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Manchmal stelle ich mir vor

Weiß Kreuz [P 12]

Pairing: Brad x Ran

[sad]

Inhalt k.A. 

Kommentar: eine Kurzgeschichte die mir so durch den Kopf gegangen ist und die ich einfach aufschreiben musste. Und wie kann es auch sein – es geht um liebe. 




Manchmal stelle ich mir vor...



Wütend betrete ich sein Büro.

Ich bin aufgewühlt, gereizt, unausgeglichen, aber ich lasse es mir nicht anmerken, höchstens verändert sich mein Blick.

Ich versuche so bedrohlich zu wirken wie möglich, doch der Mann vor mir lehnt sich nur unbeeindruckt in seinen Sessel zurück und faltet die Hände vor dem Bauch zusammen. Er streckt die Beine aus und kreuzt sie vor den Füßen, schaut mich erst dann aus seinen tiefbraunen Augen an, dessen Farbe mich so stark an die der einsamen nackten Stämme der Eichen im Winter erinnert.

Sein Blick ist kühl und herablassend, was mich noch wütender macht, den kalten Zorn in mir zum heißen Lava umwandelt und jäh durch die Adern meines Körpers jagt.



"Wie kannst du es wagen!", presse ich hervor und meine Stimme ist lauter als beabsichtigt.

Ich bereue es - ich habe mir eine Blöße vor dem Feind erlaubt, mich kurz von meinen Gefühlen leiten lassen.

Ein kurzer Augenblick, nur ein kurzer Augenblick, ein Augenblick der Schwäche, ein Augenblick, der registriert wird, nicht nur von mir, was mich wütender macht.



Er wirkt beherrscht, seine Gesichtszüge neutral, doch die dunkelbraunen Augen blitzen verschwörerisch auf, lassen ein schadenfrohes Grinsen hinter der perfekten Fassade erkennen.

Ich stehe immer noch vor ihm - er bietet mir kein Platz an, so bleibe ich wie zuvor.

"Dein Ton ist unangemessen", bemerkt mein Gegenüber ruhig und die letzten Strahlen der untergehenden Sonne fallen durch die schmalen Schlitze der Jalousien auf sein rabenschwarzes Haar, verleihen diesem einen zarten silbernen Schimmer, welcher einen seltsamen Kontrast zu seinen perfekten, doch harten Gesichtszügen bildet.



Auf seine Anmerkung gebe ich keine Antwort - ich bin immer noch außer mir vor Zorn, wie so oft in letzter Zeit. Oder bilde ich mir diesen Zorn jetzt nur ein? Es stimmt mich ruhig die Lichtreflexe in seinem tiefschwarzen Haar zu betrachten - wahrscheinlich ist es weich und dicht, hat einen feinen, unaufdringenden Duft von Lavendel...

Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre mit der Hand durch diese volle Mähne zu fahren.



Ich merke wie meine Gedanken abschweifen, so konzentriere ich mich wieder auf den Ursprung, auf meinen Zorn, auf meine Wut.

Er ist der Anlass. Ja - er, der so königlich in seinem Sessel aus teuerem Leder thront und mit dieser unglaublichen Überheblichkeit sich über die andere Menschen stellt.

So wie ich ihn jetzt ansehe, kostet es mich Mühe nicht in einen patzigen Ton zu fallen und ihm alles an den Kopf zu werfen, was ich von ihm halte.

Doch ich weiß, dass ich damit nicht im Stande bin ihn zu verletzen. Meine Meinung und ich selbst sind ihm offensichtlich gleichgültig, so lasse ich es sein.



Ich schweige. Unwillkürlich frage ich mich, ob dieser große Mann nicht bereits wusste, dass ich ungebeten in sein Büro komme, ihn schweigend mit urteilenden Blicken straffen werde und wieder unverrichteter Dinge gehe.

Geschlagen komme ich zu einer bejahenden Antwort.



Immer noch stehe ich vor ihm und es macht mich wütend. Er weiß, was sich gehört, bietet mir aber trotzdem kein Platz an. Ich weiß, dass er dies auch nicht tun wird. Er möchte, dass ich selbst um Erlaubnis bitte mich zu setzen, doch das werde [style type="italic"]ich[/style] nicht tun.

Trotzdem fühle ich mich unterlegen - ich stehe wie bestellt und nicht abgeholt da, während er in aller Bequemlichkeit wie ein Richter im Richterstuhl auf mich herabblickt.



Es macht mich wütend.



Es macht mich wütend, dass er so unantastbar ist.

Es macht mich wütend, dass er sich in seiner Selbstgefälligkeit, Selbstgerechtigkeit alles erlauben kann.

Es macht mich wütend, dass er mir überlegener ist.

Es macht mich wütend, dass ich ihn nicht verletzen im Stande bin.

Es macht mich wütend, dass auch meine Meinung führ ihn nicht zählt, obwohl ich dieser Beachtung würdig wäre.

Es macht mich wütend, dass er mich nicht sieht...



So drehe ich mich um und gehe.



Ich meine noch einen wehmütigen Blick aus den wissenden, braunen Augen im Rücken zu spüren, doch ich weiß, dass es nur Einbildung ist.

Ich bin es, der ihn mit einem wehmütigen Blick verabschiedet hätte...

So gehe ich durch die offene Tür hinaus und frage mich, ob mein sorgsam gehütetes Geheimnis ihm nicht schon längst bekannt ist...



Weiß und Schwarz... Schwarz und Weiß...

Es sind Farben die man nicht mischen darf...

Die Welt ist grau genug... so sollen wir trotz allem Schmerz die Reinheit unserer Farben bewahren...

Ist das der Grund? Meinst du das?



Manchmal stelle ich mir vor, wie es wäre durch dein rabenschwarzes Haar zu fahren.

Wahrscheinlich ist es weich und dicht, hat einen feinen, unaufdringenden Duft von Lavendel...





/Ende