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Kiseki no hana

Weiß Kreuz [P 12]
 
Pairing: Ken/Nagi; Schu/Omi

[fluff][Grünzeug]

Inhalt:
Nagi bekommt auf den Geburtstag von Schuldig einen Pseudo- Spinat, auf den er aufpassen soll. Will er dieses Gestrüpp zum blühen bringen, braucht er Hilfe von ausserhalb. Doch Nagi steht nicht so auf „Hexenjagden“… 

Bemerkungen:
Ich hab mich mal gefragt, was Kiseki no Hana eigentlich heisst und fand nur diese eine Übersetzung, Wunder Blume. Und da ich eine solche Wunderblume kannte, dachte ich, wäre eine FF sicher etwas süsses, gerade für die vorweihnachtliche Zeit. Da ich selber mit Grünzeug zu tun hab, konnte ich es nicht lassen, ein paar Begriffe einzubringen, gomen... 




Kiseki no hana



Grau. Es war alles grau. Das Gehäuse, die Einfassung des Bildschirms. Selbst die Tastatur und die Maus waren grau. Grau wie sein Leben. Einfach alles war grau. Der Tag sowieso. Eigentlich hätte er ja Geburtstag, aber er mied solche Tage immer. Die taten niemandem gut. Letztes Mal hatte Schuldig ihm nen tausender und ne hunderter Packung Kondome in die Hand gedrückt, anzüglich gegrinst, und ihn „auf die Piste“ geschickt.

Brad hatte ihm beides wieder abgenommen, die Hunderter ebenso, wie den Tausender. Und er war darüber mehr als nur froh gewesen.

Jetzt aber war leider nicht alles ganz so grau. Heute hatte sein Geburtstag nicht grau angefangen, sondern grün. Schreiend grün, um genau zu sein. Und feucht, oder besser, nass.

Er war immer noch daran, herauszufinden, wozu das Geschenk des Iren gut war.

Dieser hatte ihn frühmorgens um fünf geweckt, weil das ja Gott hurtet. Und um das noch zu unterstreichen, hatte er ihm, Nagi, eine Gieskanne geschenkt. Nachdem er mit diesem Ding durch seine Zimmertür gebrochen war, und auf seiner Brust notlandete.

Natürlich musste der Inhalt der Kanne Gott auch hurten, versteht sich. Vor allem, als er es, nach dieser brutalen Attacke, über dem Kopf des immer noch etwas beduselten Schwarzjüngsten ausgoss, denn es war Wasser. Eiskaltes Wasser.

Danach waren zwei Dinge gleichzeitig geschehen. Erstens war Farf an die Wand im Flur geklatscht, nachdem er von der Druckwelle aus dem Zimmer gepfeffert worden war. Er war mit einem seligen Grinsen der Wand nach runter gerutscht, und hatte „Das hurtet Gott definitiv“ genuschelt, bevor ihm Nagis Zimmertür noch vor den Latz geknallt war.

Zweitens war besagter Telekinet im Bett gestanden, hatte sich an die Giesskanne geklammert, bis ihm bewusst wurde, was er da tat. Dann hatte er das Ding misstrauisch gemustert, und es in die Ecke gepfeffert, in der Hoffnung, es würde vielleicht kaputt gehen.

Ging leider nicht. Und da er danach fünf Mal drübergefallen war, weil er sie aus trotz nicht hochheben hatte wollen, lag sie nun auf dem Fenstersims.

Dann war die zweite Überraschung gekommen, in Form seines Adoptivvaters. Der hatte zwei Stunden später, nach dem Nagi sich selbst trockengelegt, und Farf mit einem Bandana von Schuldig beschäftigt hatte, in sein Zimmer geguckt, die Giesskanne gesehen, und war wieder davon getrottet. Nagi war der Meinung, etwas in der Richtung von „Es geht also los“ von ihm gehört zu haben, war sich aber nicht sicher. Eigentlich murmelte Brad ja nie…

Eine Stunde später war er wieder gekommen, und hatte ihm ein hübsches, nett verpacktes Geschenk überreicht, dass etwa so gross wie die Kondompackung vom letzten Jahr war, wie Nagi beiläufig registrierte.

Brad sagte ihm, dass das nur ein kleiner Teil seines Geschenkes wäre, und noch lange kein Freischein, also bitte und so weiter und so fort und überhaupt und sowieso... Zu dem Zeitpunkt hatte Nagi seinen Erzieher bereits konsterniert angestarrt und sich gefragt, ob dieser schon reif für die Klappse war. Hatte ihm sein Vater doch wirklich die Kondompackung, die er von Schuldig letztes Jahr bekommen hatte, hübsch verpackt und schenkte sie ihm nun.

Er hatte verwirrt ein paar Mal geblinzelt, und dann gefragt, ob das sein Ernst wäre.

Brad hatte sogar den Anstand, einen Hauch von rosa zu zeigen, und auf den Boden zu starren. Brad! War! Verlegen!

Da wurde Nagi ja gar nicht mehr!

Mit einem dumpfen ‚Hrmpf!’ hatte er sich abgewendet. „Ich werde einfach mal auf den Rest des Geschenkes warten, bevor ich danke sage“ hatte er trocken gesagt, und sich vor den PC verzogen. Brad hatte genickt und war gegangen.



Und jetzt stand vor ihm ein grinsender Deutscher, der etwas hinter dem Rücken versteckt hielt.

Nagi seufzte. Es war zwölf, Farf hatte gerade eine Ladung Aufbackfrühlingsrollen aus dem Backofen geholt und sie auf den Tisch gestellt; zu Ehren des chinesischen Teammitgliedes, welches heute Geburtstag hätte. Das schlimmste an der Sache war, das Farf bei dieser Bekanntmachung genauso breit grinste, wie Schuldig, und Brad sich hinter seiner Zeitung verschanzte. Wieder murmelte der Schwarzleader etwas wie „Es geht wirklich los!“

Nagi schüttelte belämmert den Kopf, schob Schuldig mit seiner Telekinese aus dem Weg, und holte sich damit gleich einen Teller und zwei dieser Teigdinger, wie der Deutsche sie nannte, um sich wieder auf sein Zimmer zu verziehen, doch Schuldig war unerbittlich.

Er pflanzte den armen kleinen Telekineten auf einen Stuhl, und machte Anstalten, Nagi festzubinden, als Brad ihn aufhielt. Seufzend musste Nagi einsehen, dass heute alle ein Komplott gegen ihn geschmiedet hatten, und so blieb er still auf seinem Stuhl sitzen, den Teller mit den pappigen Frühlingsrollen knapp ausserhalb seiner Reichweite.

„Also, Chibi!“ „Nenn mich nicht so!“ Nur, weil er anständig ruhig sass, hiess das nicht, dass sein Mundwerk auch still war, doch Schuldig überging es wie immer gekonnt. „Du hast sicher Farfs Geschenk bereits bekommen, und fragst dich sicher, wozu das gut sein soll. Nun, ich habe hier etwas für dich. Ich habe es vor einigen Monaten von einem ganz lieben Freund bekommen, der mir geraten hat, es zu pflegen, bis Farbe sichtbar wäre, was ich getan habe. Es hat sich gelohnt!“, sagte, nein, trällerte der überdrehte orange Hüpfer vergnügt.

„Dein Freund?“ Brad warf ihm einen eisigen Blick zu, drohte ihm in Gedanken hundert Tode an, und verfluchte seine Schilde, da Schuldig diese schönen Szenarien seiner Hinrichtung so gar nicht sehen konnte.

Genannter Deutsche grinste weiter, ignorierte Brad und hielt Nagi einen Wusch von Grün unter die Nase.

Nach einem langen Blick darauf musste Nagi dann doch etwas anmerken. „Es ist bereits grün, das ist doch bereits eine Farbe, oder? Oder welche Farbe meinst du?“ Schuldig grinste. „Alle Farben!“ sagte er strahlend und blendete Nagi beinahe mit seinem Zahnpastawerbungslächeln. „Was ist das überhaut?“ merkte Nagi dann noch an, und Schuldig zog einen Flunsch.

„Eine Pflanze, du Depp! Eine Echte Pflanze! Nicht so, wie dieses dämliche Plastik und Kunststoffzeug, was Brad hier dekoriert hat!“

„Nenn mich nicht Brad! Und es ist nicht dämlich!“ fauchte genannter hinter seiner Zeitung hervor. „Es fängt nur unnötig Staub, absolut blöd, wirklich dämlich das Zeug!“ konstatierte der fürs Putzen zuständige Ire.

Brad verdrehte die Augen, und vertiefte sich wieder in seiner Zeitung. Nagis Gesicht war, um es mit einem Wort zu beschreiben, jämmerlich. Er hätte ja Mitleid mit seinem Jüngsten gehabt, aber da er wusste, dass er dann den nervigen Deutschen auch noch an der Backe hätte, sparte er sich das. Ausserdem konnte er gar nichts dagegen tun. Diese Vision hatte er schon vor Urzeiten bekommen, und jedes Mal, wenn er sie von neuem checkte, veränderten sich nur Details. Das grosse Ganze blieb unwiderruflich bestehen. Er hatte also keine Chance, dagegen anzukommen.

Nagi selbst fragte sich gerade, ob der Deutsche noch ganz dicht wäre, und erhielt, wie immer, promt eine Antwort. „Sei nicht so fies zu mir Chibi! Das ist eine einmalige Pflanze! Die ist echt selten, und es ist absolut notwendig, dass du dich gut um sie kümmerst!“

Nagi verdrehte einmal mehr die Augen. Brad murmelte wieder irgendetwas, der Kleine wollte gar nicht wissen, was genau, und Farf und Schuldig grinsten unisono auf ihn herab.

„Ok, wertvolle Pflanze. Aber falls es dir entfallen sein sollte, es gibt keine Pflanzen, die mehr als eine Blütenfarbe pro Setzling haben. Also wer immer dir den Schwachsinn erzählt hat, muss noch abgedrehter als du sein.“, sagte der Schwarzjüngste monoton, packte sich das Grünzeug unter den Arm und den Teller mit seinen Teig- Gemüse- Fleisch- Rollen, und verschwand in sein Zimmer.

„Er wird sich doch darum kümmern, oder?“, nuschelte Farf, und Schuldig runzelte die Stirn. /*Wehe, du lässt es vertrocknen!*/

„Was heisst hier vertrocknen? Meines Erachtens könnte ich es auch Essen. Sieht irgendwie aus wie Spinat!!“, fauchte der langsam aber sicher aufgebrachte Telekinet die Treppe hinunter und verschwand Türe knallend in seinem Zimmer.

Brad sagte nichts dazu.



Dumpf starrte er die Pflanze an. Dieser doofe Deutsche nervte ihn schon seit Tagen damit, dass er endlich herausfinden sollte, wie er die Pflanze zum Blühen bringen sollte. Nagi tendierte dazu, ihr einfach Zeit zu lassen, schliesslich war es abends noch lange dunkel, und draussen bitterkalt.

Ausserdem sah er den Sinn dieser Sache nicht. Warum konnte Schuldig ihm nicht einfach sagen, was er tun sollte?

/*Weil du das selber herausfinden musst!*/ meldete sich die Stimme des echt nervigen Telepathen in seinem Kopf. Wie er es hasste! /*Ich weiss, Kleiner! Aber ich will doch nur, dass es dir gut geht!*/ /Wers glaubt, wird selig!/ fauchte Nagi ungehalten zurück. Er hatte kein Problem damit, Schuldig in seinen Gedanken zu haben. Eher nervte ihn die neuste Art des Deutschen. Er wollte ihm zeigen, wie schön das Leben sein konnte!

Unwillkürlich schüttelte sich der Schwarz. Schön? Als Telkinet? Als Mensch, der anders war? Da war nichts schön! Das war, wie eine Hexenjagd!

Murrend und fauchend, Gefühlsregungen, die er sich äusserst selten gestattete, stellte er die Pflanze neben die grell leuchtende Giesskanne, und trat dann ein paar Schritte von ihr zurück. Mürrisch starrte er das Gewächs an, nicht sicher, ob er es nun mit Nichtachtung strafen sollte, oder die langsam welk werdenden Blätter mit etwas Wasser belohnen sollte.

Schliesslich wandte er sich rigoros ab, setzte sich an den PC, und beschloss, erst einmal seine Hausaufgaben zu machen.

Er funkelte die Aufgabe wütend an. Noch so etwas, was er nicht Leiden konnte: Schule. Der Beginn einer jeden Hexenjagd, und das Martyrium eines jeden überintelligenten Kindes, dessen Vater glaubte, sein Sohn müsste dort versauern, nur, weil er die Tarnung nicht gefährden wollte. Würde es nach Nagi gehen, hätte er letztes Jahr die Aufnahmeprüfung für das College gemacht, das wäre bei seinem Talent garantier weniger unauffällig, als weiter in der Mittelschule zu versauern. Aber nein…



Der deutsche Telepath schlich leise an Nagis Zimmer vorbei. Er konnte die aufgebrachten Gedanken des Kleinen bis nach draussen hören, ohne sich wirklich anstrengen zu müssen. Er seufzte. Wie konnte er Nagi beibringen, das es ab und an ein paar ganz besondere Menschen gab, denen es egal war, was für ein Talent man besass, oder welche Krankheit? Dass man manchmal einfach so gemocht wurde, wie man war…

Nun, bei Schwarz lernte man das sicher nicht, aber Brad stellte sich gegen solche Erfahrungen auch nicht wirklich quer. Zum Glück.

Trotzdem musste er mit dem Leader mal ein ernstes Wörtchen reden, ging ja schliesslich nicht an, das ihre Tarnung aufflog, nur, weil Nagi die neunte mit dem kleinen Finger machte. Energisch machte er sich auf den Weg zu Brad.



Seufzend betrachtete er sein langweiliges, immer gleiches Zimmer. Es war noch immer alles grau, nur die quietschgrüne Giesskanne, und der Pseudo- Spinat dümpelten auf dem Fensterbrett herum. Seit zwei Tagen sah das Gewächs etwas kümmerlich aus, schien langsam abzuserbeln, dabei hatte er ihm doch jeden Tag Wasser gegeben.

Er grummelte. /Schuldig! Der Spinat geht langsam ein. Kann ich ihn endlich kochen, oder was soll ich damit machen?/

Polternde Schritte auf der Treppe kündigten einen etwas ausser sich seienden Telepathen an, der mit der Tür ins Zimmer trat, und Nagi finster anstarrte. Die ganze letzte Woche nörgelte der Kleinen nun schon wegen dem Pflänzchen rum, und langsam war er selbst, grösster Menschenversteher diesseits des Ozeans, langsam am Ende mit seinem Latein.

Und das zeigte er Nagi auch.

„Hör zu, Kleiner! Ich hab dir die Pflanze gegeben, weil ich will, dass du auf sie aufpasst und sie zum blühen bringst! Absterben lassen zählt nicht! Aus versehen kochen zählt auch nicht! Geh mit ihr in einen Blumenladen, oder zum Pflanzendoktor, aber tu was! Sonst sorge ich dafür, dass Brad dir den Hals umdreht!“

Es knallte einmal laut, und die Tür war zu.

Mit offenem Mund starrte Nagi dem Deutschen hinterher. Ok, die Ansage war deutlich! Aber er verstand immer noch nicht, warum er sich um dieses welke Ding kümmern sollte! Es nervte ihn einfach!

„Wegen dir hab ich nur ärger!“ giftete er den Pseudo- Spinat an, und streckte ihm wirklich erwachsen die Zunge heraus, als dieser nichts zu erwidern hatte. Seufzend wandte er sich ab, und widmete sich der anstehenden Mission.



Zwei Tage später war der Pseudo-Spinat kurz davor, abzusterben, und Nagi hatte dann doch Mitleid.

Natürlich hatte er vor allem Mitleid mit seinem eigenen Kopf, sollte Brad das kümmerliche Gewächs sehen, zumindest redete er sich das vehement ein. Mit dem in Zeitungspapier eingewickeltem Spinat trat er auf die Strasse, und begann einfach mal zu laufen.

Da es im November nun einmal schon sau kalt war, waren sowohl er als auch sein treuer Gefährte dick eingepackt, Farf hatte es sogar geschafft, ihm eine selbst gestrickte Wollmütze überzuziehen, die ihm bis über die Augen ging.

Nagi konnte flüchten, bevor das Gewächs auch noch so ne Mütze verpasst bekommen hatte. Aber seine behielt er an, irgendwie war der pfeifende Wind doch arg zu kalt für seine Ohren. Vor sich hinmurmelnd und fluchend lief er die Strasse hinunter, stieg in den erstbesten Bus und liess sich von diesem solange herumfahren, bis er einen Blumenladen sah. Bei der darauffolgenden Haltestelle sprang er raus, und begann sofort wieder zu fluchen, wäre es doch mindestens dreimal bequemer gewesen, an der vorherigen Haltestelle schon auszusteigen.

Er hasste die Welt!

Und die Welt hasste ihn!

Definitiv! Denn als er den Laden erreicht hatte, war dieser bereits gestopft voll mit kreischenden Dingern, die wie verrückt rumsabberten, und nicht mehr aus dem Kreischen raus kamen! Oh, wie er Mädchen hasste! Genauso, wie Blumen! Oder wie Menschen überhaupt! Er konnte sie alle nicht Leiden!

Mürrisch, und mit tötenden Blicken nur so um sich werfend, pflügte er sich mit subtilem Einsatz seiner Kräfte bis hin zu Ladentheke, erlaubte sich, frech vorzudrängeln, und den erstbesten anzuhauen, nachdem er die Wollmütze bis knapp über seine Augenbrauen hochgeschoben hatte. Der grosse blonde Typ vor ihm war so damit beschäftigt, mit den Mädchen zu flirten, dass er ihn erst gar nicht sah. Erst, als er ihn zum vierten Mal wütend anfunkelte, verlagerte sich dessen Blick auf den Kleineren.

„Was willst du, Kleiner? Ich habe zu tun!“ Nagi schnaubte ungehalten, rollte mit den Augen, und begann, das Pflänzchen auszupacken. „Ich brauche Hilfe! Mein Spinat stirbt!“, sagte er mit einem heftigen Anfall von Galgenhumor. Die Stimme des Blonden klang irgendwie bekannt, doch jetzt, wo sie mit ihrem Vibrieren die Mädchen betören wollte, war sie so grundverschieden, das Nagi den Blonden absolut nicht mit Balinese in Verbindung brachte. Er stellte den Pseudo- Spinat vor den grossgewachsenen Blumenverkäufer, und warf ihm einen kritischen Blick zu. Dann stockte er.

Der Blonde sah ihn aus grossen Augen an, dann warf er ihm einen bitterbösen Blick zu. „Was hast du mit dem armen Pflänzchen getan?“, fragte er mit nun gar nicht mehr vibrierender Stimme, und starrte den dürren Haufen Blätter zu tiefst betroffen an. Dann wandte er sich ab. „Keeeeeen!“

Nagi verdrehte die Augen. Wurde sein Spinat nun der ganzen Belegschaft vorgeführt, oder was? Darauf hatte er nun gerade so was von keine Lust, dass er die Hände bereits nach seinem Pflänzchen ausstreckte, und es wieder verpacken wollte, als diese angenehme, aufmunternde Stimme erklang.

„Ja?“ „Hier, du hast ne Aufgabe! Da! Akuter Fall von keine Ahnung, aber du musst schnell Handeln, sonst stirbt es!“ Der Blonde klang beinahe hysterisch und Nagi verdrehte die Augen.

Dann sah er auf, und bemerkte die zwei äusserst belustigten Augen, die sich auf ihn gerichtet hatten.

Nagi gefror. Diese Augen kannte er! Aber woher? Irgendwie schienen ihm gerade alle Gedanken anhanden gekommen zu sein. Etwas dümmlich starrte er den Braunhaarigen an, der sich nun dem Pseudo- Spinat gewidmet hatte, und die Stirn runzelte. „Sieht wirklich nicht gut aus“, murmelte er, und Nagi bekam aus irgend einem ihm absolut nicht erfindlichen Grund ein schlechtes Gewissen.

Er! Einer der bösesten der Bösen, seines Zeichens gnadenloser, kaltblütiger Killer bekam ein schlechtes Gewissen?!! Wo zur Hölle, sollte das denn noch hinführen? Er wurde ja nicht mehr!

Von Ferne hörte er das Gespräch, was die grösseren beiden führten. „Warum kümmerst du dich nicht selbst darum, Yohji?“, fragte der Braune, und der Blonde legte ein laszives, alles erklärendes Lächeln auf sein Gesicht, was Nagi wieder dazu veranlasste, die Augen zu verdrehen. „Ich habe hier was zu tun, Ken! Kundschaft!“, meinte er lässig, wandte sich ab, und begann, mit dem erstbesten Mädchen zu flirten.

/Der hats ja eilig!/ knurrte Nagi in Gedanken, kam aber nicht umhin, da ein paar Schlüsse zu Schuldig zu ziehen. Seufzend wandte er sich zu dem Braunhaarigen, und wartete ab, was dieser denn nun tun würde. Dieser verdrehte ebenfalls kurz die Augen, sah Nagi dann lächelnd an, und winkte ihm. „Komm. Wir verziehen uns ins Gewächshaus. Dort ist es etwas Wärmer, und du kannst verstehen, was ich sage!“ Er warf den Hühnern einen bezeichnenden Blick zu, und lief dann langsam voraus. Artig hielt er Nagi die Tür auf, und schloss sie dann wieder.

Nagi sah sich beinahe schon neugierig um. Er! Neugierig! Heute lief wohl einiges schief, so, wie er dass sah.

Vor allem der Rothaarige Typ, der ihm da entgegen kam, und verdammt bekannt war. Hektisch warf Nagi einen Blick über die Schulter zurück, starrte den Braunhaarigen an, und erkannte diesen dann endlich auch.

Siberian!

Von allen Menschen, die er in seinem Leben nicht hatte in einem Blumenladen treffen wollen, war dies derjenige, der ganz oben auf der Liste stand. Ausgerechnet der Typ, der Schwester Amamya umgebracht hatte. Ausgerechnet einer von Weiss! Der hatte ihn bestimmt erkannt und ihn deshalb in eine Falle gelockt! Ganz bestimmt! Und jetzt kam da noch Abyssinian! Mit etwas Schwarzem in der Hand kam er langsam auf die Beiden zu, und Nagi biss sich auf der Unterlippe herum. Sollte er eine Druckwelle loslassen? Oder sollte er die beiden einfach dort festhalten, wo sie waren?

Er hatte selbst nicht bemerkt, wie er zurückgetreten war, Ken beinahe auf die Füsse stand, und sich hilflos gegen das Hochbeet presste, das in der Mitte des Hauses stand. Ken warf ihm einen verwirrten Blick zu, und sah dann dessen Blick nach. Dann lächelte er.

Aya sah wieder einmal zum fürchten aus. Wie der Henkermeister persönlich. Kein wunder also, hatte der Kleine da vor ihm das grosse Schlottern.

Langsam legte er dem Jungen vor sich die Hand auf die Schulter, und als dieser vollkommen aus der Fassung hochsprang, und sich entsetzt umdrehte, musste er lachen. „Keine Sorge, der gehört zum Inventar. Der sieht immer so mürrisch aus. Hey Aya! Lächeln!“, unkte er, was ihm einen absolut finsteren Blick des Rothaarigen einbrachte. Ken kicherte verhalten, und dann war Aya heran.

„Was will der hier?“, grummelte der Weiss, und Nagis Herz rutschte in die Hose. Hastig senkte er den Blick, war immer noch fieberhaft am überlegen, ob er beiden einfach das Genick brechen und verschwinden sollte, als Kens Stimme wieder ertönte. „Kundschaft. Yohji belagert vorne, und der Kleine wollte etwas wissen, was wohl etwas länger brauchen wird.“

Nagi konnte hören, wie der Braunhaarige in seinem Rücken lächelte, dann fühlte er wieder dessen Hand, die sich schwer, aber beruhigend auf seine Schultern legte. Von unten herauf beobachtete er die beiden Männer, und wartete ab. Dieser Aya, Abyssinian, berichtigte er sich, sah ja ganz so verbissen aus, wie sein Leader, Grausig, wenn er das Mal so bemerken durfte. Hoffentlich erkannte der ihn nicht!

Ein Zittern unterdrückend bemerkte Nagi, dass das schwarze Ding, was Abyssinian umklammert hielt, mitnichten ein Katana war. Es war ein stinknormaler Gartenschlauch…

Mit einem kurzen Nicken öffnete Aya die Tür zum Verkaufsraum, zog den Schlauch heraus und schloss sie wieder. Mit einem metallischen schleifenden Geräusch fuhr die Tür zurück . Nagi bekam irgendwie das Gefühl einer zufallenden Gefängnistür nicht mehr aus seinem Kopf. Nervös glitt sein Blick rasch über die eventuellen Verstecke und Fluchtwege in dem Treibhaus. Dann legte sich abermals Siberians Hand auf seine Schultern. Nervös zuckte er zusammen.

Der braunhaarige Blumenverkäufer kam um ihn herum, sah ihn prüfend an. Nagi senkte den Blick. /Ein Wunder, dass ihn noch niemand erkannt hatte/, dachte er sich. Dann verdeckte ihm etwas seine Sicht, und ihm fiel die Mütze ein, die Farf ihm noch über den Kopf gezogen hatte, bevor er aus dem Haus gehastet war. Perfekte Tarnung, also!

Vollkommen in seine Gedanken vertieft, hatte er gar nicht bemerkt, wie Siberian ihn etwas zaghaft an der Schulter geschüttelt hatte. Verwirrt sah er hoch, direkt in dessen braune, besorgte Augen. „Was?“ murmelte der Schwarz durcheinander.

Siberian schickte ihm einen weiteren besorgten Blick. „Willst du nicht was ablegen? Du siehst aus, als würdest du nächstens umkippen! Das muss doch viel zu heiss sein!“ Hastig schüttelte Nagi den Kopf. Seine Patentierte „Weiss- verwirr- Mütze“ würde er garantiert nicht ablegen!

Siberian zuckte mit den Schultern und wandte sich der Pflanze zu. Vorsichtig stellte er sie auf den Tisch, zog ihr den Übertopf weg, und entleerte das Wasser, was sich darin befand. „Den hast du, ziemlich effektiv, wie ich sagen möchte, ersäuft!“ sagte er stirnrunzelnd und musterte Nagis Spinat mit kummervollem Blick. „Ausserdem ist das kein Spinat, der sähe anders aus. Aber frag mich nicht, was das ist!“ Er hob abwehrend die Hände, als Nagi hoffnungsvoll hochsah.

„Mein Freund sagte, er hätte mehrere Farben in einem Setzling. Das kann doch gar nicht möglich sein, oder?“ , fragte der kleine Schwarz. Zu seinem eigenen erstaunen hörte er sich etwas schüchtern an. Siberian warf ihm einen überraschten Blick zu. „Noch nie was von so einer Pflanze gehört“, nuschelte er.

„Was machst du?!“, quietschte Nagi überrascht, als Ken den Plastiktopf von dem Wurzelballen zog, und ihn weg schmiss. „Radikalkur“, antwortete dieser. Dann begann er den Wurzelballen auszuwringen, als wäre es ein nasses Handtuch.

Mittlerweile zweifelte Nagi ganz heftig am Verstand des braunhaarigen Weiss. Der konnte doch nicht mehr ganz dicht sein, oder? Das war doch schon fast brutal, was der da machte!

Das schabende Geräusch der Tür ertönte, was Nagi gar nicht richtig mitbekam. Erst, als warmer Atem über seinen Nacken strick, und eine kindliche, neugierige Stimme direkt neben seinem Ohr ertönte, zuckte er erschrocken zusammen.

„Hey, Ken- kun! Was machst du denn da?“, fragte der neu dazugekommene interessiert. Nagi erkannte Bombay, doch er antwortete, bevor er nachgedacht hatte. „Er wringt meinen Spinat aus!“, nuschelte er missmutig, und hoffte, das Brad seinen Internetzugang nicht kürzen würde, sollte der Pseudo- Spinat zugrunde gehen, ob der schändlichen Behandlung.

Er war sich des verdutzten Blickes Bombays und der gerunzelten Stirn Siberians durchaus bewusst, doch sein Blick lag fest auf dem ausgewrungenen Pseudo- Spinat.

Bombay kicherte. „Das ist kein Spinat!“, sagte er im Brustton der Überzeugung, dann trat er näher heran. Prüfend nahm er den tönernen, offenbar einmal selbstgetöpferten Übertopf zur Hand, drehte und wendete ihn, sah den Boden interessiert an, und stellte ihn dann hastig wieder hin. Siberian war das überraschte, halb misstrauische halb erfreute Gesicht seines Arbeitskollegen völlig entgangen, da dieser sich zu Nagi gewandt hatte.

Dieser starrte verbissen auf den Boden, hatte er doch das Gefühl, dieser Bombay würde ihn erkennen.

„Was ist es dann, Omi?“ fragte der Braunhaarige neugierig. „Sowas hab ich noch nie gesehen!“ fügte er interessiert hinzu. Bombay grinste. „Erinnerst du dich, als ich… Ferien in Südamerika gemacht hab? Mit Aya? Da ist mir auch so eine über den Weg gelaufen. Die war wunderschön, aber ich hab nirgends wo Samen dafür gefunden.“

Siberian nickte eifrig, zog unter dem Tisch einen zum Übertopf passenden einfachen Tontopf hervor, und begann, die Pflanze mit neuer Erde darin ein zu topfen, nachdem er die nasse vorher aus dem Wurzelwerk geschüttelt hatte. Mit erdigen Hände zeigte er auf Omi. „Aber du hast doch so ein Grünzeug von dort mitgebracht. Das, was immer auf dem Fenstersims stand?“ Er nieste, da er schliesslich Murphys Gesetz zu erfüllen hatte. (Das passiert mir jedes Mal, wenn ich am umtopfen bin. Gomen, musste rein! XP)Schliesslich konnte er mit den Dreckigen Fingern nicht einfach über die Nase wischen.

Nagi beobachtete, wie Omi fröhlich weiterplapperte, während der andere Weiss zum nächsten Wasseranschluss ging, sich erst die Hände wusch, dann die Nase putzte und anschliessend zurückkam.

Derweil erzählte Bombay weiter. „Ich hab sie nicht mitgenommen, das war Aya. Hat sie im Zimmer gehalten und kam dann eines Tages zu mir und meinte, ich solle sie übernehmen. Er hätte kein Gefühl dafür. Du weißt ja, wie er ist…“ Bombay zuckte mit den Schulter.

Nagi stutzte. „Er arbeitet in einem Blumenladen und soll nicht wissen, wie man eine zum blühen bringt?“

Bombay lächelte. „Ich hab aus ihm rausbekommen, dass eine Eingebohrene ihm die Pflanze überlassen hat, und ihm sagte, er solle sie mit viel Liebe behandeln, sonst würde sie nicht blühen. Nun, Aya ist, was Gefühle angeht, etwas… zurückhalten.“ Er bracht ab, starrte auf den Übertopf, und schien zu überlegen, was er sagen sollte.

Siberian derweil hatte die Pflanze in den neuen Tontopf gepflanzt und drückte ihr gerade einen Giessrand an. Er bemerkte die dunkelblauen Augen, die wachsam auf sein Tun gerichtet waren. Mit einem lächeln beantwortete er die unausgesprochene Frage. „Damit das Wasser nicht gleich oben über quillt, wenn du ihn mal giesst.“ Nagi nickte, und fühlte sich gleich darauf beobachtet.

Bombay hatte seine Augen kontinuierlich auf ihn gerichtet, und lächelte jetzt. „Aber Omi, ich hab deine Wunderblume schon lange nicht mehr gesehen! Was ist damit?“

Omi lächelte, und begann Kens Sauerei wegzuputzen. „Er hat geblüht und die Blüten sind verwelkt. Ich hab die Samen sammeln können, und wollte im März mal sehen ob wir die aussäen können! Die Pflanze hab ich weitergegeben.“ Er wurde verdächtig rot um die Nase und grinste irgendwie dümmlich.

Siberian lachte. „An deinen Schatz?“ Bombay nickte verlegen. „Der hatte so seine Mühe damit, das ihn jemanden mögen könnte. Du weißt ja, wie es am Anfang war!“ Er verdrehte die Augen und seufzte. „Jedenfalls hab ich ihm ein halbes Jahr Zeit und die Wunderblume gegeben. Hab ihm gesagt, das er die Klappe halten solle, und einfach bei mir bleiben müsse, wenn er es schaffen würde, zwei verschiedenfarbige Blumen daraus zu ziehen. Er hats mir nicht geglaubt, war aber neugierig. Und eines Morgens war die ganze Pflanze voller Blüten!“

Bombay lächelte verträumt, und Nagi bekam ein ganz dummes Gefühl! Irgend etwas klickte die ganze Zeit in seinem Kopf auf den rechten Platz, wie ein Puzzle, dass fertig wurde. Doch er erkannte das Bild darauf nicht.

Siberian indessen stellte die fertig umgetopfte Pflanze in den Übertopf, goss sie leicht an, und war sich gleich darauf Nagis fragendem Blick wieder sicher. Er lächelte leicht, als er antwortete. „Die Erde muss sich um die Wurzeln schliessen, deshalb jetzt angiessen. Aber gib ihr nicht mehr jeden Tag Wasser, das tut ihr nicht gut. Hast ja gehört, die kommt aus Südamerika, da ist es zu heiss für mehr Wasser. Ähnlich wie ein Kaktus.“ Er lächelte immer noch.

Nagi spürte, wie sich die Röte von seinem Nacken her ausbreitete, langsam seine Wangen anhauchte und schliesslich sein ganzes Gesicht zierte. Er hatte wirklich alles falsch gemacht, oder? Siberian musste ihn ja für vollkommen dämlich halten! Das war so peinlich, am liebsten wäre er in ein Loch versunken!

Bombay indessen beobachtete ihn wieder interessiert und hatte etwas auf dem Gesicht, was Nagi nicht so einfach einordnen konnte. War es nun ein verschmitztes Lächeln oder ein nachsichtiges Grinsen? Und was wusste dieser, was er nicht wusste? Warum wurde dessen Grinsen immer breiter? Und warum hatte Nagi da ein ganz dummes Gefühl, als Bombay erneut den Mund aufmachte?

„Also, Nagi! Pass etwas besser darauf auf! Die nächsten vier bis fünf Tage sollte es schön feucht bleiben, aber nicht sumpfig, klar? Danach darf es auch ab und an einen Tag etwas trockner sein! Und sollten Probleme auftreten, kannst du immer wieder herkommen. Sonst wirst du wohl eh keinen Laden finden, der sich damit auskennt.“ Er deutete lächelnd auf die Pflanze.

Nagi warf ihm einen geschockten Blick zu, Siberian ihm einen überraschten. „Ihr kennt euch?“ Das Haifischgrinsen auf Bombays Gesicht erinnerte Nagi wieder einmal erstaunlich an den deutschen Hai zuhause. Er bekam schon wieder das grosse Schlottern! Bombay hatte ihn entlarvt! Woher sonst sollte der gegnerische Hacker wissen, wie er hiess? Er hatte wohl irgendwo eine Akte über Nagi gefunden, und nun war er, der arme, ach so süsse Schwarz- Killer dran!

„Flüchtig. Er ist… der kleine Bruder meines Freundes!“ Trotz der zarten Röte, die nun wieder Bombays Wangen zierte, war dieses Grinsen allgegenwärtig, und konnte für Nagi nichts gutes verheissen!

„Von Alexander?“, fragte Siberian, und Bombays Grinsen verschwand. Er lächelte nur noch etwas zerknirscht. „Jah, von Alexander“, nuschelte er undeutlich, und Nagi fragte sich, ob er irgendwie auf den Kopf gefallen war, als er hier herein kam. Bombay kannte ihn, da gabs keinen Zweifel. Aber dann müsste er doch auch wissen, dass er keinen Bruder hatte. Schon gar keinen mit dem deutschen…

… Namen…

Es machte abermals klick in Nagis Kopf, und seine Augen drohten vor Überraschung aus dem Kopf zu springen. Das war jetzt nicht wahr, oder? Hatte er das jetzt richtig verstanden? Und überhaupt, das da war Bombay, der liebe nette kleine Bombay! Wie ging denn das?

Siberian indessen grinste wieder. „Hey, Chibi! Ist immer wieder süss anzusehen, wie du rot wirst. Aber langsam solltest du dich doch daran gewöhnt haben, wie es ist, jemanden zu haben, oder? Du könntest ihn übrigens ruhig mal mitbringen, deinen Lexi!“ Siberian lachte, als Bombay die Arme vor der Brust verschränkte, und ihm einen bösen Blick zu warf. Doch gleich darauf wuschelte er ihm durch die Haare. „Sorry, war nicht böse gemeint. Vergiss das Chibi wieder, okay?“

/Soso, nicht nur ich hab mit dem Chibi- in- mir zu kämpfen/ dachte sich Nagi, und er war beinahe etwas entschädigt für den Schock, der Bombay ihm verpasst hatte. Dieser warf Siberian noch einen bitter bösen Blick zu, und hörte dann von einer Sekunde auf die andere auf zu schmollen. „Es reicht mir schon, wenn Yohji mich immer so nennt. Nicht du auch noch!“ Nagi grinste.

Bombay warf ihm einen bösen Blick zu. „Grins nicht so! Sonst steck ich Alex, dass er dich auch so nennen soll!“, fauchte Bombay, und Nagi drängte sich die Assoziation mit einem Kätzchen auf. „Tut er eh schon. Ich hab mir vorhin schon gedacht, dass er mich an Yohji erinnert!“ Bombay Augen blitzten vergnügt auf.

„Ja, hat was, aber Yohjis IQ liegt deutlich unter Alex’.“ Er verstummte kurz, dann lächelte er Nagi an. „Kommst du wieder einmal? Wenn es mit deiner Wunderblume nicht besser geht, dann kannst du Ken fragen. Der hilft dir sicher gerne. Ich werde die meiste Zeit nicht da sein. Ich muss noch zur Schule.“ Nagi verzog das Gesicht. Da musste er ja auch noch hin! So ein mist aber auch!

Bombay schien seine Gedanken erraten zu haben, denn er lachte. „Alex hat erzählt, dass du es nicht magst. Er meinte, du würdest sie bald wechseln?“ Nagi stutzte. Was wusste Weiss, was er nicht wusste? Fragend sah er von Bombay zu Siberian und wieder zurück. Siberian schien keine Ahnung zu haben, was sie hier diskutierten, denn er stand, die Hände um den Topf, den er so an seinen Bauch presste, mit der Hüfte an den Tisch angelehnt.

Bombay indessen blitzte vergnügt mit den Augen. „Er hat ein gutes Wort für dich eingelegt, nachdem du vor ein paar Tagen gar nicht so Glücklich über diese verdammte Schule geranzt hast. Er hats mitbekommen.“ Nagi wollte sich schon wieder in ein dunkles Loch verkriechen und nie mehr herauskommen. Unsicher sah er von Bombay zu Siberian, der einfach still zuhörte, und aufmerksam Nagi beobachtete. Unter dessen musternden Blick wurde Nagi rot, und er senkte verlegen den Kopf.

„Kann auch nichts dafür, wenn der immer überall rumschnüffeln muss!“ nuschelte er leise, und eher, um Siberian zu erklären, als an Bombay gewand. Dieser grinste, beobachtete still, wie die beiden anderen auf einander reagierten.

„Ich hab die Schule früher auch gehasst, da kann ich dir also keinen Vorwurf machen. Ich hab lieber Fussball gespielt, als Wurzeln gezogen.“ Siberian schüttelte sich, als würde er sich sehr ungern an seine Schulzeit erinnern, und Nagi lächelte leicht. „Ist ja nicht unbedingt so, dass ich sie nicht mögen würde, aber wenn man ein komplettes Sicherheitssystem selbstständig programmiert, verlieren die Thermvariabeln ihren Reiz.“ Beinahe entschuldigend zuckte er mit den Schultern und warf Siberian einen kurzen Blick zu, den Bombay sofort registrierte und abspeicherte.

Besagter Fussballer zuckte ebenfalls mit den Schultern. „Dann überspring ne Klasse. Oder zwei. Klingt, als wärst du ein helles Köpfchen!“ Und Nagi schaffte es doch tatsächlich, rot zu werden!

„Wird er auch. Er kommt Anfang nächste Woche auf meine Schule. Wer weiss, vielleicht kommen wir ja in die selbe Klasse! Hat zumindest Alex gesagt.“ Bombay grinste, zog den Kopf zwischen den Schultern ein, und blinzelte Nagi verschwörerisch zu. Siberian runzelte die Stirn und warf Bombay einen Blick zu, der dieser zum Glück nicht mitbekam.

„Sags aber ja nicht deinem Vater. Der wird nicht sehr erfreut sein. Sollte ne Überraschung werden.“ Nagi nickte mechanisch mit dem Kopf, vollkommen überrumpelt von der ganzen Aktion, und Dann grinste er. Die ganze Zeit hatte er überlegt, wie er Bombays Redefluss etwas eindämmen könnte, und jetzt…

„Ich wusste gar nicht, das Alex“ er betonte den Namen extra lang, „fähig ist, ne Bindung einzugehen. Erst vor kurzem hat er erwähnt, er hätte sich eine Katze gekauft. Irgend so ein komischer, indischer Name. Und jetzt hat er nen Freund. Ich wird ihn mal ausquetschen müssen!“ Er grinste vielsagend, und langsam begannen seine Muskeln zu schmerzen. Wie lange hatte er schon nicht mehr so häufig an einem Tag gelacht? Das war schon Ewigkeiten her! Und jetzt bekam er Muskelkater davon!

Bombay ihm gegenüber zuckte zusammen, lächelte zerknirscht und warf Nagi einen flehenden Blick zu. „Sei brav, Nagi! Bitte!“ Schliesslich hatte sein Alex ihm verboten, ihn ausserhalb ihrer Zusammenkünfte so zu nennen! Nagi interessierte das gerade herzlich wenig. Ihm war etwas anderes eingefallen.

„Warum hat er mir diese Wunderblume gegeben?“ Bombay lächelte wieder, nahm Siberian die Pflanze ab und begann, sie in Zeitungspapier einzuwickeln.

„Weil er wusste, dass wir in der Stadt bekannt dafür sind, exotischere Pflanzen zu habe. Er hat wohl darauf spekuliert, dass du herkommst.“ Er zuckte mit den Schultern, so ganz schien er Alex’ Wünsche auch nicht zu verstehen.

Er reichte Nagi seinen nun nicht mehr Pseudo- Spinat und wandte sich an Siberian. „Ken- kun, gehst du heute mit den Kids?“ der Nachdenkliche Ausdruck, der Siberian bisher auf dem Gesicht gehabt hatte, verschwand, und er nickte. „Kommt ihr auch?“ Er sah Nagi fragend an, doch Bombay antwortete ihm.

„Ich schon! Nagi, kommst du auch?“ Der war etwas neben der Spur. Wohin sollte er kommen? Er wurde misstrauisch und Bombay hatte doch tatsächlich den Mut, ihn auszulachen. Nun ja, so offensichtlich, wie das Misstrauen auf Nagis Gesicht spross, war das auch kein Wunder…

„Zum Fussball, Nagi! Nichts wird dich beissen, oder… kratzen!“, warf er mit einem Seitenblick auf Siberian ein. Der grinste schelmisch. „Och ich weiss nicht! Ich mag kratzen, ab und an? Zum richtigen Zeitpunkt?“

Bombay schnappte definitiv nach Luft, stellte Nagi fest. Aber die Frage für ihn war, warum! Erst dann registrierte er Siberians Worte im Zusammenhang mit dessen Gesicht und augenblicklich lief der kleine Schwarz rot an.

Woran, in Dreiteufelsnamen, dachte dieser braunhaarige, süsse, niedliche, athletische, fiese, kratzende,… wo war er stehen geblieben? Ach ja, was dachte Siberian sich denn da?!! War der etwa auch auf der anderen Seite des Ufers? Verlegen suchte Nagi nach Worten, nicht damit einverstanden, dass Siberians Anspielung seine Fantasie zu wirklich schönen Blüten gebracht hatte.

„Na ja, ich weiss nicht!“, murmelte er unsicher. Wenn der Braunhaarige flirten wollte, konnte er das auch. „Ich mag die Kätzchen lieber, wenn sie schnurren!“, gab er zurück.

Bombay biss sich auf die Zunge, verklemmte ein Lachen und schüttelte den Kopf. Siberian riss die Augen auf, blinzelte, und lächelte dann wieder. „Ne Schmusekatze musst du aber lange streicheln! Vor allem, wenn sie sonst manchmal kratzt. Da brauchst du geduld.“ Schalk glitzerte in seinen Augen, und Nagi konnte gar nicht anders, als zurück zu lächeln. „Das passt schon“, sagte er, „würdest du Alex kennen, wüsstest du, dass man als sein kleiner Bruder viel Geduld braucht!“

Ein Lachen erklang, als Bombay dem inneren Zwang nachgab, und prustend die Hände vors Gesicht schlug. „Also sehe ich dich später? Am Nachmittag im Kuma*- Park?“ brachte der blonde Weiss zwischen einigen Lachsalven hervor. Er grinste immer noch, als Siberian den Kopf schüttelte, und ihm einen Ellbogen in die Rippe stiess. Jappsend lehnte sich der Blonde an den Tisch, wischte sich Tränen aus den Augen, und schüttelte immer noch den Kopf.

2Ich weiss jetzt, warum er dir die Wunderblume gegeben hat“, sagte er, leicht atemlos. Nagi sah ihn fragend an.

Bombay grinste. „Nagi, hab ich dir Ken überhaupt schon vorgestellt? Blumengießer von Beruf, leidenschaftlicher Fussabllspieler und noch so einiges anderes, aber das weißt du ja. Und er ist Single!“ Er grinste wieder, als er sich vom empörten Ken in Sicherheit brachte.

Nagi schnallte es, diesmal sogar sofort. „Er will mich verkuppeln?“, ächzte er, und wurde rot, als Ken ihm einen fragenden Blick zuwarf. Bombay nickte so heftig, dass Nagi sich sorgen machte, das dessen Kopf gleich abfallen würde.

„Ja. Ich hab ihm erzählt, dass ich die Pflanze von Aya bekommen hab, und eben, dass es viel Liebe braucht, bis sie blüht. Da meinte er, ob er sie auch weiter geben dürfte. Er wisse da wen, der auch ein bissen davon vertragen könnte.“

Nagi stellte fest, dass Bombay die tierisch nervende Art hatte, zu kichern, wenn etwas lustig war. Er antwortete darauf entsprechend. Sprich, er wurde rot. Wortlos grapschte er sich seine Blume, und presste sie sich an die Brust. Bombay kicherte immer noch, und Siberian hatte den Anstand, die Augenbrauen bis unter den Haaransatz hoch zu ziehen, und einen wissenden Blick zu ihm zu schicken.

„Ich bring ihn um, wenn ich zu hause bin. Doofer Kerl! Und ich werde Brad stecken, was der doofe Deutsche alles so treibt, das ist sicher!“, nuschelte er undeutlich, warf Bombay einen bösen Blick zu und grapschte die Blume fester.

„Er hats doch nur gut gemeint“, winkte der Blonde ab. „Seh ich dich trotzdem heute? Ken ist ein super Trainer, ehrlich! Er hat sogar mir die Spielregeln beigebracht, und dass will was heissen!“ Ken nickte bezeichnend mit dem Kopf und hatte eine Leidensmiene zur Schau gestellt, die sein Martyrium nur zu deutlich zeigte. Nagi schnaubte.

„Was auch immer du anstellen musstest, glaub mir, es ist nicht halb so schlimm, wie ein strickender Aufpasser mit verkappten Ambitionen zum Kochen und Putzen!“ Er verdrehte die Augen und deutete auf seine Mütze und seufzte Abgrund tief.

Ken lächelte. „Ist doch schön, wenn’s wen kümmert, obs dir gut geht, oder? Aya ist auch so. Der strickt zwar nicht, aber er raunzt ganz schön, wenn Omi oder ich ohne Jacke aus dem Haus wollen!“ Er verdrehte die Augen, und lächelte anschliessend schalkhaft. Nagi blinzelte. So hatte er das noch nie gesehen. Er nickte zaghaft, und Ken grinste befriedigt.

„Also, dann bis später, oder Nagi? Und wehe, du kommst nicht!“ Die beiden begleiteten ihn aus dem Laden, der jetzt eindeutig leerer war, als vorhin noch, und winkten ihm nach. Gut gelaunt, bekam Nagi gerade noch mit, wie Ken Omi etwas zuflüsterte, und dieser daraufhin die Augen aufriss. Als Omi Ken mit weissem Gesicht ansah, war Nagi schon um die Ecke verschwunden.



Als er summend zuhause die Tür auftat, kam ihm der heute schon viel diskutierte Deutsche entgegen. Er verkniff sich das „Hi Alex“, da er eigentlich Omi ganz okay fand, und nicht wollte, dass der frühzeitig ablebte. Das würde ihm Ken wiederum sicherlich nachtragen! „Hi Schu!“, rief er schliesslich, und der orangehaarige Hüpfer blieb überrumpelt stehen. „Chibi! Wasn los? Hattest du Sex? Du grinst, als wärst du gerade über die Bettkante gerissen worden !“

Besagtes Chibi wurde leicht rot, tauchten doch in seinem Köpfchen zwei wunderschöne schokoladebraune Augen auf. „Nein, aber der Wunderblume geht’s wieder besser!“, sagte er ausweichend aber nicht minder stolz. Er zog das Zeitungspapier von dem tönernen Topf, und grinste dann. Die Blätter waren immer noch schlapp und kraftlos, doch die mittleren Blattrippen bekamen wieder Form, waren nicht nur ein schlabbriges Gehäuse. Die untersten Blätter begannen sogar, sich wieder etwas nach oben zu recken.

Etwas zerknirscht sah er Schuldig an. „Ich hab sie ersäuft“, gestand er leise. Schuldig grinste. „Das hätte ich dir auch sagen können!“ Hastig brachte er sich vor dem fliegenden Buch in Sicherheit, das zielsicher auf seine hübsche Nase ausgerichtet war. Nagi funkelte ihn an, sagte aber nichts.

Etwas verwundert starrte er dem Kleinen hinter her, wie er sich mitsamt der Wunderblume in sein Zimmer verzog. Egal, wen das Chibi heute getroffen hatte, es hatte ihm gut getan. Nur wusste Schuldig immer noch nicht, wer dafür verantwortlich war, dass Nagi auftaute. Wenn er in den Kopf des Jüngsten schaute, waren da nur Farben. Sehr viel Braun, grün, etwas gelb, oder sollte es blond sein? Noch mehr braun, dann etwas blau. Einen hauch von grün, etwas mehr tiefrot und violett. Seit wann drückte sich Nagi in Farben aus?

Schuldig schüttelte frustriert den Kopf. So bekam er nichts aus Nagi heraus!



Guten Gewissens, Brad hatte nur abgrundtief geseufzt, als Nagi gesagt hatte, er ginge zum Fussball, machte er sich fertig, um zum ersten Mal in seinem Leben Fussball spielen zu gehen. Die Wunderblume stand sicher auf dem Fenstersims, er hatte auf dem Nachhauseweg noch eine rote und eine blaue Lampe gekauft, da es sonst wohl etwas zu dunkel in seinem Zimmer war. Und er wollte doch, dass sie bald blühte, um sie Ken zu zeigen.

Nagi wurde wieder einmal rot, und ausgerechnet diesen Moment wählte Schuldig, um aus der Küche zu kommen. „Ich komme mit!“, sagte er Freude strahlend, legte das Telefon, in welches er bis gerade eben gesäuselt hatte, wieder auf den Tisch, und zog sich einen Mantel an. Nagi warf ihm einen skeptischen Blick zu. „Geht nicht. Das wäre nicht so optimal, denke ich. Siberian wird auch da sein.“ Er grinste, wie Schuldig auffiel, etwas dümmlich, und band sich die Schuhe zu.

Nagi hatte, kaum war er oben im Zimmer, den selbstgemachten Übertopf umgedreht und sich den Boden angesehen. Das hatte Omi vorhin schliesslich auch gemacht! Und auf dem Boden waren ein paar japanische Schriftzeichen eingraviert gewesen. Nagi wusste, dass er, als er das gelesen hatte, ein absolut verträumtes, entrücktes Gesicht gezogen hatte, aber das war einfach zu süss gewesen! Was Omi da für Schuldig hinterlassen hatte…

Dennoch war es sicher keine so gute Idee, wenn der heute vor Ken auftauchte, oder? Er bekam nicht mit, wie Schuldig grinste. Nen ganz schönen Crush hatte der Kleine, das war ja klar! Nachdem sich die Farben etwas gelegt hatten, waren nur noch braune Augen und braune Haare zu sehen, ein Gesicht, das der Deutsche kannte, inmitten eines grossen, roten Herzens. Den Kleinen hatte Cupido voll getroffen, völler gings nicht mehr! Schuldig seufzte.

„Omi meinte, ich solle auch kommen. Ken wäre dahinter gestiegen und hätte ein ernstes Wörtchen mit mir zu reden.“ Er verdrehte die Augen. /Nicht der auch noch/ dachte sich Schuldig, und erinnerte sich zu gut an das erste „Gespräch“ dieser Art. Und an das darauffolgende blaue Auge. Und an die Standpauke, die er von Omi erhalten hatte…

Er seufzte noch einmal abgrundtief, während Nagi ihn geschockt ansah. „Er … ist doch nicht böse, oder?“, erklang seine unsichere, dünne stimme, und Schuldig wurde aus seinen Erinnerungen gerissen. Er lächelte. „Nein. Er will in meinem Fall nur etwas Prävention verüben. Kein Grund zur Panik. Brad lässt dich doch gehen, oder?“ Nagi nickte.

„Der weiss auch alles, oder?“ Diesmal nickte Schuldig. Leider, so musste er zugeben, stieg er immer noch nicht dahinter, was genau in Brad vorging, oder was dieser vorhatte. Ergeben trottete er neben dem Schwarzchibi her, neckte und flachste die ganze Zeit und musste ein paar mal absolut überrumpelt die Klappe halten, weil Nagi ne ziemlich taffe antwort parat hatte.

Als sie schliesslich ankamen, blieben sie am Rand des Feldes stehen, sahen eine Weile zu, wie Ken die kleineren Kindern trainierte, bis schliesslich ein paar grössere kamen. Omi gesellte sich zu ihnen, nickte Nagi zu, und lächelte, etwas blas um die Nase, Schuldig zu. „Ich hoffe, er nimmt dich nicht auseinander, Schu!“ Dieser lächelte zuversichtlich, stubste mit dem Finger gegen Omis Nase und rieb seine dann daran.

„Wird schon. Wie ist er eigentlich darauf gekommen?“ Omi verzog das Gesicht. „Er hat was von Kätzchen und von Brad erzählt. Wusste nicht, dass er so gute Ohren hat.“ Nagi bekam Gewissensbisse. Dann war es seine Schuld, das Ken dahinter gekommen war? Echt dumme Sache, das.

Er starrte zerknirscht auf den Boden, bis eine schwere, angenehm warme Hand sich auf seine Schulter legte, kurz zudrückte und dann wieder verschwand. Verwirrt sah er hoch. So oft, wie er heute schon weg getreten war, fragte er sich, warum er eigentlich noch lebte, als Killer. Doch als er Kens funkelnde Augen sah, musste er zugeben, dass er einen sher guten Grund hatte, so abwesend zu sein. Er lächelte dem anderen in einem Plötzlichen Anfall von Scheue zu, und senkte den Blick wieder.

„Hallo zusammen!“ Ken schien gut aufgelegt, doch das musste noch nichts heissen, oder? Nagis Blick war immer noch im Boden verankert. „Kommt ihr spielen?“ Omi stimmte zu, und Nagi war sich nicht sicher, ob er auch damit gemeint war. Schliesslich erhielt er einen ziemlichen Rippenstoss von Schuldig, der ihn beinahe vornüber in Kens Arme kippen lassen hätte. Ungehalten, und mit rotem Gesicht murrte er den Deutschen an. Dieser grinste nur, und ruckte mit dem Kopf dann zu Ken.

Mit einem wirklich intelligenten „Hä?“ drehte sich Nagi in die entsprechende Richtung. Ken sah ihn unsicher an. „Magst du mitspielen?“ Fragte dieser noch einmal leise4, und Nagi nickte. „Klar, wenn du mich lässt?“

Kens Gesicht wurde von einem Lächeln erhellt. „Sicher doch, warum nicht?“ Er packte Nagi enthusiastisch am Arm und zog ihn mit sich fort.

„Ich dachte, jetzt, wo du weißt, wer ich bin, magst du mich nicht mehr dabei haben“, murmelte der Schwarz unsicher, während er neben Ken her aufs Feld stolperte. Dieser lachte nur. „Du bist süss“, konstatierte er. „Und?“ Nagi sah den Zusammenhang da nicht so ganz. Ken blieb stehen und stellte sich vor ihn, um ihm in die Augen zu sehen.

„Ein sehr weiser Mann hat einmal gesagt: Wenn du die Chance bekommst, einen Menschen auf eine andere Weise neu kennen zu lernen, dann nutze sie, egal wer es ist. Daran halte ich mich.“ Er lächelte, als ein grosses Fragezeichen über Nagi in die Luft ploppte.

„Wer?“ „Aya!“ Ken lachte kurz und Nagi wurde immer verwirrten. „Aha. Das heisst, du gibst uns… mir eine Chance. Warum?“

Ken blieb stehen und deutete auf die Kinder, die sich lachend und zum Teil neckend ans Aufwärmen gemacht hatten. Er lächelte leicht, sich dessen allerdings gar nicht so richtig bewusst. Nagi allerdings wurde von diesem Lächeln gerade zu in den Bann geschlagen, wusste Ken, das er niedlich, ja beinahe schön aussah, wenn er sich so in seinem Lächeln verlor? Wahrscheinlich nicht. Er wartete ruhig neben ihm, wartete, bis Ken sich erklärte.

„Ich kann mich noch erinnern, wie Omi erzählt hatte, dass sein Freund, Schuldig, mit ihm Schluss gemacht hatte, weil sie einfach nicht zusammen passten. Omi meinte damals, dass sein Freund so etwas spezielles hätte, damals nahm ich an, es wäre eine Krankheit, wie Diabetes, oder ein Herzfehler oder irgend etwas, und er deshalb nicht glauben konnte, dass ihn jemand gerne haben, ja sogar lieben konnte. Omi war damals am Boden zerstört, wusste nicht, wie er ihm klar machen konnte, dass das doch gar nicht das entscheidende sein,. Er wollte ihm zeigen, dass man ruhig mal etwas neben der Spur, wenn du so willst, sein durfte, und trotzdem geliebt würde.“ Er schwieg eine Weile, gab dann ein paar Anweisungen zum Aufwärmen, und sprach weiter.

„Schuldig hats ihm echt nicht leicht gemacht. Omi sagte, er hätte schon öfters mal Stress mit Beziehungen gehabt, weil er eben anders wäre. Er war am Boden zerstört, weil sein Alex nicht wollte, das er ihn weiter liebte. Ich hab ihn damals aufgebaut, ihm gesagt, dass er einfach nicht aufgeben sollte. Das jeder es einmal verdient hätte, geliebt zu werden, oder zu lieben. Egal ob er eine Krankheit oder sonst was hätte. Ich hab später darüber nachgedacht und kam drauf, dass ihr, Schwarz, wohl auch ab und an solche Probleme haben könnten. Ging mir damals durch den Kopf, weiss nicht mehr warum. Ich habs damals genauso schnell vergessen, wie es da war.“ Er lachte wieder leise, und warf Nagi einen kurzen, verlegenen Blick zu, bevor er weiterfuhr.

„Aya hat Omi schliesslich den Kopf gewaschen. Hat ihm gesagt, das er ihm ja sagen könnte, dass diese Krankheit, oder was immer es auch wäre, doch nicht seinen Freund ausmachen würde. Omi hat sich ewig im Zimmer verkrochen, bis Aya eben kam. Omi sollte seinem Alex sagen, dass er ihn trotz oder gerade deshalb lieben würde. Und er meinte, als Omi sagte, Alex glaube von sich selbst, dass er gar nicht lieben könne, das Omi ja ein Wunder bei sich stehen hätte. Das er es mal damit versuchen sollte.“ Wieder lachte Ken leise, grinste kurz in Erinnerungen gefangen. Er faste Nagis Arm fester, hackte diesen bei sich ein und zog ihn zu sich, bis er dessen Wärme spüren konnte. Nagi fand das ganz angenehm, schliesslich war ihm dieses Wetter eindeutig zu kalt.

„Danach ist Omi mit einem in Zeitungen eingepackten Päckchen, wovon ich heute weiss, dass es deine Wunderblume war, aus dem Haus gestürmt. Den Rest kennst du ja.“ Nagi nickte, und schmiegte sich unbewusst näher an Ken.

„Wunderblume passt sehr gut dazu, finde ich. Das ganze hat wirklich etwas von einem Wunder“, murmelte Nagi total in Gedanken versunken. Ken lächelte ihn an. „Ja, die Wunderblume hat das Wunderkind getroffen“, sagte er lächeln.

Doch Nagis Gesicht verdüsterte sich. „Ich will aber gar keines sein!“, fauchte er ungemütlich, und Ken zuckte überrascht zusammen. „Warum nicht?“ „Ich mag nichts aussergewöhnliches sein!“, nuschelte Nagi dunkel. Ken lachte und bekam einen beinahe schon tödlichen, Aya- Shine- Lookaliken- Blick zugesandt.

„Ich meine nicht wegen der Fähigkeiten! Ich meine dein Name! Als wir zum ersten mal auf euch getroffen sind, hat Omi sich durchs Netz gebohrt, um herauszufinden, was genau eure Namen zu sagen haben. Wenn man deinen, Prodigy eingibt, kommt irgend so ein komisches Computerteil heraus, oder? Ich hab erst vor ein paar Monaten, als Witz von Yohji, weil ich am Vortag nen Faux- Pas in irgend einem englischen Wort hatte, ein Wörterbuch geschenkt bekommen. Habs aus reiner Neugierde etwas durchgeblättert und über den Begriff Prodigy gestolpert. Was, offensichtlich, auch wunder heisst. Also passt es doch ganz gut, oder?“

Nagi sah immer noch mürrisch aus, und Kens Lächeln erstarb langsam. Dann presste er kurz die Lippen zusammen, und straffte sich. „Okay, dann halt nicht. Ich dachte nur, es wäre besser, etwas zu sein, woran man glauben kann, als so ein blödes Computerteil!“, grummelte er ungehalten.

Nagi warf ihm einen skeptischen Blick zu. An ihn glauben? Würde der Weiss das wirklich können? Er war immerhin ein Killer und musste tun, was Braddy- Papa sagte. Warum sollte man an ihn glauben?

Ken seufzte, als er die Frage auf Nagis Gesicht sah. Er schüttelte leicht den Kopf. „Okay, noch mal anders. Ich glaube nicht an dich, ich glaube an uns. Besser?“ Er wurde rot, hielt Nagis Blick aber stand.

Dieser war baff. Eine Weile sagte keiner mehr etwas, ausser Kens gelegentlichen Befehlen an die Kids. Dann, endlich erklang Nagis Stimme.

„Damit kann ich leben“, sagte er gleichmütig, und als Ken sich zu ihm drehte, strahlte er übers ganze Gesicht.



Bradley Crawford seufzte, als er die Zimmertür seines Sohnes schloss. Dämliche Pflanze! Die war immer noch wabbelig und schlapp, aber oben, aus der obersten Blattknospe, wuchst eine weitere. Sie war etwas spitzer.

Brads Vision hatte ihm schon verraten, dass diese eine Blume weiss werden würde. Nicht unbedingt eine Farbe aber in anbetracht der Tatsachen sehr pathetisch, nicht wahr?

Er seufzte wieder, raufte sich gleich darauf die Haare. Heute war er ja impulsiv. Er konnte ja gar nicht anders. Sein Sohn ging Fussball spielen mit einem blütenfarbigen Jungen, der andere Idiot im Team war ebenfalls mit so einem unterwegs.

Und diese doofe Pflanze unterstützte das auch noch!!

Er hoffte nur, dass er zumindest diesen einen, winzigen Teil seiner Vision, der sich auf ihn bezog, noch verändern konnte.





*Kuma = Bär 


Wunderblume [Mitrabilis jalapa]

Herkunft: Südwest der USA, Mittel und Südamerika
Standort: Sonne
Blüte: weiss, rot, orange, pink, lila