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Streng vertraulich Teil 9 - 13

Teil 2

Kapitel 1



5 Jahre später

Duo stellte sein Auto auf den für ihn reservierten Parkplatz ab, stieg aus und joggte hinüber zum Eingang des Gebäudes. Eigentlich wäre er um diese Zeit längst zu Hause gewesen, aber dann hatte er als er ein paar kurze Einkäufe erledigen wollte bemerkt, dass er wohl seinen Geldbeutel im Labor liegengelassen haben musste. Und da das Wochenende vor der Tür stand und er kaum noch etwas zu Essen im Haus hatte, hatte er beschlossen trotz des zeitlichen Aufwands - er wohnte praktisch am anderen Ende der Stadt - wieder zurück zu fahren um seinen Geldbeutel zu holen.

Seit inzwischen zwei Jahren lebte Duo nun in dieser großen Stadt, seit er diesen interessanten Job bei der Romefeller Stiftung angenommen hatte. Er hätte niemals gedacht dass er irgendwann einmal in der Forschung landen würde - er hatte eigentlich immer nur Chirurg werden wollen - aber die Möglichkeiten die sich ihm hier in der Stiftung boten hatten ihn mehr als fasziniert. Und so hatte Duo nicht lang gezögert und war kurzerhand durch das halbe Land gereist um sich dem Team von Dr. Dermail anzuschließen.

Und bisher hatte er es nicht im geringsten bereut. Nicht nur dass er inzwischen ein gemütliches kleines Häuschen sein eigen nannte - etwas was ihm vom Gehalt eines Assistenzarztes nicht möglich gewesen wäre. Aber die Romefeller Stiftung wusste was sie an ihren Leuten hatte, und im Gegensatz zu so manch anderer Forschungseinrichtung schien es ihr auch nicht an Geld zu fehlen, und so wurden die Mitarbeiter großzügig entlohnt.

Aber das war natürlich nicht der einzige Punkt warum Duo so zufrieden mit diesem Job war. Nein, hier konnte er sogar noch mehr gutes tun als als Chirurg. Die Stammzellforschung an der das Team um Dr. Dermail arbeitete würde so vielen Menschen helfen können wenn sie erst einmal von Erfolg gekrönt wäre. Und so wie Duo es einschätzte waren bahnbrechende Ergebnisse nicht mehr allzu weit entfernt. Nicht mehr lang und sie würden die Medizin revolutionieren.

Duo griff in seine Hosentasche und zog die Magnetkarte hervor die ihm den Zugang zum Gebäude ermöglichen würde. Glücklicherweise hatte er die Karte in der Tasche gehabt statt sie in den Geldbeutel zu stecken. Sonst hätte er jetzt ein kleines Problem gehabt. So aber zog er sie schnell durch den Kartenleser und öffnete die Tür.

„Hallo Jim,“ grüßte Duo den Wachmann als er durch die Eingangshalle lief.

Jim, der Wachmann, blickte von seinen Bildschirmen auf und sah Duo überrascht an. „Duo,“ erwiderte er den Gruß. „Was machst du denn wieder hier? Schon wieder Überstunden?“

Duo zog eine Grimasse und drückte auf den Aufzugknopf. „Nein,“ schüttelte er den Kopf. „Hab meinen Geldbeutel oben liegen gelassen. Ich geh nur schnell hoch und hol ihn, dann bin ich auch wieder weg. Ich hab dem Boss schließlich versprochen es etwas ruhiger anzugehen.“

Jim grinste. „Ich stopp die Zeit. Nicht dass du dich am Ende raufschleichst um heimlich weiterzuarbeiten.“

„Haha,“ machte Duo und betrat den Fahrstuhl. Innerlich grinsend drückte er den Knopf für sein Stockwerk und fuhr hinauf. Er hatte zu den meisten Angestellten der Stiftung ein eher freundschaftliches Verhältnis und duzte jeden der es zuließ, vom Wachpersonal bis hinauf zu seinem Boss. Natürlich gab es die eine oder andere Ausnahme, aber die meisten zogen ebenfalls eher lockere Umgangsformen vor.

Im 12. Stock angekommen verließ Duo den Aufzug und eilte durch den Gang zu seinem kleinen Büro. Er verbrachte zwar kaum Zeit dort - er hielt sich nun mal lieber im Labor selbst auf, dort wo die wirkliche Arbeit stattfand - aber auch er kam um den Papierkram nicht gänzlich herum. Die Forschungsergebnisse mussten schließlich protokolliert und ausgewertet werden.

Genau wie Duo es vermutet hatte befand sein Geldbeutel sich in der obersten Schublade des vollgepackten Schreibtisches. Dort wo er ihn völlig abwesend reingesteckt hatte nachdem er seinen Anteil für das Mittagessen gezahlt hatte.

Nachdem er den Geldbeutel in seine Hosentasche gesteckt hatte, warf Duo einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. Die Geschäfte hatten inzwischen schon geschlossen, aber für heute Abend würde er sich einfach irgendwo eine Pizza mitnehmen. Und einkaufen würde er dann eben morgen früh.

Als er wieder auf den Flur hinaustrat und sich schon in Richtung des Aufzugs wandte, bemerkte Duo das am anderen Ende des Flurs irgendwo noch Licht brannte. Duo runzelte die Stirn. Jim hatte gar nicht erwähnt dass noch jemand hier war. Und außerdem war sonst Duo immer derjenige der so lange arbeitete - und seit er praktisch gezwungen wurde rechtzeitig Feierabend zu machen gab es eigentlich keinen der um diese Uhrzeit noch im Labor war. Mit einem kleinen Kopfschütteln beschloss Duo rüberzugehen und wenigstens kurz Hallo zu sagen, wer auch immer das war.

Die Tür zum Labor öffnete sich lautlos und auf den ersten Blick konnte Duo niemanden dort drinnen erkennen. „Hallo?“ rief Duo während er das Labor vollends betrat. „Ist jemand hier?“

Niemand antwortete und Duo drehte sich stirnrunzelnd einmal im Kreis. Hatte irgendjemand etwa einfach nur vergessen das Licht zu löschen? Hm. Doch da Duo immer noch niemanden sehen konnte und ihm auch keiner antwortete, zuckte er einfach nur mit den Schultern, drehte sich um und begann wieder zur Tür zurückzugehen. Er würde das Licht löschen und dann heimgehen.

Doch bevor er die Tür erreicht hatte, sah er dass er doch nicht allein im Labor war. Hinter einem der Labortische, so gelegen dass Duo ihn beim Eintreten nicht hatte sehen können, lag einer der Mitarbeiter des Labors. Um wen genau es sich dabei handelte konnte Duo jedoch nicht erkennen. Das Gesicht des Mannes war nur noch eine einzige blutige Masse.

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„Heero?“

Heero hob den Kopf vom Mikroskop durch das er soeben ein paar Beweisstücke betrachtet hatte und drehte sich zur Tür um. „Ja?“ fragte er seinen Kollegen Trowa Barton der dort stand.

„Hol deine Ausrüstung,“ erwiderte Trowa ruhig. „Wir haben einen neuen Fall.“

Heero nickte, stand auf und folgte Trowa hinaus auf den Flur. Die Gänge des CSI waren Nachts bei weitem nicht so belebt wie tagsüber, aber Heero zog die Nachtschicht aus mehreren Gründen vor. Seine Abneigung gegen frühes Aufstehen hatte sich nicht gelegt, noch immer war er kein Morgenmensch. Und dann war da noch die Tatsache dass er mit dem Leiter der Tagesschicht einfach nicht zurecht kam. Der Mann hatte tatsächlich gedacht er würde Heero 'bestrafen' als er ihn in die Nachtschicht versetzt hatte. Heero schüttelte innerlich amüsiert den Kopf.

Schweigend verstaute Heero seine Ausrüstung neben der von Trowa im Auto, dann setzte er sich neben seinen Kollegen auf den Beifahrersitz. „Wo fahren wir hin?“ fragte er als Trowa den Wagen aus der Tiefgarage lenkte.

„Romefeller Stiftung,“ antwortete Trowa.

Heero nickte, dann verfiel er wieder in Schweigen und sah stumm aus dem Fenster während Trowa sie zu ihrem Ziel fuhr. Es gab einige Kollegen die nicht gern mit Trowa zusammenarbeiteten, weil sie den schweigsamen Mann für unhöflich und unfreundlich hielten. Heero jedoch gehörte nicht dazu.

Trowa war genau wie Heero selbst kein Mann von vielen Worten - eigentlich sogar noch weniger als Heero selbst. Heero war durch die Freundschaft zu Quatre über die Jahre hinweg ein wenig lockerer geworden - der Blonde ließ es einfach nicht zu dass Heero in seiner Gegenwart zu viel grübelte.

Aber er hatte trotzdem nicht lange gebraucht um zu merken, dass Trowa keineswegs unhöflich oder gar unfreundlich sein wollte. Nein, er war nur einfach jemand der nur dann redete wenn er tatsächlich etwas zu sagen hatte. Heero hatte kein Problem damit, er arbeitete gern mit Trowa zusammen. Nicht nur dass er die langen Perioden der Stille nicht als unangenehm empfand, nein - und das war viel wichtiger - Trowa war ein hervorragender Ermittler der äußerst gründlich und gewissenhaft arbeitete und dem nur selten etwas entging. Darin war er Heero sehr ähnlich.

Am Gebäude der Romefeller Stiftung angekommen parkte Trowa das Auto auf einem der um diese Uhrzeit vielen freien Parkplätze. Er und Heero stiegen aus, nahmen die Koffer mit ihrer Ausrüstung und gingen auf die Eingangstür zu.

Im Foyer des Gebäudes zeigten sie beide ihre Ausweise vor und wurden dann von einem der Streifenpolizisten weitergewunken. Gemeinsam betraten sie den Fahrstuhl und fuhren hinauf in das Stockwerk welches der Polizist ihnen unten genannt hatte.

Als der Fahrstuhl anhielt und sie auf den Flur hinaustraten wurden sie schon erwartet. Offenbar hatte der Polizist der sie unten kontrolliert hatte über Funk oben bescheid gegeben.

„Worum geht es?“ fragte Trowa und nickte dem Mann zu der sie am Aufzug in Empfang genommen hatte.

„Männliche Leiche,“ erwiderte Inspektor Wufei Chang während er vor Heero und Trowa den Flur entlang ging. „Ein gewisser Taylor Jones, zumindest steht das auf dem Firmenausweis der an seinem Kittel hängt.“

Heero hob eine Augenbraue. „Ist da denn kein Bild auf dem Ausweis?“ fragte er.

„Doch,“ nickte der Inspektor. „Nur ist von seinem Gesicht nicht mehr viel übrig um es zu vergleichen.“

„Ah,“ machte Heero und nickte leicht. Dann waren sie auch schon am Tatort angekommen. Ein weiterer Streifenpolizist stand Wache vor der offenen Tür, die in das Labor führte.

„Wer hat ihn gefunden?“ fragte Trowa während er und Heero sich antistatische Überzieher über die Schuhe zogen.

„Einer seiner Kollegen,“ erwiderte Chang und blickte kurz auf seinen Notizblock hinab. „Ein gewisser Dr. Maxwell.“

„Hat er was angefasst?“ warf Heero ein und folgte Trowa ins Labor.

„Er sagt nein,“ erwiderte Chang.

Heero nickte wieder nur stumm, dann stellte er seinen Koffer an einem Platz ab der weit genug von der Leiche entfernt war so dass die Gefahr das er Spuren zerstören würde eher gering war. Er holte ein paar Latexhandschuhe hervor und streifte sie über. Dann wandte er sich der Leiche zu.

Genau wie Inspektor Chang gesagt hatte war vom Gesicht nicht mehr viel zu erkennen. Heero ließ sich vorsichtig neben der Leiche in die Hocke nieder. Der Mann lag auf dem Rücken. Er trug einen weißen Laborkittel mit dem Firmenausweis an der linken Brusttasche befestigt. Der Name 'Taylor Jones' war deutlich zu lesen, doch das Bild daneben wäre selbst dann nicht von Nutzen gewesen wenn das Gesicht des armen Mannes nicht völlig zerschmettert gewesen wäre. Ein riesiger Blutfleck bedeckte fast das gesamte Foto.

Heero wartete bis Trowa Fotos aus sämtlichen Richtungen von der Leiche gemacht hatte, dann nahm er eine Probe von dem Blut auf dem Ausweis bevor er diesen selbst eintütete. Nur weil das Opfer sehr stark geblutet hatte musste das nicht heißen das auch wirklich alles Blut hier von ihm sein musste. Möglich dass der Mann sich gewehrt hatte und ihnen dadurch genügend DNA des Täters verschafft hatte.

„Habt ihr eine Tatwaffe gefunden?“ fragte Heero über seine Schulter den Inspektor der schweigend hinter ihnen stand und ihnen zusah. Heero arbeitete gern mit Wufei Chang zusammen, der Mann wusste wann er sich zurückhalten und die Leute von der Spurensuche ihre Arbeit in Ruhe machen lassen musste, und wann seine Hilfe und Anwesenheit notwendig waren.

„Nein,“ Chang schüttelte seinen Kopf. „Ich hab mich nur flüchtig umgesehen damit ich keine Spuren verwische, aber mir ist nichts aufgefallen.“

Heero nickte, dann wandte er sich wieder seiner Arbeit zu. Es wäre wohl auch zu schön gewesen wenn der Täter die Waffe hier gelassen hätte - vielleicht auch noch mit einem hübschen Set Fingerabdrücke darauf. Das hätte ihren Job wirklich vereinfacht. Aber vielleicht hatten sie ja Glück und fanden die Tatwaffe noch. Möglich dass der Täter etwas hier aus dem Labor benutzt hatte - dann könnte es sein dass er so dumm gewesen war und die Waffe einfach abgewischt und zurückgestellt hatte. Viele Leute dachten immer noch, nur weil sie etwas nicht sahen war es auch nicht da. Aber Blut konnte oft noch nach Jahren nachgewiesen werden, selbst wenn es schon lange nicht mehr sichtbar war.

Und selbst wenn der Täter die Waffe mitgenommen hatte - immer vorausgesetzt er hatte wirklich etwas hier aus dem Labor verwendet und nicht einfach etwas mitgebracht - dann würden sie einfach feststellen was fehlte und so wissen, was die Tatwaffe gewesen war.

„Hallo Jungs,“ grüßte sie eine weibliche Stimme und Heero hob den Kopf erneut um ihrer Gerichtsmedizinerin zuzunicken.

Dr. Sally Po unterhielt sich kurz leise mit Inspektor Chang, bevor sie neben Heero in die Hocke ging. Ruhig und geschickt untersuchte sie die Leiche. „Einwirkung eines stumpfen Gegenstandes,“ murmelte sie vor sich hin.

Heero nickte bestätigend. Das hatte er auch schon vermutet. Die Verletzungen des Mannes sahen nicht so aus als wären sie mit etwas scharfem zugefügt worden. „Todeszeitpunkt?“ fragte er.

Sally warf einen Blick auf das Thermometer mit dem sie die Lebertemperatur prüfte. „Vor ungefähr zwei bis zweieinhalb Stunden,“ antwortete sie.

Heero warf einen Blick auf seine Uhr. Es war jetzt ungefähr viertel vor zehn Uhr Abends, das bedeutete der Mann war irgendwann zwischen 19:15 und 19:45 Uhr getötet worden. Mit einer schnellen Bewegung kam er wieder auf die Beine und ging zu Chang hinüber.

„Wann hat der Zeuge die Leiche genau gefunden?“ fragte er den Inspektor.

Chang warf wieder einen kurzen Blick auf seinen Notizblock. „So gegen viertel nach acht,“ erwiderte er.

Heero sah sich kurz im Labor um. Sally war noch immer mit der Leiche beschäftigt während Trowa das restliche Labor nach Spuren untersuchte. „Wo ist der Zeuge jetzt?“ fragte Heero.

„Er wartet in seinem Büro ein paar Meter den Gang hinab auf uns,“ erwiderte Chang.

„Dann sollten wir ihn nicht länger warten lassen,“ sagte Heero und ging mit dem Inspektor auf den Flur hinaus. Dort entledigte er sich seiner Handschuhe und der Überzieher und folgte Chang dann den Gang hinab. Doch als der Inspektor eine Tür auf der linken Seite des Flurs öffnete, erwies sich das kleine Büro als leer.

Chang winkte einen der uniformierten Polizisten die sich auf dem Gang aufhielten heran. „Wo ist Dr. Maxwell?“ fragte er den Mann.

„Er ist in den Aufenthaltsraum gegangen um sich einen Kaffee zu holen, Sir,“ erwiderte der Mann. „Officer Brady ist mit ihm gegangen.“ Der Polizist deutete den Gang entlang.

„Danke,“ sagte Chang und ging dann mit Heero in die angegebene Richtung. Der Flur machte nach ein paar Metern einen Knick und endete dann nach weiteren zehn Metern in einem großen, gemütlich eingerichteten Raum. Heero sah sich anerkennend um. Das CSI war zwar eine der wenigen Abteilungen der Polizei, die immer auf dem neuesten Stand der Technik war, aber selbst sie waren nicht so luxuriös eingerichtet. Dieser Aufenthaltsraum war schon fast dekadent.

Heero war so sehr mit der Betrachtung des Raumes beschäftigt dass er die beiden Personen die sich darin aufhielten erst gar nicht bemerkte. Als er sie schließlich sah erstarrte er mitten im Schritt. Sein Herz setzte für einen Schlag aus nur um dann in doppelter Geschwindigkeit weiterzuklopfen. Ihm war als hätte ihm jemand einen Eimer Eiswasser übergegossen.

Heero schluckte trocken und blinzelte ein paar Mal. Das konnte nicht sein. Dort, nur ein paar Meter von ihm entfernt stand Officer Brady - denn darum musste es sich bei dem uniformierten Beamten handeln - und unterhielt sich mit einem anderen jungen Mann. Ein Mann der Heero nur zu bekannt vorkam.

„Dr. Maxwell?“ sagte Inspektor Chang und trat auf die beiden Männer zu. Dr. Maxwell, der bisher im Halbprofil zur Tür gestanden hatte drehte sich vollends um und sämtliche Zweifel verließen Heero. Bei ihrem Zeugen, dem Mann der die Leiche gefunden hatte, handelte es sich um niemand anderen als Duo Maxwell. Der Mann der Heero vor so vielen Jahren das Herz gebrochen hatte und von dem Heero niemals gedacht hatte ihn jemals wiederzusehen.



Kapitel 2

„Dr. Maxwell?“

Beim Klang seines Namens drehte Duo sich um und sah den Inspektor, der vorher schon kurz mit ihm gesprochen hatte, im Eingang des Aufenthaltsraums stehen. Offenbar war nun der Zeitpunkt gekommen wo der Mann ihm ein paar Fragen stellen wollte. Und Duo war das nur Recht.

Als die Polizei vor einiger Zeit eingetroffen war, war Duo nur allzu froh gewesen irgendjemand anderem die Verantwortung über das weitere Geschehen zu überlassen. Ohne groß zu protestieren hatte er sich vom Inspektor in sein Büro abschieben lassen und erleichtert die Tür hinter sich geschlossen. Der Fund der Leiche hatte ihn mehr erschüttert als er gedacht hätte.

Es war schließlich nicht so als wäre dies hier seine erste Leiche gewesen.

Während seines Medizinstudiums hatte er eine Menge Leichen auf dem Seziertisch gehabt, und auch während seiner Zeit als Assistenzarzt war es nicht so selten vorgekommen dass Patienten gestorben waren. Und es konnte auch nicht daran liegen dass der Mann so übel zugerichtet war. Duo hatte im Laufe der Zeit etliche Opfer von Verkehrsunfällen gesehen, die noch viel schlimmer ausgesehen hatten.

Nein, es musste daran liegen dass dieser Mann, mit großer Wahrscheinlichkeit sogar jemand den Duo kannte, das Opfer eines brutalen Verbrechens geworden war.

Duo erschauderte. Gott, er konnte noch immer das Blut riechen. Er konnte gar nicht verstehen wieso ihm dieser typische metallische Geruch nicht sofort aufgefallen war als er das Labor betreten hatte. Aber erst als er praktisch über die Leiche gestolpert war, war er ihm in die Nase gestiegen und hatte sich dort festgesetzt. Er konnte es fast schmecken.

Das war auch der Grund gewesen warum er nach einer Weile hierher gekommen war. Er hatte dringend einen Kaffee gewollt - zum einen um seine Nerven etwas zu stärken und zum anderen um diesen widerlichen Geschmack im Mund loszuwerden.

„Inspektor Chang,“ beantwortete Duo den Gruß des Mannes. „Ich hoffe Sie haben nichts dagegen dass ich mir einen Kaffee geholt habe. Der Officer war so freundlich mich zu begleiten.“ Duo nickte dem jungen Polizisten zu mit dem er sich bis eben noch unterhalten hatte.

„Kein Problem,“ winkte der Inspektor ab.

Duo nickte. „Ich hab gleich eine ganze Kanne gemacht. Vielleicht wollen Sie ja auch eine Tasse, oder Ihr Kollege...“ Duos Satz blieb ihm förmlich im Hals stecken. Zum ersten Mal seit der Inspektor den Aufenthaltsraum betreten hatte blickte er dessen Begleiter, den er bisher nur am Rande wahrgenommen hatte, genauer an.

Heero.

Heero Yuy.

Duo spürte wie seine Augen immer größer und größer wurden. Das konnte nicht sein. Er musste sich das einbilden. Das war unmöglich. Das konnte nicht sein. Das...

„Danke, Officer,“ unterbrach der Inspektor Duos Gedankenkarussell und verabschiedete den Officer mit einem Nicken. Dann deutete er mit einer Hand auf den jungen Mann neben ihm. „Das hier ist Heero Yuy vom CSI,“ sagte er und bestätigte damit Duos Vermutungen. „Wir müssen Ihnen nur ein paar Fragen stellen, Routine. Und danke für das Angebot, ich hätte gerne eine Tasse Kaffee.“

Duo starrte noch immer wie betäubt auf den jungen Mann der ein kleines Stück seitlich versetzt hinter dem Inspektor stand und Duo mit ausdruckslosem Gesichtsausdruck musterte.

‚Er erkennt mich nicht,’ fuhr durch Duos Kopf. ‚Ich stehe hier wie erstarrt, mein Herz klopft so laut dass ich befürchte dass es jeder hören könnte und er erkennt mich nicht einmal.’

„Entschuldigen Sie,“ sagte Duo als es ihm schließlich nach einem endlosen Moment gelang sich aus seiner Erstarrung zu lösen. Mit einem Ruck drehte er dem Inspektor und Heero den Rücken zu und ging mit hölzernen Schritten hinüber zur Kaffeemaschine um dem Inspektor die gewünschte Tasse einzuschenken.

Er ließ sich Zeit dabei und gestaltete den ganzen Prozess mehr als umständlich, in der Hoffnung seine zitternden Hände etwas zu beruhigen. Eine zweite Tasse goss er nicht ein - Heero hatte sich zu Duos Kaffeeangebot nicht geäußert, und Duo hatte im Moment einfach nicht den Mut den Japaner direkt anzusprechen und noch einmal nachzufragen.

Als er sich schließlich mit der Kaffeetasse in der Hand wieder umdrehte war Duo stolz dass seine Hand vollkommen ruhig war als er dem Inspektor die Tasse reichte. „Bitte.“

Der Inspektor dankte ihm, dann bedeutete er Duo sich an einen der Tische zu setzen und setzte sich ihm gegenüber. Heero folgte den beiden an den Tisch, setzte sich jedoch nicht sondern blieb stumm neben dem Inspektor stehen. Da Duo es jedoch möglichst vermied den Japaner anzusehen konnte er nicht sagen wie dessen Gesichtsausdruck aussah.

„Also Dr. Maxwell,“ begann Inspektor Chang. „Erzählen Sie mir einfach genau wie es kam dass Sie die Leiche gefunden haben.“

Duo nickte, runzelte kurz die Stirn und begann dann zu reden. Er erläuterte kurz wie er beim Einkaufen bemerkt hatte, dass er seinen Geldbeutel im Büro vergessen hatte, wie er zurückgefahren war um ihn zu holen, wie er dann das Gebäude betreten hatte und zu seinem Büro hochgefahren war, und wie er schließlich dem Licht im Labor gefolgt und über die Leiche gestolpert war.

Der Inspektor steuerte Duos Geschichte hin und wieder mit kleinen Zwischenfragen und machte sich sorgfältig Notizen in seinem Notizbuch. Als Duo geendet hatte, fragte er, „Und über den Zeitpunkt ihres Fundes sind Sie sich absolut sicher?“

Duo nickte. „Ja. Ich hab kurz vorher erst auf die Uhr geschaut. Da war es 20:12 Uhr. Ich hab mich vielleicht höchstens um ein paar Minuten verschätzt, aber mehr nicht.“

„Gut, das wäre dann fürs erste alles, Dr. Maxwell,“ sagte der Inspektor und stand auf.

„Ich hätte da noch eine Frage,“ ertönte plötzlich eine ruhige Stimme und ließ Duo, der schon dabei gewesen war ebenfalls aufzustehen, innehalten. Langsam, zum ersten Mal, seit er zu der Erkenntnis gekommen war dass der Mann der vor fünf Jahren so schnöde mit Duos Gefühlen gespielt hatte ihn nun nicht einmal mehr erkannte, sah er Heero wieder direkt an.

„Wie war Ihre Beziehung zu dem Opfer, Dr. Maxwell?“ fragte Heero mit ruhiger Stimme.

Duo blinzelte ein paar Mal und ließ sich wieder auf den Stuhl sinken. „Meine Beziehung zu dem Opfer?“ wiederholte er die Frage.

Der junge Mann vom CSI nickte. „Ja. Wie standen Sie zu ihm?“

Duo blinzelte erneut und sah kurz zu Inspektor Chang hinüber. Dann wandte er sich wieder an Heero. „Das kann ich Ihnen nicht sagen,“ antwortete er.

Zum ersten Mal sah Duo etwas anderes als Ausdruckslosigkeit in der Miene des anderen.

„Und warum nicht? Wollen Sie mir allen Ernstes sagen dass Sie nichts mit dem Opfer zu tun hatten? Sie haben immerhin mit ihm zusammengearbeitet, da muss es doch zumindest eine berufliche Beziehung gegeben haben.“

Oh ja, das war definitiv Verachtung was Duo da in den kalten blauen Augen des anderen sehen konnte.

„Nein, das will ich allerdings nicht,“ erwiderte Duo mit eiskalter Stimme. Er hatte keine Ahnung wieso Heero ihn verächtlich ansehen sollte, aber es versetzte ihn definitiv in eine abweisende Haltung. „Mir ist durchaus klar dass ich mit dem Mann zusammengearbeitet habe, aber ich kann Ihnen trotzdem nichts über meine Beziehung zu ihm sagen. Ich habe nämlich nicht die geringste Ahnung um wen es sich bei dem Opfer handelt!“

Duo funkelte Heero aus wütenden Augen an. Wie konnte dieser unmögliche, arrogante, anmaßende... IDIOT es nur wagen! „Falls es Ihnen nicht aufgefallen ist... es war leider nicht mehr genug von ihm zu erkennen, um ihn zu identifizieren!“ setzte Duo noch sarkastisch hinzu. So! Er konnte ebenso gut austeilen wie Heero.

Heero warf einen kurzen Blick zu Chang hinüber, der ihm nur unmerklich zunickte. Duo verengte seine Augen. Glaubte Heero ihm etwa nicht?

„Bei dem Opfer handelt es sich um einen gewissen Taylor Jones,“ warf Chang ruhig ein, der die Auseinandersetzung zwischen Heero und Duo bisher eher neugierig beobachtet hatte.

„Jones,“ sagte Duo nachdenklich. Oh ja, er kannte den Mann, wenn auch nur flüchtig. Er war einer der technischen Laborassistenten. Sehr gutaussehend, aber das war auch schon alles was Duo positives zu dem Mann einfiel. Er persönlich hatte ihn nie gemocht. Er war zwar kompetent in seinem Fachbereich - jeder der bei der Romefeller Stiftung arbeitete war das - aber sein Charakter hatte viel zu wünschen übrig gelassen. Gierig, schmierig und an die Vorgesetzten anbiedernd während er gleichzeitig seine anderen Kollegen herablassend behandelte.

„Ich kannte ihn,“ fuhr Duo schließlich langsam fort. „Aber nicht sehr gut.“

„Tatsächlich?“ fragte Heero mit deutlich sarkastischem Unterton.

„Ja!“ fauchte Duo, schon wieder in der Defensive. „Er hat nicht in meiner Abteilung gearbeitet. Eigentlich weiß ich überhaupt nicht was er in unserem Labor zu suchen hatte. Sein Arbeitsplatz war ein Stockwerk weiter oben.“

„Vielleicht wurde er ja von jemandem dorthin bestellt,“ konterte Heero mit kalter Stimme.

Duo ballte seine Hände zu zwei Fäusten, holte jedoch zweimal tief Luft um seine Wut zu kontrollieren. Wenn er sich hier und jetzt auf Heero stürzte würde ihm das nur eine Nacht im Gefängnis einbringen. Und so befriedigend es im ersten Moment auch wäre Heero die Faust ins Gesicht zu rammen, so wäre es das nicht wert.

„Yuy,“ warf Inspektor Chang mit leicht irritiert klingender Stimme ein. „Dr. Maxwell ist ein Zeuge, kein Verdächtiger.“

Heero warf dem Inspektor einen Blick zu, den Duo fast schon als wütend interpretiert hätte, dann lagen seine Augen wieder eiskalt auf Duo. „Noch nicht,“ sagte er kühl, dann drehte er sich um und marschierte aus dem Aufenthaltsraum.

Duo starrte ihm mit offenem Mund hinterher. Was zum...? Was sollte das ganze? Großer Gott, Heero hatte ihn noch nicht einmal erkannt, warum also war er so wütend auf ihn? Und überhaupt, wenn hier irgendjemand das Recht hatte, wütend zu sein, dann war das ja wohl er! Schließlich war Heero derjenige, der vor fünf Jahren einfach ohne ein Wort abgehauen war, und nicht Duo!

„Entschuldigen Sie bitte,“ mischte sich Changs ruhige Stimme in Duos verwirrte Gedanken und zog so dessen Aufmerksamkeit auf sich. „Ich weiß nicht was in ihn gefahren ist.“

Duo starrte noch einen Moment auf die Tür des Aufenthaltsraums, dann seufzte er. „Schon gut,“ sagte er und machte eine wegwerfende Handbewegung. „Ist ja nicht Ihre Schuld. Kann ich jetzt nach Hause fahren?“

Inspektor Chang nickte. „Sicher. Für heute ist alles erledigt. Sollten mir noch weitere Fragen einfallen habe ich ja Ihre Telefonnummer.“

Duo nickte müde, dann wandte er sich ab, ging aus dem Aufenthaltsraum, durch den Gang und direkt auf den Aufzug zu. Als er am offenen Labor vorbeikam vermied er es, einen Blick hineinzuwerfen. Er wollte jetzt weder Heero noch die Leiche sehen.

Als er schließlich das Gebäude verlassen hatte und gerade in sein Auto stieg wurde ihm auf einmal bewusst, dass ihn die Begegnung mit Heero Yuy weitaus mehr mitgenommen hatte als die Tatsache, dass einer seiner Kollegen vor ein paar Stunden brutal erschlagen worden war.

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„Verdammt!“

Heero stoppte mitten im Schritt als er den leisen Fluch hörte. Durch die offene Bürotür konnte er Trowa an seinem Schreibtisch sitzen und das Telefon böse anstarren sehen. Heero hob eine Augenbraue. Es musste schon viel zusammenkommen bevor Trowa sich so gehen ließ.

„Ist irgendwas?“ fragte er und betrat das Büro.

Trowa hob den Kopf und sah ihn frustriert an. „So kann man es nennen. Ich versuche schon seit Stunden irgendjemanden zu erwischen der uns die Erlaubnis erteilt genauere Einsicht in die Vorgänge der Romefeller Stiftung zu nehmen. Aber ich werde von allen Seiten geblockt. Scheinbar gehört die Stiftung irgendeinem steinreichen hohen Tier, dessen Anwälte mich nur von einem zum anderen weiterreichen, aber peinlichst genau darauf achten mir keine Zugeständnisse zu machen.“

Heero zuckte mit den Schultern. „Besorg dir einfach einen richterlichen Beschluss, dann können diese Anwälte solange blocken wie sie wollen.“

„Das hab ich ebenfalls schon versucht!“ Trowas Gesicht zeigte soviel Gefühl wie nur selten zuvor, und das meiste davon war Ärger und Frustration. „Hast du mir nicht zugehört? Stinkreich reicht wahrscheinlich noch nicht einmal aus. Und während die Anwälte mich beschäftigt gehalten haben, haben sie gleichzeitig dafür gesorgt dass jeder der Richter übervorsichtig ist was eine Verfügung angeht. Bis auf den Tatort wollen sie uns keine Zugeständnisse machen. Wer auch immer der Kerl hinter dieser Firma ist, er ist offenbar nicht nur immens reich, er hat auch Einfluss an den höchsten Stellen.“

„Hm,“ machte Heero und runzelte die Stirn. Das klang doch vielversprechend. Gut, vielleicht nicht gerade vielversprechend in dem Sinne dass Heero es gut fand dass sie von allen Seiten geblockt wurden, sondern dass es ihn beschäftigt halten würde. Es klang nach einer Aufgabe, die seine gesamte Aufmerksamkeit fordern würde und die es ihm erlauben würde eine Menge des Ärgers loszuwerden den er schon verspürte seit er von ihrem letzten Tatort zurückgekommen war.

Nein das stimmte nicht. Diesen Ärger verspürte er seit er Duo wiedergesehen hatte. Am liebsten hätte er den Langhaarigen an Ort und Stelle zur Rede gestellt. Hätte ihn angeschrien und ihm all die Dinge an den Kopf geworfen die ihm vor fünf Jahren auf der Seele gelegen waren.

Doch natürlich hatte er das nicht gemacht. Es hatte ihn all seine Selbstbeherrschung und Disziplin gekostet, aber Heero hatte sich nichts anmerken lassen. Und das war gut so. Duo Maxwell war nur der Zeuge in einem Fall, und sobald sie diesen Fall abgeschlossen hatten würde er nichts weiter mit ihm zu tun haben. Er würde wieder Heeros Vergangenheit angehören, so wie es sein sollte.

„Wem gehört denn die Stiftung?“ fragte Heero. „Vielleicht hab ich ja mehr Glück als du.“ Und wenn nicht, auch gut. Solang er nur nicht dazu kam zuviel nachzudenken.

Trowa wühlte kurz auf dem Tisch, dann zog er ein Blatt Papier hervor. „Ah ja, da ist es,“ sagte er. „Die Stiftung gehört der Firma WEI, Winner Enterprises International.“

Heero starrte Trowa groß an. „Hast du gerade ‘Winner Enterprises’ gesagt?“ fragte er ungläubig.

Trowa runzelte kurz die Stirn und sah Heero fragend an, dann nickte er. „Ja. Und der Besitzer von WEI ist ein gewisser Q-“

„Quatre Winner,“ unterbrach Heero ihn. „Ich weiß.“ Heero seufzte und schüttelte einmal kurz den Kopf. War ja klar. Gab es überhaupt noch etwas auf diesem Planeten das Quatre NICHT gehörte? Soviel zu seiner Hoffnung sich mit einer langwierigen Aufgabe von Duo ablenken zu können.

„Mach dir keine Sorgen,“ versicherte er Trowa der ihn leicht verwirrt anstarrte. „Ich kümmere mich darum. In spätestens einer halben Stunde hast du deine Erlaubnis.“



Kapitel 3

Den ganzen Weg zu Quatres Anwesen über fluchte Heero still vor sich hin. Eigentlich hatte er ja vorgehabt einfach nur bei Quatre anzurufen, aber dann war ihm aufgefallen wie spät es schon war. Beziehungsweise, wie früh. Die Nacht, genauso wie Heeros Schicht, näherte sich langsam dem Ende zu, und das bedeutete dass Quatre zu Hause sein und schlafen würde.

Und dann gab es noch einen anderen, weitaus persönlicheren Grund warum Heero sich entschlossen hatte das ganze lieber selbst statt am Telefon zu erledigen.

Quatre gehörte die Romefeller Stiftung. Quatre wusste wie sehr Heero vor fünf Jahren verletzt worden war. Und dennoch hatte er Duo Maxwell eingestellt! Das würde ein Nachspiel haben, so wahr er Heero Yuy hieß!

Am Tor zu Quatres Anwesen angekommen gab Heero schnell den Code ein und fuhr dann zur Eingangstür vor. Glücklicherweise gehörte Heero zu der Handvoll Menschen die den Code kannten, er hätte jetzt wirklich keine Lust gehabt sich mit dem Wachpersonal rumschlagen zu müssen bevor er ins Haus gelassen wurde.

Auf sein Klingeln hin wurde die Tür von Rashid, Quatres Butler, Bodyguard und Chauffeur in einem, geöffnet. Heero hob eine Augenbraue - Rashid hatte weniger als drei Minuten gebraucht um die Tür zu öffnen und war vollkommen angekleidet, und das um drei Uhr Morgens. Nicht zum ersten Mal kam Heero der Gedanke dass Rashid übermenschliche Kräfte besitzen musste. Oder es gab mehr als einen von ihm. Hm...

Heero schüttelte innerlich den Kopf. Er hatte jetzt keine Zeit für solche albernen Gedanken. „Ist Quatre da?“ fragte er deshalb und betrat die große Eingangshalle des alten Herrenhauses. „Ich muss ihn sprechen.“

„Ich werde sehen ob Master Quatre wach ist,“ erwiderte Rashid und verschwand über die Treppe nach oben.

Heero blickte ihm einen Moment lang nach, dann drehte er sich um und ging direkt in die Bibliothek. Es war Quatres liebster Raum in diesem Haus, und da die Bibliothek äußerst großzügig geschnitten war benutzte er sie sowohl als Wohnzimmer als auch als Arbeitszimmer. Heero war sich nicht einmal sicher ob es überhaupt ein anderes Wohnzimmer in diesem Haus gab.

Offenbar hatte Quatre nicht allzu tief geschlafen, denn Heero musste nicht lange warten bis sich die Tür öffnete und der blonde Mann, gehüllt in einen Bademantel, hinein geschlurft kam.

„Heero!“ rief Quatre und unterdrückte schnell ein Gähnen. „Wie komm ich zu dieser Ehre? Du besuchst mich doch sonst nie ohne dass ich dich praktisch dazu zwingen muss. Hab ich was vergessen? Ist heute mein Geburtstag? Oder ist jemand gestorben?“

„Nein,“ sagte Heero. „Und ja.“

Quatres Augen wurden groß und er ließ sich auf einen der Sessel vor dem Kamin fallen. „Oh mein Gott...“

„Quatre,“ begann Heero, bevor Quatre noch mehr erschrecken konnte. „Ich bin aus beruflichen Gründen hier. Gestern Abend wurde ein Angestellter der Romefeller Stiftung ermordet.“

„Was?“ Quatre blinzelte Heero ein paar Mal verblüfft an. „Warum erfahre ich erst jetzt davon?“

„Das solltest du deine Anwälte fragen,“ antwortete Heero schulterzuckend. „Ich habe selbst gerade erst rausgefunden dass die Romefeller Stiftung dir gehört. Deine Anwälte haben uns ziemlich lange an der Nase herumgeführt. Wenn mein Kollege nicht zufällig erwähnt hätte dass die Stiftung zu WEI gehört würden wir noch immer von Pontius zu Pilatus geschickt werden.“

„Oh. Ich vermute dass ich den Bericht der Anwälte wohl heute Früh im Büro vorfinden werde,“ sagte Quatre. „Aber da du schon mal hier bist kannst du mir ja auch genaueres sagen. Wer ist denn tot? Und wisst ihr schon genaueres?“

Heero schüttelte den Kopf. „Bis jetzt noch nicht. Das Opfer ist ein gewisser Taylor Jones, einer der Labortechniker.“

Quatre legte den Kopf leicht schief und runzelte die Stirn. „Tut mir leid, der Name sagt mir überhaupt nichts. Ich werd mir nachher gleich seine Personalakte ansehen, vielleicht fällt mir ja dann etwas zu dem Mann ein.“

Heero nickte dankend.

Quatres Blick wurde forschend. „Aber du bist doch sicherlich nicht nur hier um mir zu berichten dass einer meiner Angestellten ermordet wurde, oder?“

„Stimmt,“ antwortete Heero grimmig. „Ich bin aus zwei Gründen hier. Wir brauchen die Erlaubnis uns in der Stiftung umzusehen, und zwar der gesamten Stiftung. Deine Anwälte blocken, und es würde uns sehr viel Zeit kosten das auf offiziellem Weg zu erlangen.“

„Kein Problem,“ Quatre zuckte mit der Schulter. „Du bist doch bei der Untersuchung dabei, oder?“

Heero nickte.

„Dann könnt ihr euch umsehen soviel ihr wollt,“ sagte Quatre. „Ich erledige den Papierkram gleich wenn ich ins Büro gehe.“

„Danke.“

„Und was war der zweite Grund?“

Heero drehte sich von Quatre ab und starrte auf den leeren Kamin. Zu dieser Jahreszeit war es zu warm um ein Feuer zu entzünden - mal ganz davon abgesehen dass selbst im Winter um diese Uhrzeit wohl keins darin gebrannt hätte.

„Der zweite Grund ist... persönlicher,“ sagte Heero schließlich leise.

„Persönlicher?“ fragte Quatre.

Heero nickte leicht, dann drehte er sich mit einem Ruck zu Quatre um. „Warum hast du das getan?“ sprudelte es schließlich aus ihm hervor, heftiger als er eigentlich gewollt hatte. „Du hast gewußt was damals passiert ist, wie sehr ich am Boden zerstört war, und trotzdem hast du ihn eingestellt! Wie konntest du nur? Ich dachte du wärst mein Freund! Ich -“

„Heero, Heero, stopp!“ Quatre sprang auf und unterbrach Heeros aufgebrachten Redefluss. „Wovon redest du? Was habe ich getan? Heero, ich hab keine Ahnung wovon du sprichst!“

Heero holte tief Luft um sich zu beruhigen, dann antwortete er, „Ich spreche von Duo Maxwell, von wem sonst!“

Quatre blinzelte perplex. „Duo Maxwell? Meinst du Dr. Duo Maxwell, der bei der Romefeller Stiftung arbeitet?“

„Ja!“

Quatres Gesichtsausdruck wurde noch verwirrter. „Was ist mit ihm?“

„Was mit ihm ist?“ Heero warf die Hände in die Luft. „Quatre, wie konntest du das vergessen? Er hat mit meinen Gefühlen gespielt, hat mich dazu gebracht dass ich mich ihm öffne, dass ich ihm Dinge anvertraue die ich noch niemals zuvor einem anderen erzählt habe, und dann hat er mich eiskalt abserviert! Großer Gott, ich hatte sogar mit dem Gedanken gespielt meine Ausbildung in meiner Heimatstadt zu vollenden, nur damit ich in seiner Nähe sein konnte! Das hab ich dir doch alles erzählt!“

Quatre starrte ihn aus großen Augen und mit offenem Mund an. „Du meinst... willst du damit sagen... dass Duo derjenige ist... DUO ist der junge Assistenzarzt mit dem du vor fünf Jahren...?“

„Natürlich! Das hab ich dir doch erzählt!“

„Nein hast du nicht!“ Jetzt war es an Quatre die Arme empört in die Luft zu werfen. „Du hast mir damals so gut wie gar nichts über diesen geheimnisvollen Kerl erzählt der dir dein Herz gebrochen hat! Nur dass er Assistenzarzt an der Klinik war in der du dein Praktikum absolviert hast, mehr nicht! Nicht seinen Namen und auch nicht wie er aussieht! Herrgottnochmal, hättest du auch nur ein einziges Mal seinen Zopf erwähnt dann wäre mir sofort klar gewesen wer er ist als ich ihn eingestellt habe! Wie konntest du nur diese Haare nicht erwähnen?“

Heero blinzelte verblüfft und machte einen unwillkürlichen Schritt nach hinten. Quatre wirkte ziemlich aufgebracht, und so wie er inzwischen mit seinen Armen fuchtelte war das garantiert sicherer. Aber hatte er ihm damals wirklich nichts ausführlicheres über Duo erzählt? Heero konnte sich nicht mehr so genau erinnern - er wusste nur, dass er damals sehr deprimiert gewesen war und am liebsten überhaupt nicht über das Thema hatte sprechen wollen. Quatre hatte sämtliche Informationen praktisch mit der Brechstange aus Heero herausholen müssen.

„Hn,“ machte Heero deshalb nur irritiert. „Ich dachte ich hätte seinen Namen genannt. Tut mir leid dass ich dich so angefahren hab. Und er hat mir nicht das Herz gebrochen,“ fügte er dann etwas verspätet noch hinzu. „Um mir das Herz zu brechen hätte ja schließlich was zwischen uns sein müssen. Aber dafür haben wir uns gar nicht gut genug gekannt. Ich... mir hat nur nicht gefallen dass er gedacht hat er könnte mit mir spielen, das ist alles.“

„Sicher,“ machte Quatre und zog eine Augenbraue hoch.

Heero verengte seine Augen. Hatte er da etwa einen Hauch von Sarkasmus in Quatres Stimme gehört?

„Dann ist Duo Maxwell also...“ Quatre ließ sich wieder auf seinen Sessel fallen und starrte Heero mit einem Blick an, den dieser nur spekulativ nennen konnte. „Interessant. Das ist wirklich äußerst interessant. Was für ein unglaublicher Zufall!“

Heero machte einen weiteren Schritt zurück. Das Lächeln das sich gerade auf Quatres Gesicht gelegt hatte gefiel ihm überhaupt nicht. „Ja,“ antwortete er vorsichtig. „Und was willst du jetzt deswegen unternehmen?“

Quatre hob die Hände in einer hilflosen Geste. „Was kann ich schon tun?“ fragte er unschuldig. „Du wirst ja wohl kaum von mir verlangen dass ich Duo Maxwell rauswerfe nur weil du vor fünf Jahren eine schlechte Erfahrung mit ihm hattest, oder? Der Mann leistet hervorragende Arbeit. Seine - und meine! - Anwälte würden mir den Kopf abbeißen wenn ich einen so fadenscheinigen Kündigungsgrund angeben würde.“

Heero starrte Quatre an. Sein bester Freund hatte zwar Recht - Heero hatte auch gar nicht vorschlagen wollen dass Quatre Duo feuerte. Schließlich war Heero ja nicht nachtragend. Aber Quatre kam ihm dennoch viel zu fröhlich vor. Oh ja, definitiv viel zu fröhlich, vor allem wenn man die Uhrzeit bedachte. Im Gegensatz zu Heero war Quatre kein Nachtmensch. Und so konnte die Fröhlichkeit nur eins bedeuten: Quatre hatte irgendeinen diabolischen Plan ausgeheckt. Heero hoffte nur, dass dieser Plan ihn selbst außen vor ließ.

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Als Heero nach seinem Besuch bei Quatre das Gebäude des CSI wieder betrat, kam ihm schon Trowa entgegen. Der ansonsten so beherrschte Mann wirkte fast fröhlich wie er so auf Heero zugeeilt kam.

„Wir haben die Erlaubnis des Besitzers die Romefeller Stiftung genauer unter die Lupe zu nehmen,“ kam Heero sofort ohne große Umschweife zur Sache.

Trowa, der den Mund schon geöffnet hatte um irgendetwas zu sagen, klappte ihn wieder zu, blinzelte einmal verwirrt und sagte dann, „Was?“

„Ich habe gerade mit Quatre gesprochen,“ erklärte Heero. „Die mündliche Erlaubnis hat er mir bereits gegeben, und sobald er heute Früh ins Büro kommt wird er sie uns auch schriftlich geben.“

Trowa blinzelte erneut. „Du hast mit Quatre Winner gesprochen? Persönlich? Wie hast du denn das geschafft.“

„Wir sind seit Jahren Freunde,“ erwiderte Heero mit einem leichten Schulterzucken.

„Du kennst Quatre Winner?“ Trowa hörte sich verblüfft an - na ja, zumindest für Trowas Verhältnisse. „Warum hast du nie was davon erzählt?“

Heero zuckte als Antwort erneut nur kurz mit den Schultern. Es war sicherlich kein Geheimnis, aber bisher war die Sprache noch nie darauf gekommen. Und da Heero nicht viel davon hielt jedem gleich zu erzählen dass er Quatres bester Freund war - sowas führte nach Heeros Ansicht nur zu unangenehmen Situationen weil sich viele Leute dann gleich irgendwelche Vorteile daraus erhofften - wusste es hier beim CSI niemand.

„Wie auch immer,“ Trowa winkte mit einer Hand ab. „Es ist gut möglich dass wir diese Erlaubnis gar nicht mehr brauchen werden.“

„Tatsächlich?“ Heero zog eine Augenbraue hoch. „Und warum nicht?“

„Unser Opfer, Taylor Jones, hatte einen Liebhaber,“ erwiderte Trowa und sein sichtbares Auge funkelte.

Erneut zog Heero nur eine Augenbraue hoch. Das hatten viele Menschen - er leider Gottes im Moment nicht, aber das tat nichts zur Sache.

„Einen Liebhaber mit dem er sich kurz vor seinem Tod lautstark gestritten hat,“ setzte Trowa hinzu. „Im Labor. Vor Zeugen.“

„Tatsächlich,“ machte Heero und ein kleines Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Wenn sich herausstellen würde, dass Jones’ Liebhaber ihn getötet hatte, dann würde er vielleicht gar nicht mehr in die Romefeller Stiftung zurückkehren müssen. Dann würde er Duo überhaupt nicht wiedersehen müssen.

„Habt ihr ihn schon verhört?“ fragte Heero während er gemeinsam mit Trowa in Richtung der Verhörräume ging.

„Noch nicht,“ Trowa schüttelte den Kopf. „Inspektor Chang holt ihn gerade ab. Du hast also nichts verpasst. Oh, und eh ich’s vergesse, ich hab das Alibi von unserem Zeugen, Dr. Maxwell, überprüft. Der Kassierer im Supermarkt konnte sich noch an ihn erinnern - eigentlich kein Wunder, immerhin hatte er seinen Geldbeutel vergessen, und so wie er aussieht, mit diesen Haaren, ist er auch wirklich nicht leicht zu übersehen. Und da der Supermarkt praktisch am anderen Ende der Stadt liegt hätte Dr. Maxwell es zeitlich unmöglich schaffen können den Mann zu ermorden.“

„Hn,“ machte Heero so neutral wie möglich. Gut, er hatte nicht wirklich geglaubt dass Duo ein Mörder war - schließlich lagen Welten zwischen einem Mörder und jemandem, der nur mit den Gefühlen anderer Menschen spielte. Das war ihm während er mit Chang zusammen Duo befragt hatte eigentlich mehr so rausgerutscht - der Ärger hatte ihn einfach übermannt. Eigentlich - wenn Heero so zurückdachte - dann hatte er Duo mehr oder weniger deutlich eine ganze Menge Dinge unterstellt während der Befragung. Unter anderem auch...

„Wie ist denn der Name des Liebhabers?“ fragte Heero. Duo war es wohl offensichtlich nicht, das hätte Trowa schon erwähnt.

„Ein gewisser Zechs Marquise,“ erwiderte Trowa.

„Hn,“ machte Heero wieder nur. Inzwischen waren sie im Bereich der Verhörräume angekommen und Trowa öffnete eine der Türen die zu den Nebenräumen der Verhörräume führten. Dort würden sie dem Gespräch - denn ein Verhör konnte man es noch nicht nennen - zwischen Inspektor Chang und ihrem bisher einzigen Verdächtigen zuhören können ohne dass dieser es mitbekam.

Als Heero an das große Sichtfenster - das von der anderen Seite ein Spiegel war - trat sah er dass Chang inzwischen mit dem Liebhaber des Opfers schon eingetroffen war, denn dem jungen Chinesen gegenüber saß ein ebenfalls junger Mann. Aber ansonsten schien er das genaue Gegenteil des Inspektors zu sein.

Obwohl Chang kein kleiner Mann war - für einen Chinesen war er sogar ein richtiggehender Riese - so wirkte er neben Marquise direkt zierlich. Heero stieß einen leisen Pfiff aus. Groß, gutgebaut, langes, bis zur Schulter reichendes silberblondes Haar und ein Gesicht... Wenn Heero ehrlich war, dann hatte er bisher nur einen Mann gesehen der besser aussah als der dort drinnen in ihrem Verhörraum, und das war...

Mit einem leise gemurmelten Fluch lenkte Heero seine Gedanken in eine andere Richtung. Er hatte jetzt nicht die geringste Lust schon wieder über Duo Maxwell nachzudenken. Er musste sich auf den Fall konzentrieren und nicht auf Dinge die weit in der Vergangenheit lagen.

Trowas fragenden Blick ignorierend - offenbar hatte der andere Heeros Fluch mitbekommen - trat Heero näher an das Sichtfenster. Mit einem leichten Stirnrunzeln betrachtete er den Verdächtigen genauer. Irgendwie...

„Trowa?“ fragte Heero ohne den Blick von Marquise zu nehmen. „Was weißt du über den Kerl? Ist er vielleicht ein Modell oder Schauspieler oder irgendetwas in der Art?“

Trowa zog eine Augenbraue hoch und sah Heero einen Moment lang prüfend an, dann schüttelte er den Kopf. „Nein. Obwohl er zugegebenermaßen gut genug aussieht um ein Modell sein zu können,“ fügte er dann mit einem beifallenden Blick auf den großen blonden Mann hinzu. „Er ist der Besitzer eines der exklusivsten Nachtclubs der Stadt. Wieso fragst du?“

Heero schüttelte leicht den Kopf. „Ich weiß auch nicht... Er kommt mir irgendwie bekannt vor. Ich weiß nur nicht woher. Ich dachte, vielleicht hab ich ihn ja schon mal auf irgendeinem Plakat gesehen oder so.“

Trowa zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hast du ihn ja im Club gesehen. Warst du schon mal im ‘Fegefeuer’?“

Heero unterdrückte schnell ein spöttisches Schnauben. Ja klar, wann sollte er denn bitteschön schon mal Zeit gehabt haben um in einen Club zu gehen? Zu der Zeit wo diese Clubs geöffnet waren arbeitete er für gewöhnlich. Stattdessen hob er nur eine Augenbraue und sah Trowa fragend an. „Fegefeuer?“

Trowa zuckte kurz mit den Schultern. „Frag mich nicht. Keine Ahnung warum er diesen Namen trägt. Wenn es dich wirklich interessiert solltest du den Besitzer fragen.“

Heero schüttelte nur leicht den Kopf, dann drehte er sich wieder zurück zum Fenster. Er konnte sich später noch Gedanken zur seltsamen Namensgebung des Clubs machen - alles nur um nicht an gewisse andere Dinge denken zu müssen - aber jetzt war erst einmal das Verhör an der Reihe. Und die Tatsache dass ihm dieser Verdächte wirklich unglaublich bekannt vor kam. Irgendwo hatte er den Mann schon einmal gesehen, da war er sich sicher. Er konnte nur nicht einordnen wo. Aber Heero war sich sicher dass er sich früher oder später schon noch daran erinnern würde.



Kapitel 4

„Lassen Sie uns beginnen,“ sagte Wufei Chang und ließ sich gegenüber des Verdächtigen nieder.

„Natürlich Inspektor,“ erwiderte der Mann mit einem amüsierten Unterton in der Stimme.

„Ist es richtig dass der Verstorbene Ihr Liebhaber war, Mr. Marquise?“ fragte Wufei ruhig, ohne sich von dem leicht provozierenden Tonfall des Mannes beeindrucken zu lassen. Zechs Marquise genoss einen gewissen Ruf in der Stadt, und wie es schien wollte er keine Zeit verlieren diesem Ruf auch gerecht zu werden.

„Ex-Liebhaber,“ erwiderte Marquise. „Wir haben uns getrennt.“

„Und wie lief diese Trennung vonstatten, Mr. Marquise?“ Wufei zog eine Augenbraue hoch. „Womöglich mit mehreren Schlägen auf Mr. Jones’ Kopf?“

Nun war es an Zechs Marquise eine Augenbraue hochzuziehen. „Wollen Sie damit etwa andeuten ich hätte Taylor getötet?“ Offenbar schien den Mann diese Andeutung nicht im geringsten zu beunruhigen, denn noch immer klang seine Stimme eher amüsiert als alles andere.

„Haben Sie das? Ihn getötet?“ konterte Wufei. Oh, dieser Zechs Marquise war bei weitem nicht der erste allzu selbstsichere Killer den Wufei verhört hatte, er würde schon mit ihm fertig werden. Und sollte er tatsächlich der Täter sein, so war sich Wufei ebenfalls sicher, dass er ihn früher oder später schon überführen könnte. Alles an dem Kerl schrie nach ‚Angeber’, und Angeber hörten sich selbst immer am liebsten reden.

„Warum hätte ich das tun sollen?“ antwortete Marquise mit einer Gegenfrage.

„Sie haben sich vor kurzem mit dem Opfer gestritten,“ sagte Wufei. „Lautstark. Vor Zeugen. Vielleicht haben Sie ja beschlossen den Streit später fortzusetzen. Nur diesmal ohne Zeugen.“

„Oh bitte,“ Marquise schnaubte abfällig. „Glauben Sie wirklich ich bin so dämlich mich vor Zeugen - wie Sie so schön sagen - mit Taylor zu streiten, wenn ich ihn hinterher umbringen will? Da hätte ich mir ja gleich ‚Täter’ auf die Stirn tätowieren können.“

„Vielleicht hatten Sie es ja nicht geplant,“ schlug Wufei vor. „Ich kann das gut verstehen, ein Streit unter Liebenden, der eskaliert ist. Sowas kommt vor.“

Diesmal war Marquises Schnauben noch abfälliger. „Wenn Taylor und ich eines nicht waren, dann ‚Liebende’. Ich bin mir nicht einmal sicher ob Taylor überhaupt zu so etwas wie ‚Liebe’ fähig war - zumindest anderen gegenüber. Es gab nur einen Menschen den er geliebt hat, und das war er selbst.“

„Das muss Sie doch ziemlich verletzt haben, oder?“ Wufei versuchte seiner Stimme einen mitfühlenden Tonfall zu geben. „Dass er Sie nicht geliebt hat.“

Marquise sah ihn einen Moment lang an als würde er an Wufeis Verstand zweifeln. Dann fing er an zu lachen. „Sie glauben, ICH hätte IHN geliebt?“ prustete er. „Oh nein, Inspektor, so eine ‚Beziehung’ hatten wir beide nicht!“ Marquise schüttelte den Kopf, immer noch sichtlich amüsiert. „Ich wusste vom ersten Moment an dass Taylor ein selbstverliebtes, arrogantes Arschloch ist. In der Hinsicht habe ich mich nie getäuscht.“

„Wenn Sie das wussten, warum waren Sie dann überhaupt mit ihm zusammen?“

Erneut zog Marquise eine Augenbraue amüsiert in die Höhe. „Nun, wenn Sie es genau wissen wollen, er war auf mein Geld aus, und ich war mit ihm zusammen weil - nun, er war einfach eine Kanone im Bett,“ antwortete er schließlich gedehnt. „Er sah gut aus, konnte amüsant sein wenn ihm danach war, und wenn er in Stimmung kam konnte er einen die ganze Nacht durch die Matratze ficken.“ Der Blick des Mannes wich nicht eine Sekunde von Wufei, offenbar in der Hoffnung mit dieser krassen Aussage eine Reaktion aus ihm heraus zu zwingen.

Wufei zuckte nicht einmal mit der Wimper. Dachte Marquise wirklich er könnte ihn damit aus der Fassung bringen? Oh bitte, Wufei hatte in seiner Laufbahn als Polizist schon weitaus extremere Dinge gehört und gesehen als dass diese Aussage die Schamröte in sein Gesicht treiben könnte.

„Und warum haben Sie sich dann von ihm getrennt wenn er doch im Besitz solch - feiner Qualitäten war?“ fragte Wufei kühl.

Sein Gegenüber blinzelte einmal, so als hätte ihn Wufeis Reaktion - beziehungsweise das Fehlen einer solchen - überrascht, doch er fing sich schnell.

„Nun,“ Marquise zuckte kurz mit den Schultern. „Wie ich schon sagte, er konnte amüsant sein wenn ihm danach war. Nur leider war ihm selten danach. Den Rest der Zeit war er ein Arschloch. Eine gewisse zeitlang konnte man es ertragen, aber irgendwann hatte ich die Nase voll von ihm. Sein Können im Bett war sein Benehmen bei weitem nicht wert, glauben Sie es.“

„Hm,“ machte Wufei. Dann entschied er sich die Unterhaltung in etwas andere Bahnen zu lenken. „Worüber haben Sie sich mit Mr. Jones gestritten?“

Marquise zuckte mit den Schultern. „Im Grunde nur darüber dass er ein Arschloch war. Er wollte den Schlüssel zu meiner Wohnung nicht zurückgeben, den er noch hatte. Er hat behauptet, ich hätte noch Dinge dort, die sein Eigentum wären, und er wollte sie zurück. Den Schlüssel würde er solange als Pfand behalten.“

„Und?“ hakte Wufei nach. „Haben Sie sie ihm gegeben?“

„Sonst noch was?“ Marquise schüttelte den Kopf. „Nichts von den Dingen die angeblich sein Eigentum waren gehörte ihm. Das sind alles meine Dinge, meine Kunstgegenstände, meine Gemälde. Das Miststück wollte einfach nur Geld von mir - er meinte, er würde mir sein ‚Eigentum’ zu einem angemessenen Preis überlassen - oder es sich wiederholen.“

„Erpressung also,“ Wufei gestattete sich ein kurzes, zufriedenes Lächeln.

„Freuen Sie sich nicht zu früh, Inspektor,“ sagte Marquise. „Ich hatte nicht vor mich von ihm erpressen zu lassen. Die Schlösser meiner Wohnung habe ich in dem Moment auswechseln lassen als mir bewusst wurde, dass Taylor noch einen Schlüssel dazu hatte - nur Stunden später nachdem ich ihm den Laufpass gegeben habe. Und dafür habe ich Zeugen - eine Menge Leute haben in meinem Club die Szene mitbekommen, die Taylor hingelegt hat nachdem ich ihm gesagt hab dass ich nichts mehr mit ihm zu tun haben will. Und der Schlüsseldienst kann bestätigen wann ich die Schlösser hab auswechseln lassen. Ich hab den Schlüssel nur aus Prinzip zurückverlangt.“

„War das dann der Zeitpunkt als er Ihnen androhte zur Presse zu gehen?“ warf Wufei kühl ein.

Marquise blinzelte ein paar Mal und lehnte sich überrascht in seinem Stuhl zurück. Wufei grinste innerlich. Richtig geraten. Sein Zeuge hatte nicht alles vom Streit zwischen Marquise und Jones mitbekommen, nur Bruchstücke, und eines davon war gewesen dass Jones Marquise mit der Presse gedroht hatte.

„Ich bin überrascht,“ sagte Marquise schließlich. „Meinen Respekt, Inspektor. Ich weiß zwar nicht wie Sie das herausbekommen haben, aber es stimmt. Nachdem ich Taylor darüber informiert hatte, dass sein Schlüssel wertlos und er sich das Geld an den Hut stecken könnte, hat er mir damit gedroht zur Presse zu gehen und publik zu machen, wie ich ihn um das betrogen hätte, was ihm rechtmäßig zustünde.“

„Nun, das ist doch sicherlich Grund genug für Sie Mr. Jones umzubringen, oder meinen Sie nicht, Mr. Marquise?“

„Inspektor,“ erwiderte Marquise mit einem herablassenden kleinen Lächeln, „ein Mann mit meinem Ruf, glauben Sie wirklich der hätte Angst vor ein wenig Dreckschleudern der Boulevardpresse? Ich bitte Sie, im Gegenteil, die Leute wären nur in meinen Club geströmt um einen Blick auf den berühmt-berüchtigten Besitzer werfen zu können. Das wäre kostenlose Werbung gewesen.“

Wufei antwortete nicht darauf, sondern sah den Mann nur stumm an. Schließlich seufzte Marquise auf und lehnte sich vor. „Sehen Sie, Inspektor, Sie verschwenden wirklich Ihre Zeit mit mir. Taylor war ein Arschloch und ich kann nicht sagen dass ich seinen Tod wirklich bedauere. Aber ich habe ihn nicht getötet. Ich hatte nicht das geringste Motiv dazu.“

Noch bevor Wufei irgendetwas darauf erwidern konnte öffnete sich plötzlich die Tür zum Verhörraum und Heero Yuy kam herein. Nachdem er die Tür hinter sich wieder geschlossen hatte, nickte er Wufei kurz zu und nahm dann neben ihm Platz.

Zechs Marquise, der bis dahin während des gesamten Gesprächs arrogant und amüsiert gewirkt hatte, schien auf einmal äußerst wachsam und angespannt zu sein. Wufei ließ seinen Blick kurz fragend zwischen Marquise und Yuy hin- und herwandern. Er wusste zwar nicht warum Yuy sich dem Verhör angeschlossen hatte - wenn er neue Beweise gehabt hätte die Marquise mit dem Mord in Zusammenhang brächten, hätte er mit Sicherheit schon etwas gesagt - aber er entschloss sich dennoch, das Gespräch wieder aufzunehmen.

„Das hier ist Heero Yuy vom kriminaltechnischen Labor,“ stellte er den CSI-Mann vor.

„Sie brauchen uns nicht vorzustellen, Inspektor,“ sagte Heero ohne den Blick von Marquise zu nehmen. „Wir kennen uns bereits.“

Wufei zog eine Augenbraue hoch. „Tatsächlich?“ staunte er. Er hätte nicht gedacht dass Yuy in Clubs wie dem ‚Fegefeuer’ verkehrte. Nun, man lernte eben nie aus, und im übrigen hatte er schon immer gedacht -

„Oh ja,“ antwortete Yuy und unterbrach damit Wufeis Gedankengänge. „Das tun wir. Hallo Milliardo.“

„Oh verdammt,“ fluchte Marquise leise vor sich hin, äußerte sich aber sonst nicht weiter zu der Anrede.

Wufei sah Yuy fragend an. „Milliardo? Sein Name ist Zechs Marquise.“

Yuy zuckte kurz mit den Schultern. „Jetzt vielleicht. Aber ich glaube nicht dass er ihn legal geändert hat. Als ich ihn kennen gelernt habe hieß er noch Milliardo Peacecraft.“

Wufei starrte Yuy einen Moment ungläubig an, dann richtete er seinen Blick auf Marquise. Sämtliche Arroganz hatte den blonden Mann verlassen, er ließ die Schultern hängen und hielt den Blick starr auf den Tisch gerichtet.

„Milliardo Peacecraft?“ wandte Wufei sich wieder an Yuy. „Der Bruder der Abgeordneten Relena Peacecraft? Der um dessen plötzliches Verschwinden es vor ein paar Jahren diese riesige Aufregung gab?“

Offenbar hatte der blonde Mann sich von dem Schock den Yuy ihm verpasst hatte wieder erholt, denn bei dieser Aussage hob er den Kopf, blickte Wufei spöttisch an und meinte, „Inspektor, ich hätte nicht gedacht dass Sie der Typ sind der Klatschblätter liest.“

„Was ist damals geschehen, Milliardo?“ warf Heero Yuy ruhig ein ohne auf Marquises Bemerkung einzugehen - und bevor Wufei aufbrausen konnte. „Es hieß du wärst entführt worden, obwohl niemals eine Lösegeldforderung kam. Es gab keine Spur von deinem Verbleib, bis man schließlich in einem Waldstück deine blutverschmierten Kleidungsstücke fand und die Polizei zu dem Schluss kam, dass du tot wärst. Warum versteckst du dich hier unter falschem Namen als Besitzer eines schmierigen Nachtclubs?“

„Das Fegefeuer ist alles andere als schmierig,“ erwiderte Marquise beinahe hitzig. „Es ist einer der gefragtesten Clubs der Stadt!“

Als Yuy ihn nur stumm ansah, seufzte der blonde Mann schließlich an. „Ich wurde nicht entführt oder so was in der Art. Ich bin - untergetaucht. Du müsstest das doch wissen, Heero. Schließlich hast du mir ja den Rat dazu gegeben.“

Wufei warf dem Ermittler neben ihm einen neugierigen Blick zu. Das hatte Yuy getan? Allerdings sah es so aus als wäre das auch für Yuy neu, denn er machte fast den Eindruck als würden ihm seine Augen gleich aus dem Kopf fallen.

„Ich soll WAS getan haben?“ fragte er ungläubig.

Marquise zuckte nur leicht mit den Schultern. „Du hast gesagt, ich sollte für eine Zeit verschwinden, wenn meine Schwester wieder einmal zu unerträglich würde.“

„Ja aber damit meine ich doch nur dass du - was weiß ich, einen ausgedehnten Urlaub in der Karibik machen sollst oder so was in der Art!“ rief Yuy und warf die Arme in die Luft. „Und nicht dass du deinen Tod vortäuschen sollst!“

Wieder zuckte Marquise nur mit den Schultern. „So schien es mir sicherer. In der Karibik hätte Relena mich aufspüren können. So konnte sie es nicht. Du hast sie doch erlebt, Heero! Sie ist sogar noch schlimmer geworden nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde! Ich hätte es nicht länger ertragen ohne einen von uns beiden umzubringen. Und damit ich am Ende nicht Relena den Hals umdrehe, hab ich eben beschlossen meinen Tod zu inszenieren.“

„Interessant,“ mischte Wufei sich wieder ins Gespräch. „Das bringt uns aber wieder zurück zu unserem Thema. Ihr Motiv, Mr. Marquise. Oder soll ich Sie lieber mit Peacecraft anreden?“

Marquise verzog das Gesicht. „Ich ziehe meinen jetzigen Namen vor. Und was hat das alles mit meinem Motiv zu tun?“

Wufei zuckte mit den Schultern. „Nun, wenn Taylor Jones rausgefunden hat wer Sie wirklich sind - und die Möglichkeit bestand sicherlich, wo er doch Ihr Liebhaber war - dann stellt sich seine Drohung zur Presse zu gehen doch in einem ganz anderen Licht dar, oder?“

Als Marquise darauf nicht antwortete sondern nur den Kopf schief legte, fuhr Wufei fort, „Mag ja sein dass es Sie nicht gestört hätte wenn Jones ein bisschen Dreck auf Ihr Image als Zechs Marquise geworfen hätte, aber ich bin mir sicher dass es Sie sehr viel mehr gestört hätte, wenn er der Presse offenbart hätte, dass Sie Milliardo Peacecraft sind, der verschwundene Erbe. Vor allem wo Sie sich doch so eine Mühe gegeben haben Ihr altes Leben hinter sich zu lassen und unterzutauchen.“

Marquise seufzte auf. „Ich gebe zu, Inspektor, hätte Taylor von meiner früheren Identität gewusst und sie der Presse verraten - gefreut hätte ich mich sicherlich nicht darüber. Aber erstens wusste Taylor nichts darüber, und zweitens, selbst wenn er es gewusst und der Presse verraten hätte - ich bin vor keinem Verbrechen geflohen oder etwas in der Art. Das schlimmste was mir passiert wäre, wäre dass meine Schwester wieder wüsste wo ich zu finden bin. Und so unangenehm mir das wäre, so ist das dennoch kein Grund für einen Mord. Es besteht ja immerhin noch die Hoffnung dass Relena gar nichts mehr mit mir zu tun haben will,“ setzte er noch spöttisch hinzu, „wo ich doch den guten Familiennamen in den Dreck gezogen hab indem ich ein billiger Nachtclubbesitzer geworden bin.“

„Für mich klingt das immer noch nach einem guten Motiv,“ erwiderte Wufei. „Aber vielleicht irre ich mich ja auch vollkommen und Sie haben ein Alibi für die Tatzeit. Wo waren Sie heute Abend zwischen 19:15 und 19:45 Uhr?“

„Ich muss Sie leider enttäuschen, Inspektor,“ erwiderte Marquise. „Kein Alibi. Zu dieser Zeit war ich in meiner Wohnung. Allein.“

Wufei nickte zufrieden. Ganz wie er es sich gedacht hatte. Dieser Zechs Marquise war ihm von Anfang an unsympathisch gewesen, und obwohl er als Polizist nicht aufgrund von Zu- oder Abneigungen handeln sollte, so hatte ihn seine Menschenkenntnis in diesem Fall offenbar nicht getrügt. Und mit einem mentalen Händereiben machte er sich daran, Marquise richtig zu verhören.

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Heero öffnete die Tür zum Beobachtungsraum, schlüpfte leise hinein und stellte sich wieder neben Trowa an das Sichtfenster. Inspektor Chang war inzwischen so sehr in sein Verhör vertieft, dass er gar nicht gemerkt hatte wie Heero den Verhörraum verlassen hatte. Aber das machte nichts, Heero war dort im Moment sowieso überflüssig gewesen.

„Interessante Freunde hast du,“ merkte Trowa trocken an. „Ich wusste gar nicht dass du dich in solch illusteren Kreisen bewegst.“

Heero schnaubte kurz. „Tu ich nicht. Quatre kenn ich seit wir Kinder waren, und Milliardo - oder Zechs - hab ich während meines Krankenpflegepraktikums kennen gelernt. Er war dort Patient.“

Trowa antwortete nicht darauf, sondern beobachtete weiter die Geschehnisse im Inneren des Verhörraums. Heero sah ebenfalls eine Weile stumm zu, dann seufzte er tief. Milliardo war nun schon der zweite Teil seiner Vergangenheit die ihn gewissermaßen einholte. Und noch dazu aus dem selben Zeitrahmen. Konnte das wirklich nur ein Zufall sein? Heero seufzte erneut.

Trowa warf ihm einen kurzen Blick aus den Augenwinkeln zu. „Du glaubst auch nicht dass er es war,“ sagte er schließlich.

„Nein,“ Heero schüttelte kurz den Kopf. „Das passt nicht zu ihm. Das ist nicht sein Stil. Ich bin sicher, würde Mil- Zechs Marquise sich dazu entschließen jemanden umzubringen, würde es auf sehr viel elegantere Art und Weise geschehen. Und er wäre sicherlich klug genug ein hieb- und stichfestes Alibi zu haben. Nein, ich glaube nicht dass er es war. Er amüsiert sich da drin nur mit dem Inspektor. Chang wird gar nichts aus ihm herausbekommen.“

„Du weißt doch sicherlich was das bedeutet, oder?“ fragte Trowa.

„Ja.“ Heero stöhnte leise. Das bedeutete, zurück zur Romefeller Stiftung. Nochmal alles genau durchgehen. Wenn der Ex-Liebhaber nicht der Täter war, dann musste es jemand aus dem Labor sein. Heero seufzte ein drittes Mal. Und er hatte so gehofft er würde einer erneuten Begegnung mit Duo Maxwell aus dem Weg gehen können. Andererseits, nur weil sie zurück zur Stiftung mussten hieß das noch lange nicht, dass Heero Duo wiedersehen musste. Die Stiftung war groß, und Heero wusste genau wo sich Duos Labor befand. Wenn er also Trowa die erneute Untersuchung des Tatorts überließ und sich selbst um den Rest der Stiftung kümmerte, dann würde er Duo nicht begegnen müssen. Was konnte bei diesem Plan schon schief gehen?



Fortsetzung folgt