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Mausgeburtstag Teil 11 - 14

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„DU MÖRDER!“, ging es auch gleich los und die Mausfäustchen schlugen immer wieder auf Coles Füße ein, dass der nur noch hüpfte und sprang wie nicht gescheit. „DU FIESER HILMAR-MÖRDER!“ Die Maus quietschte und kreischte wie verrückt und rannte immer um den Tisch mit dem geköpften Kuchenbär. Am liebsten hätte er ihn an sich gedrückt, aber wie?
Die Maus sah zum bemitleiden aus! Die Augen ganz groß, die Ohren hingen herab und die Wangen waren nass von Tränen. Sein Kuchenbär – einfach so hinübergemeuchelt!
Eilig machte er sich daran, mit zitternden Fingern die Wunde wieder zu verschmieren, dass Hilmar nicht mehr tot war.

„YuYu, du könntest ihn essen, denn der Kuchen ist tot und wiederbeleben is nicht.“, überlegte Gabriel laut. Der Kuchen hatte schon beim Backen lecker gerochen und er wollte kosten ob das Ding auch so lecker war wie es aussah.
„Weil dann lebt er wenigstens in dir weiter.“

„Schnauze!“, zischte die Maus und verschmierte noch einmal die Wunde mit Nachdruck. Die Mauspfote tatschte in den Zuckerguss und bevor er das jetzt irgendwo abwischte und von Kawa geschimpftes bekam, da leckte er es lieber ab und riss die Augen auf. Verdammt war das gut … aber Hilmar, man konnte ihn doch nicht einfach… Wah! Nun hibbelte die Maus nervös von einem Fuß auf den anderen, dass die Glöckchen klingelten und war hin und her gerissen.

„Lecker nicht?“, wollte Gabriel hinterhältig wissen und grinste. „Die Füllung schmeckt noch besser.“, versuchte er die Maus nun so zu locken seinen Bären doch zu verspeisen.

Langsam wandte sich die von Trauer gezeichnete, von Verlust geplagte Maus zu seinem so genannten Freund um und zischte ihn an. „Arschloch.“ Die Mausaugen funkelten und plötzlich, so schnell konnte gar meiner gucken, hatte sich die freche Mistmaus Kuchen und einen Löffel gegriffen und sich im Bad verbarrikadiert.
Er wollte in seinem Schmerz alleine sein und mal kosten, damit Hilmar nicht umsonst gestorben war.

„Wieder kein Kuchen“, lachte Kawa und grinste über Gabriels langes Gesicht. Hatte der Große etwa wirklich erwartet, dass die Maus den Kuchen teilen würde?
Aber nicht wirklich oder??
Da sollte er Yujo doch schon besser kennen. Der würde seinen Eisbärenfreund, der so schmerzlich gestorben war, sicher noch anflauschen und dabei anfressen.
„Also, ich hab noch Eis im Gefrierfach, klein geschnittene Erdbeeren und salziges Knabberzeug, wer mag was?“, wollte Kawa wissen und machte sich auf zum Kühlschrank.

Die Badtür flog auf noch ehe jemand was sagen konnte. „Ich nehm Eis mit Erdbeeren – bitte vor die Tür stellen!“ Und schon war die Tür mit einem lauten Rums wieder zu und man hörte dann die Maus wieder jammern, wie schade es doch um Hilmar war, und was er für ein toller Bär gewesen war und wie traurig alle wären. Zwischen drinnen hörte man die Maus mal schmatzen, dann schniefen, dann „IHHHH“ schreien, weil ihm der halbe Hilmar am Bauch klebte, dann wieder winseln und wimmern.

Daraufhin sah man Kawa vor das Badezimmer wuseln, durchs Schlüsselloch gucken, grinsen und dann schnell mal in sein Arbeitszimmer laufen. Mit einem Dietrich kehrte der Vampir zurück und hatte problemlos sein eigenes Badezimmerschloss geknackt, bevor Yujo wusste was los war. Mit einem kurzen „Ich geh mal Süßes naschen.“, warf er die Tür hinter sich ins Schloss und ließ einen Kreis hungriger und allein gelassener Mäuler zurück.

„Das sind Gastgeber“, knurrte Santos und machte nun, dass er in die Küche kam. Aber es dauerte gar nicht lange, da kamen auch die anderen drei hinterher gelatscht, denn Santos dachte ja gar nicht daran zu teilen. Er hatte sich eine Kugel Eis erbeutet und ein paar Erdbeerstifte und löffelte genüsslich.
„Erst den Kuchen wegschleppen und jetzt alleine fressen. Typisch für Yujo!“ Cole griff sich eine Hand voll Salzstangen und kaute angepisst darauf herum. Er hatte sich solche Mühe gegeben mit dem Kuchen und nun bekam er nicht ein einziges Krümelchen davon ab! Noch schlimmer, die zwei Perversen würden damit jetzt Abartigkeiten machen und er konnte nicht mal zugucken!
„MIESE GASTGEBER!“, brüllte er lauter und alles was antwortete war ein tiefes, kehliges Stöhnen und ein Quietschen – es dürfte geraten werden wer welchen Ton im Bad machte.

Die gepissten Gäste oder auch gepissten Freunde der miesen Gastgeber saßen aber keine fünf Minuten später mit Essen und Getränken versorgt in der Nähe des Badezimmers und rieten um die Wette, welcher der beiden perversen Kuchenvergewaltiger da drinnen welches Geräusch von sich gab.
„Eindeutig YuYu“, kommentierte Gabriel ein sich überschlagendes Stöhnen das in einem Quietscher endete und erntete dafür von Cole ein Lachen.

„Ja, genau. So ähnlich klingt er auch, wenn man ihn massiert und wenn man dann genau die richtige Stelle trifft.“ Cole knabberte weiter Salzstangen und schlürfte Wein, den sie schon mal geköpft hatten.
„Wer nicht kommt zur recht Zeit …“, lachte der Banker und fing dann an Yujo anzufeuern, der immer heiserer wurde und leise wimmerte. Santos indes hatte eine viel bessere Idee. Er schob einfach die Tür, die Kawa nur ins Schloss geworfen und nicht wieder verschlossen hatte, auf und so hatten alle was davon.
Mitten auf den Fliesen lag die Leiche von Hilmar, darinnen suhlte sich eine Maus auf dem Rücken, die Beine schön der Sonne – bzw. dem Neonlicht – entgegen gestreckt und wimmerte und winselte, weil Kawa wo leckte, wo’s sicher so richtig schön quälte! Den Bären waren die Augen mit Handtüchern verhängt worden, damit die keinen seelischen Schaden nahmen.
„Die Schweine, der schöne Kuchen.“ Cole war entsetzt!

„Na YuYu sieht aus, als würde er’s genießen“, flapste Gabriel und kicherte, als besagtem Yujo ein kehliges Quietschen entfleuchte und der Junge die Beine noch ein wenig auseinander drückte.
Na da hatte Kawa aber einen heißen Punkt der Maus erwischt.
John flauschte sein Babe ein wenig, weil der so traurig auf die Kuchenüberreste guckte. „ Wir gehen morgen ins Emma’s und holen uns dort einen Himbeerkuchen, hmm.“, schnurrte er seinem Süßen leise ins Ohr und grinste, weil ein Fiepen aus dem Badezimmer erklang.

So sah er Santos hinterher, der todesmutig in das Bad ging, weil er etwas entdeckt hatte! Auf dem Blech war noch der andere halbe Kuchen, der, der der Maus nicht auf den Bauch gefallen war. So kam er mit seiner Beute zurück. „Oder wir futtern erst mal den hier auf, ehe er schlecht wird.“
Na? War er ein Held oder was? Konnte er bitte mal gepriesen und angebetet werden?

Unisones Grinsen und wildes Nicken antwortete dem Vampir und Gabriel wuselte gleich mal, um ein paar Gabeln zu holen.
Lecker Kuchen!!!
Doch bevor er die Gabeln austeilte belohnte er die todesmutige Tat seines Schatzes mit einem wilden Kuss, der bei dem Flöt natürlich wieder freche Kommentare auslöste.

„Sag was du willst, aber der Kuchen sieht doch viel leckerer aus als der alte Vampir da,“ und schon hatte er von besagtem Alten ein Fuß gegen das Schienbein getreten bekommen und jaulte auf, dass die Maus gleich einstimmte.
Was nichts an der Tatsache änderte, dass sein Geburtstagskuchen gerade ohne ihn verspeist wurde und Cole und Gabriel eine Menge Lob abfassten. Sicher auch von der Maus, denn so wie der sich wand war der Kuchen sicher weich und bequem.

Und Kawa lud das natürlich geradezu ein immer wieder über den Kuchen verschmierten Körper seines Nagers zu lecken, sodass sich der noch wilder wand.
„Hey...“, protestierte Gabriel, „mein Vampi hier ist verdammt lecker, man muss nur wissen wo man knabbern muss“, grinste er dabei verspielt und kicherte leise.

Aber nur so lange, bis plötzlich Cole – den John nicht schnell genug festhalten konnte – auf Santos’ Schoß hockte und nun wohl verzweifelt versuchte herauszufinden, wo der bitteschön lecker sein sollte. Er hob Santos’ Arme und guckte mal drunter, wedelte Haare beiseite und machte den Kimono ein Stück auf.
„Nee du, da ist nichts!“ Irgendwie enttäuschend. Nicht das kleine Fitzelchen Zuckerguss.

Gespielt knurrend klaubte Gabriel das Flöt von seinem Vampir und platzierte den Bankier wieder auf dem Schoß von John, der ihn auch gleich mit beiden Armen umfing und festhielt.
„Ist ja auch meiner, hier wird nicht fremd genascht.“, grollte Gabriel noch dunkel und setzte sich dann grinsend zu Santos und biss ihm schon halb lachend in die Schulter. „Außerdem schmeckt er lecker, man muss nur wissen wo man kosten muss.“

„Jetzt bring das Flöt nicht noch auf blöde Ideen!“, knurrte Santos und versuchte den jungen Mann extrem böse anzugucken. Ging aber nicht, weil in dem Augenblick mal wieder eine gequälte Maus auffiepste und quietschte und winselte und noch ein paar seiner Geräusche von sich gab und sich mit dem Hintern in der halben Torte suhlte.
„Lasst uns lieber essen, bevor er diese Hälfte hier auch noch austesten will mit seinem dicken Maushintern!“
Nur gut das die Maus DAS nicht gehört hatte! Er war nicht dick!

„Sind aber leckere Ideen“, flötete Gabriel leise und fuhr lachend mit den Fingern durch den weichen Zuckerguss und leckte sich dann die Finger mit einem Grinsen wieder sauber.
„Ach ja, das letzte würde ich Yujo nicht hören lassen, sonst hast du den restlichen Kuchen sicher im Gesicht und dann jammern alle anderen, weil nur ich was zum Naschen habe.“

„Dann gehst auch du leer aus, mein Lieber“, legte Santos gleich mal fest. Klar, zulassen, dass er von einer fetten Maus attackiert wurde und sich dann noch Belohnungen abholen wollen. Aber so nicht, Herr Hamston, so nicht!
Nebenan – wie auf einem Präsentierteller – wand sich eine kleine, arme, gequälte und geknechtete aber doch recht zufriedene Maus und quietschte immer wieder das ganze Haus zusammen! Nur gut, dass Kawa hier alleine wohnte. Nicht auszudenken, wenn sie das hier den Nachbarn erklären müssten. Denn ab und zu klang es, als würde ein Schwein geschlachtet. Ein Mausschwein – oder doch ne Schweinemaus?

Oder vielleicht doch nur eine versaute Maus, die anbetungsvoll mit dem Hintern durch die Sahnereste schubberte und Kawas Zunge genoss?
Tja, das würde man wohl nur erfahren, wenn man so lebensmüde war und die Maus stören und fragen würde, aber keiner der Anwesenden war wirklich so lebensmüde.
Denn sogar das Flöt, der ja gerne mal solche Kamikazeaktionen machte, wurde von seinem Schatz festgehalten.
Gabriel lehnte sich wieder an Santos. „Schade und ich dacht ich könnte dich so einsammeln.“, flapste der Große und lachte leise.

Der Vampir grinste nur lautstark, hatte aber keine Chance, die quietschende und fiepende Maus zu übertönen. Er seufzte und besah sich das Geschehen im Bad etwas genauer.
„Kawa, stopf der Maus mal die Löcher, der quietscht irgendwo“, brüllte er ins Bad und das Flöt schloss sich lachend an. „Quatsch – der muss ihn nur ordentlich schmieren, dann geht das schon.“
Und die Maus?
Bekam nichts mit und taumelte schon am Abgrund.

Gabriel und Cole fingen an zu überlegen, ob sie nicht Wetten abschließen sollten, ob nun die Maus in der nächsten viertel Stunde noch mal zu Rande kam oder nicht, als ein letztes sich überschlagendes Quietschen ertönte und ihnen so die ganze Wetterei verdarb.
„Mö“, maulte Gabriel, „einmal will man wetten und dann macht der Nager schlapp.“

„Tja, er wird eben alt“, murmelte Cole, der darauf wetten wollte, dass Yujo nicht mehr lange durchhalten würde. Und nun? Er wusste ja noch nicht mal, um was sie gewettet hätten. Wer weiß was er gerade tolles verloren hatte ohne eine Chance darauf es gewinnen zu können. Irgendwie verwirrten Cole seine eigenen Gedanken und so kuschelte er sich nur murrend und maulend an seinen Schatz.
„Alte Spielverderbermaus.“
Santos lachte nur, denn der Junge hatte die Augen so seltsam verdreht, dass man denken konnte, die Maus wäre tot.
Aber nachdem Kawa noch das rauschende Blut riechen und nach dem zarten Anknabbern schmecken konnte, wurde diese These mit dem Gegenteil belegt, das war wohl nur ne Pose der Maus, um zusätzliches Flausch abzufangen.

Denn zugegebenermaßen sah der Kleine schon etwas zerfleddert aus. Sicher klebte der Mauspo fürchterlich. Die Haare würde er nie wieder gerichtet bekommen und seine Zunge hing so weit aus dem Mund, dass jeder bezweifelte, dass das alles wieder in den Mausmund passen würde.
Andererseits, wenn man bedachte wie viel die Maus in kürzester Zeit fressen konnte, musste schon eine Menge da rein passen …. Und wenn er Kawa … Santos grinste dreckig.
„Schauspieler.“
Doch Yujo knurrte nur heiser.

Denn Kawa hatte, da sein Nager grad nicht drüber maulen konnte und Yujo durch den gerade erlebten Orgasmus erhitzt war und sein Schatz da am leckersten schmeckte, tiefer nachgebissen und labte sich nun an den langsam über Mausis Oberschenkel herabrinnenden Blutperlen.
John zog über dieses Bild eine Braue nach oben und guckte skeptisch. „Also ich glaub, wenn Kawa nicht bald aufhört wird die Maus wieder geil und die fangen von vorne an.“

„Nö.“ Santos schüttelte den Kopf und nahm sich endlich mal ein großes Stück Kuchen. Durch die Maus war das Interesse an dem Stück Backwerk völlig abgeflacht. „Noch ein paar Tropfen Blut und sein Hirn ist leer und dann … genau,“ Er zeigte auf die wieder verdrehten und dann geschlossenen Augen der Maus, „wird er ohnmächtig. Kawa, Kawa, böser Mäuseschänder.“




- 12 -

„Na so isses ne Zeitlang mal ruhig gestellt, ...“, überlegte Gabriel und grinste fies, guckte gleichzeitig bettelnd zu seinem Geliebten, der langsam den Kuchen futterte. „... kann aber auch sein, dass Kawa seine Maus gleich waschen will, damit er nicht zu stinken anfängt und dann haben wir gleich ne Quietschmaus.“

Der weißhaarige Vampir ließ sich von den Blicken seines Freundes gar nicht stören. Es war noch reichlich Kuchen da, das hier war sein Stück und das würde er mit Klauen und Fängen verteidigen – komme da wer oder was da wolle. Und wenn es der eigene Geliebte war.
„Na lieber ne Quietschmaus als ne Stinkmaus beim Essen“, legte er fest und beobachtete das seltsame Treiben im Bad weiter, genauso wie die beiden Eisbären in der Badewanne – ohne Worte.

Und genau diese Eisbären waren Kawa, der seinen Schatz eigentlich von der klebrigen Torte und anderen Resten befreien wollte, im Weg. „Santos, quassle nicht, sondern hol mal die beiden Riesenteddys hier raus.“, konnte man es von dem dunkelhaarigen Vampir hören, bevor ein unwilliges Knurren der Maus erklang.

Hatte er da nicht gerade etwas über seine Teddys gehört? Hä? Langsam versuchte die Maus eine Richtung zu finden wo seine Lieblinge saßen.
Santos lachte nur, weil der Mauskopf wackelte und rotierte, dass jeder glaubte der würde gleich abfallen. „Vergiss es, ich hatte mit dem Mistvieh heute schon genug zu tun. Setz die Maus in der Küche in die Spüle – das reicht für den kleinen Scheißer!“
Gern hätte die Maus geknurrt und gezetert und gemordet – allein ihm fehlte die Kraft. Er konnte sich ja noch nicht mal erheben.

„Tzzz“, grummelte Kawa nur und ließ die Maus erst mal liegen wo er war, sein Schatz würde schon nicht davonlaufen während er sich die Hände wusch.
Weil, wenn er die Teddys, die ja weiß sein mussten, dreckig machte, da konnte das noch so leckere Maus und Kuchen sein was in den Pelz geschmiert wurde, Yujo würde ihn wohl anfallen.
So blieb der Nager erst mal wo er war, nämlich am Boden, während Kawa, gedacht getan, sich wusch und dann nacheinander die Eisbären nach draußen verfrachtete.

„Wah! Nein!“ Wie erwartet hatte die fast ohnmächtige Maus sehr wohl bemerkt, was da gerade vor sich ging, dass seine Lieblinge von ihm getrennt wurden und er hier auf dem Boden lag und sich nicht rühren konnte. So ein fieser Vampir! Erst die Maus so lange entkräften, dass er nicht mehr krauchen konnte und dann die heiligen, weil neuen und süßen und niedlichen und flauschigen Bären entführen!
„Fieser Kerl – lass die da – das sind meine!“

„Willst du das die Viecher auch nass werden und du die dann tagelang nicht knuddeln und angreifen kannst??“, wollte besagter so gemeiner und fieser Vampir auch noch wissen und trug mit einer Seelenruhe weiter den übergroßen Eisbär weg von der Maus, außer Sicht- und Reichweite.
Böse Welt!

Und was machte diese böse Welt? Quälte die Fast-Geburtstagsmaus!
Und da lag er nun – dreckig und entwürdigt, mitten in seiner Torte und seine Lieblinge wurden weggetragen, weit weg von der kleinen, armen, bemitleidenswerten Maus. Aber gedachte mal jemand ihn zu bemitleiden? Ein Blick auf die grinsende Bande, die vor der Badtür ein Sit in veranstaltete, negierte die Vermutung.
Die grinsten nur und fraßen Kuchen!
„Rettet doch meine Bären!“, kreischte die Maus und drehte sich mit Schwung auf den Bauch, quietschte, weil die Fliesen kalt und das Mauseschwänzchen noch empfindlich waren.

„Warum denn?“, wollte Gabriel frech wissen und lachte. „Wir haben die nicht mehr in Pflege, die sind nun deine Sorge, YuYu.“
„Aber ich bin eine Geburtstagsmaus – mit mir muss man liebevoll umgehen und man muss meine Bääären retten!“, quengelte der Kleine und robbte auf dem Bauch zur Tür.
Santos konnte nicht mehr vor Lachen, wie Yujo da wie einst Richard Raupe – Arsch hoch Arsch runter – über den Boden wuselte, immer seinen großen Flauschies nach. Dabei zog er wie eine Schnecke eine Spur aus Torte hinter sich her.

Wenn es nicht so lustig aussehen würde wäre es wohl grausig, aber da die Torte für ordentlich Schmierung sorgte, wurden die Wangen des Raupennagers mit der Zeit immer rosiger und der Hintern war immer öfters oben.
Seltsamer Nager, aber echt.
Was sich da Kawa wieder eingefangen hatte.

Ob es dagegen Impfungen gab? Oder wenigstens Medikamente für die Nachbehandlung? Als Santos diese Frage allerdings auch noch laut stellte, da begriff die Maus nicht gleich, sondern robbte nur weiter und Cole lag am Boden vor Lachen und somit der gerade die Badtür erreicht habenden Maus total im Weg.
„Weg da!“, bestimmte er und versuchte Cole zu schieben. Vergeblich – leider. „Kawa – räum den Weg und bring meine Bären wieder!“ Die Mausstimme zitterte und klang verräterisch weinerlich.

Zum Glück hatte der schon beide Eisbären neben seinem Futon verstaut, und konnte sich so daran machen, den doch ganz schön beweglichen Nager wieder einzusammeln und wieder ins Bad zu schaffen.
Kawa hatte nicht wirklich Lust sein ganzes Loft von Maus- und Tortenspuren zu reinigen, musste ja nicht sein, wenn man besagte Maus einfach in die Wanne verfrachten und abduschen konnte.

Da hatte sich Yujo nun solche Mühe gegeben um zur Rettung seiner Teddys zu eilen, die der böse Eisbärenhasser entführt hatte und dann? Wurde er binnen von Sekunden wieder zurück verfrachtet – der ganze beschwerliche Weg war umsonst gewesen! Das fiese Gelächter und die Anstrengungen!
„Kawa – nein! Tu das nicht, nicht das kalte … WAH!!“
Santos klingelten die Ohren und Cole saß wieder aufrecht. Nur die Maus kreischte und wollte aus der Wanne flüchten.
Aber Kawa hielt ihn fest und nach ein paar Minuten registrierte auch die Maus, dass das so kalt geglaubte Wasser nicht soooooooooo kalt war, sondern nur soo kalt und langsam wärmer wurde.

Was die Maus aber noch nicht wirklich davon abhielt, laut, verzweifelt und todesmutig zu brüllen und zu plärren. Soweit kam es noch, dass eine Fast-Geburtstagsmaus in soo kaltem Wasser ersäuft wurde, ohne dass er auch nur ein einziges Mal wirklich seine neuen, kuschelweichen, süßen Eisbären hatte Flauschen dürfen.
„Kawa!“, kreischte er immer wieder, wurde aber erbarmungslos seiner schützenden und wärmenden Kuchenschicht beraubt.

Bis auch die letzte von der Glasur klebrige Stelle gereinigt und das letzte Kuchenbrösel in den Gully geschwemmt war.
Wurde die arme, kleine Maus daraufhin allein in der Wanne zurückgelassen, weil Kawa auf die Suche nach dem großen, wuschligweichen Handtuch war, das er gekauft hatte, seit sein Schatz regelmäßig hier badete und duschte und wahre Wasserorgien veranstaltete.

Da hockte also die pitschnasse Wassermaus und zitterte und fror und wurde von einer fiesen Bande arg ausgelacht. Was war denn das nur heute für ein doofer Tag? War der nicht endlich mal vorbei?? Er wollte Geburtstagsmaus sein und von allen geflauscht und geknuddelt werden, nicht ersäuft, eingefroren und ausgelacht. So streckte er nur allen die da waren die Zunge raus und fing an zu wimmern. Nur … wärmer wurde ihm davon auch nicht.

Kawa grinste leicht über den süßen Anblick seiner Frostmaus als er mit dem übergroßen Handtuch zurückkam und Yujo aus der Wanne hob und ihn einwickelte.
Strich der Vampir gleich über die kalten Arme seiner Maus und trug seinen Schatz raus zu den Anderen, erbeutete nebenbei die Platte mit dem restlichen Kuchen und zwei Gabeln, schleppte das ganze zur Couch und fing an den jammernden Nager mit Kuchen zu füttern.

„Auch ne Art eine Wimmermaus ruhig zu stellen“, moserte das Flöt, das nämlich nicht so clever wie Santos gewesen war sich auch ein Stück Kuchen zu erbeuten und nun das Nachsehen hatte. Santos aber gedachte noch immer nicht zu teilen. Das Zeug war einfach nur verdammt lecker!
Yujo knurrte nur, ließ sich aber viel lieber mit seinem Geburtstagskuchen füttern während das Flöt weiter erklärte, dass das ja wohl nicht angehen kann, dass am Geburtstag kein Geburtstagskuchen mehr da wäre und ob das so sein sollte.
Maus nickte nur und schmierte sich den Löffel voll Sahne mitten ins Gesicht. „IHH!“

Kawa verdrehte nur die Augen aber da das Malheur nur den Mund seines Nagers betraf schaffte eine flinke Zunge die verteilte Sahne weg und fing sich ab und an auch Yujos Lippen ein.
Schmeckte sein Schatz nach Zuckerguss und Kuchen, auch nicht schlecht.

„Hey, ich will auch was!“, moserte Cole nun immer lauter. Da konnte John flauschen und knuddeln wie er wollte! Cole war nicht davon abzubringen, dass es durchaus nicht übel wäre, wenn die verfressene Maus mal teilen würde. Als hätte es nicht gereicht, dass das Mistvieh seinen fetten Arsch … weiter kam er mit seinem Disput nicht, weil die Maus intervenierte von wegen fetter Arsch! Der wäre voll niedlich! „Nicht wahr Kawa?“ und machte große, runde Mausaugen.

"Na klar, Schatz.", stimmte der Vampir auch gleich zu und knabberte an Yujos Lippen, ließ seinen Mund näher an dessen Ohr wandern, damit zumindest die anderen Menschen seine Worte nicht hören konnten.
"Vor allem wenn du nackt im Bett liegst und damit wackelst."

„Kawa, ich esse! Von nackten Mäusen, die mit ihren fetten Ärschen wackeln, habe ich für heute erst mal genug.“ Santos stellte seinen Teller beiseite und Cole stürzte sich gleich auf die Reste. Er wollte den Kuchen auch endlich mal so richtig kosten! Da stand er stundenlang in der Küche und dann? Ging er einfach leer aus? Musste ja nicht sein!
Und die Maus? Moserte weiter, dass der doch voll nie nicht fett wäre und wurstelte sich aus Kawas Umarmung, um Santos seinen Hintern zu zeigen – ohne Handtuch.
„Kawa – nimm den weg!“

"Warum, ist doch lecker.", grinste ihn sein Kind frech an und leckte sich über die Lippen, denn er kam, im Gegensatz zu Santos, dazu sich die Vorderseite seines Geliebten zu betrachten.
"Aber besser du ziehst dich wieder an Maus, sonst kommen die hinteren Ränge am Boden darauf zu rebellieren."

„Boah – weiß hier eigentlich keiner die Vorzüge eines aparten Jünglings zu schätzen? Dem einen wird schlecht – sogar mein Freund will, dass ich mich anziehe und die bekloppte Uhr zeit immer noch 5 Minuten bis Mitternacht!“
Mausi horchte auf sich selber – noch 5 Minuten? In 5 Minuten wurde er 21 Jahre alt und er rannte nackt durch die Gegend? Wo er sich doch vorgenommen hatte, endlich erwachsen zu werden!
Und schon war Panik in der Maus – so lähmend, dass er sich einfach nicht wegbewegen konnte, nur fiepsen und quieken.

Immer wieder fuchtelte er zur Uhr und fiepte was von „fünf Minuten“, sodass sich Kawa langsam fragte, ob bei seinem Schatz das Sprachband hängen geblieben wäre, seltsame Maus hatte er da.
Doch irgendwann und weil Santos so guckte als würde er seinen Geliebten gleich wo einsperren, um dessen nackten Hintern nicht mehr zu sehen, schnappte sich Kawa seine Maus und schleppte ihn hinter sich ins Schlafzimmer natürlich nicht ohne ein „Kommt aber wieder raus vor Mitternacht. Geburtstagspoppen könnt ihr später!“
Kawa knurrte nur und ließ den Großen dadurch lachen.

Nur die Maus in seinen Armen fiepste noch immer was von fünf Minuten. Santos machte sich einen Spaß daraus, zu erklären es wären nur noch vier – und dann nur noch drei. Denn da fing die Maus an zu kreischen, dass er gleich erwachsen und reif wäre und da wolle er doch nicht nackt sein. So schnell wie nicht mal Kawa gucken konnte griff sich die Maus wahllos Klamotten und stand eine Minute später wieder mitten im Loft: orange Socken – eine violette Short, dazu ein gelbes Hemd das offen war und die Klingelschuhe.
„Preiset mich – ich bin die Geburtstagmaus!“

„Eine Minute noch.“, ärgerte ihn Gabriel und fing an runter zu zählen, das ließ den Nager fiepen und zappeln und klingeln mit seinen Schuhen. „Zehn, neun acht sieben, sechs, hmm was kam dann?“, fragte der Große scheinheilig und grinste.

„Füüüüüüünf!“, plärrte die Maus und hopste nun total aufgelöst durch das Loft, sah nicht links – nicht rechts. Hopste einfach nur darauf los. „Vier - drei – zwei – eins! Es lebe die Geburtstagsmaus – häbbie börsdee für mich – häbbie börsdee für mich …“ sang’s und hüpfte weiter, fast noch auf Gabriel drauf. Was hockte der auch einer Geburtstagsmaus im Weg! Depp.

Doch zum Glück für ihn selber und seinen Schritt, den die Maus fast, aber zum Glück nur fast, zerdeppert hätte, schnappte der sich den überdrehten Nager und fing mal an die kleine Burzeltagsmaus zu flauschen. „Alles Gute, YuYu.“, lachte er, während der Nager noch immer vor sich hin sang und sich selber alles Gute wünschte.
So reichte er das Geburtstagskind weiter, damit alle mal ihre Gratulationen loswerden konnten, denn die Geschenke hatte der Nager ja schon abgestaubt.

Maus im Glück!
So ließ er sich erst mal ordentlich durchflauschen – von Santos lieber nur ein bisschen – nicht zu viel. Nicht dass er noch mal in den Besenschrank gesperrt wurde und von Cole auch nicht so lange, der hatte ja kaum Kuchen abbekommen. Dafür turnte er dann wieder wie verrückt auf John herum, das machte nämlich voll Spaß und Cole knurrte nur und stellte fast, dass dieser Herr kein Geschenk wäre, sondern ein Gast.

Das hielt den Nager aber nicht wirklich davon ab und John konnte nur lachen über diesen hyperaktiven Jungen. Bisher hatte er noch nicht erlebt, dass den wirklich irgendwas für längere Zeit ruhig stellen konnte.
Nicht mal sein Freund, der sich die Show grinsend mit ansah und lachte, weil Coles Miene leicht verrutschte je länger Yujo mit John balgte.



- 13 -

Irgendwann hatte auch das ruhigste Flöt die Nase voll, wenn eine biestige Maus seinen Schatz anflauschte wie nicht gescheit. Da schwor man Rache, da vergriff man sich am Heiligsten des Feindes. So machte sich Cole auf den Weg ins Schlafzimmer und zerrte einen der Eisbären wieder mit raus. Clever wie er war hatte er schon das dreckige Kuchenmesser mitgenommen und hielt es dem Bären nun an die Kehle.
„EY, blöde Maus!“, rief er und gleich starrte die Klettermaus zu ihm und verfiel in einen Schreikrampf Marke Extra-Premium!

„Kinder“, lautete der treffende Kommentar Kawas und er schüttelte nur den Kopf. Was tun? Dem Flöt das Messer wegnehmen und Maus schreien lassen?
„John, nimm deinem Flöt das Messer weg bevor er sich noch weh tut und ich sammle die Maus ein.“, legte er fest und machte sich gleich mal daran seinen Schatz zu beruhigen, nachdem er ihn von John runtergesammelt hatte.

Aber Maus wollte gar nicht beruhigt werden. Maus wollte wie der Racheengel Azrael persönlich auf Cole danieder fahren, ihn mit Blitzen grillen – [Wortwörtlich lautete der Mauskommentar: ich lass die Blitze in die Kimme fahren bis dir die Nille kokelt. Aber so unfeine Worte an einem Mausgeburtstag?].
Cole grinste nur, leckte das Messer wie ein Seeräuber ab und reichte es John, der es gut sichtbar für Kawa entsorgte und so schleifte das Flöt den Bär wieder aus dem Gefahrenbereich. Aber warum dauerte das so lange? Warum war der so lange alleine mit den Bären im Schlafzimmer?
“Hey – lass die ihn Ruhe du Perverser!“ Maus in Hochform – Eisbären retten könnte seine Lebensaufgabe werden.

Und da das Messer von John entfernt worden war ließ Kawa seinen Schatz los, der auch gleich Cole ins Schlafzimmer nach flitzte. Kurz überlegte der Vampir noch, ob sich in dem Raum etwas gefährliches befand, doch außer dem Bett und einem Kasten hatten sie den Raum unmöbliert gelassen, also konnten sich die Beiden da drinnen ruhig balgen so lange sie wollten.
„Okay, lassen wir die mal raufen bis sie müde sind.“, lachte Kawa und holte aus dem Kühlschrank die erste Flasche Wein. „Wir feiern derweilen weiter oder hat jemand eine andere Idee?“

„Bin gleich wieder da“, erklärte Santos, der sich mit einem Grinsen erhob. Er griff sich ohne ein Wort Gabriels Camera und flitzte los. Er hatte da so eine Idee, wenn Cole so drauf war wie er dachte, dann würde die Maus gleich aus der Wäschekiste gucken. Ein Bild wert, dessen sie sich noch in Jahren erfreuen konnten.
Und wirklich – kaum dass der Vampir in der Tür in Position stand, da gab die Maus schon ein entsetztes Quietschen von sich, fluchte, zeterte, war zum Morden bereit aber da ging er schon Kopfüber voran in die Wäschekiste und strampelte mit den Beinen – was für eine Fotoserie.
Santos rollte sich vor Lachen über den Boden und verschluckte sich fast, während die Maus um Hilfe fiepste und Cole ihn an den besockten Füßen kitzelte.

Seelenruhig stellte Kawa die Weinflasche auf den Tisch und holte danach die schlanken Weinkelche, entkorkte die Flasche und goss allen von der goldgelben Flüssigkeit ein.
„Wie lange werden die wohl brauchen, bis sie sich wieder beruhigt haben?“, fragte er an niemanden speziellen gewandt.

John war es, der die Schultern zuckte. „Sicher bis der erste heult und so wie ich die Maus kenne, wir er es sein.“
Immer wieder erklangen erstickte Laute aus dem Schlafzimmer, irgendwas was mit viel Fantasie Hilfe hätte heißen können, aber ebenso gut die Frage nach dem Bus hätte sein mögen. Man wollte sich da noch nicht festlegen.
Nur Santos rollte noch immer über den Boden weil Cole die Maus weiter kitzelte und der nur noch leise keuchte. Fehlte nicht mehr viel und der Kleine würde wieder ohnmächtig umkippen. Ob das gesund war? Viermal am Tag ohnmächtig? Mal gucken … *Knips*, das nächste Bild war geschossen. Maus mit nur noch einer Socke.

„Santos“, rief Gabriel und schreckte seinen Vampir damit auf, „ der Wein ist offen, lass die Beiden balgen oder bring die Maus zu Kawa mit.“, bat er seinen Vampir und wartete ab, was der nun machen würde.
Der Wein war nämlich ein besonders guter und Gabriel glaubte kaum, dass sich sein Vampir den entgehen lassen würde, zumindest nicht für eine Maus.

Allerdings sah Gabriel auch nicht was Santos sah und knipste. Gerade hatte Cole der wimmernden, kreischenden, in ein Kissen beißenden Maus die zweite Socke auch noch geklaut und fesselte die Hinterläufe, während er erzählte, was er jetzt mit den beiden Eisbären machen würde. Da kamen dann Wortkombinationen wie Nähte auftrennen, Füße abtrennen und Schwänzchen abreißen und mit jedem Mal wurde die Maus lauter und wehleidiger.
Santos bog sich vor Lachen – selbst wenn er gewollt hätte, er hätte sich nicht mehr erheben können. Er winkte nur ab und wischte sich Tränen weg.

Kawa seufzte und schloss die Augen, schnappte sich blind eines der Gläser und prostete den anderen kurz zu. Noch überlegte er, ob er die nun weitermachen lassen sollte bis es ihnen zu dumm war und die Maus dann trösten oder doch besser seinen Schatz gleich einsammeln und sicher wissen, dass er kurz darauf mit jemand anderem balgte??
Schwere Entscheidung, vor allem, weil es Kawa langsam nicht mehr freute seinen Schatz ständig aufzusammeln und zu trösten oder beruhigen oder, oder, oder.....
„Kann die nicht irgendwer trennen?“

„Bist du bescheuert? So geile Bilder bekomme ich unter Garantie so schnell nicht wieder. Cole der Bärensadist und die Maus, der seine Lieblinge nicht retten kann. Ich kann euch flüstern.“ Santos saß mittlerweile schon wieder, was in seinen Augen ein großer Fortschritt war. Aber vor allem, weil er Kawas Kimono nicht kaputt machen wollte. Aber er knipste fleißigst weiter wie Cole nun den Bär mit der Schnauze gegen Yujos Füße stippte und er nun anfing zu lachen und zu quietschen, sich verschluckte und fast verreckte, aber nur fast. War ja eine Survival-Maus.
Nur ob der Bär die Mausfüße so gut vertrug? Bleibt abzuwarten.

„Na gut, dann wird Yujo aber nächste Woche bei euch bleiben, während ich den Deal mit den Chinesen über die Bühne bringe.“, murmelte Kawa leise grinsend und trank wieder von dem Wein, welcher, man sollte es noch mal anmerken, wirklich exzellent schmeckte.

Santos zog eine Braue hoch. Schon wieder Maus hüten? Und dieses Mal stand auf der Tagesordnung: Maus nicht ins Tierheim abschieben, Maus nicht auf einer Raststätte aussetzen, Maus nicht bei ebay versteigern, Maus nicht in den Zoo verkaufen und auch Maus nicht den Zeugen Jehovas mitgeben.
Das schränkte die Möglichkeiten ganz schön ein. Aber sie hatten da ja noch einen gewissen Käfig, der eigentlich noch nicht eingeweiht war und nicht gleich nach geiler Maus stinken sollte. Aber was nahm man nicht alles auf sich und was konnte man nicht alles mit einem Duftbäumchen Marke Erdbeere übertünchen?
„Okay“, machte er und sank wieder auf den Bauch – denn … Nun steckten Maus und Eisbär Kopfüber in der Kiste und flauschten, während die Maus anfing das Teddybärlied für seinen armen, misshandelten Freund zu singen.

Anscheinend wurde Yujo allein dadurch, dass er nun ganz in der Kiste war und sich hatte herumdrehen können und nun seinen Eisbären anflauschte, ruhiger.
Kawa indessen zuckte nur mit den Schultern und machte sich erneut auf den Weg zum Kühlschrank. Er hatte ja am Nachmittag, als er Yujo mal abgelenkt hatte, eine Früchte- und eine Käseplatte für den Wein hergerichtet und genau diese holte er nun und stellte sie zwischen die Gläser.
Grinsend beugte sich Gabriel auch gleich vor und beäugte die bunten Leckereien. „Lecker!!!“, meinte er nur und stibitzte sich auch gleich ein Spießchen mit Mango und Erdbeere.

Was hatte man von ihm auch erwartet? Schade, dass keine Maus da war, um das zu kommentieren oder ein Flöt, um zu kichern. Denn Maus flauschte gerade Hans Peter gesund und Cole griff sich gerade an den Kopf, redete auf die Flauschmaus ein, ob er noch ganz dicht wäre, in seinem Alter noch so kindisch zu sein aber Maus ignorierte alles mit Hingabe und Leidenschaft, rollte sich lieber in die Kissen in der Truhe und zog Hans Peter ganz auf sich. Okay, da wurde zwar die Luft wieder dünne, aber irgendwas war ja immer.
Besser Santos blieb noch ne Weile, um die halb erstickende Maus dann zu retten – vorausgesetzt Gabriel drosselte sein Tempo beim Verzehren der Früchteplatte, weil sonst war es dem Vampir egal ob die Maus verreckte, er wollte auch Obst.

Und das wusste besagter Gabriel nur zu genau, dokumentierte jedes einzelne Spießchen auf Farbe, Geruch, die Konsistenz auf der Zunge und den Geschmack, wie der sich im Mund ausbreitete, sicher lecker beim Küssen schmecken würde und weitere kleine Details, die Santos unruhig werden ließen.
John grinste nur und fing mit Kawa an zu wetten wie lange es noch dauern würde, dass Gabriel sein Weißhaar angelockt hätte und sie schwankten noch zwischen einer Minute und dreien.

Freilich entging das auch Santos nicht, der den Beiden gern die Wette verdarb und sich so – auch wenn es hart war – wieder auf den Boden legte. Zwar gab es nicht mehr viel zu sehen, aber auf Gabriels Digi-Cam konnte er sich alle schönen Szenen aus dem Leben einer bekloppten Maus noch einmal ansehen – life und in Farbe, gezoomt und unverfälscht. Okay, das konnte zwar keine Mangospieße ersetzen, aber es lenkte zumindest noch etwas ab. Sein Gaumen schmeckte schon die Früchte und sein Hirn sog nach Rache! Harter, grausamer Rache! Sex-loser Rache!

Gabriel schnappte sich ein paar der Spieße, nachdem sein Schatz nicht angekrochen kam und fing an eine Spießchenspur bis zu Santos zulegen, das letzte legte er halb neben seinen Vampir, der sich gerade auf der Camera anguckte, wie die Maus in die Kiste gestopft worden war und grinste.
Wortlos seinem Geliebten nur ein Luftküsschen zuwerfend, ging Gabriel wieder zurück ins Wohnzimmer und setzte sich neben die beiden Kindsköpfe, die noch immer versuchten zu ergründen warum Santos noch nicht angekrochen gekommen war.

Santos schnupperte ein bisschen. Mann! Konnte man nicht mal das Fenster zumachen? Das war fies, dass der Wind den Duft direkt vor Santos’ Nase wehte. So fies. Seine Augen wanderten zu dem Spieß, wanderten weiter zu Gabriel, der nur da hockte und ebenfalls auf einem Spießchen rumkaute. Hey! Von Saft ablecken hatte keiner was gesagt? Hatte es nicht damals genau so angefangen? Das dieser Kerl nicht essen konnte und Santos ihm genau deswegen total verfallen war?
Eilig griff er sich den Spieß und fing an heimlich etwas daran zu knabbern, während er versuchte, die singende Maus zu ignorieren.

Doch Gabriel ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, knabberte an der Mango bis die alle war, leckte über seine Finger, wo sich der Saft verselbständigt hatte und zog sich grinsend die Kirsche vom Spießchen, und das alles ohne Santos aus den Augen zu lassen.

Ob das so eine gute Idee war, wo doch das Schlafzimmer besetzt war und die Couch viel zu viel Publikum Einblicke gewährte? Santos lag noch immer auf dem Bauch, guckte lustlos Bilder von der Maus an und versuchte mittlerweile ziemlich verzweifelt, seinen Schatz zu ignorieren. Erst wurde er nicht Zitronenfalter genannt, dann flog er wegen groben Unfugs aus dem Haus raus und dann … machte ihn der Wüstling am laufenden Band heiß. Okay, es gehörte nicht viel dazu, dass Santos bei seinem Gabe heiß lief, meistens reichte ein nackter Ellenbogen oder ein offenes Hemd um den Vampir über seinen Schatz herfallen zu lassen, aber heute wollte er ein tapferer, ein standhafter Vampir sein, und standhaft im Sinne von – dem Verlangen nicht erliegen und nicht so, wie das die meisten Anwesenden sicher schon wieder erwarteten.

Besagter Schatz kroch, weil ihm sein eigenes Spießchen ausgegangen war, grad auf allen Vieren zu dem ersten, das er auf dem Weg von Santos’ Weg zur Couch gelegt hatte und klaubte die Süßigkeit auf. Schnurrte er und lachte leise, als er das Knurren seines Vampirs hörte. „Was ist denn, Santos??“, flüsterte Gabriel leise und krabbelte grinsend zu dem Vampir, hielt ihm ein Fruchtstückchen vor die Nase, nur um selber an den anderen Stücken, die noch am Spieß verblieben waren, zu nagen.

„Frechheit, sie erst für mich hinlegen und sie mir dann wieder wegfressen. Geht man so mit alten Leuten um? Hm?“, wollte Santos wissen. Die Kamera samt Maus aus der Kiste war so was von uninteressant geworden. Vor seiner Nase schwebte Papaya – mehr noch – Papaya mit irgendwo noch ein Stückchen Gabriel dran.
Ach scheiß auf die Standhaftigkeit!
Gabriel bekam einen Schubs gegen die Schulter und ging hintenüber, während Santos sich seinen rechtmäßigen Platz auf dessen Schoß suchte und zu knabbern anfing. Ab und an, wenn sich ein Tropfen am Spieß gesammelt hatte, ließ er ihn auf Gabriels Lippen fallen – sonst musste er darben.

Aber es war wirklich so – die Maus hatte einen siebten, achten und neunten Sinn dafür, dass die Beiden anfingen zu flauschen, denn er kam mit roter Nase aus seiner Kiste und grinste Blöde. „Eine Show, extra für die Geburtstagsmaus“, murmelte er leise und hielt Hans Peter das Schnäuzchen zu, damit er nichts sagen konnte.
Komische Maus!

Mit einem genießenden Grinsen ließ sich Gabriel diese Behandlung oder vielleicht ja auch Misshandlung gefallen und fixierte Santos mit leuchtenden Augen, während er sich die hin und wieder herabtropfenden Gaben von den Lippen leckte.
Sein Schatz machte ja keine Anstalten das für ihn zu machen.
Erst als der Vampir das nun leere Spießchen nochmals ableckte, um auch ja keinen Fruchtsaft zu vergeuden, zog Gabriel seinen Schatz zu sich runter und nippte probierend an den fruchtigen Lippen. „Hmm, lecker.“, wurde es von ihm kommentiert und er verschloss Santos den Mund mit seinem, bevor der noch antworten konnte.

Und die Geburtstagsmaus?
Hockte grinsend da, feixte vor sich hin und summte. Cole stand in der Schlafzimmertür und betrachtete sich die sich lüstern Balgenden auch eine ganze Weile. Na ja, der Ehrentagsmaus schien diese Vorstellung mehr als nur zu gefallen und der neue Eisbär – genau genommen mittlerweile alle beiden Eisbären, denn die Maus hatte auch Erwin noch schnell geholt, damit er nichts verpasste – hockten da und glühten um die Wette. Yujo flauschte den Teddy wie bekloppt und es kam wie es kommen musste, das Vieh fiel wieder vorn über und begrub nicht nur die Maus, sondern auch Gabriel und Santos – und hatte einen Erdbeerfleck auf der Brust.
Kreischmaus vorprogrammiert.

Zuerst verhielt Gabriel überrascht, sodass ihm Santos in die Zunge biss und er leise zu grummeln anfing. Das Licht war weg, sein Schatz irgendwie komisch auf ihm und ein weißes Ungetüm über ihnen, also irgendwas stimmte da ganz und gar nicht.
Mit einer Hand tastend auf den Teddy über ihnen tapsend schob sich Gabriel gleichzeitig die Haare seines Vampirs, welche ihm zusätzlich die Sicht nahmen, aus dem Gesicht.

„Mein Hans Peter!“, hörte er es da schon gekreischt und gebrüllt und langsam wurde auch Gabriel klar, wer oder besser was sich da über sie geworfen hatte. Dass die blöde Maus aber auch nicht auf seine neuen Haustiere aufpassen konnte.
Santos brauchte mindestens so lange wie Gabriel um zu merken was hier abging und dass da was plüschiges auf ihm lag, was da definitiv nicht hingehörte.
„Maus, nimm das Vieh weg oder ich schlitz ihn auf!“
Oh oh!
Gab es diese Drohung heute nicht schon einmal? Hatte nicht schon einmal ein böser böser Cole gedroht genau so was zu tun? Der Cole, der lachend am Türrahmen zum Schlafzimmer hing?
„Kawa! Komm die Bären retten – Hans Peter hat Erdbeerflecken!“, murmelte Yujo und verschluckte sich dann am Plüsch – welch Schicksal für eine kleine Maus.

Besagter Kawa kam dieser Aufforderung nur langsam nach und lehnte sich auch beim Eintreffen nur an den Türstock und grinste ob des Bildes das sich ihm bot, klaubte behände die verweist herumliegende Kamera vom Gabriel auf und fing an zu knipsen.
Wenn die Beiden schon mal so herumlagen, warum sollte nur seine Maus für komische Fotos sorgen.

Aber Yujo konnte dem Reporterdrang seines Freundes gar nichts – aber so was von gar nichts – abgewinnen! „Kawa, nicht sinnlos Bilder machen - Maus retten und Hans Peter. Guck doch mal.“ Der Kleine quietschte wie bekloppt, denn der Erdbeerenfleck wurde immer größer. Warum? Weil jemand mit kleinen ungeschickten Mauspfötchen dran rumgewischt hatte. Was auch sonst, wenn er doch sowieso darunter begraben lag und nichts besseres zu tun hatte. Nur gut, dass Erwin noch saß und nicht auch noch mit umgefallen war – nicht auszudenken was die Maus leiden würde, wenn beide Bärchen Erdbeerflecken hatten.
„Die blöden Früchteficker haben meine Flauschies schmutzig gemacht“, erklärte er anklagend und wurde von einem knurrenden Santos in die Seite gepiekst, dass die Maus nur wild aufjaulen konnte …. „Ka-haaaa-wa …. Maus retten … bi-hiiii-teee.“

„Na gut.“, reichte der die Kamera weiter an Cole und grinste, während er mit der Linken den übergroßen Teddy aufhob und wieder hinstellte.
„Was können wir dafür, dass du dein Plüschi auf uns schupst?“, knurrte Gabriel und sortierte sich mitsamt Santos neu.

„Hier hat voll keiner geschubst, er ist einfach umgefallen oder glaubst du, ich werf mir den Eisbär selber über?“ Leider merkte die Maus zu spät, dass dieser Kommentar eine steile Vorlage für ein Eigentor war, die Santos auch gleich nutzte, indem er trocken und knapp bemerkte, dass die Maus ganz genau so einer wäre, sonst hätte Gabriel ja wohl nicht gefragt.
Oh wie gemein – keiner hatte die Maus lieb. So verteilte er nur an seinen ihn gerettet habenden Schatz einen Kuss und griff sich Erwin und Hans Peter und schleifte die beiden – wohl nicht mehr lange – weißen Teddys mit sich auf die Couch. Erwin links – Hans Peter rechts – Maus mitten drinnen. Anklagend prangte der Erdbeerfleck auf dem weißen Pelz. „Blöde Früchteficker.“

Gabriel wandte sich aus Santos’ Verknotung und ging der Maus schnell nach, griff sich das Tablett mit den Fruchtspießen, mit dem kurzen Kommentar, dass diese sonst nur noch mehr Flecken auf die Teddys machen würden und marschierte wieder zurück zu Santos.
Dort legte er seine Beute grinsend ab und blickte frech zu seinem Vampir. „Beute gemacht und Schlafzimmer für uns.“, stellte er frech dar und grinste, als Kawa zu lachen anfing.

„Ich glaub das einfach nicht! Kawa, tu doch mal was gegen die notgeilen Böcke. Die sauen unser Bett und unsere Bettwäsche ein. Wie soll ich das denn Erwin und Hans Peter erklären, wenn da überall so weiße Flecken rumliegen! Die armen Teddys, die kriegen einen Schock fürs Leben!“ Und gleich fing die Maus damit an seine Teddys zu therapieren, ihnen zu erklären was Santos und Gabriel für welche wären und dass man sich vor denen besser hüten sollte und Santos konnte nicht anders als sich erst mal ordentlich aufzuregen, was mit einem Spieß voll Erdbeere erstickt wurde.

Die ihm Gabriel einfach in den schimpfenden Mund schob und kurzerhand mit seinem verschloss und schon wurde der eben noch aufgeregte und grantige Vampir wieder ruhiger und verlegte sich für die folgenden Augenblicke darauf lieber die Beere zu futtern als daran zu ersticken.
Okay, er konnte nicht ersticken, aber es wäre kleinlich das jetzt zu erwähnen.
„Schatz, mein Bett ist da draußen“, deutete Kawa in Richtung der Futonecke und lachte auf. „Das hier ist ja eigentlich als Gästebett gedacht, na ja und dafür wenn wir nicht überrascht werden wollen.“

„Kawa, du bist so kleinlich! Das wird das Schlafzimmer für die Teddys! Ich kann doch nicht zulassen, dass die Früchteficker meinen Teddys das Bett einsauen! Und ich habe auch keine Lust, in irgendwas zu fassen, nur weil ich mich zu meinen Lieblingen kuscheln will!“, stellte die Maus gleich klar und betrachtete sich die beiden, sich auf dem Boden Wälzenden. Immer wieder stupste ein Mausfuß missmutig gegen Gabriels Oberschenkel – mal sehen wie lange das gut ging, ohne dass die Maus heulte …
Der Countdown lief …

„Maus, die brauchen kein Bett.“, lautete die gleichgültige Entgegnung Kawas, der mit einer hochgezogenen Braue mit ansah, wie die Maus die Beiden immer wieder kickte. Lange würde sich das zumindest Santos nicht gefallen lassen, befürchtete er wohl zu recht.

Und so war es dann auch. Gabriel knurrte und so brauchte Santos nicht lange, um zu bemerken warum sein Geliebter ihm nur noch so wenig Aufmerksamkeit schenkte. Schneller als eine angepisste und saure Maus gucken konnte, wurde Hans Peter geschnappt und quer durch den Raum geschleudert, dass Yujo nur noch aufquieken und hinterher krauchen konnte. Immer wieder fragend ob Santos spinne, ob er noch ganz dicht wäre und ob er sich noch sehen würde machte sich Mausi auf zur Rettung der Bären und Cole und John griffen sich ein paar Salzstangen und machten es sich gemütlich – war fast wie im Kino. In einer Ecke wurde geknutscht und gefummelt, in einer wurden wilde Tiere gerettet [also: die Eisbären – nicht die Maus, das war kein wirklich wildes Tier sondern nur ein weinerliches] und in einer dritten Ecke hockte Kawa und schien zu überlegen, womit er es verdient hatte, dass seine Maus jetzt zwei Eisbären auf Pflege hatte.

Bis ihm einfiel, dass da ein gewisser Vampir, der sich auch sein Meister schimpfte und dessen Betthase daran schuld waren und er nur mit verengten Augen zu dem Knäuel funkelte, welches aus den Beiden bestand. Na gut, hin und wieder blitzte ein Fruchtspieß daraus hervor oder eine Hand, die ein neues Leckerli suchte und dann mit diesem wieder in dem Menschen-Vampir-Knoten verschwand.

Santos ließ sich füttern und irgendwo ganz weit hinten murmelte eine kleine Maus Flüche, wisperte einem Eisbären etwas zu und klingelte mit seinen Schuhen wie verrückt. Und Santos und Gabriel merkten noch nicht einmal, dass sie böse angeguckt wurden! Was war denn das heute für ein doofer Tag? Keiner feierte die Maus, er wurde nur gequält und misshandelt und … keiner spielte mit ihm. So griff er sich Hans Peter und wuselte in Richtung von Kawas Futon, wo der Eisbär auch gleich auf das Kissen gelegt wurde und schön zugedeckt, nicht dass der mit seinem dünnen Fell noch krank wurde. Und weil man Eisbären immer gleich behandeln musste, damit sich keiner vernachlässigt fühlte und versuchte sich im Klo runterzuspülen, wurde auch Erwin ins Bett geschleift – wortwörtlich.
Und dann stand die Maus davor und maß mit seinen Füßen aus, wie viel Platz noch war. Also zwischen Hans Peters Pfoten – da passte Kawa hin und Yujo würde sich schon noch irgendwo hinquetschen. Das ging schon!

Dass sein Vampir da sicher nicht mitmachen würde, daran dachte der überaktive Nager mal einfach nicht weiter und kroch zu den Eisbären und wand sich dazwischen.
Kawa indessen, dem es zu dumm geworden war Gabriel und Santos beim gegenseitigen Füttern und anflauschen zuzusehen, setzte sich zu Cole und John, schnappte sich einige Salzstangen und knabberte daran, sah zu, wie seine Maus sich abmühte zwischen den Eisbären platz zu finden und grinste. Irgendwann würde es seinem Schatz schon zu blöde werden, spätestens dann, wenn er in der Nacht keine Decke mehr hatte, weil die über den Teddys lag.

Aber im Augenblick konnte die Maus noch damit leben und kicherte und quietschte und feixte und giggelte, weil doch das weiche Fell so kitzelte.





- 14 -

„Nee oder?“, murmelte Cole als er mit ansah, wie die Maus wirklich gerade seinen Pullover auszog und den Erwin überzog. Erwin war nämlich voll der arme Bär, der gerade seine Decke mit der fetten Maus teilen musste und deswegen nur halb zugedeckt war und ein Eisbär, der nicht zugedeckt war, der wurde krank – ganz klar! Weswegen Maus vorsorgte und ihn schön warm anzog. Cole bog sich vor Lachen als eine halb nackte Maus anfing in seiner Sockenschublade Wollsocken zu suchen, feststellen musste, dass seine für den Bär zu klein waren und nun in Kawas Lade wühlte.

„Ich sollte mir echt überlegen, ob ich den nicht wieder zurück ins Tierheim bringe.“, grübelte Kawa und fand das ganze nicht so wirklich lustig wie Cole, der sich über den Boden kullerte und immer wieder die Lachtränen aus seinem Gesicht wischte.

Und Kawa konnte von Glück reden, dass die Maus bis zur Hüfte in seiner Sockenschublade hing und nicht hörte was er überlegte. Das war doch mausverachtend, einen kleinen, süßen Nager einfach wieder einzusperren – also zumindest, wenn das im Tierheim war. Im Kerker von Santos’ Keller … also da .. öhm. Faden verloren.
Eigentlich ging es ja um eine suchende Maus und einen frierenden Bären. Und so hatte Yujo gefunden was er gesucht hatte. Kawas rote Ringelwollsocken, die er nur im allertiefsten Winter mal rauskramte. Aber Erwin würde die gut gebrauchen können. Als Cole diese Socken sah war es vorbei, denn er bekam vor lauter Lachen nicht nur kein Wort mehr raus, er erstickte fast.

John schüttelte nur grinsend den Kopf und sammelte sein Babe vom Boden auf, schlang dessen Beine um seine Taille und klopfte ihm fest auf den Rücken bevor er leicht darüber massierte und Cole nur noch leise kicherte und Schluckauf bekam vom vielen Lachen.
Nun lachte der Bodyguard leise, denn Cole sah einfach nur niedlich aus, wenn er leise vor sich hin hickste und jedes Mal einen roten Schatten um die Nase bekam, zum Anbeißen, was er ihm natürlich gleich leise und mit feinen Worten kundtat.

Aber davon wollte Cole im Augenblick nichts wissen. Er versuchte nur sich zu konzentrieren, die blöde Maus nicht zu beobachten, der nun allen ernstes feststellen musste, dass so ein Bär ja vier Beine hatte, im Gegensatz zu einem Kawa – der nur zwei – maximal drei – Beine hatte und nun fehlten irgendwie noch Socken. So deckte Maus seinen Erwin erst mal zu und fing noch mal an Socken zu suchen. Also ab á la Wühlmaus durch Kawas Sockenschublade und Cole hickste weiter und wusste noch nicht, ob er heulen oder lachen sollte, ihm tat schon jeder Muskel weh und er schniefte leise. Was für eine Folter.

John grinste zu dem Vorgehen der Wühlmaus und flauschte sein armes, kleines Babe, das nun Schluckauf hatte und das er viel zu gerne irgendwo hin verfrachten und anknabbern würde. Da aber das Schlafzimmer schon besetzt war und es in Kawas Arbeitszimmer, so weit man dieses Waffenlager so nennen konnte, nicht wirklich gemütlich war, beschränkte er sich darauf nur an Coles Nacken zu knabbern und den Rücken mit den Fingern zu kneten.

„Geht schon, Schatz, danke“, murmelte der Banker und konnte nicht widerstehen. Er musste einfach sehen, was die blöde Maus jetzt schon wieder anstellte, als er quietschte und frohlockte wie verrückt. Er hatte noch ein paar Socken gefunden – die roten Ringelsocken waren schon klasse. Aber gelb-lila Karos und lang bis zum Knie waren diese Socken der Hammer. Cole blickte zu Kawa, der völlig entsetzt zusah, wie Yujo da seine Peinlichkeiten aus dem Schrank zerrte.

Er hatte die Dinger damals von einem Japanurlaub mitgebracht, weil es dort ganze Läden mit so verrückten Socken gab und er das einfach nur komisch gefunden hatte, tja, und seither lagen die Dinger ungesehen irgendwo herum, nun ja - bis jetzt ungesehen.
Denn nun machte sich sein angeblicher Geliebter daran diese Farbenungeheuer seinen Bären überzuziehen und dabei fröhlich vor sich her zu summen.

„La la la … hm hm hm …“
So ging das dann so lange, bis Erwin sich nicht mehr gegen die seltsam gemusterten Socken wehrte, sondern sich in sein Schicksal ergab und nun mit Socken und bis zum Hals zugedeckt neben einer keuchenden, schniefenden Maus lag – ganz still, weil er wohl dachte, wenn man sich tot stellt, ginge die Maus weg.
„So, geschafft. Erwin wird im Bett nicht frieren. Kawa, ich hätte nie gedacht, dass deine dicken Wollsocken mal nützlich sein werden“, erklärte die abgehetzte Maus, weil Eisbären Socken anziehen eine echte, körperliche Anstrengung war. Besser Erwin behielt die Socken ein paar Tage an, jeden Tag so einen Kampf würde die Maus wohl nicht überstehen.
Und Cole – der lachte noch immer über Kawas Socken und murmelte was vom Attentäter mit den gefürchteten Ringelsocken.

Besagter Attentäter überlegte grad heftig, ob er bei dem dummen Flöt nicht mal in der Nacht einsteigen und ihn ans Bett gefesselt zurücklassen sollte, doch Kawa war sich da nicht ganz sicher, ob er nicht John einen Gefallen tat, also würde er sich die Idee doch noch mal überlegen.
Vielleicht beide nackt, sich gegenüber sitzend, fesseln, sodass sie sich nicht bewegen könnten?? Auch nicht schlecht, das würde der Vampir sich noch genauer überlegen.
„Schnauze, Dummflöt!“, knurrte er so erst mal nur und funkelte seinen Nager an, der völlig fertig über dem Teddy hing.

Aber so fiel Yujos Blick wieder auf die Brust von Hans Peter – und somit auch auf den großen, gerade fröhlich vor sich hin trocknenden Erdbeerfleck, den die fiesen, hinterhältigen Früchteficker einfach auf den wehrlosen, supersüßen Eisbären geschmiert hatten – Frevel! Dafür würden sie sterben müssen, aber das konnte warten. Einer war eh schon tot, der andere würde in den nächsten Tagen folgen – ganz bestimmt! Zumindest wenn es nach dem Kopf der Maus ging.
Erst mal musste Hans Peter gerettet werden – wie sah das denn aus, ein blütenweißer Bär mit einem roten, hässlichen Fleck. So fing er an wie ein wilder daran herum zu rubbeln, bis Kawa ihn irgendwann von den beiden Bären pflückte und die Maus in der Luft noch eine Weile mit Inbrunst weiter rubbelte. Ein echt seltsames Bild.

Mit mokiert verzogenen Zügen ließ Kawa seine Maus weitermachen, bis der Junge mitbekam, dass er nur noch die Luft bearbeitete und zu strampeln anfing.
„Maus, der Fleck wird nur größer je mehr du rubbelst.“, stahl sich dabei ein dreckiges Grinsen auf die Lippen des Vampirs. „Das solltest du eigentlich wissen, oder??“

Langsam – und sehr misstrauisch – wandte sich die Geburtstagsmaus zu seinem Schatz um, der in fester um die Hüften griff und seinen Worten wohl irgendwie Nachdruck verleihen wollte. „Ich habe eben Zauberhände, alles was ich rubbel wird groß. Nur dass dein Schwanz weiße Flecken macht und die schmecken auch nicht nach Erdbeeren und jetzt lass mich, ich muss Hans Peter saubermachen!“
Nur wie, das wusste er nicht – wie bekam man denn nur Erdbeerflecken aus Eisbärfellen? Vielleicht auf die gleiche Weise wie Heidelbeerflecken aus Braunbärfellen? Sicher! Also, wie bekam man Heidelbeerflecken aus … nein quatsch! Yujo war total verwirrt und schniefte leise und theatralisch.

„Zaubermaus, wie wär’s, wenn du dich auf der Couch zusammenkullerst, noch mit uns Wein trinkst und futterst und wir Gabe dazu verdonnern den Fleck wegzumachen, hmm?“, grinste Kawa hinterhältig und zwinkerte seinem Nager zu, der noch immer herzerweichend schniefte und einfach nur niedlich aussah.

Zaubermaus? Yujo horchte auf. Das klang schön, so konnte ihn sein Schatz ruhig öfter nennen. Aber Hans Peter in die Obhut eines Früchtefickers zu geben? War das denn schlau? Maus sei wachsam!
„Der bringt es fertig und färbt den armen Hans Peter rot, nur damit man den roten Fleck nicht mehr sieht“, erklärte Yujo lautstark seine Befürchtungen, dass es auch die beiden Knutschenden, die sinnlos im Weg herum lagen und Obst verspeisten, mitbekommen mussten.
Gabriel wollte wohl gerade etwas auf diese bodenlos freche Unterstellung des Nagers erwidern, aber Santos drückte ihn einfach wieder auf das Parkett.
„Lass das blöde Vieh reden – wir hauen den Bären dann einfach weg“, murmelte er und küsste Gabriel wieder, während besagtes, blödes Vieh – aka Zaubermaus – einen Kreischanfall Marke Super Premium Gold Plus bekam.

„Maus, ganz ruhig, das wird er kaum machen wenn Santos nicht will, dass ich ihn und Gabe in ihrem eigenen Keller ankette, am besten jeden an ner anderen Mauer und sie sich nicht berühren können.“, fing sich Kawa die fuchtelnden Hände seiner Maus ein und biss ihn leicht in den Nacken. „Wäre doch mal interessant wie lange sie das durchhalten, hmm??“

„Mir egal!“, wetterte der kleine, verheulte Nager auch gleich los. Wo war er denn hier, auf einem Mausgeburtstag, wo jeder lieb zur Maus sein sollte oder auf einer Mausquälparty, wo jeder arme, kleine Nager seelisch misshandeln durfte!
Er wollte sich losmachen und wieder zu Hans Peter krauchen, denn der rote Fleck auf der Brust des Eisbären, wohlgemerkt des neuen Mauseisbären – eine ganz besonders sensible Rasse - klagte an und die Übeltäter scherten sich nicht mal darum.
Nur Cole amüsierte sich königlich.

Doch Kawa hielt seinen Nager fest, knabberte nur weiter über den empfindlichen Nacken und schleppte seinen Schatz mit zur Couch, wo er sich Yujo auf den Schoß setzte und ihm ein Glas Wein vor das Näschen hielt und darauf wartete, dass seine Maus kostete.
Er selber knabberte abwechselt an den, von den anderen verschmähten, sauren Spießen mit Käse und allerlei anderen leckeren Dingen und seinem Nager.

Tja, nun hockte die Maus da. Leckeren Wein in den Patschepfötchen und Futter vor der Nase, etwas, was die Maus früher immer zum Bleiben überreden konnte. Gepaart mit Liebkosungen seitens Kawa war das eigentlich DIE Waffe, die Maus mal ruhig zu stellen. Aber damals hatte er noch keine Verantwortung für Eisbären! Heute schon! Das war ein sehr verantwortungsbewusster Job, und wenn die Eisbärenpolizei kam und sah wie Hans Peter aussah? Nicht auszudenken - dann landete die arme Maus wohl wieder hinter Gittern. Was für ein tragisches Mausschicksal!
Yujo schniefte nur leise und trank aus dem Glas, während auch John und Cole sich an den Platten bedienten und sich die anderen Beiden im Raum nicht stören ließen.
Hatte Gabriel nicht eben noch eine Hose angehabt?

Nun anscheinend nicht mehr, denn die war von Santos als Geisel genommen und hinter dessen Rücken befördert worden. Dass ihnen die komplette Belegschaft an Freunden oder auch netten Plagen dabei zuguckte, daran dachten die beiden Großen wohl nicht, so wie sie sich gegenseitig mit den Früchten fütterten.

Und wenn’s nur beim Füttern geblieben wäre! Aber nein! Santos fing an die reiferen der frischen Erdbeeren – natürlich rein zufällig – auf Gabriels Oberschenkel fallen zu lassen, wo er sie – weil er ja Kawas Parkett nicht einsauen wollte – freilich wieder weglecken musste. Warum der so dicht an Gabriels Schritt gekleckert hatte war schlussendlich dann klar, als der Große anfing zu stöhnen und so all die Mausaufmerksamkeit auf sich wusste.
Mit einem überschwänglichen Grinsen sprang die Maus auf, Kawa hatte wohl nicht damit gerechnet, denn der Kleine entkam ohne Hindernisse und suchte Kawas gute Spiegelreflexkamera, bis der Maus aufging, dass er damit nichts anfangen konnte. Also wühlte er weiter, bis er die DigiCam fand und schon war wieder die Reportermaus geweckt und der arme, vollgekleckerte Hans Peter vergessen!
Denn noch hatte er seine damals geplante Foto-Love-Story nicht fertig. So wuselte er auf die beiden Liebenden zu, aktivierte den Blitz und eine Sekunde später war Gabriel blind, weil Yujo mit einer Gesichtstotale anfangen wollte.

Orientierungslos schüttelte Gabriel seinen Kopf und setzte sich abrupt hoch, was ihn mit der Kamera samt und sonders Maus, die da dran hing, zusammenstoßen ließ und ein heiseres Zischen hervorrief.
„Shit.“, fluchte er dunkel und zu den grellen Punkten, die seine Netzhaut schmerzhaft bestürmten, kam auch noch der scharfe Schmerz vom Zusammenstoß hinzu.

Aber Yujo dachte ja gar nicht daran sich zurückzuziehen. Ihn umgab die unschlagbare Aura einer Burzeltagsmaus – er war so gut wie unkaputtbar, wie eine Cola-Flasche. Anstatt also zu flüchten machte die Maus einfach die Kamera wieder einsatzbereit, reinigte die Linse von dem Zusammenprall mit Gabriel und schon ging es wieder los, er knipste wie ein Verrückter, alles was ihm vor die Linse kam.
Gabriel wie er jammerte und sich trösten ließ, Santos wie er die Maus anknurrte, Gabriel wie er mit der Hand drohte, Santos wie er die Maus anbrüllte, Gabriel wie er mit Spießen warf, Santos wie er … als der Vampir nach Schuhen griff und zu werfen begann, war es auch der Maus zu viel. Er flüchtete quietschend und plärrend zu Kawa, wo er sich zu beschweren wusste, dass die blöden Hammel ihn nicht bei seinem Foto-Roman unterstützen wollten und ob das die artgerechte Haltung einer Geburtstagsmaus wäre.

„Schatz, das Ding hat ’nen Zoom, also warum kriechst du ihnen beim Spielen fast in den Rachen, ist doch klar das die sich wehren.“, lachte der Vampir und flauschte seinen Nager zum Trost, setzte federleichte Küsschen auf Yujos Schultern.
Da der lästige Nager aus Gabriels unmittelbarer Sicht entschwunden war und ihn Santos so überredend von seinem Schmerz abzulenken suchte, schnappte sich der Große wieder ein Spießchen und fing an daran zu knabbern, während sein Vampir ihm weiter leicht über die Schläfen und den Nacken strich.
Dass die gemeinen Blitzchen vor den Augen und des Stechen in der Stirn schon wieder weg waren, musste Santos ja nicht wissen, solange er nur schön weiter machte.

„Zoom ist voll öde“, maulte die Maus ziemlich zeitverzögert, denn ein Käsespießchen hatte all seine Aufmerksamkeit gefordert, wie das mit Mäusen eben immer so ist. Also griff er sich das Ding und kaute und nagte und musterte die beiden Schamlosen, die da einfach so anfingen ein Live-Programm durchzuziehen. Zu einer anderen Zeit, an einem anderen Tag, hätte Yujo wohl einfach zugeguckt und ab und an Popcorn geworfen, aber heute passte ihm das gar nicht. Denn die Zwei da hatten Hans Peter eingesaut und außerdem boykottierten sie seine Karriere als Blitz-Reporter-Maus. Hatten die sich Obstspießchen verdient?
Die Antwort darauf war klar, als die Maus wieder hochschoß und zum Angriff überging. Zur Ablenkung bekam Santos den leeren Käsespieß in die linke Arschbacke gesteckt, dass der kleine Spieß wippend stecken blieb und Santos für den ersten Moment gar nicht wusste was los war und als zweites griff Yujo die Obstplatte und rannte mit seiner Beute davon.
Egal wo hin – Hauptsache weg und in Sicherheit.
„Du Mistvieh!“, fluchte der Vampir los und versuchte den blöden Spieß zu erreichen – der in seinem Hintern steckte. Zum Glück hatte er Kawas Kimono nicht erwischt, sondern nur die schwarze Shorts des Vampirs.

Denn das hätte rote Ohren von dem Vampir gegeben, denn nur wenig war Kawa wichtiger als seine Kimonos, die meist sicher in einer Teakholztruhe ruhten, die Frage an sich war schon, warum er heute damit so freizügig war.
Na gut, die Maus ließ sich später besser auspacken aus der japanischen Gewandung, die viel mit einer kunstvollen Verpackung gemein hatte, aber dass er Santos erlaubt hatte einen seiner Schätze zu tragen?
Das würde wohl keiner so schnell erfahren.

Und schon gar nicht in den nächsten Sekunden, denn so schnell wie der Spieß drinnen war, war er wieder raus und Santos auf den Beinen. Vergessen war der leckere, halb nackte Gabriel am Boden und schon hatte Maus ein arges Problem. Hakenschlagend wuselte er quer durchs Loft, flitzte hier, rannte dort. Immer schön mittendurch.
Man hörte von Cole nur noch „drei … zwei … eins“ Und als die Maus sich umwandte und fragen wollte was das sollte, griff sich Santos das Mistvieh und ab ging’s in den schon bekannten Schrank. Vorher noch die Spießchen entrissen und dann den Schlüssel der Besenschranktür umgedreht, ging er, sich den Hintern reibend, wieder zu Gabe, während Yujo kreischte wie verrückt und gegen die Tür hämmerte, dass man Angst hatte, der Schrank kippt nach vorn.

Kawa schüttelte nur stumm den Kopf und erhob sich, um düster funkelnd zu Santos zu treten, streckte seinem Meister die Hand hin und blickte hart in dessen Augen. „Schlüssel her.“, knurrte der Vampir dunkel und überlegte schon, wie er seine Maus wieder ruhig bekommen würde, denn der Kleine tobte schon und war wohl über 180.

Doch Santos dachte gar nicht daran das kleine, lästige Geburtstagsmistvieh wieder in die Freiheit zu entlassen! Der war gut wo er war, dort konnte er weder Gabriel noch ihm selber gefährlich werden. „Vergiss es. Noch einen Spieß im Hintern kann ich nicht gebrauchen.“ So schloss er den Schlüssel fest in seine Hand und grinste, als Yujo schon wieder wortgewaltig fluchte. Von wem er das wohl hatte?
„Du nach Davidoff stinkende Fledermaus! Lass mich hier raus, ich warne dich – die Rache der Maus wird dich ereilen! Vierhundert Jahre lang!“
„Das steh ich durch Kleiner, wenn mir in dieser Zeit keine Nervmaus auf die Eier geht“, flötete er unter dem biestigen Blicks Kawas zurück.
„Ich … lass mich raus, ich tret dir in die Eier! Die sind eh so klein … du … du …“

Kawas Augen funkelten immer dunkler und ein feines Lächeln legte sich auf dessen Lippen. „Entweder Schlüssel her oder ich sorge dafür, dass du die nächste Woche gar nichts in den Hintern gesteckt bekommen kannst.“, wurde das Grinsen Kawas dabei noch eine Spur gemeiner und auch dreckig und er guckte andeutungsvoll zu Gabriel, der noch immer am Boden lag und die Beiden musterte.

„Lass Gabriel da raus. Es reicht, dass deine blöde Maus uns ärgert, weil er nicht ausgelastet ist. Anstatt uns auch noch auf den Sack zu gehen, könntest du ihn mal wieder dauerficken, damit das Mistvieh …“
Yujo wurde immer lauter und hämmerte wie ein verrückter, dass der Schrank schon bedrohlich wackelte. Er wäre doch kein Mistvieh und sowieso und überhaupt …. Er wollte raus. Doch Santos ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „… damit das Mistvieh endlich mal ausgepowert ist und uns in Ruhe lässt!“ Der Schlüssel blieb in Santos’ Hand und der Schrank kippte gefährlich.

Kawa knurrte und huschte an Santos vorbei. Wäre sein Schatz nicht immer aufgeregter geworden mit jeder Minute die verstrich, hätte er sich auf ein Gerangel mit seinem Meister nur zu gerne eingelassen, doch Yujos schneller Herzschlag machte ihn unruhig und so griff er sich nur die Schranktür und grub seine Nägel in den Spalt zwischen Türrahmen und Tür.
So verschaffte er sich guten Halt und riss mit einer fließenden Bewegung den Kasten auf, laut knallend gab das Holz rund um das Schloss nach.

Santos und die drei Menschen glaubten ihren Augen kaum. Da riss der verrückte Kerl doch wirklich die Tür aus den Angeln, nur um die Nervmaus wieder auf die Menschheit loszulassen. Zum Glück hatte diese kleine Landplage nur einmal im Jahr Mausgeburtstag! So dass die Wahrscheinlichkeit doch arg gering war, dass das die nächsten Wochen noch einmal passieren würde.
Yujo indes kam keuchend aus dem engen Schrank und schimpfte wie ein Rohrspatz. Er atmete tief durch und verschluckte sich fast an der Flut von Worten, die von „Arschloch“ und „Stinkvampir“ über „Früchteficker“ bis hin zu „Flachzange“ alles abdeckte, während er sich aufplusterte und auf Santos los wollte. Doch das wusste Kawa gerade noch zu verhindern. Während Santos nur den Schrankschlüssel auf den Boden fallen ließ und zu Gabriel wanderte, sich zwischen dessen Beine sinken ließ und der Tobmaus entgegen blickte.

Der wurde noch von Kawa festgehalten, denn der wollte nicht, dass sein Schatz noch mal von Santos wo eingesperrt werden würde. Das tat seiner Maus gar nicht gut, dessen Puls raste und der am kochen war.

Yujo zappelte und schnaufte. Na dieser weißhaarige Vampir hatte ja Nerven! Erst die kleine, süße, niedliche Maus einsperren und sich dann noch – als wäre nichts gewesen – wieder flauschenderweise an seinen Freund klammern. „Gabriel, du Verräter! Der Arsch da hat mich in einem Schrank gesperrt – in einen Schra-hank! Und du belohnst ihn auch noch mit Flauscheinheiten!“ Yujo tobte wie verrückt, dass es Kawa kaum möglich war den Kleinen zu bändigen. Da war wohl einer trotz der fortgeschrittenen Stunde noch verdammt agil. Das konnte ja noch was werden! Und nicht zu vergessen der dreckige Eisbär!

Gabriel löste sich mühsam von Santos’ Lippen und guckte zu seinem Freund. „Yujo sei nicht böse, aber er ist größer, stärker und hat verdammt überzeugende Maßnahmen.“, stöhnte Gabriel dabei leise auf, als sich Santos rächenderweise an ihm rieb und Fänge an seiner Bauchdecke nippten.

„Wie bitte?“, quietschte die kleine Maus – völlig entsetzt. „Dieser blöde Kerl ist wichtiger als ich, die Geburtstagsmaus. Das ist ja wohl mal frech! Einfach Mausis quälen und dann auch noch belohnt werden! Das sind Zustände“, schimpfte er und strampelte nur noch mit halber Kraft. Das war doch so … schnief … so …ihm fielen nicht mal Worte ein, die er denken konnte. Grausame Welt.
So ließ er sich wieder zu den Käsespießen führen, nur dass Kawa ihn dieses Mal fütterte und die Maus keine Waffen mehr in die Hand bekam.

Wohlweislich zog der Vampir die einzelnen Stückchen von den Spießen, reichte sie seiner Maus einmal mit den Fingern, dann wieder mit den Lippen und plünderte mit selbigen ab und an die Beute gleich wieder zurück.
Was natürlich ein Wimmern zur Folge hatte, dass Kawa gleich das nächste Futterstückchen aufnahm und wieder von vorne begann.
Gabriel - der nicht mehr antworten konnte, weil ihn Santos irgendwie leicht hinderte - und der weiße Vampir selber, wurden mit Missachtung gestraft.

Tiefster Mausmissachtung. Es gab nur wenige Straften die härter waren als diese. Aber Käsestückchen waren für eine Maus eben wirklich verlockend.
Cole und John hatten schon vor geraumer Zeit mental abgeschalten. John hockte auf der Couch in der Ecke und sah sich doch einen Film an, auch wenn er noch nicht begriffen hatte um was es ging. Und Cole lag zu seinen Füßen zusammengerollt und fing tatsächlich an zu schnarchen. Ein gefundenes Fressen für eine Maus im Stänkermodus!

Kawa ließ seinen Kleinen entfleuchen, half es so und so nichts, Yujo zu halten, wenn der partout seinen Freund ärgern wollte und so griff sich der Vampir nur sein Weinglas und fing an einige der Traubenspieße mit dem Butterkäsen zu futtern.

Yujo indes hatte sich neben Cole gekniet und fing erst mal an dem Schlafenden die Nase zuzuhalten. So schnarchte der nur noch lauter und röchelte vor sich hin. Das störte Yujo dann auch wieder und so ließ er von der Nase seines Opfers wieder ab. Sein nächstes Ziel war Coles Ohr, was nicht verdeckt war, denn dessen Kopf lag auf der Seite. Yujo zog daran und war versucht etwas hinein zu schütten, aber das war dann doch fies und so ließ er es bleiben.
Als ihm allerdings bewusst wurde, dass Cole wohl fürchterlich frieren musste so ohne Decke – abgesehen von 20 Grad Außentemperatur und einer Fußbodenheizung – so wurde aus Yujo eine heilige Samaritermaus und er ging los, zurück ins Schlafzimmer. Dort angekommen durchforstete er in Wühlmausmanier Kawas Schrank nach dem letzten Paar Wollsocken und kam damit zurück, ohne das Chaos im Schlafzimmer zu erwähnen.
Er plumpste neben Cole und fing an, dem die Socken über die Hände zu streifen.

Kawas Augen blitzten wohl unisono mit Johns auf, der sich ein lautes Auflachen noch knapp verkneifen konnte und grinsend mit ansah, wie der kleine Nager seinem Schatz giftig bunte Kringelsocken anzog, die auch noch Zehen dran hatten.
Zum Schießen, aber echt!!!
Was sein Babe wohl dazu sagen würde, wenn der mal wieder aus seinem Schlummer auftauchte?

Darum machte sich Yujo noch keine Sorgen. Mehr Sorgen machte ihm, dass der Cole-Eisbär, denn als das sah er seinen Freund wohl gerade an, so wie er verhätschelt wurde, hatte noch keine warmen Flauschsachen an den eisigkalten Füßen. Was für ein Drama!
So wuselte der Kleine, nachdem er Cole noch mal gefauscht hatte, wieder los und fand … eine Hose, die wohl gerade keinem gehörte. Zwar lag sie dicht neben Gabriel, aber das musste ja noch nichts heißen!
Er zerrte sie einfach mit sich und fing an, Coles Füße damit einzuwickeln. Würde er sich irgendwann erheben wollen, dürfte er, ob der zusammengebundenen Beine, gleich wieder auf der Nase landen.

Und von seinem Schatz mal ein großes Beruhigungflauschen und Knuddeln abfangen und genau der Gedanke ließ John abwarten, was dem Nager wohl noch so alles einfiel, wenn der schon mal am Verpacken und Einwickeln von seinem Babe war.
Kawa flentzte sich tiefer in die Couch und beobachtete ohne Kommentar die beiden Shows, die sich ihm boten, zu einer Seite Santos, der Gabe am Boden schon fast vernaschte und auf der anderen eine Samaritermaus.

Die Show, die sein Meister und sein Sternchen abzogen, die kannte er eigentlich schon. Da kam auch nicht mehr wirklich viel Neues, weswegen er beschloss, dass er es verschmerzen konnte dort mal ein paar Minuten zu verpassen, denn die Samaritermaus lief zur Hochform auf. Eine Decke wurde gesucht. Weil er aber wusste, dass Kawa ihn jedes Mal anmaulte wenn er das Bettzeug durch die Gegend zerrte und im Wohnzimmer Mausebuden baute, musste er das irgendwie tarnen. Schließlich war Cole kalt und der musste gewärmt werden.
Am besten er … Maus wuselte los, klingelte, weil er wieder seine neuen Latschen anhatte, und kam schwer bepackt zurück. Also zumindest war die Vermutung naheliegend, dass der Berg Decke und Eisbär mit Socken, der da angeklingelt kam, irgendwo auch eine Maus beherbergte. Keuchend und schniefend ließ der Berg alles auf Cole fallen und spuckte so die klingelnde Samaritermaus wieder aus.
„So“, murmelte er und drapierte Erwin, dessen Decke er ja gegriffen hatte und der dann – oh welch schrecklicher Gedanke – ohne Decke dagelegen hätte und bitterlich erfroren wäre, neben Cole und deckte beide bis zum Eisbärenschnäuzchenansatz zu, was bedeutete, dass Cole gleich keine Luft mehr bekommen dürfte.

Und genau darauf wartete Kawa, trank seinen Wein aus und klaute sich noch ein Spießchen vom Tablett, während er die Sekunden zu zählen anfing, die das Flöt nun schon unter dem Eisbärendeckenberg begraben lag.
Fast eine Minute, nicht mal schlecht für einen schlafenden Menschen. Allein dass der nicht wach wurde.
Bewundernswert.

Aber irgendwann fing der Berg verdächtig an zu zucken, keuchen – eine Hand kam hervor, die sicher nicht zu Erwin gehören konnte, weil dann hätte es ja eine rot geringelte Socke sein müssen, die es eindeutig nicht war. Wie aus einem Alptraum schreckte Cole hoch, warf Decke und Bär von sich, dass Yujo große, wässrige Augen machte, bei der Behandlung seines kleinen Lieblings und Cole sich erst mal orientierte. Sein erster Blick ging auf die Socken an seinen Händen.

John biss sich auf die Unterlippe als die Augen seines Babes immer größer und Ungläubiger wurde. Als dann auch noch Kawa emotionslos anmerkte, dass das doch mal jemand fotografieren sollte war’s um den Großen geschehen und er kippte lachend um.
Na das würde wohl für die nächsten Nächte Sexentzug geben so wie Cole auf den lachenden Blonden guckte.

Plötzlich ging eine Verwandlung durch die bitterlich kreischende Maus, der ja nun Erwin erst mal wieder retten musste. Eisbären retten war eben doch ein Fulltimejob. Fast war es, als würde ein helles Leuchten das Zimmer erstrahlen, als aus der Eisbärenpflegemaus eine Blitz-Reporter-Maus wurde und er mit seiner DigiCam auf einmal wieder wie ein wildgewordener Paparazzi um den Ort des Geschehens war. Cole. Cole. Immer wieder nur Cole, der dafür herhalten musste. Und dabei kam er sich so albern vor! Socken auf den Händen!
Wütend fetzte er die Dinger runter und erhob sich, um der blöden Maus zu folgen, der schon wieder lieber die Flucht antrat. War gesünder für kleine Nager! Aber da war ja noch eine gewisse Hose um gewisse Füße gewickelt und es kam wie es kommen musste.

Cola stand, guckte und fiel wie ein frisch gefällter Baum um. Zu seinem Glück und wahrscheinlich noch viel größerem Glück des Nagers war John durch das Lachen nicht genug abgelenkt um sein Babe auf dem Boden aufschlagen zu lassen.
Den das hätte erstens groooooooße Schmerzen, ein grantiges Flöt und sehr viele Morddrohungen für einen davonlaufenden Nager gegeben.

So gab man sich damit zufrieden, nur Morddrohungen zu werfen. Cole erholte sich von seinem Schock und ließ sich von seinem Freund aus den Klamotten befeien. Gabriel schien seine Hose noch nicht mal zu vermissen, wie Cole etwas später feststellte. Aber dass John immer noch lachte, und zwar über sein Babe!, das brachte dem Bodyguard gerade einen Schlafplatz auf der Couch ein – ohne Flöt, maximal noch mit der blöden Reportermaus, der immer noch lachend durch die Gegend flitzte und sich über seine Bilder freute.
Aber bald wurde es wieder langweilig! Er brauchte neue Opfer. Oder nein – erst mal Erwin wieder in Sicherheit bringen, nicht dass Cole den Ärmsten wieder als Geisel nahm. Der Bär bekam doch ein Trauma nach dem anderen – das von den bunten Socken an seinen Pfoten nicht eingerechnet.
Was aber bedeutete: dicht an Cole ran! Mist!

Der wurde zwar noch von John gehalten und geflauscht, doch so wirklich vertrauenswürdig schien der Griff nicht, der das Flöt an Ort und Stelle hielt. Sicher würde der Große das wilde Flöt auf die arme kleine Maus loslassen sobald sich die in Reichweite trauen würde.

Und da stand der arme, kleine, bedauernswerte Nager schon eine Weile, trat von einem Klingelfüßchen auf das andere und ließ seinen geliebten Erwin nicht aus den Augen. Wie er da so lag! Die Pfoten von sich gestreckt auf dem Rücken! Sicher hatte sich der Teddy was gebrochen! In Yujo stieg die Panik hoch. Sicherheitshalber legte er die Kamera ab und kam einen Schritt näher … und dann noch einen … immer schön das Terrain absuchend.

Sicher und Mienenfrei konnte er es nicht machen und so half nur eines. ... Augen zu und durch.
Kawa grinste sich eins als er sah, dass John seine Arme sinken ließ und Cole die arme Maus mit dem Blick fixierte, ganz so als ob er überlegen würde wie Maus wohl am Spieß oder gebacken schmeckte.

Aber erst musste man besagte Maus einmal haben, bevor man das Mauskochbuch aufschlagen und sich etwas Leckeres raussuchen konnte. Der Kleine war so vertieft, dass er gar nicht merkte, wie Cole es bewusst zuließ, dass der Junge bis zum Eisbär kam. Als er sich sicher fühlte und mit einem triumphalen Grinsen nach Erwin griff, wurde er zu Boden gerissen, platzte auf den Bären und quietschte entsetzt auf.
„So, du Mistvieh, und jetzt reden wir über die Löschung von Bildern und die Kastration von Mäusen!“
Yujo quietschte nicht, Yujo kreischte.

Und das war etwas schmerzhafter für die empfindlichen Ohren der Vampire. Kawa zuckte zusammen und schüttete sich den Wein über den Oberkörper als er hochfuhr und schon halb dabei war seinen Maus zu retten, nur dass der Junge nicht wirklich zu retten war, sondern nur das Flöt die vorausgesehene Rache verübte.
Tja und da war noch Santos, der erschreckte sich über die Sirenenmaus und biss Gabriel herzhaft in die Seite, dass der nur aufjaulte und seinem Schatz eine auf den Hinterkopf gab.

„Hey“, grummelte der Weißhaarige und strich sich seine von der Maus schon durchlöcherte Kehrseite. „Kann doch auch nichts für wenn deine Freunde solche Töne anschlagen, dass mir die Hirnwindungen summen“, erklärte er und richtete sich auf seine Arme hoch. Denn wenn ihm schon Hintern und Kopf wehtaten, dann wollte er auch wissen warum. Aha – Maus wurde gerade an einen Eisbär gefesselt. Schlaues Flöt,. Den an dem würde der Nager nicht so ziehen und zerren, weil das Ding ja kaputt gehen könnte und der Bär ja dann stirbt.
Santos schüttelte sich – oh je! Nun dachte er schon in den wirren Bahnen der Mauslogik – er musste sich wirklich langsam dagegen impfen lassen! Das war ja wirklich ansteckend.
Wie also schon gesagt: Yujo lag rücklings auf Erwin, dessen Pfoten samt Socken sich nun um die Maus wickelten, während Cole sadistisch grinsend ein Messer in der Hand hatte – eher doch ein Messerchen um die Plastikkappen von den Weinflaschen zu machen – aber wie sagte Cole so schön: „Für eine Mauskastration wird es reichen, da ist ja nicht viel dran.“
Wieder herrschte Panik – Mausgekreische. Aber Santos war schlau gewesen, hatte sich die Ohren zugehalten. Etwas was ihm wieder Angst machte, er wusste im Voraus, wie die Maus reagieren würde. Wurde Zeit, dass er zum Arzt ging.
Und wie die Maus reagierte! Er strampelte und winselte, versuchte die Pfötchen übers Schwänzchen zu halten. Aber keiner rettete die arme, kleine Maus vor seinem Schicksal. Cole hatte schon den Kimono hochgeschoben und den Mauseschlüpfer freigelegt, einen netten, grünen Tanga.
„Na da hätte auch ein Taschenmesser gereicht“, murmelte er enttäuscht und Yujo? Wimmerte und winselte und zappelte …

„Flöt“, schaltete sich dann Kawa doch ein, dem von dem Gekreische seines Nagers noch immer die Ohren klingelten, „dir ist schon klar, dass, wenn du meinen Nager hier kastrierst, ich wohl das gleiche mit deinem Schatz werd machen müssen?“
Na jetzt guckte nicht nur Cole blöd, sondern noch viel verdepperter guckte John aus der Wäsche und musterte gleich mal den dunkelhaarigen Vampir skeptisch.

„Hey, ich war der einzig normale hier!“, protestierte der Bodyguard. Na so lief das ja nicht. Nur Yujo frohlockte ein wenig, aber noch nicht genug. Cole hing zwar ziemlich an John s Geschlecht, seinem Lieblingskörperteil, aber Cole war auch ein sadistischer Mäusequäler, und für einmal Mausquälen tat der fast alles!
Yujo zitterte noch immer, aber da bekam er von unverhoffter Seite Hilfe, als John seinem Schatz erst mal das Messer aus der Hand nahm.
„Johnny! Was soll das denn jetzt. Er hast mich gedemütigt, meine Rache ist noch nicht beendet“, protestierte das Flöt, griff sich in Ermangelung des Messers nun den Korkenzieher. „Dann bohr ich ihm eben noch ein zweites Loch ins Schwänzchen“, legte er fest und beugte sich wieder zur Maus – der noch lauter Kreischte als vorher.
Armer Erwin, der das Gezappel ertragen musste.

Doch auch das Werkzeug zum Mäusequälen wurde ihm kurzerhand abgenommen und die starken Arme des Bodyguards schlossen sich um Cole, ließen dem keine Zeit um sich ein neues Folterwerkzeug zu suchen. „Babe, ich hab keine Lust von dem hier...“, deutete er dabei zu Kawa, „…kastriert zu werden. Denk mal dran, wie rollig du bist, wenn ich ein paar Tage nicht da bin und dann überleg was passiert, wenn ich nie wieder...“
Grinsend sah John wie Coles Mund ein kleines ohhh bildete, dachte der junge Mann wohl grad an das letzte Wochenende, wo sein Schatz einen Arbeitseinsatz gehabt hatte und nicht hatte heimkommen können.

„Ist doch zum kotzen, jedes Mal wenn man sich mal an der missratenen Maus rächen will, da kommt dieser Erpresservampir und …“ Cole knurrte, zog aber die Pfoten des Eisbären noch etwas dichter um die strampelnde Maus. Er musste sich also was Besseres einfallen lassen! Etwas, was auch die Maus nachhaltig beeinträchtigen dürfte! Okay, Mauseschwanz abschneiden war verboten, aber wie wäre es mit … „Dann will ich ihn wenigstens zu Tode kitzeln dürfen! Bitte, bitte, bitte.“ Cole machte ganz runde Augen und blinzelte wie ein kleines Hundebaby. „Komm schon, Schatz, du weißt doch, wie es mich anmacht, wenn ich die Maus quälen kann und du kommst dann ja auch auf deine Kosten. Überleg’s dir.“
Nur Yujo schien damit gar nicht einverstanden – kitzeln war so ziemlich das schlimmste – gleich nach Essen wegnehmen und abstinent leben lassen – was man einer kleinen, niedlichen Maus antun konnte.
„Nein, Kawa – tut doch was, verdammt noch mal! Gabe – komm mich retten – bi-hi-hitte-he!“ Gott, wie erbärmlich eine verzweifelte Maus doch klingen konnte …

So verzweifelt, dass sich sogar ein sehr gut abgelenkter Gabriel dazu aufraffte, zu dem Nager zu gucken und erst mal lachend wieder zurück auf den Boden sank.
Das Bild hatte echt was, wie YuYu so an den Bären gefesselt da hing, das wäre direkt ne Einladung für Kawa, wenn die Maus nicht so viel anhaben würde und nicht so viel kreischen würde. Doch da die das tat…???
Gabriel kämpfte sich nochmals unter Santos hoch und versuchte, noch immer grinsend, seinen Schatz abzuschütteln, um der Maus zu helfen, doch irgendwie hatte Santos wohl was dagegen.

„Bleib ja liegen, Süßer. Die Maus wird schon nicht sterben, da passt Kawa auf. Ich hab von der Landplage die Nase voll.“, knurrte er und biss sich verspielt in Gabriels Hals fest. Soweit kam es noch. Er war gerade so schön heiß gelaufen und wollte sich irgendwo ankuscheln, da war es das letzte was er wollte, dass Gabriel der blöden Maus, der sich mit seinem aufdringlichen Verhalten überall unbeliebt machte, auch noch zu Hilfe eilte, nur weil sich mal wieder ein Opfer zur Wehr setzte. Lernte die kleine Mistmaus das denn nie? Er sollte ruhig mal merken wie das war, wenn man den Mist, den man sich einbrockte, auch ausbaden musste!
So schob er Gabriel wieder auf den Rücken und hockte sich auf seinen Bauch, stopfte ihm Spießchen mit Mango in den Mund und sah zu, wie die Maus nicht gerettet wurde und Cole gerade die Finger zückte.

Immer weiter lenkte er Gabriel mit Früchtchen und dann mit einer frechen Zunge ab, die die Früchte wieder entführte und ließ sich willig von Gabriel näher ziehen.
Denn der sah ja gar nicht ein, dass er die eben noch bekommenen Leckerlies wieder hergeben sollte, fochten sie um das Stückchen Mango, das zwischen ihren Mündern herumtanzte und nebenbei immer kleiner wurde, heiße Kämpfe aus.

Vergessen war die leidende Maus im Todeskampf. Und da sich weder die Vampire noch Gabriel und John einmischen wollten, so zückte Cole endgültig seine Finger und fing an die mit Eisbären gefesselte Maus zu kitzeln. Als erstes unter den Armen, dann die Seiten, dann die beglöckelten Füße. Der Kleine kreischte, quietschte und zappelte wie verrückt, doch keiner machte Anstallten den armen Kleinen zu retten! Keiner. Oder doch? Zuckte Kawa nicht gerade? Oder lachte der fiese Kerl nur?
Yujo hätte sich gern beschwert, wenn er nur genug Luft gehabt hätte.

Morgens halb zwei in London …