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Email f?r dich Teil 7 - 9

Kapitel 7

Ran hatte es inzwischen aufgegeben, Schuldig überreden zu wollen, ihn wieder herunterzulassen. Stattdessen ließ er sich stumm und ohne weitere Gegenwehr nach oben tragen. In ihrem Zimmer angekommen warf Schuldig die Tür mit einen Tritt hinter sich ins Schloss und stapfte zu ihrem Bett hinüber.

Obwohl Schuldig durchaus sein eigenes Zimmer zugeteilt bekommen hatte, so hatte er bisher noch keine einzige Nacht dort verbracht. Es gab zwar ein Bett und einen Kleiderschrank darin, aber wieso sollte Schuldig denn allein und einsam in diesem Zimmer schlafen, wenn er stattdessen genauso gut zusammen mit seinem Kätzchen in dessen Bett schlafen konnte? Und so war aus „Rans Zimmer“ kurzerhand „Ran und Schuldigs Zimmer“ geworden.

Das andere Zimmer nutzte Schuldig deshalb eher als Abstellkammer. Er stapelte dort seinen gesamten Kram – irgendwo musste er schließlich sein Zeug vor Putzteufelchen Ran „Ich-schmeiß-alles-weg-was-nicht-nützlich-ist-und-Staub-sammeln-könnte“ Fujimiya in Sicherheit bringen. Und auch ein paar Klamotten hatte er dort untergebracht – hauptsächlich Zeug das er nicht wirklich gern anzog und das sonst nur Platz im Kleiderschrank wegnahm – aber den Hauptteil hatte er einfach bei Ran mit eingeräumt. Der hatte schließlich genügend Platz im Schrank – Schuldig hatte sich vorgenommen, Ran irgendwann zu einer ausgedehnten Shopping-Tour mitzuschleifen, damit dessen dürftige Garderobe mal etwas aufgestockt würde.

Aber gerade im Moment interessierte ihn Rans spärlich ausgerüsteter Kleiderschrank eher wenig bis sehr wenig. Nein, im Moment hatte er etwas ganz anderes mit seinem Kätzchen im Sinn. Mit Schwung setzte er Ran auf dem Bett ab, so dass dieser ein paar Mal leicht auf und ab federte.

Ran blickte hinauf in Schuldigs Gesicht. Irgendetwas merkwürdiges musste unten im Blumenladen passiert sein, um Schu derart durcheinander zu bringen. Er wirkte regelrecht verstört. Das konnte Ran an Schus aufgewühltem, ja fast erschüttertem Blick erkennen. Dieser Blick war auch das einzige was Ran daran hinderte, auf der Stelle aufzuspringen und Schu mit ein paar wohlgesetzten Worten zusammenzustauchen – wie dieser es für seine Entführungsaktion eigentlich verdient hätte.

Außerdem hatte Schu seit er Ran aus dem Laden gezerrt hatte noch kein einziges Wort gesagt. Was eher ungewöhnlich war. Schuldig war selten wortkarg. Wenn er genauer darüber nachdachte, hatte Ran ihn eigentlich noch niemals einsilbig oder gar schweigsam erlebt. Erschreckend!

„Schu?“ fragte Ran, „Was ist denn los?“

Doch Schuldig sagte immer noch nichts. Langsam machte Ran sich wirklich Sorgen. So kannte er seinen Schatz gar nicht. Endlich setzte Schu sich in Bewegung. Stumm kletterte er neben Ran auf das Bett, schlang beide Arme um ihn, drückte sich fest an ihn und vergrub seinen Kopf in Rans Halsbeuge.

Eine Weile lagen sie einfach nur so da. Ran spürte Schus warmen Atem in seinem Nacken und versuchte diesen etwas zu beruhigen, indem er ihm sanft über den Rücken strich. Schu sagte noch immer nichts, doch nach ein paar Minuten fing er an sich zu rühren.

Zuerst waren es nur federleichte Küsse, die er auf Rans Hals platzierte. Dann arbeitete er sich langsam weiter nach oben vor und fing schließlich an, an Rans linkem Ohrläppchen zu knabbern. Ran stöhnte leise auf. Das war einer seiner empfindlichen Punkte. Immer wenn Schu das machte, dann schmolz er nur so dahin.

Leise seufzend genoss Ran Schus Liebkosungen, der sich inzwischen vom Ohrläppchen gelöst hatte und die Kinnlinie entlang wanderte, bis er endlich Rans Mund erreicht hatte.

Vorsichtig saugte Schuldig an der Unterlippe, knabberte leicht daran und verwöhnte diesen ach so verführerischen Mund mit kleinen, kurzen Küssen, ohne jedoch in das inzwischen wohlbekannte Reich vorzudringen.

„Schu...“ keuchte Ran zwischen den Küssen, „... was...“

„Schhhh,“ machte Schuldig und legte Ran einen Finger auf die Lippen, um diesen so zum Verstummen zu bringen.

Ran gehorchte und blickte fragend auf. Schuldig erwiderte diesen Blick eine Weile, dann senkte er den Kopf und fing erneut die inzwischen leicht geröteten Lippen zu einem Kuss ein.

Diesmal wollte Schuldig allerdings mehr, und sobald Ran seine Lippen ein wenig öffnete, tauchte er auch sofort mit seiner Zunge in das wunderbare Reich ein. Kostete die verführerische Süße, die sein Kätzchen ausmachte. Niemals würde Schuldig davon genug bekommen können. Wenn er für den Rest seines Lebens nichts anderes mehr tun dürfte, so wäre er zufrieden.

Allein die Geräusche, die Ran immer machte, wenn Schuldig ihn küsste, die kleinen kehligen Laute, das unterdrückte Seufzen, allein das ließ Schuldig völlig wild werden und darüber fast jegliche Kontrolle verlieren.

Kurz unterbrach er den Kuss, um dringend benötigten Sauerstoff einzuatmen und Ran den dünnen Rollkragenpullover auszuziehen, dann stürzte er sich erneut ausgehungert auf sein Kätzchen. Gierig saugte er an der Stelle genau zwischen Schulter und Hals. Dann hob er den Kopf und betrachtete zufrieden den neuen Knutschfleck, den er soeben auf Rans blasser, zarter Haut hinterlassen hatte.

Zärtlich strich Schuldig mit einem Finger über die älteren, bereits etwas verblassten Male, die Rans Hals zierten. Sein Kätzchen trug in letzter Zeit aus gutem Grund meistens Oberteile mit Rollkragen, und wenn es nach Schuldig ginge, dann würde das auch in Zukunft so bleiben. Ihm gefiel es, sein Kätzchen derart zu markieren und jedem zu zeigen, das Ran nur ihm gehörte. Vielleicht sollte er Ran dazu überreden, mal wieder etwas ohne hohen Kragen zu tragen, damit diese verrückten Mädchen die Flecken auch sahen. Andererseits, wer wusste schon was diese Gören in ihren Köpfen daraus wieder machen würden! Schuldig schauderte kurz. Dann widmete er sich wieder hingebungsvoll seinem Kätzchen.

Ran hatte genießerisch die Augen geschlossen und atmete heftig. Er konnte kaum klar denken, wie eigentlich immer wenn Schuldig anfing seinen Körper zu liebkosen. Er wusste nicht wie der Telepath es anstellte, aber sobald Schuldig ihn berührte, verlor Ran jegliche Kontrolle über sich selbst. Dann übernahm sein Körper die Führung, schaltete seinen Verstand völlig aus und wollte nur noch mehr – mehr von den Berührungen, mehr von den Küssen, mehr von diesem Rausch.

Schuldigs Mund schloss sich um eine Brustwarze, und Ran stöhnte laut auf. Inzwischen stand sein Körper in Flammen, er war fast schmerzhaft erregt und alles was er noch wollte war Erlösung. Doch scheinbar hatte Schuldig es sich in den Kopf gesetzt, ihn langsam aber sicher in den Wahnsinn zu treiben.

Schus Hände schienen überall zu sein, nur nicht da wo Ran sie so dringend brauchte, und sein Mund biss und knabberte sich über Rans gesamten Oberkörper, aber nicht wirklich tiefer als den Bauchnabel. Und dabei ließ er sich Zeit. Jede Berührung war quälend langsam und träge. Schuldig schien wirklich keinen Millimeter Haut auslassen zu wollen.

„Schu...“ stöhnte Ran atemlos und versuchte Schuldigs Kopf in die richtige Richtung zu dirigieren, „... quäl mich nicht...“

Doch Schuldig ließ sich nicht beirren, er griff nach Rans Händen, drückte sie neben dessen Körper auf das Bett und hielt sie dort fest. Ran stöhnte frustriert auf.

Endlich kam Schu bei Rans Hosenbund an und Ran wollte schon erleichtert aufatmen. Sicherlich würde Schu ihn jetzt loslassen und ihm die Hose ausziehen, oder? Wie könnte er das schließlich ohne Hände machen? Und sobald Rans Hände wieder frei waren, würde er dafür sorgen, das auch Schu nicht länger so ruhig und fast gelassen bleiben konnte. Er würde nach ihm greifen, ihn von dieser lästigen Kleidung befreien und dann würde er Schu ebenso in den Wahnsinn treiben, wie dieser es gerade mit ihm tat.

Doch statt ihn loszulassen warf Schu ihm nur einen schelmischen Blick zu, bevor er sich daran machte, Rans Hose mit den Zähnen zu öffnen. Eine kleine Ewigkeit benötigte er allein für den Knopf, und Ran war kurz davor, vor Frustration loszuheulen, doch dann hatte Schu es endlich geschafft. Der Reißverschluss ging schon etwas schneller, obwohl Schuldig sich wirklich alle Zeit der Welt ließ.

Dann endlich war die Hose offen, und Schuldig ließ Rans Hände los, um diesem die Hose komplett auszuziehen. Doch Ran war inzwischen so benommen, das er die Gelegenheit nicht ergriff und nur keuchend liegen blieb.

Schuldig setzte sich einen Augenblick auf seine Fersen zurück und betrachtete das Bild vor ihm. Sein Kätzchen lag vor ihm, in all seiner Pracht, die zarte Haut leicht gerötet und mit einem feinen Schweißfilm überzogen, die amethystfarbenen Augen verschleiert vor Lust und die stolze Erregung ihm entgegengereckt. Schuldig hatte niemals etwas schöneres gesehen. Und all das gehörte ihm! Und wenn es nach Schuldig ging würde auch niemand anderes dieses Bild jemals zu sehen bekommen! Diese lüsternen Mädchen konnten sich vorstellen was sie wollten, aber nur er, Schuldig, wusste wie die Realität aussah!

Zärtlich streichelte Schuldig die schlanken Beine entlang, platzierte hier und da einen kleinen Kuss und näherte sich so langsam aber sicher dem Zentrum von Rans Lust.

Sein Kätzchen wand sich und keuchte und flehte ihn immer wieder an, sich doch endlich zu beeilen, doch Schuldig ließ sich Zeit. Er wollte es auskosten. Er würde es zwar niemals zugeben, aber diese Mädchen unten im Blumenladen... Die hatten ihn wirklich erschüttert. Sie waren jung, und hübsch, und sie boten sich Ran geradezu schamlos an – zumindest in Gedanken. Aber was wenn eine von ihnen einmal ernst machen würde? Was wenn er, Schuldig, Ran irgendwann einmal nicht mehr genug wäre?

Natürlich, wenn Schuldig rational darüber nachdachte, dann war ihm klar, das derartige Gedanken völlig albern waren – die Mädchen schienen nicht gerade Rans Typ zu sein. Außerdem liebte Ran ihn schließlich, und Ran war niemand, der solche Worte einfach nur dahersagte – aber gerade im Moment wollte Schuldig gar nicht wirklich rational denken. Im Moment wollte er sein Kätzchen lieben und in Ekstase versetzen, und sich jeden Millimeter Haut, jedes Geräusch das Ran machte und jede einzelne Sekunde ihres Zusammenseins in sein eigenes Gedächtnis – und in das seines Kätzchens – einprägen.

Schuldig schob Rans Beine ein wenig auseinander, so das er bequem zwischen ihnen liegen konnte und drückte einen Kuss in die blutroten Locken dazwischen. Sein Kätzchen war tatsächlich ein echter Rotschopf – amüsiert dachte Schuldig an den Handtuch-Zwischenfall vor gut zwei Wochen zurück, als ihn nichts brennender interessiert hatte als die Klärung dieser Frage. Er hatte nicht einmal gemerkt, das er verletzt war und geblutet hatte, so abgelenkt war er von Rans Bekleidung, beziehungsweise dem Mangel daran, gewesen.

„Verdammt noch mal, Schuldig!“ rief Ran atemlos, „Ich bring dich um wenn du nicht endlich was unternimmst!“

Schuldig grinste kurz zu Ran hoch, dann senkte er seinen Kopf und leckte einmal kurz über die feuchte Spitze, die sich ihm verlangend entgegenreckte. Als er endlich seinen Mund darum schloss, schrie Ran laut auf. Schuldig verwöhnte sein Kätzchen mit seinem Mund, seinen Zähnen und seiner Zunge, und da Ran sowieso schon verdammt nahe am Abgrund gestanden hatte, dauerte es nicht lange, ihn über die Kante zu schubsen. Mit einem erlösten Aufschrei ergoss sich sein Kätzchen in seinen Mund, und Schuldig schluckte alles der leicht salzigen Substanz.

Während Ran noch immer in den Nachwehen des Orgasmus völlig benommen dalag und versuchte zu Atem zu kommen, zog Schuldig sich rasch aus. Dann griff er sich die vielbenutzte Tube Gleitgel, die auf dem Nachttisch lag und kniete sich erneut zwischen die Beine seines Kätzchens.

„Schu...“ hauchte Ran, griff matt nach Schus orangem Haarschopf und zog daran. Und obwohl er völlig verausgabt war und wahrscheinlich nichtmal mehr die Kraft hatte, ein kleines Kätzchen zu heben – Ran grinste kurz innerlich bei diesem Wortspiel – so gab Schuldig seinem Zerren nach und ließ sich nach oben ziehen.

Ran streichelte mit seiner rechten Hand – die linke war noch immer in Schus Mähne vergraben – kurz über das geliebte Gesicht, bevor er es noch näher zog und Schuldig küsste. So vertieft war er in diesen Kuss, das er den ersten feuchten Finger, der langsam in ihn eindrang, gar nicht bemerkte. Als Schu jedoch fast sofort auf Anhieb seine Prostata traf, bemerkte Ran es sehr wohl. Mit einem lauten Keuchen bäumte er sich auf, drückte den Rücken durch und versuchte sich noch tiefer auf den Finger zu schieben.

„Mein Kätzchen...“ hauchte Schu an Rans Ohr und schob einen weiteren Finger in die enge Öffnung. Langsam und gründlich weitete er Ran, machte Dreh- und Scherenbewegungen, nahm schließlich noch einen dritten Finger hinzu und sorgte dafür, das er immer wieder Rans süßen Punkt traf.

Als er Ran schließlich für geweitet genug hielt, zog Schuldig seine Finger heraus und brachte seine eigene, inzwischen ebenfalls großzügig mit Gleitgel überzogene Erregung in Position. Und dann drang er langsam in sein Kätzchen ein.

Nach, wie es ihm schien, einer Ewigkeit war er endlich vollständig in Ran versunken und hielt kurz inne, um diesem Gelegenheit zu geben, sich an ihn zu gewöhnen. Schuldig schloss die Augen und lehnte seine Stirn an Rans Stirn. Egal wie oft sie beide miteinander schliefen – und in den letzten zwei Wochen hatten sie wirklich keine Gelegenheit verstreichen lassen, völlig egal wer von ihnen beiden wen nahm – aber jedes Mal wenn er sich in Rans Körper versenkte war es wie das Erste Mal. Es war so – richtig! Anders konnte Schuldig es gar nicht beschreiben. Rans Körper passte ihm wie ein maßgeschneiderter Handschuh – so albern das auch klang – er war heiß, und eng, und schien wie nur für ihn geschaffen.

Ran sah hinauf in das vor Entzücken verzogene Gesicht seines Liebsten, dessen Härte heiß und tief in ihm pulsierte und lächelte leicht. Schuldig liebte es, einfach nur tief in ihm versunken dazuliegen – manchmal machte er es minutenlang, doch heute hatte Ran nicht die Geduld dazu. Deshalb schloss er seine Beine um Schuldigs Hüften und presste einmal kurz seine inneren Muskeln zusammen, um Schuldigs Aufmerksamkeit zu erregen. Und tatsächlich, Schuldig keuchte und riss seine Augen auf, um auf Ran hinabzustarren.

„Beweg dich!“ befahl Ran, grinste kurz zu Schuldig hoch und presste noch einmal seine inneren Muskeln zusammen.

Schuldig keuchte noch einmal, und dann tat er endlich, was sein Kätzchen von ihm verlangte. Langsam zog er sich fast vollständig aus Ran zurück, nur um dann fast genauso langsam wieder bis zum Ansatz in ihm zu versinken. Eine zeitlang behielt er dieses Schneckentempo bei, doch schon bald steigerte er den Rhythmus – auch Schuldig war inzwischen derart erregt, das er sich kaum noch zurückhalten konnte – und auch gar nicht zurückhalten wollte.

Immer schneller und heftiger stieß er in sein Kätzchen, traf dabei mit fast jedem Stoß dessen Prostata und trieb sie beide immer höher und höher, der Erlösung entgegen. Mit einer Hand griff er zwischen ihre beiden Körper und pumpte Rans inzwischen zurückgekehrte Erektion im selben Rhythmus seiner Stöße.

Mit einem langgezogenem „Schuuuuuuuu....“ kam sein Kätzchen zum zweiten Mal und ergoss sich in Schuldigs Hand und über seinen Bauch. Rans Muskeln zogen sich zusammen, umschlossen Schuldig noch enger, und nach zwei, drei weiteren Stößen war es auch um Schuldig geschehen. Den Namen seines Kätzchens stöhnend erreichte er den Orgasmus, bevor er einfach auf Ran zusammenbrach und den Kopf in dessen Halsbeuge verbarg.

Ran hob schwach die Arme und legte sie leicht um Schuldig, der keuchend auf – und noch immer in – ihm lag. Wie lange sie beide so dalagen, atemlos und völlig erschöpft konnte keiner von ihnen sagen, aber irgendwann seufzte Schuldig schließlich auf, glitt aus Ran heraus und rollte sich von ihm runter. Er legte sich neben sein Kätzchen und zog es in eine feste Umarmung.

„Schu?“ murmelte Ran an Schuldigs Schulter.

„Hm?“ antwortete Schuldig. Er war wirklich müde und hätte jetzt nichts gegen ein kurzes Nickerchen einzuwenden.

„Nicht das ich mich beschweren möchte – aber was war das eben?“

Schuldig lehnte sich zurück und sah Ran ins Gesicht. „Was das war?“ fragte er und zog eine Augenbraue hoch. „Das weißt du nicht? Muss ich jetzt mit den Bienen und Blumen anfangen?“

„Haha, sehr witzig,“ sagte Ran und knuffte ihn spielerisch in die Schulter. „Du weißt genau was ich meine!“

Schuldig seufzte und zog Ran wieder enger an sich. „Diese Mädchen...“ Schuldig schauderte erneut bei der Erinnerung. „Du hast ja keine Ahnung, was die alles gedacht haben! Über dich und mich und die anderen, die im Laden arbeiten. Aber hauptsächlich über dich! Die haben dich in Gedanken ausgezogen!“

Jetzt lehnte Ran sich etwas zurück, um Schuldig verblüfft anzustarren. „Baka! Ist das alles? Deswegen warst du so verstört?“

Schuldig starrte zurück. „Stört dich das denn gar nicht? Das die dich in Gedanken ausziehen und noch ganz andere Sachen machen?“

„Nein, das stört mich nicht. Außerdem muss man wirklich kein Telepath sein, um zu wissen, das all die Mädchen garantiert nicht wegen der Blumen täglich bei uns im Laden sind. Yoji, Ken, Omi und mir ist durchaus bewusst, dass die Mädchen sich uns in Gedanken nackt vorstellen!“

Schuldig starrte Ran mit einem so verblüfften Gesichtsausdruck an, das Ran unwillkürlich lachen musste.

„Oh Schu,“ kicherte er und kuschelte sich wieder näher an Schuldig heran, „Bleib in Zukunft einfach aus den Köpfen der Mädchen heraus, dann ist alles ok. Es ist doch völlig egal, was die denken, solang sie Geld bei uns ausgeben, können sie von mir aus denken was sie wollen. Und es ist ja nicht so, als würden sie tatsächlich was tun.“

Schuldig grummelte leise vor sich hin. Ran hatte ja gut reden, bleib aus den Köpfen der Mädchen! Als ob das so einfach wäre!

„Na gut,“ seufzte er nach einer Weile, „Ich werds in Zukunft versuchen. Aber wenn mich noch einmal eine in den Hintern kneift, dann kann ich für nichts garantieren!“

„WAS???“ Ran setzte sich abrupt auf und starrte auf Schuldig hinab. „Dir hat jemand an den Hintern gefasst? Wer war das? Wie kann sie es wagen? Na warte, der werd ich was erzählen! Das ist MEIN Hintern, den darf nur ich kneifen und niemand sonst!“ Aufgebracht versuchte Ran sich aus den zerwühlten Laken zu befreien.

Schuldig grinste und schloss seine Arme um Rans Taille. „Bleib da, Ran, das Mädchen ist inzwischen wahrscheinlich schon lange weg!“

Ran zappelte noch eine Weile rum, bevor er sich in Schuldigs Umarmung ergab und sich seufzend zurücklehnte. Aber das Thema war noch lang nicht erledigt! Er würde schon rausfinden, wer da so einfach fremdes Eigentum betatschte, und dann würde ihr das noch leid tun! Jawohl!

Schuldig grinste noch breiter, als er auf sein verärgertes Kätzchen hinabblickte. Endlich schien Ran sein Grinsen aufzufallen.

„Was?“ machte Ran irritiert.

„Das ist also dein Hintern, hm?“ fragte Schuldig amüsiert.

Ran verschränkte die Arme vor der Brust und kniff die Augen zusammen. „Ganz genau, das ist er. Irgendwas dagegen einzuwenden?“

Immer noch grinsend schüttelte Schuldig abwehrend den Kopf. „Oh nein, nicht doch. Wie käme ich denn dazu?“

Ran sah ihn noch einen Moment prüfend an, dann sagte er, „Gut.“

Schuldig lachte leise. „Wie wärs wenn du mich und meinen – Verzeihung, DEINEN Hintern unter die Dusche begleitest?“

„Du kannst wohl meine Gedanken lesen,“ sagte Ran und grinste ihn frech an.

„Haha,“ machte Schuldig und rollte mit den Augen, bevor er aufstand und seinen Ran hinter sich her zum Bad zerrte.



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Kapitel 8


Völlig erschöpft schloß Brad die Tür des Blumenladens hinter dem letzten Mädchen. Endlich waren sie alle weg. Schuldig würde ja sowas von dafür büßen müssen das er ihn völlig unvorbereitet in diese unglaubliche Hölle geschickt hatte! Und noch dazu ganz allein! Das Brad im Grunde selbst daran Schuld war, das er so leicht zu überrumpeln gewesen war ignorierte er im Moment einfach mal. Schuldig würde büßen und damit basta!

Andererseits, vielleicht sollte er Schuldig eher dankbar sein. Brad war nämlich durchaus bewusst, das Yoji ihn vorhin nur aufgrund Schuldigs Erpressung geküsst hatte. Was aber nichts am Ergebnis dieser ganzen Aktion änderte – Brad hatte einen der heißesten Küsse seine gesamten Lebens bekommen – wahrscheinlich den heißesten überhaupt.

Also war Schuldigs Konto im Moment ziemlich ausgeglichen. Brad würde ihm den Überfall von vorhin wohl vergeben. Man könnte jetzt natürlich annehmen, das Brad eher verärgert über Schuldig sein würde – schließlich hatte dieser Yoji dazu gezwungen, etwas zu tun, was Brad lieber freiwillig von Yoji bekommen hätte. Aber Brad war nicht wirklich verärgert. Erstens kannte er Schuldig lang genug – und wenn seine Visionen in letzter Zeit nicht so unzuverlässig gewesen wären, dann hätte er mit Sicherheit schon längst erraten, welches Spiel dieser mit Yoji getrieben hatte. Und zweitens hatte Brad dadurch etwas sehr wichtiges erfahren – Yoji war nämlich alles andere als unberührt geblieben von ihm! Brad hatte das Stöhnen und Yojis Erektion sehr wohl mitbekommen.

Und auf dieser Grundlage ließ sich aufbauen. Brad konnte geduldig sein. Jetzt wo er wusste das es nicht zwecklos war, würde er Yoji schon noch irgendwann rumbekommen. Mit Hilfe seiner Visionen wäre es doch wirklich ein Klacks Yoji in die Richtung zu lenken, in der Brad ihn haben wollte. Er würde ihm zwar jetzt im Moment erstmal etwas Abstand gestatten – Brad war Yojis erschrockene, fast panische Reaktion schon aufgefallen – auch wenn er den Eindruck gemacht hatte, als würde er in ganz anderen Sphären schweben.

Ok, was die anderen gemacht hatten, hatte Brad tatsächlich nicht mitbekommen. Wozu auch? Aber ihm war keine Bewegung und kein Wort entgangen, die von Yoji kamen. Vielleicht war er ja doch völlig weggetreten gewesen. Aber zurück zum eigentlichen Thema.

Er würde Yoji jetzt etwas Freiraum geben und ihm erstmal nur Freundschaft anbieten. Und dann, wenn Yoji sich in seiner Anwesenheit nicht mehr unbehaglich fühlen würde, dann würde Brad zuschlagen! Yoji würde keine Chance haben gegen ihn! Ja, das war ein wirklich guter Plan! Brad war absolut stolz auf sich. Es hatte eben schon einen guten Grund, warum ausgerechnet er der Anführer von Schwarz war – und nicht etwa Farfie!

Brad öffnete die Tür die den Blumenladen mit ihrem Haus verband und lief über den Korridor in Richtung seines Büros. Von oben konnte er die Dusche rauschen hören – und noch ganz andere Geräusche. Brad verdrehte gequält die Augen. Gooott, waren die beiden etwa schon wieder dabei? Allerdings, so wie er Schuldig kannte waren sie jedoch wohl eher immer noch dabei. Schuldig hatte starke Ähnlichkeiten mit dem Energizer-Bunny, überlegte Brad. Ob es wohl helfen würde, wenn er ihm die Batterien rausnehmen würde? Brad grinste kurz. Vielleicht wäre Ran ihm ja sogar dankbar, immerhin würde dieser dann mal wieder eine Nacht durchschlafen können, ohne von Schuldig besprungen zu werden.

Moment mal! Brad hielt empört inne. Schuldig hatte ihn völlig unvorbereitet den Löwen – tschuldigung, den kreischenden Mädchen – zum Fraß vorgeworfen, nur um Ran am hellichten Tag flachlegen zu können? Das war ja wohl nun wirklich die Höhe! Konnte er damit nicht bis zum Feierabend warten? Brad wäre am liebsten sofort hochgegangen um den beiden gehörig seine Meinung zu sagen, aber dann entschied er sich doch dagegen. Er musste kein Orakel sein, um zu wissen, das sich der Anblick, der sich ihm dann bieten würde, mit Sicherheit auf Dauer in sein Gehirn brennen würde. Aber nicht im positiven Sinne. Das letzte was Brad wollte war Schuldig nackt und in voller Aktion zu sehen! Bei Yoji hingegen wäre das natürlich etwas völlig anderes...

Brad seufzte auf. Langsam angehen, er würde es langsam angehen! Verdammt! Yoji nicht verschrecken und dann zuschlagen, wenn dieser es nicht mehr erwartete! So war der Plan! Und die Pläne von Brad Crawford funktionierten immer. Solange man sich daran hielt. Und genau das würde er tun.

Wo er gerade vom Teufel – oder vielmehr Kätzchen – sprach. Wo blieb Yoji eigentlich? Er, Omi und Nagi hätten eigentlich schon längst von ihrem Hit wieder zurückgekehrt sein sollen. Wie schwer konnte es schon sein, dieses Lagerhaus zu durchsuchen und eventuell gefundene Vorräte der Marionetten-Droge zu vernichten? Obwohl Brad nicht wirklich damit rechnete, das die drei tatsächlich noch irgendwelche Drogen finden würden. Er hielt Gänseblümchen nicht für so dumm, die Drogen noch immer dort aufzubewahren, nachdem Ran und Schuldig ihm vor zwei Wochen einen Besuch in dessen Firmenzentrale abgestattet hatten.

Aber Brad und Ran waren der Meinung gewesen, das die beiden Gruppen mehr Vertrauen zueinander fassen sollten um danach effektiver funktionieren zu können. Und so hatten sie sich eine Reihe einfacher, schnell zu lösender Missionen ausgedacht, auf die sie die beiden Teams in den verschiedensten Kombinationen schicken wollten. So würden sie lernen miteinander zu arbeiten und sich gegenseitig zu vertrauen. Schließlich würden sie sich aufeinander verlassen können müssen, wenn sie dann später einen richtigen Auftrag zu erledigen hatten.

Und die Mission die Yoji, Omi und Nagi zu erledigen hatten war wirklich einfach und schnell zu lösen gewesen. Wieso also waren die drei noch nicht zurückgekehrt? Waren sie etwa auf unvorhergesehene Schwierigkeiten gestoßen? Aber das konnte doch gar nicht sein, Brad hätte doch sicherlich eine Vision gehabt, wenn diese Mission gefährlicher werden würde als gedacht.

Verdammt, hatte das etwa zu bedeuten, das sich die Unzuverlässigkeit seiner Visionen nun auch auf den professionellen Bereich erstreckte? Brad hatte schon früher nicht immer Visionen über Ereignisse die das Privatleben betrafen erhalten oder gar erzwingen können. Aber was das berufliche anging hatte ihn seine Fähigkeit bisher noch niemals im Stich gelassen! Konnte es sein das er die drei unwissentlich in eine Falle hatte laufen lassen?

Beunruhigt tigerte Brad in seinem Büro auf und ab. Was sollte er tun? Sollte er losziehen und Yoji suchen? Aber wenn ihm etwas passiert war, dann würden er sich mit Sicherheit nicht mehr im Lagerhaus befinden. Und wenn ihm nichts passiert war, dann würden er es ihm garantiert nicht verzeihen, wenn er ihm hinterher gedackelt käme. Das sähe so nach Überwachung aus. Und außerdem würden die drei dann auch noch rausfinden, das sie gar keinen richtigen Auftrag zu erledigen hatten. Ran und Brad hatten das eigentlich vermeiden wollen. Die Mitglieder ihres Teams konnten manchmal so furchtbar kindisch sein. Also was sollte er tun?

„Hallo, Erde an Brad! Ist jemand zu Hause? Klopf, klopf."

Eine Hand wedelte nur Millimeter vor Brads Augen und Brad schrak zusammen. Völlig verdutzt starrte er auf Schuldig, zu dem diese Hand gehörte und der vor ihm stand und offenbar schon seit einiger Zeit versucht hatte, Brads Aufmerksamkeit zu erregen.

„Huh?" fragte Brad wenig intelligent. Er war im Moment einfach noch viel zu abgelenkt und verblüfft, um angemessen zu reagieren. Und außerdem zehrte die Sorge um Yoji und den anderen an ihm.

„Wow, Yoji muss ja ein echt verdammt guter Küsser sein, wenn du noch immer derart weggetreten bist!" Schuldig grinste Brad extrem breit an.

„Ha ha, sehr witzig," sagte Brad und konnte es gerade noch verhindern, das er rot anlief. Es wurde wirklich höchste Zeit, das er sich wieder einkriegte. Das war ihm noch nie passiert, das ihn jemand derart überrumpelt hatte. Und dann ausgerechnet auch noch Schuldig! Der würde ihm das doch ewig vorhalten! Er konnte nur verzweifelt hoffen das Schuldig wenigstens die anderen nicht auch noch davon informierte.

„Was willst du hier?" fragte er um Schuldig abzulenken – nicht das diesem am Ende doch der leichte Rosaschimmer in Brads Gesicht auffiel!

Schuldig zog eine Augenbraue hoch, grinste noch etwas breiter, verkniff sich jedoch jeden Kommentar. „Ich wollte dich nur beruhigen. Yoji, Omi und Nagi geht es gut. Sie sind schon auf dem Rückweg."

Brad starrte Schuldig verblüfft an. Wie...?

Offenbar konnte Schuldig Brads erstaunten Gesichtsausdruck deuten, denn er rollte nur mit den Augen. „Oh Mann Brad, schlimm genug das Omi, Ken und Yoji ständig verblüfft sind, wenn ich ihre Gedanken lese, aber du? Ich bin ein Telepath, hallo, stell dir vor ich kann Gedanken lesen! Das solltest du inzwischen wirklich wissen!" seufzte er leicht genervt. „Und so laut wie du vorhin gedacht hast KONNTE ich es gar nicht ignorieren, selbst wenn ich es gewollt hätte. Deine Barrieren lassen in letzter Zeit wirklich etwas zu wünschen übrig."

Brad funkelte Schuldig eisig an. „Ich weiß sehr wohl, das du ein Telepath bist, vielen Dank! Mir war nur nicht bewusst, das ich vorhin nicht auf meine Barrieren geachtet habe."

Schuldigs Grinsen kehrte zurück. „Sag ich doch, Yoji muss ein unglaublich guter Küsser sein, so wie er dich aus der Bahn geworfen hat."

Jetzt war es an Brad genervt zu seufzen. Aber wenigstens war Yoji nichts passiert. Das war die Hauptsache. Und natürlich Omi und Nagi auch! Er hatte sie nicht vergessen, oh nein! Er war auch froh, das es diesen beiden gutging! Natürlich war er das! Sie gehörten schließlich zum Team. Genau wie Yoji.

Brad konnte schon wieder spüren, wie leichte Röte in sein Gesicht kroch. Er räusperte sich, nahm schnell hinter seinem Schreibtisch Platz und blätterte geschäftig durch ein paar Akten, die darauf lagen. In der Hoffnung, das Schuldig seine Verlegenheit nicht auffallen würde und das dieser vielleicht verschwinden würde wenn er ihn nicht mehr beachtete.

Doch dieser machte natürlich keinerlei Anstalten Brads Büro wieder zu verlassen. Im Gegenteil, er setzte sich auf einen der Stühle vor Brads Schreibtisch, lehnte sich gemütlich zurück und legte die Beine auf der Tischplatte ab. Brad warf Schuldig einen strafenden Blick zu, aber wie immer ignorierte Schuldig ihn einfach. Vielleicht sollte Brad Ran einmal bitten, ihm das Geheimnis seines Deathglares zu verraten.

„So," sagte Schuldig und begann leicht auf den Hinterbeinen des Stuhls zu kippeln, „Du bekommst also keine Visionen mehr, wie?"

Brad starrte Schuldig böse an. Es gefiel ihm gar nicht, das Schuldig auch diesen Teil seiner Gedanken mitbekommen hatte. Er sollte wirklich besser auf seine Barrieren achten.

„Das geht dich gar nichts an," fauchte er und kniff die Augen zusammen.

„Na, na," tadelte Schuldig ihn grinsend, „Kein Grund mich so anzufahren. Ich versuche doch nur dir zu helfen! Erzähl dem lieben Onkel Schuldig von deinem Problem."

Brad schnaubte abfällig. Ja klar. Schuldig versuchte ihm zu helfen. Am Ende auch noch völlig selbstlos und uneigennützig. Und Brad glaubte auch noch an den Weihnachtsmann. Erneut blätterte er geschäftig in seinen Akten. Vielleicht wenn Schuldig sähe, das er beschäftigt war, würde er ihn endlich in Ruhe lassen.

„Schonmal darüber nachgedacht, woran es liegen könnte?"

Brad ließ seinen Kopf ergeben auf die Tischplatte sinken und konnte gerade noch der Versuchung widerstehen, ihn ein paar Mal auf eben diese Tischplatte zu knallen. Er hätte es sich doch eigentlich denken müssen, das Schuldig nicht so einfach loszuwerden war. Und schon gar nicht mit derart dezenten Methoden. Da musste schon mindestens der Holzhammer her. Wenn Schuldig derart Blut geleckt hatte, könnte ihn höchstens noch ein strippender Ran von der Fährte ablenken.

„Hast du nicht irgendwas zu tun?" fragte Brad und hob seinen Kopf wieder. „Ich meine, etwas anderes AUSSER mich zu nerven!"

Schuldig grinste ihm nur fröhlich zu und schüttelte den Kopf.

„Was ist mit Ran? Kannst du nicht gehen und ihn etwas nerven? Dem scheint das ja offenbar auch noch zu gefallen!" Brad wurde langsam wirklich verzweifelt.

„Ran ist grade beschäftigt. Er wollte noch ein paar Blumengestecke fertig stellen, da kann er mich im Moment sowieso nicht gebrauchen, ich lenk ihn nur ab, behauptet er." Schuldig schien sich blendend zu amüsieren.

„Also, zurück zu deinem Problem."

Brad stöhnte auf und ließ seinen Kopf erneut auf die Tischplatte sinken – diesmal war sogar ein ziemlich lauter Knall zu hören. Er schien wohl nicht darum herumzukommen, er würde sich Schuldigs Theorie jetzt wohl oder übel anhören zu müssen. Hoffentlich würden die Schmerzen schnell nachlassen.

„Ich hab vorhin so ein bißchen in deinem Kopf herumgestöbert."

Brad stöhnte erneut auf. Er sollte wirklich sehr viel besser auf seine Barrieren achten!

„Hey, du glaubst doch nicht wirklich, das ich mir so eine einmalige Gelegenheit entgehen lassen würde!" Brad konnte Schuldigs breites Grinsen deutlich hören. Überhaupt, Brad war sich sicher, das Schuldig der einzige Mensch auf der ganzen Welt war, dessen Grinsen man nicht nur sehen, sondern auch sehen, spüren und telepathisch empfangen konnte. Wenn das keine Folter war.

„Wie auch immer," fuhr Schuldig fort, „Mir ist jedenfalls eins aufgefallen, jedes Mal wenn du keine Visionen zu bestimmten Ereignissen bekommen hast, gab es einen gemeinsamen Faktor."

Das erregte nun doch Brads Aufmerksamkeit und er hob seinen Kopf. Es gab einen gemeinsamen Faktor? Wieso war ihm dieser Faktor nicht aufgefallen? Es konnte doch wirklich nicht angehen, das Schuldig etwas aufgefallen war, was ihm, Brad Crawford, entgangen war! Das widersprach jeglichen physikalischen, logischen und sonstigen Gesetzen!

„Einen gemeinsamen Faktor?" fragend blickte Brad zu Schuldig.

„Jep," nickte dieser.

Brad blickte ihn erwartungsvoll an, doch Schuldig schwieg. Scheinbar hatte er inzwischen das Interesse an ihrer Unterhaltung verloren, denn er blickte ganz versunken an die Decke, während er weiter auf seinem Stuhl kippelte.

„Welchen gemeinsamen Faktor?" fauchte Brad, am Ende seiner Geduld.

Schuldig blickte ihn wieder an und grinste breit. „Ts, ts, was sind wir heute wieder gereizt! Du willst mir doch nicht etwa sagen, das es dir nicht aufgefallen ist! Braddy, Braddy, Braddy, du lässt wirklich nach auf deine alten Tage!"

Brad kniff die Augen zusammen. „Schuldig..." knurrte er drohend.

„Yoji."

„Was?" verblüfft setzte Brad sich aufrechter hin und blinzelte Schuldig an.

„Der gemeinsame Faktor. Es ist Yoji."

Brad schüttelte verwirrt den Kopf. Wollte Schuldig damit etwa sagen, das Yoji daran Schuld war, das Brads Visionen nachließen?

Schuldig seufzte auf und rollte mit den Augen. „Oh mann, muss ich es dir aufmalen? Du kannst immer dann nicht in die Zukunft blicken, wenn es sich um Yoji handelt. Wenn die Vision irgendwie etwas mit ihm zu tun hatte. Ansonsten funktioniert deine Gabe wie sonst auch."

Immer noch blinzelnd blickte Brad auf Schuldig. Konnte der Telepath etwa recht haben? Nachdenklich durchforstete er sein Gedächtnis – und tatsächlich, er hatte noch keine einzige Vision gehabt, in der Yoji vorgekommen war.

„Aber..." verstört brach Brad wieder ab. Wie konnte das sein? Und was hatte es zu bedeuten?

„Ich versteh dich gut," mitfühlend nickte Schuldig ihm zu, „Es ist ganz schön beängstigend wenn dich deine Gabe so plötzlich im Stich lässt, nicht wahr?"

Brad sah Schuldig an und ein leichtes Schuldgefühl überkam ihn. Schließlich hatte er es vor drei Wochen einfach in Kauf genommen, das Schuldig seine Telepathie verloren hatte. Und zwar nicht nur teilweise, sondern komplett. Es mußte wirklich schlimm für den Telepathen gewesen sein. Doch Brad riß sich zusammen. Es hatte keinen Sinn, sich jetzt deswegen zu sorgen. Brad hatte es tun müssen, um Weiß und Schwarz zu vereinen, und auch für Schuldig war am Ende alles gut ausgegangen. Immerhin hatte dieser ja jetzt sein "Kätzchen", also konnte Schuldig sich wirklich nicht beschweren.

„Und sieh's mal so," fuhr Schuldig fort, „Es ist doch eigentlich ein gutes Zeichen."

„Ein gutes Zeichen???" Jetzt war Brad wirklich verblüfft. Was konnte daran gut sein, das er keine Visionen von Yoji haben konnte?

„Ja," Schuldig nickte, „Meine Telepathie funktioniert nicht bei Ran, aber dafür funktioniert unsere Beziehung ganz hervorragend. Und deine Visionen funktionieren nicht bei Yoji, aber dafür scheint die Chemie zwischen euch beiden zu stimmen. Mehr als zu stimmen, wenn man davon ausgeht, wie überwältigt du allein von einem einfachen Kuß warst."

Brad blickte sein Gegenüber nachdenklich an. Schuldig hatte gar nicht so unrecht. So seltsam es auch klingen mochte, aber die Beziehung der beiden Rotschöpfe funktionierte tatsächlich ganz hervorragend. Himmel, allein die Tatsache das Schuldig von einer "Beziehung" sprach ohne dabei in Panik oder Gelächter auszubrechen sagte doch eigentlich schon alles!

Und wenn Schuldigs merkwürdige Theorie stimmte, dann würde es bedeuten, das er und Yoji wirklich eine Chance miteinander hatten! Vor allem wenn sich Brads Plan tatsächlich so entwickelte, wie Brad es wollte! Allerdings würde er jetzt in seinen Plan mit einbeziehen müssen, das er Yojis Reaktionen nicht vorhersehen konnte. Das würde einiges an Umstellung erfordern. Vor allem würde er sehr viel vorsichtiger und sorgfältiger vorgehen müssen. Aber am Ende würde er trotzdem gewinnen. Soviel stand für Brad schon fest. Er würde sich nicht mit einer Niederlage zufrieden geben, oh nein. Yoji würde ihm gehören, auch wenn dieser das im Moment noch nicht wahrhaben wollte.

Ein lauter Knall riß Brad aus seinen Überlegungen. Offenbar hatte Schuldig sich während seines Kippelns etwas zu weit nach hinten gelehnt und war nun hintenüber gekippt. Und jetzt lag er am Boden, rieb sich den schmerzenden Kopf und jammerte leise – ok, eher laut – vor sich hin.

„Das hätte ich dir vorher sagen können," sagte Brad und lehnte sich mit einem süffisanten Lächeln in seinem Sessel zurück.

„Und warum hast du das dann nicht?" jammerte Schuldig.

„Weil es so doch sehr viel lustiger war, findest du nicht?"

Einen Moment starrte Schuldig ihn nur beleidigt an, dann stand er auf und verließ laut nach Ran schniefend das Zimmer. Brad schüttelte amüsiert den Kopf. Wie konnte jemand, der als Profikiller arbeitete nur derart wehleidig sein? Er beneidete Ran mit Sicherheit nicht darum, sich jetzt um den quengelnden Telepathen kümmern zu müssen. Ein jammernder Schuldig war nur schwer zu ertragen. Aber Ran schien damit klarzukommen. Ein kleines Grinsen bildete sich auf Brads Gesicht. Vielleicht würde Ran den Schwerverletzten ja wieder mit den Kinderpflastern verarzten.

Wenn er natürlich gewusst hätte, wie effektiv er Schuldig damit loswerden könnte, hätte Brad den Stuhl schon sehr viel früher sogar selbst umgestoßen. Schließlich mußte man Prioritäten setzen. Und da inzwischen Ran dafür zuständig war, sich um Schuldigs Wehwehchen zu kümmern, konnte es Brad ja schließlich egal sein. Brad grinste in sich hinein. Ohja, diese Methode würde er sich merken!



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Kapitel 9


Ran stand im hinteren Teil des Blumenladens und machte ein paar Bestellungen fertig. Glücklicherweise hatte er schon so oft Blumengestecke gestaltet, das er diese inzwischen auch im Schlaf fertigen konnte. Denn seine Gedanken waren eindeutig nicht bei der Sache.

Nachdem er und Schuldig mit dem Duschen fertig gewesen waren – Ran errötete tief bei der Erinnerung daran – und sich gegenseitig abgetrocknet hatten, war Schuldig ganz seltsam geworden. Statt die günstige Gelegenheit zu ergreifen und Ran noch ein wenig mehr zu befummeln war er plötzlich so abwesend gewesen und hatte völlig ohne Grund ab und zu vor sich hingekichert.

Und dann, als Ran ihm gesagt hatte, das er jetzt die Bestellungen fertig machen müsse und das Schuldig ihn dabei gefälligst nicht stören sollte, da hatte dieser einfach nur genickt, hatte gemurmelt das er sowieso was mit Brad zu besprechen hätte und war in dessen Büro verschwunden, anstatt wie üblich lang und breit zu nörgeln, das er Ran überhaupt nie nicht stören und schon gar nicht ablenken würde. Wenn das nicht merkwürdig war.

Hatte er etwa eine telepathische Unterhaltung mit Brad geführt, und hatte dieser Schuldig dann zu sich gerufen? Aber für eine Unterhaltung hatte Schuldigs Mimik viel zu ausdruckslos gewirkt. Er hatte eher so ausgesehen, als würde er ganz gespannt irgendetwas lauschen. Hatte er also etwa in Brads Gedanken herumgestöbert? Aber Brad würde doch niemals so nachlässig sein und einfach seine Barrieren herunterlassen, so dass Schuldig ohne Probleme in seinen Kopf eindringen konnte, oder? Doch was sonst hätte es sein können? Außer ihnen drei war doch sonst keiner hier.

Ran seufzte. Manchmal wünschte er sich doch, das Schuldigs Telepathie auch bei ihm funktionieren würde. Denn dann könnte er jetzt telepathisch nach seinem Schatz rufen und nachsehen, ob mit diesem alles in Ordnung war. Aber diesen Wunsch hegte Ran nur äußerst selten. Denn im Grunde war er wirklich froh, das Schuldig seine Gedanken nicht lesen konnte – nicht das er irgendetwas vor seinem Schatz verbergen wollte. Er liebte ihn wirklich, aber das hieß nicht, das er deshalb ein offenes Buch für Schuldig sein wollte.

Das dieser einfach wann immer er wollte in Rans Gedanken eindringen könnte – diese Vorstellung gefiel Ran nicht. Er würde sich dann einfach zu hilflos, zu ausgeliefert fühlen. Und Schuldig hätte ihm gegenüber einen nicht zu unterschätzenden Vorteil – er würde dann immer wissen, was Ran dachte, während Ran weiterhin im Dunkeln tappen würde was Schuldigs Gedanken betraf. Und was würde das für ihre Beziehung bedeuten? Könnte eine Beziehung mit derart unausgeglichenen Machtverhältnissen überhaupt auf Dauer funktionieren? Ran glaubte das nicht.

Aber glücklicherweise musste er sich darüber ja keine Gedanken machen – er und Schuldig standen in dieser Beziehung auf gleicher Stufe, beide mussten mit den selben Unsicherheiten und Gewissheiten leben wie jeder andere normale Mensch auch.

Ran grinste kurz. Man konnte ja wirklich viel über Schuldig sagen, aber normal? Garantiert nicht. Aber andererseits wollte er ihn auch gar nicht anders haben.

Zwei Arme schlangen sich plötzlich von hinten um Rans Taille und ein wohlbekannter Körper presste sich an ihn.

„Brauchst du noch lange?“ fragte Schuldig und sah über Rans Schulter auf das Blumengesteck herab, das dieser gerade fertigte.

„Nein,“ antwortete Ran, „Nur noch zwei Stück. Wie ist dein Gespräch mit Brad gelaufen?“

„Ganz ok,“ antwortete Schuldig, „Aber das nächste Mal lass ich den undankbaren Mistkerl einfach schmoren.“

Ran drehte den Kopf und warf Schuldig einen erstaunten Blick zu. Schuldig grinste ihn schief an, hob eine Hand und rieb sich über den Hinterkopf.

„Bin mit dem Stuhl umgekippt und hab mir den Kopf angeschlagen. Und Brad hat mich nicht davor gewarnt.“

Ran seufzte und schüttelte den Kopf. Man musste doch nun wirklich kein Hellseher sein um zu wissen, dass man umkippen würde, wenn man mit dem Stuhl kippelte. Denn Ran war sich absolut sicher, das Schu auf seinem Stuhl gekippelt hatte, Schu konnte niemals einfach nur ruhig und ordentlich auf einem Stuhl sitzen, das ging gegen seine Natur.

Schweigend beendete er die Arbeit an den Gestecken, während Schuldig weiterhin die Arme um ihn geschlungen, den Kopf auf seine Schulter gelegt hatte und ihm – ebenfalls schweigend – dabei zusah. Ran versuchte so viel Zeit wie möglich herauszuschinden indem der die Gestecke möglichst langsam und übersorgfältig anfertigte. Er liebte diese ruhigen Momente mit Schuldig. Wenn sie beide sich einfach nur in den Armen hielten und die Nähe des anderen genossen. Ran fühlte sich dann immer herrlich sicher und geborgen.

Schnell unterdrückte er ein Schnauben. Wenn ihm jemand noch vor einem Monat gesagt hätte, das er sich ausgerechnet in den Armen von Mastermind sicher und geborgen fühlen würde, er hätte denjenigen postwendend in die nächste Irrenanstalt einliefern lassen – oder ihn mit Hilfe seines Katanas von seinem Leiden erlöst. Doch nun konnte er sich ein Leben ohne seinen Schu – so nervig und anstrengend dieser auch oft sein konnte – gar nicht mehr vorstellen.

Nachdem Ran mit den Blumengestecken fertig war zog er Schuldig einfach hinter sich her ins Wohnzimmer. Dort schubste er den Telepathen, der sich erstaunlich friedlich und willenlos einfach hatte hinterher schleifen lassen, einfach auf das Sofa und kuschelte sich dann in dessen Arme. Und es war Ran auch völlig egal, welches Fernsehprogramm Schuldig sich auswählen würde – denn dieser hatte sich natürlich sofort die Fernbedienung geschnappt, SO willenlos war er dann doch nicht gewesen – solange er nur ein paar ruhige Minuten, oder noch besser Stunden hier so verbringen konnte, würde Ran zufrieden sein.

Doch leider waren ihm keine Stunden vergönnt, denn schon zehn Minuten später hörte man von draußen lautes und schiefes Gegröle. Eine der beiden Stimmen kannte Ran sehr gut – Ken sang immer “We are the champions” wenn er ein Spiel gewonnen hatte. Doch wem gehörte die andere Stimme?

Das Rätsel wurde schnell gelöst, als Ken hereinspaziert kam, Arm in Arm mit – Farfarello! Ran fielen fast die Augen aus dem Kopf. Er wusste jetzt gar nicht, was ihn mehr erstaunte – die Tatsache, das Ken sich auf einmal so gut mit Farfie verstand und scheinbar alle Angst vor dem Iren verloren hatte, oder das Farfie sang und außerdem eine wunderschöne Singstimme hatte. Denn die schiefen Töne kamen einzig und allein von Ken, Farfies Stimme hingegen war ein sanfter Bariton. Erstaunlich. Der irre Ire schaffte es doch immer wieder, ihn zu überraschen.

Offenbar hatte der Gesang auch Brad aus seinem Büro gelockt, denn plötzlich versuchte dieser sich mit lauter Stimme Gehör zu verschaffen. Ran hielt sich die Ohren zu.

Schuldig, der die ganze Zeit nur grinsend von Farfie zu Ken und schließlich auch zu Brad geblickt hatte, stupste sein Kätzchen kurz an, als endlich Stille eingekehrt war.

Ran senkte seine Hände zögerlich von den Ohren. „Was ist hier los?“ fragte er Ken.

Ken grinste ihn fröhlich an. „Was soll denn los sein? Farfie und ich wollen nur ein bisschen feiern.“

Ran blickte prüfend von Ken, der einen Arm immer noch um Farfies Schulter geschlungen hatte, zu Farfie, der einen äußerst stolzen Gesichtsausdruck zur Schau trug.

„Ok,“ sagte Ran und verschränkte die Arme, „Wer bist du und was hast du mit Ken gemacht?“

Ken lachte laut auf. „Ich bin’s, Ken, das weißt du doch, Ran.“

Ran kniff die Augen zu Schlitzen. Er hatte das eigentlich nicht als Scherz gemeint. Noch heute Morgen hatte ihr Fußballfreak eine Heidenangst vor dem Iren gehabt und alles getan um diesem zu entkommen. Und jetzt waren die beiden auf einmal die dicksten Freunde. Da war doch was faul. Ran warf Schuldig einen argwöhnischen Blick zu.

Schuldig riss die Augen weit auf und hob abwehrend die Hände. „Ich bin unschuldig, Ran, ich schwörs! Ehrlich, ich hab nichts damit zu tun!“

Hm. Der unschuldige Blick wirkte ausnahmsweise tatsächlich echt. Ran richtete seinen Blick wieder auf Ken. „Was ist passiert?“

„Ran, du wirst es nicht glauben!“ rief Ken überschäumend, „Aber Farfie hier ist ein echtes Naturtalent! Wie er mit dem Ball umgehen kann ist einfach Wahnsinn! Vor allem wenn man bedenkt, das er noch niemals zuvor gespielt hat! Er hat allein fünf Tore geschossen! Es war unglaublich!“

Ran hatte eine ganz böse Vermutung. Konnte es etwa sein...? Hatte Ken etwa...? Oh nein, bitte nicht! Schnell blickte er flehend zum Iren hinüber.

„Farf?“ fragte Ran zögernd, und hatte fast Angst vor dem, was dieser ihm antworten würde. „Hast du mit Ken Fußball gespielt?“

Der Ire nickte eifrig. „Dieses Spiel verletzt Gott,“ war alles was er dazu sagte, aber es reichte auch aus.

Ran stöhnte auf und schloss gepeinigt die Augen. Nicht noch ein Fußballfanatiker in diesem Haus. Als ob einer nicht auch schon ausreichen würde! Nein, jetzt dürfte er die schmutzigen Fußballklamotten von ZWEI Mitbewohnern waschen dürfen! Das war ja so unfair!

Ja klar, er hätte sich natürlich auch einfach weigern können, das Zeug zu waschen, aber dann würde es niemals gewaschen werden. Es reichte schon das Ken sich EINE intelligente Lebensform in seinem Zimmer heranzüchtete, es mussten nicht gleich Dutzende sein – was wenn die sich irgendwann anschickten die Welt zu erobern? Und Farfie waren solch Nebensächlichkeiten wie saubere Klamotten sowieso egal. Verzweifelt verbarg Ran sein Gesicht an Schuldigs Schulter.

Schuldig tätschelte ihm beruhigend den Rücken. „Na, na,“ sagte er, „Nicht aufregen. Jetzt hat Hidaka wenigstens jemand, mit dem er über sein geliebtes Hobby reden kann und nervt uns nicht länger damit.“

Ran hob seinen Kopf. So hatte er das ja noch gar nicht betrachtet. Schu hatte Recht, es hatte durchaus auch Vorteile. Aber trotzdem, die Wäsche...

„Und wenn du willst werd ich die beiden telepathisch dazu zwingen ihre Klamotten selbst zu waschen,“ flüsterte Schuldig ihm ins Ohr.

Erneut blickte Ran Schuldig erstaunt an. Wie hatte dieser gewusst, was er gerade gedacht hatte? Konnte er etwa doch Rans Gedanken lesen? Aber wie sollte das möglich sein? Ran war völlig verwirrt.

Schuldig grinste ihn an. „Mach nicht so ein schockiertes Gesicht, Schatz. Ich hab deine Gedanken nicht gelesen. Wie auch? Aber Brad hat eben gedacht, das er sehr froh darüber ist, das du für die Wäsche dieser beiden Chaoten zuständig bist und nicht er. Ts, der Gute ist wirklich nicht so ganz auf der Höhe, seine Barrieren sind immer noch äußerst schlampig. Also was ist? Soll ich?“

Ran blinzelte Schuldig verblüfft an. Der abrupte Themenwechsel hatte ihn jetzt etwas verwirrt.

Schuldig rollte mit den Augen. „Ob ich die beiden telepathisch zum Wäschewaschen zwingen soll.“

Rans Augen leuchteten auf. „Das würdest du für mich tun?“ fragte er Schuldig.

Schuldig nickte.

Ran warf sich ihm an den Hals. Es mochte vielleicht nicht nach viel aussehen, das Schu ihn vor dieser Wäschetortur bewahren wollte, aber jeder der schon einmal in eine Sporttasche voller nasser, dreckiger und verschwitzter Sportklamotten gegriffen hatte, die nicht die eigenen waren, würde eine solche Geste durchaus zu schätzen wissen.

Brad, der immer noch im Zimmer stand und Ken und Farf ebenfalls mit leicht entsetztem Gesichtsausdruck betrachtet hatte, schnaubte laut und meinte, „Muss das sein? Könnt ihr zwei nicht wenigstens mal für ein paar Minuten die Finger voneinander lassen? Oder zumindest so lang, bis ich hier raus bin, bevor ich noch erblinde.“

Schuldig grinste Brad über Rans Kopf hinweg an. „Du bist doch nur neidisch.“

Doch Ran hatte Brads Bemerkung auch gehört und löste sich wieder von Schuldig. Bevor er – oder jemand anderes – jedoch etwas sagen konnte, wurde die Eingangstür aufgestoßen und Yoji, Omi und Nagi stürmten laut lachend hinein. Sie blieben im Flur stehen, stützten sich an den Wänden ab und hielt sich die Seiten – immer noch lachend, wohlgemerkt.

Endlich schienen die drei sich soweit zu beruhigen, das sie die fünf anderen im Wohnzimmer bemerkten. Mit einem breiten Grinsen spazierte Yoji in das Zimmer, Omi und Nagi dicht hinter ihm.

Ran sah die drei neugierig an. Wo waren sie denn so lange gewesen? Und was war derart amüsant? Was auch immer es war, scheinbar hatte es Yoji über seine vorherige schlechte Laune hinweggeholfen.

Plötzlich löste Schuldig sich von Ran. „Uh... oh... ähm, Ran, ich... ähm... bin mal kurz weg.“ Und mit diesen Worten stürmte der Telepath aus dem Zimmer.

Nagi blickte seinem Teamkollegen verblüfft hinterher. Warum war Schuldig denn so schnell verschwunden? Ahnte er etwa schon etwas? Aber Nagi hatte Yoji und Omi doch erklärt, wie diese Schuldig zumindest für eine kurze Zeit in die Irre führen könnten. Dann fiel ihm Omis befriedigtes Grinsen auf.

„Was ist?“ flüsterte er Omi zu.

„Ich hab ihn gewarnt,“ flüsterte dieser zurück.

„Was? Du hast ihn gewarnt? Aber wieso?“ Nagi war völlig verwirrt. So eine gute Gelegenheit Schuldig einen Streich zu spielen würden sie nie wieder bekommen. „Jetzt wird Ran ihn gar nicht zur Rechenschaft ziehen können!“

„Oh doch, das wird er,“ Omi wirkte sehr zufrieden mit sich, „Schuldig wird sich verstecken. Und wenn Ran ihn findet – und Ran wird ihn finden – dann wird er Rans ganze Rache zu spüren bekommen. Aber, je länger Ran ihn suchen muss, desto wütender wird er sein.“

Nagis Augen leuchteten verstehend auf. Omi konnte wirklich ganz schön hinterhältig sein. Traute man ihm gar nicht zu – so unschuldig wie dieser wirkte.

Yoji, der Brad inzwischen einen kurzen Bericht abgegeben hatte, nähert sich langsam, immer noch breit grinsend Ran, der etwas verwirrt auf dem Sofa saß und nicht wusste, wieso Schuldig jetzt so schnell verschwunden war.

„Also Ran,“ begann Yoji, „Gibt es da etwas, das du uns erzählen möchtest?“

„Was?“ fragte Ran verblüfft. Was meinte Yoji denn damit?

„Nun ja, vielleicht irgendein Geheimnis, oder irgendetwas das du bisher versäumt hast zu erwähnen?“

Ran sah Yoji an, als hätte dieser komplett den Verstand verloren. Wovon sprach der Playboy nur?

„Du weißt nicht was ich meine?“ fragte Yoji und schien sich so richtig gut zu amüsieren. „Nun, ich helfe dir ein wenig. Wir sind heute auf Primel, Dotterblume und Löwenzahn gestoßen.“

Sofort richtete Ran sich besorgt auf. „Ist euch etwas passiert?“

Yoji winkte ab. „Kein Problem. Nagi hat kurzen Prozess mit den Blümchen gemacht. Die wussten gar nicht wie ihnen geschah. Aber vorher hatten wir noch eine Unterhaltung. Eine sehr interessante Unterhaltung.“

Ran starrte Yoji weiter an.

„Scheinbar haben Schuldigs nette Emails Gänseblümchen nicht ganz so gut gefallen. Der Ärmste scheint laut unseren Killerblümchen deswegen ziemlich aufgebracht zu sein.“

„Und?“ Ran wusste nicht ganz, worauf Yoji jetzt hinaus wollte. Was interessierte es ihn, ob Gänseblümchen zufrieden war oder nicht?

„Die drei wollten wissen, ob wir auch zu diesem Verein – Bodenfrost – gehören. Zu dem auch Katzenminze und sein Partner gehören.“ Yoji brach ab und funkelte Ran freudig an.

Ran ahnte schlimmes. Diese drei Idioten mit Blumennamen hatten doch wohl nicht etwa...

„Ran, du hättest uns wirklich sagen können, das dir dein alter Deckname nicht mehr gefällt!“ Yoji amüsierte sich wirklich köstlich, „Ich meine, ‘Fleißiges Lieschen’ ist ja auch um Klassen besser als Abyssinian!“

Einen Sekundenbruchteil war es völlig still im Raum, dann brachen alle – wirklich alle, sogar Brad – in lautes Gelächter aus. Ok, vielleicht doch nicht alle. Ran lachte nicht mit. Ran lief nur rot an. Und verwünschte einen gewissen Telepathen mit aller Inbrunst. Hätte diesem damals nicht etwas anderes einfallen können?

Minuten später, die anderen waren immer noch damit beschäftigt sich totzulachen, wurde es Ran langsam zu bunt.

„Haha, wir haben jetzt alle gut gelacht, können wir jetzt endlich wieder damit aufhören?“ Ran hatte echt genug.

„Nein, das können wir nicht,“ jappste Yoji und wischte sich die Lachtränen aus den Augen, „Das ist einfach zu gut, Ran. Du kannst echt nicht von uns verlangen, das wir das einfach ignorieren.“

Ran stand auf und stapfte durch die lachende Meute Richtung Wohnzimmertür.

„Wo willst du hin?“ kicherte Omi und hielt seinen Leader am Ärmel fest.

„Ich gehe jetzt und drehe Katzenminze den Hals um,“ sagte Ran, machte sich von Omi los und verschwand im Flur, immer noch begleitet vom Gelächter seiner sechs Kollegen.

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Und so neigte sich ein (nicht) ganz normaler Tag dem Ende zu. Ran machte sich auf die Jagd nach Schuldig und fand ihn schließlich, Schuldig versuchte sich aus der Misere herauszureden, hatte aber nicht besonders viel Glück und musste aufgrund all des an diesem Tag angestellten Unsinns zum ersten Mal allein in seinem Zimmer schlafen – ganz allein und ohne seinen Ran zum kuscheln zu haben. Omi und Nagi blieben die ganze Nacht wach und amüsierten sich wirklich prächtig – im Internet. Ken und Farfie übten Tore schießen in Kens Zimmer – was aber nicht so schlimm war, da es dort sowieso nichts wertvolles gab, das zu Bruch gehen konnte – die Lebensform hatte sich wohl unterm Bett in Sicherheit gebracht. Brad schmiedete fast die ganze Nacht über Pläne, wie er denn Yoji herumbekommen könnte. Und Yoji? Der wachte mehrmals in der Nacht aus äußerst erotischen Träumen über ihn und Brad auf – was ihn, gelinde gesagt, doch sehr verstörte.

Ob Schuldig jemals wieder zu Ran ins Bett durfte, ob Nagi und Omi sich irgendwann auch mal außerhalb des Internets amüsierten, ob Ken und Farfie dazu gekommen sind, noch weitere intelligente Lebensformen zu züchten, und ob Brads Feldzug von Erfolg gekrönt war – das ist eine andere Geschichte.