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Chibi love Teil 1 - 4


01. Der Neue 

Die so lang ersehnten Ferien waren an den Schülern in kürzester Zeit vorbei gerauscht. Zwar freuten sie sich wieder mit ihren Klassenkammeraden herum albern zu können, doch in den Ferien wäre das auch gegangen.
So saßen nun alle trübsinnig in der Klasse, redeten über die Ferien und warteten darauf, dass der Lehrer ihr Klassenzimmer betrat.
Himeko erzählte ihren Freundinnen gerade, dass der Klassensprecher sie in den Ferien ohne Grund verlassen hat. Einige der umstehenden Mädchen sagten zwar wie leit es ihnen täte, freuten sich aber das Hiro wieder solo war.
Der saß seufzend an seinem Platz und hörte sich am Rande an was seine Ex-Freundin da so sagte. Irgendwie fand er es schon komisch, dass sie so klang, als hätte er sie eiskalt abserviert, dabei stimmte das gar nicht. Lang und breit hatte er ihr erklärt, dass da einfach etwas in ihrer Beziehung fehlte, etwas, das er aber selber nicht definieren konnte. Doch es war entscheidend. Nachdem sie sich aus geweint und anscheinend darüber nach gedacht hatte, waren sie zu dem Schluss gekommen Freunde zubleiben, denn sie verstanden sich gut.
Und endlich erzählte Himeko auch ihren Zuhörerrinnen das, woran er sich gerade erinnerte. Ob so eine Art Freundschaft allerdings bestand hatte war fraglich.

Schwungvoll wurde die Türe auf geschoben und sofort waren alle Schüler an ihrem Platz. Mit einem unfreundlichen
„Guten Morgen!“
betrat der Lehrer das Klassenzimmer. Die Schüler antworteten ihm im Chor. Allerdings verstummte auch jedes kleinste Geflüster, als eine weitere Person den Raum betrat. Es war ein kleiner Junge, der sich unschlüssig neben den Lehrer stellte. Seine hellgrünen Augen huschten über die Gesichter der Klasse und schienen zu versuchen sich alle so schnell wie möglich einzuprägen.
„Das ist Masaki Saehara. Er wird ab heute in eure Klasse gehen. Aufgrund seiner überdurchschnittlichen Intelligenz wurde er Dreijahrgänge hochgestuft, was bedeutet, dass er 14 Jahre alt ist.“
„13“, hörte man eine klare Kinderstimme.
Verwundert sah der Lehrer ihn an. Er hatte sich doch nicht verrechnet.
Masaki schien bemerkt zuhaben, worüber sein neuer Sensei grübelte, denn er antwortete ihm auf seine stumme Frage.
„Ich habe schon die zweite Klasse übersprungen.“
Alle Blicke hafteten nun auf Masaki und waren sehr überrascht, dass dieses Kind so schlau sein sollte wie sie, obwohl er vier Jahre jünger war.
„Die Schuluniform bekommst du noch?“, fragte der Lehrer mürrisch.
„Hai. Sie müssen erst noch eine für mich anfertigen, da mir alle viel zu groß sind“, lächelte Masaki den älteren Mann etwas verlegen an.
„Gut, dann setz dich irgendwo ihn.“
Der Kleine sah sich um und dann wieder zu seinem Lehrer.
„Das geht nicht.“
„Warum nicht?“, knurrte der Lehrer.
„Es ist kein Stuhl mehr frei.“
Auch der Lehrer sah sich nun um und gab dem Neuen Recht. Dann schweifte sein Blick zu einem ganz bestimmten Jungen.
„Maruyama, holen sie einen Stuhl.“

Gespannt beobachtete Masaki wie sich ein Junge aus der Mittelreihe erhob, um einen Stuhl zu holen. Ein paar Mädchen sahen ihm nach. Etwa fünf Minuten später kam er wieder.
„Saehara, setz dich jetzt erst einmal neben Maruyama. Ich werde sehen, dass ich noch einen Tisch auftreibe.“
Der Lehrer gab Masaki einen leichten Schubs, damit er endlich mit dem Unterricht beginnen konnte. Der Weile setzte sich Masaki auf seinen Stuhl. Er musterte Maruyama von der Seite. Braune Haare, die ein bisschen wirr saßen und freundliche, azurblaue Augen, die ihn amüsiert ansahen.
„He, Kleiner, konzentrier dich lieber auf den Unterricht, wir können uns auch noch später kennen lernen.“
„Ist gut.“
Damit war die Sache erledigt und Masaki wand sich lächelnd dem Lehrer zu.

~*~*~*~*~*~

Kaum klingelte es zur Pause, da kamen auch schon ein paar Mädchen zu Hiros Tisch und begutachteten den Neuen. Der schien sich aber sichtlich unwohl zu fühlen. Immer wieder hörte Hiro kawaii, süß, niedlich und ein Wort das den kleinen Neuankömmling bestens beschrieb: Chibi. Aber die Mädchen hatten schon recht, der Kleine war süß und niedlich für einen Jungen. Große Augen, ein hübsches Gesicht, eine feine Nase und er war kleiner als alle 13-Jährigen, die Hiro bis jetzt kannte.
Irgendwann wurde es aber auch ihm zu Bund und mit einem bösen Blick verscheuchte er die gackernden Mädchen. Dann wand er sich dem Chibi zu.
„Jetzt können wir mal reden. Ich bin Hiroshi Maruyama, Klassensprecher, aber nenn mich einfach Hiro. Wenn du irgendwelche Fragen hast, sag’s mir.“
„Is gut“, lächelte Masaki.

Noch ein paar andere Jungs kamen zu den beiden und ein nett aussehendes Mädchen.
„Tja, aber der Gute ist auch noch Stellvertreter der 11. Klassen und Mädchenschwarm der gesamten Jahrgangsstufe“, wobei der Junge Hiro anerkennend auf die Schulter klopfte.
„Du tust gerade so, als hätte ich mir das freiwillig ausgesucht, Takashi“, motzte Hiro.
„Und außerdem hat dieser Herr mich auch einfach in den Ferien sitzen lassen“, sagte nun das nett aussehende Mädchen.
„Ich dachte wir hätten das lang und breit ausdiskutiert, Himeko.“
„Ja, haben wir, aber ich glaube ich überleg mir das noch mal.“
„WAS?“
„War doch nur ein Witz, Hiro.“
Es klingelte und Masakis neuer Klassenlehrer betrat den Raum.
„Na ja, wir reden später weiter“, sagte Himeko, ehe sie wieder auf ihren Platz ging.
Masaki sah dem blonden Mädchen noch etwas nach.
„Ehe wir zum Unterricht kommen, möchte ich noch über die bevorstehende Klassenfahrt in einer Woche sprechen. Ich werde eine Liste rum geben, die ihr bitte alle unterschreibt. Auf ihr ist nur vermerkt, dass ich euch belehrt habe und ihr die Regeln annehmt. Wer dies nicht tut, kann leider nicht mitfahren und erhält sein Geld zurück.“

Eine kleine Hand schnellte nach oben, die der Lehrer nicht sofort wahr nahm.
„Ah, du musst Saehara sein. Was gibt es denn?“
„Was werde ich denn nächste Woche machen, wenn alle weg sind?“
„Du wirst in eine der Parallelklassen gehen.“
Betrübt setzte sich Masaki wieder hin. Hiro sah die traurigen Augen des Chibis und er tat ihm irgendwie leid. Ganz neu an einer Schule und dann gleich abgeschoben. Er wollte gerade etwas erwidern, doch Himeko war schneller.
„Könnte er nicht mitkommen? Das wäre doch die Gelegenheit, ihn richtig in unsere Klasse einzugliedern.“
„Das wäre es durch aus, aber er könnte es nicht bezahlen.“
Hiro erhob sich.
„Und wenn wir nun den freien Platz nehmen, der uns gut geschrieben wurde. Der war zwar für eine weitere Aufsichtsperson geplant, aber die ist ja nun verhindert. Außerdem kann man Saehara auch nicht als Erwachsenenzählen, was den Preis auch noch einmal senkt.“
„Nun ja, es wäre eine Überlegung wert. Ich werde darüber nach denken“, meinte der Lehrer und wand sich nun dem normalen Unterricht zu.
„Wurzel aus 2025. Yoshimoto.“
„...45“
„Richtig. Quadrat von 68. Tsuburagi.“
„4624.“
„Sehr gut. Wurzel aus 7056. Maruyama.“
„Puh...85.“
„84.“
„Das ist richtig Saehara, aber bitte sprich nicht rein.“
„Entschuldigung.“

Danach sollten sie Aufgaben lösen, die ihr Klassenlehrer an die Tafel schrieb und das ohne Taschenrechner. Verwundert sah Hiro zu seinem Banknachbarn, für den immer noch kein Tisch auffindbar war. Warum schrieb der Kleine nicht, waren ihm die Aufgaben doch zu schwer?
„He, Chibi, willst du die Aufgaben nicht mal lösen?“, flüsterte Hiro.
Der Chibi grinste ihn breit an.
„Hab ich doch schon längst.“
„Und warum steht dann nichts in deinem Heft?“
„Weil ich alles ihr oben drin habe“, grinste er breiter und zeigte dabei auf seinen Kopf .
*Wenn der Chibi nicht aufpasste, wird er noch zu einem Breitmaulfrosch mutieren*, dachte Hiro.
*Aber irgendwie ist er schon niedlich.*
„Mach doch was du denkst.“
„Mach ich immer“, antwortete Masaki.

~*~*~*~*~*~

Endlich kam die lang ersehnte Essenspause. Die Personen, die in der Ersten bei ihnen gestanden hatten, kamen wieder und auch Himeko.
Hastig packte Masaki sein Essen aus, denn sein Magen knurrte schon.
„Sag mal, Krümel, du gibst mir doch bestimmt was ab?“, fragte Takashi.
So schnell Masaki konnte presste er die Lunchbox an seine Brust und hielt sie verkrampft fest, wobei er ein schmollendes Gesicht machte.
„Nein! Vor allem nicht, wenn du mich noch mal Krümel nennst!“
Die umstehenden mussten lachen. Zum einen, weil Masaki sich wie ein kleines, trotziges Kind benahm und zum anderen, weil Takashi sich vor diesem auf die Knie geworfen hatte und nun um etwas bettelte.
„Na gut, ich werd mal sehen, ob sie einen Tisch gefunden haben“, sagte Himeko und verließ den Raum.

„Sie ist nett“, sagte Masaki.
Nebenbei gab er Takashi etwas von seinem Essen ab.
„Ja, aber sie kann auch ne ganz schöne Kratzbürste sein“, grinste Hiro.
Wenn er sich da an ein paar Sachen erinnerte. Die gute Himeko konnte schnell sauer werden und war auch noch nachtragend. Aber der brünette Chibi würde schon noch merken was er meinte.
Eine plötzliche Kopfnuss holte ihn wieder in die Realität zurück.
„Wer ist hier ne Kratzbüste. Hör auf ihm solche Lügen zu erzählen.“
Schneller als gedacht war Himeko wieder aufgetaucht.
„Siehst du was ich meine?“, grinste Hiro und bekam eine zweite Kopfnuss, die etwas härter war als die Erste.
„Oh man und wegen dir hab ich mir die Augen ausgeheult. Liebe macht wirklich blind“, meinte Himeko resigniert, wand sich dann Masaki zu und lächelte, als wäre nichts gewesen.
„Einen Tisch haben sie noch nicht, aber morgen ist er da.“
„Gut.“

~*~*~*~*~*~

Am Abend saß Hiro mit seinen Eltern beim Abendbrot.
„Und, gibt es irgend etwas Neues?“, fragte seine Mutter.
„Jep. Wir haben einen Neuen bekommen, der ist ganz niedlich.“
Verwundert sahen Hiros Eltern auf.
„Niedlich?“, fragte sein Vater misstrauisch.
„Ja. Er ist erst 13 und echt schlau. Hätte nicht gedacht, dass es solche Kids gibt.“
Seelenruhig aß Hiro weiter, während seine Eltern sich immer noch ansahen. Sie ahnten, was passieren könnte.

~*~*~*~*~*~

Masaki lag auf seinem Bett und dachte an den vergangenen Tag. Es ist alles besser gelaufen, als er gedacht hatte. Himeko hatte sich um ihn gekümmert und ihm die Regeln erklärt, während sie den Stundenplan für ihn abschrieb. Ja, Himeko mochte er schon jetzt. Auch dieser Takashi war ein lustiger Kerl und schien ziemlich verfressen zu sein. Aber er war freundlich, genau wie alle anderen, die ihn schon akzeptiert hatten. Ja, mit dieser Klasse würde er sich verstehen. Vor allem Hiro ging ihm nicht mehr aus dem Kopf, der ihn ständig Chibi nannte und was auch schon ein paar andere taten. Besonders faszinierten Masaki Hiros azurblaue Augen, die irgendwie nicht wirklich böse gucken konnten.
Schon jetzt freute sich der Kleine auf die Klassenfahrt, denn sein neuer Klassenlehrer hatte angerufen und bestätigt, dass er den kostenlosen Platz haben konnte. Auch seine Eltern freuten sich darüber, dass ihr Schatz mit konnte, denn sie brauchten das Gelt für etwas viel Wichtigeres.
Die neue Uniform lag schön ordentlich auf dem Stuhl und wartete nur darauf, zum ersten Mal angezogen zu werden. 


02. Ein Chibi zu sein ist nicht immer einfach 

„Habt ihr schon gehört, in der 11c ist ein Neuer.“
„Ja und er ist gerade mal 13.“
„Ich hab ihn schon gesehen. Der ist ja so kawaii!“
Das Getuschel und Gequietsche auf den Gängen schien kein Ende zu nehmen. Immer und immer wieder fing es von Neuem an, wenn Masaki an ein paar Mädchen vorbei lief. Normaler Weise würde er in der Masse an Menschen untergehen, doch hier, wo alle mindestens 25 Zentimeter größer waren als er, stach er gerade zu heraus.
Das ganze Gerede darüber, wie niedlich er doch sei störte ihn nicht, nur wenn jemand das in Zusammenhang mit seiner Größe brachte, reagierte er empfindlich. Er wusste selber, dass er für sein Alter klein war, da brauchte man ihm das nicht auch noch sagen. Doch durch seinen Spitznamen, wurde er ständig daran erinnert. Und das nur weil Hiro ihn so nannte. Mussten denn die anderen immer das selbe tun wie der Klassensprecher?
Chibi nannte der Ältere ihn und das pausenlos. Masaki fragte sich, ob Hiro überhaupt wusste, wie er wirklich hieß. Doch zum Glück nahm ihn Himeko immer in Schutz und auch die anderen Mädchen kümmerten sich um ihn, wenn die Jungs ihn ärgerten. Aber er wusste, dass sie es nicht ernst meinten.
Gerade dadurch fühlte sich Masaki richtig wohl in seiner neuen Schule. Er saß zwischen Hiro und Takashi und beide halfen ihm aus, wenn er ein Buch noch nicht hatte. Alle waren nett zu ihm und Himeko brachte ihm sogar manchmal ein Bento mit, von dem Takashi dann immer etwas abhaben wollte. Ja, mit Himeko und Takashi verstand er sich am besten und Hiro hat er schon vom ersten Tag an gern gehabt.
Gerade mal vier Tage war er nun hochgestuft worden und sollte schon in der nächste Woche mit seiner Klasse auf Klassenfahrt ans Meer fahren, wie Hiro ihm erzählt hatte. Noch dazu hatte er einen kostenlosen Platz bekommen, so dass seine Eltern ihm nur etwas Taschengeld mit geben müssten. Aber selbst da drauf hätte er verzichten können.

Hiro beobachtete ihren Chibi, der völlig in Gedanken schien und nicht mitschrieb, was der Lehrer sagte. Allerdings lächelte er vor sich hin, was wohl bedeutete, dass er an etwas sehr angenehmes dachte. Man konnte halt doch im Unterricht am besten abschweifen.
Aber das war auch verständlich. Die 11. Klasse war nun mal um einiges anstrengender, als die 8., die der Chibi ja nur angefangen hatte. Seltsam war es aber schon, dass seine Lehrer gerade in der Mitte des Jahres feststellten, dass der Chibi sehr klug war. Und das war er ja wirklich.
Er rechnete Sachen aus, da für brauchte sogar der Lehrer manchmal einen Taschenrechner, hatte künstlerisches Talent, welches mit den anderen mithalten konnte und auch in Physik gab er immer spitzen Antworten. Generell schienen ihm naturwissenschaftliche Fächer zu liegen. Seine Schrift war schön und ordentlich, genau wie seine Aussprache, wenn er etwas vorlesen musste, egal ob jetzt Japanisch oder Englisch.
Es muss aber auch gesagt werden, dass der Chibi nicht perfekt war. Seine große Schwäche lag in Hauswirtschaft. Das war gleich aufgefallen, nachdem er die Plätzchen, die er mit Hiro gemacht hatte, verkohlte und er sich an dem heißen Blech auch noch verbrannte.
Mit Grauen dachte Hiro an diesen Tag zurück, an dem er alle Plätzchen, die er gegessen hatte, wieder heraus gab. Er hatte sie ja eigentlich nur hintergewürgt, weil der Chibi so traurig ausgesehen hatte und er es nicht ertragen konnte, wenn der Kleine auch noch angefangen hätte zu weinen.
Also hatten er und Takashi, der seinen Freund nicht alleine leiden lassen wollte, ein paar gegessen und hingen dann beide im Jungenklo über der Kloschüssel.
Das schrille Klingeln der Schuluhr weckte Hiro aus seinen Träumen. Wie gesagt, im Unterricht konnte man am besten mit den Gedanken abschweifen.
Jetzt hatten sie Sport, das einzigste Fach in dem Hiro noch nicht wusste, wie ihr Chibi war. Bei den anderen Klassen galt der Kleine schon als Maskottchen der 11c und einige Mädchen meinten, dass ein Maskottchen ein Kostüm bräuchte und das es ein Kleid sein müsste. Die hatten sie doch wirklich nicht mehr alle, wenn sie einen Jungen in ein Kleid zwängen wollten. Mal wieder zu viele Shonen-Ai Storys gelesen, ansonsten kam man ja gar nicht auf solche Ideen.
Nur ungern holte Hiro seinen Banknachbarn aus seinen Träumen heraus, denn es sah einfach nur niedlich aus, wie verträumt er in der Bank hing und die Tafel anstarrte, als wäre sie etwas ganz besonderes.

„He Chibi, wir müssen los.“
Die freundliche Stimme Hiros brachte Masaki wieder in die Wirklichkeit zurück. Er lächelte den Älteren an und nahm dann sein Sportzeug und seine Schultasche. Das war nun die letzte Stunde vor dem Wochenende und dann würde er nach langer Zeit mal wieder richtig Urlaub machen. Urlaub mit Freunden, Sonne und hoffentlich auch mit viel Spaß. Er hoffte nur, das seine Schwester ihm nicht all zu böse war, dass er weg konnte und sie nicht. Er würde viele Fotos machen und Muscheln sammeln, nur für sie, da sie das Meer liebte, auch wenn sie es noch nie wirklich gesehen hatte.
„Wir können, Hiro-san“, sagte Masaki und nahm ohne darüber nachzudenken Hiros Hand.

~*~*~*~*~*~

Gemeinsam liefen die beiden Jungen die Gänge entlang, wobei ihnen einige seltsam hinterher sahen.
„Chibi, du kannst meine Hand auch mal wieder los lassen“, lachte Hiro.
Erst da bemerkte Masaki, dass er den anderen die ganze Zeit hinter sich her zog. Hiros Hand war größer als seine eigene und viel kräftiger, nicht so dürr und wunderbar warm. Eigentlich wollte er gar nicht los lassen.
Aber, wenn es Hiro störte, warum hatte er sich dann nicht einfach los gemacht?

Gespannt sah Hiro den Chibi an. Die kleiner Hand war zierlich und schmal, beinahe wie die eines Mädchens. Auch übte sie kaum Druck auf seine eigene aus, so dass er sich eigentlich hätte selber befreien können, doch darüber hatte er gar nicht nach gedacht. Es fühlte sich gar nicht mal so schlecht an, die Kinderhand in seiner zu halten. Beinahe könnte es für immer so beleiben.
Eine Regung in Masakis Gesicht ließ ihn aufhorchen. Der Chibi grinste ihn spitzbübisch an.
„Und warum lässt du nicht einfach los, Hiro-san?“
Bingo. Volltreffer. Tja, nun war guter Rat teuer und niemand hilfreiches in der Nähe. Oder doch?
Sein Blick viel auf die Uhr, deren Zeiger schon verdächtig weit gerückt waren.
„Wenn wir jetzt anfangen zu diskutieren, kommen wir zu spät. Also los!“, befahl Hiro.
Das die beiden jedoch immer noch ‚Händchen hielten’, viel ihm gar nicht mehr auf.

~*~*~*~*~*~

„Ha, da seid ihr ja endlich. Beeilt euch, oder der Alte macht Stunk.“
„Schon klar“, erwiderte Hiro.
Die anderen verließen bereits die Umkleidekabine, während sich Hiro und Masaki umzogen. Der Ältere hatte sich gerade seiner Jacke entledigt, als er hinter sich die gedämpft Stimme des Chibis hörte.
„Hiro-san, kannst du mir bitte helfen.“
Hiro drehte sich um und hätte beinahe einen Lachkrampf bekommen. Da stand doch der Chibi da und wollte sich das Hemd über den Kopf ziehen, war aber irgend wie stecken geblieben.
Schmunzeln ging Hiro auf ihn zu. Er öffnete einen weiteren Knopf des Hemdes und zog es dem Chibi dann über den Kopf.
„Puh, endlich frei.“
„Du machst Sachen, Chibi. Beim nächsten mal solltest du drauf achten, dass dein Kopf auch durchpasst.“
„Ich wollte mich doch nur beeilen“, schmollte der Chibi.
„Schon gut, ist ja nicht so schlimm“, schmunzelte Hiro und wuschelte dem Kleineren durch die Haare.
„Jetzt aber Tempo, sonst kommen wir echt zu spät.“

~*~*~*~*~*~

Gerade noch rechtzeitig betraten sie die Turnhalle. Der Lehrer ermahnte sie zwar, beim nächsten Mal eher da zu sein, aber es gab wenigstens keinen Eintag.
Für diesen Tag stand Basketball auf dem Plan. Es wurden vier Mannschaften gewählt, da sie mit einer der Parallelklassen zusammen Unterricht hatten. Hiro und noch drei andere sollten wählen. Als alle fertig wahren, blieb nur noch Masaki übrig. Keiner hatte ihn genommen, da er so klein war, nicht einmal Hiro.
Nun sollte er in die Mannschaft von einem der anderen Klasse, aber der weigerte sich den ‚Krümel’ zu nehmen. Am Ende war Masaki dann in Hiros Mannschaft zusammen mit Taksahi. Die Mädchen spielten währenddessen schon auf der anderen Seite Volleyball.
„He, Chibi, wärst du mir böse, wenn ich dich auf die Ersatzbank schick?“, fragte Hiro freundlich.
„Nein, überhaupt nicht. War ja eh klar wo ich bleibe“, entgegnete Masaki.
Er wusste, dass man ihm anhören konnte, dass es ihm überhaupt nicht passte. Aber sollte Hiro ruhig wissen, wie er ihm weh tat. In seiner alten Klasse, war er immer mit einer der Erstgewählten. Doch jetzt war er der Kleinste und somit galt er wohl auch automatisch als der Schwächste.

Hiro gefiel es nicht, wie der Chibi klang und wie er sich jetzt auf die Bank setzte. Er sah niemanden an, sonder inspizierte sein Turnschuhe, als wären sie etwas ganz Besonderes und unheimlich interessant.
Verdammt, er wollte den Chibi doch nicht verärgern, aber diese Jungs spielten anders als er. Sie nahmen nicht so viel Rücksicht und würden ihn womöglich überrennen.
Hiro kniete sich vor den Chibi und der sah ihn nur wiederwillig an. Die strahlend grünen Augen spiegelten Enttäuschung, Bitterkeit und einwenig Wut wieder. War es dem Chibi denn so wichtig? Oder wollte er den anderen Etwas beweisen?
„Na gut, ich wechsle dich in der Pause ein.“
„Wirklich?“, fragte der Chibi und sah gleich fiel fröhlicher aus.
„Ja, aber sieh es dir erst einmal an und dann kannst du entscheiden.“
„Danke, Hiro-san.“
„Schon gut.“
„He, hör auf mit unserm Chibi zu flirten und komm endlich her!“, rief Takashi.
„Hör auf so einen Scheiß zu labern. So ein Arsch“, knurrt Hiro.

Brav und aufmerksam beobachtet Masaki seine Klassenkameraden. Es war schon wirklich etwas anderes, wie sie spielten. Keiner nahm wirklich Rücksicht oder wich aus. Es war hart, aber fair. Allerdings fragte sich Masaki, ob er wirklich gegen sie bestehen könnte. Einige waren schließlich 40 Zentimeter größer als er.
*Nein. Nicht so negativ Masaki!, ermahnte er sich selber.
*Ich muss es erst probieren. Den Korb hab ich oft getroffen und der hang genauso hoch. Vielleicht hilft es ja auch, dass ich so klein bin, dann werden sie mich bestimmt unterschätzen. Außerdem wird mir Hiro-san bestimmt helfen, wenn irgendetwas ist. Das hoffe ich zumindest.*
Takashi kam vom Spielfeld auf Masaki zu. Die zweite Hälfte des Spiels würde gleich beginnen.
„Viel Glück, Chibi.“
„Danke, Takashi-san.“
Schnell lief Masaki zu den anderen.

„Versuch so gut wie möglich zu spielen“, flüsterte Hiro ihrem Chibi zu.
„Du tust gerade so, als hätte ich noch nie Basketball gespielt“, erwiderte dieser.
Gekränkt ging der Chibi auf seine zugewiesene Position. Hiro hatte es geschafft ihn zum zweiten Mal zu verärgern. Hoffentlich passierte ihm das nicht noch öfter, denn er wollte nicht, dass der Chibi auf ihn böse war.
Hiro stellte sich in die Mitte dem Käpten der anderen Mannschaft, Kôji Furuhata, gegenüber. Auch er war Klassensprecher und bei den Mädchen trotz seines miesen Charakters begehrt.
„Mit diesem Winzling werdet ihr verlieren, Maruyama“, sagte Kôji und führ sich lässig durch seine blonden Haare.
„Halt die Klappe, Furuhata! Lass uns endlich anfangen!“
Der Lehrer gab das Startsignal und warf den Ball über die Köpfe der beiden Käpten. Beide sprangen ab und Hiro konnte ihn nur knapp zu einem seiner Kameraden schlagen, der auch sofort auf den gegnerischen Korb zu drippelte. Es dauerte jedoch nicht lange und er wurde von zwei Mann geblockt. Aus dem Augenwinkel sah er, wie Hiro an ihm vorbei rannte und übergab ihm den Ball. Doch leider saß diesem Kôji im Nacken und hatte ihn bald eingeholt. Da entdeckte Hiro den Chibi, direkt vorm Korb, ungedeckt.
*Gut, Chibi, du willst eine Chance, dann nutze sie.*
Hohne weiter darüber nachzudenken, warf er den Ball zu dem Chibi. Dieser fing ihn geschickt auf, drehte sich auf dem Absatz um, warf den Ball während er sprang Richtung Korb und traf.
„14-12“
„Das war ja klasse, Chibi!“
„Danke, Hiro-san, ich war schließlich nicht umsonst einer der Besten in meiner alten Klasse“, grinste der Kleine frech.
Aber sollte er ruhig, besser als wenn er böse guckte.
„Verdammt noch mal, ich hab gesagt ihr sollt den Zwerg decken“, fauchte Kôji wütend.
Nur wegen diesem Pimpf waren sie nun im Rückstand.
„Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, aber du sagtest, sie könnten den ‚Zwerg’ links liegen lassen.“
„Halt die Fresse, Maruyama!“

Im Laufe des Spieles stellte sich heraus, dass Masaki nicht nur ständig den Korb traf, sondern dass er auch sehr flink war und sich überall noch schnell durch schlängelte. Gerade hatte er einen abgehängt und lief nun auf Kôji zu. Doch er konnte den Ball nicht abgeben, denn alle anderen wurden gut gedeckt, zu gut. Also musste er versuchen um Kôji herum zu kommen oder den Ball so lange zu behalten, bis sich einer seiner Kameraden frei lief.
Masaki täuschte links an, dann rechts und lief nach links um Kôji auszuspielen. Jedoch verlief alles anders als geplant. Unerwartet stellte sich dem Jungen ein Fuß in den Weg, über den er fiel und sein Gesicht machte eine unangenehme Begegnung mit dem Turnhallenboden. Der Ball rollte ins Aus. Das der Lehrer abpfiff, bemerkte er gar nicht.

Besorgt kniete sich Hiro neben der Kleineren, der sich mühsam wieder aufrichtete und sich die Hand vor die Nase hielt.
„Entschuldigung, ich hab den Ball verloren“, nuschelte er.
Hiro wand sich zu Kôji um und funkelte ihn wütend an.
„Verdammt noch mal, Furuhata, kannst du es nicht ertragen, wenn jemand besser ist als du?“
„Was regst du dich so auf? Der Zwerg muss halt aufpassen wo er lang läuft.“
„Du verdammter...“
Augenblicklich wollte Hiro auf den etwas Größeren zugehen und ihm mal so richtig seine arrogante Fresse polieren, allerdings wurde er sanft von jemandem zurück gehalten.
„Nicht, Hiro-san.“
„Aber…”
Das Kopfschütteln des Jungen lies ihn verstummen.
„Er hat recht, ich hätte besser aufpassen müssen.“
Der Lehrer erklärte die Stunde für beendet, da es keinen Sinn mehr hatte. Der Chibi hatte sich zum Glück nichts Schlimmes getan, nur ein bisschen Haut war von der Nase abgeschürft und sie tat ihm etwas weh.
Ehe sie jedoch die Halle verließen, ging er noch mal zu Kôji, der zur Strafe für das Faul alles aufräumen musste. Verwundert sah Hiro ihrem Chibi hinterher. Wollte der jetzt doch mit ihm abrechnen?

Mit einem angeekelten Blick sah Kôji auf den Knirps, der immer noch fröhlich drein sah. War ja widerwärtig.
„Danke für das Spiel, hat Spaß gemacht“, dann ging er.
Nun verstand Kôji überhaupt nichts mehr. Erst machte er sich über den Zwerg lustig, dann faulte er ihn, wobei er sich hätte die Nase brechen können und der bedankte sich bei ihm für das Spiel.
Also, entweder hatte der Pimpf sie nicht mehr alle oder er war so naiv, dass er schon wieder blöd war. Aber leider war der Kleine dadurch auch irgendwie niedlich, vielleicht zu niedlich.
Egal, Kôji würde noch genügend Zeit haben den Zwerg unter die Lupe zu nehmen.

~*~*~*~*~*~

„Verdammt, wie ich diesen Kerl hasse“, knurrte Hiro und stopfte sein Shirt mit Wucht in seine Tasche.
„Glaub mir Kumpel, ich kann den Kerl auch nicht ab“, bestätigte Takashi.
„Zum Glück, müssen wir ihn nächste Woche nicht sehen“, warf Masaki fröhlich ein.
Plötzlich bemerkte er die Stille, die auf einmal in der Umkleidekabine herrschte. Alle sahen sich an und seufzten. Nun verstand Masaki gar nicht mehr.
„Tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, Chibi“, entgegnete Hiro.
„Aber nächste Woche werden wir ihm permanent begegnen.“
„Was?“
„Leider müssen wir dieses Jahr mit der 11d auf Klassenfahrt fahren. Sorry, haben wir vergessen dir zu sagen“, entschuldigte sich Takashi.
Na das konnte ja was werden. Masaki hatte sich darauf gefreut, mit seinen neuen Freunden ein paar schöne Tage zu verbringen und alles Üble hinter sich zu lassen. Aber jetzt. Das könnte Ärger geben, denn Kôji mochte ihn nicht, das hatte er schon von Anfang an bemerkt. Und nur weil er freundlich zu dem Älteren gewesen war, würde das seine Meinung nicht ändern.
Plötzlich hatte Masaki gar keine Lust mehr mit zu fahren, aber er hatte versprochen seiner Schwester Muscheln mitzubringen und wenn er etwas versprach, dann hielt er es auch.
Trotzdem hatte er ein ungutes Gefühl in der Magengegend. Diese Klassenfahrt würde er nicht so schnell vergessen. 


03. Eine Zugfahrt die ist lustig 

„Mama! Mama! Wo ist meine Badehose.“
„Da wo sie immer ist, Schatz!“
„Nein, ist sie nicht! Da hab ich schon gesucht!“
Schmollend lugte Masaki in die Küche, wo seine Mutter gerade das Abendessen zubereitete.
„Dann sie noch mal nach“, entgegnete Frau Saehara.
„Na gut!“
Ohne weiter darauf zu hören, was ihr Sohn machte, schnitt sie die Kartoffeln weiter. Der Jubelruf Masakis lies sie schmunzeln.
„Juhu, ich hab sie gefunden.“
Freude strahlend hielt dieser seine Ma die blaue Badehose vor die Nase.
„Und wo war sie?“
„Da wo du gesagt hattest“, antwort er kleinlaut.
„Du Mama, was muss ich denn noch mitnehmen?“
„Was hast du denn schon alles?“
„Also, acht T-Shirts, einen Pullover, falls es doch mal kalt werden sollte. Unterwäsche und Socken für 7 Tage, Bettzeug plus Schlafanzug, Schuhe und Sandalen, Badhose nicht vergessend. Fehlt was?“
„Du hast dein Waschzeug vergessen, Schatz.“
„Ach ja.“
Schnell flitzte Masaki ins Bad und kramte alles zusammen, was er brauchte.

Nach dem er alles noch fünfmal überprüft hatte, damit er auch ja nichts vergaß, setzte er sich in die Küche. Das Essen stand schon fertig auf dem Tisch. Die Wohnung, in der Masaki mit seinen Eltern wohnte war nicht besonders groß, aber sie genügte ihnen voll und ganz, zumal sie sich auch nichts anderes leisten konnten. Masakis Mutter war Hausfrau und arbeitete nur gelegentlich in anderen Haushalten als Hilfskraft. Masakis Vater war Angestellter einer Softwarefirma, bei der er ganz gut verdiente und so hätten sie sich eigentlich ein Haus leisten können, doch das ging nicht. Und der Grund dafür war Masakis ältere Schwester.
„Sag mal, wann kommt Papa denn nach Hause?“, fragte der brünette Junge mit vollem Mund.
„Heute wohl erst sehr spät. Und morgen muss er auch wieder ganz früh raus.“
„Schade. Dann bringt er mich ja morgen gar nicht zum Zug und dabei wollte ich ihm so gerne Hiro vorstellen.“
„Du scheinst dich ja schon sehr auf die Klassenfahrt zu freuen, mein Spatz.“
„Und wie! Ich hoffe, das wird die beste Klassenfahrt, die ich je hatte. Alle sind ganz nett zu mir und kümmern sich um mich. Zwar behandeln sie mich manchmal wie ein kleines Kind, aber ich hab sie wirklich gern. Besonders Hiro, Himeko und Takashi mag ich. Ich hab mir vorgenommen, dass sie meine besten Freunde werden sollen.“
„Das freut mich, dass es dir so gut in deiner neuen Schule gefällt. Möchtest du noch einen Nachschlag?“
Masaki nick heftig und hielt seiner Mutter auffordernd den leeren Teller hin. Diese musste wieder lächeln. Es freute sie sehr, das es ihrem Liebling so gut zu gehen schien. Wenn sie das doch auch nur von ihrem anderen Kind behaupten könnte.

~*~*~*~*~*~

Nach dem Essen packte Masaki noch allen möglichen Kleinkram ein, den er unbedingt mit nehmen wollte. Dazu gehörten ein Discman, der kleine Plüschhase seiner Schwester, Batterien, noch eine CD zum Wechseln, seine Federmappe, ein Block, das Portmonee mit dem Taschengeld, welches er ungern ausgeben wollte, ein Buch, das er schon seit drei Wochen versuchte zu lesen und das Buch, was ihm seine alte Klasse zum Abschied geschenkt hatte. Damit war sein Rucksack gepackt. Fehlte nur noch die Verpflegung, die er morgen Früh von seiner Ma bekommen würde.
Glücklich kuschelte er sich in sein Bett und erwartete mit Freude den Montag der Abreise.

~*~*~*~*~*~

Am nächsten Morgen hatten sich alle Schüler der 11c und d auf dem Bahnhof eingefunden inklusive der drei Lehrer. Nur eine einzige Person fehlte, die Kleinste von allen.
„Meint ihr, der Chibi kommt noch?“, fragte Takashi in die Runde.
„Bestimmt, den hält nichts auf.“
„Wie kannst du dir da so sicher sein, Hiro?“, fragte Himeko erstaunt.
„So, wie der letzte Woche gestrahlt hat, wenn er nur das Wort Klassenfahrt gehört hat. Glaub mir, der kommt.“
Wie aufs Stichwort kam eine kleine Person winkend auf die Gruppe zu, einen rollenden Koffer im Schlepptau. Keuchend und schnaufend hielt das neue Maskottchen der 11c vor Hiro an.
„Bin ich....noch pünktlich“, keuchte der Chibi.
„Jep, gerade so“, bestätigte Takashi.
„Warum bist du überhaupt so spät, Chibi?“, fragte Himeko besorgt.
„Meine Eltern hatten keine Zeit mich zu bringen, also musste ich mit dem Bus fahren und der hatte etwas Verspätung. Aber zum Glück hab ich nette Leute getroffen, die mir mit meinem Koffer geholfen haben. Ansonsten hätte es noch länger gedauert.“
„Na los, dann will dir mal noch ein netter Mensch helfen“, grinste Hiro und nahm ihrem Chibi den schweren Koffer ab.

Skeptisch sah Himeko ihren Ex-Freund an. Da stimmte doch was ganz gewaltig nicht.
„Seit wann bist du denn nett? Doch nur wenn du irgendetwas willst!“, meinte sie spitz.
„Red nicht so nen Quatsch, ich würde dir deinen auch ab nehmen“
„Dann tus doch!“
„Tut mir leid, ich hab keine Hand mehr frei.“
„Tz, von wegen nett! Dabei ist der so schwer und ich kann ihn noch nicht mal rollen.“
„Was kann ich denn dafür, wenn du soviel Zeug rein packst.“
„Soll ich ihn dir abnehmen, Himeko?“
„Oh, danke, Takashi. Du bist viel netter als Hiro“, freute sie sich endlich ihr schweres Gepäck los werdend.

Dann ging sie zum Zug, um endlich einzusteigen. Hiro lief ihr nach und redete auf sie ein. Hinterher trotteten Masaki und Takashi, der nun Himekos Koffer trug.
„Sag mal, Takashi-san. Ist das bei denen immer so?“, fragte Masaki unschuldig.
„Jep, sogar als sie zusammen waren, ging das nur so. Ich glaub mehr als Freundschaft war das nie wirklich. Aber das müssen die beiden selber wissen. Wer weiß welcher Teufel sie damals geritten hat?“
Im Inneren des Zuges suchten alle Schüler sich ihre Plätze, allerdings waren sie auf zwei Anhänger verteilt, so dass die Lehrer gucken mussten, wo wer saß. Die vier machten es den anderen nach und suchten sich schnell einen vierer Platz, denn sie auch noch fanden. Praktisch war, dass man sich immer gegenüber saß und so ungestört mit einander reden konnte. Masaki und Himeko bestanden darauf einen Fensterplatz zu bekommen, so dass Hiro nun neben dem Neuen und Takashi neben Himeko saß. Es dauerte auch nicht lange und der Zug fuhr los in Richtung Meer.

~*~*~*~*~*~

Schon seit Ewigkeiten zappelte der Chibi unruhig auf seinem Sitz hin und her. Der Kleine drückte sich die Nase an der Fensterscheibe platt, während die leuchtenden Augen sich die Landschaft ansahen. Die drei Älteren störten sich nicht daran, ganz im Gegenteil. Es war schön mit anzusehen, wie sich ihr Chibi freute und jedes mal staunte, wenn er einen Greifvogel sah, die in dieser Gegend nicht selten waren.
„Du bist ja ganz schön aufgekratzt, Chibi“, schmunzelte Hiro.
„Bin ich gar nicht! Ich freu mich nur endlich wieder das Meer zu sehen. Ich finde es wunderschön, auch wenn ich es bis jetzt nur einmal gesehen habe“, verkündete der Chibi fröhlich und vergaß für einen Moment die Landschaft.
Die zwei hellen Smaragde strahlten noch mehr, als der Chibi ihnen alles erzählte, was er noch von seinem ersten Besuch am Meer wusste.
„Und weißt du was, Hiro-san?“, sagte der Chibi glücklich.
„Deine Augen sind genauso schön blau wie der Himmel damals.“
Halb entsetzt, halb verlegen sah Hiro den Jüngeren an. Wie sollte er denn das jetzt verstehen oder gab’s da überhaupt was zu verstehen? Meinte der Chibi das nun ernst oder redete er einfach nur so daher? Von den Fragen die plötzlich auf ihn einhämmerten bekam er Kopfschmerzen. Das denken so ansträngend sein konnte.
Aber nicht nur er war überrumpelt, auch Himeko und Takashi sahen das Maskottchen verwundert an.

„Was ist? Hab ich was falsches gesagt?“, fragte Masaki mit unschuldiger Miene.
„Nein, nein. Alles klar. Deinen Satz hätte man auch anders verstehen können, aber da du es bist...“, entgegnete Himeko schnell.
„Hä? Wie meinst du das, Himeko-san?“
„Ach, nicht so wichtig. Sieh lieber wieder aus dem Fenster.“
„Stimmt, ich will ja das Meer sehen!“
„Da muss ich dich enttäuschen, das Meer liegt auf der anderen Seite, Chibi“, erklärte Takashi, während er seinen Discman heraus holte.
„WAAAS?“
Sofort sprang Masaki auf und eilte zum gegenüberliegenden Fenster. Das dort auch Passagiere saßen, lies er einfach mal beiseite und sah erwartungsvoll nach draußen. Die sahen den kleinen Jungen nur verwirrt an. Taten aber nichts gegen hin. Ein paar Bäume huschten an ihm vorbei und sein fröhliches Gesicht wurde mit den Sekunden immer geknickter. Schmollend drehte er sich zu seinen Freunden um.
„Du hast gelogen, Takashi-san, da ist gar kein Meer?“
„Wir sind doch auch erst seit einer halben Stunde unterwegs und spätestens in fünf Stunden am Ziel. Also komm wieder her.“
Hiro streckte ihm die Hand entgegen, damit er die anderen Leute nicht mehr belästigte. Verstimmt ging er an seinen Platz, hielt aber mitten auf dem Gang an.
„Das dauert ja noch ewig“, flüsterte Masaki.
„He, du Zwerg, mach den Weg frei.“
Überrascht sah Masaki nach oben und blickte direkt in Kôjis eisgraue Augen. Das kindliche Gesicht hellte sich wieder auf und sah den Älteren und die hinter ihm stehenden Jungen freundlich an.
„Hallo, Furuhata-san, freust du dich auch schon auf’s Meer?”, plapperte er los.
Kôjis Augen verengten sich zu Schlitzen und sahen den Kleineren sehr böse an.
„Ich hab gesagt, du sollst aus dem Weg gehen!“, knurrte er.
Ehe Masaki etwas antworten konnte, saß er auch schon etwas unbequem auf Hiros Schoß, die Lehne in den Kniekehlen.
„Jetzt hau ab, Furuhata“, sagte Hiro kühl, ohne den anderen an zu sehen.
Wortlos ging dieser vorüber.

Große, grüne Augen sahen ihn verwundert an, als Hiro wieder den Kopf hob. Er konnte erkennen wie Himeko und Takashi in sich hinein grinsten. Musste wohl wirklich komisch aussehen, wie der Chibi da auf ihm saß.
Sich räuspernd setzt er ihn wider neben sich, doch der verblüffte Blick wollte einfach nicht von den apfelgrünen Augen weichen.
„Du solltest dich nicht mit ihm anlegen, auch wenn du es nicht so meinst“, versuchte Hiro zu erklären und sah dann in eine andere Richtung.
„Ok, ist gut!“, vernahm er die klare Stimme, bevor keiner mehr einen Ton sagte.

~*~*~*~*~*~

Es war bestimmt nicht besonders klug gewesen den Chibi auf seinen Schoß zu ziehen, aber wer weiß was sonst passiert wäre. Natürlich hätte er ihm geholfen, doch es wäre in eine Prügelei zwischen ihm und Kôji ausgeartet. Dessen war er sich sicher.
Für seine Aktion könnte sich Hiro in den Hintern beißen. Warum hatte er ihn nicht einfach in den Gang zwischen ihnen gezogen? Außerdem gefiel ihm der Blick nicht, mit dem Kôji ihn angesehen hatte. Natürlich hatte Hiro ihn die ganze Zeit aus dem Augenwinkel beobachtet und sein längeres Pony hatte es gut versteckt. Das könnte wirklich noch Ärger geben. Hoffentlich konnte er den Chibi da raus halten, damit der seine Klassenfahrt genießen konnte. Er freute sich doch so sehr darauf.
Nachdenklich betrachtet Hiro den schlafenden Jungen, der an seiner Schulter lehnte. Er konnte machen was er wollte, für ihn sah der Chibi nicht wie ein 13-jähriger aus, besonders jetzt nicht. Ein zufriedenes Lächeln zierte das kindliche Gesicht, das völlig entspannt war. Wie konnte ein kleiner Junge nur so unheimlich niedlich aussehen, dass man ihn am liebsten durchknuddeln möchte?
Auch Himeko war eingeschlafen und Takashi hörte Musik, also nahm er nichts mehr um sich herum wahr. Zufrieden mit der entspannten Atmosphäre sah Hiro wieder in sein Buch und passte auf, dass er seinen linken Arm nicht zu sehr bewegte und so ausversehen den Chibi wecken könnte.

~*~*~*~*~*~

Ein leichtes Stupsen auf seiner Nasenspitze ließ Masaki aufwachen. Warum ausgerechnet jetzt, wo es so schön warm und gemütlich gewesen war. Demonstrativ kuschelte er sich noch näher an den warmen Körper neben sich. So gemütlich. Er fühlte sich einfach nur geborgen.
Trotz allem wollte dieses nervige Gestupse nicht aufhören. Grummelnd öffnete er seine Augen und sah durch einen Nebel Hiros grinsendes Gesicht.
„Du musst jetzt aufwachen, Chibi, wir sind gleich da!“
Schlagartig war Masaki hell wach und sah aus dem Fenster.
„Wo ist das Meer?“
„Erstens, ist es immer noch auf der anderen Seite und zweitens hast du es verpasst“, schmunzelte Takashi
„Was? Warum habt ihr mich nicht geweckt?“, quengelte Masaki.
Liebevoll sah Himeko ihn an.
„Du hast so schön geschlafen, da wollten wir dich nicht wecken. Außerdem, verging doch da durch die Zeit viel schneller?“
Masaki nickte leicht und sah seine Freunde jeden einzeln an und lächelte.
„Mh...stimmt! Also muss ich euch ja eigentlich danken.“

~*~*~*~*~*~

Nach zehn Minuten kamen sie endlich an ihrem Reiseziel an. Die Lehrer schafften es alle Schüler einzusammeln und sie versammelten sich vollständig. Dann mussten sie noch einpaar Schritte laufen, um zu der Jugendherberge zu gelangen. Es war ein großes Haus, in dem sie alle locker Platz hatten. Der Klassenlehrer teilte alle Schüler auf die Zimmer auf. Hiro kam mit Takashi, Ryo und dem Chibi in eines.
„Sensei, können wir heute schon ans Meer?“, fragte der Chibi.
„Nein, wir haben morgen noch genügend Zeit.“
„Oh, schade!“, sagte er geknickt und ging dann mit Hiro in sein Zimmer.

~*~*~*~*~*~

Hiro stand im Zimmer des Lehrers. Er konnte es einfach nicht mit ansehen, wie lustlos ihr Chibi seine Sachen ausgepackt hatte und nun träge im oberen Bett lag. Kurzer Hand hatte sich Hiro entschlossen noch einmal mit dem Lehrer zu reden.
„Bitte, Sensei, könnte ich vielleicht mit Saehara an den Strand gehen? Er hatte sich schon die ganze letzte Woche darauf gefreut.“
„Dann wird er auch noch einen Tag warten können.“
„Aber...“
„Tut mir leid, aber das Meer ist eine Stunde entfernt und er wird bestimmt eine Weile dort bleiben wollen.“
„Warum nicht? Bis zum Abendbrot sind wir wieder da, ich passe auf ihn auf und ich bezahl auch den Bus oder die Bahn. Bitte, Sensei, geben sie mir die Erlaubnis.“
„Sag mal, Maruyama, warum tust du das?“
„Weil ich weiß, wie es ist, wenn man etwas gesehen hat und es einem sofort gefällt. Saehara liebt das Meer, obwohl er es erst einmal gesehen hat. Außerdem hab ich ihm versprochen, dass er das Meer gleich sehen würde, aber als wir dran vorbei gefahren sind hat er geschlafen. Lassen sie uns gehen, wir werden auch nicht lange bleiben, er soll es einfach nur sehen.“
„Mh, ich muss zugeben, ihr habt ihn schnell in den Klassenverband aufgenommen und kümmert euch auch um ihn....Na schön, ich könnt gehen. Aber nur ihr zwei und spätestens zum Abendbrot seid ihr wieder da.“
„Vielen Dank, Sensei!“
Hiro verbeugte sich so tief wie er konnte und ging dann, um dem Chibi die tolle Nachricht zu überbringen.

~*~*~*~*~*~

Voller Freude rannte Masaki auf den Strand zu. Er hätte nie gedacht, dass ihm eine Stunde Busfahrt mal wie eine Ewigkeit vorkommen würde. Doch nun war er endlich am Meer und würde die zwei Stunden die sie hatten auch genießen.

Hiro setzte sich in den weichen Sand und sah dem Chibi dabei zu, wie er immer wieder vor den ankommenden Wellen weghuschte und dann wieder näher ran ging. Ganz gleich wie intelligent der Kleine auch war, so war er immer noch ein Kind. Diese Tatsache sollten Hiro und die anderen nicht vergessen.
Er wurde stutzig, als der Chibi plötzlich seine Schuhe auszog und die Hosen bis zum Knie hochkrempelte. Mutig ging er wieder näher an das Wasser heran und lief nicht weg, als es seine Füße umspielte. Ein zufriedenes Lächeln zierte das niedliche Gesicht und der aufkommende Wind verstrubbelte die kurzen, braunen Haare. Zufrieden sah Hiro sich das Schauspiel an. Es tat dem Chibi gut jetzt hier zu sein.

Ein wohliger Schauer lief Masakis Rücken hinunter, als das kühle Nass seine nackten Beine berührte. Solang hatte er das nicht mehr gemacht und es war immer noch so schön wie beim ersten Mal.
Entspannt schloss er seine Augen. Das sanfte Rauschen des Meeres hallte in seinen Ohren wieder und das Gekreische der Seemöwen klang wie Musik. Der Geruch von Salz, Sauerstoff und Fisch stieg ihm in die Nase, die zusammen einen unverkennbaren Duft hinterließen, den jeder mochte. Und er spürte die wärmenden Strahlen der Sonne auf seiner blassen Haut. Ja, hier war es schön und dass er jetzt hier war, hatte er nur einem zu verdanken. Hiro.
Er drehte sich zu dem Älteren um und lächelte ihn sanft an.
„Vielen Dank, Hiro-san.“

Beinahe blieb Hiro die Luft weg, als der Chibi ihn ansah. Sein Herz fing automatisch etwas schneller an zu schlagen. Durfte ein Kind jemanden eigentlich so ansehen? Für dieses süße Lächeln brauchte man garantiert einen Waffenschein.
Erst jetzt, nach einer Woche betrachtete Hiro ihren neuen Klassenkameraden genauer. Das er ein hübsches Gesicht hatte stand außer Frage. Doch da war noch mehr. Er war viel zierlicher und schlanker als andere in seinem Alter, hatte schmale Schultern, schmale Hüften. Trotz seiner Größe lange, schlanke Beine und einen niedlichen kleinen Hintern. Egal wie man es sah, der Chibi war zum anbeißen süß.
*Verdammt noch mal, Hiro, was denkst du da eigentlich.*
Um sich wieder abzulenken ging er auf das Wasser zu, zog ebenfalls seine Schuhe aus, krempelte seine Hose hoch und tauchte mit dem Kopf unter. Die Kälte an seinem Kopf tat gut und machten seinen Verstand wieder klarer. Solche Sachen, durfte er nie wieder denken.

Überrascht sah Masaki Hiro dabei zu, wie der immer wieder den Kopf ins Wasser hielt. Nach ungefähr fünf Minuten, hörte er damit auf und sah ihn grinsend an.
„Das hab ich gebraucht. Mir hat die ganze Zeit die Sonne auf den Kopf geschienen.“
„Ach so und ich hab schon gedacht, du hättest sie nicht mehr alle.“, grinste nun Masaki.
„So, hast du? Dann will ich dir mal das Gegenteil beweisen.“
Lachend rannte Masaki vor dem Älteren weg. Dieser folgte ihm natürlich und war ihm immer verdächtig nahe. Noch eine ganze Weile tobten sie so herum, bis Masaki sich einfach keuchend in den Sand fallen ließ. Das hatte Spaß gemacht. Mit einem Freund rum zu toben und zu albern war herrlich. Ein Schatten legte sich über ihn und er sah durch halb geöffnete Augen nach oben. Vor ihm stand Hiro und hielt seine Schuhe in der Hand.
„Komm, Chibi, wir müssen los.“
Masaki nickte und stand auf. Gemeinsam gingen sie dann wieder zur Bushaltestelle.

~*~*~*~*~*~

Das Abendbrot verlief normal. Das heißt es war laut, wurde viel geredet und keiner der Lehrer störte sich daran. Danach gingen sie erst einmal wieder in ihre Zimmer.
Als Hiro den Raum betrat, waren die anderen drei schon anwesend. In den Zimmern standen Doppelstockbetten. Takashi schlief unten und über ihm Ryo. In dem anderen schlief Hiro unten und der Chibi über ihm. Doch nun saß der auf seinem Bett und blätterte in einem Buch. Als er bemerkte, das Hiro anwesend war, sah er ihn entschuldigend an.
„Stört es dich, wenn ich hier sitze.“, fragte er schüchtern.
Hiro schüttelte den Kopf und setzte sich neben den Chibi.
„Nein, nein. Was ist das?“
„Das hat mir meine alte Klasse als Abschiedsgeschenk geschenkt, damit ich sie nicht vergesse. Da sind alle Bilder drinnen, seit ich zu ihnen gehörte.“
„Darf ich es mir mal ansehen?“
„Mh...“
Hiro blätterte die Seiten durch. Es war wirklich hübsch gemacht und unter einigen Bildern waren auch noch Kommentare geschrieben. Der Chibi musste in seiner ehemaligen Klasse wirklich sehr beliebt gewesen sein.
Er wollte schon weiter blättern, als Takashi ihn davon abhielt. Auch er und Ryo sahen sich nun das Fotoalbum an.
„He, wer ist denn das niedliche Mädchen?“, fragte Ryo und zeigte auf ein Mädchen mit kurzen, braunen Haaren in einem blauen Sommerkleid.
„Ja, die ist niedlich. War sie deine Freundin?“, fragte nun Takashi.
Verlegen schüttelte der Chibi den Kopf.
„Das bin ich.“
Sein Kopf wurde noch eine Spur röter. Mit entgleisten Gesichtern sahen die drei Jungen ihr Maskottchen an. Hiro betrachte das Bild noch einmal genauer. Stimmt, das war wirklich der Chibi. Solche grünen Augen hatte er bis jetzt bei keinem anderen Menschen gesehen.
„Das war zum Fasching. Da haben sich alle Jungen als Mädchen verkleidet und umgedreht. Es war lustig, aber jetzt ist es mir eher peinlich.“
„Ach wieso, denn? Du siehst doch niedlich aus als Mädchen.“, lächelte Hiro.
Mit prüfenden Blicken wurde er nun von den andern beiden beobachtet.
„Was denn? Stimmt doch, das habt ihr schließlich auch gesagt.“
Resigniert erhoben sich Takashi und Ryo und verließen das Zimmer. Hiro klappte das Buch wieder zu und reichte es Masaki. Dann stand er auf und wollte auch gehen. Doch der Chibi hielt ihn sanft auf.
„Du sagst das doch keinem mit dem Kleid, oder?“, fragte er zweifelnd.

Ein liebevolles Lächeln zierte Hiros Gesicht und er wuschelte Masaki sanft durch die Harre.
„Keine Sorge, ich behalte es für mich und ich sorge dafür, dass die andern beiden es auch tun.“
Noch einmal wuschelte er ihm durch die Haare, ehe er ging.
Verwundert griff sich Masaki an die Stelle, wo Hiro ihn berührt hatte. Es war ein schönes Gefühl gewesen und irgendwie hielt es auch jetzt noch an. Im Geheimen fragte er sich, ob der Älter das wohl noch öfter machen würde, denn dagegen hätte er nicht einzuwenden. 


04. Ein Tag am Meer 

Gut gelaunt ging Masaki mit einem vollbeladenen Teller zu seinen Freunden an den Tisch. Er setzte sich zwischen Hiro und Takashi, ihm gegenüber saß Himeko. Alle Anwesenden sahen ihn überrascht an. Masaki lächelte verlegen. Alles hatte so lecker ausgesehen, so dass er sich nicht entscheiden konnte, was er zum Frühstück essen wollte. Also hat er sich einfach von jedem etwas genommen.
„Pass auf, dass du nicht aufgehst wie ein Hefekloß“, stichelte Takashi.
Demonstrativ legte Masaki seine Hände auf seine Hüfte und sagte lächelnd:
„Keine Sorge, ich bin seit Jahren rank und schlank.“

*Und unglaublich lecker!*
Kaum hatte Hiro dieser Gedanke durchzogen, da schüttelte er schon wieder über sich selbst den Kopf. Wie kam er denn jetzt nur wieder auf solchen Müll? Hatte er das jetzt einfach nur gedacht, weil es dazupasste oder weil er übermüdet war? Wer hätte auch ahnen können, dass der Chibi sich in den Schlaf weinte? Zuerst hatte Hiro es nicht wirklich wahrgenommen, doch die leisen Schluchzer waren immer deutlicher geworden, als er sich darauf konzentriert hatte.
Ihm tat der Chibi leid, denn er hatte bestimmt Heimweh, etwas anderes konnte Hiro sich nicht vorstellen. Meist war das nur in der ersten Nacht so, doch sollte der Kleine an diesem Abend wieder weinen, würde er ihn trösten müssen. Alleine schon aus dem Grund, damit er schlafen konnte.

~*~*~*~*~*~

Ungeduldig wippte Masaki auf den Füßen hin und her und wartete mit seinen Klassenkameraden auf den Bus, den er schon am Vortag mit Hiro genommen hatte. Er war dem Älteren wirklich sehr dankbar gewesen, dass er ihn zum Meer gebracht hatte. Bis heute hätte er es nicht mehr ausgehalten. Und nun würden sie den ganzen Tag am Meer verbringen. Das konnte ja nur toll werden.
Takashi und Ryo hatten ihm schon eine Wasserschlacht vorausgesagt, auf die sich Masaki schon richtig freute. Himeko und ein paar andere Mädchen wollten ihm helfen, schöne Muscheln zu sammeln, die er dann seiner Schwester mitbringen konnte. Wie gerne hätte er sie jetzt hier, zusammen mit ihren Eltern. Genau wie früher.

Der Bus bog um die Ecke und der Lehrer ermahnte seine Schüler noch einmal, sich anständig zu benehmen.

~*~*~*~*~*~

Aufmerksam betrachtete Masaki die Stadt durch das Fenster. Beim letzen Mal war er nicht dazu gekommen. Schmunzelnd dachte er daran zurück, wie aufgeregt er gewesen und wie hibbelig er auf seinem Stuhl ihn und her gerutscht war. Auch dachte er daran, als er Hiro die ganze Zeit mit Fragen gelöchert hatte, wann sie
denn nun da wären. Er hatte dessen Nerven bestimmt ganz schön strapaziert.
Masaki löste seinen Blick und betrachtete seinen Nachbarn nachdenklich. Seit dem Frühstück war Hiro seltsam still gewesen. Auch Takashi musste es aufgefallen sein, denn er hatte ihn beim Packen des Rucksackes fragend angesehen.
Was immer auch passiert war, Masaki hoffte inständig, dass Hiro am Strand wieder so war wie sonst auch und dass er mit ihm so rumalbern würde wie gestern.

Hiro hatte das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden. Aus dem Augenwinkel konnte er sehen, wie sich der Chibi wieder von ihm wegdrehte. Er sah irgendwie niedergeschlagen aus. Aber das dürfte er doch eigentlich nicht, schließlich fuhren sie doch zum Strand und seinem geliebten Meer.
Aufmunternd wuschelte er dem Kleinen durch die weichen Haare, der ihn daraufhin überrascht aus seinen großen Augen ansah. Gott, der Kleine konnte ja so niedlich und unschuldig aussehen.
„Guck nicht so traurig, Chibi! Bald sind wir am Meer, da freust du dich doch drauf?!“
„Ja!“, lächelte dieser und sah dann wieder fröhlich aus dem Fenster.

~*~*~*~*~*~

Endlich am Ziel ihrer einstündigen Fahrt angekommen, erwartete die 11c eine nicht unbedingt angenehme Überraschung. Auch die andere Klasse hatte sich zum Strand begeben und lag nur wenige Meter von ihrem Standort entfernt. Doch davon ließen sie sich erst einmal nicht stören. Solange sie jegliche Begegnung verhindern konnten, stand einem schönen und erholsamen Tag nichts mehr im Wege.

Nachdem sich Masaki der kurze Hose entledigt hatte, ließ er sich auf den weichen Sand plumpsen und versuchte nun noch sein T-Shirt los zu werden, damit er endlich ins Wasser konnte. Doch leider ging das nicht so schnell, wie er es sich erhofft hatte.

Hiro konnte es einfach nicht fassen, wie umständlich ihr Chibi versuchte, sich das T-Shirt auszuziehen und sich mal wieder hoffnungslos darin verhedderte. Das hatte er nun von seiner Ungeduld. Warum mussten kleine Kinder auch immer so aufgedreht sein?
„Na komm, ich helfe dir“, sagte Hiro und kniete sich neben den Kleineren.
Es artete richtig in Arbeit aus, den Chibi von dem T-Shirt-Gewirr zu befreien, doch am Ende hatte er es doch geschafft. Kaum war der störende Stoff weg, da sprudelte es auch schon wieder aus dem Chibi heraus.
„Danke, Hiro-san, du bist mein Lebensretter!“
„Warum das denn?“
„Na weil ich jetzt endlich ins Wasser kann. Und da geh ich jetzt auch hin!

Masaki sprang wie von der Tarantel gestochen auf und rannte zum Meer. Der salzige Geruch stieg ihm in die Nase, doch weit kam er nicht. Mitten im Rennen wurde er am Arm gepackt und zurück gezogen.
„Nix da, erst wird sich eingecremt!“, vernahm er Hiros Stimme.
„Och menno!“, protestierte er, was natürlich keinen Effekt hatte.
Nur wenige Sekunden später war Masaki wieder bei den anderen. An den Schultern wurde er nach unten gedrückt.
„Setzen!“, befahl Hiro.
Nur wiederwillig setzte sich Masaki. Verschränkte aber die Arme vor der Brust und schmollte. Hiro führte sich ja schlimmer auf als seine Mama. Der Ältere benahm sich wie eine Glucke.
Etwas kaltes lief seinen Rücken hinunter und weckte Masaki aus seinen Überlegungen. Schnell setzte er wieder sein schmollendes Gesicht auf, das ihm auf Grund des Schocks abhanden gekommen war.
Hiros Hände führen seinen Rücken rauf und runter und verteilten die Sonnenmilch schön gleichmäßig, zumindestens spürte Masaki es so.
*Kann sein, dass Hiro sich wie eine Glucke aufführt, aber das ist richtig angenehm. Bei Mama ist es ganz anders, nicht sooo schön.*

Unbemerkt verließ ein wohliger Seufzer den Mund des Chibi. Keiner hatte es gehört, nicht einmal der Chibi selbst, nur Hiro.
Eigentlich war die Sonnencreme schon längst in die helle Haut eingezogen, aber er schaffte es einfach nicht, sich zu lösen. Normalerweise müsste er ja einfach nur die Hände weg nehmen, doch die zarte Haut unter seinen Fingern fühlte sich so gut an. Trotzdem, er musste damit aufhören.. Die anderen hatten schon so komisch geguckt, als er ihren Chibi zurück befördert hatte und jetzt konnte er ihm ja schlecht stundenlang über den Rücken streicheln. Ja, es war wirklich schon mehr ein Streicheln als Einreiben. Er musste jetzt aufhören, sofort. Schnell entfernte er seine Hände und glaubte einen leisen Protestlaut gehört zu haben.

„So, fertig. Den Rest kannst du auch alleine machen.“, beendete Hiro seine Prozedur.
„Jaaaa, Mama!“
„Werd nicht frech!“
„Entschuldige, Papa.“
„Chibi!!“
„Bäh!!!“
Masaki streckte dem Älteren frech die Zunge entgegen und schnappte sich die Sonnencreme. Takashi und ein paar andere Jungs waren schon im Wasser. Himeko lag mit ihren Freundinnen auf den Handtüchern und sonnte sich. Hiro legte sich lieber unter den Sonnenschirm. Da er auf dem Bauch lag, merkte er nicht, wie sich Masaki von hinten an ihn heran schlich. Bestimmt glaubte er, der Kleine sei schon im Wasser bei den anderen.
Fies grinsend drückte dieser gerade die Tube Sonnencreme über Hiros Rücken aus. Vor Schreck bäumte Hiroh etwas auf, doch aufstehen konnte er eh nicht, denn Masaki hatte sich einfach auf seine Hüften gesetzt.
„Was soll das, Chibi?“
„Du hast dich auch noch nicht eingecremt.“
Flink huschten Masakis Hände über den breiten Rücken. Jeden noch so kleinen Muskel nahm er unter der straffen Haut war. Es war ganz anders als bei seinem Vater. Angenehmer und irgendwie auch aufregend.

Hiro ließ es über sich ergehen. Er musste dem Chibi ja nicht sagen, dass er sich schon vor der Busfahrt ausgiebig eingeschmiert hatte.
Ein bisschen desorientiert schienen die kleineren Hände über seinen Rücken zu fahren. Überall kribbelte es, wo die weichen Hände seine Haut berührten. Entspannt lag er da und genoss es richtig, doch plötzlich schlug der Kleine ihn auf den Rücken.
„So, fertig“, jubelte er und sprintete dann zum Wasser.
Hiro sah ihm nach. Dieses Kind war genauso aufgekratzt wie am Tag zuvor.

~*~*~*~*~*~

„Nein! Takashi-san, bitte nicht!“, quietschte Masaki.
Doch zu spät. Mit einem lauten Platsch schmiss Takashi den kleinen Jungen ins Wasser, der prustend wieder an der Oberfläche auftauchte.
„Das war gemein!“, schrie Masaki und stürzte sich auf Takashi.
Wieder spritzte das Wasser umher und traf alle Umstehenden, während Masaki und Takashi ihr Gefecht weiter austrugen. Blitzschnell ergriff Ryo Masaki von hinten und drückte ihn unter Wasser. Nun war Takashi vergessen, nur Ryo zählte noch. Schon seit Minuten tobte diese Wasserschlacht, in der der Kleine keine Chance hatte. Trotzdem machte es riesigen Spaß, denn immer mehr Klassenkameraden mischten mit und alle gaben ihrem Maskottchen die Chance, sich zu rächen. Die meisten Mädchen sahen einfach nur zu und kicherten und andere saßen am Strand und beobachteten das bunte Treiben.

~*~*~*~*~*~

Er wusste nicht warum, aber Hiro war sehr froh, dass seine Klasse den Neuen so gut aufgenommen hatten. Keiner konnte sich nach dieser erst kurzen Zeit mehr vorstellen, wie es wäre, wenn ihr Chibi plötzlich nicht mehr da wäre. Jeder mochte ihn und tat alles, damit es ihm gut ging.
Völlig außer Atem kam der Kleine zu ihm. Die kurzen Haare waren klitschnass und die zu groß wirkende Badhose klebte an seinen Oberschenkeln. Rückwärts ließ sich der Chibi in den Sand fallen.
„Ich bin total kaputt.“
„Na gut, dann kann ich ja jetzt gehen“, sagte Hiro und stand auf.
Ruckartig war der Chibi wieder auf den Beinen.
„Dann komm ich mit.“
„Was, willst du etwa auch was zu essen?“
„Ach so, und ich dachte du gehst ins Wasser“, entgegnete der Kleine traurig und scharrte mit dem Fuß im Sand.
Im selben Moment kamen auch Takashi und Ryo wieder zurück.
„Wenn du einmal gehst, kannste mir dann was mitbringen?“, fragte Takashi.
„Klar.“
„Für mich bitte auch“, meldete sich nun auch Himeko.
„In Ordnung. Irgend einen bestimmten Wunsch?“
„Was Warmes“, kam es aus beider Munde.
„Alles klar.“
Hiro kramte noch schnell seine Geldbörse aus dem Rucksack und hoffte inständig, dass er genügend mit sich hatte.
„Du, Hiro-san, darf ich mitkommen?“
„Natürlich. Willst du dir jetzt doch was holen?“
„Nein, ich helfe dir tragen.“
„Danke, Chibi.“

~*~*~*~*~*~

Seit fünf Minuten standen sie nun schon in der Reihe, ehe sie endlich dran waren.
„Drei mal Pommes, bitte. Und was möchtest du?“, fragte Hiro freundlich.
„Gar nichts, danke“, entgegnete Masaki.
„Wirklich nicht?“
„Nein.“
„Ok.“
Hiro bezahlte und dann gingen sie wieder zurück zu den anderen.
„Warum wolltest du denn nichts?“
„Ich kann es dir nicht zurück zahlen.“
„Haben dir deine Eltern kein Taschengeld mitgegeben?“
„Doch, aber ich möchte es nicht ausgeben, sie brauchen jeden Yen.“
„Ach so.“
Damit war das Thema erledigt und Hiro fragte auch nicht mehr weiter. Masaki war froh darüber. Zwar mochte er Hiro sehr, aber er konnte ihm nicht alles erzählen. Es wäre zu kompliziert und er wollte nicht bemitleidet werden.
Plötzlich blieb Hiro stehen und drückte Masaki eine weitere Pommestüte in die Hand.
„Warte hier, ich hab was vergessen.“
Hiro rannte zurück zu dem Kiosk. Verwundert sah Masaki ihm hinterher, wartete aber brav, bis er mit einem Eis wieder bei ihm war.

~*~*~*~*~*~

Masaki gab Himeko und Takashi ihre Pommes und setzte sich dann zusammen mit Hiro unter den Schirm. Gedankenverloren sah Masaki auf das Meer hinaus. Wie wunderschön blau es war und wie herrlich der Himmel aussah. Es war seltsam, aber es war genauso ein Blau wie damals und erinnerten ihn seltsamerweise an Hiros Augen. Er wusste nicht, ob die anderen ihm das geglaubt hatten, aber er fand Hiros Augen wirklich schön. War das denn so schlimm, dass ihn alle gleich so angesehen hatten, als wäre er nicht normal?
„Hier, Chibi, dein Eis!“
Überrascht sah Masaki seinen Freund an, der ihm das Eis vor sein Gesicht hielt.
„Aber...“
„Jetzt nimm schon. Keine Angst, du brauchst es mir nicht zurück zu zahlen.“
„Nein, ich will nicht, dass du für mich Geld ausgibst.“
„Wer sagt denn, dass das Eis für dich war. Eigentlich wollte ich es ja selber essen, aber jetzt hab ich keinen Appetit mehr“, zwinkerte Hiro. „Jetzt nimm schon, ehe ich es wegschmeiße.“
Dankend nahm Masaki die süße Leckerei entgegen und schleckte, was das Zeug hielt. An so einem heißen Tag, war ein Eis genau das Richtige.

Hiro sah dem Kleinen zufrieden zu, wie er das Eis verputzte und auch Himeko und Takashi, die das Gespräch mitbekommen hatten, sahen ihren kleinen Freund zufrieden an. Ganz gleich, warum er sich nichts kaufen wollte oder Geschenke ablehnte, die Hauptsache war doch, er war glücklich.

~*~*~*~*~*~

Faul lagen alle am Strand und sonnten sich. Selbst ihr kleiner Wirbelwind, der eigentlich nicht aus dem Wasser gehen wollte, war eingeschlafen. Vorsichtshalber hatte Himeko ihn mit einem feuchten Handtuch zugedeckt, damit er keinen Sonnenbrand auf dem Rücken bekam. So blass, wie ihr Chibi war, hätte es trotz Sonnencreme schnell passieren können.
Himeko zog ihre Sonnenbrille nach unten, als ein Schatten die Sonne verdeckte. Auch andere hatten von ihrer Tätigkeit aufgesehen. Alle blickten sie nun Kôji Furuhata misstrauisch an, der zusammen mit anderen Jungen aus seiner Klasse vor ihnen stand.
„Na, ihr Nullen, keine Kraft mehr?“
„Mach nen Abflug, Furuhata“, entgegnete Hiro kühl.
Er sprach für seine ganze Klasse und keiner wiedersprach ihm.
„Schade, wir wollten euch eigentlich zu einem kleinen Volleyballspielchen herausfordern. Aber wenn ihr gleich aufgebt...“
Herausfordernd sah Kôji die anderen an und warf dabei den Ball immer wieder etwas in die Luft.
„Du meinst doch eher einen Wettkampf.“
„Richtig geraten, Honda! Also, was ist?“
„Ich mach mit!“
Überrascht sahen alle zu dem kleinen Jungen, der Kôji mit leuchtenden Augen ansah.
„Ich darf doch, oder Hiro-san?“
„Äm...“
„Nix da“, fiel Kôji Hiro ins Wort. „Zwerge sind nicht erlaubt.“
„Oh,... schade. Aber du spielst doch, nicht wahr, Hiro-san?“, fragte der Chibi hoffend.
Warum musste der Kleine ihn nur so ansehen? Wie konnte jemand denn diesem Blick wiederstehen? So unschuldigen und freundlichen Augen konnte man doch nichts abschlagen!
„Ja, wir spielen!“