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D.A. Maxwell - Privatdetektiv Teil 1 - 5



Prolog

Darf ich Ihnen unter dem Siegel der Verschwiegenheit etwas verraten? Den berühmten Privatdetektiv D. A. Maxwell gibt es gar nicht. Ich habe ihn erfunden. Und das kam so:

Schon von frühester Kindheit an wollte ich für Recht und Ordnung sorgen, und deshalb bin ich dann auch Polizist geworden. Ich habe den Beruf geliebt und konnte so manchen Verbrecher hinter Gitter bringen. Doch dann geschah diese Sache. Oh ich möchte Sie nicht mit Einzelheiten langweilen - und außerdem denke ich noch immer nicht sehr gerne daran zurück, doch es sollte ausreichen wenn ich sage, dass ich plötzlich als Sündenbock für etwas ausersehen worden war dass ich nicht begangen habe.

Sie können sich das Ausmaß der Verfolgung durch die Presse nicht vorstellen. Mein Name wurde praktisch durch den Dreck gezogen. Jeder, aber auch jeder hielt mich für schuldig. Es war eine regelrechte Hetzkampagne gegen mich. Kollegen und sogar Freunde wandten sich von mir ab.

Trotzdem hat die Gerechtigkeit gesiegt und ich wurde von jedem Verdacht reingewaschen. Die richtigen Verbrecher wurden verhaftet, es gab entsprechende Gegendarstellungen und die Verantwortlichen der Presse wurden sogar von einem Gericht dazu verurteilt mir ein recht ansehnliches Schmerzensgeld zukommen zu lassen.

Dennoch hat mich die Sache zwei Dinge gelehrt. Zum einen dass ich nicht mehr als Polizist arbeiten konnte - wie sollte ich meinen Kollegen die sich so schnell gegen mich gewandt hatten jemals wieder vertrauen? Und zum anderen, dass ich niemals wieder meinen Namen in den Zeitungen sehen wollte. Ich hatte genug Presserummel für den Rest meines Lebens gehabt.

Also kündigte ich meine - jetzt wieder aussichtsreiche - Stellung bei der Polizei. Aber ich wollte immer noch Verbrechen bekämpfen. Mein Gerechtigkeitssinn hatte durch die ganze Geschichte nicht gelitten, im Gegenteil er war nur noch stärker geworden.

Ich zog in eine andere Stadt und eröffnete eine Detektei. Ja, Sie haben richtig gelesen, eine Detektei. Wie sollte ein Privatmann denn sonst gegen das Verbrechen kämpfen? Und durch das Schmerzensgeld hatte ich genug Vermögen um das auch zu finanzieren.

Doch wie gesagt, ich wollte meinen Namen nie wieder in die Öffentlichkeit gezerrt wissen. Nun gibt es zwei Arten von Detektiven. Diejenigen die fast namens- und gesichtslos im Trüben fischen und sich mehr schlecht als recht mit schmierigen Scheidungsfällen über Wasser halten, oder diejenigen die ein exklusiveres Klientel und Verbrechen anzogen. Wobei letztere allerdings in der Gesellschaft bekannt und angesehen sein mussten.

Ich wollte auf keinen Fall ein schmieriger Schnüffler werden, der untreuen Ehemännern und -frauen hinterherspionierte. Dass war nicht das was ich bekämpfen wollte. Also steckte ich in einem Dilemma.

Dann fiel mir die perfekte Lösung ein. Ich erfand mir eine Art Chef. Die Detektei läuft unter seinem Namen und alle Klienten halten mich nur für seinen Assistenten.

Ich habe meinen Chef D. A. Maxwell genannt. Er stammt aus England - das behauptet zumindest der Lebenslauf den ich für ihn erfunden habe. Ich habe einen Ausländer genommen, damit die Vergangenheit meines Chefs noch etwas schwieriger nachzuvollziehen ist.

D. A. Maxwell ist auch etwas exzentrisch weshalb wohl noch keinem unserer Klienten aufgefallen ist, dass sie niemals direkten Kontakt mit ihm hatten. Aber ich habe alle Fälle gelöst, so dass es bisher keine Beschwerden gab. Alle sind erfreut und fühlen sich geehrt, dass der ach so exzentrische Maxwell sich ihres Falles angenommen hat.

Inzwischen läuft die Detektei mehr als gut. Ich habe eine Sekretärin und einen Partner. Beide wissen natürlich Bescheid und helfen mir dabei die Illusion des D. A. Maxwells aufrecht zu erhalten. Relena tut es, weil sie alles für mich tun würde. Mein Partner Chang Wufei hingegen.... Nun er ist einer der wenigen Menschen die ich einen Freund nennen kann. Er war ein Kollege bei der Polizei, derjenige der meinen Namen reingewaschen hat. Ihm geht es nicht um Ruhm oder Ehre, er will nur für Gerechtigkeit sorgen, insofern passt es ihm sogar sehr gut dass sich alle Aufmerksamkeit auf unseren nicht vorhandenen Chef konzentriert.

Vielleicht mag jemand unsere Scharade für eine bösartige Täuschung halten. Aber wir wollen damit niemandem schaden. Wir tun immer unser möglichstes für unsere Klienten und wer denn in Wirklichkeit einen Fall löst, sollte doch egal sein. Man könnte sagen, wir machen die Arbeit und Maxwell steckt das Lob dafür ein. Es ist ein gefährliches Spiel, doch solange die Leute uns unsere Geschichte abnehmen, werden wir jedenfalls weiter machen.



Kapitel 1

Heero ließ seinen Blick durch die imposante Hotelrezeption wandern. Man konnte ja sagen, was man wollte, aber das First Regent verdiente seinen Ruf als erstes Haus am Platze sicher. Hier hielten sich nur die Reichen und Schönen auf. Kein Wunder also, dass ihr Auftraggeber seine berühmten Benefizgalas immer hier ausrichtete.

Bei dem letzten Gedanken zogen sich Heeros Mundwinkel leicht nach oben. Wenn sie diesen Auftrag zu aller Zufriedenheit ausführten - und daran hegte Heero keinen Zweifel - dann könnten sie in Zukunft damit rechnen mehrmals im Jahr engagiert zu werden.

Sicher, es ging hier nicht um einen wirklich wichtigen Fall. Es war ihm auch lieber einen echten Kriminalfall aufzuklären, aber Verbrechensverhinderung war schließlich auch wichtig. Und sie bezahlte sich sehr gut, davon einmal abgesehen, dass der Name ihrer Detektei in aller Munde war. So eine Werbung machte sich immer bezahlt. Es würden weitere Fälle aus der High Society folgen. Dessen war sich Heero mehr als sicher.

In dem Moment sah er ihren Auftraggeber zielstrebig auf sie zukommen. Heero setzte seine ‚Begrüß den Kunden’ Miene auf und ging dem Mann entgegen. „Mr. Huntington. Wie schön Sie zu sehen,“ erklärte er und reichte dem Mann seine Hand.

Edward Huntington III erwiderte Heeros Händedruck. „Mr. Yuy. Pünktlich auf die Sekunde. Und habe ich die Ehre mit Mr. Maxwell?“ Er drehte sich fragend zu Wufei um.

Heero schüttelte leicht den Kopf. „Es tut mir leid, Mr. Huntington. Mr. Maxwell ist leider zurzeit unabkömmlich. Darf ich Ihnen meinen Kollegen Chang Wufei vorstellen? Er ist unser Sicherheitsexperte und wird Ihre Alarmanlage auf Herz und Nieren prüfen.“

Edward Huntington III, ein mittelgroßer Mann mit schütterem hellbraunem Haar sah für einen Moment sehr erstaunt drein. Dann begrüßte er auch Wufei aufs herzlichste. „Erfreut Sie kennen zu lernen,“ erklärte er.

Doch nachdem alle Begrüßungsformalitäten erledigt waren, wandte er sich wieder an Heero. „Mr. Yuy, ich hatte allerdings erwartet heute endlich Ihren berühmten Chef kennen zu lernen.“

Heero seufzte innerlich. Diesmal war ihr Auftraggeber wirklich sehr renitent. Die meisten anderen ließen sich sehr viel leichter davon abbringen den berühmt berüchtigten D. A. Maxwell von Angesicht zu Angesicht kennen zu lernen. Normalerweise reichte es vollkommen, wenn Heero oder Wufei sich um ihre jeweiligen Kunden kümmerten und ihnen immer etwas von ihrem Chef ausrichteten. Kaum einem war jemals aufgefallen, dass sie D. A. Maxwell tatsächlich nie begegnet waren. Und im Endeffekt war das ja auch egal. Bisher hatten Wufei und er jeden Fall gelöst - und das war was wirklich zählte.

Aber Edward Huntington III war von einem etwas anderen Kaliber. Schon während der ersten Vorbesprechungen hatte er immer wieder erwähnt, dass er unbedingt D. A. Maxwell kennen lernen wollte - hatte das sogar zur Bedingung gemacht um ihnen überhaupt diesen Auftrag zu geben. Heero hatte gehofft, dass er den Mann lang genug hinhalten konnte, um alles unter Dach und Fach zu bringen. Aber scheinbar biss er sich an diesem Kunden die Zähne aus.

„Wie gesagt, Mr. Maxwell ist gerade unabkömmlich. Aber kein Grund zur Besorgnis alles wird zur Ihrer vollsten Zufriedenheit verlaufen,“ erklärte in diesem Moment Wufei mit einem sehr zuversichtlichem Lächeln.

Ihr Kunde blickte von einem zum anderen. „Das mag zwar sein, Mr. Chang, aber ich habe immerhin D. A. Maxwell engagiert. Da kann ich doch wohl erwarten, dass sich Ihr Chef zumindest um meinen Fall kümmert. Schließlich zahle ich ein ziemliches Sümmchen für seine Fähigkeiten.“

Heero blickte selbstsicher drein - er hatte sehr schnell in diesem Job gelernt, dass man mit so gut wie jeder Lüge durchkam, solange man dabei nur vor Selbstbewusstsein strotzte. „Ich verstehe Sie vollkommen, Mr. Huntington. Aber lassen Sie sich versichert sein, dass unser Chef die ganze Sicherheitsmaßnahme für Ihre Gala selbst geplant hat. Alles ist seinem genialen Sachverstand entsprungen. Mr. Chang und ich sind nur die ausführenden Organe.“

Täuschte sich Heero, oder hatte er tatsächlich ein leichtes Schnauben aus Wufeis Richtung gehört? Er war versucht seinem Freund und Kollegen den Ellenbogen in die Rippen zu stoßen. Aber das hätte Huntington erst Recht bemerkt.

„Sehr beruhigend. Trotzdem, ich muss darauf bestehen, dass Mr. Maxwell präsent ist. Immerhin, noch nie zuvor ist es jemandem gelungen die berühmte Claire de la Maire dazu zu bringen ihre Juwelen der Öffentlichkeit preis zu geben. Der rein materielle Wert der Exponate ist schon atemberaubend. Wenn man dann noch den Sammlerwert bedenkt - nun sagen wir, diese Ausstellung ist DAS lohnende Objekt für jeden Juwelendieb. Es wäre eine Katastrophe wenn irgendeinem der Stücke etwas zustoßen würde!“

„Das wird nicht geschehen. Darauf haben Sie D. A. Maxwells Ehrenwort,“ erklärte Heero.

„Gut. Aber wie gesagt, ich erwarte seine Anwesenheit. Morgen werden die Juwelen geliefert und die Gala öffnet am Wochenende ihre Tore. Spätestens ab morgen erwarte ich Ihren Chef hier vor Ort.“

„Wie schon gesagt, er ist zurzeit unabkömmlich.“

Huntington winkte ab. „Dann soll er sich frei machen. Oder ist er mit einem anderen Fall beschäftigt? Gleichzeitig mit meinem?“ Die Stimme ihres Auftraggebers klang ziemlich aufgeregt.

Und Heero erkannte, dass es Huntington völlig aufregen würde wenn er zugeben würde, dass D. A. Maxwell einen anderen Fall bearbeitete. Der gute Mann sah so aus, als würde er jede Sekunde explodieren. „Nein, nein,“ erklärte Heero deshalb schnell. „Mr. Maxwell wird seine volle Aufmerksamkeit nur Ihrem Fall widmen.“

„Gut,“ der Manager nickte. „Ich werde dann veranlassen, dass eine Suite für Mr. Maxwell vorbereitet wird. Es ist sicherlich am einfachsten, wenn er die nächsten Tage über hier im Hotel wohnt. Macht sich auch sehr gut als Publicity.“

„Ich werde es meinem Boss ausrichten,“ sagte Heero ergeben.

„Sehr schön. Dann werde ich ihn ja morgen endlich kennen lernen. Bis dahin sollten Sie vielleicht noch einmal mit dem Agenten der Versicherung sprechen. Wyndam-Price ist sein Name. Ich habe ihn vorhin im Speisesaal gesehen. Er hatte noch einige Fragen die für die Police relevant sind. Und die Alarmanlage kann im Ausstellungsraum jederzeit besichtigt werden.“ Huntington blickte von einem zum anderen. Dann nickte er erneut. „Meine Herren, ich muss Sie leider jetzt verlassen, die Pflicht ruft.“ Er schüttelte noch einmal Heeros und Wufeis Hand und ging dann in Richtung Rezeption.

„Scheiße,“ murmelte Wufei, als ihr Auftraggeber außer Hörweite war. „Da hast du uns ja ganz schön was eingebrockt Heero. Wieso hast du ihm gesagt, dass er Maxwell morgen kennen lernen kann?“

„Er wäre uns sonst abgesprungen Wufei. Der lässt sich einfach nicht davon abbringen. Ich hab schon alles versucht.“

Wufei zuckte mit den Schultern. „Dann wäre er halt abgesprungen. Es gibt interessantere Fälle.“

„Das schon. Aber keine die so gut bezahlt sind und die uns soviel exklusive Folge-Klienten einbringen wird. Irgendwas wird uns schon einfallen“

Wufei rieb sich unsicher das Kinn. „Aber was? Ab morgen soll Maxwell sogar hier wohnen.“

Heero zuckte mit den Schultern. „Lass uns darüber nachher in Ruhe nachdenken. Entweder wir bluffen weiter, oder wir engagieren jemanden der Maxwell darstellt. Einen unbekannten Schauspieler oder so. Muss doch möglich sein für ein paar Tage.“ Es gab sicherlich da draußen einen Mann Mitte 50, der mit graumelierten Haaren und einer Pfeife im Mund ihren Chef spielen konnte.

„Das wird nur Probleme verursachen Heero. Was wenn das rauskommt? Oder der Typ uns dann erpresst?“

Heero winkte ab. „Im schlimmsten Fall könnten wir immer noch behaupten, dass es nur ein Ablenkungsmanöver war, damit unser Chef sich ungestört im Hotel bewegen kann. Irgendwas wird uns schon einfallen.“

„Mir gefällt das nicht Heero,“ erklärte Wufei.

Heero seufzte tief. „Dann denk du dir doch etwas aus. Ich werde jetzt mit dem Versicherungsagenten sprechen.“

Wufei grummelte noch etwas, ging dann aber in Richtung Ausstellungsraum. Heero blickte ihm nach. Er machte sich keine Sorgen. Sein Partner grummelte öfters, aber er war immer mit vollem Elan bei der Sache. Und für das D. A. Maxwell Problem würde ihnen gemeinsam auch schon noch eine Lösung einfallen.

Dann atmete Heero tief durch und machte sich in Richtung Speisesaal auf. Im Geiste rekapitulierte er noch einmal alle Daten für diesen Auftrag. Er würde dem Versicherungsagenten sicher ohne Probleme alle Fragen beantworten können.

Im eleganten Speiseraum angekommen, fragte Heero den Maitre nach Mr. Wyndam-Price, woraufhin der Maitre in eine der Ecken des Raumes deutete und Heero erklärte, dass es sich um den Gentleman handelte, der dort alleine an einem Tisch saß. Heero nickte dem Mann dankend und ging in die gedeutete Richtung.

Je mehr sich Heero diesem Tisch näherte, desto verwunderter wurde er. Er hatte in seiner Karriere schon so manchen Versicherungsagenten getroffen. Und normalerweise hatten sie auf ihn eher wie farblose, verhuschte Menschen gewirkt. Wyndam-Price war das genaue Gegenteil. Und das lag nicht einzig und allein an seiner doch sehr extravaganten Frisur. Der ganze Mann schien vor Selbstsicherheit zu vibrieren.

Heero räusperte sich kurz. „Mr. Wyndam-Price? Ich bin Heero Yuy, die rechte Hand von D. A. Maxwell. Wir sind für die Sicherheit der ausgestellten Exponate der Wohltätigkeitsgala verantwortlich. Man sagte mir, Sie hätten noch ein paar Fragen?“

Amethystblaue Augen strahlten Heero an, schienen dabei aber auch jeden Zentimeter von ihm genau abzuschätzen. Dann warf sein Gegenüber mit einer schnellen Bewegung seinen kastanienbraunen, langen Zopf über die Schulter. „Oh stimmt, ich hab ein paar Fragen. Es freut mich sehr Sie kennen zu lernen.“ Er reichte Heero seine Hand und nach einem festen Händedruck fuhr er fort, „Bitte setzten Sie sich doch zu mir und bestellen Sie sich auch etwas. Ich denke wir haben viel miteinander zu bereden.“

Das Strahlen im Gesicht seines Gegenübers ließ Heero unwillkürlich lächeln. Ohne groß zu überlegen setzte er sich an den Tisch des Versicherungsagenten. Dies schien eine Unterhaltung ganz nach seinem Geschmack zu werden.



Kapitel 2

Heero starrte fast hypnotisiert in das lächelnde Gesicht des vor ihm sitzenden Versicherungsagenten.

„Mr. Wyndam-Price-“ begann Heero.

“Bitte nennen Sie mich doch Duo,” unterbrach der andere Mann ihn und schenkte ihm ein charmantes Lächeln. „Wyndam-Price klingt so umständlich, und ich verspüre dann immer den unbändigen Drang mich nach meinem Vater umzusehen.“

Heero erwiderte das Lächeln. „In Ordnung… Duo. Mr. Huntington hat erwähnt dass Sie noch einige Fragen die Police betreffend haben. Ich stehe Ihnen ganz zur Verfügung.“

„Tatsächlich?“ fragte Wyndam-Price - Duo - mit einem geradezu lasziven Lächeln und maß Heero erneut mit einem Blick von Kopf bis Fuß bei dem Heero ganz heiß wurde.

„Für die Fragen!“ stieß Heero aus und spürte wie er rot anlief. Verdammt, dieser Versicherungsagent sah wirklich unverschämt gut aus! Es sollte verboten sein so gut auszusehen! Zumindest wenn man ein Versicherungsagent war! „Ich meine, für die Fragen!“

„Verstehe,“ erwiderte Wyndam-Price - Duo - mit einem Schmunzeln. „Nun, um ehrlich zu sein, ich fürchte ich habe eigentlich gar nicht so viele Fragen, Mr. Yuy. Aber ich wäre bereit mir ein paar Fragen auszudenken wenn ich dafür das Vergnügen Ihrer Gesellschaft etwas länger genießen darf.“ Erneut folgte ein laszives Lächeln.

Heero blinzelte ein wenig überrascht. Dieser Duo ging ja ganz schön ran. Nicht dass er abgeneigt war - er konnte nicht abstreiten dass er sich extrem zu diesem Mann hingezogen fühlte, fast schon zu extrem wenn man bedachte dass er ihn erst seit ein paar Minuten kannte - aber er war es nicht gewohnt dass seine potentiellen Partner in einem derartigen Tempo vorgingen.

Heero räusperte sich. „Aber Mr. Huntington…“

Der Langhaarige winkte ab. „Ach, Sie haben Mr. Huntington doch sicher auch kennen gelernt. Der Mann übertreibt gern wie mir scheint. Ich schätze, diese Gala ist ihm sehr wichtig, da ist es wohl verständlich dass er aufgeregt ist.“

Heero lächelte. „Sie haben Recht. Er wirkt wirklich mehr als aufgeregt. Er hat heute unsere arme Sekretärin fast in den Wahnsinn getrieben mit all seinen Anrufen. Er muss im Minutentakt angerufen haben und nach meinem Chef verlangt…“ Heero brach ab und warf Duo einen schnellen Blick zu. „Aber das interessiert Sie wahrscheinlich gar nicht. Tut mir leid.“ Gott, was sollte das? Seit wann plapperte Heero denn wie ein nervöser Teenager bei seinem ersten Date? Dieser Duo brachte ihn völlig aus dem Konzept - aber auf eine gute Weise. Heero hatte sich schon lange nicht mehr so gefühlt.

„Oh, keineswegs,“ antwortete der Langhaarige und beugte sich leicht vor. „Ich finde alles was Sie betrifft äußerst interessant.“

Heeros Blick hing wie hypnotisiert an Duos Augen. Fast wie nebenbei bemerkte er, dass die Augen seines Gegenübers eine äußerst ungewöhnliche Farbe hatten. In diesen Augen könnte er ertrinken, beschloss Heero, und zwar mit Freuden.

„Mr. Yuy,“ begann Duo.

„Heero,“ unterbrach Heero ihn.

„Heero,“ wiederholte Duo und lächelte Heero an. „Sie sind Privatdetektiv? Sagen Sie, was genau macht ein Privatdetektiv eigentlich? Das hat mich schon immer interessiert.“

Heero erwiderte das Lächeln - eigentlich erstaunlich wie oft er in den letzten Minuten gelächelt hatte. So oft hatte er schon nicht mehr gelächelt seit - eigentlich noch nie. Dann winkte er den Kellner heran, bestellte sich ein Glas Wein und fing an zu erzählen.

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Mit beschwingtem Schritt trat Heero aus dem Aufzug hinaus auf den Flur, der direkt zu ihrem Büro führte. Das elegante Büro der Detektei D.A. Maxwell befand sich nicht irgendwo - schließlich hatten Wufei und er sich von Anfang an dafür entschieden, dass sie nicht die Sorte schmieriger Privatschnüffler werden wollten, die untreuen Ehegatten hinterher spionierten. Sie wollten interessante Fälle und sie wollten reiche Klienten. Aus diesem Grund hatten sie auch ein geräumiges Büro in einem der teureren Wolkenkratzer der Stadt gemietet.

Gut, gerade zu Beginn ihrer Karriere war es manchmal schon sehr eng gewesen was das Geld anging. Doch nach und nach hatte ihr Erfolg sich herumgesprochen, und Geld war inzwischen nicht mehr das Problem das es einmal gewesen war. Dennoch konnten sie es sich immer noch nicht leisten, dass ein Klient vom Kaliber Mr. Huntington III ihnen absprang.

Als Heero die Glastür zum Büro öffnete kam Relena ihm schon entgegengeeilt. „Heero!“ rief sie und wedelte mit einem Blatt Papier vor seiner Nase herum. „Wo warst du? Ich versuche schon seit einer halben Stunde dich zu erreichen! Hast du dein Handy ausgeschaltet oder was?“

Heero zog ein klein wenig schuldbewusst den Kopf ein. Er hatte tatsächlich nach dem ersten Klingeln sein Handy deaktiviert - aber er hatte diese wunderbare Unterhaltung mit Mr. Wyndam-Price - nein, Duo, er hatte diese wunderbare Unterhaltung mit Duo nicht unterbrechen wollen. Wenigstens für eine Stunde hatte er nichts von all den üblichen Problemen hören wollen.

„Heero, wir haben ein riesiges Problem!“ Relena stemmte beide Hände in die Hüften. „Dieses Fax ist von Mr. Huntington! Er bestätigt dass er eine Suite für Mr. Maxwell gemietet hat! Er erwartet, dass er noch heute dort einzieht! Was sollen wir nur machen?“

Heero runzelte die Stirn und riss Relena das Blatt aus der Hand. Tatsächlich. Dieser Huntington hatte wirklich schnell gehandelt. Und offenbar wollte er ihnen diesmal keine Möglichkeit geben, sich herauszureden. Verdammt.

„Hat Wufei sich schon gemeldet?“ fragte Heero, während er auf sein Büro zueilte. Insgesamt hatten sie hier drei Räume. Im größten Raum befand sich das Büro von „Mr. Maxwell“. Schließlich sollte es schon was hermachen wenn sie dort Kundschaft empfingen. In den zwei anderen, bei weitem kleineren Räumen befanden sich seins und Wufeis Büro. Dort wo die wirkliche Arbeit geschah. Relenas Reich hingegen befand sich im großen, geräumigen Empfangsbereich.

„Nein, hat er nicht,“ erwiderte Relena während sie Heero in den winzigen, mit Aktenschränken vollgestopften Raum folgte. „Ich habe keine Ahnung wo er sich gerade herumtreibt, auch er war - oh Überraschung - nicht zu erreichen!“

„Verdammt,“ fluchte Heero.

„Heero!“ Relena baute sich vor Heero auf und zwang ihn so, sie anzusehen. „Wir haben hier ein echtes Problem! Was sollen wir tun? Huntington erwartet dass Maxwell in diese Suite zieht!“

„Na dann lassen wir ihn doch einfach einziehen, oder?“

„Was? Wie soll das bitteschön gehen?“

Heero zuckte mit den Schultern. „Wir packen einfach ein paar Sachen aus Maxwells Wohnung und schaffen sie in die Hotelsuite,“ antwortete Heero. Sie hatten für ihren imaginären Chef eine Wohnung beschafft, Kleidung gekauft, ja sie hatten ihm sogar eine Sozialversicherungsnummer besorgt und zahlten pünktlich seine Steuern. Immerhin, es handelte sich hier nicht um ein gewöhnliches Täuschungsmanöver. Niemand würde ihnen so schnell auf die Schliche kommen, das stand mal fest.

„Aber Heero, dieser Huntington will ihn persönlich sehen!“ Relena warf die Arme in die Luft und stapfte aufgeregt auf und ab. „Du weißt dass das nicht geht! Er wird hinter unser Geheimnis kommen!“

„Das wird er nicht,“ beruhigte Heero. „Wufei ist schon unterwegs um einen Schauspieler anzuheuern der Maxwell spielen soll.“

„Er ist WAS?“ Relena starrte ihn fassungslos an. „Bist du vollkommen übergeschnappt, Heero? Einen Schauspieler?“

„Hör zu, ich weiß auch dass das keine besonders gute Idee ist,“ erwiderte Heero. „Aber im Moment gehen uns die Optionen aus! Was sollen wir denn tun? Sollen wir aufgeben und sagen ‚Ok, ihr habt uns ertappt, wir haben euch alle reingelegt’?“

„Nein,“ antwortete Relena und ließ sich auf der Kante von Heeros Schreibtisch nieder. „Aber was wenn es rauskommt? Wenn dieser Schauspieler es ausplaudert?“

„Darum kümmern wir uns dann wenn es so weit ist,“ erwiderte Heero. „Ich geh jetzt erstmal los und pack die Koffer unseres Chefs. Sagst du bitte Wufei bescheid wenn er sich meldet? Und schick den Chauffeur mit der Limousine zu Maxwells Wohnung damit er dort die Koffer abholen und ins Hotel bringen kann.“

Relena betrachtete ihn noch einen Moment forschend, dann stand sie seufzend auf. „In Ordnung. Mach ich. Aber jammer dann bitte nicht rum, wenn es schief geht,“ rief sie über ihre Schulter zurück. „Und glaub bloß nicht dass ich mich zurückhalten und darauf verzichten werde, dir ‚Ich hab’s dir doch gesagt!’ zu sagen!“

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Heero betrat das Hochhaus in dem sich die Wohnung ihres imaginären Chefs befand. Genau wie mit dem Büro hatten sie auch hier keine Kosten gescheut und eine Wohnung in der teureren Gegend gekauft. Gut, die Wohnung war nicht gerade riesig - aber andererseits war es ja auch nicht so, als ob dort wirklich jemand wohnen würde.

Das wichtigste war, dass sie sich zwar in einer äußerst exklusiven Gegend befand, es aber trotzdem ein Wohnhaus mit vielen Wohneinheiten war. In Häusern dieser Art kümmerten sich die Bewohner nicht um ihre Nachbarn. Niemand würde jemals bemerken, dass da überhaupt keiner in der Wohnung lebte.

Nachdem Heero die Wohnung betreten hatte, ging er gleich hinüber ins Schlafzimmer. Dort öffnete er den Kleiderschrank, zog eine Tasche heraus und faltete sorgfältig eine Auswahl der noch niemals getragenen Kleidungsstücke, die sie dort in den Schrank gehängt hatten. Während er all die anderen Kleinigkeiten zusammensuchte, die man eben so benötigte wenn man verreiste, wanderten seine Gedanken wieder zurück zu dem Versicherungsagenten Duo Wyndam-Price und der wirklich angenehmen Stunde, die er in dessen Gesellschaft verbracht hatte.

Er hatte sich so gut unterhalten wie schon lange nicht mehr. Duo schien wirklich aufrichtig an ihm und seinem Beruf interessiert zu sein, denn er hatte Heero aufmerksam zugehört und ein paar wirklich intelligente Sachen gefragt. Und Heero hatte gemerkt, dass er sich dem anderen gegenüber richtig geöffnet hatte. Es war kaum zu glauben, aber er war derjenige gewesen der fast die gesamte Unterhaltung bestritten hatte. Er! Und das, wo er doch selbst im besten Fall kaum mehr als drei Worte herausbekam wenn es nicht gerade um den Job ging!

Aber das hatte eindeutig an Duo gelegen, entschied Heero. Duo hatte in ihm etwas bewirkt - etwas das Heero dazu brachte aus sich herauszugehen. Das in ihm den Wunsch weckte sich dem anderen von der besten Seite zu präsentieren. Das es ihn beinahe bereuen ließ dass er den Langhaarigen anlügen musste wenn er von seinem ‚berühmten’ Chef D.A. Maxwell sprach.

Heero hielt mitten in der Bewegung inne und starrte sich in dem Spiegel im Badezimmer, in dem er sich gerade befand, an. Er war ja - verknallt! Jawohl, das war das einzige Wort das auf diese Situation passte - ‚verliebt’ war zu stark, und ‚er fühlte sich zu ihm hingezogen’ traf es nicht einmal annähernd! Er war verknallt in Duo Wyndam-Price!

Heero spürte sie sein Gesicht knallrot wurde. So etwas war ihm noch niemals passiert, und schon gar nicht nach nur so kurzer Zeit! Es war so uncharakteristisch für ihn - und doch konnte Heero nicht umhin ein warmes, fast glückliches Gefühl zu verspüren wann immer er an den Nachmittag zurückdachte.

Eindeutig, er war verknallt.

Je öfter Heero das in seinem Kopf wiederholte, desto mehr verlor es an Schrecken. Er war verknallt, na und? Es wurde wirklich einmal Zeit dass auch er ein wenig Glück im Privatleben hatte. Und wenn dieser Duo so an ihm interessiert war wie sein Flirten es hatte scheinen lassen - und die Tatsache, dass er Heero um ein Date gebeten hatte ließ das doch sehr wahrscheinlich sein - dann wäre dieses Gefühl es definitiv wert, genauer erforscht zu werden.



Kapitel 3

Duo nickte dem Türsteher des Hotels freundlich zu als dieser ihm die Tür aufhielt. Eine fröhliche kleine Melodie pfeifend schlenderte er durch die elegante Eingangshalle zum Aufzug hinüber. Während er dort stand und auf den Aufzug wartete wanderten seine Gedanken fast wie von allein zum Vorabend zurück.

Sein Date mit Heero war gut verlaufen. Mehr als gut sogar. Duo konnte wirklich nicht sagen wann er sich das letzte Mal so gut unterhalten hatte. Heero schien wirklich etwas besonderes zu sein, das hatte Duo sofort erkannt. Duo hätte nichts dagegen das so bald wie möglich zu wiederholen. Vor allem den Teil als er sich von Heero verabschiedet hatte und sie beide sich geküsst hatten. Das war unglaublich gewesen.

Auf dem Weg nach oben überlegte Duo was sie beide bei ihrem nächsten Date machen wollten. Denn es würde definitiv ein nächstes Date geben, dessen war er sich absolut sicher. Heero war interessant, nett und unglaublich heiß. Und er konnte wirklich gut küssen. Duo konnte nicht umhin immer wieder auf diesen unbeschreiblichen Kuss zurückzukommen, den sie beide am Vorabend geteilt hatten.

Heeros Lippen waren so unglaublich weich gewesen, sein Mundinnenraum so heiß und seine Zunge so forsch - Duos Beine wurden allein bei der Erinnerung ganz schwach. Heeros harter Körper der sich dabei an Duo gepresst hatte, die unglaublich kraftvollen Hände die sich dennoch so zärtlich in Duos Haar gewühlt hatten - Duo wünschte sich wirklich, dass Heero ihn hineingebeten hätte. Wie würde es wohl sein diesen außerordentlichen Körper all seiner Kleidung zu entledigen und mit Augen, Händen und Lippen zu erforschen, wie er tatsächlich darunter aussah?

Ein leises ‚Ding’ riss Duo aus seinen Tagträumen und mit einem kleinen Seufzer verließ Duo den Aufzug. Er warf einen schnellen Blick nach links den Gang hinauf, dann wandte er sich nach rechts in Richtung der Suite die er suchte. Er befand sich zwar in einem der exklusivsten Hotels der Stadt, trotzdem war es geradezu lächerlich einfach an die Zimmernummer eines Gastes zu kommen wenn man es wünschte. Alles was man tun musste war eine Nachricht für eben diesen Gast zu hinterlassen und dann zu beobachten, in welches Fach diese Nachricht gelegt wurde. Ein Kinderspiel. Duo schüttelte missbilligend den Kopf. Hotels sollten das doch inzwischen besser wissen.

An der besagten Tür angekommen blieb Duo schließlich stehen, sah noch einmal prüfend den Gang auf und ab und zog dann das Etui mit seinem Dietrich-Set aus der Tasche. Mit geschickten Fingern öffnete er das Schloss und nur Sekunden später stand er schon in der geräumigen Suite.

Duo sah sich um und stieß einen leisen Pfiff aus. Donnerwetter. Er hätte niemals gedacht dass es in diesem Privatdetektivgeschäft so viel zu verdienen gab. Dieser D. A. Maxwell ließ es sich eindeutig gut gehen, das stand mal fest. Diese Suite allein war größer als die meisten Appartements die Duo je bewohnt hatte.

Doch dann gab Duo sich einen Ruck und stieß sich von der Tür ab. Er war schließlich nicht hier um die Größe des Hotelzimmers zu bestaunen. Sondern um so viel wie möglich über diesen Maxwell herauszufinden. Heero hatte ihm gestern so viel über seinen Chef erzählt, das hatte Duo neugierig gemacht. Dieser Maxwell konnte doch unmöglich so gut sein wie Heero behauptet hatte, oder?

Duo verzog das Gesicht während er eine Tür zu seiner Linken öffnete und dahinter das Schlafzimmer entdeckte. So wie Heero von seinem Chef gesprochen hatte - so voller Bewunderung und Zuneigung - Duo hatte ein ganz merkwürdiges Gefühl dabei verspürt. Jedenfalls hatte er beschlossen, sich diesen Maxwell mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Und nein, es war nicht etwa weil er eifersüchtig war!

Er hatte schließlich überhaupt keinen Grund eifersüchtig zu sein! Schließlich war Maxwell Heeros Boss, und Heero war mit ihm, Duo, ausgegangen! Nein, Eifersucht wäre hier völlig unsinnig. Es war nur so dass irgendetwas an diesem Maxwell Duo sämtliche Haare zu Berge stehen ließ. Irgendetwas stimmte nicht mit diesem Typ, und Duo würde herausfinden, was das war!

Duo öffnete den großen Kleiderschrank und betrachtete kritisch die darin hängenden Anzüge. Geschmack hatte dieser Maxwell ja, das musste man ihm lassen. Jedes dieser Stücke schien maßgeschneidert zu sein, von einem der teuersten Herrenausstatter der Stadt, wie Duo mit Kennerblick feststellte.

Das Öffnen von weiteren Schranktüren und Schubladen machte Duo eines klar: D. A. Maxwell war ein Ordnungsfanatiker. Allein wie penibel genau die Kleidungsstücke gefaltet waren! Und wie ordentlich die Anzüge im Schrank hingen! Duo schüttelte innerlich den Kopf. Der Kerl war doch eindeutig nicht normal.

Dabei fiel ihm auf... Duo sah sich stirnrunzelnd um. Nein, er hatte sich nicht geirrt. Das Zimmer war nicht einfach nur penibel ordentlich, nein es sah aus als würde hier überhaupt niemand wohnen. So klinisch rein bekam doch auch die Putzkolonne eines Hotels ein bewohntes Zimmer nicht. Das war ja seltsam. Man hatte ihm doch versichert, dass Maxwell am Vortag in diese Suite gezogen war, um während der Gala ständig präsent zu sein.

Nachdenklich wanderte Duo weiter zum Badezimmer, das direkt an das Schlafzimmer anschloss. Auch dort fand er nur die edelsten und teuersten Produkte vor - Shampoo, Duschgel, Rasierwasser alles nur vom Feinsten. Duo nahm einige Flaschen in die Hand, öffnete sie um daran zu schnuppern und stellte sie dann wieder zurück. Er öffnete das Spiegelschränkchen und wühlte ein wenig darin herum.

Schließlich nahm er die Haarbürste in die Hand und betrachtete sie nachdenklich. Blitzblank sauber. Nicht das geringste Härchen darin zu sehen. Duos Blick wanderte zum Shampoo, dann wieder zurück zur Haarbürste.

„Hm,“ machte Duo und legte die Haarbürste wieder zurück. Entweder war Maxwell ein Glatzkopf der seine Platte mit Shampoo polierte, oder er legte nicht viel Wert auf ordentlich gekämmte Haare. Duo schnaubte spöttisch. Ja klar.

Mit einem recht zufriedenen kleinen Pfeifen schlenderte Duo aus dem Bad zurück ins Schlafzimmer und dann weiter in den Wohnbereich der Suite. Sein kleiner Besuch hier hatte sich wirklich gelohnt. Er hatte weit mehr herausgefunden als er gehofft hatte. Blieb jetzt nur die Frage, ob und was er mit diesen Informationen anfangen sollte.

Duo war so sehr in seine Überlegungen vertieft, dass er jede Vorsichtsmaßnahme vergaß und die Tür der Suite einfach öffnete, ohne vorher zu kontrollieren ob jemand im Flur war. Und wie es eben immer so ist, gerade diesmal hätte er besser nachgesehen. Denn es befand sich nicht einfach irgendwer vor der Tür von Maxwells Suite. Nein, es war Mr. Huntington III. Und er war offenbar gerade dabei gewesen zu klopfen.

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Edward Huntington III war nicht glücklich. Oh nein, ganz und gar nicht. Dieser Privatdetektiv den er angeheuert hatte um für die Sicherheit all der wertvollen Exponate zu sorgen schien diesen Auftrag offensichtlich nicht so ernst zu nehmen wie Huntington es sich wünschte. Und wie Maxwell es sollte für all das Geld das ihm dafür gezahlt wurde!

Zuerst hatte alles so gut ausgesehen - die Privatdetektei D. A. Maxwell genoss einen hervorragenden Ruf, war zwar einerseits für ihre zuverlässige Arbeit bekannt, aber andererseits auch noch nicht zu bekannt, so dass die Leute sich dennoch anstrengen würden, um zu gefallen. Huntington kannte sich aus im Gesellschaftsleben, und er wusste, dass die Detektei sich diese Gelegenheit an reiche und berühmte Klienten zu kommen ganz sicher nicht entgehen lassen würde.

Doch kaum hatte er den Vertrag unter Dach und Fach gehabt war nichts mehr so gelaufen wie er es sich vorgestellt hatte. Sicher, Heero Yuy mit dem er hauptsächlich zu tun gehabt hatte, hatte äußerst kompetent und verlässlich gewirkt, aber das war nicht ganz das wofür Huntington bezahlt hatte. Es war Maxwell den er wollte, und bei Gott, er würde ihn auch bekommen!

Also hatte er gedrängt und gedroht und schließlich erreicht, dass Maxwell ins Hotel zog wo die Gala stattfinden sollte. Und wie seine Informanten ihm mitgeteilt hatten, war Maxwell auch bereits in die Suite eingezogen die Huntington für ihn gemietet hatte. Aber trotz allem hatte der Mann es offensichtlich noch nicht für nötig erachtet, sich bei ihm zu melden!

Zu sagen dass Edward Huntington III empört war wäre sicherlich noch untertrieben.

Also hatte er beschlossen die Sache in die eigene Hand zu nehmen. Wenn der Prophet nicht zum Berg kam, musste der Berg eben zum Propheten. Oder so ähnlich.

Und das war auch der Grund, warum Huntington gerade vor Maxwells Tür stand, die Hand gehoben um anzuklopfen. Doch noch bevor seine Fingerknöchel in Kontakt mit dem Holz kommen konnten wurde die Tür der Suite auch schon von innen geöffnet. Huntington blinzelte ein paar Mal überrumpelt.

Der Mann der ihm gegenüberstand war nicht das was er erwartet hatte. Er hatte sich Maxwell bisher immer als einen älteren Gentleman vorgestellt, eben wie man sich jemanden vorstellte der lieber im Verborgenen blieb und sich auf eine beratende Position beschränkte. Sein Gegenüber schien jedoch eher das genaue Gegenteil dessen zu sein.

Ein schneller Blick von Kopf bis Fuß zeigte Huntington einen jungen Mann in einem gutsitzenden, maßgeschneiderten Anzug, einem unglaublich langen Zopf und einem ähnlich überraschten Gesichtsausdruck wie Huntington selbst. Huntington blinzelte erneut. Er hatte noch niemals einen Mann mit derartig langem Haar gesehen. Nun, es hieß ja das Maxwell ein wenig exzentrisch war, und was Huntington von ihm sehen konnte schien das nur zu bestätigen.

Doch jetzt war nicht die Zeit sich Gedanken über Maxwells seltsame Frisur zu machen. Huntington räusperte sich kurz und riss sich dann zusammen.

„Mr. Maxwell!“ rief er und streckte seinem Gegenüber lächelnd die Hand entgegen. „Ich freue mich Sie endlich kennenzulernen! Ich bin Edward Huntington III, ich habe Sie für die Gala engagiert.“

Der Langhaarige sah ihn eine Sekunde lang mit fast unlesbarem Gesichtsausdruck an, dann verzog sich sein Mund zu einem breiten Lächeln. „Mr. Huntington, wie schön Sie endlich kennenzulernen,“ erwiderte er während er Huntingtons Hand ergriff und sie schüttelte. „Ich war gerade auf dem Weg zu Ihnen.“



Kapitel 4

Duo starrte den Mann vor sich für eine Sekunde fast ungläubig an. Dann schaltete sein Gehirn auf Automatik. Er streckte seine Hand aus und sagte ohne groß darüber nachzudenken, „Mr. Huntington, wie schön Sie endlich kennen zu lernen. Ich war gerade auf dem Weg zu Ihnen." Dabei hatte er sein gewinnendstes Lächeln aufgesetzt. Er wusste nur zu gut, dass man mit so gut wie jedem Bluff durch kam, wenn man dabei nur freundlich genug war.

„Mr. Maxwell, Sie können sich ja gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin endlich direkt mit Ihnen reden zu können! Ich will ehrlich sein, ich hatte schon befürchtet Sie würden mich wieder auf später vertrösten. Ich bin immerhin ein zahlender Kunde - ein sehr gut zahlender, wenn ich das einmal hinzufügen darf. Da möchte ich nicht nur mit Ihren Assistenten sprechen.“

Duo lächelte leicht. Er hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wieso Mr. Huntington dem berühmten Privatdetektiv D.A. Maxwell noch nie begegnet war. Er wusste zwar nicht, warum genau diese Scharade aufgeführt wurde, aber das würde ihn natürlich nicht davon abhalten diese Chance zu nutzen. Außerdem wäre Edward Huntington III sicher gar nicht froh, wenn er jetzt erfahren würde, dass er schon wieder nicht mit seinem berühmten Privatdetektiv sprach.

Duo schlug einen beruhigenden Tonfall an. „Aber Mr. Huntington, ich bin sicher, dass meine Assistenten Mr. Yuy und...“ verdammt wie hieß der Kollege von Heero noch? Duo kramte in seinem Gedächtnis. „... Mr. Chang ihr bestes gegeben haben. Sie sind absolute Experten auf diesem Gebiet.“

Duos Gegenüber nickte leicht mit seinem Kopf. „Das kann schon sein, und Mr. Yuy machte einen überaus kompetenten Eindruck auf mich, aber ich habe schließlich Sie engagiert.“

Duo seufzte leicht. Ihn nervte der Manager jetzt schon. Wieso konnte er sich nicht mit Heero und seinem Kollegen zufrieden geben? Na ja, Edward Huntington III schien etwas hochnäsig zu sein - kein Wunder bei dem Namen befand Duo. Wahrscheinlich war er es nicht gewöhnt ‚nur’ mit Assistenten zusammen zu arbeiten. Aber diese Meinung würde Duo natürlich nicht nach draußen klingen lassen. Er war ein Profi, sein Pokerface war berühmt. Er klopfte seinem Gegenüber jovial auf die Schulter und sagte dann. „Keine Sorge. Ich musste nur noch einen anderen Fall zum Abschluss bringen. Ab jetzt werde ich mich 24 Stunden am Tag nur noch mit der Sicherheit ihrer Gala beschäftigen. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.“

„Wunderbar. Ich wollte auch die letzten Sicherheitsdetails mit Ihnen durchgehen.“

Duo konnte sein Glück nicht fassen, der Veranstalter der Gala wollte mit ihm die Sicherheitsdetails durchsprechen! Das würde so einiges vereinfachen. „Sehr schön, lassen Sie uns in Ihr Büro gehen,“ schlug Duo vor, der sich trotz seines Glücks so langsam wie auf dem Präsentierteller vorkam. Hier im Flur konnte jede Minute jemand vorbei kommen und sie miteinander reden sehen.

Huntington machte einen Schritt auf die Zimmertür zu. „Wir können das auch durchaus in Ihrem Zimmer besprechen, Mr. Maxwell. Ich hab alle Unterlagen dabei.“

„Das ist keine gute Idee,“ erklärte Duo abwehrend. Das würde ihm noch fehlen, wenn sie jetzt in das Hotelzimmer gehen und dort wer weiß wie lange über die Sicherheitsdetails brüten würden. Dabei konnte sonst was passieren. Einer von Maxwells Leuten könnte in den Raum kommen und sich wundern, was sie beide da taten. Es könnte sogar dieser D. A. Maxwell selbst auftauchen - was Duo allerdings für mehr als unwahrscheinlich hielt, aber es bestand ja die winzig kleine Möglichkeit dass er mit seiner Theorie was Maxwell anging falsch lag. Diese Art von Komplikationen konnte niemand gebrauchen.

Als Huntington ihn verwirrt ansah, suchte Duo schnell nach einer passenden Ausrede: „Ich habe mich vorhin bei der Rezeption beschwert. Mein Zimmer wurde nicht gründlich genug gereinigt. Sie haben versprochen sofort ein Stubenmädchen vorbei zu schicken. Und wir wollen doch sicherlich ungestört sprechen, oder?“

Huntington nickte wieder. „Sie haben Recht. Besser wir gehen in mein Büro. Bitte folgen Sie mir.“

Duo seufzte, innerlich erleichtert. Diese Hürde hatte er genommen. Schnell schloss er die Tür hinter sich und machte dann zwei große Schritte um seinen Gesprächspartner einzuholen.

Den Weg den Flur hinhab zu den Fahrstühlen waren beide Männer still, doch nachdem Edward Huntington III einen der Lifts heran gerufen hatte, sagte dieser beiläufig: „Übrigens, ich habe vorhin mit Mr. Wyndam-Price von der Versicherung gesprochen. Ihr Assistent Mr. Yuy sollte sich eigentlich gestern Mittag mit ihm in Verbindung setzen. Das hat er leider nicht getan.“

Duo musste leicht grinsen. Er wusste nur zu genau, wieso Heero diesen Wyndam-Price nicht gesprochen hatte. Das war ein weiterer wunderbarer Zufall gewesen. Aber diese angenehme Erinnerung hielt Duo nicht davon ab, schnell auf Huntington zu reagieren. „Stimmt, mein Assistent berichtete mir davon. Er hat Ihren Mr. Wyndam-Price gestern im Restaurant verpasst und ihn dann nicht mehr gefunden. Wissen Sie was? Heero ist heute sehr beschäftigt, ich denke ich werde persönlich mit dem Versicherungsvertreter sprechen. Ich sollte auch in der Lage sein, all seine Fragen zu beantworten.“

„Dafür wäre ich Ihnen sehr dankbar, Mr. Maxwell. Wissen Sie, diese Gala ist sehr wichtig für mich. So viele wertvolle Exponate hatten wir noch nie beisammen. Davon abgesehen, dass wir die ersten sind, die jemals die Juwelen der berühmten Claire de la Maire ausstellen zu dürfen! Ich gebe gerne zu, dass ich ein wenig nervös bin, was die Sicherheit angeht. Ich möchte, dass diesmal wirklich alles in den besten Händen ist.“

„Das ist es Mr. Huntington. Das ist es. Machen Sie sich keine Sorgen,“ erklärte Duo mit vertrauenserweckendem Tonfall.

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Heero pfiff eine fröhliche Melodie, während er im Fahrstuhl hoch zu seinem Büro fuhr. Er fühlte sich so gut gelaunt wie schon lange nicht mehr. Und er kannte auch genau den Grund für dieses für ihn doch sehr ungewöhnliches Verhalten.

Als er wieder an den Grund für seine Fröhlichkeit dachte, musste er ganz ungewohnt lächeln. Der gestrige Abend war einfach perfekt gewesen. So gut hatte er sich schon lange nicht mehr bei einem Date gefühlt. Eigentlich noch nie!

Der Abend war aber auch einfach zu perfekt gewesen. Duo hatte ihn in ein kleines aber sehr exquisites Restaurant mit wunderbarer Panoramaaussicht auf die Hafenbucht eingeladen. Dort hatten sie im Schein von Kerzen die Spezialitäten des Hauses gegessen und sich wunderbar unterhalten.

Heero wusste, dass er sich wahrscheinlich wie ein verliebter Teenager benahm, aber es war einfach zu schön, endlich jemanden zu treffen, mit dem er sich einfach so verstand. Jemand der sich für das interessierte, was er zu erzählen hatte, jemand der nett und liebenswürdig war. Duo hatte zwar den ganzen Abend wie verrückt mit ihm geflirtet, hatte sich aber ansonsten wie ein perfekter Gentlemen verhalten und Heero damit irgendwie das Gefühl gegeben, etwas Besonderes zu sein. Und dieses Gefühl hatte Heero noch niemals zuvor mit irgendjemandem gehabt.

Als Duo ihn dann nach Hause gebracht hatte - wie furchtbar altmodisch und süß, da hatten sie sich zum Abschied geküsst, als wenn morgen die Welt untergehen würde. Es war ein Kuss von der Sorte gewesen, die Heero Stunden später immer noch rot anlaufen ließ. Und wenn er auch nur eine hundertstel Sekunde länger angedauert hätte, dann hätte Heero Duo mit zu sich hinein gezerrt und wäre über ihn hergefallen.

Und das, obwohl Heero normalerweise beim ersten Date noch nicht einmal küsste, geschweige denn irgendetwas anderes tat. Duo war eindeutig dafür verantwortlich, dass er sich vollkommen uncharakteristisch verhielt. Heero lächelte bei dem Gedanken.

Duo hatte versprochen ihn heute wieder zu treffen - sie mussten etwas geschäftliches wegen der Sicherheit der Gala besprechen. Das war auch der einzige negative Punkt, den Heero bei der ganzen Sache sah. Oh, nicht dass er Duo heute treffen würde, sondern dass sie zusammen arbeiteten. Er glaubte nicht, dass es gut war, Geschäftliches mit Privatem zu vermischen. Wie sollte er sich auch auf irgendwas konzentrieren können, wenn Duo ihn mit seinem anbetungswürdigen Wesen aus der Ruhe brachte?

Heero überlegte für einen Moment, während er den Fahrstuhl verließ. Nun, dafür gab es eine einfache Lösung, oder nicht? Die Gala würde ja nur knapp eine Woche dauern. Er würde Duo einfach sagen, dass ihr nächstes Date erst danach sein könnte. Aber das dürfte kein Problem darstellen, sie würden die nächsten Tage sowieso viel zu beschäftigt sein, um all das zu machen, was sich Heero gerade im Geiste vorstellte.

Lächelnd betrat er die Büroräume der Detektei. Gleich im ersten Raum, in dem alle Besucher empfangen wurden, stand Relenas großzügiger Schreibtisch. Die blonde Frau sah ihn beim hereinkommen an und lächelte ebenfalls. „Guten Morgen Heero. Du scheinst ja sehr gute Laune zu haben.“

„Ja, die habe ich. Guten Morgen, Relena.“ Er nickte ihr freundlich zu und schnappte sich seine Briefe von seiner Postablage.

„Wie ungewöhnlich,“ erklärte Relena mit einem leicht neckischen Tonfall.

„Und wie absolut unpassend, wenn man unsere Situation bedenkt,“ bemerkte Wufei kurz angebunden. Der junge Chinese hatte wohl gehört dass Heero gekommen war und war schnell von seinem Büro in den Eingangsbereich gegangen.

Heero bemühte sich im Inneren bis zehn zu zählen, bevor er antwortete. Wufei war ein ausgesprochener Morgenmuffel. Zu so früher Stunde war er meist sehr schlecht genießbar. Selbst Relena hatte lachend erklärt, dass Heero Morgens im Vergleich zu Wufei wie Prinz Charming aus einem Werbeprospekt wirkte. Dagegen hatten natürlich Wufei und Heero heftig protestiert.

„Was ist denn diesmal Wufei?“ erkundigte sich Heero.

„Was ist? Du treibst dich den ganzen Abend wer weiß wo herum, und uns wird heute unser Auftraggeber dahinter kommen, dass es D. A. Maxwell gar nicht gibt!“

Heero, der dabei gewesen war seine Post zu sortieren, hielt mitten in der Bewegung inne. „Was heißt unser Auftraggeber wird uns dahinter kommen? Ich dachte du würdest einen Schauspieler engagieren, der für ein paar Tage diese Rolle übernehmen wird!“

„Das dachtest du, aber ich hab dem nie zugestimmt!“

„Aber Wufei,“ Heero war völlig überrascht. „Wieso hast du denn nicht gestern noch was gesagt? Relena und ich haben jetzt gestern noch Maxwells Sachen in die Hotelsuite gebracht. Offiziell hat er eingecheckt!“

Wufei seufzte tief. „Ich habe es dir gesagt, du hast mir nur nicht zuhören wollen.“

„Verdammt, wieso hast du denn keinen Schauspieler engagiert? Davon muss es hier in der Stadt doch tausende geben.“

„Heero, das ist keine gute Idee,“ sagte Wufei mit einem entschiedenen Unterton.

Relena, die bisher geschwiegen hatte stimme ihm zu. „Ich bin da auch Wufeis Meinung. Wir riskieren viel zu viel, wenn wir jemand weiteres in die Sache einweihen.“

Heero rollte mit den Augen. „Aber wir müssen doch niemanden einweihen. Der Typ wird engagiert, spielt ein paar Tage seine Rolle. Der muss noch nicht einmal wissen wieso.“

„Heero, das stellst du dir viel zu einfach vor. Glaubst du nicht, dass der Mann neugierig werden könnte, wieso wir jemand brauchen der D.A. Maxwell spielt? Auf die schnelle hätte ich niemanden finden können, dem wir wirklich vertrauen können. Und so riskieren wir, dass jeder der bis drei zählen kann demnächst auf unserer Matte steht und uns erpresst.“

„Meinst du nicht, dass du jetzt viel zu schwarzsiehst?“ gab Heero zurück.

„Ich denke wirklich, dass Wufei in diesem Punkt Recht hat, Heero. Selbst wenn uns der Schauspieler nicht erpresst, wie leicht kann er sich mal verplappern. Und das ist genau diese Art von Geheimnissen, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Über kurz oder lang, wäre es bei der Presse gelandet.“

„Und es gibt einen Punkt zu betrachten. Du willst unbedingt diesen Job behalten, um später Folgeaufträge zu bekommen. Dann wird Huntington aber jedes mal denselben D. A. Maxwell erwarten. Wirklich, das ist ein Risiko, das wir nicht eingehen können.“

Heero schnaubte. Er wusste tief in seinem Inneren, dass sein Partner Recht hatte. Aber er fühlte sich von Wufei übergangen. Immerhin hatte dieser eigenmächtig den Plan verändert. „Und wieso konntest du mich nicht gestern anrufen und bescheid geben, dass du es dir anders überlegt hast?“ herrschte er seinen Freund an.

„Ich hab dich nicht erreicht. Das Handy war ausgeschaltet.“

Ja, Heero hatte sein Handy für das Date ausgeschaltet, aber er würde sich von Wufei deswegen kein schlechtes Gewissen einreden lassen. „Verflucht Wufei, dass ist eine billige Ausrede! Du hättest es mir gleich sagen können! Oder Relena, oder eine E-Mail schreiben! Auf jeden Fall Bescheid geben, bevor wir Maxwell im Hotel häuslich eingerichtet hatten!“ Wie sollte er das jetzt bloß Huntington erklären?

„Dann müssen wir halt weiter bluffen, Heero. Mit mir hat Huntington ja nicht soviel zu tun gehabt. Lassen wir Maxwell doch einfach unsichtbar im Hotel herumstreifen und Huntington kann mich anrufen, wenn er mit ihm sprechen will.“

Heero schüttelte den Kopf. „So wird das nicht funktionieren, Wufei. Der will Maxwell persönlich treffen, oder glaubst du dass ich auf diese einfache Lösung nicht von selbst gekommen wäre?“

Wufei zuckte mit den Schultern. „Eine andere Idee hab ich nicht, Heero. Zur Not müssen wir halt von dem Auftrag zurück treten. Allerdings bezweifle ich, dass Huntington das so kurz vor der Gala noch tun wird. Halt ihn einfach lang genug hin und dann bleibt ihm nichts übrig als uns zu behalten.“

Heero ließ die Schultern sinken. Der Tag hatte doch so gut angefangen und jetzt war er schon kurz davor seinen alten Freund ungespitzt in den Boden zu rammen. Das war gar nicht gut. So sehr wurde er sonst nie aus der Fassung gebracht. „Sicher, dass wird klappen, Wufei. Nur können wir uns dann jeden eventuellen Folgeauftrag in die Haare schmieren. Huntington wird das nicht vergessen.“

„Anstatt hier so negativ zu sein, könntest du mal einen konstruktiven Vorschlag bringen Heero. Bisher hör ich dich nämlich nur jammern.“

Uups, da musste Heero seinem Freund wirklich auf die Zehenspitzen getreten sein, aber im Moment war es ihm nicht danach die Wogen wieder zu glätten. Er hatte auch mal das Recht darauf zu schmollen. „Ich hatte einen guten Vorschlag Wufei. Der leider von dir torpediert wurde.“ Als der Chinese etwas sagen wollte hob Heero abwehrend die Hand. „Wir sollten damit jetzt aufhören, wir drehen uns mit dieser Diskussion ja nur im Kreis. Ich fahr jetzt ins Hotel und werde solange bei Huntington schleimen, bis er vergisst dass er Maxwell heute Morgen schon sehen will und ihr zwei überlegt euch einen Plan wie wir dieses Problem für die nächste Woche in den Griff bekommen.“

Mit diesen Worten drehte sich Heero auf dem Absatz um und ging aus den Büroräumen hinaus. Er meinte noch ein „Ungerechtigkeit!“ von Wufei zu hören, aber darauf konnte er jetzt wirklich keine Rücksicht mehr nehmen.

Heero hasste es, wenn es nicht nach Plan ging. Das Dumme war, Wufei hatte mit seinen Argumenten wahrscheinlich Recht. Und wenn sie es in Ruhe besprochen hätten, dann hätte er das sicher auch eingesehen und den Plan verändert. Aber dass Wufei das so im absoluten Alleingang entschied und ihn noch nicht einmal vorgewarnt hatte, das machte ihn ärgerlich. Und dann noch zu behaupten, dass die Misskommunikation daran lag, dass er es einmal gewagt hatte sein Handy auszuschalten. Das war die eigentliche Ungerechtigkeit.

Heero hatte seinen Wagen in der Tiefgarage erreicht und begann zum Hotel zu fahren. Natürlich achtete er auf den Verkehr, aber ein kleiner Teil von seinem Gehirn beschäftigte sich damit, was er denn Huntington sagen könnte. Er überlegte, welche Ausrede er denn bisher denn noch nicht benutzt hatte. Ob er es wohl mit flirten versuchen sollte?

Hn, da gab es nur zwei Probleme. Zum einen konnte Heero nicht besonders gut flirten - es sei denn sein Partner hieß Duo - zum anderen schien Huntington nicht auf Männer zu stehen. Vielleicht hätte er ja Relena mitnehmen sollen? Mit ihren großen Rehaugen könnte sie doch sicher ihren Auftraggeber ablenken. Das war eine gute Idee, fand Heero. Er würde Relena für heute Nachmittag ins Hotel beordern. Und sie bitten einen besonders kurzen Rock zu tragen. Verzweifelte Situationen erforderten verzweifelte Maßnahmen.

Endlich beim Hotel angekommen betrat Heero die pompöse Eingangshalle mit forschem Schritt. Er orientierte sich kurz und ging dann zur Rezeption um nach dem Aufenthalt ihres Auftraggebers zu fragen.

Scheinbar hatte er Glück - oder Unglück je nachdem wie man es sah. Der Portier zeigte in die Richtung zu den Ausstellungsräumen und sagte er hätte Mr. Huntington dorthin gehen sehen.

Heero schluckte noch einmal kurz, dann ging auch er dorthin. Was könnte schon groß passieren, fragte er sich? Wenn alle Stricke rissen, dann würden sie halt wirklich diesen Fall abgeben. Das wäre zwar schlechte Publicity aber besser als entdeckt zu werden.

Genau wie der Portier es vorhergesagt hatte traf Heero dann auf den Mann am Eingang zu den Ausstellungsräumen. Erstaunlicherweise schien Edward Huntington III heute Morgen eine außerordentlich gute Laune zu haben. Vielleicht hatten sie ja doch eine Chance den Auftrag zu behalten.

Heero setzte sein bestes ‚Kundengespräch’ Gesicht auf und begrüßte ihren Auftraggeber. „Guten Morgen, Mr. Huntington.“

„Ah, auch Ihnen einen wunderschönen guten Morgen, Mr. Yuy. Alles in Ordnung für die Gala?“ Edward Huntington III streckte seinen Arm aus und schüttelte Heeros Hand geradezu enthusiastisch.

„Alles unter Kontrolle Mr. Huntington.“

„Gut, gut,“ kam es zufrieden zurück. „Ich bin sicher, dass Sie und Ihr Kollege wunderbare Arbeit geleistet haben.“

Heero fühlte sich versucht sich zu zwicken. Ihr Auftraggeber schien ja wie ausgewechselt. Jetzt musste Heero nur noch herausfinden welche Drogen man Huntington im Frühstückskaffee getan hatte und eine ausreichende Menge für die nächste Woche besorgen. Dann wären sie alle Probleme los. Leider war da wohl eher der Wunsch der Vater des Gedanken.

Trotzdem wollte Heero die Gunst der Stunde nutzen. Vielleicht würde es Huntington jetzt nicht so sehr stören, schon wieder vertröstet zu werden. „Mr. Huntington,“ begann Heero mit seiner besten Beruhigungsstimme. „wegen Ihrem Treffen mit meinem Chef...“

Huntington gab sich ganz jovial und schlug Heero sogar leicht auf die Schulter. „Ach, machen Sie sich keine Sorgen, Mr. Yuy. Ich hab die Sache heute Morgen, gleich nach dem Frühstück, schon selbst in die Hand genommen.“

„Selbst in die Hand genommen?“ echote Heero schwach.

Aber Huntington schien ihm gar nicht zuzuhören. „Ich wusste ja dass Ihr Boss hier im Hotel abgestiegen ist und hab ihn einfach selbst besucht. Und ich muss Ihnen sagen, dass war ein sehr aufschlussreicher Besuch.“

Heero musste schlucken. Hatte Huntington etwa etwas bemerkt? Was konnte er bemerkt haben? Heero wurde heiß und er fühlte sich irgendwie ertappt. „Aufschlussreich? Inwiefern aufschlussreich?“ hakte er nach.

„Nun, ich hätte nie gedacht, dass ihr Chef so eine interessante Persönlichkeit ist. Man hat ja schon viel von dem berühmt berüchtigten D. A. Maxwell gehört, aber die Realität übertrifft die Gerüchte doch um so einiges. Ich bin jetzt absolut davon überzeugt, dass die Exponate sich in den besten Händen befinden.“

Heero hatte das Gefühl, dass es in seinen Ohren rauschte. So sehr war er noch nie bei einem Auftrag ins schwimmen geraten. „Sie haben mit meinem Chef geredet?“ vergewisserte er sich noch einmal.

„Ja,“ bestätigte Huntington mit einem zufriedenen Lächeln.

„Mit D. A. Maxwell?“

„Mit wem denn sonst?“

Heeros Gehirn arbeite in Rekordgeschwindigkeit und versuchte diese neue Information zu begreifen. Wie konnte Huntington mit Maxwell geredet haben? „Sind Sie ganz sicher?“

„Was soll die Frage? Natürlich bin ich sicher, schließlich habe ich ihn in seinem Hotelzimmer angetroffen.“

Hatte Wufei doch einen Schauspieler engagiert? Nein, garantiert nicht. Nicht nachdem Wufei so einen Tamtam darum veranstaltet hatte, dies nicht zu tun. Wenn Huntington jetzt einen D. A. Maxwell getroffen hatte, dann bedeutete das, dass sich jemand als sein Boss ausgab. Und sogar in dessen Hotelzimmer war! In Heero klingelten alle Alarmsirenen. Dieser Sache musste so schnell wie möglich auf den Grund gegangen werden. „Wissen Sie, wo Mr. Maxwell sich jetzt aufhält?“ fragte er deshalb.

Huntington sah ihn etwas verwundert an. Dann zeigte er in die Lobby. „Aber da steht er doch. Sie können ihn doch gar nicht übersehen. Dort am Vogelkäfig, neben Mr. Wyndam-Price von der Versicherung.“

Heero starrte sofort in die angegebene Richtung. Und wirklich, Duo stand neben der großen Voliere und war tief in ein Gespräch mit einem Mann verwickelt. Einen Mann, den Heero noch nie in seinem Leben gesehen hatte. Er schien mittelgroß zu sein, hatte leicht schütteres Haar und trug den wohl langweiligsten grauen Anzug den man sich nur vorstellen konnte. Und dieser Mensch gab sich als D. A. Maxwell aus? Aber Heero würde schon noch herausbekommen was dahinter steckte, das war mal sicher!



Kapitel 5

Duo schüttelte ein letztes Mal die Hand des Versicherungsvertreters Wyndam-Price. Nur mit Mühe konnte er verhindern dabei mit den Augen zu rollen. Hatte er Huntington schon als lästig empfunden, so war es dieser Versicherungsmensch erst recht. Anstatt mit ihm über die Sicherheitsdetails der Gala zu sprechen hatte der Mann ihm die ganze Zeit nur versichert was für eine große Ehre es für ihn doch wäre endlich den großen D.A. Maxwell kennen lernen zu dürfen. Duo hatte den starken Verdacht es mit einem Groupie zu tun zu haben.

Duo unterdrückte ein Schaudern. Oh Mann. Er hatte noch nie gehört dass es auch Groupies von Privatdetektiven gab. Und wenn diese Groupies alle so waren wie Wyndam-Price... Vielleicht war es dann auch ganz gut dass er noch nie davon gehört hatte.

„Mr. Maxwell, lassen Sie mich noch einmal betonen wie hocherfreut ich bin dass ausgerechnet Sie die Betreuung dieser ausgesprochen teuren Exponate übernommen haben,“ sprudelte Wyndam-Price zum x-ten Mal hervor und ließ Duos Hand dabei nicht los sondern schüttelte sie weiterhin enthusiastisch.

„Ja, ja,“ sagte Duo schnell. Verdammt, irgendwie musste er diese Klette loswerden. Forschend ließ er seine Augen durch die Halle schweifen, auf der Suche nach irgendeiner Ausrede um diesem Versicherungsagenten zu entkommen.

Sein umherschweifender Blick landete schließlich auf jemandem, von dem er gehofft hätte ihn nicht hier zu sehen. Dort, am Eingang des Foyers, stand Heero und starrte zu ihnen herüber. Neben ihm stand Edward Huntington III. Duo schluckte trocken. Heeros Gesicht war eine starre, emotionslose Maske, und in seinen Augen... Nun, Duo konnte nicht sagen was das für ein Ausdruck in Heeros Augen war. Nur dass es ihm dabei eiskalt den Rücken hinab lief.

Am Rande registrierte Duo dass Wyndam-Price immer noch damit beschäftigt war seine Hand zu schütteln und irgendwas vor sich hinzubrabbeln, doch er bekam es gar nicht richtig mit. Seine gesamte Aufmerksamkeit lag auf Heero, der noch immer stocksteif an der Tür stand und zu ihnen herüberstarrte, obwohl Huntington ihn inzwischen verlassen hatte.

Duos Herz raste. Heeros Gesichtsausdruck nach zu schließen hatte Huntington ihm erzählt dass er Maxwell getroffen hatte. Hatte ihm erzählt, dass Duo Maxwell war. Oh Gott. Duo schloss kurz die Augen. Er hatte zwar gehofft sein kleines Verwirrspiel ein wenig länger aufrecht erhalten zu können, aber er hatte genau gewusst dass Heero es am Ende rausfinden würde. Hatte genau gewusst dass der andere erfahren würde dass Duo nicht der war für den er sich ausgegeben hatte.

Aber er hätte niemals gedacht dass er sich so schrecklich fühlen würde wenn dies geschah. Es war schließlich nicht das erste Mal dass Duo so etwas tat - beileibe nicht. Und noch niemals zuvor hatte es ihm auch nur das geringste ausgemacht was die von ihm hinters Licht geführten Leute wohl empfinden oder von ihm denken würden. Warum also fühlte er sich wie der letzte Mistkerl auf Erden nur weil Heero ihm auf die Schliche gekommen war?

„Mr. Maxwell, ich würde so gerne noch etwas länger bleiben und mit Ihnen plaudern,“ drängte sich Wyndam-Price’s Stimme in Duos Gedanken, „Aber ich habe noch einen dringenden Termin. Vielleicht können wir das ja noch einmal wiederholen in den nächsten Tagen.“ Und mit diesen Worten ließ der Mann endlich Duos Hand los, drehte sich um und ging quer durch die Halle zum anderen Ausgang - nicht der an dem Heero stand - davon.

Doch Duo registrierte das nur am Rande. Noch immer hatte er seinen Blick nicht von Heero lösen können. Alles in ihm schrie danach sich umzudrehen und wegzulaufen. Zu fliehen bevor Heero herüberkommen und ihn anprangern konnte. Doch zu seinem großen Erstaunen und entgegen jeglichen Überlebensinstinkts bewegte Duo sich nicht einen Millimeter vom Fleck weg, sondern sah nur zu wie Heero sich endlich aus seiner Erstarrung löste und langsam zu ihm rüber kam.

„Duo...“ sagte Heero schließlich als er heran war und starrte in die Richtung in der Wyndam-Price verschwunden war. „... Dieser Mann mit dem du soeben gesprochen hast...“

Duo blinzelte hektisch. Das hatte er jetzt definitiv nicht erwartet. Er hatte sich in Gedanken schon auf die schlimmsten Vorwürfe gefasst gemacht, doch stattdessen... Worüber sprach Heero da? Dieser Mann... Meinte er etwa Wyndam-Price?

„Was ist mit ihm?“ fragte Duo schließlich als offensichtlich wurde dass Heero auf irgendeine Art von Antwort wartete.

„...“ Heero schien um Worte zu ringen. Schließlich stieß er hervor, „Er gibt sich als mein Chef aus.“

Duo konnte nicht anders als Heero anzustarren. Heero dachte dass der Versicherungsmann...? „Tatsächlich?“ fragte er schwach.

Heero nickte. „Ja.“

Nur mit Mühe und Not konnte Duo sich davon abhalten vor Erleichterung nicht aufzujauchzen. Er wusste zwar nicht wie Heero auf diese Idee gekommen war, aber Duo wäre sicherlich nicht so dumm dieses Geschenk des Himmels nicht anzunehmen. „Aber warum sollte er das tun?“

„Ich habe nicht die geringste Ahnung,“ erwiderte Heero kopfschüttelnd und richtete seinen Blick nun endlich doch auf Duo. „Aber ich werde es herausfinden.“

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Heero stürmte aus dem Aufzug, den Flur entlang, stieß die Glastüren zu seiner Detektei auf und blieb dann heftig atmend in der Mitte des Empfangsbereichs stehen.

„Heero?“ rief Relena besorgt die sofort alarmiert aufgesprungen war als Heero ins Büro gestürmt war. „Was ist los?“

„Wir haben ein Problem,“ erwiderte Heero dumpf. Dann machte er Relena ein Zeichen dass sie ihm folgen sollte und marschierte in Wufeis Büro.

„Was ist los?“ fragte Wufei überrascht als Heero von Relena gefolgt vor seinem Schreibtisch stehen blieb.

„Bitte sag mir dass du mich heute Morgen nur auf den Arm genommen hast als du gesagt hast du hättest keinen Schauspieler engagiert,“ stieß Heero hervor.

Wufei schüttelte verblüfft den Kopf. „Natürlich nicht, Heero,“ antwortete er. „Ich würde niemals Scherze über ein so ernstes Thema machen.“

Heero schloss verzweifelt die Augen. Oh Gott. Das hatte er befürchtet.

„Heero, was ist los?“ fragte Wufei erneut, und als Heero nicht sofort antwortete warf er Relena einen fragenden Blick zu. Doch Relena zuckte nur mit den Schultern und schüttelte den Kopf.

„Wir haben ein Problem,“ sagte Heero schließlich und öffnete die Augen wieder. „Ich war gerade im Hotel um Mr. Huntington wieder einmal auf ein späteres Treffen mit Maxwell zu vertrösten.“

„Das weiß ich,“ warf Wufei ungeduldig ein. „Schließlich war ich heute Morgen auch hier, falls du es vergessen haben solltest.“

„Doch das war gar nicht mehr nötig,“ fuhr Heero fort, ohne auf Wufeis Einwurf einzugehen. „Er hat Maxwell bereits getroffen.“

„WAS?“ kam es synchron von Wufei und Relena.

Heero nickte langsam. „Wenn du tatsächlich niemanden engagiert hast um Maxwell zu spielen, dann läuft dort im Hotel jetzt irgendjemand rum der sich für unseren Chef ausgibt.“

„Aber...“ stammelte Wufei fassungslos. „Aber...“

„Wieso sollte jemand so etwas tun?“ rief Relena.

Heero schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht. Vielleicht will er die Ausstellung ausrauben und versucht so an Informationen zu gelangen. Aber aus welchem Grund auch immer, wir müssen schleunigst rausfinden wer das ist. Und ob er unser Geheimnis kennt.“

„Hast du eine Personenbeschreibung von dem Kerl?“ fragte Wufei, der sich inzwischen wieder gefangen hatte. „Hast du ihn gesehen?“

Heero nickte. Oh ja, er hatte den Kerl gesehen. Und wenn er nicht so ein Feigling wäre, dann hätte er vielleicht auch schon ein paar Antworten parat. Der Kerl war immerhin zum greifen nah gewesen - er hätte ihn sich nur schnappen und befragen müssen. Aber Duo war dabei gestanden. Und allein die Möglichkeit dass der Betrüger von ihrem kleinen Geheimnis wusste hatte Heero wie festgewachsen an seinem Platz erstarren lassen. Das letzte was Heero wollte war dass Duo herausfand dass er im Grunde nur ein Betrüger war.

So genau er konnte gab Heero Wufei eine Personenbeschreibung des Betrügers.

Wufei seufzte. „Das ist nicht viel,“ sagte er. „Ein Name wäre besser.“

„Wir haben aber keinen Namen,“ erwiderte Heero. „Es sei denn du möchtest nach D.A. Maxwell suchen. Wir müssen unbedingt herausfinden was der Kerl vorhat. Ob er hinter den Exponaten her ist oder ob er darauf aus ist uns zu erpressen - ich weiß nicht mal was von beidem schlimmer wäre!“

Relena legte Heero eine Hand auf die Schulter und drückte kurz beruhigend zu. „Wir werden das schon hinkriegen, Heero,“ sagte sie leise. „Wir kriegen das doch immer hin.“

Heero schloss kurz die Augen. Dann öffnete er sie und ließ ein freudloses Lachen hören. „Ich hoffe du hast Recht,“ war alles was er sagte.

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Duo presste sich enger an die Wand des Gangs vor dem dunklen Ausstellungssaal und lauschte den Schritten des Wachmannes die langsam in der Ferne verklangen. Der Mann war direkt an ihm vorüberspaziert ohne ihn zu bemerken. Nun, zugegeben, Duos hautenger schwarzer Anzug und die Tatsache dass er sich regungslos im Schatten gehalten hatte, hatte das sicherlich begünstigt, dennoch war es eigentlich ziemlich schlampig von dem Mann. Nicht dass Duo sich beschweren wollte.

Immerhin, die Nachlässigkeit des Wachmannes machte ihm seine Arbeit um einiges leichter.

Duo schnaubte leise. Was hatte es ihm bei diesem Coup eigentlich noch nicht leichter gemacht? Von Anfang an schien ihm diesmal alles einfach so in den Schoß gefallen zu sein. Zuerst hatte Heero ihn mit dem Versicherungsmann verwechselt und hatte ihm Dinge anvertraut, die er sicherlich sonst niemandem erzählt hätte der nicht direkt mit der Ausstellung zu tun hatte.

Und als wäre das nicht genug hatte Huntington ihn auch noch für Maxwell gehalten, genauso wie der echte Mann von der Versicherung. Da hätten sie ihm die Ausstellungsstücke eigentlich auch gleich in die Hand drücken können. Das wäre die einzige Möglichkeit wie diese Sache hier NOCH einfacher wäre.

Nicht dass Duo so etwas nötig hätte. Er war einer der Besten auf seinem Gebiet - vielleicht sogar DER Beste - und er wäre so oder so an das rangekommen was er wollte. Aber er war auch nicht dumm. Wenn sich ihm eine so günstige Gelegenheit bot wäre er der Letzte der sie ausschlagen würde.

Und so wusste Duo jetzt allzu genau Bescheid über die Sicherheitsbedingungen der Ausstellung. Wusste genau wann die Wachleute ihre Runden drehten, wusste welche Stücke mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet waren und wo sich diese befanden, ja er wusste sogar teilweise wie er die Sensoren ausschalten konnte. Auch wenn er diese spezielle Information nicht Heero oder Huntington verdankte.

Nein, diese Information hatte er allein rausgefunden. Selbst Huntington war nicht so verrückt die Codes in der Öffentlichkeit auszuplaudern, und Heero war Profi. Wenn es auch angehen mochte dem Versicherungsagenten von den Sensoren und ähnlichem zu erzählen um ihm zu versichern dass die Exponate wirklich sicher waren, so gehörten die Codes zur Deaktivierung besagter Sensoren sicherlich nicht dazu.

Duo warf einen kurzen Blick den Gang entlang. Gut. Der Wachmann war inzwischen weit genug weg. Vorsichtig huschte Duo an der Wand entlang in Richtung des Ausstellungssaals. Die Ausstellungsräume waren zwar Teil des Hotels, welches rund um die Uhr geöffnet hatte, aber da die Ausstellung noch nicht eröffnet war, waren diese Bereiche Nachts abgeriegelt und dunkel. Was gut war - zumindest für Duo. Hell erstrahlte Räume hätten ihm seine Arbeit doch ein wenig erschwert.

Als er den Saal endlich erreichte lief Duo sofort zielstrebig auf die große Vitrine in der Mitte zu. Die anderen Ausstellungsstücke ignorierte er - er wollte nur den Schmuck von Claire de la Maire. Nicht nur dass diese Stücke die bei weitem wertvollsten der gesamten Ausstellung waren, nein, sie waren auch etwas besonderes. Zum allerersten Mal wurden sie hier der Öffentlichkeit präsentiert, und das war einfach eine Gelegenheit die Duo sich nicht entgehen lassen konnte.

Duo kramte in den Taschen seines schwarzen Anzugs um die nötigen Werkzeuge zum Knacken der Vitrine herauszuholen, doch als er schließlich hatte wonach er gesucht hatte und sich an die Arbeit machen wollte, entdeckte er dass das unnötig war. Die Vitrine war nämlich leer.

Duo erstarrte mitten in der Bewegung, den Blick ungläubig auf die leere Vitrine gerichtet. Das konnte doch nicht sein, oder? Wo waren die Juwelen und der Schmuck? Hatte man ihn für die Nacht etwa wo anders untergebracht? Duo schüttelte den Kopf.

Nein, das hätte er in seiner Doppelrolle als Wyndam-Price und Maxwell garantiert erfahren. Und das konnte nur eines bedeuten. Irgendjemand war ihm zuvorgekommen und hatte den Schmuck gestohlen bevor Duo eingebrochen war.

Duo fluchte leise vor sich hin. Verdammt! Er hätte doch früher kommen sollen! Das konnte doch nicht wahr sein, dass ihm irgendein anderer Dieb die Tour vermasselte!

Plötzlich gingen irgendwo Sirenen los, Strahler erleuchteten den Saal, und ließen Duo erschrocken zusammenzucken. Sein Blick huschte panisch von einer Ecke des Saals zur anderen, aber offenbar war er noch immer allein dort. Doch jetzt, wo die Sirenen heulten würde das sicherlich nicht mehr lange so bleiben. Und so drehte Duo sich um und machte dass er von dort verschwand. Der Schmuck war ohnehin schon weg, und Duo würde den Teufel tun und sich für einen Diebstahl verhaften lassen den er ausnahmsweise einmal tatsächlich nicht begangen hatte.

Was aber nicht bedeutete dass er das Spiel bereits aufgegeben hatte. Duo wollte diese Schmuckstücke haben, und wenn dass bedeutete dass er den anderen Dieb finden und sie ihm abnehmen musste, nun dann würde es eben so sein.