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D.A. Maxwell, Privatdetektiv Teil 10

Kapitel 10

Heero stapfte den Flur entlang und versuchte so gut wie möglich seinen ‘Chef’, der ihm in nur einem halben Meter Abstand folgte, zu ignorieren. Duo war die gesamte Fahrt über von Claire de la Maires Anwesen zurück zu ihrem Bürogebäude so schrecklich fröhlich und gutgelaunt gewesen, dass es Heero beinahe in den Wahnsinn getrieben hatte.

Überhaupt hatte ihm eine ganze Menge an den zurückliegenden Stunden nicht gepasst. Er hätte es niemals gedacht, aber einfach nur dazusitzen und mit anzuhören, wie ein Betrüger all die Lorbeeren für Ideen einheimste, die eigentlich von ihm und Wufei waren... Heero hatte mehr als einmal die Zähne zusammenbeißen müssen, um nicht an Ort und Stelle mit der Wahrheit herauszuplatzen.

Vielleicht wäre das ganze nicht so schlimm gewesen wenn Duo wenigstens nicht so selbstzufrieden und gutgelaunt gewesen wäre. Aber das gesamte Verhalten des Langhaarigen während der letzten Stunden hatte Heero eines klar gemacht - Duo war sich offenbar keiner Schuld bewusst. Er bereute nicht eine seiner Handlungen. Es war ihm völlig egal dass er Heero benutzt und mit seinen Gefühlen gespielt hatte. Es machte Heero mehr als deutlich, dass diese Gefühle offensichtlich nur einseitig gewesen waren.

Das zu realisieren war für Heero mehr als bitter gewesen, auch wenn er es vorher schon vermutet hatte.

Kein Wunder also dass es ihm so schwer fiel sich zurückzuhalten und den bescheidenen Assistenten neben seinem brillanten Chef zu spielen. Heeros Nerven waren bis zum äußersten gespannt. Es benötigte jedes Quäntchen seiner Willenskraft um Duo nicht mit seinem eigenen Zopf zu erwürgen.

Als sie die Glastüren zur Detektei durchschritten atmete Heero erleichtert auf. Endlich musste er nicht mehr allein Duos ewiges Geplapper ertragen - wenn er noch eine Lobeshymne über die berühmte Schauspielerin und ihren exquisiten Geschmack in Kunstwerken über sich ergehen lassen müsste, würde er vom Dach ihres Hochhauses springen. Ohne Fallschirm.

„Und?“ fragte Relena sofort als sie Heero und Duo entdeckte. „Habt ihr etwas erfahren?“

„Eine ganze Menge!“ rief Duo überschwänglich. „Claire de la Maire ist eine der faszinierendsten Frauen die ich jemals getroffen habe! Die Berichte in der Presse werden ihr noch nicht einmal annähernd gerecht! Ich glaube ich bin inzwischen eigentlich fast froh darüber dass mir ein anderer Dieb zuvorgekommen ist, sonst hätte ich niemals die Möglichkeit gehabt sie kennenzulernen!“

„Tatsächlich?“ Relena hörte sich fasziniert an. „Stimmt es dass sie noch keine einzige Schönheits-OP hat durchführen lassen? Ich kann es mir fast nicht vorstellen, so gut wie sie in ihrem Alter noch aussieht!“

Heero blickte fassungslos von Relena zu ihrem ‘Chef’ und wieder zurück. Das konnte doch wohl nicht wahr sein, oder? Die beiden würden jetzt doch wohl nicht anfangen gemeinsam über Klatsch und Tratsch aus Hollywood zu plaudern! Gerade von Relena hätte er anderes erwartet!

„Also so genau konnte ich natürlich nicht nachsehen,“ erwiderte Duo nicht minder begeistert als Relena. „Aber zumindest in ihrem Gesicht hab ich nicht eine einzige Narbe entdecken können oder sowas - AU!“

Heero hatte inzwischen genug von diesem Gespräch - er hatte das alles und noch mehr zu genüge auf der Rückfahrt gehört, vielen Dank. Also hatte er sich einfach Duos Zopf geschnappt und zog den Langhaarigen jetzt daran hinter sich her in das große Chefbüro.

„Verdammt noch mal, Heero, was soll das?“ beschwerte Duo sich lauthals während er hinter Heero herstolperte. Das Geschrei schien auch Wufei aus seinem Büro gelockt zu haben, doch statt irgendetwas dagegen zu unternehmen lehnte er sich nur gemütlich an den Türrahmen und sah mit einem breiten Grinsen zu wie Heero den sich heftig wehrenden Duo hinter sich her schleifte.

„Wir haben jetzt wichtigeres zu tun um über Claire de la Maires mögliche Schönheitsoperationen zu reden!“ wies Heero Duo zurecht. Und auch Relena warf er einen tadelnden Blick zu, woraufhin sie ziemlich schuldbewusst dreinblickte. Doch Heero hatte jetzt einfach nicht die Geduld sich damit zu befassen. Stattdessen verfrachtete er Duo ziemlich unzeremoniell auf eines der Sofas das in dem Raum stand.

„Au, verdammt!“ schimpfte Duo noch immer vor sich hin und rieb sich die schmerzende Kopfhaut, während er seinen Zopf mit der anderen Hand beschützend an die Brust zog. „Was sollte das? Das war wirklich unangebracht, Heero!“

Heero verschränkte die Arme vor der Brust und funkelte Duo nur böse aus zu Schlitzen verengten Augen an, antwortete darauf aber nicht.

„Also ICH fands amüsant,“ ließ sich Wufei von der Tür her vernehmen und schlenderte nun ebenfalls ins Büro, noch immer ein süffisantes Grinsen im Gesicht.

„Ach ja?“ machte Duo böse und funkelte nun seinerseits Wufei an. „Bin ja mal gespannt wie gut es DIR gefallen würde wenn dich jemand an deinen Haaren hinter sich herzerrt!“

„Kinder, Kinder!“ Relena hob beschwichtigend die Hände. „Das ist jetzt wirklich nicht der Zeitpunkt für irgendwelche Streitereien! Erzählt uns lieber was ihr bei Claire de la Maire rausgefunden habt.“

Duo bedachte Wufei noch mit einem letzten bösen Blick, dann antwortete er, „Sie konnte uns auch nicht weiterhelfen. Sie wusste von keinem obsessiven Fan der sie in letzter Zeit behelligt hätte. Wie nennt ihr das so schön? Es ist eine Sackgasse.“

„Nein ist es nicht,“ meldete sich nun auch Heero wieder zu Wort. „Claire de la Maire hat mir genau die Informationen gegeben, die wir brauchen.“ Kurz wiederholte er das Gespräch mit Claire de la Maire um auch Wufei und Relena einen Überblick zu geben. „Und ich habe auch schon eine Ahnung wer der Täter war,“ fügte er anschließend hinzu. „Allerdings brauchen wir noch ein paar mehr Informationen den Einbruch betreffend.“

„Also mir sagt das alles immer noch nichts,“ sagte Duo und schüttelte verwundert den Kopf. „Claire hat doch gar nichts neues erzählt.“

„Aus diesem Grund sind WIR ja auch die Detektive,“ antwortete Wufei spöttisch und eine Spur selbstgefällig, „während DU nur der Betrüger bist.“

„Also das reicht jetzt!“ brauste Duo auf und sprang vom Sofa auf um sich auf Wufei zu stürzen.

Doch Heero ließ es gar nicht so weit kommen, mit einer Hand stoppte er Duo und schubste ihn zurück aufs Sofa, während er an Wufei gewandt kurz den Kopf schüttelte. „Nicht jetzt,“ sagte er leise. Wufei zuckte nur spöttisch mit den Schultern, ließ aber davon ab ihren ‘Chef’ weiterhin zu provozieren.

„Gut,“ sagte Heero und wandte sich wieder Duo zu. „Und nun zu dir.“

„Was denn?“ rief Duo und blickte Heero verwundert an. „Ich hab doch gar nichts gemacht!“

Heero verengte leicht seine Augen - auf diese Aussage hätte er wirklich eine Menge zu erwidern gehabt, aber im Moment ging der Fall vor. „Ich möchte dass du uns alles von deinem Einbruch erzählst. Und zwar jede Einzelheit.“

Duo sah ihn einen Moment perplex an, dann lehnte er sich im Sofa zurück. „Du wirst ja wohl kaum erwarten dass ich hier meine Berufsgeheimnisse ausplaudere, oder?“ fragte er.

Heero verengte seine Augen noch mehr und presste seine Lippen kurz fest aufeinander, dann antwortete er, „Mir sind deine ‘Berufsgeheimnisse’ völlig egal. Ich will von dir Einzelheiten zu den Sicherheitseinrichtungen während des Einbruchs wissen. Waren die Alarmanlagen angeschaltet als du eingebrochen bist oder konntest du einfach so hereinspazieren?“

Duo sah ihn einen Moment lang nur an, dann antwortete er, „Sie waren angeschaltet. Ich musste jedes einzelne System ausschalten. Deshalb hab ich ja auch erst gemerkt dass jemand vor mir da war als ich zur leeren Vitrine kam.“

Heero nickte und warf Wufei einen kurzen Blick zu, den dieser erwiderte. In den Augen seines Kollegen konnte Heero erkennen dass dieser erkannt hatte worauf Heero aus war. Gut. Das war eine Eigenschaft die Heero an Wufei sehr schätzte. Er konnte Heeros Gedankengängen problemlos folgen ohne dass Heero sie erst groß erklären musste.

„Was ist mit der Vitrine?“ fuhr Heero mit seiner Befragung fort. „War sie offen?“

Duo runzelte die Stirn in Konzentration. „Nein, war sie nicht. Ich weiß noch wie ich mein Werkzeug ausgepackt habe um sie zu öffnen bevor ich bemerkt habe dass sie leer ist. Also muss sie verschlossen gewesen sein.“

Wieder nickte Heero. Das bestätigte seinen Verdacht nur. „Kannst du dich erinnern ob irgendwelche Spuren an der Vitrine waren? Von Werkzeugen mit denen sie geöffnet worden ist?“

Wieder runzelte Duo die Stirn und überlegte einen Moment. „Ich glaube nicht. Das wäre mir sicherlich aufgefallen. Die Vitrine sah ganz normal aus. Nur dass der Schmuck halt nicht drin war.“

Heero gestattete sich ein leichtes Heben der Mundwinkel. In der Tat, das bestätigte seinen Verdacht immer mehr. Er warf einen kurzen Blick zu Wufei. „Überprüf das,“ sagte er.

Wufei nickte verstehend. „Mach ich.“ Dann wandte er sich um und verließ das Büro. Relena warf noch einen kurzen Blick auf Heero und Duo, dann schloss sie sich Wufei an und schloss die Tür hinter sich.

Heero hatte inzwischen angefangen zwischen dem großen Schreibtisch und dem Sofa hin und her zu wandern. Seine Gedanken widmeten sich voll und ganz dem Fall. Er war sich inzwischen hundertprozentig sicher dass er wusste wer der Täter war. Und wenn er Recht hatte, dann war das wirklich ein ganz schönes Stück. Ziemlich dreist und sehr selbstsicher, aber es hätte durchaus funktionieren können. Das würde es sogar noch immer, wenn er und Wufei keine Beweise fanden.

„Heero?“ riss ihn Duos verwunderte Stimme aus den Gedanken. „Weißt du etwa wer der Täter ist?“

Heero stoppte kurz und warf einen Blick über seine Schulter. „Ja,“ nickte er knapp und nahm seine Wanderung wieder auf.

„Im Ernst?“ Duo klang absolut verblüfft. „Und du hast das aus dem bisschen erfahren was ich eben gesagt habe? Also mir sagt das alles wirklich überhaupt nichts.“

Heero drehte sich mit einem Ruck um. „Hast du etwa geglaubt dass es einfach wäre ‘Detektiv zu spielen’?“ warf er Duo an den Kopf. „Hast du wirklich angenommen nur weil du dich jetzt ‘D.A. Maxwell’ nennst dass du dann automatisch jeden Fall lösen kannst? Wenn es so einfach wäre Kriminalfälle zu lösen dann würde es jeder machen! Begeh nicht den Fehler das hier mit der Realität zu verwechseln. Du spielst hier nur eine Rolle!“

Duo hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut. Reg dich nur nicht auf.“

„Hn,“ knurrte Heero, dann wandte er sich wieder von Duo ab.

Doch offenbar schien Duo nicht zu kapieren dass Heero nicht mit ihm sprechen wollte, denn anstatt stumm zu bleiben fing er wieder an zu sprechen.

„Also, wo es doch jetzt so aussieht als ob der Fall bald gelöst wäre,“ sagte Duo langgezogen und erhob sich vom Sofa um ein paar Schritte auf Heero zuzugehen. „Wie wäre es wenn wir uns da eine kleine Auszeit gönnen und was essen gehen?“

Heero drehte sich mit einem Ruck zu Duo um. „Du willst dass ich mit dir ausgehe?“ vergewisserte er sich ungläubig.

Duo zuckte mit den Schultern und setzte ein charmantes Lächeln auf. „Klar. Warum nicht? Unser letztes Date ist doch ganz gut gelaufen.“

Heero starrte ihn eine Sekunde mit offenem Mund an. Soviel Frechheit hatte ihm für einen Moment tatsächlich die Sprache verschlagen. Doch er fing sich schnell wieder und kniff die Augen zusammen. „Du kapierst es einfach nicht, oder?“ fragte er, und obwohl seine Stimme noch immer einen ungläubigen Unterton hatte, klang sie inzwischen auch noch gefährlich.

Duo blinzelte ihn perplex an und schien nicht die geringste Ahnung zu haben worüber Heero da gerade sprach.

„Es gibt kein ‘Uns’!“ fuhr Heero ihn an. „Es hat nie ein ‘Uns’ gegeben! Dieses Date hat niemals wirklich stattgefunden! Es war von Anfang an eine Lüge! Du hast mich nur benutzt! Du hast mich belogen und betrogen um an Informationen zu kommen! Glaubst du wirklich ich würde dir jetzt einfach so verzeihen nur weil du - für den Moment - auf unserer Seite stehst? Für wie dämlich hältst du mich?“

Duo antwortete nicht sondern starrte Heero nur aus riesigen, überraschten Augen an. Und irgendwie machte Heero dieser Anblick noch viel wütender. Welches Recht hatte Duo so auszusehen als würde er hier zu Unrecht beschuldigt?

„Begeh nur nicht den Fehler zu glauben wir wären jetzt alle ‘Freunde’,“ fauchte Heero und machte einen drohenden Schritt auf Duo zu. „Dein Charme funktioniert vielleicht bei Leuten die dich nicht kennen so wie Huntington oder Claire de la Maire! Aber ich habe dich durchschaut! Du bist nicht unser Freund! Du bist ein Dieb und Betrüger! Ich traue dir nicht ein Stück, und ich werde dich nicht eine Sekunde aus den Augen lassen wenn wir den Schmuck wieder zurück bekommen. Und solltest du auch nur den Anschein machen als wolltest du dich den Juwelen nähern, dann lasse ich dich ins Gefängnis werfen, völlig egal was das für mich und die Kanzlei bedeutet! Verstehst du das? Ich kann es kaum noch erwarten bis dieser Fall endlich vorbei ist und du wieder aus meinem Leben verschwindest!“

Heero hatte die Fäuste geballt und zitterte am ganzen Körper. Die Wut und der Schmerz die in ihm gekocht hatten seit ihm klar geworden war dass Duo nur mit ihm gespielt hatte waren auf einmal hervorgebrochen und hatten Heero dazu gebracht all seine Beherrschung zu verlieren - etwas was ihm noch niemals zuvor passiert war. Noch nicht einmal damals, als sich all seine Kollegen bei der Polizei plötzlich gegen ihn gestellt hatte, hatte er dermaßen die Beherrschung verloren. Aber Duo hatte etwas an sich das ihn jegliche Selbstbeherrschung verlieren ließ.

Noch immer starrte Duo ihn nur aus riesengroßen Augen stumm an, ohne etwas zu sagen. Heero ließ seinen Blick über dieses perfekte Gesicht wandern und schüttelte leicht den Kopf. Es war wirklich ein Jammer dass ausgerechnet der einzige Mann der ihn seit Jahren interessierte sich als Lügner und Betrüger entpuppen musste. Aber alles was Heero dem Langhaarigen soeben an den Kopf geworfen hatte, entsprach der Wahrheit. Es würde schon sehr viel mehr brauchen als diese Zweckgemeinschaft die sie mit Duo eingegangen waren damit Heero diesem verzeihen könnte. Vor allem würde es dafür Vertrauen brauchen, und das war etwas was Heero dem Langhaarigen wirklich nicht entgegenbringen konnte. So etwas musste sich verdient werden, und bisher hatten Duos sämtliche Handlungen eher das Gegenteil bewirkt.

Heero schüttelte erneut den Kopf. Seine Wut war noch lange nicht verflogen, und sie konnten es jetzt wirklich nicht gebrauchen dass er ihrem ‘Chef’ ein blaues Auge verpasste. Also drehte er sich abrupt um und marschierte aus dem Zimmer, bevor er etwas dummes tun konnte. Zurück blieb ein völlig fassungsloser Duo der ihm mit bleichem Gesicht aus großen Augen hinterher blickte.



Fortsetzung folgt