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Allein?

Weiß Kreuz [ohne Altersbeschränkung]

Pairing: Schu/Ran (Angedeutet)

[ein bisschen Yaoi][ein jammernder Ran]

Inhalt:
Ein Aya, der, laut ihm, von niemandem mehr wahrgenommen wird. Ein Schuldig, der in einen Traum gezogen wird. Und am Schluss ein hilfloses, rotes Kätzchen, dass ausgerechnet von seinem schlimmsten Feind darauf hingewiesen wird, dass die grosse böse Welt gar nicht so böse ist, wie er sie sich immer denkt.

Ran entdeckt seine neue, sarkastische Seite, und Yohji entdeckt eine neue Anwendung für Frühstücksmüsli!!

Bemerkungen:
Das war ne Blitz- FF. „A Christmas Carrol“ stand wohl irgendwie Pate, auch wenn’s bei der Geschichte nicht drei Geister sondern drei Menschen waren und irgendwie nur ein Geist… ach, ihr wisst schon, was ich meine. Es zeigt, dass mann gar nicht so alleine ist, wie man manchmal glaubt^^

An dieser Stelle auch nen dank an Drake, die wieder mal meine lausige Rechtschreibung überprüft hat!

Widmung:
Allen, die ab und an auch so ne Phase haben, wie Ran!^^ 




Allein?



Ein Knurren stieg in seiner Kehle auf. Der Fussballer war gerade heimgekommen und hatte matschbraune Tapsen auf dem frisch gewischten Laden verteil. Draußen goss es in Strömen, und Aya fragte sich, wie man bei diesem Wetter überhaupt draussen rumtoben konnte.

Doch als sein Blick wieder auf den tropfenden, alles versauenden Ken fiel, wurde er ungehalten.

„Raus hier!“, knurrte er wieder wütend, starrte demonstrativ auf den total verdreckten Boden. Ken zog den Kopf ein und verschwand, wahrscheinlich würde er nun Omi wieder sein Leid klagen, dass der Weissleader ihn wieder einmal angefahren hatte. Aber da kannte Aya nichts. Erst viel zu spät nach hause kommen und dann den frisch gewischten Boden in ein Schlammfeld zu verwandeln, das ließ er nicht durch!

Sich ein Seufzen strickt verbietend, begann er den Boden wieder aufzuwischen. Seufzend deshalb, weil er sich fragte, wie besagter Fussballer mit seinem Ball perfekt umgehen konnte, im Bezug auf alles andere eine vollkommene Katastrophe war.

Und, weil er sich gesorgt hatte…

Aber das stand nicht zur Debatte! Ken hätte schon vor Stunden zurück sein sollen, aber nein, er vergass die Zeit und musste dann auch noch alles einsauen!

Knurrend wischte Aya fertig und machte sich dann daran, ein verspätetes Abendessen auf den Tisch zu stellen. Er hatte keinen Hunger. Es interessierte ja eh niemanden, ob er ass oder ob es ihm überhaupt gut ging. Mit stoischem Gesicht verließ er die Küche und verzog sich in sein Zimmer.



~~

Omi sah ihm nach.

„Meinst du, er ist immer noch sauer auf mich?“ Ken saß am Tisch, hatte den Kopf eingezogen und schlürfte die Nudelsuppe. Omi sah ihn, wie immer, lächelnd an, dann seufzte er.

„Keine Ahnung!“

Nachdenklich stocherte er in seinem Essen herum. „Ich mach mir Sorgen. Ich kann mich schon nicht mehr daran erinnern, wann Aya das letzte Mal gegessen hat.“

Yohji zuckte mit den Schultern und stopfte eine Gabel voll Nudeln in sich hinein.

„Du kennst ihn. Er will niemanden um sich und erst recht nicht, dass wir uns sorgen machen. Lass ihn am besten in Ruhe, sonst wird er nur wütend und isst aus Trotz nicht“, nuschelte er mit übervollem Mund, warf Omi einen Blick zu, der dem ebenfalls verriet, dass er sich sorgte.

Seufzend stand der Kleine auf und stellte eine Schüssel in die Mikrowelle. Er kannte Aya, er hatte ihn studiert. Zumindest fast.

In spätestens zwei Stunden würde der auftauchen, sich was zu Essen suchen und die Suppe wieder verschmähen. Probieren wollte Omi es trotzdem. Konnte ja sein, dass Aya wirklich mal Hunger hatte.



~~

Seufzend ließ er sich aufs Bett sinken. Keiner kam, um ihn zu fragen, ob er nicht doch essen wollte. Keiner sagte ihm, dass noch etwas übrig gelassen wurde.

Niemand kümmerte es, wie es ihm hier ging oder wie er sich fühlte. Und dennoch wagten sie es, sich seine „Familie“ zu schimpfen.

Bitter verzog Aya den Mund. Er mochte die drei, sie waren ihm wirklich wie eine Familie, doch in letzter Zeit hatte er das Gefühl, er würde ihnen nur lästig. Als kümmerte es niemanden mehr, wie es in ihm aussah.

Nun, er würde es ihnen nicht auf die Nase binden. Irgendwann wäre er einfach nicht mehr da, hätte genug von allem. Seufzend legte er das Buch weg, dessen Seite er die letzte Stunde gelesen hatte und immer noch nicht auswendig konnte, und legte sich zurück.

Fast alltäglich hielt er die Tränen zurück, die er schon seit einem halben Jahr vergiessen wollte, weil Aya-chan tot war. Gekümmert hatte es niemanden. Yohji hatte noch am selben Abend flapsig gefragt, ob er nicht endlich mal mit ihm in den Ausgang ging, Ken hatte es geschafft, beinahe die Küche abzufackeln und Omi hatte sich in sein Zimmer verzogen, um Aufgaben zu machen. Keiner hatte bemerkt, wie mies es ihm ging.

Er hatte es sich auch nicht anmerken lassen.…



~~

Er hasste diese Träume. War doch nicht normal, dass man von seinem ärgsten Feind träumte und dieser ihn in den Arm nahm und tröstete. Außerdem war dieser Traum hier anders. Bisher war es wirklich so gewesen, dass er im dunkel gehockt hatte, bis der orangehaarige Telepath ihn herausgezerrt und in den Arm genommen hatte.

Heute nicht. Heute war weit entfernt im schwarzen Raum eine braune Holztür aufgetaucht, Omis Zimmertür.

Und vor ihm, versonnen lächelnd, ohne das übliche doofe Grinsen, stand Schuldig, die Hände in den Hosentaschen vergraben, wippte er auf den Fersen auf und ab.

„Na vielen Dank aber auch, Kätzchen!“ Jetzt sprach der dumme Kerl auch noch! Reichte es nicht, wenn er ihn sonst immer demütigte? Ihm vorführte, wie schwach er war? So schwach, dass er sich jede Nacht in die Arme seines Feindes wünschte…

Schuldig schüttelte den Kopf und verdrehte die Augen. „Die Demütigung, das ist auf deinem Mist gewachsen“, sagte er amüsiert und lächelte, dann hielt er Aya eine Hand hin.

Der schlug dagegen und funkelte böse zum Telepathen hoch. Längst hatte er geschnallt, dass das nicht einer der üblichen Träume war, sondern dass sich Schuldig wirklich in seinen Geist geklinkt hatte. Blöder Telepath!

Besagter guckte kurz verdutzt und lachte dann. Anschließend wurde er fies.

„Das ist erbärmlich, Abyssinian. Oder sollte ich sagen, Ran? Wie du dich verkriechst und im Selbstmitleid badest. Glaubst du wirklich, du wärst allen immer so egal?“ Er lachte hämisch, und ging dann wieder in die Knie. „Armer, armer roter Kater! Niemand mag dich, keiner kann dich leiden! Kein Mensch ist auf deiner Seite!“

Schuldigs Augen blitzen belustigt auf, dann wurden sie kalt und hart. „Vor allem nicht, wenn du dich weiter verkriechst!“

Aya wischte sich die Tränen aus den Augen, die sich gesammelt hatten. Schuldig hatte Recht. Kein Mensch war bei ihm. Keinen interessierte es, ob es ihm nicht gut ging oder ob seine Schwester tot war. Keiner kümmerte sich darum, ob er vier Stunden sauber gemacht hatte oder sich alleine fühlte. Keiner war…

„Hör endlich auf!“

Schuldigs sonst so hämische, amüsierte Stimme donnerte über seinen Kopf hinweg und ein oranger Farbtupfer schoss in die Höhe. Wieder stand der deutsche Telepath vor Aya, doch nun wippte er nicht mehr mit den Füssen. Er sah wütend aus und schien nahe dran zu sein, Aya den Kopf abzureissen, doch der Weissleader fasste sich erstaunlich schnell.

Ein Gegner, schlimmer noch, sein intimster Feind war in seinen Träumen und verspottete ihn. Wenn jemand wütend sein durfte, dann war er es! Fauchend schoss er hoch.

„Das geht dich, mit Verlaub, einen feuchten Kehricht an! Du bist ja nicht jeden Tag hier und erlebst, wie es ist, sich den Arsch aufzureissen und nichts zurückzuerhalten! Dir fällt ja alles in den Schoss! Du hast ja keine Probleme, Annerkennung zu finden, denn du bist ja ach so toll!“

Wütend ballte er die Hände zu Fäusten, und starrte zu dem Telepathen auf. Auch wenn er gerne auf ihn herabgeblickt hätte, leider war er immer noch etwas kleiner. Er bebte am ganzen Körper und musste feststellen, dass er solch einen Ausraster schon lange nicht mehr gehabt hatte.

Dann fiel ihm ein, dass das vor ihm immer noch der Telepath von Schwarz war und wenn der in seinen Träumen war, konnte er noch ganz anderes anstellen. Nervös trat er einen Schritt zurück und bemühte sich eisern, seine so kostbare Maske wieder aufzusetzen. Es gelang ihm, doch Schuldig kümmerte das nicht.

Er lächelte dünn und mit einer Genugtuung, die Aya einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ. Wortlos wendete er sich ab, und lehnte sich wieder an diese schwarze Wand, an der er vorhin gesessen hatte.

Stumm warf er Schuldig einen Blick zu und rief sich in Erinnerung, dass das alles nur ein Traum war und er spätestens dann erwachen würde, wenn einer der anderen ihn aus seinem Alptraum rissen.

Dann fiel ihm ein, das es diese so wie so nicht kümmerte, ob er morgen aufwachte oder nicht. Niedergeschlagen sank er an der Wand hinunter.

Und der nette Deutsche hatte die Schnauze voll. Er war schließlich nicht hergekommen, um einen Abyssinian zu erleben, der sich total in Selbstmitleid verlor. Knurrend ging er wieder vor dem Weiss in die Knie.

„Wenn du wüsstest, wie Unrecht du hast!“, fauchte er gereizt und schaffte es, das Aya wieder Ausdruckslos zu ihm hoch sah.

„Ach, der große Schwarz will mir beweisen, dass mich alle Welt furchtbar gerne hat oder wie!“ Wenn der fauchen konnte, Aya konnte es auch und war ziemlich ungehalten darüber, dass Schuldig die Augenbraue hochzog und ihn ob seines Sarkasmus’ lobte.

„Komm mit und ich beweise es dir!“ Auffordernd hielt er dem Weiss die Hand hin und erhob sich. Aya indessen tat keinen Wank.

„Sicher, ich laufe mit dir einfach so in die Folterkammer! So blöd bin ich auch nicht!“ Missmutig musste er mit ansehen wie Schuldig schon wieder grinste.

„So frech gefällst du mir wesentlich besser, Kätzchen!“, zwinkerte er, griff Aya am Handgelenk und zerrte ihn auf die Füsse.

„Da freue ich mich aber!“, fauchte der und biss sich energisch auf die Zunge. Musste er ausgerechnet in einem Alptraum mit Schuldig seine verdrängte zynische Ader wieder entdecken? Das war nicht fair! Außerdem, wohin wollte ihn der Deutsche denn bitte schön bringen? Ins Schwarzhauptquartier zur Exekution? Da konnte er sich ja freuen…

Schuldig lachte und verschränkte seine Hand mit Ayas.

„Ich werd dir nur beweisen, dass du gar nicht so alleine da stehst, wie du immer glaubst! Danach lasse ich dich wieder schlafen, das heisst, wenn mir nichts Besseres einfällt!“

Zielstrebig wandte er sich um und zog Aya hinter sich her auf die braune Tür zu. Misstrauisch versuchte Aya, wenigstens den Anschein zu erwecken, dass er sich sträubte, doch die Hand in seiner war, entgegen der Tatsache, dass es nur ein Traum war, wunderbar warm und sanft. Verlockend, um genau zu sein und so ließ er sich mitziehen.

Die Tür ging auf und sie knirschte leise, genau wie Omis Zimmertür und als Aya den Mund öffnen wollte, um zu wieder sprechen, grinste Schuldig über die Schulter zurück.

„Es ist seine und jetzt warte hier!“ Damit stellte er ihn gegen die Wand neben der Tür und trat auf das Bett zu.

„Bombay?“ Schuldigs Stimme war ein sanftes Raunen und Aya lief ein kalter Schauer über den Rücken. Neugierig reckte er den Hals und grinste, als der Angesprochene sich einfach umdrehte und versuchte weiter zu schlafen.

Schuldig runzelte die Stirn und Aya unterdrückte ein Grinsen. „Hei, Kleiner! Nicht so faul! Aufstehen, Bombay!“ Unsanft stupste er Omi an den Schultern, bis dieser sich schließlich bequemte, aufzusehen.

Dann stöhnt der jüngste Weiss.

„Nicht du schon wieder!! Kann ich nicht eine Nacht in Ruhe schlafen, ohne, dass du irgendetwas quasseln musst?“ Seufzend und murrend grub das Chibi sich aus den Decken und drehte sich auf den Rücken. Reichlich verstört guckte er aus der Wäsche und bemerkte den Weissleader an der Wand nicht.

„Was willst du?“, grummelte er, rieb sich die Augen und heftete sie auf den Deutschen, der in der letzten Woche mehrmals an seinem Bett gestanden hatte oder sich einfach in seine Träume geschlichen hatte. Ob der nun echt war und ob er ihn manipulierte, wusste er nicht. War ihm auch egal.

Schuldig setzte sich wie selbstverständlich auf die Bettkante und wuschelte dem Weiss durch die Haare.

„Hast du ihm was übrig gelassen?“, fragte Schuldig und Omi sah ihn verschlafen an.

„Wem? Aya? Wie immer. Aber er isst’ s ja eh nicht“, grummelte er leise und senkte den Kopf. „Kannst du nicht mal ihn nerven? Statt mich? Und ihn zum essen überreden? Oder, dass er nicht mehr so grummelig ist? Der blöde Kerl!“

Na, Aya wurde ja nicht mehr! Er war blöde? Wieso bitte schön denn dass? Und wie kam der Deutsche dazu, seinen Jüngsten so was zu fragen?

„Du machst dir Sorgen um Aya, nicht? Und Ken?“

„Der auch, was denkst du von uns! Aya gehört schließlich zu uns, da müssen wir doch auf ihn achten. Er tut’s schließlich auch für uns.“ Omi vergrub sich wieder in die Decke. „Und jetzt lass mich schlafen!“, fauchte er ungehalten, drehte sich zur Seite und würdigte dem ungebetenen, etwas merkwürdigen Besuch keines Blickes mehr.

Schuldig grinste, erhob sich und kam auf Aya zu.

„Zufrieden?“, flüsterte er leise, zog diesen am Handgelenk und schleppte ihn in Kens Zimmer. Leise schwang die Tür auf und Aya wollte intervenieren, dass es zu gefährlich wäre, da rein zu gehen, doch Schuldig wollte nicht hören. Voller Tatendrang stapfte er hinein, sah im Dunkeln absolut nichts und ging reichlich unsanft zu Boden, als Kens bester Freund, neben Omi, ihm vor den Füssen lag: der Fussball.

Das hatte mehrere Effekte.

Erstens lehnte Aya sich hastig an die Wand und wollte gar nicht wissen, welches Gesicht der Telepath jetzt zog und grinste.

Zweitens jammerte Schuldig hingebungsvoll vor sich hin und drittens wachte Ken auf, schoss senkrecht in die Höhe und stand beinahe im Bett.

„Wer da?“ Unterdrückte Flüche, die er nicht kannte, nur etwas von „blöde Katzen“ „blöder Fussball“ und „blöder Siberian“.

Dann tauchte ein zerzaustes Gesicht vor ihm auf, und Ken schrie wie am Spiess. Schuldig fluchte weiterhin reichlich ungehalten, denn der spitze Schrei explodierte in seinem lädierten Schädel. „Schnauze, Siberian! Das ist nur ein Traum!“, fauchte Schuldig ungehalten und hielt Ken eine Hand vor den Mund. Der verstummte Gezwungenermassen und starrte den Telepathen mit grossen Augen an.

„Bist du still?“ Ken nickte. Schuldig ließ die Hand sinken und der Braunhaarige krabbelte ans andere Ende seines Bettes.

„Was…was willst du?“ Aya hatte Mitleid mit dem klappernden und zitternden Bündel namens Ken und wäre beinahe zu ihm gegangen, doch Schuldig schüttelte unmerklich den Kopf.

„Ich tu dir nichts. Außer du hättest irgendwelche Wünsche!“ Schuldig lachte leise und Ken zuckte zusammen.

Doch Schuldig überging es geflissentlich und lächelte.

„Wie geht’s denn so, altes Haus?“

„Haus? Was Haus?“, nuschelte Ken und starrte Schuldig weiter aus weit aufgerissenen Augen an. Schuldig verdrehte die Augen und Aya konnte sich das gerade bildlich vorstellen. Der Mond beschien die langen Flechten des Deutschen, deshalb hatte Ken ihn überhaupt erkannt. Kurz schloss dieser die Augen, atmete tief ein und aus.

„Ok, nur ein Traum. Was willst du dann hier? Wenn ich das sagen darf, ist das ein verdammt doofer Traum!“ Schuldig verzog das Geicht und Ken schüttelte den Kopf.

Der Fein saß an seinem Bett und wollte reden. Worüber? Hoffentlich ging schnell, er war müde!

Schuldig räusperte sich.

„Wie geht’s Aya?“ Ken warf ihm einen Blick zu, der deutlich sprach, wie verrückt er den Deutschen hielt und der blies die Backen auf.

„War nur ne Frage!“, fauchte er ungehalten.

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht! Außerdem geht es ihm wohl nicht gut, sonst würde er sich nicht so verkriechen, oder?“ Schuldig lächelte, und Aya wusste, dass es eindeutig ein Lächeln des Triumphes war. Er schluckte.

„Warum sollte es ihm nicht gut gehen?“ Ken schüttelte den Kopf. Der Telepath saß vor ihm, wie ein Kind, dass wissen wollte, wo denn die Babies herkamen.

„Das nehmen wir an. Außerdem redet er nicht mit uns darüber und ich werd mich hüten, ihn zu fragen. Das mag er nicht!“

Nun reichte es langsam! Er war müde, er hatte gerade so gut geträumt und nun kam da der Quotendeutsche und nervte ihn mit irgendwelchen Fragen! Grummelnd wandte er sich ab, zischte ein „Verschwinde!“ und vergrub sich wieder in seine Decke.

Schuldig erhob sich leise und trat an Aya. Dieser schwieg wohlwissend und trat aus dem Zimmer. Schuldig schloss leise die Tür und zog Aya weiter, zu Yohji. Der Weissleader sträubte sich. Er konnte sich denken, dass auch das älteste Mitglied ein paar gute Erklärungen hatte und hatte keine Lust, sich unter die Nase reiben zu lassen, wie falsch er doch gelegen hatte.

Doch Schuldig hatte dafür kein Verständnis, zog ihn mit sich und weckte Yohji reichlich unsanft. Der schoss hoch wie Ken, blieb jedoch erstaunlich ruhig. „Was willst du hier?“, fauchte er leise und dachte gar nicht daran, zu zeigen, dass er gern ohne etwas schlief. Doch dem dreckigen Grinsen nach wusste der Deutsche das eh schon.

Der blieb jedoch still und beschoss Yohji nur mit der ersten Frage.

„Sag mal, erinnerst du dich daran, Aya mal gefragt zu haben, ob er mit dir in den Ausgang geht?“

Yohji verdrehte die Augen.

„Vergiss es! Das macht er so wieso nicht! Weder mit dir, noch mit mir, noch mit sonst wem!“ „Aber du erinnerst dich an den Tag?“ Yohji nickte schläfrig. Irgendwie wollte das Gefühl von akuter Gefahr nicht so recht aufkommen, im Gegenteil, die Nähe des Mannes lullte ihn nur noch mehr ein und er antwortete, ohne groß nachzudenken.

„Er war so mies drauf, so habe ich ihn noch nie gesehen. Und ich hab nicht nachgedacht. Da hab ich einfach gefragt und er wurde sauer. Konnte es ihm nicht verübeln, als Omi am nächsten Tag erzählt hat, dass seine Schwester gestorben war. Da wäre ich auch down gewesen, aber er sagt ja nie was, frisst’s lieber in sich rein! Das macht einem irgendwie hilflos!“

Schuldig legte den Kopf schief und schwieg. Yohji war schon wieder dabei, ins Land der Träume abzudriften und so ließ er ihn. Er hatte genug gehört und, was noch wichtiger war, Aya ebenfalls. Langsam erhob er sich, trat auf Aya zu und sah ihm stumm in die Augen.

Der stand dort, versuchte vergeblich, nicht in die grünen Augen zu sehen und starrte hingebungsvoll auf den Boden.

Doch die grünen Augen wirkten wie ein Magnet und zwangen Aya, wieder hoch zu sehen. Stumm ließ er sich von Schuldig aus Yohjis Zimmer schieben und lehnte sich dann an die Wand.

War er wirklich so blind gewesen? Wie konnte er den anderen je wieder in die Augen sehen, wenn er ihnen so gemeine Dinge unterstellt hatte? Vorsichtig sah er in Schuldigs Gesicht hoch. Unsicher schluckte er und biss die Zähne zusammen, doch die Augen des Schwarz schimmerten so sanft, dass Aya den Kopf senkte.

Er spürte die Hände, die nach seinen griffen, sie fest umschlossen und daran zogen. Er spürte, wie er nach vorne fiel und direkt in Schuldigs Armen landete, wie dieser ihn sanft und beruhigend umarmte und ihn an seine Brust drückte. Wie eine Hand ihm immer wieder durch die Haare strich und ihn zu beruhigen versuchten.

Doch jetzt wollte er sich nicht beruhigen. Jetzt war es an der Zeit zu verstehen, dass er nicht vollkommen alleine war. Die ersten Tränen perlten über seine Wangen und langsam wurden es immer mehr. Er verlor den Boden unter den Füssen, erfasste nur am Rande, wie Schuldig ihn hoch hob, und in sein Zimmer zurück trug. Wie er ihn sanft auf das Bett gleiten ließ und ihm beruhigend über den Rücken strich.

Schuldig machte es sich auf Ayas Bett gemütlich und zog diesen an sich. Die Sonne schickte bereit die ersten Strahlen über den Horizont, als Aya hochsah und sich die Tränen abwischte. „Was soll ich jetzt tun?“ Er war verunsichert und Schuldig musste seine Gedanken nicht lesen, um dies zu wissen. Doch er wusste selbst nicht recht, was er sagen sollte.

„Geh’s langsam an, sonst komm ich in Verdacht, wieder was fieses gemacht zu haben!“, versuchte er zu scherzen, und sah mit Freude, wie Aya langsam nickte. Dann legte er seinen Kopf wieder auf Schuldigs Schulter.

„Warum hast du das überhaupt gemacht?“, fragte er schließlich leise. Schuldig seufzte.

„War so etwas wie ein Auftrag. Außerdem war das ja himmeltraurig, zu merken, wie du dich immer mehr verloren hast. Noch dazu, weil du mich mit rein gezogen hast!“

„Rein gezogen?“ Verwirrt sah der Rotschopf hoch, und musterte Schuldig eingehend. Der lächelte.

„Du hast doch immer von mir geträumt, oder? Die waren so stark ausgeprägt, dass du mich immer mit rein gezogen hast. Ich hab jede Nacht dasselbe geträumt, wie du.“

Aya schluckte. Na herrlich! Wie hatte er denn das geschafft? Doch darüber äusserte sich Schuldig nicht, stattdessen stand er auf, und neigte sich über Aya.

„Ich muss gehen. Bevor Bombay hier reinstürmt!“ Aya nickte langsam, und wollte schon fragen, wann er Schuldig wieder sehen konnte, doch dann schalte er sich selbst. Spätestens bei der nächsten Mission, oder?

Doch bevor er sich versah, spürte er Schuldigs Lippen sanft über seine streichen. Überrascht wollte er zurückweichen, doch denn schloss er die Augen. Unsicher lehnte er sich dagegen, und sogleich fluteten tausend verschiedene Empfindungen auf ihn ein.

Hoffentlich kam niemand! Hoffentlich hörte es nie auf! Hoffentlich war nicht alles gespielt. Und hoffentlich flog er nicht grausam auf die Schnauze, wenn er sich nun einfach fallen ließ.

Doch dann war alles egal, denn eine vorwitzige Zunge glitt sanft über seine Lippen, neckte und koste, ohne jedoch um Einlass zu betteln.

Leise seufzte der Rotschopf und Schuldig lächelte gegen seine Lippen. Sanft legte er seine Hand an Ayas Wange und strich mit dem Daumen über die weiche Haut. Er löste sich von den Lippen und legte die Stirn gegen Ayas. Mit glitzernden Augen wartete er, bis Aya die Augen aufschlug, und ihn unsicher ansah. Ein Lächeln glitt über Schuldigs Lippen.

„Schön“, flüsterte er leise, und sah amüsiert zu, wie Aya bis unter die Haare rot wurde.

Er konnte es nicht lassen!

„Süss“, murmelte er leise, und ließ seine Lippen wieder über Ayas gleiten. Dann sah er ihn einfach nur an, und stellte fest, dass er davon gar nicht genug bekommen konnte.

Aya ließ ihn gewähren. Um nichts in der Welt würde er diesen Augenblick eintauschen, egal, ob das nun Schuldig oder ein Mann oder sonst wer war. Doch dann erfolgte ein lauter Fluch, ein Poltern und Schuldig kicherte, als er Ayas Gedanken empfing. Automatisch hatte dieser erkannt, wer da so laut und unmöglich fluchte. Und wer gerade über seine eigenen Schuhe gefallen und die Treppe hinunter gesegelt war.

Welcher Sportfanatiker ließ seine Schuhe auch im Flur liegen? Wie oft hatte er gerade diesem Fanatiker gesagt, dass er die Schuhe wegräumen sollte? Und wie oft war dieser trotzdem schon darüber gefallen?

Aya seufzte und warf Schuldig einen bedauernden Blick zu. Dieser grinste nur, drückte Aya noch einen sanften Kuss auf die Lippen und verschwand aus dem Fenster. Lächelnd sah Aya zu, wie der flammende Haarschopf langsam über die Strasse wippte und zwischen den gegenüberliegenden Häusern verschwand.

Hoffentlich wurde er nicht enttäuscht!

Und wenn, sagte Aya sich, Schuldig hatte ihm doch eben gezeigt, dass er nicht alleine war. Also würde er es wagen.

Lächelnd verzog er sich unter die Decke und beschloss, heute einmal auszuschlafen.



Gegen elf klopfte es leise gegen seine Zimmertür, und Aya, der schon eine Weile wach lag, stand auf und blickte Omi mit verschlafenen Augen an. Der sah ihn gross und unsicher an.

„Frühstück ist fertig“, nuschelte der Kleine und war verschwunden. Aya seufzte und schnappte sich ein paar Klamotten. Schon der Erste, der ihn komisch ansah, nur weil er ausgeschlafen hatte!

Grummelnd ließ er sich wenig später am Küchentisch nieder, griff sich die Zeitung und verschwand dahinter. Zuvor hatte er noch einen Blick auf Ken erhascht, der etwas verbeult am Tisch saß. Er zog sich hinter die Zeitung zurück und grinste.

„Mann, hab ich mies geschlafen!“, moserte Yohji und es wunderte Aya sowieso, das der schon am Tisch saß. „Ich hab verrücktes Zeug geträumt! Ich ess nie wieder so billige Kirschpralinen!“

Aufmerksam warf Aya dem Playboy einen kurzen Blick zu und musste feststellen, dass dieser wohl nicht wirklich geschlafen hatte. Sah man mal davon ab, dass er Tee, statt Kaffee trank, hatte er sich auch ein Müsli angetan, schien den Sinn der gesunden Flocken allerdings nicht im essen zu sehen, sondern in der Gesichtsmaske, die er sich gerade anzulegen schien. Sein Kopf sank unausweichlich gen Milchgematsche.

Aya grinste weiter.

„Ich auch. Vom Teletubby von Schwarz! Dabei hatte ich keine Pralinen! Ich hab heute nicht mal meine Schuhe gebraucht, um die Treppe runter zu fliegen!“ Ken gab seinen Senf dazu, war aber um einiges wacher, weil er schon joggen war. Löblich, allerdings nicht unbedingt, wenn man beim gehen alle aufweckte.

Omi löffelte genüsslich. „Ah, das ist nicht so schlimm. Den hab ich die letzten zwei Wochen praktisch ständig in meinen Träumen. Der kommt immer mit ganz schlauen Fragen, macht wohl einen auf Psychologe. Eigentlich ganz harmlos! Dabei hätte ich lieber wen anderes!“ Omi grinste, Ken sah ihn bedeppert an, Yohji hatte den Mund schon offen, um zu fragen, wen anderes Omi denn in seinen Träumen haben wollte und Aya…?

Aya spuckte den Schluckt Tee, den er gerade genommen hatte, mit solcher Geschwindigkeit über den Tisch, dass er ein Loch in seine geliebte Zeitung frass und in Yohjis Gesicht landete.

Entgeistert wischte Yohji sich das Getränk aus den Augen, warf Aya einen langen Blick zu, den Aya noch entgeisterter erwiderte, während Omi und Ken die Augen aufrissen, und den Mund offen stehen hatten.

Omi war der erste, der kapierte, was mit Yohji passiert war und lachte los, schließlich fiel Ken ein und Aya rettete sich hochrot hinter seine verbliebene Zeitung.

„Ich hab noch nie gehört, dass Tee gut für die Haut ist, Yohji!“ Omi lachte, und versuchte vergeblich, sich selbst abzustellen, doch irgendwie wollte ihm das nicht gelingen.

Ken war auch nicht viel besser, und Ayas verkappter Sarkasmus half da auch nicht weiter. „Selbst wenn, helfen würde es wahrscheinlich auch nicht viel!“

Im selben Moment hätte er sich köpfen können! Hatte er das wirklich gerade gesagt? Und, noch wichtiger, hatten die anderen es gehört? Ein Blick in Omis und Kens grinsendes, etwas überraschtes Gesicht und Yohjis fassungsloses, beinahe empörtes ließ ihn vermuten, dass die sehr wohl gehört hatten, was er da erzählte.

Gepeinigt schloss er die Augen und verzog sich noch weiter hinter die Zeitung, doch da mischte sich ein fünfter ein.

/Die finden es doch ganz lustig, also was soll’s. Na ja, Yohji überlegt sich gerade, ob er dir den Hals umdrehen soll, aber sonst war’s lustig!/ Er konnte das mentale Grinsen deutlich spüren, und hatte Mühe, sich nicht noch einmal zu verschlucken. Ergeben schüttelte er den Kopf, trank den Tee aus und räumte dann langsam ab.

„Omi, Ken, ab in den Laden! Und Yohji, sieh zu, das deine Gesichtspflege fertig wird!“ Nun schaffte Aya es doch tatsächlich dunkelrot anzulaufen. Hastig wandte er sich zur Spüle um und begann wie toll, abzuwaschen, während Omi und Ken quer über dem Tisch lagen und sich nicht mehr ein bekamen. Hatte er denn den Seitenhieb wirklich anbringen müssen? War das nötig?

/Jap, war’s, Kätzchen! Wusste gar nicht, dass du so schön austeilen kannst!/ Schuldig lachte wieder und Aya knurrte.

„Blöder Kerl!“, murmelte er leise und vertiefte sich in seiner Arbeit. Omi und Ken machten sich tatsächlich nach einiger Zeit, in der sie Yohji weiter triezen mussten, in den Laden und Yohji saß immer noch stumm auf seinem Stuhl. Eine leise, lachende Stimme meldete sich und er erkannte sie sofort wieder. /Darf ich vorstellen? Das ist Ran!/ Immer noch lachend verschwand Schuldig wieder aus seinen Gedanken und Yohji überlegte immer noch.

Schließlich stand er auf, stellte sein Geschirr in die Spüle und warf Aya einen langen Blick zu. Leicht lächelnd, was Aya geflissentlich über ging, verzog er sich ins Bad. Doch bevor er zur Küchentür heraus war, wandte er sich noch einmal grinsend an Aya.

„Das gefällt mir schon viel besser!“

Aya konnte ihn lachen hören, Yohjis Lachen vermischte sich mit dem in seinem Kopf, mit Schuldigs Lachen. Und nach ein paar Minuten drang ein sanftes, leises Lachen aus Ayas Kehle.



Ein paar Kilometer entfernt seufzte ein Orangehaariger auf, nickte seinem Leader leicht zu und wandte sich dann zum Fenster. Crawford nickte ebenfalls und widmete sich wieder seiner Arbeit. Ein dünnes Lächeln lag auf seinen Lippen.