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Confusing Amor

Original/reale Welt [NC-14]
 
[sap][Shonen-ai]

Inhalt:
Es ist bekannt, dass sich Tsubasa und Sai nicht leiden können und trotzdem muss Sai seinem verhassten Klassenkamerad die Hausaufgaben nach Hause bringen. 




Confusing Amor

Unentschlossen stand er vor dem kleinen Haus mit der Hausnummer 160. Warum musste er ausgerechnet zu ihm? Er hasste ihn und umgekehrt, das wussten sogar die Lehrer. Was also hatte er verbrochen, dass er diesem Angeber die Hausaufgaben bringen musste? Tsubasa war ein Charakterschwein, dem es Spaß machte, jeden runter zu machen.

Egal, es half nichts. Wenn Sai jetzt wieder gehen würde, konnte er sich schon mal auf eine Standpauke der Lehrerin gefasst machen. Andererseits, würde er jetzt klingeln und seine Aufgabe erledigen, wer wusste, ob er dann nicht immer zu dem Angeber gehen müsste, wenn der mal fehlte?

Schweren Herzens betätigte Sai die Türklingel. Er hoffte inständig, dass ihm Tsubasa öffnen würde, er ihm die Hausaufgaben zwischen Tür und Angel überreichen könnte und er dann schnellst möglich nach Hause verschwinden könnte. Ja, so würde er es machen. Leider ging sein Plan nicht auf.

Eine ältere Dame öffnete die Tür und sah den türkishaarigen Jungen vor sich verwundert an.

„Äh....g-guten Tag! I-ich wollte zu Tsubasa. Ich soll ihm die Hausaufgaben bringen.“

„Ah, das ist aber nett. Tsu hat noch nie Besuch bekommen!“

„Ich bin kein...“

„Komm...“

Die ältere Frau bat Sai einzutreten.

„Wie heißt du denn Mädchen?“, fragte sie, während sie ihm die Gästehausschuhe hinstellte.

„Ich heiße Sai Wakagi und bin ein Junge.“, entgegnete Sai verlegen.

Es war nicht das erste Mal, dass man ihn trotz seiner kurzen Haare für ein Mädchen hielt.

„Oh, entschuldige bitte, aber meine Augen sind leider nicht mehr die Besten.“

„Schon in Ordnung.“, lächelte Sai.

Was sollte er auch anderes tun, schließlich hatte sie es ja wirklich nicht böse gemeint.

„Da bin ich aber froh. Tsus Zimmer ist oben, dritte Tür links.“

„Ja, aber ich wollte nur...“

„Er wird sich ja so freuen!“

*Er wird mich eher umbringen!*, dachte Sai, während in die ältere Frau lächelnd die Treppe hinauf schubste.

Ganz vorsichtig schlich Sai zu besagtem Zimmer und klopfte zögernd an. Nichts war zu hören, also öffnete er langsam die Tür und sah durch den Spalt hinein. Es war aber so dunkel, dass er nichts erkennen konnte.

Daraufhin betrat er nun endgültig das Zimmer.

*Ich lege die Sachen einfach auf den Tisch und dann verschwinde ich, so schnell wie ich kann.*

Langsam tastete er sich voran. Wie schaffte es Tsubasa nur, dass sein Zimmer total dunkel war und man nicht einmal die Hand vor Augen sehen konnte?

Plötzlich trat Sai auf etwas Spitzes, hielt sich aber noch die Hand vor den Mund, um den vermeintlich Schlafenden nicht durch seinen Schrei zu wecken.

*Ich hätte doch die Schuhe anziehen sollen.*, schoss es dem Jungen durch den Kopf.

Humpelnd streifte er weiter durch das Zimmer, immer noch auf der Suche nach dem vermaledeiten Schreibtisch. Neben ihm regte sich etwas und keine zwei Sekunden später lag er mit dem Rücken auf dem Bett, während zwei Hände die Handgelenke neben seinen Kopf pressten. Nur kurz löste sich eine Hand und im nächsten Moment blendete ihn ein Licht, ehe sich die Hand wieder grob um sein Handgelenk legte.

„Was suchst du hier?“, fragte eine tiefe Stimme.

Leicht blinzelnd sah Sai seinen Gegenüber an. Tsubasa kniete nur mit einer Boxershorts bekleidet über ihm und sah in mit seinen violetten Augen durchdringend an. Die langen schwarzen Strähnen hingen ihm ins Gesicht und ließen ihn noch bedrohlicher wirken.

Sai sah wie gebannt auf den Gleichaltrigen, der nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt war. Unwillkürlich schoss dem Kleineren die Röte ins Gesicht, als er kurz auf Tsubasas freien Oberkörper sah.

„Na, gefällt dir, was du siehst, Kleiner?“, grinste Tsubasa den Jungen unter sich zweideutig an.

Sai erwachte aus seiner Starre und erst jetzt war ihm bewusst geworden, dass er den anderen die ganze Zeit gemustert hatte.

„Lass mich los. Ich sollte dir nur die Hausaufgaben bringen!“, schrie Sai fast und wand sich unter dem harten Griff.

Doch anstatt, dass er sich löste, wurde er nur noch fester und Tsubasa legte sich fast gänzlich auf Sai. Es machte ihm Spaß, den Kleineren zu quälen, denn anscheinend war das die einzigste Möglichkeit, ihn auf sich aufmerksam zu machen. Denn Tsubasa hatte weit mehr Interesse an dem süßen Jungen, als dieser glaubte.

„Verdammt, geh endlich von mir runter oder ich schreie!“

„So, würdest du das tun?“

„Da kannst du Gift drauf nehmen!“

„Dann schrei!“, hauchte Tsubasa, ehe er Sais Lippen in Besitz nahm.

Erschrocken riss Sai seine Augen auf, kniff sie jedoch wieder zusammen. Warum machte Tsubasa das? Wieso konnte er ihm nicht einfach irgendwelche Beleidigungen an den Kopf werfen und so arrogant grinsen wie immer?

*Verdammt, warum macht er das? Und warum macht er es so gut?*

Zögernd gewährte Sai Tsubasas Zunge Einlass, die schon ungeduldig über seine Lippen strich. Sacht strich der Eindringling über die feinen Zähne, ehe er auch den Rest der warmen Mundhöhle erkundete.

Tsubasa hatte schon öfter einen Jungen geküsst, aber das war einfach besser als sonst. Aber etwas fehlte. Sai machte nicht mit.

Der kleine Junge spürte, wie die fremde Zunge die seine anstupste, um sie zum mitmachen zu bewegen. Probeweise stupste er zurück und wurde sogleich in einen atemraubenden Zungenkuss verwickelt.

Langsam streichelte Tsubasa über die Seiten Sais und glitt dann mühelos unter dessen T-Shirt. Ein Zittern durchzuckte den schmalen Körper und ein leises Keuchen entwich den samtenen Lippen, welches von seinem Mund verschlugt wurde. Tsubasa wusste, was er wollte. Er wollte ihn und zwar jetzt.

Der Schwarzhaarige löste den Kuss und sah Sai ins Gesicht. Die Augen waren ängstlich zusammengekniffen und über die geröteten Wangen liefen stumme Tränen. Erschrocken und enttäuscht kroch Tsubasa von dem Kleineren runter und setzte sich auf die Bettkante. Wenn der Kleine es nicht gewollt hatte, warum hatte er ihn dann nicht gleich aufgehalten? Er wäre schon nicht weiter gegangen.

„Hör auf zu heulen, ich mach ja schon nichts mehr.“

Erschrocken öffnete Sai seine Augen und sah den anderen verwundert an. Er richtete sich auf und zog die Knie eng an seinen Körper. Furchtbar, er hatte so eben seinen ersten Kuss bekommen und dann auch noch von einem Jungen, den er eigentlich überhaupt nicht leiden konnte. Vielleicht hätte er ja sogar noch seine Unschuld an diesen Blödmann verloren, wenn der nicht plötzlich aufgehört hätte. Warum hatte er das überhaupt gemacht?

Schützend vergrub Sai das Gesicht in seinen Armen.

„Warum hast du dich nicht gewehrt, wenn du Angst hattest?“, durchbrach Tsubasa die Stille.

Das war eine gute Frage, warum nicht? Hatte er eigentlich Angst gehabt? Ja, am Anfang, doch dann nicht mehr. Aber als er dann Tsubasas Hände gespürt hatte, ja, da hatte er schon Panik bekommen, aber gewehrt hatte er sich trotzdem nicht.

„Weiß nicht.“, nuschelte er kaum hörbar.

Verwundert sah Tsubasa seinen Klassenkammeraden an, der zusammen gekauert wie ein Häufchen Elend auf seinem Bett saß. Zu gerne hätte er gewusst, was in diesem Moment in dem süßen Köpfchen vorging.

Beruhigend strich er ihm durch das weiche Haar und verwuschelte es etwas. Doch im nächsten Moment wurde sie weg geschlagen und zwei große, traurige, verletzte und enttäuschte Augen sahen ihn an. So viel spiegelte sich in den wunderschönen rubinroten Augen wieder, doch was sie wirklich fühlten, konnte er nicht sehen. Aber vielleicht wusste Sai ja nicht einmal selbst, was er wollte und fühlte. Schon oft hatte Tsubasa dies beobachtet, besonderst dann, wenn er ihn wieder geärgert hatte, dann waren auch so viele Gefühle vorhanden. Wut, Trauer, Schmerz und selbst ein Fünkchen Hoffnung.

Vielleicht war jetzt die Zeit gekommen, dem Kleinen endlich die Wahrheit zu sagen und vielleicht konnte Tsubasa dann endlich das sehen, was er sich so sehnlichste wünschte.

„Kennst du das Sprichwort: Was sich neckt, das liebt sich?“

„Klar, ich bin ja nicht blöd.“

„Nun, es stimmt zumindest, was mich angeht.“

Ernst sahen die sonst so kühlen Augen direkt in Sais und ein merkwürdiges Gefühl breitete sich in ihm aus. Er wollte etwas erwidern, als er sich den Satz noch einmal durch den Kopf gehen lies.

*Es stimmt, zumindest, was ihn betrifft? Soll das jetzt heißen, dass er jeden liebt, den er aufzieht oder ist es nur auf mich bezogen?*

Sai verstand überhaupt nichts mehr und auch als Tsubasa sich wieder zu ihm beugte, blieb er steif sitzen.

„Du solltest gehen, ehe ich noch etwas Dummes tue.“, flüsterte Tsubasa rau.

Das ließ sich Sai nicht zweimal sagen. Wie vom Blitz getroffen sprang er auf und rannte aus dem Zimmer. Nur weg von ihm, so weit wie möglich.

~*~*~*~*~*~

Den ganzen Abend hatte sich Sai mit dem Geschehnen beschäftigt und immer wieder ging ihm Tsubasas Satz durch den Kopf. Hatte er ihm wirklich indirekt seine Liebe gestanden? Aber er verachtete ihn doch oder tat er das wirklich nur, weil das dumme Sprichwort es sagte?

Völlig konfus lief Sai zur Schule und natürlich prompt ihn jemanden hinein.

„Tut ... mir leid!“, stammelte er eine Entschuldigung, als eine Hand auch schon sanft über seine Wange strich.

„Du brauchst dich nicht zu entschuldigen!“

Erschrocken über diese zarte Berührung sah Sai auf, direkt in zwei warme Amethysten. Da stand doch tatsächlich die Person vor ihm, wegen der er die ganze Nacht nicht richtig hatte schlafen können.

Noch immer lag Tsubasas Hand auf Sais Wange, doch das störte ihn überhaupt nicht. Wie gebannt sah er den anderen an, der dieses Mal seine langen, schwarzen Harre nicht zu einem Zopf gebunden hatte, sondern sie wie am Abend zuvor offen trug.

„Wir sollten rein gehen, sonst kommen wir zu spät.“

„Ja.“

Sais Antwort war nur ein Hauch, der sich über die leicht geöffneten Lippen schlich. Langsam, um den Kleineren nicht doch zu verschrecken, beugte sich Tsubasa runter und streifte leicht die verlockenden Lippen. Als Sai nichts sagte und stattdessen genießend seine Augen schloss, nahm Tsubasa endgültig diese süße Versuchung in Besitzt. Er wollte nicht zu überstürzt handeln, doch ohne sein Zutun wurde ihm Einlass gewährt. Diese Bitte konnte er einfach nicht abschlagen. Sanft zog er den Kleineren näher an sich, der sogleich seine Tasche fallen ließ und seine Arme um Tsubasas Nacken schlang und sich damit noch mehr an seinen Klassenkammeraden presste.

*Ich weiß nicht, ob es das ist, was das Schicksal mit mir vorhat. Ich weiß nicht, ob es echt ist. Ich weiß nicht, ob es richtig ist. Ich weiß nicht, was andere davon halten. Aber eines weiß ich mit Sicherheit, Armor ist ganz schön konfus! *

~*~Owari~*~