Du befindest Dich hier: Geschichten > Geschichten frei bis 16 > SilverStar > A Book can change someone?s Life

A Book can change someone?s Life

Original/reale Welt [NC-14] 

[sap][Shonen-ai]

Inhalt:
Hikaru vergisst seine Schultasche im Klassenzimmer, in welchem sich auch sein Tagebuch befindet. Als er es holen will, hat einer seiner Klassenkameraden es in der Hand. Nun ist die Frage: Hat er es gelesen und somit Hikarus Geheimnis herausgefunden? 

Bemerkung:
Das ist meine erste Fanfic hier und ich hoffe sie gefällt euch. Nicht wundern, aber meine Geschichten spielen alle in Japan oder japanisch angehauchten Welten ^-^ 




A Book can change someone’s Life 


Hastig rannte Hikaru die Treppen der Schule empor. Wieso hatte er ausgerechnet heute seine Schultasche im Klassenzimmer vergessen? Er konnte nur hoffen, das keiner seiner Klassenkameraden mal wieder auf die Idee gekommen war, in seinen Sachen herum zu wühlen. Es wäre nicht das erste Mal. Hikaru war nicht gerade beliebt bei den anderen Schülern. Meist zogen sie ihn wegen seiner Größe und zierlichen Gestalt auf, nannten ihn ein Mädchen, da er sich zum Sport erst umzog, sobald alle Jungs aus den Kabinen waren. Aber was konnte er denn dafür, dass er sehr schüchtern war.

Diese Dinge gingen ja noch, solange keiner das fand, was er heute mit in die Schule genommen hatte: sein Tagebuch. In ihm standen Dinge, die keiner wissen durfte. Und genau aus diesem Grund war er jetzt in Panik. Seine jüngere Schwester hatte es entdeckt, doch er hatte es ihr noch rechtzeitig aus den Händen gerissen. Um zu verhindern, dass sie es doch noch las, hatte er es mit genommen, in seine Tasche gesteckt und diese vergessen.

Völlig außer Puste, da er nicht besonders ausdauernd war, öffnete er die Tür und starte zu erst auf seinen Platz. Zum Glück, seine Tasche hing noch da, allerdings waren die Verschlüsse nicht zu. Irgendjemand hatte doch wirklich in seinen Sachen geforscht und genau dieser jemand saß entspannt auf Hikarus Tisch. In der Hand hielt der braunhaarige Junge ein rotes Taschenbuch. Doch bei genauerem Hinsehen, erkannte der blonde Junge mit den schwarzen Haarspitzen das Objekt von Aois ungeteilter Aufmerksamkeit. Dieser Typ las doch tatsächlich sein Tagebuch.

Noch immer stand Hikaru in der Tür und sein Gesicht nahm die Farbe einer Tomate an. Noch hatte Aoi ihn nicht bemerkt. Was sollte er denn jetzt tun? Einfach zu ihm hin zu gehen, das traute er sich nicht. Ihm war es unendlich peinlich und er konnte nur hoffen, das der größere Junge nicht bei Hikarus Einträgen der letzten Wochen war. Aoi wand sich dem schmächtigen Jungen zu und grinste, während er das Buch zu klappte.

„Interessantes Buch, Kleiner.“

Mit einer fahrigen Bewegung strich sich der Junge eine seiner längeren Haarsträhnen aus dem Gesicht. Langsamen Schrittes trat er auf Hikaru zu. Dieser konnte ihm nicht in die Augen sehen und wurde noch eine Spur röter. Wieso musste ausgerechnet Aoi seinen größten Schatz finden? Wie viel hatte er gelesen? Und vor allem, was hatte er gelesen?

Aio musterte den fast eineinhalb Köpfe kleineren Jungen vor sich. Es war wirklich interessant, was der Kleine für Gedanken hatten, besonders die, die sich auf Aoi bezogen. Er konnte nicht leugnen das die geröteten Wangen Hikaru standen und ihn zum schmunzeln brachten. Allerdings würde er die Dinge, die er gelesen hatte, nicht einfach vergessen. Er wollte den Kleinen lieber etwas ärgern, bei jeder Gelegenheit, die sich bot. Es konnte nämlich schnell langweilig werden in einer reinen Jungen-Schule.

Immer noch hatte Hikaru den Kopf gesenkt und wagte nicht sich zu rühren, geschweige denn etwas zu sagen. Er merkte nur noch, wie Aoi ihm das rote Tagebuch in die Hand drückte und dann die Tür schloss. An diesem Tag schwor sich Hikaru nie wieder sein Tagebuch mit in die Schule zu nehmen und den anderen Jungs so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen.

~*~*~*~*~*~

Die folgenden Tage waren für Hikaru wie eine Qual. Es sah zwar nicht so aus, als hätte Aoi den anderen etwas erzählt, doch trotzdem lag eine gewisse Spannung in der Luft. Hikaru rechnete jeden Moment damit, dass die Bombe platzte. Doch sein Warten war glücklicher Weise umsonst. Trotzdem zehrte es sehr an seinen Nerven. Er wurde unaufmerksam und glaubte nicht mehr daran, dass irgendetwas passieren würde. Wie vorgenommen hatte er sein Tagebuch nicht mehr mitgenommen und es zu Hause in einem sicheren Versteck verborgen. Nun würde seine Schwester hoffentlich nicht mehr ‚zufällig’ seine privaten Angelegenheiten finden.

Hikaru hatte nicht besonders gut geschlafen und sah sich gedankenverloren in der Klasse um. Nichts Interessantes war zu sehen, absolut nichts, was ihn hätte wecken können.

Sein Blick schweifte wie automatisch wieder zu dem Platz von Aoi, genauso wie früher, bevor dieser Hikarus Tagebuch gelesen hatte. Wie überrascht war dieser je doch, als er nicht ein bekanntes Profil ansah, sondern in zwei kobaltblaue Augen blickte. Doch anstatt das sich Aoi abwand, grinste er frech und breit. Hikaru merkte, wie ihm die Röte ins Gesicht schoss und sah nun aus dem Fenster, um sich abzulenken. Zwar hatte er schon oft Aois schöne Augen bewundert, aber die hatten ihn bis jetzt noch nie so intensiv angesehen. Wenn er nur daran dachte, spürte er dieses wohlige Gefühl im Magen, das gleichzeitig aber auch unerträglich werden konnte. Wenn die anderen erfahren würden, dass sich Hikaru in einen Mitschüler verknallt hatte, hätte er nichts mehr zu lachen. Es war ja nicht so, dass er sich in jeden Jungen verliebte, der ihm über den Weg lief, nur bei dem braunhaarigen überkam ihn dieses Gefühl, welches schon fast zum Dauerzustand geworden war.

Amüsiert betrachtete Aoi den Kleinen. Dessen Reaktion bestätigte nur die Worte, die in dem geheimen Buch gestanden hatten. Heute würde er beginnen den Kleinen etwas zu quälen, denn nun dachte er bestimmt ihm würde nichts passieren. Hikarus vorsichtige Blicke und Gesten waren Aoi nicht entgangen und nun würde endlich etwas Abwechslung in seinen tristen Alltag kommen.

~*~*~*~*~*~

In der Umkleidekabine herrschte reger Betrieb. Hier und da wuselten ein paar Jungs nur in Boxershorts herum. In all dem Tumult saß Hikaru in seiner kleinen Ecke und betrachtete den Boden. Viele wussten gar nicht wie interessant so ein Bodenmuster sein konnte.

Das sich alle um ihn herum umzogen machte dem Blonden nichts aus, nur lief er Gefahr Aoi anzusehen und das wäre bestimmt nicht gut ausgegangen.

Gerade dieser zog sich dieses Mal recht langsam an und aus, was natürlich niemandem auffiel. Nicht einmal seinem Opfer. Aber das machte gar nichts, es gab noch andere Möglichkeiten den Zwerg zu ärgern und ihn wieder verlegen zu machen. Das herrliche an der Sache war, das Hikaru sich nie werte und immer nur verschüchtert und wie eine Salzsäule erstarrte. Der Kleine würde sich wundern.

Der Lärm in den Kabinen ebbte ab und immer weiter entfernten sich die Schritte in Richtung Halle. Erleichtert atmete Hikaru auf. Alle waren weg, nun konnte er sich endlich in Ruhe umziehen. Dem Lehrer war es sowieso egal, ob er nun zu spät kam. Er hielt selber nicht viel von dem schmächtigen Jungen.

Dieser stand erst einmal auf und streckte sich kräftig. Er hatte gar nicht bemerkt, wie er sich angespannt hatte. Ohne sich noch einmal umzusehen fing er an sein Hemd aufzuknöpfen. Hikaru hielt in seiner Bewegung inne, als er hinter sich eine bekannte, dunkle Stimme hörte, die ihm ständig eine Gänsehaut verpasste.

„Beeil dich, Kleiner, ich will noch was von der Stunde mitkriegen.“

Ungläubig drehte sich Hikaru um und ihm blieb beinah das Herz stehen. An den Türrahmen mit verschränkten Armen gelehnt stand Aoi und sah ihn durchdringend an. Er hatte seine schulterlangen Haare zu einem Zopf gebunden und trug eine kurze Sporthose und ein T-Shirt. Also das Selbe wie alle anderen Schüler, nur stand es ihm viel besser, fand zumindestens Hikaru.

Eine leichte Röte zeichnete sich in dem kindlichen Gesicht ab und automatisch hielt er sich sein Hemd zu. Wieso war Aoi noch hier? Es wussten doch alle, das der Kleinste sich immer allein umzog.

Doch um zu erfahren warum und weshalb, musste er fragen und das tat er auch, wenn gleich mehr flüsternd.

„Wa..warum bist du noch hier?“

„Ach, ich dachte mir ich könnt mal auf dich warten. Mehr nicht?“

Ein breites Grinsen erschien auf Aois Gesicht, als sein Mitschüler verlegen zu Boden blickte, um sein Gesicht zu verbergen. War schon irgendwie putzig und er konnte sich nicht vorstellen, das Hikaru bald genauso alt sein würde wie er. Wegen seiner Größe und seinem Aussehen hätte man ihn eher auf 12 oder 13 geschätzt, aber keine 16 ¾. Und sein Verhalten passte auch mehr zu einem Kleinkind.

„Das brauchst du nicht.“

Aoi musste sich sehr ansträngen um Hikaru zu verstehen, ohne dabei auf den Jüngeren zuzugehen, denn der hätte sich wahrscheinlich so erschreckt, dass er gleich gar nicht mehr zum Sport ging.

Er wusste gar nicht, das Aio gerade sein einziges Lieblingsfach verpasste, nur weil der Kleine sich partu nicht umziehen wollte. Im Gegenteil, er fing sogar an sein Hemd wieder zu verschließen. Allerdings ging das sehr ungeschickt vonstatten. Langsam reichte es Aoi.

„Los, mach schon oder soll ich das übernehmen?“

Wie auf Kommando wurde Hikaru rot wie eine Tomate und wand Aoi schnell den Rücken zu.

„Ne...nein, nein!“, stotterte er.

Da blieb ihm wohl nichts anderes übrig. Er wusste, dass der braunhaarige Junge seine Drohung war machen würde, schließlich war Sport sein Lieblingsfach. Aber er musste doch nicht warten. Hatte das vielleicht etwas mit Hikarus Tagebuch zu tun?

*Hoffentlich nicht.*

Nur bei dem Gedanken daran wurde Hikaru übel vor Scham. In diesem Büchlein hatte er Aoi nämlich sehr detailliert beschieben und jeden Tag etwas neues entdeckt. Seine wunderschönen, tiefblauen Augen, in denen man zu ertrinken schien, der sportliche Körper, die schmalen Lippen, bei denen sich der Blonde fragte, wie sie wohl schmecken würden. Solche und ähnliche Dinge hatte er beschrieben. Also nichts, was für andere bestimmt war.

Interessiert beobachtete Aoi, wie Hikaru sich seiner Kleidung entledigte. Es war das erste mal, das er den Kleinen so sah, nur mit Boxershorts. Hikaru war wirklich sehr schmal und hätte von Hinten sogar wie ein Mädchen gewirkt, wenn man’s nicht wusste.

Schneller als Aoi gucken konnte verschwand der Rücken auch schon unter einem weißen T-Shirt.

Hikaru setzte sich auf die Bank und band sich fix die Turnschuhe zu. Er wurde das Gefühl nicht los, dass er die ganze Zeit beobachtet wurde.

Und tatsächlich, als er wieder aufsah stand Aoi immer noch so da, wie vorher. Der Magen des Jungen zog sich leicht zusammen und ihm wurde wieder warm im Gesicht.

„Na endlich!“, vernahm er die angenehme Stimme.

Schritte entfernten sich von ihm und er ging ihnen nach.

~*~*~*~*~*~

Den anderen viel überhaupt nicht auf, dass Aoi mit Hikaru zusammen die große Halle betrat. Es waren schon 10 Minuten vergangen, seit die Stunde angefangen hatte und der Sportlehrer erzählte mal wieder von der Schule, an der er vorher gearbeitet hatte. Er redete über irgendeinen vergangene Ski-Ausflug, auf dem sich ein paar Mädchen und Jungen verirrt hatten und das bei einer Eiseskälte. Doch die Jungen hatten die Ruhe bewart und die Mädchen hatten sich gegenseitig gut zugeredet. Am Ende ging alles gut.

Gewohnheitsmäßig wollte sich Hikaru an den Rand setzen, weit weg von den anderen, doch eine kräftiger Griff an seinem Handgelenk hielt ihn davon ab. Aoi zog den Jungen einfach neben sich auf den Boden und tat so als hätte er nichts gemacht. In Hikarus Bauch schlugen die Schmetterlinge Purzelbäume, doch gleichzeitig hatte er ein ungutes Gefühl.

~*~*~*~*~*~

Nach schier unendlicher Zeit hatte es der Lehrer geschafft das Gespräch wieder auf den Sport zu beziehen. Wie er immer die Kurven kriegte, war den Schülern ein Rätsel. Nur leider hatten sie nicht mehr wirklich viel Zeit. Also entschied er sich mal für etwas Leichtes: Kastenspringen. Das passte selbst Hikaru. Bock- und Kastenspringen war das Einzige was er konnte. Da er sehr leicht war, brauchte er nicht sonderlich viel Kraft aufwenden, um drüber zu kommen. Allerdings packte ihn der Sportlehrer dermaßen fest an, das er danach immer blaue Flecken an den Armen hatte. Er meinte mal, er habe Angst, dass Hikaru zu weit fliegt und außerhalb der Matten landet, was sehr schmerzhaft sein könnte.

Kastenspringen war langweilig, zumindestens für Aoi. Nicht das er’s nicht konnte, es war nur zu einfach, keine Herausforderung. Aber sein Nachbar schien das ganz anders zu sehen, denn dessen Gesicht sah recht zufrieden aus. Allerdings begann dann ein seltsames Mimenspiel, das in tiefer Betrübtheit endete. Aoi hätte sich beinahe weggeschmissen, so ulkig sah das aus, was Hikaru da veranstaltete. Was ging in diesem Köpfchen nur vor sich?

~*~*~*~*~*~

Hikaru kam sich noch viel kleiner vor als sonst, wenn er so zwischen den anderen in der Reihe stand. Etwas Gutes hatte das Ganze wenigstens, er konnte Aois Rückseite ausgiebig betrachten. Ein breites Kreuz, an dem er sich an lehnen konnte, kräftige Oberarme, die ihn trösten könnten und ein knackiger Hintern.

Mal wieder wurde der kleine Blonde rot, doch glücklicherweise konnte es dieses Mal niemand sehen.

„Umino!“

„Ja.“

Gespannt sah Hikaru dabei zu, wie Aoi Anlauf nahm, über den Kasten sprang und elegant hinter diesem landete.

„Ausgezeichnet! Aijono, du bist der nächste.“

„Ja.“

Etwas zaghaft sah Hikaru auf die Kästen. Eigentlich wurde immer einer für ihn weggenommen, aber heute schien sich sein Lehrer nicht die Mühe zu machen.

„Na, schaffst du das, Pimpf?“, fragte der Junge hinter ihm gehässig.

„Ich bin kein Pimpf.“, nuschelte Hikaru in seinen nicht vorhandenen Bart, so dass es niemand hörte.

„Wird’s heute noch, Aijono?“

„Ja.“

Einmal tief durch geatmet, rannte Hikaru los, sprang her über die Kästen und wäre beinahe wirklich außerhalb der Matten gelandet, wenn ihn der Lehrer nicht wieder so fest angepackt hätte und ihn somit auf den Boden zwang.

Aoi hatte den Jüngeren beobachtet, während er zu den anderen zurück ging. Ihm war nie aufgefallen, wie gut dieser springen konnte. Gut, der Anlauf war nicht der Beste und die Landung war eher ne Katastrophe, aber der mittlere Teil war gut. Es hatte beinahe so ausgesehen, als würde Hikaru fliegen, was natürlich totaler Blödsinn war.

Sich den Oberarm reibend, lief Hikaru zurück. Warum musste dieser Lehrer nur so grob sein, etwas weniger Kraft hätte auch gereicht. Allerdings hatte er bestimmt auch da blaue Flecken davon getragen. Tja, so war er halt. Egal wo er sich stieß, entstand ein schöner, nicht zu übersehender Bluterguss. Er hasste es, warum konnte er nicht wie alle anderen Jungs auch sein, zum Beispiel so wie Aoi. Würde er so aussehen, hätte er sich bestimmt nicht in einen Jungen verliebt. Am Anfang war es für Hikaru ein Schock gewesen, als er endlich kapiert hatte, was mit ihm los war. Jedoch hatte er schnell heraus gefunden, dass er nur auf Aoi so reagierte und auf keinen anderen. Und das er jemals eine Freundin bekam, daran glaubte er schon lange nicht mehr. Die Mädchen fanden ihn einfach nur niedlich und das obwohl einige sogar jünger waren als er selbst.

Aois Stimme schreckte ihn aus seinen Gedanken, als dessen Atem sein Gesicht leicht streifte.

„Alles in Ordnung?“

Erschrocken sah Hikaru auf und befand sich mit dem Älteren plötzlich auf Augenhöhe. Der hatte sich zu ihm hinunter gebeugt und war seinem Gesicht nun sehr nah. Schnell nickte Hikaru und ging dann mit rotem Kopf in die Kabinen. Die Stunde war fast aus und so konnte er sich schnell ungestört umziehen.

~*~*~*~*~*~

Leider ging das nicht ganz so, wie er sich das vorgestellt hatte. Er hatte seine Schulhose schon an, fehlte nur noch das Hemd. Doch plötzlich hielt er inne. Schon die ganze Zeit fragte er sich, was auf einmal mit Aoi los war. Normaler Weise beachtete er ihn nicht einmal eine Sekunde. An dieser plötzlichen Aufmerksamkeit konnte nur das Tagebuch schuld sein.

Wieder durchbohrte eine innere Unruhe Hikarus Magen und das wurde noch schlimmer als sich plötzlich eine warme Hand auf seine nackte Schulter legte.

„Du solltest dich lieber beeilen, ehe die anderen kommen.“

Hikarus Nackenhärchen stellten sich auf, als er Aoi plötzlich so nah an seinem Ohr war und ein unheimliches Kribbeln erfasste die Stelle, an der dessen Hand lag. Doch genauso schnell wie es gekommen war, war es auch schon wieder verschwunden.

Hastig zog Hikaru sich fertig an, schnappte seine Tasche und verließ fluchtartig die Turnhalle.

Schmunzelnd sah Aoi ihm nach. Das war doch schon mal ein Erfolg und spaß hatte es auch gemacht. Mal sehen, bei welcher günstigen Gelegenheit er ihn das nächste Mal erwischte. Eigentlich sollte Hikaru immer mit geröteten Wangen durch die Gegendlaufen, dann sah er sogar noch niedlicher aus, als er eh schon war.

Aoi stockte, was dachte er da nur für einen Misst. Wurde Zeit, dass er unter die kalte Dusche ging, er schien sie langsam nicht mehr alle zu haben.

~*~*~*~*~*~

Als nächstes hatten sie Geschichte. Sie sollten sich in Gruppen zusammen finden, um gemeinsam eine Aufgabe zu lösen, für die ihnen die ganze Stunde zur Verfügung stand.

Wie immer würde Hikaru alleine arbeiten müssen, da sich alle so zusammen setzten, dass keiner übrig blieb, außer Hikaru.

Als sah er sich die Fragen an. Eigentlich ganz einfach. Einiges stand schon in ihren Heften und das andere Stand garantiert in ihren Lehrbüchern. Kein Problem also.

Aus dem Augenwinkel heraus bemerkte der blonde Junge, wie sich ihm jemand näherte. Jemand der größer war als er und viel breiter. Garantiert seine Lehrerin, die sich mal wieder wunderte, dass er nirgends mit machte. Irgendwie hatte sie immer noch nicht begriffen, dass niemand etwas mit Hikaru zu tun haben wollte.

Bei näherer Betrachtung stellte sich aber heraus, das diese Person einen Stuhl trug und ihn neben sich stellte. Ehe sich der Kleine versah, saß auch schon Aoi dicht neben ihm und betrachtete die Aufgaben.

Dies war die Gelegenheit gewesen, auf die Aoi gewartet hatte. Zwar hatten ihn die anderen skeptisch angesehen, doch als er sie dann vielsagend angegrinst hatte, wussten sie, dass er sich einen Spaß mit ihrem Zwerg machen wollte. Jeder wusste schließlich wie nervös Hikaru wurde, wenn man ihm zu nahe kam.

Mal sehen, ob der Kleine wieder rot wurde. Und tatsächlich umspielte eine sichtbare Verlegenheit seine Stupsnase, als sich Aoi weiter zu ihm lehnte, um anscheinend besser sehen zu können. In Wirklichkeit interessiert ihn das alles herzlich wenig.

Immer schneller schlug Hikarus Herz und er hatte Angst, sein heimlicher Schwarm könnte es hören. Diese angenehme, ruhige Stimme lies ihn wieder einmal erschaudern. Er musste wieder an den Sportunterricht denken und wie angenehm es gewesen war, Aois Hand auf seiner Haut zu spüren. Dieses Prickeln konnte er einfach nicht vergessen.

„Also, was sollen wir jetzt machen, Aijono?“

„Äm...die Fragen beantworten.“

„Na gut, dann mach mal, Kleiner!“

Lächelnd wand sich Aoi dem Jüngeren zu und legte wie selbst verständlich seine Hand auf Hikarus Knie. Augenblicklich bekam sein Gesicht einen ungesunden Rotton, mit dem er wie eine überreife Tomate wirkte. Warum tat Aoi das nur, machte es ihm denn Spaß Hikaru zu erniedrigen oder bekam der von alle dem nichts mit? Hikaru war völlig hin und hergerissen. Auf der einen Seite wollte er, dass die Hand von seinem Bein verschwand, doch es fühlte sich einfach so gut an und er blieb einfach nur mit gesenktem Kopf sitzen.

„Ist was?“, fragte Aoi so unschuldig, wie er nur konnte. Bei dem Anblick, den Hikaru ihm bot, hätte er am liebsten laut los gelacht.

Hecktisch schüttelte dieser den Kopf und versuchte so normal wie möglich zu sein. Allerdings zitterte er am ganzen Körper und war unruhig. Aoi ging sogar so weit, das er anfing Hikarus Oberschenkel leicht zu streicheln, was den Kleinen jedes Mal erstarren lies. Ein bisschen tat er Aoi ja schon leid, aber es war einfach zu süß wie Hikaru versuchte nicht laut auf zu quicken, wenn Aois Hand etwas höher rutschte und dann wieder abwärts glitt. Die geschwungenen Lippen pressten sich gerade zu krampfhaft aufeinander und Aoi hatte beinahe Angst der Zwerg würde sich die Unterlippe aufbeißen. Seine Ex-Freundin hatte schon recht, dass Hikaru ein sehr niedlicher Junge war und sogar in Mädchen den Beschützerinstinkt wecken konnte.

~*~*~*~*~*~

Wie froh war Hikaru doch, als es zur Pause klingelte und er endlich verschwinden konnte. Ohne weiter auf Aoi zu achten, stand er einfach auf, lies alles stehen und lieg und machte, dass er weg kam. Heute war ein furchtbarer Tag und gleichzeitig wahrscheinlich auch der schönste in seinem bisherigen Leben. Hikaru konnte nicht leugnen, dass es ihm gefiel wie Aoi ihn ansah und beachtete, doch immer noch war da diese schlimme Ahnung, dass alles nur ein Scherz auf seine Kosten war und am liebsten hätte er bei diesem Gedanken angefangen zu heulen. Ihm wurde klar, dass Aoi niemals etwas für ihn empfinden würde, niemals.

~*~*~*~*~*~

Die nächsten Tage passte Hikaru noch mehr auf als sonst. Vom Arzt hatte er sich einen Attest für zwei Wochen holen können. Sobald Aoi auch nur zwei Meter von ihm entfernt war vergrößerte Hikaru den Abstand um das sechsfache. Auch in den Stunden starrte der Kleine entweder auf seinen Tisch, den Lehrer an oder aus dem Fenster. Den braunhaarigen Jungen ignorierte er so gut es ging. In sein Tagebuch hatte er nichts mehr geschrieben, doch je länger er Aoi nicht ansah, desto mehr war er in seinen Gedanken. Fast pausenlos drehte sich alles um den gutaussehenden Jungen. Es war eine einzige Qual für Hikaru, aber er hatte zuviel Angst davor, doch nur das Opfer eines Streiches zu sein.

Egal was Aoi versuchte, er kam einfach nicht an Hikaru heran. Kaum dass er ihn bemerkte, war er auch schon weg. Hatte er es doch zu weit getrieben, denn nun verschloss sich der Jüngere noch mehr als sonst und lies niemanden in seine Nähe.

Aoi gefiel es gar nicht, wie Hikaru in seiner Bank saß und wo ganz anders war, als bei der Sache. Andererseits ging es Aoi nicht anders. Jeder zweite Gedanke galt Hikaru, was hin sehr verwunderte. Aus heiterem Himmel hatte er sogar mit seiner Freundin Schluss gemacht und wusste nicht einmal warum. Irgendwie war da nichts mehr gewesen. Alle Gefühle, die er mal für dieses Mädchen gehabt hatte, waren weg.

~*~*~*~*~*~

„Ihr werdet eine Hausarbeit aufbekommen, die ihr zu zweit erledigen werdet.“, verkündete die Biolehrerin eines Tages.

Schnell hatte man sich geeinigt wer mit wem, nur Hikaru hatte wie immer niemandem. Aber was soll’s, war ja nichts Neues.

Die Lehrerin gab jeweils einem Partner das Aufgabenblatt. Gerade als Hikaru es entgegen nehmen wollte, viel ihm auf, dass die Lehrerin ihn anlächelte.

„Es freut mich, dass du mit Umino zusammen arbeiten willst und es nicht alleine machen musste.“

Hä, hatte er irgendetwas verpasst.

Ein Blick in Aois Richtung sagte ihm, dass er dahinter steckte. Dieses Lächeln war eindeutig, wobei das Zwinkern eher zweideutig wirkte.

Schnell griff Hikaru nach dem Blatt und stotterte ein Danke. Das konnte ja was werden. Vielleicht sollte er lieber alles alleine machen und Aoi dann einfach alles abschreiben lassen? Wäre zumindestens eine Lösung.

~*~*~*~*~*~

Jeder Tag geht einmal zu ende und so auch jede Schulstunde.

Hikaru hatte schon fast vergessen, dass er mit Aoi zusammen arbeiten sollte und das nach der Schule. Gedanklich hatte er für sich schon entschieden alles allein zu machen.

Leider wurde er jedoch in die Realität zurück gerissen, als Aoi vor dem Tor auf ihn zu warten schien.

„Na, Kleiner! Bereit zum arbeiten?“

Hikaru nickte und wollte gerade etwas sagen, doch Aoi schnitt ihm das Wort ab, indem er ihn hinter sich herschleifte. Allerdings ging er in eine ganz andere Richtung, als die, in die Hikaru musste.

„Ich denke wir gehen zu mir. Meine Alten sind heut nicht da und da können wir ungestört arbeiten.“

Warum klange Aois Satz nur in Hikarus Ohren so zweideutig. Ihm behagte es gar nicht allein mit Aoi zu sein, aber wehren tat er sich gegen den Griff auch nicht.

Nach einer gewissen Zeit lies Aoi den Kleinen los, der stumm neben ihm hertrottete. Er wirkte ziemlich verschüchtert. Wahrscheinlich weil er nicht wusste, wo er war. Gerne hätte Aoi Hikaru einen Arm um die schmalen Schultern gelegt und ihm aufmunternd zu zugesprochen, als der sich an seine Schultasche klammerte. Doch er wiederstand dem Drang und wunderte sich über sich selbst. Warum hatte er der Lehrerin gesagt, dass sie zusammen arbeiten wollten? Warum konnte er nicht aufhören den Kleinen in Verlegenheit zu bringen? Was war denn nur los, dass er sein Spielchen weiter trieb, obwohl er Hikaru ansah, dass es ihm dadurch nicht gut ging? Doch noch seltsamer war, dass er seit Kurzem schlecht auf die Leute zu sprechen war, die über Hikaru herzogen.

~*~*~*~*~*~

Aoi wohnte mit seiner Familie in einem kleinen Haus in einem anderen Viertel, so dass sie ein paar Meter mit dem Bus fahren mussten.

Der braunhaarige Junge lies es sich nicht nehmen, Hikaru ‚ausversehen’ an sich zu drücken, als das Fahrzeug um eine Ecke bog. Wiedererwartend lief der Blondschopf mit den schwarzen Haarspitzen tomatenrot an und beeilte sich aus der Umarmung zu kommen, ehe er noch anfing es zu genießen. Der Rest der Fahr verlief ohne Probleme.

~*~*~*~*~*~

An ihrem Ziel angekommen schleifte der Ältere Hikaru erst einmal in sein Zimmer, ehe er in die Küche verschwand.

Neugierig sah Hikaru sich um. Das Zimmer war gemütlich eingerichtet und sofort fühlte er sich hier wohl. Auf dem Schreibtisch lagen ein paar Blätter verstreut übereinander. Neben dem Drehstuhl lag ein Stapel Hefter, über die man leicht stolpern konnte. In einem Regal des Schrankes erkannte der blonde Junge zwei Hanteln und ein Foto von einem hübschen Mädchen mit schwarzen Haaren. Wie automatisch ging er auf es zu. Das Mädchen war etwa in seinem Alter und hatte keine Ähnlichkeit mit Aoi. Hikaru war sich sicher, dieses Mädchen schon einmal zusammen mit seinem Schwarm gesehen zu haben. Daraus schloss er, dass sie Aois Freundin war und er nur auf dunkelhaarige stand.

Am liebsten hätte er jetzt angefangen zu weinen, denn ihm wurde wieder schmerzlich bewusst, wie wenig er über den Älteren wusste und dass dieser keine Art Gefühl für Hikaru entwickeln würde. Bestimmt hatte er ihn nur zu seinem Partner gemacht, weil er wusste, dass der Kleinere gut in Bio war.

In der Zwischenzeit hatte Aoi ihnen etwas zu trinken geholt. Er sah den Jüngeren an und wollte etwas sagen, doch dann fiel ihm der leichte feuchte Glanz in dessen Augen auf. Der Zwerg würde doch jetzt nicht anfangen zu heulen? Was hatte er für einen Grund?

Die Gläser stellte Aoi auf den Schreibtisch und ging dann auf seinen Besuch zu. Der merkte nichts von alledem. Wie gebannt sah er auf das Foto und wand den Blick nicht einmal ab. Jetzt war für Aoi klar, wie der Hase lief.

Er langte mit dem Arm über seinen Besuch und klappte den Bilderrahmen um. Erschrocken drehte sich Hikaru um und sah ihn mit großen, fragenden Augen an.

„Die ist nicht mehr. War irgendwie die Luft raus.“

„Ach so.“, entgegnete Hikaru und rieb sich die Augen, als hätte er etwas hinein bekommen. Aoi lächelte. Der Kleine konnte wirklich süß sein.

Hikarus Herz machte einen Sprung, als er Aois Worte vernahm und die Schmetterlinge in seinem Bauch wurden Flugzeuge, die immer schneller flogen.

Da es nur einen Stuhl gab und Hikaru sich nicht auf Aois Bett setzen wollte, nahm er mit dem Boden vorlieb und packte seine Sachen aus.

Schulterzuckend tat Aoi es ihm gleich und drückte dem Kleinen ein Glas mit Cola in die Hand.

„Hier, erst mal was trinken.“

Hikaru nahm einen gewissen Sicherheitsabstand ein, ehe er sich die Aufgaben noch einmal durch las.

„Und?“, fragte Aoi ungeduldig.

„Äm...na ja...eigentlich sind sie recht einfach.“

Seinen eigentlichen Plan hatte Hikaru noch immer im Hinterkopf und sah nun die Gelegenheit.

„Ich würde sagen,...ich mache alles alleine und du kannst es dann abschreiben.“

Verwundert sah Aoi den Jungen neben sich an, der nervös an seinem Glas nippte und immer mal wieder mit der Zunge seine Lippen ableckte. Diese wirkten so weich und zart, am liebsten hätte Aoi selber das süße Getränk von diesen Lippen gekostet.

Unwillkürlich schüttelte Aoi den Kopf. Warum kam er auf einmal auf so eine verrückte Idee, selbst für ihn.

Er bemerkte den Blick Hikarus und sagte schnell:

„Kommt nicht in Frage, dann versteh ich doch gar nicht worum es geht.“

„Na...na gut.“

Pustekuchen. Er musste mit Aoi zusammen arbeiten, doch wenn sie sich beeilen würden, könnten sie heute noch fertig werden, auch wenn sie das erst in einer Woche sein mussten.

~*~*~*~*~*~

Schon seit vielen Minuten saßen beide schweigend da. Aoi langweile sich zu Tode. Er hatte gar keine Lust die dämlichen Aufgaben zu lösen. Anscheinend war Hikaru da ganz anderer Meinung. Eifrig las der in den Büchern, notierte sich einige Dinge, ehe er sie zu einem Text zusammen fasste.

*Will der noch heute fertig werden?*

Aoi fand es gar nicht so toll, dass Hikaru ihn anscheinend vergessen hatte. Der größere Junge konnte sich viel lustigere Dinge vorstellen, als jetzt Bio zu machen. Und er hatte auch schon eine Vorstellung davon, was das war.

Ein hinterlistiges Grinsen bildete sich auf seinen Lippen.

„Du, Aijono, hast du schon mal einen Jungen geküsste?“, fragte Aoi nüchtern.

Hikaru stoppte in seinem Schreibfluss, nur um wieder seine Gesichtsfarbe zu verändern. Schnell schüttelte er hektisch den Kopf und hatte plötzlich das Gefühl in eine offensichtliche Falle getappt zu sein.

„Dann lass es uns ausprobieren?“, hauchte der Ältere, der sich zu ihm gebeugt hatte.

Erschrocken sah der blonde Junge auf. Er konnte gar nicht so schnell realisieren, was geschah. Erst legte sich eine Hand auf sein, die ihn am aufstehen hinderte, daraufhin spürte er eine weitere an seinem Hinterkopf, so dass er den Kopf nicht wegdrehen konnte, und im selben Moment warme Lippen auf den seinen. Es war nur eine leichte Berührung, doch Hikaru riss erschrocken die Augen auf. Was passierte hier nur?

Im selben Moment fragte sich Aoi das Gleiche.

*Was tu ich hier eigentlich? Ich küsse gerade einen Jungen.........aber verdammt noch mal, fühlt sich das gut an!*

Er verstärkte den Druck auf Hikarus Lippen. Er wollte mehr von dieser Süße schmecken, die von dem zierlichen Jungen ausging. Immer näher drückte er Hikaru an sich heran und ihm war nicht bewusst, wie sehr er den Kleineren erschreckte.

Der stemmte sich mit beiden Händen gegen Aoi Schultern und kniff die Augen zusammen. Zwar wollte er gerne von Aoi geküsst werden, aber nicht so. Nicht bevor er nicht wusste, ob der andere auch etwas für ihn fühlte. Eine vorwitzige Zunge strich über Hikarus Unterlippe und verlangte nach Einlass. Doch er verweigerte ihn. Immer gröber wurde der Kuss und eine einzelne Tränen rollte über die geröteten Wangen. Warum tat Aoi ihm das an? Was hatte er denn nur getan, dass der andere ihn so quälte?

Verärgert über die Reaktion des Kleinen auf seine stumme Bitte, brach Aoi den Kuss ab. Als er die Augen aufmachte, sah er in ein weinendes Gesicht, dessen Tränen nicht abebben wollten.

„Du bist so gemein, Umino-san!“

Mit aller Kraft stieß Hikaru Aoi von sich weg, verließ schluchzend das Haus. Aoi wollte ihm nach rennen und sich entschuldigen, doch da wurde auch schon die Haustür zugeschlagen.

„Scheiße!“

Erst jetzt wurde sich der braunhaarige Junge richtig bewusst, was er eigentlich getan hatte. Was war nur über ihn gekommen? Wieso hatte er den Kleinen so verletzt, obwohl er gemerkt hatte, dass es diesem nicht behagte?

Gedanken verloren sah Aoi auf die Schulsachen, die Hikaru stehen und liegen gelassen hatte. Morgen würde er sie ihm geben und sich bei ihm entschuldigen. Aoi fühlte sich schrecklich, schrecklicher, als wenn er seine Ex-Freundinnen zum weinen gebracht hatte, indem er sich von ihnen trennte.

~*~*~*~*~*~

Mit verheulten Augen lief Hikaru so schnell er konnte nach Hause. Er achtete nicht auf die Passanten, die ihn neugierig musterten. Er wollte nur noch weg, so weit weg wie es nur ging. Wie sehr er auch versuchte seine Tränen zu unterdrücken, es half nichts. Unweigerlich drangen sie aus seinen Augen heraus. Nur eine einzige Frage brannte in seinem Kopf: Warum?

~*~*~*~*~*~

Zu Hause angekommen lief er schnell in sein Zimmer und schloss sich ein. Er wollte niemanden mehr sehen. Tief vergrub er das Gesicht in seinem Kissen und weinte immer weiter. Wieso nur hatte Aoi das alles getan? Hatte er doch den Teil über sich gelesen, in denen Hikaru sich vorstellte, wie es wohl wäre Aois Lippen zu berühren? Eigentlich hatte Hikaru das erreicht, was er wollte, doch fühlte er sich schrecklich mies. Er kam sich so benutzt vor. Als wäre er nur das Versuchsobjekt für Aoi gewesen, damit der wusste, wie es ist einen Jungen zu küssen. Er hatte Hikaru so überrumpelt und ihm auch klar gemacht, dass er sich nicht gegen ihn hätte wären können. Es hätte sonst etwas passieren können. Nie wieder wollte er etwas mit Aoi zutun haben! Und doch schlich sich eine kleine Stimme in seinen Hinterkopf, die ihm sagte, dass er Aoi trotzdem noch liebte. Im nachhinein fand Hikaru den Kuss auch gar nicht so schlimm, aber er fühlte sich dennoch elend. Morgen würde er Aoi so oder so über den Weg laufen. Ob er denn anderen etwas von dem erzählt, was geschehen war?

Auch der größte Fluss versiegt einmal und so schlief auch Hikaru bald ein. Nur noch feine Spuren auf den Wangen deuteten davon, dass er geweint hatte.

~*~*~*~*~*~

Am nächsten Morgen erst bemerkte Hikaru, dass er seine Schulsachen bei Aoi vergessen hatte. Einfach nicht weiter darüber nachdenken. Nahm er halt einen Rucksack, eine alte Federmappe und seine Hefter, die er brauchte, mit. Und eben noch einen Block, für die Fehlenden.

Zum Frühstück aß er nichts. Er verspürte absolut keinen Hunger. Seine Mutter machte sich schon Sorgen und fühlte Hikarus Stirn, doch der versicherte ihr, dass er nicht krank war. Seine Schwester behauptete, dass er Liebeskummer hätte und traf damit den Nagel auf den Kopf. Doch bevor Freu Aijono ihn fragen konnte, war ihr Sohn aus dem Haus.

~*~*~*~*~*~

Hikaru sah man seine Niedergeschlagenheit an. Sein Herz fühlte sich an, als hätte man es auseinander gerissen.

Dies wurde auch nicht besser, als er in die Klasse kam und gleich von einem seiner Mitschüler blöd angemacht wurde.

„Na so was? Was hatten den der kleine Pimpf?“

„Lasst mich bitte in Ruhe.“, flüsterte Hikaru gedrückt.

Außer ihnen war noch niemand da.

„Na sieh mal einer an. Der kleine Zwerg wird aufmüpfig.“

Plötzlich packte der Größere ihn am Arm und drehte Hikaru so, dass er ihn ansehen musste.

„Was hast du den Kleiner, etwa Liebeskummer.“

„Lass mich bitte los.“

Es tat weh, wie der andere ihn fester griff. Sah man ihm denn wirklich an, dass er verliebt war oder redete der andere einfach nur dumm daher? Leider erinnerte er ihn auch wieder an das, was gestern passiert war.

Erneut wurden Hikarus Augen feucht und er fürchtete jeden Moment zu heulen.

„Och, fängt das Baby jetzt auch noch an zu weinen?“

Eine weitere Hand mischte sich ein, jedoch ergriff diese das Handgelenk des Anderen, der Hikaru ärgerte. Der sah neben sich und erblickte Aoi.

„Lass deine Finger von Hikaru, hast du mich verstanden?“

Um seiner Drohung Ausdruck zu verleihen, festigte sich sein Griff, so dass er den anderen zwang Hikaru loszulassen.

„He, sag mal, was ist denn mit dir los. Bist du etwa in den Zwerg verknallt?“

„Und wenn es so wäre, was geht dich das an.“

Aoi lies seinen Mitschüler los und schob Hikaru aus dem Gang. Der war wieder mal rot geworden bei Aois Bemerkung.

Ohne wiederstand lies sich der Blonde in einen leeren Raum führen. Seine Gedanken hatten sich ausgeschalten und er hörte nur noch wie Aoi hinter ihm die Tür schloss. Zwei starke Arme legten sich um seine Schultern und zogen ihn an den warmen Körper, an dem er sich unfreiwillig anlehnte. Aoi legte sein Kinn auf Hikarus Schulter.

„Es tut mir leid, Hikaru.“, flüsterte er leise.

„Weißt du, ich...“

Jetzt, jetzt würde es kommen. Dass er das gestern nicht so gemeint hatte und dass er es bereute. Dass er das alles nicht geplant hatte und es nur ein dummer Ausrutscher war. Gut, sollte er es doch sagen. Besser es aus seinem Mund zu erfahren, als aanders.

„...ich bereue nichts.“

Diese Worte ließen Hikarus Herz schneller schlagen, seinen Puls raste. Konnte das denn wirklich sein?

„Weder, dass ich deine Tagebuch gelesen habe, noch, dass ich dich geärgert habe und schon gar nicht den Kuss.“

Sanft drehte Aoi den Kleinen zu sich und sah ihm fest in die Augen. Er hatte die letzte Nacht sehr viel nachgedacht. Zwar wusste er noch nicht, ob das Gefühl, was er für den Jüngeren fühlte schon Liebe war, aber es ging in diese Richtung.

Vorsichtig hob er Hikarus Kinn an, um ihn nicht wieder zu verschräken und legte ganz sanft und behutsam seine Lippen auf die weichen des anderen.

Schön, dieses Prickeln war einfach nur schön. Dieses Mal war es anders als beim ersten Kuss. Nein, jetzt würde er es auskosten und nicht schüchtern sein. Egal ob er dann wie ein Depp da stand, er wollte nur diesen Augenblick genießen. Wollte den anderen schmecken und am liebsten für immer in dessen Armen liegen.

Da Aoi keinen Wiederstand spürte, wurde er etwas fordernder und bat zaghaft mit seiner Zunge um Einlass, der ihm auch gewährt wurde. Noch stärker wurde der süße Geschmack, als er Hikarus Mundhöhle erforschte und dessen Zunge antippte.

Aus Atemmangel mussten sich beide voneinander lösen und sahen sich tief in die Augen. Hikarus Augen waren wieder feucht geworden und er stürzte sich gerade zu ihn Aois Arme.

„Aoi-san.“

Beruhigend streichelte dieser den schmalen Rücken auf und ab. Ja, sein Hikaru war einfach nur niedlich und unheimlich süß. Vielleicht sollte er ihm abgewöhnen immer rot zu werden, allerdings wirkte er dadurch noch naiver und süßer.

Eine Frage bildete sich auf Aois Zunge, die ihn schon seit dem letzten Tag beschäftigte.

„Sag mal, Hikaru, schmeck ich so, wie du es dir vorgestellt hast?“

Hikaru schüttelte den Kopf und verbarg sein feuerrotes Gesicht in Aois Brust.

„Nein...viel besser.“



Owari