuckersüß klang die Maus, „na wo ist denn der liebe Gabriel?“ Immer wieder, dabei das Schnäuzchen gereckt, um zu erschnuppern, was da auf ihn lauerte.
„Na wo ist denn der gute Gabriel, der die arme Maus misshandelt hat und glaubt sich mit Pizza freikaufen zu können? Ja wo ist denn der Naive?“
Yujo genoss seinen Triumph. Und so lange Santos sein Auto hätschelte und Kawa seiner Maus Rückendeckung gab, fühlte sich der kleine Nager sowieso wie der Größte und grinste.

Pech war nur, dass Gabriel nicht so wirklich lieb war ihm Moment und auch noch um vieles größer als die kleine Maus. Ausgleichend, oder besser erschlagend, war nur die Anwesenheit eines gewissen Vampirs, der auf seine Maus Acht gab und mit dem sich Gabriel sicher nicht anlegen würde solang ihm sein Leben noch lieb war.
„Leider nicht weit weg, am liebsten in der Karibik.“, schlug sich der Galgenhumor in der dunklen Stimme Gabriels nieder, als besagte Maus um die Ecke und in die Küche bog.

„Das hättest du wohl gerne, hm? In die Karibik fliegen während die arme, kleine, hilflose Maus gefesselt und geknebelt zwischen Hunden und anderen Mistviechern liegt und an Hunger stirbt. Ihr hättet mir ja wenigstens noch was zu essen mitgeben können, um mich freizukaufen. Das hätte ich ja im Knast tauschen können. Aber nein,“ Yujo wedelte mit einer Hand sinnlos in der Luft herum, tat aber äußerst wichtig, „die Herren haben es vorgezogen mich verhungern zu lassen, habt wohl gedacht so werdet ihr mich los, hm? Nichts da! Ich …“
Weiter kam der kleine Nager nicht, der seine Rede so schön mir Mimik und Gestik untermalte, weil die Haustür zuflog, dass sie fast aus den Angeln knallte.
„Sagst mal spinnt ihr? In meinem Jeep zu ficken? Das Leder war frisch! Jetzt stinkt alles nach geiler Maus. Ist ja ekelig.“ Santos war so außer sich. Nicht mal Gabriel hatte da drinnen bis jetzt gedurft und da kam die blöde Maus und entweihte das Heiligtum. Santos fluchte in vier Sprachen, dass er gar nicht hörte wie besagtes Stinktier sich ereiferte, dass er nie nicht stinken würde, sondern sehr reinlich sei!

Und schon wieder bekam Gabriel große runde Augen, die er sich auch mal von Yujo abgeguckt hatte, was man aber jetzt nicht erklären musste, und zusätzlich wurde sein Blick auch noch vorwurfsvoll und richtete sich auf den mosernden und noch immer herumfuchtelnden Nager.
„Musste das sein?“, knurrte der Große dunkel, wusste er nur zu gut, wie heilig seinem Vampir die Lederbezüge im Jeep waren, bisher hatte ja noch nicht mal sie selber da drinnen Sex gehabt, und jetzt die Maus... Frechheit, aber wirklich.
Kawa indessen grinste, grinste und funkelte Santos amüsiert an. „Riecht doch lecker.“, reizte er den Älteren und schnupperte untermalend ein wenig an seinem Haustier.

„Vielleicht wenn man auf Haustiere steht, wenn man notgeil stinkende Nagetiere im Bett bevorzugt. Ich kann da drauf verzichten. Wie krieg ich denn den Mausgestank wieder aus dem Leder raus? Da bekommt man ja Kopfschmerzen. Soll ich Tannenduft sprühen, dann stinkt es wie notgeile Wildmaus, ganz toll!“
Yujo indes fuchtelte immer noch, konnte aber nicht bis zu Santos, um den gegen das Schienbein zu treten, denn Kawa hielt ihn fest. Verschwörung!!
Und keiner hörte ihm zu, dass er selber sich gegen Sex gewehrt hätte. Das glaubte ihm ja sowieso keiner! Eine Maus, die keinen Sex wollte - das war wie … wie … na wie auch immer, jedenfalls undenkbar.
„Ich stinke nicht!“, fluchte er immer wieder. Was dachten sich die Bekloppten eigentlich? Erst wurde er weggesperrt, dann gerade noch so gerettet und zum Sex genötigt und jetzt wurde alles wieder auf die arme kleine Maus abgewälzt? Blödes Pack.
Fluchtend befreite sich die Maus, trat mit seinem Schuh Santos auf den Fuß und griff sich die erstbeste Pizzaschachtel, nuschelte was von „is doch für mich, oder“ und verschwand schmollend samt Beute unter dem Couchtisch. Wo gerade mal so eine Maus drunter passte, viel mehr auch nicht.

Drum guckte auch die Pizzaschachtel raus und Gabriel sah sich schon jetzt mit einem Fleckenteufel später die Fettreste aus dem teuren Teppich schrubben. Warum hatten sie nicht einfach ein edles Parkett verlegt??, fragte er sich nicht zum ersten mal und runzelte darob die Stirn.
Erst die Erwiderung Kawas auf die Schimpftirade seines Vampirs ließ ihn aufhorchen, was wollte der haben??
„... den könntest du uns überlassen, wenn du den Geruch nicht magst oder neue Bezüge anschaffen, das ginge auch.“, zog sich Kawa auf den Marmortresen und grinste die Beiden verdutzt blickenden Männer an, während er frech mit den Beinen baumelte.

Na der Kerl hatte ja Nerven. Und so was war sein Kind? Santos grollte. Dass das alles so enden würde, damit hatte sicher keine gerechnet, als eine splitterfasernackte Maus mit einem Fotoapparat durch die Bibliothek geschlichen war, um Reportermaus zu werden!
So was nicht!
Sein Wagen? Hin!
Sein Teppich? Er sah kurz rüber wo die Maus sich schon beschamaddert hatte. Hin!
Seine Nerven? Was für Nerven? Seit die Maus in seinem Leben war, war Aktion!
„Klar lass ich die Sitze neu beziehen. So penetrant wie der Nager ist, da ist der Gestank auch ins Polster gezogen. Ich glaube ich spinne. Gabe halt mich fest, oder ich dreh ihm den Hals um.“ Santos’ Augen leuchteten und es fehlte nicht mehr viel – leider wusste das die Maus nicht. Denn der murmelte was von „solle sich nicht so aufregen, einmal selber drinnen poppen und gut.“ Und dann ging es ganz schnell.
Er sah goldene Augen direkt vor sich, erschrak sich und stieß sich den Kopf an der Tischkante, titschte erschrocken mit dem Gesicht in die Pizza, dass die Tomantensoße spritzte und die Maus aufjaulte, weil es überall nur noch weh tat und so noch mehr Tomatensoße auf dem Teppich verteilte.
Santos fiel einfach um und bleib auf der Couch liegen.
Ob tot stellen half?

Synchron schlugen sich Kawa und Gabriel die Hänge vor die Augen und blinzelten wohl auch beide zwischen den Fingern durch, weil sie wiederum fast synchron zur Couch und zum Couchtisch eilten, um dort Schadensbegrenzung zu leisten.
Gabriel hockte sich neben Santos’ Kopf hin und zog ihn auf seinen Schoß, während er mit schmerzlichem Blick den ehemals schönen Teppich begutachtete. Diese penetrante Mischung aus Tomaten, Fett und weiß Gott noch was, würde wohl nie wieder rausgehen.
Langsam wuchs die Liste, was die Maus schon alles ruiniert hatte in ihrem Haus, ins die Höhe.

„Wir hätten doch die Kiste nehmen sollen“, murmelte Santos nur und sah sich schon den Teppich rausreißen, den er mit so viel Mühe verlegt hatte. Na ja, besser er ließ Parkett legen, dann konnten Schäden wie diese das nächste Mal … das nächste Mal? War er eigentlich total bescheuert? Das nächste Mal? Es würde kein nächstes Mal mehr geben, denn die Maus bekäme … „Hausverbot!“ und irgendwas von Kammerjäger.
Aber bis auf Gabriel hörte ihm keiner wirklich zu. Yujo war nämlich von Kawa unter dem Tisch vorgezerrt worden und nun versuchte der schwarzhaarige Vampir mit einer Serviette das Gesicht seiner immer noch wimmernden, immer noch mosernden Maus zu reinigen. Aber der Käse war hartnäckig.
„Alles Mausquäler – aber echt! Fiese Bande.“

Gabriel sah mit funkelnden Augen zu Kawa. „Nimm die Pizzen, im Ofen sind Fritten und sein Fischzeug, füttere die Maus, leg sie ruhig und bring ihn auf sein Zimmer, am besten in dein Loft.“, knurrte er Kawa an und der blickte, über die Laune Gabriels und dessen Stimme verwundert, zu dem Menschen.
Oh ja, da war wer wirklich sauer, aber holla.
Kaum hatte Gabriel zu ende gesprochen beugte er sich auch wieder über seinen Vampir und kraulte leicht durch die weißen Haare, nur Küsse verteilte er keine, denn die Spannermaus war ja gleich wenige Zentimeter neben ihnen.

Nur dass besagtes Tierchen nichts sah, weil Käse die Augen verklebte und irgendwo an der Nase Tomantensoße trocknete. Er wimmerte nur noch leise, jammerte nur noch verhalten. Dieses Mal waren die Beiden wohl echt satt!
Und eigentlich war die Maus gar nicht dran schuld. Dass der Wagen nach Sex roch, das lag großteils an Kawa, der unbedingt wollte. Klar dass Maus da nicht nein sagen konnte.
Dass der Teppich so aussah lag auch daran, dass Santos sich einfach an die Maus geschlichen und er sich erschrocken hatte. Weiß doch jeder, dass man eine Maus im Fress-Modus nicht stören durfte. Elementarste Maushaltungsregeln!
Dass sein Kopf hämmerte wie blöde, dass er sicher gleich an Kopfschmerzen starb, das interessierte hier keinen. Nur der blöde Teppich. Fies! Teppich müsste man sein. Oder … besser nicht, wenn er bedachte, was Santos und Gabriel so alles auf einem Teppich trieben? Im wahrsten Sinne des Wortes!
Die waren keinen Deut besser, keinen.
„Könnte mich mal jemand ins Bad schaffen, dass ich mich waschen kann?“
Wäh – schon wieder waschen! Da würde doch die Haut ganz dünn von!

„Klar Schatz.“, murmelte Kawa und nahm Yujo auf seine Arme und machte sich gleich mal in Richtung des unteren Bades auf, dort befand sich auch die große Wanne und in die würde er seinen Geliebten nun stecken.
Wenn er seinen Schatz gereinigt und ein wenig beruhigt hätte, würde vielleicht auch Gabriel sich wieder zur Normaltemperatur herab gefunden haben.
So setzte Kawa seine Maus langsam auf den flauschigen Badevorleger und machte sich gleich daran warmes Wasser einzulassen. „Ich komm gleich wieder.“, beruhigte er Yujo, küsste ihn kurz und lief noch mal zur Küche.
Fritten und Fish wären auch zum Beruhigen praktisch.
Mit einem Tablett beladen, auf dem er die Schüssel mit Fish n Chips und Cola drapiert hatte, ging Kawa wieder ins Bad zurück.

Unter dem skeptischen Blick von Santos, der schon im Geiste ausrechnete, was ein Kerker im Keller kostete und was er der Baufirma sagen würde, wenn sie fragen warum er so was bräuchte.
Mäuse – ganz klar!
Und eben jene hockte noch immer etwas verdattert auf dem Flauschbadvorleger und versuchte mit einem Auge zu sehen. Denn das andere war noch immer abartig zugeklebt. Ehe von dem Schmadder da noch was reinlief, ließ er es lieber zu.
Nur dass die Wanne da vollief, obwohl nur sein Gesicht dreckig war, das machte die Maus misstrauisch. Weswegen Kawa auch mit einem „Kawa? Was wird das?“, empfangen wurde, während die Maus rücklings auf allen vieren zu flüchten versuchte.
Er war doch erst frisch gebadet!
„Vergiss es!! Kawa! Nein!“
Herzzerreißend!!

Doch der Vampir ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und stellte erst mal das Tablett auf den Badehocker ab, um sich danach dem Wasserhahn zuzuwenden und ihn abzustellen.
„Baden, Maus, du hast die Tomaten auch in den Haaren und das macht sich nicht gut.“, antwortete Kawa nebenher und ließ seinen Blick über die verschiedenen Badezusätze schweifen. „Was willst du rein haben??“, überlegte der Vampir laut und fing an mit einer Fritte in der Luft nahe an Yujo herumzuwedeln.
Mausfangtaktik Nummer ein.

Und eine Pfote zuckte auch schon um zuzugreifen. Aber das Tierchen spürte instinktiv, dass das eine Falle war, einer oberfiese, ultragemeine Falle, eine extrem hungrige Maus, die gerade mal ein Stück Pizza verdrückt hatte, mit frischen Fritten zu locken.
Aber er blieb standhaft.
„Was ich rein will? Ich hatte heute schon was drinne, danke! Deswegen habe ich jetzt Tomanten in den Haaren und Käse im Auge. Ich verzichte auf reinhaben, wenn du nichts dagegen hast.“ Wieder wich er ein Stück zurück. Dumm nur, dass da dann eine Wand war, groß, schwer und unnachgiebig.
Was bildete sich Kawa ein? Erst die Maus in Verlegenheit bringen und ihm dann auch noch die Tomanten aus den Haaren klauen wollen? Das waren Yujos Tomaten und seine Haare! Mit denen konnte er machen was er wollte!
Aber die Fritte roch schon echt lecker?
Nein! Er musste standhaft bleiben! Durfte sich nicht wieder fangen lassen. Er versuchte die Flucht nach vor, verfehlte im Sprung die Fritte, weil er nur mit einem Auge nicht räumlich sehen konnte und kam ins Straucheln – genau in Richtung der Wanne.
Irgendwas arbeitete gegen ihn, ob es die Schwerkraft war?
*platsch*

Das da ein gewisser Vampir auch nachgeholfen hatte musste sein Schatz nicht wissen, weil er erstens sonst wieder unter Sexentzug gestellt werden und zweites eine grantige Maus hätte.
Und das musste ja mal nicht sein wenn man’s verhindern konnte.
„Schatz.“, rief Kawa und fischte Yujo aus dem Wasser, nun genau genommen brachte er nur dessen Kopf über das Wasser weil seine Maus sonst nicht atmen konnte.
Noch während seine nun Wassermaus, oder heißt das dann nicht Wasserratte?, verdutzt guckte, schlüpfte der Vampir aus seinen Klamotten, rückte den Hocker mit dem Tablett an die Wanne und stieg dann zu seinem Geliebten ins warme Nass.

Die … Wassermaus … planschte schon etwas hilflos herum. Der Käse in seinem Gesicht hatte sich erweichen lassen und nun sah er gar nichts mehr, spürte nur Wellen und roch Fritten.
„Kawa. Kann das sein, dass du mich ins Wasser geschubst hast?“, wollte der Nager wissen, der einfach nicht glauben mochte, dass er selber so ungeschickt war ins Wasser zu fallen wenn er doch die entgegen gesetzte Richtung angestrebt hatte.
„Und lüg mich nicht an – ich seh das.“ Irgendwie klang diese Drohung schon nicht sonderlich ernst, wenn Yujo einem in die Augen sehen konnte. Mit einem total verklebten Mausegesicht hingegen wirkte es leider nur extrem lächerlich.
„Und außerdem ist mein Schlüpfer nass – ih, ist das eklig!“ Klar, Quengelmaus im Moser-Modus!

„Ich zieh dich ja schon aus.“

Typisch Kawa. Egal was Yujo sagte, alles klang in seinen Ohren wie: Mach die Maus nackig! Der Nager grinste nur, nagte an seiner Fritte und lehnte sich an Kawa an, der seine Finger zu Yujos Hose wandern ließ.
„Wer hat gesagt, dass mich der nasse Schlüpfer stört. Vielleicht steh ich ja auf so was.“ er wackelte frech mit den Augenbrauen während Kawa das Gesicht verzog.
„War n Scherz, ich will noch ne Fritte.“ Und schon stand der Mausmund ganz weit auf.
„Ahh!“

Kawa grinste und setzte seine Worte gleich in die Tat um, entledigte seinen Schatz aller Hüllen und schon war die Wassermaus ein wenig zufriedener, klebte doch kein Stoff mehr unangenehm an den Beinchen.
Auch machte sich der Vampir gleich noch daran seinen Schatz das Gesicht von allen Pizzaresten zu befreien und hielt wieder eine Fritte vor den Mausemund.

Brav ließ sich Yujo alles gefallen, sogar das Waschen des Gesichts, auch wenn das bedeutete, dass er für Augenblicke nicht mit Fritten gefüttert wurde. Schändlich und mausverachtend. Weswegen dann gleich zwei Fritten fällig waren um wieder aufzuholen. Also so übel war das in der Wanne gar nicht, schon gar nicht wenn Kawa schon wieder damit beschäftigt war, den kleinen ... okay, so klein war er ja nicht, behauptete die Maus immer … Mauseschwanz zu waschen, besonders gründlich und besonders lange.
Hey. War der nicht langsam mal sauber?
Heiser stelle Yujo genau diese Frage.

Grinsend wuschelte Kawa mit seiner Nase durch die nassen Haare seiner Maus, die schon fast wieder nur nach Yujo rochen und nicht mehr nach Fett und Pizza, eindeutig eine Steigerung.
„Stört es dich??“, neckte er lüstern und wusch sorgfältig weiter fuhr jeden Zentimeter des Mäuseschwänzchens ab und fing von vorne an, während die Andere Hand nun dazu übergegangen war abwechselnd Fritten und die frittierten Fischstücke an seine Schatz zu verfüttern.

Irgendwann kam die Maus mit schlucken und atmen aus dem Tritt, hustete qualvoll, ließ sich aber gleich die nächste Fritte reichen. Hoffentlich wurden die nie alle!
„Na ja“, erklärte er irgendwann kleinlaut und kniff die Mausbeine etwas zusammen, dass Kawa stille halten musste.
„Wenn die Anderen das hören, die schmeißen uns nackig auf die Straße. Erst das Auto, dann das Bad. Santos flippt aus. Also … ha.. Kawa, lass! Ich rede! Ich kann immer nur eines, reden oder … uuuhmmm ... stöhnen. Verdammt Kawa, hallo?“
Yujo keuchte, hatte völlig vergessen was er sagen wollte, denn Kawas Finger wurden immer frecher, böse, böse Finger!

Wanderten die nämlich auch schon tiefer und strichen über gewiss Punkte, die die Maus jedes Mal ganz zahm werden und die Beine spreizen ließen.
Böser Kawa , aber wirklich!!
„ Die Tür ist versperrt.“, flüsterte der grad noch als Trumpf seinem Nager ins Ohr und leckte darüber, sah zu wie die Maus anfing seine Finger abzulecken, weil er keine neue Fritte reichte und lächelte leicht.

„Als ob eine verschlossene Tür Santos aufhält“, murmelte Yujo leise und zischte immer wieder. Verdammt der Kerl kannte ihn schon viel zu gut – alle magischen Mauspunkte. Fies! Fies! Fies!
Irgendwann gab Yujo seine Gegenwehr einfach auf und ließ sich gegen Kawa sinken. Denn der gab nicht mal mehr Fritten.
Hatte er das Wort fies schon erwähnt?

Aber so fies wie das Leben mal war, traf dieser letzte Satz seiner Maus den Vampir kalt und er ließ vom Mauseschwänzchen ab. „Hast recht“, nuschelte Kawa und fing nur wieder an seinen Nager zu füttern. Alles andere würde er sich für zuhause aufheben.
Weil, wie sein Schatz schon anmerkte, Santos würde es zwar leid tun seine Tür aufbrechen zu müssen, aber noch weniger wollte der Ältere sicher das sein Bad nach geiler Maus roch.

Allerdings würde das ja dann wieder zum Wagen passen. Aber egal.
Sein nächstes Problem war eine Maus, die sich langsam zu Kawa umwandte. Der fütterte einfach gedankenverloren so schnell, dass Yujo mit kauen und schlucken kaum nachkam und bald aussah wie ein Hamster. So bemerkte er auch nicht gleich, dass sein … nicht so kleines … Schwänzchen zwar stand wie eine Eins aber sich keiner darum kümmerte.
Na was sollte denn der Mist? Hallo? Wer’s angerichtet hatte, der musste das auch wieder wegmachen! Scheiß auf Santos, sollte der sich selber einen runterholen. Die Maus jedenfalls war mit seiner derzeitigen Situation alles andere als zufrieden.
„Öhm“, machte er und schluckte wieder eine Fritte mit Fisch.

Doch Kawa machte keine Anstalten das was er gemacht hatte wieder wegzumachen, sondern fütterte seine Maus nur weiter in Rekordtempo und überlegte, wie er den schon jetzt vorhanden Mausgeruch übertünchen konnte.
Weil, Santos sauer war noch erträglich, Santos richtig angepisst sollte man aus dem Weg gehen oder ihm einen nackten Gabriel vorsetzen und Santos kochend... das wollte Kawa nicht wirklich erleben, hatte er für die nächsten Tage schon genug Wunden gehabt.

Leider hatte er nicht mal einen funktionierenden Gabriel bei der Hand, denn hatte seine Maus in seinem Todeskampf nämlich kaputt gemacht, so wie er das rausgehört hatte. Also besser er ließ die Maus einfach nur wieder abkühlen.
Abkühlen! Das war es! Langsam glitt sein Blick zum Duschkopf.
Nichts ahnend saß Yujo im Wasser und kaute und schluckte, dass er jetzt schon wusste, dass er gleich böses Mausbauchaua haben würde. Aber egal – Fisch und Chips bekam man so selten!! Da musste man sich den Bauch vollschlagen so lange es ging. So mampfte er – selig.

Bis... ja bis plötzlich, unangemeldet, hinterhältig und fies eisig kaltes Wasser auf sie herunter prasselte und die Maus mit großen, erschrockenen Augen aufquietschen ließ.
Kawa hatte es doch glatt gewagt und den Brausekopf der sich auch über der Badewanne befand auf eisig und an gestellt.

Noch immer kreischte die Maus wie am Spieß. Sein Herz raste und der kleine Mauseschwanz hatte die Nase gestrichen voll und verzog sich wieder. Na ja, wenigstens das hatte geklappt. Nur hatte Kawa wohl nicht damit gerechnet, dass eine kreischende Maus einen tobenden Santos auf den Plan rufen könnte, einen Santos der von Kawa gelernt hatte, wie man in Windeseile Schlösser knackt.
„Sagt mal hab ihr sie noch alle? Schlachte das nervige Vieh zuhause!“
Ob Vampire mit dem Augen Blitze abschießen konnten? Yujo jedenfalls, der nun schwieg um nicht gleich erstochen zu werden, tauchte unter, um seiner Strafe zu entgehen. Aber Mause waren schlechte Schwimmer und so ging ihm schon bald die Luft aus.

Doch zu seinem Glück und Santos Unmut fischte Kawa sein Nagetier aus den Fluten bevor es absaufen konnte
„Ich wollte ihn nur abkühlen, damit du nicht auch noch zu wüten anfängst, weil das Bad nach geiler Maus riecht.“, verteidigte sich Kawa fast schon ein wenig kleinlaut.
Denn Augenblicklich hatte er ganz augenmerklich die schlechteren Karten. Er stand nackt im Wasser mit einer sich wehrende Maus in Händen und einem wütend funkelnden Santos vor der Nase.

„Habt ihr zwei eigentlich nichts anderes mehr im Kopf als euch gegenseitig was in den .. ah verdammt. Werdet mal erwachsen und reißt euch zusammen! Euer Zimmer ist oben. Mach dort mit der Stinkmaus was du willst. Aber lass um Himmelswillen nach meinem Wagen wenigstens mein Bad Mausfrei!“ Santos warf den beiden nackten Gestalten Handtücher entgegen, was Kawa auffing und die Maus, weil er sich ja über die Bezeichnung Stinkmaus ordentlich mokieren musste, ins Gesicht bekam.
Tolle Wurst!
„Los, macht oben weiter. Und wehe ich riech den… nein, noch besser – nimm ihn mit und mach zu hause weiter, wie wäre das?“ die Augen glühten und so versuchte die jetzt kleinlaute Maus sich erst mal seiner Blöße zu bedecken. Musste ja nicht jeder das Mauseschwäzchen sehen! War schließlich seins!
„Guck nicht so!“, murmelte er und Santos griff sich an den Kopf. Womit hatte er das verdient?
„Ich packs nicht!“ Dann war er murrend und maulend verschwunden, während Yujo Kawa finster anguckte.

„Okay, wir gehen besser wirklich heim bevor er noch ganz ausrastet.“, murmelte Kawa und stieg aus der Wanne, hielt seiner Maus eine Hand hin, um ihm raus zu helfen und damit sein Schatz nicht ausrutschte beim Rauskrabbeln.

Nicht lachen! Alles schon da gewesen, dass Mausi sich den Steiß geprellt hatte und sie dann beide ein Problem gehabt hatten – für eine Woche. Besser nichts riskieren. Yujo sagte kein Wort mehr. Er war sicher einfach nur noch froh, wenn dieser blöde Tag vorbei war.
„Aber die Pizzen …“, murmelte er leise.
„Nehmt sie mit und verschwindet!“, kam es aus dem Flur und irgendwie klang es ein ganz kleines bisschen wie ein Rauswurf.

So packte Kawa zuerst sich selber in seine Klamotten und dann seine Maus. Leider hatten die Mauskleider noch keine Chance gehab zu trocknen, was der Nager auch gleich mal mitteilen musste. Dezent untermalt von diversen „ihh“’s und „wärks“, die er Kawa immer wieder entgegen brüllte. Denn das ging schon los, als der ihm den nassen Schlüpfer überstreifen wollte. Aber nicht mit Yujo. Das Ding landete gleich im Mülleimer. Santos würde sich beim Aufräumen freuen. Zu Hose und Shirt ließ sich Yujo gerade noch so überreden – aber auch nur, weil er mit etwas gelockt wurde, dem Mausis leider nicht widerstehen konnten.
Nur dass er jetzt nicht nur lief wie eingepinkelt sondern sich auch noch so fühlte.
Das war nicht okay!
Aber Kawa war froh, dass der Nager nicht mehr nackt war und zog den aufgedrehten Jungen hinter sich her in den Flur. Dort packte der Vampir in der Küche die Pizzen in die noch herumliegende Tüte ein, in welcher sie wohl geliefert worden waren.
Und kaum dass alles verstaut war schleifte Kawa seinen Nager weiter zur Tür. Sein Schatz ließ sich das kommentarlos gefallen und so drückte Kawa seiner Maus die Tüte in die Pfötchen und schnappte seinen Geliebten mit der nassen Hose. Leider war er hergelaufen und für heute würde er sich nicht noch mal ein Auto von den beiden nehmen, sonst wäre er sich eines qualvollen Todes sicherlich gewiss und so trug er seinen pitschnassen, mosernden, und vor Kälte schnatternden Nager und verschwand mit ihm aus Santos’ Haus.

Das erleichterte „endlich“ von Santos hörten sie nicht mehr, auch nicht, wie sich die beiden in den Pool verzogen, wo Gabriel weiter gepflegt wurde.
Und so endete ein ganz normaler Tag im Leben einer Maus.
Ohne Eisbär – durchgefroren – ausgehungert.