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Rummel-Maus Teil 1 - 3


01

„Santos?“, Gabriel mummelte zufrieden an der letzten Pizzaecke und sah dabei zu seinem Schatz, der, wie könnte es anders sein, in einem der Lesesessel ihrer Bibliothek saß und einen der dicken Schmöker wälzte. Draußen trommelte kalter und unnachgiebiger Regen auf alles was sich ins Freie traute und so hatten sie im Kamin ein Feuer gemacht und sich hier her verkrümelt.
Eigentlich sollte der Frühling ja schon begonnen haben, aber irgendwie ließ sich diese Jahreszeit diesmal ordentlich bitten und mal von den wenigen schönen Tagen, wo sie meist draußen unterwegs gewesen waren, abgesehen, war das Wetter so trist wie schon lange nicht mehr auf dieser Insel.
„Glaubst du, dass YuYu wirklich auf den Rummel gehen will morgen?“, drehte sich der Große dabei auf den Rücken und grinste den Vampir an. „Obwohl, es soll ja angeblich auch eine Gruselattraktion mit Vampiren und Werwölfen und so n Zeug geben. Die würde ich auch gern sehen“, kicherte Gabriel, als er den Gesichtsausdruck seines Geliebten sehen konnte.
Wenn Santos in eine Zitrone biss guckte er genauso.

„Ihr Menschen seid echt seltsame Geschöpfe. Auf der einen Seite Angst haben und sich erschrecken und auf der anderen Seite das unbedingt sehen wollen. Muss ich nicht verstehen oder?“ Santos schlug sein zugefallenes Buch wieder auf und fing an, sinnleere Phrasen zu murmeln, was von Wassermäusen und fiesen Gabriels, der andere Vampire ihm vorziehen würde.
„Und außerdem, Herr Hamston“, wieder fiel das Buch zu und Santos knurrte, dann sah er seinem Schatz in die Augen, „reicht dir dieser Vampir hier nicht mehr, nein?“ Die Augen wurden schmal und es war als würden die Worte „Gabriel pennt heute alleine auf der Couch“ in ihnen blinken – konnte aber auch Einbildung sein.
Denn bei seiner Vampir-Ehre, da kannte er nichts. Yujo, die blöde Maus, lebte ja auch nur noch, weil der Kawa hatte, der Leondros altes, starkes Blut in sich trug und Santos die Maus wegen dem „uralten Flattermann“, was er letztens hatte gucken lassen, nicht gleich gevierteilt hatte.

Gabriel wurschtelte sich auf dem Boden herum, bis er auf allen Vieren war und zu seinem Vampir krabbelte, der noch immer zu ihm blickte und ihn anfunkelte. Seine Finger krallten sich in die Hosenbeine Santos’ und er legte den Kopf auf dessen Oberschenkel.
„Och, kann man von Vampiren wirklich mal genug haben?“, wollte er unschuldig wissen und verkniff sich nur mühsam das Kichern. „Außerdem hab ich noch nie einen Werwolf gesehen, Schatz“, blinzelten die blauen Augen und imitierten Yujos Bambiblick.

„Guck nicht wie die Maus, da will ich immer weglaufen.“ Santos knurrte immer noch. Er wollte da nicht hin! Warum hatte sein Herz zugesagt? War ihm Zoo und Yujos Geburtstag keine Lehre gewesen? Augenscheinlich nicht!
„Und ich habe noch nie einen Mondkrater aus der Nähe gesehen und lebe auch noch. Du wirst es also überleben, dieses Hirngespinst der Menschheit nicht zu Gesicht zu bekommen. Reicht, dass wir eine Wermaus in unseren Reihen haben. So ein lieber Kerl, wenn er will – aber irgendwann fällt ein Schalter um und der tickt aus. Ist doch dasselbe.“
Den Kommentar, dass man von Vampiren nicht genug bekommen konnte, musste Santos noch überdenken und überlegen, ob er das nun als Kompliment auffassen wollte oder nicht.

Gabriel lachte und biss seinem Vampir fest in den Oberschenkel und kratzte zeitgleich gefährlich nahe an Santos’ Schritt mit den Fingern über den Hosenstoff seines Geliebten. „Und ich dachte, wir haben eine Waldmaus in unseren Reihen und ansteckend isser auch noch nicht, auch wenn er eine Krankheit sein kann“, lachte der Große und sah neckend zu Santos.
„Außerdem ist auf dem Rummel auch eine Schlemmermeile, mit lauter leckeren Essensständen aus aller Welt“, versuchte er zu locken und strich leicht über die bloßen Unterarme des Vampirs.

„Waldmaus, Wildmaus, Fummelmaus, Heulmaus, Kreischmaus, geile Maus – egal. Alles Abarten ein und derselben Rasse!“
Doch Santos versuchte standhaft zu bleiben. Er wollte nicht auf den Rummel! Im Gegensatz zu seinem Freund hatte er aus dem Mausgeburtstag letzte Woche etwas gelernt – nämlich: willst ein glückliches Vampi du sein, lass dich nie mit der Waldmaus ein!
Einfache aber wirkungsvolle Regel! Keine Maus - keine Probleme, um es mal zusammen zu fassen. Wohingegen auch abgeleitet werden kann: eine Maus – viele Probleme!
„Ja, und da sind auch jede Menge Karussells und solcher Mist, wo das kleine Vieh wieder fahren wollen wird und das nicht alleine! Ich sage es dir gleich: falls – und ich betone, FALLS – mein lieber Gabriel – falls ich also mit komme, streicht mich als Mauslebensretter in schneller Fahrt.“
Lieber griff er sich Gabriels Hand, die da doch glatt ihr Ziel verfehlt hatte und legte sie wieder da hin. „Und wenn du willst, dass ich da wirklich mit hin komme, dann überzeug mich mal ein bisschen.“ Auffordernd setzte er sich bequemer, schob die Beine weiter auseinander und grinste seinen Schatz frech an.

„Ach ja??“ Neckend blinzelte der nur mit großen Augen zu Santos hoch, ließen es sich die frechen Finger aber nicht nehmen, einmal das hingelegt Bekommene zu befühlen und streicheln. „Dann werd ich das wohl mal tun, damit mein Vampi mitkommt und sich auch die anderen Vampire anguckt und die Maus nicht gleich ans Karussell fesselt, nur damit der Kleine nicht jammert, weil er nicht allein fahren will“, wurschtelte sich Gabriel so lange herum, bis er zwischen Santos’ Beinen zur Ruhe kann und bettete unverschämt sein Kinn in dessen Schoß.

„Anbinden ist ja eine sehr gute Idee, aber vergiss den Knebel nicht!“ Santos sah auf seinen Freund hinab, abwartend, ob vielleicht bald mal was passierte. Denn er war noch lange nicht überzeugt, dass er wirklich mit der durchgeknallten Horde auf einen Rummel sollte. Die Maus war in den eignen vier Wänden schon peinlich, wie peinlich konnte da erst eine auf ein Fest losgelassene Maus sein? Er wollte es gar nicht wissen!
Gabriel würde aber jede Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen, wenn er ihn DA hin schleifen wollte.
„Aber fühl dich nicht gestört, mach ruhig weiter“, lachte er, als er sein Becken etwas anhob und somit auch Gabriels Kopf.

Der fing an so lange mit dem Kinn über Santos’ Schritt zu ruckeln, bis der zu knurren begann. „Was hättest du denn gerne das ich machte?“, wollte er ganz unschuldig wissen und strich mit den Fingern über den Hosenbund seines Geliebten, verhielt kurz an der Gürtelschnalle und wanderte aber wieder weiter.
„Erzähl mir was du dir so vorstellst, Santos, vielleicht mach ich es ja“, wisperte Gabriel leise und rau, leckte sich verheißungsvoll über die Lippen.

Santos grinste. Na das war ein Spiel, das man auch zu zweit spielen konnte. Gabriel wollte, dass er auf ein Fest ging? Mit einer peinlichen Maus? Da sollte er auch ein bisschen herhalten. Santos lachte leise. „Was ich mir so vorstelle? Warte“, wisperte er leise. Ein Finger wob sich in das kurze, schwarze Haar und er zog Gabriel sanft ein kleines Stück weiter zu sich.
„Ich sehe dich vor mir stehen, nackt und unglaublich sinnlich. Du drehst mir den Rücken zu – das weiche Licht der Lampe fällt darauf. Die Haut schimmert noch leicht. Hast zu eben erst geduscht? Sicher – denn deine Haut ist so feucht … was hältst du da in deiner Hand? Es ist lang! Es ist dick … und so unglaublich steif … ja.“
Santos leckte sich über die Lippen und sah zu seinem Liebling hinab. „Du drehst dich langsam zu mir und kommst immer näher und … was ist in der kleinen Glasschüssel? So weiß und schwerflüssig. Ja, komm – bring es zu mir. Ich steh doch so auf Cremequark mit Bananenscheiben!“
Es fiel dem Vampir schwer bei dem verdutzten Gesicht seines Schatzes nicht laut aufzulachen.

Der grollte dunkel und blickte Santos schon fast finster an. „ Ach, du hättest lieber, dass ich jetzt aufstehe und Bananen kaufen gehe, weil die letzten schon seit gestern gefuttert worden sind, als dass ich das hier, ...“, ließ er seine Wange wieder über den Schritt des Vampirs wandern und schickte auch seine Finger streichelnd und leicht knetend hinzu.
Abrupt setzte er sich zurück auf die Hacken und legte den Kopf leicht schräg, lasziv leckte sich Gabriel über die Lippen.
„Also noch mal ganz langsam, mein Lieber, was willst du haben?“

„Bananenquark oder mir von dir einen blasen lassen?“ Santos machte ein überlegendes Gesicht. „Süßer, das ist keine leichte Entscheidung!“ Er blickte strafend auf seinen Freund, der ihn immer noch abwartend ansah. Und so wie die Lippen feucht schimmerten, war Gabriel noch viel verlockender. Mal davon abgesehen, dass er genau wusste, wie verdammt geschickt Gabriel mit seinen Lippen war. Aber so ein verlockender Bananenquark!
„Kann ich … also, kann ich auch beides haben? Einen leckeren Quark genießen, während du mich davon überzeugst, dass es gut wäre, wenn ich mit euch und der peinlichen Maus auf die Straße gehe?“ Er versuchte sich an Yujos patentierten Maus-bekommt-was-er-will-Blick.

„Ohh nein, mein Süßer, ohh nein“, wisperte Gabriel und schüttelte den Kopf, leckte sich erneut langsam über die Lippen und grinste seinen Geliebten an. „Außerdem wirkt der Blick nicht bei dir, Schatz, du bist weder klein noch niedlich, sondern groß und schön und das wirkt nicht, das kannste so lange versuchen wie du willst.“
Ein kleines Kichern wandte sich aus der Kehle Gabriels, als Santos übertrieben schmollend die Unterlippe vorschob.

„Menno!“ Er schmollte noch viel mehr! Warum wirkte so was bei der kleinen, nervigen Maus und nicht bei ihm? Er konnte sich noch nicht mal über das offensichtliche Kompliment freuen, denn Gabriel behandelte ihn sträflich!
„Aber das wäre das tollste, was ich mir vorstellen kann, wie deine Zunge über mein Lieblingskörperteil leckt, während ich einen Löffel voll eisgekühlten Bananenquark lecke … echt.“ Ein letztes Mal machte er noch den kann-es-sein-dass-jemand-vergessen-hat-die-Maus-zu-füttern-Blick, aber Gabriel schüttelte nur den Kopf. „Schatzi!“ Da musste doch was zu machen sein! Seinem Traum so nahe und kurz vor dem Ziel …

„Nein, mein Schatz“, blieb der hart, und das auf eine Weise, die Santos mal ausnahmsweise nicht gefiel, der ja sonst nichts dagegen hatte, wenn sein Gabriel hart war.
„Das einzige, was du lecken darfst, wenn ich deine Lieblingszone mit selbigen bedenke, ist an meinem Körper und nicht in einer Glasschale.“
Gabriel lehnte sich zurück und stützte sich auf seine Unterarme. „Außerdem will ich doch nicht, dass du dich an Quark verschluckst, wenn ich dich mit dem Mund verwöhne.“

„Ach so“, machte Santos, als würde er gerade eines der großen Menschheitsrätsel gelöst haben, „du machst dir nur Sorgen um meine Gesundheit! Aber da kann ich dich beruhigen, Schatzi – ich bin schon tot, ich werde nicht sterben, wenn ich mich verschlucke. Wenn ich verspreche, mich nicht zu verschlucken … außerdem, was soll das heißen: alles was ich lecken darf ist dein kleiner Liebling? Hieß es nicht, dass ICH überzeugt werden soll, mich mit einer peinlichen Maus in der Öffentlichkeit zu zeigen? DU musst nicht überzeugt werden, du willst da ja freiwillig hin, Pech für dich – kein Gelecke, Sweety.“ Santos verschränkte die Arme vor der Brust und starrte auf Gabriel hinab.
Zwei Sturköpfe – ein Thema!

„Och, aber bisher hattest du auch nichts dagegen, wenn du mich vorher geleckt hast, ich dann auf allen Vieren vor dir gehockt bin und mehr von dir wollte, vor allem in mir“, wurde das Grinsen Gabriels eine Spur dreckiger.
Er konnte sich an mehr als nur einen Tag oder auch Nacht erinnern, wo genau das der Fall gewesen war und er am nächsten Tag dann nicht mehr hatte sitzen können, weil sich sein Vampir ein wenig heftiger ausgetobt hatte. Aber wie sagte man so schön? Wenn einen ein feiner Schmerz an eine erfüllende Nacht erinnert, ist es süßer Schmerz?
„Und von wegen nicht sterben beim Verschlucken, das hatten wir schon mal mit frischen Himbeeren in Sahne“, lupfte Gabriels Braue in die Höhe, als er sich an besagten Nachmittag erinnerte.

„Das war ja auch deine Sahne, mein Süßer“, konterte Santos gleich. Und dass er sich verschluckt hatte lag weder an den Früchten noch an der Sahne, sondern daran, dass er den kleinen Liebling noch … na war ja auch egal!
„Jetzt lenk mal nicht von meinem Bananenquark ab, Gabe“, forderte er und wäre am liebsten aufgesprungen und hätte getrampelt wie die Maus, wenn es wieder hieß: Maus, raus aus dem Pool, jetzt beginnt die Stunde der Erwachsenen!
Aber nein, er war ein erhabener, weiser, aristokratischer Vampir. Der bediente sich nicht so subtiler Mittel. Allerdings, auf eine gepflegte 69 mit Gabriel hatte er eigentlich immer Lust. Genau genommen hatte er auf alles Lust, was mit Gabriel zusammenhing. Aber das musste der ja nicht wissen. Alles was Santos wollte war: nicht mit der peinlichen Maus auf die Straße gehen müssen! Da musste er jetzt an seiner Forderung festhalten – so schwer es auch fiel. Lieber würde er Gabe gerade gepflegt in den weichen Teppich nageln.
Santos seufzte. Was nahm man nicht alles auf sich, um einer Maus aus dem Werg zu gehen. Ob im Tierheim noch eine Zelle frei war?

„Och, ich lenke nicht ab, Santos, ich biete nur Möglichkeiten“, versuchte es Gabriel und legte sich gänzlich zurück auf den weichen Teppich, räkelte sich ein wenig und beobachtete seinen Vampir aus halb geschlossenen Augen.
„Was hältst du davon, wenn wir einkaufen fahren, ein wenig für dies, ein wenig für das und auch deine Bananen und Quark. Das ganze Zeug nehmen und uns im Keller verschanzen?“, bot er Santos ein neues Leckerchen dar.

Der Vampir leckte sich über die langsam trocken werdenden Lippen. „Nur zu gern, mein Herz – aber vergiss nicht, dass ein gewisser Vampir in einer Stunde vor der Tür stehen wird zum Training. Die Maus meinte doch, er soll sich austoben, sein wunder Po würde gar nicht mehr abheilen können. Und ich gehe davon aus, dass er auch das Ungeziefer mitbringt. Wenn er uns unten im Bad erwischt, dann haben wir wieder … Maus-Sahne-Flecken auf den Badematten im Keller. Ich verzichte einfach auf den Quark, habe auf dem Rummel dafür was gut bei dir und … ich glaub ich spinne!“
Santos warf einen vernichtenden Blick in die Richtung, wo eine Etage tiefer die Haustür war – und dann läutete die Glocke. „Können die Pfeifen nicht ein einziges Mal zum verabredeten Zeitpunkt kommen? Ich lass die nicht rein.“
Santos schmollte – kein Quark, kein Gabe, kein Sex … nur eine lüsterne Spannermaus! Oh! Kawa würde im Dreck liegen – so viel stand fest.

Gabriel ließ erst mal das Läuten Läuten sein, drückte sich hoch und krabbelte zu seinem Schmollvampir, weil jetzt das Schmollen echt und echt niedlich war, was er Santos aber sicher nicht sagen würde, weil der das sonst schamlos gegen ihn verwenden würde.
Sanft küsste er die geschürzten Lippen und knabberte darüber. „Sollen wir sie draußen stehen lassen bis zur richtigen Zeit? Aber das darfst dann eher du beim Trainieren ausbaden als ich“, legte er seinem Geliebten die Fakten vor Augen und verwob ihn in einen sanften Kuss.

Der ließ auch Santos das Gebimmel der Glocke vergessen und er wuschelte seinem Schatz durch die Haare. „Na ja, ich will mir nicht vorstellen, was schlimmer ist: sich mit Kawa prügeln oder mit der Maus rumlungern, der einem dann den ganzen Abend Vorhaltungen macht, wie gemein man wieder zu ihm war. Du schmiedest damit auch dein eigenes Schicksal“, lachte Santos leise, gedachte aber gar nicht das Hämmern gegen die Tür zu würdigen. Die war stahlbeschlagen, die bekam Kawa nicht kaputt!
Lieber küsste er wieder Gabriels verboten süße Lippen.

Gabriel grinste frech in ihren Kuss und legte eine Hand auf Santos’ Brust ab, strich mit den Fingern leicht über den Stoff und zufällig, wie könnte es anders sein, auch über eine der kleinen Knospen. „Aber wenn ich mit ihm auch in den Keller geh und wir euch zusehen, wird er nicht mit mir meckern.“

Santos keuchte leise. Er hatte Gabriel wohl schon viel zu lange nicht mehr gespürt, dass ihn diese sanften Berührungen schon so auf Touren brachten. „Klar, einmal und nie wieder“, flüsterte er heiser und erinnerte sich an den Tag, als eine gewisse Maus, der ja alles wissen musste, beim Training dabei gewesen und doch wirklich dazwischen gesprungen war, als Santos Kawa in den Dreck gedrückt hatte. Es hatte Flugmaus gegeben, weil Santos den Kleinen gar nicht bemerkt hatte und hinterher Schmoll- und Meckermaus Stufe acht!
Nie wieder Mause im Keller – zumindest nicht im Trainingskeller, aus dem Poolkeller ließ sich die kleine Wasserratte leider nicht vertreiben.
Und wieder schellte die Glocke.
Und eine engelsgleiche Haustierstimme erklärte, dass sie fertig werden sollten mit ficken oder ihn zugucken lassen …

Gabriel hatte noch Glück, dass er kein vampirfeines Gehör und somit das Gemecker der Maus verpasst hatte, kraulte er weiter mit einer Hand im Nacken seines Schatzes und ließ die anderen Finger über die Brust wandern.
Noch waren die Beiden unten noch nicht laut genug, dass er das auch registrieren würde.

Nur dass Santos ab und an zuckte, entging ihm nicht. Doch der Vampir lehnte sich einfach weiter zurück und versuchte den Gehörsinn etwas weniger intensiv zu befragen. Sollte der kleine Nager doch toben und fluchen. Den hörte heute sowieso keiner, denn die Birham von nebenan war mit ihrem kleinen Köter verreist.
„Ja“, murmelte Santos nur. Es war doch immer wieder erstaunlich, wie viel Gabriel das letzte viertel Jahr, das sie zusammen verbracht hatten, gelernt hatte. Der kannte seinen Vampir schon viel zu gut!

Gabriel trennte sich kurz um nach Luft zu schnappen und kicherte leise, als Santos nach seinen Lippen schnappte. „Was ja? Wir gehen auf den Rummel? Sehr schön“, wisperte der Große und lachte, als Santos augenblicklich zu knurren anfing.
Beschwichtigend leckte und biss er über die Unterlippe seines Vampirs und fiel fast hintenüber vor Schreck, als laut und hart am Fenster geklopft wurde, bevor es nach innen aufschwang.
„Kommt in die Hufe ihr zwei, meine Maus tobt schon halb und wenn ihr ihn nicht zugucken lassen wollt, würde ich das auf später verschieben“, schickte ihnen Kawa süß und machte es sich auf dem Fenstersims gemütlich, betrachtete die Beiden, die schon wieder aneinander klebten und halb saßen oder lagen.

Santos war weniger überrascht als sein Schatz, knurrte seinen ungehobelten Zögling nur an. „Hey, Kawa, verschwinde! Ich handele gerade aus, ob ich morgen mit deiner Blödmaus auf den Rummel gehe oder mich weigere und lieber eine Dayly Soap im Fernsehen gucke! Und wenn du endlich mal lernst die Uhr zu lesen, dann hätte ich schon mein Bestechungsgeld bekommen und ihr hättet nicht warten müssen.“
Ohne Umschweife erhob sich der Ältere, gab seinem Zögling einen Schubs, dass er einen uneleganten Abgang machte und schloss das Fenster wieder.
„Komm wieder, wenn du die Uhr lesen kannst … wo waren wir stehen geblieben, Schatz?“, widmete er sich wieder ganz seinem Liebling und zog den verwirrten Gabriel dichter zu sich.

Es brauchte ein, zwei Küsse, bis sich Gabriel wieder ganz auf Santos fixierte und auch das plötzlich lauter werdende Geschrei, welches nun auch für ihn hörbar wurde, ignorierte.
Geschmeidig hatte sich Kawa im Fall gedreht und war auf den Beinen aufgekommen, abfedernd ging er beim Aufprall in die Knie und funkelte zum Fenster hinauf. „Fickt gefälligst später, sonst setz ich euch Yujo ans Fenster“, grollte er leise und machte sich ohne Übergang daran die Vordertür zu knacken. Dass Yujo an ihm hing und maulte was nun los sei überhörte der Vampir mal kurz.

„Kawa!“ Yujo verfiel wieder in den Modus einer Quengelmaus! „Sag schon, was machen die da – los, setz mich auch aufs Fensterbrett, ich will gucken!“ Er zupfte an seinem Schatz, schob ihn, zerrte, hüpfte an ihm hoch. „Los! Los! Ich will gucken!“ Wie eine kleine Springmaus hopste er immer wieder um Kawa, der sich am Schloss zu schaffen machte.
„Sag’s! Sag’s! Sag’s!“ Die Mausaugen waren groß und rund und voller Vorfreude. Es war also doch eine gute Idee gewesen eher hier her zu kommen. Er hatte Recht gehabt! Die beiden notgeilen Säcke waren noch mitten dabei und da hatte sich der Weg doch gelohnt, vorausgesetzt er würde auch sehen was er bis jetzt ja nur vermutete.
„Ka-ha-wa!“

„Ruhe, Schatz, ich kann mich nicht konzentrieren und bekomm sonst das Schloss nicht auf und nein die poppen sich da oben nicht das Hirn raus, sondern untersuchen sich nur die Mandeln und ich werde dich nicht aufs Fensterbrett setzen. Weil, wenn Santos, dem ich das ungehindert zutraue, die gleiche Show bei dir abzieht, geht das nicht so gut aus“, murmelte der Vampir leise zu seinem Nager und machte sich weiter am Schloss zu schaffen. Mittlerweile hatte er richtig Übung darin das Gehopse seiner Maus auszugleichen, damit er trotzdem halbwegs ruhig arbeiten konnte.

Denn wie er Yujo richtig einschätzte hörte er nicht auf zu springen, sondern wurde im Gegenteil noch intensiver. Wie konnte es Santos nur wagen, ihn aus dem Fenster zu werfen. Mäuse dürften nie nicht aus Fenstern geworfen werden, nicht mal aus Kellerfenstern. So murmelte die Maus in einer Tour vor sich hin, was das doch für ein böser Vampir sei und dass Kawa den ja ordentlich in den Dreck drücken sollte, dass man ihn hinterher vor lauter Schlamm gar nicht mehr erkennen würde.

Maus war nämlich gerade wieder wütend – also eine Flugmaus wollte er ja nicht sein. Aber er wollte was sehen! Aus sicherer Entfernung, damit der böse böse Vampir ihn nicht erwischen konnte. Aber wenn die nur knutschen? Das war doch voll öde! Konnten die nicht mal wieder so richtig zur Sache gehen? So wie letzte Woche, als sie sich auf einer Couch im Wohnzimmer verlustierten, während Maus heimlich aus dem Wintergarten spitzte? Das war doch toll gewesen! (Von der eklig klebrig nassen Hose mal abgesehen.)
Hüpfmaus belagerte also weiter seinen Vampir.




02

Kawa richtete sich auf, als ein leises Klicken erklang und ließ die Tür nach innen schwingen, wohlweislich trat er nicht in den Türrahmen, weil besagter auf und ab hopsender Nager an ihm vorbei flitzte und sogar das Maulen dabei vergaß.
Kopfschüttelnd folgte ihm der Vampir, hatte sein Schatz noch immer nicht gelernt? War der Nager etwa doch nicht ausgelastet, auch wenn Yujo maulte das sein Hintern in letzter Zeit immer wieder puckerte.
Ein Grinsen zierte die glatten Züge Kawas, als er die Treppe hinaufging und das erste Knurren Santos’ vernahm.

„Kawa!“, brüllte der ältere Vampir durch den oberen Flur, dass es Gabriel fast die Trommelfelle zerriss. Weswegen der auch erst einmal besänftigend gestreichelt wurde. „Greif dir dein neugieriges Haustier! Ich schaff den wieder ins Tierheim!“ Da hörte sich ja alles auf. Begriffen die Typen eigentlich nicht was eine geschlossene – genau genommen VERschlossene – Tür eigentlich bedeutete? Nämlich dass man allein sein wollte, dass andere draußen bleiben sollten! Genau das bedeutete eine geschlossene Tür!
Aber für Nager gab es eben keine geschlossenen Türen, nur noch nicht geöffnete Türen und das war ja laut Maus-Definition ganz was anderes und die Rechtslage wäre da auch eine ganz andere.
So kam die Maus nur grinsend auf den großen Sessel zu und guckte, wessen Hose denn schon offen war, machte einen langen Hals aber achtete peinlich darauf, genug Abstand zwischen Santos und sich selbst zu halten. Man wusste ja nie, wann der vorschnellte und die Maus durch die Gegend warf. Wie schon einmal bemerkt: er war eine Maus und kein Flughörnchen!

„Komm ja schon. Ist eben auch ne Rennmaus“, scherzte Kawa und ging aber nicht einen deut schneller, ließ Yujo noch Zeit zum Gucken und seinem Erschaffer Zeit sich ein wenig aufzuheizen oder abzukühlen, je nachdem wie gut Gabriel im Beschwichtigen war.

„Scheißegal was das für eine Maus ist, diese Maus hat jetzt nicht hier zu sein!“ Santos wurde langsam wirklich stinkig. Um sieben war ausgemacht worden – nicht viertel nach sechs! Nicht halb sieben - UM sieben!
Yujo indes fing schon wieder an zu mosern. Da war ja gar nichts zum Gucken! Keine offenen Hosen, keine verräterischen Spuren – gar nichts! Und dabei war er auf diesem Gebiet eine Detektivmaus! Er erwischte alles und jeden, egal wo und wie! Aber hier gab es einfach nichts zu erwischen und er versuchte zu ergründen – indem er die Protagonisten befragte – ob er zu früh da war und sie vorhatten noch zu pimpern oder ob er zu spät dran war und sie alles schon hinter sich hatten.
Die Ader an Santos’ Schläfe pulsierte. „Kaaa-aaawa!“ Es klang ziemlich drohend. Ob die Maus in Gefahr war?

„Nicht so laut, Santos, du bläst unseren beiden Süßen noch das Trommelfell raus, bei deiner Akustik“, bog Kawa mit diesen Worten in das Zimmer ein und übersah kurz die ganze Szene. Gabriel an Santos gelehnt, Maus in Lauerstellung und guckte leicht verdrießlich.
„Maus, lass sie, sie haben noch nicht gefickt, zumindest riecht es nicht so und ich glaub kaum, dass die das jetzt noch vorhaben“, umspielte ein freches Grinsen seine Züge.

„Raus, alle beide – bevor ich mich vergesse!“ Santos’ Hand wies auf die Tür in der Kawa gerade stand und er knurrte, als keiner der beiden ungebetenen Störenfriede sich daran machte seinem Wort folge zu leisten. Im Gegenteil, die Nervmaus fing nun schon wieder an zu wetten, ob die vielleicht doch noch – und wer wen – und wie lange – und in welcher Position des Tages … bis Santos die Nase voll hatte, sich vorsichtig von Gabriel löste und die immer noch plappernde Meckermaus ergriff und Kawa zuwarf. „Wartet gefälligst unten!“

Der fing seinen Nager, damit der nicht auf dem Boden aufschlug und sie gleich eine Heulmaus hoch drei da hocken hatten. „Wie ihr wünscht“, verbeugte er sich leicht und grinste anzüglich. „Aber macht nicht zu lange, sonst kann ich meinen Schatz nicht beschäftigen, wenn der vermutet, ihr macht hier oben mehr als Küssen.“ Lachend und seine Maus tragend bog Kawa lieber wieder um die Ecke und strebte mit seiner Last die untere Küche an.

Nur dass besagte Last da gar nicht hin wollte. „Kawa!“, moserte der Nager und versuchte gerade sich in den Tapeten des Flures festzukrallen. „Du kannst die doch jetzt nicht alleine lassen … die werden Sex haben, ich will das sehen. Kawa – das ist die total falsche Richtung – verdammt Kawa, bleib stehen und lass mich runter, die können doch nicht einfach Sex haben ohne mich, das geht doch … Kawa jetzt bleib aber endlich stehen!“ Yujo zappelte und hibbelte, rutschte hier, kletterte da – maulte und murrte. Also nichts was Kawa nicht kannte.
Spannermaus im Unterdrückungsmodus.

„Schatz, wenn du weiter zappelst pinn ich dich auch noch mal wo gegen und sorge dafür, dass du die nächsten Stunden erschöpft herumliegst und dein Hintern wieder puckert“, wisperte Kawa leise zu seiner Maus und biss ihn leicht in den Hals.
Er wusste schon, dass sein kleiner, hyperaktiver Nager dabei immer ganz still wurde und die Augen nach oben verdrehte.

So wie gerade eben. Der Mausleib entspannte sich total und die Mauspfoten, die eben noch Kawas Schultern bearbeitet hatten auf seiner versuchten Flucht, lagen ganz still. Wie eine junge Katze fing die Maus an zu schnurren und wohlig zu knurren und ruckelte sich zufrieden hin und her, trieb so die Fänge tiefer und bereitete sich selbst mehr Freude.
Wie schnell eine Maus doch seine Mission vergessen konnte!

Kawas Lippen bildeten über dem zarten Hals ein Lächeln und er ließ seine Fänge tiefer gleiten, zog sie wieder heraus und leckte über die kleinen Wunden, begann wieder von vorne und setzte sich sobald er in der Küche angekommen war mit seinem Nager auf einen der Barhocker.
Vorsichtig, um Yujo nicht aus seinem Schnurren zu reißen, sortierte er seinen Geliebten ein wenig um und küsste sich abgewechselt mit leichten Bissen über den Hals seiner Maus. Es war doch immer wieder erstaunlich wie schnell sein Kleiner alles vergaß sobald er ihn anknabberte.

Aber wie das Leben so spielt …
„Ich glaub’s nicht, mir den Blow job versauen und selber in meiner Küche rummachen, ich glaube ich spinne!“ Gerade kam Santos – gefolgt von seinem Schatz – in die Küche, weil sie nämlich selber auch nicht wirklich Lust gehabt hatten mit einer Spannermaus im Haus noch ein paar sanfte Zärtlichkeiten auszutauschen. Umso gepisster war der weißhaarige Vampir, dass nun der kleine, miese Nager hier herumlungerte und geflasucht und geknuddelt wurde, fehlte nur noch, dass er mit seinem nackten Maushintern auf der Theke hockte, wo er und Gabriel normalerweise frühstückten!
Aber besagte Maus schnurrte nur zufrieden.

„Ich dachte, ich soll ihn ruhig stellen, damit ihr Zeit gewinnt“, nuschelte Kawa und biss wieder zu, entlockte seinem Nager, weil er tiefer gebissen hatte ein bejahendes Stöhnen und funkelte dabei Santos amüsiert an.

Der wandte sich einfach ab. Mit diesen beiden Trotteln war doch nicht zu reden. Wussten nicht mal, wie man die Uhr las, aber wussten, wie man Sicherheitsschlösser knackte. Die Jugend von heute – keinen Respekt mehr vor dem Alter.
„Will außer mir noch jemand einen Kaffee, bevor es richtig losgeht? Oder eine Leine, um den Nager nachher festzubinden? Wenn er noch mal dazwischenfunkt, dann mach ich ihn einen Schwanz kürzer“, knurrte Santos und lachte leise, weil wie erwartet eine Maus panisch quietschte. Wer verlor schon gern seinen wichtigsten Körperteil?

„Kaffee klingt gut“, stimmte Kawa zu, leckte sich das letzte Blut von den Lippen und bedachte auch noch mal den Nacken von Yujo mit seiner Zunge, bevor er den Jungen entließ, damit sich der auf Santos stürzen konnte, denn welche Maus ließ sich schon gerne mit Schwänzchen kürzen drohen.
Gabriel ging an der Bande nur kopfschüttelnd vorbei und holte sich aus dem Kühlschrank Milch um Kakao zu machen, er wollte jetzt keinen Kaffee, sondern was süßes, also richtigen Kakao mit Gewürzen und Schokolade gemacht, lecker!

Konnte gut sein, dass er hinterher auch teilen musste, aber im Augenblick richtete sich das Interesse der Maus nur auf den Schwänzchenkürzer! Mit einem lauten Quieken warf er sich heldenhaft auf den Vampir, der einfach einen Schritt zur Seite ging und lachend mit ansah, wie die Maus noch in der Flugphase große Augen machte und zu Boden ging. Aber da war ja weicher Teppich, es dämpfte also etwas den Aufschlag der Maus, konnte ein paar kleine Maustränchen aber nicht vermeiden.
Doch Maus wäre nicht Maus, wenn er nicht von Wut getrieben wieder auf die Hinterpfoten käme, um einen erneuten Anlauf zu nehmen. Wieder sprang er, aber dieses Mal hatte er Glück, weil Santos gerade von einem süßen Hintern, der aus dem Kühlschrank lugte, weil Gabriel immer noch was suchte, abgelenkt war.
„Attacke!“, rief er und hockte dem Vampir auf dem Buckel, um ihn zu würgen.

Gabriel fuhr herum als er Santos wirklich wütend knurren hörte und glaubte nicht wirklich was er sah, ja war der Nager denn jetzt wirklich lebensmüde geworden?
„Kawa, klaub ihn von meinem Schatz runter, bevor der Maus wirklich was passiert“, bat er den Vampir, der auch nicht wirklich wusste, was er von seiner Maus halten sollte. Der nickte nur leicht und umrundete Santos, um zu seinem Nager zu gelangen, ohne das ihn der Weißhaarige mal zur Vorsicht erwürgte.

„Kawa, nein! Die Rache ist mein!“, moserte die Maus und war versucht sich in den langen Flechten des Vampirs zu verhaken. Aber das ließ er dann doch lieber. Sicher war Santos schon wütend genug, so wie Kawa sich beeilte die Maus zu retten. Aber der konnte ja auch nicht einfach so erst Schwänzchen kürzen wollen und sich dann auch noch mit einem Schritt zur Seite der irdischen Rache der Mausheit entziehen. Das ging doch nun wirklich nicht, dass mussten die Anderen doch einsehen. So blinzelte die Maus erst etwas verstört, als er sich auf einem der Barhocker wieder fand.

„Schatz, das einzige, was bald dein gewesen wäre, wären - und das wäre noch das harmloseste gewesen - brennende Schmerzen auf deiner Kehrseite, aber nicht durch mich, sondern Santos’ Hände, wenn er dich übers Knie gelegt hätte“, wuschelte Kawa durch die Haare seines Nagers.

Skeptisch guckte die Maus zu dem Vampir rüber, der ihn aus schmalen Schlitzen säuerlich anblickte. Da konnte es einer kleinen, süßen Maus ja das Fell aufstellen, so wie der guckte. „Das soll der sich wagen, dann beiß ich den“, knurrte Maus. Immer noch angriffslustig. Vielleicht sollte er wirklich mal mit in den Trainingsraum und sich im Dreck austoben!
Santos hätte da sicher nichts gegen, so lange die halbtote Dreckmaus dann nicht in seinem Pool gereinigt werden wollte.

„Ich bezweifle, dass das Santos jucken würde, Schatz“, gab Kawa zu bedenken und Gabriel guckte von seinem Kakaotopf auf und blickte das YuYu an.
„Lass das ja sein, den beiß nur ich“, grummelte er und blinzelte Yujo aber gleichzeitig zu.
„Trollt euch in den Keller, ihr Vampis ich bring euch nachher den Kaffee, wenn er durch ist“, blickte Gabriel dabei zu seinem wütenden Schatz und zu Kawa. „Baut Energie ab und ich bring euch nachher sogar noch was zum naschen.“

„Aber lass die Maus draußen und deine Hose auch“, murmelte Santos. Alles was ihn jetzt noch aufheitern konnte war die Vorstellung einer frechen Maus im knietiefen Dreck!
Aber davon ahnte der Nager noch nichts, denn er moserte und maulte und beschwerte sich, dass er voll die gefährliche Maus wäre und warum das denn keiner begreifen würde. Aber sein Gemoser ging unter, weil Santos sich erhob. „Ich zieh mich schnell um. Sperr die Maus in den Kerker unten – dann hast du deine Ruhe und nimm die isolierten Metallbecher für den Kaffee, nicht dass aus Versehen noch einer der guten Pötte kaputt geht.“ Er war schon halb im Bad, wo seine Kleider bereit lagen und zog sich hastig um. Man wusste nie, von wo wieder mal eine Spannermaus auftauchen konnte. Der Kleine hatte einen verdammt leisen Gang!
Aber besagter Kleiner saß lieber auf dem Hocker und ließ sich eine Tasse Kakao in die Patschepfötchen drücken. Das war für den Anfang gar nicht so übel. Mal sehen wie’s weiter ging.

Gabriel blickte Santos mit einer hochgezogenen Braue nach, die Idee mit dem Kerker war nicht mal so blöde, vor allem, weil das Ding mittlerweile auch ein kleines Blickfenster in den Trainingsraum hatte.
Da würde die Maus zugucken können, er seine Ruhe haben, aber die Vampire würden ihm wohl an die Kehle gehen, wenn Yujo anfing das Training zu kommentieren - doch keine so gute Idee.
„Ich glaub nicht, dass ich mich vor Kawa im Trainingsraum von dir vernaschen lasse, Santos, da müsstest du schon gute Überredungskünste mit einbringen.“

„Ja klar, so überzeugend wie deine, um mich mit der blöden Maus auf den Rummel zu schleifen.“
„Ich bin keine blöde Maus. Ich bin Yujo Kento, merk dir das mal, du dämlicher Flattermann!“, knurrte die Maus, brachte sich aber vorsorglich hinter Kawa in Sicherheit und er tat wirklich gut daran. Denn kaum dass der Satz beendet war stand Santos vor Kawa und sah über dessen Schulter auf die Maus. „Wie war das eben, du Mistmaus?“
„Geh weg.“ Yujo knurrte nur und trank weiter seinen Kakao. Er war frustriert! Aber gewaltig! Nichts zum Spannen – voll öde! Im Fernsehen würde in der nächsten Zeit auch nichts Brauchbares laufen und mit Gabriel spielen brachte auch nichts, der beschummelte immer beim Maus-ärgere-dich-nicht und dann ärgerte sich die Maus erst recht. Das letzte Mal war er dann in den Pool geworfen worden – mit Kleidern und mit ohne Schwimmtiere!
Echt grausam.
„Los, geh weg“, knurrte er noch mal aber Santos war schon dabei sich nur noch Gabriel zu widmen.

Denn der schmeckte nach leckerer, heißer Schokolade und hatte auch nichts dagegen, dass sein Vampir zur Beruhigung ein wenig an ihm nippte. Er kraulte über die nun geflochtenen Haare seines Schatzes und über die feine Haut hinter den Ohren.
„Ich hätte nichts gegen Keller und dich überreden da unten, aber nicht wenn YuYu guckt und Kawa kommentiert oder umgekehrt“, flüsterte er und grollte leise, als Santos nur über die Haut kratzte, anstatt wieder zuzubeißen.
Besagter Kawa grinste nur. „Hey, macht ruhig - vielleicht kann ich mir ja noch was abgucken, auch wenn ich das bezweifle“, meinte er frech und lachte ob Gabriels Blick.

„Frechheit. Du wirst nachher nicht mehr aus dem Dreck gucken können, so tief grab ich dich ein“, knurrte Santos. Da hörte sich doch alles auf. Machte ihm da sein verzogenes Gör doch wirklich die Offenbarung, er hätte nicht mehr zu bieten, als diese kleine Mistmaus auch! Na aber hallo. Andererseits hatte er jetzt keine Lust hier noch eine Show abzuziehen, nur um sich zu beweisen. Er würde einfach Kawa verbeulen, dann die Maus verprügeln und dann Gabe mit sich in den Dreck zerren, wenn die anderen beiden ausgeschaltet waren – guter Plan! Santos lobte sich mit einem breiten Grinsen mental selbst!
„Genau. Ist voll öde, ich kenn schon alles, was die so machen“, maulte auch die vorlaute Maus hinter Kawa vor und Santos wollte wissen, warum er dann noch gucken käme.
„Na weil ich immer noch guter Hoffnung bin, ihr schlagt mal in einem Buch was Neues nach und probiert es aus.“ Santos lachte nur darüber, dass die Maus guter Hoffnung wäre und ob Kawa nicht verhüten würde und Yujo? Yujo leuchtete rot wie eine Kirsche. Blöder Vampir!

Gabriel grinste nur stumm mit und bestätigte, dass die Zunge an seinem Hals ihm gefiel, die gerade die Bisse verschloss. „Geht euch unten austoben und wir beide“, zog er seinen Vampir kurz harsch in einem Kuss zu sich, „sehen dann später, ob du mich noch dazu bringen kannst, auf allen Vieren zu hocken oder ob du zu geschafft dazu bist, Santos.“ Danach ließ Gabriel seinen Schatz wieder los und widmete sich erneut dem leckeren Kakao.

„Und ich werde bewerten, wie gut Gabe hocken kann“, erklärte die Maus und wedelte mit einer Pfote sinnlos in der Luft herum. Santos würdigte den nervigen Nager keines Blickes mehr, sondern stieg einfach die breite Kellertreppe hinab und ging ohne sich umzusehen in den Trainingsraum. Kawa würde ihm schon folgen und Gabriel hatte nun die kleine Mistkröte am Hals. Auch nicht gerade beneidenswert. Sicher würde auch der sich hinterher ordentlich austoben und Stress abbauen wollen – das konnte noch ein vielversprechender Tag werden!
„Kawa – schwing die Backen!“

Kawa grinste nur und hauchte seinem Nager einen Kuss auf die Stirn. „Sei lieb, mein Schatz, und komm in einer Stunde runter, dann bin ich sicher halbwegs mit ihm fertig und will dich mal anknabbern zwischendurch“, witzelte er leicht und lachte, als er Santos schnauben hörte.
„Bekommen wir nachher wirklich Kaffee?“, bat er Gabriel noch im Gehen und eilte dann dem anderen Vampir nach.
„NÖ, ich trink das Zeug alles selber.“ Gabriel schmunzelte und schüttelte den Kopf über die beiden Vampire.

„Ich will auch“, maulte Yujo, der nun wieder alleine auf seinem Hocker saß und in seine leere Tasse guckte. Er wollte auch mal wieder so richtig raufen, sich im Dreck wälzen und aussehen wie eine Saumaus, dann baden und weiter toben – sich mal wieder so richtig verausgaben, ohne dass ihm hinterher der arme kleine Mauspo wehtat.
„Können wir nicht auch ein bisschen raufen?“, wollte er grinsend von Gabriel wissen, der sich gerade heiße Schokolade nachschenkte und blinzelte wie die liebste Maus der Welt, stupste ihm aber gleichzeitig in die Seite.

Sein Glück, das Gabriel mittlerweile so geübt war und seinen Kakao nicht verschüttete, verdrehte der Große nur die Augen und guckte zu Yujo hinunter. „Du und raufen??“, grinste er gemein. „Wenn ich keine Beschwerden zu hören bekomme später, dann ja, ansonsten nada, nix da“, legte er streng fest und guckte sich den schmalen Jungen an.
Er wusste, das Yujo seit Wien immer wieder mal mit Kawa trainierte, sehen konnte man das nicht, aber der Kleine war um einiges reaktionsschneller geworden und leiser, wenn er wollte, womit er sie schon mehr als einmal überrascht hatte.

„Ich bin ja nicht aus Zucker!“, knurrte die Maus und griff sich flink Gabriels Tasse. Der heilt die sowieso nur fest. Schade um den warmen Kakao! Seine Hände konnte sich Gabe auch wo anders wärmen. „Ich werd schon nicht heulen. Aber du bitte auch nicht, hab keine Taschentücher einstecken.“ Er streckte Gabriel frech die Zunge raus und hörte einen wahren Kampfschrei von unten, dass er zuckte und das Mausschnäuzchen schnüffelte.
Da ging’s wohl gerade richtig los. Gleich würde die Luft flimmern vor Energie. Er wollte auch.
„Los, raufen!“, forderte er und stürzte den Kakao runter und hüpfte von seinem Hocker, hopste wie ein Stehaufmännchen immer um Gabriel und ließ wie eine Boxmaus immer wieder eine Hand vorschnellen, während die andere Deckung vorgaukelte.
„Los! Los! Los!“

Gabriel konnte nicht anders und lachte, langte von oben herab und wuschelte Yujo wild durch die ohnehin schon abstehenden Haare. „Ist ja gut, Kleiner, kann ich noch was anderes anziehen? Mein Lieblingspulli muss nicht kaputt gehen, wenn es sich vermeiden lässt“, schnappte er sich somit die Springmaus mitten im Flug um die Mitte und warf sich Yujo über die Schulter.
„Kannst auch ausnahmsweise mit rauf kommen“, klopfte er auf den kleinen Hintern und lief behände die Treppe nach oben.
Wenig später hockte Yujo schon auf dem großen französischen Bett, Gabriel suchte sich ein ärmelloses, enges Shirt aus dem Kasten und eine der wenigen Trainingshosen, die er hatte und schlüpfte in beides.

„Was ist nun eigentlich mit morgen mit Rummel“, wollte der Kleine wissen, während er sich verspielt über das breite Bett kullerte und feststellte, dass er sich genau dreimal um sich selber drehen konnte und dann auf der anderen Seite von der Matratze kippte, um mit einem dumpfen Aufschlag Bekanntschaft mit dem Teppich zu machen.
„Autsch“, knurrt er leise, war aber Sekunden später schon wieder obenauf. Es war nicht so sonderlich interessant wie sich Gabriel umzog. Das hatte er ja schon Hunderte von tausend Malen gesehen. Er wollte jetzt raufen! Und so hopste er auf dem Bett, nahm ordentlich Schwung und sprang Gabriel an. „Attacke!“

Gabriel drehte sich und bot ihm seinen Rücken an und hatte kurz darauf eine Maus in Affenstil klettenartig an sich haften. „Weiß noch nicht, wenn du Santos nicht mehr all zu sehr ärgerst wird’s vielleicht was“, ließ er sich nicht weiter irritieren und Band die Hose fest.
„Also los runter, aber in den kleinen Trainingsraum, ich hab keine Lust, einen durch die Luft fliegenden Vampir auf den Schädel zu bekommen, YuYu.“

„Nee – ich auch nicht. Die eitern immer so schlecht raus und hinterlassen Narben“, murmelte der Kleine grinsend und wanderte hinter Gabriel die Treppe runter. Was sollte das denn: ärgern – wenn er Santos nicht mehr ärgern würde. Das hatte er doch gar nicht, war voll die liebe Maus gewesen! Wer hatte denn hier wem das Schwänzchen kürzen wollen? Das war doch keine mausgerechte Haltung, verstieß gegen sämtliche Artenschutzabkommen und außerdem … „Der ärgert mich doch auch immer“, murmelte die Maus ziemlich zeitverzögert.

Gabriel grinste. „Kann schon sein, aber du vergisst, Kleiner, wenn er nicht will, will er morgen nicht und dass mir der Arsch weh tut, nur weil ich ihn friedlich stimmen musste... da fahr ich dann morgen auch nicht mit, wenn ich nicht sitzen kann“, öffnete Gabriel die Kellertür und konnte schon das Knurren und die Schläge der anderen Beiden hören, wenn auch sehr leise, da sie die Wände halbwegs abgedichtet hatten.

„Och, der soll sich mal nicht so anstellen. Einmal im Jahr ist Jahrmarkt - da kann er ruhig mal mit uns hingehen. Sonst meckert er ja ach immer, dass nichts los ist und dann ist mal was los, da streikt er auch. Gabe, dein Schatz wird echt alt!“ Yujo besah sich den kleineren Trainingsraum. Er war nicht wie der andere mit naturbelassenem Boden, sondern zweigeteilt. Der hintere Teil war komplett mit Matten ausgelegt, hier übten die Menschen ab und an fallen und springen. Man wusste nie, wann man das mal brauchte. Vorn war Parkett gelegt. Der Raum hatte ein kleines Fenster kurz unter der Decke an der hinteren Wand und Yujo knipste das Licht an.
„Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass der heute Nacht noch kann wenn Kawa nachher mit ihm fertig ist. Ich habe nämlich weiter in der Exodus gelesen, bin fast durch und da steht drinnen wie altes Blut auf junge Vampire wirkt und dass Kawa wohl bald stärker sein wird als Santos – dann wird der mal in den Dreck gestopft, ja ja.“ Maus lachte und hüpfte fröhlich herum bei diesem Gedanken, übersah die Matte und landete auf der Nase – der gesamten Mauslänge nach!

„Also im Moment stopfst du dich selber in den Dreck und ich muss dazu nicht mal was machen“, triezte Gabriel und winkte der liegenden Maus herausfordernd mit der Hand zu. „Was willst du haben, nur so oder bestimmte Vorlieben?“, neckte Gabriel weiter und lachte dabei halb.
Er hatte auch schon in diesem Buch gelesen und wusste auf was Yujo anspielte. Es konnte vorkommen, dass ein junger Vampir mit Hilfe von altem, sehr altem Blut, binnen kurzer Zeit, und auch nach einiger Zeit später, rapide an Kraft und Macht zulegen konnte. Es was schon fast vergleichbar mit einem Evolutionssprung, weshalb es in der Regel anscheinend auch verboten war, dass Junge von sehr Alten tranken, damit das Gleichgewicht nicht gestört wurde.
„Also ich glaube Santos kann deinen jungen Wilden schon in Zaum halten, YuYu.“

„Ha!“, machte da die Maus und kam wieder auf die Füße. Über seine Vorlieben wollte er jetzt mal nicht sprechen, das ging keinen was an, außer vielleicht Kawa. Triumphierend riss er die Arme hoch und fuchtelte herum. „Vergiss es – Kawa wird über Santos triumphieren, wie ich über dich. Dich mach ich fertig. Ich falte dich in eine Schachtel, ich mach Haaaaaa …“
>plautz<
Warum hatte denn keiner der armen Maus gesagt, was offene Schnürsenkel für heimtückische Mordwerkzeuge sein konnten? Jedenfalls kullerte er schon wieder über das Parkett, hielt sich ein Mausknie und wimmerte und jammerte und starb gerade ganz erbärmlich!

„Yujo, wenn du so weiter machst, schlägst du dich auch noch selber k.o. und ich hab meine Muskeln dabei nicht mal aufwärmen müssen“, reizte ihn Gabriel und hockte sich neben die Maus, aber in weiser Voraussicht ließ er genug Abstand zwischen ihnen, falls der Kleine noch auf andere Gedanken kam.

„Ha ha – sehr witzig, Herr Vampirflauscher!“ Da saß die Maus im Schneidersitz und schmollte. So sollte das nicht laufen. Er wollte sich austoben und sich nicht arme, kleine Mausknie aufschlagen. Wie sollte er denn auf dem Bett knien, wenn die Dinger kaputt waren? Wild fuchtelte er mit einer Hand in Gabriels Richtung und murmelte was wie, die würde nach Friedhof riechen und ob er mal schnuppern wolle. Doch der wollte wohl nicht, so wie er guckte.
„Los jetzt!“, forderte die Maus und schwups stand er wieder auf den Hinterläufen. Vergessen waren die tiefen Wunden und die mörderischen Schmerzen! Er fuchtelte vor Gabriel herum und hopste wieder wie ein Flummi durch die Gegend. Feind verwirren nannte das die Maus.

Gabriel zog aber nur eine Braue hoch und kam langsam auch wieder hoch, rollte entspannt die Schultern und winkte Yujo wieder zu sich. „Dann los, Kleiner“, forderte er und streckte sich noch kurz.
Mal sehen, was Kawa der Maus so alles beigebracht hatte, auch er hatte seit dem Intermezzo mit Damion fast schon regelmäßig trainiert und die alten Katas und Bewegungsabläufe des Karate waren ihm wieder ins Blut übergegangen.

So würde es wohl richtig Spaß machen, sich mal mit einem anderen zu messen, auch wenn’s nur ein kleiner, flinker Nager war. Kräftemäßig hatte Gabriel da nicht wirklich was zu befürchten.
Yujo hüpfte immer in Boxmausmanier um ihn herum und schwang die Mäusefäustchen, schubste mal hier, boxte mal dort und schien erst mal ein bisschen antesten zu wollen. Mal machte er einen Ausfallschritt und täuschte links, schlug dann rechts. Aber wirkliche Schäden konnte der Kleine noch nicht hinterlassen. Das ließ die Maus unzufrieden knurren. Er wollte so richtig raufen!

„Maus, wenn du boxen willst, solltest du das mit Kawa machen, da hast du nicht gar so viel Größenunterschied, jedoch...“, ließ sich Gabriel ein wenig nach hinten sinken und wischte mit dem rechten Fuß über den Boden, drehte den Oberkörper und zog Yujo die Füße unter dem Körper weg, während er ihn abfing, damit er sich nicht gleich wieder das Knie aufschlug,
„...wen du Kämpfen willst ist das kein Problem“, grinste er leise und klapste Yujo auf die Kehrseite, bevor er ihn runter ließ und sich wieder entfernte. Er fand Gefallen daran, wenn Yujo seine Konzentration nur aufs Kämpfen richten würde, wäre er schnell und somit sicher eine gute Trainingmöglichkeit für sie beide.

Die Knurrmaus rieb sich seinen Hintern und ging wieder einen Schritt weg in Position. Wieder fing er an zu tänzeln. „Pa! Du bist ja nur zu feige gegen mich zu boxen, du weißt, dass du verlieren wirst. Keiner boxt so gut wie Yujo Kento, die legendäre Boxmaus.“ Es folgte eine schnelle Kombination mit der rechten – aber Gabriel zeigte sich leider ziemlich unbeeindruckt. So musste sich die Maus was andere einfallen lassen.
Er nahm Anlauf, machte Anstallten Gabriel anzuspringen und als der reagieren wollte, duckte er sich ab und schubste den Große einfach, dass der – weil er nicht damit gerechnet und seinen Schwerpunkt schon verlagert hatte – auf der Matte hinter ihm zu Boden ging und er nun eine vor Triumph fast platzende Maus auf seinem Bauch hocken hatte.
„Sieg für die Maus – die Menge jubelt – das Publikum tobt! Die Maus ist der überlegene Sieger!“
„Danke schön, danke schön.“ Er verbeugte sich in alle Richtungen.

Sein Pech war, dass er noch auf Gabriel hockte, der sich anspannte und nach oben drückte, die Maus somit abwarf und selber wieder auf die Beine kam. „Nicht schlecht, Kleiner, aber keine Siege feiern, wenn der Gegner noch nicht k.o. ist. Du willst boxen? Ich glaube nicht, dass dir das irgendwas bringt, wenn du’s brauchst“, überlegte er kurz und wartete darauf, dass sich Yujo auch wieder aufrappelte.
„Na komm, nächster Durchgang.“

„Aber das kann ich am besten“, maulte die Maus und schwang wieder die kleinen Mäusefäustchen. Klar wusste er auch, dass er gegen einen wie Damion oder was auch immer diese Sippe noch zu bieten hatte, nichts ausrichten konnte, außer dass der Vampir vielleicht kläglich an einem irreparablen Lachkrampf qualvoll zu Grunde ging, aber das war’s dann meistens auch schon. So versuchte er das, was ihm Kawa über Karate und die artverwandten Sportarten gesagt hatte.
Aber so lange er überlegte, konnte er ja erst mal einen sinnlosen Angriff starten und so lief er mit viel Geschrei auf Gabriel zu, der einfach den Arm ausstreckte und den Kopf der Maus an der Stirn festhielt, während er verzweifelt versuchte, Gabriels Körper mit einer Hand zu treffen. Aber er hatte leider viel kürzere Arme.
„Hey, das ist fies - ich will auch längere Arme“, knurrte er und versuchte zu treten. Aber nicht mal die Hinterläufe waren lang genug, um Gabriel wirklich zu treffen.
Arme, kleine, verzweifelte Maus.

„Dann würden die am Boden streifen, du würdest drüber stolpern und dir das Genick dabei brechen, passt schon wie es ist“, lachte Gabriel, piekte mit der freien Hand Yujo in den Hals. „Hör mal auf zu zappeln und versuch unter meinem Griff drunter zu tauchen, dann hättest du kurz Zeit zum Angreifen, bevor ich wieder in Verteidigung fallen kann“, versuchte er Yujo ein paar ganz praktische Tricks beizubringen.

Aber wie das mit einem Mosermaus eben so ist: er wusste alles besser und knurrte nur. „Ja mach dich nur lustig.“ Allerdings sah sogar Yujo ein, dass es so nicht ging und ging schlagartig einen Schritt zurück, richtete sich demonstrativ die Haare und funkelte Gabriel an.
„Steh da nicht so rum, mach auch mal mit“, forderte die freche Maus und knurrte leise. Das musste doch zu packen sein.

Kurz wanderte Gabriels Braue provokant in die Höhe, bevor er mit den Schultern zuckte und ein wenig weiter hinab in die Knie sank wie zuvor. „Also gut“, wisperte er leise und fixierte Yujo, musterte dessen leichtes Verlagern und griff an, geschmeidig fiel er von einer relativ einfachen Angriffstaktik in eine andere und schlug Yujo mit einer Hand in die Seite, während er mit dem rechten Knie gegen dessen Oberschenkel schlug und wieder zurückwich, in die Ausgangsposition zurückfiel. Die Schläge hatte er nicht hart ausgeführt, sondern kurz vor dem richtigen Kontakt gestoppt, auch wenn sein Kleiner sich richtig austoben wollte, Gabriel wusste, das er ihm wirklich weh tun würde, wenn er voll Kämpfen würde, wenn nicht sogar verletzen.

Yujo war überrascht. Das war schnell gewesen, wie er es dem großen Körper gar nicht zugetraut hatte. Aber da zeigte es sich eben, dass der Schwarzhaarige doch damals Karate gemacht hatte. Der hatte also einen Heimvorteil. Frechheit. Und was hatte die Maus? Gar nichts.
Na ja. Yujo machte sich bereit, fing wieder an zu tänzeln, das machte er nämlich am liebsten und täuschte Boxhiebe an, während sich ein Fuß zwischen Gabriels schob und er versuchte den schwereren Körper zu Fall zu bringen. „Los, fall um!“, forderte die Maus und fing an zu schubsen.

Sich auf die Unterlippe beißend verkniff sich Gabriel das Lachen, aber trotzdem kam ein amüsiertes Glucksen aus seinem Mund und er wich geschmeidig zur Seite aus, drehte sich einmal um die eigene Achse, um hinter Yujo zu kommen und hebelte den Nager kurzerhand aus, schlang die Linke um dessen Mitte und hielt in so in der Luft.
„Das tänzeln sieht süß aus, YuYu, aber vergeudet nur deine Energie, nur bei Capuera ist es eingebunden und bildet den Schwung der Schläge und somit die Kraft.“ Leider konnte er selber diese Kampftänze nicht und nun von seinem Karate abzuweichen, auch wenn ihn diese Kampftechnik reizte, interessierte Gabriel nicht.
„Komm, lass uns mal wirklich anfangen, hmm?“

Yujo funkelte seinen Freund wütend an. „Was glaubst du denn, was ich hier die ganze Zeit versuche, hä? Fliegen fangen?“, wollte er aufgebracht wissen. Mal richtig anfangen! Was sollte das denn? Was konnte er denn dafür, dass er noch keinen Punkt gefunden hatte, um Gabriel auf die Matte zu schicken!
Der war eben einfach zu groß – da war doch gemein.
Schmollend ging er ein paar Schritte zurück und betrachtete sich den anderen, da musste doch noch was zu machen sein?!

Gabriel wartete ab und ließ Yujo erst mal wütend sein und schmollen, denn so wie sich dessen Mund zusammenkräuselte war das schon Anfang der ersten Schmollmausstufe. „Könnte ja sein, obwohl wir hier unten keine Fliegen haben, sondern nur ab und an ein paar Spinnen.“




03

„Was?“ Plötzlich wurde die Maus ganz leise, als würde der Feind mithören und er fing an, sich hektisch umzusehen. Hier gab es Spinnen? Solch widerlich große, fette Biester, die kleine Mäuse in die Flucht schlugen? Diese vielbeinigen Gesellen, die die Ekelgrenze einer Maus bis auf das äußerste überreizten und einen armen, kleinen Nager in die Ohnmacht trieben? Solch abartige Wesen trieben sich hier herum?
„Wo!“, wollte er leise wissen und fing an, von einem Fuß auf den anderen zu hüpfen. Vergessen war austoben und raufen – jetzt musste er um sein Leben bangen!

„YuYu, ich sagte manchmal - nicht gerade. Wir sind in einem Keller, von einem alten Haus, auch wenn’s aufpoliert ist, da sind ab und zu Spinnen normal“, blitzte der Schalk in Gabriels Augen und er ging zu den Matten, um sich hinzusetzen.
Mal abwarten, wie lange es dauerte, bis die Maus mitbekam, dass keine Spinne da war, sich wieder beruhigte und sie weiter machen konnten.

Im Augenblick drehte sich der Kleine immer um sich selber, als wollte er hinter sich gucken, um sicher zu gehen, dass der Feind ihm auch ja nicht ins Genick springen konnte. Bei diesen Bestien wusste man doch nie, was die einer kleinen Maus alles antun wollten! Wenn sie die Maus erst einmal in ihrem Netz hatten, arm und wehrlos, hilflos und total einsam! Wenn dann alle über ihn herfielen und ihn auffraßen. Yujo kreischte wie am Spieß. Alleine bei der Vorstellung wurde ihm schlecht! Oder lag es dran, dass er sich sein drei Minuten ununterbrochen im Kreis drehte und ihm deswegen übel wurde?
Warum es war wusste er nicht - und den Aufschlag auf dem Parkett, als er ohnmächtig wurde, weil das Blut nicht mehr hinterher kam, bemerkte er auch nicht mehr.
Kampfmaus out of order!

„Tja, selber k.o. gelegt“, wurde sein Abtritt von Gabriel kommentiert, der sich geschmeidig erhob und sich neben Yujo auf ein Knie herab ließ, vorsichtig sammelte er seinen Freund ein und brachte ihn nach oben in sein Zimmer.
Sollte sich der kleine Nager erst mal vom Spinnentrauma erholen, den Keller würde er wohl in nächster Zeit meiden, so wie es aussah.

Zumindest war das zu hoffen, denn so hätten sie für ein paar Tage – wenn sie Glück hatten sogar Wochen – eine mausfreie Badezone, das wäre auch nicht gerade das allerschlechteste was man sich so vorstellen konnte.
Es dauerte eine ganze Weile, bis der Nager wieder zu sich kam und begriff, dass er nicht mehr im kleinen Trainingsraum war, sondern in einem weichen Bett, genau genommen das Bett in dem Mauszimmer. Hier durfte er sich immer ausbreiten wenn er zu Besuch war, hier lagen seine Manga rum und Gabriel und Santos hüteten sich, hier aufzuräumen und die chaotische Mausordnung und damit des Nagers Karma zu stören!
Nichts war schlimmer, als eine karmagestörte Maus.
Im Augenblick hing’s wohl auch noch etwas schief, das Karma, so wie Yujo guckte. Ähnelte gerade mehr einer Penntüte als einer großen, starken Kampfmaus.

„Hm? Wieder wach, YuYu? Bleib liegen, ich hol dir Saft und später können wir noch immer toben, wenn du willst“, wuschelte Gabriel seinem Freund durch die Haare und erhob sich von der Bettkante.
„Oder magst du was anderes, Kleiner?“ Auch wenn der Nager selber verschuldet zu Boden gegangen war, tat er ihm immer leid, kaum erwähnte man ein Vieh mit mehreren langen Beinchen und schon drehte die Maus am Rad.

Und heute hatte er nicht nur am Rad gedreht, sondern auch an sich selber. Das Ergebnis dessen hatte Gabriel dann ja bewundern dürfen, in Form eines wunderbaren Abganges, auch wenn der in der Flugphase noch ausbaufähig war.
„Aber nicht mehr im Keller, ich will die Spinnen gar nicht sehen“, murmelte er und hatte schon wieder die Decke über sich im Auge. Da hatte sich auch schon mal so ein hinterlistiges Biest abgeseilt und war zu der armen, kleinen, unvorbereiteten, nackten Maus unter die Bettdecke gefallen. Die hatte dann, wegen Spinnenverseuchung, frisch bezogen werden müssen, was Santos – der das mitten in der Nacht erledigt hatte, während die Nacktmaus von Gabriel mit Tee versorgt worden war – nicht gerade für Yujo eingenommen hatte. Aber was musste der auch die Spinne im Bett erschlagen und erwarten, dass die Maus sich da noch rein legte!?
„Lieber was essen auf den Schock!“

Gabriel lachte und nickte gleichzeitig. „Okay, was willst du, wir haben noch Kuchen von, hmm, lass mal überlegen, ich glaub vorgestern und ich hab im Kühlschrank alles für ein Hühnercurry.“ Zwar war das für morgen gedacht und Santos hatte gesagt, dass er das auch erst morgen machen würde, aber Gabriel konnte das genauso gut und damit auch heute machen.

Allerdings sollte die Portion reichlich werden. Jeder wusste, dass Mäuse dort, wo andere Leute Mägen hatten, ein schwarzen Loch besaßen, dass die Angewohnheit hatte, Essen und Essenähnliches zu verschlingen und zu vernichten, ohne eine Spur zu hinterlassen.
„Ja, die Reihenfolge ist okay. Erst Kuchen – dann Curry. Und dann rupfst du allen Spinnen die du findest die langen, ekligen Beine raus, ist das okay?“, wollte die immer noch etwas torkelige Maus wissen und zog die Decke wieder bis zur Nase. Nicht dass doch noch so ein Vieh … nicht auszudenken und er war ohne seinen Spinneneliminator aus dem Haus gegangen!
Wie leichtsinnig! Das würde ihm nie wieder passieren.

„Überredet, YuYu. Kommst du mit runter und pflanzt dich ins Wohnzimmer oder willst du hier bleiben, weil, das Curry muss ich erst noch kochen“, wollte Gabriel wissen und war schon halb in der Tür.

„Ich komm mit. Jemand muss mich doch vor den Monstern beschützen, wenn die wieder hinter mir her sind!“ Er machte, dass er auf die Füße kam und flitzte in Socken hinter Gabriel her. Alleine wollte er jetzt nicht sein. Wer wusste schon, wo das Biest lauerte und ob es nicht noch seine Familie mit sich gebracht hatte!
So hopste er seinem Freund wieder auf den Buckel und ließ sich ins Wohnzimmer abschleppen.

„Faules Mausepack“, schimpfte der halbherzig und trabte die Treppe hinunter, lud den Nager auf die Couch und lachte über das Bild der sich in ihrer Decke verknoteten Maus.
„Ich frag mich echt, ob du noch mal erwachsen wirst, Kleiner“, triezte er seinen Freund und knuffte ihn in die Seite, was von den Decken erheblich gedämpft wurde.

Die Maus knurrte nur und erklärte, dass er jetzt einundzwanzig wäre und dass er wohl erwachsen genug wäre. Und dass er ja selber voll nichts dafür könnte, wenn hier Armeen von Spinnen zur Mausbekämpfung gezüchtet wurden. War wirklich nicht seine Schuld.
Lieber wickelte er sich in die spinnensichere Decke und sah sich weiter um. Nicht dass sie ihm gefolgt waren. Er war extra auf Gabriel gekrochen, damit die Spinnen am Boden die Witterung seiner Füße verloren! Schlaue Maus, und keiner lobte ihn dafür.
Gemeine Welt.

Gabriel ging nur lachend in die Küche und achtete das Geknurre keiner Antwort, suchte die letzten Stücke des Kakaokuchens heraus und legte die Dinger auf einen Teller, holte auch noch wohlweislich ein Glas mit Milch und setzte beides dem mosernden Nager vor.
„So, ich koche jetzt, willst du es mild oder scharf haben?“

„Wenn ich’s mir wünschen dürfte, lieber mild. Ich mag die scharfen Sachen doch nicht. Also … zumindest was das Essen angeht. Ein guter Porno hingegen kann ja gar nicht scharf genug sein, also ich meine …“ Eine kirschfarbene Leuchtmaus hockte mitten auf der Couch und wusste nicht, wie er sich aus seinem eigenen Dickicht wieder befreien sollte. Hastig trank er etwas Milch, um das Glühen in seinem Gesicht zu tilgen und stopfte Kuchen in sich rein, bis er sich verschluckte und qualvoll hustete.

„Alles langsam nacheinander essen, YuYu. Und Porno bekommst du hier keinen zum Gucken, aber ich kann das Curry mild machen und in einem zweiten Topf nachher ne Menge scharf würzen.“ Das war nicht wirklich ein Aufwand und Gabriel war es lieber, als wenn die Maus später quer über den Tisch Feuer spukte.
Reichte ja schon, dass er gerade quer über den Teppich Krümel spuckte, weil er immer noch hustete und blau anlief.

Plötzlich klopfte ihm Kawa leicht auf den Rücken und verhinderte somit eine erstickende Maus. Bis eben hatte er gerade alle Hände voll zu tun gehabt, einen angepissten Santos von sich fern zu halten.
War es dem anscheinend gar nicht recht gewesen, dass er ihn in eine der Wände gepinnt hatte.

„Du kannst doch nicht mitten in einem Kampf abhauen, nur weil die Maus erstickt. Der bekommt sich schon wieder ein!“ Santos war wütend. Er hatte doch wirklich drei zu zwei gegen seinen Zögling verloren und als er auf dem Weg zum Ausgleich war und sich gerade befreien wollte, da flitzte Kawa los, dass der überraschte Santos in den Dreck fiel – was auch keinen Unterschied mehr machte, so wie er aussah und gerade von Gabriel angeplärrt wurde, was er für eine Dreckspur hinterlassen würde – und nun klopfte der jüngere Vampir auf einer hustenden Maus rum, der gerade halb verdauten Schokokuchen auf dem Teppich verteilte.
Santos stöhnte. Gab es eigentlich etwas, was dieser Nager noch nicht auf seinem Teppich verteilt hatte?

Gabriel hockte sich resignierend auf einen der Hocker. „Wir sollten echt einen Holzboden verlegen, so oft wie hier wer was auf dem Teppich verteilt.“

„Was heißt hier wer? Die MAUS spuckt jedes Mal alles Mögliche quer durch die Bude, ich glaub ich spinne – Kawa, wir gehen runter und bringen das zu Ende, ich lass das nicht auf mir sitzen.“ Der Ägypter knurrte und fluchte. Nur weil die Maus zu blöd war ein Stück Kuchen zu essen, da hatte er seine Chance auf einen Ausgleich verpasst und stand nun immer noch im Hintertreffen. Dass er Schlamm auf dem Parkett verteilte, bemerkte er gar nicht.

„Ah ja, und den Schlamm hat auch YuYu ausgespuckt, Schatz?“ Sarkasmus schlich sich in Gabriels Stimme und er ging wieder um die Theke, um weiter zu kochen, sollten die drei Plagen doch machen was sie wollten.
Kawa strich weiter über Yujos Rücken und sah zu, wie Gabriel weiterkochte, das Wüten Santos’ entging ihm so und so nicht.

„Klar!“, entrüstete sich Santos und knurrte. Was sollte das denn jetzt? „Weiß ich, was das kleine Vieh alles frisst und dann wieder ausspuckt? Mäuse sind doch eh Allesfresser und warum kochst du gerade unser Mittagessen für morgen?“
Na nur gut, dass Yujo immer noch husttechnisch um sein Leben kämpfte, sonst hätten Santos wieder die Ohren geklingelt vor lauter Gezeter und Mordio. Er war kein Allesfresser! Und Schlamm fraß er schon dreimal nicht! Frechheit! Das war doch Rufmord! Aber noch kehrte er alle Krümel wieder aus der Luftröhre hinaus und die Tränchen liefen. Böse, böse Welt!

„Kurzfassung?“, wollte Gabriel wissen und schnippelte das Hühnchenfleisch klein. „YuYu wollte toben, wir waren unten ein wenig trainieren, YuYu dachte es sind Spinnen im Keller, drehte sich im Kreis und kippte um, ich hab ihn raufgetragen, er hat Hunger“, wedelte Gabriel dabei kurz mal zu der noch immer erstickenden Maus.
„Drum koch ich das Essen für morgen heute, da wir morgen so wie ich uns kenne, sicher am Rummel sind und eh dort etwas essen können.“

„A-a-a!“, machte Santos, „nicht so voreilig, mein Lieber. Noch bin ich nicht überzeugt, mich mit einer Landplage wie der Maus, der sich übrigens jetzt auch schon über mein Mittagessen hermachen will, auf der Straße blicken zu lassen.“
Yujo hustete noch lauter, er wollte so gern was sagen, aber er hatte noch viel zu viele Krümel in seiner Kehle. Das war doch so was von ungerecht! So viel wollte er diesem blöden Vampir sagen – alles wichtige Sachen! Aber außer mit den Pfötchen wedeln konnte er nicht viel. Jedes Mal wenn er Luft holte, um was zu sagen, war ein neuer Krümel da, um ihn husten zu lassen. Sein Kopf war schon ganz rot.
„Stirb draußen, da sind noch zwei Spinnen, soll ich sie holen?“
Das war doch alles nicht wahr – Kawa besiegte ihn fast im Kampf und die Maus fraß sein Essen für morgen, weil er Spinnen gesehen haben wollte. Und da hieß es immer, Kinder wären ein Segen! Von wegen!

„Dann fahr einkaufen und sperr uns im Keller ein, aber so, dass der da,...“, winkte Gabriel nachlässig zu Kawa, „... nicht einbrechen und uns rausschleppen kann, weil sein Nager Moserattacken hat und nicht allein auf den Rummel gehen will“, schlug er seinem Vampir vor. „Weil, der wird auch die Kuchenkrümel von deinem Schokokuchen gegen dich verwenden, um uns weich zu klopfen, das ist dir ja klar oder Schatz?“

„Warum!“ Santos wandte den Kopf gen Himmel - warum?
Warum war er heute Morgen aufgestanden und warum hatte er keine einbruchsicheren Türen?
Warum war er dabei, gegen seinen Zögling zu verlieren und warum war es verboten, Mäuse an Raststätten auszusetzen?
Warum?
Säuerlich sah er auf den Berg Krümel, den die Maus schon auf den Teppich gehustet hatte und auf die Maus, der immer noch rot anlief. Konnte der nicht leise sterben?
„Ich buch was Last Minute – einen Flug für heute Nacht, für zwei Personen auf die Mallediven. Wie wär’s?“, blinzelte er Gabriel zu und schlich sich – so dreckig wie er war – an seinen Schatz ran.

„Keine schlechte Idee, Süßer, nur hast du übersehen, dass ich übermorgen wieder arbeiten muss und komm ja nicht auf die Idee, dich so anzuschmiegen, sondern geh weiter raufen oder duschen“, kam es ohne Punkt und Komma von Gabriel, der abschätzend auf seinen dreckverschmierten Schatz guckte.

Santos war total irritiert, weswegen er auch erst einmal in der Bewegung verharrte und den Kopf schüttelte. „Lass dich krank schreiben, nach einem Tag auf dem Rummel mit einer Maus bist du es sowieso“, knurrte er und besah sich weiter den sterbenden Nager. Da kam ihm eine Idee, er würde das Biest einfach so lange mit trocknem Kuchen füttern, bis er sich zu Tode gehustet hatte. Okay, nicht gleich zu Tode, man wusste nie, wann man noch mal eine Maus gebrauchen konnte … Santos lachte innerlich über sich selber. Wann in seinem Leben hatte er bis jetzt mal eine Maus gebraucht?
Er hatte den Faden verloren – was wollte sein Schatz? Ach ja …
„Komm, Liebling, siel dich mit mir auch eine Runde im Dreck und dann gehen wir beide duschen und wenn wir Glück haben, hustet sich die Maus tot beim Spannen!“
Oh wie gern hätte Yujo was erwidert, aber er war viel zu erschöpft und sank langsam in sich zusammen. Der Hals war frei aber sein Kopf tat weh. Arme, kleine, schmerzgeplagte Maus.

„Nur wenn Kawa das Curry fertigt kocht, ohne dabei die Küche zu verwüsten, weil ihn sein Nager ablenkt.“ Gabriel erinnerte sich nicht so wirklich gerne an das Intermezzo, als der Ofen abgebrannt war, kurz nach dem fertigen Einrichten, weil Kawa kochte, YuYu sich unten fast selber ertränkte und der Vampir über der Mauserettung die Küche fast vernichtete.
Der hätte sich aber auch wirklich denken können, dass die Ofenhandschuhe nicht feuerfest waren und somit auch nicht im selbigen verbleiben sollten, nur weil ein Nager fast absoff.

Santos sah seinen Zögling strafend an. „Wenn du noch mal die Küche in Flammen steckst, bring ich dich eigenhändig um … ist egal, ob der Nager wieder irgendwo verreckt. Der kann warten. Erst wird der Ofen ausgemacht, klar?“, wollte er wissen und wartete eigentlich innerlich schon auf eine Motztirade von der Mosermaus – doch die blieb aus. Stille, die in den Ohren fast wehtat, weil sie kein gutes Zeichen war. Nur Maus guckte von seinem Fleck auf dem Teppich nach oben, große feuchte Augen und schniefte, ganz mausuntypisch.
Santos wusste vor Schreck gar nicht was er tun sollte. Mit einer Tobmaus konnte er umgehen – aber das Häuflein Elend da?

Gabriel guckte von Santos zu dem Elendsnager und zurück. „Oh oh“, wisperte er leise und guckte zu, wie Kawa versuchte seine Maus zu flauschen und der nur weiter todunglücklich Santos anguckte. Na da hatte sich sein Süßer ja was eingebrockt.

„Was denn nu?“ Santos hatte sich jetzt eigentlich mit Gabe etwas im Dreck wälzen wollen, sich für seine Niederlage bei Kawa etwas Trost holen und sich dann unter der Dusche so richtig trösten lassen, aber er hielt im Schritt inne, als er das leise Oh Oh seines Freundes hörte. Kaum dass er sich wieder umgewandt hatte wusste er auch schon, was Gabriel meinte. Eine tief deprimierte Maus saß mitten auf seinem Teppich. Maulte nicht, knurrte nicht, schniefte nur leise und guckte extrem vorwurfsvoll drein. Was war denn mit dem los?
„Was n los Maus?“, wollte er wissen, doch der Nager formte nur die Lippen zu einem Strich und fiepste leise, der Hals war vom vielen Husten rau und kratzig und tat ganz schön weh.
„Warum … willst du, dass … ich tot bin“, kam es fast tonlos und Santos schluckte.
Seit wann nahm die Maus denn so was persönlich? Hatte der durch das Gehuste sein Hirn verrückt?
„Hast du mich gar nicht lieb?“
Santos verdrehte nur die Augen, während der Schlamm an ihm trocknete und abbröselte – nicht wieder diese Diskussion! Er hatte sie letzte Woche schon verloren. „Doch und jetzt komm hoch und nerv die Leute, ist ja nicht normal wie still du da hockst.“
Doch Maus reagierte nicht. „Beweise, dass … du mich … lieb hast.“

Jetzt guckte sogar Kawa alarmiert und Gabriel zog es ein feines Grinsen auf, das er mühsam bekämpfte, zu gut konnte er sich denken, WAS nun kommen würde.
Oh ja, sein Schatz würde morgen wohl sehr lange am Rummel sein und sehr sehr leiden und sehr viele Fahrzeuge ausprobieren, wenn es nach der Maus ging, die den weißhaarigen Vampir noch immer mit großen Kulleraugen anguckte und vor sich hinschniefte.

Und Santos hatte im Augenblick wohl den gleichen verhassten Gedanken wie Gabriel auch und der gefiel ihm gar nicht. Wie kam er da nur wieder raus?
„Du darfst schließlich nachher mein morgiges Mittagessen futtern – ist das nichts?“
Maus schüttelte nur traurig den Kopf und schniefte, wischte sich die Nase am Ärmel und guckte wieder zu Santos. Konnte dem nicht einer das süß Gucken verbieten? Dieser Blick gehörte verboten. Er ging Santos durch und durch.
„Ich geh mit Gabe duschen – willst du gucken?“
Das Mausschnäuzchen zuckte und Gabriel schien auch gerade ausholen zu wollen, um Santos eine mit der Kasserolle zu verplätten – doch so schwer es der Maus fiel dies auszuschlagen (man sah es an seinem leidenden – noch mehr als bis her schon – Blick) er schüttelte den Kopf.

War die Maus krank? Man bot eine Gratis-Show und der lehnte ab?
Santos versuchte wirklich alles, um das eine böse Wort mit R nicht zu sagen – nie im Leben!
„Im Kühlschrank ist noch Joghurt, bedien dich“, knurrte er nur und versuchte die Schniefmaus zu ignorieren. Schon mal versucht eine Schniefmaus zu ignorieren? Eine, die auf allen vieren angekrochen kommt und deine Hose festhält und sich an dich kuschelt?

Gabriel gluckste und vergaß darob sogar Santos doch noch eine überzuziehen, weil er der Maus schon fast Spannerlaubnis erteilte, ja ging’s denn noch?
„Schatz, ich glaub du bist morgen dran“, grinste er seinen Vampir zuckersüß an und deutete zur Maus, der an Santos schmutzstarrender Hose hing und die wieder einweichte mit allem möglichen.

„Halt die Klappe“, zischte Santos leise und griff sich vorsichtshalber mal die Stielpfanne, nicht dass Gabriel doch noch aus Versehen wehrlose und gerade arg um Worte ringende Vampire damit vertrimmte. Sein Ego hatte heute sowieso schon mehr als einen Riss und eine Delle bekommen. Er wollte nicht auf den Rummel – er wollte einfach nicht! Nein!
„Wie wär’s, Maus, wir gucken uns ein paar deiner Lieblingsvideos an. Die aus der roten Kiste unter Gabriels Bett, hm?“
Wieder zuckte das Mausschnäuzchen – Gabriels Pornosammlung war legendär. Eigentlich war es nicht Gabriels, sondern nur die, die er von Santos beschlagnahmt hatte, aber die lagerten unter Gabriels Bett und Maus wusste das genau.

Und er war mehr als scharf auf die Kiste, denn Gabriel wachte darüber, als wenn’s sonst was wäre und ließ die arme, kleine Maus nicht mal reinlugen, doch so oft wie sich Santos darüber echauffierte, dass seine netten, anregenden Filmchen immer wieder verschwanden, wusste der Nager schon sehr genau, was da alles drin war.
Tummelten sich dabei auch ein, zwei Heimvideos und die würden den Nager wohl am meisten interessieren.

„Gemein“, maulte der Kleine nur und klammerte sich dichter an Santos’ Beine. Dass er dabei selber dreckig wurde war nebensächlich. Er wollte die schmutzigen Filme UND auf den Rummel!
„Sag einfach ja, wir holen die Kiste und der Tag ist gerettet. Ich geh mit Gabe duschen und Kawa kocht fertig. Schluss – aus – Ende!“ Santos hatte seinen Sieg schon vor sich, er konnte ihn auf der Zunge schmecken und leider konnte er nicht in ein Maushirn reinsehen, in dem es ratterte und brütete und das gerade beschloss, Kawa zu beknieen, mal die Kiste unter dem Bett zu knacken! Die war nämlich nicht nur angekettet am Bettpfosten – die war auch noch mit Sicherheitsschlössern maussicher gemacht. Aber Kawa bekam ja alles auf. Trotzdem fiel es der Maus unsagbar schwer unter Tränen der heiligen Kiste – dem Gral der Mausheit – zu entsagen.
Oh Abtrünniger!
Santos verdrehte nur die Augen.

Hätte er zu Gabriel geguckt, wären ihm wohl die Blitze aufgefallen, die der auf ihn abfeuerte. „Wehe du zeigst ihm unsere Filme, dann dreh ich dir sogar was um, was mir dann abgeht“, knurrte er leise und funkelte Santos an, dass sich Kawa, der den Großen ansah, lieber mal ein wenig von den beiden weg entfernte.
Dass sein Nager dabei noch auf Santos hing gefiel ihm nicht wirklich, aber Yujo jetzt da runter klauben und dessen Schniefen auf sich zu ziehen?

„Die hätte ich schon aussortiert“, knurrte Santos leise. Ihn kotzte es mehr an, dass er mit den Filmen nicht landen konnte, als dass Gabriel um ihre eigenen Arrangements im Bad fürchtete! Die hätte man ja zur Not auch aussortieren können, wenn die Maus angebissen hätte. Aber Maus hatte nicht angebissen, auch wenn er sich gerade in Grund und Boden ärgerte und wohl keiner Maus auf dieser Welt, die etwas auf sich hielt, noch unter die spannenden Augen kommen durfte.
„Waren da etwa auch Filme von euch drinnen?“, wollte er mit ungläubigen, großen, roten Augen wissen und Santos klatschte sich mit viel Geräusch gegen die Stirn.
„Kawa – wegnehmen. Ich hab’s versucht, hat nicht geklappt – ihr seid dran. Flauscht ihn, ich geh mich waschen!“ Aber er kam keinen Zentimeter, denn Maus umklammerte noch immer seine Beine – mit Vorder- und Hinterläufen.

Kawa schüttelte den Kopf. „Santos, der lässt nicht los bevor du nicht morgen mit auf den Rummel gehst, das sollte dir klar sein. Sag einfach JA, lass dich von Gabe in der Dusche Trostflauschen und ich koch derweilen das Essen fertig“, schlug der Vampir vor und sah in die goldenen Augen des anderen, die sich bedrohlich verdunkelt hatten.
Dabei näherte er sich seinem Nager und begann mal langsam ein Pfötchen von Santos’ Hosenbein zu lösen.

„Nein!“, knurrte Santos und hätte, wenn er gekonnt hätte, wohl mit einem Fuß aufgestampft. Hörte ihm denn hier gar keiner zu? Er wollte nicht auf den Rummel – von den ganzen Bratgerüchen und dem Alkohol in der Luft wurde ihm übel, diesen Fahrgeschäften konnte er nichts abgewinnen und außerdem war es ihm viel zu voll und zu laut! Was sprach gegen einen netten Abend am Kamin, vorzugsweise auf einem Fell davor mit einem Gläschen Wein und einem guten Film?
Was dagegen sprach? Eine Maus, die sich unter Wimmern wieder an seiner Hose festklammerte und dabei jede Menge trocknen Dreck auf dem Parkett verteilte.

„Schluss“, kam es von Gabriel. „YuYu, klammer dich an Kawa, ich geh morgen mit dir auf den Rummel und die beiden Vampis können den Tag ja trainierenderweise im Keller verbringen“, gab Gabriel bekannt und kam Kawa zu Hilfe, damit sie die Maus von seinem Schatz pulen konnten.
„Geh duschen, Süßer“, wisperte er Santos zu, als auch das letzte Pfötchen von der Hose geklaubt war und Kawa den Nager in seine Arme schloss.

Der nickte nur und schniefte noch immer und Santos knurrte. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Wer musste dafür gelyncht werden, dass er dieser Welt Nager wie diese Maus beschert hatte? Wer hatte die erfunden?
„Gabe, das ist nicht fair, erst stopft mich Kawa in den Dreck und dann bist du nicht mal da, um mich zu trösten! Ich will nicht, dass du auf den Rummel gehst.“ Irgendwie erinnerte Santos gerade sehr an einen gewissen Nager, der nun seinerseits murmelte, dass der sich nicht so anstellen sollte und die Pornokiste rausrücken, weil er sich es anders überlegt hätte.
„Vergiss es – eins, zwei drei – Chance vorbei!“ Soweit kam’s noch, dass die Maus alles bekam und er nichts – außer Prügel von seinem Zögling. Ungerechte Welt. Murmelnd und murrend trollte sich der dreckige Vampir ins untere Bad.